Italń≠en

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Italń≠en

Italń≠en (lat. u. ital. Italia, franz. Italie, engl. Italy), K√∂nigreich, die mittlere der drei Halbinseln S√ľdeuropas (hierzu 3 Karten: √úbersichtskarte, n√∂rdliche H√§lfte und s√ľdliche H√§lfte von Italien).

Tabelle

Lage, Meeresk√ľste.

In der s√ľdlichen H√§lfte der gem√§√üigten Zone gelegen, dehnt sich I. von 37¬į55' (Kap Spartivento) bis 46¬į41' (Cima di Vanscuro [Pfannspitz] im Distrikt Auronzo) n√∂rdl. Br. und von 6¬į33' (Rocca Chardonnet in den Kottischen Alpen) bis 18¬į31' (Kap Otranto) √∂stl. L. in Gestalt eines langgestreckten, im SW. durch das Dreieck Sizilien vermehrten Trapezes nach SO. aus. Die L√§nge des Festlandes betr√§gt von N. nach S. 1016 km, die Breite der eigentlichen Halbinsel von SW. nach NO. 130‚Äď350 km, die Breite des kontinentalen Oberitalien 568 km. Zu I. sind geographisch auch die gro√üen Inseln Sizilien, Sardinien und das franz√∂sische Korsika, ferner die kleinern Inseln Elba, die Liparen, √Ągaten, Tremiten, das englische Malta etc. zu rechnen.

Die Landgrenze Italiens betr√§gt 1938, die K√ľstenl√§nge der Halbinsel 3383, die Grenzentwickelung der Inseln 3493 km. Die K√ľsten des Ligurischen Meeres von der Var- bis zur Magram√ľndung sind durchaus steil, gro√üe Meerestiefen dr√§ngen sich aus Ufer heran, √ľber beide Schenkel dieses Golfs aber ist aller Zauber der Natur ausgegossen; beide sind reich an herrlichen H√§fen, wie die der Golfe von Spezia und Rapallo, von Genua, Savona und Porto Maurizio. Die K√ľste Mittelitaliens von der Magram√ľndung bis zum Kap Circello ist geradlinig, buchten- und hafenlos und daher von der Natur f√ľr Seeverkehr schlecht ausgestattet; doch hat die K√ľste dadurch etwas Mannigfaltigkeit erhalten, da√ü hier gr√∂√üere Fl√ľsse, namentlich Tiber und Arno, m√ľnden und ihr Delta vorgeschoben haben, w√§hrend naheliegende Felseninseln, wie die von Piombino, Monte Argentaro, Kap Circello und Gańďta, durch die von der K√ľstenstr√∂mung mitgef√ľhrten Sinkstoffe landfest geworden sind. Dadurch ist eine Reihe flacher Golfe entstanden, w√§hrend die Anlage k√ľnstlicher H√§fen (Ostia, die H√§fen des Claudius und Trajan, Civitavecchia, Livorno) in dem angeschwemmten Lande nicht schwer war. Reicher ausgestattet ist die K√ľste s√ľdlich vom Kap Circello. Dort dringen drei Golfe tiefer in das Land ein: von Ga√ęta, Neapel und Salerno. Der mittlere, von der Natur am reichsten ausgestattete, √∂ffnet sich zwischen Kap Miseno und Punta della Campanella 30 km weit, 13 km tief. Gesch√ľtzt durch die vorliegenden Inseln Ischia und Capri, ist er reich an H√§fen, denen die Erzeugnisse der reichen Ebene von Kampanien zustr√∂men. Die K√ľste Kalabriens vom Golf von Policastro bis zur Cratim√ľndung im Golf von Tarent ist sowohl am Tyrrhenischen wie am Ionischen Meer, au√üer am Golf von Sant' Eufemia, steil und hafenlos, aber reich an sch√∂nen Szenerien. Seit der Zerst√∂rung der griechischen St√§dte an dieser K√ľste haben die ungeregelten Wasserl√§ufe einen Fieberg√ľrtel rings um Kalabrien geschaffen, und sarazenische Seer√§uber haben die Bewohner auf die H√∂hen zur√ľckgescheucht, so da√ü die K√ľsten ver√∂deten und in der Kultur zur√ľckblieben.

Die K√ľsten der Insel Sizilien sind fast durchaus steil, an der Ostseite reich an kleinen Buchten und H√§fen, daher hier die bl√ľhenden Griechenst√§dte, wie Messina und Syrakus, entstanden. Auch die Nordseite ist noch reich gegliedert und besitzt den Hafen von Palermo. Die Afrika zugekehrte K√ľste ist ohne nat√ľrliche H√§fen; unter gro√üen Kosten ist ein solcher f√ľr Girgenti in Porto Empedocle geschaffen.

Am g√ľnstigsten ist die K√ľste S√ľditaliens am viereckigen Golf von Tarent gebildet. Seine Ufer sind nur an der Nordwestseite flach, von S√ľmpfen und D√ľnen begleitet und z. T. von Malaria heimgesucht. Tarent hat noch immer einen der besten H√§fen Italiens. Durch die 72 km breite Meerenge von Otranto treten wir in das Adriatische Meer ein, dessen K√ľste bis Rimini √§hnlich wie die westliche Mittelmeerk√ľste verl√§uft. Sie enth√§lt nur den einen allerdings trefflichen Hafen von Brindisi. Von Rimini bis zur M√ľndung des Isonzo haben wir wieder eine durch die Anschwemmungen der zahlreichen Fl√ľsse best√§ndig vorr√ľckende, flache, sumpfige K√ľste vor uns, auf weite Strecken von Lagunen begleitet, die durch D√ľnen (lidi) vom Meer geschieden, durch √Ėffnungen in denselben (porti) damit verbunden sind und dann treffliche H√§fen, wie bei Venedig und Chioggia, bilden.

Bodengestaltung

Die Alpen scheiden I. vom √ľbrigen Festland Europas, als ein ungeheurer Gebirgswall sich von Nizza im W. bis Triest im O. bogenf√∂rmig herumziehend und einen Teil Piemonts, der Lombardei und Venetiens bedeckend. An der italienischen Seite tritt der einseitige Steilabfall der Alpen deutlich, insbes. in Piemont hervor. Der √∂stliche Teil der Seealpen vom Col di Tenda bis zum Pa√ü von Altare nordwestlich von Savona ist ein Bindeglied zwischen Alpen und Apenninen. Die Apenninen (s. d.) bestimmen vornehmlich die Gestalt der Halbinsel. Zwischen ihnen und den Alpen breitet sich die gro√üe Ebene der Lombardei aus, die der Po mit seinen Nebenfl√ľssen bew√§ssert. Vom Po-Tal wendet sich der Zug der Apenninen gegen SO. und wird zum zentralen Gebirgssystem der Halbinsel, der er die Hauptrichtung gibt. Nach beiden Meeren hin dacht sich das Hauptgebirge in H√ľgellandschaften ab, nach O. steiler, wilder, nach W. hin sanfter, mit talreichern Uferlandschaften. Den S√ľden der Halbinsel f√ľllen die Neapolitanischen Apenninen. Die Hauptwasserscheide tritt am Golf von Policastro aus Tyrrhenische Meer, w√§hrend sich √∂stlich die Ebene von Apulien und eine flache, trockne Kalkplatte anlegt, die auch die Apulische Halbinsel bildet. Die Apenninen enden genau genommen im Monte Pollino an der Wurzel der Kalabrischen Halbinsel; der Kalabrische Apennin ist seinem innern Bau nach v√∂llig verschieden. W√§hrend au√üer in Apulien der Ostseite der Halbinsel die Form der Ebene ganz fehlt, besitzt die Westseite die fruchtbare Kampanische Ebene, die in wenig unterbrochenem Zusammenhang mit den Pontinischen S√ľmpfen und der Ebene am untern Tiber steht. Eine lange, dem Kamm der Apenninen parallele Reihe von Vulkanen charakterisiert ferner die Westseite der Halbinsel; der Vesuv ist der s√ľdlichste und einzig noch t√§tige; die Ostseite hat nur den erloschenen Vultur aufzuweisen.

Geologische Beschaffenheit, Gewässer.

Die f√ľr die Gestaltung Italiens wesentlichen Gebirgsz√ľge, die Alpen und die Apenninen, sind gefaltete Kettengebirge von gleichem Bau und gleichem (terti√§rem) Alter. Die Alpen (s. d.) bestehen auf italienischem Gebiet √∂stlich vom Lago Maggiore in den Vorh√∂hen vorzugsweise aus Kalken und Sandsteinen der Terti√§r- und der Kreideformation, im h√∂hern Gebirge aus triassischen und jurassischen Kalken und Dolomiten. Vom Lago Maggiore westlich reichen Gneis, Granit, Amphibolite, Serpentine, Talkschiefer etc. bis an die Ebene heran, aus ihnen bestehen auch noch √ľberwiegend die Ligurischen Alpen. Die Apenninen (s. d.) bauen sich bis zum Golf von Tarent und Kalabrien vorwiegend aus Kalksteinen, Sandsteinen und Schiefertonen der Kreide- und Terti√§rformation auf, in denen vielfach, wie z. B. westlich und √∂stlich von Genua, Gabbro und Serpentin eingelagert sind. An diese √§ltern Gesteine legen sich j√ľngere (mioc√§ne und plioc√§ne) Terti√§rschichten an; sie bilden mehr die niedern Geh√§nge. Der Kalabrische Apennin besteht aus Granit, Gneis und kristallinischen Schiefern mit nur geringen Resten von Kreidekalk, rings umlagert von jungterti√§ren Schichten. Auch lu der Nordostecke Siziliens erscheinen diese kristallinischen Gesteine, verschwinden dann aber weiter nach W. und S. unter Trias-, Jura- und Kreidebildungen, die selbst wieder von eoc√§nen Ablagerungen, Kalksteinen, Mergeln, Tonen und Gipsen, den Tr√§gern der so wichtigen Schwefellager in den Provinzen Caltanissetta und Girgenti, bedeckt sind. Die Po-Ebene wird ausgef√ľllt von Alluvionen; an ihrem n√∂rdlichen und westlichen Rande, wo sie in das H√ľgelland √ľbergeht, spielen die von den Gletschern der Eiszeit abgelagerten Schuttmassen eine gro√üe Rolle, besonders s√ľdlich vom Gardasee und von Ivrea. Die Berge in der Umgegend von Vicenza und die Euganeen bei Padua sind vulkanischen Ursprungs (Trachyte, Basalte und Tuffe). Auch auf der Westseite des Apennin sind vulkanische Gesteine sehr verbreitet; von Toskana, wo unter dem ausgedehnten Plioc√§n (Subapenninformation) auch noch eoc√§ne sowie Kreide-, Jura-, Trias- und selbst permische Ablagerungen sichtbar werden, bis an den Golf von Neapel findet sich eine Reihe von Vulkanen, deren n√∂rdlichster der Trachytkegel des Monte Amiata ist; nach S. schlie√üen sich an die erloschenen Vulkane am Bolsener See und bei Viterbo das vulkanische Albaner Gebirge, dann die Rocca Monfina in Kampanien und die Phlegr√§ischen Felder bei Neapel mit dem noch t√§tigen Vesuv. Hier kreuzt die Reihe mit einer andern, durch die trachytischen Ponza-Inseln, Ischia und weiter √∂stlich den vulkanischen Vultur bezeichneten Vulkanreihe. Vulkanische Tuffe, deren Material von der Rocca Monfina und den vorher genannten Vulkanen ausgeworfen ist, bilden √ľberwiegend die Ebene von Kampanien, die r√∂mische Campagna und die Gegend von Viterbo. Die Solfataren (bei Neapel etc.), ebenso die Bors√§ure-Lagoni Toskanas (bei Volterra) stehen mit den vulkanischen Erscheinungen in engster Verbindung. Vulkanische Gesteine (vorwiegend Basalte) bauen auf Sizilien den noch t√§tigen √Ątna auf; die Liparischen Inseln mit noch t√§tigen Vulkanen auf Vulcano und Stromboli sind trachytischer (liparitischer) Natur. Sardinien besteht √ľberwiegend aus altkristallinischem Gestein wie die Schwesterinsel Korsika, aber auch pal√§ozoische Schiefer, Trias, Kreidekalke und vulkanische Gesteine (diese zumal im Westen) nehmen bedeutenden Anteil am Aufbau der Insel. Geologische Karten von I. s. unten S. 82 (Literatur).

An nutzbaren Mineralien finden sich in I. namentlich Marmor (zu Carrara etc.), Schwefel (besonders in Sizilien), Alaun, Bors√§ure (Soffionen in Toskana, vgl. Bors√§ure), Steinsalz, ferner Eisenglanz (Elba), Blei- und Zinkerze (Sardinien), Kupfererze, Braunkohlen und Zinnober in Toskana. ‚Äď Auch in hydrographischer Hinsicht zeigt Oberitalien einen wesentlichen Unterschied gegen die eigentliche Halbinsel und die Inseln. Nur ersteres hat die zur Speisung von Fl√ľssen hinreichende Wassermenge. Auf der eigentlichen Halbinsel dr√§ngen sich die Regen um die Winterszeit zusammen. Nur im kontinentalen Teil finden wir daher das ganze Jahr wasserreiche Fl√ľsse, sonst ist der Wasserstand im Sommer niedrig, je weiter nach S., um so mehr; ja die meisten Fl√ľsse im S. f√ľhren nur im Winter und oft auch nur nach heftigem Regen Wasser; sie sind Torrenten oder Fiumaren. Die zum Tyrrhenischen Meer gehenden sind wasserreicher, aber nur der Tiber und in geringerm Ma√üe der Arno und Garigliano sind schiffbar. Noch unbedeutender sind der Volturno, Sele, Ombrone, Serchio und die Magra. Dagegen ist der Po einer der im Verh√§ltnis zur L√§nge wasserreichsten Fl√ľsse Europas und in hohem Grade schiffbar, was nur durch die Flachheit seiner zahlreichen M√ľndungsarme (s. Po) beeintr√§chtigt wird. Auch die Etsch, obwohl weit rei√üender, ist im Unterlauf schiffbar, ebenso Ticino, Adda, Mincio, Oglio und einige andre Alpenzufl√ľsse des Po, w√§hrend die von den Apenninen kommenden, au√üer dem Tanaro, sowie die Alpenfl√ľsse des Venezianischen: Brenta, Piave, Tagliamento, die Natur der s√ľditalienischen Torrenten haben. Es beruht dies wesentlich darauf, da√ü ihnen so herrliche Sammelbecken, wie Lago Maggiore, Comer-, Iseo- und Gardasee, fehlen. Die Seen der Halbinsel sind entweder flache Wasseransammlungen in Mulden des Gebirges, wie der Trasimenische und die benachbarten kleinern Seen von Chiusi und Montepulciano, oder Kraterseen, wie der von Bracciano, der Albaner- und Nemisee, oder aber Strandlagunen, wie die von Salpi und Comacchio.

Klima.

Zu den gro√üen Vorz√ľgen Italiens geh√∂rt auch sein herrliches Klima, das es dem Wall der Alpen, dem Einflu√ü des Meeres und der s√ľdlichen Exposition ganzer Landschaften verdankt. Das Pogebiet ist gegen den direkten Einflu√ü des Mittell√§ndischen Meeres durch hohe Gebirgsmauern gesch√ľtzt und √∂ffnet sich nur noch gegen die Adria. Daher ist das Gebiet kontinentaler: hei√üe Sommer und kalte Winter. Die Jahresextreme betragen f√ľr Mailand 34¬į, -10¬į (absolute Extreme 38¬į, -12¬į), Alessandria 35¬į, -11¬į (abs. Extr. 37¬į, -18¬į), Venedig (abs. Extr. 34¬į, -9¬į). Die Winterk√§lte wird hier nicht durch Lufttransport, sondern durch Ausstrahlung im Gebiet selbst bedingt. An den s√ľdlichen Abh√§ngen der Alpen (insbes. an den Seen) ist der Winter etwas milder als in der Ebene; Nordwinde sind zwar h√§ufig, aber da es Fallwinde (Nordf√∂hn) sind, so sind sie verh√§ltnism√§√üig warm. Durchschnittlich fallen im Pogebiet j√§hrlich ca. 80 cm Regen, vorwiegend in der k√§ltern Jahreszeit, doch ist auch der Mai ziemlich regnerisch. Im einzelnen fallen durchschnittlich in Bologna 66, Modena 72, Alessandria 67, Turin 82, Mailand 100, Venedig 81, Udine 155, Belluno 145, Tolmezzo 244 cm Regen und Schnee (Schneetage j√§hrlich durchschnittlich: Verona 6, Brescia 11, Venedig 6, Mailand 10 [Nizza 0,4]; Gewittertage: Mailand 24 j√§hrlich). Die Riviera ist im N. durch hohe Gebirge gesch√ľtzt und bildet eine klimatische Oase mit voller Mittelmeerflora, wie man sie erst in S√ľditalien wiederfindet. In Mittelitalien, s√ľdwestlich vom Apennin, ist der Winter k√§lter als an der Riviera, aber w√§rmer als an der adriatischen Abdachung. Mittlere Jahresextreme: Rom 35¬į, -4¬į (abs. Extr. 37¬į, -6¬į), Ancona 35¬į, -4¬į. In Mittelitalien fallen durchschnittlich 84 cm Regen, haupts√§chlich vom Oktober bis Dezember (Rom 76, Ancona 73, Livorno 85, Florenz 92, Urbino 103 cm). Schneef√§lle sind selten (Rom j√§hrlich 1,6, Florenz 1,3 Schneetage). S√ľditalien (mit Sizilien) hat ein ausgesprochenes Mittelmeerklima, am √∂stlichen Apenn in sind die Sommerregen h√§ufiger als im W.; der Winter ist sehr mild, so da√ü keine Unterbrechung in der Vegetation eintritt und nur die Berge l√§ngere Zeit von Schnee bedeckt sind. Eine Schattenseite Italiens ist die weite Verbreitung der Malaria (s. d.), die namentlich vom Juli bis September auftritt und ganze Landschaften, wie die Maremmen von Toskana und die r√∂mische Campagna, unbewohnbar macht. Der hei√üe, trockne Sciroccowind, der von S. her weht, ist l√§stig und zuweilen der Vegetation sch√§dlich. In S√ľditalien fallen j√§hrlich durchschnittlich 80, auf Sizilien 60 cm Regen, am meisten im Winter (Jahressummen: Palermo 60, Syrakus 48, Lecce 53, Cosenza 118, Neapel 83 cm; Palermo hat j√§hrlich 2,6 Schneetage). Die mittlern Jahresextreme betragen: Palermo 40¬į, 0¬į; absolute Extreme: Lecce 41¬į, -3¬į, Neapel 37¬į, -4¬į, Cosenza 42¬į, -7¬į, Palermo 45¬į, -1¬į, Syrakus 38¬į, -1¬į.

Pflanzen- und Tierwelt.

Au√üer der ligurischen K√ľste besitzt fast nur die s√ľdliche H√§lfte der Halbinsel eine ausgepr√§gte Mittelmeerflora (s. d.); in der Lombardei, Toskana und auch noch in der Umgebung von Rom √ľberwiegen die Pflanzen des mitteleurop√§ischen Gebiets, denen nur einzelne Best√§nde der immergr√ľnen Formationen beigemischt sind. Die Abruzzen bilden ein √úbergangsgebiet zur mitteleurop√§ischen Vegetation des Apennin, in dessen tiefern Lagen zwar immergr√ľne Laubh√∂lzer und Oliven gedeihen, aber nur wenige andre Mittelmeerpflanzen auftreten. Dem entsprechend ist auch Nord- und Mittelitalien an endemischen Pflanzen verh√§ltnism√§√üig arm, erst in Unteritalien und besonders in Sizilien √§ndert sich dies Verh√§ltnis. Auf den Nebroden, dem n√∂rdlichen K√ľstengebirge der Insel, wird die unterste Vegetationsstufe (bis 700 m) von immergr√ľnen Strauchbest√§nden aus Erica arborea, Arbutus Unedo, Tamarix africana, Myrtus communis, Rosa sempervirens, Daphne Gnidium, an Flu√üufern auch von Nerium Oleander gebildet. In diesem G√ľrtel von Macchien (s. Mittelmeerflora) beginnt die Bl√ľtezeit schon im Dezember, der H√∂hepunkt des Pflanzenlebens tritt im April ein, um dann rasch wieder abzunehmen. Mit den ersten September- oder Oktoberregen wacht dann die Vegetation zum zweitenmal auf. Die urspr√ľnglichen Waldbest√§nde von Quercus Ilex und Q. Suber dieser Region sind bis auf vereinzelte Exemplare oder kleine Gruppen zerst√∂rt. Am ausgedehntesten sind die Erikengestr√ľppe (Erica arborea); gro√üe Strecken bedecken auch die Haselnu√üstr√§ucher (zwischen 500 und 700 m); l√§ngs der Flu√ül√§ufe ziehen sich in den obern Lagen schmale Streifen von Weiden und Pappeln, in der tiefern Zone ebensolche von Oleander hin. In der Flora der immergr√ľnen Region √ľberwiegen in auffallender Weise die einj√§hrigen Kr√§uter; besonders die Liliazeen, Orchideen, Euphorbiazeen und Zistazeen sind artenreich. Die zweite H√∂henstufe bildet die Waldregion, die vom Beginn der Kastanienw√§lder bis zur obern Grenze des Buchenwaldes (bei 1800‚Äď1900 m) reicht. Sie zeichnet sich durch zahlreiche sommergr√ľne B√§ume und Str√§ucher, wie besonders Buche, Edelkastanie, Quercus pubescens, Q. apennina und Cerris nebst Arten von Acer, Pirus, Crataegus u. a., aus; auffallend gro√ü ist die Anzahl strauchiger Leguminosen (Genista, Cytisus). Das Pflanzenleben dieser Region beginnt durchschnittlich Ende M√§rz, erreicht seinen Gipfelpunkt im Mai oder Anfang Juni und findet Ende Juli seinen Abschlu√ü; erst mit den Herbstregen erscheinen einige neue Pflanzen (Colchicum, Scilla, Sternbergia, Crocus, Cyclamen u. a.). Die urspr√ľnglichen Tannenw√§lder wurden vielfach ausgerottet, weil die Buche gewinnbringender erscheint. Das Unterholz wird vorzugsweise von Ilex Aquifolium, Ruscus aculeatus, Lonicera Xylosteum, Acer campestre, Rosen etc. gebildet. Die Staudenvegetation wird von Orchideen, Pteris aquilina, Centaurea Calcitrapa, Eryngium campestre, Tanacetum Balsamita, Anthemis Cotula, Prangos ferulacea u. a. zusammengesetzt. Die alpine Region (bei 1800‚Äď1975 m) wird durch das Fehlen des Baumwuchses und das Auftreten niedriger Str√§ucher (Juniperus hemisphaerica, verschiedene Rosen) gekennzeichnet. Eine zusammenh√§ngende Vegetationsdecke kommt nur in Mulden mit angesammelten Humusschichten zur Ausbildung. Die ausdauernden und zugleich Trockenheit liebenden Gew√§chse √ľberwiegen;das Pflanzenleben beginnt erst Ende April oder Anfang Mai, erreicht im Juli seinen H√∂hepunkt und erlischt bereits im August. Die Alpenpflanzen dieser Region sind teils mit Arten der mitteleurop√§ischen Hochgebirge identisch, teils bilden sie Parallelformen zu denselben. Dazu kommt dann noch eine Reihe endemischer Pflanzen, anderseits fehlen eine Anzahl f√ľr die Zentralalpen charakteristischer Familien und Gattungen, wie Gentianeen, Salikazeen, Junkazeen, Cyperazeen, Primula, Pedicularis u. a. - Die hier von den Nebroden gegebene Schilderung kann als typisch f√ľr die √ľbrige italienische Mittelmeerflora gelten, sofern man nur die Hauptgliederung der Vegetation im Auge beh√§lt. Floristisch steht das westliche Ober- und Mittelitalien zu der Mittelmeerzone Frankreichs, das √∂stliche I. mit Istrien und dem westlichen Teil der Balkanhalbinsel in n√§herer Verwandtschaft; ein zweites, gut abgegrenztes Florengebiet mit eigent√ľmlichen endemischen Arten bilden Korsika und Sardinien, ein drittes Sizilien nebst Kalabrien.

In seiner Tierwelt geh√∂rt I. der gr√∂√üern H√§lfte nach zur mittell√§ndischen Subregion der pal√§arktischen Region. In Norditalien kommt noch das Hermelin vor; charakteristisch f√ľr I. wie f√ľr die Mittelmeerl√§nder ist die Wimperspitzmaus, ebenso die sehr sch√§dliche kurzschw√§nzige Erdmaus; sehr verbreitet ist der Siebenschl√§fer. In I. eingef√ľhrt und in den sumpfigen Niederungen (Pontinische S√ľmpfe) halb wildlebend ist der gemeine B√ľffel, ebenso die Dromedare auf der Kamelstuterei San Rossore bei Pisa, die frei herumstreifen. Damwild ist auf Korsika und Sardinien heimisch, in I. eingef√ľhrt. Auf beiden Inseln findet sich auch (wild und gez√§hmt) der Mufflon (Beziehung zu Nordafrika). Hirsch und Reh leben wild, ersterer fehlt auf Sizilien, die Gemse ist ausgerottet; der Steinbock findet sich noch in den Gebirgsz√ľgen zwischen Piemont und Savoyen. Als Rasse des Hausschafs ist das H√§ngeohrschaf Oberitaliens zu erw√§hnen. An V√∂geln ist I. im allgemeinen arm, doch ist sein s√ľdlicher Teil, besonders Sizilien, wichtig durch den Vogelzug (¬ĽPassa¬ę), auf dem ungez√§hlte Mengen n√ľtzlicher V√∂gel aller Art der Jagdwut zum Opfer fallen. Von Reptilien werden 24 Gattungen mit ca. 37 Arten gez√§hlt; alle in Mitteleuropa sich findenden Formen kommen auch in I. vor, zu denen sich dann Typen der mittell√§ndischen Subregion gesellen, besonders Geckos. Eine Art derselben (Phyllodactylus europaeus) ist isoliert Sardinien eigen, gleich einer Gattung der echten Eidechsen (Notopholis), dagegen fehlt auf Sardinien die Blindschleiche; eine charakteristische Echsenart Italiens ist auch Seps. Als Giftschlange ist die allgemein verbreitete Aspisviper gef√ľrchtet. Amphibien kommen etwa 10 Gattungen und 16 Arten vor. Charakteristisch sind der Brillensalamander (S. perspicillata) am Westabhang der Apenninen und auf Sardinien und weiter verbreitet der H√∂hlensalamander (Spelerpes fuscus); dieser wie der Scheibenz√ľngler (Discoglossus pictus) auch auf Sardinien. Von S√ľ√üwasserfischen kommen vor: Forellen, Karpfen, √Ąsche, Aalraupe, Barsch, Maifisch; in verschiedene Seen wurden eingesetzt Salm, Saibling, Mar√§ne. An den K√ľsten werden gefangen der Thunfisch bei Sizilien und Sardinien, Meer√§schen bei Sardinien, Scholle, Goldbrasse, Makrele, Mur√§ne, Seeaal, Sardellen, Sardinen; f√ľr die Aalfischerei sind besonders wichtig Comacchio und Venedig. Besonders reich ist auch die Molluskenfauna, die in der Ebene ganz mediterranen Charakter zeigt; schon am Fu√ü der Alpen erscheinen gro√üe Helix-Arten, besonders die geb√§nderte Helix aspersa; f√ľr S√ľditalien und Sizilien charakteristisch sind die Iberus-Arten, die die hier fehlenden, in den K√ľstenl√§ndern des Mittelmeers weit h√§ufigern Makularien ersetzen; die Inseln zeigen in ihrer Molluskenfauna gro√üe √Ąhnlichkeit mit dem Festland, doch deuten zahlreiche eigent√ľmliche Arten auf eine schon vor geraumer Zeit stattgefundene Trennung hin. Die Auster ist h√§ufig in den Golfen von Neapel und Tarent wie auch anderw√§rts. Die Insektenwelt tr√§gt den Charakter der mediterranen Subregion, eine charakteristische Form ist die Gottesanbeterin (Mantis religiosa), von Spinnentieren der Skorpion und die in Erdl√∂chern lebende Tarantel. Wichtig ist die Korallenfischerei an den K√ľsten S√ľditaliens.

Areal und Bevölkerung.

Das Königreich I. umfaßt nach der neuern Ausmessung des militärgeographischen Instituts 286,648 qkm (5205,8 QM.), wovon 236,465 qkm auf das Festland und 50,183 qkm auf die Inseln kommen. Die Bevölkerung belief sich 1871 auf 26,801,154,1881 auf 28,459,628 und am 10. Febr. 1901 auf 32,475,253 Einw. Die Bevölkerungszunahme beträgt jährlich durchschnittlich 0,7 Proz. Die Verteilung des Flächenraums und der Bevölkerung auf die 69 Provinzen, die in 16 Landschaften (compartimenti) zusammengefaßt werden, zeigt die Tabelle auf S. 74.

I. ist im ganzen dicht bevölkert, indem nach der letzten Zählung 1901: 113 Bewohner auf das Quadratkilometer kommen; doch zeigen die Landschaften und Provinzen große Abweichungen. Die Extreme bilden die Landschaften Ligurien und Kampanien mit 204, bez. 194 und die Insel Sardinien mit kaum 33, unter den Provinzen einerseits Neapel mit 1269, anderseits Sassari mit 29 Einw. auf 1 qkm. Dicht bevölkert ist auch die Lombardei mit 176 Einw. auf 1 qkm. Das Nähere ist aus der Tabelle ersichtlich.

Nach der letzten Erhebung zählt I. 8262 Gemeinden mit 7,027,524 Familien, einschließlich 614,816 Haushaltungen einzelner Personen und 34,351 Kollektivbehausungen (Gasthöfe, Kasernen, Schiffe, Gefängnisse, Klöster, Konvikte etc.) mit 885,250 Insassen. Die 6,378,357 eigentlichen Familien zählen durchschnittlich je 5 Köpfe. Die Gemeinden sind häufig von großem Umfang, da sie in der Regel mehrere Orte (frazioni), im ganzen 25,818, umfassen. In manchen Gegenden Italiens, wie in Sizilien, gibt es fast gar keine kleinern Ortschaften, sondern nur städtische Orte von mehreren tausend Einwohnern.

Nach dem Geschlecht wurden 1901: 16,155,130 m√§nnliche und 16,320,123 weibliche Personen gez√§hlt, so da√ü auf 1000 m√§nnliche 1010 weibliche (1881 nur 995) entfallen. Die Bev√∂lkerungsbewegung ergab 1902: 237,515 Trauungen, 1,092,799 Geburten und 727,189 Sterbef√§lle. Es kamen im Durchschnitt der Jahre 1898‚Äď1900 auf 1000 Bewohner 7,13 Trauungen, 33,46 Lebendgeborne und 22,87 Sterbef√§lle; auf 1000 Geburten 59 uneheliche und 27 Totgeborne. Die mittlere Sterblichkeit betr√§gt (1902) 22,15 pro Mille. Die Geburtenziffer, bis 1889 mehr als 37 auf Tausend betragend, ist im Sinken.

Die Bev√∂lkerung Italiens erleidet allj√§hrlich durch die √ľberseeische Auswanderung einen nicht unbetr√§chtlichen Verlust, der 1902: 245,217 Personen betragen hat, wozu die tempor√§re Auswanderung (nach den europ√§ischen Nachbarl√§ndern und Nordafrika) mit 286,292 Personen hinzukommt. Die gr√∂√üte Zahl von √ľberseeischen Auswanderern kommt aus Kampanien, den Abruzzen, Sizilien, Kalabrien und Piemont und geht nach Brasilien, den Vereinigten Staaten, Argentinien und Uruguay.

Tabelle

Im Auslande lebten 1901: 3,439,014 Italiener, davon 654,000 in Europa. Weitere Angaben √ľber die Auswanderung aus I. in den letzten Jahrzehnten s. Auswanderung, S. 180.

Mit wenigen Staaten Europas teilt I. den gro√üen Vorzug, da√ü es auch eine nationale Einheit bildet, fast nur Italiener innerhalb seiner politischen Grenzen umfa√üt und letztere sich auch so ziemlich mit dem Gebiet des italienischen Volkstums decken. Die italienische Sprache herrscht, abgesehen vom K√∂nigreich I., in einem Teil der s√ľdlichen Schweiz und Tirols (s. das Nebenk√§rtchen auf der Karte der Schweiz und die ¬ĽEthnographische Karte von √Ėsterreich-Ungarn¬ę bei den betreffenden Artikeln), in Triest, G√∂rz und in den K√ľstenst√§dten Istriens und Dalmatiens sowie auf Korsika und Malta. Dem franz√∂sischen Sprachgebiet geh√∂ren (1901) 18,958 Familien in Piemont, dem deutschen 1102 Familien in 16 Gemeinden von Aosta und Domodossola und 1170 Familien in 6 Gemeinden von Venetien an. Slowenisch und serbisch wird von 6781 Familien in den Provinzen Udine, Campobasso und Chieti, albanesisch von 21,554 Familien in Apulien, Kalabrien, Sizilien, griechisch von 7362 Familien in Lecce und Reggio di Calabria, endlich katalanisch von 2055 Familien in Alghero gesprochen.

Religion. Beinahe die Gesamtheit der Bewohner des K√∂nigreichs I. (99,70 Proz.) bekennt sich zur katholischen Religion. Protestanten gab es 1901 nur 65,595, Juden 35,617. Die Konfession begr√ľndet keinen Unterschied in der Aus√ľbung der b√ľrgerlichen und politischen Rechte, obwohl die katholische Religion Staatsreligion ist. Die Vorrechte des zu Rom residierenden Papstes als des geistlichen Oberhauptes der katholischen Kirche sind durch das Gesetz vom 13. Mai 1871 geregelt, auf dem auch das Verh√§ltnis der Kirche zum Staate beruht. Im K√∂nigreich I. bestehen 49 Erzbist√ľmer und 221 Bist√ľmer. Zufolge Gesetzes vom 7. Juli 1866 wurden die Kl√∂ster und religi√∂sen K√∂rperschaften, mit Ausnahme einer Anzahl f√ľr Krankenpflege und Unterricht bestehender, allm√§hlich aufgehoben, d. h. der k√∂rperschaftlichen Rechte und ihres Besitzes entkleidet. Als private Vereinigungen bestehen zahlreiche Kl√∂ster fort. Die Statistik von 1901 z√§hlt 58,764 Personen als Insassen von 3139 Kl√∂stern auf, die gleich den sich unabl√§ssig vermehrenden geistlichen Instituten und Unternehmungen verschiedenster Bestimmung auch ihren Besitz wieder ansehnlich vergr√∂√üern.

Der Stand der Volksbildung ist bis jetzt unbefriedigend, da 1901 noch 48,5 Proz. der √ľber sechs Jahre alten Personen und 56 Proz. der Gesamtbev√∂lkerung Analphabeten waren. In den einzelnen Landesteilen ist ihre Zahl sehr verschieden: sie steigt von 13,25 Proz. in der Provinz Turin bis 79,18 Proz. in Cosenza. Die Zahl der √∂ffentlichen Volksschulen betrug 1898/99: 51,748 mit 2,267,014 Sch√ľlern. Hierzu kommen noch 3843 Privatschulen mit 192,669 Sch√ľlern, dann (1897) 4687 Abend- und Sonntagsschulen f√ľr Erwachsene mit 151,369 Sch√ľlern. Der Besuch der Elementarschulen ist nach dem Gesetz vom 15. Juli 1877 f√ľr Kinder von 6‚Äď9 Jahren obligatorisch, unentgeltlich und Gemeindesache. Der klassische Sekund√§runterricht umfa√üt etwa 700 Gymnasien (darunter 1898: 183 staatliche) als die untere Stufe mit f√ľnf Jahrg√§ngen und 25,551 Sch√ľlern und die Lyzeen (etwa 330, darunter 116 staatliche) als die obere Stufe mit drei Klassen und 10,675 Sch√ľlern, der realistische Sekund√§runterricht die technischen Schulen, an Zahl 1896: 381, worunter 182 staatliche, mit zusammen 37,305 Sch√ľlern, und die technischen Institute (74, davon 54 staatliche) mit zusammen 10,274 Sch√ľlern.

F√ľr den h√∂hern Unterricht bestehen vor allem 17 staatliche Universit√§ten: 11 vollst√§ndige mit den 4 Fakult√§ten (die theologische ausgeschlossen, die philosophische geteilt) in Bologna, Catania, Genua, Messina, Neapel, Padua, Palermo, Pavia, Pisa, Rom und Turin, 3 mit nur 3 Fakult√§ten (keine philologisch-philosophische) in Cagliari, Modena und Parma, 2 mit 2 Fakult√§ten (Rechtswissenschaft und Medizin) in Sassari und Siena und eine mit einer Fakult√§t (Rechtswissenschaft) in Macerata. Dazu kommen 4 freie Universit√§ten in Ferrara (mit 3 Fakult√§ten), Camerino, Perugia und Urbino (mit 2 Fakult√§ten). S√§mtliche 21 Hochschulen z√§hlten 1902/03: 26,401 H√∂rer, gegen 11,997 im J. 1871. Wie in Deutschland zeigt sich auch in I. neuerdings eine bedeutende Zunahme der Juristen und eine Abnahme der Mediziner. Als Hochschulen sind weiter anzusehen: das k√∂nigliche h√∂here Studieninstitut in Florenz (mit 3 Sektionen f√ľr Philosophie und Philologie, Medizin und Chirurgie, Naturwissenschaften), die wissenschaftlich-literarische Akademie in Mailand (einer Fakult√§t f√ľr Philosophie und Literatur entsprechend), das k√∂nigliche h√∂here technische Institut in Mailand, die k√∂niglichen Ingenieurschulen in Bologna, Neapel, Rom, Turin, die Tierarzneischulen in Mailand, Neapel und Turin, die h√∂here Normalschule zu Pisa und die h√∂hern Lehrerinnenseminare in Rom und Florenz. H√∂here Fachschulen sind: die Schule f√ľr Sozialwissenschaften in Florenz, die h√∂hern Ackerbauschulen in Mailand und Portici, das Forstinstitut in Vallombrosa, das Industriemuseum in Turin, die h√∂hern Handelsschulen in Bari, Genua und Venedig und die h√∂here nautische Schule in Genua. Endlich besteht eine gro√üe Zahl von Fach- und Speziallehranstalten und zwar 35 f√ľr Landwirtschaft, 2 f√ľr Bergbau, 196 f√ľr Handel und Gewerbe, 174 f√ľr Zeichnen und Plastik, 26 f√ľr sch√∂ne K√ľnste, 5 staatliche Konservatorien und eine gro√üe Zahl Musikschulen. √úber die Milit√§rschulen s. unten. Als Hilfsanstalten f√ľr den Unler. richt bestehen 1831 Bibliotheken, darunter 32 staatliche, die 1898: 1,690,825 B√ľcher ausliehen. Sehr zahlreich sind in I. die wissenschaftlichen Gesellschaften (Akademien), deren jede Stadt eine oder auch mehrere besitzt. Zeitungen erschienen in I. 1856: 331,1871: 765,1895: 1901. Von letztern waren 479 politische, 87 politisch-religi√∂se, 327 rechtswissenschaftliche, volkswirtschaftliche und soziale, 142 literarische, 202 landwirtschaftliche, gewerbliche, Handels- und Finanzbl√§tter u. a., 138 medizinische und naturwissenschaftliche, 156 kirchliche etc. Nur 128 Zeitungen erschienen t√§glich. Wie I. von jeher das klassische Land der Kunst gewesen ist, so ist es auch noch heute, obwohl sich seit Jahrhunderten alle Museen der Welt aus I. bereichert haben, reich an Kunstsch√§tzen. Die bedeutendsten Sammlungen finden sich in Rom, Florenz, Neapel, Venedig, Mailand, Turin, Bologna, Genua, Verona, Parma, Perugia, Siena, Palermo etc.

Nationalcharakter. K√∂rperliches Ebenma√ü, Beweglichkeit, Empf√§nglichkeit, Gewandtheit, H√∂flichkeit, nat√ľrlicher Verstand und Gefallen an sch√∂nen Formen charakterisieren den Italiener. M√§√üig, n√ľchtern, arbeitsam, gewinns√ľchtig, ist er doch auch Freund heiterer Geselligkeit, leicht begeistert, aber auch leicht zu leidenschaftlicher Tat fortzurei√üen. Was ihm mangelt, ist Z√§higkeit, Ausdauer, Gew√∂hnung an Ordnung, Disziplin, Sittenstrenge, sozialer Sinn. Daher die fehlerhafte Jugenderziehung, der Mangel an Aufopferung f√ľr das Gemeinwohl, an Ehrlichkeit und Pflichttreue im √∂ffentlichen Leben, an Idealit√§t und Charakterfestigkeit.

Bodenkultur.

Eigent√ľmlichkeiten der Bodenkultur sind: das √úberwiegen der Baumkultur, die k√ľnstliche Bew√§sserung und der Terrassenbau, der Anbau von zwei oder drei Fr√ľchten zu gleicher Zeit, namentlich im S√ľden, sowie die Erzielung mehrerer Ernten hintereinander in demselben Jahre. Die intensivste Bodenkultur herrscht im Pogebiet, in Toskana, Kampanien, der Conca d'Oro von Palermo und √§hnlichen Gegenden, die durchaus gartenartig angebaut sind, wo kein St√ľckchen Land unbenutzt bleibt. Die Besitzer sowohl der zahlreichen Latifundien als auch der kleinern G√ľter leben zumeist in den St√§dten und verpachten die L√§ndereien an Teilbauern oder Unternehmer, die ihrerseits entweder weiter verpachten oder das Land durch Tagel√∂hner bebauen lassen. Die letztern und sehr viele Kolonen fristen bei harter Arbeit kaum das Leben. Nur als Winterweide brauchbar sind die im Sommer von Malaria heimgesuchten Ebenen Apuliens, die Pontinischen S√ľmpfe, die Campagna von Rom und die Maremmen (s. d.). Die Landwirtschaft einschlie√ülich Viehzucht und Forstwirtschaft bildet noch immer die Haupterwerbsquelle. Es leben davon (1901) 9,611,003 Personen von mehr als neun Jahren. Von ihnen sind 2,583,490 Eigent√ľmer, 50,348 Erbp√§chter, 2,701,894 P√§chter und Teilbauern, 2,828,846 Tagel√∂hner, 1,066,588 Knechte, Aufseher und andres Gutspersonal; 249,759 Personen waren in der Vieh- und Gefl√ľgelzucht besch√§ftigt. Von der Industrie leben 3,989,820, vom Handel 1,196,744 selbstt√§tige Personen von √ľber neun Jahren. Das Nationalverm√∂gen wurde 1903 auf etwa 65 Milliarden Lire berechnet.

Von der gesamten Bodenfläche von 28,664,800 Hektar sind 20,283,000 Hektar produktives Land; 4,647,500 Hektar beträgt die nicht produktionsfähige, 3,734300 Hektar die unproduktive Fläche. Die erstern verteilen sich folgendermaßen:

Tabelle

[Orden, Wappen, Flagge.] I. hat f√ľnf Ritterorden: Annunziatenorden (Ordine supremo dell'Annunziata), seit 1362; Orden des heil. Mauritius und Lazarus, seit 1434; Milit√§rorden von Savoyen, seit 1815; Zivilverdienstorden von Savoyen, seit 1831, und Orden der italienischen Krone, seit 1868 (s. Tafel ¬ĽOrden II¬ę, Fig. 9‚Äď11). Dazu kommt seit 1901 ein Orden f√ľr ¬ĽVerdienste um die Arbeit¬ę. Das Wappen (s. Tafel ¬ĽWappen II¬ę, Fig. 5) besteht aus einem silbernen Kreuz im roten Schild, umgeben von den Ketten und B√§ndern aller italienischen Orden. Der Schild, gehalten von zwei r√ľckw√§rts sehenden goldenen L√∂wen, tr√§gt einen offenen, mit goldenen Decken versehenen Helm, der mit der ¬Ľeisernen Krone¬ę geschm√ľckt ist. √úber das Ganze w√∂lbt sich ein mit Hermelin gef√ľtterter, goldgestickter Purpurbaldachin, √ľberragt von der italienischen K√∂nigskrone. √úber dem Baldachin flattert das Banner Italiens, mit blauer Schleife an der mit einem goldenen, gekr√∂nten Adler geschm√ľckten Stange befestigt. Die Kriegsflagge besteht aus drei Vertikalstreifen: Gr√ľn, Wei√ü, Rot, im Mittelstreifen ein von blauem Rand umgebener, goldgekr√∂nter Wappenschild mit wei√üem Kreuz im roten Felde. Die Handelsflagge ist ebenso, nur der Kreuzschild ungekr√∂nt (s. Tafel ¬ĽFlaggen I¬ę).

Geographisch-statistische Literatur.

Au√üer den bereits angef√ľhrten Werken sind zu nennen die zahlreichen amtlichen Publikationen: das ¬ĽAnnuario statistico Italiano¬ę (seit 1878, √ľber Topographie, Bev√∂lkerung, Heer, Eisenbahnen, Finanzen etc.); die ¬ĽAnnali di Statistica¬ę etc.; ferner Zuccagni-Orlandini, Corografia fisica, storica e statistica dell' Italia (Flor. 1844, 15 Bde.); das gro√üe, 1865‚Äď73 in Mailand erschienene Sammelwerk ¬ĽL'Italia sotto l'aspetto fisico, storico, artistico e statistico¬ę, in drei Abteilungen: ¬ĽDizionario corografico¬ę von Amati (8 Bde.), ¬ĽTrattati scientifici sull' Italia¬ę (27 Bde.) und Atlas von 150 Karten; Strafforello, La Patria, geografia dell' Italia (Tur. 1889 ff.); Premoli, L'Italia geografica illustrata (Mail. 1891, 2 Bde.); Lampani, L'Italia sotto I'aspetto idrografico (Rom 1878‚Äď81, 2 Bde.); ¬ĽStudi sulla geografia naturale e civile dell' Italia¬ę (das. 1875); ¬ĽDizionario geografico postale¬ę; ¬ĽStatistica industriale. Monografie¬ę (das. 1885‚Äď90); ¬ĽAtti della Giunta per l'inchiesta agraria e sulle condizioni della classe agricola¬ę (das. 1881‚Äď86, 15 Bde.); Th. Fischer, I. (in Kirchhoffs ¬ĽL√§nder kunde von Europa¬ę, Bd. 2, Wien 1893; ital. Bearbeitung von Novarese und Pasanisi, Tur. 1903). Nissen, Italische Landeskunde (Bd. 1 u. 2, Berl. 1883‚Äď1902); ¬ĽL'Italie g√©ographique, ethnologique, historique etc.¬ę (von Bazin, Dejob, Duprat, 2. Aufl., Par. 1903); Deecke, Italien (Berl. 1898), Reclus u. Brunialti, L'Italia nella natura, nella storia, negli abitanti, etc. (Mail. 1902‚Äď04, 2 Bde.). Pavese, Le terre incolte d'Italia (Turin 1899), Hehn, I, Ansichten und Streiflichter (6. Aufl., Berl. 1900); Gregorovius, Wanderjahre in I. (5 Bde.); P. D. Fischer, I. und die Italiener am Schlu√ü des 19. Jahrhunderts (2. Aufl., Berl. 1901); Noack, Italienisches Skizzenbuch (Stuttg 1899, 2 Bde.); Ghio, Notes sur l'Italie contemporaine (Par. 1902), v. L√ľtzow, Die Kunstsch√§tze Italiens in geographisch historischer √úbersicht (2. Aufl, Gera 1900); das von Haarhaus herausgegebene Sammelwerk u. d. T. ¬ĽKennst du das Land? B√ľchersammlung f√ľr die Freunde Italiens¬ę (Leipz. 1896 ff.); Burckhardt, Der Cicerone (9. Aufl. von Bode u. Fabriczy, 1904, 3 Bde.); Reisehandb√ľcher von Gsell Fels (in ¬ĽMeyers Reiseb√ľchern¬ę), B√§deker u. a.

Kartenwerke: Die ¬ĽCarta topografica d'Italia¬ę (1: 100,000,277 Blatt) liegt bis auf Teile Sardiniens vollst√§ndig vor; sie bildet eine Reduktion der Me√ütischbl√§tter 1: 25,000, resp. 1: 50,000, je nach der Wichtigkeit des Gel√§ndes, auch diese sind s√§mtlich erschienen; ¬ĽCarta della Lombardia del Veneto e dell' Italia centrale¬ę, 1: 75,000, eine Vergr√∂√üerung der √∂sterreichischen Karte 1: 86,400 mit den n√∂tigsten Berichtigungen 1874‚Äď76, wird als ¬ĽEdizione economica¬ę auf das √ľbrige Italien ausgedehnt. Gute √úbersichtskarten sind die ¬ĽCarta corografica dell' Italia¬ę (1: 500,000,35 Blatt); ¬ĽNuova carta ipsometrica dell' Italia¬ę, auf Grundlage der vorigen, noch unvollendet; ¬ĽCarta d'ltalia¬ę (1: 1,000,000,6 Blatt, 1896); ¬ĽCarta delle ferrovie e delle linie di navigazione d'Italia¬ę (Verkehrskarte; 1: 1,000,000,2 Blatt, 1900). S√§mtlich vom milit√§r-geographischen Institut in Florenz herausgegeben. Von Privatinstituten: H. Kiepert, Nuova carta generale dell' Italia meridionale (1: 800,000,1882) und Carta corografica ed archeologica dell' Italia centrale (1: 250,000,1881); Fritzsche, Carta politica speciale del Regno d'Italia (1: 500,000,1893) und die betreffenden Bl√§tter in den Atlanten von Stieler und Andree. Das Comitato geologico d'Italia ver√∂ffentlicht die geologische Spezialkarte 1: 100,000, fast der ganze S√ľden erschien 1901 in zweiter, revidierter Auflage, Mittel- und Norditalien fehlen noch; die ¬ĽCarta geologica generale d'Italia¬ę 1: 500,000 (in Arbeit) und die 1: 1,000,000,2 Blatt, 2. Aufl., Rom 1889. Dem Istituto Idrografico in Genua liegt die K√ľstenaufnahme ob, Aufnahmen s√§mtlicher H√§fen und K√ľsten sind von ihm in verschiedenen Ma√üst√§ben ver√∂ffentlicht worden.

Geschichte.

(Hierzu die ¬ĽKarten zur Geschichte Italiens¬ę, mit Registerblatt.)


√úbersicht der Herrscher in Italien.


I. Die Kaiser und Könige.


30 v. bis 476 n. Chr. Römische Kaiser (s. Römisches Reich)

476‚Äď493 Odoaker

493‚Äď553 Ostgoten (493‚Äď526 Theoderich d. Gr.)

553‚Äď568 Ostr√∂mische Kaiser

568‚Äď774 Langobardische K√∂nige (749‚Äď756 Aistulf)

774‚Äď840 Fr√§nkische K√∂nige und Kaiser

843‚Äď855 Lothar I.

855‚Äď875 Ludwig II.

875‚Äď899 West- und Ostfr√§nkische Kaiser

888‚Äď924 Berengar I. v. Friaul

889‚Äď894 Wido von Spolcto

894‚Äď898 Lambert v. Spoleto

902‚Äď905 Ludwig von Niederburgund

921‚Äď933 Rudolf von Hochburgund

933‚Äď945 Hugo v. Provence

946‚Äď950 Lothar v. Provence

950‚Äď964 Berengar II. und Adalbert von Ivrea

951‚Äď1024 S√§chsische Kaiser

1002‚Äď1015 Arduin von Ivrea

1024‚Äď1125 Salische Kaiser

1125‚Äď1137 Lothar von Supplinburg

1138‚Äď1254 Staufische Kaiser

Seit 1273 Deutsche Kaiser aus verschiedenen Häusern.

1805‚Äď1814 Napoleon I. K√∂nig von Italien

1861‚Äď1878 Viktor Emanuel II.

1878‚Äď1900 Humbert I.

Seit 1900 Viktor Emanuel III.


II. Innerhalb der mittel- und neuitalienischen Zersplitterung sind folgende Dynastien bemerkenswert:


A. Ober- und Mittelitalien.

1050‚Äď1416 Grafen von Savoyen und Markgrafen von Turin

1416‚Äď1713 Herzoge v. Savoyen

1720‚Äď1861 K√∂nige von Sardinien

11. Jahrh.-1305 Aledramiden, Markgrafen v. Montferrat

1305‚Äď1536 Pal√§ologen in Montferrat

1536‚Äď1627 Gonzaga von Mantua, Markgrafen, seit 1574 Herzoge von Montferrat

1631‚Äď1703 Nevers in Montferrat

Seit 1703 Montferrat an Savoyen

Bis 1297 einheimische F√ľrsten und Pisanische V√∂gte auf Sardinien

1297 Sardinien an Aragon

1713 Sardinien an √Ėsterreich

1720 Sardinien an Savoyen


1311‚Äď1447 Visconti, Reichsvikare, seit 1395 Herzoge von Mailand

1450‚Äď1535 Sforza, Herzoge von Mailand

1535‚Äď1700 Spanische Habsburger in Mailand

1714‚Äď1850 √Ėsterreichische Habsburger in Mailand

1814‚Äď1866 (vorher vor√ľbergehend seit 1797) √Ėsterreichische Habsburger in Venetien


1329‚Äď1627 Gonzaga, Reichsvikare, seit 1432 Markgrafen, seit 1530 Herzoge von Mantua

1631‚Äď1708 Nevers, Herzoge von Mantua

1708‚Äď1866 √Ėsterreichische Habsburger in Mantua


1539‚Äď1746 Gonzaga, Grafen, seit 1621 Herzoge von Guastalla

1748‚Äď1796 Spanische Bourbonen in Guastalla

1806‚Äď1815 Pauline Bonaparte-Borghese in Guastalla

1815‚Äď1847 Maria Luise, Exkaiserin, in Guastalla

1847‚Äď1848 Karl Ludwig von Parma in Guastalla

1848‚Äď1860 Este von Modena in Guastalla


Ende des 13. Jahrh. bis 1860 Este, Herren, seit 1452 Herzoge von Modena (bis 1597 auch von Ferrara)

1568‚Äď1731 Cibo, F√ľrsten, seit 1664 Herzoge von Massa und Carrara

1741‚Äď1860 Este von Modena in Massa (1805‚Äď1814 Elise Bonaparte-Bacciocchi)


1545‚Äď1731 Farnese, Herzoge von Parma

1731‚Äď1735 Don Carlos in Parma und Piacenza

1748‚Äď1802 Spanische Bourbonen in Parma u. Piacenza

1815‚Äď1847 Maria Luise, Exkaiserin, in Parma u. Piacenza

1847‚Äď1859 Spanische Bourbonen aus Lucca in Parma und Piacenza

1569‚Äď1737 Medici, Gro√üherzoge von Toskana

1737‚Äď1859 Lothringer in Toskana (1801‚Äď1807 Spanische Bourbonen, 1809‚Äď1815 Elise Bonaparte-Bacciocchi in Toskana)


1594‚Äď1634 Appiano, F√ľrst von Piombino

1634‚Äď1681 Ludovisi, F√ľrsten von Piombino

1681‚Äď1801 Boncompagni-Ludovisi von Piombino

1805‚Äď1809 Elise Bonaparte-Bacciocchi von Piombino

1815‚Äď1859 Lothringen-Toskana von Piombino

1805‚Äď1815 Elise Bonaparte-Bacciocchi, F√ľrstin v. Lucca

1818‚Äď1847 Spanische Bourbonen, Herzoge von Lucca

1847‚Äď1859 Lothringen-Toskana in Lucca


B. Unteritalien.

1130‚Äď1189 Normannenk√∂nige in Unteritalien (Neapel) und Sizilien

1194‚Äď1266 Staufische K√∂nige (1254‚Äď1266 Manfred) in Neapel und Sizilien

1266‚Äď1282 Karl I. von Anjou in Neapel und Sizilien

1282‚Äď1435 Anjou in Neapel, Aragonier in Sizilien

1435(1442)-1503 Aragonier in Neapel und Sizilien

1503‚Äď1516 Ferdinand der Katholische in Neapel und Sizilien

1516‚Äď1700 Spanische Habsburger in Neapel und Sizilien

1713‚Äď1720 √Ėsterreichische Habsburger in Neapel, Savoyen in Sizilien

1720‚Äď1735 √Ėsterreichische Habsburger in Neapel und Sizilien

1735‚Äď1862 Spanische Bourbonen in Neapel und Sizilien (1806‚Äď1808 Joseph Bonaparte, 1808‚Äď1815 Joachim Murat in Neapel)


1090‚Äď1530 Malta, Teil des unterialienischen K√∂nigreichs

1530‚Äď1798 Johanniter auf Malta

1798‚Äď1800 Franzosen auf Malta

Seit 1800 Engländer auf Malta.

Vom Altertum bis zum Mittelalter.

Mit dem Verfall des Reiches der R√∂mer, welche die italische Halbinsel zum Mittelpunkte der Alten Welt gemacht hatten (s. R√∂misches Reich), verlor auch I. sein √úbergewicht. Der Schwerpunkt des Reiches wurde nach dem Osten verlegt, und erobernde germanische Volksst√§mme setzten sich auf der Halbinsel fest. Nach den verheerenden Einf√§llen der Radagaisus, Alarich, Attila, Geiserich st√ľrzte Odoakar, der Anf√ľhrer der germanischen S√∂ldner in r√∂mischen Diensten, 476 das westr√∂mische Kaiserreich und machte sich zum K√∂nig von I.; doch ward er schon 489 von Theoderich d. Gr. besiegt, der das ostgotische Reich in I. gr√ľndete. Die Italiener, im Besitz ihrer Sprache, Religion und rechtlichen Institutionen unangetastet, f√ľgten sich in die Herrschaft der Barbaren. Vom ostr√∂mischen Reich ging deren Vernichtung aus; Belisar und Narses, die Feldherren des Kaisers Justinian I., zerst√∂rten in langdauernden K√§mpfen (536 bis 555) die ostgotische Herrschaft, und I. wurde wieder ein Bestandteil des von Byzanz aus regierten ¬Ľr√∂mischen Reiches¬ę. Gesetze Justinians, deren eins, die Pragmatische Sanktion vom 13. Aug. 554, erhalten ist, ordneten die Verfassung des Landes, dessen oberster Beamter der in Ravenna residierende kaiserliche Exarch wurde. Aber schon 568 brachen die Langobarden (s. d.) unter Alboin ein und entrissen fast das ganze obere und mittlere I. den Byzantinern, denen au√üer dem S√ľden der Halbinsel und der Insel Sizilien nur Istrien und Venedig, die Romagna mit Ravenna, die Pentapolis (Rimini, Pesaro, Fano, Sinigaglia, Ancona) und Rom verblieben. Auch dieser Besitz wurde seit dem 7. Jahrh. von den Langobarden bedroht, die im 8. Jahrh. unter den K√∂nigen Liutprand und Aistulf die Romagna eroberten und Rom schwer bedr√§ngten. Da warf sich das Papsttum, dessen Macht und Ansehen seit der Regierung Gregors I. (590‚Äď604) au√üerordentlich erstarkt war, den Franken in die Arme; auf den Hilferuf des Papstes Stephan II. dr√§ngte der fr√§nkische K√∂nig Pippin in zwei Feldz√ľgen 754 und 756 die Langobarden zur√ľck und verlieh dem Papst die den Langobarden entrissenen Gebiete der Romagna und der Pentapolis. Sein Werk vollendete Karl d. Gr., der 774 dem Langobardenreich des Desiderius ein Ende machte und 800 zum r√∂mischen Kaiser gekr√∂nt wurde.

Seit Karl, der die Pippinsche Schenkung erneuerte, geh√∂rten Nord- und Mittelitalien zum fr√§nkischen Reich, dessen wichtigste Verfassungseinrichtungen hier eingef√ľhrt wurden. Nur im S√ľden blieb unter fr√§nkischer Oberhoheit das langobardische Herzogtum Benevent bestehen, w√§hrend in Rom und seinem Gebiet, freilich gleichfalls unter der Oberhoheit des Kaisers, die P√§pste weltliche und geistliche Herrschaft vereinigten. Nur Venedig und der S√ľden der Halbinsel blieben in Verbindung mit Byzanz; doch wurde die byzantinische Herrschaft auch hier durch die Araber bedroht, die 827‚Äď864 Sizilien eroberten und von dort aus Apulien und Kalabrien mit Raub- und Pl√ľnderungsz√ľgen heimsuchten. Durch den Vertrag von Verdun (843) fiel das fr√§nkische I. dem Kaiser Lothar I. zu, dem 855 sein √§ltester Sohn, Ludwig 11., folgte. Mit diesem, der 875 starb, erlosch die italienische Linie der Karolinger, und die Versuche der karolingischen K√∂nige von Ost- und Westfranken, die Herrschaft √ľber I. zu behaupten. hatten keinen dauernden Erfolg. Karl der Kahle, Karl III. und Arnulf wurden zwar zu r√∂mischen Kaisern gekr√∂nt, aber neben ihnen kamen einheimische Machthaber empor, die zuletzt die Oberhand gewannen. W√§hrend die Markgrafen von Friaul und die Herzoge von Spoleto um die italienische K√∂nigskrone stritten, verw√ľsteten die Sarazenen und Magyaren I. in wiederholten Raubz√ľgen, die abzuwehren man nicht imstande war. Nach dem Tod Berengars I. von Friaul, der 888 zum K√∂nig von I., 915 zum Kaiser erhoben, 924 aber ermordet wurde, trat sein Nebenbuhler, K√∂nig Rudolf von Hochburgund, seine Anspr√ľche auf I. 933 an Hugo von Provence gegen √úberlassung des niedern Burgund ab. Hugo, der eine gewaltt√§tige Herrschaft aus√ľbte, ward 945 von dem Markgrafen Berengar II. von Ivrea auf ein Schattenk√∂nigtum beschr√§nkt; nach dem Tode seines Sohnes Lothar (950) nahm Berengar den K√∂nigstitel an, erhob den eignen Sohn Adalbert zum Mitregenten und setzte Lothars Witwe, Adelheid, gefangen. Da √ľberschritt 951 der deutsche K√∂nig Otto I., dessen Vasall Berengar fr√ľher geworden war, die Alpen, erwarb die italienische K√∂nigsw√ľrde und verm√§hlte sich mit der ihrer Hast entflohenen Adelheid. Zwar gab er 952 Berengar I. als Lehnsk√∂nigreich zur√ľck; da aber dieser sich von der deutschen Oberhoheit loszusagen versuchte, zog Otto 961 abermals nach I., eroberte den Norden der Halbinsel und erneuerte in Rom die Kaiserw√ľrde (2. Febr. 962). Nachdem Berengar und seine Anh√§nger 964 unterworfen waren, bildete das K√∂nigreich I einen Teil des neuen r√∂mischen Reiches, dessen Krone der deutsche K√∂nig trug, und blieb jahrhundertelang in Verbindung mit Deutschland.

Italien unter deutscher Herrschaft.

Da die deutsche Herrschaft in I. sich vor allem auf die geistlichen F√ľrsten st√ľtzen mu√üte, war es notwendig, da√ü die deutschen K√∂nige bei der Besetzung der Bist√ľmer einen ma√ügebenden Einflu√ü aus√ľbten und auch √ľber Rom und das Papsttum die Oberhoheit behaupteten. Als sich Johann XII., der Otto gekr√∂nt hatte, dieser zu entziehen suchte, lie√ü ihn der Kaiser 963 absetzen und sich und seinem Nachfolger eine ausschlaggebende Stimme bei der Papstwahl zusichern. Unteritalien, das teils die Griechen, teils die Araber besa√üen, durch Verhandlungen mit dem byzantinischen Hof oder durch Waffengewalt zu erwerben, gl√ľckte Otto I. nicht. Sein Nachfolger Otto II. erlitt bei dem abermaligen Versuch, es zu erobern, 982 durch die Araber eine entscheidende Niederlage und starb schon 983. Unter seinem unm√ľndigen Sohn, Otto 111., lockerte sich die Verbindung Roms mit dem Deutschen Reich, und das Haupt des r√∂mischen Adels, Johannes Crescentius, beherrschte als Patricius die Stadt und den p√§pstlichen Stuhl. Allein 996 erschien Otto in I. und erhob seinen Vetter Bruno als Gregor V. zum Papst; als Crescentius sich abermals emp√∂rte und einen Gegenpapst einsetzte, wurde er 998 hingerichtet. Nach Gregors Tode 999 berief der Kaiser seinen G√ľnstling Gerbert von Reims (Silvester II.) auf den Stuhl Petri, schlug seinen Herrschersitz in Rom auf und trug sich mit dem phantastischen Plan, diese Stadt abermals zum Mittelpunkt des christlichen Weltreichs zu machen. Wie wenig es ihm indes gelang, die Italiener mit der deutschen Herrschaft zu vers√∂hnen, zeigte sich unmittelbar nach seinem Tod (1002). Alsbald versuchten die lombardischen Gro√üen noch einmal, in der Person des Markgrafen Arduin von Ivrea einen nationalen K√∂nig zu erheben, und der p√§pstliche Stuhl kam abermals unter die Botm√§√üigkeit der Crescentier und der Grafen von Tuskulum. Ein erster Zug des deutschen K√∂nigs Heinrich II. nach I. (1004) hatte keinen dauernden Erfolg; erst auf dem zweiten wurde Arduin verdr√§ngt und die deutsche Herrschaft in Ober- und Mittelitalien hergestellt, Heinrich selbst aber 1014 zum Kaiser gekr√∂nt. Auf einem dritten Zuge griff Heinrich 1022 in Unteritalien ein und zwang die F√ľrstent√ľmer Salerno, Capua und Benevent, die aus dem alten Herzogtum Benevent hervorgegangen waren, seine Oberhoheit anzuerkennen. Noch energischer trat sein Nachfolger Konrad II. auf, bei dessen Thronbesteigung abermals Selbst√§ndigkeitsbestrebungen in I. sich zeigten. Schon auf dem Zuge 1026‚Äď27, auf dem er die Kaiserkrone gewann, brach er den Widerstand v√∂llig, handhabte 1037 auch im S√ľden die kaiserlichen Rechte kraftvoll, griff freilich in die Verh√§ltnisse Roms nicht ein, suchte aber der deutschen Krone in dem niedern Adel, dem er 1037 die Erblichkeit der Lehen verb√ľrgte, eine St√ľtze zu verschaffen. Auch in Rom wurde die Herrschaft der Adelsfaktionen durch Heinrich III. gebrochen, der auf der Synode von Sutri 1046 die von diesen erhobenen P√§pste und Gegenp√§pste entsetzen lie√ü und nacheinander mehrere deutsche P√§pste ernannte, unter denen mit Unterst√ľtzung des Kaisers die von Cluny ausgegangene kirchliche Reform auch in I. Boden gewann und Machtstellung und Einflu√ü des Papsttums sich betr√§chtlich hoben.

Kaum aber hatte in Deutschland nach Heinrichs III. Tode (1056) ein Kind, Heinrich IV., den Thron bestiegen, als sich die erstarkte kirchliche Gewalt von dem beherrschenden Einflu√ü des deutschen K√∂nigtums zu befreien suchte. Der welthistorische Streit (Investiturstreit) zwischen dem Kaisertum und dem r√∂mischen Stuhl nahm in I. einen nationalen Charakter an; die italienischen St√§dte, die seit dem Anfang des Jahrhunderts durch Handel und Industrie immer kr√§ftiger emporgebl√ľht waren, und deren einige schon fr√ľher dem K√∂nigtum gelegentlich erfolgreichen Widerstand geleistet hatten, begannen jetzt sich von der Herrschaft der von den K√∂nigen belehnten geistlichen und weltlichen F√ľrsten zu emanzipieren und bildeten eine kr√§ftige Selbstverwaltung aus. Auch die Machtstellung mancher weltlichen Gro√üen steigerte sich w√§hrend der vielj√§hrigen K√§mpfe: in Mittelitalien hielt die gro√üe Gr√§fin Mathilde von Tuscien eine Zeitlang geradezu die Entscheidung in H√§nden. Sie war die treue Freundin Gregors VII. und schenkte ihre reichen Besitzungen dem r√∂mischen Stuhl, von denen jedoch nach ihrem Tode (1115) Kaiser Heinrich V. Besitz ergriff, so da√ü der Hader um das Mathildische Gut einen neuen Gegenstand des Streites zwischen Kaisertum und Papsttum bildete.

Von gr√∂√üter Wichtigkeit war nun, da√ü in dieser Periode im S√ľden der Halbinsel ein p√§pstlicher Lehnstaat entstand, welcher der Kirche eine kr√§ftige St√ľtze gegen das Kaisertum wurde. Unter Heinrich II. hatten sich in Unteritalien normannische Ritter angesiedelt, die zuerst in den Dienst der kleinen F√ľrsten des Landes getreten waren. Unter Konrad II. und Heinrich III. hatten diese Normannen, durch Zuz√ľge aus der Heimat verst√§rkt und von den Kaisern anfangs beg√ľnstigt, begonnen, selbst√§ndige Herrschaften zu begr√ľnden, auf Kosten teils der Griechen und Sarazenen, teils der langobardischen Kleinf√ľrsten. Mit der Einnahme von Bari 1071 war die griechische Herrschaft in Apulien und Kalabrien beseitigt; den Kampf um Sizilien entschied die Eroberung von Palermo 1072, wenn auch im S√ľden der Insel die Sarazenen noch eine Zeitlang Widerstand leisteten; von den langobardischen F√ľrstent√ľmern wurde 1062 Capua, 1076 Salerno unterworfen, w√§hrend Neapel sich noch 60 Jahre l√§nger hielt. Die P√§pste hatten die Erfolge der Normannen anfangs mit Mi√ütrauen verfolgt; Leo IX. hatte sogar, freilich vergeblich, mit Waffengewalt gegen sie gek√§mpft; auch Gregor VII. hatte die normannischen F√ľrstent√ľmer wenigstens nicht geeinigt und weiter vergr√∂√üert wissen wollen. Allein infolge seines Kampfes mit Heinrich IV. hatte er sich 1080 mit dem gr√∂√üten dieser Normannenf√ľrsten, Robert Guiscard, vers√∂hnt und ihn mit allen eroberten Gebieten belehnt; Robert verdankte er 1084 seine Befreiung aus der Engelsburg, wo ihn Heinrich eingeschlossen hatte, und er folgte den Normannen nach Unteritalien, wo er 1085 starb. Roberts Neffe, Roger II., vereinigte 1127 Sizilien mit den normannischen Besitzungen auf dem Festland und nahm 1130 den K√∂nigstitel an; diesen best√§tigte ihm zuerst Papst Anaklet II., und 1139 erkannte auch Innozenz II. das K√∂nigreich als p√§pstlichen Lehnstaat an. W√§hrend nun die P√§pste, auf die Normannen gest√ľtzt, in Mittelitalien ihren weltlichen Besitz zu vermehren bestrebt waren, erstarkte in Oberitalien die Macht der St√§dte; an ihrer Spitze standen meistens gew√§hlte Konsuln, die von den St√§dten aus auch das umliegende Gebiet regierten. Wiederholt kam es zu B√ľndnissen, aber auch zu hartn√§ckigen K√§mpfen zwischen den einzelnen St√§dten, von denen die gr√∂√üern bestrebt waren, sich die kleinern Nachbarorte botm√§√üig zu machen. In der Lombardei behauptete Mailand die f√ľhrende Stellung, neben ihm ragten Pavia, Cremona und im Osten Verona hervor; an der ligurischen K√ľste spielte Genua die erste Rolle, in der Emilia und Romagna bl√ľhten Parma, Piacenza, Bologna, Ravenna, in Toskana Pisa, Florenz, Lucca und Siena auf. Je nachdem die St√§dte oder einzelne Parteien in ihnen mehr dem Kaisertum oder dem Papsttum zugeneigt waren, wurden die aus der Zeit des Kampfes zwischen Staufen und Welfen entstammenden Parteinamen der Ghibellinen und Guelfen auf sie angewendet.

Da die Stellung, welche die italienischen St√§dte errungen hatten, von den Kaisern nicht anerkannt war und also der gesetzlichen Grundlage entbehrte, unternahm es Kaiser Friedrich I., gegen sie vorzugehen. Er lie√ü auf dem Reichstage von Roncaglia 1158 feststellen, welche Regalien, d. h. Hoheitsrechte, der Krone zuk√§men, und beanspruchte auf Grund dessen weitgehende Herrscherbefugnisse √ľber die St√§dte. Dar√ľber kam es zu einem erbitterten Kampf zwischen ihnen und dem Kaiser. Nach der Zerst√∂rung Mailands 1162 schien Friedrichs Sieg gesichert; aber die Gegner erhoben sich immer aufs neue, verbanden sich mit dem Papsttum, mit dem Friedrich seit 1159 im Kampfe lag, und behaupteten schlie√ülich die Oberhand. Die Niederlage von Legnano 1176 n√∂tigte Friedrich 1177 zum Frieden von Venedig mit Papst Alexander 111., und in dem Konstanzer Vertrag von 1183 wurde die kommunale Selbst√§ndigkeit der St√§dte anerkannt. Dem Kaiser verblieb die Lehnshoheit √ľber sie und die Appellationsgerichtsbarkeit; au√üerdem waren die St√§dte zu bestimmten, teils ordentlichen, teils au√üerordentlichen Leistungen verpflichtet. Die kaiserliche Hoheit war demnach in Oberitalien, wenn auch eng begrenzt, so doch anerkannt und gesichert. Dagegen wurde der gr√∂√üte Teil von Mittelitalien durch die Bildung des Kirchenstaates dem Einflu√ü des Kaisertums entzogen. Im Frieden von Venedig 1177 hatte Friedrich dessen Grundlage anerkannt, wenn auch der Streit um das Mathildische Gut fortdauerte. Dann brachte Innozenz III. nach dem Tode Kaiser Heinrichs VI. (1198) die p√§pstlichen Anspr√ľche in weitestem Umfang zur Geltung und benutzte die K√§mpfe um die Kaiserkrone zwischen Philipp von Schwaben, Otto IV. und Friedrich II., um sie zu befestigen; Otto und Friedrich mu√üten ihm die gr√∂√üten Zugest√§ndnisse auch in dieser Hinsicht machen.

Angesichts der Schwierigkeiten, die in Ober- und Mittelitalien der Unabh√§ngigkeitssinn der St√§dte und die Machtstellung der P√§pste der Entfaltung einer starken monarchischen Gewalt entgegenstellten, hatte schon Friedrich I. die Gewinnung des Normannenreichs Neapel und Sizilien f√ľr sein Haus ins Auge gefa√üt und 1186 seinen Sohn Heinrich VI. mit Konstanze, der Erbin des K√∂nigreichs, verm√§hlt. 1194 hatte Heinrich von dem durch den Tod Wilhelms II. 1189 erledigten Reiche Besitz ergriffen, und die P√§pste hatten diese Verst√§rkung der deutschen Kaisermacht in I. nicht hindern k√∂nnen. Vergeblich versuchte Innozenz III. Sizilien vom Kaiserreich zu trennen, indem er Friedrich II. das Versprechen abnahm, es nach seiner Thronbesteigung in Deutschland seinem Sohne Heinrich zu √ľbertragen. Friedrich band sich, als er 1220 die Kaiserkrone erlangt hatte, an dies Versprechen nicht. Er reorganisierte die Verwaltung seines Erbk√∂nigreichs in Unteritalien, machte die kaiserlichen Rechte in allen St√§dten Mittelitaliens geltend und beherrschte die Lombardei unter energischer Wahrung der durch den Konstanzer Vertrag dem Kaisertum vorbehaltenen Befugnisse. Als sich die seit 1226 wieder verbundenen lombardischen St√§dte gegen ihn erhoben, wurden sie zwar 1237 bei Cortenuova vollst√§ndig geschlagen; aber das Papsttum unterst√ľtzte ihren Widerstand. 1239 sprach Gregor IX. den Bann √ľber Friedrich aus, 1245 setzte Innozenz IV. ihn auf dem Konzil zu Lyon feierlich ab. In dem mit gr√∂√üter Erbitterung gef√ľhrten Kampfe hielten Friedrichs Sohn Enzio und sein Schwiegersohn Ezzelino von Romano eine Zeitlang die kaiserliche Sache in Oberitalien kr√§ftig aufrecht; aber auf die Dauer vermochte man, von Deutschland aus wenig unterst√ľtzt, der Schwierigkeiten nicht Herr zu werden. In der Schlacht von Parma 1248 wurde das letzte gro√üe Heer Friedrichs vernichtet, Enzio ward 1249 von den Bolognesen gefangen genommen; er selbst starb 13. Dez. 1250 in Apulien. Gegen seine Nachkommen verbanden die P√§pste sich mit Frankreich, und diese Verbindung ent schied √ľber das Geschick des staufischen Hauses. 1265 √ľbertrug Clemens IV. Karl von Anjou die sizilische Krone, 1266 verlor K√∂nig Manfred Sieg und Leben; 1268 endete Konradin, der letzte Staufer, auf dem Blutger√ľst. Als Schwiegersohn Manfreds erhob K√∂nig Peter III. Anspr√ľche auf Sizilien, und durch die Sizilianische Vesper (1282) kam er in den Besitz der Insel, die so von Neapel getrennt wurde. Die Versuche der Anjou, sie zur√ľckzugewinnen, scheiterten.

Die Zeit politischer Zersplitterung.

W√§hrend nach dem Untergange der Staufer das deutsche Kaisertum nicht mehr energisch in I. eingriff, befestigten die einzelnen Staaten Italiens ihre Unabh√§ngkeit vom Reiche, gerieten aber zugleich in heftige Fehden untereinander. An der Westk√ľste gewann Genua die gr√∂√üte Bedeutung und strebte nach der Seeherrschaft √ľber das Mittelmeer. Die Genuesen beherrschten die Riviera des Ostens und Westens, gr√ľndeten zahlreiche Kolonien im Orient, halfen 1261 dem Kaiser Michael Pal√§ologos bei der Vertreibung der Venezianer aus Konstantinopel, vernichteten 1284 die Seemacht der ghibellinischen Pi sauer und schlugen 1298 die venezianische Flotte bei Curzola. Wie Genua die Herrschaft der Guelfen auf dem Mittelmeer, so begr√ľndeten Mailand und Florenz das Ansehen derselben Partei in der Lombardei und Mittelitalien; √ľberall st√ľtzten sich die Guelfen auf den Beistand der P√§pste und der sizilischen Anjou, so da√ü auch die Verlegung der p√§pstlichen Residenz nach Avignon (1309) ihrer Partei keinen Nachteil zu bringen schien. Allerdings erhielt die ghibellinische Idee eben damals ihren gro√üartigsten Ausdruck in den Werken Dantes, dessen ¬ĽG√∂ttliche Kom√∂die¬ę und dessen publizistische Schriften ganz von ihr erf√ľllt sind. Aber die Versuche, die auf den R√∂merz√ľgen Heinrichs VII. (1310‚Äď13) und Ludwigs des Bayern (1327‚Äď29) gemacht wurden, die Rechte des Kaisertums wieder zur Geltung zu bringen, blieben ebenso wie das wiederholte Eingreifen Kaiser Karls IV. in die italienischen Verh√§ltnisse ohne dauernden Erfolg. In Rom, das w√§hrend der Abwesenheit der P√§pste von Parteik√§mpfen zerrissen wurde, unternahm es Cola di Rienzi, den Traum einer republikanischen Neuordnung Italiens unter r√∂mischer F√ľhrung zu verwirklichen, ging aber an dem aussichtslosen Unternehmen zugrunde. Im √ľbrigen I. kamen im 14. und 15. Jahrh. fast √ľberall Dynastengeschlechter empor, welche die Herrschaft in den in sich gespaltenen St√§dterepubliken an sich rissen. Mailand wurde seit 1311 von den Visconti beherrscht, die sich die Lombardei unterwarfen und ihre Macht auch √ľber Teile Piemonts und der Emilia ausdehnten. Giovanni Visconti erwarb 1350 Bologna und wurde 1353 zum Signore von Genua erhoben. Gian Galeazzo Visconti eroberte 1387 Verona, erlangte 1395 von K√∂nig Wenzel die Erhebung seines Gebietes zum Herzogtum Mailand und unterwarf 1399 Pisa und Siena, 1400 Perugia, 1402 abermals Bologna. Schon dachte er an die Eroberung von Florenz und an die Gr√ľndung eines italienischen K√∂nigreichs, als er 1402 vom Tod ereilt wurde. Nun ri√ü sich ein Teil des Erworbenen wieder los, aber Filippo Maria Visconti nahm seit 1416 die Eroberungspolitik des Vaters wieder auf und gewann 1421 auch Genua zur√ľck. Da jedoch 1447 das Haus Visconti erlosch, ging das √úbergewicht des mail√§ndischen Herzogtums wieder verloren, wenn auch 1450 der Feldhauptmann Francesco Sforza die herzogliche Gewalt erneuerte. Inzwischen waren auch in andern Gebieten Italiens die Dynastien, welche die Gewalt ererbt oder an sich gerissen hatten, durch kaiserliche Verleihung in den Besitz der herzoglichen W√ľrde gelangt: so 1416 Amadeus VIII. von Savoyen und Piemont, 1432 die Gonzaga in Mantua, 1452 die Estein Modena. In Florenz gewannen im 15. Jahrh. die Medici das √úbergewicht. In Neapel bestieg 1435 nach dem Tode Johannas 11. mit Alfons V. das aragonische K√∂nigshaus den Thron. Neapel, der von Martin V. nach Beendigung des Schismas hergestellte Kirchenstaat, Florenz, Venedig und Mailand hielten das politische Gleichgewicht in I. aufrecht. Zu einer Einigung gelangte aber I. nicht. Derselbe Unabh√§ngigkeitssinn, welcher der deutschen Herrschaft erfolgreichen Widerstand geleistet hatte, verhinderte auch die Unterordnung unter ein gemeinsames Oberhaupt; und wie die Bev√∂lkerung der St√§dte in Parteien gespalten war, so bek√§mpften sich auch die f√ľrstlichen Geschlechter in unaufh√∂rlichen Fehden. Bot so Italiens politische Gestaltung in den letzten Jahrhunderten des Mittelalters ein trauriges Bild, so ragte es √ľber alle andern L√§nder Europas durch die gl√§nzende Entwickelung seiner Kultur hervor. Noch beherrschten Venedig und Genua den Handel mit dem Orient und speicherten ungeheure Reicht√ľmer auf. Gewerbe und Kunstflei√ü bl√ľhten. Durch Dante, Petrarca und Boccaccio erhielt I. eine nationale Poesie in einer nationalen Schriftsprache. Die bildenden K√ľnste erstanden zuerst in I. wieder, und von hier ging die Wiederbelebung des klassischen Altertums, der Humanismus, aus. Mitten unter den politischen Wirren entwickelte sich in I. die Kultur der Renaissance zu herrlicher Bl√ľte geistigen Lebens und Schaffens.

Noch im 15. Jahrh. begann aber die von einsichtigen Patrioten l√§ngst gef√ľrchtete Einmischung fremder Machthaber. Aus Besorgnis vor den Eroberungspl√§nen des K√∂nigs von Neapel verband sich Lodovico Moro, der f√ľr seinen schwachsinnigen Neffen Galeazzo Sforza Mailand regierte, mit Frankreich. Karl VIII., der als Erbe Anjous Rechte auf Neapel zu besitzen meinte, unternahm 1494 seinen ber√ľhmten Zug, der eine Reihe von welthistorischen K√§mpfen auf der italienischen Halbinsel er√∂ffnete. Er eroberte Neapel, bewirkte aber dadurch die Bildung eines Bundes der meisten Staaten Italiens, dem auch Lodovico Moro, Papst Alexander VI. und der deutsche Kaiser Maximilian I. beitraten. Karl mu√üte 1495 den R√ľckzug antreten. Sein Nachfolger, Ludwig XII., erneuerte den Krieg, nahm Moro gefangen und beraubte die Sforza des Herzogtums Mailand. Kaiser Maximilian I., von den italienischen M√§chten vielfach get√§uscht, von den Deutschen ohne Unterst√ľtzung gelassen, belehnte jetzt selbst den franz√∂sischen K√∂nig mit Mailand und trat 1508 mit ihm zu Cambrai in einen Bund gegen Venedig, dem sich auch Ferdinand der Katholische von Aragonien anschlo√ü, der 1504 Neapel an sich gebracht hatte. Indessen wu√üte die kluge Politik Venedigs den unnat√ľrlichen Bund der Gro√üm√§chte zu sprengen, und Papst Julius II. stiftete 1511 die Heilige Liga zur Vertreibung der Fremden aus I. Die Franzosen wurden aus Oberitalien verdr√§ngt, Venedig besetzte sein fr√ľheres Gebiet, und Massimiliano Sforza, Moros Sohn, zog in Mailand ein. Durch den Sieg bei Marignano gewann Franz I. von Frankreich 1515 Mailand wieder. Aber die Kaiserwahl Karls von Spanien 1519 brachte auch f√ľr I. eine entscheidende Wendung. Im Kampfe zwischen den beiden Nebenbuhlern, Karl V. und Franz I., um die Weltherrschaft unterlag der letztere. Bei Pavia 1525 gefangen, verzichtete Franz im Frieden von Madrid 1526 auf seine Anspr√ľche in I. Neapel und Sizilien blieben mit Spanien vereinigt, Mailand ward den Sforza zur√ľckgegeben. A is Massimiliano Sforza aber der von Papst Clemens VII. gestifteten Liga gegen den Kaiser beitrat, wurde er des Herzogtums wieder entsetzt. Die Liga sprengte Karl V. durch die Erst√ľrmung Roms (1527), und Clemens VII. erkannte 1529 im Frieden von Barcelona die Herrschaft Karls in I. an. Mailand √ľbertrug der Kaiser 1554 nach dem Tode Sforzas (gest. 1535) seinem Sohn Philipp II., dem er auch Neapel √ľberlie√ü. Das √úbergewicht des spanisch-habsburgischen Hauses in I. suchten die Franzosen zwar durch eine Reihe von Kriegen zu brechen; aber durch den Frieden von Cateau-Cambr√©sis (1559) ward der von Karl V. begr√ľndete Besitzstand endg√ľltig festgestellt. Auch in den kleinern Staaten √ľberwog der Einflu√ü Spaniens. Durch seine Gunst erhielten die Gonzaga von Mantua die Markgrafschaft Montserrat. Parma und Piacenza, von Julius II. dem p√§pstlichen Stuhl erworben, verlieh Papst Paul III. seinem Sohn Pietro Luigi Farnese. Toskana wurde unter der Herrschaft der Medici zu einem Gro√üherzogtum erhoben. In Genua hielt sich der Doge Andrea Doria, der 1523 seine Vaterstadt aus den H√§nden der Franzosen befreit hatte, ebenfalls zur Partei des Kaisers; die Verschw√∂rung des Fiesco 1547 vermochte seine Macht nicht zu brechen. Da sich auch das savoyische Haus, das im Frieden von Cateau-Cambr√©sis Piemont wieder erhielt, an das politische System Spaniens anschlo√ü, so war die Halbinsel seit der zweiten H√§lfte des 16. Jahrh. in vollst√§ndige Abh√§ngigkeit von Spanien geraten, und die Herrschaft Philipps II. lastete erdr√ľckend auf dem geistigen und materiellen Leben der Nation.

Die Fremdherrschaft.

Nachdem im 16. Jahrh. die bildenden K√ľnste zur h√∂chsten Entwickelung gelangt waren, sank I. unter der spanischen Fremdherrschaft und unter dem streng hierarchischen System der reorganisierten Kirche in den folgenden 11/2 Jahrhunderten immer tiefer und zehrte nur von dem geistigen Kapital der Vergangenheit. Seitdem Amerika entdeckt war, verlor es seine Stellung im Welthandel, und sein Wohlstand sank; Spanien tat nichts, diesen Verfall aufzuhalten. Auch die r√∂mische Kirche unterlag durchaus der Beeinflussung seitens des Madrider Hofes. Von den Streitigkeiten der italienischen Staaten untereinander abgesehen, vermochte kein Papst seit Paul IV. und Pius IV. in einer wichtigern europ√§ischen Angelegenheit ein entscheidendes Gewicht in die Wagschale zu werfen, und selbst der bedeutendste unter den P√§psten des 16. Jahrh., Sixtus V., war nur imstande, seinen Namen f√ľr die innere Geschichte des Kirchenstaates denkw√ľrdig zu machen. Sobald daher Frankreich nach Beilegung der innern religi√∂sen Kriege den Kampf gegen die Habsburger wieder aufnahm, neigten sich die P√§pste ihm zu. W√§hrend Richelieu nach dem Erl√∂schen des Hauses Gonzaga den Mantuanischen Erbfolgekrieg entz√ľndete und 1631 den Kaiser Ferdinand II. zwang, den Sch√ľtzling Frankreichs, Karl von Nevers, mit Mantua und Montserrat zu belehnen, bem√§chtigte sich, von Frankreich unterst√ľtzt, der p√§pstliche Stuhl nach dem Aussterben des Hauses della Rovere des Herzogtums Urbino. Schon begann unter Ludwig XIV. der franz√∂sische Einflu√ü in I. den Spaniens zu verdr√§ngen, als der Spanische Erbfolgekrieg ausbrach. Noch einmal wurde nun auch in Oberitalien um das politische √úbergewicht in Europa gefochten. Besonders der Sieg des Prinzen Eugen bei Turin 1706 entschied den Kampf zugunsten √Ėsterreichs. Im Utrechter Frieden erhielt es Mailand, Neapel und Sardinien; auch Mantua war nach √Ąchtung des Herzogs von dem Kaiser in Besitz genommen worden. √Ėsterreich ward damit die dominierende Macht auf der Halbinsel. Die Insel Sizilien erhielt der Herzog von Savoyen, doch wurde sie 1720 durch einen Separatvertrag gegen Sardinien ausgetauscht, worauf der Herzog den Titel eines K√∂nigs von Sardinien annahm. Das Bestreben der neuen bourbonischen Dynastie in Spanien ging sofort dahin, die fr√ľhere Herrschaft √ľber I. wiederzuerlangen; doch wurde dieses Ziel nur insoweit erreicht, als der Infant Karl von Spanien beim Aussterben der Farnese 1731 Parma und Piacenza und im Wiener Frieden 1738 gegen Abtretung dieser Herzogt√ľmer an √Ėsterreich Neapel und Sizilien bekam. Auch von dem Mail√§ndischen mu√üte √Ėsterreich im Wiener und 1748 im Aachener Frieden an Sardinien Tortona, Novara und andre Grenzgebiete am Ticino abtreten. 1737 war das Haus der Medici in Toskana erloschen, worauf das Land an den Gemahl Maria Theresias, Herzog Franz Stephan von Lothringen, fiel. Massa und Carrara erbten 1741 die Este von Modena, w√§hrend den spanischen Bourbonen 1748 die Herzogt√ľmer Parma und Piacenza wieder abgetreten wurden.

Demnach schien in I. ein gewisses Gleichgewicht hergestellt zu sein. J√ľngere Linien der Habsburg-Lothringer und der Bourbonen herrschten in Toskana, Parma, Neapel und Sizilien; Mailand und Mantua standen unmittelbar unter √Ėsterreich, das aber durch das vergr√∂√üerte Sardinien, das sich auf die Westm√§chte st√ľtzen konnte, in Schach gehalten wurde. Die Republiken Genua und Venedig hatten zwar ihre Weltstellung verloren, herrschten aber ungest√∂rt in ihren Gebieten, w√§hrend der Kirchenstaat, vortrefflich abgerundet, sich breit zwischen den eifers√ľchtigen M√§chten ausdehnte. Da die neuen Herrscherfamilien nichts unterlie√üen, um sich der italienischen Nationalit√§t einzuf√ľgen, in Toskana eine geregelte, segensreiche Verwaltung eingef√ľhrt wurde, auch Mailand gro√üe Selbst√§ndigkeit geno√ü. so nahm das materielle und geistige Leben der Nation wieder einen gewissen Aufschwung. Der nationalen Entwickelung waren nicht mehr so hemmende Fesseln angelegt wie unter der spanischen Herrschaft; auch in I. gewannen die Ideen der Aufkl√§rung an Boden, und die Teilung des Landes in mehrere Staaten wurde nicht als ein gro√ües √úbel empfunden.

Die franz√∂sische Revolution entfesselte von neuem den Streit √ľber die Vorherrschaft auf der Halbinsel. Da Sardinien sich der Koalition Europas gegen die franz√∂sische Republik anschlo√ü, r√ľckten bereits im September 1792 franz√∂sische Truppen in Savoyen ein. 1793 k√ľndigte der Nationalkonvent Neapel den Krieg an, und 1794 drangen die Franzosen in Piemont und Genua ein. Sie wurden zwar 1795 von den √Ėsterreichern zur R√§umung Italiens gezwungen, aber 1796 erhielt Bonaparte den Oberbefehl √ľber die italienische Armee der Franzosen und fa√üte den Entschlu√ü, das bisherige Staatensystem in I. aus den Angeln zu heben. Der K√∂nig von Sardinien wurde zu einem Frieden gen√∂tigt, in dem er Nizza und Savoyen an Frankreich abtrat. Durch eine Reihe gl√§nzender Siege machte sich der junge General zum Herrn Oberitaliens. Neapel erbat den Frieden; aus Mailand, Mantua, Modena, Massa, Carrara, Teilen von Parma und dem Kirchenstaat wurde die Zisalpinische Republik gebildet (1797). Der √ľbrige Kirchenstaat wurde 1798 in eine R√∂mische, Genua in eine Ligurische Republik verwandelt. Das venezianische Gebiet war schon 1797 von den Franzosen eingenommen und die aristokratische Regierung durch eine demokratische ersetzt worden. Der Friede von Campo Formio √ľberlie√ü Venedig bis zur Etsch an √Ėsterreich und schlug das √ľbrige Gebiet zur Zisalpinischen Republik. Der K√∂nig von Sardinien hatte 25. Okt. 1797 mit den Franzosen einen Allianzvertrag schlie√üen m√ľssen. Als aber infolge der zweiten Koalition Frankreich auch von Neapel der Krieg erkl√§rt wurde, zwang das Direktorium den K√∂nig von Sardinien, alle seine L√§nder auf dem Festland zu r√§umen. In Neapel bildete der General Championnet nach Vertreibung des K√∂nigs 1799 die Parthenope√Įsche Republik, w√§hrend Piemont und Toskana von den Franzosen milit√§risch verwaltet wurden. Zwar mu√üten die Franzosen nach mehreren Siegen der Heere der zweiten Koalition 1799 I. wieder r√§umen, aber Bonapartes Sieg bei Marengo 14. Juni 1800 machte sie abermals zu Herren Oberitaliens. Der L√ľneviller Friede 1801 bestimmte, da√ü √Ėsterreich im Besitz von Venedig bleiben und der Herzog von Parma als K√∂nig von Etrurien Toskana beherrschen sollte. Frankreich und √Ėsterreich verb√ľrgten der Zisalpinischen und der Ligurischen Republik ihren Beistand. Jetzt mu√üte sich 28. M√§rz 1801 auch der K√∂nig von Neapel zum Frieden von Florenz verstehen, in dem er Piombino und seinen Anteil an der Insel Elba an Frankreich verlor. Zugleich erhielten die Republiken Genua und Lucca neue demokratische Verfassungen, w√§hrend die Zisalpinische Republik 1802 in eine Italienische Republik verwandelt und Bonaparte auf zehn Jahre zu ihrem Pr√§sidenten gew√§hlt wurde.

Nachdem Napoleon I. sich vom Papst hatte zum Kaiser kr√∂nen lassen, bildete er 1805 die Zisalpinische Republik zu einem K√∂nigreich I. um, machte sich zu dessen K√∂nig und seinen Stiefsohn Eugen Beauharnais zum Vizek√∂nig und gab dem Land eine der franz√∂sischen √§hnliche Verfassung. Dies K√∂nigreich vergr√∂√üerte er nach dem Pre√üburger Frieden von 1805 mit dem √∂sterreichischen Venedig, Dalmatien, Istrien, 1807 mit Ragusa, 1809 mit Teilen des Kirchenstaates. Unmittelbar mit Frankreich vereinigt waren Savoyen und Nizza; dazu kamen 1805 die Ligurische Republik, 1808 Parma, Piacenza und Etrurien und 1809 der Kirchenstaat; den Titel eines K√∂nigs von Rom verlieh der Kaiser 1811 seinem eben gebornen Sohn. W√§hrend durch den Wiener Frieden 1809 der gr√∂√üte Teil von S√ľdtirol mit dem K√∂nigreich I. verbunden ward, wurden Istrien und Dalmatien davon wieder getrennt und mit Teilen Kroatiens, Krain etc. zu einem eignen Staat unter dem Namen der Illyrischen Provinzen vereinigt. Die F√ľrstent√ľmer Piombino, Lucca, Massa und Carrara sowie das F√ľrstentum Guastalla beherrschten seit 1805 und 1806 Napoleons Schwestern Elise Bacciochi und Pauline Borghese. Das K√∂nigreich Neapel regierte seit 31. M√§rz 1806 Napoleons Bruder, Joseph Bonaparte, an dessen Stelle 1808, als er zum K√∂nig von Spanien erhoben wurde, des Kaisers Schwager, Joachim Murat, trat. Nur die Inseln Sardinien und Sizilien blieben unter dem Schutze der englischen Flotten ihren rechtm√§√üigen K√∂nigen. So willk√ľrlich und gewaltsam auch die Sch√∂pfungen Napoleons in I. waren, und so wenig dabei die nationalen Interessen in Betracht gezogen waren, so war die franz√∂sische Herrschaft doch in mehrfacher Hinsicht segensreich. Wie in Deutschland, so r√§umte sie auch in I. mit scharfem Besen mittelalterliche Mi√übr√§uche und √ľberlebte Zust√§nde hinweg. Auf sozialem und wirtschaftlichem Gebiet lernte die Nation sich freier zu bewegen, und wenn auch die Hoffnungen, die viele Patrioten f√ľr die Herstellung nationaler Einheit auf Napoleon gesetzt hatten, sich nicht erf√ľllten, so waren doch diese Bestrebungen aus langem Schlummer wieder erweckt worden.

Bei der Neugestaltung der Verh√§ltnisse Italiens nach dem Sturze Napoleons hatte die Nation keine Stimme; sie wurde auf dem Wiener Kongre√ü entschieden. Als der haupts√§chlichste Gesichtspunkt galt dabei die Wiederherstellung der Verh√§ltnisse vor der Revolution; nur in den von Napoleon beseitigten Republiken erblickte man willkommene Entsch√§digungsobjekte f√ľr die verb√ľndeten M√§chte, und in Neapel behauptete sich Murat dadurch, da√ü er 1814 von Napoleon abgefallen war. Doch protestierten die bourbonischen H√∂fe gegen seine Herrschaft, und als er sich 1815 dem nach Frankreich zur√ľckgekehrten Napoleon anschlo√ü. wurde er in dessen zweiten Sturz verwickelt. Nun wurden √ľberall die alten Dynastien hergestellt, einige trugen sogar erhebliche Vergr√∂√üerungen ihres Gebietes davon. √Ėsterreich erhielt zur Lombardei Venetien und Dalmatien; Genua fiel an den K√∂nig von Sardinien, der auch in den Besitz von Savoyen und Ni;za wieder eingesetzt wurde; das Haus √Ėsterreich-Este erlangte die Herrschaft √ľber Modena, Mirandola, Reggio, Massa und Carrara zur√ľck; der Kaiserin Marie Luise von Frankreich √ľberlie√ü man auf Lebenszeit Parma, Piacenza und Guastalla, w√§hrend die bourbonische Infantin Maria zun√§chst mit Lucca entsch√§digt wurde. Auch der Kirchenstaat wurde wiederhergestellt, nur die am linken Ufer des Po gelegenen Besitzungen erhielt √Ėsterreich. Dem Erzherzog Ferdinand von √Ėsterreich fiel Toskana zu; in Neapel √ľbernahm K√∂nig Ferdinand IV. wieder die Regierung. Die Engl√§nder erlangten durch den Besitz Maltas eine herrschende Stellung in den italienischen Meeren. Eine gewisse Selbst√§ndigkeit behielten der F√ľrst von Monaco und die Republik San Marino. √úberall wurde die absolute F√ľrstengewalt wiederhergestellt, und da die zur√ľckkehrenden Dynastien mit Mi√ütrauen und Abneigung von der Bev√∂lkerung empfangen wurden, so suchten sie eine St√ľtze bei √Ėsterreich, das wieder die herrschende Macht in I. wurde.

Trotz des unter √∂sterreichischem Schutz in ganz I. durchgef√ľhrten Systems strengster polizeilicher √úberwachung waren die auf Einheit und Freiheit der Nation gerichteten Bestrebungen nicht v√∂llig zu unterdr√ľcken. Sie beherrschten die geheimen Gesellschaften, die sich √ľberall in I. bildeten, und unter denen die Vereinigung der Carbonari die verbreitetste und einflu√üreichste war, die selbst in den h√∂chsten milit√§rischen und Beamtenkreisen Mitglieder hatte. So fand 1820 die spanische Revolution m√§chtigen Nachhall in ganz I. und eine wohlgelungene Nachahmung in Neapel, wo ebenfalls das Milit√§r der Herd der Unzufriedenheit war. K√∂nig Ferdinand I. mu√üte sich zur Bewilligung einer Verfassung verstehen, die der spanischen von 1812 nachgebildet war; alsbald aber rief er die Hilfe der Heiligen Allianz an, und auf dem Kongre√ü zu Laibach wurde 1821 die Intervention √Ėsterreichs beschlossen, dessen Truppen die absolute Herrschaft des K√∂nigs mit leichter M√ľhe wieder herstellten. Gleichzeitig war auch in Sardinien eine Emp√∂rung ausgebrochen, die ebenfalls mit √∂sterreichischer Hilfe unterdr√ľckt wurde. In der Lombardei hatte die √∂sterreichische Polizei allen Erhebungsversuchen vorgebeugt; die Grausamkeit aber, mit der alle Kompromittierten verfolgt und bestraft wurden, trug wesentlich dazu bei, den Ha√ü des italienischen Volkes gegen √Ėsterreich zu verallgemeinern und zu vertiefen; und die sinnlose Reaktion, die unter dem Schutz √∂sterreichischer Bajonette in Neapel, Sardinien und Modena Platz griff, steigerte die Erbitterung gegen die Fremdherrschaft immer mehr.

Nach der Pariser Julirevolution 1830 erhoffte man in I. die Unterst√ľtzung der liberalen Ideen durch Frankreich, und im Kirchenstaat sowie in der Emilia kam es zu neuen Erhebungen. Binnen wenigen Monaten waren in den Legationen, in Umbrien, Parma und Modena die Regierungsbeh√∂rden vertrieben, und im M√§rz 1831 stellten die Abgeordneten der befreiten p√§pstlichen Lande die Verfassung der ¬ĽVereinigten Provinzen von I.¬ę fest. Aber mit seinen eignen und √∂sterreichischen Truppen schlug der Herzog von Modena die B√ľrgergarden in die Flucht und zog 9. M√§rz wieder in seiner Residenz ein. Die √Ėsterreicher besetzten Ferrara, Parma und Bologna und besiegten 25. M√§rz die Italiener bei Rimini, so da√ü die provisorische Regierung abdankte. Die Ruhe schien hergestellt zu sein, aber die t√∂richte Strenge des Herzogs von Modena und des Papstes machte 1832 eine nochmalige Intervention √Ėsterreichs n√∂tig. Die M√§chte versuchten nicht, dies Einschreiten zu hindern; Ludwig Philipp begn√ľgte sich, als die √Ėsterreicher abermals in Bologna einger√ľckt waren, damit, Ancona zu besetzen. Es hatte sich gezeigt, da√ü die italienischen Staaten ohne √∂sterreichische Hilfe nicht bestehen konnten, und so verstand es sich von selbst, da√ü ihre innere und √§u√üere Politik ganz von √Ėsterreich abh√§ngig war. Auch in den n√§chsten anderthalb Jahrzehnten fehlte es an immer neuen Verschw√∂rungen nicht; aber diese wurden s√§mtlich vereitelt, mochten sie nun in I. selbst oder im Ausland organisiert sein, wo Mazzini 1832 einen gro√üen Teil der Emigranten in der geheimen Verbindung des Jungen Italien vereinigt hatte. Der Druck, der auf dem Lande lastete, wurde durch die Reaktion gegen diese Verschw√∂rungen nur um so h√§rter.

Erst als nach dem Tode Gregors XVI. 1846 Pius IX. den p√§pstlichen Stuhl bestieg, schien eine Wendung einzutreten. Der neue Papst, im Gegensatz gegen den √∂sterreichischen Einflu√ü gew√§hlt, galt als der nationalen Sache nicht abgeneigt und erkannte an, da√ü die Zust√§nde Italiens reformbed√ľrftig seien. Anfang 1847 wurde ein milderes Zensurgesetz gegeben, und eine freilich nach patriarchalischen Vorstellungen zusammengesetzte Consulta di Stato sollte der Regierung zur Seite stehen. Diese schwachen Anf√§nge einer Reform machten den Papst in ganz I. popul√§r und regten √ľberall zu Forderungen gleicher Art an. Ein Aufstand in Palermo (im Januar 1848) n√∂tigte den K√∂nig von Neapel, seinem Reich eine Verfassung zu geben, was doch nicht hinderte, da√ü sich Sizilien im April von Neapel losri√ü. Im M√§rz stand die Lombardei auf, die Herzogt√ľmer Mittelitaliens folgten der allgemeinen Bewegung, und Karl Albert von Sardinien wurde durch die Furcht vor einer republikanischen Erhebung bewogen, seinem K√∂nigreich eine Verfassung zu verleihen und 24. M√§rz 1848 den Lombarden Hilfe gegen √Ėsterreich zu versprechen. Hiermit schwang sich Karl Albert an die Spitze der italienischen Unabh√§ngigkeits- und Einheitspartei und ward als das ¬ĽSchwert Italiens¬ę (spada d'Italia) mit st√ľrmischer Begeisterung begr√ľ√üt. Da die √Ėsterreicher sich hinter den Mincio zur√ľckgezogen hatten, so besetzte die sardinische Armee 26 M√§rz Mailand; in Venedig wurde nach der Kapitulation der √Ėsterreicher (22. M√§rz) eine republikanische Regierung errichtet. Indes waren die durch Freischaren verst√§rkten Truppen Karl Alberts dem √∂sterreichischen, von Radetzky befehligten Heer doch nicht gewachsen. Anfangs war der Verlauf des Krieges zwar den Piemontesen nicht ung√ľnstig, aber sie vermochten die Stellung der √Ėsterreicher in dem Festungsviereck am Mincio nicht zu durchbrechen. Nachdem Radetzky Verst√§rkungen an sich gezogen hatte, siegte er bei Curtatone (29. Mai), Vicenza (10. Juni) und Custoza (25. Juli) und zwang Karl Albert zur R√§umung der Lombardei und zum Waffenstillstand (9. Aug.).

Auch ein zweiter Waffengang, den der K√∂nig, durch die Wirren in √Ėsterreich, insbes. den ungarischen Aufstand ermutigt, 1849 unternahm, verlief durch. ms ungl√ľcklich, und die Piemontesen wurden zuerst 21. M√§rz bei Mortara, dann 23. M√§rz bei Novara so entscheidend geschlagen, da√ü Karl Albert, um einen ertr√§glichen Frieden zu erm√∂glichen, zugunsten seines Sohnes Viktor Emanuel II. abdankte. Vor der von √Ėsterreich beabsichtigten Vernichtung sch√ľtzten die Westm√§chte Sardinien, und √Ėsterreich mu√üte auf alle Territorialver√§nderungen verzichten. Piemont aber entwickelte in den Formen eines konstitutionellen Staatswesens in den n√§chsten Jahren seine Wehrkraft und wurde bald die einzige Hoffnung der italienischen Patrioten. Denn inzwischen war die nationale und freiheitliche Bewegung √ľberall in I. unterdr√ľckt worden. Venedig war 22. Aug. 1849 in den Besitz √Ėsterreichs zur√ľckgekehrt; die Mittelstaaten nahmen ihre Souver√§ne wieder auf; in Neapel und Sizilien war der Absolutismus hergestellt. In Rom leitete Garibaldi die Republik und schlug einen Versuch der Neapolitaner, den Papst wieder auf den Thron zu setzen, zur√ľck. Hier schritt, da die √Ėsterreicher sich mit der Besetzung der Romagna begn√ľgten, der franz√∂sische Prinz-Pr√§sident Napoleon, der f√ľr seine dynastischen Pl√§ne der Gunst des Klerus bedurfte, ein. Ein franz√∂sisches Expeditionskorps landete in Civitavecchia und zwang Rom nach tapferer Verteidigung 3. Juli 1849 zur Unterwerfung. Das Dr√§ngen der franz√∂sischen Regierung auf die Einf√ľhrung von Reformen wies der wieder in seine Herrschaft eingesetzte Papst zur√ľck; und im Kirchenstaat wurde wie in Mittel- und Unteritalien nach √Ėsterreichs Wunsch der straffste Absolutismus hergestellt.

Die Einigung Italiens zu einem Königreich.

So wurden hier seit 1850 wiederum die nationalen und freiheitlichen Bestrebungen durch die strengste Gewaltherrschaft niedergehalten; aber die harte Schule, durch die I. zu gehen hatte, hatte wenigstens das Gute zur Folge, da√ü der Hader der Parteien um f√∂derative oder einheitliche Entwickelung, um Monarchie oder Republik mehr und mehr zur√ľcktrat, und da√ü der Gedanke einer Einigung unter F√ľhrung Sardiniens in demselben Ma√ü an Boden gewann. Auf diesen Staat, dessen freisinnige Verfassung eine einsichtige Wirtschaftspolitik erm√∂glichte, der sich vom klerikalen Einflu√ü zu emanzipieren wu√üte, und dessen Wehrkraft zu Lande und zur See sorgsam ausgebildet und verst√§rkt wurde, setzten bald alle Patrioten Italiens ihre Hoffnung. Und an der Spitze dieses Staates stand, fest entschlossen, diese Hoffnungen zu erf√ľllen, als leitender Minister seit November 1852 der gr√∂√üte Staatsmann, den I. in den letzten Jahrhunderten hervorgebracht hat, der Graf Camillo Cavour. Mil bewundernswerter Meisterschaft l√∂ste er die Aufgaben, die der ausw√§rtigen Politik Italiens gestellt waren. Durch die Beteilgung Sardiniens am Krimkriege (1854‚Äď55) erwarb er sich Anspruch auf die Dankbarkeit der Westm√§chte und erhielt die Gelegenheit, 1856 auf dem Pariser Friedenskongre√ü vor ganz Europa seine Stimme zugunsten Italiens zu erheben. Dann gelang es ihm, Frankreich f√ľr den Gedanken der Verdr√§ngung √Ėsterreichs aus der Halbinsel zu gewinnen. Im Bad Plombi√®res traf Cavour im Juli 1858 mit Kaiser Napoleon III. zusammen und wurde ein B√ľndnis Frankreichs und Sardiniens vereinbart. Oberitalien sollte an Sardinien fallen, Savoyen und Nizza daf√ľr an Frankreich abgetreten werden; im √ľbrigen wurde ein italienischer Bund unter dem Ehrenvorsitz des Papstes in Aussicht genommen; die Verm√§hlung der Tochter Viktor Emanuels mit dem Prinzen J√©r√īme Napol√©on sollte das B√ľndnis besiegeln.

Die Ansprache, die Napoleon III. 1. Jan. 1859 an den √∂sterreichischen Gesandten Baron H√ľbner richtete, veranla√üte √Ėsterreich zu milit√§rischen R√ľstungen. Nachdem die Friedensvermittelung Englands und der Antrag Ru√ülands auf die Berufung eines europ√§ischen Kongresses gescheitert waren, lie√ü sich der Kaiser von √Ėsterreich durch das Dr√§ngen der Milit√§rpartei und des Kardinal Erzbischofs von Wien verleiten, seinerseits den entscheidenden Schritt zum Kriege zu tun. Er stellte 23. April in Turin das Ultimatum, binnen drei Tagen zu entwaffnen oder des Angriffs gew√§rtig zu sein. Da die Antwort ablehnend lautete, so erfolgte 29. April der Einmarsch der √Ėsterreicher unter Gyulay in Sardinien (italienischer Krieg von 1859). Sie setzten sich in der Lomellina fest, blieben aber hier, den Angriff der Feinde erwartend und den Zeitpunkt f√ľr eine erfolgreiche Offensive vers√§umend, tatenlos stehen. W√§hrenddessen brachte Viktor Emanuel sein Heer auf 80,000 Mann und vereinigte die aus ganz I. zustr√∂menden Freiwilligen unter dem Befehl Garibaldis. Die Franzosen √ľberschritten teils 25. April die P√§sse der Westalpen, teils landeten sie 26. April in Genua und vereinigten sich mit den Sardiniern. Eine Rekognoszierung, auf der Gyulay 20. Mai bei Montebello auf √ľberlegene franz√∂sische Streitkr√§fte stie√ü, verleitete ihn zu der Meinung, da√ü er von S√ľden her den Hauptangriff zu erwarten habe. Aber Napoleon umging den rechten Fl√ľgel der √Ėsterreicher, w√§hrend Garibaldi mit seinen Freischaren l√§ngs der Berge sich bereits Monza und Mailand gen√§hert hatte, und n√∂tigte durch die Schlacht von Magenta (4. Juni) die √Ėsterreicher zum R√ľckzug an die Minciolinie unter den Schutz des Festungsvierecks; die Verb√ľndeten zogen 8. Juni in Mailand ein. In Mittelitalien war schon 27. April der Gro√üherzog von Toskana durch eine Milit√§rverschw√∂rung zur Abreise gen√∂tigt worden, und Viktor Emanuel hatte darauf das Protektorat √ľber das Land angenommen. Nach der Schlacht von Magenta flohen auch die Herzogin von Parma und der Herzog von Modena. In der Romagna ward nach dem Abzug der √Ėsterreicher die Diktatur Viktor Emanuels ausgerufen, w√§hrend in den Marken und in Umbrien die Erhebungen gegen die p√§pstliche Regierung mit Waffengewalt unterdr√ľckt wurden. Inzwischen hatte der Kaiser von √Ėsterreich das Kommando √ľber seine Truppen selbst √ľbernommen und befahl 23. Juni den Vormarsch gegen die Verb√ľndeten. In der Entscheidungsschlacht bei Solferino (24. Juni) durchbrachen die Franzosen trotz heldenm√ľtigster Gegenwehr das Zentrum der √Ėsterreicher, und diese mu√üten, obwohl die Angriffe der Sardinier auf Benedek bei San Martino scheiterten, den R√ľckzug antreten, worauf 8. Juli ein Waffenstillstand und 11. Juli in Villafranca bei einer Zusammenkunft zwischen Kaiser Franz Joseph und Napoleon die Friedenspr√§liminarien abgeschlossen wurden. √Ėsterreich trat darin die Lombardei ab, w√§hrend Napoleon auf die ¬ĽBefreiung Italiens bis zur Adria¬ę (vgl. ¬ĽFrei bis zur Adria!¬ę) verzichtete, weil er bei Fortsetzung des Krieges ein Eingreifen Preu√üens bef√ľrchten mu√üte. Die F√ľrsten von Toskana und Modena sollten in ihre Staaten zur√ľckkehren; √Ėsterreich versprach f√ľr Venetien in einen italienischen Bund einzutreten. Der endg√ľltige Friede ward auf dieser Grundlage 10. Nov. 1859 in Z√ľrich unterzeichnet.

Abgesehen von dem Verbleiben Venetiens bei √Ėsterreich hatten indes die Friedensbestimmungen das Schicksal, da√ü sie schon vor ihrer Unterzeichnung hinf√§llig waren. In Florenz, Parma, Modena und in der Romagna wurde die Absetzung der fr√ľhern Dynastien ausgesprochen und die Vereinigung mit Sardinien beschlossen. Als Frankreich nun einen Kongre√ü zur Regelung der italienischen Angelegenheiten vorschlug, machte √Ėsterreich seine Teilnahme von der Zustimmung des Papstes abh√§ngig, die dieser, wie jedes Zugest√§ndnis an die nationalen und freiheitlichen W√ľnsche Italiens, verweigerte. Napoleon beschlo√ü daher, die italienischen Dinge selbst√§ndig zu ordnen. Er verlangte von Sardinien die Abtretung von Nizza und Savoyen und die allgemeine Abstimmung in den mittelitalienischen Staaten. Darauf wurde 11. und 12. M√§rz 1860 in Toskana, Parma, Modena und der Romagna durch Volksabstimmung die Einverleibung in das Reich Viktor Emanuels beschlossen, die der K√∂nig 18. und 22. M√§rz annahm; 24. M√§rz wurde der Vertrag √ľber die Abtretung von Savoyen und Nizza unterzeichnet. Der Bann des Papstes vom 26. M√§rz wider alle, die an dem Eingriff in seine Staaten Anteil hatten, blieb unbeachtet. Die Aktionspartei richtete ihr Augenmerk nunmehr auf das K√∂nigreich bei der Sizilien, wo das von dem jungen K√∂nig Franz II. beibehaltene absolutistische System allgemein verha√üt war. Anfang April 1860 brach ein Aufstand in Sizilien aus; in Palermo und Messina stellten zwar die Truppen die Ruhe her, aber in den Gebirgen g√§rte die Bewegung fort. Garibaldi, der sich 6. Mai in Genua mit 1067 Freiwilligen und 4 Gesch√ľtzen eingeschifft hatte, landete 11. Mai in Marsala, sammelte die Insurgenten um sich und zwang 6. Juni die Besatzung von Palermo zur Kapitulation. Als Franz II., der im Mai jede √Ąnderung des Systems und ein B√ľndnis mit Sardinien schroff abgelehnt hatte, im Juni dazu bereit war, war es zu sp√§t. Nachdem Garibaldi Sizilien in seine Gewalt gebracht hatte, landete er in der Nacht zum 20. Aug. mit 4300 Mann in Kalabrien. Die k√∂niglichen Truppen l√∂sten sich fast √ľberall auf, und hilflos entfloh Franz II. aus Neapel nach Ga√ęta, wo er den Rest seiner Getreuen sammelte. Am 7. Sept. zog Garibaldi unter dem Jubel der Bev√∂lkerung in Neapel ein. Nun war ernste Gefahr vorhanden, da√ü er sich gegen den Kirchenstaat wenden und die Befreiung Roms von der p√§pstlichen Herrschaft versuchen werde. Um dies zu verhindern, verst√§ndigte sich Napoleon mit Cavour dahin, da√ü sardinische Truppen die Marken und Umbrien besetzen und durch sie nach Neapel vordringen sollten, um hier statt der Diktatur Garibaldis ein geordnetes, monarchisches Regiment zu errichten, w√§hrend Rom und das sogen. Patrimonium Petri, das die Franzosen besetzt halten w√ľrden, unangetastet bleiben sollte. Kaum waren Anfang 1860 zwei sardinische Korps unter Cialdini an den Grenzen des Kirchenstaates erschienen, als in Um brien und den Marken der Aufstand ausbrach. Das p√§pstliche Heer unter General Lamorici√®re wurde 18. Sept. bei Castelfidardo zersprengt, und Ancona, wohin er sich fl√ľchtete, mu√üte sich 29. Sept. ergeben. Danach ging die Besetzung von Neapel rasch von statten. Nachdem eine allgemeine Volksabstimmung sich 21. Okt. f√ľr die Verbindung des K√∂nigreichs beider Sizilien mit Sardinien ausgesprochen hatte, und nachdem 4. und 5. Nov. die Abstimmung in den Marken und Umbrien in demselben Sinn ausgefallen war, hielt Viktor Emanuel 7. Nov. in Neapel seinen Einzug. Die Festung Ga√ęta, die allein noch Widerstand leistete, mu√üte 13. Febr. 1861 kapitulieren. So war durch eine Reihe von ungeheuern Erfolgen die Einheit Italiens bis auf Rom und Venedig vollendet. Am 18. Febr. versammelte sich das erste italienische Parlament in Turin; und auf seinen fast einstimmigen Beschlu√ü nahm Viktor Emanuel 14. M√§rz den Titel eines K√∂nigs von I. an.

Eine Schwierigkeit bot die Wahl der Hauptstadt des geeinigten Reiches. Rom war in der Hand der Franzosen, und Napoleon konnte und wollte den Papst nicht preisgeben. Die italienische Regierung mu√üte auf ihn um so mehr R√ľcksicht nehmen, als von den europ√§ischen M√§chten bisher allein England das neue K√∂nigreich anerkannt hatte. Cavour mahnte daher 26. M√§rz in der Kammer zu Geduld und M√§√üigung und sprach die Hoffnung auf eine friedliche L√∂sung der r√∂mischen Frage aus, indem der r√∂mischen Kirche gegen den Verzicht auf die weltliche Herrschaft vollkommene Freiheit und Unabh√§ngigkeit vom Staat in allen geistlichen Dingen zugestanden w√ľrde (Chiesa libera in libero Stato), eine Hoffnung, die bei der Unvers√∂hnlichkeit der Kurie kaum begr√ľndet war. Nicht lange nachher, 6. Juni 1861, starb Cavour. Sein Verlust war f√ľr I. unersetzlich; aber wenigstens die Aufrechterhaltung der nationalen Einheit und der Ordnung wu√üten seine Nachfolger, die Ministerpr√§sidenten Rattazzi, Ricasoli, Minghetti, Menabrea, Lanza u. a., zu sichern, wie verschiedenen Parteirichtungen sie auch angeh√∂ren mochten. Als Garibaldi 1862 die r√∂mische Frage mit Gewalt zu l√∂sen suchte, trat ihm die Regierung rasch und entschlossen entgegen, und seine Freischaren wurden 29. Aug. bei Aspromonte zersprengt, Garibaldi selbst verwundet und gefangen. Um Frankreichs Mi√ütrauen zu beschwichtigen, willigte I. 15. Sept. 1864 in einen Vertrag (Septemberkonvention), der die r√∂mische Frage regeln sollte. Frankreich verpflichtete sich, binnen zwei Jahren Rom zu r√§umen, wogegen I. versprach, das p√§pstliche Gebiet nicht anzutasten und gegen Angriffe von au√üen zu sch√ľtzen. Zugleich wurde bestimmt, da√ü die italienische Regierung ihren Sitz binnen 6 Monaten von Turin nach Florenz verlegen solle; und diese Bestimmung wurde 3. Febr. 1865 ausgef√ľhrt.

Napoleon III. hatte der italienischen Regierung f√ľr diese Nachgiebigkeit in der r√∂mischen Frage die Anerkennung des K√∂nigreichs I. durch √Ėsterreich in Aussicht gestellt. Der italienische Ministerpr√§sident Lamarmora wollte indessen nur bei gleichzeitiger Abtretung Venetiens einen Ausgleich mit √Ėsterreich abschlie√üen; er hoffte, da√ü √Ėsterreich sich gegen eine hohe Geldentsch√§digung dazu verstehen werde. Da dies indessen 1865 in Wien abgelehnt wurde, kn√ľpfte er Verhandlungen mit Preu√üen an, dessen Verh√§ltnis zu √Ėsterreich wegen der schleswig-holsteinschen Frage √§u√üerst gespannt war. Im M√§rz 1866 wurde der General Govone nach Berlin gesandt, und 8. April kam das B√ľndnis zwischen I. und Preu√üen zustande, durch das I., wenn Preu√üen binnen 3 Monaten an √Ėsterreich den Krieg erkl√§ren w√ľrde, seine Waffenhilfe versprach. Am 14. Juni brach der Krieg zwischen Preu√üen und √Ėsterreich aus; am 20. Juni sandte I. die Kriegserkl√§rung ab (italienischer Krieg von 1866). Die italienische Feldarmee z√§hlte ungef√§hr 230,000 Mann, wozu etwa 35,000 Freiwillige unter Garibaldi kamen; an Ersatz- und Garnisontruppen waren etwa 150,000 Mann vorhanden; die Oberleitung f√ľhrte, unter dem K√∂nig, Lamarmora. Dieser verwarf den von Preu√üen empfohlenen Feldzugsplan einer k√ľhnen Offensive ins Innere √Ėsterreichs und beschlo√ü, mit 12 Divisionen den Mincio zu √ľberschreiten und durch das Festungsviereck vorzudringen, w√§hrend Cialdini mit 8 Divisionen √ľber den untern Po gehen sollte. Aber der Erzherzog Albrecht benutzte die Teilung der feindlichen Macht auf das geschickteste und brachte 24. Juni dem italienischen Hauptheer bei Custoza eine schwere Niederlage bei. W√§hrenddessen fiel in B√∂hmen 3. Juli bei K√∂niggr√§tz die Entscheidung. Unmittelbar darauf trat √Ėsterreich Venetien an Napoleon III. ab und rief dessen Vermittelung f√ľr einen Frieden mit I. an. Allein das italienische Ministerium unter Ricasoli weigerte sich, seinen Verpflichtungen gegen Preu√üen untreu zu werden. Die milit√§rischen Operationen wurden wieder aufgenommen, Cialdini ging 8. Juli √ľber den Po und besetzte Venetien bis auf die Festungen, da die √Ėsterreicher das Land fast ohne Schwertstreich r√§umten. Schon dachten die Italiener an die Eroberung auch von Welschtirol und Istrien und r√ľckten in diese L√§nder ein; und selbst die Niederlage, die der √∂sterreichische Admiral Tegelhoff 20. Juli der italienischen Flotte unter Persano bei Lissa beibrachte, d√§mpfte die italienische Eroberungslust nicht. Als aber √Ėsterreich nach dem Pr√§liminarfrieden zu Nikolsburg sein Heer gegen I. in Bewegung setzte, schlo√ü auf Bismarcks Rat die italienische Regierung 11. Aug. einen Waffenstillstand und zog ihre Truppen aus Tirol und Istrien zur√ľck. Der definitive Friede kam zu Wien 3. Okt. zustande: gegen die Abtretung des Lombardisch-Venezianischen K√∂nigreichs innerhalb seiner bisherigen Grenze √ľbernahm I. 35 Mill. Gulden von der √∂sterreichischen Staatsschuld. Nachdem 21. und 22. Okt. eine Volksabstimmung die Annexion beschlossen hatte, hielt Viktor Emanuel 7. Nov. 1866 seinen Einzug in das befreite Venedig.

Nunmehr dr√§ngte die ungeduldige Aktionspartei zur L√∂sung der r√∂mischen Frage. Der Septemberkonvention gem√§√ü hatten, nachdem eine p√§pstliche Armee, zumeist aus Freiwilligen, gebildet worden war, die Franzosen den Kirchenstaat ger√§umt. Zum erstenmal seit Jahrhunderten war der Boden Italiens frei von fremden Truppen. Die italienische Regierung begann nun von neuem Verhandlungen mit der Kurie √ľber eine friedliche Verst√§ndigung, die jedoch von dieser schroff zur√ľckgewiesen wurde. Die Radikalen aber dr√§ngten zum Handeln. Garibaldi sammelte eine Freischar, √ľberschritt 22. Okt. 1867 die Grenze des Kirchenstaates und r√ľckte gegen Rom. Aber mit Unterst√ľtzung eines in Civitavecchia gelandeten Korps von 6000 Franzosen siegten die p√§pstlichen Truppen 3. Nov. bei Mentana √ľber Garibaldi, dessen Freischar g√§nzlich auseinandergesprengt wurde. Der Kirchenstaat ward nun wieder von den Franzosen besetzt. Die wenig verh√ľllte Beg√ľnstigung, die der damalige Ministerpr√§sident Rattazzi Garibaldi hatte zuteil werden lassen, brachte I. gegen√ľber Frankreich, das sich √ľber die Verletzung der Septemberkonvention beschwerte, in eine h√∂chst dem√ľtigende Lage. Die Zerr√ľttung der Finanzen, das ungeheure Defizit, die Eifersucht der Parteih√§upter, die Indolenz eines gro√üen Teiles des Volkes erschwerten eine rasche Erstarkung des neugeschaffenen Staates. Die altpiemontesische Partei, die sogen. Consorteria, die zur Durchf√ľhrung der notwendigen Reformen am meisten t√ľchtig gewesen w√§re, war im √ľbrigen I. durchaus unpopul√§r, und die von ihr ausgef√ľhrten Ma√üregeln, wie die Einziehung der Kl√∂ster, Ersparungen im Kriegsetat etc., konnten nicht alle √úbelst√§nde beseitigen.

Wiederum kam das Gl√ľck den Italienern zu Hilfe. Als 1870 der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland ausbrach, war Viktor Emanuel geneigt, den Dank, den er Napoleon III. und Frankreich zu schulden glaubte, damit abzuzahlen, da√ü er ihnen gegen Deutschland Beistand leistete. Dies verhinderte das Ministerium Lanza-Sella, da die franz√∂sische Regierung trotz ihrer Niederlagen im August und obwohl sie das Besatzungskorps aus dem Kirchenstaat zur√ľckzog, sich weigerte, ihre Zustimmung zur Besetzung Roms zu erteilen. Aber die Katastrophe von Sedan √§nderte die gesamte europ√§ische Lage und befreite I. von seinen moralischen Verpflichtungen gegen das franz√∂sische Kaisertum. Schon 8. Sept. r√ľckten die italienischen Truppen in den Kirchenstaat ein. Der Papst lehnte alle Vers√∂hnungsvorschl√§ge ab und befahl, um die √§u√üere Gewalt zu konstatieren, Rom zu verteidigen. Erst nachdem Bresche geschossen war, zog die italienische Armee 20. Sept. in das jubelnde Rom ein. Die Volksabstimmung im Kirchenstaat 2. Okt ergab, da√ü von 167,000 Stimmberechtigten 133,681 mit Ja, 1507 mit Nein stimmten; hierauf verk√ľndete ein k√∂nigliches Dekret vom 8. Okt. die Einverleibung Roms in I. Der Papst Pius IX., der am 20. Okt. das Vatikanische Konzil vertagt hatte, auf dem die p√§pstliche Unfehlbarkeit verk√ľndet worden war, sprach 1. Nov. √ľber alle Urheber und Teilnehmer der Besetzung Roms den Bann aus. Dessenungeachtet suchte die italienische Regierung der katholischen Welt den Beweis zu liefern, da√ü ihr Oberhaupt in Rom ganz unabh√§ngig sein werde. Die im Mai 1871 ver√∂ffentlichten sogen. Garantiegesetze erkl√§rten die Person des Papstes f√ľr unverletzlich, gleich der des K√∂nigs. Sie belie√üen dem Papst seine Leibgarde und seine Residenzen, die volle Immunit√§t genie√üen und auch zur Zeit eines Konklaves der b√ľrgerlichen Obrigkeit unzug√§nglich sein sollten. Dem Verkehr des Papstes mit dem In- und Ausland ward volle Sicherheit und Freiheit verb√ľrgt und jede staatliche Kontrolle dar√ľber ausgeschlossen. Die p√§pstlichen Gesandten und die der fremden Staaten beim Papst sollten die B√ľrgschaften des V√∂lkerrechts genie√üen. Der K√∂nig verzichtete auf seine Patronatsrechte bei Ernennung der Bisch√∂fe. Eine j√§hrliche Dotation von 3,225,000 Lire wurden dem Papst von seiten des Staats ausgeworfen. Pius IX erkl√§rte aber 15. Mai feierlich, keine Garantie von der ¬Ľsubalpinischen¬ę Regierung annehmen zu wollen, und spielte die Rolle des Gefangenen im Vatikan. Volk und Regierung Italiens lie√üen sich dadurch nicht beirren. Nachdem 26. Jan. 1871 von der Kammer die Verlegung des Regierungssitzes nach Rom beschlossen worden war, hielt Viktor Emanuel 2. Juli seinen Einzug daselbst, und durch die Verlegung ihrer Gesandtschaften nach Rom sprachen die meisten ausw√§rtigen M√§chte die Anerkennung des Geschehenen aus.

Italien als geeintes Königreich.

Am 27. Nov. 1871 wurde das Parlament auf dem Monte Citorio in Rom er√∂ffnet durch eine Thronrede des K√∂nigs, die das Werk seines Lebens, die Einheit Italiens, f√ľr vollendet, f√ľr die Zukunft aber die Organisation der Freiheit und Ordnung als die h√∂chste Aufgabe der Nation erkl√§rte. Vor allem galt es, die Finanzen des Staates zu regeln. Da man der Herstellung der nationalen Einheit bisher alle andern R√ľcksichten untergeordnet und f√ľr die Errichtung einer starken Land- und Seemacht gro√üe Opfer gebracht hatte, so waren die Staatsschulden auf 8 Milliarden, ja mit Einrechnung der Schatzscheine und der Banknoten mit Zwangskurs auf 10 Milliarden gestiegen, die j√§hrlich 460 Mill. an Zinsen erforderten; das Defizit betrug 1872: 80 Mill., obwohl die wirtschaftliche Entwickelung des Landes seit 1861 einen ungeheuern Aufschwung genommen und die ordentlichen Einnahmen sich von 458 auf 1056 Mill. vermehrt hatten. Um die Ausgaben f√ľr das Heer zu bestreiten, schlug der Finanzminister Sella 1873 den Kammern eine Reihe von Steuergesetzen vor, deren Beratung jedoch die Kammer der Deputierten verweigerte. Daher traten Lanza und Sella zur√ľck, und Minghetti, der am 16. Juli 1873 den Vorsitz im Ministerium und die Finanzen √ľbernahm, gelang es infolge von Ersparnissen, verbunden mit der nat√ľrlichen Vermehrung der Einnahmen, das Defizit 1875 aus dem Budget zu beseitigen. Da Frankreich sich noch immer weigerte, die Annexion des Kirchenstaates anzuerkennen und seine Gesandtschaft bei der italienischen Regierung unbesetzt lie√ü, w√§hrend dem Botschafter beim Vatikan ein Milit√§rattach√© beigegeben wurde und eine franz√∂sische Fregatte im Hafen von Civitavecchia zur Verf√ľgung des Papstes lag, suchte I. bei den Ostm√§chten eine St√ľtze. Im September 1873 trat der K√∂nig in Begleitung Minghettis und des ausw√§rtigen Ministers Visconti-Venosta eine Reise nach Wien und Berlin an, durch die Italiens Anschlu√ü an das Dreikaiserb√ľndnis angebahnt wurde. Nun berief die Regierung im Oktober ihren Gesandten zeitweilig von Paris ab und f√ľhrte das Gesetz, das die Aufhebung fast aller Kl√∂ster und den Verkauf ihrer G√ľter anordnete, auch in Rom streng durch. Im April 1875 erwiderte Kaiser Franz Joseph in Venedig, im Oktober Kaiser Wilhelm in Mailand die Besuche des K√∂nigs.

Indes trotz dieser Erfolge wurde das Ministerium Minghetti im M√§rz 1876 dadurch gest√ľrzt, da√ü ein Teil der bisherigen Mehrheit, das linke Zentrum und die sogen. Toskaner oder Liberisten, zur Opposition √ľberging. Hiermit erreichte die Herrschaft der Consorteria ihr Ende, die 1860‚Äď76 die Regierung in H√§nden gehabt und die Einheit des K√∂nigreichs geschaffen sowie die Finanzen geregelt hatte. Das neue Kabinett wurde von den F√ľhrern der Linken unter dem Vorsitz von Depretis gebildet; es erlangte bei den Wahlen 5. Nov. 1876 eine Mehrheit von fast 300 Stimmen. Als seine Hauptaufgaben bezeichnete es die Abschaffung der dr√ľckenden Mahlsteuer und die Ausdehnung des Wahlrechts. Aber sobald die Regierung mit positiven Gesetzesvorschl√§gen vor die Kammer trat, stie√ü sie bei ihrer eignen Partei auf Widerstand, und die ministerielle Mehrheit zersplitterte sich durch den Ehrgeiz und die Eifersucht ihrer F√ľhrer in mehrere Gruppen. Daher verz√∂gerten sich die versprochenen Reformen; die durchgebrachten Gesetze √ľber den obligatorischen Elementarunterricht und √ľber den Ausschlu√ü aller Geistlichen und zahlreicher Beamtenklassen von der Deputiertenkammer befriedigten nur wenig. Infolgedessen fanden wiederholt Ministerkrisen und ein h√§ufiger Ministerwechsel statt. Viktor Emanuel verhielt sich streng konstitutionell und f√ľgte sich der Mehrheit der Kammer; nach seinem Tode (9. Jan. 1878) befolgte sein Sohn und Nachfolger, K√∂nig Humbert (Umberto), die gleichen politischen Grunds√§tze. 1879 schien endlich ein dauerhaftes Ministerium durch die Vereinigung von Cairoli, der den Vorsitz √ľbernahm, und Depretis, der das Innere erhielt, gebildet zu sein. Dieses erlangte 1880 vom Senat die Zustimmung zur schrittweisen Abschaffung der Mahlsteuer und nahm die Wahlreform sowie die allm√§hliche Beseitigung des Zwangskurses in Angriff. Im Februar 1881 wurde der Gesetzentwurf √ľber den Notenumlauf von der Kammer genehmigt; er bestimmte, da√ü die Noten der verschiedenen staatlichen Banken (1860 Mill.) eingezogen und teils durch 640 Mill. Gold- und Silbergeld, teils durch Staatspapiergeld ersetzt werden sollten, das stets in Gold einzul√∂sen sei. Nachdem eine Anleihe von 644 Mill. aufgenommen worden war, begann man 1883 mit der Ausf√ľhrung des Gesetzes. Die italienische Rente, die 1870 auf 30 herabgesunken war, stieg infolgedessen fast auf pari, die Handelsbilanz besserte sich sehr wesentlich, und das Defizit schien aus dem Staatshaushalt verschwunden zu sein. Die Beratung der Wahlreform wurde jedoch durch ein unerwartetes Ereignis in der ausw√§rtigen Politik unterbrochen.

Unter dem Einflu√ü ihrer radikalen Ansichten hatten Cairoli und Depretis die engen Beziehungen zu den drei Kaiserm√§chten gel√∂st, in der Hoffnung, durch eine Politik der freien Hand am leichtesten von den Umst√§nden Vorteil zu ziehen und I. eine neue Gebietsvergr√∂√üerung verschaffen zu k√∂nnen. Gegen die lebhafte Agitation der irredentistischen Partei unterlie√üen sie es einzuschreiten und verschlechterten so zusehends das Verh√§ltnis Italiens insbes. zu √Ėsterreich. Dagegen setzten sie auf die Freundschaft Frankreichs, wo jetzt gleichfalls die Radikalen herrschten, ein festes Vertrauen. Dieses wurde bitter get√§uscht. 1881 bem√§chtigte sich die franz√∂sische Republik ganz pl√∂tzlich der Herrschaft in Tunis, das durch seine Lage und durch zahlreiche Einwanderung von Italienern zu der Interessensph√§re Italiens geh√∂rte. Infolgedessen wurde Cairoli im Mai 1881 zum R√ľcktritt gen√∂tigt, und Depretis √ľbernahm den Vorsitz im Kabinett. Dieser brachte 1882 ein Wahlgesetz durch, das allen 21 Jahre alten Italienern, die ihre Kenntnis des Lesens und Schreibens nachwiesen und etwa 20 Lire j√§hrlich an Staats- und Provinzialsteuern zahlten, das Stimmrecht verlieh; die Zahl der W√§hler wurde hierdurch von 632,000 auf 2,600,000 erh√∂ht. Die nach diesem Gesetz vorgenommenen Wahlen (29. Okt. 1882) ergaben eine bedeutende ministerielle Mehrheit, aber innerhalb der Partei der Linken machten sich nach wie vor pers√∂nliche Bestrebungen geltend. Im Mai 1883 griffen die Dissidenten die Regierung heftig an, wodurch Depretis bewogen wurde, die Freunde der Opposition in seinem Kabinett, Zanardelli und Vaccarini, zum Ausscheiden zu bewegen und durch gem√§√üigte Liberale zu ersetzen. Die ausgeschiedenen Minister mit ihren Anh√§ngern vereinigten sich nun mit denen Crispis, Cairolis und Nicoteras zu der sogen. Pentarchie, die sich von der ministeriellen Mehrheit trennte. ‚Äö

Inzwischen hatte sich der Minister des √Ąu√üern, Mancini, Deutschland und √Ėsterreich wieder gen√§hert und dadurch Italiens Stellung in Europa befestigt. Zugleich hatte er, dem Zuge der Zeit folgend, eine aktive Kolonialpolitik eingeleitet, indem er Assab am Roten Meer und 1885 auch den Hafen und das Gebiet von Massaua in Besitz nehmen lie√ü. Dadurch aber wurden nicht nur die Finanzen des Landes aufs neue erheblich belastet, so da√ü das Budget von 1886 wieder einen Fehlbetrag von 20 Mill. aufwies, sondern I. geriet auch in ernste Verwickelungen mit Abessinien. Mancini hatte schon im Juni 1885 vor den Angriffen der Opposition weichen m√ľssen; sein Nachfolger im Ausw√§rtigen Amt, Graf Robilant, wurde, nachdem die Italiener 26. Jan. 1887 durch einen √úberfall der Abessinier bei Dogali einen empfindlichen Verlust erlitten hatten, ebenso heftig angegriffen und trat gleichfalls zur√ľck. Da alle Versuche, ihn zu ersetzen, mi√ülangen, sah sich Depretis gen√∂tigt, das Kabinett neu zu bilden, indem er zwei H√§upter der Pentarchie, Zanardelli und Crispi, darin aufnahm (April 1887). Die erforderlichen Truppen und Gelder f√ľr die Verst√§rkung der Stellung in Massaua wurden nun bewilligt und die Bildung einer besondern Kolonialtruppe beschlossen.

Noch vorher hatte Graf Robilant im M√§rz 1887 ein f√∂rmliches B√ľndnis mit Deutschland und √Ėsterreich abgeschlossen, durch das I. dem Dreibund beitrat und sich so Sicherung nicht nur gegen das √úbelwollen Frankreichs, sondern auch gegen die nicht endenden Agitationen der r√∂mischen Kurie und ihrer Anh√§nger in den katholischen Staaten Europas verschaffte. Die freundschaftlichen Beziehungen zu den Bundesgenossen, insbes. zum Deutschen Reich, kn√ľpfte Crispi, der nach dem Tode Depretis' (29. Juli 1887) zum Portefeuille des Innern auch den Vorsitz und das Ausw√§rtige √ľbernahm, noch fester, wozu der Besuch des Kaisers Wilhelm II. in I. (Oktober 1888) und der des K√∂nigs Humbert in Berlin (Mai 1889) nicht wenig beitrugen. Auch die Lage der Truppen in Massaua besserte sich 1889. Der Negus Johannes von Abessinien fiel in einem Kampfe mit den Derwischen, und sein Nachfolger, Menelek von Schoa, schlo√ü mit I. ein B√ľndnis. Nun konnten die hochgelegenen Landstriche westlich von Massaua besetzt werden und im Januar 1890 die Organisation der afrikanischen Niederlassung erfolgen, welche die amtliche Bezeichnung Colonia Eritrea erhielt.

Die Hauptschwierigkeiten, mit denen die italienische Regierung zu k√§mpfen hatte, lagen aber nach wie vor auf dem Gebiete der Finanzen. F√ľr den Anschlu√ü Italiens an den Dreibund r√§chte sich Frankreich durch handelspolitische Ma√üregeln; der zwischen I. und der franz√∂sischen Republik abgeschlossene Handelsvertrag, der am 1. Mai 1888 abgelaufen war, wurde nicht erneuert, und es entspann sich zwischen beiden L√§ndern ein heftiger Zollkrieg, der die wirtschaftlichen Interessen Italiens schwer sch√§digte. Zwar n√§herte sich I. nun handelspolitisch den M√§chten des Dreibundes, aber die Anfang 1892 mit Deutschland und √Ėsterreich, etwas sp√§ter auch mit der Schweiz abgeschlossenen Handelsvertr√§ge konnten erst ganz allm√§hlich ihre Wirkung aus√ľben. Inzwischen litten die Staatsfinanzen unter der Ungunst der wirtschaftlichen Lage erheblich; das Budget wies best√§ndige Fehlbetr√§ge auf, und vergebens versuchte man sich durch allerhand kleine Mittel, Ersparnisse, versteckte Anleihen u. dgl., √ľber die Schwierigkeiten der Lage hinwegzuhelfen. Da beschlo√ü Crispi, nachdem die Wahlen im Herbst 1890 dem Ministerium anscheinend eine gro√üe Majorit√§t in der Deputiertenkammer gegeben hatten, Anfang 1891, energische Ma√üregeln zu ergreifen. Er beantragte einerseits durch Ersparnisse, insbes. eine Verminderung der Zahl der Pr√§fekturen, anderseits durch eine Erh√∂hung der Steuern und Z√∂lle das Defizit zu beseitigen. Beide Seiten dieses Programms stie√üen auf heftigen Widerstand; und als nun auch der F√ľhrer der Rechten, Marchese di Rudini, zur Opposition √ľberging, wurde 31. Jan. 1891 das Ministerium gest√ľrzt. Di Rudini bildete das neue Kabinett, das sich haupts√§chlich auf die Rechte und das Zentrum st√ľtzte, dem aber auch Vertreter der Linken, wie Nicotera und Pelloux, angeh√∂rten. Die ausw√§rtige Politik des Landes blieb im wesentlichen unver√§ndert; im Juni 1891 wurden die Dreibundsvertr√§ge noch vor ihrem Ablauf erneuert, im Anfang 1892 kamen die schon erw√§hnten Handelsvertr√§ge zustande. F√ľr die innere Lage wu√üte aber auch das Ministerium Rudini keine Abhilfe zu schaffen. Schon im April 1892 kam es zu Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Regierung √ľber die dem Parlament vorzulegenden Finanzvorschl√§ge; und als di Rudini mit diesen vor die Kammer trat, sprach sich 5. Mai eine Mehrheit von 8 Stimmen gegen ihn aus und n√∂tigte das Ministerium zum R√ľcktritt. Das neue Kabinett wurde 14. Mai durch Giolitti gebildet, der 1889 unter Crispi Schatzminister gewesen war; es l√∂ste im Herbst die Kammer auf und gewann bei den Neuwahlen 6. Nov. die Mehrheit. Auch Giolitti setzte die ausw√§rtige Politik seiner Vorg√§nger fort; im Innern aber verschlimmerte sich die Lage zusehends. Das Defizit f√ľr 1893 veranschlagte der Schatzminister Grimaldi 11. Febr. 1893 auf 48 Mill., w√§hrend andre es bedeutend h√∂her sch√§tzten; der Kurs der Staatsrente sank best√§ndig; w√§hrend das Goldagio stieg und selbst die Silberscheidem√ľnzen aus dem Lande str√∂mten, so da√ü der Verkehr unter dem Mangel an Zahlungsmitteln empfindlich litt. Dazu kam, da√ü bei der Verwaltung einzelner Notenbanken, namentlich der Banca di Napoli und der Banca Romana, Unregelm√§√üigkeiten schlimmster Art aufgedeckt wurden, zu deren Untersuchung 21. M√§rz 1893 eine parlamentarische Kommission niedergesetzt wurde. Diese erstattete, nachdem inzwischen im Juli ein Gesetz √ľber die Regelung des Notenumlaufes durchgegangen war, das nur drei Zettelbanken bestehen lie√ü, 23. Nov. ihren Bericht, in dem mehrere Minister, namentlich auch Giolitti selbst, scharf getadelt wurden. Am folgenden Tage nahm Giolitti seine Entlassung; und nach einer mehrw√∂chigen Krisis trat abermals Crispi, den die √∂ffentliche Meinung als den einzigen Mann bezeichnet hatte, der den Staat aus seiner kritischen Lage hinausf√ľhren k√∂nne, an die Spitze des Ministeriums.

Die neue Regierung sah sich vor die schwierigsten Aufgaben gestellt. In Sizilien brach, vorbereitet von den unter dem Namen ¬ĽFasci di lavoratori¬ę vereinigten Arbeitergesellschaften unter Leitung des Abgeordneten de Felice Giuffrida, eine m√§chtige Umsturzbewegung aus, die sich schnell √ľber die Insel verbreitete und auch das Festland zu ergreifen drohte Hier griff Crispi mit eiserner Tatkraft ein und schlug den Aufstand nach kurzer Zeit und ohne allzu gro√üe Opfer nieder; auch eine anarchistische Erhebung in der Provinz Massa e Carrara wurde in gleicher Weise bezwungen. Ein am 16. Juni 1894 von anarchistischer Seite unternommenes Attentat gegen Crispi schlug fehl; im Juli wurden drei Gesetze gegen die Umsturzpartei und ihre Umtriebe erlassen; im Oktober l√∂ste die Regierung 271 sozialistische Vereine im K√∂nigreich auf. Neben dieser energischen T√§tigkeit zur Aufrechterhaltung der Ordnung war die Finanzreform die Hauptsorge des Ministeriums. Am Tage nach der Er√∂ffnung der Kammern, 21. Febr. 1894, kl√§rte der Schatzminister Sonnino mit r√ľckhaltloser Offenheit die Nation √ľber die Lage ihrer Finanzen auf; er veranschlagte das Defizit f√ľr das Jahr 1893/94 auf 177 Mill. Lire, zur Deckung schlug er Ersparnisse und Steuererh√∂hungen verschiedener Art vor, unter andern eine Herabsetzung der Rentenzinsen auf 4 Proz. mittels Erh√∂hung der Einkommensteuer. Nachdem diese Ma√üregeln im Juli die Zustimmung der Kammern gefunden hatten, bezifferte Sonnino 10. Dez. 1894 das Defizit f√ľr das Finanzjahr 1895/96 nur noch auf 80 Mill.; durch weiter Ersparnisse und durch Steuererh√∂hungen sollte es beseitigt werden. Zu einer Beratung dar√ľber gelangte die zerkl√ľftete, in kleinlichsten Parteiinteressen ausgehende Kammer nicht mehr. Schon 11. Dez. begann der Bankenskandal aufs neue, indem Giolitti unter Vorlegung gewisser Akten, in deren Besitz er auf sehr anfechtbare Weise gelangt war, einen heftigen Sturm gegen Crispi veranla√üte. Indessen dieser vertagte 15. Dez. die Kammer und l√∂ste sie, als im n√§chsten Jahre die Angriffe erneuert wurden, 8. Mai 1895 auf, worauf die Neuwahlen ihm eine gro√üe Majorit√§t gaben.

Die ausw√§rtige Politik Italiens erfuhr keine Ver√§nderung. In Afrika wurden wesentliche Erfolge errungen: im Dezember 1893 schlug der Oberst Arimondi die Derwische bei Agordat; General Baratieri nahm im Juli 1894 Kassala, und den abessinischen F√ľrsten von Tigr√©, Ras Mangascha, der sich gegen die Italiener erhoben hatte, besiegte er 14. und 15. Jan. 1895 bei Coatit und Senafe. Aber eben hier trat bald ein R√ľckschlag ein. Im Oktober 1895 nahm Baratieri seinen Vormarsch wieder auf und brachte die ganze Landschaft Tigr√© in seine Gewalt; doch nun griff der abessinische Kaiser Menelek selbst in den Krieg ein, und das ver√§nderte die Lage der Dinge v√∂llig. Die Niederlage des Majors Toselli bei Amba Aladschi (7. Dez.), die Kapitulation des Oberstleutnants Galliano in Makalle (20. Jan. 1896) und der R√ľckzug Arimondis auf Adigrat wirkten aufs ung√ľnstigste auf die Stimmung im Land und im Parlament und beeinflu√üten auch die Finanzlage, indem die Regierung einen Kredit von 20 Mill. f√ľr neue R√ľstungen begehren mu√üte. Um sich zu behaupten, bedurfte Crispi eines Sieges in Afrika und dr√§ngte Baratieri zum Angriff; als aber dieser sich nach langer Unt√§tigkeit 1. M√§rz 1896 noch vor dem Eintreffen neuer Verst√§rkungen zum Angriff gegen Menelek entschlo√ü, erlitt er bei Adua eine vernichtende Niederlage. Die unmittelbare Folge davon war der R√ľcktritt Crispis. Das am 10. M√§rz von dem Marchese di Rudini gebildete neue Ministerium, das sich im Innern durch die Begnadigung der Unruhestifter aus Sizilien und der Lunigiana Freunde zu machen suchte, war zu einer vollst√§ndigen √Ąnderung der afrikanischen Politik entschlossen.

Inzwischen hatte Menelek mit seinem Heere 20. M√§rz den R√ľckzug angetreten; dadurch war es dem General Baldissera, dem Nachfolger Baratieris, m√∂glich geworden, im Mai die in Adigrat eingeschlossene italienische Garnison zu entsetzen, worauf er das Ge biet von Tigr√© r√§umte. Im Juni wurden dann Verhandlungen mit Menelek angekn√ľpft; sie f√ľhrten 20. Okt. zum Frieden von Adsdis Abeba, in dem I. auf das Protektorat √ľber Abesinien verzichtete, Menelek sich zur Freilassung der italienischen Gefangenen verpflichtete und die Abgrenzung des Gebiets von Erythr√§a gegen Abessinien weitern Verhandlungen vor behalten blieb.

Indessen hatte die ausw√§rtige Politik der Regierung auch in Europa eine Ver√§nderung erfahren. Die Verm√§hlung des Kronprinzen Viktor Emanuel mit der Prinzessin Helene von Montenegro, die am 23. Okt. 1896 in Rom vollzogen wurde, hatte zur Verbesserung der Beziehungen zwischen I. und Ru√üland beigetragen. Sodann suchte der Minister des Ausw√§rtigen, Visconti-Venosta, auch die Verstimmung zwischen I. und Frankreich zu beseitigen. In einem 30. Sept. abgeschlossenen Handelsvertrag mit Tunis erkannte I. das franz√∂sische Protektorat √ľber Tunis an und verzichtete auf die alten Kapitulationen, wogegen eine Reihe von Privilegien der in Tunis lebenden Italiener bestehen blieben. W√§hrend der Verwickelungen in Kreta und des griechisch-t√ľrkischen Krieges (1896 und 1897) nahm die italienische Regierung an allen Ma√üregeln teil, die durch das europ√§ische Konzert beschlossen wurden; bei den Operationen auf und um Kreta hatte 1897 der italienische Admiral Canevaro als rang√§ltester Offizier die oberste Leitung in H√§nden.

Im Innern gewann das Ministerium, das am 5. M√§rz 1897 die noch unter Crispi gew√§hlte Kammer aufl√∂ste, bei den Neuwahlen 21. und 28. M√§rz die Mehrheit und behauptete sie w√§hrend der parlamentarischen Fr√ľhjahrstagung. In Afrika erkl√§rte es sich bereit, aus finanziellen Gr√ľnden das Gebiet der erythr√§ischen Kolonie, wenn n√∂tig, auf Massaua und seine n√§here Umgebung einzuschr√§nken, Kassala aber an √Ągypten auszuliefern, und fand f√ľr diese Politik die Billigung der Kammer. Im √ľbrigen wurde ein Gesetz √ľber die Organisation der Armee mit Beibehaltung der bisherigen Zahl der Armeekorps und unter Voraussetzung eines Milit√§rbudgets von 246 Mill Lire angenommen. Dagegen kam es in der Herbstsession sehr bald zu einer neuen Ministerkrisis. Bei der Beratung √ľber ein von dem Kriegsminister Pelloux eingebrachtes Gesetz √ľber die Bef√∂rderungen in der Armee wurde 3. Dez. ein von dem Minister nicht gebilligter Ab√§nderungsantrag angenommen. Infolgedessen reichte zuerst der Kriegsminister und dann das ganze Kabinett seine Entlassung ein. Rudini, der wiederum die Neubildung √ľbernahm, bewog darauf Zanardelli zur Annahme des Justizministeriums; einige seiner Anh√§nger folgten ihrem F√ľhrer; zum Kriegsminister wurde der General San Marzano ernannt.

In den ersten Monaten des Jahres 1898 wurde I. durch schwere innere Unruhen ersch√ľttert. Diese begannen in dem St√§dtchen Siculiana in Sizilien, wo die Bev√∂lkerung sich infolge der gesteigerten Brot- und Mehlpreise und des harten Steuerdruckes im Anfang des Januar erhob, und fanden sowohl auf der besonders schwer leidenden Insel Sizilien als auf dem Festland ihren Widerhall. Obwohl die Regierung bereits 23. Jan. 47,000 Mann Reserven einberufen und √ľberall die Polizei verst√§rkt hatte, gelang es nicht, die Ordnung wiederherzustellen; und bald bem√§chtigte sich die sozialistische Partei der Bewegung. Nachdem der Aufstand 2. Mai bei Ravenna, am 5. in Pisa, am 6. in Livorno ausgebrochen war, kam es 7. u. 10. Mai in Mailand zu besonders schweren K√§mpfen. Neue Erhebungen folgten im Mai bei Genzano, in Luino, bei Novara, in Neapel, in Messina, und erst nachdem die Versuche der Aufr√ľhrer, sich durch Zuzug aus der Schweiz zu verst√§rken, vereitelt waren, ward man allm√§hlich der Bewegung Herr. Schon bei der Beratung √ľber die gegen die Emp√∂rer zu ergreifenden Ma√üregeln war es innerhalb des Ministeriums zu lebhaften Meinungsverschiedenheiten zwischen dem liberalen Justizminister Zanardelli und dem mehr konservativen Minister des Ausw√§rtigen, Visconti-Venosta, gekommen, infolge deren schlie√ülich der letztere 28. Mai seinen Austritt aus der Regierung erkl√§rte. Rud im dachte die Schwierigkeiten der Lage durch eine abermalige Umbildung des Ministeriums besiegen zu k√∂nnen, stie√ü aber nun in der Deputiertenkammer auf so allseitigen Widerstand, da√ü er 19. Juni endg√ľltig seine Entlassung nehmen mu√üte. Jetzt bildete der General Pelloux 29. Juni ein neues Ministerium, das zum gro√üen Teil aus Anh√§ngern Giolittis und Zanardellis zusammengesetzt war, in das aber auch drei Mitglieder aus der Gruppe Crispis eintraten. Diesem gelang es, auf der Bahn zur Vers√∂hnung mit Frankreich einen wichtigen Schritt vorw√§rts zu tun. Schon im Mai 1898 hatte noch Rudini Verhandlungen √ľber die Beendigung des seit 1888 zwischen beiden L√§ndern bestehenden Zollkrieges eingeleitet; das Ministerium Pelloux setzte sie durch Luzzatti in Paris fort, und dieser schlo√ü 21. Nov. ein Abkommen mit Frankreich, demzufolge beide L√§nder einander auf dem Fu√ü der meistbeg√ľnstigten Nationen zu behandeln sich verpflichteten und einander zahlreiche tarifarische Zugest√§ndnisse machten. Dieses Abkommen, das zugleich eine politische Ann√§herung beider L√§nder herbeizuf√ľhren geeignet war, trat 12. Febr. 1899 in Kraft. Indem Pelloux nun einerseits durch eine Steuerreform die dringend notwendige Entlastung der niedern Klassen der Bev√∂lkerung herbeizuf√ľhren suchte, anderseits aber eine Reihe von Gesetzentw√ľrfen vorlegte, die behufs Niederhaltung der das Land durchw√ľhlenden Agitationen der Sozialisten und Republikaner Einschr√§nkungen der Pre√üfreiheit, Regelung des Vereins- und Versammlungsrechtes, Ma√üregeln gegen r√ľckf√§llige Verbrecher und √ľber die Stellung der verabschiedeten Soldaten im Dienste der Eisenbahnen, Posten und Telegraphen anordneten, stie√ü er in der Kammer auf den heftigsten Widerstand bei der Linken Ehe es aber zur Entscheidung √ľber diese Gesetzesvorlagen kam, hatte sich die politische Lage wesentlich ver√§ndert.

Zu Anfang M√§rz 1899 hatte I. den Versuch gemacht, nach dem Vorgang Englands, Ru√ülands, Deutschlands und Frankreichs eine Gebietserwerbung in China zu machen, war aber mit dem Ansinnen, ihm die Sanmunbucht durch einen Pachtvertrag zu √ľberlassen, in verletzenden Formen abgewiesen worden. Zu dieser diplomatischen Niederlage, die nicht wettgemacht werden konnte, da die Regierung bei der allgemeinen Abneigung der Nation keine Gewaltma√üregeln gegen China ergreifen mochte, kam, die Erregung steigernd, die Nachricht von dem Abschlu√ü der englisch-franz√∂sischen Konvention √ľber Nordafrika (s. Gro√übritannien, S. 412), durch die England das Hinterland von Tripolis an Frankreich √ľberlassen hatte, also ein Gebiet, auf dessen einstige Erwerbung man, nach dem √úbergang von Tunis in Frankreichs Herrschaft, immer noch in I. gehofft hatte. Nach der Widerer√∂ffnung des Parlaments fanden infolgedessen in der Kammer sehr erregte Beratungen √ľber die ausw√§rtige Politik statt; General Pelloux erkannte, da√ü die Lage der Regierung unhaltbar geworden war, und reichte 3. Mai die Entlassung des Ministeriums ein. Vom K√∂nig mit der Neubildung des Kabinetts beauftragt, vollzog er dann eine entschiedene Schwenkung zur Rechten hin√ľber. Von den bisherigen Ministern blieben au√üer Pelloux selbst nur Baccelli und Lacava im Amt; die ausw√§rtigen Angelegenheiten √ľbernahm Visconti-Benosta; Finanzen und Schatz erhielten Carmine und Boselli, zwei politische Freunde Sonninos, der f√ľr die Regierung die F√ľhrung der Mehrheit in der Kammer √ľbernahm. Nach st√ľrmischen Debatten erhielt das Ministerium 31. Mai ein Vertrauensvotum und drang nun auf baldige Erledigung der vorgelegten Entw√ľrfe √ľber die Ab√§nderung des Vereins-, Versammlungs- und Pre√ürechts. Allein die revolution√§re Partei, unterst√ľtzt von Teilen der durch die neue Kabinettsbildung gereizten Linken, verhinderte durch eine hartn√§ckige Obstruktion den Fortgang der Beratung so sehr, da√ü erst 17. Juni der erste Artikel angenommen werden konnte. Da vertagte die Regierung die Kammern 22. Juni auf sechs Tage und lie√ü die von der Mehrheit im Prinzip bereits 4. M√§rz gebilligten politischen Ma√üregeln durch eine k√∂nigliche Verordnung (Decreto-legge, s. d.) sanktionieren, die am 20. Juli in Kraft treten sollte. Als diese Verordnung 28. Juni der Kammer zur Genehmigung vorgelegt wurde, schritt die Opposition 30. Juni zu den √§u√üersten Mitteln und verhinderte durch w√ľsten L√§rm und offene Gewalttat die Abstimmung. Unter solchen Umst√§nden schlo√ü die Regierung die Tagung des Parlaments.

W√§hrend die Kammern nicht versammelt waren, hielt Pelloux die √∂ffentliche Ordnung in I. mit Strenge aufrecht und erwarb sich durch planm√§√üige Unterdr√ľckung des Banditen t ums auf der Insel Sardinien ein besonderes Verdienst; gegen die Urheber der gewaltsamen Auftritte vom 30. Juni wurde ein gerichtliches Verfahren eingeleitet. Ehe aber der Proze√ü begann, traten die Kammern 14. Nov. wieder zusammen. Die Regierung legte abermals das Dekret vom 22. Juni zur Genehmigung vor. Die Beratungen dar√ľber begannen aber erst, nachdem im Februar 1900 das Budget genehmigt war. Inzwischen hatte die Regierung, da sie bei der schw√§chlichen Haltung der Kammer gegen√ľber den Radikalen des Ausganges nicht sicher war, das Verfahren gegen die angeklagten Abgeordneten eingestellt und 1. Jan. 1900 eine umfassende Amnestie f√ľr alle wegen politischer Verbrechen und Vergehen Verurteilten erlassen.

Nichtsdestoweniger begann der parlamentarische Sturm von neuem, als 24. Febr. die Beratung √ľber das Decreto-legge er√∂ffnet wurde. Die Radikalen unter F√ľhrung des Abgeordneten Pantano verhinderten durch ihre Obstruktion wochenlang die Fortsetzung der Verhandlungen und wurden dabei von Rudini Giolitti und Zanardelli, die es auf den Sturz des Ministeriums absahen, durch allerhand Mann√∂ver unterst√ľtzt. Schlie√ülich griff die Mehrheit der Kammer auch ihrerseits zu einer Gewaltma√üregel, indem sie 3. April eine Ab√§nderung der Gesch√§ftsordnung, welche die Obstruktion unm√∂glich machen sollte, in summarischer Abstimmung annahm, worauf sich die Kammer bis 15. Mai vertagte. Um nun auch ihrerseits zur Beruhigung beizutragen, zog die Regierung 5. April das Decreto-legge vom 22. Juni 1899 zur√ľck. Indes nach dem Ende der Parlamentsferien (15. Mai) erneuerte die √§u√üerste Linke die Obstruktion, und auch die konstitutionelle Opposition forderte die Aufhebung der neuen Gesch√§ftsordnung. Darauf l√∂ste die Regierung die Deputiertenkammer auf. Die Neuwahlen (3. und 10. Juni) ergaben eine ministerielle Mehrheit, doch kehrte die √§u√üerste Linke verst√§rkt zur√ľck; und nun veranla√üte der von der Kammer neugew√§hlte Pr√§sident Gallo durch Verhandlungen mit der Opposition √ľber die Gesch√§ftsordnung das Ministerium Pelloux, 18. Juni seine Entlassung einzureichen, worauf der K√∂nig den Senatspr√§sidenten Saracco zur Bildung eines neuen Kabinetts berief.

Das neue Ministerium hatte einen gem√§√üigt liberalen Charakter; aber es war arm an bedeutenden Kr√§ften, und au√üer dem Ministerpr√§sidenten und dem Minister des Ausw√§rtigen, Visconti-Venosta, geh√∂rte ihm kaum ein hervorragender Staatsmann an. Es sicherte allerdings die Wiederaufnahme regelm√§√üiger parlamentarischer Arbeit, indem es 2. Juli der Annahme einer neuen Gesch√§ftsordnung der Kammer zustimmte, worauf die √§u√üerste Linke ihre Obstruktion aufgab. Aber wenn auch in dieser Gesch√§ftsordnung einige Verbesserungen gegen√ľber dem fr√ľhern Zustande der Dinge erzielt waren, so waren doch die weitgehenden Zugest√§ndnisse, welche die Regierung der Linken gemacht hatte, ein deutliches Zeugnis ihrer Schw√§che. An der Intervention der europ√§ischen M√§chte in China beteiligte sich I. durch die Absendung eines Expeditionskorps von 2000 Mann unter dem Oberst Garioni, das am 18. Juli in Neapel eingeschifft wurde.

Wenige Tage darauf wurde das Land durch eine verbrecherische Schreckenstat in die tiefste Trauer versetzt. Am 29. Juli wurde der K√∂nig Humbert, dessen streng konstitutionelle Regierung von allen Parteien des Landes anerkannt wurde, dem seine Gerechtigkeit und Leutseligkeit allgemeine Liebe erworben hatten, von einem italienischen Anarchisten, Angelo Bresci, dem fanatische Parteigenossen in der amerikanischen Industriestadt Paterson bei Hoboken in New Jersey die feige Tat aufgetragen hatten, ermordet. Als der K√∂nig abends 101/2 Uhr von einer Preisverteilung nach einem Turnfest in sein Schlo√ü bei Monza zur√ľckkehren wollte, lauerte ihm der M√∂rder auf und feuerte drei Kugeln auf ihn ab, von denen eine das Herz traf. Der Kronprinz, der seinem Vater als K√∂nig Viktor Emanuel III. auf dem Thron folgte, war zur Zeit der Tat mit seiner Gemahlin auf einer Orientfahrt begriffen, kehrte aber sofort zur√ľck; er best√§tigte 1. Aug. das Ministerium im Amte und erlie√ü 3. Aug. eine Proklamation an sein Volk, in der er gelobte, nach dem unverge√ülichen Beispiel seines Gro√üvaters und seines Vaters regieren zu wollen.

Als die Kammer 22. Nov. wieder zusammentrat, zeigte sich alsbald, da√ü die Regierung √ľber keine sichere Mehrheit verf√ľgte, und da√ü sie sich nur durch ihre eigne Unt√§tigkeit und durch den Zwist im Lager ihrer Gegner noch einige Zeit am Leben erhalten konnte. In der Herbstsession 1900 erlangte sie noch die Bewilligung des Budgets; aber die Wiederer√∂ffnung des Parlaments 1901 √ľberlebte sie nur um wenige Tage. Sie hatte gegen√ľber der republikanischen Partei in Genua bei Gelegenheit einer Aufl√∂sung der dortigen Arbeiterkammer die str√§flichste Schw√§che bewiesen; deswegen wurde 6. Febr. ein Tadelsvotum von der Kammer angenommen; darauf mu√üte Saracco seine und seiner Kollegen Entlassung einreichen. Mit der Bildung des neuen Kabinetts beauftragte der K√∂nig Zanardelli, der das neue Ministerium 15. Febr. vorwiegend aus Mitgliedern der entschiedenen Linken zusammensetzte, aber auch drei Abgeordnete der Rechten aufnahm. Er selbst √ľbernahm darin den Vorsitz ohne Portefeuille; das Innere erhielt Giolitti, einer der entschiedensten Vork√§mpfer einer durchgreifenden Steuerreform, das Ausw√§rtige der Mail√§nder Gro√üindustrielle Prinetti, der Kriegsminister Ponza di San Martino und der Marineminister Morin wurden aus dem Kabinett Saracco √ľbernommen. Das Programm des neuen Ministeriums, das Zanardelli 7. M√§rz vor der Deputiertenkammer entwickelte, k√ľndigte im Innern entschieden liberale und reformatorische Ma√üregeln an und versprach nach au√üen hin ein Festhalten an den B√ľndnissen bei friedlicher und freundschaftlicher Politik allen M√§chten gegen√ľber. Schon in der Session von 1901 wurde die Abschaffung der f√ľr die √§rmern Klassen der Bev√∂lkerung √ľberaus dr√ľckenden Kommunalabgaben auf Mehl und Mehlprodukte in allen Gemeinden des Landes mit Ausnahme von 59 gr√∂√üern Orten in Angriff genommen; der so entstehende Ausfall an Kommunaleink√ľnften war z. T. durch Staatssubventionen zu decken. Die Durchf√ľhrung dieser und andrer Reformen erleichterte die √ľberraschende und nachhaltige Besserung der wirtschaftlichen Lage des Landes und, was damit im Zusammenhang stand, der Finanzen des Staates. Schon das Finanzjahr 1900/01 schlo√ü mit einem √úberschu√ü von 40 Mill. Lire statt des erwarteten Fehlbetrages von 7 Mill. Lire ab; der √úberschu√ü f√ľr das Finanzjahr 1901/02 betrug trotz 27 Mill. Lire unerwarteter Ausgaben f√ľr Eisenbahnen und f√ľr die Beteiligung Italiens an der chinesischen Expedition noch 32,5 Mill. Lire; im Finanzjahr 1902/03 stieg der √úberschu√ü auf 69 Mill. Lire. Im Laufe dieser beiden Jahre erreichte und √ľberschritt die italienische Rente den Parikurs; das Goldagio, das lange gegen√ľber den italienischen Banknoten bestanden hatte, verschwand g√§nzlich: kurz, die italienischen Finanzen erfreuten sich eines Aufschwunges, den in gleicher Weise kein andres Land Europas aufzuweisen hatte. Nach au√üen hin vollzog sich eine merkliche Ann√§herung Italiens an Frankreich. Im April 1901 stattete die italienische Flotte in Toulon einen Besuch ab, bei welcher Gelegenheit der franz√∂sische Pr√§sident Loubet und der Herzog von Genua warme Freundschaftsversicherungen austauschten. Im gleichen Jahre wurden erfolgreiche Verhandlungen wegen des Baues der Col di Tenda-Eisenbahn (Cuneo-Nizza) gef√ľhrt; im Dezember konnte Prinetti den Abschlu√ü eines Abkommens mit Frankreich wegen Tripolis mitteilen, das die an den franz√∂sisch-englischen Vertrag von 1899 gekn√ľpften Besorgnisse beseitigte. Dabei hielt die Regierung auch die innigen Beziehungen zu den M√§chten des Dreibundes aufrecht; wiederholte gegenseitige Besuche der Herrscher von Deutschland und Italien und Begegnungen der Minister gaben davon Zeugnis; und im Juni 1902 wurde die Erneuerung der Tripelallianz unterzeichnet. Nach au√üen hin trat I. kr√§ftig auf; es beteiligte sich an der Expedition gegen China (s. d., S. 55), an den von Deutschland und England 1902 gegen Venezuela unternommenen Zwangsma√üregeln und, in Verbindung mit Ru√üland und √Ėsterreich, an der Einwirkung auf die T√ľrkei zur Reorganisation der Verwaltung Mazedoniens: im Januar 1904 wurde der italienische General De Giorgis zum Oberbefehlshaber der mazedonischen Gendarmerie erw√§hlt.

So lange hatte allerdings das Ministerium Zanardelli sich nicht behauptet. Es war trotz gro√üer Erfolge nach innen und au√üen von den Sozialdemokraten und Republikanern einer-, von Mitgliedern der Rechten, namentlich den Anh√§ngern Sonninos (s. d.), anderseits in der Kammer vielfach befehdet worden. Es hatte auch im Laufe der drei Jahre seines Bestehens mancherlei Umbildung und insbes. durch den R√ľcktritt des schwer erkrankten Prinetti, den der Admiral Morin nur ungen√ľgend ersetzte, im April 1903 eine empfindliche Schw√§chung erfahren. Morins Nachfolger im Marineministerium, der Admiral Bettolo, hatte dann im Juni 1903 heftige Angriffe gegen die Verwaltung der italienischen Seemacht abzuwehren. Und da bei der Abstimmung √ľber diese Anklagen die Regierung nur mit einer kleinen Mehrheit siegte und auch diese Mehrheit nur der unzuverl√§ssigen Unterst√ľtzung der √§u√üersten Linken verdankte, die sonst immer regierungsfeindlich gewesen war, w√§hrend ein Teil der Gem√§√üigten wegen eines von der Regierung eingebrachten Gesetzes √ľber die Einf√ľhrung der Ehescheidung gegen sie gestimmt hatte: so entschlo√ü sich der einflu√üreichste Mann des Ministeriums, Giolitti, um sich regierungsf√§hig zu erhalten, sein Schicksal von dem Zanardellis zu trennen und nahm 12. Juni 1903 seine Entlassung. Admiral Bettolo tat kurz nachher den gleichen Schritt, und Zanardelli fand keinen ausreichenden Ersatz f√ľr beide; er selbst mu√üte sich entschlie√üen, das Ministerium des Innern zu √ľbernehmen, w√§hrend Morin zu dem Portefeuille des Ausw√§rtigen auch das der Marine provisorisch √ľbernahm. Zwar erlangte die Regierung auch nach dieser Ver√§nderung noch ein Vertrauensvotum von der Kammer, aber sie mu√üte auf neue heftige K√§mpfe gefa√üt sein, als im Oktober bekannt wurde, da√ü der Kaiser von Ru√üland die Erwiderung des ihm von K√∂nig Viktor Emanuel im Juli 1902 in Petersburg abgestatteten Besuches, ohne Zweifel wegen der heftigen Angriffe, welche die Sozialisten in der italienischen Kammer gegen ihn erhoben hatten, auf unbestimmte Zeit vertagt habe. Kurze Zeit darauf, 21. Okt., reichte Zanardelli, dessen Gesundheit den parlamentarischen K√§mpfen nicht mehr gewachsen war, seine und seiner Kollegen Entlassung ein: schon 26. Dez. starb der greise, um I. sehr verdiente Staatsmann in Maderno am Gardasee.

Mit der Bildung der neuen Regierung wurde Giolitti beauftragt, der sie 2. Nov. 1903 zum Abschlu√ü brachte, indem er im wesentlichen dieselben Gruppen, die auch das Kabinett Zanardelli unterst√ľtzt hatten, aber aus ihnen neue M√§nner heranzog. Er selbst √ľbernahm wieder das Ministerium des Innern; Schatzminister wurde Luzzatti, der bald darauf auch das Finanzministerium nach dem Selbstmorde des zuerst ernannten, aber von den Sozialisten der Unredlichkeit angeklagten Rosano √ľbernahm; das Portefeuille des Ausw√§rtigen erhielt Tittoni, das des Unterrichts Orlando, der Justiz Ronchetti, des Krieges General Pedotti, der Marine Admiral Mirabello: die √ľbrigen Minister waren minder bedeutend. Die neue Regierung setzte die Politik der zur√ľckgetretenen erfolgreich fort. Der √úberschu√ü des Finanzjahres 1902/03 erm√∂glichte neue Erm√§√üigungen der Z√∂lle und der Steuern; in der Session von 1904 wurden Gesetze f√ľr die industrielle Entwickelung S√ľditaliens, insbes. auch Neapels, f√ľr die Hebung des Volksschulunterrichts, f√ľr die Versorgung der Kommunalbeamten u. a. m. beschlossen. Die Beziehungen zu Frankreich gestalteten sich immer freundschaftlicher; im April 1904 erwiderte der Pr√§sident Loubet in Rom den Besuch, den ihm K√∂nig Viktor Emanuel im Oktober 1903 in Paris gemacht hatte; im Mai 1904 wurde ein Abkommen mit Frankreich geschlossen, das den Arbeitern beider Staaten den gegenseitigen Genu√ü der √∂ffentlichen Wohlfahrtseinrichtungen verb√ľrgte; endlich kam es auch zu einem Schiedsgerichtsvertrag mit Frankreich. Daneben verb√ľrgten die Besuche, die Tittoni dem Grafen Goluchowski im April in Abbazia und Giolitti dem Grafen B√ľlow im September in Homburg machten, sowie der Abschlu√ü neuer Handelsvertr√§ge nicht nur mit der Schweiz, sondern auch mit Deutschland und √Ėsterreich die Fortdauer der guten Beziehungen der Dreibundm√§chte. Die Geburt des ersehnten Thronerben, des Prinzen Humbert (15. Sept.), wurde mit allgemeiner Freude begr√ľ√üt; da√ü der K√∂nig ihm den Titel Prinz von Piemont und nicht den eines Prinzen von Rom verlieh, wurde als ein Zeichen des Entgegenkommens gegen die Regierung des neuen Papstes Pius X. betrachtet.

Wenige Tage sp√§ter brach eine Bewegung aus, die unerwartete Entschl√ľsse des Ministeriums hervorrief. Seit mehreren Jahren hatte die sozialistische Bewegung in I., die hier auch unter der b√§uerlichen Bev√∂lkerung viele Tausende von √ľberzeugten Anh√§ngern z√§hlte, gro√üe Fortschritte erzielt, und schon im April 1903 hatten die F√ľhrer es f√ľr angezeigt gehalten, in einem dreit√§gigen Generalstreik in Rom eine Kraftprobe zu machen. Das ward jetzt wiederholt; in allen gr√∂√üern St√§dten Italiens wurde in der zweiten H√§lfte des Septembers mehrere Tage lang die allgemeine Arbeitseinstellung durchgef√ľhrt, und Tumulte und Unruhen aller Art st√∂rten die √∂ffentliche Ordnung. Da entschlo√ü sich Giolitti, der Demonstration der revolution√§ren Partei eine Demonstration des ganzen Volkes entgegenzustellen und erwirkte 19. Okt. die Aufl√∂sung der Kammer der Deputierten. Die Neuwahlen, an denen in vielen Gegenden mit Erlaubnis der r√∂mischen Kurie zum erstenmal seit der Gr√ľndung des K√∂nigreichs I. auch die Anh√§nger des Papstes teilnahmen, fanden 6. und 13. Nov. statt und gaben der Regierung eine gro√üe Majorit√§t; die revolution√§ren Parteien der Republikaner und Sozialisten, aber auch die der Radikalen wurden etwas geschw√§cht, aber doch nicht in dem Ma√üe, wie die Regierung gehofft haben mochte; statt 105 Stimmen in der alten mochten die drei Parteien etwa 90 in der neuen Kammer z√§hlen. Am 30. Nov. wurden die Kammern er√∂ffnet; am 1. Dez. wurde der von der Regierung vorgeschlagene, aber den Reihen der Linken entnommene Deputierte Marcora mit 292 von 445 abgegebenen Stimmen zum Pr√§sidenten der Deputiertenkammer gew√§hlt.

Geschichtsliteratur.

Als Quellensammlungen sind neben den ¬ĽMonumenta Germaniae historica¬ę, in die auch die wichtigsten italienischen Quellenwerke des Mittelalters aufgenommen sind, vornehmlich Muratoris ¬ĽRerum italicarum scriptores¬ę (Mail. 1723‚Äď51, 25 Bde.), mit den Erg√§nzungen von Tartini (Flor. 1748‚Äď70) und Mittarelli (Vened. 1771) und den Indices von Cipolla und Manno (Turin 1885) zu nennen; eine neue, wesentlich umgearbeitete Ausgabe erscheint seit 1900 unter der Leitung von Carducci und Fiorini in Citt√† di Castello. Neuerdings ist durch das Istituto storico italiano eine andre gro√üe Quellensammlung u. d. T.: ¬ĽFonti per la storia d'Italia¬ę begonnen worden, von der bis jetzt 35 B√§nde erschienen sind (Rom 1887 ff.). Vgl. dazu Balzani, Le cronache italiane nel medio evo (2. Aufl., Mail. 1900); Lozzi, Biblioteca storica dell' antica e nuova Italia, Bibliographie (Imola 1886‚Äď87, 2 Bde.), und Bre√ülau, Zur Geschichte der romanischen V√∂lker, in Gr√∂bers ¬ĽGrundri√ü der Romanischen Philologie¬ę, Bd. 2 (Stra√üb. 1899).

[Allgemeine Werke.] Guicciardini, Istoria d'Italia (Flor. 1561 u. √∂.; am besten von Rosini, Pisa 1819, 10 Bde.); Muratori, Annali d'Italia (Mail. 1744‚Äď49 u. √∂., 12 Bde.; deutsch, Leipz. 1745 bis 1750, 9 Bde.), mit den Fortsetzungen von Visconti (Rom 1790, 5 Bde.), Coppi (bis 1861, Flor. und Lucca 1824‚Äď68, 16 Bde.) und Ghiron (bis 1870, Mail. 1888‚Äď90, 8 Bde.); Cant√Ļ, Storia degli Italiani (Turin 1854, 6 Bde.; 4. Aufl. 1892, 4 Bde.); Bossi, Storia antica e moderna d'Italia (Mail. 1819‚Äď23, 19 Bde.); Ssorzosi, Compendio della storia d'Italia (Par. 1837); die ¬ĽStoria d'Italia¬ę von Campiglio (Mail. 1835‚Äď37, 7 Bde.), La Farina (Flor. 1846‚Äď53, 7 Bde.), Balbo (Turin 1841; fortgesetzt von Molinari, das. 1890), Levati, fortgesetzt von Cant√Ļ (2. Aufl., Mail. 1842), Borghi (Flor. 1841‚Äď44, 3 Bde.) u. a.; die von Villari heraus gegebene ¬ĽStoria politica d'Italia¬ę (Mail. 1883 ff., 8 Bde.) in Einzeldarstellungen; Zeller, Histoire resum√©e d'Italie (4. Aufl., Par. 1886); Lebret, Geschichte von I. (Halle 1778‚Äď87, 9 Bde.); Leo, Geschichte der italienischen Staaten (Hamb. u. Gotha 1829‚Äď32, 5 Bde.); Reumont, Beitr√§ge zur italienischen Geschichte (Berl. 1853‚Äď57, 6 Bde.); Pertile, Storia del diritto italiano (2. Aufl., Turin 1892 ff., 5 Bde.); Rinaudo, Cronologia della storia d'Italia 476‚Äď1870 (4. Aufl., Flor. 1888); Garollo, Atlante geografico-storico d'Italia (Mail. 1890).

[√Ąltere Geschichte.] Bis zum Untergang des westr√∂mischen Reiches: Micali, L'Italia avanti il dominio de' Romani (4. Aufl., Flor. 1810‚Äď31, 4 Bde.); Garzotti, Storia d'Italia sotto il governo degli imperatori (Capolago 1843, 2 Bde.) und Della condizione di Roma, d'Italia e dell' imperio romano sotto gli imperatori (das. 1843‚Äď46, 5 Bde.). Mittelalter: Troya, Storia d'Italia nel medioevo (von 476‚Äď774, Neap. 1839‚Äď59, 17 Bde.); Bertolini, Storia delle dominazioni germanicbe in Italia dal V all' XI secolo (Mail. 1880); Hartmann, Geschichte Italiens im Mittelalter (Leipz. 1897‚Äď1900, Bd. 1 u. 2); Hodgkin, Italy and her invaders (Oxford 1880‚Äď99, 8 Bde., bis 814); Cipolla. Per la storia d'Italia e de' suoi conquistatori (Bologna 1895); die ¬ĽHistoire des r√©publiques italiennes du moyen√Ęge¬ę von Sismondi (s. d.); K. Hegel, Geschichte der St√§dteverfassung in I. (Leipz. 1847, 2 Bde.); Morbio, Storie de' municipj italiani (Mail. 1836 bis 1846, 6 Bde.); I. Ficker, Forschungen zur Reichs- und Rechtsgeschichte Italiens (Innsbr. 1868‚Äď73, 4 Bde.).

[Neuere Zeit.] Burckhardt, Die Kultur der Renaissance in I. (Bas. 1860; 8. Aufl. von Geiger, Leipz. 1901); Symonds, Renaissance in Italy (Lond. 1875‚Äď81, 5 Bde.); Janitschek, Die Gesellschaft der Renaissance in I. und die Kunst (Stuttg. 1879); Botta, Storia d'Italia dal 1490‚Äď1814 (Par. 1832, 20 Bde.) und Storia d'Italia dal 1789 al 1814 (2. Aufl. 1869, 4 Bde.; deutsch von F√∂rster, Quedlinb. 1827‚Äď31, 8 Bde.); Reuchlin, Geschichte Italiens von der Gr√ľndung der regierenden Dynastien bis auf die Gegenwart (Leipz. 1859‚Äď73, 4 Bde.); Ruth, Geschichte von I., 1815‚Äď1850 (Heidelb. 1867, 2 Bde.); Montanelli, Memorie sull' Italia del 1814 al 1850 (Turin 1854‚Äď55, 2 Bde.); La Farina, Storia d'Italia dal 1815 al 1850 (2. Aufl., Mail. 1864, 2 Bde.); Bianchi, Storia della diplomazia europea in Italia dal 1814 al 1861 (Turin 1865‚Äď72, 8 Bde.); Tivaroni, L'Italia durante il dominio francese (das. 1889, 2 Bde.), durante il dominio austriaco (das. 1892‚Äď93, 2 Bde.) und L'Italia degli Italiani (das. 1895‚Äď96, 2 Bde.); Butt, History of Italy from the abdication of Napoleon I. (Lond. 1860, 2 Bde.); Anelli, Storia d'Italia dal 1814 al 1863 (2. Aufl., Mail. 1864‚Äď68, 6 Bde.); Belviglieri, Storia d'Italia dal 1804 al 1866 (das. 1867‚Äď70, 6 Bde.); Bertolini, Storia del risorgi mento italiano (das. 1887 ff.); Bacci, Ricordi del risorgimento italiano 1849‚Äď1889 (2. Aufl., das. 1890); R√ľstow, Annalen des K√∂nigreichs I., 1861 bis 1863 (Z√ľrich 1864); Nisco, Storia civile del regno d'Italia (Neap. 1885‚Äď93, 6 Bde.); Bulle, Geschichte des zweiten Kaiserreichs und des K√∂nigreichs I. (Berl. 1889 ff.); Corti, Das einige I. (deutsch, Hamb. 1886); d'Azeglio, L'Italie de 1847 √† 1865; correspondance politique (2. Aufl., Par. 1867); La Porta, L'Italia nel mezzo del secolo XIX, segnatamente dal 1859 al 1864 (Velletri 1865); Sirao, Storia delle rivoluzioni d'Italia del 1846 al 1866 (Mail. 1867, 2 Bde.); Bazancourt, La campagne d'Italie de 1859 (Par. 1859 u. √∂.; deutsch, Naumb. 1860); R√ľstow, Der italienische Krieg 1859 (3. Aufl., Z√ľrich 1860) und Der italienische Krieg 1860 (das. 1861); Duquet, La guerre d'Italie 1859 (Par. 1882); Moltke, Der Italienische Feldzug des Jahres 1859 (Berl. 1904); Chiala, L'Italia dal 1858 al 1892 (Turin 1892); Arangio-Ruiz, Storia costituzionale del regno d'Italia 1848‚Äď1898 (Flor. 1899); Orsi, L'Italia moderna. Storia degli ultimi 150 anni (Mail. 1900; deutsch von G√∂tz, Leipz. 1902); M√ľnz, Aus dem modernen I. (Frankf. 1889); Comandini, L'Italia nei cento anni del secolo XIX (Mail. 1901, Bd. 1); Savelli, Gli Italiani in Africa (Rom 1886, 3 Bde.); Weiteres √ľber die Unternehmungen in Afrika bei ¬ĽAbessinien¬ę u. ¬ĽErythr√§a¬ę.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905‚Äď1909.

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