√Ėsterreichisch-Ungarische Monarchie

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√Ėsterreichisch-Ungarische Monarchie

√Ėsterreichisch-Ungarische Monarchie (hierzu die √úbersichtskarte), ein aus zwei Staatsgebieten oder Reichsh√§lften, n√§mlich dem √∂sterreichischen Staatsgebiet (s. √Ėsterreich, Kaisertum, S. 174 ff.) oder ¬Ľden im Reichsrat vertretenen K√∂nigreichen und L√§ndern¬ę und dem ungarischen Staatsgebiet oder ¬Ľden L√§ndern der ungarischen Krone¬ę (s. Ungarn), zusammengesetztes Reich und eine der europ√§ischen Gro√üm√§chte, nimmt gegenw√§rtig unter den europ√§ischen Staaten in bezug auf den Fl√§cheninhalt den zweiten und in Beziehung auf die Volkszahl den dritten Rang ein, liegt zwischen 42¬į7¬ī-51¬į3¬ī n√∂rdl. Br. und 9¬į32¬ī-26¬į30¬ī √∂stl. L. und hat eine Breitenausdehnung von 1050 und eine L√§ngenausdehnung von 1276 km. Im N. grenzt sie an das Deutsche Reich (Sachsen, Preu√üen) und Ru√üland, im Osten an Ru√üland und Rum√§nien (Moldau), im S. an Rum√§nien (Walachei), Serbien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, das Adriatische Meer und Italien, im W. an Italien, die Schweiz, Liechtenstein und das Deutsche Reich (Bayern). Das Reichsgebiet umfa√üt einen Fl√§chenraum von 624,860 qkm (11,348,1 QM.) und ist zusammenh√§ngend; nur in Dalmatien wird es durch zwei Landzungen des herzegowinischen Gebietes derart durchbrochen, da√ü der Bezirk Ragusa nirgends an √∂sterreichisches Gebiet grenzt. Die Verteilung des Fl√§chenraums auf die beiden Staatsgebiete, die Bev√∂lkerung derselben nach den zwei letzten Z√§hlungen und die gegenw√§rtige Volksdichtigkeit ist aus folgendem zu ersehen:

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Nach dem zwischen den beiden Staatsgebieten 1878 abgeschlossenen Zoll- und Handelsb√ľndnis bilden beide Gebiete zusammen ein Zoll- und Handelsgebiet, umgeben von einer gemeinsamen Zollgrenze. Die Zollgesetzgebung ist gleichartig; au√üerdem sind nach gleichen Grunds√§tzen zu regeln alle Angelegenheiten, die sich auf die Aus√ľbung der Schiffahrt und auf das Seesanit√§tswesen, auf das Privatseerecht, auf die Flu√üpolizei, auf das Eisenbahn-, Post- und Telegraphenwesen, auf die Landesw√§hrung, das Ma√ü- und Gewichtssystem, den Feingehalt der Gold- und Silberwaren und auf die Hausierbefugnisse beziehen. Die Angeh√∂rigen des einen L√§ndergebiets, die in dem andern Handel und Gewerbe treiben wollen oder Arbeit suchen sind bez√ľglich des Gewerbeantritts, der Gewerbeaus√ľbung und der zu zahlenden Abgaben den Ein heimischen gleichgestellt; eine solche Gleichstellung besteht auch bez√ľglich des Marktverkehrs, der Errichtung von Zweigniederlassungen, der Aus√ľbung der Schifffahrt und Fl√∂√üerei. Dem allgemeinen √∂sterreichisch-ungarischen Zollgebiet geh√∂ren auch das F√ľrstentum Liechtenstein und die okkupierten Provinzen Bosnien und die Herzegowina an. Das Zollsystem in demselben beruht gegenw√§rtig auf dem Tarif vom Jahre 1906. Der √§u√üere Handel des allgemeinen √∂sterreichisch-ungarischen Zollgebiets (Spezialhandel, ohne Durchfuhr und Veredlungsverkehr und ausschlie√ülich der Edelmetalle und M√ľnzen) ergab in den Jahren 1900‚Äď04 folgende Werte in Mill. Kronen:

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Nach den Hauptverkehrsländern verteilte sich die Ein- und Ausfuhr 1904 in Mill. Kronen folgendermaßen:

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Auf den Landverkehr kamen in der Einfuhr 80,7, in der Ausfuhr 82,4 Proz.

Die wichtigsten Warengruppen in der Ein- und Ausfuhr waren 1904 (in Millionen Kronen):

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Zu den obigen Ziffern √ľber den eigentlichen Warenverkehr komm in och der Verkehr in Edelmetallen und M√ľnzen, der sich 1904 in der Einfuhr auf 110,3, in der Ausfuhr auf 50,8 Mill. Kronen belief.

Der Durchfuhrhandel ist namentlich f√ľr die vom Westen nach dem Osten des Kontinents zu transportierenden Fabrikate wie f√ľr die vom Osten nach dem Westen Europas zu bef√∂rdernden Rohstoffe von Wichtigkeit; 1904 belief er sich auf 7,5 Mill. metr. Ztr. Der Wert des Veredlungsverkehrs belief sich 1904 in der Ein fuhr auf 63,1, in der Ausfuhr auf 93,3 Mill. Kronen. Vgl. M. v. Engel, √Ėsterreich-Ungarn im Welthandel (Wien 1902); H. v. B√ľlow, √Ėsterreich-Ungarns Handels- und Industriepolitik (Berl. 1902).

Staatsverfassung und Verwaltung.

Die f√ľr √Ėsterreich und Ungarn √ľbereinstimmend geltenden Grundgesetze sind: 1) die Pragmatische Sanktion Kaiser Karls VI. vom 19. April 1713 (nach Annahme durch die St√§nde der √∂sterreichischen Provinzen zusammengefa√üt als ¬ĽHauptinstrument¬ę im Reskript vom 6. Dez. 1724, in Ungarn anerkannt durch die Gesetzartikel I, II und III von 1723), betreffend die Thronfolgeordnung, die Unteilbarkeit uno Untrennbarkeit der Bestandteile der Monarchie; 2) das Gesetz vom 21. Dez. 1867 (ungarischer Gesetzartikel XII von 1867), betreffend die allen L√§ndern der Monarchie gemeinsamen Angelegenheiten; 3) das Zoll- und Handelsb√ľndnis der im Reichsrat vertretenen K√∂nigreiche und L√§nder mit den L√§ndern der ungarischen Krone (Gesetz vom 27. Juni 1878, ungarischer Gesetzartikel XX von 1878, s. oben). Durch das Pragmatikalpatent vom 1. Aug. 1804 wurde die Annahme der Kaiserw√ľrde von √Ėsterreich und durch das Handschreiben vom 14. Nov. 1868 der Titel ¬Ľ√Ėsterreichisch-Ungarische Monarchie¬ę oder ¬Ľ√Ėsterreichisch-Ungarisches Reich¬ę bekannt gemacht. Staatsoberhaupt der gesamten Monarchie ist der Kaiser von √Ėsterreich u. K√∂nig von Ungarn (gegenw√§rtig Franz Joseph I., geb. 18. Aug. 1830, regiert seit 2. Dez. 1848), dessen Pr√§dikat ¬ĽKaiserliche und K√∂nigliche Apostolische Majest√§t¬ę ist. Er ist Oberbefehlshaber des Heeres und der Flotte und entscheidet √ľber Krieg und Frieden. In seinem Namen werden die Gesetze erlassen, die f√ľr beide Reichsh√§lften durch die Mitwirkung der Vertretungsk√∂rper zustande gekommen sind. In seinem Namen wird im ganzen Reiche Recht gesprochen, wie ihm allein auch das Recht der Begnadigung, Strafmilderung und Amnestierung zusteht. Er leistet beim An tritt der Regierung ein eidliches Gel√∂bnis auf die Verfassung, was in √Ėsterreich in Gegenwart beider H√§user des Reichsrats, in Ungarn bei der Kr√∂nung geschieht. Der Thron ist nach dem Rechte der Erstgeburt und der gemischten Linealerbfolge in dem Hause Habsburg-Lothringen erblich. Die m√§nnliche Linie geht der weiblichen vor, und letztere folgt erst nach dem v√∂lligen Aussterben der erstern. Die Religion des Kaisers und der kaiserlichen Familie ist die r√∂misch-katholische.

Beiden Reichsh√§lften gemeinsame Angelegenheiten sind: die ausw√§rtigen Angelegenheiten, das Kriegswesen (mit Ausschlu√ü der Rekruten bewilligung und der Gesetzgebung √ľber die Wehrpflicht), das Finanzwesen r√ľcksichtlich der gemeinschaftlich zu bestreitenden Ausgaben. Hierzu ist noch die durch den Berliner Vertrag von 1878 an √Ėsterreich-Ungarn √ľbertragene Verwaltung Bosniens und der Herzegowina getreten. Au√üerdem werden folgende Angelegenheiten zwar nicht gemeinsam verwaltet, aber nach gleichartigen Grunds√§tzen behandelt: die kommerziellen Angelegenheiten, speziell die Zollgesetzgebung; die Gesetzgebung √ľber die mit der industriellen Produktion in Verbindung stehenden in direkten Abgaben; die Feststellung des M√ľnzwesens und des Geldfu√ües; Verf√ľgungen bez√ľglich jener Eisenbahnlinien, die das Interesse beider Reichsh√§lften ber√ľhren; die Feststellung des Wehrsystems. Das Gesetzgebungsrecht hinsichtlich der beiden Staatsgebieten gemeinsamen Angelegenheiten wird von beiden Reichsvertretungen mittels zu entsenden der Delegationen ausge√ľbt. Jede der beiden Delegationen besteht aus 60 Mitgliedern, von denen 1/3 vom Herrenhaus, bez. der Magnatentafel, 2/3 vom Abgeordnetenhaus, bez. der Repr√§sentantentafel, auf ein Jahr gew√§hlt werden. Sie werden allj√§hrlich vom Monarchen abwechselnd nach Wien oder Budapest einberufen, verhandeln abgesondert und teilen sich ihre Beschl√ľsse gegenseitig schriftlich (durch ¬ĽNunzien¬ę) mit; wenn ein dreimaliger Schriftenwechsel nicht zur Einigung f√ľhrt, so erfolgt die Entscheidung durch Abstimmung in gemeinschaftlicher Plenarsitzung. (Vgl. Dantscher, Der staatsrechtliche Charakter der Delegationen, Wien 1903.) F√ľr die Verwaltung der beiden Reichsh√§lften gemeinsamen Angelegenheiten bestehen drei gemeinsame Ministerien (in Wien) und zwar: das Ministerium des kaiserlichen und k√∂niglichen Hauses und des √Ąu√üern, das Reichskriegsministerium und das Reichsfinanzministerium. Die Rechnungskontrolle √ľber das Kassenwesen der gemeinsamen Ministerien ist dem gemeinsamen obersten Rechnungshof in Wien zugewiesen.

Die gemeinsamen Ausgaben werden nach Abzug der eignen Einnahmen und des Ertrags des Zollgef√§lles sowie einer Quote von 2 Proz., die zu Lasten des ungarischen Staates (wegen der demselben einverleibten Milit√§rgrenze) in Rechnung genommen wird, durch einen Beitrag von 70 Proz. seitens der im Reichsrat vertretenen K√∂nigreiche und L√§nder und durch einen solchen von 30 Proz. seitens der L√§nder der ungarischen Krone gedeckt. Nach dem gemeinsamen Staatsbudget f√ľr 1905 betragen.

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Heerwesen.

(Hierzu Textbeilage: ¬ĽFriedensgliederung und St√§rken des √∂sterreichisch-ungarischen Heeres¬ę.)

Teile der bewaffneten Macht: k. u. k. Heer mit bosnisch-herzegowinischen Truppen; k. k. √∂sterreichische, k√∂nigl. ungarische Landwehr; k. k. √∂sterreichischer, k√∂nigl. ungarischer Landsturm (Honv√©d); k. k. Kriegsmarine. Seit 1899 wird das letzte Wehrgesetz vom 11. April 1889 infolge parlamentarischer Uneinigkeit j√§hrlich provisorisch verl√§ngert. Die allgemeine Wehrpflicht besteht seit 1868; Nichtassentierte entrichten laut Gesetz vom 13. Juni 1880 pro Dienstpflichtjahr 2‚Äď200 Kronen Milit√§rtaxe (Wehrsteuer). Die Wehrverh√§ltnisse in Bosnien und der Herzegowina weisen verschiedene Erleichterungen auf und sind durch das Provisorium vom 24. Okt. 1881 geregelt (keine Milit√§rtaxe, Landwehr- und Landsturmpflicht, Geistliche, √Ąrzte, Apotheker, Tier√§rzte dienstfrei, bedingungsweise Stellvertretung). Ausbaugesetze: √∂sterreichisches Landwehrgesetz vom 25. Dez. 1893, ungarisches 1890; Tiroler Landesverteidigungsgesetz vom 10. M√§rz 1895; Landsturmgesetz 1886. Die √∂sterreichisch-ungarische Landwehr ist, im Gegensatz zu andern Staaten, wo dieses Wort nur √§ltere Jahrg√§nge des Beurlaubtenstandes bezeichnet, auch eine aktive Truppe (Infanterie, Landessch√ľtzen, Ulanen, Husaren). Die Auslassung des Namens Landwehr f√ľr aktive Friedensformationen und die Umwandlung der Landessch√ľtzen in Alpenj√§ger gilt als bevorstehend. Alle Tirol-Vorarlberger Wehrpflichtigen, d.h. Kaiserj√§ger, Landessch√ľtzen, Landsturmm√§nner, dienen der engern Landesverteidigung. Leibgarden, Kronwache (s. d.), Gendarmerie, Milit√§rwachtkorps geh√∂ren, wiewohl milit√§risch organisiert, nur teilweise zur bewaffneten Macht. Die Stellungspflicht beginnt mit dem 1. Jan. des Kalenderjahres, in dem das 21. (im Okkupationsgebiet das 20.) Lebensjahr vollendet wird. Dienstpflicht: Heeressoldat 3 Jahre aktiv, 7 Reserve, 2 nichtaktive Landwehr; Landwehrsoldat 2 Jahre aktiv, 10 nichtaktiv; Bosnier 3 Jahre aktiv, 7 Reserve; Ersatzreservist, d.h. Mindertauglicher oder Beg√ľnstigter, 12 Jahre nichtaktiv, davon 8 Wochen Ausbildung. Die nichtaktive Landwehr, Reserve und Ersatzreserve macht 3‚Äď5 Waffen√ľbungen von 13‚Äď35 Tagen. Absolventen inl√§ndischer Gymnasien und gleichgestellter Anstalten haben Einj√§hrig-Freiwilligenrecht und k√∂nnen nichtaktive Kadetten und Offiziere werden. Der Landsturmpflicht unterliegt jeder hierzu taugliche, der 1. Linie nicht angeh√∂rende Staatsb√ľrger in zwei Aufgeboten (19.‚Äď37. und 38.‚Äď42. Lebensjahr). Wehrbudget 1905: Heer 316,659,175, k. k. Landwehr 45,603,700, k√∂nigl. ungarische Landwehr 40,515,957, Okkupationsgebiet 6,361,800 Kronen. Reichseinteilung: das gemeinsame Heer hat 15 Korpsbezirke mit Milit√§rterritorialkommando an der Spitze (Krakau, Wien, Graz, Budapest, Pre√üburg, Kaschau, Temesvar, Prag, Leitmeritz, Przem√Ĺsl, Lemberg, Hermannstadt, Agram, Innsbruck [dieses hei√üt auch k. k. Landesverteidigungskommando], Sarajewo), sodann einen Milit√§rkommandobezirk f√ľr Dalmatien. √Ėsterreichische Landwehr: jedes √∂sterreichische Milit√§rterritorialkommando ist zugleich Landwehrterritorialkommando. Der Korpskommandant und Milit√§rkommandant in Zara fungiert als Landwehrkommandant (entsprechend in Tirol-Vorarlberg Landesverteidigungskommandant). Jedes Landwehrterritorialkommando begreift eine pr√§sent dienende Infanterietruppendivision als dritte des betreffenden Armeekorps in sich. Ungarische Landwehr: entsprechend 7 Infanterietruppendivisionen bestehen 7 Landwehrdistrikte (Budapest, Szegedin, Kaschau, Pre√üburg, Stuhlwei√üenburg, Klausenburg, Agram), mit Landwehrdistriktskommando an der Spitze. Bei den √∂sterreichisch ungarischen Landwehrbeh√∂rden werden alle Landsturmagenden gef√ľhrt. F√ľr den Landsturm bestehen Landsturmbezirkskommanden (vgl. die Textbeilage).

Zentralbeh√∂rden, h√∂chste Stellen: k. u. k. Reichskriegsministerium mit Marinesektion, k. k. Ministerium f√ľr Landesverteidigung (f√ľr Landwehr), beide in Wien; k√∂niglich ungarisches Landesverteidigungsministerium (f√ľr Landwehr) in Budapest, alle unter dem Kaiser und den Delegationen, bez. Parlamenten verantwortlichen Ministern. Der Kaiser ist oberster Kriegsherr der gesamten bewaffneten Macht, die Milit√§rkanzlei vermittelt zwischen ihm und den Zentralbeh√∂rden. Unmittelbar unterstehen dem Kaiser der Chef des Generalstabs und die drei Generaltruppeninspektoren. Das Landwehroberkommando in Wien und Budapest ist f√ľr die stete Schlagfertigkeit der Landwehrtruppen verantwortlich. Besondere Generalinspektoren bestehen f√ľr Kavallerie, Artillerie, Genie, Pioniere, Train, Erziehungs- u. Bildungsanstalten, Remontierung, ein Inspektor f√ľr die Festungsartillerie. √úber die Rangstufen s. Offizier, S. 918; Uniformen, s. d.

General- und Geniestab erg√§nzen sich aus aktiven Heeres- und Landwehroffizieren, welche die Kriegsschule (s. Kriegsakademie) oder den h√∂hern Geniekurs mit vorz√ľglichem Erfolg absolvieren m√ľssen. Der Geniestab leitet den kriegsbautechnischen Dienst, Angriff und Verteidigung fester Pl√§tze; der Generalstab (s. d.) verteilt sich ohne Kategorienunterschied auf sieben Bureaus im Wiener Kriegsministerium, Truppen und Anstalten.

Über Friedensgliederung, Stärken und, soweit bekannt, Kriegsformationen etc. vgl. die Textbeilage.

Bewaffnung. Die √∂sterreichisch-ungarischen Infanterieregimenter und die J√§gerbataillone f√ľhren das Mannlicher-Repetiergewehr M/95, die Kavallerie den Repetierkarabiner M/95, der Train den Karabiner M/90, die Feld- und Fu√üartillerie und die Mannschaften der Verpflegungsbranche den Repetierstutzen M/95, alle 8 mm-Kaliber. Offizier- etc. Bewaffnung ist S√§bel und Revolver, Selbstladepistolen verschiedener Konstruktionen werden erprobt. Die Ulanenpike (Lanze) ist seit 1874 abgeschafft. Artilleriebewaffnung: statt des bisherigen 9 cm-Stahlbronzefeldgesch√ľtzes System Uchatius (s. d.) M 75/96 f√ľr fahrende und M 75/90 f√ľr reitende Batterien ist die 7,65 cm-Schnellfeuerkanone M/1904 aus Schmiedebronze mit Rohrr√ľcklauf in Einf√ľhrung (starrer Klappsporn, hydraulische Bremse, 3 mm-Chromstahlklappschilde, Einheitspatrone, 6300 m gr√∂√üte Schu√üweite, 20 Schu√ü pro Minute); au√üerdem f√ľhrt die Feldartillerie 10 cm-Haubitzen M/99 und das 7 cm-Gebirgsgesch√ľtz M/99, beide in Wandlaffete mit Federsporn. Gesch√ľtze der Festungsartillerie: 6 bis 8 cm-Kasemattkanonen, 7 cm-Gebirgskanonen, 8 bis 10 cm-Feldkanonen, 9 cm-Schnellfeuerkanonen, 12 bis 18 cm-Belagerungskanonen, 7 bis 30,5 cm-K√ľstenkanonen, 11 bis 28 cm-Minimalschartenkanonen, 15 cm-Haubitzen, 9 bis 24 cm-M√∂rser, 8 bis 11 mm-Mitrailleusen, 9 bis 15 cm-Kanonen M/61, L√ľckengesch√ľtze √§ltern Musters.

Heeresanstalten: √úber technische Artillerie vgl. die Textbeilage. Bildung und Erziehung. Kriegsschule in Wien mit einem vorbereitenden Subalternoffizierkurs der k√∂nigl. ungarischen Landwehr, 3 Milit√§rakademien (s. d.), 19 Infanterie-, 1 Kavallerie-, 2 Artillerie-, 1 Pionierkadettenschule (s. Kadettenh√§user), 2 Ober-, 5 Unterrealschulen (s. Milit√§rrealschule), ein Erziehungsinstitut f√ľr verwaiste Offizierss√∂hne, 2 Offiziers- und 2 Mannschafts-T√∂chtererziehungsinstitute; Infanteriekadettenschule in Prag mit Abteilung f√ľr Train, in Pre√üburg f√ľr Sanit√§t, in Wien und Gro√üwardein f√ľr k. k., bez. k√∂nigl. ungarische Landwehrkavallerie, ein h√∂herer Geniekursus neben 11 andern technischer und administrativer Natur, ein aeronautischer Kursus, einer f√ľr praktisches Milit√§rrecht, 2 Kurse und eine Beurteilungskommission f√ľr Stabsoffizieraspiranten, 2 √§rztliche Applikationsschulen, eine tier√§rztliche Hochschule in Wien, 15 Schulen f√ľr √§ltere Oberleutnants, Equitationen f√ľr Infanterie- und Artillerieoffiziere, 3 Landwehrkavallerieoffizierkurse, mehrere Brigadeoffizierschulen f√ľr Heereskavallerie, 3 Regimentsschulen f√ľr Trainoffiziere, 3 Telegraphenkurse f√ľr Infanterie und Kavallerie, rund 120 Einj√§hrig-Freiwilligenschulen (s. auch Landwehr-Offizieraspirantenschulen); Armeeschie√üschule in Bruck a. d. Leitha (s. auch Gewehrfabriken); Schie√üschule f√ľr Feldartillerie in Hajmasker, f√ľr Festungsartillerie am Steinfelde, Milit√§rreitlehrerinstitut Wien, Reit- und Fahrlehrinstitut Schlo√ühof bei Marchegg, Milit√§rfecht- und Turnlehrerkursus in Wiener-Neustadt (s. Milit√§rturnwesen), Milit√§rgeographisches Institut (s. d.), Kriegsarchiv, Heeresmuseum in Wien. Offiziere werden st√§ndig zum Besuch von Hochschulen kommandiert.

Landesbefestigung. In Galizien sind Krakau und Przem√Ĺsl gro√üe Fortfestungen, in Lemberg und anscheinend auch Jaroslaw Befestigungen f√ľr den Kriegsfall vorbereitet. Gegen die Balkanhalbinsel Trebinje und Bilek Sperrgruppenbefestigungen, Mostar und Sarajevo Sperrbefestigungen, Peterwardein und Karlsburg √§ltere Pl√§tze. An der Schweizer Grenze Nauders, Gomagoi, Val Strino. An der italienischen Grenze ist Trient mit Levico gro√üe Fortfestung, dann Sperrpunkte in Tirol Lardaro, Riva, Paneveggio, Landro, Moos, in K√§rnten unter andern Malborgeth, Predil, Flitsch, an der K√ľste des Adriatischen Meeres Cattaro. Pola-Fasana ist Hauptkriegshafen. Im Innern ist noch Komorn befestigt.

Armeecharakteristik. Die Nationalit√§ten im Heer betragen in Prozenten: Deutsche 29, Magyaren 18, Tschechen 15, Polen 9, Ruthenen 8, Serbokroaten 7, Rum√§nen 5, Slowaken 5, Slowenen 3, Italiener 1. Die Deutschen herrschen vor bei der Infanterie (26 Proz.), den J√§gern (50 Proz.), der Artillerie (40 Proz.), den technischen Truppen (50 Proz.), die Magyaren meist bei der Kavallerie (33 Proz.) und dem Train. Mit R√ľcksicht auf die verschiedenen V√∂lkerschaften wird in milit√§rischen Unterrichtsanstalten auch Nationalsprache gepflegt. Die Dienstsprache ist deutsch, nur beim Honv√©d ungarisch, bez. kroatisch; die Oberoffiziere, Leutnant bis Hauptmann, sind verpflichtet, binnen drei Jahren die vorherrschende Nationalsprache, Regimentssprache genannt, zu erlernen. Der j√§hrlich sich steigernde Offiziersmangel, namentlich in den subalternen Chargen, macht sich empfindlich geltend.

Vgl. Gl√ľckmann, Das Heerwesen der √∂sterreichisch-ungarischen Monarchie (9. Aufl., Wien 1905); ¬ĽDie Heere und Flotten der Gegenwart¬ę, Bd. 4: Das Heer, von E. v. K√§hlig (Berl. 1899); Dumek, Organisation der bewaffneten Macht der √∂sterreichisch-ungarischen Monarchie (Wien 1900); Wrede, Geschichte der k. u. k. Wehrmacht (hrsg. von der Direktion des k. u. k. Kriegsarchivs, das. 1898‚Äď1905, Bd. 1‚Äď5); Anger, Illustrierte Geschichte der k. u. k. Armee (das. 1898); ¬ĽDie √∂sterreichische Armee von 1700‚Äď1867¬ę (illustriert von Ottenfeld, Text von Teuber, das. 1895‚Äď1904); Poten, Geschichte des Milit√§r-Erziehungs- und Bildungswesens in √Ėsterreich-Ungarn (Bd. 15 der ¬ĽMonumenta Germaniae paedagogica¬ę, Berl. 1893); Dolleczek, Geschichte der √∂sterreichischen Artillerie (Wien 1887, 2 Bde.); Metzger, Fahnenhistorik der k. u. k. √∂sterreichisch-ungarischen Infanterie der letzten 300 Jahre (Wiener-Neustadt 1898); Schmid, Das Heeresrecht der √∂sterreichisch-ungarischen Monarchie (Wien 1903); v. Loebells ¬ĽJahresberichte √ľber die Ver√§nderungen und Fortschritte im Milit√§rwesen¬ę (Berl.).

Kriegsflotte.

Eine Kriegsflotte erhielt √Ėsterreich erst durch die Besitznahme Venedigs 1798, bez. 1814. Im J. 1848 b√ľ√üte √Ėsterreich durch den Abfall Venedigs fast seine ganze Flotte wieder ein, und erst durch die Tatkraft des Erzherzogs Maximilian begann die Entwickelung der Kriegsmarine, die sich 1866 bei Lissa gl√§nzend bew√§hrte. Seitdem ist die √∂sterreichisch-ungarische Kriegsflotte nur langsam gewachsen. Marine-Zentralbeh√∂rde ist die Marinesektion des Reichskriegsministeriums, deren Chef zugleich Marinekommandant ist; sie gliedert sich in die Pr√§sidialkanzlei (Organisation, Erziehungs- und Sanit√§tswesen), die Operationskanzlei (Generalstabsbureau der Marine), die erste Gesch√§ftsgruppe (Personalsachen), zweite Gesch√§ftsgruppe (marinetechnische Angelegenheiten) sowie je eine Abteilung f√ľr Justiz und Rechnungswesen. Zentralhafen der Kriegsflotte ist Pola, dessen Hafenadmiralat (den deutschen Marinestationskommandos [s. d.] entsprechend) das Milit√§rhafenkommando (mit dem Befehl √ľber das Matrosenkorps, die Schul- und Kasernenschiffe das Hydrographische Amt, die Marinespit√§ler etc.) f√ľr den maritim-militarischen Dienst und das Seearsenalskommando f√ľr den technisch-√∂konomischen Betrieb des Seearsenals (Marinenwerft) unterstellt sind. Das Matrosenkorps enth√§lt in drei Depots (Abteilungen) die Mannschaften des Deckdienstes (6 Kompanien), des Steuerdienstes (1 Kompanie), des Artilleriedienstes (3 Kompanien), des Torpedodienstes und des Seeminendienstes (zusammen 1 Kompanie), des Maschinendienstes (3 Kompanien) und des Milit√§rarbeiter-, Proviant-, K√ľchen- und Sanit√§tsdienstes (1 Kompanie) sowie eine Musikabteilung und eine Stabsabteilung; vom Matrosenkorps werden die Besatzungen f√ľr die Schiffe gestellt. Die Dienstpflicht dauert 4 Jahre in der Linie, 5 in der Reserve und 3 in der Seewehr; au√üerdem werden Vierj√§hrig- und Einj√§hrig-Freiwillige eingestellt. St√§ndig im Dienst sind ein Artillerieschulschiff mit mehreren Beischiffen, ein Torpedoschulschiff mit Beischiffen. Am Lande sind in Pola die Seeminen- und Telegraphenschule, das Hydrographische Amt mit Marinebibliothek, ein Marinespital, ein Bekleidungsamt, Gefangenhaus, Schwimmschule sowie Marineschulen f√ľr das Personal und auch f√ľr dessen Kinder, ein Marinepfarramt. In Triest ist ein Seebezirkskommando sowie das Marinezentralarchiv, in Fiume ist die Marineakademie f√ľr die wissenschaftliche Ausbildung der Seekadetten in vier Jahrg√§ngen, unterbrochen von Kreuzfahrten auf einer Schulkorvette. In Sebenico befindet sich das Schiffsjungeninstitut auf einem Hafenschiff nebst Beischiffen. Als Flottenstation ist au√üerdem die gro√üe Bucht von Cattaro mit Kohlenlagern, Marinewerkst√§tten etc. ausger√ľstet. F√ľr die Donauflottille ist Budapest Stationshafen. F√ľr 1905 betragen die Marineausgaben 91,6 Mill. Kronen. Das Personal z√§hlte 1905: 563 Seeoffiziere, 88 Maschinenleiter, 66 Sanit√§tsoffiziere, 161 Marinekommiss√§re, 9 Marinegeistliche, 180 Seekadetten und Seeaspiranten, 10,927 Unteroffiziere und Gemeine. √úber die Rangstufen der Offiziere s. Offizier, S. 920. Zur aktiven Flotte z√§hlten Anfang 1906: 11 Linienschiffe mit 85,560 Ton. (von 5150‚Äď10,600 T. Gr√∂√üe), von denen die neuesten, die Schiffe der Erzherzog Karl-Klasse, mit 10,600 T., 118,6 m lang, 21,7 m breit sind und 7,48 m Tiefgang haben; ihre Maschinen geben bei 14,000 Pferdekr√§ften 19‚Äď20 Seemeilen Geschwindigkeit; Bewaffnung vier 24 cm, zw√∂lf 19 cm, zw√∂lf 7 cm-Schnelladekanonen, 12 Maschinenkanonen, 4 Maschinengewehre, 2 Torpedorohre; Panzerung 15 bis 22 cm stark, Panzerdeck 8 cm. Ferner 3 Panzerkreuzer mit 18,810 T. (gr√∂√üter Sankt Georg mit 7300 T., 21 Seemeilen Geschwindigkeit, 2 schwere, 9 mittlere, 12 leichte Schnelladekanonen), 6 kleine gesch√ľtzte Kreuzer mit 17,450 T., 8 Torpedofahrzeuge, 6 gro√üe und 24 kleine Torpedoboote. Au√üerdem die Donauflottille mit 4 Panzerkanonenbooten mit zusammen 1776 T. 7 alte Panzerschiffe dienen als Schul- und Kasernenschiffe, 4 alte Korvetten, 2 alte Kanonenboote als Missions- und Stationsschiffe; ferner sind vorhanden 4 Raddampfer, 4 Schlepptender, 2 Pumpenschiffe, 2 Minenlegungstender, 2 Zisternenschiffe, 1 Torpedodepotschiff, 1 Werkst√§ttenschiff, 1 Materialientransportschiff, 1 alte Fregatte als Artillerieschulschiff mit 2 seegehenden Beischiffen, 1 Torpedoschulschiff und 1 Seeminen- und Telegraphenschulschiff; 1 alte Korvette als Schiffsjungenschule mit 3 seegehenden Beischiffen, 1 Matrosenschulschiff, mehrere Hulken f√ľr Bequartierung und eine f√ľr Quarant√§ne. Au√üerdem 2 Segelkutter u. 2 Segelschuner. Vgl. ¬ĽGeschichte der k. u. k. Kriegsmarine¬ę (Wien 1882 ff., noch nicht abgeschlossen); v. Koudelka, Unsre Kriegsmarine (das. 1899); ¬ĽDie Heere und Flotten der Gegenwart¬ę, Bd. 4: Die Flotte, von R. v. Jedina (Berl. 1899); Lengnick und v. Klimburg, Unsre Wehrmacht zur See (Wien 1904); ¬ĽMitteilungen aus dem Gebiete des Seewesens¬ę (Pola), ¬ĽAlmanach f√ľr die k. u. k. Kriegsmarine¬ę (das.); ferner die beim Artikel ¬ĽMarine¬ę beigef√ľgte Karte mit Textblatt.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905‚Äď1909.

Synonyme:

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  • √Ėsterreichisch-Ungarische Monarchie ‚ÄĒ Die im Reichsrat vertretenen K√∂nigreiche und L√§nder und die L√§nder der heiligen ungarischen Stephanskrone A birodalmi tan√°csban k√©pviselt kir√°lys√°gok √©s orsz√°gok √©s a magyar Szent Korona orsz√°gai ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • √Ėsterreichisch-Ungarische Monarchie ‚ÄĒ Jedes Infanterieregiment hat einen Stab, 4 (Landwehren √ľberwiegend 3) Feldbataillone und einen Cadre f√ľr das im Kriege 25 Offiziere, 1488 Mann z√§hlende Ersatzbataillon, 10 k√∂nigl. ungarische Regimenter au√üerdem einen Cadre f√ľr ein… ‚Ķ   Meyers Gro√ües Konversations-Lexikon

  • √Ėsterreichisch-Ungarische Monarchie ‚ÄĒ √Ėsterreich Ungarn; Donaumonarchie; k.u.k. Monarchie; k.u.k. Doppelmonarchie ‚Ķ   Universal-Lexikon

  • Die √∂sterreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild ‚ÄĒ Als Kronprinzenwerk wird allgemein die 24 b√§ndige landeskundliche Enzyklop√§die Die √∂sterreichisch ungarische Monarchie in Wort und Bild bezeichnet, die 1883 vom √∂sterreichisch ungarischen Kronprinzen Rudolf angeregt wurde. Die Enzyklop√§die… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • √Ėsterreichisch-ungarische Doppelmonarchie ‚ÄĒ Die im Reichsrat vertretenen K√∂nigreiche und L√§nder und die L√§nder der heiligen ungarischen Stephanskrone A birodalmi tan√°csban k√©pviselt kir√°lys√°gok √©s orsz√°gok √©s a magyar Szent Korona orsz√°gai ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • √Ėsterreichisch-Ungarische Kriegsmarine ‚ÄĒ Flagge der √Ėsterreichischen Marine 1786 bis 1869 und der k.u.k. Kriegsmarine 1869 bis 1918 ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • √Ėsterreichisch-Ungarische Armee ‚ÄĒ Milit√§r Bauingenieur im Hauptmannsrang in Dienstadjustierung Die Landstreitkr√§fte √Ėsterreich Ungarns bestanden aus der kaiserlich und k√∂niglichen Armee, der kaiserlich k√∂niglichen Landwehr und der k√∂niglich ungarischen Landwehr.… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • √Ėsterreichisch-ungarische Armee ‚ÄĒ Infanteriefahne der k.u.k Armee entworfen 1915 Die k.u.k. Armee (kaiserliche und k√∂nigliche Armee) ‚Äď bis 1867 kaiserlich k√∂nigliche Armee, kurz: k.k. Armee ‚Äď war das gemeinsame Heer √Ėsterreich Ungarns und ab 1867 nur noch eine von insgesamt vier… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia


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