Juden

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Juden

Juden (Israeliten), die Bekenner der mosaischen Religion. Ihr urspr√ľnglicher, meist nach au√üen geltender Name war Hebr√§er oder Ebr√§er (hebr. Ibrim), ¬Ľdie Jenseitigen¬ę, weil ihr Stammvater Abraham von jenseit des Euphrat in Pal√§stina eingewandert war. Die mehr einheimische, auf die Bestimmung des Volkes hinweisende Benennung nach dem dritten Stammvater, Jakob (Israel, d. h. ¬ĽGottesstreiter¬ę), Israeliten, entstand schon zu Anfang ihres Geschichtslebens, und mit J. (hebr. J'udim) bezeichnet man nach dem babylonischen Exil die gesamte israelitische Nation, weil die meisten Zur√ľckkehrenden B√ľrger des ehemaligen K√∂nigreichs Juda waren. Die Ereignisse vor der Gefangenschaft in Babylon bilden demnach streng genommen die Geschichte des hebr√§ischen oder israelitischen Volkes, w√§hrend nach derselben die j√ľdische Geschichte beginnt.

I. Anthropologisch-ethnographische Verhältnisse.

√úber die anthropologische Stellung der J. herrscht zurzeit noch nicht v√∂llige Klarheit. Bisher wollte man in den J. typische Vertreter der semitischen Rasse erblicken. Neuere Untersuchungen haben aber festgestellt, da√ü anscheinend nur ein geringer Bruchteil der heutigen J., die in Nordafrika ans√§ssigen, diesen Typus aufweisen, da√ü hingegen bei der gro√üen Mehrzahl der J. der physische Habitus keineswegs dem Typus entspricht, den wir auf Grund unsrer Beobachtungen an heutigen semitischen V√∂lkerschaften (Araber, Syrer etc.) als semitischen bezeichnen. Wie weit man berechtigt ist, von einer j√ľdischen Rasse zu sprechen, wird weiter unten noch er√∂rtert werden. Auff√§llig ist, da√ü sich der j√ľdische Typus mit seltener Hartn√§ckigkeit Jahrtausende hindurch erhalten hat. Es kennzeichnen den Juden im allgemeinen eine lange, hakenf√∂rmig gekr√ľmmte Nase, vorstehende feuchte Augen, dicke h√§ngende oder wenigstens umgest√ľlpte Unterlippe, straffes, gl√§nzendes Haar, schm√§chtiger Brustkasten und Plattf√ľ√üe. Die Hautfarbe weist alle Schattierungen vom dunkelsten Braun √ľber Gelb zum hellsten Wei√ü auf; im allgemeinen aber besitzt der Jude dunkeln Teint, dunkles Haar und dunkle Augen. Die Frauen pflegen dunkler als die M√§nner zu sein (Talko-Hryscewicz, Wei√üenberg, Ripley u. a.); dem widerspricht allerdings Fishberg (auf Grund seiner Untersuchungen von 2272 New Yorker J.). Nach den bisherigen anthropologischen Untersuchungen (bei dieser und der folgenden anthropologischen Betrachtung haben wir freilich nur die J. Europas, des Kaukasus und Nordamerikas im Sinn; √ľber die J. der andern Erdteile existieren keine oder nur mangelhafte Erhebungen), die sich auf nahezu 6000 Individuen erstrecken, kommt dunkles Haar, je nach der √Ėrtlichkeit, bei 74‚Äď97 Proz. derselben, helles Haar bei 0,5‚Äď32 Proz. und rotes Haar bei 0,7‚Äď4,3 Proz. vor, ferner braune und schwarze Augen bei 59‚Äď89 Proz., graue Augen bei 12‚Äď37 Proz. und blaue Augen bei 1,5‚Äď27 Proz. Die H√§lfte aller J. (unter der New Yorker j√ľdischen Bev√∂lkerung 56,8 Proz.) besitzen dunkles Haar und dunkle Augen. Der Bart ist immer heller als das Kopfhaar; rotes Barthaar trifft man dreimal so h√§ufig an als rotes Kopfhaar. Die Beschaffenheit der Haare ist nach Fishbergs Untersuchungen in 67 Proz. schlicht, in 26 Proz. wellig, in 6 Proz. lockig runden Sch√§del; der Cephalindex liegt um die Ziffer 82 herum. Aus der Gesamtheit der bisherigen Messungen, die an J. der verschiedensten L√§nder, Klimate und sozialen Verh√§ltnisse genommen worden sind, hat sich herausgestellt, da√ü √ľber 80 Proz. aller J. einen Sch√§del besitzen, dessen Index zwischen 78 und 85 liegt, 70 Proz. einen solchen zwischen 79 und 84 und 50 Proz. zwischen 80 und 83. Eine solche Homogenit√§t des Sch√§deltypus ist bisher bei keinem andern Kulturvolke festgestellt worden. Die Frauen sind im allgemeinen kurzk√∂pfiger als die M√§nner, weisen indessen nicht eine solche Homogenit√§t wie diese auf. Was die K√∂rpergr√∂√üe betrifft, so d√ľrfen die J. f√ľr klein gelten; f√ľr Europa stellt sich ihre durchschnittliche L√§nge auf 1,63 m. Stets sind die J. kleiner als der Durchschnitt der Bev√∂lkerung, unter der sie leben. Unter gro√üw√ľchsigen Rassen wird dieser Unterschied mehr betragen als unter kleinw√ľchsigen Rassen. Diese Minderwertigkeit im Wuchs wird von einigen als erworbene Eigenschaft, als die Folge der ung√ľnstigen hygienischen und sozialen Bedingungen angesehen, unter denen die J. Jahrhunderte, besonders im Mittelalter, gelebt haben. Der gleiche Umstand wird f√ľr die Schmalbr√ľstigkeit und geringe Lungenkapazit√§t angeschuldigt, die den Juden kennzeichnen.

Bei solcher augenscheinlichen Schw√§chlichkeit in ihrem √Ąu√üern f√§llt an den J. auf, da√ü sie eine gro√üe Lebenskraft entwickeln. Zun√§chst ist ihre Sterblichkeit in allen Kulturl√§ndern eine verh√§ltnism√§√üig geringere als bei den Nichtjuden, und zwar betrifft diese Mindersterblichkeit vorzugsweise die Lebensalter unter 15 Jahren. Auch die Zahl der Totgeburten ist bei den J. erheblich geringer. Der geringen Sterblichkeit der J. entspricht eine l√§ngere Lebensdauer. Auch hat sie zur Folge, da√ü die Zahl der J. st√§rker zunimmt, resp. bis vor kurzem zugenommen hat, obgleich die Anzahl der Heiraten und Geburten bei ihnen im allgemeinen geringer ist als bei den Nichtjuden. Der gr√∂√üern Lebensz√§higkeit entspricht eine geringere Neigung zu Erkrankungen und demgem√§√ü auch eine geringere Morbidit√§t. Dies kommt im besondern bei den Infektionskrankheiten zum Ausdruck, wie Tuberkulose, Lungenentz√ľndung, Typhus, Malaria, Cholera, Pest und Pocken; alle diese Krankheiten befallen die J. seltener und verlaufen bei ihnen im allgemeinen milder. Besonders auff√§llig ist dieser Unterschied bei der Tuberkulose, obwohl die Mehrzahl der J. in schmutzigen und hygienisch ung√ľnstig gestellten Wohnungen untergebracht sind, bez. waren (Gettos). Nur eine Infektionskrankheit macht eine Ausnahme, das ist die Diphtherie; f√ľr sie weist die Sterblichkeit bei den J. eine h√∂here Ziffer auf. Von nicht ansteckenden Affektionen ist bei den Krankheiten der Atmungs- und Kreislauforgane, der Nieren, der Leber, des Darmes, der Knochen und der Gelenke die Empf√§nglichkeit der J. relativ geringer. Hingegen disponieren die J. wiederum mehr f√ľr Gr√ľnen Star (entz√ľndliches Glaukom) und Farbenblindheit. Ein auff√§llig hohes Kontingent stellen sie f√ľr Zuckerkrankheit, Hysterie, Neurasthenie und Geisteskrankheiten. Verh√§ltnism√§√üig selten trifft man Epilepsie, R√ľckenmarksschwindsucht (Tabes) und Gehirnerweichung (Dementia paralytica) sowie alkoholige Geisteskrankheiten an. Auff√§llig ist endlich noch die au√üerordentlich gro√üe H√§ufigkeit von Blinden, im besondern Blindgebornen, und Taubstummen.

Als Ursache der relativ geringen Empf√§nglichkeit f√ľr gewisse Krankheiten werden die strengen Speisegesetze, das innerliche und reine Familienleben und die M√§√üigkeit im Essen und besonders Trinken (alkoholischer Getr√§nke) angenommen, und auf der andern Seite wieder wird als Ursache der erh√∂hten Disposition f√ľr andre Affektionen die bedr√ľckende Armut, der Schmutz und der Jammer in den Gettos, sowie der nervenaufreibende Konkurrenzkampf ums Dasein ins Feld gef√ľhrt. Wenngleich alle diese Momente zugestandenerma√üen f√ľr die erh√∂hte Immunit√§t, bez. Disposition ins Gewicht fallen m√∂gen, so reichen sie doch zur Erkl√§rung dieser merkw√ľrdigen Erscheinung nicht aus; man kann nicht umhin, auch das Rassenmoment, d. h. eine biologische Rasseneigent√ľmlichkeit, mitsprechen zu lassen.

Die europ√§ischen J. werden in zwei gro√üe Gruppen unterschieden, die sich durch Tradition, Ritus, Aussprache des Hebr√§ischen und auch durch ihren physischen Habitus voneinander unterscheiden, in die Sephardim oder s√ľdeurop√§ischen (spanisch-portugiesischen) und die Aschkenasim oder nordeurop√§ischen (deutsch-polnischen) J. Die Sephardim, die 90 Proz. der gesamten Judenschaft ausmachen, haben ihren Namen von einem (Obadja 20 genannten) unbekannten Lande, Sepharad, erhalten, in das die J. aus Jerusalem vertrieben wurden; die mittelalterlichen Rabbiner verlegten dieses Land nach der Iberischen Halbinsel; daher bezeichnet man auch die von dort im Laufe des Mittelalters infolge der Judenverfolgungen nach Nordafrika, der Balkanhalbinsel und der Levante ausgewanderten Sephardim noch heutigestags als Spaniolen. Die Aschkenasim haben ihren Namen von Aschkenas, dem Sohne Gomers (erw√§hnt 1. Mos. 10,3) erhalten und sollen nach der j√ľdischen √úberlieferung die Germanen und im besondern die Deutschen bezeichnen. Merkw√ľrdigerweise unterscheiden sich die Sephardim deutlich in k√∂rperlicher Hinsicht von den Aschkenasim. Die erstern stellen den feinern und edlern Typus dar mit schlanker Gestalt, zierlichen Extremit√§ten, exquisit l√§nglicher Kopfform, l√§nglichem, ovalem Gesicht, hakenf√∂rmiger, aber sein gebildeter Nase und d√ľnnen Lippen; es kommt dieser Typus dem semitischen nahe. Die letztern weisen unedlere Formen auf: gro√üen Mund, dicke Lippen, dicke Nase und mehr untersetzten Wuchs.

√úber die Herkunft des Typus der europ√§ischen J. haben die Untersuchungen v. Luschans neuerdings Klarheit geschaffen. Bereits fr√ľher war den Forschern der hohe Prozentsatz an blonden J. ausgefallen. Man glaubte diese Tatsache, die mit der semitischen Abstammung der J. nicht gut in Einklang zu bringen war, einfach dadurch erkl√§ren zu k√∂nnen, da√ü im Laufe der Jahrhunderte die J. Verbindungen mit Vertretern der blonden (teutonischen) Rasse eingegangen seien. Da√ü zahlreiche Ehen zwischen J. und nichtsemitischen Elementen in fast allen L√§ndern Europas im Mittelalter geschlossen worden sind, hat die Geschichte berichtet. Bereits zur R√∂merherrschaft war nach Josephus der √úbertritt zum Judentum (¬ĽJudengenossen¬ę) eine nicht ungew√∂hnliche Erscheinung. Und noch 1092 verbot der ungarische K√∂nig Ladislaus in seinen Landen die Ehe zwischen J. und Christinnen; jedoch scheint dieser Erla√ü nicht den gew√ľnschten Erfolg gehabt zu haben, denn 1119 erlie√ü der Bischof Robert von Gran ein neues derartiges Dekret, da zahlreiche J. mit Christinnen in illegitimer Ehe lebten und in wenigen Jahren die j√ľdische Religion Tausende von Anh√§ngern gewonnen hatte. Indessen trotz dieser zahlreichen Vermischungen im Mittelalter blieb der hohe Prozentsatz blonder j√ľdischer Elemente unter der durchaus br√ľnetten Bev√∂lkerung Pal√§stinas und Syriens nicht recht erkl√§rbar; auch die Annahme, da√ü diese aus einer Kreuzung mit blonden Kreuzfahrern herr√ľhren k√∂nnten, gen√ľgte nicht. Da kam die pr√§historische Forschung zu Hilfe. Es hatte sich n√§mlich herausgestellt, da√ü bereits um die Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. auf den √§gyptischen Grabdenkm√§lern f√ľr Pal√§stina ein Volksstamm mit heller Haut, blauen Augen und blondem Haar bezeugt wird, die Amoriter, die gro√üen Enaks√∂hne, deren in der Bibel des √∂ftern Erw√§hnung geschieht. Sie m√ľssen als verwandt mit den auf den gleichen Darstellungen vorkommenden blonden Tamahu, d. h. dem ¬ĽVolk der Nordl√§nder¬ę, angesehen werden, also als Angeh√∂rige der arischen Rasse. Auf die Kreuzung der Israeliten mit diesen Nordl√§ndern d√ľrften die blonden Elemente unter den heutigen J. zur√ľckzuf√ľhren sein. Was die Kurzk√∂pfigkeit der modernen J. anbetrifft, die sie in geraden Gegensatz zu der ausgepr√§gten Langk√∂pfigkeit der semitischen St√§mme stellt, so hat v. Luschan wahrscheinlich gemacht, da√ü sie von einer kurzk√∂pfigen Urbev√∂lkerung Kleinasiens herr√ľhrt, von der die heutigen Armenier, das fast am meisten kurzk√∂pfige Volk der Erde, ihre Sch√§delform √ľberkommen haben. Die Armenier zeichnen sich au√üerdem noch durch fast durchweg dunkle Augen, schlichtes dunkles Haar und gro√üe gebogene Nase (wie die J.) aus. Diese vorderasiatische kurzk√∂pfige Urbev√∂lkerung (Armenoiden nach v. Luschan, Alarodier nach Hommel), die uns, mit der gleichen √§u√üern Erscheinung ausgestattet, auf den Reliefs von Sendschirli entgegentritt, d√ľrfte mit den Hethitern (Kheta) der Bibel identisch sein, die von einigen Autoren in Zusammenhang mit den Mongolen gebracht wird. Es haben demnach im wesentlichen drei Rassenelemente zur Zusammensetzung des j√ľdischen Typus beigetragen: 1) der urspr√ľngliche semitische Stamm, 2) die arischen Amoriter und 3) [und dieses in der Hauptsache] die (mongolischen?) Hethiter. Solange wir keine Sch√§del der alten Hebr√§er oder naturgetreue Darstellungen derselben aus dem Beginn der Geschichte des j√ľdischen Volkes besitzen, m√ľssen wir uns mit dieser Annahme bescheiden. In k√∂rperlicher Hinsicht k√∂nnen also die J. nicht mehr als eine reine, d. h. urspr√ľngliche Rasse angesehen werden. Trotzdem kann man von einer j√ľdischen Rasse wohl in dem Sinne reden, da√ü sich der aus einer Vermischung verschiedener ethnischer Elemente bereits vor Jahrtausenden hervorgegangene Typus durch best√§ndige Inzucht, resp. relativ sehr geringe sp√§tere Vermischung erhalten und fixiert hat.

Mit mehr Z√§higkeit haben sich bei den J. gewisse Charaktereigenschaften der Semiten erhalten, wie Habgier, Verschlagenheit, Schlauheit und Abneigung gegen k√∂rperliche Arbeit, Eigenschaften, denen wir bei den heutigen J. h√§ufig genug begegnen. Daneben aber auch treffen wir bei ihnen edlere Z√ľge an, wie ausgepr√§gten Familiensinn, Sittenreinheit, M√§√üigkeit in Gen√ľssen, Anh√§nglichkeit an die von den V√§tern √ľberkommene Religion und altruistisches Gef√ľhl nicht blo√ü f√ľr ihre Glaubensgenossen. Die J. leben in den Kulturstaaten Mitteleuropas mitten unter der √ľbrigen Bev√∂lkerung und genie√üen heutigestags die gleichen Rechte wie diese. Aber schon in B√∂hmen und noch mehr im Osten Europas nehmen sie eine untergeordnete soziale Stellung ein, und in unzivilisierten Staaten, wie in Marokko, Tunis und Tripolis, fristen sie ein Dasein, das den unw√ľrdigen Zust√§nden nicht un√§hnlich ist, unter denen die J. bei uns im Mittelalter lebten. Sie sind in eignen Stadtvierteln (Gettos, Millah, Hara) eingepfercht, die vor Schmutz starren und auch sonst so unhygienisch wie m√∂glich eingerichtet sind, m√ľssen besondere Abzeichen oder Kleidung tragen und die niedrigsten Besch√§ftigungen verrichten. Mit einer Z√§higkeit sondergleichen halten die J. zumeist an dem Glauben und den √úberlieferungen ihrer V√§ter fest: sie √ľben durchweg die Beschneidung, halten Sabbatruhe, befolgen die Reinigungsgesetze und z. T. auch die Speiseverbote, verrichten beim Gottesdienste die gleichen Riten wie ihre Altvordern u. a. m. Die J. sprechen im allgemeinen die Sprache des Volkes, unter dem sie leben. Die Aschkenasim haben sich in Deutschland ein eignes Idiom geschaffen, das J√ľdisch-Deutsch (s. J√ľdisch-deutscher Dialekt), das von der Volkssprache sich dadurch unterscheidet, da√ü es viele Ausdr√ľcke hebr√§ischen Ursprunges sowie zahlreiche sonstige fremdl√§ndische W√∂rter enth√§lt, eine dumpfere Vokalisation aufweist und in einem eigenartigen singenden, dabei aber auch lispelnden Tone (Mauscheln) gesprochen wird. Im allgemeinen scheuen die J. die k√∂rperliche Arbeit; sie ziehen einen Beruf vor, der mit nicht gro√üen Anstrengungen verbunden ist, und betreiben daher mit Vorliebe Handel und Geldgesch√§fte. Auf dem Gebiete der Geisteswissenschaften besitzen sie eine gro√üe Ausdauer und haben der Welt verh√§ltnism√§√üig mehr M√§nner von hervorragender Bedeutung gestellt als die Christen. Die Arbeitsgebiete, auf denen sich die J. in wissenschaftlicher Hinsicht bet√§tigen, sind die dramatische und die Tonkunst, ferner die Medizin, die Mathematik, die Philologie und die Sozialwissenschaften, und zwar sind die M√§nner, die sie geliefert haben, mehr talentvolle als geniale Naturen.

[Statistisches.] Die Zahl der J. auf der Erde beziffert sich nach den neuesten statistischen Ergebnissen auf 10,597,250. Diese verteilen sich wie folgt:

Tabelle

Vgl. auch die statistische √úbersicht zur ¬ĽReligionskarte der Erde¬ę; die Verbreitung der J. im Deutschen Reiche zeigt die Karte bei Art. ¬ĽDeutschland¬ę (S. 775, mit Textblatt). Vgl. Alsberg, Rassenmischung im Judentum (Hamb. 1891); Andree, Zur Volkskunde der J. (Bielef. 1881); Buschan, Einflu√ü der Rasse auf die Form und H√§ufigkeit pathologischer Ver√§nderungen (¬ĽGlobus¬ę, Bd. 67, 1895); Fishberg, Physical anthropology of the Jews (American Anthropologist, Bd. 4 u. 5,1902 u. 1903); Hoppe, Krankheiten und Sterblichkeit bei J. und Nichtjuden (Berl. 1903); Jacobs, On the racial characteristics of modern Jews (Journal of Anthropological Institute of Great Britain and Ireland, Bd. 15, 1886; Bd. 19, 1890) und Studies of Jewish statistics (Lond. 1891); Judt, Die J. als Rasse (deutsche Ausg., Berl. 1903); Lombroso, Der Antisemitismus und die J. (deutsch, Leipz. 1894); v. Luschan, Die anthropologische Stellung der J. (im Korrespondenzblatt der Deutschen anthropologischen Gesellschaft 1893); Wei√üenburg, Die s√ľdrussischen J. (Archiv f√ľr Anthropologie, Bd. 23, 1895); Ripley, The races of Europe, Kap. 14: The Jews and Semites (Lond. 1900); H. Singer, Allgemeine und offizielle Krankheitslehre der J. (Leipz. 1904); Stratz, Was sind die J.? (Wien 1903); Nossig, J√ľdische Statistik (Berl. 1903); ¬ĽZeitschrift f√ľr Demographie und Statistik der J.¬ę (redigiert von A. Ruppin, das. 1905 ff.).

II. Geschichte des Volkes Israel.

Die Quellen der israelitischen Geschichte flie√üen in der Bibel. Die neuere Forschung hat diese Quellen zu scheiden und zu kl√§ren versucht, die Ergebnisse der Ethnologie und der orientalischen Wissenschaft, sowie die Entzifferung der babylonisch-assyrischen Tontafel-Inschriften u. a. verwertet. Dadurch wurden die erz√§hlenden biblischen B√ľcher als j√ľngere Berichte deklariert, und vieles, was seither als historisch galt, besonders die ganze √§ltere √úberlieferung, als volkst√ľmliche Sage hingestellt. Da die Kritik der historischen B√ľcher des Alten Testaments vielfach umstritten und noch nicht abgeschlossen ist, so erscheint hier unter Hinweis auf die Resultate der neuern Forschung noch der alte Gang der biblischen Geschichte, jedoch mit dem Verzicht auf die Angaben einer zweifelhaften Chronologie. Den einzelnen Personen sind meist Spezialartikel gewidmet, so da√ü sich hier weitere Ausf√ľhrungen er√ľbrigten.

Vorgeschichte bis zur Königsherrschaft.

Aus Mesopotamien zieht um 2140 Abraham nach Pal√§stina, um den Glauben an Einen Gott zu verbreiten (Einf√ľhrung der Beschneidung, s. d.). Sein Sohn Isaak und sein Enkel Jakob erhielten die monotheistischen Grunds√§tze. Jakobs Sohn Joseph, von seinen Br√ľdern als Sklave nach √Ągypten verkauft, schwang sich hier zum Minister empor und siedelte w√§hrend einer Hungersnot seine Familie (70 Personen) in der √§gyptischen Provinz Gosen an. Hier bildete sie sich, eigne Sitten, Sprache und Gebr√§uche bewahrend, zu einem Volk aus, das nach Jahren ungest√∂rter Entwickelung durch eine neue Dynastie geknechtet ward. Aus der Knechtschaft befreite es Moses, unterst√ľtzt von seinem beredten Bruder Aaron. Am 15. Nissan-fand nach Einsetzung des Passah der Auszug aus √Ągypten statt. Nach wunderbarer Rettung am Roten Meer, F√ľhrung und Erhaltung in der W√ľste und Abwehr feindlicher Angriffe ward der Bund mit Gott am Sinai geschlossen und das Zehngebot verk√ľndet, dem sich sp√§ter die weitere Gesetzgebung anreihte. Die Pflege des religi√∂sen Lebens ward den Priestern, dem Stamm Levi, anvertraut und das Hohepriesteramt Aaron √ľbertragen. Dieser leitete dann im Stiftszelt den Opfergottesdienst. Das Volk ward in zw√∂lf St√§mme, die nach zehn S√∂hnen Jakobs und den zwei S√∂hnen Josephs (Ephraim und Manasse) benannt sind, diese in Geschlechter und diese wieder in Familien eingeteilt. Ausbr√ľche der Unzufriedenheit, R√ľckfall in √§gyptischen G√∂tzendienst, die Entmutigung des Volkes nach dem Bericht der von Moses nach Kanaan ausgesandten Kundschafter veranla√üten den F√ľhrer, die Israeliten 40 Jahre in der W√ľste zu halten, um ein kriegst√ľchtiges, zuchtgewohntes Volk heranzubilden. Moses schuf f√ľr sie eine theokratische Verfassung und brachte sie bis an die Grenzen des verhei√üenen Landes, das zu erobern seinem J√ľnger und Nachfolger Josua vorbehalten blieb.

Unter Josuas Leitung √ľberschritten die Israeliten den Jordan, bem√§chtigten sich in einem siebenj√§hrigen Kriege der festen St√§dte des Landes, rotteten, wie ihnen das Gesetz vorschrieb, den gr√∂√üten Teil der alten heidnischen Einwohner (die Gibeoniten fanden durch List Schonung) aus und teilten, nachdem bereits 21/2 St√§mme ihren erw√ľnschten Besitz im Ostjordanland empfangen hatten, das Land durchs Los unter die √ľbrigen 91/2 St√§mme (vgl. das K√§rtchen). Die Leviten erhielten 48 St√§dte, einschlie√ülich der Asylst√§dte (s. Asyl). Nach der Regierung Josuas und der ihm folgenden ¬Ľ√Ąltesten¬ę bedrohten den Staat innere Unruhen, Gesetzlosigkeit und √§u√üere Feinde. Begeisterte Pers√∂nlichkeiten aus der Mitte des Volkes √ľbernahmen nun als ¬ĽRichter¬ę (Othniel, Ehud, Samgar, die Richterin Debora, Gideon, Jephta, Simson u. a.) die F√ľhrung. Der vorletzte derselben, Eli, vereinigte in sich das Richter- und Priesteramt, konnte aber der Philister nicht Herr werden; erst seinem Sch√ľler Samuel gelang es, diesen m√§chtigen Feind zu besiegen, die Einigkeit des Volkes zu schaffen und durch Gr√ľndung von Prophetengenossenschaften zu wirken. Trotzdem sah er sich gezwungen, auf Wunsch des Volkes statt der alten Stammesverfassung die Monarchie einzuf√ľhren.

W√§hrend die neue bibelkritische Richtung die √§gyptische Sklaverei und die Befreiung aus derselben durch Moses f√ľr historisch h√§lt, verweist sie den Aufenthalt der Stammv√§ter in √Ągypten in das Reich der Sage, macht sie und die S√∂hne Jakobs zu Stammheroen und betont, da√ü nur einzelne St√§mme aus der Knechtschaft gezogen seien, die gr√∂√üere Volksmasse sich aber erst nach und nach gebildet habe. Ebenso sei der Monotheismus das Produkt sp√§terer, vom Kultus der kanaanitischen Ureinwohner beeinflu√üter Entwickelung. Die Eroberung des Ostjordanlandes sei allm√§hlich erfolgt, wie die Umbildung des von Moses geschaffenen Volksverbandes zum Volksk√∂rper und der Nomaden zu Ackerbauern. Von den Richtern sei nur der Tyrann Abimelech eine geschichtliche Pers√∂nlichkeit, die Richterzeit selbst aber jene Epoche, in der verschiedene Nomadenst√§mme und auch die Philister mit Israel um den Besitz des Westjordanlandes stritten, welche K√§mpfe die Monarchie gezeitigt h√§tten.

Das nationale Königtum.

Samuel salbte Saul, den Sohn des Kisch, einen benjaminitischen Landmann, zum K√∂nig. Die √§u√üere Gefahr brachte das Volk unter Sauls Leitung zur Einigkeit; nach einem gl√§nzenden Sieg √ľber die Ammoniter ward ihm allgemein gehuldigt.

Gebiete der zwölf Stämme Israels.
Gebiete der zwölf Stämme Israels.

Ferner siegte er √ľber die Moabiter, Edomiter, Philister und Amalekiter. In diesem letzten Krieg erregte er das Mi√üfallen Samuels, der in dem m√§chtigen Stamm Juda einen neuen, im Geiste des Prophetentums erzogenen K√∂nig suchte und David, Isais Sohn aus Bethlehem, zum Regenten bestimmte. Eifersucht gegen David, in dem er den Kronpr√§tendenten f√ľrchtete, Schwermut und Mi√üerfolge f√ľhrten den Fall Sauls in der Schlacht am Berge Gilboa gegen die Philister herbei, und der neue K√∂nig, wenn auch 71/2 Jahre lang nur den Stamm Juda beherrschend (denn Sauls Sohn Esbaal herrschte durch des Feldherrn Abner Einflu√ü zu Machanajim √ľber die √ľbrigen St√§mme), befestigte den Staat, entfaltete seine Macht und dehnte das Land nach Kriegen √ľber innere und √§u√üere Feinde vom Mittelmeer bis zum Euphrat aus. Unter ihm ward Jerusalem, das fr√ľhere Jebus, Mittelpunkt des gottesdienstlichen und nationalen Lebens; er f√ľhrte von Kirjath-Jearim die Bundeslade dorthin √ľber, bereitete den Bau eines Tempels vor, richtete einen regelm√§√üigen Gottesdienst ein, den er durch Musik und Gesang hob, und pflegte die religi√∂se Dichtkunst. David brachte den Staat, den er, mit Umgehung seines √§ltesten Sohnes, Adonia, seinem Sohn von der Bathseba, Salomo, vererbte, durch Einigung der St√§mme und Pflege religi√∂sen Lebens zur Bl√ľte. Salomos Regierung war friedlich. Ein wissender und weiser Regent, f√∂rderte er Kunst und Bildung, versch√∂nerte Jerusalem, baute den prachtvollen Tempel, befestigte das Land, erweiterte den Heerbann und schlo√ü verwandtschaftliche Beziehungen mit √Ągypten sowie Handelsverbindungen mit Ph√∂nikien. Mit dem Wohlstand wuchs aber der Luxus und mit diesem die dr√ľckende Steuerlast des Volkes. Heidnische Frauen entfremdeten den K√∂nig dem Volk, und allm√§hlich bereitete sich die Aufl√∂sung vor, die nach seinem Tod auch eintrat. Unter Salomo hatte sich das Reich zur h√∂chsten Bl√ľte entfaltet. Er hat sein Land dem Weltverkehr ge√∂ffnet, die Produkte des Auslandes eingef√ľhrt, die Kunst der √Ągypter und Ph√∂niker verwertet, den Wohlstand der Untertanen, ihr Wissen und ihre Religiosit√§t gef√∂rdert und durch strenge Gesetzlichkeit seinen Staat fest gef√ľgt.

Die Unzufriedenheit des Volkes in den letzten Regierungsjahren Salomos, die Weigerung seines Sohnes und Nachfolgers Rehabeam, den Druck zu erleichtern, f√ľhrten zur Aufl√∂sung des vereinigten Reiches. Die St√§mme Juda, Benjamin und die Leviten schlossen sich als Reich Juda Rehabeam an; die √ľbrigen St√§mme wurden mit dem tributpflichtigen Moab unter Jerobeam zu dem Reich Israel vereinigt.

Tabelle

Das Reich Israel.

Israel gelangte nie zu innerer Festigkeit. Bedr√§ngt von Feinden, versagte der Schutz der schwachen, oft verbrecherischen Regenten; ja, sie st√∂rten den Frieden im Innern durch Beg√ľnstigung heidnischer Kulte. Parteik√§mpfe, unkluge politische Verbindungen schw√§chten Macht und Wohlstand. Begeisterte Propheten konnten trotz gr√∂√üern Anhanges dem Verderben nicht steuern, und nach ca. 250 Jahren unterlag Israel den Angriffen der Assyrer. Jerobeam 1., aus dem Stamm Ephraim, der schon unter Salomo einen Aufstand geplant und, nachdem er entdeckt war, sich der Strafe durch Flucht nach √Ągypten zum Pharao Scheschenk entzogen hatte, ward zum K√∂nig ausgerufen. Durch Erhebung des G√∂tzendienstes zur Staatsreligion, durch stete K√§mpfe mit Juda begann bereits unter ihm die Schw√§chung der Volkskraft. Sein Sohn Nadab ward bei Belagerung der Feste Gibbethon von dem Heerf√ľhrer Ba√ęsa ermordet, der nun den Thron bestieg und mit Asa von Juda, den der Beistand Damaskus' rettete, k√§mpfte. Er regierte 24 Jahre, w√§hrend sein Sohn und Nachfolger Ela nach nur zweij√§hriger Herrschaft von Simri ermordet wurde. Dieser geno√ü sein Herrschergl√ľck nur sieben Tage. Dann rief das vor Gibbethon liegende Kriegsvolk Omri zum Regenten aus, der in mehrj√§hrigem B√ľrgerkrieg seinen Gegenk√∂nig Tibni bek√§mpfte. Omri gr√ľndete das feste Samaria, machte es zur Residenz und ward dadurch der eigentliche Begr√ľnder des Reiches Israel. Omris Sohn und Nachfolger Ahab war der Gemahl der ph√∂nikischen Prinzessin Isebel, auf deren Veranlassung er den Baals- und Astartekultus einf√ľhrte und dadurch einen harten Kampf mit dem Prophetentum (Elias und Elisa) hervorrief. Er bahnte ein freundschaftliches Verh√§ltnis mit Juda an, besiegte die Syrer, fiel aber in einem sp√§tern Kampfe gegen sie. Ihm folgte sein Sohn Ahasja, der die Wiedereroberung fr√ľher moabitischer Landesteile durch Mesa geschehen lassen mu√üte. Trotz jud√§ischer Hilfe vermochte auch sein j√ľngerer Bruder und Nachfolger Joram die verlornen Bezirke nicht wiederzugewinnen. Als Werkzeug zur Ausrottung der Familie Ahabs ward Jehu auf Betreiben Elisas zum K√∂nig erkoren. Er erschlug Joram und rottete dessen ganze Familie und durch eine F√ľlle von Mordtaten den Baalsdienst aus. Unter seinen Nachfolgern Joahas und Joas sinkt das Reich, das Jerobeam 11. wieder zu kurzer Bl√ľte bringt. Die nach Jerobeams Tod eintretende Anarchie, die Zunahme der Sittenlosigkeit unter seinen Nachfolgern Secharja, Sallum, Menachem, die unter Pekach erfolgte Niederlage gegen Tiglathpileser von Assyrien, die Fortf√ľhrung eines gro√üen Teiles des Volkes in die Gefangenschaft bereiteten die Aufl√∂sung des Reiches vor, die 722, nachdem der letzte K√∂nig Hosea schon seit drei Jahren im Kerker schmachtete, durch den K√∂nig Sargon von Assyrien erfolgte. Ein gro√üer Teil des Volks, darunter allein die Einwohnerschaft Samarias mit 27,280 Seelen, ward nach Assyrien ins Exil gef√ľhrt, assyrische Kolonisten kamen aus Babel, Kuta und andern Bezirken in das Land, aus deren Vereinigung mit den Israeliten die Samaritaner (Kut√§er) entstanden sein sollen.

Das Reich Juda.

Das Reich Juda, bevorzugt durch den Besitz Jerusalems, des Nationaltempels und einer gesetzlichen Priesterschaft, nach au√üen durch nat√ľrliche Festigkeit gesch√ľtzt, pflegte mehr das reine Israelitentum, ward von der Dynastie Davids beherrscht (mit wenigen Ausnahmen vererbte sich das Reich vom Vater auf den Sohn) und behauptete seine Selbst√§ndigkeit bis 586 v. Chr. Die Regierung Rehabeams befestigte die Monarchie, suchte die Vereinigung der getrennten St√§mme zu erzwingen, ward aber im Kriege mit Scheschenk von √Ągypten geschw√§cht. Rehabeams Sohn Abiam vererbte nach ruhmloser Regierung den Thron auf seinen Bruder Asa. Dieser besiegte arabische St√§mme, mit Hilfe des Syrerk√∂nigs Ben Hadad den K√∂nig Ba√ęsa von Israel, befestigte das Land, verbesserte die Heereseinrichtungen und hob den verbotenen H√∂hendienst auf. Asas Sohn Josaphat, ein gerechter F√ľrst, konnte in meist friedlichen Zeiten die Rechtspflege heben und den Einfall der Edomiter, Moabiter und Ammoniter siegreich zur√ľckweisen. Weniger Erfolg hatte er in seinen Kriegen gegen Syrien und mit seiner Schiffahrt nach Ophir, da die in Ezjongeber erbauten Schiffe im Arabischen Meerbusen scheiterten. Um die Feindseligkeiten mit Israel beizulegen, verm√§hlte er seinen Sohn Joram mit Athalia, der Tochter Ahabs. Nachdem deren Sohn Ahasja, der kaum ein Jahr regierte, von Jehu ermordet worden war, √ľbernahm sie die Regierung und lie√ü, um die Dynastie Davids auszurotten, ihre Enkel, von denen nur Joas entkam, umbringen. Sie ward von dem Hohenpriester Jojada gest√ľrzt und get√∂tet, und ihr Enkel, der siebenj√§hrige Joas, unter Vormundschaft auf den Thron erhoben. Joas regierte zuerst nach mosaischen, sp√§ter nach heidnischen Grunds√§tzen. Den Abzug der Syrer mu√üte er mit Geld erkaufen. Er ward nach 40j√§hriger Regierung von Verschwornen ermordet. Sein Sohn Amazja verlor Jerusalem an Israel und wurde ebenfalls ermordet. Das Volk rief seinen 16j√§hrigen Sohn Usia, auch Asarja genannt, zum K√∂nig aus. Es hatte recht gew√§hlt, denn sein Regent war umsichtig und stark, wu√üte seine Rechte geltend zu machen und, vom Kriegsgl√ľck beg√ľnstigt, verstand er es, in einer 52j√§hrigen Regierungszeit den Wohlstand des Landes und dessen Macht bedeutend zu heben. Unter Usias Nachfolgern Jotam und Ahas sank die Macht Judas wieder, das Land war 20 Jahre lang von Assyrien abh√§ngig und hatte K√§mpfe mit Syrien und Israel und mit den Assyrern zu bestehen. Zu dieser Zeit eiferte der begeisterte Jesaias wie in Israel so auch in Juda gegen den G√∂tzendienst und die Sittenverderbnis, wie es vor ihm Hosea in Israel getan hatte. Der fremde Kultus h√∂rte erst unter Hiskia auf. Hiskia versagte nach Sargons Tod (705) den Assyrern den Tribut, verband sich mit √Ągypten, mu√üte aber von Sanherib, der auf seinem Zuge nach √Ągypten Jerusalem belagerte, Frieden erkaufen. Sein Sohn Manasse beg√ľnstigte trotz des Widerstandes der Propheten den Dienst der Astarte, des Baal und Moloch, ward gefangen nach Babylon gef√ľhrt und regierte, wieder entlassen, in besserm Sinn, aber stets als tributpflichtiger Vasall Assyriens. Amon, Manasses Sohn, wurde schon nach zweij√§hriger Regierung durch eine Palastverschw√∂rung ermordet. Das Volk t√∂tete die Verschw√∂rer und setzte den achtj√§hrigen Sohn Amons Josia auf den Thron. Dieser war nach dem Zeugnisse seines Zeitgenossen, des Propheten Jeremias, ein gerechter und milder K√∂nig. Er beseitigte den G√∂tzendienst und hob auf Grund des neugefundenen ¬ĽGesetzbuch Moses¬ę (vielleicht identisch mit dem 5. Buch Mose) den religi√∂sen Geist im Volk, in dem auch begeisterte Propheten Erfolg hatten. Josia fiel als Bundesgenosse der Babylonier in der Schlacht bei Megiddo (609) gegen Necho von √Ągypten. In der letzten Zeit seines Bestehens von Schw√§chlingen regiert (Joahas, Jojakim, Jojachin) und von den Nachbarv√∂lkern √∂fters besiegt, wurde das Reich Juda unter dem letzten K√∂nig, Zedekia, von Nebukadnezar der Herrschaft Babylons unterworfen. Zedekias Versuche, die Selbst√§ndigkeit wiederzuerlangen, mi√ügl√ľckten; seine Kinder wurden vor seinen Augen geschlachtet, er selbst wurde auf der Flucht ergriffen und geblendet und starb im Kerker zu Babylon. Jerusalem wurde erobert und sein Tempel zerst√∂rt (Juli bis August 586), w√§hrend das Volk in die ¬Ľbabylonische Gefangenschaft¬ę gef√ľhrt wurde. √úber den im Lande bleibenden Rest des Volkes setzte Nebukadnezar den Statthalter Gedalja, unter dessen Leitung die Zust√§nde sich hoben, bis Ismael ihn erschlug. Den Verfolgungen der Sieger suchten viele J. durch die Flucht nach √Ągypten zu entgehen.

III. J√ľdische Geschichte.

A. Vom babylonischen Exil bis zur Zerstörung Jerusalems durch die Römer (586 vor bis 70 n. Chr.).

Von der dem Volk, f√ľr das jetzt der Name J. (s. die Einleitung, S. 328) allgemein wurde, von Kyros 536 erteilten Erlaubnis, nach Pal√§stina zur√ľckzukehren, machten nur 42,360 Verbannte Gebrauch. Diese begannen den Wiederaufbau des Tempels, den sie unter Darius J., nachdem die von den Samaritanern ausgehenden Verleumdungen entkr√§ftet waren, vollendeten und 516 einweihten. Esra, Spezialkommissar des persischen K√∂nigs Artaxerxes I. Longimanus, brachte 458 neue Kolonisten (allein 1772 M√§nner) nach Pal√§stina, l√∂ste die mit Heiden geschlossenen Ehen, befestigte Jerusalem und weckte die Begeisterung f√ľr die unverf√§lschte Moseslehre. Mit ihm vereint, wirkte seit 444 Nehemia, der Mundschenk Artaxerxes' I. Mit k√∂niglichen Vollmachten versehen, setzte er energisch das Reformwerk fort, umgab Jerusalem mit einer Mauer und sorgte f√ľr innere Kr√§ftigung und Konsolidierung der jungen Gemeinde, der das Ausscheiden der Samaritaner (s. d.) bald einheitliches Gepr√§ge gab. Jetzt soll auch die gro√üe Synode von Schriftgelehrten (Soferim), welche die heiligen Schriften sammelte und den Gottesdienst ausbildete, entstanden und von Nehemia eine Tempelbibliothek angelegt worden sein. Der junge Staat ward als Satrapie Persiens zun√§chst von dem jedesmaligen Hohenpriester regiert. √Ąu√üere Ruhe, nur einmal unter Xerxes I. (dem Ahasverus des Buches Esther) unterbrochen, lie√ü trotz der Einwirkung Babylons den j√ľdischen Geist erstarken. Die politischen und religi√∂sen Zust√§nde √§nderten sich auch nicht, als Alexander 332 Jerusalem sich unterwarf und nach dessen gerechter Regierung das Land 320 bei der Eroberung des ph√∂nikischen K√ľstenlandes Ptolem√§os Lagi, dem nachmaligen ersten K√∂nig √Ągyptens, anheimfiel, der es auch nach dem Friedensschlu√ü von Ipsos (301) gegen Seleukos von-Syrien behauptete. Ptolem√§os I., dem viele J. nach √Ągypten folgten, behandelte sie, wie auch sein Nachfolger Ptolem√§os II. Philadelphos, wohlwollend. Nach weniger g√ľnstigen Verh√§ltnissen unter Ptolem√§os Euergetes und Philopator erfuhren die J. w√§hrend der syrischen Oberherrschaft unter Antiochos III. (224‚Äď187) und Seleukos IV. (187‚Äď175), dessen Vorhaben, den Tempelschatz zu berauben, mi√ülang, im allgemeinen eine milde Behandlung. Mit der in Vorderasien sich immer mehr einb√ľrgernden griechischen Kultur erwuchs den J. und dem Judentum ein starker Feind, und unter Antiochos IV. Epiphanes (175‚Äď163), der in Pal√§stina den griechischen Gottheiten Alt√§re errichtete, die Bilds√§ule des Zeus im Tempel zu Jerusalem aufstellen lie√ü, die Feier der Festtage und die Beschneidung bei Todesstrafe untersagte, brach ein Verzweiflungskampf zwischen Judentum und Hellenismus aus. Die J., von den begeisterten Makkab√§ern (Hasmon√§ern), besonders von Judas Makkab√§us (s. d., S. 327) gef√ľhrt, siegten und konnten nach dreij√§hrigem Kriege 25. Kislev (Dezember) 164 den durch heidnische Opfer verunreinigten Tempel wieder einweihen (Entstehung des Weihefestes Chanukka, s. Feste, S. 463). In dem von neuem entbrannten Kriege mit den Syrern war Juda 160 gefallen, und seine Br√ľder Jonathan und Jochanan setzten das Befreiungswerk fort. Zehn Jahre lang behauptete Jonathan, der eigentliche Begr√ľnder des Makkab√§erstaates, sich als Herrscher, ward aber 142 von Tryphon, dem Vormunde des jungen syrischen Regenten Antiochos Theos, zu Ptolema√Įs ermordet. Sein entschlossener, tapferer Bruder Simon (142‚Äď136) schlug Tryphon, zwang ihn zum R√ľckzug und zog 141 im Triumphzug in Jerusalem ein, das der freie F√ľrst befestigte. Er schuf eine neue Heeresorganisation, f√∂rderte Handel und Ackerbau und erlangte von den R√∂mern die Anerkennung des neuen j√ľdischen Staates. ‚Äď Ein ruhigeres Leben als ihre Br√ľder im Mutterland f√ľhrten die J. in √Ągypten. Sie beteiligten sich, haupts√§chlich in Alexandria, an Handel und Gewerbe, pflegten die griechische Wissenschaft und zeichneten sich nicht selten als Soldaten aus. Zahlreiche J. siedelten sich auch in der N√§he des von Onia 160 v. Chr. bei Heliopolis nach dem Muster des jerusalemischen errichteten, bis zu seiner Zerst√∂rung durch Vespasian (73 n. Chr.) bestehenden Tempels an.

Mit Simon beginnt die Reihe der selbst√§ndigen Herrscher Jud√§as (140 v. bis 6 n. Chr.), zuerst die der Hasmon√§er, denen von 37 v. Chr. ab die Herod√§er folgen. Johannes Hyrkan, Simons Sohn (136 bis 105), eroberte, als die Streitigkeiten mit Syrien beigelegt waren, ostjordanische Gebiete, den Hafen zu Joppe, zerst√∂rte Sichem, den samaritanischen Tempel auf dem Berge Gerisim und Samaria (109 v. Chr.), nachdem er fr√ľher schon die unterworfenen Idum√§er zur Annahme des Judentums gezwungen hatte. Beleidigungen von der pharis√§ischen Partei veranla√üten zum Verdru√ü des Volkes seinen Anschlu√ü an die Sadduz√§er (s. Pharis√§er und Sadduz√§er). Nach zweij√§hriger grausamer Regierung des Juda Aristobul (105‚Äď104) bestieg Alexander Jannai (104‚Äď78), ein schwelgerischer Tyrann, den Thron; er f√ľhrte einen sechsj√§hrigen B√ľrgerkrieg herbei, den seine Grausamkeit auch wieder beendigte. Er hinterlie√ü seiner Witwe Salome Alexandra (78‚Äď69), einer umsichtigen Frau, die sich auf seinen Rat wieder den Pharis√§ern anschlo√ü, die Regierung. Die √úbertragung des Hohenpriesteramts auf ihren √§ltesten, kraftlosen Sohn, Hyrkan, erweckte den Ha√ü des j√ľngern, tatkr√§ftigen Aristobul, der, unterst√ľtzt von den beleidigten Sadduz√§ern, nach der Mutter Tode dem Bruder den Krieg erkl√§rte. Die Niederlage Hyrkans bei Jericho hob Aristobul auf den Thron, den er wohl gegen den Idum√§er Antipater, nicht aber gegen den zum Schiedsrichter in dem Bruderzwist angerufenen Pompejus behaupten konnte. Pompejus eroberte 63 Jerusalem, setzte Hyrkan (11.) zum Hohenpriester und Vasallenf√ľrsten (Ethnarchen) ein, lie√ü die Mauern der Stadt niederrei√üen und machte das auf die Grenzen vor der makkab√§ischen Erhebung beschr√§nkte Land tributpflichtig. Die Unruhen im Lande nahmen zu, die Fluchtversuche Aristobuls und seines Sohnes Alexander und die damit beabsichtigten Volksaufst√§nde wurden vereitelt. Die R√∂mer suchten den Einflu√ü der Hauptstadt dadurch zu brechen, da√ü sie das Land in f√ľnf Gerichtsbezirke (Jerusalem, Jericho, Sepphoris, Amathus und Gadara) einteilten. Diese Ma√üregel verh√ľtete neue Aufst√§nde nicht. Unter Crassus, der den Tempelschatz beraubt hatte, entstand wiederum eine Emp√∂rung, deren erst Cassius bei Tarich√§a Herr wurde. C√§sar belehnte Hyrkan mit der Hohenpriesterw√ľrde, er gew√§hrte r√ľcksichtsvoll religi√∂se und b√ľrgerliche Freiheit und setzte Antipater zum Landesverweser ein. Dieser regierte eigenm√§chtig und machte seine S√∂hne zu Statthaltern, Phasael erhielt Jerusalem, Herodes Galil√§a. Um die Gunst Roms buhlend, verletzte Herodes die Autorit√§t des Synedrions, zog die von Cassius dem Land auferlegte Kontribution mit H√§rte ein und erntete f√ľr seine Grausamkeit den Ha√ü des Volkes. Als M. Antonius, der Herodes' und Phasaels Autorit√§t mit grausamer Strenge wahrte, Pal√§stina, dem er nach der Schlacht bei Philippi einen Besuch abstattete, wieder verlassen hatte, brachen die Parther (40) in das Land ein, nahmen Hyrkan und Phasael gefangen und setzten Antigonos, den Sohn Aristobuls, zum F√ľrsten ein, w√§hrend Herodes sich machtlos in die Festung Masada fl√ľchtete. Mit Hilfe der R√∂mer (der Senat hatte ihn [40] zum K√∂nig der J. ernannt) konnte er sp√§ter nach dreij√§hrigem Krieg √ľber Tr√ľmmer und Leichen in Jerusalem einziehen. Den durch Gewalt erworbenen Thron wu√üte Herodes I., der Gro√üe, K√∂nig von Jud√§a (37‚Äď4), mit unmenschlicher Grausamkeit zu behaupten. Seine Familienglieder und Freunde wurden Opfer seines Blutdurstes. Letztwillig noch dekretierte er den Tod gefangener Pharis√§er. Der Ha√ü gegen ihn verstummte nicht, trotzdem er Prachtbauten auff√ľhrte, den salomonischen Tempel gl√§nzend restaurierte und sich freigebig w√§hrend einer Hungersnot zeigte. Der nach seinem Tod entstandene B√ľrgerkrieg wurde mit gro√üen Opfern bezwungen. Augustus best√§tigt das Testament Herodes', nach dem Archelaos Volksf√ľrst √ľber Jud√§a, Idum√§a und Samaria, Herodes Antipas Tetrarch √ľber Galil√§a und Per√§a, Philipp Tetrarch √ľber das nord√∂stliche Gebiet wird. Das Land des Archelaos wird 6 n. Chr. als r√∂mische Provinz proklamiert. Seine Bewohner erhielten das r√∂mische B√ľrgerrecht. An die Stelle der j√ľdischen F√ľrsten traten nun die den Prokonsuln Syriens untergeordneten r√∂mischen Landpfleger (Prokuratoren) Valerius Gratus, Pontius Pilatus, unter dem Jesus gekreuzigt wurde, u. a. Sie entschieden √ľber Leben und Tod, setzten Priester und Beamte ein, √ľberlie√üen aber die Leitung des b√ľrgerlichen Lebens den j√ľdischen Beh√∂rden. Harter Steuerdruck rief den Unwillen des Volkes hervor und reizte unter Juda dem Gali√§er, dem Gr√ľnder der Zelotenpartei, zum Aufstand, dessen Rom bald Herr wurde. Ganz Jud√§a ward noch ein mal ein von Rom abh√§ngiges K√∂nigreich unter dem Enkel Herodes', Agrippa I. (41‚Äď44), der nur zum Schein regierte, wie sein Sohn Agrippa II. √ľber das K√∂nigreich Chalcis. Unter den Landpflegern Tiberius Alexander, Cumanus, Felix, Festus, Albinus, Gessius Florus steigt die r√∂mische Tyrannei. Versch√§rfter Druck, Erpressungen, bezahlte M√∂rder mehrten den Ha√ü und die Aufregung des Volkes. Unter Gessius Florus begann der Aufstand, der nach der Niederlage des Feldherrn Cestius Gallus (66) organisiert wurde. Zur Unterdr√ľckung des Aufstandes sandte Nero den Vespasian, dem sein Sohn Titus Truppen zuf√ľhrte. Vespasian besetzte Sepphoris, nahm nach verzweifelter Gegenwehr die Feste Jotapata und andre wichtige Pl√§tze. Zum Kaiser erw√§hlt, √ľberlie√ü er Titus den Oberbefehl. Dieser belagerte 69 Jerusalem, das trotz der heldenm√ľtigsten Verteidigung 70 erobert wurde. Parteik√§mpfe im Innern, Hunger und Pest, die vielleicht gegen Titus' Willen erfolgte Ein√§scherung des Tempels (am 9. des Monats Ab) brachen den Widerstand des Volkes, das nun seine politische Selbst√§ndigkeit verlor und zu Hunderttausenden in die Sklaverei gef√ľhrt wurde. 72 nahmen die R√∂mer (Lucilius Bassus und Flav. Silva) die letzten Bollwerke des j√ľdischen Staates, Herodium, Mach√§rus, Masada, verteilten das Land z. T. an r√∂mische Soldaten, ver√§u√üerten den √ľbrigen Grundbesitz und machten die j√§hrliche Tempelsteuer zu einer Abgabe an den Kaiser (fiscus judaicus).

B. Geschichte der Juden in der Zerstreuung. Von 70 n. Chr. bis zur Gegenwart.

Israels nationale Selbst√§ndigkeit ist vernichtet. Die Judenheit ist vaterlandlos. Zerstreut √ľber die ganze Erde, ist sie durch das Gesetz zu einer Religionsgemeinde vereinigt. Ereignisse, welche die gesamte Gemeinde betreffen, sind nicht zu verzeichnen. Ihre Geschichte wird, von wenigen lichtvollen Epochen abgesehen, zur Leidensgeschichte, besonders in der zweiten H√§lfte des Mittelalters. Sie werden √ľberall befeindet und bedr√ľckt, mit Abgaben und Z√∂llen √ľberb√ľrdet, vom ehrenden Erwerb ausgeschlossen und bald hier, bald dort aufgescheucht und verjagt. Trotzdem arbeiten sie meistens an der Erhaltung und Fortbildung ihrer religi√∂sen Ideen und treten, wo ihnen der Zutritt erschlossen wird, erfolgreich ein f√ľr Kultur und Geistesleben. F√ľr eine Idee k√§mpfend und duldend, √ľberdauern sie Druck und Ha√ü, bis mit der zunehmenden Zivilisation ihre b√ľrgerliche Gleichberechtigung durch ihr Glaubensbekenntnis nicht mehr in Frage gestellt wird.

1) Die Juden im römischen Reich.

Schon vor dem Fall Jerusalems hatten J. ihre Heimat verlassen und fremde L√§nder aufgesucht. Sie wohnten bereits in Persien, √Ągypten, Kyrene, Griechenland, Kleinasien und Italien. Im r√∂mischen Reich galten sie in den ersten Jahrhunderten n. Chr. f√ľr rechtsf√§hig, nahmen teil am Staatsleben und bekleideten √Ąmter. Die Spitzen ihrer religi√∂sen Beh√∂rden waren den staatlichen gleichgestellt und von Steuern befreit. In Rom war schon zur Zeit Titus' eine einflu√üreiche j√ľdische Gemeinde. J. begleiteten die R√∂mer auf ihren Z√ľgen und siedelten sich fr√ľh in Gallien und Spanien an. Das Judentum selbst erwarb sich damals in der Heidenwelt zahlreiche Anh√§nger. Der Wunsch, die nationale Selbst√§ndigkeit zu erneuern, trieb die J. im Stammlande zu h√§ufigen, erfolglosen Emp√∂rungen, so zur Zeit Hadrians 132 unter Bar-Kochba. Der r√∂mische Befehlshaber Jul. Severus d√§mpfte nach hartem Kampfe 135 diesen Aufstand, in dem mehr als eine halbe Million Menschen umkamen, mit der Einnahme der Bergfestung Bettar, der Hinrichtung vieler hervorragender Pers√∂nlichkeiten, besonders Gelehrter. Die Zerstreuung der J. setzte sich fort, Jerusalem ward zerst√∂rt, aber von Hadrian neu erbaut, nach Norden und Osten erweitert und unter dem Namen Aelia capitolina eine milit√§rische Stadt. Die strengen Erlasse Hadrians gegen das Studium wurden von M. Antoninus Pius (138‚Äď161) gemildert, aber Marcus Aurelius (161‚Äď180) glaubte bei neuen Unruhen dieselben wieder versch√§rfen zu m√ľssen. W√§hrend die zahlreichen nach Babylon ausgewanderten J. politisch frei eine rege geistige T√§tigkeit entfalteten, konnten die im r√∂mischen Reich trotz zeitweiliger Beg√ľnstigungen nie recht zur Ruhe kommen. Zwar hatte Konstantin d. Gr. (311‚Äď337) durch das Edikt von Mailand (M√§rz 313) die Rechtsgleichheit f√ľr alle Untertanen proklamiert, aber mit der Erhebung des Christentums zur Staatsreligion kam mit dem Konzil zu Nic√§a (325) neue Feindschaft, die auf Jahrhunderte hinaus die J. recht- und ehrlos machte. Konstantin, sein Sohn Konstantius (337‚Äď361) und dessen Mitkaiser Gallus bedr√ľckten sie. Julianus (361‚Äď363) war ihnen gewogen, aber der von ihm unterst√ľtzte Versuch der J., den jerusalemischen Tempel wieder aufzubauen, scheiterte, der P√∂bel verfolgte sie nach wie vor, und die Bisch√∂fe qu√§lten sie durch Bekehrungseifer und veranla√üten Verfolgungen, wie z. B. Ambrosius von Mailand (384) und Cyrillus von Alexandria. Auch Hieronymus, der sein hebr√§isches Wissen J. verdankte. war gegen sie unduldsam. Das innere Leben der J., vornehmlich im Mutterland Pal√§stina, ging w√§hrend dieser Periode unter dem Drucke nicht zugrunde. In ihrem Ungl√ľck fanden die J. im Studium und in der Fortbildung ihres Schrifttums (vgl. J√ľdische Literatur) Trost und Halt.

2) Die Juden im neupersischen Reich.

Fr√ľh wurden die Euphratl√§nder die Heimat zahlreicher J., die in Ardschir, Apamia, Nahardea, Nares, Ktesiphon, Pumbedita, Sura, Machusa und Firuz-Schabur sich zu Gemeinden vereinten. Die B'ne gola, ¬ĽExulanten¬ę, standen unter einem von der Regierung abh√§ngigen Exilarchen, ¬ĽResch galuta¬ę, dem die Rechtspflege √ľbertragen war. Mit den Pal√§stinensern wetteifernd, gr√ľndeten die babylonischen J. Lehrh√§user in Nahardea, Sura und Pumbedita, die zu hohem Ansehen gelangten und die im Stammland, mit dem man in geistigem Verkehr, wie dies die Entstehung des Talmud (s. d.) beweist, blieb, √ľberfl√ľgelten. Unter den neupersischen Herrschern Jesdegerd II. (455 bis 458) und Firuz (471‚Äď484) wurden die J. verfolgt und rechtlich beschr√§nkt. Zu Anfang des 6. Jahrh. (511‚Äď518) erk√§mpfte der Exilarch Mar Sutra eine sieben Jahre dauernde Unabh√§ngigkeit der persischen J., die unter Kobad (518‚Äď531) aber von neuem verfolgt wurden. Das Exilarchat erlosch auf einige Zeit. Chosroes Nuschirwan war, obwohl er Christen und J. eine Kopfsteuer auferlegte, den J. doch im allgemeinen zugetan. Das religi√∂se Leben ordneten die Vorsteher der Hochschulen (s. J√ľdische Literatur, S. 345). Chosroes II. behandelte die J. weniger hart als sein Vorg√§nger. Mit ihm schlossen die J. Pal√§stinas, 26,000 an der Zahl, welche die Macht der Christen zu brechen und in den Besitz Jerusalems zu kommen hofften, ein B√ľndnis gegen Kaiser Heraklios und leisteten den Persern Kriegsdienste. Der siegreich vordringende Islam brachte auch die J. in Asien und Afrika bald unter seine Oberhoheit.

3) Die Juden unter den Mohammedanern in Asien und Afrika.

Mit dem Vordringen des Islams beginnt f√ľr die J. eine Epoche regen geistigen Schaffens. Arabien wurde schon seit alter Zeit von j√ľdischen St√§mmen bewohnt, von denen die in Jemen den abendl√§ndischen Handel mit dem Morgenland vermittelten. Ihre im Norden ans√§ssigen Br√ľder f√ľhrten mehr ein landwirtschaftliches, oft unstetes Beduinenleben. In religi√∂sen Angelegenheiten suchten sie Belehrung und Vertretung bei den pal√§stinensischen oder babylonischen Schulvorstehern. Ein K√∂nig von Jemen soll, wie sp√§ter sein Volk, zum Judentum √ľbergetreten sein und eine j√ľdische Dynastie begr√ľndet haben. Mohammed, der von J. lernte und den Koran gr√∂√ütenteils aus dem Judentum sch√∂pfte, hat in Schrift und Tat Judenha√ü gezeigt, wie auch sein Nachfolger Omar. In allen L√§ndern, die Omar im raschen Siegeszug sich unterwarf, wurden die Ungl√§ubigen, die er nicht zu bekehren vermochte, durch den sogen. Omarbund in ihrer Religions√ľbung und in der F√§higkeit, √Ąmter zu bekleiden, durch unterscheidende Tracht und durch Kopf- und Grundsteuer beschr√§nkt. Verdienstvollen J. ward aber auch h√§ufig von den Mohammedanern Achtung erwiesen. Mekka und Medina durften die J. nicht betreten. Da der Islam den von Nichtmohammedanern besessenen Grund und Boden √ľberm√§√üig besteuerte, wandten sie sich mehr dem Handel zu. Harun ar-Raschid (um 800) beg√ľnstigte die J., die noch immer politisch vom Exilarchen, der unter den Kalifen f√ľrstliches Ansehen geno√ü, rechtlich und religi√∂s von den Geonim (s. Gaon) vertreten wurden. Von diesen Geonim fungierte Mar Isak, nach der Einnahme von Firuz Schabur, als erster in Sura. Parteiungen veranla√üten die Entstehung der antirabbinischen Sekte der Kar√§er (s. d.) unter Anan ben David (761). Mit der Entstehung des Kara√Įsmus f√§llt die angebliche Bekehrung der Chasaren (Kusarim) an der Wolga und ihres K√∂nigs Bulan der Zeit nach zusammen (731). Dieses j√ľdische Reich ward um 969 von dem Gro√üf√ľrsten Swjatoslaw von Kiew besiegt und nach abermaliger Erhebung 1016 von Russen und Byzantinern v√∂llig aufgel√∂st.

In den Euphratl√§ndern wohnten J. in Neu-Ninive (Mosul) und Bagdad, von den Kalifen beschirmt. Mohammed Almuktafi (1136‚Äď60) setzte f√ľr das Kalifat einen Exilarchen ein, dem die Anstellung der Beamten, die Einziehung der Abgaben oblag. Den J. in Jemen ward 1172 von den Schiiten (s. d.) der Islam aufgedrungen. Die √§gyptischen J. standen unter dem Nagid, einem F√ľrsten, der von den Gemeinden besoldet wurde und dieselbe Amtst√§tigkeit wie der babylonische Exilarch √ľbte. In Kleinasien, Syrien und Pal√§stina z√§hlte man in den vom Christentum beherrschten Gebieten weniger J. als in den unter dem Islam stehenden Bezirken. Im christlichen Antiochia waren die wenigen J. Glasarbeiter, die zahlreichern in Tyrus trieben Landwirtschaft, die in und um Palmyra zeigten kriegerischen Sinn in ihren Fehden mit Christen und Mohammedanern; unter den J. in Damaskus waren viele Talmudgelehrte. Durch Wahlstreitigkeiten veranla√üt, hob die Regierung das Exilarchat auf und damit die √§u√üere Einheit der J. des hochasiatischen Morgenlandes. Unter den Mongolen, die 1258 das Kalifat eroberten, verschlimmerte sich die Lage der J. nicht.

4) Die Juden während des Mittelalters bis zu ihrer Vertreibung aus Spanien und Portugal.

Mit der Bev√∂lkerung Spaniens, das J. schon als r√∂mische B√ľrger bewohnten, lebten sie in vollem Einvernehmen, bis die katholische Geistlichkeit (Konzil von Iliberis 306) die freundschaftlichen Beziehungen zu l√∂sen versuchte. Die arianischen Westgoten (seit 419) gew√§hrten ihnen Gleichberechtigung und verwendeten sie im √∂ffentlichen Dienst. Beschr√§nkungen durch den katholischen K√∂nig Reccared (590), Glaubenszwang und Vertreibungen unter Sisebut (612), Chintila (638) und die Schreckenszeiten unter Egica (693) √§nderten das gl√ľckliche Verh√§ltnis, das erst nach der Schlacht von Jerez de la Frontera (711) wiederhergestellt wurde. Die arabischen Sieger gew√§hrten den J., die nur eine Kopfsteuer zu bezahlen hatten, Religionsfreiheit und eigne Gerichtsbarkeit. In den friedlichen Zeiten konnten sie ihre Kr√§fte in den Dienst der erbl√ľhenden Wissenschaften stellen, und sie pflegten Philosophie, Philologie und Dichtkunst neben b√ľrgerlichen Berufen. Der gelehrte Arzt Chisdai ben Isak war unter den Kalifen Abd er Rahm√Ęn III. und Alhakim (961‚Äď976) als Finanzmann besch√§ftigt, als Nasi (¬ĽOberhaupt¬ę) der J. hoch gesch√§tzt. In dieser W√ľrde folgte ihm unter dem Kalifen Haschim der Besitzer einer gro√üen Seidenweberei, Jakob ibn Gau. Die Abh√§ngigkeit der J. von den morgenl√§ndischen Akademien h√∂rte auf, als das Talmudstudium durch Moses ben Chanoch aus Cordoba u. a. gr√∂√üere Verbreitung fand. In Malaga, wohin er vor den Berbern, die um 1020 Cordoba verw√ľstet hatten, geflohen war, bekleidete Samuel ha Levi, genannt Hanagid, ¬Ľder F√ľrst¬ę (1027‚Äď55), die W√ľrde eines Wesirs; √§hnliche Verg√ľnstigungen wurden andern J. zuteil. Vor√ľbergehend wurden die J. in Granada (1066) verfolgt, waren aber im √ľbrigen Spanien so ziemlich gesch√ľtzt. Alfons VI. von Kastilien bediente sich j√ľdischer Diplomaten, f√ľhrte die Gleichheit der J. vor dem Gesetz durch, vertraute seine Person und Politik einem j√ľdischen Leibarzt an und kehrte sich nicht an den Unwillen des Papstes Gregor VII., der auf dem Konzil zu Rom (1078) neue Judenbeschr√§nkungen durchgesetzt hatte; ja, er sicherte den J. Toledos, das er 1085 eroberte, die verbrieften Freiheiten. Unter den Almorawiden waren J. Staatsbeamte und √Ąrzte, w√§hrend sie unter den Almohaden im nordwestlichen Afrika und im s√ľdlichen Spanien zum Islam oder Exil gezwungen wurden. Das geistige Leben der J. blieb trotzdem in voller Bl√ľte (s. J√ľdische Literatur, S. 346), denn Kastilien, Leon, Aragonien und Navarra boten den J. eine meist ruhige Heimat. In Toledo wohnten √ľber 12,000 J., sie waren unter Alfons VIII. (1170‚Äď1214) ihrer Bildung und Begabung wegen protegiert. Alfons X. (1252‚Äď82) hatte einen j√ľdischen Leibarzt und lie√ü die astronomischen (Alfonsinischen) Tafeln von einem Juden bearbeiten. In Aragonien, das sie anfangs gesch√ľtzt hatte, dauerten unter Jakob I. auf Betreiben der Dominikaner auch nach der erfolglosen Disputation zu Barcelona (1263) zwischen Nachmanides und dem Konvertiten Pablo Christiani Bekehrungsversuche und Bedr√ľckungen fort. Ruhig hingegen verflo√ü dann f√ľr die J. Spaniens, abgesehen von einigen Verfolgungen, das Leben und war bis auf die Greuel des Bruderkriegs zwischen Peter dem Grausamen und Heinrich von Trastamara (1366‚Äď69), an dem sich auch kastilische J. beteiligten, ertr√§glich. 1391 predigte der Erzbischof von Niebla in Sevilla gegen die J., und der P√∂bel fiel hier, in Cordoba, Gerona, Ascalona, Valencia, Barcelona, in andern spanischen St√§dten und auf den Balearischen Inseln √ľber sie her. Die dem Verderben Entronnenen fl√ľchteten sich meistens nach Nordafrika und waren gl√ľcklicher als viele ihrer spanischen Br√ľder, die zum Schein sich taufen lie√üen; denn diese Neuchristen (Anussim, Maranen, s. d.) wurden mit Mi√ütrauen verfolgt, so da√ü sie h√§ufiger die Flucht oder, zum alten Glauben zur√ľckgekehrt, das elende Schicksal ihrer Glaubensgenossen w√§hlten, f√ľr die jahrhundertelang die Scheiterhaufen der Autodaf√©s (s. d.) loderten. 1412 in besondere Stadtviertel (Juderias) zur√ľckgedr√§ngt, durch Bekehrungsversuche (unter andern Disputation von Tortosa vom Februar 1413 bis November 1414, 68 Sitzungen umfassend), Judengesetze und Abzeichen an der Kleidung entw√ľrdigt, mu√üten sie in der 1481 f√∂rmlich eingef√ľhrten Inquisition ihre Todfeindin erblicken. Nach dem Fall Granadas erwirkte der Gro√üinquisitor Torquemada trotz der Bem√ľhungen des hochgeachteten Finanzministers Isak Abarbanel (s. d.) vom K√∂nig Ferdinand V. 31. M√§rz 1492 ein Ausweisungsdekret, das mit 2. Aug. ablief, und demzufolge mehr als 300,000 J. heimat- und besitzlos auswandern mu√üten. Sie flohen nach Marokko, der Berberei, Italien, der T√ľrkei und Portugal, arm und verachtet, namenlosem Elend preisgegeben. In Portugal endeten die guten Zeiten, welche die J. namentlich unter Sancho II. (1223 bis 1245) und Dionysius (1279‚Äď1325) erlebt hatten, nach Alfons' V. (gest. 1481) Tod. K√∂nig Johann II. hatte die Fl√ľchtlinge aus Spanien gegen hohe Geldsummen auf acht Monate in Portugal aufgenommen, duldete sie aber, von der fanatischen Geistlichkeit beeinflu√üt, nicht l√§nger im Lande, das sie dann auch unter dem fr√ľher judenfreundlichen Emanuel d. Gr. 1498 verlassen mu√üten. Die Scheinchristen verfolgte die Inquisition in Spanien und in Portugal bis Ende des 17. Jahrh., so da√ü viele von ihnen nach den Niederlanden auswanderten.

Justinian (527‚Äď565) beschr√§nkte im byzantinischen Reich die den J. gew√§hrten Freiheiten, stellte sie den Ketzern gleich, schlo√ü sie von allen Ehren√§mtern, die nicht mit bedeutenden Lasten verkn√ľpft waren, aus und suchte sie zu bekehren, welche Politik seine Nachfolger Justinus II., Heraklios, Leo der Isaurier fortsetzten. Heraklios erneuerte nach Vertreibung der Perser, f√ľr welche die J. Partei genommen hatten, 628, kurz bevor Pal√§stina, Syrien und √Ągypten von den Arabern erobert wurden, das Hadrianische Edikt, nach dem kein Jude Jerusalem betreten durfte, und n√∂tigte viele J., nach √Ągypten auszuwandern. Ende des 8. Jahrh. zogen viele verfolgte J. in das Chasarenland (s. oben). Die sp√§tern politischen Ereignisse des byzantinischen Reiches, das zahlreiche j√ľdische Gemeinden in Thessalien, Mazedonien, Thrakien z√§hlte, trafen auch die J. In Korinth, Lepanto, Negroponte, Saloniki, Gallipoli, auf Mytilene, Chios, Samos, Rhodos, in Theben, wo geschickte j√ľdische Seiden- und Purpurfabrikanten wohnten, in Konstantinopel hat der P√∂bel die schutzlosen J. oft genug ungestraft mi√ühandelt.

Mit der Gr√ľndung des Ostgotenreichs konnte sich die Lage der J. in Italien nicht wesentlich verschlimmern. J. wohnten bereits zahlreich in Rom, Mailand, Genua, Verona, Ravenna, Neapel, Salerno, Trani, Otranto, Tarent, Palermo, Messina, Agrigent und in andern Orten, weniger zahlreich im gesch√§ftsstillen Norden, in Lucca, Mantua, Pisa und Venedig. Auch die Herrschaft der Langobarden brachte ihnen keinen Nachteil. Ebenso haben sie unter den fr√§nkischen Herrschern, abgesehen von Bekehrungsversuchen und lokalen Verfolgungen (Bologna 1171), ruhig gelebt. Sp√§ter hatten sie jedem neuen Kaiser und Papst, unter dessen Schutz sie standen, zu huldigen. Seit dem 13. Jahrh. mu√üten sie Abzeichen tragen, seit dem 15. Jahrh. in abgeschlossener Stadtgegend (Getto) wohnen. Vollst√§ndig frei lebten sie sp√§ter in Venedig und Livorno unter Ferdinand I. K√∂nig Robert von Neapel war ihnen sehr gewogen, und einzelne P√§pste haben sie, allerdings nach den Begriffen jener Zeit, mild behandelt. Gregor VII., Innozenz III., der sie des geheimen Verkehrs mit den Albigensern verd√§chtigte, harte Beschl√ľsse auf den Konzilen gegen sie durchsetzte und die F√ľrsten Raimund VI. von Toulouse und Roger von B√©ziers gegen sie einnahm, und andre behandelten sie feindlich. Unter dem Schutz gebildeter Herrscher gl√§nzten in Italien bedeutende j√ľdische Gelehrte und Dichter; die j√ľdische Jugend studierte auf den Universit√§ten, und der italienische Handel ward durch J. sehr gef√∂rdert. Von der Insel Sizilien, wo sie frei unter Arabern und Normannen gelebt hatten, wurden sie 1493 von Ferdinand dem Katholischen vertrieben.

Den Boden des fr√§nkischen Reiches haben J. wohl schon vor oder zu der Zeit C√§sars aufgesucht. Ihre Rechte sind ihnen in der √§ltesten fr√§nkischen und burgundischen Verfassung nicht geschm√§lert worden. J. waren Handwerker, Ackerbauer, Kaufleute, die oft eigne Schiffe besa√üen, und √Ąrzte. Sie verkehrten, trotz der auf den Konzilen gefa√üten Beschl√ľsse, freundschaftlich mit der christlichen Bev√∂lkerung. Im s√ľdlichen Frankreich, in der Provence und im Languedoc, unterhielten die J. geistigen Verkehr mit spanischen Glaubensgenossen, trieben Ackerbau und Handel, wurden aber nicht selten von den Launen der Grafen und den Bekehrungsversuchen der Bisch√∂fe (Agobard von Lyon 831 und seines Nachfolgers Amulo 846) bel√§stigt. Karl d. Gr. hat mit klarem Blick die Bedeutung seiner j√ľdischen Untertanen gew√ľrdigt und zur sozialen Hebung derselben beigetragen; einer Gesandtschaft an Harun ar-Raschid gab er einen Juden bei. Ludwig der Fromme sch√ľtzte die J. gegen die Anma√üungen der Vasallen und Geistlichen, f√∂rderte ihren Handel und ihr Gewerbe und lie√ü ihre Privilegien von einem ¬ĽJudenmeister¬ę √ľberwachen. Nach dem Vertrag von Verdun (843) hatten die J. in Frankreich, in Limoges, Lyon u. a. O., besonders aber w√§hrend der Kreuzz√ľge zu leiden. Die Kapetinger Ludwig VI. (1108‚Äď37) und Ludwig VII. (1137‚Äď80) suchten sie zu schirmen; sie gaben ihnen ausgedehnte Rechte und eigne B√ľrgermeister (pr√©v√īts). Mit Philipp August, der sie anfangs beg√ľnstigte, wendete sich in Frankreich das Gl√ľck der J. Eingekerkert, beraubt und nie begangener Verbrechen angeklagt, wie beispielsweise in Blois, wo man 26. Mai 1171 √ľber 30 M√§rtyrer verbrannte, wurden sie 1181 aus Paris, 1191 aus der Landschaft Bray ausgewiesen. Auch aus den Baronien wurden sie verjagt, wenn sie nichts mehr an Sch√§tzen herzugeben hatten. Der geldbed√ľrftige Philipp August rief sie wieder ins Land und behandelte sie milder. Doch waren sie auf einen bestimmten Wohnort beschr√§nkt und wurden Leibeigne ihres Schutzherrn. Der Ha√ü, der sie immer mehr qu√§lte, ihre Schriften vernichten und sie von Aus√ľbung der Arzneikunde ausschlie√üen wollte, entlud sich 1306 unter Philipp IV., dem Sch√∂nen, der sie, an 100,000 Seelen, aus ganz Frankreich vertrieb. Ludwig X. gestattete ihre R√ľckkehr (1315), aber nur unter harten Bedingungen. Leidvoll und kurz war ihr neuer Aufenthalt, denn 1320 wurden sie w√§hrend der Ausschweifungen fanatischer Haufen von Bauern und Hirten (Pastoureaux oder Pastorels) und wieder 1321, weil sie die Auss√§tzigen zur Brunnenvergiftung verleitet haben sollten, wie auch 1349 zur Zeit des Schwarzen Todes schwer heimgesucht und endlich 1394 von Karl VI. f√ľr immer des Landes verwiesen. In einzelnen Landesteilen (in dem p√§pstlichen Bezirk Venaissin mit den St√§dten Avignon und Carpentras) blieben J.; den Vertriebenen gew√§hrten Deutschland, Italien und Polen eine unsichere Zufluchtsst√§tte. Ludwig XII. vertrieb 1501 die J. aus der Provence.

Gleich traurig war das Los der J. in den damals zu England geh√∂renden franz√∂sischen Landstrichen (Normandie, Bretagne, Anjou, Touraine, Maine, Guienne, Poitou und Gascogne) und in England selbst. Schon Erzbischof Theodor von Canterbury (669‚Äď691) nimmt die Christen gegen sie ein. Eduard der Bekenner erkl√§rt 1041 die J. und ihr Verm√∂gen als Krongut. Wilhelm der Eroberer hat abgefallene J. zur R√ľckkehr zum Judentum gezwungen, um seine Eink√ľnfte nicht durch die Kirche geschm√§lert zu sehen. Sie wurden den K√∂nigen immer unentbehrlicher, dem Volk aber verha√üt, weil sie wohlhabend waren. Am Kr√∂nungstag Richard L√∂wenherz' (3. Sept. 1189) entlud sich der Ha√ü, und das Volk fiel √ľber die mit ihren Huldigungsgeschenken auf Veranlassung des Erzbischofs von Canterbury zur√ľckgewiesenen, dann √ľber alle J. Londons pl√ľndernd und mordend her. Richard zog die M√∂rder zur Verantwortung. Als er mit den Kreuzrittern, die auch in England den Krieg f√ľr den Glauben mit den J. begannen, das Land verlassen hatte, traf die j√ľdischen Gemeinden in Norwich, York und andern St√§dten das gleiche Schicksal wie die J. in London, die sp√§ter (1264) nochmals verfolgt wurden. Nach Bedr√ľckungen unter Johann ohne Land und Heinrich III. verwies sie ein Edikt Eduards I. 1290 f√ľr immer aus England.

Von Italien und Frankreich aus m√∂gen J. schon in sehr fr√ľher Zeit Deutschland, und zwar meist dessen s√ľdliche und mittlere Gegenden, aufgesucht haben, denn in K√∂ln lassen sie sich schon 321, in Mainz im 9., in Worms, Magdeburg, Merseburg und Regensburg im 10., in Trier, Speyer im 11. Jahrh. nachweisen; sie bildeten in B√∂hmen, M√§hren, Schlesien, √Ėsterreich zahlreiche Gemeinden, w√§hrend sie im mittlern und n√∂rdlichen Deutschland vom 13. Jahrh. an nur vereinzelt vorkommen. Vor den Kreuzz√ľgen war ihre Lage ertr√§glich, sie wetteiferten in ihrer beruflichen T√§tigkeit mit den Christen und verkehrten mit ihnen gesellschaftlich. Die Privilegien, die der Bischof R√ľdiger Huozmann von Speyer den speyerischen J. erteilte (1084) und Kaiser Heinrich IV. auf Ansuchen der J. best√§tigte und erweiterte (1090), gaben ihnen Handelsfreiheit f√ľr das ganze Reich, eigne Gerichtsbarkeit, das Recht, Grundst√ľcke zu erwerben, christliche Dienstboten zu halten, den Eid nach j√ľdischem Gesetze zu leisten, sch√ľtzten sie vor Anwendung der Gottesgerichte u. dgl. √Ąhnliche Privilegien sind auch den J. andrer St√§dte erteilt, jedenfalls aber nicht allen J. im Reich ausgestellt und best√§tigt worden. Erst nach den Schreckenszeiten der Kreuzz√ľge (s. unten) nahmen sie die Kaiser, zuerst Heinrich IV. im Landfrieden von 1103, dann Konrad III. w√§hrend des zweiten Kreuzzugs, in Schutz. Aus diesem Schutz entwickelte sich die sogen. Kammerknechtschaft f√ľr alle J. des Reiches. Sie sollten als Servi camerae (Kammerknechte, besser ¬ĽAbh√§ngige der Kammer¬ę) den kaiserlichen Schutz genie√üen und daf√ľr Abgaben an die Kammer entrichten. Die Abgaben blieben, aber der Schutz ward illusorisch, und seit der Mitte des 14. Jahrh. kam der Grundsatz zur Anwendung, da√ü Leben wie Verm√∂gen den J. nur precario, ¬Ľbittweise¬ę, geh√∂re und der Kaiser befugt sei, es jederzeit zu nehmen. Sie mu√üten bei jeder neuen Kaiserkr√∂nung den Schutz erneuern lassen und daf√ľr die ¬ĽKr√∂nungssteuer¬ę zahlen, die zuerst unter Friedrich I. von den J. in Goslar (1155), vom 15. Jahrh. an allgemein erhoben wurde. Der Kaiser konnte dieses Schutzrecht als k√∂nigliches Regal auf andre (Landesherren, Bisch√∂fe, St√§dte) √ľbertragen, damit belehnen oder es verpf√§nden, auch erlauben, ¬ĽJ. zu halten¬ę. Dadurch wurden sie mit der Zeit landesherrliche oder st√§dtische Kammerknechte und in ihrer Freiz√ľgigkeit beschr√§nkt. Zu der bedeutenden, nicht √ľberall gleichen Steuer f√ľr den Schutz, der in besondern ¬ĽSchutzbriefen¬ę verb√ľrgt war, kamen noch andre Abgaben, wie der g√ľldene Opferpfennig, und au√üerordentliche Geldlasten in Finanzn√∂ten der Kaiser. In den unsichern Zeiten des Mittelalters konnten J. bei ihren Reisen sich von ihrem Schutzherrn gegen eine Steuer ein sicheres Geleit erwerben (¬ĽGeleitszoll¬ę). Dieser Zoll ward ohne jede Gegenleistung bis Ende des 18. Jahrh. als ¬ĽLeibzoll¬ę (s. d.) erhoben und bestand hier und da noch zu Anfang des 19. Jahrh. Durch den Ausschlu√ü aus den Gilden und Innungen zwang man die J., die vor den Kreuzz√ľgen noch den Weltverkehr vermittelt hatten, zum verderblichen Kleinhandel, zu Pfand- u. Geldgesch√§ft. Ausw√ľchse dieser Berufe suchte die Reichspolizeiordnung von 1530 zu beseitigen, insofern sie die Ern√§hrung ¬Ľmit ziemlicher Hantierung und Handarbeit¬ę forderte. In religi√∂ser und gesellschaftlicher Beziehung litten die J. unter vielen Beschr√§nkungen. Sie bewohnten eigne Stadtviertel (Judengassen); man verh√∂hnte und beschimpfte sie in Bildern, Worten und Taten, lie√ü ihnen oft nur die Wahl zwischen Tod und Taufe, bel√§stigte sie mit Bekehrungsversuchen, untersagte ihnen w√§hrend der Passionszeit das Erscheinen an √∂ffentlichen Pl√§tzen, suchte sie von jeder Gemeinschaft mit Christen auszuschlie√üen, verbot ihnen das Halten christlicher Dienerschaft sowie den j√ľdischen √Ąrzten die Behandlung christlicher Patienten und befahl ihnen, Abzeichen, √ľber deren Form und Farbe besondere Verordnungen erschienen, zu tragen.

Mit bewundernswertem Opfermut haben die J. Deutschlands die Greuel und Verfolgungen ertragen, die vom 11.‚Äď16. Jahrh. √ľber sie hereinbrachen. 1012 vertrieb sie Heinrich II. aus Mainz. Die Kreuzfahrer pl√ľnderten, tauften oder ermordeten sie zur Ehre Gottes und vertilgten die Gemeinden in Speyer, Worms, Mainz, im Bistum K√∂ln, in Trier, Metz, Regensburg, Prag u. a. O. Bald nachher scheinen sich aber √ľberall wieder J. angesiedelt und ruhig bis zum zweiten Kreuzzuge gelebt zu haben. Kaiser Heinrich IV. gestattete den zwangsweise getauften J. die R√ľckkehr zum alten Glauben und verpflichtete in Mainz (1103) F√ľrsten und B√ľrger, √§hnlichen Greueln vorzubeugen. Aber alle Bem√ľhungen waren vergeblich. Man verfolgte sie beim zweiten Kreuzzug (1146), um ihre Handelsvormundschaft zu brechen, w√§hrend des 13. Jahrh. (z. B. 1221 in Erfurt, 1235 in Fulda, 1285 in M√ľnchen, 1283‚Äď88 am Rhein), weil man sie des rituellen Christenmordes beschuldigte. 1298 metzelte man 146 Gemeinden in Franken, Bayern und √Ėsterreich nieder, um die angebliche ¬ĽHostiensch√§ndung¬ę (s. Hostien) an ihnen zu r√§chen, und die ¬ĽK√∂nige Armleder¬ę erschlugen sie 1336‚Äď37 am Rhein, im Elsa√ü, in Schwaben, Franken, B√∂hmen und √Ėsterreich. 1348‚Äď49 klagte man sie, die l√§stigen Gl√§ubiger, der Brunnenvergiftung an und befreite sich in Hunderten von Orten von den Judenschulden durch Massenmord. Einige Jahrzehnte nach dieser sozialen Revolution in deutschen Landen und St√§dten als unentbehrlich wieder geduldet, zur√ľckgesetzt und gequ√§lt, begannen schon mit dem Ende des 14. Jahrh. ihre Verweisungen aus den einzelnen Ortschaften. 1384 und 1385 fanden in Franken und Schwaben, sp√§ter, meistens auf Beschlu√ü der Obrigkeit, in der Trierer Di√∂zese (1418), im Mainzer Stift (1420), unter dem Erzherzog Albrecht in √Ėsterreich (1420 und 1421), in Freiburg i. Br. (1424), Z√ľrich (1424 und 1435), K√∂ln (1426), in Sachsen (1432), in Heilbronn, Speyer und Z√ľrich (1435), in Mainz (1438), Augsburg (1439), in ganz Bayern (1450) und auf Veranlassung des fanatischen Reisepredigers, des Franziskanerm√∂nchs Johann von Capistrano (1452‚Äď55), in Schlesien, 1492 aus Mecklenburg, 1493 aus dem Erzstift Magdeburg, 1499 aus N√ľrnberg und Ulm nach den √ľblichen Pl√ľnderungen neue Austreibungen statt. Auch die Schweiz, wo schon im 12. und 13. Jahrh. J. sich niederlie√üen, hat seit 1348 und Steiermark seit 1496 Judenverfolgungen aufzuweisen (Winterthur und Schaffhausen 1401, Z√ľrich 1442, wo ihnen sp√§ter [1451 und 1490] der Aufenthalt gestattet wurde, Genf 1490, Thurgau 1491). Die Baseler Kirchenversammlung von 1434 verpflichtete zur t√§tigen Judenbekehrung. In Polen und Litauen war die Lage der J. unter Kasimir III. g√ľnstig, und Fl√ľchtlinge aus andern L√§ndern fanden hier seit 1349 eine neue Heimat. Sp√§ter jedoch wurden sie wieder in ihren Rechten beschr√§nkt. Selbst Ru√üland, das schon im 10. Jahrh. J. hatte, wies sie im 15. Jahrh. aus. Aus Ungarn wurden sie 1526 vertrieben. Mit der seit dem 13. Jahrh. immer mehr um sich greifenden Entehrung ging das innere Leben der J., das sich bis dahin in seltener Weise entfaltet hatte, einem allm√§hlichen Verfall entgegen. √Ąu√üerlich geknechtet und entw√ľrdigt, ohne Vaterland und Recht, blieb der Jude trotzdem freier und sittenreiner als seine Bedr√ľcker. Aus seinem religi√∂sen Schrifttum gewann er in der Leidenszeit den Geist der Br√ľderlichkeit und Opferfreudigkeit, Gemeinsinn, Flei√ü, Wohlt√§tigkeit und vor allem jene seltene Kraft des Duldens, die bis in die neueste Zeit hinein sich noch oft bew√§hren mu√üte.

5) Geschichte der Juden in der Neuzeit.

Politisch und geistig unfrei finden wir zu Anfang des 16. Jahrh. die J. in Arabien, wo sie noch jetzt in Hedschas wohnen, in Persien, in Afghanistan, Indien, China, in der Bucharei, wo sie Seiden- und Metallarbeiter sind, in der Tatarei und in Abessinien. Nordafrika hatten sie schon bei den Verfolgungen auf der Pyren√§ischen Halbinsel aufgesucht und sich in den dort zahlreichen Judengemeinden in Algier, Oran, Tlemsen, Tetuan und Tunis niedergelassen. In Marokko wurde ihre zeitweilige b√ľrgerliche Freiheit durch Druck und Verfolgung abgel√∂st. Ihre tr√ľbselige Lage in Algier ward 1830 durch Frankreich gebessert, das ihnen 1870 B√ľrgerrecht verlieh. Die T√ľrkei, wohin sie von Spanien aus sich wandten und gro√üe Gemeinden in Konstantinopel, Saloniki, Gallipoli, Smyrna, Adrianopel, Damaskus u. a. O. bildeten, zeigt uns die J. als einflu√üreiche Handelsherren und Fabrikanten, durch die Gunst der Sultane (Selim, Soliman 1.) auch zu Staats√§mtern (Joseph Nasi [gest. 1579] sogar zum Herzog von Naxos) erhoben. Hier aber verflachte sich das anfangs bl√ľhende wissenschaftliche Leben im Studium der Kabbala (s. d.) und beg√ľnstigte von 1648 ab die messianische Bewegung unter Sabbatai Z'wi (s. d.). Vor staatlichem Druck sind die J. in der T√ľrkei und Pal√§stina durch einen Ferman des Sultans gesch√ľtzt, den Moses Montefiore 1840, als sie in Damaskus beschuldigt wurden, den Pater Thomas ermordet zu haben, erwirkt hat. Nach Italien brachte die Inquisition harte Judengesetze mit; f√ľr die j√ľdischen Schriften wurden nach Einf√ľhrung der Zensur die Scheiterhaufen (z. B. in Rom, Venedig, Bologna 1553‚Äď60), f√ľr die J. selbst die Gettos errichtet. Mit Bekehrungsversuchen bel√§stigt, bis Ende des 16. Jahrh. aus einzelnen St√§dten ausgewiesen, √§nderte sich ihre Lage erst, als das vereinigte K√∂nigreich sie den √ľbrigen B√ľrgern vollst√§ndig gleichstellte. In der Schweiz, wo sie in der Neuzeit nur in Endingen und Lengenau geduldet wurden, sind sie aus Basel schon 1616, Appenzell 1622, Z√ľrich 1634, Schaffhausen 1655 ausgewiesen worden. Peter I. lie√ü die J. in Ru√üland wieder zu, Elisabeth vertrieb sie (1743), Katharina II. gestattete nochmals ihre Ansiedelung. Die meist aus Deutschland stammenden J. in Polen waren zu Anfang des 17. Jahrh. politisch gut gestellt, vermittelten den Verkehr, trieben neben Ackerbau Gastwirtschaft und Handwerk und hatten eigne Gerichtsbarkeit. 1648 dezimierte der Kosakenaufstand unter Chmelnicki in Polen, Podolien, Wolhynien, der Ukraine und Litauen ihre bl√ľhenden Gemeinden. Vor den Schergen der Inquisition fanden Scheinchristen (s. oben) und J. in Frankreich (Bayonne und Bordeaux 1550) und in Holland Aufnahme, sie gr√ľndeten in den Niederlanden Gemeinden, in denen sie Wissenschaft, Handel und Industrie f√∂rdern halfen. In England wurden, auf Verwendung des gelehrten Menasse ben Israel (s. d.) aus Amsterdam bei Cromwell, J. wieder aufgenommen (1655), w√§hrend auf der Pyren√§ischen Halbinsel die Autodaf√©s (Glaubensakte der Hinrichtung) f√ľr Ketzer und J. fortdauerten. Holl√§ndische J. wanderten 1642 nach Brasilien, englische 1639‚Äď1664 nach Cayenne.

In Deutschland kamen der von dem Humanismus und der Reformation erzeugte freiere Geist und die Mahnung Luthers (in seiner 1523 erschienenen Schrift ¬ĽDa√ü Jesus ein geborner Jude gewesen¬ę), die J. als Blutsfreunde und Br√ľder zu behandeln, christliche Liebe an ihnen zu √ľben, sich ihrer freundlich anzunehmen und sie mit werben und arbeiten zu lassen, den Unterdr√ľckten so bald nicht zugute. Man beschuldigte sie immer noch, Hostien gesch√§ndet (Joachim von Brandenburg lie√ü deshalb 1510 in Berlin 30 J. verbrennen und verwies alle andern seines Landes) und Christen gemordet zu haben, nahm nur eine beschr√§nkte Zahl auf und duldete sie an manchen Orten gar nicht. Die Z√ľnfte und viele Handelszweige blieben ihnen immer noch verschlossen, die l√§stigsten und entehrendsten Gesetze behielten Rechtskraft, und die mannigfachsten Abgaben (√ľber 60 verschiedene Steuern) wurden von ihnen erhoben. Trotz des von Karl V. ihnen gew√§hrten Reichsschutzes wurden sie 1551 aus Bayern, 1555 aus der Pfalz, 1573 aus der Mark, 1670 aus den √∂sterreichischen Erblanden vertrieben. Die √∂sterreichischen J. wurden in der Mark von Friedrich Wilhelm II. 1671 aufgenommen. Unduldsame Judenordnungen finden sich noch bis in die Mitte des 18. Jahrh. Der Anfang der geistigen und politischen Befreiung der J. f√§llt in das letzte Viertel des 18. Jahrh., wo Moses Mendelssohn (s. d.) mit gleichgesinnten Freunden, wie Dohm und Lessing, unerm√ľdlich f√ľr ihre Besserstellung gearbeitet und Emanzipationsbem√ľhungen in Deutschland, Frankreich, England und den Niederlanden angeregt hat. Die Zeitverh√§ltnisse waren diesen Bem√ľhungen g√ľnstig. Nach dem Vorgange der Vereinigten Staaten von Nordamerika proklamierte die franz√∂sische Nationalversammlung, in der Mirabeau f√ľr die J. sprach, 28. Sept. 1791 ihre Gleichberechtigung. Napoleon hat durch die Einberufung einer Notabelnversammlung unter dem Vorsitz Furtados (1806) und die Bildung eines aus 71 Personen bestehenden Synedrions, dem David Sinzheim pr√§sidierte, ihre Verh√§ltnisse geregelt und ihnen eine jetzt noch g√ľltige Konsistorialverfassung gegeben. Ist ihr B√ľrgerrecht auch vor√ľbergehend beschr√§nkt (1808), so ist es doch w√§hrend der Revolutionszeiten (1830 und 1848) nicht geschm√§lert, sondern erweitert worden. Gleiche Fortschritte machte die Emanzipation der J. in Belgien und Holland nach der Vereinigung mit Frankreich, wo ihre vollst√§ndige Gleichstellung aber erst durch das Grundgesetz von 1814 ausgesprochen wurde. In demselben Jahre wurden sie in D√§nemark emanzipiert.

Die russische Regierung gew√§hrte den J. (1805 bis 1809) gewerbliche Freiheiten, erlaubte ihnen den Besuch h√∂herer Lehranstalten, f√∂rderte die Errichtung j√ľdischer Schulen und gestattete die Anlegung von Kolonien bei Nikolajew, wo J., wie in Kaukasien und Grusien, Ackerbau treiben. Die harten Ma√üregeln gegen polnische Untertanen j√ľdischen Glaubens sind wohl mehr aus politischen als aus glaubensfeindlichen Gr√ľnden zu erkl√§ren; letztern verdankten freilich die Petersburger J. ihre harte Behandlung, die in Kiew ihre Vertreibung (1843). Alexander II. war bem√ľht, die Lage seiner j√ľdischen Untertanen zu verbessern. Kurze Zeit nach seinem Tode (13. M√§rz 1881) brachen im S√ľden Ru√ülands Judenverfolgungen aus, die Hunderttausenden von j√ľdischen Handwerkern und Ackerbauern Armut und Exil brachten. Die seit Mai 1882 inszenierten grausamen Beschr√§nkungen der Freiz√ľgigkeit, des Ackerbaubetriebes und des Studiums, die dadurch verh√§ngten Ausweisungen mit dem ihnen folgenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ruin zwangen die am h√§rtesten Betroffenen, auszuwandern und mit Unterst√ľtzung ihrer Glaubensbr√ľder sich eine neue Heimat zu gr√ľnden. Sie wanderten nach Pal√§stina, England, Amerika, Australien und nach Argentinien aus, wo Baron Moritz v. Hirsch (s. Hirsch 8) in hochherziger Weise Kolonien f√ľr sie gr√ľndete. Wie in Ru√üland, wo 1903 noch furchtbare Judenmassaker in Kischinew und Homel stattfanden, so stehen in Rum√§nien, das die Forderungen des Berliner Vertrags von 1878, Gleichstellung aller Untertanen, ignoriert, die J. noch unter schweren Ausnahmegesetzen. Sie haben sich massenweise dem Druck durch Auswanderung entzogen. In √Ėsterreich sind die Grunds√§tze des Toleranzedikts Kaiser Josephs II. von 1782, welche die Hebung des gedr√ľckten Volkes bezweckten, es f√ľr Landwirtschaft und Gewerbe, besonders aber f√ľr deutsches Leben und deutsche Sitten gewinnen sollten, in der Folge nur langsam zur Geltung gekommen. Heute sind die J. des √∂sterreichischen Kaiserreichs gleichberechtigt mit den √ľbrigen Staatsb√ľrgern. Deutschland wurde durch die franz√∂sische Revolution zur Judenemanzipation gedr√§ngt. Nachdem diese bereits 1808 in den von Frankreich behaupteten deutschen Gebietsteilen erfolgt war, ward sie auch in Hessen (1808), Frankfurt (1811), in Baden (1808 und 1811), Mecklenburg (1813) und Preu√üen durch das Edikt vom 11. M√§rz 1812 durchgef√ľhrt. Die J. haben in den Befreiungskriegen durch Opferfreudigkeit und Heldenmut sich als f√§hig und w√ľrdig erwiesen, deutsche Staatsb√ľrger zu sein; aber nach dem Siege suchte man ihre Gleichberechtigung wieder zu k√ľrzen. Denn trotz des Art. 16 der deutschen Bundesakte, der bestimmte, da√ü die Lage der Bekenner des j√ľdischen Glaubens in Deutschland √ľbereinstimmend zu regeln sei, fand eine solche Regelung in den einzelnen L√§ndern nur langsam statt. W√§hrend manche Regierungen (Hessen, Mecklenburg, Preu√üen) die J. von neuem beschr√§nkten, nahmen ihnen andre (Hannover, Frankfurt, Hamburg) das B√ľrgerrecht wieder. W√ľrttemberg emanzipierte sie 1828, Kurhessen 1833. Der Hauptvork√§mpfer f√ľr die Emanzipation seiner Glaubensgenossen war Gabriel Rie√üer (s. d.). Die deutschen Grundrechte von 1848 bestimmten, da√ü der Genu√ü der b√ľrgerlichen oder staatsb√ľrgerlichen Rechte nicht durch das religi√∂se Bekenntnis bedingt oder beschr√§nkt sein solle, ein Prinzip, das durch das nunmehrige Reichsgesetz vom 3. Juli 1869, betreffend die Gleichberechtigung der Konfessionen in b√ľrgerlicher und staatsb√ľrgerlicher Beziehung, f√ľr Deutschland zur allgemeinen Geltung gelangt ist. Diese Gleichberechtigung sucht eine seit 1874 nach und nach angewachsene antij√ľdische Str√∂mung, die sich auch au√üerdeutschen L√§ndern mitgeteilt hat, der sogen. Antisemitismus, aufzuheben (s. Antisemiten). Er hat die P√∂belaufst√§nde in den √∂stlichen und s√ľd√∂stlichen Gouvernements Ru√ülands (1881, 1903), die durch den Blutaberglauben entstandene Judenhetze in Ungarn (1883), die judenfeindlichen Bewegungen in Frankreich (Dreyfus-Proze√ü), Algier, Rum√§nien und anderswo gezeitigt. Alle zivilisierten Staaten Europas, mit Ausnahme Ru√ülands und Rum√§niens, und Amerikas haben ihre j√ľdischen Untertanen den √ľbrigen Staatsb√ľrgern gleichgestellt, nur in den despotisch regierten L√§ndern Asiens und Afrikas befinden sich die J. noch meist in unfreier Lage, so da√ü Bedr√ľckungen und Exzesse des P√∂bels gegen sie auch in der Neuzeit zu verzeichnen sind.

Mit der Hebung der √§u√üern entwickelten sich auch die innern Verh√§ltnisse der J., das Gemeindeleben, das Schulwesen und die j√ľdische Wissenschaft (s. J√ľdische Literatur, S. 350). Zu erw√§hnen sind die von dem Pr√§sidenten des westf√§lischen j√ľdischen Konsistoriums in Kassel, Israel Jacobson (s. d. 1), gegr√ľndete Jacobsonschule in Seesen, die Franzschule in Dessau, das Philanthropin in Frankfurt a. M., die Freischule in Berlin, die Samsonschule in Wolfenb√ľttel, die Wilhelmschule in Breslau u. a., von denen die in Seesen, Wolfenb√ľttel und Frankfurt, zu Realschulen umgewandelt, noch heute bl√ľhen. F√ľr die Ausbildung von Lehrern sind Seminare (M√ľnster, Kassel, Hannover, Berlin, W√ľrzburg und K√∂ln), f√ľr die von Rabbinern Hochschulen (s. Judentum, S. 343) t√§tig. Bedr√ľckter Glaubensgenossen und der Auswanderer nehmen sich humane Vereine an, wie die Alliance Isra√©lite (s. d.) in Paris, die Anglo-Jewish-Association, die Jewish-Colonization-Association (s. d.) in London, die Israelitische Alliance in Wien und der ¬ĽHilfsverein der deutschen Juden¬ę (s. d.). Die Wahrung der staatsb√ľrgerlichen Rechte erstrebt der ¬ĽZentralverein deutscher Staatsb√ľrger j√ľdischen Glaubens¬ę (s. d.), und die gemeinsamen Interessen der deutschen Judenheit, namentlich deren Erziehungs- und Wohlt√§tigkeitsbestrebungen, sucht der Deutsch israelitische Gemeindebund (s. d.) zu f√∂rdern, w√§hrend die Partei der Zionisten (s. Zionismus) der Judennot in Ru√üland, Galizien, Rum√§nien und anderswo durch Schaffung einer rechtlich gesicherten Heimst√§tte f√ľr die Verfolgten Herr zu werden versucht. Vgl. Judentum.

[Literatur.] Die Geschichte des Volkes Israel ist au√üer in den allgemeinen Geschichtswerken von Max Duncker, L. v. Ranke, Maspero, Ed. Meyer, G. Weber, Helmolt u. a. wissenschaftlich behandelt in: H. Ewald, Geschichte des Volkes Israel (bis Bar-Kochba, 3. Aufl., G√∂tting. 1864‚Äď68, 7 Bde.); B. Stade, Geschichte des Volkes Israel (Bd. 1 in 2. Aufl., Berl. 1885; Bd. 2, von der griechischen Zeit an, von O. Holtzmann, 1888); E. R√©nan, Histoire du peuple d'Isra√ęl (Par. 1887‚Äď94, 5 Bde.; deutsch von Sch√§lsky, Berl. 1894, 5 Bde.); Wellhausen, Prolegomena zur Geschichte Israels (5. Ausg., Berl. 1899) und Israelitische und j√ľdische Geschichte (5. Ausg., das. 1904); Winckler, V√∂lker und Staaten des alten Orients, Bd. 2: Geschichte Israels in Einzeldarstellungen (Leipz. 1895‚Äď1900,1. u. 2. Teil); ferner von Klostermann (M√ľnch. 1896), W. Schulze (Berl. 1897), Buhl (¬ĽDie sozialen Verh√§ltnisse der Israeliten¬ę, das. 1899), Guthe (2. Aufl., T√ľbing. 1904), Cornill (Chicago 1898), Budde (¬ĽDie Religion des Volkes Israel bis zur Verbannung¬ę, Gie√ü. 1900), Schall (¬ĽDie Staatsverfassung der J.¬ę, Leipz. 1896) u. a. F√ľr die nachbiblische j√ľdische Geschichte vgl. die Werke von Zunz, Jost, Herzfeld, Steinschneider, Gr√§tz und G√ľdemann, sowie S. Cassels Artikel ¬ĽJ.¬ę in Ersch und Grubers ¬ĽEnzyklop√§die¬ę, 2. Sektion, Bd. 27.

Vgl. au√üerdem f√ľr die allgemeine Geschichte: D. Cassel, Lehrbuch der j√ľdischen Geschichte und Literatur (Leipz. 1879); B√§ck, Geschichte des j√ľdischen Volkes und seiner Literatur (2. Aufl., Frankf. 1894); Braun, Geschichte der J. und ihrer Literatur (2. Aufl., Bresl. 1896‚Äď99, 2 Bde.); Neubauer, Mediaeval Jewish Chronicles (Bd. 1 u. 2, Oxf. 1887‚Äď1896); Depping, Les juifs dans le moyen-√Ęge (2. Aufl., Par. 1844; deutsch, Stuttg. 1834); Abrahams, Jewish Life in the middle ages (Lond. 1896); ¬ĽThe Jewish Encyclopedia¬ę (New York 1901 ff.); f√ľr die Zeit von 175 v. Chr. bis 135 n. Chr.: Sch√ľrer, Geschichte des j√ľdischen Volkes im Zeitalter Jesu Christi (4. Aufl., Leipz. 1901 ff.); f√ľr Rom und Italien: Berliner, Geschichte der J. in Rom (Frankf. 1893, 2 Bde.); Vogelst ein und Rieger, Geschichte der J. in Rom (Berl. 1895‚Äď96, 2 Bde.); f√ľr die Geschichte der J. in den mohammedanischen L√§ndern: A Geiger, Was hat Mohammed aus dem Judentum aufgenommen? (2. Aufl., Leipz. 1902); Hirschfeld, Beitr√§ge zur Erkl√§rung des Koran (das. 1886); f√ľr Deutschland und √Ėsterreich: Stobbe, Die J. in Deutschland w√§hrend des Mittelalters (Braunschw. 1866); Aronius, Regesten zur Geschichte der J. im Fr√§nkischen und Deutschen Reich, bis 1273 (Berl. 1887‚Äď92).

Quellen zur Geschichte der J. in Deutschland: H√∂niger, Das Judenschreinsbuch der Laurenzpfarre in K√∂ln (Berl. 1888); Neubauer u. Stern, Hebr√§ische Berichte √ľber die Judenverfolgungen w√§hrend der Kreuzz√ľge (deutsch von B√§r, das. 1892); Salfeld, Das Martyrologium des N√ľrnberger Memorbuches (das. 1898); Zeitschrift f√ľr die Geschichte der J. in Deutschland (hrsg. von L. Geiger, Braunschweig 1887‚Äď92, 5 Bde.); M. Stern, Quellenkunde zur Geschichte der deutschen J. (Kiel 1892, Bd. 1: Die Zeitschriftenliteratur); Klaus, Die J. im deutschen Mittelalter (in den ¬ĽDeutschen Geschichtsbl√§ttern¬ę, Bd. 2, S. 241 ff., Gotha 1901); Kohut, Geschichte der deutschen J. (Berl. 1899); Wertheimer, Die J. in √Ėsterreich (Leipz. 1842); Scherer, Die Rechtsverh√§ltnisse der J. in den deutsch-√∂sterreichischen L√§ndern (das. 1901); Liebe, Das Judentum in der deutschen Vergangenheit (das. 1903); f√ľr die Schweiz: Ulrich, Sammlung j√ľdischer Geschichten (Z√ľr. 1770); Augusta Steinberg, Studien zur Geschichte der J. in der Schweiz (das. 1903); f√ľr Spanien: Kayserling, Geschichte der J. in Spanien und Portugal (Berl. 1861‚Äď67, 2 Bde.); Bloch, Die J. in Spanien (Leipz. 1875); f√ľr England: Goldschmidt, Geschichte der J. in England (1. Teil: 11. und 12. Jahrh., das. 1886); Schaible, Die J. in England (Karlsr. 1890); f√ľr Frankreich: Gro√ü, ¬ĽGallia judaica. Dictionnaire g√©ographique de la France¬ę (Par. 1897) und Kahn, Histoire de la communaut√© isra√©lite de Paris (das. 1885‚Äď88, 5 Bde.); f√ľr Polen: Wettstein, Quellenschriften zur Geschichte der J. in Polen (Krakau 1892); f√ľr Amerika: ¬ĽPublications of the American Jewish Historical Society¬ę (New York 1893 ff.) etc. Au√üerdem finden sich Beitr√§ge zur j√ľdischen Geschichte in der ¬ĽMonatsschrift f√ľr Geschichte und Wissenschaft des Judentums¬ę (1851 begr√ľndet von Frankel, Bresl., jetzt Organ der Gesellschaft zur F√∂rderung der Wissenschaft des Judentums); in Berliners ¬ĽMagazin f√ľr die Wissenschaft des Judentums¬ę (Berl., seit 1874); in der ¬ĽRevue des √©tudes juives¬ę (Par. 1880 ff.); ¬ĽJewish Quarterly Review¬ę in London, den ¬ĽPublications of the Anglo-Jewish historical Exhibition¬ę (das.). Einen ¬ĽJahresr√ľckblick¬ę √ľber die politische und soziale Lage der J. in der Gegenwart gibt M. Philippson im ¬ĽJahrbuch f√ľr j√ľdische Geschichte und Literatur¬ę (Berl. 1898 f.). Vgl. auch die oben (S. 330) angegebene anthropologische und statistische Literatur.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905‚Äď1909.

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