Kalk [1]

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Kalk [1]

Kalk, im gew√∂hnlichen Sinne soviel wie kohlensaurer K., der in den gr√∂√üten Mengen als Kalkstein, Marmor, Kreide, Kalkspat etc. vorkommt; dann soviel wie gebrannter K. (Calciumoxyd) oder gel√∂schter K. (√Ątzkalk, Calciumhydroxyd). Der gebrannte K. wird im gro√üen zur Bereitung von M√∂rtel dargestellt. Dies geschieht durch sehr starkes Erhitzen (Kalkbrennen) des kohlensauren Kalkes unter Verh√§ltnissen, die das Entweichen der von dem K. sich trennenden Kohlens√§ure gestatten. Man verarbeitet in Steinbr√ľchen gewonnenen Steinkalk, als Geschiebe oder Ger√∂lle gesammelten Lesekalk, erdigen Mergelkalk, der vor dem Brennen meist eingesumpft und in Formen gestrichen werden mu√ü, und am Meeresstrand gesammelte Muschelschalen (Muschelkalk). Bei Rotglut verliert der kohlensaure K. Wasser, und es beginnt das Entweichen von Kohlens√§ure, die indes erst bei Wei√üglut vollst√§ndig ausgetrieben wird. Reiner K. ver√§ndert sich dabei nicht weiter; h√§ufig aber enth√§lt der kohlensaure K. Ton (kieselsaure Tonerde) und Kiesels√§ure, und dann entstehen bei hoher Temperatur sinternde Tonerdekalksilikate, die bewirken, da√ü der gebrannte K. sich beim √úbergie√üen mit Wasser schwer oder nicht mehr l√∂scht (totgebrannter K.).

Fig. 1. Durchschnitt.
Fig. 1. Durchschnitt.
Fig. 2. Grundriß.
Fig. 2. Grundriß.
Fig. 3. Beschickung. Fig. 1‚Äď3. Kalkofen f√ľr periodischen Betrieb.
Fig. 3. Beschickung. Fig. 1‚Äď3. Kalkofen f√ľr periodischen Betrieb.

Um dies zu vermeiden, ist die Temperatur sorgf√§ltig zu regeln; aber auch dann bleibt unreiner K. minderwertig, weil die Beimengungen nicht jene Eigenschaften besitzen, wegen der man den K. anwendet. Zu v√∂lliger Austreibung der Kohlens√§ure bei schnellem Erhitzen ist eine Temperatur von 925¬į erforderlich. Das Entweichen der Kohlens√§ure wird durch Wasserdampf oder durch einen Gasstrom, der die Kohlens√§ure fortf√ľhrt, unterst√ľtzt. 100 kg kohlensaurer K. lassen sich theoretisch durch 5,26 kg Steinkohle zersetzen, in der Praxis aber braucht man unter den g√ľnstigsten Bedingungen (im Ringofen) 11‚Äď11,5 kg. Man brennt den K. bisweilen noch in Meilern, in denen man den Kalkstein mit Stein- oder Braunkohle schichtet, in meiler√§hnlichen Feld√∂fen oder Gruben, bei gr√∂√üerm Betrieb aber in Kalk√∂fen. Am h√§ufigsten werden stehende Kalk√∂fen angewendet, die man zweckm√§√üig an oder in einem Bergabhang neben dem Kalkbruch anlegt und 1,25‚Äď15 m hoch und zwar zylindrisch, viereckig, konisch, elliptisch etc. baut. Man unterscheidet auch Flaschen√∂sen mit Verj√ľngung nach oben und Trichter- oder Kessel√∂fen mit Erweiterung nach oben, im letztern Fall zweckm√§√üig von der Gestalt eines halben Eies. Beide Ofenarten werden auch Schneller- oder Fix√∂fen genannt. Nach dem Betrieb unterscheidet man Ofen mit periodischem oder kontinuierlichem Gang, je nachdem man den Ofen nach dem Ausziehen des garen Kalkes abk√ľhlen l√§√üt und dann wieder f√ľllt oder rohen Kalkstein ununterbrochen in dem Ma√ü oben ausgibt, wie garer unten ausgezogen wird. Einen Ofen f√ľr periodischen Betrieb zeigen Fig. 1‚Äď3. Zum Brennen dient der untere, oben √ľberw√∂lbte Raum von 4 m H√∂he. Er besitzt vier Sch√ľrl√∂cher e e e e mit Rosten f√ľr das Brennmaterial (Braun- oder Steinkohle). Der K. wird durch die √Ėffnung b eingetragen, die man nach der F√ľllung des Ofens vermauert. Durch d wird der gebrannte K. ausgetragen, a ist der Zugang zu dem Raum √ľber dem Gew√∂lbe. Man beobachtet von dort das Austreten der Flamme aus den Gew√∂lbe√∂ffnungen, um nach Erfordernis einzelne derselben durch ausgelegte Steine zu verschlie√üen und die Glut in andre Teile des Ofens zu lenken. Fig. 2 und 3 zeigen, wie der Ofen eingesetzt wird. Bei jeder Feuerung baut man ein zur bessern Verteilung der Flamme dienendes Gew√∂lbe, und in der Mitte wird ein St√ľck Holz angebracht, durch dessen Verbrennung ein zentraler Schacht zur Leitung der Flamme entsteht. Man feuert in den ersten sechs Stunden schwach und gibt dann allm√§hlich st√§rkeres Feuer, bis die gelbe Kalkflamme aus den Gew√∂lbe√∂ffnungen hervorschl√§gt und eine klare Glut im Ofen sichtbar ist.

Kontinuierlich brennende Kalk√∂fen sind meist Schacht√∂fen wie der Steinbr√ľcksche und der sehr beliebte R√ľdersdorfer (Fig. 4 und 5). Er besteht aus dem Schacht, der durch die Futtermauer d und das von dieser durch einen mit Asche und Schutt gef√ľllten Zwischenraum getrennte Rauhgem√§uer e gebildet wird, und besitzt au√üerdem eine Umh√ľllungsmauer c, so da√ü zwischen dieser und dem Rauhgem√§uer ein Raum bleibt, der durch Gew√∂lbe in Zellen geteilt ist. Letztere benutzt man zur Aufbewahrung von Material. W√§hrend des Ganges des Ofens ist der untere Teil des Schachtes mit gar gebranntem K. gef√ľllt, der durch die vier Zug√∂ffnungen a an der Schachtsohle von Zeit zu Zeit gezogen wird. Der Schacht hat eine H√∂he von etwa 14 m. Ungef√§hr 4 m √ľber der Sohle befinden sich die Feuerungen b f√ľr Torf und Holz, die zu drei oder f√ľnf um den Ofen herum angebracht und mit Rost u. Aschenfall versehen sind.

Fig. 4. Durchschnitt.
Fig. 4. Durchschnitt.
Fig. 5. Grundri√ü. Fig. 4 u. 5. √ľdersdorfer Kalkofen.
Fig. 5. Grundri√ü. Fig. 4 u. 5. √ľdersdorfer Kalkofen.

Um die Arbeiter vor der von dem gezogenen K. ausstr√∂menden Hitze zu sch√ľtzen, ist ein Kanal angebracht, durch den die Hitze in die Gew√∂lbe gelangt. Der einmal angeheizte Ofen wird so lange im Gang erhalten, bis Reparaturen erforderlich werden. Man verbraucht in diesem Ofen auf 1 Volumen gebrannten K. 1,4 Vol. hartes oder 2‚Äď2,25 Vol. weiches Holz oder 1,5‚Äď2 Vol. Torf. Mit 1 Vol. Braunkohle erh√§lt man 1‚Äď1,5. mit 1 Vol. Steinkohle bis 3,5 Vol. gebrannten K. Von andern kontinuierlichen Kalk√∂fen ist besonders noch der Dietzsche Etagenofen zu nennen, der eine erhebliche Brennmaterialersparnis gew√§hrt. Hochtonige Kalke fordern in diesem Ofen 13‚Äď15 Proz., Kalke mit 98 oder 99 Proz. kohlensauren K. 22‚Äď23 Proz. Steinkohle. Gegen√ľber andern Schacht√∂fen ist dies eine Ersparnis der H√§lfte bis zu zwei Dritteln des Brennstoffes. Sehr vorteilhaft ist die Benutzung des Ringofens, namentlich zur Herstellung gro√üer Quantit√§ten. Nur mu√ü die fertig gebrannte Ware durch Schieber abgesperrt und nicht zum Vorw√§rmen der Luft benutzt werden, weil der K. aus letzterer Kohlens√§ure aufnehmen w√ľrde. Ringofenkalk ist leichter und ergiebiger als der in gew√∂hnlichen Schacht√∂fen gebrannte K., jener erlaubt 100, dieser 90 Scheffel auf einen Waggon zu verladen, jener gibt auf eine Tonne 24‚Äď25 Kubikfu√ü gel√∂schten K., dieser nur 17 bis 18. Ringofenkalk h√§lt somit die Konkurrenz auf ganz erheblich gr√∂√üere Entfernungen aus als der im Schachtofen gebrannte K. Die Tagesproduktion im Ringofen ist etwa zehnmal so gro√ü wie im R√ľdersdorfer Ofen. Wo die Anlagekosten auch des kleinsten Ringofens zu hoch erscheinen, empfiehlt Hotop den Partialofen, der den √úbergang von den periodischen Ofen zu dem Ringofen bildet und aus dem Bestreben entstanden ist, den letzten gewisserma√üen ratenweise anzulegen. Je l√§nger der Brennkanal dieses Ofens ist, desto mehr n√§hert sich der Betrieb demjenigen des Ringofens, und desto geringer ist der Kohlenverbrauch. Auch die Anlagekosten dieses Systems sind im Verh√§ltnis zur Leistung erheblich billiger als die irgend eines periodischen Ofens.

Auch Schacht√∂fen mit Gasfeuerung in verschiedenen Ausf√ľhrungen werden zum Kalkbrennen benutzt. Sie wurden anfangs haupts√§chlich in der Zucker- und Ammoniaksodafabrikation angewendet, wo man die aus dem K. ausgetriebene Kohlens√§ure mit den Verbrennungsgasen unter der verschlossenen Gicht ableitet, um sie in dem Fabrikbetrieb zu benutzen. Der Gaskalkofen gleicht in der innern Form etwa einem R√ľdersdorfer Ofen, nur sind an Stelle der Feuerungen Gasd√ľsen angebracht, die mit einem nahe am Ofenschacht herumgehenden Gaszuf√ľhrungskanal verbunden werden. Die Verbrennungsluft tritt durch die noch gl√ľhenden Steine unterhalb der D√ľsen durch die im Boden befindlichen, mit Fallt√ľren versehenen schr√§gen Ausziehkan√§le ein. An zwei Seiten des Ofens befinden sich Gasgeneratoren, aus denen das Gas zun√§chst in Teersammler (zur Abscheidung der Teerd√§mpfe durch Abk√ľhlung), dann in den erw√§hnten Gaszuf√ľhrungskanal tritt. Siemens hat in den Regenerativ-Zwillingsschacht√∂fen das System der Gasfeuerung zu hoher Vollkommenheit entwickelt. Die Gasfeuerung gestattet die Benutzung jeglichen Brennmaterials, vermeidet die l√§stige Rauchbildung bei Beginn des Brandes, gew√§hrt bedeutende Ersparnis an Brennmaterial, erh√∂ht die Leistungsf√§higkeit und liefert ein sehr reines Produkt. Bisweilen werden auch die Gichtgase aus Hoch√∂fen oder die W√§rme aus Koks√∂fen zum Kalkbrennen benutzt.

Kohlensaurer K. verliert beim Brennen an Gewicht 44 Proz., an Volumen aber nur 10‚Äď15 Proz., mithin ist der gebrannte K. por√∂s und leichter (spez. Gew. 2,3); reines Calciumoxyd CaO ist wei√ü, unschmelzbar; der gew√∂hnliche gebrannte K. ist durch Eisenoxyd meist gelblich und durch Verunreinigungen, namentlich mit Silikaten, schmelzbar. Er saugt begierig Wasser auf, erhitzt sich dabei (bis 150¬į) und zerf√§llt unter starker Volumvergr√∂√üerung und Entwickelung eines laugenartigen Geruchs (er ¬Ľl√∂scht sich¬ę) zu gel√∂schtem K. (Kalkhydrat, Calciumhydrat, Calciumoxydhydrat, Calciumhydroxyd Ca O2H2). 100 Teile K. erfordern etwa 32 Teile Wasser zur Bildung von Hydrat. Trockner K. absorbiert keine Kohlens√§ure, aber an der freien Luft absorbiert er allm√§hlich Feuchtigkeit und zerf√§llt zu pulverigem Kalkhydrat, das begierig Kohlens√§ure aufnimmt und sich in kohlensauren K. verwandelt. Beim L√∂schen mu√ü man den K. mit mehr Wasser √ľbergie√üen, als er zur Bindung bedarf (2,5‚Äď3 Teile), weil er nur in diesem Fall einen volumin√∂sen, zarten Kalkbrei liefert. Dieser f√ľhlt sich fett, schl√ľpfrig und z√§h an, wenn aber der K. magnesia- und tonreich war, kurz, wenig geschmeidig, mager. Danach unterscheidet man fetten und magern K. Reiner K. gibt mit 2,5 Teilen oder 3,2‚Äď3,6 Volumen Wasser das 2,51ache Gewicht oder das 3,2‚Äď3,6fache Volumen Kalkbrei (so weit abgetrocknet, da√ü er Risse bekommt), magerer K. aber mit 2‚Äď2,5 Volumen Wasser nur das zweifache Volumen Brei. Man sagt daher, fetter K. w√§chst oder gedeiht besser als magerer. 10 Proz. Magnesia machen den K. schon deutlich mager, bei einem Gehalt von 25‚Äď30 Proz. Magnesia ist der K. unbrauchbar. L√§√üt man den K. mit wenig Wasser zu Pulver zerfallen, so erh√§lt man mit diesem nicht mehr einen fetten Brei. Zur Aufbewahrung l√∂scht man den K. und bringt den d√ľnnen Brei in eine Grube mit durchlassenden W√§nden (man ¬Ľsumpft ihn ein¬ę); er wird dann mit der Zeit noch fetter und speckiger infolge vollst√§ndigerer L√∂schung. Damit er nicht Kohlens√§ure anzieht, bedeckt man ihn mit Brettern und sch√ľttet auf diese eine Lage Sand. Man kann gebrannten K. f√ľr die M√∂rtelfabrikation jahrelang aufbewahren, wenn man ihn mit wenig Wasser zu Pulver l√∂scht, in einem Haufen acht Tage liegen l√§√üt, durch ein Sieb mit 0,5 mm weiten Maschen das Grobe absiebt, dies zerreibt, ebenfalls zu Pulver l√∂scht und das Produkt in Haufen aufsch√ľttet, die vor Regen gesch√ľtzt oder mit Kohlenasche bedeckt werden m√ľssen. Unter Kalkmilch versteht man eine rahmartige Mischung von Kalkhydrat mit Wasser; bei l√§ngerm Stehen setzt sich aus derselben das Kalkhydrat zu Boden, und √ľber demselben befindet sich dann eine klare L√∂sung von Kalkhydrat in Wasser (Kalkwasser). 100 Teile Wasser l√∂sen bei

Tabelle

Die L√∂sung schmeckt schrumpfend, reagiert alkalisch, tr√ľbt sich beim Erhitzen, √ľberzieht sich an der Luft mit einem H√§utchen von kohlensaurem K. und gibt mit Lein√∂l eine eigelbe Emulsion. √Ątzkalk ist eine starke Base, wirkt √§tzend, f√§llt die Magnesia- und die Metallsalze, zersetzt die Kohlens√§uresalze der Alkalien. bildet mit S√§uren die Kalksalze (s. d.), l√∂st sich leicht in Zuckerl√∂sung zu Zuckerkalk und bildet mit Chlor den Chlorkalk. Man benutzt gebrannten K. zu feuerfesten Tiegeln, zum Drummondschen Kalklicht, als schlackenbildenden Zuschlag beim Ausbringen von Metallen, als Zusatz zum Glassatz, bei der Verarbeitung des Kryoliths, zur Verarbeitung der Melasse, zum Austrocknen von geschlossenen R√§umen, zum Entw√§ssern von Fl√ľssigkeiten, mit denen er sich nicht chemisch verbindet, als Putzmittel, zu Kitten etc. Meist aber wird er gel√∂scht und zu M√∂rtel benutzt. Der gel√∂schte K. findet au√üerdem ausgedehnte Anwendung in der chemischen Industrie wegen seiner basischen Eigenschaften, weil er nach Ausnutzung derselben aus den Fl√ľssigkeiten durch Kohlens√§ure oder Schwefels√§ure in Form von unl√∂slichem kohlensaurem oder schwefelsaurem K. wieder ausgeschieden werden kann, w√§hrend man bei Anwendung von Alkalien statt des Kalkes immer Alkalisalze, die oft st√∂rend wirken, in L√∂sung beh√§lt. Man benutzt √Ątzkalk au√üerdem zur Bereitung von √Ątzkali, √Ątznatron, Ammoniak aus Salmiak, von Chlorkalk, chlorsaurem Kali, Bleichfl√ľssigkeit, zum F√§llen der Magnesia aus den Mutterlaugen der Salinen, zum Reinigen des Leuchtgases, zum Entschwefeln der Rohlaugen in der Sodafabrikation, zum Einkalken des Getreides vor dem S√§en, zum Reinigen der Runkelr√ľbens√§fte in der Zuckerfabrikation, in der Sodafabrikation, zum Enthaaren und Vorbereiten der H√§ute in der Gerberei, zum B√§uchen der zu bleichenden Baumwollengewebe, zum Reinigen des Kesselspeisewassers, zur Darstellung von Indigk√ľpen in der F√§rberei, zum Verseifen der Fette bei der Stearins√§urefabrikation, bei der Verarbeitung des Kryoliths, zum Neutralisieren der Schwefels√§ure bei der Traubenzuckerfabrikation, zur Herstellung von Kitten. Gebrannter K. wird auch als Desinfektionsmittel benutzt; f√ľr viele F√§lle sehr wirksam ist Kalkmilch aus 1 Teil gebranntem K. und 4 Teilen Wasser. Kalkwasser wird arzneilich zu Mund- und Gurgelw√§ssern, Inhalationen, Verbandw√§ssern, Einspritzungen etc. benutzt.

Hygienisches. Bei der Kalkbrennerei entwickeln die √Ėfen √§lterer Konstruktion gro√üe Mengen von Rauch, der die Umgegend oft auf 2‚Äď3 km bel√§stigt. Bei der Anlage von Kalkbrennereien ist daher die herrschende Windrichtung zu ber√ľcksichtigen. Die neuern Kalk√∂fen erzeugen viel weniger Rauch, aber die Arbeiter kommen leichter in die Lage, sich den der Gicht entstr√∂menden kohlenoxydreichen Gasen auszusetzen. Beim Ziehen des gebrannten Kalkes entsteht Staub, der f√ľr die Arbeiter und die Umgebung, besonders die Vegetation, sch√§dlich ist. Es ist daher f√ľr geeignete Ventilation vor den Auszieh√∂ffnungen und daf√ľr Sorge zu tragen, da√ü der mit der Asche des Brennmaterials gemischte Kalkstaub vor dem Winde gesch√ľtzt wird.

Pr√ľfung. In den meisten F√§llen gen√ľgt zur Wertbestimmung des Kalkes eine Bestimmung des Kohlens√§uregehalts; stark magnesiahaltige Kalksteine mu√ü man gewichtsanalytisch untersuchen. Guter K. soll nicht unter 82 Proz., wom√∂glich √ľber 86 Proz. Calciumoxyd enthalten. Zur Feststellung des Wertes eines D√ľngekalks bestimmt man durch Gl√ľhen Wasser+Kohlens√§ure, durch L√∂sen in Salzs√§ure etc. das Unl√∂sliche, durch F√§llen der L√∂sung mit Ammoniak Eisenoxyd und Tonerde. Die Differenz ist K. und Magnesia. Zur Pr√ľfung der Volumvermehrung, des Gedeihens, des gebrannten Kalkes beim L√∂schen mit Wasser dient das M√∂rtelvolumeter von Michaelis, eine Dose, deren Deckel, der durch Schrauben befestigt werden kann, ein graduiertes Rohr tr√§gt. Man ermittelt in diesem Apparat mit Hilfe von Ligroin das Volumen von 50 oder 100 g des gebrannten Kalkes, l√∂scht dann 50 g K. mit 200‚Äď300 g Wasser in der mit einem Uhrglas bedeckten Dose auf einem Wasserbad und erw√§rmt, bis der von Zeit zu Zeit durch Aufsetzen der Dose zusammenger√ľttelte Brei Schwindungsrisse zeigt. Dann l√§√üt man abk√ľhlen, setzt den Deckel auf und f√ľllt mittels Vollpipetten Wasser in den Apparat, bis dasselbe in der Me√ür√∂hre stehen bleibt. Durch einfaches Ablesen kann man das Volumen des gel√∂schten Kalkes ermitteln. Vgl. Heusinger v. Waldegg, Die Kalkbrennerei und Zementfabrikation (5. Aufl. von Naske, Leipz. 1903); Schmatolla, Die Brenn√∂fen f√ľr Tonwaren, Kalk, Magnesit te. (Hannov. 1903). ‚Äď √úber hydraulischen K. s. Zement; salzsaurer K., soviel wie Calciumchlorid.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905‚Äď1909.

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