Königsmark

Königsmark (Königsmarck), 1) Hans Christoph, Graf von, schwed. Feldherr, geb. 7. März 1600 in Kötzlin (Altmark) als Sproß eines alten brandenburgischen Adelsgeschlechts, gest. 2. März 1663 in Stockholm, anfangs Page am Hofe Herzog Friedrich Ulrichs von Braunschweig, später Offizier im kaiserlichen Heer, trat 1630 in schwedische Dienste. Seit 1636 Oberst, durchstreifte er von Westfalen aus mehrmals in wilden Raubzügen halb Deutschland, focht 1640–41 unter J. Banér, zeichnete sich unter Torstensson 1642 bei Schweidnitz und Leipzig aus, hauste 1643 in Mitteldeutschland und vertrieb die Kaiserlichen aus Pommern, ward 1645 Generalgouverneur der von ihm eroberten Herzogtümer Bremen und Verden und zwang den sächsischen Kurfürsten zum Waffenstillstand. Seit 1646 Kavalleriegeneral, operierte er längere Zeit auf eigne Hand in Nordwestdeutschland, entschied, seit Ende 1647 mit K. G. Wrangel vereinigt, den Sieg bei Zusmarshausen (17. Mai 1648) und eroberte 26. Juli die Kleinseite von Prag, wo er ungeheure Beute machte. 1651 in den Grafenstand erhoben und seit 1655 Feldmarschall, begab er sich 1656 auf den Kriegsschauplatz nach Preußen, wo er jedoch in die Hände der Polen fiel, die ihn bis 1660 in Weichselmünde gefangen hielten. Seine Biographie schrieb K. G. Nordin (Stockh. 1813). Vgl. Cramer, Denkwürdigkeiten der Gräfin Maria Aurora K. und der Königsmarkschen Familie (Leipz. 1836, 2 Bde.).

2) Otto Wilhelm, Graf von, schwed. Feldherr, Sohn des vorigen, geb. 15. Jan. 1639 in Minden, gest. 25. Sept. 1688 in Methoni (Griechenland) an der Pest, erwarb sich durch Studien an deutschen Universitäten und weite Reisen eine gründliche Bildung. Seit 1661 mit mehreren diplomatischen Sendungen nach England, Deutschland und Frankreich betraut, seit 1668 auch in französischen Kriegsdiensten, wo er sich besonders bei Seneffe (1674) auszeichnete, ward er 1675, nach der Schlacht bei Fehrbellin, Feldmarschall und K. G. Wrangels Nachfolger, mußte aber, nach rühmlicher Verteidigung Pommerns gegen die verbündeten Brandenburger und Dänen, 25. Okt. 1678 in Stralsund kapitulieren. Seit 1679 Generalgouverneur von Pommern, ging er, da die »Reduktion« Karls XI. ihn des größten Teils seiner Güter beraubte, 1685 nach Ungarn und ward 1686 Oberbefehlshaber der Republik Venedig im Kriege gegen die Türken, die er bei Navarino, Nauplia und Athen besiegte. In Venedig ist ihm ein Denkmal mit der Inschrift: »Semper victori« errichtet. Seine Biographie schrieb E. G. Geijer (Stockh. 1847).

3) Philipp Christoph, Graf von, schwed. Edelmann, Neffe des vorigen, geb. 14. März 1665 in Stade, ging früh auf Reisen, ward in Italien mit dem damaligen sächsischen Kurprinzen August bekannt, lebte hierauf als sächsischer Oberst einige Zeit in Dresden, focht 1685–86 unter N. Bjelke in Ungarn gegen die Türken und trat später, schon seit 1682 vorübergehend am Hofe zu Hannover lebend, als Oberst in die Dienste des dortigen Kurfürsten. Hier eines Liebesverhältnisses mit Sophie Dorothea (s. Sophie 2), Gattin des Kurprinzen Georg (spätern englischen Königs Georg I.), bezichtigt, verschwand er 1. Juli 1694 auf geheimnisvolle Weise. Wahrscheinlich endete er durch Meuchelmord. Der »Briefwechsel des Grafen K. und der Prinzessin Sophia Dorothea von Celle« (hrsg. von Palmblad, Leipz. 1847) soll vom hannoverschen Hof gefälscht worden sein, um der Familie K. gegenüber als Beweismittel der Schuld dienen zu können. Vgl. Havemann, Geschichte der Lande Braunschweig und Lüneburg, Bd. 3 (2. Aufl., Götting. 1857); Wilkens, The love of an uncrowned queen, Sophie Dorothea, consort of Georg I., and her correspondence with Philip Christopher count K. (2. Aufl., Lond. 1900, 2 Tle.; schwed., Stockh. 1903); Fr. Bülau in »Geheime Geschichten und rätselhafte Menschen«, Bd. 12 (Sonderdruck in Reclams Universal-Bibliothek, 1901).

4) Marie Aurora, Gräfin von, bekannt als Geliebte Augusts II. (des Starken) von Sachsen, Schwester des vorigen, geb. 8. Mai 1662 in Stade, gest. 16. Febr. 1728, besuchte seit ihrem 15. Jahr in Begleitung ihrer Mutter die Höfe Deutschlands und Schwedens, lebte nach dem Tode der Mutter (1691) in Hamburg bei ihrer ältern Schwester, der Gemahlin des Grafen Lewenhaupt, und kam 1694 nach Dresden, um durch die Verwendung des Kurfürsten die Rettung ihres verschwundenen Bruders oder Gewißheit über seinen Tod und den Besitz seiner Erbschaft zu erlangen. Ihre Schönheit gewann den Kurfürsten, sie ward seine Geliebte und von ihm 28. Okt. 1696 in Goslar Mutter des nachmals berühmten Marschalls Moritz, Grafen zu Sachsen (s. Moritz 4). Bald erkaltete Augusts Zuneigung, und Aurora zog sich in die Abtei Quedlinburg zurück, wo sie 1698 abteiliche Koadjutorin und 1701 Pröpstin wurde, lebte aber abwechselnd in Berlin, Dresden und Hamburg. 1702 in diplomatischer Mission in das schwedische Lager von Narwa zu Karl XII. geschickt, machte sie keinen Eindruck auf ihn und kehrte nach dem Altranstädter Frieden in ihr Kloster zurück (in der »Svensk Histor. Tidskrift« von 1898 erklärte Graf A. Lewenhaupt das Zusammentreffen Auroras mit Karl XII. für eine Legende). Sie besaß eine vielseitige Bildung, namentlich seltene Sprachkenntnisse, war Virtuosin auf der Laute und Viola da Gamba und hinterließ mehrere kleine Opernmotive, ein paar Liebeslieder und einige Kantaten. Vgl. Cramer, Denkwürdigkeiten der Gräfin K. (s. oben: K. 1) und Biographische Nachrichten von der Gräfin Maria Aurora K. (Quedlinb. 1833); Corvin-Wiersbitzky, Maria Aurora, Gräfin von K. (3. Aufl., Rudolst. 1902); Palmblad, Aurora K. und ihre Verwandten (Leipz. 1848 bis 1853; unzuverlässig).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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