Heinrich [1]

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Heinrich [1]

Heinrich (altd. Haganrih, ¬ĽF√ľrst des umhegten Ortes¬ę; lat. Heinricus oder Henricus, franz. Henri, engl. Henry oder Harry, ital. Enrico), Name zahlreicher F√ľrsten.

Tabelle

[Deutsche Kaiser und K√∂nige.] 1) H. I., der Sachse, geb. um 876, gest. 2. Juli 936, Sohn des Sachsenherzogs Otto, war der erste K√∂nig aus dem s√§chsischen Haus und hatte schon bei Lebzeiten seines Vaters gl√ľcklich gegen die angrenzenden slawischen V√∂lkerschaften und gegen die Ungarn gestritten. Nach Ottos Tode (912) Herzog geworden, war er mit K√∂nig Konrad I., der ihm einen Teil seines Erbes, namentlich Th√ľringen, zu entziehen trachtete, in Kampf geraten und hatte gesiegt. Auf dem Sterbebett empfahl Konrad selbst den ehemaligen Gegner als den der Krone W√ľrdigsten zu seinem Nachfolger: 14. April 919 w√§hlten ihn Franken und Sachsen in Fritzlar zum K√∂nig. Da√ü die F√ľrsten, die H. die Reichsinsignien brachten, ihn beim Vogelsang getroffen, was ihm seit dem 12. Jahrh. den Beinamen der Finkler oder der Vogler eintrug, ist eine sp√§tere Sage, die nur zeigen soll, da√ü H. nicht nach der Krone getrachtet habe. Die ihm vom Erzbischof von Mainz angebotene Salbung durch Priesterhand lehnte H. ab, sorgte f√ľr die Wiederherstellung der innern Einheit des Reiches und bekriegte zuerst den Herzog Burchard von Schwaben, bewog ihn aber (920) durch Zugest√§ndnisse ohne Schwertstreich zur Huldigung. Den m√§chtigen Herzog Arnulf von Bayern, der selbst nach der K√∂nigskrone getrachtet, gewann er 921 durch √úberredung und Einr√§umung fast v√∂lliger Selbst√§ndigkeit; den Herzog Giselbert von Lothringen unterwarf er, nach Verst√§ndigung mit dem franz√∂sischen K√∂nig Karl dem Einf√§ltigen, 925 mit Waffengewalt und verm√§hlte ihn 928 mit seiner Tochter Gerberga. So war der Bestand des Reiches gesichert und die k√∂nigliche Gewalt √ľber die Herzoge der f√ľnf St√§mme (Franken, Sachsen, Lothringer, Schwaben, Bayern) neu befestigt. Es galt nun, auch gegen die Einf√§lle der Nachbarv√∂lker, namentlich der Ungarn und Slawen, das Reich zu sichern. 924 zu neunj√§hriger Waffenruhe und Tributzahlung an die Ungarn gezwungen, benutzte H. die Waffenruhe zur Wiederherstellung der Wehrkraft des deutschen Volkes und zur Sicherung des Reiches durch Anlegung von Burgen. Jeder neunte heerbannpflichtige Mann mu√üte in die Burg ziehen, wo auch Wohnung f√ľr die andern acht sowie Raum zu Einbringung der Ernte in Kriegszeiten vorgesehen war. Zugleich verlegte er die Gauversammlungen, die Gerichte und Festlichkeiten in die Burgorte und f√ľhrte die Wehrpflicht aller Freien durch; sein Hauptaugenmerk aber wendete er auf die Bildung einer kriegsge√ľbten Reiterei, die fortan den Kern des Heerbannes bildete. H. wendete sich mit seiner jungen Kriegsmacht zuerst gegen die Slawen und zwar zun√§chst gegen die Heveller, deren Hauptstadt Brennabor (Brandenburg) er im Winter 92 7/928 nahm, unterwarf die Daleminzier, in deren Gebiet er Mei√üen gr√ľndete, die Wilzen, Lusitzen und Redarier, zwang den B√∂hmenherzog zur Anerkennung seiner Lehnshoheit und unterdr√ľckte einen Aufstand der Wenden 929 durch den Sieg bei Lenzen. Als die ungarischen Gesandten 933 den Tribut einforderten, verweigerte H. mit Zustimmung des s√§chsischen Volkes die weitere Zahlung. Voll Grimm brachen die Ungarn durch Franken in Th√ľringen ein, aber beide Heere wurden geschlagen, das gr√∂√üere in der N√§he von G√∂ttingen, das andre bei Riade an der Unstrut 15. M√§rz so, da√ü das Land 22 Jahre lang von den Feinden verschont blieb. 934 f√ľhrte er einen siegreichen Krieg gegen die D√§nen, stellte die Mark Schleswig wieder her, befestigte den deutschen Einflu√ü im d√§nischen Reich und sicherte seinem Sohne die Nachfolge im Reich. Er starb in Memleben und wurde in der Schlo√ükirche zu Quedlinburg beigesetzt. H. ist der eigentliche Begr√ľnder des Deutschen Reiches, ein Herrscher voll Kraft und Einsicht, voll Besonnenheit und Klugheit. Er verm√§hlte sich 906 mit Hatheburg, der Tochter eines s√§chsischen Grafen Erwin, von der er sich nachher trennen mu√üte, weil sie bereits den Schleier genommen hatte; von ihr hatte er einen Sohn, Thankmar. Die zweite Gemahlin, Mathildis (gest. 968), gebar ihm drei S√∂hne, Otto (I.), Heinrich (s. Heinrich 11) und Bruno, und zwei T√∂chter, Gerberga und Hadwig, die sp√§ter den Herzog Hugo von Francien heiratete. Vgl. Waitz, Jahrb√ľcher des Deutschen Reiches unter K√∂nig H. I. (3. Aufl., Leipz. 1885).

2) H. 11., geb. 6. Mai 973, gest. 13. Juli 1024, Urenkel des vorigen, Sohn Herzog Heinrichs II., des Z√§nkers, von Bayern, war der letzte Kaiser aus dem s√§chsischen Haus. Er erbte nach seines Vaters Tode 995 das Herzogtum Bayern, begleitete 1001 Otto III. nach Rom, bem√§chtigte sich, als dieser in Italien starb, der Reichskleinodien und wurde auch trotz heftigen Widerspruchs mehrerer F√ľrsten, unter denen der Markgraf Eckhard von Mei√üen und der Herzog von Schwaben seine Nebenbuhler waren, vornehmlich auf Betreiben des Erzbischofs Willigis 7. Juni 1002 in Mainz gew√§hlt und gekr√∂nt. Anfangs nur von einigen St√§mmen anerkannt, zog H. durch das Reich und nahm nach und nach √ľberall die Huldigung entgegen. Bald aber hatte er gegen seinen Bruder Bruno sowie gegen Herzog Boleslaw II. von B√∂hmen, den Markgrafen Ernst von √Ėsterreich und den Markgrafen Heinrich von Schweinfurt zu k√§mpfen. Kaum waren 1004 diese Gegner besiegt, da rief die Erhebung des Markgrafen Arduin von Ivrea zum K√∂nig H. nach Italien. Er siegte auch hier und lie√ü sich zu Pavia die Eiserne Krone aufsetzen; nach blutiger Unterdr√ľckung eines Aufstandes in Pavia huldigten ihm auch die italienischen St√§dte. Nach Deutschland zur√ľckgekehrt, vertrieb er den Polenherzog Boleslaw Chrobry aus B√∂hmen, gab dieses Land dem b√∂hmischen Herzogssohn Jaromir zu Lehen, griff Boleslaw in Polen selbst an und zwang ihn im Frieden von Merseburg 1013 zur Anerkennung der deutschen Lehnshoheit, w√§hrend Boleslaw das Lausitzer und Milzener Land behielt. Eine neue Erhebung der Partei Arduins rief H. 1013 abermals nach Italien; im Kampfe gl√ľcklich, zwang er diesen zur Niederlegung der Krone und lie√ü sich in Rom nebst seiner Gemahlin Kunigunde 14. Febr. 1014 vom Papst Benedikt VIII. zum Kaiser kr√∂nen. In Deutschland f√ľhrte er dann aufs neue Krieg gegen Boleslaw von Polen, doch ohne erheblichen Erfolg, denn im Frieden von Bautzen, 30. Jan. 1018, mu√üte er ihm die Ostmarken des Reiches √ľberlassen. Im westlichen Deutschland fand H. in seinem Ringen mit den weltlichen Dynasten eine St√ľtze bei den Bisch√∂fen. Mit dem kinderlosen Herzog Rudolf III. von Burgund schlo√ü er einen Vertrag, demgem√§√ü dieses schon fr√ľher vom K√∂nig lehensr√ľhrige Land nach Rudolfs Tod an das Reich fallen sollte; ein Versuch, den Besitz schon fr√ľher anzutreten, schlug fehl. Einen dritten Kriegszug nach Italien unternahm er 1022, als Papst Benedikt VIII. ihn gegen die Griechen in Unteritalien zu Hilfe rief. H. focht, mit den Normannen vereinigt, gl√ľcklich gegen die Griechen, mu√üte aber wegen einer Seuche, die in seinem Heer ausbrach, nach Deutschland zur√ľckkehren und starb in Grona bei G√∂ttingen. H. wollte die deutsche Kaisermacht im Sinne Ottos I. aus√ľben, begegnete aber vielfachem Widerspruch und √ľberwand ihn nicht, da er seine Kr√§fte zersplitterte. Die Kirche, deren Besitz er durch gro√üe Schenkungen vermehrte, unterwarf er seinem Einflu√ü. Seine Lieblingsidee war die Gr√ľndung des Bistums Bamberg gewesen, die er auch endlich durchsetzte. Sein Grabmal im Dom zu Bamberg s. Tafel ¬ĽGrabm√§ler¬ę, Fig. 11. Im 12. Jahrh. verehrte man ihn als einen besonders frommen Mann, erdichtete die Fabel, da√ü er mit seiner Frau in einer Josephsehe gelebt, und stellte ihn als einen Betbruder dar; Papst Eugen III. sprach ihn 1146 sogar heilig. Diese Tradition verzerrt aber sein Bild ebensosehr wie die Verherrlichung Giesebrechts. Vgl. Hirsch, Jahrb√ľcher des Deutschen Reiches unter H. II. (fortgesetzt von Papst und Bre√ülau, Leipz. 1862‚Äď76, 3 Bde.); Usinger, Zur Beurteilung Heinrichs II. (¬ĽHistorische Zeitschrift¬ę, 1862); Cohn, Kaiser H. 11. (Halle 1867).

3) H. III., geb. 28. Okt. 1017, gest. 5. Okt. 1056, Kaiser Konrads II. und Giselas einziger Sohn, der zweite Kaiser aus dem Hause der Salier, ward 1026 zum deutschen K√∂nig gew√§hlt und 1028 feierlich gekr√∂nt und erhielt 1027 von seinem Vater das Herzogtum Bayern, 1038 das Herzogtum Schwaben, 1039 K√§rnten; nach seines Vaters Tod (4. Juni 1039) trat er sofort die Regierung an. Ein Mann von strengem Ernst, unempf√§nglich f√ľr jeglichen Genu√ü, beherrscht von heftigen Affekten und schrankenlosem Ehrgeiz, streng kirchlich gesinnt, nach allen Seiten Zucht und Unterw√ľrfigkeit fordernd und dadurch imponierend, begann er mit Nachdruck den Kampf f√ľr die Weltherrschaft. Um die k√∂nigliche Macht m√∂glichst unabh√§ngig zu machen, behielt er die heimgefallenen Herzogt√ľmer entweder f√ľr sich und seine Familie, oder vergab sie, wie Bayern und K√§rnten, an minder m√§chtige F√ľrsten; dem Herzog Bernhard von Sachsen gab er in dem Erzbischof Adalbert von Bremen mindestens ein m√§chtiges Gegengewicht. Im Osten bekriegte er 1039 den Herzog BŇôetislaw von B√∂hmen, der einen Beutezug gegen Polen gemacht, Breslau zerst√∂rt und Krakau ausgepl√ľndert hatte, und zwang ihn, 1042 zu Regensburg sein Herzogtum von ihm zu Lehen zu nehmen. Um seinen Sch√ľtzling, K√∂nig Peter von Ungarn, den die Ungarn vertrieben hatten, wieder auf den Thron zu setzen, unternahm H. mehrere Feldz√ľge nach Ungarn, eroberte Pre√üburg und drang 1042 bis Gran und 1043 bis Wien vor. 1044 folgte ein neuer Feldzug, auf dem er die Ungarn an der Raab besiegte und Peter, der ihn als seinen Oberlehnsherrn anerkannte, wieder auf den Thron setzte. Damals kam das Land zwischen Fischa und Leitha an die Mark √Ėsterreich. Nach Peters abermaliger Vertreibung bestieg Andreas 1047 den ungarischen Thron, den zu st√ľrzen H. nicht gelang. Auch im Innern Deutschlands erhoben sich Gegner, die H. trotz aller scharfen und energischen Ma√üregeln nicht dauernd niederzuhalten vermochte. Der Herzog Gottfried von Niederlothringen, der nach seines Vaters Tode auch Oberlothringen an sich rei√üen wollte, entzog sich nach mehrj√§hrigem wechselnden Kampf endlich 1053 dem Machtbereich Heinrichs, indem er in Italien durch Heirat Tuscien gewann; ebensowenig bezwang H. den widerstrebenden Grafen Balduin von Flandern. H. war ein Anh√§nger und Freund der cluniacensischen Bewegung, die eine Reform der Kirche anstrebte. Um die Kirchenspaltung zu beseitigen, bewirkte er 1046 auf einer Versammlung der Bisch√∂fe zu Sutri in Italien die Absetzung der drei P√§pste Benedikt IX., Silvester III. und Gregor VI. und die Ernennung des deutschen Bischofs Suitger von Bamberg als Papst Clemens II., der dann H. in Rom zum Kaiser kr√∂nte. Clemens wie seine ebenfalls durch den Kaiser eingesetzten Nachfolger Damasus II., Leo IX. und Viktor II. unterst√ľtzten H. in seinem Streben, den Gebrechen der Kirche abzuhelfen und das Leben der Geistlichkeit kirchlich einzurichten. Doch gerade dadurch wuchs das Ansehen der Kirche und des Papsttums, das nun seinerseits mit dem Kaisertum um die Herrschaft √ľber die Christenheit zu streiten begann. Nachdem sein Sohn Heinrich 1053 zum Nachfolger ernannt worden war, starb H. in Bodfeld am Harz. H. war ein eifriger F√∂rderer und Besch√ľtzer der Wissenschaften und K√ľnste, stiftete zahlreiche Klosterschulen und baute die Dome zu Worms, Mainz und Speyer. Er war seit 1036 verm√§hlt mit Gunhild, der Tochter Knuts d. Gr. von England und D√§nemark, seit 1043 mit Agnes von Poitou, Tochter des Herzogs Wilhelm III. von Guienne. Vgl. Steindorff, Jahrb√ľcher des Deutschen Reichs unter H. III. (Leipz. 1874‚Äď81, 2 Bde.); E. M√ľller, Das Itinerar Kaiser Heinrichs III. (Berl. 1901).

4) H. IV., Sohn des vorigen, geb. 11. Nov. 1050, gest. 7. Aug. 1106, ward 1053 zu seines Vaters Nachfolger erw√§hlt und 1054 in Aachen gekr√∂nt. Nach seines Vaters Tod (5. Okt. 1056) stand er anfangs unter Vormundschaft seiner Mutter Agnes, der damit auch die Regierungsgesch√§fte zufielen. Doch Agnes, der schwierigen Aufgabe nicht gewachsen, gab, um sich unter den F√ľrsten Anh√§nger zu verschaffen, dem Herzog Gottfried das ihm von ihrem Gemahl entrissene Lothringen zur√ľck, verlieh dem Grafen Rudolf von Rheinfelden 1057 das Herzogtum Schwaben und entsch√§digte den Grafen Bertold von Z√§hringen, der von Heinrich III. die Anwartschaft darauf erhalten hatte, 1061 mit K√§rnten; der einflu√üreiche s√§chsische Graf Otto von Nordheim erhielt 1060 das erledigte Herzogtum Bayern. Andre Gro√üe, an ihrer Spitze der Erzbischof Anno von K√∂ln, f√ľhlten sich durch den Bischof Heinrich von Augsburg, den Ratgeber der Kaiserin, um ihren Einflu√ü gebracht, suchten die Reichsverwaltung in ihre H√§nde zu bringen, lockten im Mai 1062 den jungen K√∂nig bei Kaiserswerth auf ein Schiff und entf√ľhrten ihn trotz seines Widerstrebens nach K√∂ln. Anno nahm darauf, der Klagen der Kaiserin nicht achtend, die Erziehung Heinrichs und die Reichsregierung in die Hand. Mit dieser Gewalttat begann die Verwirrung und Zwietracht im Reich, zumal da Anno die k√∂niglichen Rechte gegen√ľber der Kirche preisgab. Annos Herrschsucht erregte bald gro√üe Unzufriedenheit; dies erleichterte es dem ehrgeizigen Erzbischof Adalbert von Bremen, ebenfalls Einflu√ü auf die Erziehung des K√∂nigs zu gewinnen. Doch war seine nachsichtsvolle Milde, die sich den erwachenden Leidenschaften und Launen des Z√∂glings anbequemte, der Charakterbildung des K√∂nigs ebensowenig n√ľtzlich wie Annos H√§rte. Adalbert, dem H. als einem Freunde seines Vaters pers√∂nlich n√§her trat, lie√ü den 14j√§hrigen H. nach der R√ľckkehr von seinem ersten Feldzug gegen die Ungarn 1065 zu Worms in feierlicher F√ľrstenversammlung f√ľr m√ľndig erkl√§ren und regierte nun f√ľr ihn in der Absicht, die k√∂niglichen Herrschaftsrechte in ihrem alten Umfang herzustellen und noch zu verst√§rken. Da bildeten die F√ľrsten eine neue Verschw√∂rung und zwangen auf einem Reichstage zu Tribur 1066 H., sich von Adalbert zu trennen und ihnen die Reichsverwaltung zu √ľberlassen. W√§hrend diese nun eigenn√ľtzig regierend die Verwirrung steigerten, begann der junge K√∂nig einen z√ľgellosen Lebenswandel. Die F√ľrsten zwangen ihn daher 1066 zur Verm√§hlung mit Berta, Tochter des Markgrafen von Susa, und beschr√§nkten ihn sehr in seinem √∂ffentlichen und privaten Leben. H. versuchte sich von der Vormundschaft der F√ľrsten und der l√§stigen Ehe zu befreien, trug 1069 auf Scheidung der Ehe an, aber die F√ľrsten, unterst√ľtzt durch einen p√§pstlichen Legaten, zwangen ihn, seine Gattin zu behalten; widerwillig f√ľgte er sich, und nach und nach entstand auch ein gutes Verh√§ltnis zwischen den Gatten; er begegnete ihr, seit sie ihm einen Sohn geboren hatte (1071), mit Achtung. √úberhaupt begann H. 1070 einen eignen Willen zu zeigen. Er zog Adalbert wieder an den Hof; den Herzog Otto von Bayern klagte er an, einen Mordanschlag gegen ihn gemacht zu haben, und erkl√§rte ihn, als er vor dem Reichstag zu Mainz nicht erschien, seines Herzogtums (das Welf erhielt) f√ľr verlustig, verw√ľstete seine G√ľter in Th√ľringen und hielt ihn gerade wie seinen Verb√ľndeten, den Herzog Magnus von Sachsen, nach einer scheinbaren Auss√∂hnung gewisserma√üen an seinem Hof gefangen. Demselben Los entging Herzog Rudolf von Schwaben nur mit M√ľhe. K√∂nig H. zeigte den entschiedensten Willen, die selbst√§ndigen Herzoge unter das K√∂nigtum zu beugen und sie gegebenenfalls abzusetzen; so verlor Herzog Bertold von K√§rnten sein Herzogtum. Zur Sicherung seiner Herrschaft legte H. in Sachsen und Th√ľringen viele feste Schl√∂sser an, um damit die Umwohner im Zaum zu halten. Von den erbitterten F√ľrsten und Bisch√∂fen, besonders Otto von Nordheim, aufgereizt, emp√∂rten sich 1073 die Sachsen. Der K√∂nig, in der Harzburg eingeschlossen, entkam zwar, aber da die meisten weltlichen und geistlichen Gro√üen ihm keinen Beistand leisteten, mu√üte er im Frieden von Gerstungen (1074) versprechen, √ľber Ottos Sache binnen Jahresfrist ein F√ľrstengericht entscheiden zu lassen und die Zwingburgen zu zerst√∂ren. Diese Dem√ľtigung des K√∂nigtums durch die F√ľrsten war H. unertr√§glich, und aus der Kirchensch√§ndung der Sachsen bei der Zerst√∂rung der Harzburg leitete er das Recht ab, den Heerbann gegen sie aufzubieten. Er besiegte sie 9. Juni 1075 bei Hohenburg an der Unstrut, bewilligte erst nach bedingungsloser Unterwerfung den nachgesuchten Frieden und bestrafte die F√ľrsten und die Geistlichen, die sich am Aufstand beteiligt hatten. Pers√∂nlich zeigte er sich heftig, j√§hzornig und rachs√ľchtig, hielt an seinen Hoheitsrechten √ľber geistliche und weltliche F√ľrsten fest und war bei diesen wie bei den Sachsen deshalb grimmig geha√üt. Die Herzoge, besonders Rudolf von Schwaben, f√ľrchteten seinen strafenden Arm, und das Papsttum, das unter Hildebrands Leitung w√§hrend der Jugend Heinrichs 1056‚Äď70 die Weltherrschaft an sich zu rei√üen begonnen hatte, war jetzt besorgt vor des K√∂nigs kr√§ftigem Auftreten. Gregor VII. wollte vereint mit den Unzufriedenen in Deutschland den K√∂nig unter seine Herrschaft beugen und mischte sich seit 1075 direkt in die deutschen Verh√§ltnisse ein. Er legte F√ľrsprache f√ľr die Sachsen ein, forderte Freilassung der gefangenen Geistlichen und die Beseitigung der Laieninvestitur. Das k√∂nigliche Ernennungsrecht der Bisch√∂fe, woran H. mit vollem Recht und mit klarer Erkenntnis seiner Bedeutung festhielt, wurde nun das Objekt des Kampfes zwischen K√∂nigtum und Papsttum. Nachdem Gregor schon einigemal mildere Zuschriften an H. erlassen, erhob er in einem Schreiben vom Dezember 1075 eine Menge Anklagen gegen H. und forderte in schroffem Ton sofortigen Gehorsam gegen die Kirche. Dies reizte den K√∂nig, er nahm den Kampf an; 24. Jan. 1076 auf einer Versammlung in Worms wurde der Papst f√ľr abgesetzt erkl√§rt. Gregor sprach darauf den Bann √ľber H. (22. Febr. 1076) aus und entband die V√∂lker vom Gehorsam gegen ihn. H., diese Kundgebungen anfangs unterst√ľtzend, sah schon im Sommer 1076, wie des Papstes Manifeste, durch eine zahlreiche Literatur aus den Kreisen cluniacensischer M√∂nche unterst√ľtzt, in Deutschland Anklang fanden; die fr√ľher schon zur Emp√∂rung geneigten F√ľrsten schlugen sich auf des Papstes Seite. Ein F√ľrstentag in Tribur bestimmte im Oktober 1076, da√ü die Sache des K√∂nigs im Februar 1077 auf einem Reichstag in Augsburg unter dem Vorsitz des Papstes entschieden werden und er sich bis dahin der Regierung enthalten solle. Von allen Mitteln entbl√∂√üt, f√ľgte H. sich diesem Spruch, um seine sofortige Absetzung zu vermeiden, erwirkte aber, um seiner von den F√ľrsten geplanten schmachvollen Dem√ľtigung auf dem Reichstag zuvorzukommen, seine alsbaldige Losl√∂sung vom Bann, und begab sich im Winter 1077, nur von seiner Gemahlin und seinem Sohne begleitet, bei strenger K√§lte nach Italien. Er traf den Papst im Schlo√ü Canossa bei der Markgr√§fin Mathilde und mu√üte drei Tage lang (25.‚Äď27. Jan. 1077) barfu√ü und in h√§renem Gewand im Hof des Schlosses auf die Gnade des Papstes warten, der erst am vierten Tag (28. Jan.) dem Dr√§ngen seiner Umgebung nachgab und gegen das Versprechen, den deutschen F√ľrsten Genugtuung zu leisten, den Bann aufhob. H. schwur Gehorsam, fa√üte aber alsbald, von den lombardischen Gro√üen noch mehr aufgeregt, den Plan, die erlittene Schmach zu r√§chen.

Die F√ľrsten hatten trotz Heinrichs Befreiung vom Bann unterdes auf dem F√ľrstentag zu Forchheim den Herzog Rudolf von Schwaben zum deutschen K√∂nig gew√§hlt; H. kehrte nach Deutschland zur√ľck, gewann schnell die Volksgunst wieder und sammelte aus den B√ľrgern der St√§dte sowie aus dem Landvolk Bayerns, B√∂hmens und K√§rntens bald ein ansehnliches Heer. Zwar fielen die Schlachten bei Mellrichstadt 1078 und bei Zeitz 1080 zu Heinrichs Nachteil aus, aber Rudolf starb kurz nach der letzten Schlacht an seinen Wunden, und so war H. wieder alleiniger Herrscher. Vom Papst aufs neue gebannt, erwirkte er doch auf zwei Versammlungen deutscher Bisch√∂fe zu Mainz und zu Brixen Gregors VII. Absetzung und die Wahl eines neuen Papstes, Clemens' III. Jetzt r√§chte sich H., zog mit einem m√§chtigen Heer √ľber die Alpen (1081), erhielt in Mailand die lombardische K√∂nigskrone, verw√ľstete das Land der Markgr√§fin Mathilde, eroberte Florenz und erschien Pfingsten vor Rom. Die Belagerung Roms aber ging nur langsam vorw√§rts, erst im M√§rz 1084 wurde er Herr der Stadt und lie√ü sich am Osterfest 1084 von Clemens III. zum r√∂mischen Kaiser kr√∂nen. Gregor VII. hatte sich in die Engelsburg gefl√ľchtet und rief den Normannenherzog Robert Guiscard zu Hilfe, worauf H. von Rom abzog. In Deutschland war w√§hrend Heinrichs Abwesenheit an Rudolfs Stelle im August 1081 von der F√ľrstenopposition Graf Hermann von L√ľtzelburg in Bamberg zum K√∂nig gew√§hlt worden. Indes war der gr√∂√üte Teil der Deutschen jetzt H. g√ľnstiger gesinnt; auch die Sachsen und Th√ľringer unterwarfen sich ihm wieder (1085). Zwar verlor H. 11. Aug. 1085 die Schlacht bei W√ľrzburg gegen Hermann und den Herzog Welf von Bayern, aber die Mehrheit der deutschen Bisch√∂fe ergriff 1085 auf einer Synode in Mainz f√ľr H. Partei, und in S√ľddeutschland hatte H. an Friedrich von Staufen, den er 1079 zum Herzog von Schwaben erhoben, einen wackern Vork√§mpfer. So fiel das √úbergewicht nach und nach auf die kaiserliche Seite, der schwache Gegenk√∂nig Hermann legte 1088 freiwillig seine W√ľrde nieder. Von einem gef√§hrlichern Feinde, dem Markgrafen Eckbert von Mei√üen, der sich selbst als Gegenk√∂nig aufgestellt und H. in mehreren Gefechten geschlagen hatte, befreite ihn 1089 dessen Ermordung. In Deutschland schien damit die Flamme des B√ľrgerkrieges zu erl√∂schen. Unterdessen war auch Gregor VII. gestorben (25. Mai 1085), und der von seiner Partei erw√§hlte Papst Viktor III. (1085 bis 1088) sowie nach dessen baldigem Tode Urban II. (1088‚Äď99) befehdeten den von H. eingesetzten Papst Clemens III. H. zog deshalb 1090 wieder nach Italien, eroberte Mantua und besiegte auch Welf, den Gemahl der Markgr√§fin Mathilde, mehrmals. Doch sein eigner Sohn Konrad, von der Gegenpartei gegen den Vater gewonnen, lie√ü sich 1093 zum K√∂nig von Italien kr√∂nen, w√§hrend sich zugleich die Lombarden in Verbindung mit dem Herzog Welf aufs neue erhoben. H. zog sich tatenlos in die Gegenden √∂stlich der Etsch zur√ľck, und als Urban die abendl√§ndische Christenheit mit seinem Kreuzzugsruf zu kirchlichem Eifer entflammte, verharrte H. in Unt√§tigkeit, ohne die gro√üe kirchliche Bewegung, die der Welt den Sieg des Papsttums ank√ľndigte, hemmen zu k√∂nnen. Erst im Fr√ľhjahr 1097 kehrte er nach Deutschland zur√ľck, gewann durch Zugest√§ndnisse die m√§chtigsten F√ľrsten, unter ihnen selbst den Herzog Welf, so da√ü sogar sein zweiter Sohn, Heinrich, zu K√∂ln (1098) zum deutschen K√∂nig gew√§hlt wurde. Die Ruhe war damit in Deutschland f√ľr einen Augenblick wiederhergestellt, aber der neue Papst, Paschalis II., tat H. aufs neue in den Bann, und die Gro√üen Bayerns bewogen 1104 seinen geliebtesten Sohn, Heinrich, zur Emp√∂rung gegen den Vater. So standen sich Vater und Sohn im Felde gegen√ľber; dem Vater hing vornehmlich das B√ľrgertum an, dem Sohn die Mehrzahl der F√ľrsten. Durch List geriet H. in die Gefangenschaft des Sohnes und mu√üte 31. Dez. 1105 in Ingelheim f√∂rmlich seine Abdankung erkl√§ren. Er entkam zwar noch einmal der Hast, floh nach L√ľttich und gedachte den Verrat des Sohnes zu bestrafen; ehe es aber zu neuem Krieg kam, starb er in L√ľttich. Der Bischof von L√ľttich lie√ü ihn einstweilen beisetzen; aber Heinrich V. befahl, den Leichnam nach Speyer zu bringen, wo derselbe f√ľnf Jahre lang in einer nicht geweihten Seitenkapelle des Doms in einem steinernen Sarg unbestattet stand, bis der Papst 1111 den Toten vom Bann lossprach und seine Beisetzung im Dom erlaubte. H. war verm√§hlt zuerst seit 1066 mit Berta, der Tochter des Markgrafen Otto von Susa, die ihm au√üer den genannten S√∂hnen Konrad (gest. 1101) und Heinrich eine Tochter, Agnes, Gemahlin des ersten staufischen Herzogs von Schwaben, gebar und 1087 starb, sodann seit 1089 mit Adelheid (Praxedis), der Tochter des russischen F√ľrsten Wsewolod, Witwe des Markgrafen Udo von der Nordmark, die 1095 starb. H. k√§mpfte f√ľr die Erhaltung der deutschen K√∂nigsmacht gegen die Unbotm√§√üigkeit der deutschen F√ľrsten und gegen die hierarchischen Tendenzen des Papsttums; seine Gegner waren Partikularismus und Ultramontanismus, und ihren vereinigten, mit Hinterlist und Gewalt ausgef√ľhrten Angriffen erlag er. Gleichwohl hat er durch seinen Widerstand den Sieg des Papsttums erheblich verz√∂gert und die v√∂llige Unterwerfung Deutschlands unter die Hierarchie verhindert. Vgl. Floto, H. IV. und sein Zeitalter (Stuttg. 1855‚Äď57, 2 Bde.); Meyer v. Knonau, Jahrb√ľcher des Deutschen Reichs unter H. IV. und Heinrich V. (Leipz. 1890‚Äď1904, 5 Bde.); Kilian, Itinerar Kaiser Heinrichs IV. (Karlsr. 1886).

5) H. V., Sohn des vorigen, geb. 8. Jan. 1081, gest. 23. Mai 1125, ward 1098, als sein √§lterer Bruder, Konrad, sich gegen den Vater emp√∂rt hatte, zum r√∂mischen K√∂nig erw√§hlt und 1104 von den Gegnern Heinrichs IV. zu offener Emp√∂rung verleitet. Den Vater zwang er 31. Dez. 1105 zur Abdankung, wurde 6. Jan. 1106 in Mainz zum K√∂nig erkl√§rt, allgemein aber erst nach Heinrichs IV. Tode anerkannt. Des Vaters Anh√§nger lie√ü er f√ľr ihre Treue b√ľ√üen, so die Stadt K√∂ln durch eine Geldstrafe und den Herzog von Lothringen durch den Verlust seines Herzogtums. Den Frieden in Deutschland stellte er bald her; aber sein Versuch, die deutsche Lehnshoheit √ľber B√∂hmen, Ungarn und Polen zu erneuern, schlug fehl. Da H. 1104 und 1105 als Anh√§nger der p√§pstlichen Partei aufgetreten war, hatte man gehofft, er werde bald den Investiturstreit beendigen. Doch Papst Paschalis 11. sprach das Prinzip des Verbots der Laieninvestitur noch einmal sehr bestimmt auf der Synode zu Guastalla aus (1106), und H. investierte trotzdem fernerhin deutsche Bisch√∂fe. Da der Papst auf friedliche Vermittelung nicht einging, vielmehr auf der Lateransynode von 1110 seine prinzipiellen Erkl√§rungen wiederholte, zog H. 1110 mit 30,000 Mann nach Italien, lie√ü sich auf den Ronkalischen Feldern von den oberitalienischen St√§dten huldigen und r√ľckte gegen Rom. In Sutri vereinbarte H. mit Paschalis, da√ü die Kirche alle vom Reich empfangenen G√ľter und f√ľrstlichen Rechte zur√ľckgeben und daf√ľr dann der Kaiser auf die Investitur verzichten solle. Dieses sogen. Konkordat von Sutri (dessen Inhalt auf eine Trennung von Kirche und Staat hinauslief) war aber unausf√ľhrbar, und als es nach dem Einzug des K√∂nigs in Rom 12. Febr. 1111 in der Peterskirche beschworen werden sollte, erhoben die Kirchenf√ľrsten Widerspruch dagegen. Als sich nun der Papst weigerte, H. zu kr√∂nen, lie√ü ihn dieser nebst den meisten Kardin√§len gefangen nehmen. Die R√∂mer vertrieben zwar die Deutschen aus Rom; aber der Papst gestand endlich dem Kaiser die Investitur der Bisch√∂fe und √Ąbte zu, worauf er, in Freiheit gesetzt, 13. April 1111 H. kr√∂nte. Kaum aber war der Kaiser nach Deutschland zur√ľckgekehrt, erkl√§rte die Lateransynode im M√§rz 1112 das Zugest√§ndnis des Papstes f√ľr ung√ľltig, und im September d. J. belegte die Synode zu Vienne den Kaiser H mit dem Bann. H. stand damals im Krieg gegen die s√§chsischen Gro√üen wegen Einziehung der ortam√ľndischen Erbschaft und wurde nach mehreren Siegen 1115 am Welfesholz an der Wipper geschlagen. Der p√§pstliche Bann wirkte auf die Stimmung der Deutschen; man verlangte allgemein nach Frieden mit dem Papst. 1116 zog H. wieder mit Heeresmacht nach Italien, bem√§chtigte sich der Besitzungen der verstorbenen Markgr√§fin Mathilde und vertrieb den Papst aus Rom. Nach Paschalis' 11. Tode (1118) wurde dem vom Kaiser erhobenen Papst Gregor VIII. von der Priesterpartei Gelasius II. entgegengestellt, der den Bann gegen H. erneuerte. Unterdessen hatte in Deutschland der innere Krieg fortgedauert. Zwar stellte H. 1119 den Frieden her, indem er auf Verhandlungen mit dem Papst einzugehen und in Deutschland den fr√ľhern Besitzstand wieder auszurichten versprach; aber der an Gelasius' II. Stelle gew√§hlte Papst Calixtus 11. bannte H. nach einigen fruchtlosen Unterhandlungen ebenfalls. Auf dem Reichstag in W√ľrzburg kam 1121 endlich der Reichsfriede und ein allgemeiner Ausgleich zustande. Die F√ľrstenpartei vermittelte den Frieden mit der Kirche; ein Kompromi√ü schien m√∂glich, wenn man die geistliche und weltliche Seite in den bisch√∂flichen √Ąmtern unterschied: auf diesem Grunde wurde auf einem mit Synode verbundenen Reichstag in Worms 23. Sept. 1122 das Konkordat errichtet, wonach die Bisch√∂fe von den Domkapiteln gew√§hlt und vom Papst durch Verleihung von Ring und Stab best√§tigt werden, dem Kaiser aber die weltliche Belehnung der Gew√§hlten mittels des Zepters zustehen solle. Nach Beendigung dieses Streites nahmen den Kaiser noch einzelne Fehden im Innern in Anspruch, namentlich in Mei√üen, wo Konrad von Wettin dem Grafen Wiprecht von Groitzsch die diesem vom Kaiser verliehene Markgrafschaft streitig machte. Die Stadt Worms lehnte sich gegen H. auf, der sie belagerte und eroberte; doch starb er bald darauf in Utrecht. Sein Leichnam ward zu Speyer beigesetzt. Er war in kinderloser Ehe verm√§hlt mit Mathilde, Tochter des K√∂nigs Heinrich I. von England, die sp√§ter den Grafen von Anjou heiratete und Stammutter der Plantagenets wurde (s. Mathilde 2). H. besa√ü eine herrschs√ľchtige Natur und starken Charakter, war unerbittlich und streng, mi√ütrauisch und selbst unzuverl√§ssig, daher keineswegs beliebt. Mit ihm erlosch das salische oder fr√§nkische Kaisergeschlecht. Vgl. Gervais, Geschichte Deutschlands unter H. V. und Lothar II., Bd. 1 (Leipz. 1841); Bernheim, Zur Geschichte des Wormser Konkordats (G√∂tting. 1878).

6) H. VI., geb. 1165, gest. 28. Sept. 1197, √§ltester Sohn Kaiser Friedrichs I. von dessen zweiter Gemahlin, Beatrix von Burgund, 15. Aug. 1169 zum K√∂nig erw√§hlt, besa√ü einen zarten K√∂rper und ernste Gesichtsz√ľge, dabei klaren Verstand und gro√üe Willensst√§rke und eine bedeutende Geistesbildung. In allen ritterlichen K√ľnsten ge√ľbt, hat er sich auch als Minnesinger versucht, nahm in fr√ľhester Jugend an den italienischen Kriegsfahrten des Vaters teil und wurde 1186 durch seine Verm√§hlung mit Konstanze von Sizilien, der Tochter des K√∂nigs Roger, an die Schicksale und die politischen Verh√§ltnisse Italiens gefesselt, denn die Erwerbung Siziliens sollte den Staufern den in Oberitalien verloren gegangenen Einflu√ü auf die Halbinsel und vor allem auf Rom sichern. Als Friedrich 1189 nach Pal√§stina zog, √ľbertrug er H. die Verwaltung des Reiches, der sofort gegen Heinrich den L√∂wen zu k√§mpfen hatte. Durch seines Vaters Tod (10. Juni 1190) Beherrscher Deutschlands geworden, zog er sofort nach Italien, wo ihn 15. April 1191 zu Rom C√∂lestin III. zum Kaiser kr√∂nte. Nun wollte er nach dem Tode des K√∂nigs Wilhelm II. von Sizilien (16. Nov. 1189), des letzten legitimen m√§nnlichen Sprosses des normannischen K√∂nigshauses, 1191 die Regierung des K√∂nigreichs antreten; allein es erstand ihm in Tancred von Lecce, dem Enkel des K√∂nigs Roger II., ein von den Normannen unterst√ľtzter Gegner. Neapel war trotz mehrmonatiger Belagerung nicht zu erobern; eine furchtbare Seuche vernichtete einen gro√üen Teil des deutschen Heeres, und Konstanze geriet in feindliche Gefangenschaft. Inzwischen hatte in Deutschland Heinrich der L√∂we die Gegner der Staufer gesammelt und begann den Krieg, aber die Gefangennahme des englischen K√∂nigs Richard L√∂wenherz durch Leopold von √Ėfterreich, der ihn dem Kaiser auslieferte, l√§hmte die welfische Partei. Schlie√ülich glich eine Wechselheirat zwischen Heinrichs des L√∂wen Sohn und des Kaisers Base Agnes den Gegensatz der feindlichen H√§user in Deutschland etwas aus, und der englische K√∂nig wurde 1194 gegen hohes L√∂segeld aus der Gefangenschaft entlassen. H. kehrte darauf nach Italien zur√ľck, wo Tancred und sein √§ltester Sohn, Roger, gestorben waren, und nahm mit Gewalt von seinem sizilischen Erbreich Besitz; jeder Widerstand wurde mit unbarmherziger Strenge niedergeschlagen, zahlreiche normannische Gro√üe grausam hingerichtet, geblendet oder in den Kerker geworfen; Tancreds Familie ward gefangen nach Deutschland gef√ľhrt. H., entschlossen, das Kaisertum wieder zu gebietender Weltstellung zu erheben, fand Widerstand bei seinem Versuche, sein √úbergewicht zur Herstellung einer erblichen Monarchie und Abschaffung des Wahlreichs zu benutzen, bei den deutschen F√ľrsten auf den Reichstagen zu Worms und W√ľrzburg 1196. Doch wurde Heinrichs junger Sohn, Friedrich, zum K√∂nig gew√§hlt. Obwohl Papst C√∂lestin den in Italien √ľberm√§chtigen H. gebannt hatte, unterst√ľtzte dieser doch die neue Kreuzpredigt, welche die deutschen F√ľrsten zu einer Fahrt nach dem Orient ausrief, nahm selbst das Kreuz und dachte sogar an eine Eroberung des griechischen Kaiserreichs, um von da aus sich des gesamten Orients zu bem√§chtigen. An der Spitze der deutschen F√ľrsten kam der staatskluge Erzbischof Konrad von Mainz mit einem Heer nach Italien, womit der Kaiser einen neuen Aufstand in Sizilien unterdr√ľckte, aber sein fr√ľher Tod hinderte H. an der Ausf√ľhrung seiner gro√üen Weltherrschaftspl√§ne. Sein Sarkophag steht in der Kathedrale zu Palermo. Sein einziger Sohn war Friedrich II., damals dreij√§hrig. Chr. Grabbe hat H. 1830 in einem Drama verherrlicht. Vgl. Toeche, Kaiser H. VI. (Leipz. 1867); M√ľcke, H. VI. nach Otto von St. Blasien, Arnold von L√ľbeck und den K√∂lner Annalen dargestellt (Erfurt 1876); Ficker, √úber das Testament Kaiser Heinrichs VI. (Wien 1871); Bloch, Forschungen zur Politik Kaiser Heinrichs VI. 1191‚Äď1194 (Berl. 1892); Maire, W√ľrdigung Kaiser Heinrichs VI. (das. 1903).

7) H. (als r√∂mischer K√∂nig H. VII.), geb. 1211, gest. 12. Febr. 1242, √§ltester Sohn Kaiser Friedrichs II. von dessen erster Gemahlin, Konstanze von Aragonien, schon als Kind zum K√∂nig von Sizilien gekr√∂nt, ward zu Frankfurt 1220 zum deutschen K√∂nig gew√§hlt, obgleich die P√§pste die Trennung Siziliens von Deutschland zur Bedingung ihrer Freundschaft f√ľr den Kaiser gemacht hatten. Am 8. Mai 1221 von dem K√∂lner Erzbischof Engelbert in Aachen gekr√∂nt, blieb H. in Deutschland als Reichsverweser des Kaisers unter Leitung eines F√ľrstenrats und verm√§hlte sich 1225 mit der sechs Jahre √§ltern Tochter Leopolds von √Ėsterreich, Margareta von Babenberg. Bei dem Kampfe des Lombardenbundes gegen Friedrich II. bedrohte er, aufgereizt von mehreren Ministerialen, mit mehreren deutschen F√ľrsten auf Antrieb Gregors IX. den Vater und verharrte in Unbotm√§√üigkeit, nachdem ihm schon einmal verziehen worden war. Er wollte sich zum selbst√§ndigen Beherrscher Deutschlands machen, verlor aber, als Friedrich II. nach Deutschland kam, seinen Anhang, wurde im Juli 1235 vom Vater gefangen und nach Apulien, endlich nach Martirano in Kalabrien gef√ľhrt und starb dort; er ist in Cosenza beigesetzt. Aus seiner Ehe stammten zwei S√∂hne, Friedrich und Heinrich, deren erstern Kaiser Friedrich II. nach dem Aussterben des babenbergischen Mannesstammes mit den √∂sterreichischen Herzogt√ľmern testamentarisch belehnte, ohne da√ü er sich in den Besitz derselben zu setzen vermochte. Beide Br√ľder starben um 1251 in Italien. Vgl. Rohden, Der Sturz Heinrichs VII. (in den ¬ĽForschungen zur deutschen Geschichte¬ę, Bd. 22, G√∂tting. 1883).

8) H. Raspe, s. Heinrich 56).

9) H. V II. von Luxemburg, Begr√ľnder der luxemburgischen Kaiserdynastie, geb. 1269, gest. 24. Aug. 1313, der Sohn des in der Schlacht bei Worringen 1288 gefallenen Grafen Heinrich III. von L√ľtzelburg und der Beatrix von Avesnes, war seit 1292 verm√§hlt mit des Herzogs Johann von Brabant Tochter Margareta, wodurch der fr√ľhere niederrheinische Dynastenstreit seinen beruhigenden Abschlu√ü fand. H. verdankte seine Wahl zum K√∂nig (gew√§hlt 27. Nov. 1308, zu Aachen 6. Jan. 1309 gekr√∂nt) dem Erzbischof Peter von Aspelt von Mainz und dem Erzbischof Balduin von Trier, seinem Bruder. Die neben H. in Betracht gekommenen Bewerber von Brandenburg und Sachsen sowie die √∂sterreichischen Herzoge, die S√∂hne Kaiser Albrechts I., erkannten ihn bereitwillig an, nur in B√∂hmen war der nach dem Aussterben der Przemysliden von einem Teil der St√§nde zum K√∂nig erw√§hlte Heinrich von K√§rnten dem neuen Herrscher feindlich. Wenzels III., des letzten przemyslidischen K√∂nigs, j√ľngere Schwester, Elisabeth, suchte Schutz und Hilfe bei Kaiser H. gegen den k√§rntnerischen Herzog, ihren Schwager, und verm√§hlte sich mit Heinrichs Sohn Johann, dem der Kaiser als oberster Lehnsherr 1310 B√∂hmen √ľbertrug, und dem die Geistlichkeit (besonders die m√§chtigen Cistercienser), die St√§dte und ein gro√üer Teil der Herren in B√∂hmen rasch sich zuwandten. Nachdem H. durch Herstellung der Rheinz√∂lle sich der rheinischen Kurf√ľrsten versichert und den Frieden mit Frankreich durch den Verzicht auf Arelat und Lyon erkauft, ging er im September 1310 von Kolmar √ľber Burgund und den Mont Cenis nach Italien, wo ihm ghibellinische Hoffnungen, in Dantes Worte und Sprache gekleidet, √ľberall entgegenkamen. In Mailand mit der eisernen Krone gekr√∂nt, erzwang er durch die Z√ľchtigung Brescias 1311 den Gehorsam der Lombardei. Aber seine Stellung war schwierig, denn von den Legaten des Avignonschen Papstes Clemens V. begleitet, von der franz√∂sischen Politik eifers√ľchtig bewacht, von den Anjous in Neapel offen und heimlich befehdet, mu√üte er zun√§chst die Guelfen schonen und die Gegens√§tze der Parteien auszugleichen suchen und entfremdete sich dadurch die Ghibellinen. Die Wirren nahmen erst recht zu, das Ansehen Heinrichs und seine Macht schwan den mehr und mehr, und seiner Ankunft in Rom (Mai 1312) folgten Aufstand und Kampf. √úber Barrikaden und Leichen schritt H. in den Lateran zur Kaiserkr√∂nung 29. Juni 1312, ging von Rom nach Florenz und warf sich in raschem Entschlu√ü den Ghibellinen in die Arme, in deren Hauptplatz Pisa er Residenz nahm. Hier √§chtete er Robert von Neapel, r√ľstete sich trotz der Drohung des Papstes mit dem Bann zum Zuge gegen Neapel, st√ľrmte auf dem Marsch dahin vergeblich Siena und kam im August 1313 krank nach Buonconvento, wo er bald nach dem Genu√ü des Abendmahls starb. Dieser Umstand gab zu der unbegr√ľndeten Behauptung Anla√ü, da√ü ihn ein Predigerm√∂nch, den man mit Namen bezeichnen zu k√∂nnen meinte, vergiftet habe. Heinrichs Leiche ward in Pisa beigesetzt. Vgl. ¬ĽGeschichtschreiber der deutschen Vorzeit¬ę, Bd. 79 u. 80: Das Leben Kaiser Heinrichs VII. (√ľbersetzt von Friedensburg, Leipz. 1898); D√∂nniges, Kritik der Quellen f√ľr die Geschichte Heinrichs VII. (Berl. 1841); Barthold, Der R√∂merzug Heinrichs von L√ľtzelburg (K√∂nigsb. 1831, 2 Bde.); Sommerfeldt, Die Romfahrt Kaiser Heinrichs VII. (das. 1888); ¬ĽDie Romfahrt Kaiser Heinrichs VII. im Bilderzyklus des Codex Balduini Trevirensis¬ę (39 Tafeln, mit Text von Irmer. Berl. 1881); Wenck, Clemens V. und H. VII. (Halle 1882).

[Babenberg.] 10) H., Grafen von Babenberg, s. d. und Babenberger Fehde.

[Bayern.] 11) H. I., Herzog von Bayern, geb. um 920, gest. 1. Nov. 955 im Kloster P√∂hlde, zweiter Sohn des deutschen K√∂nigs Heinrich I. und seiner Gemahlin Mathilde, emp√∂rte sich 938 gegen seinen Bruder Otto I. im Bunde mit Eberhard von Franken und Giselbert von Lothringen, wurde aber 939 bei Birten geschlagen und gezwungen, Deutschland zu verlassen. Er floh zu K√∂nig Ludwig IV. von Frankreich, unterwarf sich aber, nachdem dieser mit Otto Frieden geschlossen, und erhielt das Herzogtum Lothringen. Weil er sich in der Herrschaft nicht behaupten konnte, wurde es ihm wieder genommen, und nun versuchte er Otto I. Ostern 941 in Quedlinburg zu ermorden. Der Anschlag wurde entdeckt, H. in Ingelheim gefangen gehalten, zu Weihnachten 941 in Frankfurt a. M. nach reuevoller Bu√üe begnadigt und 948 mit Bayern (seine Gemahlin Judith war eine bayrische F√ľrstin) belehnt; seitdem blieb er seinem Bruder treu. Er sch√ľtzte und vergr√∂√üerte das Herzogtum im Kampf mit den Ungarn sowie durch den Erwerb Friauls, geleitete die K√∂nigin Adelheid als Brautwerber seines Bruders 951 nach Pavia und unterdr√ľckte einen Aufstand in Bayern mit grausamer Strenge. Vgl. Winter, H. von Bayern (Jena 1872).

12) H. II., der Z√§nker, Herzog von Bayern, Sohn des vorigen, geb. 951, gest. 28. Aug. 995 in Gandersheim, folgte vierj√§hrig seinem Vater unter Vormundschaft seiner Mutter Judith, verm√§hlte sich mit einer Nichte der Kaiserin Adelheid, Gisela von Burgund, und stiftete 974 eine Verschw√∂rung an, um Otto II. zu entthronen und selbst die Krone zu erlangen. Deswegen zu Ingelheim gefangen gesetzt, entfloh er und erregte einen Aufruhr in Bayern, wurde indes 976 besiegt und seines Herzogtums, 978 nach einer neuen Emp√∂rung auch seiner G√ľter beraubt und unter die Aussicht des Bischofs von Utrecht gestellt. Nach Ottos II. Tod seiner Hast entlassen, suchte er sich 984 von neuem an Stelle des unm√ľndigen Otto III. des Thrones zu bem√§chtigen, unterwarf sich jedoch 985 in Frankfurt, erhielt Bayern zur√ľck, hielt nun Frieden und erwarb auch 989 K√§rnten sowie die italische Mark zur√ľck. Sein Nachfolger im Herzogtum war sein Sohn, der nachmalige Kaiser Heinrich II.

13) H. der Stolze, Herzog von Bayern und Sachsen, aus dem Haus der Welfen (s. d.), geb. um 1108, gest. 20. Okt. 1139, Sohn Heinrichs des Schwarzen (gest. 1126), folgte diesem als Herzog von Bayern und verm√§hlte sich 29. Mai 1127 mit Gertrud, der einzigen Tochter Kaiser Lothars, die dem welfischen Haus die supplinburgischen, braunschweigischen und nordheimischen Allodialg√ľter in Sachsen zubrachte. H. stritt tapfer f√ľr Lothar gegen die Staufer, begleitete 1136 den Kaiser auf seinem zweiten R√∂merzug und erhielt die Markgrafschaft Tuscien und vom Papste die Mathildischen G√ľter. Da ihn Lothar, aus Italien zur√ľckkehrend, kurz vor seinem Tode in Breitenwang 1137 zum Herzog von Sachsen ernannte und ihm die Reichsinsignien √ľberlieferte, trat er als Bewerber um die K√∂nigskrone auf, wurde aber, trotz seiner ritterlichen T√ľchtigkeit, wegen seines hochfahrenden Wesens und seiner allzu gro√üen Macht nicht gew√§hlt. H. lieferte 1138 die Reichskleinodien an Konrad III. aus, weigerte sich aber, auf eins seiner Herzogt√ľmer zu verzichten, wurde ge√§chtet, und Sachsen kam an Albrecht den B√§ren. H. vertrieb aber seine Gegner aus Sachsen und behauptete es siegreich auch gegen Konrad, starb aber pl√∂tzlich, noch nicht 32 Jahre alt, in Quedlinburg und wurde zu K√∂nigslutter begraben.

14) H. der L√∂we (wahrscheinlich von dem L√∂wen als Sinnbild der Tapferkeit), Herzog von Bayern und Sachsen, geb. 1129, gest. 6. Aug. 1195, Sohn des vorigen und der Tochter Kaiser Lothars, Gertrud, erhielt unter Verzicht auf Bayern auf dem Reichstag zu Frankfurt 1142 das von seiner Gro√ümutter Richenza tapfer verteidigte Sachsen zur√ľck, nahm aber 1147 den Titel eines Herzogs von Bayern wieder an und versuchte 1151 das Herzogtum mit Waffengewalt wieder zu erwerben. Friedrich I. gab es ihm auch 1154 zur√ľck, aber erst 1156 gelangte H. wirklich in seinen Besitz, begleitete Friedrich auf seinen ersten R√∂merz√ľgen, zeichnete sich durch seine Tapferkeit in dem Kampf in Rom 1155 aus und stand auch im Kirchenstreit auf seiten des Kaisers. In den Zwischenzeiten befestigte er seine Gewalt in Bayern, wo er M√ľnchen gr√ľndete, vor allem aber in Sachsen, dessen Ostgrenzen er durch gl√ľckliche K√§mpfe gegen die Slawen bedeutend erweiterte. Er gr√ľndete L√ľbeck, stiftete mehrere Bist√ľmer und Kl√∂ster und eroberte ganz Mecklenburg und Vorpommern. In diesen K√ľstenlanden der Ostsee breitete sich nun das Christentum aus, Friede und Ordnung befestigten sich, Ackerbau, Gewerbe und Handel entfalteten sich durch den Zuzug niederl√§ndischer und flandrischer Kolonisten. Aber seine Erfolge erregten den Neid der Nachbarn, und eine gro√üe Zahl geistlicher und weltlicher F√ľrsten und Herren, die Erzbisch√∂fe Wichmann von Magdeburg und Hartwig von Bremen, die Bisch√∂fe von Halberstadt und Hildesheim, der Markgraf Albrecht von Brandenburg, der Landgraf Ludwig von Th√ľringen u. a., schlossen 1166 zu Merseburg einen Bund gegen H., w√§hrend er in Pommern k√§mpfte. Rasch beendigte H. den Krieg, indem er dem Obotriten f√ľrsten Pribislav nach Annahme des Christentums Mecklenburg als s√§chsisches Lehen zur√ľckgab, und zog gegen die Verb√ľndeten: es entbrannte ein heftiger Kampf, den Friedrich I. nach zweij√§hriger Dauer auf dem Reichstag in Bamberg (Juni 1169) zu Heinrichs Gunsten beilegte, da er auf die welfische Freundschaft gro√ües Gewicht legte. Heinrichs Stellung war so fest und unersch√ľttert, da√ü er 1172 eine Pilgerfahrt nach Jerusalem unternehmen konnte. Seitdem jedoch der Kaiser sich durch einen Vertrag mit Welf VI. (s. Welfen) die Erbfolge in den welfischen G√ľtern in Schwaben gesichert und H. nach seiner zweiten Verm√§hlung mit der englischen Prinzessin Mathilde (1. Febr. 1168) m√§nnliche Erben erhalten hatte, erkaltete die Freundschaft zwischen beiden. H., im Besitz eines so gut wie unabh√§ngigen Reiches in Norddeutschland, dachte vornehmlich an St√§rkung seiner Hausmacht, nahm deshalb an dem R√∂merzug 1174 nicht teil und verweigerte seine Hilfe auch, als Friedrich nach der mi√ülungenen Belagerung von Alessandria im Februar 1176 auf einer pers√∂nlichen Zusammenkunft in Partenkirchen (oder Chiavenna) um bewaffneten Zuzug bat, erweiterte vielmehr seine Eroberungen in Pommern. Der Kaiser schlo√ü nach der Niederlage von Legnano (29. Mai 1176) mit Alexander III. den Frieden von Venedig (1. Aug. 1177) und kehrte 1178 nach Deutschland zur√ľck. Schon vorher hatte Bischof Ulrich von Halberstadt an der Spitze der s√§chsischen Gro√üen den Kampf gegen H. begonnen, der alle Vers√∂hnungsantr√§ge des Kaisers zur√ľckwies und den Krieg gegen seine Nachbarn mit Energie f√ľhrte. Auf den zur Entscheidung seiner Sache berufenen F√ľrstentagen zu Worms, Magdeburg und Kayna erschien er 1179 nicht, wurde 15. Jan. 1180 zu W√ľrzburg ge√§chtet und 13. April d. J. auf dem Reichstag zu Gelnhausen Sachsens, 24. Juni d. J. zu Regensburg auch Bayerns verlustig erkl√§rt; mit letzterm ward Otto von Wittelsbach belehnt. H. errang anfangs bei seinem bewaffneten Widerstand Erfolge, nahm Bischof Ulrich von Halberstadt gefangen, besiegte den Landgrafen von Th√ľringen bei Wei√üensee, und Adolf von Schauenburg schlug die Scharen des Erzbischofs von K√∂ln bei Halrefeld. Als aber der Kaiser selbst in Sachsen einbrach, fielen die treu gebliebenen Vasallen von H. ab, und England und D√§nemark lie√üen ihn im Stiche; auch L√ľbeck √∂ffnete 1181 dem Kaiser seine Tore. Jetzt unterwarf sich H., erhielt auf dem Reichstag zu Erfurt (im November 1181) seine Allodien Braunschweig und L√ľneburg zur√ľck, mu√üte aber zu seinem Schwiegervater, K√∂nig Heinrich II. von England, in die Verbannung gehen. 1185 erhielt er die Erlaubnis, wieder nach Deutschland zu kommen; als sich indes Friedrich 1188 zum Kreuzzug r√ľstete, stellte er H. die Wahl zwischen f√∂rmlichem Verzicht oder Teilnahme am Kreuzzug oder nochmaliger dreij√§hriger Verbannung. H. w√§hlte das letztere, kehrte indes schon Michaelis 1189 nach Sachsen zur√ľck und fiel √ľber seine allen Widersacher, zun√§chst √ľber Adolf von Holstein, her, eroberte dessen Land, zerst√∂rte Bardowiek und brachte den gr√∂√üten Teil seines Herzogtums wieder an sich, ging jedoch nach mehreren ungl√ľcklichen Gefechten den Frieden von Fulda (im Juli 1190) ein, der ihm wenig von dem Eroberten lie√ü. Noch immer auf Wiederherstellung der Welfenmacht hoffend, begann er 1192 nochmals den Krieg, als Heinrichs VI. Herrschaft die Unzufriedenheit der F√ľrsten erregt hatte, unterwarf sich wieder 1193, um Richard L√∂wenherz' Freilassung zu erlangen, und starb, vers√∂hnt mit Heinrich VI., zu Braunschweig, wo in der St. Blasiuskirche sein Grabdenkmal und auf dem Burgplatz der eherne L√∂we steht, den er selbst als Symbol seiner Macht errichtet hat. Er war zuerst mit Clementia von Z√§hringen verm√§hlt, von der er sich 1163 scheiden lie√ü, dann mit der Tochter Heinrichs II. von England, Mathilde (gest. 1189), und hinterlie√ü drei S√∂hne, von denen der dritte, Ono, 1208 K√∂nig wurde (s. Otto IV.). Vgl. B√∂ttiger, H. der L√∂we (Hannov. 1819); H. Prutz, H. der L√∂we, Herzog von Bayern und Sachsen (Leipz. 1865); M. Philippson, Geschichte Heinrichs des L√∂wen (das. 1867‚Äď68, 2 Bde.).

15) H. Jasomirgott, s. unten: √Ėsterreich (46).

[Braunschweig-Wolfenb√ľttel.] 16) H. der j√ľngere, Herzog von Braunschweig-Wolfenb√ľttel, geb. 10. Nov. 1489, gest. 11. Juni 1568, Sohn Heinrichs des √§ltern und der Prinzessin Katharina von Pommern, regierte mit Ausschlie√üung seiner Br√ľder seit 1514, doch erkannte sein Bruder Wilhelm erst 1535 die Erbfolge nach der Erstgeburt an. In die Hildesheimer Stiftsfehde (s. d.) verwickelt, wurde H. auf der Soltauer Heide 29. Juni 1519 geschlagen, erhielt aber durch die Gunst Karls V. 1523 zusammen mit seinem Vetter Erich fast s√§mtliche hildesheimische Stiftslande. Im Bauernkrieg unterst√ľtzte er den Landgrafen von Hessen und den Kurf√ľrsten von Sachsen und nahm an der Schlacht bei Frankenhausen 15. Mai 1525 teil. 1528 stand er mit 1000 Reitern Karl V. gegen den Papst und Venedig bei; sein Heer erlag ansteckenden Seuchen, und er selbst entkam nur in Verkleidung den √ľberall auflauernden Feinden. Ein Feind der Reformation (Luther schrieb gegen ihn die Flugschrift ¬ĽWider Hanns Worst¬ę), beunruhigte er die evangelischen Nachbarstaaten, wurde aber von dem Kurf√ľrsten von Sachsen und dem Landgrafen von Hessen, dem der Dichter Burkard Waldis (s. d.) mit seiner satirischen Feder zu Hilfe kam, 1542 aus seinem Lande vertrieben und bei einem Versuch, dasselbe wiederzuerobern, 21. Okt. 1545 gefangen genommen. Nach der Schlacht bei M√ľhlberg 1547 wieder in Freiheit gesetzt, geriet er mit dem Adel in Streit und erregte durch seine Verfolgung der neuen Lehre gro√üe Erbitterung, so da√ü Markgraf Albrecht Alcibiades wieder in das Land einfiel. Der Beistand Moritz' von Sachsen, der in der Schlacht von Sievershausen (9. Juli 1553) fiel, befreite H., doch s√∂hnte er sich, durch den Tod zweier S√∂hne in dieser Schlacht milder gestimmt, mit seinen Untertanen aus und war in seinen sp√§tern Jahren der Lehre Luthers nicht abgeneigt. H. war mit Gr√§fin Maria von W√ľrttemberg, dann mit der polnischen Prinzessin Sophie verm√§hlt. Bekannt ist er durch seine romantische Liebe zu Eva v. Trott, die er f√ľr gestorben ausgab, insgeheim aber auf der Staufenburg am Harz verborgen hielt. Vgl. Koldewey, Heinz von Wolfenb√ľttel (Halle 1883); Bruns, Die Vertreibung Herzog Heinrichs von Braunschweig durch den Schmalkaldischen Bund (Marburg 1889); Brandenburg, Die Gefangennahme Herzog Heinrichs von Braunschweig durch den Schmalkaldischen Bund (Leipz. 1884); Mittler, Herzog Heinrichs von Braunschweig Klagelied (Kassel 1855).

17) H. Julius, Herzog von Braunschweig-Wolfenb√ľttel, geb. 15. Okt. 1564, gest. 20. Juli 1613 in Prag, Sohn des Herzogs Julius, erhielt eine gelehrte Erziehung, verstand Lateinisch, Griechisch und Hebr√§isch, war ein ausgezeichneter Jurist und sogar ein geschickter Baumeister, verfa√üte auch 1593‚Äď94 unter dem Einflu√ü der ¬Ľenglischen Kom√∂dianten¬ę (s. d.) elf Dramen (hrsg. von Holland, Stuttg. 1855, und von Tittmann, Leipz. 1880) und lie√ü sie auf seiner Hofb√ľhne in Wolfenb√ľttel ausf√ľhren. Das Bistum Halberstadt, dessen Bischof er seit 1566 war, verwaltete er seit 1578 vortrefflich, hielt aber, als er 1589 Herzog von Wolfenb√ľttel wurde, so gl√§nzend Hof, da√ü er trotz heftigen Steuerdrucks tief in Schulden geriet. In folge eines Streites mit der Stadt Braunschweig 1607 an den kaiserlichen Hof nach Prag gerufen, gewann er bei Kaiser Rudolf gro√üen Einflu√ü und spielte in den Streitigkeiten zwischen diesem und seinem Bruder Matthias sowie in denen zwischen Katholiken und Protestanten den erfolgreichen Vermittler. Vgl. Ludewig, H. Julius, Herzog zu Braunschweig (Helmstedt 1833).

[Champagne.] 18) Graf von Champagne, ¬ĽHerrscher¬ę von Jerusalem, geb. 1150, nahm am dritten Kreuzzug teil, zeichnete sich bei der Belagerung von Akka aus und wurde 1192 nach der Ermordung Konrads von Montserrat, dessen Witwe Isabelle er heiratete, von den Baronen zum K√∂nig von Jerusalem erw√§hlt (5. Mai). Er erlangte indes nie die wirkliche Herrschaft √ľber das Reich, nannte sich auch niemals ¬ĽK√∂nig¬ę und starb 10. Sept. 1197 infolge eines Sturzes aus dem Fenster seines Palastes. Vgl. R√∂hricht, Geschichte des K√∂nigreichs Jerusalem (Innsbr. 1897).

[England.] 19) H. I., K√∂nig von England, geb. 1068, gest. 1. Dez. 1135, wegen seiner Gelehrsamkeit Beauclerc, ¬Ľder sch√∂ne Scholar¬ę, genannt, vierter Sohn Wilhelms des Eroberers, folgte im August 1100 seinem Bruder Wilhelm II., behauptete sich mit Hilfe des Klerus und der Angelsachsen, die er durch seine Verm√§hlung mit der aus dem Blute der angels√§chsischen K√∂nige entsprossenen Mathilde f√ľr sich gewann, gegen seinen √§ltern Bruder Robert, der 1097‚Äď1100 eine Kreuzfahrt unternommen hatte. Den Investiturstreit mit dem Papst beendete er durch einen billigen Vergleich. Von ihm r√ľhrt die erste Grundlage der englischen Verfassung, die Charta libertatum, her. Seine Regierung hat die Vers√∂hnung der unterworfenen Bev√∂lkerung Englands mit den normannischen Eroberern angebahnt.

20) H. II., genannt Courtmantle (¬ĽKurzmantel¬ę, weil er die Mode kurzer M√§ntel nach England brachte), K√∂nig von England, geb. 5. M√§rz 1133, gest. 6. Juli 1189, Sohn des Grafen Gottfried Plantagenet von Anjou und der Mathilde, Tochter des vorigen, war nach dem Willen seines Gro√üvaters zu dessen Nachfolger auf dem Thron ausersehen. Allein sein Vetter Stephan von Blois nahm diesen nach Heinrichs I. Tod ein und behauptete ihn gegen Mathilde. Von seinem Vater her im Besitz von Anjou, Touraine, Maine und einem Teil von Berry, durch seine Mutter von der Normandie, durch seine Verm√§hlung mit Eleonore von Poitou (1152) von Aquitanien, Guienne, Saintonge, Poitou, Auvergne, P√©rigord, Limousin, also Herr des dritten Teiles von Frankreich, begann H. 1153 den Kampf gegen Stephan, der gen√∂tigt wurde, ihn als seinen Erben anzuerkennen. Demzufolge landete H., nachdem Stephan 25. Okt. 1154 gestorben war, in England und wurde 19. Dez. in London gekr√∂nt. 1159 unternahm er einen Zug gegen den Grafen von Toulouse, ward dann in einen Krieg mit Frankreich verwickelt, den er siegreich zu Ende f√ľhrte, und kehrte erst 1163 nach England zur√ľck. Hier geriet er alsbald in einen heftigen Konflikt mit der Kirche und zwang die Pr√§laten, im Januar 1164 die Konstitutionen von Clarendon anzunehmen, durch welche die Beziehungen zwischen Staat und Kirche in einem f√ľr die Krone g√ľnstigen Sinne geordnet wurden. Der von H. 1162 zum Erzbischof von Canterbury erhobene Thomas Becket widersetzte sich diesen Beschl√ľssen und fiel deshalb bei H., dessen G√ľnstling er fr√ľher gewesen war, in Ungnade. Er floh auf den Kontinent und wiegelte von dort aus den Papst, Frankreich und das englische Volk gegen H. auf, der sich 1170 entschlo√ü, ihn zur√ľckzuberufen. Da er aber nach seiner R√ľckkehr den gegen einige Bisch√∂fe, die auf des K√∂nigs Seite gestanden hatten, ausgesprochenen Bann aufrecht erhielt, √§u√üerte H. den Wunsch, von dem herrschs√ľchtigen Pr√§laten befreit zu werden, und dies veranla√üte vier Edelleute, den Erzbischof 29. Dez. 1170 in der Kathedrale zu Canterbury zu ermorden. Gerade das aber f√ľhrte zu einem Siege der hierarchischen Ideen: um den Bannstrahl des Papstes abzuwenden, mu√üte der K√∂nig seine Unschuld an dem Morde beschw√∂ren und die Konstitutionen von Clarendon mildern, worauf er 1172 absolviert wurde. 1171 schon hatte er Irland erobert. Bald darauf aber brach ein gef√§hrlicher Aufstand gegen ihn aus. Seine Gemahlin Eleonore reizte, von dem K√∂nig vernachl√§ssigt, den Thronerben Heinrich zur Emp√∂rung, und dieser begann in Verbindung mit seinen Br√ľdern und dem K√∂nig von Frankreich 1173 Krieg gegen den Vater. Zugleich erhob sich K√∂nig Wilhelm von Schottland gegen H., und im Innern erregte der Graf Leicester einen Aufruhr. Aber der letztere wurde 16. Okt. 1173 gefangen genommen; dasselbe Schicksal hatte der schottische K√∂nig 13. Juli 1174 bei Alnwick, und H. selbst stellte in Frankreich nicht weniger schnell die Ruhe her. Am 30. Sept. 1174 wurde Friede geschlossen, nachdem H. 12. Juli am Grabe des ein Jahr zuvor heilig gesprochenen Erzbischofs Bu√üe getan hatte, um seine Vers√∂hnung mit der Geistlichkeit vollst√§ndig zu machen. 1183 erhob sich der Kronprinz Heinrich in Verbindung mit Frankreich aufs neue gegen den Vater, starb jedoch schon 11. Juni d. J. Eine letzte Emp√∂rung der beiden j√ľngern S√∂hne Heinrichs brach 1188 aus; der Gram und Unmut dar√ľber beschleunigte den Tod des K√∂nigs. Unter H. sind wesentliche Reformen des Gerichtswesens angebahnt und die wichtigen Institute des Geschwornengerichts, der Reiserichter (circuitcourts), des Schatzkammergerichts und des Gerichtshofs der King's Bench (s. d.) teils eingef√ľhrt, teils vervollkommt worden. Vgl. Lyttleton, History of tue life of Henry II. (Lond. 1767, 3 Bde.); Green, Henry the Second (das. 1888).

21) H. III., K√∂nig von England, geb. 1. Okt. 1207, gest. 16. Nov. 1272, Enkel des vorigen, Sohn Johanns ohne Land und der Isabella von Angoul√™me, folgte seinem Vater 1216 auf dem Thron und stand anfangs unter Vormundschaft des Reichsmarschalls Wilhelm Grafen von Pembroke, der unter Mitwirkung des p√§pstlichen Legaten die rebellischen Barone unterwarf und die ins Land eingedrungenen Franzosen vertrieb. Auch nachdem der K√∂nig vollj√§hrig geworden, stand er fortw√§hrend unter der Leitung der hohen Geistlichkeit und der Verwandten seiner Gemahlin Eleonore von Provence. Die Geldforderungen, die er stellte, namentlich um seinem j√ľngern Sohn, Edmund, die Herrschaft √ľber Neapel und Sizilien zu verschaffen, f√ľhrten einen allgemeinen Aufstand der Barone herbei, der f√ľr die Geschichte Englands und seiner parlamentarischen Verfassung von gro√üer Bedeutung geworden ist (s. Gro√übritannien, S. 392). H. wurde in diesen K√§mpfen 1264 gefangen genommen, aber 4. Aug. 1265 durch die Schlacht von Evesham von seinem Sohn Eduard befreit; er regierte darauf unter Beobachtung der wichtigsten Grunds√§tze der Magna Charta.

22) H. IV. Bolingbroke nach seinem Geburtsort genannt, K√∂nig von England, geb. 3. April 1367, gest. 20. M√§rz 1413, der erste K√∂nig aus dem Hause Lancaster, Sohn Johanns von Gaunt, Herzogs von Lancaster, und Enkel Eduards III., war vorher Graf von Derby und Herzog von Hereford. Von dem argw√∂hnischen K√∂nig Richard II. 1398 aus England verwiesen, fand H. am franz√∂sischen Hofe freundliche Aufnahme, und als der K√∂nig nach dem im Februar 1399 erfolgten Tode seines Vaters Lancaster dessen G√ľter einzog, landete er in der Grafschaft York und fand zahlreichen Anhang. Der ihm von Richard entgegengeschickte Graf von Salisbury vermochte nichts auszurichten; der K√∂nig selbst fiel durch Verrat 19. Aug. in seine H√§nde, mu√üte 29. Sept. 1399 eine Entsagungsakte unterschreiben und wurde √ľberdies von dem Parlament abgesetzt, das am 30. Sept. H. als K√∂nig von England ausrufen lie√ü. Richard II. starb wenige Wochen darauf in Pontrefact wahrscheinlich eines gewaltsamen Todes. 1400 emp√∂rte sich in Wales Owen Glendower, der Titel und Herrschaft der alten einheimischen F√ľrsten beanspruchte. Ein Feldzug Heinrichs gegen ihn 1402 blieb erfolglos, und mit dem Gegner verband sich Heinrich Percy, Graf von Northumberland, ehemals Freund und Genosse Heinrichs; dessen Sohn Heinrich Percy, genannt Hotspur (¬ĽHei√üsporn¬ę), ward aber 21. Juli 1403 bei Shrewsbury geschlagen und get√∂tet, worauf der Vater sich unterwarf. Eine zweite Emp√∂rung des alten Percy 1405 in Verbindung mit Richard Scrope, dem Erzbischof von York, endete mit der Gefangennahme und Hinrichtung des Erzbischofs im Juni 1405 und mit dem Tode des Grafen in dem Gefecht von Bramham 19. Febr. 1408, w√§hrend Owen Glendower in den √§u√üersten Norden von Wales, in die Schluchten des Snowdon, zur√ľckgedr√§ngt wurde. Seitdem regierte H. in Ruhe mit Klugheit, M√§√üigung und Energie. Den Vorschlag des Parlaments, einen Teil der geistlichen G√ľter einzuziehen, wies er zur√ľck und verschaffte sich durch grausame Verfolgung der Anh√§nger Wiclifs die Gunst des Klerus. Die Furcht, der usurpierten Krone wieder beraubt zu werden, verlie√ü H. bis an sein Lebensende nicht. Shakespeare machte ihn zum Helden eines seiner Dramen. Vgl. Wylie, History of England under Henry the Fourth (Lond. 1884 bis 1898, 4 Bde.).

23) H. V., K√∂nig von England, geb. 19. Aug. 1387, gest. 31. Aug. 1422, Sohn des vorigen, lebte als Kronprinz 1410‚Äď13 in London und soll in dieser Zeit nach sp√§terer, wenn nicht ganz unwahrer, so jedenfalls stark √ľbertreibender √úberlieferung ein ausschweifendes Leben gef√ľhrt haben, wurde aber nach seiner Thronbesteigung ein ausgezeichneter Regent. Durch Gnadenakte gegen den bisher seiner Thronanspr√ľche wegen in Hast gehaltenen Grafen Edmund von March und Heinrich Percy, den Sohn des ¬ĽHei√üsporns¬ę, suchte er sich popul√§r zu machen; dem Klerus opferte er die wiclisitisch gesinnten Lollarden. Sein Hauptstreben war auf Gewinnung der Herrschaft √ľber Frankreich gerichtet, die um so leichter schien, als dies Land damals unter dem geisteskranken Karl VI. durch Parteik√§mpfe zerrissen wurde und H. mit dem Herzog Johann von Burgund in enger Verbindung stand. Nach Unterdr√ľckung einer vom Grafen Richard von Cambridge, dem Stammvater des Hauses York, angezettelten Verschw√∂rung landete er im August 1415 in der Normandie und schlug die mit vierfach √ľberlegenen Streitkr√§ften gegen ihn heranr√ľckenden Franzosen entscheidend bei Azincourt (25. Okt. 1415). Im August 1417 erst√ľrmte er Caen und eroberte im Laufe von zwei Jahren fast die ganze Normandie; Rouen ergab sich 1419. Nach der durch den Dauphin und die Partei der Orl√©ans angestifteten Ermordung des Herzogs von Burgund schlo√ü sich dessen Sohn Philipp der Gute noch enger an H. an. Darauf kam es 21. Mai 1420 zu dem Vertrage von Troyes mit dem franz√∂sischen Hofe, demzufolge sich H. mit Katharina, der Tochter Karls VI, verm√§hlte und die Regentschaft √ľber Frankreich √ľbernahm, dessen Krone nach Ableben des K√∂nigs ihm und seinen Nachkommen aus dieser Ehe zufallen sollte. Da aber der enterbte Dauphin diesen Vertrag nicht anerkannte und, durch ein schottisches Hilfskorps unterst√ľtzt, 23. M√§rz 1421 bei Baug√© die Engl√§nder unter dem Herzog von Clarence schlug, mu√üte H. im Juni 1421 abermals nach Frankreich √ľbersetzen, starb aber schon im n√§chsten Jahr. Seine Witwe Katharina verm√§hlte sich zum zweitenmal mit dem wallisischen Edelmann Owen Tudor, dem Ahnherrn des K√∂nigs Heinrich VII. (s. d.). Auch H. V. ist der Held eines Dramas von Shakespeare. Vgl. Goodwin, History of the reign of Henry V. (Lond. 1704); Cole, Memorials of Henry V. (das. 1858); Church, Henry V. (das. 1889); Kingsford, Henry V. (das. 1902).

24) H. VI., K√∂nig von England, geb. 6. Dez. 1421, gest. 21. Mai 1471, Sohn des vorigen und Katharinas von Frankreich, war beim Tode seines Vaters neun Monate alt. Seine Vorm√ľnder, erst der Herzog von Bedford, dann Gloucester und der Bischof von Winchester, erzogen ihn zu einer willenlosen Puppe, die in den K√§mpfen zwischen der Roten und Wei√üen Rose (s. Gro√übritannien, S. 394 f.) hin und her schwankte, bis sie durch den jungen Herzog Eduard von York 1461 vom Throne gesto√üen wurde. H., dessen Gemahlin Margarete, eine Tochter des Herzogs Ren√© von Anjou, vergeblich eine Armee gegen den Usurpator aufgestellt hatte, wurde 1464 gefangen genommen und nach schmachvoller Mi√ühandlung in den Tower gebracht. 1470 ward er noch einmal durch den Grafen Warwick befreit und wieder auf den Thron gesetzt, schon im April 1471 aber wieder gefangen genommen und im Tower ermordet. Auch H. VI. ist der Titelheld eines Shakespeareschen Dramas.

25) H. VII., K√∂nig von England, geb. 28. Jan. 1457, gest. 21. April 1509, war der erste K√∂nig aus dem Hause Tudor, von dem er durch seinen Vater Edmund, Grafen von Richmond, abstammte; seine Mutter Margarete Beaufort war eine Urenkelin Johanns von Gaunt, Herzogs von Lancaster, und der Katharina Swynford. Die Nachkommenschaft aus dieser Verbindung war 1397 legitimiert worden; ob ihr aber daraus ein Anrecht auf den Thron erwuchs, ist bestritten, und keinenfalls war H. durch die Ehe seines v√§terlichen Gro√üvaters Owen Tudor mit der Witwe Heinrichs V. erbberechtigt. Nichtsdestoweniger galt H. als Glied des Hauses Lancaster. Nach dem Sturze dieses Hauses durch Eduard IV. ward er von seinem Oheim, dem Grafen Pembroke, nach der Bretagne gebracht. Auf ihn richteten sich nach der Usurpation des englischen Thrones durch Richard III. (s. d.) die Augen aller Gegner Richards, und durch seine Verlobung mit Elisabeth, der √§ltesten Tochter Eduards IV., wurden seine Anspr√ľche auf den Thron noch verst√§rkt. Von Frankreich unterst√ľtzt, landete H. mit 2000 Engl√§ndern im August 1485 zu Mitford Haven in S√ľdwales, brachte seine Schar schnell auf 5000 Mann und schlug 22. Aug. bei Bosworth den ihm weit √ľberlegenen K√∂nig Richard, der im Kampfe blieb. H. ward darauf zum K√∂nig von England proklamiert, und Volk und Adel, des B√ľrgerkriegs m√ľde, waren mit seiner Erhebung zufrieden. Den letzten m√§nnlichen Spro√ü des Hauses York, den Grafen Eduard von Warwick, lie√ü H. in den Tower bringen; mit Elisabeth verm√§hlte er sich erst nach seiner Kr√∂nung (30. Okt.), damit es nicht scheine, als ob er aus dieser Verbindung sein Recht auf die Thronfolge ableite. Lambert Simnel, den Sohn eines Orgelbauers, der, f√ľr den gefangenen Grafen Warwick ausgegeben, in Irland als wahrer Thronerbe anerkannt und von Eduards IV. Schwester, der verwitweten Herzogin Margarete von Burgund, unterst√ľtzt wurde, nahm H. nach seinem Siege bei Stoke 16. Juni 1487 √ľber die in England gelandeten Rebellen gefangen. In den Streit des Herzogs von Bretagne mit der Krone Frankreich verwickelt, erschien er mit starker Streitmacht im Oktober 1492 vor Boulogne, schlo√ü aber, durch ansehnliche Summen zufriedengestellt, 3. Nov. zu Etaples mit Karl VIII. Frieden. Ein neuer Pr√§tendent gegen H. tauchte sp√§ter in der Person eines gewissen Perkin Warbeck (s. d.) auf, den K√∂nig Jakob IV. von Schottland als den Sohn Eduards IV. anerkannte. Doch wurde auch dieser, nachdem Jakob 30. Sept. 1497 einen siebenj√§hrigen Waffenstillstand mit H. geschlossen hatte, gefangen genommen und 1499 hingerichtet. Mit kluger Politik benutzte H. die Ohnmacht des Adels, der aus den langen B√ľrgerkriegen sehr geschw√§cht hervorgegangen war, um unter Beibehaltung der verfassungsm√§√üigen Institutionen des Parlaments, der Jury, der Organe der Selbstverwaltung doch √ľberall die k√∂nigliche Macht zu st√§rken; ein wesentliches Mittel dazu war die Reorganisation der ¬ĽSternkammer¬ę, eines Gerichtshofs f√ľr politische Prozesse. H. war ein guter Finanzmann, der gro√üe Sch√§tze ansammelte und doch den materiellen Wohlstand des Volkes f√∂rderte. Er beg√ľnstigte Handel und Schiffahrt selbst mit betr√§chtlichen Geldopfern und unterst√ľtzte die Entdeckungsfahrten des Venezianers Caboto, der 1497 nach dem Festland von Nordamerika segelte. H. verm√§hlte seinen √§ltesten Sohn, Arthur, und, als dieser 1502 starb, 1504 dessen Bruder Heinrich mit Katharina von Aragonien; durch die Ehe seiner Tochter Margarete mit Jakob IV. von Schottland kam das Anrecht auf die Krone von England an das Haus Stuart. Francis Bacon (s. d.) schrieb eine (wenig zuverl√§ssige) ¬ĽHistoria regni Henrici VII.¬ę Vgl. Campbell, Materials for a history of the reign of Henry VII. (Lond. 1873); Moberley, Early Tudors: Henry VII. Henry VIII (das. 1887); Gairdner, Henry the Seventh (das. 1889); Busch, England unter den Tudors, Bd. 1: K√∂nig H. VII. (Stuttg. 1892).

26) H. VIII., K√∂nig von England, geb. 27. Juni 1491, gest. 28. Jan. 1547, Sohn des vorigen, bestieg 2 t. Aprit 1509 den englischen Thron und vollzog im Juni die schon 1504 durch Vertrag geschlossene Heirat mit Katharina von Aragonien. H. war ein stattlicher Mann, mit gl√§nzenden Gaben ausgestattet, in Gelehrsamkeit und ritterlichen K√ľnsten gleichm√§√üig ausgezeichnet. Seine Regierung folgte den Impulsen, die sein pers√∂nlicher Charakter ihr gab; doch hatte anfangs der Kardinal Wolsey (s. d.) namhaften Einflu√ü darauf. 1512 verband sich H. mit dem Kaiser Maximilian I. gegen Ludwig XII. von Frankreich, siegte zwar 17. Aug. 1513 in der sogen. Sporenschlacht bei Guinegale, schlo√ü aber schon im folgenden Jahre Frieden mit Frankreich und mit Ludwigs XII. Nachfolger Franz I. sogar ein B√ľndnis gegen Karl V. Nochmals wechselte H. die Stellung, als er 1521 auf den Rat Wolseys, der durch den Kaiser auf den p√§pstlichen Stuhl erhoben zu werden hoffte, eine Allianz mit Karl V. gegen Frankreich einging. Da sich aber Wolsey in seinen Aussichten auf den p√§pstlichen Stuhl get√§uscht sah, erfolgte 1526 ein vollst√§ndiger Bruch mit dem Kaiser. Durch die gegen Luthers Buch von der babylonischen Gefangenschaft gerichtete Schrift ¬ĽAdsertio septem sacramentorum¬ę (Lond. 1521) hatte sich H. vom Papste den Titel Defensor fidei erworben, und er war infolge von Luthers 1522 erschienener Gegenschrift ¬ĽContra Henricum regem M. Lutherus¬ę der entschiedenste Gegner des Protestantismus geworden. Bald nach eingetretenem Zerw√ľrfnis mit dem Kaiser legte nun aber H. die Absicht an den Tag, seine Ehe mit Katharina, einer Tante des Kaisers, zu trennen, angeblich aus Gewissensbissen, da eine Ehe mit der Witwe des Bruders kirchlich verboten sei, in Wirklichkeit wegen seiner Liebe zu der sch√∂nen Anna Boleyn (s. Anna 1). Clemens VII. √ľbertrug seinen Legaten Wolsey und Campeggio die Untersuchung √ľber die G√ľltigkeit der Ehe des K√∂nigs, nahm aber, noch ehe die Sache entschieden war, infolge seiner Ann√§herung an Karl V. deren Vollmachten zur√ľck. Darauf wurde der Kardinal Wolsey gest√ľrzt, und H. lie√ü, nach sp√§terer √úberlieferung auf den Rat des Theologen Thomas Cranmer, durch einen englischen Gerichtshof seine Ehe mit Katharina f√ľr ung√ľltig erkl√§ren, worauf er sich im Anfang 1533 mit Anna Boleyn verm√§hlte. Als der Papst darauf gegen den K√∂nig einschritt, beschlo√ü H., sein Reich von der geistlichen Oberherrschaft Roms frei zu machen, und lie√ü sich mit Zustimmung des Parlaments zum Oberhaupt der ¬ĽAnglikanischen Kirche¬ę (s. d.) ernennen; Cranmer wurde Primas des Reiches. Aber diese Trennung vom Papsttum, an welcher der Bannfluch, den der Papst gegen H. aussprach, nichts √§nderte, sollte keine Lossagung vom Katholizismus bedeuten; dogmatisch blieb H. noch lange Zeit ein Gegner der protestantischen Reformation, deren Anh√§nger er ebenso fanatisch wie die Roms verfolgte; erst sp√§ter neigte er sich ihr mehr zu. Nach dem Tode der K√∂nigin Katharina (17. Jan. 1536) machte ihm der Kaiser Antr√§ge zur Erneuerung der fr√ľhern freundschaftlichen Beziehungen; H. zeigte jedoch wenig Neigung dazu. Um diese Zeit warf der K√∂nig sein Auge auf das Hoffr√§ulein Johanna Seymour, lie√ü Anna wegen angeblichen Ehebruchs hinrichten (19. Mai 1536), verm√§hlte sich elf Tage sp√§ter mit Johanna Seymour und lie√ü sodann durch einen Beschlu√ü des stets von seinem Willen abh√§ngigen Parlaments seine beiden fr√ľhern Ehen f√ľr unrechtm√§√üig und die daraus entsprossenen Kinder Maria und Elisabeth f√ľr illegitim erkl√§ren. Aus der Ehe mit Johanna wurde 12. Okt. 1537 ein Sohn, der sp√§tere K√∂nig Eduard VI., geboren; wenige Tage darauf starb die K√∂nigin. Inzwischen hatte eine wirklich protestantische Partei unter der F√ľhrung des Staatssekret√§rs Thomas Cromwell Einflu√ü auf den K√∂nig gewonnen. Um eine Ann√§herung Englands an die deutschen Protestanten herbeizuf√ľhren, bestimmte Cromwell H. zu einer Verm√§hlung mit der Prinzessin Anna von Kleve, obwohl diese ihm √§u√üerlich wenig gefiel. Die Ehe war sehr ungl√ľcklich, und sobald H. die Gefahr, die ihm durch einen kaiserlichen Angriff 1540 gedroht, vor√ľbergegangen glaubte, lief; er Cromwell vor dem Parlament wegen Verrats verurteilen und hinrichten; von Anna schied er sich im Juli 1540 und verm√§hlte sich schon im selben Monat mit Katharina Howard, einer Nichte des Herzogs von Norfolk, die ihn zu einer antiprotestantischen Haltung bewog. Doch vermochte auch diese den K√∂nig nicht dauernd zu fesseln, sondern ward der Untreue angeklagt und, schuldig befunden, 13. Febr. 1542 hingerichtet. Vier Monate sp√§ter verm√§hlte sich der K√∂nig zum sechstenmal mit Katharina Parr, der Witwe des Lords Latimer, die ihn √ľberlebte. Ein Krieg mit Schottland erreichte seinen Zweck, auch dort die p√§pstliche Macht zu st√ľrzen, nicht; ebenso blieb ein mit dem Kaiser gegen Frankreich 1543 unternommener Krieg ohne gro√üe Ergebnisse. Durch einen Parlamentsbeschlu√ü von 1544 wurde die Nachfolge so geordnet, da√ü zun√§chst Heinrichs Sohn Eduard und, wenn dieser ohne Leibeserben sterben sollte, die beiden fr√ľher f√ľr illegitim erkl√§rten Prinzessinnen Maria und Elisabeth die Krone erben sollten. Vgl. Turner, History of the reign of Henry VIII. (Lond. 1826; 4. Aufl. 1835, 2 Bde.); Tytler, Life of King Henry VIII. (1827; neue Ausg., Edinb. 1861); Audin, Histoire de Henri VIII et du schisme d'Angleterre (4. Aufl., Par. 1876); Brewer, The reign of Henry VIII. from his accession to (he death of)Wolsey (das. 1884, 2 Bde.); Froude, History of England from the fall of Wolsey to the death of Elizabeth, Bd. 1‚Äď4 (neue Ausg. 1881); Gasquet, H. VIII. u. die englischen Kl√∂ster (deutsch, Mainz 1890‚Äď91, 2 Bde.); Ehses, R√∂mische Dokumente zur Geschichte der Ehescheidung Heinrichs VIII. (Paderb. 1893); Richardson, National movement in the reign of Henry VIII. (Lond. 1897).

[Flandern.] 27) Graf von Flandern und Hennegau, geb. 1174, begleitete 1201 seinen Bruder Balduin auf dem vierten Kreuzzug, wurde, als dieser 1205 von den Bulgaren gefangen worden war, zuerst Reichsverweser, dann nach dessen Tode 1206 Kaiser in Konstantinopel und rettete das Reich vom Untergang. Er herrschte mild und vers√∂hnlich, erwarb sich das Vertrauen der Griechen, ordnete die kirchlichen Verh√§ltnisse und behauptete die Oberhoheit √ľber die lateinischen Vasallenstaaten sowie √ľber Epirus. Gegen die ausw√§rtigen Feinde, die Bulgaren und den Kaiser Theodor Laskaris von Nic√§a, k√§mpfte er gl√ľcklich. Er starb 1216 kinderlos.

[Frankreich.] 28) H. I., K√∂nig von Frankreich, geb. 1005, gest. 1060 in Vitry, dritter Sohn des K√∂nigs Robert und Konstanzes von Toulouse, war zuerst Herzog von Burgund und folgte, nachdem er schon 1027 gekr√∂nt und zum Mitregenten ernannt worden, 1031 seinem Vater auf dem franz√∂sischen Thron. Seine Regierung ist eine fortlaufende Kette von K√§mpfen gegen den Adel und die in dieser Periode sich entwickelnde Macht der Geistlichkeit. Vor seinem Tode hatte er seinen Sohn Philipp I. als Nachfolger kr√∂nen lassen. H. war seit 1051 mit Anna, Tochter des Gro√üf√ľrsten Jaroslaw von Ru√üland, verm√§hlt.

29) H. II., K√∂nig von Frankreich, geb. 31. M√§rz 1518 in St.-Germain-en-Laye, gest. 10. Juli 1559, zweiter Sohn Franz' I. und Claudias, der Tochter Ludwigs XII. von Frankreich, bestieg den Thron 31. M√§rz 1547 zu einer Zeit, wo von der Spaltung der Religionsparteien und der immer weiter um sich greifenden spanisch-√∂sterreichischen Macht dem franz√∂sischen Reiche gro√üe Gefahr drohte. H. war ein sch√∂ner Mann von hoher Gestalt und regelm√§√üigen Z√ľgen, aber geringer Begabung und durchaus von seinen G√ľnstlingen, namentlich seiner Geliebten Diana von Poitiers und dem Connetable von Montmorency, abh√§ngig. Er begann aufs neue den Krieg mit England, der im M√§rz 1550 die R√ľckgabe der Stadt Boulogne an die franz√∂sische Krone zur Folge hatte. Am 15. Jan. 1552 schlo√ü H. mit dem Kurf√ľrsten Moritz von Sachsen und dessen protestantischen Bundesgenossen das B√ľndnis zu Chambord gegen den Kaiser, fiel im M√§rz mit 35,000 Mann in Lothringen ein und eroberte Toul und Verdun, w√§hrend der Connetable Metz durch Verrat nahm. Mit weniger Gl√ľck ward seit 1552 der Krieg in Italien gef√ľhrt. Ersch√∂pft schlo√ü H. endlich im Februar 1556 mit dem Kaiser zu Vaucelles einen f√ľnfj√§hrigen Waffenstillstand, brach ihn aber auf Anstiften des Papstes Paul IV. und lie√ü den Herzog von Guise mit 20,000 Mann zur Eroberung Neapels in Italien einr√ľcken. Das Unternehmen scheiterte jedoch an der √ľberlegenen Feldherrnkunft des spanischen F√ľhrers, des Herzogs von Alba. Noch ungl√ľcklicher als in Italien verlief der Krieg an der niederl√§ndischen Grenze. Der Connetable von Montmorency erlitt 10. Aug. 1557 bei St.-Quentin eine g√§nzliche Niederlage. W√§hrend Franz von Guise den Engl√§ndern 1558 das 2101. ihre in deren Besitz gewesene Calais entri√ü, vernichtete Egmont ein ganzes franz√∂sisches Heer unter dem Marschall von Termes bei Gravelingen (13. Juni 1558). Allein H. und sein Gegner Philipp II. w√ľnschten ihre Bem√ľhungen zur Unterdr√ľckung der Protestanten zu vereinigen. So wurde 3. April 1559 zwischen Frankreich, Spanien und England der Friede zu Cateau-Cambr√©sis geschlossen. H. trat f√ľr die R√ľckgabe von Ham, St. Quentin, Castelet und die Freilassung des bei St.-Quentin gefangenen Connetables das eroberte Piemont und √ľberhaupt 198 feste Pl√§tze ab. Zur Befestigung des Friedens wurde Heinrichs √§lteste Tochter, Elisabeth, mit Philipp II. von Spanien verm√§hlt. H. hatte bei dieser Gelegenheit ein dreit√§giges Turnier veranstaltet, bei dem er von dem Grafen Montgomery durch einen Lanzensto√ü ins rechte Auge t√∂dlich verwundet wurde. H. war seit 1533 mit Katharina von Medici verm√§hlt, die ihm vier S√∂hne und drei T√∂chter gebar; ihm folgten nacheinander seine S√∂hne Franz II., Karl IX. und H. III. Vgl. dela Barre-Duparcq, Histoire de Henri II (Par. 1887); Bourciez, Les mŇďurs polies et la litt√©rature de cour sous Henri II (das. 1886); de Ruble, Le trait√© de Cateau-Cambr√©sis (das. 1889).

30) H. III., K√∂nig von Frankreich, geb. 19 Sept. 1551 in Fontainebleau, gest. 2. Aug. 1589, als Prinz Herzog von Anjou, dritter Sohn des vorigen und Katharinas von Medici, war nicht ohne Anlagen und erhielt unter der Leitung seiner Mut ler Katharina eine vortreffliche literarisch-k√ľnstlerische Bildung. Kaum 18 Jahre alt, √ľbernahm er das Kommando gegen die Hugenotten, siegte 1569 bei Jarnac und Moncontour und nahm an den Greueln der Bartholom√§usnacht hervorragenden Teil. 1573 wurde er zum polnischen K√∂nig gew√§hlt, verlie√ü jedoch schon 18. Juni 1574 heimlich Polen, um den durch den Tod seines Bruders Karl IX. erledigten Thron von Frankreich einzunehmen. Hier ward er, dessen urspr√ľnglich hervorragende Begabung durch fr√ľhzeitige Ausschweifungen v√∂llig ersch√∂pft worden, alsbald ein Spielball der Parteien und seiner G√ľnstlinge (mignons). Am 15. Febr. 1575 zu Reims gekr√∂nt, verm√§hlte er sich am folgenden Tage mit Luise de Vaudemont aus dem Haus Lothringen. Als die Religionskriege von neuem ausbrachen, benahm sich der K√∂nig unentschlossen und haltlos. Die Guisen arbeiteten unterdes im stillen an dem Wachstum ihrer Macht und brachten endlich nach dem unter der katholischen Partei allgemeinen Unwillen erregenden Friedensschlu√ü zu Beaulieu (5. Mai 1576), in dem den Hugenotten freie Religions√ľbung zugestanden wurde, die ber√ľchtigte Heilige Ligue, angeblich zur Besch√ľtzung des katholischen Glaubens, im Grund aber zum Sturz des Hauses Valois, zustande. H. erkl√§rte sich zwar kurz darauf zum Haupte derselben und stellte gegen die Hugenotten drei Armeen ins Feld; der Sieg des K√∂nigs von Navarra bei Coutras 20. Okt. 1587 gab jedoch dem Krieg eine f√ľr die Liguisten und den Hof √ľble Wendung, die der Herzog von Guise dazu benutzen wollte, den K√∂nig g√§nzlich zu verderben. Die H√§upter der Ligue erregten 12. Mai 1588 in den Stra√üen der Stadt Paris einen Volksaufstand (Tag der Barrikaden). Der K√∂nig mu√üte nach Chartres entfliehen und unterschrieb 19. Juli einen Vergleich, wonach dem Herzog von Guise die W√ľrde eines Generalstatthalters, dem Kardinal von Bourbon das Recht der Thronfolge zugesichert und der Ligue das Versprechen der Ketzervertilgung gegeben ward. Allein w√§hrend der Versammlung der Reichsst√§nde zu Blois wurde 23. Dez. der Herzog von Guise im Vorzimmer des K√∂nigs ermordet, und sein Bruder, der Kardinal von Lothringen, erlitt am folgenden Tage dasselbe Schicksal im Gef√§ngnis. Da erhoben sich Paris und andre St√§dte des Reiches im offenen Aufstande. H. warf sich (3. April 1589) dem K√∂nig von Navarra in die Arme, ward aber daf√ľr vom Papst in den Bann getan. Beide K√∂nige zogen mit dem Heere der Hugenotten gegen Paris, allein im Lager zu St.-Cloud stie√ü ein junger fanatisierter Dominikanerm√∂nch, Jacques Cl√©ment, den K√∂nig 1. Aug. 1589 nieder. Am folgenden Tage verschied H., nachdem er den K√∂nig von Navarra zum Thronerben eingesetzt. Mit ihm erlosch das Haus Valois im Mannesstamm. Vgl. Marquis Eman. de Noailles, Henri de Valois et la Pologne en 1572 (Par. 1867, 3 Bde.); dela Barre-Duparcq, Histoire de Henri III (das. 1882); Robiquet, Paris et la Ligue sous le r√®gne de Henri III (das. 1887); Lady Jackson, The last of the Valois and the accession of Henry of Navarra (Lond. 1888).

31) H. IV., K√∂nig von Frankreich, geb. 13. Dez. 1553 in Pau, gest. 14. Mai 1610, der erste K√∂nig aus dem Hause Bourbon, Sohn Antons von Bourbon und der Johanna d'Albret, Tochter und Erbin Heinrichs von Navarra und B√©arn. Er wurde im protestantischen Glauben erzogen, dem seine Mutter und sein Oheim, Prinz Cond√©, mit Eifer anhingen. Trotz des Unterrichts durch gelehrte und w√ľrdige M√§nner lernte H. wenig, und der wiederholte Aufenthalt am Pariser Hof gab fr√ľh seinem lebhaften, scharfen Geist eine frivole und ironische Richtung. Der Tod seines Vaters vor Rouen 1562 und der Ausbruch des zweiten Religionskriegs (1567) machten ihn zum nominellen und nach dem Tode Cond√©s bei Jarnac (13. M√§rz 1569) zum wirklichen Oberhaupt der Hugenotten. Nach dem Frieden von St.-Germain (1570) mu√üte er sich mit Karls IX. Schwester Margarete verm√§hlen und durch diese Heirat die Auss√∂hnung besiegeln. Sechs Tage danach, 24. Aug. 1572, fand das furchtbare Gemetzel statt, das unter dem Namen der Bluthochzeit oder Bartholom√§usnacht bekannt ist. Dem Tode konnte sich H. nur durch den Besuch der Messe entziehen; aber bei der ersten Gelegenheit (3. Febr. 1576) entfloh er aus Paris und stellte sich an die Spitze der Hugenotten, deren Glauben er auch wieder annahm, die er aber, selbst ohne tieferes religi√∂ses Gef√ľhl, nur als eine politische Partei betrachtete und zur Erlangung einer einflu√üreichen Stellung ausnutzte. Als der Tod Franz' von Anjou (10. Juni 1584) H. zum legitimen Thronerben machte und die katholische Ligue, von Papst Sixtus V. und Philipp II. von Spanien unterst√ľtzt, Heinrichs Oheim, den altersschwachen Kardinal von Bourbon, als Thronfolger proklamierte, brach 1585 ein neuer Krieg aus, in dem H. die ganze Spannkraft seines Geistes, seine gl√§nzenden milit√§rischen und politischen F√§higkeiten bewies. Am 20. Okt. 1587 schlug er das k√∂nigliche Heer bei Coutras. Eine entscheidende Wendung trat dann ein, als Heinrich III. nach der Emp√∂rung von Paris und der Ermordung Heinrichs von Guise (23. Dez. 1588) in sein Lager fl√ľchtete und beim Zuge gegen die aufr√ľhrerische Hauptstadt 1. Aug. 1589 ermordet wurde. Nun war H. nach dem Salischen Gesetz K√∂nig von Frankreich, der erste der Bourbonen; indessen die Behauptung des Thrones war schwierig. Die Ligue, von allen eifrigen Katholiken unterst√ľtzt, und Paris blieben unvers√∂hnliche Gegner und wurden von Spanien mit Geld und Truppen versehen. Indes erlitten sie 14. M√§rz 1590 durch H. bei Ivry eine furchtbare Niederlage. H. begann nun die Belagerung von Paris, jedoch dies wie nachher Rouen wurden von spanischen Heeren unter dem Herzog von Parma entsetzt. Mayenne wagte es, f√ľr Januar 1593 die Generalst√§nde des Reiches behufs einer neuen K√∂nigswahl nach Paris zu berufen. Ehe es aber zu dieser kam, gewann H. durch seinen abermaligen √úbertritt zur katholischen Religion (in St.-Denis 23. Juli 1593) die Schwankenden f√ľr sich, beugte durch dies bei seinem religi√∂sen Indifferentismus leichte Opfer einer dauernden Spaltung Frankreichs vor und erm√∂glichte die Herstellung des Friedens. Sogleich fielen ihm die meisten noch rebellischen Provinzen und St√§dte zu; am 27. Febr. 1594 wurde er in Chartres gekr√∂nt, und 22. M√§rz √∂ffnete ihm Paris die Tore. Zwar brach 1595 offener Krieg mit Spanien aus: indes sprach Papst Clemens VIII. 15. Sept. 1595 den K√∂nig von allen kirchlichen Strafen los, 1596 unterwarfen sich die Liga und ihr Haupt Mayenne zu Folembray, und 2. Mai 1598 schlo√ü auch Philipp II. von Spanien zu Vervins einen f√ľr H nicht ung√ľnstigen Frieden. Das Edikt von Nantes (13. April 1598) aber sicherte den fr√ľhern Glaubensgenossen Heinrichs ihre Gleichstellung mit den Katholiken und war die erste Bet√§tigung der Gewissensfreiheit in Europa.

Einen kurzen Krieg mit Savoyen um Saluzzo (1600), in dem H. die Provinz Bresse erwarb, und einige Aufruhrversuche abgerechnet, hatte der K√∂nig nun zw√∂lf Jahre Ruhe, die er zur Reorganisation des durch die B√ľrgerkriege arg zerr√ľtteten Reiches verwendete. Rastlos arbeitete er daran, dabei durch klaren, raschen Blick, gutes Ged√§chtnis und vortrefflich gew√§hlte R√§te unterst√ľtzt. Zun√§chst galt es, die Autorit√§t der Staatsgewalt wiederherzustellen und ein starkes K√∂nigtum zu errichten. Er erhielt die katholische Kirche in ihrer Abh√§ngigkeit von der k√∂niglichen Gewalt, entzog dem Adel das Recht, Truppen zu halten, vernichtete die Macht der Gouverneure der Provinzen und beseitigte die munizipale Selbst√§ndigkeit; die Generalst√§nde wurden nie zusammenberufen, die Provinzialst√§nde in enge Schranken gewiesen. Die Finanzen verwaltete Maximilian von B√©thune, Marquis von Rosny und Herzog von Sully, so gut, da√ü die auf 350 Mill. Livres angeschwollene Schuldenlast um 125 Mill. verringert, trotz Verminderung der direkten Steuern um 4 Mill. die Staatseinnahme auf j√§hrlich 39 Mill. mit 18 Mill. √úberschu√ü gesteigert und ein Schatz von 41 Mill. angesammelt wurde. Verkehrsstra√üen wurden angelegt, das Kleingewerbe von vielen Schranken befreit, die Gro√üindustrie, namentlich die Seidenmanufaktur, in Aufschwung gebracht; Ackerbau und Viehzucht bl√ľhten auf; in Kanada wurde 1608 die erste Kolonie zu Quebec gegr√ľndet. Der Wohlstand hob sich rasch, die Bev√∂lkerung stieg bis 1610 von 10 auf 13 Mill. Auch K√ľnste und Wissenschaften f√∂rderte H. Sein Hauptaugenmerk richtete er aber auf die ausw√§rtige Politik. Sein Ziel in derselben war die Schw√§chung der habsburgischen Macht (der H. zugeschriebene Plan einer europ√§ischen Republik ist Erfindung Sullys), die, obwohl namentlich in Spanien innerlich morsch, doch noch Mittel- und S√ľdeuropa beherrschte. Im j√ľlich-klevischen Erbfolgestreit stellte er sich auf die Seite der Feinde des Kaisers, der Possedierenden F√ľrsten von Kurbrandenburg und Pfalz-Neuburg, schlo√ü eine Allianz mit Savoyen, und der Ausbruch des Krieges gegen die Habsburger sollte 1610 zu gleicher Zeit in Italien, in Navarra und am Rhein erfolgen. Am 17. Mai wollte der K√∂nig zur Hauptarmee nach Chalons abreisen, 13. Mai fand in St.-Denis die Kr√∂nung der K√∂nigin Maria von Medici statt, die Regentin sein sollte; aber 14. Mai wurde H., als er in Paris in offenem Wagen durch eine enge, versperrte Stra√üe fuhr, von Franz Ravaillac erdolcht. Heinrichs Tod wendete vom Haus Habsburg eine gro√üe Gefahr ab; die Geschicke Europas nahmen einen andern Lauf. ‚Äď H. war kein sittlich reiner Charakter. Er war nicht rachgierig, aber im h√∂chsten Grad undankbar, und z√ľgellose Sinnlichkeit beherrschte ihn bis zu seinem Too. Unter seinen zahlreichen Geliebten sind Gabrielle d'Estr√©es, von der die Herzoge von Vend√īme abstammen, und Henriette d'Entragues zu nennen. Hoch zu sch√§tzen ist H. als Feldherr und Staatsmann, und Frankreich hat von ihm in fast allen Beziehungen die Richtung vorgezeichnet erhalten, in der es sich im 17. und 18. Jahrh. bewegte und zu gl√§nzenden Erfolgen gelangte. H. war von mittlerer Statur, sehnigem K√∂rperbau, nicht sch√∂nen, aber charakteristischen Gesichtsz√ľgen. Von seiner zweiten Gemahlin, Maria von Medici, mit der er sich 1600 nach der Trennung der Ehe mit Margarete von Valois verm√§hlte, hinterlie√ü er drei T√∂chter und zwei S√∂hne, deren √§ltester, Ludwig XIII., sein Nachfolger wurde. Vgl. P√©r√©fixe, Histoire de Henri IV (1661; neue Ausg. von Andrieux, Par. 1822); Poirson, Histoire du r√®gne de Henri IV (3. Aufl. 1865, 4 Bde.); Lescure, Henri IV 1553‚Äď1610 (1873); Lacombe, Henri IV et sa politique (3. Aufl. 1878); M. Philippson, K√∂nig H. IV. von Frankreich (im ¬ĽNeuen Plutarch¬ę, Bd. 1, Leipz. 1874); De la Barre-Dubarcq, Histoire de Henri IV (1884); Lady Jackson, The first of the Bourbons (Lond. 1890, 2 Bde.); Jung, Henri IV consid√©r√© comme √©crivain (1855); Guadet, Henri IV, sa vie, son Ňďuvre, ses √©crits (1879); Zeller, Henri IV et Marie de M√©dicis (1878); Rott, Henri IV, les Suisses et la Haute Italie (1882); Philippson, H. IV. und Philipp III. Die Begr√ľndung des franz√∂sischen √úbergewichts in Europa 1598 bis 1610 (Berl. 1870‚Äď73, 3 Bde.); Anquez, Henri IV et l'Allemagne (Par. 1887); Fagniez, L'√©conomie sociale de la France sous Henri IV (das. 1897).

32) H. V., bei den französischen Legitimisten Name des Grafen von Chambord, s. Chambord.

[Ha√Įti.] 33) H. I., Kaiser von Ha√Įti, s. Christophe.

[Hessen.] 34) H. I., das Kind, erster Landgraf von Hessen, geb. 24. Juni 1244, gest. 21. Dez. 1308, war der Sohn Heinrichs I. von Brabant und Sophies, der Tochter des Landgrafen Ludwig des Heiligen von Th√ľringen und der heil. Elisabeth. Seine Mutter k√§mpfte nach Heinrich Raspes, des letzten Landgrafen von Th√ľringen, Tode (1247) als seine n√§chste Erbin mit Heinrich dem Erlauchten von Mei√üen um Raspes Erbe, konnte aber durch den Vertrag von 1265 f√ľr H., bis dahin ¬Ľdas Kind von Brabant¬ę genannt, nur Hessen erlangen. H. schlug seinen Sitz in Kassel auf, s√§uberte das Land von Raubrittern und sch√ľtzte es gegen die Anma√üungen des Erzbischofs von Mainz, griff auch in die zerr√ľtteten Verh√§ltnisse seines v√§terlichen Erbes Brabant tatkr√§ftig ein und unterst√ľtzte K√∂nig Rudolf I. in dem Kriege gegen Ottokar von B√∂hmen. 1292 erhielt er vom K√∂nig Adolf Boyneburg und Eschwege und die Belehnung mit Hessen als erblichem Reichsf√ľrstentum und ist der Begr√ľnder des hessischen F√ľrstenhauses.

35) H., Prinz von Hessen und bei Rhein, geb. 28. Nov. 1838 in Bessungen bei Darmstadt, gest. 16. Sept. 1900 in M√ľnchen, zweiter Sohn des Prinzen Karl von Hessen und der preu√üischen Prinzessin Elisabeth, j√ľngerer Bruder des sp√§tern Gro√üherzogs Ludwig IV., unter der Leitung des sp√§tern Generals Adolf v. Grolman ausgebildet, seit 1854 Leutnant im 1. Hessischen Infanterieregiment, studierte 1856‚Äď57 in G√∂ttingen und Gie√üen, trat 1859 als Hauptmann in preu√üische Dienste, wurde 1861 Major und nahm am d√§nischen Feldzug 1864 im Hauptquartier teil. Seit 1866 Oberstleutnant beim K√∂nigshusarenregiment, machte er den Krieg von 1866 bei der Elbarmee mit, zeichnete sich als Oberst und Kommandeur des 2. Garde-Ulanenregiments im deutsch-franz√∂sischen Kriege 1870/71 aus, erhielt am Ende des Feldzugs das Kommando einer Kavalleriebrigade, wurde 1873 Generalmajor, 1879 Kommandeur der 25. (hessischen) Division, Generalleutnant, 1886 General der Kavallerie und 1887 zur Disposition gestellt und lebte seit 1892 in M√ľnchen. Er war zweimal morganatisch verm√§hlt: 1878‚Äď79 mit Karoline Willich, genannt v. P√∂llnitz, die zur Freifrau zu Nidda erhoben wurde, seit 189216 mit der S√§ngerin Emilie Hrzik v. Tobulska aus Agram, die den Titel Freifrau v. Dornberg erhielt.

[K√§rnten.] 36) Herzog von K√§rnten, aus dem g√∂rz-tirolischen Haus, k√§mpfte 1298 f√ľr Albrecht I. bei G√∂llheim, ward 1307 nach dem Erl√∂schen der Przemysliden und dem Tode des Habsburgers Rudolf zum K√∂nig von B√∂hmen erw√§hlt, wurde aber 1310 entsetzt und zog sich nach seinen Stammlanden K√§rnten und Tirol zur√ľck; doch √ľbte er noch bei der K√∂nigswahl seines Neffen Friedrich des Sch√∂nen von √Ėsterreich (1314) sein titulares Wahlrecht als Kurf√ľrst aus und entsagte der b√∂hmischen Krone erst 1324 zugunsten Johanns von Luxemburg. Er starb 2. April 1335 auf Schlo√ü Tirol. Seine Tochter war Margarete Maultasch.

[Kastilien.] 37) H. I., König von Kastilien, Sohns Alfons' VIII., geb. 1203, folgte seinem Vater 1214 unter Vormundschaft des Grafen von Lara, wurde aber 1217 von einem fallenden Dachziegel getötet.

38) H. II., de la Merced, Graf von Trastamara, K√∂nig von Kastilien, geb. 1333, gest. 29. Mai 1379, nat√ľrlicher Sohn Alfons' XI. und der Eleonora de Guzman, mu√üte, als Peter der Grausame den Thron bestiegen hatte, nach Portugal entfliehen. Peters Grausamkeit und Willk√ľr hatten dem Prinzen bald eine gro√üe Partei verschafft, und schon 1354 erhob er die Fahne des Aufruhrs, mu√üte aber 1356 nach der Einnahme von Toro fl√ľchten. 1365 und 1366 drang er, unterst√ľtzt von franz√∂sischen Truppen unter Bertrand Duguesclin (s. d.), in Kastilien ein, eroberte fast das ganze Reich, wurde aber 1367 bei Najera vom Schwarzen Prinzen, der Peter zu Hilfe gekommen, vollst√§ndig geschlagen. Ein zweiter, wiederum mit Duguesclin unternommener Einfall endete dagegen mit dem Siege bei Montiel (14. M√§rz 1369). Peter wurde von H. eigenh√§ndig ermordet. H. ergriff darauf die Z√ľgel der Regierung, wies die Anma√üungen des K√∂nigs Ferdinand von Portugal siegreich zur√ľck und stellte die Ruhe vollkommen her.

39) H. III., der Kr√§nkliche, K√∂nig von Kastilien, Enkel des vorigen, geb. 1379 in Burgos, gest. 25. Dez. 1406, erhielt als der erste Thronfolger 1388 den Titel ¬ĽPrinz von Asturien¬ę, folgte seinem Vater Johann I. 1390 unter Vormundschaft eines Regierungsrates, erkl√§rte sich aber, da dessen R√§nke allgemeine Verwirrung herbeizuf√ľhren drohten, 14 Jahre alt, 1393 mit Zustimmung der St√§nde f√ľr majorenn. Durch Klugheit und √ľberraschende Energie wu√üte er die Mi√üvergn√ľgten zu beschwichtigen und auch ohne Krieg das Ansehen des Reiches gegen die Portugiesen, die afrikanischen Seer√§uber und die Mauren in Granada zu wahren.

40) H. IV., der Ohnm√§chtige, K√∂nig von Kastilien, geb. 1423, gest. 12. Dez. 1474, Enkel des vorigen, folgte seinem Vater Johann II. 1454. Er war ein ausschweifender, entnervter F√ľrst. Als ihm seine zweite Gemahlin, Johanna von Portugal, 1462 eine Tochter gebar, wurde deren Legitimit√§t angezweifelt und ihr nach dem Liebhaber der K√∂nigin, Beltran de la Cueva, der Name ¬ĽBeltraneja¬ę beigelegt. Dies benutzte der unzufriedene Adel als Vorwand zu einem Aufstand und erhob 1465 den elfj√§hrigen Bruder Heinrichs, Alfons, auf den Thron. Nach einem mehrj√§hrigen B√ľrgerkrieg und nach Alfons' Tod erkannte H. seine Schwester Isabella im Vertrag von Toro (5. Sept. 1468) als Thronerbin an. Sein G√ľnstling, der Marques von Villena, veranla√üte ihn noch einmal, sich gegen Isabella zu erkl√§ren; allein der Adel n√∂tigte H., sich mit ihr zu Segovia zu vers√∂hnen. Er war der letzte m√§nnliche Spro√ü des Hauses Trastamara.

[Mecklenburg.] 41) H. V., Herzog von Mecklenburg, geb. 3. Mai 1479, gest. 6. Febr. 1552, √§ltester Sohn des Herzogs Magnus und seiner Gemahlin Sophie von Pommern, lebte am Hofe des Markgrafen Friedrich von Brandenburg-Kulmbach, trat in den Dienst des Kaisers Maximilian und blieb in diesem Verh√§ltnis bis zu seinem Regierungsantritt 20. Nov. 1503. Wenn H. auch nicht alleiniger Herrscher war und lange mit seinem Bruder Albrecht (gest. 1547), der eine Landesteilung begehrte, im Zwist lag, so f√ľhrte er doch tats√§chlich die Regierung. Obwohl die Macht der St√§nde wuchs, verstand H. seine Landeshoheit durchzusetzen und zwar nicht zum wenigsten durch die friedliche allm√§hliche Einf√ľhrung der Reformation, die ihm der Umstand erleichterte, da√ü sein siebenj√§hriger Sohn Magnus 1516 Bischof von Schwerin geworden war. Ohne lutherisch zu werden, lie√ü H. seit 1524 alles geschehen, was die Reformation f√∂rdern konnte, trat allerdings 1526 dem Torgauer Bund bei, beobachtete aber seit 1527 eine seinem Lande vorteilhafte politische Neutralit√§tspolitik, trat pers√∂nlich 1533 offen zum Luthertum √ľber, lie√ü seiner Verbreitung freien Lauf, begann aber erst 1537, ein landesherrliches Kirchenregiment einzurichten. Die landesgesetzliche Anerkennung des evangelischen Bekenntnisses erfolgte erst in der Kundgebung vom 20. Juni 1549, die als Antwort auf das Augsburger Interim erging. Vgl. Schnell, H. V., der Friedfertige, Herzog von Mecklenburg (Halle 1902).

42) H. Wladimir Albrecht Ernst, Herzog, s. unten: Niederlande (45).

[Mei√üen.] 43) H. III., der Erlauchte, Markgraf von Mei√üen, geb. 1216, gest. vor dem 8. Febr. 1288, Dietrichs des Bedr√§ngten und Juttas von Th√ľringen j√ľngster Sohn, folgte seinem Vater 1221 unter Vormundschaft seines Oheims, des Landgrafen Ludwig des Frommen von Th√ľringen, nach dessen Tode 1227 unter der Herzog Albrechts von Sachsen. Schon 1230 f√ľr m√ľndig erkl√§rt und 1234 mit Konstanze, der Tochter des Herzogs Leopold von √Ėsterreich, verm√§hlt, beteiligte er sich 1237 an dem Kreuzzug gegen die Preu√üen, geriet bald mit den Markgrafen von Brandenburg in Fehde und stand auf der Seite des Kaisers gegen den Papst. Zum Dank daf√ľr erteilte ihm Friedrich II. 1242 eine Eventualbelehnung mit Th√ľringen und der Pfalz Sachsen und verlobte 1243 seine Tochter Margarete mit Heinrichs Sohn Albrecht; erst nach Konrads IV. Abzug aus Deutschland erkannte H. dessen Gegenk√∂nig Wilhelm von Holland an. Sein Recht auf Th√ľringen konnte er nach Heinrich Raspes Tode 1247 nur mit dem Schwerte behaupten. Nach langwierigem Kriege trat er Hessen an Heinrich, das Kind von Brabant (s. Heinrich 34), ab und behielt Th√ľringen, das er seinem Sohn Albrecht gab, und die Pfalz Sachsen. Diese Erwerbungen vergr√∂√üerten den wettinischen L√§nderbesitz, der jetzt von der Oder bis zur Werra, vom Erzgebirge bis zum Harz reichte, wesentlich. H√§usliche Zwistigkeiten, hervorgerufen durch die Unw√ľrdigkeit seines Sohnes Albrecht, tr√ľbten seine sp√§tern Jahre (s. Albrecht 14). H. war ein tapferer, edler, gerechter, kunstsinniger, freigebiger und prachtliebender F√ľrst, z√§hlt auch zu den Minnesingern. Er war in zweiter Ehe verm√§hlt mit Agnes von B√∂hmen, in dritter mit der Ministerialin Elisabeth v. Maltitz, die ihm Friedrich den Kleinen und Hermann gebar. Vgl. Tittmann, Geschichte Heinrichs des Erlauchten (Leipz. 1845‚Äď46, 2 Bde.); Bartsch, Die Lieder des Markgrafen Heinrich (in den ¬ĽMitteilungen des Vereins f√ľr Geschichte der Stadt Mei√üen¬ę, Bd. 1, 1886); J. A. v. Wagner, H. der Erlauchte, Markgraf von Mei√üen (Bautzen 1898).

[Niederlande.] 44) Wilhelm Friedrich H., Prinz der Niederlande, geb. 13. Juni 1820 in Soestdijk als zweiter Sohn des Königs Wilhelm II, gest. 13. Jan. 1879 in Luxemburg, trat als Offizier in die Marine und ward nach seines Vaters Tode 1849 von seinem Bruder Wilhelm III. zum Statthalter des Großherzogtums Luxemburg ernannt. Er hob die Dampfschiffahrt nach Indien und Amerika und war in Luxemburg sehr beliebt. Auch war er Admiralleutnant der niederländischen Flotte. Am 19. Mai 1853 vermählte er sich mit der Prinzessin Amalie von Weimar (geb. 20. Mai 1830, gest. 1. Mai 1872), Tochter des Herzogs Bernhard von Weimar; die Ehe blieb kinderlos. Zum zweitenmal (24. Aug. 1878) mit der Prinzessin Maria von Preußen (geb. 14. Sept. 1855), ältesten Tochter des Prinzen Friedrich Karl, verheiratet, starb er bald, ohne Nachkommen zu hinterlassen. Vgl. Arendt, H., Prinz der Niederlande (Luxemb. 1879).

45) H. Wladimir Albrecht Ernst, Prinz der Niederlande, Herzog von Mecklenburg-Schwerin, geb. 19. April 1876 in Schwerin, j√ľngster Sohn des 1883 verstorbenen Gro√üherzogs Friedrich Franz II. aus dessen dritter Ehe mit der Prinzessin Marie von Schwarzburg-Rudolstadt, besuchte seit 1888 das Vitzthumsche Gymnasium in Dresden, darauf die Kriegsschule in Metz, unternahm 1894 eine l√§ngere Reise nach Asien und Amerika, trat dann in das preu√üische Heer u. wurde Oberleutnant im Gardej√§gerbataillon. Am 16. Okt. 1900 verlobte er sich mit der K√∂nigin Wilhelmine der Niederlande, ward vor seiner Verm√§hlung (7. Febr. 1901) Generalmajor der niederl√§ndischen und indischen Armee, Admiral der niederl√§ndischen Flotte sowie Prinz der Niederlande und Mitglied des Staatsrats. Kaiser Wilhelm bef√∂rderte ihn zum Generalmajor in der preu√üischen Armee, der Herzog-Regent von Mecklenburg-Schwerin zum mecklenburgischen Generalmajor.

[√Ėsterreich.] 46) H. II. Jasomirgott (der Beiname stammt erst aus dem 13. Jahrh.), Markgraf und Herzog von √Ėsterreich, geb. 1114, gest. 13. Jan. 1177, Sohn Leopolds III. und Agnes', Tochter K√∂nig Heinrichs IV., wurde 1141 nach dem Tode seines √§ltern Bruders, Leopold IV., Markgraf, erhielt 1142 von K√∂nig Konrad III. das Herzogtum Bayern und heiratete Heinrichs des L√∂wen verwitwete Mutter Gertrud, die aber schon im folgenden Jahre starb. Der Kampf mit den Welfen entbrannte von neuem und w√§hrte bis 1146; 1147 entstanden Streitigkeiten mit dem ungarischen K√∂nig Geisa. Im Gefolge des Kaisers machte H. den zweiten Kreuzzug mit und verm√§hlte sich auf der R√ľckfahrt in Konstantinopel 8. Sept. 1148 mit der byzantinischen Prinzessin Theodora. K√∂nig Friedrich Rotbart nahm ihm Bayern wieder ab, entsch√§digte ihn aber auf dem Reichstag zu Regensburg 8. Sept. 1156 durch Erhebung √Ėsterreichs zum Herzogtum und Verleihung besonderer Freiheiten (privilegium Fridericianum minus). 1158 beteiligte sich H. an der Heerfahrt K√∂nig Friedrichs nach Italien und machte auch die Belagerung Mailands mit. Infolge des kirchlichen Schismas tr√ľbte sich das Verh√§ltnis zwischen Kaiser und Herzog, und schlie√ülich bewog der Kaiser die przemyslidischen F√ľrsten 1175 zum Einfall in √Ėsterreich, wobei sie von Ungarn und Polen unterst√ľtzt wurden. Mitten in diesen Kriegsst√ľrmen starb H. in Wien infolge eines Sturzes vom Pferde. Wie die Lostrennung √Ėsterreichs von Bayern sein Werk war, so war er auch der Begr√ľnder Wiens als f√ľrstlicher Residenz; aus seiner Zeit stammt der √§lteste Teil (Westseite) der Stephanskirche; auch brachte er 1155 die Schotten nach Wien, in deren Klosterhof und an deren √§u√üern Kirchenwand sich Denkm√§ler von ihm befinden.

[Portugal.] 47) H. der Seefahrer (Dom Henrique el Navegador), Infant von Portugal, j√ľngster Sohn des K√∂nigs Johann I., geb. 4. M√§rz 1394 in Oporto, gest. 13. Nov. 1460 in Sagres, zeichnete sich zuerst bei der Eroberung von Ceuta (1415) durch Tapferkeit aus. Zum Gro√ümeister des Christusordens ernannt, wollte er durch Entdeckungen im nordwestlichen Afrika den Umfang der maurischen Herrschaft erkunden und nachforschen, ob er nicht im Innern des Erdteils christliche Herrscher finde. Er errichtete deshalb in Sagres (Algarve) die erste Sternwarte Portugals, ein Seearsenal und eine Kosmographenschule. Auch r√ľstete er fast allj√§hrlich Schiffe aus, welche die Westk√ľste Afrikas erforschen sollten. So wurde 1418 Porto Santo, 1419 Madeira entdeckt, Inseln, die Johanns I. Nachfolger Eduard (Duarte) 1433 seinem Bruder H. schenkte; 1434 drangen Gil Eanes und Gon√ßalez √ľber das Kap Bojador vor, 1441 wurde das Kap Blanco, 1443 die Bai von Arguin, 1445 durch Diniz Dias das Kap Verde und 1455 die Kapverdischen Inseln entdeckt, endlich das fruchtbare Senegambien gefunden und das Vorurteil zerst√∂rt, da√ü die hei√üe Zone unbewohnbar sei. Die von H. veranstalteten Seereisen nach Westen f√ľhrten 1447 zur Auffindung der Azoren. Er hat die Portugiesen mit der edlen Leidenschaft f√ľr k√ľhne Seeunternehmungen erf√ľllt und den Grund zu der gro√üartigen Entwickelung seines Volkes gelegt. Anfangs durch Vorurteil und Engherzigkeit vielfach behindert, geno√ü er zuletzt allgemeine Verehrung. Sein Wahlspruch war: ¬ĽTalent de bien faire¬ę. Vgl. De Veer, Prinz H. der Seefahrer und seine Zeit (K√∂nigsb. 1864); Major, Life of prince Henry of Portugal, surnamed the Navigator (Lond. 1868) und Discoveries of prince Henry the Navigator and their results (das. 1877); Beazley, Prince Henry the Navigator (das. 1895).

[Preu√üen.] 48) Friedrich H. Ludwig, Prinz von Preu√üen, geb. 18. Jan. 1726 in Berlin, gest. 3. Aug. 1802, gew√∂hnlich Prinz H. genannt, dritter Sohn Friedrich Wilhelms I., Bruder Friedrichs II., ward, wie dieser, streng erzogen. Erst 16 Jahre alt, wohnte er 1742 als Oberst und Adjutant des K√∂nigs dem Feldzug in M√§hren bei und machte die Schlachten von Caslau (1742), im zweiten Schlesischen Krieg die von Hohenfriedeberg und Soor (1745) mit. Seit 25. Juni 1752 mit der Prinzessin Wilhelmine von Hessen-Kassel verm√§hlt, erhielt er vom K√∂nig das Schlo√ü Rheinsberg und einen neugebauten Palast in Berlin, doch begannen bald die durch Heinrichs allzu gro√üe Empfindlichkeit und verschiedene politische Anschauung (H. war ganz Franzose) hervorgerufenen Mi√üverst√§ndnisse zwischen ihm und dem K√∂nig. Im Anfang des Siebenj√§hrigen Krieges befehligte er unter dem K√∂nig eine Brigade, deckte 1758 an der Spitze der zweiten Armee von 25,000 Mann die S√ľdgrenzen des preu√üischen Staates gegen eine √úbermacht, drang 1759 in B√∂hmen ein, zerst√∂rte die Magazine der √Ėsterreicher und brachte der Reichsarmee in Franken empfindliche Verluste bei. In die Mark Brandenburg gerufen, hielt er nach den Niederlagen bei Kai 23. Juli und Kunersdorf 12. Aug. durch geschickte Man√∂ver das √∂sterreichische und russische Heer so lange in Unt√§tigkeit, bis sein Bruder den erlittenen Verlust ersetzt hatte. 1760 bot er mit 35,000 Mann den Russen die Spitze und entsetzte Breslau, doch sah er sich im Feldzug von 1761 ganz auf die Verteidigung beschr√§nkt. Von Anfang des Krieges an mit der nach seiner Meinung allzu genialen, d. h. tollk√ľhnen Kriegf√ľhrung seines Bruders unzufrieden, stand er an der Spitze einer weitverbreiteten Opposition im Offizierkorps und f√ľgte sich oft nur ungern. Es kam daher wiederholt zu Mi√ühelligkeiten, und 1762 forderte H., durch Vorw√ľrfe Friedrichs gekr√§nkt, seine Entlassung. Mit M√ľhe vers√∂hnte ihn der K√∂nig. Durch den Sieg bei Freiberg 29. Okt. 1762 f√ľhrte H. das Ende des Krieges herbei, und Friedrich II. bezeichnete ihn mit seiner Ironie als den einzigen General, der im ganzen Kriege keinen Fehler gemacht habe. Nach dem Frieden lebte H. wieder zu Rheinsberg den Wissenschaften und K√ľnsten, ging 1770 in Angelegenheiten Polens nach Petersburg, r√ľckte im Bayrischen Erbfolgekrieg 1778, den H. √ľbrigens durchaus nicht billigte, mit 90,000 Mann in Sachsen und nach der Vereinigung mit dem Kurf√ľrsten von Sachsen in B√∂hmen ein, mu√üte sich aber aus Mangel an Lebensmitteln wieder zur√ľckziehen. 1784 unterhandelte er in Paris vergeblich wegen eines B√ľndnisses gegen die Vergr√∂√üerungspl√§ne √Ėsterreichs, √ľbte auch unter Friedrich Wilhelm II. auf die Leitung der ausw√§rtigen Politik, z. B. den Abschlu√ü des Baseler Friedens (1795), gro√üen Einflu√ü aus. H., ein kleiner steifer Herr mit h√§√ülichem Gesicht, starb in Rheinsberg, wo er einen kleinen Hof hielt und allen von Friedrich II. verkannten oder mit Undank belohnten Offizieren des Siebenj√§hrigen Krieges ein Denkmal errichtet hat. Er liegt im dortigen Park begraben unter einer Pyramide, die mit einer von ihm selbst verfa√üten merkw√ľrdigen Grabschrift versehen ist. Seit 1889 f√ľhrt das brandenburgische F√ľsilierregiment Nr. 35 seinen Namen. Vgl. Bouill√©, Vie priv√©e, politique et militaire du prince Henri de Prusse (Par. 1809); Schmitt, Prinz H. von Preu√üen als Feldherr im Siebenj√§hrigen Kriege (Greifsw. 1885‚Äď97, 2 Bde.); Krauel, Prinz H. von Preu√üen in Paris w√§hrend der Jahre 1784 und 1788‚Äď89 (Berl. 1901) und Prinz H. von Preu√üen als Politiker (das. 1902); ¬ĽBriefwechsel zwischen Prinz H. von Preu√üen und Katharina II. von Ru√üland¬ę, hrsg. von Krauel (das. 1903). Seine milit√§rische Korrespondenz enth√§lt Sch√∂ning, Der Siebenj√§hrige Krieg (Potsd. 1851, 3 Bde.).

49) H. Friedrich Karl, Prinz von Preu√üen, geb. 30. Dez. 1781, gest. 12. Juli 1846 in Rom, war der dritte Sohn Friedrich Wilhelms II., befehligte 1806 bei Auerst√§dt eine Infanteriebrigade, war 1813 im Hauptquartier Wittgensteins, wurde nach dem Frieden Gro√ümeister des Johanniterordens, war aber kr√§nklich und verbittert und siedelte 1819 auf immer nach Rom √ľber, wo er die letzten 20 Jahre sein Zimmer nicht mehr verlie√ü, aber sich lebhaft mit Kunst und Literatur besch√§ftigte. Seit 1845 war Moltke sein Adjutant, der auch seine Leiche nach der Heimat brachte. Da√ü er in Rom katholisch geworden sei, ist unbegr√ľndet.

50) Albert Wilhelm H., Prinz von Preu√üen, geb. 14. Aug. 1862 in Potsdam, zweiter Sohn des nachmaligen Kaisers Friedrich III. (s. d., S. 118), besuchte 1875‚Äď77 das Gymnasium zu Kassel und widmete sich dem Seedienst. Mit der Korvette ¬ĽPrinz Adalbert¬ę unternahm er 1878‚Äď80 seine erste Weltreise, wurde 1887 Korvettenkapit√§n, 1889 Kapit√§n zur See und Oberst √† la suite des 1. Garderegiments zu Fu√ü, 1896 Konteradmiral und 1897 Kommandant des gro√üen Kreuzers Deutschland, mit dem er 16. Dez. nach Ostasien abging. 1898 mit dem Oberkommando des Kreuzergeschwaders in Ostasien beauftragt und seit Dezember 1899 Vizeadmiral, kehrte er im Februar 1900 zur√ľck, wurde 10. Sept. 1901 Admiral der deutschen Flotte (daraufhin auch von England und √Ėsterreich) und 21. Sept. 1903 Chef der Marinestation der Ostsee. Im Fr√ľhjahr 1902 besuchte er im Auftrage seines kaiserlichen Bruders unter gro√üen Ehrungen die Vereinigten Staaten. Seit 24. Mai 1888 ist H. mit Prinzessin Irene von Hessen, Tochter des Gro√üherzogs Ludwig IV., verm√§hlt, die ihm drei S√∂hne (der √§lteste geb. 20. M√§rz 1889; der j√ľngste geb. 9. Jan. 1900, gest. 26. Febr. 1904) schenkte. Sein gew√∂hnlicher Wohnsitz ist das Schlo√ü zu Kiel, seit 1900 ist er Doktor-Ingenieur honoris causa der Technischen Hochschule zu Charlottenburg. Vgl. Langguth, Prinz H. von Preu√üen (Halle 1891).

[Reu√ü.] 51) H. Posthumus, Burggraf von Gera, aus dem Hause Reu√ü, geb. 10. Juni 1572 nach seines Vaters, Heinrichs des j√ľngern, Tode, gest. 3. Dez. 1635, erhielt eine vortreffliche Erziehung, studierte in Jena und Stra√üburg und √ľbernahm 1595 die Regierung seines Landes, das er zu dem jetzigen Umfang von Reu√ü j√ľngerer Linie erweiterte. Er verwaltete das Land vortrefflich, gr√ľndete gute Schulen und sorgte f√ľr eine gewissenhafte Rechtspflege. Bei den Kaisern stand er in hohem Ansehen. In Gera ist ihm ein Standbild errichtet.

52) H. VI. Reu√ü, Graf und Herr von Plauen, s√§chs. General, geb. 7. Aug. 1649, gest. 11. Okt. 1697, Sohn des regierenden Grafen Heinrich des √§ltern und Sybille Magdalene, geborne Burggr√§fin von Kirchberg, nahm seit 1669 nacheinander brandenburgische, m√ľnsterische, spanische und holl√§ndische Dienste und w. ir 1677 Geheimrat und Landeshauptmann im Dienste des Markgrafen von Bayreuth, b. s ihn 1679 Kurf√ľrst Johann Georg III. von Sachsen zum Obersten eines neuerrichteten Dragonerregiments machte, mit dem er sich als Generalmajor beim Entsatze von Wien auszeichnete. Im Reichskrieg gegen Ludwig XIV. ward H. vor Mainz, das Marquis d'Uxelles mit 10,000 Franzosen verteidigte, zweimal verwundet und danach zum Generalfeldmarschall-Leutnant bef√∂rdert. Joh. tun Georgs III. (gest. 1691) Nachfolger fesselte H. ebenfalls und benutzte im zu geheimen Missionen an K√∂nig Wilhelm III. von England, Prinzen von Oranien, und den Kurf√ľrsten von Bayern. Von Kurf√ľrst Friedrich August I., dem Starken, zum Generalfeldzeugmeister bef√∂rdert, befehligte H. 1694 das s√§chsische Kontingent am Rhein und kreuzte, eine Hauptschlacht vermeidend, durch geschickte Truppenbewegungen die feindlichen Absichten, f√ľhrte 1695/96 die Sachsen gegen die T√ľrken und wurde bei Zenta so verwundet, da√ü er, eben erst zum Generalfeldmarschall bef√∂rdert, an den Folgen starb. Entgegen der Anschauung seiner Zeit verwarf H. die gewaltsamen Werbungen, suchte die Disziplin unter Vermeidung der √ľblichen barbarischen Strafen auf die Ehre zu gr√ľnden und kam darum besonders mit dem Generalfeldmarschall v. Sch√∂ning in Konflikt, nach dessen Tode (1696) er das Oberkommando √ľber die ganze s√§chsische Armee erhielt. Seit 1681 auch Landesherr in seinem kleinen Staate, sorgte er auch aus der Ferne treu f√ľr Land und Volk. Vgl. ¬ĽGespr√§che im Reiche derer Toten¬ę, 64. Entrevue (Leipz. 1723); B. Schmidt, Graf H. VI. Reu√ü √§. L., der Held von Zenta (Greiz 1897).

53) H. XXII., F√ľrst von Reu√ü √§lterer Linie, geb. 26. M√§rz 1846, gest. 19. April 1902, Sohn des F√ľrsten Heinrich XX. und der Prinzessin Karoline von Hessen-Homburg, folgte 8. Nov. 1859 seinem Vater in der Regierung und stand bis 28. M√§rz 1867 unter Vormundschaft seiner Mutter. Als H. die Regierung selbst√§ndig √ľbernahm, gab er seinem bis dahin absolut. regierten Land eine Verfassung und sorgte treu f√ľr die Verwaltung seines schuldenfreien Landes. Aber mit seiner Stellung als Bundesf√ľrst vermochte er sich nicht auszus√∂hnen, pochte auf seine Souver√§nit√§tsrechte und benutzte jede Gelegenheit, um eine dem preu√üischen K√∂nigshaus und dem Deutschen Reiche feindliche Gesinnung an den Tag zu legen; unter den deshalb erfolgenden Angriffen, namentlich des ¬ĽKladderadatsch¬ę, hatte H. viel zu leiden. H. war seit 8. O't. 1872 mit der Prinzessin Ida von Schaumburg-Lippe (geb. 28. Juli 1852, gest. 28. Sept. 1891) verm√§hlt. Da der Erbprinz Heinrich XXIV. (geb. 20. M√§rz 1878) regierungsunf√§hig ist, mu√üte an seiner Stelle eine Regentschaft eingesetzt werden, die dem n√§chsten vollj√§hrigen und regierungsf√§higen Agnaten des f√ľrstlichen Gesamthauses zusteht, in diesem Falle dem regierenden F√ľrsten von Reu√ü j√ľngerer Linie, Heinrich XIV. (s. unten 54), der sofort nach Erlangung der Regierung alle reichsfeindlichen Einrichtungen und h√∂hern Beamten beseitigte und im Falle des Ablebens des Erbprinzen die beiden F√ľrstent√ľmer Reu√ü unter seiner Herrschaft vereinigen wird. H. hatte f√ľnf T√∂chter: Prinzessin Emma, geb. 1881, verm√§hlt 1903 mit dem √∂sterr. Oberleutnant Graken K√ľnigl; Marie, geb. 1882, verm√§hlt 1904 mit dem √∂sterr. Leutnant Freiherrn Ferdinand von Gnagnoni; Karoline, geb. 13. Juli 1884, seit 30. April 1903 verm√§hlt mit Gro√üherzog Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar; Hermine, geb. 1887, und Ida, geb. 1891.

54) H. XIV., F√ľrst von Reu√ü j√ľngerer Linie, geb. 28. Mai 1832, Sohn des F√ľrsten Heinrich LXVII. und der Prinzessin Adelheid von Reu√ü-Ebersdorf, folgte seinem Vater 11. Juli 1867 in der Regierung. bewahrte sich im Gegensatz zur √§ltern Linie als reichstreu und √ľbernahm nach des Vetters Tode 1902 die Regentschaft f√ľr den regierungsunf√§higen Erbprinzen. Er war seit 6. Febr. 1858 mit der Herzog in Agnes von W√ľrttemberg (gest. 9. Juli 1886) verm√§hlt. Der Erbprinz Heinrich XXVII., geb. 10. Nov. 1858, ist seit Januar 1903 preu√üischer Generalmajor.

[Sardinien.] 55) König von Sardinien, s. Enzio.

[Schlesien.] 56) H. II., Herzog von Schlesien und Polen, Sohn Herzog Heinrichs I. und der heil. Hedwig von Meran (s. Hedwig 2), folgte 1238 seinem Vater, f√∂rderte unter dem Einflu√ü seiner frommen Gemahlin, Anna von B√∂hmen, die kirchlichen Gr√ľndungen und die Germanisierung seines Landes, wurde aber in seinem segensreichen Wirken durch den Einfall der Mongolen unter Batu 1241 unterbrochen. Zuerst in Liegnitz belagert, fand H. 9. April 1241 bei Wahlstatt an der Katzbach in der f√ľr ihn ungl√ľcklichen Schlacht den Tod. Doch veranla√üte sein heldenm√ľtiger Widerstand die Mongolen zur Umkehr. H. wurde in Breslau beigesetzt.

[Th√ľringen.] 57) H. Raspe IV., Landgraf von Th√ľringen, zweiter Sohn Hermanns I. und Sophiens von Bayern, vertrieb nach dem Tode seines √§ltern Bruders, Ludwigs des Frommen (gest. 1227), dessen Gemahlin, die heil. Elisabeth, samt ihren Kindern von der Wartburg und √ľbernahm die Landgrafschaft Th√ľringen nebst der Pfalzgrafschaft Sachsen, anfangs in Vormundschaft seines Neffen Hermann II., nach dessen Tode 1241 in eignem Namen. H. unterst√ľtzte die B√∂hmen gegen die Mongolen, ward 1242 Reichsverweser f√ľr Konrad, den Sohn Kaiser Friedrichs II., schlo√ü sich aber bald der p√§pstlichen Partei an und ward von dieser nach Friedrichs II. Absetzung auf dem Konzil zu Lyon (1245) 22. Mai 1246 in Veitshochheim bei W√ľrzburg zum Gegenk√∂nig erw√§hlt. Da seine Wahl gr√∂√ütenteils von geistlichen F√ľrsten ausgegangen war, hie√ü er spottweise der ¬ĽPfaffenk√∂nig¬ę. Mit p√§pstlichen Geldern sammelte er ein Heer und schlug K√∂nig Konrad 5. Aug. 1246 bei Frankfurt, erkrankte aber w√§hrend der Belagerung von Ulm und starb auf der Wartburg 17. Febr. 1247. Mit ihm erlosch der Mannesstamm des th√ľringischen Landgrafengeschlechts. Um sein reiches Erbe erhob sich der th√ľringische Erbfolgestreit (s. Th√ľringen).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905‚Äď1909.

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