√Ėsterreichischer Erbfolgekrieg

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√Ėsterreichischer Erbfolgekrieg

√Ėsterreichischer Erbfolgekrieg, 1741‚Äď48. Da Kaiser Karl VI. keine m√§nnlichen Nachkommen hatte und der Mannesstamm des Hauses Habsburg in √Ėsterreich mit ihm aussterben mu√üte, scheute er keine Bem√ľhungen und Opfer, um die Anerkennung seiner Tochter Maria Theresia als Erbin und Nachfolgerin in der Gesamtmonarchie zu erlangen. Nachdem die einzelnen Kronl√§nder ihre Zustimmung zu dieser Erbfolge, die man unter dem Namen der Pragmatischen Sanktion (s. d.) zusammenfa√üt, gegeben hatten, bem√ľhte er sich auch um ihre Anerkennung bei den M√§chten. In der Tat erreichte er es, da√ü zuerst Spanien, dann auch Ru√üland, Preu√üen, England, Sachsen und endlich auch Frankreich die Pragmatische Sanktion garantierten; nur Bayern hatte deren Anerkennung verweigert, und unmittelbar nach dem Tode Karls VI. (20. Okt. 1740) erhob der Kurf√ľrst Karl Albert von Bayern als Nachkomme Annas, der √§ltesten Tochter Ferdinands I., Anspr√ľche auf die Erbfolge in der ganzen √∂sterreichischen Monarchie. Obgleich diese Anspr√ľche nicht begr√ľndet waren, denn im Testamente Ferdinands I. hie√ü es nur, da√ü die Erbfolge an seine √§lteste Tochter √ľbergehen sollte, wenn die ehelichen (nicht m√§nnlichen, wie von bayrischer Seite behauptet wurde) Leibeserben der S√∂hne Ferdinands und Karls V. ausgestorben w√§ren, fanden sich doch Frankreich und Spanien bewogen, die g√ľnstige Gelegenheit zu benutzen, um die Machtstellung √Ėsterreichs zu brechen und ihm die 1714 erworbenen spanischen Gebiete zu entrei√üen. Die Gelegenheit, die √∂sterreichische Monarchie zu zerrei√üen, schien um so g√ľnstiger, als auch Spanien, ferner August III. von Polen-Sachsen als Gemahl der √§ltesten Tochter Josephs I. Anspr√ľche erhob (die schon deshalb ungerechtfertigt waren, weil die Erzherzogin bei ihrer Verm√§hlung Verzicht geleistet hatte) und Friedrich II. von Preu√üen schon 1740 den ersten Schlesischen Krieg begonnen und nach dem Siege bei Mollwitz (10. April 1741) Schlesien erobert hatte. Frankreich und Bayern verst√§ndigten sich √ľber eine gemeinsame Politik wider √Ėsterreich. Frankreich und Preu√üen vereinigten sich 5. Juni in Breslau und schlossen eine Defensivallianz, die Friedrich II. Schlesien, dem bayrischen Kurf√ľrsten die Kaiserw√ľrde verschaffen wollte. Kursachsen, Kurk√∂ln, Schweden und Neapel schlossen sich an, w√§hrend England, Ru√üland und Holland auf die Seite Maria Theresias traten. Im August 1741 drangen nun Karl Albert und der franz√∂sische Marschall Belleisle, ohne Widerstand zu finden, bis Linz vor, wandten sich nach B√∂hmen und eroberten mit Kurf√ľrst August III. von Sachsen 26. Nov. Prag, wo 19. Dez. Karl Albert als K√∂nig von B√∂hmen gekr√∂nt wurde. Allein w√§hrend letzterer darauf 24. Jan. 1742 in Frankfurt a. M. als Karl VII. zum Kaiser gew√§hlt und 12. Febr. auch gekr√∂nt wurde und gleichzeitig ein spanisch-neapolitanisches Heer die √∂sterreichischen Besitzungen in Italien (Lombardei, Parma etc.) angriff, brachte am selbigen 24. Jan. der √∂sterreichische Feldmarschall Khevenh√ľller mit seinen durch den ungarischen Heerbann verst√§rkten Truppen Linz zur Kapitulation, eroberte Ober√∂sterreich zur√ľck, w√§hrend der General Bernklau in Bayern eindrang und 13. Febr. 1742 M√ľnchen einnahm. Mit Friedrich II. aber, welcher der Koalition nicht f√∂rmlich beigetreten war, schlo√ü Maria Theresia (nach dem Siege Friedrichs bei Chotusitz 17. Mai 1742) auf den Rat Englands 28. Juli d. J. den Frieden von Breslau, in dem sie auf Schlesien nebst Glatz verzichtete; sie befreite sich auf diese Weise von ihrem gef√§hrlichsten Gegner. Auch Kurf√ľrst August III. von Sachsen trat diesem Friedensschlu√ü bei. So standen die Dinge f√ľr die Verb√ľndeten nicht g√ľnstig. Die Franzosen mu√üten Ende 1742 Prag aufgeben und B√∂hmen r√§umen, im Juni 1743 siegten die √Ėsterreicher bei Simbach. Dazu kam, da√ü wegen der Beteiligung Frankreichs an dem englisch-spanischen Kriege 1742 K√∂nig Georg II. von England und auf seinen Antrieb die Niederlande sich mit √Ėsterreich verbanden und die sogen. pragmatische Armee am untern Rhein aufstellten, die am 27. Juni 1743 die Franzosen bei Dettingen (unweit Aschaffenburg) besiegte und zum R√ľckzug √ľber den Rhein n√∂tigte, worauf auch Sardinien (13. Sept.) und Sachsen (20. Dez. 1743) der √∂sterreichischen Allianz beitraten. Zwar bem√§chtigte sich der Marschall von Sachsen, Moritz, an der Spitze eines franz√∂sischen Heeres mehrerer Pl√§tze (Menin, Ypern, Furnes u.a.) in den Niederlanden; daf√ľr aber drang ein √∂sterreichisches Heer im Fr√ľhjahr 1744 unter Prinz Karl von Lothringen in Elsa√ü und Lothringen ein. Gleichzeitig war der Seekrieg zwischen Frankreich und England ausgebrochen und verlief f√ľr ersteres ungl√ľcklich. Erst als Friedrich II. von Preu√üen, um einem Angriff √Ėsterreichs und seiner Verb√ľndeten zuvorzukommen. sich wieder mit den Gegnern √Ėsterreichs verband und im August 1744 durch den Einfall in B√∂hmen den zweiten Schlesischen Krieg begann, erm√∂glichte er, da√ü seine Verb√ľndeten wieder vordringen konnten und Karl Albert im Oktober 1744 in M√ľnchen einzog. Er starb aber schon 20. Jan. 1745. Sein Sohn Maximilian III. Joseph schlo√ü dann 22. April den Frieden von F√ľssen, worin er die pragmatische Sanktion anerkannte, allen Anspr√ľchen auf √Ėsterreich entsagte und seine Stimme bei der Kaiserwahl dem Gemahl Maria Theresias versprach; daf√ľr erhielt er von Maria Theresia Bayern zur√ľck. Noch im selben Jahre kam zwischen Maria Theresia und Friedrich II. der Dresdener Friede (25. Dez. 1745) zustande, in dem Maria Theresia abermals auf Schlesien verzichtete, Friedrich II. aber ihren Gemahl Franz Stephan, der am 13. Sept. 1745 zum Kaiser gew√§hlt und 4. Okt. als Franz I. gekr√∂nt worden war, anerkannte. Der Krieg wurde sodann nur noch in Italien und am Rhein weitergef√ľhrt. Der Marschall von Sachsen eroberte nach seinen Siegen bei Fontenoy (11. Mai 1745), Rocoux (11. Okt. 1746) und Laveld (2. Juli 1747) die √∂sterreichischen Niederlande und bedrohte durch die Eroberung der Festen Bergen op Zoom und Maastricht Holland; in Italien waren dagegen die Kaiserlichen gl√ľcklich, nur ein Angriff auf die Provence mi√ülang. Da allm√§hlich die meisten am Kriege beteiligten M√§chte desselben m√ľde waren, Ru√üland (2. Juli 1747) offen auf √Ėsterreichs Seite trat und ein russisches Hilfsheer durch Deutschland gegen den Rhein vorr√ľckte, ward auch Frankreich zum Frieden geneigt gemacht. Im Fr√ľhjahr 1748 trat in Aachen ein Friedenskongre√ü zusammen, und 18. Okt. 1748 wurde der Aachener Friede abgeschlossen, in dem die Pragmatische Sanktion und die Habsburger Kaiserw√ľrde anerkannt wurden; Maria Theresia blieb im Besitz der habsburgischen Lande mit Ausnahme von Schlesien, das Preu√üen behielt, und Parma, Piacenza und Guastalla, die dem spanischen Prinzen Philipp als bourbonische Sekundogenitur √ľbertragen wurden. Vgl. Heigel, Der √Ėsterreichische Erbfolgestreit und die Kaiserwahl Karls VII. (N√∂rdling. 1877) und Zur Geschichte des sogen. Nymphenburger Traktates (in der Beilage zur Allgemeinen Zeitung vom 3. und 5. Jan. 1903); Arneth, Geschichte Maria Theresias (Wien 1863‚Äď79, 10 Bde.); E. F. de Vault, Guerre de la succession d'Autriche, 1742‚Äď1748. M√©moire extrait de la correspondance de la cour et des g√©n√©raux (hrsg. von Avers, Nancy 1893, 2 Bde.); W√ľrdinger, Der Ausgang des √Ėsterreichischen Erbfolgekrieges in Bayern (im ¬ĽOberbayrischen Archiv¬ę, Bd. 46, 1884); Crousse, La guerre de la succession d'Autriche dans les provinces belgiques (Br√ľssel 1885); Broglie, √Čtudes diplomatiques. Fin de la guerre de la succession d'Autriche (in der ¬ĽRevue des Deux Mondes¬ę, Bd. 102 ff.); das von der kriegsgeschichtlichen Abteilung des k. u. k. Kriegsarchivs herausgegebene Werk ¬Ľ√Ėsterreichischer Erbfolgekrieg¬ę (Wien 1896‚Äď1905, 8 Bde.).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905‚Äď1909.

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