Karl [1]

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Karl [1]

Karl (althochd. Charal, Karl, ¬ĽMann¬ę, latinisiert Carolus, franz. und engl. Charles, ital. Carlo, span. Carlos), m√§nnlicher Vorname, Name zahlreicher f√ľrstlicher Personen. √úbersicht nach den L√§ndern:

Tabelle

[Geschlecht der Karolinger.] 1) K. Martell, der ¬ĽHammer¬ę, geb. um 688, gest. 22. Okt. 741 in Kiersy, Sohn des Majordomus Pippin und der sch√∂nen Chalpaida, nach dem Tode seines Vaters (714) von den austrasischen Franken zum Herzog gew√§hlt, schlug die Neustrier unter ihrem K√∂nig Chilperich II. und dem Majordomus Raganfrid 716 und 717 bei Ambl√®ve und Vincy, erhob nun Chlotar IV., nach dessen fr√ľhem Tode Theuderich IV. auf den Thron und wurde, als Chilperich von Neustrien 720 starb, allm√§chtiger Majordomus des ganzen Frankenreichs. Indem er Kirchengut seinen Anh√§ngern verlieh, benutzte er die reichen Hilfsmittel der Kirche zur Erreichung seiner Zwecke, denn in Wahrheit. herrschte er, nicht der K√∂nig, obwohl man dem Merowinger noch immer k√∂nigliche Ehren erwies; als Theuderich 737 starb, setzte K. Martell keinen K√∂nig wieder ein. Nachdem er die Friesen unterworfen (722) und die Sachsen bekriegt hatte (724), besiegte er auch die Bayern (728) und Alemannen (730). Indem er die Araber, die das Westgotenreich in Spanien und das Herzogtum Aquitanien vernichtet hatten, bei Tours 732 und bei Narbonne 737 besiegte, wurde er, ihrem Vordringen f√ľr immer Halt gebieten d, der Retter der christlich-germanischen Kultur. Bei seinem Tode teilte er die Herrschaft unter seine S√∂hne Karlmann und Pippin den Kleinen. Vgl. Breysig, Die Zeit K. Martells. Jahrb√ľcher des fr√§nkischen Reiches 714‚Äď741 (Leipz. 1869).

2) K. I., der Gro√üe, K√∂nig der Franken und r√∂mischer Kaiser, geb. 2. April 742, gest. 28. Jan. 814, Enkel des vorigen, der √§lteste Sohn Pippins des Kleinen und der Berta, einer Tochter Chariberts, Grafen von Laon, wurde nach dem Tode seines Vaters (768) mit seinem Bruder Karlmann zum K√∂nig gesalbt und erhielt Austrasien und einen Teil von Aquitanien, bem√§chtigte sich aber nach seines Bruders Tode 771 mit Zustimmung der Gro√üen des ganzen Reiches, worauf Karlmanns Witwe samt ihren unm√ľndigen S√∂hnen zu dem Langobardenk√∂nig Desiderius floh. Letztern besiegte er nach einer zehnmonatigen Belagerung in Pavia, schickte ihn in ein Kloster und lie√ü sich als K√∂nig der Langobarden huldigen (im Juni 774). Die Unterwerfung und Christianisierung der noch unabh√§ngigen Sachsen hatte schon vorher begonnen; 772 drang K. in Engern ein, nahm die Eresburg (an der Stelle des heutigen Marsberg) ein und zerst√∂rte die Irminsul (s. Irmin). Die Engern versprachen Unterwerfung und Annahme des Christentums, emp√∂rten sich aber 774 und wurden zugleich mit den Ostfalen und Westfalen 775 aufs neue unterworfen. Allein sie emp√∂rten sich immer wieder, so 776 und 778 und besonders 782. Widukind, ein westf√§lischer F√ľrst, kehrte damals aus D√§nemark, wohin er geflohen war, zur√ľck, reizte die Sachsen, die gerade die feindlichen Sorben mit bekriegen sollten, auf, und ein fr√§nkisches Heer ward am S√ľntelgebirge vernichtet. K. lie√ü nun zum warnenden Beispiel 4500 Sachsen zu Verden an der Aller enthaupten. Erhoben sich die Sachsen auch zahlreicher als je, sie wurden doch 783 bei Detmold und entscheidender an der Hase geschlagen, und als sich 785 Widukind und Albion, ein andrer H√§uptling, unterwarfen und zu Attigny taufen lie√üen, war der Stamm im wesentlichen unterworfen. Zwar folgten noch manche Aufst√§nde, aber beim Herannahen Karls ergaben sich die Emp√∂rer gew√∂hnlich. Die Nordalbinger (Sachsen n√∂rdlich der Elbe) wurden erst 804 besiegt und damals 10,000 von ihnen als Geiseln f√ľr die Treue ihrer Landsleute ins innere Deutschland weggef√ľhrt. Massentaufen der Sachsen hatten wiederholt stattgefunden, und nach und nach wurden Bist√ľmer in Halberstadt, Paderborn, Minden, Verden, Bremen, M√ľnster und Osnabr√ľck gegr√ľndet, Kl√∂ster in Korvei und Herford. √úber die Grenzen Sachsens hinaus unterwarf K. 789 die Wilzen jenseit der Elbe, die Obotriten waren ihm verb√ľndet, 806 wurden die Sorben und selbst die B√∂hmen teilweise abh√§ngig. Gegen D√§nemark behauptete K. seit 808 die auch von letzterm 811 anerkannte Eidergrenze. Als K. 788 den Herzog von Bayern, Thassilo, absetzte und ins Kloster Jumi√®ges schickte, wurde er in einen Krieg mit dessen Verb√ľndeten, den r√§uberischen Avaren, verwickelt, drang 791 bis zur Raab vor, Markgraf Erich von Friaul erst√ľrmte 795 den Hauptring der Avaren an der Thei√ü, und 796 zwang sie Karls Sohn Pippin zur Unterwerfung. Schon vorher hatte K., obwohl noch mit dem Sachsenkrieg besch√§ftigt, eine Eroberung im S√ľden begonnen. 777 war eine arabische Gesandtschaft des Statthalters von Saragossa, Hussein el Abdari, auf dem Reichstag zu Paderborn erschienen und hatte K. um Hilfe gegen Abd er Rahm√Ęn, den omaijadischen Kalifen von Cordoba, gebeten. K. zog 778 √ľber die Pyren√§en, nahm Pamplona ein und eroberte Saragossa, wo er Hussein wieder einsetzte. Auf die Kunde von einem Sachsenaufstand trat er den R√ľckzug an, auf dem die Franken (wahrscheinlich im Tal von Roncesvalles) von den treulosen Basken √ľberfallen und viele get√∂tet wurden, darunter Hruodland, der Befehlshaber der britannischen Mark, das Urbild des Roland der Sage. K. verlor seine Eroberung und konnte erst nach einem gl√ľcklichen Feldzug seines Sohnes Ludwig in Spanien (799) und nach dem Fall Barcelonas 801 die spanische Mark errichten, die das Land von den Pyren√§en bis zum Ebro umfa√üte. Zum Schutz seines Reiches richtete K. auch an den andern Grenzen Marken ein: gegen die s√ľdlichen Slawen die Marken von Friaul und K√§rnten, gegen die Avaren die avarische Mark (das sp√§tere √Ėsterreich), gegen die B√∂hmen die fr√§nkische im Nordgau, gegen die Sorben die th√ľringische an der Saale, gegen die D√§nen die Mark an der Eider. In den Marken siedelte er fr√§nkische Vasallen an und verlieh den Markgrafen eine ausgedehntere Gewalt als den Grafen des Binnenlandes. Karls Reich erstreckte sich im N. bis zur Eider, im O. bis zur Elbe, Saale und Raab, im S. bis zum Volturno und Ebro, im √ľbrigen bis zum Atlantischen und Mittell√§ndischen Meer.

K. betrachtete sich nicht nur als weltlichen Herrscher, sondern auch als Haupt der Kirche, der alle Reichsgen offen angeh√∂rten. Wie sein Vater Patricius von Rom, besa√ü er die Schl√ľssel zum Grabe des heil. Petrus und hatte das Gel√∂bnis der Treue vom Papst, dem er 774 das Patrimonium Petri verlieh, empfangen. Den universalen Charakter seiner Herrschaft brachte endlich die Tatsache zum Ausdruck, da√ü ihm am Weihnachtstage (25. Dez.) 800 Leo III. in der Peterskirche zu Rom die r√∂mische Kaiserkrone aufs Haupt setzte. Ostrom erkannte ihn 812 als Kaiser an, auch die christlichen Angelsachsen und Schotten betrachteten ihn als Oberherrn, er selbst legte auf die neue W√ľrde gro√ües Gewicht und lie√ü sich 802 als christlichem Oberherrn der Kirche aufs neue huldigen. Im fr√§nkischen Reich hatte der K√∂nig immer die Bist√ľmer besetzt und Pfr√ľnden verliehen. K. griff auch in die Lehre der Kirche ein. Kirchenversammlungen berief er nicht nur, sondern √§nderte auch gelegentlich ihre Beschl√ľsse und √ľberwachte den Wandel der Geistlichen. Auch die weltlichen Gesetze beeinflu√üte er in christlichem Geiste, lie√ü aber den Geist der Volksrechte und die auf nationaler Grundlage erwachsene Organisation des fr√§nkischen Reiches m√∂glichst unangetastet, wenn er auch durch seine Erlasse (Kapitularien), die auf den j√§hrlich im Mai und Herbste stattfindenden Reichsversammlungen verk√ľndet wurden, eine gr√∂√üere Einheit in dem vielsprachigen Reich herzustellen suchte. K√∂nigliche Sendboten (missi) sandte K. in den Provinzen umher, um den Kultus, die Finanzen und das Gerichtswesen zu √ľberwachen und die Grafen zu kontrollieren an Stelle der Herzoge, deren √Ąmter K. au√üer in Benevent beseitigte. In jedem Gau gebot als Richter, milit√§rischer Vorsteher und Finanzbeamter ein Graf, der dreimal im Jahre die ordentliche Gerichtsversammlung abhielt und den Heerbann seines Gaues in den Krieg f√ľhrte. Als Gehalt bezogen die Beamten die Nutzung von gewissem, ihnen √ľberwiesenem Landbesitz und Teile der Gerichtsb√ľ√üen. Das Staatseinkommen bestand in den Ertr√§gen der k√∂niglichen Dom√§nen (fisci), deren Verwaltung K. mit Sorgfalt und gro√üer Sachkenntnis leitete, Gerichts- und Heerbannbu√üen, freiwilligen Geschenken, die von jeher √ľblich waren, und gewaltsamen Einziehungen, die √ľber treulose Gro√üe verh√§ngt wurden; Steuern gab es nicht, aber wohl pers√∂nliche Dienste, da jeder zum Vorspann und zur Verpflegung des K√∂nigs und seines zahlreichen Gefolges auf seinen dauernden Fahrten durch das Reich verpflichtet war. K. verf√ľgte √ľber gro√üe Geldmittel und konnte gewaltige Unternehmungen, wie einen Donau-Mainkanal, den er wenigstens begann, und gl√§nzende Bauten von Kirchen und Pfalzen ausf√ľhren, so in Nimwegen, Ingelheim und vor. allen in Aachen. K. f√ľhlte sich als Deutscher; nur in √Ąu√üerlichkeiten gab er r√∂mischen oder byzantinischen Einfl√ľssen Raum und f√ľhrte z. B. in das h√∂fische Zeremoniell Kniefall und Fu√üku√ü ein. Sein Herz hing an der altfr√§nkischen Heimat: hier versammelte er die Gro√üen um sich, hier feierte er am liebsten das Weihnachtsfest (19 mal in Aachen, nur 6 mal in Gallien). Stets begleiteten ihn seine beiden ersten R√§te, der Apokrisiarius, der den geistlichen, der Pfalzgraf, der den weltlichen Angelegenheiten vorstand. In den sp√§tern Jahren hatte K. einen Kreis Vertrauter um sich, die gelehrtesten M√§nner ihrer Zeit. 781 schon zog er gelegentlich seines Zuges nach Italien den gelehrten Angelsachsen Alkuin an seinen Hof; 782 gewann er Paulus Diaconus, den Geschichtschreiber der Langobarden, und den Grammatiker Peter von Pisa. Sie wurden die vornehmsten Lehrer der Hochschule, die am k√∂niglichen Hof entstand. Hier empfing er selbst, seine Kinder und viele edle J√ľnglinge aus dem Reich Unterricht in der Dichtkunst, Rhetorik, Dialektik und Astronomie, ja auch im Griechischen und Lateinischen. In diesem Kreise von Gelehrten, die klassische und biblische Namen annahmen, st√∂rte kein Zeremoniell die Vertraulichkeit; f√ľr seine Gelehrten war K. nicht der Kaiser, sondern trug den Namen David. Die Handschriften der Bibel und der angesehensten r√∂mischen Autoren lie√ü er durch M√∂nche abschreiben, um die Benutzung dieser Werke zu erleichtern. Aus jener Schule gingen M√§nner hervor, wie Angilbert (s. d.), zugleich Dichter und Staatsmann, und Einhard (s. d.), des Kaisers Biograph. Geistliche und weltliche W√ľrdentr√§ger empfingen hier oder in den zu Tours und Pavia sp√§ter begr√ľndeten Zweigschulen ihre Bildung. Auch der vaterl√§ndischen Literatur wendete er sein Interesse zu und lie√ü alle Lieder aus der germanischen Heldensage sammeln; diese Sammlung ist aber leider verloren gegangen.

K. war von breitem, kr√§ftigem K√∂rperbau, von stattlicher Gr√∂√üe (sie betrug sieben seiner F√ľ√üe), hatte gro√üe, lebhafte Augen, eine bedeutende Nase; der Hals war dick und etwas zu kurz, sonst war der K√∂rper ebenm√§√üig gebaut. Sein Aussehen war w√ľrdig u. achtunggebietend, der Gang fest, die Stimme heller, als man nach seiner Erscheinung erwarten sollte. Er erfreute sich dauernder Gesundheit, nur in seinen vier letzten Lebensjahren war er vom Fieber geplagt. Seine Kleidung war fr√§nkisch; fremdl√§ndische verschm√§hte er, und nur bei Festlichkeiten erschien er in einem goldgewirkten Kleid, mit Schuhen, an denen Edelsteine funkelten, und einem Diadem aus Gold und Edelsteinen. Einfach war seine Lebensweise: er war m√§√üig im Essen und Trinken, weniger jedoch in ersterm als in letzterm, weil das Fasten seinem K√∂rper schade. Obwohl im Regiment durchaus selbst√§ndig, bestimmten ihn, den tiefe Fr√∂mmigkeit auszeichnete, doch bisweilen religi√∂se Beweggr√ľnde zu politischen Ma√üregeln; aber er war kein Diener der Geistlichkeit, am wenigsten des Papstes. Er verband durchdringende Verstandessch√§rfe mit unbeugsamer Willenskraft. Das H√∂chste galt ihm nicht f√ľr unerreichbar, aber auch das Kleinste nicht zu gering. Er war von leidenschaftlichem Temperament und f√ľr Frauensch√∂nheit empf√§nglich, wie er denn neben seinen Gemahlinnen mehrere Beischl√§ferinnen hatte; aber geschlechtliche Ausschweifungen, sogar mit einer Schwester, hat ihm nur die neidische Sage angedichtet. Viermal war er verm√§hlt: erstens mit einer Tochter des langobardischen K√∂nigs Desiderius, die er 771 verstie√ü; zweitens mit Hildegard, einer vornehmen Schw√§bin; drittens mit Fastrada, der Tochter des ostfr√§nkischen Grafen Radolf; viertens mit der Alemannin Luitgard. Hildegard hatte ihm f√ľnf S√∂hne und drei T√∂chter geboren. Von den S√∂hnen blieben drei am Leben, von denen der √§ltere, Karl, schon 781 zum Nachfolger im fr√§nkischen Reich bestimmt wurde, w√§hrend von den j√ľngern Pippin (zuerst Karlmann genannt) zum K√∂nig von Italien, Ludwig (sp√§ter ¬Ľder Fromme¬ę) zum K√∂nig von Aquitanien gesalbt wurde. Nach der Annahme der Kaiserkrone schien ihm 806 eine neue Teilung notwendig, die trotz der dem √§ltesten Sohn vorbehaltenen Oberhoheit einer Zerst√ľckelung des Reiches gleichgekommen w√§re, aber durch den Tod der beiden √§ltern, Karls (811) und Pippins (810), vereitelt wurde. So blieb Ludwig der alleinige Erbe und setzte sich auf den Wunsch des Vaters 813 im M√ľnster zu Aachen die Kaiserkrone mit eigner Hand aufs Haupt. K. wurde in dem von ihm erbauten M√ľnster zu Aachen feierlich beigesetzt. Otto III. lie√ü im J. 1000 das Grab √∂ffnen, man fand den Kaiser auf seinem marmornen Thron sitzend, im Kaisermantel und das Schwert an der Seite, auf seinen Knieen lag die Bibel. Friedrich I. erwirkte bei dem Gegenpapst Paschalis III. die Heiligsprechung Karls (28. Dez. 1164) und lie√ü, um die heiligen Gebeine zu bergen, 27. Juli 1165 noch einmal die Gruft √∂ffnen und den Leichnam, mit Ausnahme des Kopfes und eines Schenkels, in einen silbernen Schrein legen, der seinen Platz auf dem Altar fand. Doch den kommenden Geschlechtern schwand die Kunde von diesem Vorgang, und erst 1843 entdeckte man, da√ü der Schrein, in dem man die Reliquien des heil. Leopardus vermutete, des gro√üen Kaisers Gebeine enthalte. Der Kopf und ein Schenkel waren in der Sakristei aufbewahrt und dort Jahrhunderte hindurch den Fremden gezeigt worden. Vgl. Tafel ¬ĽGoldschmiedekunst¬ę, Fig. 1, mit Text.

Kein Sterblicher hat die Phantasie der Nachgebornen so besch√§ftigt wie K.: nicht allein jede der Nationen, √ľber deren Vorfahren er einst geherrscht, Deutsche, Franzosen, Niederl√§nder, Italiener, nahm ihn als den Ihrigen in Anspruch und umwob seine weltgebietende Gestalt mit dem verkl√§renden Schimmer der Sage, sondern auch bei Engl√§ndern, Skandinaviern und Spaniern, mit denen ja K. nur wenig in Ber√ľhrung gekommen ist, kn√ľpft sich nach Jahrhunderten eine umfangreiche Literatur an seine Person. W√§hrend die Kirche schon vor dem ersten Kreuzzug von einer Heerfahrt Karls nach dem Orient fabelte (zuerst bei Benedikt um 968) und bis in das sp√§tere Mittelalter die verschiedensten staatlichen Einrichtungen als Werke Karls bezeichnet werden, behandelte die franz√∂sische und die provenzalische Dichtkunst mit Vorliebe die K√§mpfe Karls gegen die Araber in Spanien (wie denn auch das √§lteste erhaltene Gedicht die ¬ĽChanson de Roland¬ę ist), weniger die Z√ľge nach Italien und Sachsen und Karls Jugend. Auch im deutschen Volke lebten zahlreiche Sagen √ľber den gro√üer Kaiser: man erz√§hlte sich, er weile im Untersberg (bei Salzburg) und werde einst erscheinen, um das Reich in neuer Macht und Herrlichkeit wieder herzustellen. Aber nur in der ¬ĽKaiserchronik¬ę (von 1160) sind diese Sagen niedergeschrieben, die √ľbrigen Gedichte des karolingischen Sagenkreises, wie das ¬ĽRolandslied¬ę und ¬ĽWilhelm von Oranse¬ę, beruhen auf franz√∂sischen Vorbildern. √Ąhnlich ist es in Italien; hier enth√§lt nur die Chronik von Novalese (aus dem 11. Jahrh.) einheimische Sagen √ľber K. und zwar meist von feindseliger Tendenz; die franz√∂sischen Dichtungen wurden schon im 12. Jahrh. bekannt und haben ein Heer von Nachahmungen hervorgerufen, deren bedeutendste Ariosts ¬ĽRasender Roland¬ę ist. Auch bei den √ľbrigen oben genannten Nationen sind die zahlreichen Dichtungen √ľber K. auf franz√∂sische Vorbilder zur√ľckzuf√ľhren, selbst die ¬ĽKarlamagnus-Saga¬ę, die im 13. Jahrh. in Island entstand (Weiteres s. Karlssage). Den historischen K. haben neuere Dramatiker auf die B√ľhne zu bringen gesucht, wie die Trag√∂dien von M√§rcker (¬ĽK. der Gro√üe¬ę, 1861), K√∂sting (¬ĽZwei K√∂nige¬ę, 1863) u. a. erweisen. Vgl. Einhard (s. d.), Vita Caroli Magni (deutsch von O. Abel, 3. Aufl., Leipz. 1893); S. Abel, Jahrb√ľcher des fr√§nkischen Reichs unter K. dem Gro√üen (Bd. 1, Berl. 1866; 2. Aufl. 1888; Bd. 2 von Simson, Leipz. 1883); V√©tault, Charlemagne (Tours 1876); Brosien, K. der Gro√üe (Leipz. u. Prag 1885); Mombert, History of Charles the Great (Lond. 1888); v. D√∂llinger, Das Kaisertum Karls des Gro√üen und seiner Nachfolger (M√ľnch. 1864); v. Wy√ü, K. der Gro√üe als Gesetzgeber (Z√ľrich 1869); Paris, Histoire po√©tique de Charlemagne (Par. 1865); Clemen, Die Portr√§tdarstellungen Karls des Gro√üen (Aach. 1890); Rauschen, Die Legende Karls des Gro√üen im 11. und 12. Jahrhundert (Leipz. 1890); Davis, Charlemagne, hero of two nations (Lond. 1900); Lindner, Die Fabel von der Bestattung Karls des Gro√üen (Aachen 1893 u. 1896); Ketterer, K. der Gro√üe und die Kirche (M√ľnch. 1898); Ohr, Die Kaiserkr√∂nung Karls des Gro√üen (T√ľbing. 1904).

3) K. II., der Kahle, geb. 13. Juni 823 in Frankfurt a. M., gest. 6. Okt. 877, einziger Sohn Ludwigs I., des Frommen, aus dessen zweiter Ehe mit Judith, der Tochter des bayrischen Grafen Welf, erhielt 829 Alemannien, was den Zwist Kaiser Ludwigs mit seinen S√∂hnen aus erster Ehe zur Folge hatte, dann 837 das mittlere Francien zwischen Weser und Loire, wurde 838 zum K√∂nig gekr√∂nt und wurde sogar 839 Herr von ganz Westfrancien mit Ausnahme von S√ľdburgund. Als nach Ludwigs des Frommen Tode (840) dessen √§ltester Sohn, Kaiser Lothar, das ganze Reich beanspruchte, verband sich K. 841 mit dem andern Stiefbruder, Ludwig dem Deutschen, beide lieferten 25. Juni d. J. bei Fontenoy, unfern Auxerre, Lothar eine entscheidende Schlacht, worauf sie sich gegenseitig in Stra√üburg 14. Febr. 842 den Schwur gegenseitiger Treue in romanischer und deutscher Sprache erneuerten, und zwangen Lothar zum Teilungsvertrag von Verdun 10. Aug. 843. Dadurch erhielt K. Westfrancien, d. h. Aquitanien, Septimanien nebst der spanischen Mark, das westliche Burgund, Neustrien, die Bretagne und Flandern. Damals begannen die Raubz√ľge der Normannen (aus Norwegen und D√§nemark), die mit kleinen Schiffen die M√ľndungen der Seine, Loire und Rhone hinausfuhren und 845 sogar Paris pl√ľnderten, und K., dem Krieg abhold, erkaufte ihren R√ľckzug wiederholt durch schimpflichen Tribut. Mit Ludwig dem Deutschen jetzt verfeindet, fiel er erfolglos 861 in die Provence, das Land seines Neffen Karl, ein und duldete nach dessen Tode (863), da√ü Ludwig und Lothar II., mit dem er seit 860 in Zwist lebte, sich in dessen Land teilten. Kaum war Lothar II. aber ohne legitime Erben gestorben (869), lie√ü sich K. 9. Sept. 869 in Metz zum K√∂nig von Lothringen kr√∂nen, r√§umte aber schon, als eine Gesandtschaft Ludwigs des Deutschen erschien, das Land. Darauf teilten die Br√ľder 8. Aug. 870 in Mersen das Reich aufs neue: K. erhielt au√üer S√ľdfriesland das Land westlich von der Maas, Ourthe, Mosel und der Rhone. Der weltlichen Gro√üen vermochte K. nicht Herr zu werden und st√ľtzte sich auf die Geistlichkeit, der er als Mann von gelehrter, selbst theologischer Bildung sehr nahe stand. Diese Politik brachte es mit sich, da√ü die Geistlichkeit durch ihren Reichtum und die pers√∂nliche Bedeutung ihrer meisten Vertreter (Hinkmar von Reims) gro√üen Einflu√ü auf die Verwaltung des Landes gewann und auch in ihrem Kampfe gegen den Papst bei K. Unterst√ľtzung fand. Als Kaiser Ludwig II. 875 starb, kr√∂nte der Papst, gegen den energischen Ludwig den Deutschen mi√ütrauisch, K. 25. Dez. 875 in Rom zum Kaiser. Die lombardischen Gro√üen erkannten ihn (im Februar 876) zu Pavia als K√∂nig von Italien an, auch die westfr√§nkische Geistlichkeit stimmte auf der Synode zu Ponthion (im Juni 876) zu. Als K. aber nach Ludwigs des Deutschen Tode in dessen Land einfiel, wurde er von dem j√ľngern Ludwig bei Andernach (8. Okt. 876) geschlagen. Karlmann, Ludwigs des Deutschen andrer Sohn, wollte ihn sogar aus Oberitalien vertreiben, wohin ihn der bedr√§ngte Papst 877 gerufen hatte. Aber auf die Kunde von Karlmanns Herannahen zog er sich zur√ľck, √ľberschritt den Mont Cenis und erlag noch 877 in einem Weiler im Tal des Arc einem Fieber. K. war zweimal verheiratet: zuerst mit Irmintrud, der Nichte des Grafen Adalhard; nach deren Tode mit Richilda, der Witwe eines Grafen Buwin. In seiner ersten Ehe waren ihm acht Kinder geboren. Von seinen vier S√∂hnen hatte er Ludwig zum K√∂nig von Neustrien, Karl zum K√∂nig von Aquitanien kr√∂nen lassen; jedoch beide emp√∂rten sich gegen den Vater 862. Dieser unterwarf sie aber bald und lie√ü nur dem √§ltern sein Reich. Gegen seine Kinder war K. lieblos, ja grausam, am meisten gegen Karlmann, den er wider dessen Willen zum Geistlichen bestimmte und, als er sich emp√∂rte, blenden lie√ü. Da der j√ľngere Karl 866 starb, ging das Reich bei des Vaters Tode auf Ludwig √ľber. Vgl. Vo√ü, De Carolo Calvo (Halle 1844); D√ľmmler, Geschichte des ostfr√§nkischen Reiches, Bd. 3 (2. Aufl., Leipz. 1888).

4) K. III., seit dem 12. Jahrh. der Dicke genannt, geb. 839, gest. 13. Jan. 888, Ludwigs des Deutschen und der Welfin Hemma dritter Sohn, erhielt 876 bei per Teilung mit seinen Br√ľdern Karlmann und Ludwig Alemannien und das Elsa√ü, erbte aber nach dem Tode dieser beiden (880 und 882) auch deren L√§nder einschlie√ülich Lothringens, das Ludwig der J√ľngere gewonnen hatte. Vom Papst gegen die Sarazenen zu Hilfe gerufen, hatte er 879 das K√∂nigreich Italien erworben, ward im Februar 881 in Rom zum Kaiser gekr√∂nt, 885 von den westfr√§nkischen Gro√üen ebenfalls zum K√∂nig erw√§hlt und vereinigte fast das gesamte Reich Karls d. Gr. unter seiner Herrschaft. Die Normannen, die damals den Niederrhein verw√ľsteten, umzingelte er 882 in ihrem Lager bei Elsloo an der Maas, schlo√ü dann aber mit ihrem K√∂nig Gottfried einen schimpflichen Vergleich und zahlte 2412 Pfd. Gold und Silber. Als die Normannen 886 Paris belagerten, erkaufte K. wiederum den Frieden f√ľr 700 Pfd. Silber. Wenig willensstark, war er von den Gro√üen des Reichs abh√§ngig, die ihn zur Entlassung seines vornehmsten Ratgebers, des Erzkanzlers Liutward von Vercelli, zwangen (887), und als die Verleumdung die Kaiserin Richarda str√§flichen Umgangs mit diesem G√ľnstling zieh, trennte sich die tief gekr√§nkte Frau von dem indolenten Gemahl. Die Schw√§che des Kaisers, die durch sein Siechtum (Epilepsie) noch vermehrt wurde, rief in allen Gauen Unzufriedenheit hervor, und als Herzog Arnulf von K√§rnten, Karlmanns illegitimer Sohn, gegen den Oheim mit einem Heer heranzog, fielen die gerade in Tribur versammelten Gro√üen von K. ab (im November 887) und huldigten Arnulf zu Frankfurt a. M. K. zog sich auf einige G√ľter in Schwaben zur√ľck, die ihm der Neffe gelassen hatte, starb aber bald in Neidingen (bei F√ľrstenberg) an der Donau und wurde in der Klosterkirche auf dem Eiland Reichenau bestattet. Seine Ehe war kinderlos gewesen, er hinterlie√ü blo√ü einen Bastard, Bernhard. Vgl. D√ľmmler, Geschichte des ostfr√§nkischen Reichs, Bd. 3 (2. Aufl., Leipz. 1888).

[Deutsche Kaiser und K√∂nige.] 5) K. IV., geb. 14. Mai 1316 in Prag, gest. daselbst 29. Nov. 1378, Sohn des K√∂nigs Johann von B√∂hmen, hie√ü urspr√ľnglich Wenzel und erhielt erst bei seiner Famung den Namen K. Mit trefflichen Anlagen ausgestattet, in seiner Jugend am franz√∂sischen Hof erzogen, hatte er sich eine F√ľlle von Kenntnissen erworben: er sprach und schrieb f√ľnf Sprachen. K. √ľbernahm 1331 an seines Vaters Statt das diesem vom Kaiser Ludwig dem Bayer √ľbertragene Reichsvikariat von Italien, sodann das Markgrafentum M√§hren und die Verwaltung von B√∂hmen. 1346 zog er mit seinem Vater dem franz√∂sischen K√∂nig gegen die Engl√§nder zu Hilfe und rettete sich in der Schlacht von Crecy, in der sein Vater fiel, nur durch schnelle Flucht. Nach seiner Wahl als Gegenk√∂nig Ludwigs des Bayern (11. Juli 1346 in Rhense) gestand er dem Papst alles zu, was dieser von ihm verlangte, namentlich sich nie in die italienischen Angelegenheiten mischen zu wollen, wie er sich √ľberhaupt bereitwillig der Kirche unterordnete, daf√ľr aber frei √ľber die deutschen Erzbist√ľmer und Bist√ľmer verf√ľgte. Schon 26. Nov. 1346 in Bonn ge kr√∂nt, lie√ü er in Aachen die Kr√∂nung (25. Juli 1349) wiederholen, als er den nach Ludwigs Tode von der wittelsbachischen Partei aufgestellten Gegenk√∂nig G√ľnter von Schwarzburg zur Verzichtleistung vermocht hatte, und bewog durch die Unterst√ľtzung des falschen Waldemar, der ihm 1348 die Oberlausitz ab trat, die Wittelsbacher zur Nachgiebigkeit und Huldigung (1350). Hierauf unternahm er 1354 einen Zug nach Italien, lie√ü sich in Mailand zum K√∂nig von Italien (6. Jan. 1355) und in Rom (5. April) zum Kaiser kr√∂nen, kehrte aber, seines Versprechens eingedenk, nach der Kr√∂nung unverz√ľglich nach Deutschland zur√ľck. Hier schuf er 1356 durch die Goldene Bulle (s. d.) das erste Reichsgrundgesetz, das die tats√§chlich bestehenden Verfassungsverh√§ltnisse sanktionierte. Auf einer Zusammenkunft mit Urban V. in Avignon (1365) versprach K., den Papst nach Rom zur√ľckzuf√ľhren, lie√ü sich aber 1367 sogleich zu einem Frieden mit den dem Papst feindlichen Visconti herbei, und der Papst kehrte nach Avignon zur√ľck. Die Goldene Bulle war den St√§dten nicht g√ľnstig; besonders verabscheute K. deren B√ľndnisse als dem K√∂nigtum gef√§hrlich und suchte sie durch Landfriedensb√ľndnisse zu ersetzen, die er wiederholt beschw√∂ren lie√ü. Er untersch√§tzte aber die Macht der St√§dte; er konnte 1376, als er die Partei der Ritter in Schwaben ergriff, den Widerstand des Schw√§bischen St√§dtebundes nicht brechen, belagerte vergeblich Ulm und schlo√ü f√ľr sich einen Waffenstillstand, indem er die Fortsetzung des Kampfes dem Adel √ľberlie√ü. Dagegen stellte er, der des Reiches Erzstiefvater genannt worden ist, in seinem Erblande, das ihm sein Vater in v√∂lliger Zerr√ľttung hinterlassen hatte, einen Zustand her, der allen deutschen L√§ndern jener Zeit als Muster gelten konnte; damit hat er au√üerordentlich viel zur kulturellen Hebung Ostdeutschlands beigetragen und den Grund f√ľr die Entwickelung gelegt, die dem Hause Habsburg, das schlie√ülich die Luxemburger beerbte, zugute gekommen ist. Er sorgte dort f√ľr Sicherheit der Stra√üen und des Verkehrs, f√∂rderte den Handel und Gewerbflei√ü, den Acker- und Bergbau, machte die Moldau schiffbar, baute die Moldaubr√ľcke und andre pr√§chtige Bauten in und bei Prag, brachte das Gerichtsverfahren in geordneten Gang, gr√ľndete in Prag ein Erzbistum und 1348 die erste deutsche Universit√§t und zog eine Menge deutscher K√ľnstler und Handwerker an seinen Hof. Auf Mehrung der Hausmacht bedacht, aber dem Krieg und Kampf abhold, erwarb er meist durch Geld neue Landesteile: 1353 die Oberpfalz, bald darauf Eger, 1364 die Niederlausitz und 1373 die Mark Brandenburg; 1355 vereinigte er Schlesien und die Oberlausitz untrennbar mit der b√∂hmischen Krone. Auch mit dem Haus Habsburg schlo√ü er eine Erbverbr√ľderung (1364 in Br√ľnn), die sich damals sogar zugunsten der Luxemburger bald zu erf√ľllen schien. In allen Gegenden Deutschlands kaufte er sich an, und viele schw√§bische, fr√§nkische und bayrische Edelleute mu√üten in das Vasallenverh√§ltnis zur Krone B√∂hmen treten. Die Wahl seines √§ltesten lebenden Sohnes, Wenzel, zum Nachfolger (1376) kostete ihm hohe Geldsummen; dieser erhielt B√∂hmen, Schlesien und den gr√∂√üten Teil der Lausitz, der zweite Sohn, Siegmund, die Mark Brandenburg, der dritte, Johann, das Herzogtum G√∂rlitz und die Neumark als Erbe, w√§hrend M√§hren an Karls Neffen Jobst und Prokop fiel. In Prag wurde ihm 1848 ein Denkmal (von H√§hnel) errichtet. Vgl. seine treffliche Selbstbiographie ¬ĽVita Caroli IV. ab ipso conscripta¬ę (bis 1346) in B√∂hmers ¬ĽFontes rerum germanicarum¬ę, Bd. 1 (deutsch von √Ėlsner, Leipz. 1885 u. 1899); Pelzel, Geschichte Kaiser Karls IV. (Prag 1780, 2 Bde.); Werunsky, Geschichte Kaiser Karls IV. und seiner Zeit (Innsbr. 1880‚Äď92, 3 Bde.); B√∂hmer, Die Regesten des Kaiserreichs unter Kaiser K. IV. (hrsg. von Huber, das. 1877; Nachtrag 1889); Friedjung, Kaiser K. IV. und sein Anteil am geistigen Leben seiner Zeit (Wien 1876); Gottlob, Karls IV. private und politische Beziehungen zu Frankreich (Innsbr. 1883); Ahrens, Die Wettiner unter Kaiser K. IV. (Leipz. 1895).

6) K. V., deutscher Kaiser und (als K. I.) K√∂nig von Spanien, geb. 24. Febr. 1500 in Gent, gest. 21. Sept. 1558, √§ltester Sohn Philipps, des Erzherzogs von √Ėsterreich, und Johannas, der Erbtochter des K√∂nigs Ferdinand von Aragonien und seiner Gemahlin Isabella von Kastilien, wurde unter der Aussicht seiner Tante, der Erzherzogin Margarete, von Wilhelm von Croy und dem Utrechter Priester Hadrian Floriszoon (dem nachmaligen Papst Hadrian VI.) in den Niederlanden erzogen. Nach dem Tode seines Vaters (1506) Herr der Niederlande geworden und 1515 f√ľr gro√üj√§hrig erkl√§rt, erbte K. 1516 nach Ferdinands Tode Spanien, da seine Mutter Johanna geisteskrank war. 1517 ging er mit niederl√§ndischem Gefolge nach Spanien, kam bald mit den Cortes in Konflikt, kehrte aber trotzdem 1520 nach den Niederlanden zur√ľck, worauf 1521 der sogen. Aufstand der Communeros ausbrach, der erst 1522 unterdr√ľckt wurde. K. war 28. Juni 1519 in Frankfurt a. M. zum K√∂nig erw√§hlt, 22. Okt. 1520 in Aachen gekr√∂nt worden und hatte in der Wahlkapitulation vom 3. Juli 1519 unter anderm auch die Errichtung eines Reichsregiments w√§hrend seiner voraussichtlich √∂ftern Abwesenheit von Deutschland versprochen und berief 1521 seinen ersten Reichstag nach Worms, wo er, den deutschen Verh√§ltnissen innerlich fremd, gegen Luther Partei ergriff. K. war strenger Katholik, der zwar in der Kirche manches f√ľr der Besserung bed√ľrftig hielt, aber f√ľr die innere √úberzeugung Luthers nicht das geringste Verst√§ndnis besa√ü. Noch 1521 brach der Krieg mit Franz I. von Frankreich, der durch Karls √úbermacht ernstlich bedroht war, √ľber die Herrschaft in Italien aus. Papst Leo X., durch Luthers Verurteilung gewonnen, und fast alle Staaten Italiens, selbst Heinrich VIII. von England, traten auf Karls Seite. Mailand ward 1521 den Franzosen entrissen, die 1522 nach der Niederlage ihres Feldherrn Lautrec bei Bicocca Italien ganz r√§umen mu√üten. K. wollte nun ganz Frankreich erobern, sein Heer fiel in Frankreich ein, und der Connetable Karl von Bourbon trat auf seine Seite. Schon belagerte das kaiserliche Heer Marseille, als es zum R√ľckzug nach Italien gezwungen wurde; hier erlitten aber die franz√∂sischen Waffen eine neue Niederlage bei Pavia (24. Febr. 1525), Franz selbst fiel in Gefangenschaft, wurde nach Spanien gebracht und mu√üte in dem Frieden zu Madrid (14. Jan. 1526) auf Italien verzichten und Burgund zur√ľckgeben. Freigelassen, erhob er aufs neue die Waffen und fand 1526 in Papst Clemens VII. und den ihm verb√ľndeten Hauptstaaten Italiens Bundesgenossen gegen K. Die kaiserlichen Truppen drangen in Italien ein und erst√ľrmten und pl√ľnderten Rom 6. Mai 1527; der Papst hielt sich in der Engelsburg eingeschlossen und entkam erst 1528. Nun erkl√§rten Frankreich und England dem Kaiser den Krieg; eine franz√∂sische Armee unter Lautrec eilte dem Papst zu Hilfe, drang bis an die neapolitanische Grenze vor und belagerte Ga√ęta, mu√üte aber, als Andrea Doria, der Admiral von Genua, zum Kaiser √ľberging, unverrichteter Sache abziehen. Ein zweites franz√∂sisches Heer, das im Sommer 1528 in Italien erschien, ward ebenfalls zur√ľckgeworfen, und der darauf folgende Friede von Cambrai (1529) sicherte K. die Herrschaft √ľber Italien, die auch der Papst anerkannte. 1529 reiste K., seit 29. Juni in Barcelona mit dem Papst vers√∂hnt, aus Spanien durch Italien nach Deutschland und lie√ü sich unterwegs von Clemens VII. 24. Febr. 1530 in Bologna zum Kaiser kr√∂nen.

Die Reformation hatte inzwischen gro√üe Fortschritte in Deutschland gemacht, und die F√ľrsten dachten, als K. das Reichsregiment aufl√∂ste, sogar an seine Absetzung; nur der Sieg von Pavia hatte dies verhindert. Wiederholt hatte K. Vollstreckung des Wormser Edikts erfolglos verlangt, auch die Beschl√ľsse des zweiten Speyerer Reichstags (1529) gegen die Reformation blieben fruchtlos. Von den ungarischen Angelegenheiten und einem Einfall der T√ľrken beunruhigt, besonders aber um dem Protestantismus entgegenzuwirken, schrieb K. auf 1530 einen Reichstag nach Augsburg aus; hier √ľberreichten ihm die Protestanten ihr Glaubensbekenntnis (s. Augsburgische Konfession), erreichten aber nichts; der Reichsabschied befahl den Protestanten unter scharfen Drohungen die R√ľckkehr zur katholischen Kirche. K. bef√ľrwortete beim Papst Einberufung eines allgemeinen Konzils, um den Protestantismus zu unterdr√ľcken, wie um eine Kirchenverbesserung nach seinem Sinn einzuf√ľhren, wollte aber gleichzeitig die Widerstrebenden mit Gewalt zum Gehorsam bringen, fand nur 1530 und 1531 die Gelegenheit dazu nicht, und mu√üte sogar 1532 den Protestanten im N√ľrnberger Religionsfrieden Zugest√§ndnisse machen. Mit 80,000 Mann zog der Kaiser hierauf 1532 gegen die T√ľrken und zwang sie zum R√ľckzug und kehrte durch Italien nach Spanien zur√ľck. Unausgesetzt drohte ihm ein neuer franz√∂sischer Krieg; unwiderstehlich verbreitete sich in Deutschland der Protestantismus, und der Papst war in keiner Weise zur Berufung des Konzils zu bewegen. 1535 unternahm K. einen Zug wider die unter dem Schutz der Pforte an der afrikanischen K√ľste sich bildenden Raubstaaten, erst√ľrmte den Hafen von Tunis, Goletta, schlug Chaireddin Barbarossa in einer gro√üen Feldschlacht, setzte den verjagten Dei Mulei Hassan in Tunis wieder ein und befreite 20,000 Christensklaven aus den H√§nden der Barbaresken. W√§hrend dieser gl√ľcklichen K√§mpfe war aber K√∂nig Franz von Frankreich wieder in Savoyen und Oberitalien eingebrochen, wurde zwar aus dem gr√∂√üten Teil der savoyischen L√§nder wieder vertrieben; aber auch das kaiserliche Heer, das in die Provence einfiel und sogar 1536 Marseille belagerte, mu√üte sich zur√ľckziehen. Durch die Bem√ľhungen des neuen Papstes Paul 111., der K. auch die Berufung eines Konzils versprach, kam 1538 in Nizza ein zehnj√§hriger Waffenstillstand zustande, und 14.‚Äď16. Juli d. J. fand zwischen beiden Monarchen eine vertrauliche Besprechung in Aigues-Mortes statt, wo beide die Verl√§ngerung des Waffenstillstandes beschlossen.

Als in den Niederlanden wegen einer geforderten Kriegssteuer eine Emp√∂rung ausbrach, reiste K. durch Frankreich dorthin, erschien 1540 vor dem aufst√§ndischen Gent, unterwarf es und strafte die Rebellen. Von den Niederlanden ging K. 1541 durch Deutschland, von da nach Italien. Dann unternahm er einen Zug gegen Algier, begleitet von der Bl√ľte des spanischen und italienischen Adels und den Malteserrittern. Am 20. Okt. erreichte die Flotte die H√∂he von Algier, aber der Sturm zerstreute seine Schiffe und die gelandeten Truppen waren dem Feinde preisgegeben; nur wenige kehrten zur√ľck. Diese Bedr√§ngnis Karls benutzte Franz von Frankreich zur Niederwerfung seines Feindes, und der an zwei franz√∂sischen Gesandten bei ihrer Durchreise durch das mail√§ndische Gebiet ver√ľbte Mord, wof√ľr der Kaiser keine Genugtuung gew√§hrte, bot den Vorwand. Franz griff K. 1542 in Spanien, Luxemburg, Brabant, Flandern und Mailand an, aber zur See blieb Andrea Doria Herr. K. brachte 1543 schnell den Herzog von Kleve zur Unterwerfung, der sich Franz anschlie√üen wollte, und 1544 drang K. siegreich bis in die N√§he von Paris, schlo√ü dann aber pl√∂tzlich mit Franz den Frieden von Cr√©py 18. Sept. 1544, in dem Franz ohne weitere Verluste davonkam. Endlich hatte auch der Papst das seit langem geforderte Konzil nach Trient berufen, und er war nun entschlossen, den allgemeinen Frieden in derKirche herzustellen. Im Juli 1546 auf dem Regensburger Reichstag erkl√§rte K., durch seine Erfolge ermutigt, die F√ľhrer der Protestanten als Rebellen in die Acht, aber die schmalkaldischen Bundesgenossen kamen ihm in der Kriegsr√ľstung zuvor, und mit Not hielt sich K. gegen die √ľberlegene protestantische Heeresmacht. Erst als Herzog Moritz von Sachsen in das Land seines Verwandten, des Kurf√ľrsten Johann Friedrich, einfiel, erhielt K. das √úbergewicht. Da die schmalkaldischen Verb√ľndeten eilig nach Sachsen abzogen, so konnte K. ihre s√ľddeutschen Genossen einen nach dem andern unterwerfen; endlich gab die Schlacht bei M√ľhlberg an der Elbe 24. April 1547 auch den Kurf√ľrsten von Sachsen und freiwillige Unterwerfung den Landgrafen von Hessen in seine Hand.

Nach Vernichtung des Schmalkaldischen Bundes dachte K. an eine Wiedervereinigung der Religionsparteien und erlie√ü zu dem Ende auf dem Augsburger Reichstag 1548 das sogen. Interim (s. d.), das jedoch den gew√ľnschten Erfolg nicht hatte. Des Kaisers Ansinnen an die Kurf√ľrsten, seinen Sohn Philipp zum dereinstigen Kaiser zu bestimmen, veranla√üte eine neue Koalition der protestantischen F√ľrsten gegen ihn und bewog namentlich den Kurf√ľrsten Moritz von Sachsen zum Abfall. Letzterer benutzte die ihm von K. 1550 √ľbertragene Achtsvollstreckung gegen Magdeburg zur Zusammenbringung eines Heeres, ging insgeheim eine Verbindung mit Heinrich II. von Frankreich und mit mehreren deutschen F√ľrsten ein, erhob sich im Fr√ľhjahr 1552 gegen den Kaiser, drang im Mai in Tirol ein und verfolgte K. pers√∂nlich, so da√ü dieser von Innsbruck nur mit genauer Not nach Villach entkam. Karls Macht war dadurch gebrochen, widerwillig willigte er in den von seinem Bruder Ferdinand vermittelten Passauer Vertrag vom 2. Aug. 1552 und in den Augsburger Religionsfrieden vom 26. Sept. 1555. Gleichzeitig aber hatte Heinrich II. von Frankreich die lothringischen Bist√ľmer Metz, Toul und Verdun in Besitz genommen, und K. versuchte vergeblich, Metz zur√ľckzuerobern; im Februar 1556 schlo√ü er mit Frankreich zu Vaucelles einen Waffenstillstand auf f√ľnf Jahre. Im Oktober 1555 trat K. seinem einzigen Sohn, Philipp, die Niederlande ab, 15. Jan. 1556 auch Spanien und Neapel. Den deutschen Kurf√ľrsten lie√ü er im September d. J. seine f√∂rmliche Abdankungsurkunde zugehen. Er selbst zog sich in das Kloster San Yuste bei Plasencia in Estremadura zur√ľck, wo er den Rest seines Lebens in Zur√ľckgezogenheit, aber doch unter lebhafter Teilnahme an den Weltereignissen und den Staatsgesch√§ften zubrachte und 1558 starb; er wurde 1574 im Escorial beigesetzt. Seine Gemahlin Isabella von Portugal hatte ihm Philipp II., seinen Nachfolger in Spanien, Maria, die Gemahlin Maximilians II., und Johanna, die Gemahlin des Thronfolgers Johann von Portugal, geboren. Johann von √Ėsterreich (s. Juan d'Austria) und Margarete, die Gemahlin des Herzogs von Parma, sp√§ter Statthalterin der Niederlande, waren nat√ľrliche Kinder Karls. Sein Reich hatte Spanien mit den amerikanischen Kolonien, Neapel, die Niederlande und √Ėsterreich umfa√üt; er hatte 1536 das Herzogtum Mailand noch hinzugef√ľgt, 1521 aber schon √Ėsterreich seinem 1531 zum r√∂mischen K√∂nig gekr√∂nten Bruder Ferdinand abgetreten, der nach Karls Abdankung die √∂sterreichische oder deutsche Linie der Habsburger begr√ľndete.

K. war von schm√§chtiger Gestalt, sp√§t entwickelt und kr√§nklich; schweres Gichtleiden lie√ü ihn fr√ľh altern. Auch geistig reiste er langsam, zeigte aber eine gro√üe Z√§higkeit und Ausdauer in der Verfolgung seiner Weltherrschaftspl√§ne, die er nach gro√üen Erfolgen schlie√ülich doch scheitern sah. F√ľr Deutschland war es verh√§ngnisvoll, da√ü er f√ľr die deutschen Interessen und W√ľnsche keinen Sinn und f√ľr die deutschen religi√∂sen und kirchlichen Ideen kein Verst√§ndnis hatte. K. hat sein Leben 1550 selbst beschrieben. Erst neuerdings ist eine portugiesische √úbersetzung seiner Memoiren aufgefunden und von Kervyn de Lettenhove u. d. T.: ¬ĽCommentaires de Charles-Quint¬ę (Br√ľss. 1862; deutsch von Warnk√∂nig, Leipz. 1862) ver√∂ffentlicht worden. Seine Korrespondenz gaben Lanz (Leipz. 1844‚Äď46, 3 Bde.) und Gachard (¬ĽCorrespondance de Charles-Quint et d'Adrien VI¬ę, Br√ľss. 1859) heraus. Die gleichzeitigen Historiker Jovius, Sleidanus, Sepulveda, Adriani u. a. haben seine Geschichte behandelt, Sandoval hat aus spanischen Relationen ¬ĽVida y hechos del emperador Carlos V.¬ę (1604) zusammengestellt. Sp√§ter ist seine Geschichte oft behandelt, z. B. von Robertson (Lond. 1769; neue Ausg. 1886; deutsch, 3. Aufl., Braunschw. 1795, 3 Bde.); von neuern Werken vgl. Baumgarten, Geschichte Karls V. (Stuttg. 1885‚Äď92, 3 Bde.); E. Armstrong, The emperor Charles V. (Lond. 1902, 2 Bde.); Ranke, Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation (6. Aufl., Leipz. 1881, 6 Bde.); Henne, ¬ĽHistoire du r√®gne de Charles-Quinten Belgique¬ę (2. Aufl., Br√ľss. 1865, 4 Bde.); G. de Leva, ¬ĽStoria documentata di Carlo V. in correlazione all' Italia¬ę (Vened. 1875‚Äď94, 5 Bde.); Mignet, Rivalit√© de Charles-Quint et Fran√ßois I (Par. 1875, 2 Bde.); Maurenbrecher, K. V. und die deutschen Protestanten (D√ľsseld. 1865); H√∂fler, Karls I. (V.) Wahl zum r√∂mischen K√∂nig (Wien 1874); R√∂sler, Die Kaiserwahl Karls V. (das. 1868); v. Druffel, Kaiser K. V. und die r√∂mische Kurie 1544‚Äď1546 (M√ľnch. 1877‚Äď90, 4 Tle.); Waltz, Die Denkw√ľrdigkeiten Kaiser Karls V. (Bonn 1901); Hasenclever, Die Politik Kaiser Karls V. und Landgraf Philipps von Hessen 1546 (Marb. 1903); Gachard, Retraite et mort de Charles-Quint an monast√®re de Yuste (Br√ľss. 1855, 2 Bde.); Stirling, Das Klosterleben Karls V. (a. d. Engl., Leipz. 1852); Mignet, Charles-Quint, son abdication, son s√©jour et sa mort, etc. (10. Aufl., Par. 1882).

7) K. VI. Joseph Franz, geb. 1. Okt. 1685, gest. 20. Okt. 1740, Sohn Leopolds I. aus dessen dritter Ehe mit Eleonore von der Pfalz, bewarb sich 1700 bei dem Tode Karls II., des letzten spanischen Habsburgers, um die spanische Krone und wurde hierbei von den das √úbergewicht der Bourbonen in Europa bek√§mpfenden Seem√§chten unterst√ľtzt (s. Spanischer Erbfolgekrieg). Als K√∂nig K. III. von Spanien reiste K. 1703 zun√§chst nach England, schiffte sich dort im Januar 1704 mit 12,000 Mann englisch-holl√§ndischer Truppen ein und landete zuerst in Lissabon, in der Residenz des ihm befreundeten portugiesischen Hofes, dann in Katalonien. Nur hier fand K. ernstliche Anh√§nger und Freunde, die ihm auch sp√§ter nach √Ėsterreich folgten. Die Mehrzahl der Spanier, namentlich die L√§nder der Krone Kastilien, hingen dem Bourbonen Philipp V. an. In Madrid, wo er zweimal seinen Einzug hielt, behauptete er sich nur kurze Zeit und mu√üte bei dem Ha√ü der katholischen Spanier gegen die fremdl√§ndischen, meist protestantischen Truppen, bei der Uneinigkeit im Kriegsrat und der milit√§rischen √úberlegenheit Frankreichs trotz der umsichtigen Kriegst√ľchtigkeit und heroischen Ausdauer Guidos von Stahremberg nach der Gefangennahme Stanhopes seine Hoffnungen auf die spanische Krone aufgeben lernen. Als sein Bruder Joseph I. 1711, ohne m√§nnliche Erben zu hinterlassen, starb, setzte K. seine Gemahlin Elisabeth von Braunschweig-L√ľneburg (geb. 28. Aug. 1691), mit der er seit 1708 verm√§hlt war, in Spanien als Regentin ein und kehrte nach Deutschland zur√ľck, wo er die Herrschaft √ľber die habsburgischen Lande √ľbernahm und im Dezember 1711 auch als K. VI. zum Kaiser gekr√∂nt wurde. Da auf diese Weise doch die Vereinigung √Ėsterreichs und Spaniens in einer Hand drohte, schlossen die Seem√§chte 1713 mit Frankreich den Frieden von Utrecht, in dem sie Spanien dem Bourbonen lie√üen. Erst nach Verlauf eines weitern fruchtlosen Kriegsjahres f√ľgte sich K. im Frieden von Rastatt 7. M√§rz 1714, dem die Ratifikation in Baden f√ľr das Deutsche Reich 7. Sept. folgte. Die f√ľr √Ėsterreich aus der spanischen Erbschaft neugewonnenen Gebiete, Belgien, Mailand, Neapel, Sardinien, das sp√§ter gegen Sizilien ausgetauscht wurde, erhielten durch K. eine besondere Verwaltung, in der lediglich spanische Emigranten Einflu√ü √ľbten. Trotz des gl√ľcklichen T√ľrkenkriegs, den Prinz Eugen 1716 begann und durch den gl√§nzenden Frieden von Poscharewatz 1718 beendete, wodurch Serbien und die kleine Walachei an √Ėsterreich fielen, vermochte Eugen seine fr√ľhere Stellung in den √∂sterreichischen und Reichsangelegenheiten nicht zu behaupten und sah sich durch die spanische und Jesuitenpartei am Hof √ľberall zur√ľckgesetzt. Karls h√∂chstes Interesse bestand darin, seiner eignen weiblichen Deszendenz f√ľr den Fall seines s√∂hnelosen Ablebens den Vorrang vor den zur Erbfolge berechtigten T√∂chtern Josephs I. zuzusichern. Durch dieses Bestreben Karls entstand das Grundgesetz, die Pragmatische Sanktion, die, zuerst 19. April 1713 ver√∂ffentlicht, wichtig wurde, als der einzige Sohn Karls 1716 starb. Als sich die T√∂chter seines Bruders mit den Prinzen von Bayern und Sachsen verm√§hlten, mu√üten sie allen Erbrechten entsagen. Hierauf begann K. Unterhandlungen mit den St√§nden seiner L√§nder, mit Kroatien, Ungarn, Tirol, B√∂hmen, √Ėsterreich etc., zuletzt mit den Niederlanden (1724), und erlangte die Zusicherung, da√ü erstens die s√§mtlichen √∂sterreichischen L√§nder im Falle seines Todes ungeteilt bleiben und zweitens an seine √§lteste Tochter, Maria Theresia, und deren gesamte Nachkommen vererbt werden sollten. K. suchte nun w√§hrend der gro√üen europ√§ischen Verwickelungen durch eine Reihe von Vertr√§gen die Gro√üm√§chte f√ľr die Pragmatische Sanktion zu gewinnen: w√§hrend er Spanien und Frankreich, allerdings die gef√§hrlichsten M√§chte, durch die weitgehendsten Konzessionen zu beschwichtigen suchte, auf diese Weise 1735 nach dem ungl√ľcklichen Polnischen Erbfolgekrieg Neapel und Sizilien verlor und den Gewinn Lothringens f√ľr die franz√∂sische Krone vorbereitete, enthielt er den protestantischen M√§chten jeden Vorteil vor, der ihnen aus der gro√üen habsburgischen Erbschaft entspringen konnte. Den Holl√§ndern wurde zwar 1731 die Ostindische Handelskompanie geopfert; dem K√∂nig von Preu√üen mu√üe eine nicht ernst gemeinte Versprechung, einst J√ľlich und Berg zu gewinnen, gen√ľgen. Auch zogen diese Verhandlungen K. von wichtigen Interessen √Ėsterreichs ab, die Wehrkraft verfiel, so da√ü der 1736 mit Ru√üland begonnene neue T√ľrkenkrieg ungl√ľcklich verlief und √Ėsterreich im Frieden von Belgrad (18. Sept. 1739) alle Vorteile des Poscharewatzer Friedens wieder verlor. Mit K. erlosch der habsburgische Mannesstamm; ihm folgte seine mit Franz von Lothringen verm√§hlte Tochter Maria Theresia. K. war nicht ohne Begabung und Bildung, hatte Interesse f√ľr Kunst und Wissenschaft, f√∂rderte auch die Landeskultur nach Kr√§ften, besa√ü aber wenig politische Einsicht und war eigensinnig, ohne energisch und beharrlich zu sein. Vgl. Massuet, Histoire de l'empereur Charles VI (Amsterd. 1741, 2 Bde.; deutsch, Regensb. 1742); P. A. ala Lande, Histoire de l'empereur Charles VI (Haag 1843); v. Radics, Kaiser K. VI. als Staats- und Volkswirt (Innsbr. 1886); Landau, Geschichte Kaiser Karls VI. als K√∂nig von Spanien (Stuttg. 1889); Carrerasy Bulbena, K. von √Ėsterreich und Elisabeth von Braunschweig-Wolfenb√ľttel in Barcelona und Girona (Barcelona 1902); Ziekursch, Die Kaiserwahl Karls VI. (Gotha 1902). Von besonderm Wert sind: Foscarinis (des venezianischen Gesandten) ¬ĽArcane memorie, ossia segreta historia del regno di Carlo VI.¬ę (Padua 1750).

8) K. VII. Albrecht, geb. 6. Aug. 1697 in Br√ľssel, als sein Vater Statthalter der Niederlande war, gest. 20. Jan. 1745 in M√ľnchen, √§ltester Sohn des Kurf√ľrsten Max II. Emanuel von Bayern aus dessen zweiter Ehe mit Therese Kunigunde, einer Tochter des Polenk√∂nigs Johann III. Sobieski, im Spanischen Erbfolgekrieg (1706) von den √Ėsterreichern gefangen, wurde mit seinen Br√ľdern als Graf von Wittelsbach in Klagenfurt, sp√§ter in Graz erzogen. Nach seiner Freilassung (1715) unternahm er Reisen und befehligte 1717 im T√ľrkenkrieg bayrische Hilfstruppen, verm√§hlte sich 1722 mit Maria Amalie, j√ľngerer Tochter des Kaisers Joseph I., die allen Erbanspr√ľchen entsagte, und folgte seinem Vater 26. Febr. 1726 in Bayern und in der Kurw√ľrde. Seinem Haus brachte er Hohenwaldeckund die wartenbergischen Herrschaften zu. Zu √Ėsterreich trat er nur kurze Zeit in ein freundliches Verh√§ltnis und stellte dem Kaiser Karl VI. ein Hilfskorps gegen die T√ľrken (1738), protestierte aber nach dem Tode des Kaisers gegen die Pragmatische Sanktion, verband sich 1741 mit Frankreich, Spanien, Sachsen und Preu√üen, fiel in √Ėsterreich ein, lie√ü sich hier als Erzherzog huldigen, r√ľckte dann in B√∂hmen ein, gewann 25. Nov. durch √úberrumpelung Prag und lie√ü sich auch als K√∂nig von B√∂hmen huldigen. Am 24. Jan. 1742 wurde er durch franz√∂sischen Einflu√ü zum deutschen Kaiser gew√§hlt. Alsbald aber wandte sich das Kriegsgl√ľck: Maria Theresia warf mit Hilfe der Ungarn den Feind aus Ober√∂sterreich und eroberte in kurzem ganz Bayern. K. fl√ľchtete nach Frankfurt und kam in gro√üe Not, als √Ėsterreich, Schlesien opfernd, mit Preu√üen Frieden schlo√ü. Karls letzte bedeutende Macht, das bayrisch-franz√∂sische Heer, wurde in Prag von den √Ėsterreichern umstellt, und der franz√∂sische Befehlshaber Belleisle mu√üte sich zur√ľckziehen. Zwar gestattete ein Sieg des Grafen Seckendorff K. 19. April 1743 einen kurzen Besuch in M√ľnchen; aber gleich darauf schlug Georg II. von England die Franzosen bei Dettingen (27. Juni 1743) und gewann Karl von Lothringen einen Sieg √ľber die Bayern bei Simbach, worauf √Ėsterreich sich in Bayern huldigen lie√ü. Die Hilfe Friedrichs II., der 1744 in B√∂hmen einfiel, verbesserte Karls Lage, und Seckendorff f√ľhrte K. 23. Okt. d. J. in seine Residenzstadt M√ľnchen zur√ľck. Aber erst ein Vierteljahr nach dem Tode Karls kam der Friede von F√ľssen (22. April 1745) zustande. Vgl. Heigel, Der √∂sterreichische Erbfolgestreit und die Kaiserwahl Karls VII. (N√∂rdlingen 1876) und Tagebuch Kaiser Karls VII. aus der Zeit des √Ėsterreichischen Erbfolgekriegs (M√ľnch. 1883).

[Baden.] 9) K. Friedrich, Gro√üherzog von Baden, geb. 22. Nov. 1728 in Karlsruhe, gest. 10. Juni 1811, Sohn des Erbprinzen Friedrich von Baden-Durlach, folgte seinem Gro√üvater, dem Markgrafen Karl Wilhelm in Baden-Durlach. erst unter Vormundschaft seines Oheims, seit 1746 selbst√§ndig und regierte im Sinne der Humanit√§t und der Aufkl√§rung. Als ihm 1771 Baden-Baden zufiel, hob er 1783 die Leibeigenschaft auf, gab das erste Beispiel des Freiz√ľgigkeitssystems, trug die Landesschulden ab, bef√∂rderte Ackerbau, Gewerbe, Handel und geistige Bildung. zog Dichter und Gelehrte an seinen Hof und schrieb selbst einen ¬ĽAbr√©g√© des principes de l'√©conomie politique¬ę (Karlsr. 1772). 1785 schlo√ü er sich dem F√ľrstenbund an. Infolge des Revolutionskrieges verlor er 1796 seine Besitzungen auf dem linken Rheinufer, erhielt aber 1803 das Stift Konstanz, die rechtsrheinische Pfalz mit Heidelberg, wo er die Universit√§t zu neuer Bl√ľte erhob, und ward 1. Mai 1803 Kurf√ľrst von Baden. Durch den Pre√üburger Frieden erhielt er den Breisgau und die Stadt Konstanz. Am 12. Juli 1806 trat er als souver√§ner F√ľrst dem Rheinbund bei, nahm den Titel Gro√üherzog an und erhielt abermals einen L√§nderzuwachs, so da√ü unter ihm Baden zu einem Staate von 14,300 qkm mit 430,000 Einw. anwuchs. Aus erster Ehe mit der edlen, geistvollen Karoline Luise von Hessen (gest. 1783) hatte K. drei S√∂hne, den Erbprinzen Karl Ludwig (geb. 14. Febr. 1755), der am 15. Dez. 1801 infolge eines Ungl√ľcksfalles starb, Markgraf Friedrich (1756‚Äď1817) und Ludwig, den sp√§tern Gro√üherzog (1818‚Äď30). 1787 verm√§hlte er sich in zweiter Ehe mit Luise Karoline, Freiin Geyer von Geyersberg, die der Kaiser 1796 zur Reichsgr√§fin von Hochberg erhob, und die 1820 starb. Aus dieser Ehe stammten der nachmalige Gro√üherzog Leopold (1830‚Äď52), Markgraf Wilhelm (1792‚Äď1859) und Markgraf Maximilian (1796‚Äď1882). Vgl. Nebenius, K. Friedrich von Baden (Karlsr. 1868); Kleinschmidt, K. F. von Baden (Heidelb. 1878); ¬ĽPolitische Korrespondenz K. Friedrichs von Baden 1783‚Äď1806¬ę (bearbeitet von Erdmannsd√∂rffer und Obser, das. 1888‚Äď1901, 5 Bde.) und ¬ĽBrieflicher Verkehr mit Mirabeau und Du Pont¬ę (bearbeitet von Knies, das. 1892, 2 Bde.); Roller, Zur Charakteristik des Gro√üherzogs K. Friedrich, ein genealogischer Versuch (das. 1903).

10) K. Ludwig Friedrich, Gro√üherzog von Baden, geb. 8. Juni 1786, gest. 8. Dez. 1818, Sohn des 1801 verungl√ľckten Erbprinzen K. Ludwig. folgte 1811 seinem Gro√üvater (s. Karl 9), dessen Mitregent er seit 1808 war, in der Regierung und verlieh dem Lande 22. Aug. 1818 die Verfassung. K. war seit 1806 verm√§hlt mit Stephanie von Beauharnais (s. Stephanie), deren zwei S√∂hne bald nach der Geburt starben, weshalb ihm sein Oheim Ludwig, Karl Friedrichs dritter Sohn erster Ehe, in der Regierung folgte. Vgl. Karoline von Freystedt, Erinnerungen aus dem Hofleben (hrsg. von Obser, Heidelb. 1902).

[Bayern.] 11) K. Theodor Maximilian August, Herzog von Bayern, geb. 7. Juli 1795 in Mannheim, gest. 16. Aug. 1875 in Tegernsee, zweiter Sohn des Herzogs Maximilian Joseph von Pfalz-Zweibr√ľcken, nachherigen Kurf√ľrsten und seit 1806 K√∂nigs von Bayern, vorwiegend milit√§risch gebildet, ward bereits 1813 Generalmajor und Brigadier der Infanterie, focht in den Befreiungskriegen an der Seite des Generals Wrede und begleitete seinen V. iter auf den Wiener Kongre√ü. Er √ľbernahm sodann das Generalkommando in M√ľnchen, trat aber 1822, da mehrere seiner Milit√§rreformvorschl√§ge kein Geh√∂r fanden, als General der Kavallerie zur√ľck und lebte fortan seinen Studien, bis er nach Wredes Tod 1838 den Oberbefehl der bayrischen Armee √ľbernahm. 1841 ward er Feldmarschall u. Generalinspektor der Armee, 1860 Oberbefehlshaber des 7. deutschen Bundeskorps, befehligte dieses 1866 im Kriege gegen Preu√üen, legte nach dem ungl√ľcklichen Ausgang alle milit√§rischen W√ľrden nieder und zog sich nach Tegernsee zur√ľck.

12) K. Theodor, Herzogin Bayern, geb. 9. Aug. 1839 in Possenhofen, zweiter Sohn des Herzogs Maximilian von der Linie Zweibr√ľcken-Birkenfeld, j√ľngerer Bruder der Kaiserin Elisabeth von √Ėsterreich, trat in die Artillerie ein, studierte dann Medizin, wurde von der Universit√§t M√ľnchen zum Doktor der Medizin promoviert und erhielt durch besondern Erla√ü des Reichskanzlers 1880 die Befugnis zur Aus√ľbung des √§rztlichen Berufs. Sein besonderes Fach ist die Augenheilkunde. Im Gr√§feschen ¬ĽArchiv f√ľr Ophthalmologie¬ę (1880) ver√∂ffentlichte er eine Abhandlung: ¬ĽBeitr√§ge zur Anatomie und Physiologie des Glask√∂rpers¬ę. Er war zum erstenmal seit 1865 verm√§hlt mit der Prinzessin Sophie von Sachsen, die schon 1867 starb, seit 1874 mit der Prinzessin Maria Josepha von Braganza, der Tochter des verstorbenen portugiesischen Pr√§tendenten Dom Miguel. Er lebt meist in Tegernsee, das ihm Prinz Karl von Bayern (s. Karl 11) vermachte, oder in Meran. Seit dem Tode seines Vaters (15. Nov. 1888) ist K. durch den Verzicht seines √§ltern Bruders, Ludwig, Haupt der herzoglichen Linie des bayrischen Hauses.

[Brandenburg.] 13) K. Friedrich Albrecht, Markgraf von Brandenburg-Schwedt, geb. 10. Juni 1705, gest. 22. Juni 1762 in Breslau, Enkel des Gro√üen Kurf√ľrsten, trat fr√ľh in die preu√üische Armee, zeichnete sich im ersten Schlesischen Kriege bei der Einnahme von Glogau, bei Mollwitz und Chotusitz aus und befehligte zur besondern Zufriedenheit des K√∂nigs Anfang 1745 in Oberschlesien. Im Siebenj√§hrigen Kriege wiederholt mit selbst√§ndigen Kommandos betraut, zeichnete er sich bei Hochkirch und Torgau aus, ward aber in bei den Schlachten, wie bei Mollwitz, verwundet. Er war von edlem, menschenfreundlichem Charakter, liebte Kunst und Wissenschaft und war 31 Jahre Herrenmeister des Johanniterordens. Mit seinem Tod erlosch die Linie Brandenburg-Schwedt, da seine Br√ľder auf dem Schlachtfeld gefallen waren. Nach ihm hei√üt seit 1889 das 7. brandenburgische Infanterieregiment Nr. 60 Infanterieregiment Markgraf K.

[Braunschweig.] 14) K. Wilhelm Ferdinand, Herzog von Braunschweig, geb. 9. Okt. 1735, gest. 10. Nov. 1806, √§ltester Sohn des Herzogs Karl I. (geb. 1713, gest. 1780) und der Prinzessin Philippine Charlotte von Preu√üen, zum Unterschied von seinem Oheim, Herzog Ferdinand, der Erbprinz genannt, befehligte im Siebenj√§hrigen Kriege die braunschweigischen Truppen, tat sich in der Schlacht bei Hastenbeck hervor und entschied sp√§ter die Schlacht bei Krefeld. Seit 1764 mit Auguste, Tochter des Prinzen von Wales, verm√§hlt, trat er 1773 als General der Infanterie in die preu√üische Armee, nahm am Bayrischen Erbfolgekrieg teil und kam 1780 nach seines Vaters Tode zur Regierung. 1787 befehligte er die preu√üische Expedition gegen Holland. Beim Ausbruch des Revolutionskrieges erlie√ü er als Oberbefehlshaber √ľber die √∂sterreichisch-preu√üische Armee 25. Juli 1792 das bekannte Manifest von Koblenz, eroberte Longwy und Verdun und drang in die Champagne ein, f√ľhrte jedoch den Krieg zu bed√§chtig und mu√üte sich nach der Kanonade von Valmy (20. Sept.) zur√ľckziehen. Obwohl er 1793 Mainz wieder eroberte, die Schlacht bei Pirmasens (14. Sept.) gewann, in Gemeinschaft mit dem √∂sterreichischen General Wurmser die Wei√üenburger Linien st√ľrmte und bei Kaiserslautern (29. u. 30. Nov.) die Franzosen unter Pichegru und Hoche schlug, so n√ľtzte er doch seine √úberlegenheit nicht aus und wurde auch durch das Zerw√ľrfnis zwischen Preu√üen und √Ėsterreich in seinen Unternehmungen gehemmt. Infolge des Haager Vertrags legte er 1794 seine Befehlshaberstelle nieder. 1806 stand er als Oberbefehlshaber des preu√üischen Heeres von neuem im Felde. Bei Auerstedt (14. Okt.) durch einen Schu√ü beider Augen beraubt und aus Braunschweig durch die Franzosen vertrieben, starb er 10. Nov. in Ottensen bei Altona. 1874 wurde ihm in Braunschweig ein Reiterstandbild (von P√∂nninger) errichtet. Vgl. Lord E. Fitzmaurice, Charles William F. duke of Brunswick, an historical study (Lond. 1901).

15) K. Friedrich August Wilhelm, Herzog von Braunschweig, geb. 30. Okt. 1804 in Braunschweig, gest. 18. Aug. 1873 in Genf, Enkel des vorigen, Sohn des bei Quatrebras 16. Juni 1815 gefallenen Herzogs Friedrich Wilhelm (s. Friedrich 16) und der Prinzessin Marie von Baden, wurde im Ausland erzogen, kam nach dem Tode seines Vaters unter die Vormundschaft des Prinz-Regenten, nachherigen K√∂nigs Georg IV. von England, der dem hannoverschen Minister Grafen M√ľnster und dem braunschweigischen Minister Geheimrat v. Schmidt-Phiseldeck die Leitung der Staatsgesch√§fte anvertraute. Der Prinz bekundete fr√ľh √ľble Charaktereigenschaften, f√ľhrte, von M√ľnster mit Major v. Linsingen 1820 nach Lausanne gesandt, ein w√ľstes Leben und hielt sich dann bei seiner Gro√ümutter, der Markgr√§fin Amalie von Baden, in Bruchsal und sp√§ter in Wien auf, bis ihm der K√∂nig auf Metternichs Rat die Regierung 30. Okt. 1823 √ľbertrug. Sieben Jahre regierte er nach Laune und Willk√ľr und reizte seine Untertanen so, da√ü, als er 6. Sept. 1830 abends das Theater verlie√ü, sein Wagen mit Steinw√ľrfen verfolgt und das Schlo√ü die ganze Nacht belagert wurde. Er entfloh, machte dann gegen Ende des Jahres einen Versuch, sein Herzogtum wiederzuerobern, und ward, da er freiwilligen Verzicht verweigerte, durch Beschlu√ü des Landtags, den der Bundestag 2. Dez. best√§tigte, abgesetzt. Er ging nach Paris, 1831 nach Spanien, von da nach London und endlich wieder nach Paris, wo er mit dem greifen J√©r√īme in vertrautem Verkehr lebte. Die Hoffnung auf Wiedererlangung seiner Herrschaft gab er nie auf und schlo√ü schon 1845 einen diesbez√ľglichen Vertrag mit Napoleon III., den er vor dem Staatsstreich reichlich mit Geld unterst√ľtzte. 1870 nach Genf √ľbergesiedelt, vermachte er, unvers√∂hnt mit seinen Verwandten, sein bedeutendes, namentlich an Diamanten reiches Verm√∂gen der Stadt Genf mit der Verpflichtung, ihm ein Reiterstandbild zu errichten. Dieses (Bronzestatue von Cain) wurde 1879 enth√ľllt. Doch machten die Nachkommen einer nat√ľrlichen Tochter des Herzogs, einer Gr√§fin von Civry, der Stadt Genf die Erbschaft streitig. Die auf Karls Befehl franz√∂sisch und deutsch abgefa√üten Memoiren (1836, 1844) sind ein verlogenes Machwerk. Vgl. K. Braun, Der Diamantenherzog (Berl. 1881).

[Burgund.] 16) K. der K√ľhne (Charles le T√©m√©raire), Herzog von Burgund, geb. 10. Nov. 1433 in Dijon, gest. 5. Jan. 1477, Sohn des Herzogs Philipp III., des Guten, aus dem Hause Valois und dessen dritter Gemahlin, Isabella von Portugal, f√ľhrte zuerst den Titel Graf von Charolais. Von stattlicher Gestalt, √ľbte er sich fr√ľh in allen Ritterk√ľnsten. Er lebte einfach und m√§√üig, war tapfer und energisch, aber auch j√§hzornig, leidenschaftlich und unvers√∂hnlich. 1465 stellte er sich an die Spitze des von den franz√∂sischen Gro√üen gegen Ludwigs XI. Despotie geschlossenen Bundes (ligue du bien public). Er fiel in Frankreich ein, erschien mit 26,000 Mann vor Paris, lieferte 16. Juli dem K√∂nig die unentschiedene Schlacht bei Montlh√©ry (16. Juli 1465) und diktierte 29. Okt. den Frieden von St.-Maur. 1467 folgte er seinem Vater auf dem Thron und betrieb seitdem den Plan, ein K√∂nigreich Burgund herzustellen, dem auch Lothringen, die Schweiz und das s√ľdliche Frankreich einverleibt werden sollten. Als sich 1468 L√ľttich, von Frankreich aufgereizt, gegen seinen Bischof emp√∂rte, brachte K. K√∂nig Ludwig XI. durch List in seine Gewalt, zwang ihn zum Vertrag von P√©ronne (14. Okt.) und z√ľchtigte L√ľttich grausam. Durch seine Eroberungsgier geriet er mit allen Nachbarn in Streit, und nachdem er 1474‚Äď75 Neu√ü vergeblich belagert, wandte er sich gegen die Schweizer, die 1474 seinem Heer bei H√©ricourt eine Niederlage beigebracht, verlor aber gegen sie die beiden Schlachten bei Grandson (2. M√§rz 1476) und bei Murten (22. Juni), die mit schmachvoller Flucht und Verlust seines kostbaren Lagers (s. Diamant, S. 866,2. Spalte) endeten, und fiel in der Schlacht bei Nancy, das er hatte wiedererobern wollen, und wo er nun, der letzte der burgundischen Valois, begraben wurde. Seine Erbin war seine und seiner Gemahlin Isabella von Bourbon einzige Tochter Marie, die den Erzherzog Maximilian von √Ėsterreich heiratete. Der Untergang des stolzen Burgunderherzogs durch die Heere der Eidgenossen gab f√ľr eine Reihe dramatischer Dichtungen den Stoff ab, von denen als die j√ľngsten nur die Trag√∂dien von Gengenbach (¬ĽSchlacht bei Murten¬ę. 1854) und M. Meyr (¬ĽK. der K√ľhne¬ę, 1862) genannt seien. Vgl. Barante, Histoire des ducs de Bourgogne de la maison de Valois (8. Aufl., Par. 1858, 8 Bde.); Rodt, Die Kriege Karls des K√ľhnen (Schaffh. 1844‚Äď45, 2 Bde.); Kirk, History of Charles the Bold, duke of Burgundy (Lond. 1863, 3 Bde.); Hoch, Murten und K. der K√ľhne (deutsch, Basel 1876); Daendliker, Ursachen und Vorspiel der Burgunderkriege (Z√ľrich 1876); Toutey, Charles le T√©m√©raire et la ligue de Constance (Par. 1902; mit Archivalien).

[Frankreich.] 17) K. I., bei den Franzosen soviel wie Karl der Große (s. Karl 2, S. 627).

18) K. II., soviel wie Karl der Kahle (s. Karl 3).

19) K. 111., von sp√§tern Chronisten mit Unrecht der Einf√§ltige genannt, geb. 879, gest. 929, Ludwigs II., des Stammlers, j√ľngster Sohn, wurde, als sein Bruder Karlmann 884 starb, bei der Besetzung des Thrones zugunsten Karls des Dicken von Ostfranken durch die von den Normannen hart bedr√§ngten Franzosen √ľbergangen. Nach dem Tode Karls des Dicken machte er dem Usurpator Odo die franz√∂sische Krone streitig und zwang ihn 897 zu einem Vertrag, in dem alles Land zwischen Seine und Maas ihm abgetreten wurde. Als dann Odo im Januar 898 starb, ward K. K√∂nig von ganz Frankreich, vermochte aber den √ľberm√§chtigen Vasallen gegen√ľber nicht mehr Ruhe und Ordnung herzustellen. Dem furchtbaren normannischen Piratenh√§uptling Hrolf (Rollo) Gangr √ľberlie√ü er 911 die Normandie als erbliches Herzogtum, wof√ľr Hrolf unter dem Namen Robert Christ wurde und des K√∂nigs Tochter Gisela heiratete. Die Zwistigkeiten in Deutschland benutzte er, um 912 Lothringen diesem abzunehmen und mit Frankreich zu vereinigen. 922 brach gegen ihn ein Aufstand der franz√∂sischen Gro√üen unter Giselbert von Lothringen, Rudolf von Burgund und Robert von Francien, der zum K√∂nig ausgerufen wurde, aus. In der Schlacht bei Soissons (923) fiel zwar der letztere, aber der K√∂nig wurde besiegt und eingekerkert, Rudolf von Burgund an seiner Stelle auf den Thron erhoben. Im Schlo√ü zu P√©ronne starb K. Die K√∂nigin Ethgive vermochte mit Karls und ihrem Sohn Ludwig zu ihrem Bruder, dem englischen K√∂nig Athelstan, √ľbers Meer zu entfliehen. Vgl. Borgnet, √Čtude sur le r√®gne de Charles le Simple, im 17. Bd. der ¬ĽComptes rendus de l'Acad√©mie de Bruxelles¬ę; Eckel, Charles le Simple (Par. 1899).

20) K. IV., der Sch√∂ne, geb. 1294, gest. 31. Jan. 1328, der dritte Sohn Philipps des Sch√∂nen und der Johanna von Navarra, bestieg nach dem Tode seines √§ltern Bruders, Philipps des Langen, im Januar 1322 den Thron. Den Grafen von Flandern unterst√ľtzte er gl√ľcklich gegen seine rebellierenden Untertanen. Ebenso stand er seiner Schwester, der englischen K√∂nigin Isabella, gegen deren Gemahl Eduard II. bei, der besiegt und get√∂tet wurde; hierf√ľr trat Isabella an K. das Ag√©nois ab und bezahlte ihm 50,000 Mark Sterl. (1327). Nach innen war Karls Regierung despotisch und dr√ľckend. Nach seiner Scheidung von der ehebrecherischen Blanka von Burgund ehelichte er Maria von Luxemburg und nach deren fr√ľhem Tode Johanna von Evreux, die ihm drei T√∂chter gebar. Mit ihm erlosch der gerade Mannesstamm der Kapetinger.

21) K. L., der Weise, geb. 21. Jan. 1337 in Vincennes, gest. 16. Sept. 1380, Sohn K√∂nig Johanns, ward durch die testamentarische Bestimmung Humberts II. von Dauphin√© erster Dauphin und √ľbernahm schon 1356, als sein Vater bei Maupertuis gegen die Engl√§nder gefangen wurde, die Reichsverwaltung, hatte aber anfangs einen schwierigen Stand, da die Gro√üen sich die Gewalt anma√üten, die Stadt Paris revoltierte und gleichzeitig die Unruhen der Jacquerie ausbrachen. Nach dem Frieden von Bretigny 1360 kehrte Johann auf den Thron zur√ľck. den sodann nach seinem Ableben (8. April 1364) K. bestieg. Selbst dem Krieg abgeneigt, fand K. in dem Bretonen Bertrand Duguesclin eine gl√ľckliche Hand f√ľr dessen F√ľhrung. Den Engl√§ndern nahm Duguesclin fast alle ihre Besitzungen in Frankreich wieder ab. Schon 1367 hatte K. ein Landfriedensgesetz erlassen, wie er denn √ľberhaupt Sicherung des Landes vor den S√∂ldnerbanden, vor dem Druck des Adels und seinen Binnenz√∂llen und vor den Ungerechtigkeiten der Gerichte erstrebte. Durch Handelsbeg√ľnstigungen zog er auch Fremde ins Land, beg√ľnstigte K√ľnste und Wissenschaften, stiftete die k√∂nigliche Bibliothek in Paris und erbaute die Bastille daselbst. Seine Gemahlin Johanna von Bourbon gebar ihm zwei S√∂hne, seinen Nachfolger Karl VI. und Ludwig, Herzog von Orl√©ans. Vgl. Choisy, Vie de Charles V (Par. 1689, neue Ausg. 1784); Barth√©lemy de Beauregard, Histoire de Charles V (das. 1843); Delisle, Mandements et actes divers de Charles V (das. 1874).

22) K. VI., der Geliebte oder der Wahnsinnige, geb. 3. Dez. 1368 in Paris, gest. 21. Okt. 1422, Sohn des vorigen, kam 1380 auf den Thron unter Vormundschaft seiner v√§terlichen Oheime Ludwig von Anjou, Johann von Berri und Philipp von Burgund, die das Land aufs √§u√üerste bedr√ľckten und viele Aufst√§nde des Volkes in Paris und andern St√§dten hervorriefen. Die Emp√∂rungen wurden blutig unterdr√ľckt, die aufr√ľhrerischen Flandrer 1382 bei Roosebeke besiegt u. die Herrschaft des Adels neu begr√ľndet. Erst 1388 √ľbernahm K. die Regierung selbst. Er war guten Regungen leicht zug√§nglich, freundlich und herablassend, pers√∂nlich tapfer; doch war er phantastisch, nerv√∂s aufgeregt und steigerte diese f√ľr einen Regenten so gef√§hrlichen Eigenschaften durch Ausschweifungen, die ihn bald jeder ernstern Besch√§ftigung entfremdeten. Auf einem Zuge gegen den aufr√ľhrerischen Herzog von der Bretagne (1392) fiel der K√∂nig in Geisteszerr√ľttung, und ein zuf√§lliger Brand bei einer Maskerade, der mehreren Personen das Leben kostete, brachte bei ihm den Wahnsinn 1393 unheilbar zum Ausbruch. Um die Herrschaft stritten sich nun zwei Parteien, die Armagnacs unter dem Herzog Ludwig von Orl√©ans und nach dessen Ermordung 1407 unter dem Grafen von Armagnac, und die Bourguignons unter dem Herzog Johann von Burgund. Jenen schlo√ü sich der Dauphin Karl, diesen K√∂nig Karls Gemahlin Isabeau von Bayern an. Die innern K√§mpfe benutzte Heinrich V. von England zu einem neuen Eroberungskrieg, und 1420 schlo√ü der K√∂nig unter dem Einflu√ü Isabeaus und Burgunds mit Heinrich V. den Vertrag von Troyes, in dem er diesem seine Tochter Katharina verm√§hlte und ihn als Thronfolger anerkannte. Vgl. Duval-Pineux, Histoire de France sous le r√®gne de Charles VI (Par. 1842, 2 Bde.); du Fresne de Beaucourt, Histoire de Charles VII, Bd. 1 (das. 1881).

23) K. VII., der Siegreiche, geb. 22. Febr. 1403, gest. 22. Juli 1461, dritter Sohn und Nachfolger des vorigen, wurde nach dem Tode seiner √§ltern Br√ľder 1417 Dauphin und Regent, aber 1418 von den Bourguignons aus Paris vertrieben und nahm in Bourges seine Residenz. Als er jedoch auf Anstiften Duch√Ętels Johann den Unerschrockenen von Burgund auf der Yonnebr√ľcke zu Montereau 10. Sept. 1419 hinterlistig hatte ermorden lassen, fielen alle burgundischen L√§nder, ganz Nordfrankreich, den Engl√§ndern zu, auf deren Seite auch Karls eigne Mutter Isabeau trat. K√∂nig Heinrich V. lie√ü K. durch das Pariser Parlament f√ľr des Thrones verlustig erkl√§ren (1421), und nach Heinrichs und Karls VI. Tode (1422) wurde des erstern einj√§hriger Sohn, Heinrich VI., in Paris als K√∂nig anerkannt. Bei Crevant (1423) und bei Verneuil (1424) vollst√§ndig geschlagen, wurde das Heer des ¬ĽDauphins¬ę K. durch die verb√ľndeten Engl√§nder und Burgunder hinter die Loire getrieben, so da√ü man K. spottweise den ¬ĽK√∂nig von Bourges¬ę nannte. Leichtsinnig vert√§ndelte K. zu Chinon seine Zeit mit √ľppigen Festen und zahlreichen M√§tressen. Endlich verschaffte die Jungfrau von Orl√©ans (s. Jeanne d'Are) K. den Sieg und f√ľhrte ihn 1429 in die Kr√∂nungsstadt Reims. Burgund vers√∂hnte sich 1435 mit K. durch den freilich f√ľr letztern sehr opfervollen Vertrag von Arras. Seitdem ging es mit der Herrschaft der Engl√§nder unaufhaltsam r√ľckw√§rts, zumal K., durch seine Geliebte Agnes Sorel veranla√üt, mehr T√§tigkeit und Eifer entwickelte. Im April 1436 wurde den Engl√§ndern Paris abgenommen, und bis zum Oktober 1453 wurden sie g√§nzlich aus Frankreich vertrieben. Inzwischen begr√ľndete K. durch die Pragmatische Sanktion von 1438 die Freiheit der gallikanischen Kirche. Vor allem ordnete er die Finanzen und die Rechtspflege, beseitigte die z√ľgellosen S√∂ldnerbanden (Armagnacs), errichtete ein kleines, aber zuverl√§ssiges stehendes Heer und hemmte durch energische Verordnungen den Druck des Adels auf die untern Klassen, was einen offenen Aufstand, die sogen. Praguerie, hervorrief, dem sich sogar der Dauphin Ludwig anschlo√ü. K. war verm√§hlt mit Maria von Anjou, die ihm einen Sohn, den nachherigen Ludwig XI., gebar. Vgl. Vallet de Viriville, Histoire de Charles VII (Par. 1862‚Äď65, 3 Bde.); du Fresne de Beaucourt, Histoire de Charles VII (das. 1881‚Äď92, 6 Bde.); Cl√©ment, Jacques CŇďur et Charles VII (4. Aufl., das. 1874)

24) K. VIII., geb. 30. Juni 1470 in Amboise, gest. 7. April 1498, √§ltester Sohn Ludwigs XI., Enkel des vorigen, bestieg nach dem Tode seines Vaters 1483 den Thron. K. war ein schw√§chlicher, phantastischer und beschr√§nkter F√ľrst. Durch seine Verm√§hlung mit Anna, der Erbin der Bretagne, erwarb er dies Land f√ľr die Krone. Als Erbe der Rechte der Anjous auf Neapel unternahm er 1494 einen Kriegszug nach Italien, eroberte auch 1495 das K√∂nigreich, ward aber durch den Bund zwischen dem Papste, dem Kaiser, Ferdinand von Aragonien u. a. wieder aus Italien vertrieben. Er starb, erst 27 Jahre alt. Mit ihm erlosch der √§ltere Stamm der Valois. Sein Nachfolger war Ludwig XII., Urenkel Karls V. Vgl. S√©gur, Histoire de Charles VIII (2. Aufl., Par. 1842, 2 Bde.); de Cherrier, Histoire de Charles VIII (2. Aufl., das. 1870, 2 Bde.); Delaborde, L'exp√©dition de Charles VIIIen Italie (das. 1888); Zeller, Charles VIII: La guerre folle; le mariage breton, 1485‚Äď4491 (das. 1888); ¬ĽLettres de Charles VIII¬ę (das. 1898‚Äď1903, 4 Bde.).

25) K. IX., zweiter Sohn Heinrichs II. und der Katharina von Medici, bei seiner Geburt 27. Juni 1550 zum Herzog von Orl√©ans ernannt, gest. 30. Mai 1574, folgte seinem Bruder Franz II. 5. Dez. 1560 auf dem Thron und zwar unter Vormundschaft seiner Mutter. 1563 f√ľr m√ľndig erkl√§rt, √ľberlie√ü er die Regierung nach wie vor seiner Mutter. Eine gr√∂√üere Selbst√§ndigkeit zeigte er erst 1570, nach dem Religionsfrieden von St.-Germain-en-Laye. Er berief Coligny als seinen vertrauten Ratgeber an den Hof, beg√ľnstigte die Hugenotten im Innern und schlug nach au√üen eine den Spaniern feindselige Politik ein, die zum Kriege mit diesen f√ľhren zu m√ľssen schien. Als aber Colignys Entw√ľrfe mannigfache Niederlagen erlitten, gelang es Katharina und deren Freunden, K. zum Bruch mit den Hugenotten und zur Anordnung der Pariser Bluthochzeit (s. Bartholom√§usnacht) fortzurei√üen, die er nachtr√§glich als l√§ngst geplante und listig verwirklichte Absicht bezeichnete. Da die Metzelei aber nicht den innern Frieden des Reiches herstellte, sondern nur neue Aufst√§nde herbeif√ľhrte, wurde sein Gewissen nicht wieder ruhig, und er erlag der Schwindsucht im Schlo√ü zu Vincennes. Seine Gemahlin Elisabeth, Tochter des Kaisers Maximilian 11., hatte ihm keine Kinder geboren, daher ihm sein Bruder Heinrich III. in der Herrschaft folgte. Vgl. Desjardins, Charles IX, 1570 bis 1572 (Douai 1825); De la Barre-Duparcq, Histoire de Charles IX (Par. 1875). M√©rim√©e hat die Geschichte Karls dichterisch behandelt in seiner ¬ĽChronique du r√®gne de Charles IX¬ę (1829 u. √∂fter).

26) K. X. Philipp, geb. 9. Okt. 1757 in Versailles, gest. 6. Nov. 1836 in G√∂rz, dritter Sohn des Dauphins Ludwig, einzigen Sohnes Ludwigs XV., Bruder Ludwigs XVI. und Ludwigs XVIII., erhielt den Titel eines Grafen von Artois. Seine Erziehung an dem frivolen Hof seines Gro√üvaters Ludwig XV. blieb nicht ohne √ľble Einwirkung auf den √ľberdies geistig beschr√§nkten Prinzen. Im Juli 1789 gab er das Zeichen zur Auswanderung des royalistischen Adels und zog allenthalben umher, seinem Vaterlande Feinde zu erwecken. Bei Kaiser Leopold II. in Mantua warb er f√ľr einen Angriff auf Frankreich, wohnte 1791 dem Kongre√ü in Pillnitz bei und nahm im Emigrantenkorps an der Invasion von 1792 teil. Nach Ludwigs XVI. Tode ward er von Ludwig XVIII. zum Generalleutnant des K√∂nigreichs ernannt und versuchte 1795 mit einer englischen Flottille bei Ile Dieu eine Landung, die jedoch mi√ülang. Darauf lebte er von der ihm verliehenen englischen Pension von 15,000 Pfd. Sterl. in London und in Hartwell bei seinem Bruder. Als die Verb√ľndeten 1814 gegen Paris zogen, trat er mit einer freiheitverhei√üenden Proklamation in Frankreich auf. In Paris nahm er als Generalleutnant im Namen Ludwigs XVIII. die Regierung in die Hand, verk√ľndete Freiheit der Presse und der Personen, Aufhebung der Droits r√©unis (12. April 1814), erkannte auch die Grundz√ľge der Konstitution an und schlo√ü einen Waffenstillstand mit den Verb√ľndeten. Bei Napoleons I. R√ľckkehr (1815) floh K. mit der k√∂niglichen Familie nach Gent. Nach der zweiten Restauration legten er und seine Gesinnungsgenossen (¬ĽPavillon Marsan¬ę) die ausschweifendsten reaktion√§ren Gel√ľste an den Tag und intrigierten gegen seinen Bruder Ludwig XVIII., die Charte und die Kammern. Nachdem er 16. Sept. 1824 seinem Bruder auf dem Thron gefolgt war und sich 29. Mai 1825 mit mittelalterlichem Pomp in Reims hatte salben und kr√∂nen lassen, schien er anfangs eine gem√§√üigtere Richtung einzuschlagen, lenkte aber sodann wieder in die fr√ľhere reaktion√§re Bahn ein. Er berief Vill√®le an die Spitze eines r√ľckschrittlichen Ministeriums und √ľbertrug, nachdem der gem√§√üigtere Martignac sich mit der Kammer nicht hatte verst√§ndigen k√∂nnen, Polignac die Leitung der Staatsgesch√§fte. Durch ausw√§rtige Erfolge suchte K. die Unzufriedenheit der Nation zu beschwichtigen und unternahm zu diesem Zweck 1830 die Expedition nach Algier. Doch blieb sie ohne Erfolg auf die Volksstimmung, zu deren Organ sich die 221 liberalen Mitglieder der Kammer machten. Um die Opposition zu unterdr√ľcken, erlie√ü K. 25. Juli 1830 die ber√ľchtigten Juliordonnanzen. Hierdurch rief er die Julirevolution von 1830 hervor, infolge deren er 2. Aug. 1830 zugunsten seines Enkels, des Herzogs Heinrich von Bordeaux, auf die Krone verzichtete. Er lebte fortan nacheinander in Edinburg, Prag, Kirchberg und G√∂rz. K. war seit 1773 verm√§hlt mit Maria Theresia von Savoyen, die ihm die Herzoge von Angoul√™me und von Berri gebar. Vgl. V√©drenne, Vie de Charles X (Par. 1879, 3 Bde.); Petit, Charles X (das. 1886); Villeneuve. Charles X et Louis XIXen exil. M√©moires in√©dits (das. 1889); Imbert de Saint-Amand, La cour de Charles X (das. 1892).

[Gro√übritannien und Irland.] K√∂nige von England, Schottland und Irland: 27) K. I., geb. 19. Nov. 1600 zu Dunfermline in Schottland, gest. 30. Jan. 1649, zweiter Sohn Jakobs I., durch den Tod seines Bruders Heinrich 1612 Prinz von Wales geworden, bestieg 6. April 1625 den Thron. K. hatte schon vorher durch seine Verlobung mit der katholischen Henriette Maria, Tochter Heinrichs IV. von Frankreich, die √∂ffentliche Meinung gegen sich, und sp√§ter entzog ihm die vom Vater ererbte Neigung zu dem stolzen Buckingham die Liebe des Volkes noch mehr. Zudem war er, obwohl t√§tig, geistvoll, g√ľtig und liebensw√ľrdig, doch zu Leichtsinn, Hartn√§ckigkeit und Willk√ľr geneigt, vor allem aber besa√ü er einen unwiderstehlichen Hang zu gef√§hrlichen und zweideutigen Intrigen. So geriet er bald in scharfe K√§mpfe mit dem Parlament, die nach der Ermordung Buckinghams (im August 1628) zuletzt dahin f√ľhrten, da√ü der K√∂nig eine Reihe von Jahren hindurch ohne Parlament mit Hilfe verfassungswidriger Willk√ľrma√üregeln regierte, in weltlichen Angelegenheiten haupts√§chlich von Wentworth, sp√§ter Lord Strafford (s. d.), in geistlichen von dem Erzbischof Land (s. d.) beraten. Allein als der K√∂nig 1637 auch mit den Schotten zerfiel, die wegen der Einf√ľhrung einer neuen hochkirchlichen Liturgie einen Aufstand unternahmen, sah er sich 1640 gen√∂tigt, das Parlament wieder zu berufen. Indessen der fr√ľhere Zwist erneuerte und verst√§rkte sich nur: das Parlament wollte die bedr√§ngte Lage Karls zur Erweiterung der eignen und zur Beschr√§nkung der k√∂niglichen Rechte benutzen; K. gab in vielen Dingen nach und war kleinm√ľtig genug, dem Unterhause sogar seine G√ľnstlinge Strafford und Land zu opfern. Aber trotzdem brach 1642, als der K√∂nig London verlie√ü, der offene Kampf zwischen ihm und seinem Volk aus. K. berief ein Parlament nach York, lehnte die letzten Forderungen des Londoner Parlaments, das einen Verzicht auf die wichtigsten Machtbefugnisse der Krone verlangte, ab und begann den B√ľrgerkrieg. Fast zwei Jahre lang behauptete er das √úbergewicht, bis die Verbindung des englischen und schottischen Parlaments, das Scheitern des Versuchs des K√∂nigs, sich auf ein in Oxford zusammenberufenes royalistisches Gegenparlament zu st√ľtzen, endlich die Reorganisation der Parlamentsarmee durch Cromwell die Entscheidung herbeif√ľhrten. Am 2. Juli 1644 erlitten die K√∂niglichen bei Marston-Moor, unweit York, eine bedeutende Niederlage, und wenn diese auch durch die Unf√§lle, die das Parlamentsheer unter dem Grafen Essex 1. Sept. in Cornwall erlitt, aufgewogen wurde, so war doch das Unterliegen des K√∂nigs kaum noch zweifelhaft. Neue Verhandlungen zu Uxbridge (Januar 1645) scheiterten an den weitgehenden Forderungen des Parlaments. Die Niederlage bei Naseby, unweit Northampton (14. Juni), namentlich aber die Ver√∂ffentlichung seines Briefwechsels, den die Sieger erbeutet hatten, und aus dem hervorging, da√ü er die Hilfe des Auslandes nachgesucht hatte, bestimmten K. zur Nachgiebigkeit. Allein es war zu sp√§t. Seine Anerbietungen wurden zur√ľckgewiesen; und, um nicht in Oxford eingeschlossen zu werden, warf er sich den Schotten in die Arme. Am 27. April 1646 floh er und gelangte nach mehrt√§gigem Umherirren in das Schottenlager. Der Empfang war ehrenvoll, aber tats√§chlich war K. nur ein Gefangener, und im Januar 1647 lieferten die Schotten ihn f√ľr 400,000 Pfd. Sterl. an das englische Parlament aus, das ihn im Schlo√ü Holmby in der Grafschaft Northampton gefangen setzte. Die Presbyterianer dachten nun an eine vertragsm√§√üige Ausgleichung der Wirren, die Independenten hingegen erstrebten unbedingte Beseitigung der k√∂niglichen Macht. Cromwell lie√ü den K√∂nig heimlich entf√ľhren und kn√ľpfte Verhandlungen mit ihm an, deren Erfolg aber durch das zweideutige Verhalten des K√∂nigs vereitelt wurde. Am 11. Nov. entfloh K. von Hamptoncourt auf die Insel Wight, ward jedoch vom Gouverneur der Insel verhaftet und auf das feste Schlo√ü Carisbrook gebracht. In den letzten Monaten 1647 fanden zwar neue Verhandlungen zwischen K√∂nig, Heer und Parlament statt, die aber von vornherein aussichtslos waren und deren Abbruch im Januar 1648 beschlossen wurde. Nun r√ľsteten zwar die Schotten f√ľr K. und r√ľckten in England ein, wurden aber von Cromwell 17.‚Äď19. Aug. bei Preston geschlagen. Gleichwohl erneuerte das Parlament die Verhandlungen mit dem K√∂nig; aber das Heer wollte davon nichts wissen, bem√§chtigte sich 1. Dez. der Person Karls und entfernte 6. Dez. die seinen Tendenzen widerstrebenden Mitglieder gewaltsam aus dem Unterhaus. Der K√∂nig wurde 23. Dez. nach Windsor gebracht, und das Rumpfparlament beschlo√ü im Januar 1649 seine Anklage wegen Hochverrats vor einem Gerichtshof von 150 Personen, bestehend aus Peers, Oberrichtern, Baronets, Aldermen und Mitgliedern des Unterhauses. Am 19. Jan. brachte man K. nach London; am 20. begann der Proze√ü im gro√üen Saal von Westminster. Bradshaw (s. d.) war Pr√§sident des Gerichtshofs, gegen den K. protestierte. Vergebens verwendeten sich die ausw√§rtigen H√∂fe und das schottische Parlament f√ľr K.: am 27. ward er als Tyrann, Verr√§ter, M√∂rder und Landesfeind zum Tode verurteilt. Nach Mitteilung des Urteils verlangte K. noch einmal Geh√∂r; man glaubte, da√ü er der Krone zugunsten des Prinzen von Wales entsagen wollte. Er wurde jedoch mit Gewalt abgef√ľhrt und 30. Jan. vor dem Palast Whitehall in London hingerichtet. Die Schriften Karls gab Brown (Haag 1651) heraus, seine Memoiren 1646‚Äď49 Allen Fea (Lond. 1904); seine Briefe an Henriette Maria wurden 1856 von der Camden Society ver√∂ffentlicht. Sein Bildnis s. Tafel ¬ĽKost√ľme III¬ę, Fig. 1. Vgl. Disraeli, Commentaries on the life and reign of Charles I. (Lond. 1828‚Äď1831, 5 Bde.; neue Ausg. 1850, 2 Bde.); Guizot, Histoire de Charles I, 1625‚Äď1649 (Par. 1828 u. √∂., 2 Bde.); Gardiner, History of England under the duke of Buckingham and Charles I., 1624‚Äď1628 (Lond. 1874, 2 Bde.), The personal government ot Charles I., 1628‚Äď1637 (das. 1877, 2 Bde.) und The fall of the monarchy of Charles I. (das. 1882, 2 Bde.); Chancellor, Life of Charles I., 1600‚Äď1625 (das. 1886); Skelton, Charles I. (das. 1898).

28) K. II., √§ltester Sohn des vorigen, geb. 29. Mai 1630, gest. 6. Febr. 1685, wurde w√§hrend des B√ľrgerkrieges unter Leitung seiner Mutter in Frankreich erzogen und befand sich zur Zeit der Hinrichtung seines Vaters im Haag. Danach nahm er den K√∂nigstitel an und wurde in Irland und 5. Febr. 1649 auch in Schottland zum K√∂nig ausgerufen. Aber der in Irland zu seinen Gunsten ausgebrochene Aufstand ward von Cromwell und Ireton niedergeworfen, und auch in Schottland hatte K. keinen Erfolg. Er landete zwar daselbst im Juni 1650 und wurde, nachdem er sich den Anforderungen des presbyterianischen Parlaments gef√ľgt hatte, zu Scone gekr√∂nt (1. Jan. 1651); aber inzwischen war Cromwell nach seinem Sieg bei Dunbar √ľber Leslie schon tief in Schottland eingedrungen. Um ihn zum R√ľckzug zu bewegen, unternahm K. mit 14,000 Mann einen k√ľhnen Marsch nach England, wurde aber 3. Sept. 1651 bei Worcester v√∂llig geschlagen. Nach einer abenteuerreichen Flucht gelangte er 16. Okt. in die Normandie. K. lebte nun vorzugsweise in den Niederlanden und h√∂rte nicht auf, Pl√§ne f√ľr seine R√ľckkehr zu schmieden. Doch erst nach Cromwells Tod trat die royalistische Partei in England offener hervor, und als sich ihr auch der General George Monk anschlo√ü, setzte sie im Mai 1660 die Wiederherstellung des K√∂nigtums durch. K., der sich im Haag befand, kam 25. Mai auf der zu seinem Empfang abgeschickten Flotte in Dover an und zog 29. Mai unter lautem Jubel des Volkes in London ein. England hatte wieder einen K√∂nig; aber in der den Stuarts eigent√ľmlichen Verblendung kn√ľpfte dieser √ľberall da an, wo sein Vater geendet hatte. Die bisch√∂fliche Kirche wurde wiederhergestellt; die presbyterianischen Geistlichen, denen K. die in Schottland erlittenen Dem√ľtigungen nicht verzieh, verloren ihre Pfarreien; die verkauften L√§ndereien der Krone und der Kirche wurden eingezogen; den Richtern Karls I. ward der Proze√ü gemacht, mehrere wurden hingerichtet, die Leichen andrer, auch die Cromwells, aus den Gr√§bern gerissen und an den Galgen geh√§ngt. Auch die ausw√§rtige Politik Karls war weder gl√ľcklich noch ruhmvoll. Er verkaufte das von Cromwell erworbene D√ľnkirchen an Frankreich und st√ľrzte sich 1665 in einen Krieg mit Holland, in dem er die Schmach erlebte, da√ü eine niederl√§ndische Flotte in die Themse eindrang, und dem der Friede von Breda 1667 ein wenig befriedigendes Ende machte. Vollends nach der Entlassung seines Ministers Edward Hyde Lord Clarendon und der Einsetzung des h√∂chst unpopul√§ren Cabal-Ministeriums warf K. sich in die Arme der Reaktion. Seit Anfang 1669 ging er mit dem Plan um, mit Hilfe Ludwigs XIV. die katholische Religion und die absolute Monarchie wieder einzuf√ľhren, und im Juni 1670 schlo√ü er eine geheime Allianz mit Frankreich, die ihn v√∂llig von den Subsidien Ludwigs abh√§ngig machte. Dieser Bund n√∂tigte ihn 1672 zur Teilnahme an dem Rachekrieg Frankreichs gegen Holland, doch zwang ihn der Wille der Nation schon 1674 zum Frieden. Auch die religi√∂sen Pl√§ne des K√∂nigs hatten wenig Erfolg: seine 1672 erlassene Duldungsverordnung, welche die Strafgesetze gegen Katholiken und Dissidenten aufhob, mu√üte er zur√ľcknehmen und der Testakte zustimmen, welche die Katholiken von allen √∂ffentlichen √Ąmtern ausschlo√ü. Nach einigen Jahren energielosen Schwankens wurde K. 1678 wieder in entschiedenere Bahnen gelenkt. Das von Titus Oates denunzierte angebliche Komplott der Papisten (popish plot), den K√∂nig zu ermorden und den Katholizismus mit Gewalt wieder einzuf√ľhren, brachte ganz England in Aufregung; das Parlament verlangte 1679, haupts√§chlich auf Betreiben Lord Shaftesburys, die Ausschlie√üung des Herzogs von York (nachmals Jakobs II.) von der Thronfolge. K. genehmigte zwar die gleichzeitig beschlossene Habeaskorpusakte, verweigerte aber seine Zustimmung zu der Ausschlie√üungsbill, l√∂ste 1679 und 1681 drei Parlamente, deren drittes er nach Oxford berief, kurz hintereinander auf, schlo√ü mit Frankreich einen neuen Subsidienvertrag ab und regierte nun ohne Parlament. Shaftesbury floh nach Holland, die Opposition der gro√üen St√§dte, auch Londons, wurde gebrochen, indem man ihre Freiheitsbriefe durch Jeffreys (s. d.) kassieren lie√ü, ein Emp√∂rungsversuch des Herzogs von Monmouth ward schon vor dem Ausbruch erstickt und an den H√§uptern der Whigs, Lord William Russell und Algernon Sidney, auf dem Schafott gestraft. K. mochte glauben, seiner Feinde Herr geworden zu sein, als er 2. Febr. 1685 vom Schlage getroffen wurde. Auf seinem Totenbett empfing er auf seines Bruders Wunsch das Abendmahl und die Letzte √Ėlung nach katholischem Ritus. Nicht ohne Talente und Bildung, in Rede und Umgang voll Anmut, bisweilen nach dem H√∂chsten strebend, hat K. doch nie seine Herrscheraufgabe in vollem Ernst erfa√üt, und mit kleinen Mitteln glaubte er gro√üe Ziele erreichen zu k√∂nnen. Karls Privatleben war h√∂chst z√ľgellos; w√§hrend seine legitime Ehe mit Katharina von Portugal (s. Katharina 5) kinderlos blieb, hat er eine gro√üe Zahl nat√ľrlicher Kinder hinterlassen, von denen er neun anerkannt hat. Vgl. Harris, Life of Charles II. (Lond. 1766); Sidney, Diary of the times of Charles II. (das. 1843, 2 Bde.); Macpherson, History of Great Britain from the restoration of Charles II., etc. (das. 1873); Airy, Charles II. (2. Aufl., das. 1904); Pollock, Popish plot, etc. (das. 1903).

29) K. Eduard, der Pr√§tendent, geb. 31. Dez. 1720 in Rom, gest. 30. Jan. 1788, Enkel K√∂nig Jakobs II. von England und Sohn des Pr√§tendenten Jakob III. (s. Jakob 5), begab sich 1744 nach Frankreich, wo ihm Ludwig XV. eine Flotte zur Wiedererlangung der Krone seiner V√§ter zur Verf√ľgung stellte, deren Unternehmen indes, ohne da√ü es zur Invasion in England kam, scheiterte. Darauf r√ľstete der Prinz mit geringen Mitteln ein Schiff aus und landete mit wenigen Getreuen im Juli 1745 an der schottischen K√ľste. Anfangs hatte er Erfolg: zahlreiche Hochl√§nder schlossen sich ihm an; er lie√ü sich nach der Eroberung von Perth zum Regenten und seinen Vater zum K√∂nig ausrufen, schlug 21. Sept. bei Preston-Pans die ihm entgegengesandten englischen Truppen und zog 22. Sept. in Edinburg ein. Demn√§chst brach er gegen England auf, √ľberschritt 8. Nov. die Grenze, nahm Carlisle und r√ľckte in Derby ein. Bald aber ward er von der englischen √úbermacht zur√ľckgedr√§ngt. Zwar siegte er 28. Jan. 1746 bei Falkirk; aber die Niederlage, die er bei Culloden (27. April) durch den Herzog von Cumberland erlitt, zwang ihn zur Flucht in die Hochlande Schottlands, von wo er nach f√ľnfmonatigen M√ľhseligkeiten und nach Gefahren aller Art nach Frankreich entkam. Hier erhielt er vom Hof ein Jahrgel d, wurde aber nach dem Aachener Frieden 1748 ausgewiesen und lebte in der Folge meist zu L√ľttich, besuchte auch noch einigemal England, ohne von der Regierung beachtet zu werden. Sp√§ter lebte er teils in Florenz, teils in Rom als Graf von Albany, heiratete 1772 die Gr√§fin Luise von Stolberg-Gedern (s. Albany 1, S. 263), eine Ehe, die 1780 wieder getrennt wurde. und ergab sich endlich dem Trunk, der sein Ende beschleunigte. Er ward zu Frascati mit k√∂niglichen Ehren bestattet, sein Bruder, der Kardinal von York (gest. 13. Juli 1807 in Frascati), hielt das Totenamt. Vgl. Pichot, Histoire de Charles-Edouard (4. Aufl., Par. 1846); Klose, Leben des Prinzen K. (Leipz. 1842); Ewald, Life and times of Prince Charles Stuart (Lond. 1875, 2 Bde.; 3. Aufl. in 1 Bd. 1903); v. Hassel, Der Aufstand des jungen Pr√§tendenten K. Eduard Stuart (Leipz. 1876); A. Lang, Prince Charles Edward Stuart (Lond. 1900, Prachtwerk; Textausg. 1903); Norie, Life and adventures of Prince Charles Edward Stuart (das. 1903, 4 Bde.).

[Hessen-Rothenburg.] 30) K. Konstantin, Prinz von Hessen-Rothenburg, geb. 10. Jan. 1752 als Sohn des Landgrafen Konstantin von Hessen-Rothenburg (gest. 1778) und der Maria Eva, verw. F√ľrstin von Nassau-Siegen, einer gebornen Gr√§fin Starhemberg (gest. 1773), gest. in der Nacht vom 19. zum 20. Mai 1821 in Frankfurt a. M., bekannt durch seine Schw√§rmerei f√ľr die franz√∂sische Revolution (er nannte sich seit 10. Aug. 1792 ¬ĽCitoyen Hesse¬ę) und sein abenteuerliches Leben. Vgl. Kleinschmidt, Prinz K. Konstantin von Hessen-Rothenburg (in der Zeitschrift des Vereins f√ľr hessische Geschichte und Landeskunde, Kassel 1901).

[Hohenzollern.] 31) K. Anton Friedrich Meinrad Fidelis, F√ľrst von Hohenzollern-Sigmaringen, Sohn des F√ľrsten Anton Aloys, geb. 20. Febr. 1785, gest. 11. M√§rz 1853 in Bologna, √ľbernahm 17. Okt. 1831 die Regierung, trat sie aber 27. Aug. 1848 an seinen Sohn ab. Verm√§hlt warer mit Antoinette Murat, einer Nichte des K√∂nigs Joachim.

32) K. Anton, F√ľrst von Hohenzollern, Sohn des vorigen, geb. 7. Sept. 1811, gest. 2. Juni 1885 in Sigmaringen, folgte seinem Vater kraft der Zession vom 27. Aug. 1848 in der Regierung, trat aber 7. Dez. 1849 das F√ľrstentum an Preu√üen ab, siedelte nach D√ľsseldorf √ľber und erhielt durch k√∂nigliche Order vom 20. M√§rz 1850 das Pr√§dikat ¬ĽHoheit¬ę mit den Vorrechten eines nachgebornen Prinzen des k√∂niglichen Hauses. Seit 1831 in preu√üischen Milit√§rdiensten und zuletzt Kommandeur der 14. Division, erhielt er 6. Nov. 1858 das Pr√§sidium im Ministerium der neuen √Ąra und 2. Dez. auch im Staatsrat, wurde gleichzeitig kommandierender General des 7. Armeekorps, was er bis 1860 blieb, und erhielt 1861 das Pr√§dikat ¬ĽK√∂nigliche Hoheit¬ę, schied aber im M√§rz 1862 wieder aus dem Ministerium, worauf er Anfang 1863 als General der Infanterie zum Milit√§rgouverneur in der Rheinprovinz und Westfalen ernannt wurde. Seit 1868 stellvertretender Pr√§ses der Landesverteidigungskommission, lebte er seit 1873 in Sigmaringen. Seit 1834 war er verm√§hlt mit Josephine von Baden (geb. 21. Okt. 1813, gest. 19. Juni 1900 in Sigmaringen), die ihm vier S√∂hne und zwei T√∂chter gebar (Weiteres s. Hohenzollern, S. 454,2. Spalte). Ihm zu Ehren erhielt 1889 das hohenzollerische F√ľsilierregiment Nr. 40 den Namen F√ľsilierregiment F√ľrst K. Anton von Hohenzollern. Vgl. Schmitz, F√ľrst K. Anton v. Hohenzollern (4. Aufl., Neuwied 1893).

[Lothringen.] 33) K. III. (II. als Herzog), der Gro√üe, geb. 1543 in Nancy, gest. 1608, Sohn des Herzogs Franz I. und der Christine von D√§nemark, gelangte 1546 unter m√ľtterlicher Vormundschaft zur Regierung, wurde aber seit 1552, nachdem sich Heinrich II. von Frankreich Metz', Touls und Verduns bem√§chtigt hatte, am franz√∂sischen Hof erzogen und verm√§hlte sich hier mit Heinrichs II. Tochter Claudia. Nach Heinrichs II. Tod (1559) kehrte er nach Lothringen zur√ľck und zeichnete sich durch eine weise Regierung aus. Er verst√§rkte sein Heer, stiftete die Universit√§t Pont-√†-Mousson und vergr√∂√üerte Nancy.

34) K. IV. (III.), Enkel des vorigen, geb. 1604, gest. 8. Sept. 1675, gelangte 1624 zur Herrschaft. Nach mehreren Kriegen, bald gegen Frankreich, bald gegen Schweden, 1631 aus Nancy vertrieben, begab er sich mit 3000 Mann in kaiserliche und nach dem Westf√§lischen Frieden in spanische Dienste. Da er eigen m√§chtig mit den Franzosen unterhandelte, ward er 1654 in Br√ľssel gefangen genommen und nach Tudela in Spanien gebracht, wo er bis 1659 bewacht wurde. Im Pyren√§ischen Frieden erhielt er Freiheit und Land zur√ľck. Aber 1669 r√ľckte ein franz√∂sisches Heer unter dem Marschall Cr√©qui in Lothringen ein. K. nahm nun seit 1672 im Heer der Verb√ľndeten am Kriege gegen Frankreich teil, ward 1674 bei Sinzheim besiegt, schlug aber 11. Aug. 1675 Cr√©qui bei der Konzerbr√ľcke und starb einige Wochen danach. Vgl. Des Robert, Campagnes de Charles IV, duc de Lorraine et de Bar. 1638‚Äď1643 (Nancy 1883‚Äď88. 2 Bde.) und Charles IV et Mazarin (das. 1899).

35) K. V. (IV.) Leopold, geb. 3. April 1643 in Wien, gest. 18. April 1690, zweiter Sohn des Herzogs Franz von Lothringen, Neffe des vorigen, wurde von seinem Oheim als Nachfolger bestimmt, 1669 aber mit diesem durch die Franzosen vertrieben, trat in √∂sterreichische Kriegsdienste und machte den T√ľrkenkrieg mit, in dem er sich namentlich 1683‚Äď88 auszeichnete. Er befehligte das kaiserliche und Reichsheer, das 1683 Wien entsetzte, schlug die T√ľrken 1685 bei Gran, eroberte Neuh√§usel und Ofen und siegte 1687 bei Moh√°cs. 1689 k√§mpfte er gegen Frankreich und eroberte Mainz und Bonn. Er war verm√§hlt mit Eleonore Marie, Schwester Kaiser Leopolds I. und Witwe des K√∂nigs Michael von Polen. Von seinen S√∂hnen erhielt der √§lteste, Leopold, im Ryswyker Frieden Lothringen zur√ľck; der zweite, Karl Leopold, wurde Kurf√ľrst von Trier.

36) K. Alexander, Prinz von Lothringen und Bar, Hochmeister des Deutschen Ordens, k. k. Generalfeldmarschall, geb. 12. Dez. 1712 in Lun√©ville, gest. 4. Juli 1780 in Teruen, Sohn des Herzogs Leopold und der Elisabeth Charlotte von Orl√©ans, erhielt, als Lothringen 1738 an Stanislaus Leszczynski abgetreten ward, das Deutschordens-Gro√üpriorat von Pisa. Er trat fr√ľh in √∂sterreichische Kriegsdienste, k√§mpfte 1736‚Äď39 gegen die T√ľrkei und rettete in der Schlacht bei Krozka den linken Fl√ľgel. Im ersten Schlesischen Kriege wurde er 17. Mai 1742 bei Chotusitz von Friedrich II. geschlagen, focht dann aber mit Gl√ľck gegen die Bayern und Franzosen, ging 1744 √ľber den Rhein und bem√§chtigte sich eines gro√üen Teiles vom Elsa√ü. Beim Ausbruch des zweiten Schlesischen Krieges von Maria Theresia, deren Schwager er war, zur√ľckberufen, vertrieb er, von Traun trefflich beraten, 1744 Friedrich aus B√∂hmen, ward indes 4. Juni 1745 bei Hohenfriedeberg und 30. Sept. bei Soor geschlagen. Nach dem Aachener Frieden 1748 zum Gouverneur der Niederlande ernannt, lebte er meist in Br√ľssel. Beim Ausbruch des Siebenj√§hrigen Krieges 1757 erhielt er den Oberbefehl √ľber s√§mtliche √∂sterreichische Truppen, wurde jedoch 6. Mai bei Prag besiegt, in dieser Stadt eingeschlossen und nur durch Dauns Sieg bei Kolin 18. Juni befreit. Er k√§mpfte dann noch in der Lausitz und in Schlesien, trat aber nach der Niederlage bei Leuthen 5. Dez. vom Kriegsschauplatz ab und begab sich in sein Gouvernement nach den Niederlanden. Dort stiftete er die Kunstakademie (1762), Bibliothekss√§le zu allgemeinem Gebrauch, Versorgungsh√§user, verbesserte das M√ľnzwesen, f√∂rderte den Handel und den Ackerbau und baute neue Kan√§le und Landstra√üen. Zu Br√ľssel befindet sich sein Denkmal. Vgl. Slingeneyer, Vie du prince Charles Alex. de Lorraine (Br√ľssel 1834); L. Perey, Charles de Lorraine et la cour de Bruxelles sous le r√®gne de Marie-Th√©r√®se (Par. 1903).

[Mecklenburg.] 37) K. Friedrich August, Herzog von Mecklenburg-Strelitz, Stiefbruder der K√∂nigin Luise von Preu√üen, geb. 30. Nov. 1785 in Hannover, wo sein Vater, der nachmalige Gro√üherzog Karl Ludwig Friedrich von Mecklenburg-Strelitz (geb. 1741, gest. 1816), als hannoverscher Feldmarschall und Generalgouverneur lebte, gest. 23. Sept. 1837, wurde, da seine Mutter Charlotte, Prinzessin von Hessen-Darmstadt, sehr fr√ľh starb, in Darmstadt unter den Augen seiner Gro√ümutter erzogen, bis er 1794 dem Vater nach Strelitz folgte. Er besuchte die Kriegsschule in Berlin, trat 1805 als Major in die Garde, k√§mpfte bei Auerstedt und zeichnete sich 1813 bei L√ľtzen und Bautzen und besonders als Brigadekommandeur an der Katzbach, bei Wartenburg und bei M√∂ckern, wo er verwundet wurde, aus. Wieder genesen, machte er als Generalleutnant 1814 den Feldzug in Frankreich mit, wurde 1815 Kommandeur der Garde, die er im Kriege von 1815 und bis zu seinem Tode befehligte. Seit 1817 Mitglied des Staatsrats, wurde er 1825 General der Infanterie und 1827 definitiver Pr√§sident des Staatsrats mit der Befugnis, an den Sitzungen der Minister teilzunehmen. Staatsm√§nnisch gebildet, aber entschiedener Absolutist und dem K√∂nig nahe stehend, √ľbte er, namentlich seit Hardenbergs Tod, auf den Gang der preu√üischen Staatsangelegenheiten vielfach entscheidenden Einflu√ü. Unter den Namen J. E. Mand und Weishaupt schrieb der Herzog einige Lustspiele (¬ĽDie Isolierten¬ę) und das Trauerspiel ¬ĽDer ewige Jude¬ę, die 1834 in Berlin gesammelt erschienen. Seit 1889 hei√üt das 6. ostpreu√üische Infanterieregiment Nr. 43 Infanterieregiment Herzog K. von Mecklenburg-Strelitz.

[Navarra.] 38) K. der B√∂se, K√∂nig von Navarra, geb. 1332, gest. 1. Jan. 1387, war der Sohn Philipps von Evreux und der Johanna, Tochter Ludwigs X. von Frankreich, erbte von dieser 1349 das K√∂nigreich Navarra und verm√§hlte sich 1352 mit Johanna, der Tochter des franz√∂sischen K√∂nigs Johann. Aber anstatt den ehrgeizigen Schwiegersohn, der sogar Erbanspr√ľche auf die franz√∂sische Krone hatte, an sich zu fesseln, reizte ihn K√∂nig Johann durch Vorenthaltung seiner franz√∂sischen Lehen zur Feindschaft und lie√ü ihn 1356 unter der Beschuldigung, das Volk gegen ihn aufgereizt zu haben, gefangen nehmen. Nach der Niederlage Johanns bei Maupertuis wieder befreit, stellte sich K. 1357 an die Spitze der aufst√§ndischen Bev√∂lkerung von Paris und strebte offen nach der franz√∂sischen Krone. Auf Betrieb des Prevots Marcel wurde er 1358 zum Kapit√§n von Paris erhoben, erweckte aber durch seine Gewaltt√§tigkeit gegen die Jacquerie das Mi√ütrauen des Volkes und mu√üte nach Marcels Sturz 1359 mit dem Dauphin Frieden schlie√üen. Der Aufschwung der franz√∂sischen Macht unter Karl V. verdr√§ngte K. aus seiner einflu√üreichen Stellung. Zwischen England und Frankreich schwankend, zweimal des Vergiftungsversuchs gegen Karl V. angeklagt. zog sich K. in sein K√∂nigreich Navarra zur√ľck und starb eines schmerzvollen Todes durch Verbrennung. Vgl. E. Meyer, Charles II, roi de Navarre, et la Normandie an XIV. si√®cle (Par. 1898).

[Neapel und Sizilien.] 39) K. I. von Anjou, geb. im Fr√ľhjahr 1226, gest. 7. Jan. 1285, j√ľngster Sohn K√∂nig Ludwigs VIII. von Frankreich und Blankas von Kastilien, erhielt von seinem Bruder Ludwig IX. Anjou und Maine als Apanage und durch seine Verm√§hlung mit Beatrix, Tochter des Grafen Raimund Berengar von Provence (1246), dieses Land, das er allm√§hlich unterwarf und durch Erwerbungen in Piemont vergr√∂√üerte. Er begleitete seinen Bruder 1248 auf dem Kreuzzug, der mit der Gefangenschaft beider Br√ľder endete (1250). Um den Hohenstaufen Manfred zu st√ľrzen, belehnte Papst Clemens IV. 28. Juni 1265 K., der einen Tribut von 8000 Unzen Gold versprochen hatte, mit Neapel und Sizilien, und durch den Sieg bei Benevent 26. Febr. 1266 eroberte K. die Krone. Bald aber reizten Gewalttaten und Steuerdruck das Volk zum Aufstand, und die Gro√üen traten mit Konradin, Manfreds Neffen, in Unterhandlung. Dieser ward jedoch 23. Aug. 1268 bei Tagliacozzo besiegt, in Astura gefangen genommen, durch Spruch des K√∂nigs zum Tode verurteilt und 29. Okt. 1268 enthauptet. Auch die abgefallenen Inl√§nder, Sarazenen und Deutschen wurden blutig bestraft. Als Ludwig IX. 1270 einen neuen Kreuzzug ger√ľstet, veranla√üte ihn K., sich gegen Tunis zu wenden, die Zufluchtsst√§tte staufischer Parteig√§nger, die seinen Thron bedrohten. Nach Ludwigs Tod (25. Aug. d. J.) befehligte er das Kreuzheer und schlo√ü mit dem Herrscher von Tunis einen vorteilhaften Frieden. Weitausblickend waren auch seit 1271 seine Absichten auf den Westen der Balkanhalbinsel (1273 Huldigung der Albanesen von Berat), die dem Kaiser Michael VIII. Palaiologos sehr unbequem waren. In der Sizilianischen Vesper (s. d.) brach 1282 der lange verhaltene Grimm der Sizilianer gegen die Franzosen hervor. Diese wurden 31. M√§rz in Palermo und dann in den andern St√§dten niedergemetzelt. Wohl eilte K. mit Heer und Flotte herbei und belagerte Messina; doch entsetzte Peter von Aragonien, den die Sizilianer zu Hilfe riefen, die Stadt; in einer Seeschlacht bei Reggio wurde die Flotte Karls von der aragonischen geschlagen, und Sizilien blieb dem franz√∂sischen Haus verloren. K. starb unter neuen gewaltigen R√ľstungen, das Verlorne wiederzuerringen. In zweiter Ehe war er verm√§hlt mit Margarete von Nevers, Tochter Herzog Eudos von Burgund. Vgl. Riccio, Genealogia di Carlo I di Angi√≤ (Neapel 1857) und Il regno di Carlo I di Angi√≤ 1272‚Äď1283 (im ¬ĽArchivio storico italiano¬ę, 1875‚Äď81); Cadier, Essai sur l'administration du royaume de Sicile sur Charles I et Charles II d'Anjou (Par. 1891); Merkel, La dominazione di Carlo I d'Angi√≤ in Piemonte ein Lombardia (Tur. 1891); Durrieu, Archives angevines de Naples; √©tude sur les registres du roi Charles I (Toulouse 1886‚Äď87, 2 Bde.); Sternfeld, K. von Anjou als Graf der Provence, 1245‚Äď1265 (Berl. 1888).

40) K. II., der Hinker, Sohn des vorigen, geb. 1254, gest. 1309, war 1283 von den Sizilianern in einer Seeschlacht besiegt worden und befand sich bei Karls I. Tod in Gefangenschaft bei Peter III. von Aragonien und Sizilien. Er erlangte erst 1288 unter harten Bedingungen seine Freilassung und wurde 1289 vom Papst, der ihn von den eingegangenen Verbindlichkeiten freisprach, als K√∂nig gekr√∂nt, w√§hrend man gegen Jakob V. von Sizilien einen abermaligen Kreuzzug vorbereitete. Als dieser, durch den Bann eingesch√ľchtert, 1295 auf Sizilien Verzicht leistete, erhoben die Sizilianer seinen Bruder Friedrich auf den Thron, den K. im Frieden von Caltabellotta 1302 anerkennen mu√üte. K. war verm√§hlt mit Maria von Ungarn.

41) K. III. von Durazzo, der Kleine, Sohn Ludwigs von Gravina, geb. 1345, wurde von Johanna I. von Neapel zum Nachfolger ernannt, erhob sich aber auf Anstiften Ludwigs von Ungarn und des Papstes gegen sie, eroberte 1381 Neapel und lie√ü 1382 Johanna ermorden. 1385 von einem Teil des Adels zum K√∂nig von Ungarn erw√§hlt, wurde er im Februar 1386 ermordet. Er war verm√§hlt mit Margarete von Durazzo. ‚Äď K. IV., vgl. unten: K. 70).

[√Ėsterreich.] 42) K. Ludwig Johann, Erzherzog von √Ėsterreich, Herzog von Teschen, einer der ausgezeichnetsten Feldherren der neuern Zeit, geb. 5. Sept. 1771 in Florenz, gest. 30. April 1847, dritter Sohn Kaiser Leopolds II. und der spanischen Infantin Maria Luise, j√ľngerer Bruder des Kaisers Franz I., wurde vom Herzog Albert von Sachsen-Teschen (s. Albert 6) und dessen Gemahlin, Erzherzogin Christine, an Kindes Statt angenommen und folgte diesen 1790 in die Niederlande, wo ihn eine Fraktion der Bewegungspartei als ¬ĽErbsouver√§n und Gro√üherzog¬ę hatte ausrufen wollen. Seine milit√§rische Laufbahn betrat er 1792, focht mit 22 Jahren als Generalmajor in der Schlacht bei Jemappes, nahm 1793 teil an den Schlachten von Aldenhoven und Neerwinden, wo er den feindlichen linken Fl√ľgel in die Flucht schlug, und wurde Generalstatthalter der Niederlande. Am 24. Mai erst√ľrmte er das befestigte Lager auf den H√∂hen von Femers und wohnte der Eroberung von Cond√©, Valenciennes, Le Quesnov sowie der Schlacht von Wattignies bei. Nach der ungl√ľcklichen Schlacht bei Fleurus, in welcher der Herzog von Koburg von Jourdan geschlagen wurde, ging K. 1794 nach Wien, um sich kriegswissenschaftlichen Studien zu widmen. Mit der Ernennung zum Reichsfeldmarschall 1796 begann seine selbst√§ndige milit√§rische Laufbahn. Er warf Jourdan durch die Gefechte von Wetzlar und Uckerodt √ľber den Rhein zur√ľck, lieferte 9. Juli Moreau das Treffen bei Malsch und Rosenthal, siegte √ľber Bernadotte 22. Aug. bei Teining, √ľber Jourdan bei Amberg (24. Aug.) und W√ľrzburg (3. Sept.) und trieb das franz√∂sische Heer √ľber den Rhein zur√ľck. Sodann wandte er sich gegen Moreau an den Oberrhein, schlug ihn bei Emmendingen an der Elz, an der Dreisam, bei Schliengen und n√∂tigte ihn 26. Okt., bei H√ľningen √ľber den Rhein zu gehen. Die hierauf folgende Belagerung Kehls, mit len im Winter, geh√∂rt zu Karls gr√∂√üten Waffentaten; die Festung mu√üte 10. Jan. 1797 kapitulieren. Am 7. Febr. 1797 √ľbernahm K. das Kommando der italienischen Armee, mu√üte aber der √úbermacht weichen und sich vom Tagliamento bis zum Isonzo und von da nach dem Gefecht bei Tarvis (23. M√§rz) bis Leoben zur√ľckziehen. Nach dem Waffenstillstand zu Judenburg 5. April, dem am 18. die Friedenspr√§liminarien von Leoben folgten, eilte K. zur Rheinarmee zur√ľck, wurde aber nach dem Frieden von Campo Formio (im Oktober 1797) zum Gouverneur und Generalkapit√§n von B√∂hmen ernannt und benutzte die Zeit der Ruhe zur Disziplinierung des Heeres. Als 1799, nach dem fruchtlosen Kongre√ü zu Rastatt, ein Heer zwischen dem Lech und der Isar aufgestellt wurde, erhielt K. den Oberbefehl, zog Jourdan, der den Rhein √ľberschritten hatte, entgegen und schlug ihn im M√§rz 1799 bei Biberach, Ostrach und Stockach. Darauf drang er mit Bellegarde und Hotze in die Schweiz ein und lieferte Mass√©na 4. Juni die Schlacht bei Z√ľrich, mu√üte aber dann nach Deutschland zur√ľckkehren, entsetzte Philippsburg und erst√ľrmte Mannheim. Neue Pl√§ne zu einem Feldzug in die Schweiz wurden durch Korsakows Niederlage und den R√ľckzug Suworows vereitelt.

Wegen seiner ersch√ľtterten Gesundheit und Zwistigkeiten mit dem Hofkriegsrat trat er im M√§rz 1800 vom Oberkommando zur√ľck und √ľbernahm Oktober bis November die Leitung der Verteidigungsanstalten B√∂hmens, bildete eine Legion von 25,000 Freiwilligen aus B√∂hmen und M√§hren und erhielt erst, als nach der ungl√ľcklichen Schlacht von Hohenlinden die Franzosen in √Ėsterreich eindrangen, abermals das Kommando. Er fand jedoch die Armee in so traurigem Zustand, da√ü er sich √ľber die Traun nach Steier zur√ľckziehen und dort 20. Dez. einen Waffenstillstand schlie√üen mu√üte, der dem L√ľneviller Frieden im Februar 1801 zur Grundlage diente. 1801 zum Feldmarschall u. Hofkriegsratspr√§sidenten ernannt, unterzog er sich mit Einsicht und Eifer der Reform des Milit√§rwesens. 1805 √ľbernahm K. zun√§chst das Kommando gegen Mass√©na in Italien, schlug ihn bei Caldiero (30. und 31. Okt.), doch zwang ihn die Katastrophe von Ulm. nach dem Norden zu marschieren; er sammelte noch seine Truppen in Westungarn, als 2. Dez. bei Austerlitz die Entscheidung fiel. Auf Napoleons I. Wunsch, den bedeutendsten aller seiner Gegner pers√∂nlich kennen zu lernen, fand 27. Dez. 1805 eine Zusammenkunft in Stammersdorf bei Wien statt, bei der K. vergeblich g√ľnstigere Friedensbedingungen zu erreichen trachtete. Nachdem K. 10. Febr. 1806 zum Generalissimus und Kriegsminister mit unumschr√§nkter Vollmacht ernannt worden war, widmete er sich von neuem der Reform der Armee, die ihm ihre besten Einrichtungen verdankte. Er verbesserte den Unterricht der Armee durch gute Unterrichtsb√ľcher, durch neue Instruktionen und Reglements, durch die Gr√ľndung eines Kriegsarchivs, einer milit√§rischen Zeitschrift, durch systematischen Unterricht in den Regimentern und Korps etc. Am 12. Mai 1808 erlie√ü er ein Patent, betreffend die Errichtung einer dreifachen Milit√§rreserve. Den Antrag der spanischen Patriotenpartei, die unter Palafox ihn zu Saragossa als K√∂nig Spaniens ausrief (31. Mai), lehnte er ab. Im Kriege von 1809 √ľbernahm er das Kommando der 200,000 Mann starken Armee in Deutschland, √ľberschritt 9. April den Inn, erzwang am 16. den von den Bayern verteidigten √úbergang √ľber die Isar bei Landshut und besetzte M√ľnchen. Doch wurde er nach mehrt√§gigen Gefechten bei Abensberg, Landshut, Eckm√ľhl und Regensburg (im April 1809) von Napoleon geschlagen, mu√üte sich nach B√∂hmen zur√ľckziehen, vereinigte sich aber 16. Mai bei Stockerau mit Hiller und siegte dann bei Aspern (s. d.) und E√ülingen 21. und 22. Mai √ľber Napoleon, ohne jedoch den Sieg geh√∂rig zu benutzen. So kam es denn, da√ü Napoleon, durch einen Scheinangriff unterst√ľtzt, in der Nacht vom 4. zum 5. Juli von neuem die Donau √ľberschritt und das √∂sterreichische Heer n√∂tigte, sich bei Wagram 5. und 6. Juli in eine Schlacht einzulassen. In dieser bewiesen die √Ėsterreicher die gl√§nzendste Bravour, der Erzherzog selbst wurde verwundet; aber Napoleon blieb Sieger, vielleicht auch deshalb, weil das Armeekorps unter Erzherzog Johann auf dem Schlachtfeld nicht rechtzeitig erschien. In Znaim, bis wohin sich K. zur√ľckgezogen hatte, wurde sodann ein Waffenstillstand geschlossen; als aber der Kaiser diesen Schritt mi√übilligte, legte K. seine Stelle als Generalissimus zu Littau bei Olm√ľtz 31. Juli nieder. Von da an lebte K. in Teschen beim Herzog Albert. Von Napoleon dazu erw√§hlt, vertrat er denselben bei dessen Verm√§hlung mit Maria Luise und erhielt deshalb das Gro√ükreuz der Ehrenlegion. Den Kriegsschauplatz betrat er nicht wieder, doch war er nach Napoleons Zur√ľckkunft von Elba kurze Zeit Gouverneur der Bundesfestung Mainz. Hier verm√§hlte er sich 17. Sept. 1815 mit der Prinzessin Henriette von Nassau-Weilburg (gest. 29. Dez. 1829), die ihm vier S√∂hne und zwei T√∂chter gebar; von den S√∂hnen war der √§lteste, Erzherzog Albrecht (s. Albrecht 18), der bekannte Feldmarschall (gest. 18. Febr. 1895); der zweite, Erzherzog Karl Ferdinand, geb. 18. Juli 1818, General der Kavallerie, starb 20. Nov. 1874; der dritte, Erzherzog Friedrich Ferdinand Leopold, widmete sich dem Seedienst (s. Friedrich 49); der j√ľngste, Erzherzog Wilhelm, war Hoch- und Deutschmeister, Feldmarschalleutnant und Generalinspektor der Artillerie (gest. 29. Juli 1894). Von seinen beiden T√∂chtern wurde Therese, geb. 1816, Gemahlin des K√∂nigs Ferdinand II. von Neapel, gest. 1867, und Marie Karoline, geb. 1825, verm√§hlte sich 1852 mit dem Erzherzog Rainer Ferdinand. Durch den Tod des Herzogs Albert zu Sachsen-Teschen (10. Febr. 1812) war K. in den Besitz von dessen Namen und gro√üem Verm√∂gen gekommen und lebte von nun an abwechselnd in Wien und auf seinen Besitzungen. Die milit√§rische Literatur bereicherte er mit den Werken: ¬ĽGrunds√§tze der Strategie, erl√§utert durch die Darstellung des Feldzugs von 1796 in Deutschland¬ę (Wien 1814, 3 Bde.) und ¬ĽGeschichte des Feldzugs von 1799 in Deutschland und der Schweiz¬ę (das. 1819, 2 Bde.); gesammelt erschienen ¬ĽMilit√§rische Werke¬ę (7 Lfgn., das. 1862, unvollst√§ndig) und ¬ĽAusgew√§hlte Schriften¬ę (das. 1893‚Äď94, 6 Bde.), darunter auch das Bruchst√ľck seiner Selbstbiographie. 1860 wurde ihm vor der Burg zu Wien ein von Fernkorn entworfenes Denkmal gesetzt. Vgl. Duller, Erzherzog K. (Wien 1844‚Äď47); Schneidawind, Das Buch vom Erzherzog K. (5. Aufl., Leipz. 1860); Zei√überg, Erzherzog K. von √Ėsterreich, ein Lebensbild (Wien 1895, Bd. 1), und von Zei√übergs andern Schriften: Erzherzog K. und Prinz Hohenlohe-Kirchberg 1792 (das. 1888) und Belgien unter der Generalstatthalterschaft Erzherzog Karls (das. 1893 bis 1894, 3 Tle.); M. v. Angeli, Erzherzog K. von √Ėsterreich als Feldherr und Heeresorganisator, nach √∂sterreichischen Originalakten dargestellt (das. 1895‚Äď1897, 5 Bde.); Ommen, Die Kriegf√ľhrung des Erzherzogs K. (Berl. 1900); Menge, Die Schlacht von Aspern 1809. Eine Erl√§uterung der Kriegf√ľhrung Napoleons und des Erzherzogs K. von √Ėsterreich (das. 1900); Holtzheimer, Erzherzog K. bei Wagram (das. 1904).

43) K. Ludwig, Erzherzog von √Ėsterreich, geb. 30. Juli 1833, gest. 19. Mai 1896 in Wien, j√ľngerer Bruder des Kaisers Franz Joseph I., trat in die Armee, ohne indes eine hervorragende Rolle in derselben zu spielen, und bekleidete in ihr den Rang eines Generals der Kavallerie. 1855 wurde er Statthalter von Tirol, ein Amt, das er beim Beginn der konstitutionellen √Ąra (1861) niederlegte. Er machte sich durch seine F√ľrsorge f√ľr die Kunst verdient und vertrat gelegentlich den Kaiser bei der Abstattung von Besuchen an ausw√§rtigen H√∂fen. K. war in erster Ehe verm√§hlt mit der Prinzessin Margarete von Sachsen, die 1858 kinderlos starb; dann heiratete er 1862 die Prinzessin Annunciata von Sizilien, die ihm vier Kinder gebar und 1871 verschied; seit 1873 war er mit einer Tochter des Prinzen Miguel von Portugal, Erzherzogin Maria Theresia, verm√§hlt. Der √§lteste Sohn, Erzherzog Franz Ferdinand, geb. 18. Dez. 1863 in Graz, ist √∂sterreichischer Thronerbe (s. Franz 13). Der zweite Sohn, Erzherzog Otto Franz Joseph, geb. 21. April 1865 in Graz, verm√§hlte sich 1886 mit der Prinzessin Maria Josepha von Sachsen; er ist Feldmarschalleutnant und wurde, 1904 zuerst aus Gesundheitsr√ľcksichten, vom Kommando der Kavallerietruppendivision in Wien enthoben, wenige Monate danach (im Oktober) zum Generalinspektor der Kavallerie ernannt. Ein dritter Sohn, Ferdinand Karl Ludwig, geb. 27. Dez. 1868, ist derzeit Generalmajor und Kommandant der 18. Infanteriebrigade. Vgl. v. Lindheim, Erzherzog K. Ludwig 1833‚Äď1896 (Wien 1898).

[Parma.] 44) K. II. Ludwig Ferdinand von Bourbon, Herzog von Parma, Infant von Spanien, geb. 22. Dez. 1799, gest. 17. April 1883, Sohn des K√∂nigs Ludwig von Etrurien (gest. 27. Mai 1803) und der Infantin Maria Luise, Tochter Karls IV. von Spanien, folgte 13. M√§rz 1824 seiner Mutter, die nach der Vereinigung Etruriens mit Frankreich (1807) das Herzogtum Lucca erhielt, in dessen Regierung, lebte aber meist auf Reisen, trat 5. Okt. 1847 Lucca an Toskana ab und folgte der am 17. Dez. 1847 gestorbenen Witwe Napoleons I. als Herzog von Parma, Piacenza und Guastalla. Im April 1848 verlie√ü er, nachdem er eine Regentschaft eingesetzt hatte, Parma, legte 14. M√§rz 1849 die Regierung zugunsten seines Sohnes nieder und lebte meist in Nizza, wo er auch starb. Verm√§hlt war er mit Maria Therese von Sardinien (geb. 19. Sept. 1803, gest. 16. Juli 1879). Sein Sohn Ferdinand Karl III., Herzog von Parma, geb. 14. Jan. 1823, kehrte im August 1849 nach Parma zur√ľck, wo er ein sch√§ndliches Regiment f√ľhrte. Er starb 27. M√§rz 1854 durch Meuchelmord, worauf seine Witwe Luise Maria Therese von Bourbon (geb. 21. Sept. 1819), Tochter des 1820 ermordeten Herzogs von Berri, die Regierung f√ľr ihren unm√ľndigen Sohn Robert f√ľhrte, bis beide 1859 aus ihrem Lande vertrieben wurden. Die Herzogin zog sich in die Schweiz zur√ľck, sie starb 1. Febr. 1864 in Venedig.

[Pfalz.] 45) K. Ludwig, Kurf√ľrst von der Pfalz, geb. 22. Dez. 1617, gest. 28. Aug. 1680, zweiter Sohn des Kurf√ľrsten Friedrich V. von der Pfalz und Elisabeths von England, teilte als Kind das Schicksal seines Vaters, kam selbst nach seines √§ltern Bruders, Heinrich Friedrich (1629), und seines Vaters Tod (1632) nicht in den Besitz von dessen L√§ndern und erwarb sie erst im Westf√§lischen Frieden (1648), jedoch nach Abtretung der Oberpfalz an Bayern, erhielt aber die achte Kurw√ľrde. Seit 1658 in morganatischer Ehe mit Loysa v. Degenfeld (s. d.), dem Hoffr√§ulein seiner Gemahlin Charlotte, einer hessen-kasselschen Prinzessin, die, 1657 von ihm geschieden, nach Kassel zur√ľckkehrte, lebend, stellte er als vortrefflicher Regent und Volkswirt den Wohlstand im Lande wieder her und hatte seinen legitimen Sohn Karl, geb. 10. April 1651, zum Nachfolger, mit dem am 26. Mai 1685 die Linie Pfalz-Simmern erlosch. Seinen Briefwechsel mit seiner Schwester Sophie von Hannover und der Pfalzgr√§fin Anna gab Bodemann heraus (Leipz. 1885), ¬ĽSchreiben von K. L. und den Seinen¬ę Holland (T√ľbing. 1884, Literar. Verein), ¬ĽBriefe seiner Mutter an K. Ludwig 1650‚Äď1662¬ę Anna Wendland (T√ľbing. 1902, ebenda). Vgl. Lipowsky, K. Ludwig, Kurf√ľrst von der Pfalz, und Marie Susanne Luise, Raugr√§fin von Degenfeld (Sulzb. 1824); Hauck, K. Ludwig, Kurf√ľrst von der Pfalz (Leipz. 1903).

46) K. Philipp Theodor, Kurf√ľrst von der Pfalz und von Bayern, geb. 11. Dez. 1724, gest. 16. Febr. 1799, Sohn des Pfalzgrafen Johann Christian zu Sulzbach, folgte seinem Vater in Sulzbach 20. Juli 1733 unter Vormundschaft seines Vetters von der Neuburger Linie, des Kurf√ľrsten Karl Philipp von der Pfalz (1716‚Äď42). Seit 1742 mit Maria Elisabeth Auguste, Tochter des Erbprinzen Joseph Karl Emanuel von Pfalz-Sulzbach, verm√§hlt, folgte er 1. Jan. 1743 seinem Vetter in der Kurpfalz sowie in J√ľlich und Berg und erhielt 1777 durch das Erl√∂schen des bayrischen Mannesstammes auch Bayern, wodurch er n√§chst dem Kaiser und dem K√∂nig von Preu√üen der m√§chtigste F√ľrst in Deutschland wurde. Prachtliebend, hielt er verschwenderisch Hof, pflegte Kunst und Wissenschaft, bef√∂rderte die Errichtung des ber√ľhmten Theaters in Mannheim, lie√ü sich aber von M√§tressen und Jesuiten leiten und stand in franz√∂sischem Sold. Um seine nat√ľrlichen Kinder von der Schauspielerin Seyffert, Gr√§fin Heideck, zu F√ľrsten von Bretzenheim erhoben zu sehen, wollte er einen gro√üen Teil Bayerns an √Ėsterreich abtreten und gab dadurch 1778 Anla√ü zum Bayrischen Erbfolgekrieg (s. d.). Einen Austausch Bayerns gegen Belgien, wozu er sich sp√§ter geneigt zeigte, vereitelte 1785 der F√ľrstenbund. 1796 floh er bei Ann√§herung der franz√∂sischen Armee unter Moreau nach Dresden. Verm√§hlt war er seit 1795 in zweiter kinderloser Ehe mit Maria Leopoldine von √Ėsterreich. Bayern fiel mit seinem Tode an den Herzog von Pfalz-Zweibr√ľcken, nachherigen K√∂nig Maximilian I. von Bayern. Vgl. Lipowsky, K. Theodor, Kurf√ľrst von Pfalz-Bayern (Sulzb. 1828).

[Portugal.] 47) K. I. Ferdinand Ludwig etc., K√∂nig von Portugal, Herzog zu Sachsen, geb. 28. Sept. 1863, √§ltester Sohn des K√∂nigs Ludwig I. und seiner Gemahlin Pia, verm√§hlte sich 22. Mai 1886 mit der Prinzessin Amalie, Tochter des Grafen von Paris, und folgte seinem Vater 19. Okt. 1889 als K√∂nig von Portugal. W√§hrend der Schwierigkeiten, welche die ungemessenen Forderungen Englands in den kolonialen Angelegenheiten und die revolution√§ren Bestrebungen in Portugal selbst der Krone bereiteten, benahm sich K. mit ebensoviel Entschiedenheit wie M√§√üigung und W√ľrde. Sein √§ltester Sohn ist Kronprinz Louis Philipp, geb. 21. M√§rz 1887.

[Preußen.] 48) Prinz von Preußen, geb. 29. Juni 1801, gest. 21. Jan. 1883, dritter Sohn des Königs Friedrich Wilhelm III. und Bruder des deutschen Kaisers Wilhelm I., seit 1853 Herrenmeister des Johanniterordens und seit 1854 Generalfeldzeugmeister und Chef der Artillerie, hinterließ in seinen Schlössern in Berlin und in Glienicke bei Potsdam wertvolle Kunstschätze, namentlich eine ausgezeichnete Waffensammlung, die der Ruhmeshalle in Berlin einverleibt ist. Er war vermählt seit 26. Mai 1827 mit der Prinzessin Marie von Sachsen-Weimar (geb. 3. Febr. 1808, gest. 18. Jan. 1877). Sein einziger Sohn war Prinz Friedrich Karl (s. Friedrich 64).

[Rum√§nien.] 49) K. (Carol) I., K√∂nig von Rum√§nien, geb. 20: April 1839 als Prinz K. Eitel-Friedrich Zephyrin, zweiter Sohn des F√ľrsten Karl Anton von Hohenzollern (s. Karl 32), trat 1857 in das preu√üische 2. Gardedragonerregiment und wurde 20. April 1866 nach Vertreibung des F√ľrsten Cusa (s. Alexander 15) zum F√ľrsten von Rum√§nien erw√§hlt. Am 20. Mai 1866 erschien er in Turn-Severin und hielt 22. Mai seinen feierlichen Einzug in Bukarest. Die M√§chte gaben endlich ihre Zustimmung; die T√ľrkei f√ľgte sich, und der Sultan erteilte K., der selbst nach Konstantinopel reiste, die Investitur. Gr√∂√üere Schwierigkeiten hatte K. im Innern zu besiegen. Die Zuchtlosigkeit der Armee, die Unzuverl√§ssigkeit der Beamten, die Finanznot, endlich die Anma√üung der Rum√§nen, ihre Parteizerkl√ľftung und politische Verderbnis legten K. gro√üe Hindernisse in den Weg. Sympathien des Volkes f√ľr Frankreich wurden namentlich 1870 dem F√ľrsten gef√§hrlich. Indes gelang es K., allm√§hlich ein t√ľchtiges Heer zu bilden, das Schulwesen zu heben und den Bau von Eisenbahnen zu f√∂rdern. Als er 1871, des fortw√§hrenden Ministerwechsels und der ewigen Klagen in der Kammer √ľperdr√ľssig, mit Abdankung drohte, erreichte er, da√ü die konservative Partei sich eine feste Mehrheit in der Kammer verschaffte und K. durch ein best√§ndigeres Ministerium unterst√ľtzte. 1877 im russisch-t√ľrkischen Kriege befehligte K. die rum√§nischen Truppen und erhielt 31. Aug. den Befehl √ľber die Zernierungsarmee vor Plewna. Nachdem er 1878 als souver√§ner F√ľrst anerkannt worden, ward er 26. M√§rz 1881 zum K√∂nig proklamiert und 22. Mai in Bukarest gekr√∂nt. K. ist seit 15. Nov. 1869 in kinderloser Ehe mit der Prinzessin Elisabeth von Wied (geb. 29. Dez. 1843, als Dichterin unter dem Namen Carmen Sylva bekannt, s. Elisabeth 10) verm√§hlt. Zu seinem Nachfolger wurde sein Neffe, Prinz Ferdinand von Hohenzollern (s. Ferdinand 24), ernannt. Vgl. ¬ĽAus dem Leben K√∂nig Karls von Rum√§nien¬ę (Stuttg. 1894‚Äď1900, 4 Bde.); Mite Kremnitz, K√∂nig K. von Rum√§nien, ein Lebensbild (2. Aufl., Bresl. 1904); D. Sturdza, Charles I, roi de Roumanie. Chronique, actes, documents (Bukar. 1900 ff.).

[Sachsen-Koburg.] 50) K. Eduard, Herzog von Sachsen-Koburg und Gotha, Herzog von Albany, geb. 19. Juli 1884 in Claremont, nachgeborner Sohn des am 28. M√§rz 1884 verstorbenen Herzogs Leopold von Albany (vierten Sohnes des Prinzen Albert und der K√∂nigin Viktoria) und der Prinzessin Helene von Waldeck (s. Albany 2, S. 263), wurde nach dem Tode des Erbprinzen Alfred (6. Febr. 1899), da der Herzog von Connaught und sein einziger Sohn auf ihre Erbanspr√ľche verzichteten, zum Nachfolger seines Oheims, des Herzogs Alfred, ausersehen und durch das Gesetz vom 30. Juli 1899 als Thronfolger nach dem Tode des regierenden Herzogs anerkannt. Die Herzogin lebte mit ihrem Sohn anfangs in Stuttgart, seit Fr√ľhjahr 1900 in Potsdam, wo der Prinz Kadettenunterricht empfing und in das preu√üische Heer eintrat; seit Sommer 1903 studierte er in Bonn und ist gegenw√§rtig Leutnant im 1. Garderegiment zu Fu√ü in Potsdam. Nach dem Tode des Herzogs Alfred (s. Alfred 2) 30. Juli 1900 wurde K. Herzog; die Vormundschaft und Regentschaft f√ľhrte f√ľr ihn der Erbprinz Ernst zu Hohenlohe-Langenburg, Schwiegersohn des verstorbenen Herzogs.

[Sachsen-Weimar.] 51) K. August, Gro√üherzog von Sachsen-Weimar, geb. 3. Sept. 1757, gest. 14. Juni 1828, Sohn des Herzogs Ernst August Konstantin, stand nach seines Vaters Tod (28. Mai 1758) unter der Vormundschaft seines Gro√üvaters, des Herzogs Karl von Braunschweig-L√ľneburg. Unter Leitung seiner geistvollen Mutter Amalie, des Grafen G√∂rtz, Wielands und Knebels fr√ľh geistig entwickelt, lernte er auf einer Reise nach Paris und der Schweiz 1774 Goethe kennen und schlo√ü mit ihm sofort enge Freundschaft. 1775 zur Regierung gekommen und mit der Prinzessin Luise von Hessen-Darmstadt verm√§hlt, rief er den Dichter gegen den Rat des Ministers Freiherrn v. Fritsch an seinen Hof, blieb selbst f√ľr geistige Einfl√ľsse sehr empf√§nglich, schrieb und sprach gern und mit gro√üer Leichtigkeit, dennoch nie √ľber der Poesie die Regierung des Landes und die Pflichten eines deutschen Reichsf√ľrsten vergessend und eifrig um die Pflege der Wissenschaft (Universit√§t Jena) besorgt. An der Gr√ľndung des F√ľrstenbundes 1785 teilnehmend, hoffte K. auf eine von Preu√üen ausgehende Reform der deutschen Reichsverfassung und eine Wiedergeburt Deutschlands, er trat 1791 in das preu√üische Heer, machte als Generalmajor die Feldz√ľge gegen Frankreich 1792 und 1793 mit und ward 1797 Generalleutnant. 1806 ging er, w√§hrend der Entscheidungsschlachten im Oktober gezwungen, m√ľ√üig bei Ilmenau zu stehen, mit seinem Korps √ľber die Elbe, kehrte erst, von Friedrich Wilhelm III. selbst des Dienstes entlassen, auf Napoleons Gehei√ü nach Weimar zur√ľck und schlo√ü sich, um sich seine Herrschaft zu erhalten, dem Rheinbund an. Obwohl seine deutsche Gesinnung nie verleugnend, besa√ü er doch stets die Achtung Napoleons. Nach der Schlacht bei Leipzig in russischen Dienst getreten, kommandierte K. ein aus Russen, Sachsen und Hessen vereinigtes Korps in Belgien, wo er zugleich Statthalter wurde, erhielt auf dem Kongre√ü in Wien eine Vergr√∂√üerung seines Gebiets und kehrte als Gro√üherzog nach Weimar zur√ľck. Auch am Feldzug von 1815 nahm er teil. 1816 gab er seinem Land eine landst√§ndige Verfassung, sch√ľtzte die Pre√üfreiheit und die Freiheit der Universit√§t Jena, solange er es gegen die deutschen Gro√üm√§chte konnte. Weimar verdankt ihm, da√ü es die Heimat der deutschen Dichter wurde. K. August starb auf der R√ľckreise von Berlin in Graditz bei Torgau. Seine ¬ĽNiederschriften √ľber den Schutz der Demarkationslinie, den Rennweg (1796) und die Defension Th√ľringens (1798)¬ę gab P. v. Bojanowski (Weim. 1902) heraus. Vgl. Wegele, K. August (Leipz. 1850); D√ľntzer, Goethe und K. August (2. Aufl., das. 1888); ¬ĽBriefwechsel des Gro√üherzogs K. August mit Goethe¬ę (Weim. 1863, 2 Bde.; neue Ausg., Wien 1873); ¬ĽBriefe des Herzogs K. August an Knebel und Herder¬ę (hrsg. von D√ľntzer, Leipz. 1883); v. Beaulieu-Marconnay, Anna Amalie, K. August und der Minister v. Fritsch (das. 1874); P. v. Bojanowski, K. August als Chef des 6. preu√üischen K√ľrassierregiments 1787‚Äď1794 (das. 1894); Eleonore v. Bojanowski, Luise, Gro√üherzogin von Sachsen-Weimar und ihre Beziehungen zu den Zeitgenossen (Stuttgart 1903); Verus (Pseudonym), Die Kandidatur des Herzogs K. August von Sachsen-Weimar f√ľr den ungarischen K√∂nigsthron, 1789 (Weim. 1904) und K. August von Sachsen-Weimar und die Universit√§t Jena (das. 1904).

52) K. Friedrich, Gro√üherzog von Sachsen-Weimar, geb. 2. Febr. 1783 in Weimar, gest. 8. Juli 1853, Sohn des vorigen, erhielt unter Herders und B√∂ttigers Leitung eine sorgf√§ltige Erziehung und begab sich zur Vollendung derselben 1802 nach Paris. 1804 verm√§hlte er sich mit der Gro√üf√ľrstin Maria Paulowna von Ru√üland (gest. 23. Juni 1859; ihr Leben beschrieb Natalie v. Milde, Hamb. 1904). Der Tod seines Vaters 14. Juni 1828 rief ihn an die Spitze der Regierung, die er in seines Vaters Geiste, doch mit gr√∂√üerer Sparsamkeit f√ľhrte. Der Bewegung von 1848 wu√üte K. in seinem Lande durch kluges Nachgeben und rechtzeitige Zugest√§ndnisse Schranken zu setzen. Er hinterlie√ü drei Kinder: Maria, verm√§hlt mit dem Prinzen Karl von Preu√üen (gest. 18. Jan. 1877), Augusta, die erste deutsche Kaiserin, und Karl Alexander, seinen Nachfolger.

53) K. Alexander August Johann, Gro√üherzog von Sachsen-Weimar, geb. 24. Juni 1818 in Weimar, gest. 5. Jan. 1901 daselbst, Sohn des vorigen, studierte in Jena und Leipzig, diente ein Jahr lang in einem K√ľrassierregiment zu Breslau, unternahm gr√∂√üere Reisen und folgte seinem Vater 8. Juli 1853 in der Regierung, die er in liberalem Geiste f√ľhrte. Regen Anteil nahm er, gern mit K√ľnstlern und Gelehrten verkehrend, an Wissenschaft und Kunst, besonders an den bildenden K√ľnsten, lie√ü unter anderm die Wartburg restaurieren und gr√ľndete in Weimar Kunstschule und Museum. Politisch hielt er stets treu zu dem verwandten preu√üischen K√∂nigshaus und f√∂rderte die Einigung Deutschlands; seine Tagebuchsaufzeichnungen √ľber die Ereignisse in Versailles im Januar 1871 verwertete O. Lorenz (¬ĽKaiser Wilhelm und die Begr√ľndung des Reichs 1866‚Äď1871¬ę, Jena 1902). Seit 8. Okt. 1842 war er mit Wilhelmine Marie Sophie Luise, Prinzessin der Niederlande (geb. 8. April 1824, gest. 23. M√§rz 1897), verm√§hlt, die, durch ihr wohlt√§tiges und gemeinn√ľtziges Wirken bekannt und von den Enkeln Goethes zur Erbin des Goetheschen Familienarchivs ernannt, das Goethe-Archiv, das unter ihrem Protektorat zum Goethe- und Schiller-Archiv wurde (s. Goethe, S. 167), stiftete und daf√ľr ein pr√§chtiges Geb√§ude auf ihre Kosten errichten lie√ü. Der Erbgro√üherzog K. August (geb. 31. Juli 1844, gest. 21. Nov. 1894) war verm√§hlt mit Prinzessin Pauline zu Sachsen-Weimar, Tochter des Prinzen Hermann (geb. 25. Juli 1852 in Stuttgart, gest. 17. Mai 1904 auf der Eisenbahnfahrt von Rom nach Venedig) und hinterlie√ü einen einzigen Sohn, Wilhelm Ernst (s. Wilhelm), den jetzigen Gro√üherzog. Vgl. die Ged√§chtnisrede von Kuno Fischer auf die Gro√üherzogin Sophie (Heidelb. 1897) und den Gro√üherzog (das. 1901); P. v. Bojanowski, Sophie, Gro√üherzogin von Sachsen (Braunschweig 1898); G. Richter, Zur Erinnerung an K. Alexander (Jena 1901); ¬ĽK. Alexander, Gro√üherzog von Sachsen, in seinen Briefen an Frau Fanny Lewald-Stahr¬ę (hrsg. von G. Jansen, Berl. 1904).

[Savoyen-Sardinien.] 54) K. Emanuel I., der Gro√üe, Herzog von Savoyen, geb. 12. Jan. 1562 auf dem Schlo√ü Rivoli, gest. 26. Juli 1630, folgte 1580 seinem Vater Emanuel Philibert in der Regierung. In den K√§mpfen der damaligen Machthaber in Italien stand er bald auf der Seite Philipps II. von Spanien, dessen Tochter Katharina er geheiratet hatte, bald auf der des Kaisers, bald auf der Frankreichs, je nachdem sein Vorteil es erheischte. 1588 bem√§chtigte er sich der Markgrafschaft Saluzzo, die in den H√§nden der Franzosen war, und √ľberzog die reformierten Schweizer Kantone mit Krieg, der nach der Niederlage des savoyischen Heeres bei St.-Joire im Oktober 1589 mit einem den fr√ľhern Besitzstand herstellenden Frieden endigte. Hierauf besetzte K., von den liguistischen Provenzalen gegen Heinrich IV. zu Hilfe gerufen, Barcelonette, Antibes und Fr√©jus und zog im November 1590 in Aix ein. Durch den Lyoner Frieden erhielt er 1601 Saluzzo, befreit von allem Lehnsverband mit Frankreich, wogegen er Bresse, Bugey und andre Landstriche abtrat. W√§hrend eines um den Besitz von Montserrat entbrannten neuen Krieges mit Frankreich, in dem dieses ganz Savoyen eroberte, starb K. Er liebte die Wissenschaften, erbaute Pal√§ste und Kirchen, opferte aber seinem unbegrenzten Ehrgeiz, der 1619 selbst nach dem Kaiserthron strebte, das Gl√ľck seines Landes. Vgl. Erdmannsd√∂rffer, Herzog K. von Savoyen und die deutsche Kaiserwahl 1619 (Leipz. 1862); G. Curti, Carlo Emanuele I. (4. Aufl., Mail. 1897); Raulich, Storia di Carlo Emanuele I, duca di Savoia (Mail. 1896‚Äď1902, 2 Bde.).

55) K. Emanuel I., K√∂nig von Sardinien (als Herzog von Savoyen K. Emanuel III.), geb. 27. April 1701, gest. 20. Febr. 1773, Sohn Viktor Amadeus' II., bestieg 1730 den Thron nach der Abdankung seines Vaters, dessen Versuch, die Regierung wieder zu √ľbernehmen, er 1731 durch dessen Verhaftung vereitelte. Im Polnischen Erbfolgekrieg schlo√ü er sich Frankreich an, eroberte Mailand, besiegte die Kaiserlichen bei Guastalla 19. Sept. 1734 und erwarb im Wiener Frieden (1738) Novara. Im √Ėsterreichischen Erbfolgekrieg ergriff er f√ľr Maria Theresia die Waffen und erlangte im Aachener Frieden (1748) Gebietsteile der Lombardei. F√ľr die Rechtspflege in Sardinien erlie√ü er das Corpus Carolinum. 1891 wurde ihm ein Denkmal in Mondovi errichtet. Vgl. Carutti, Storia del regno di Carlo Emanuele III. (Turin 1859, 2 Bde.).

56) K. Emanuel II., geb. 24. Mai 1751 in Turin, Sohn Viktor Amadeus' III., folgte diesem 1796, wurde 1798 von den Franzosen seiner Besitzungen auf dem Festland beraubt, zog sich 9. Dez. nach Sardinien zur√ľck, entsagte 4. Juni 1802 zugunsten seines Bruders Viktor Emanuel I. und starb 6. Okt. 1819 in Rom als Jesuit. Vgl. Claretta, Storia del regno e dei tempi di Carlo Emanuele II, duca di Savoia (Genua 1877‚Äď79, 3 Bde.).

57) K. Felix, geb. 6. April 1765, gest. 27. April 1831, vierter Sohn des K√∂nigs Viktor Amadeus III., verwaltete 1799‚Äď1806 und 1817‚Äď21 Sardinien als Vizek√∂nig, folgte seinem Bruder Viktor Emanuel I. 13. M√§rz 1821 und herrschte nach Unterdr√ľckung der Revolution durch die √Ėsterreicher streng absolutistisch.

58) K. Albert, geb. 2. Okt. 1798, gest. 28. Juli 1849, Sohn des Prinzen Karl Emanuel von Savoyen-Carignan und der Marie Christine, Tochter des Herzogs Karl von Sachsen und Kurland, folgte 1800 als Prinz von Carignan seinem Vater in den franz√∂sischen und piemontesischen Besitzungen unter Vormundschaft seiner Mutter, ward aber in Dresden und Paris erzogen. Seit 1817 lebte er in Piemont und galt als Freund der konstitutionellen und nationalen Bewegung. Nach dem Aufstand von 1821 wurde er von dem von der Regierung zur√ľckgetretenen K√∂nig Viktor Emanuel I. 13. M√§rz zum Regenten bis zur Ankunft des Thronfolgers Karl Felix ernannt. Er beschwor sofort die spanische Konstitution und setzte eine provisorische Junta ein. Nachdem aber ein √∂sterreichisches Heer sich gegen Piemont in Bewegung gesetzt, verlie√ü der Prinz 21. M√§rz Turin und lebte, vom sardinischen Hofe verbannt, in Florenz, sp√§ter in Frankreich, von wo aus er 1823 als Freiwilliger die Expedition des Herzogs von Angoul√™me nach Spanien mitmachte. Nach seiner R√ľckkehr durfte er wieder in Turin erscheinen, ward 1829 zum Vizek√∂nig von Sardinien ernannt und bestieg nach dem Tode Karl Felix' 27. April 1831 den Thron. Die Hoffnungen der Liberalen erf√ľllte er nicht, sondern regierte in dem absolutistischen Sinne seines Vorg√§ngers; erst 1848 neigte er sich auf die Seite der Reformbewegung und gab seinem K√∂nigreich eine konstitutionelle Verfassung. Gleichzeitig mit dem Aufstande der Lombarden und Venezianer erkl√§rte er 23. M√§rz 1848 den Krieg an √Ėsterreich, machte anfangs gl√ľckliche Fortschritte und erwarb sich den Beinamen ¬ĽSchwert von Italien¬ę (spada d'Italia), bis die Schlacht bei Custoza 25. Juli 1848 das √úbergewicht der √Ėsterreicher herstellte und K., der in Mailand kaum den Mi√ühandlungen des emp√∂rten Volkes entging, 9. Aug. einen Waffenstillstand schlo√ü. Zwar begann er im Fr√ľhjahr 1849 den Krieg von neuem, ward aber 23. M√§rz bei Novara geschlagen, legte noch auf dem Schlachtfelde die Regierung nieder, verlie√ü sofort das Land und begab sich nach Portugal, wo er in Oporto starb. Ihm folgte sein √§lterer Sohn, Viktor Emanuel, auf dem Thron. K. Albert war verm√§hlt mit der Prinzessin Maria Theresia von Toskana. Vgl. Cibrario, Notizie sulla vita di Carlo Alberto (Turin 1861); Costa de Beauregard, La jeunesse und Les derni√®res ann√©es du roi Charles Albert (Par. 1888 u. 1890); Perrero, Gli ultimi reali di Savoia, etc. (Turin 1889; Anhang, das. 1890); L. Cappelletti, Storia di Carlo Alberto e del suo regno (Rom 1891).

[Schleswig-Holstein.] 59) K. (eigentlich Christian) August, Prinz von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, Kronprinz von Schweden, geb. 9. Juli 1768, gest. 28. Mai 1810, dritter Sohn des Herzogs Friedrich Christian, nahm fr√ľh d√§nische Kriegsdienste, diente 1796‚Äď1801 unter Erzherzog Karl im √∂sterreichischen Heere, ward 1805 Oberbefehlshaber in Norwegen, tat sich daselbst 1808 w√§hrend des Krieges zwischen D√§nemark und Schweden hervor und wurde von seinem Oheim, dem kinderlosen K√∂nig Karl XIII. von Schweden, 1809 adoptiert, vom schwedischen Reichstag zum Thronfolger gew√§hlt. Seinen urspr√ľnglichen, den Schweden aber verha√üten Namen Christian mit K. vertauschend, legte er 24. Jan. 1810 den Eid ab, starb aber schon im Mai d. J., bei einer Revue pl√∂tzlich vom Schlage getroffen. Gegen den Gro√ümarschall Axel v. Fersen entstand der Verdacht, ihn vergiftet zu haben; doch erwies sich dies sp√§ter als grundlos. Vgl. Ipsen, Christian August, Prinz zu Schleswig-Holstein, nachmals Kronprinz von Schweden (Kiel 1852).

[Schwarzburg.] 60) K. G√ľnter, F√ľrst von Schwarzburg-Sondershausen, geb. 7. Aug. 1830, Sohn des F√ľrsten G√ľnter Friedrich Karl und der Prinzessin Marie von Schwarzburg-Rudolstadt, besuchte die Universit√§t Bonn, trat in das preu√üische Gardek√ľrassierregiment ein und nahm mit diesem am Feldzug von 1866 teil. Er √ľbernahm 17. Juli 1880 nach der Abdankung seines Vaters die Regierung, ist preu√üischer General der Infanterie und lebt seit 12. Juni 1869 mit Herzogin Marie zu Sachsen (geb. 28. Juni 1845), Tochter des 1852 verstorbenen Prinzen Eduard zu Sachsen-Altenburg, in kinderloser Ehe.

[Könige von Schweden.] 61) K. VII. (eigentlich K. I., da die ersten sechs Karl eine Erfindung des schwedischen Chronisten Johannes Magni sind), gest. 1167 auf der Insel Wisingsö (Småland), seit 1156 Nachfolger seines Vaters Sverker in Götaland, 1161 auch zum König in Svealand gewählt, errichtete 1164 das Erzbistum Upsala. Sein Nebenbuhler Knut Eriksson, Sohn Erichs des Heiligen, ermordete ihn. Sein Königssiegel ist das älteste in Schweden noch vorhandene.

62) K. VIII. Knutsson, geb. 1409 in Finnland, gest. 15. Mai 1470, aus dem alten Adelsgeschlecht Bonde, beteiligte sich an der nationalen Bewegung gegen den Unionsk√∂nig Erich XIII., war seit 1436, anfangs zusammen mit Engelbrekt Engelbrektsson, Reichshauptmann, seit 1438 Reichsverweser und lebte als Reichsdrost seit 1440, nachdem die schwedische Unionspartei Christoph III. zum K√∂nig gew√§hlt hatte, meistens in Finnland. Nach dessen Tode (1448) zum K√∂nig von Schweden gew√§hlt, 1449‚Äď50 auch K√∂nig von Norwegen, mu√üte er fast ununterbrochen gegen Christian 1. und dessen aristokratische Anh√§nger in Schweden k√§mpfen, wandte sich, 1457 durch einen Aufstand des m√§chtigen Erzbischofs J√∂ns Bengtsson Oxenstierna vertrieben, nach Danzig, ward 1464 von neuem K√∂nig, 1465 abermals verjagt und 1467 zum drittenmal auf den schwedischen Thron erhoben.

63) K. IX., geb. 14. Okt. 1550 in Stockholm, gest. 9. Nov. 1611 in Nyk√∂ping, erbte 1560 von seinem Vater Gustav Wasa S√∂dermanland und andre Gebiete als Herzogtum, das er 1569‚Äď87 und 1589‚Äď1599 mit fast k√∂niglichen Rechten innehatte. 1568 am Sturz seines Stiefbruders Erich XIV. wirksam beteiligt, lebte er sp√§ter mit seinem Bruder Johann III., dessen katholischen Bestrebungen er nachdr√ľcklich entgegentrat, lange (bis 1589) auf gespanntem Fu√üe. Nach Johanns Tode (1592) √ľbernahm er mit dem Reichsrat die Regierung in Schweden und sicherte 1593 den Fortbestand der lutherischen Kirche auf einer Versammlung in Upsala, deren Beschl√ľsse sein katholischer Neffe, K√∂nig Siegmund III. von Polen, vor seiner Kr√∂nung zum schwedischen K√∂nig (1594) anerkennen mu√üte. Seit 1595 Reichsverweser, geriet er mit Siegmund, der trotz seiner K√∂nigsversicherung Schweden wieder katholisch machen wollte, und mit dem schwedischen Hochadel, der, um seine mittelalterliche Machtstellung wiederzugewinnen, f√ľr jenen und f√ľr die Union mit Polen eintrat, in offene Feindschaft, besiegte seinen Neffen 1598 bei St√•ngebro, ward von den ihm seit jeher wohlgesinnten St√§nden 1599, nach Absetzung Siegmunds, zum Regenten, 1600 auf dem Reichstag zu Link√∂ping, wo er viele seiner aristokratischen Gegner hinrichten lie√ü, auch zum K√∂nig ausgerufen, nahm aber erst nach der freiwilligen Thronentsagung Herzog Johanns von √Ėsterg√∂tland, der als j√ľngster Sohn Johanns III. das n√§here Erbrecht besa√ü, den K√∂nigstitel an (1604). Seine ausw√§rtige Politik war f√ľr Schwedens Zukunft von gr√∂√üter Bedeutung. Der aus den polnischen Verwickelungen 1600 entstandene Krieg rief (1609) auch Schwedens siegreiche Beteiligung unter Jak. de la Gardie an den russischen Thronstreitigkeiten sowie (1611) einen gef√§hrlichen Krieg mit D√§nemark hervor. Er war erst mit Maria von der Pfalz, dann mit Christine von Holstein verm√§hlt; letztere gebar ihm Gustav Adolf. Vgl. Rogberg, K. IX. 's f√§ltt√•g i Lifland 1600 (Ups. 1859); Tran√©r, K. IX. 's krig i Livland 1601‚Äď1605 (Stockh. 1872‚Äď76, 2 Bde.); S. Bergh, K. IX. och den svenska adeln 1607‚Äď1609 (Ups. 1882); Bo√ęthius, Hertig Karls och Svenska riksr√•dets samregering 1594‚Äď1596 (¬ĽSvensk historisk Tidskrift¬ę, 1884‚Äď86); Ingman, Karls IX. Eismeerpolitik (finnisch; Helsingf. 1893‚Äď94, 2 Bde.); S√∂derqvist, Johan III. och hertig K. 1568‚Äď1575 (Ups. 1898); Sj√∂gren, Gustaf Vasas s√∂ner och deras tidehvarf (Stockh. 1901).

64) K. X. Gustav, Sohn Katharinas, der Tochter des vorigen, und des Pfalzgrafen Johann Kasimir von Zweibr√ľcken, geb. 18. Nov. 1622 in Nyk√∂ping, gest. 23. Febr. 1660 in Gotenburg, als Prinz unter dem Namen ¬Ľder Pfalzgraf¬ę bekannt, focht 1642‚Äď46 unter Torstensson im Drei√üigj√§hrigen Krieg und ward von seiner Stiefcousine Christine, um deren Hand er erfolglos geworben, kurz vor Abschlu√ü des Westf√§lischen Friedens zum Generalissimus der schwedischen Armee in Deutschland, 1650 zum Vertreter Schwedens auf dem N√ľrnberger Exekutionstag ernannt. 1649 zum schwedischen Thronfolger gew√§hlt und 1654, nach der freiwilligen Thronentsagung Christinens, zum K√∂nig gekr√∂nt, √ľberfiel er 1655 Polen, das er in wenigen Wochen eroberte, n√∂tigte im Januar 1656 den Gro√üen Kurf√ľrsten, das Herzogtum Preu√üen von ihm zu Lehen zu nehmen, erkannte ihn aber im Vertrag von Labiau (s. d.) als souver√§nen Herzog von Preu√üen an, nachdem er mit seiner Hilfe K√∂nig Johann II. Kasimir von Polen in der dreit√§gigen Schlacht bei Warschau (28.‚Äď30. Juli) besiegt hatte. Als sich bald darauf eine gef√§hrliche polnisch-√∂sterreichisch-d√§nisch-holl√§ndisch-russisch-brandenburgische Koalition gegen Schweden zu bilden begann, wandte er sich im Sommer 1657 schnell gegen D√§nemark, bem√§chtigte sich des d√§nischen Festlandes, ging im Februar 1658 √ľber den gefrornen Kleinen und Gro√üen Belt nach F√ľnen und Seeland und zwang Friedrich III., ihm 8. M√§rz im Frieden von Roeskilde Schonen, Halland, Blekinge, Bohus, Bornholm und das Stift Drontheim abzutreten. Infolge der Nichterf√ľllung eines Teils der Friedensbedingungen, namentlich wegen der Nichtsperrung des Sundes f√ľr die fremden Flotten, √ľberfiel er im Sommer 1658 nochmals D√§nemark, mu√üte aber 1659 die Belagerung Kopenhagens wieder aufgeben, da Holland, Brandenburg und der Kaiser den D√§nen zu Hilfe eilten. Noch vor Beendigung des im ganzen wenig gl√ľcklich gef√ľhrten Krieges starb er. Vgl. S. Pufendorf, De rebus a Carolo Gustavo gestis (N√ľrnb. 1696, auch franz. u. deutsch); Lundblad, Karl X. Gustafs historia (Stockh. 1825, 2 Bde.); Ignatius, Finlands historia under Karl X. Gustafs regering (Helsingf. 1865); Ellen Fries, Bidrag till k√§nnedomen om Sveriges och Nederl√§ndernas diplomatiska f√∂rbindelser under Karl X. Gustafs regering (Ups. 1883); Wibling, Karl X. Gustaf och Georg Rakoczy II. (Lund 1891); G. Jones, The diplomatic relations between Cromwell and Charles X. Gustavus (Heidelberg u. Lincoln 1897).

65) K. XI., geb. 4. Dez. 1655 in Stockholm, gest. 15. April 1697, einziges Kind des vorigen, folgte diesem 1660 unter der Vormundschaftsregierung seiner Mutter Hedwig Eleonore von Holstein-Gottorp und der f√ľnf h√∂chsten Reichsbeamten, darunter M. G. de la Gardies, Per Brahes des J√ľngern, Gust. Bondes und K. G. Wrangels. 1672 zur selbst√§ndigen Regierung gelangt, lie√ü er sich durch den franz√∂sisch gesinnten Reichskanzler de la Gardie Anfang 1675 zu einem Angriffskrieg gegen Brandenburg verleiten, der die Okkupation der deutschen Besitzungen Schwedens und kriegerische Verwickelungen mit Holland, dem Kaiser und D√§nemark zur Folge halte. Nur die geschickte Politik Gyllenstiernas und das pers√∂nliche Eingreifen Karls, der die zur See unter Juels F√ľhrung siegreichen D√§nen zu Lande mehrmals schlug, retteten Schweden aus seiner bedr√§ngten Lage, so da√ü es 1679 bei den Friedensschl√ľssen von Nimwegen, St.-Germain und Lund keine erhebliche Gebietsverminderung erfuhr. Seitdem wandte K. seine Aufmerksamkeit auf die innern Angelegenheiten. Durch die Reichstagsbeschl√ľsse von 1680 und 1682 zum fast unumschr√§nkten Herrscher gemacht, stellte er seine einstigen Vorm√ľnder wegen ihrer Verwaltung zur Rechenschaft und zog durch die ¬ĽReduktion¬ę mit r√ľcksichtsloser Strenge die der Krone abhanden gekommenen G√ľter wieder ein, wodurch die Macht des Hochadels einen schweren Sto√ü erlitt, die Finanzen aber sich so sehr besserten, da√ü eine umfassende Reorganisation des Heeres (durch das ¬ĽIndelningsverk¬ę), der Flotte sowie der gesamten innern Verwaltung m√∂glich ward. Ferner dehnte der Reichstag 1683 die Erbfolge auch auf Karls weibliche Nachkommen aus. Seine ausw√§rtige Politik war seit 1680 unter B. Oxenstiernas Leitung friedlich und gegen Ludwig XIV. gerichtet. Den D√§nenk√∂nig Christian V., dessen hochbegabte Schwester Ulrike Eleonore (die √§ltere) er 1680 geheiratet hatte, zwang er 1689 zur R√ľckgabe Schleswigs an den Herzog von Gottorp. Vgl. L√∂nbom, Handlingar till K. XI. 's historia (Stockh. 1763‚Äď64, 15 Bde.); Svedelius, Om reduktionen af kronooch adeliga gods under K. X. Gustafs och K. XI.'s regering (Ups. 1849‚Äď51); F√•hr√§us, K. XI.'s personlighet och lifsgerning (Stockh. 1897); Sj√∂gren, K. XI. och svenska folket p√• hans tid (1897‚Äď98); Wimarson, Sveriges krig i Tyskland 1675‚Äď1679 (Lund 1897‚Äď1903, 2 Bde.); O. Malmstr√∂m, Anteckningar r√∂rande Ulrika Eleonoras och K. XI.'s hof (Stockh. 1898) und K. XI.'s bref till N. Bielke 1676‚Äď1697 (1900); Varenius, R√§fsten med K. XI.'s f√∂rmyndarstyrelse (Ups. 1901‚Äď03, 2 Bde.).

66) K. XII., geb. 27. Juni 1682 in Stockholm, gest. 11. Dez. 1718, Sohn des vorigen, geno√ü eine gute wissenschaftliche und milit√§rische Erziehung. Nach einer kurzen Vormundschaftsregierung Ende 1697 von den St√§nden f√ľr vollj√§hrig erkl√§rt, ward er Anfang 1700, nicht ganz ohne eigne Schuld, durch die auf Schwedens √úbergewicht im Norden eifers√ľchtigen Nachbarm√§chte D√§nemark, Polen und Ru√üland in den Nordischen Krieg (s. d.) verwickelt. Nachdem er den D√§nenk√∂nig Friedrich IV. besiegt und den Zaren Peter d. Gr. bei Narwa geschlagen hatte, wandte er sich, anstatt diesen Erfolg √ľber seinen gef√§hrlichsten Gegner auszunutzen, 1701 gegen seinen ihm besonders verha√üten polnisch-s√§chsischen Vetter August 11., eroberte in mehreren Feldz√ľgen dessen polnische Besitzungen, erzwang 1704 in Warschau seine Absetzung sowie die Wahl Stanislaus Leszcynskis zu seinem Nachfolger, und n√∂tigte ihn durch einen Einfall in Sachsen, im Altranst√§dter Frieden (1706) auf alle seine Bedingungen einzugehen. Erst im Sp√§tsommer 1707, nach einem erfolgreichen Einschreiten beim Kaiser zugunsten der hart bedr√§ngten Protestanten Schlesiens, zog er an der Spitze eines gro√üen Heeres gegen Peter, der inzwischen mit seiner reorganisierten Armee einen gro√üen Teil der schwedischen Ostseeprovinzen erobert hatte. Der teils vielbewunderte, teils scharf getadelte Plan Karls, die Russen im Herzen ihres eignen Landes zu einer Entscheidungsschlacht zu zwingen und dann in Moskau dem Zaren den Frieden zu diktieren, mi√ülang (s. Mazeppa) und endigte mit der Niederlage bei Poltawa (8. Juli 1709), deren verh√§ngnisvolle Folgen sich rasch bemerkbar machten. August II. besetzte Polen von neuem, Friedrich IV. landete in Schonen, und Peter drang in Livland ein. Zwar wu√üte K., der mit 500 Mann nach der T√ľrkei gefl√ľchtet war und bei Bender in k√∂niglichen Ehren lebte, den Sultan Ahmed III. dreimal zu einer Kriegserkl√§rung gegen Ru√üland zu bewegen, aber jedesmal sah er die an den Ausbruch des Krieges gekn√ľpften Hoffnungen scheitern. Infolge seiner wiederholten Weigerung, die T√ľrkei zu verlassen, schlie√ülich (12. Febr. 1713) nach heftigem bewaffneten Widerstand √ľberw√§ltigt und als Gefangener erst nach Timurtasz, dann nach Demotika gebracht, entschlo√ü er sich, auf Grund von Nachrichten √ľber die in Schweden wegen seiner langen Abwesenheit herrschende lebhafte Verstimmung, endlich (im November 1714) zur Heimkehr und gelangte verkleidet nach nur 16t√§gigem Ritt nach Stralsund (22. Nov.). Er fand sein Reich in einer sehr bedenklichen Lage. Die ausl√§ndischen Besitzungen waren in Feindeshand oder verpf√§ndet, die wirtschaftlichen Zust√§nde Schwedens in schlimmster Zerr√ľttung. Anstatt jedoch mit seinen Gegnern Frieden zu schlie√üen, vermehrte er deren Zahl 1715 noch durch England-Hannover und den Preu√üenk√∂nig Friedrich Wilhelm I. (s. Friedrich 57) und mu√üte Ende d. J. nach heldenm√ľtiger Verteidigung Stralsund preisgeben. W√§hrend er nun von Schweden aus, unter Anspannung der letzten finanziellen Kr√§fte des Landes, Norwegen zu erobern suchte, war sein G√ľnstling Freiherr v. G√∂rtz (s. d.) vergebens bem√ľht, die antischwedische Koalition durch diplomatische K√ľnste zu sprengen. Bei dem zweiten Zug nach Norwegen erlag K. im Laufgraben vor Frederikshald einer feindlichen Kugel. Da er unverm√§hlt war, folgte ihm seine mit dem hessischen Erbprinzen Friedrich (s. Friedrich 79) verm√§hlte Schwester Ulrike Eleonore. ‚Äď Eine der gr√∂√üten Heldengestalten der Geschichte, hat K. durch sein an Abenteuern und gl√§nzenden Waffentaten reiches Leben seit jeher einen dankbaren Stoff f√ľr Dichter, Schriftsteller und Komponisten geboten. Seine Sittenreinheit, Fr√∂mmigkeit, Einfachheit und Tapferkeit, in gewissem Sinn auch seine taktische und strategische Begabung, verdienen entschieden Anerkennung. Tadelnswert erscheint namentlich seine Halsstarrigkeit, der er r√ľcksichtslos das Leben von Tausenden seiner Soldaten und den wirtschaftlichen Wohlstand seiner Untertanen opferte. Anderseits beruht die Sympathie, die Schweden heute in Europa genie√üt, zweifellos teilweise darauf, da√ü es seine unter Gustav Adolf erworbene, aber l√§ngst unhaltbar gewordene Gro√ümachtstellung auf so ehrenvolle Weise unter Karl verlor.

Die Literatur √ľber K. ist sehr umfangreich. Noch jetzt bestehen hinsichtlich seiner Beurteilung gro√üe Meinungsverschiedenheiten unter den Geschichtsforschern. Durchaus unzuverl√§ssig sind: Voltaire, Histoire de Charles XII (1731; kritische Ausg. von P. Martine, Par. 1896); Hultgren, Om mordet pa K. XII. (Stockh. 1897); A. Nystr√∂m, K. XII. och sammansv√§rjningen mot hans env√§lde och lif (1900); Cl. Adelsk√∂ld, K. XII. och svenskarne (1903‚Äď04, 2 Bde.). Die wichtigsten Arbeiten sind: Adlerfeld, Histoire militaire de Charles XII (Amsterd. 1740, 4 Tle.; auch deutsch); Nordberg, K. XII.'s historia (1740, 2 Tle.; auch franz. u. deutsch); Lundblad, Geschichte Karls XII. (Hamb. 1835‚Äď40, 2 Bde.); Fryxell, K. XII. (deutsch, Braunschw. 1861, 5 Bde.); M. H√∂jer, Om K. XII.'s myndighetsf√∂rklaring (Stockh. 1866); Beskow, K. XII.,en minnesbild (1868‚Äď69, 2 Tle.); Schriften von K√∂nig Oskar II. (s. d.) und F. F. Carlson (s. d.); Lind, K. XII. i Turkiet (Karlstad 1875); v. Sarauw, Die Feldz√ľge Karls XII. (Leipz. 1881); Lagermark, K. XII.'s krig i Norge 1716 (Ups. 1883); G. E. Axelson, Bidrag till k√§nnedomen om Sveriges tillst√•nd p√• K. XII.'s tid (Wisby 1888); E. Carlson, Die eigenh√§ndigen Briefe Karls XII. (deutsch von Mevius, Berl. 1894); N. R. Bain, Charles XII. and the collapse of the Swedish empire (Lond. 1895); O. Browning, Charles XII. of Sweden (das. 1898); Hallendorff, Studier √∂fver den aldre K. XII.-historiografien (Ups. 1899) und K. XII. och Lewenhaupt √•r 1708 (das. 1902); Sj√∂gren, K. XII. och hans m√§n (Stockh. 1899); G. Syveton, Louis XIV et Charles XII. Au camp d'Altrandstadt, 1707 (Par. 1900); Hj√§rne, K. XII., omst√∂rtningen i Osteuropa 1697‚Äď1703 (Stockh. 1902).

67) K. XIII., geb. 7. Okt. 1748 in Stockholm, gest. 5. Febr. 1818, zweiter Sohn Adolf Friedrichs und der Schwester Friedrichs d. Gr., Luise Ulrike, 1772 am Staatsstreich seines Bruders Gustav III. beteiligt und von ihm zum Herzog von S√∂dermanland ernannt, 1788‚Äď90 in Finnland (s. Anjalabund) Oberbefehlshaber der schwedischen Flotte im russischen Kriege, stand 1792‚Äď96 an der Spitze der Regentschaft f√ľr seinen unm√ľndigen Neffen Gustav IV. Adolf. Nach dessen Sturz (13. M√§rz 1809) zum Reichsverweser, dann (6. Juni) zum K√∂nig gew√§hlt, mu√üte er im Frieden von Fredrikshamn die Vereinigung Finnlands mit Ru√üland anerkennen. Ohne Nachkommen, adoptierte er 1809 Prinz Christian August von Holstein-Sonderburg-Augustenburg als Karl August (s. Karl 59), nach dessen Tode (1810) den Marschall Bernadotte als Karl XIV. Johann, der fortan Schwedens eigentlicher Regent war. Seine Gattin war Hedwig Elisabeth Charlotte von Holstein-Gottorp. Vgl. Bri√üman, Sveriges inre styrelse under Gustaf IV. Adolfs formyndareregering (Lund 1888); ¬ĽHedvig Elisabeth Charlottas dagbok¬ę (hrsg. von C. C. Bonde, Stockh. 1902 ff., bisher 2 Bde., die Jahre 1775‚Äď88 umfassend).

68) K. XIV. Johann, urspr√ľnglich Jean Baptiste Bernadotte, geb. 26. Jan. 1763 in Pau (S√ľdfrankreich) als Sohn eines Advokaten, gest. 8. M√§rz 1844 in Stockholm, seit 1780 Freiwilliger im franz√∂sischen Heer, beim Ausbruch der Revolution Unteroffizier, zeichnete sich am Rhein und in Belgien derart aus, da√ü er 1794 zum Divisionsgeneral avancierte. 1795‚Äď96 unter J. B. Jourdan t√§tig, 1797 mit Verst√§rkungen nach Italien geschickt, wo er Gradisca eroberte, ward er Anfang 1798 Botschafter in Wien, das er jedoch infolge eines Volkstumultes (13. April) bald wieder verlie√ü. 1799 kurze Zeit Kriegsminister, ging er nach dem Staatsstreich vom 18. Brumaire auf Befehl Napoleon Bonapartes, der ihn seit l√§ngerer Zeit mit Eifersucht und Argwohn beobachtete, nach der Vend√©e, wo er 1800‚Äď01 einen neuen Aufstand geschickt unterdr√ľckte. 1804 zum Marschall bef√∂rdert, befehligte er das Okkupationsheer in Hannover, kam 1805 rechtzeitig zur Verst√§rkung Napoleons I. nach M√§hren und ward wegen seiner Verdienste in der Schlacht bei Austerlitz zum F√ľrsten von Pontecorvo, einer vormals p√§pstlichen Enklave im Neapolitanischen, ernannt (5. Juni 1806). Schon bei Beginn des Krieges von 1806 in mehreren Gefechten siegreich, schlug er nach der Schlacht bei Jena die Preu√üen bei Halle (17. Okt.), zwang Bl√ľcher bei L√ľbeck (7. Nov.) zur Kapitulation und k√§mpfte 25. Jan. 1807 ruhmvoll bei Mohrungen. Nach dem Tilsiter Frieden Befehlshaber der Okkupationsarmee in Norddeutschland, erwarb er sich hier, wie fr√ľher in Hannover, durch seine Verwaltung allgemeines Vertrauen. 1809 in der Schlacht bei Wagram Kommandeur der s√§chsischen Truppen, zog er sich durch das Lob, das er diesen in einem Tagesbefehl spendete, die Ungnade Napoleons zu und ging nach Paris, √ľbernahm jedoch bald auf Wunsch des dortigen Ministerrats die Verteidigung Antwerpens gegen die Engl√§nder. Am 21. Aug. 1810 in √Ėrebro von der schwedischen Reichstagsmehrheit, die mit Hilfe des franz√∂sischen Kaisers Finnland wiederzugewinnen hoffte, zum Kronprinzen gew√§hlt, verlie√ü er mit Napoleons Zustimmung Frankreich, trat 19. Okt. in Helsing√∂r von der katholischen zur lutherischen Kirche √ľber, landete 20. Okt. in Helsingborg und empfing 5. Nov., von K√∂nig Karl XIII. unter dem Namen K. Johann adoptiert, in Stockholm die Huldigung der St√§nde. Seitdem der eigentliche Regent Schwedens, leitete er widerwillig dessen Politik anfangs im franz√∂sischen Sinn und unterwarf sich der Kontinentalsperre, n√§herte sich aber bald den Gegnern Napoleons, schlo√ü, als dieser Anfang 1812 Schwedisch-Pommern besetzen lie√ü, mit Ru√üland (5. April) ein B√ľndnis und mit England (18. Juli) Frieden, hatte Ende August mit Kaiser Alexander I. eine Zusammenkunft in √Öbo, wo er f√ľr seinen Anschlu√ü an die Koalition gegen Frankreich den Besitz Norwegens zugesichert erhielt, und erschien, nachdem Preu√üen durch den Stockholmer Vertrag vom 22. April 1813 dem schwedisch-russisch-englischen B√ľndnis beigetreten war und sich zur Stellung eines Armeekorps unter schwedischen Oberbefehl verpflichtet hatte, mit einem schwedischen Heer auf deutschem Boden. Kraft des in Trachenberg von ihm entworfenen und von den Alliierten genehmigten Feldzugplans im Herbst 1813 w√§hrend des deutschen Befreiungskrieges F√ľhrer der Nordarmee, suchte er die schwedischen Truppen gegen deren Willen (s. Adlercreutz) in den Schlachten von Gro√übeeren, Dennewitz und Leipzig m√∂glichst zu schonen, zog hierauf nach Holstein und zwang den D√§nenk√∂nig Friedrich VI., im Kieler Frieden (14. Jan. 1814) gegen Schwedisch-Pommern ihm Norwegen abzutreten. Erst nach der Einnahme von Paris in Frankreich angelangt, sah er seine durch Versprechungen Alexanders I. gen√§hrte Hoffnung auf den franz√∂sischen K√∂nigsthron durch die R√ľckkehr der Bourbonen vereitelt. Durch die Erhebung Norwegens zur R√ľckkehr nach Skandinavien gen√∂tigt, zog er, obwohl nach nur 14t√§gigem Kriege Herr des Landes, doch eine friedliche Verst√§ndigung mit den Norwegern (s. Moss) vor, erwirkte die Ab√§nderung der sogen. Eidsvolder Verfassung (s. Eidsvold) und ward hierauf (4. Nov.) als Kronprinz von Norwegen anerkannt. Seit 1818 K√∂nig der beiden Unionsl√§nder, beobachtete er nach au√üen eine friedliche Haltung, so da√ü nur eine vor√ľbergehende Tr√ľbung der Beziehungen zur Heiligen Allianz (1818 bis 1819) und zu Ru√üland (1825) stattfand. Dagegen erregte seine innere, Verfassungs- und Verwaltungsreformen abgeneigte Regierung allm√§hlich lebhaften Widerspruch und veranla√üte das Aufkommen einer starken Opposition unter F√ľhrung von Crusenstolpe, Anckarsv√§rd und L. Hierta. Wirklich volkst√ľmlich zu werden, hinderte ihn √ľberdies seine Unkenntnis der Landessprache sowie in sp√§tern Jahren seine Zur√ľckgezogenheit. Um die wirtschaftliche, geistige und milit√§rische Entwickelung seiner Reiche machte er sich sehr verdient. Seine Gattin, die Marseiller Kaufmannstochter D√©sir√©e Clary (s. D√©sir√©e), Schw√§gerin Joseph Bonapartes, gebar ihm den sp√§tern K√∂nig Oskar I. Vgl. ¬ĽCorrespondance de Bernadotte 'avec Napol√©on 1810‚Äď1814¬ę (Par. 1819); ¬ĽRecueil de lettres, proclamations et discours du roi Charles Jean¬ę (Stockh. 1838‚Äď39, 2 Bde.); Touchard-Lafosse, K. XIV. Johann (deutsch, Quedlinb. 1839, 2 Bde.); Geijer, K. XIV. Johann (Stockh. 1844, auch schwed.); Sarrans, Histoire de Bernadotte, Charles XIV Jean (Par. 1845, 2 Bde.); Schriften von Crusenstolpe (s. d.) und Alin (s. d.); Blomberg, Marskalk Bernadotte och hans tid (2. Aufl., Stockh. 1899, 2 Bde.); F. U. Wrangel, Fr√•n Jean Bernadottes ungdom (1889); Lagerhjelm, Napoleon och Carl Johan under krigeti Tyskland 1813 (1891); Wiehr, Napoleon und Bernadotte im Herbstfeldzug ‚Äö‚Äö1813 (Berl. 1893; schwed., Stockh. 1895); Alm√©n, Atten Bernadotte (Stockh. 1893, illustriert); Ch. Schefer, Bernadotte roi 1810‚Äď1844 (Par. 1899; schwed., Stockh. 1900); Pingaud, Bernadotte, Napol√©on et les Bourbons (Par. 1901); C. Th. S√∂rensen, Bernadotte i Norden (Kopenh. 1902‚Äď05, 3 Bde.).

69) K. XV., geb. 3. Mai 1826 in Stockholm, gest. 18. Sept. 1872 in Malm√∂, Enkel des vorigen, √ľbernahm nach einer vorz√ľglichen Jugenderziehung 1857 die Regentschaft f√ľr seinen erkrankten Vater Oskar I., dem er 1859 folgte. Mit dem D√§nenk√∂nig Friedrich VII. innig befreundet und eifriger Anh√§nger des sogen. Skandinavismus, suchte er eine engere Verbindung der drei skandinavischen Reiche durch Familienvertr√§ge zustande zu bringen. Sein Unionsvorschlag ward jedoch abgelehnt, w√§hrend die 1864 von ihm geplante milit√§rische Unterst√ľtzung D√§nemarks am Widerstand seines Ministeriums, besonders L. de Geers und Gripenstedts, scheiterte. Mit Preu√üen, auf dessen Besiegung er 1866 und 1870‚Äď71 bestimmt rechnete, stand er seit 1864 auf gespanntem Fu√ü. An seine innere, streng konstitutionelle und von einem bemerkenswerten wirtschaftlichen Aufschwung begleitete Regierung kn√ľpfte sich eine wichtige Verfassungsreform: die Ersetzung der st√§ndischen Volksvertretung durch ein modernes Zweikammersystem (1865). Dagegen vermochte er, trotz seiner ungew√∂hnlichen Popularit√§t, eine Reorganisation des Heeres, f√ľr die er in Zeitungen und Brosch√ľren (auch deutsch) unter der Chiffre C. wirkte, nicht durchzusetzen. Als Maler und Dichter leistete K. Hervorragendes. Er ver√∂ffentlichte: ¬ĽFosterbr√∂derne¬ę (Stockh. 1848; auch deutsch: ¬ĽDie Kampfgenossen¬ę); ¬ĽHeidi, Gylfes dotter¬ę (1852); ¬ĽEn Vikingasaga¬ę (1855). Seine ¬ĽDikter¬ę (1863‚Äď65, 2 Bde.) erschienen in deutscher √úbersetzung von Winterfeld (Berl. 1866) und B√∂mers (Minden 1867). Da seine Gattin, Luise von Holland, ihm nur eine Tochter, die jetzige d√§nische Kronprinzessin Luise, gebar, folgte ihm sein Bruder Oskar II. Vgl. Morin, K√∂nig, Dichter und Maler (Leipz. 1875); Hebbe, Carl XV. Politiska tilldragelser i Europa 1814‚Äď1876 (Stockh. 1876‚Äď77, 2 Bde.); C. B√•√•th-Holmberg, Carl XV. som enskild man, konung och konstn√§r (1891); ¬ĽTre episoder i K. XV.'s lif¬ę (1893).

[K√∂nigreich beider Sizilien; vgl. oben: K. 39‚Äď41.] 70) K. IV., als K√∂nig von Spanien Karl III. (s. unten: K. 73).

[Spanien.] 71) K. I., soviel wie Karl V., deutscher Kaiser (s. Karl 6, S. 631).

72) K. II., geb. 6. Nov. 1661, gest. 1. Nov. 1700, Sohn Philipps IV. und der Maria Anna von √Ėsterreich, folgte seinem Vater 1665 unter Vormundschaft, √ľbernahm 1675 die Regierung, stand aber, stets kr√§nklich und schw√§chlich, unter dem Einflu√ü seiner Umgebung; er war der letzte spanische Habsburger. Seine beiden Ehen, mit Maria Luise von Orl√©ans und mit Maria Anna von Pfalz-Neuburg, blieben kinderlos, daher er im letzten Testament Philipp V., den Enkel Ludwigs XIV., zum Nachfolger bestimmte, wodurch der Spanische Erbfolgekrieg (s. d.) entstand.

73) K. III., geb. 20. Jan. 1716, gest. 14. Dez. 1788, Sohn Philipps V. und der Elisabeth Farnese, bekam 1730 durch die Bem√ľhungen seiner Mutter das Herzogtum Parma, fiel 1734 in Neapel ein und erhielt 1738 im Wiener Frieden das K√∂nigreich beider Sizilien vom Kaiser f√∂rmlich abgetreten, das er als K. IV., unterst√ľtzt von dem juristisch vortrefflich gebildeten Minister Marquise Bernardo Tanucci (geb. 1698 zu Stia in Toskana, gest. 1783), liberal und im ganzen gut regierte, wenn auch das Finanzgebaren zu w√ľnschen √ľbriglie√ü und das neue Gesetzbuch schlie√ülich nicht ins Leben trat. √úbertriebenen Forderungen der Kurie und der Einf√ľhrung der Inquisition trat er fest entgegen. Unter ihm begannen 1736, zum erstenmal in gr√∂√üerm Ma√üstab, Ausgrabungen in Herculaneum, 1748 in Pompeji und 1749 in Stabi√§. Nach dem Tode seines Halbbruders Ferdinand VI. (1759) bestieg er den spanischen Thron, legte jedoch zuvor die neapolitanische Krone in die H√§nde seines Sohnes Ferdinand nieder und trat sofort dem sogen. bourbonischen Familientraktat (15. Aug. 1761) bei, der ihn in einen verlustreichen Krieg mit England und Portugal verwickelte, in dem Spanien 1763 Florida verlor, 1783 aber zur√ľckerhielt. Im Innern dagegen bewies sich K. als einsichtsvoller Regent, hob den gesunkenen Staatskredit wieder, bef√∂rderte Handel und Ackerbau durch Anlegung von Br√ľcken, Kan√§len, Stra√üen und Fabriken; au√üerdem kultivierte er die bisher √∂de Sierra Morena. Ihn unterst√ľtzten dabei die Minister Aranda, Campomanes und Floridablanca. Der Inquisition in Spanien setzte er heilsame Schranken, verringerte die Macht der Kirche, und den Jesuiten verschlo√ü er 1. April 1767 sein Land. 1771 stiftete er den Orden Karls III. K. war verm√§hlt mit der Prinzessin Maria Amalie von Sachsen. Vgl. Graf Fernan-Nunez, Vida di Carlos III (hrsg. von Morel Fatio und Paz Melia, Madr. 1899, 2 Bde.); Ferrer del Rio, Historia del reinado de Carlos III de Espa√Īa (das. 1856‚Äď58, 4 Bde.); Danvila y Collado, Reinado de Carlos III (das. 1892‚Äď96, 7 Bde.); Addison, Charles III. of Spain (Lond. 1900); M. Schipa, Il regno di Napoli al tempo di Carlo di Borbone (Neap. 1904).

74) K. IV., Sohn des vorigen, geb. 12. Nov. 1748 in Neapel, gest. 19. Jan. 1819, folgte seinem Vater 1788 und f√ľhrte die Regierung anfangs ganz in dessen Geiste fort, besonders seitdem Aranda an die Spitze der Gesch√§fte getreten war. Derselbe ward jedoch bald durch Karls G√ľnstling Manuel Godoy (s. d.), den Geliebten seiner sittenlosen Gemahlin Maria Luise von Parma, die ihn ganz beherrschte, verdr√§ngt, der K. 1793 zu einem ungl√ľcklichen Kriege gegen Frankreich und nach dem Baseler Frieden (1795) gegen Portugal und England verleitete, welch letzteres 1805 bei Trafalgar Spaniens Seemacht vernichtete. Ein Spielball in der Hand Napoleons, mu√üte er dessen Einmischung in die Verh√§ltnisse seines K√∂nigreichs dulden, und als ihn sein Sohn Ferdinand durch den Aufstand von Aranjuez 18. M√§rz 1808 zur Thronentsagung gezwungen hatte, lie√ü er sich in Bayonne von Napoleon bewegen, 5. Mai 1808 zu dessen Gunsten auf die Krone zu verzichten. Er begab sich darauf nach Fontainebleau, sp√§ter nach Rom und von hier an den Hof seines Bruders, des K√∂nigs Ferdinand IV. von Neapel. Sein zweiter Sohn war Don Carlos, der Pr√§tendent ¬ĽKarl V.¬ę (s. unten: K. 76). Vgl. Gomez de Arteche, Historia del reinado de Carlos IV (Madr. 1892‚Äď96, Bd. 1 u. 2); Muriel, Historia de Carlos IV (das. 1894 ff.).

75) (Don Carlos) Infant und Kronprinz von Spanien, geb. 8. Juli 1545 in Valladolid, gest. 24. Juli 1568, Sohn K√∂nig Philipps II. aus dessen erster Ehe mit Maria von Portugal, wurde nach dem fr√ľhen Tode seiner Mutter von Johanna, der Schwester seines Vaters, erzogen, und 1560 von den St√§nden als Thronfolger anerkannt. Von fr√ľher Jugend an war er schw√§chlich und kr√§nklich, auch zeigte er Spuren von Schwachsinn. Die Hoffnung aber, da√ü eine Besserung eintreten k√∂nnte, wurde deshalb nicht sogleich aufgegeben; erst als sich diese als unwahrscheinlich herausstellte, ergab sich f√ľr den Vater der Gedanke, einer Thronfolge Karls vorbeugen zu m√ľssen. Er lie√ü schon 1563 seine Neffen, die Erzherzoge Rudolf und Ernst von √Ėsterreich, nach Spanien kommen, um ihnen die Sukzession in diesem Reiche zuzuwenden. Doch wurde noch mehrere Jahre hindurch √§u√üerlich der Prinz als Thronerbe betrachtet; er wurde verlobt mit seiner deutschen Cousine Anna und auch in den Staatsrat aufgenommen. Doch je l√§nger, desto mehr h√§uften sich seine Exzesse und die Beweise seiner geistigen Gest√∂rtheit. Sp√§ter entdeckte man, da√ü er aus Spanien zu entfliehen sich vorgesetzt, sa da√ü er Anschl√§ge gegen das Leben seines Vaters geschmiedet habe. In der Nacht des 18. Jan. 1568 begab sich Philipp II. mit einer Bedeckung in Karls Gem√§cher, bem√§chtigte sich der Papiere desselben und √ľbergab ihn selbst der strengsten Bewachung. Von da ab blieb K. bis zu seinem Tode dem Verkehr mit der Welt entr√ľckt. √úber die Motive des Zerw√ľrfnisses zwischen Vater und Sohn wurden viel falsche Ansichten verbreitet. Besondern Beifall fand die Version, die Saint-Real (¬ĽDon Carlos; nouvelle historique¬ę, 1672) vortrug, da√ü Don Carlos eine ungl√ľckliche Liebe zu seiner Stiefmutter Elisabeth, der Tochter Heinrichs II. von Frankreich, gehabt habe; sie diente als Stoffsammlung f√ľr Schillers Drama ¬ĽDon Carlos¬ę wie f√ľr die Dramen von Campistron, Lef√®vre, Alfieri und Russell. Ersch√ľttert wurde die Glaubw√ľrdigkeit dieser Fabel 1817 durch den Spanier Llorente und 1829 durch Ranke (¬ĽWiener Jahrb√ľcher der Literatur¬ę, Bd. 46). Das wichtigste archivalische Material verdankt man Gachard (¬ĽDon Carlos et Philippe II¬ę, 2. Aufl., Par. 1867). Neue Aufschl√ľsse f√ľgte Maurenbrecher hinzu. Zu gleichen Ergebnissen gelangte Graf de Mouy, Don Carlos et Philippe II (Par. 1863, 3. Aufl. 1888); B√ľdinger, Don Carlos' Hast und Tod, insbesondere nach den Auffassungen seiner Familie (Wien 1891), behandelt die Biographie des Prinzen haupts√§chlich als Krankengeschichte. Vgl. Warnk√∂nig, Don Carlos' Leben, Verhaftung und Tod (Stuttg. 1864); Maurenbrecher, Don Carlos (2. Aufl., Berl. 1876).

[Spanische Pr√§tendenten.] 76) K. Maria Joseph Isidor de Borbon y Borbon, geb. 29. M√§rz 1788, gest. 10. M√§rz 1855 in Triest, gew√∂hnlich Don Carlos genannt, zweiter Sohn K√∂nig Karls IV. von Spanien, mu√üte 1808 zugleich mit seinem √§ltern Bruder, Ferdinand VII., auf Napoleons I. Befehl auf die Thronfolge Verzicht leisten und dann bis 1814 die Gefangenschaft jenes Prinzen zu Valen√ßay teilen. 1814 kehrte er mit Ferdinand VII. nach Madrid zur√ľck. Da dieser kinderlos blieb, er√∂ffnete sich K. die n√§chste Aussicht zur Thronfolge, und es scharte sich eine Partei um ihn, die von dem Prinzen die Wiederherstellung des Katholizismus in seinem alten Glanz sowie des absoluten K√∂nigtums hoffte. Die Geburt der Infantin Isabella (1830) vernichtete Karls Aussicht auf die Thronfolge, da der K√∂nig zuvor das Salische Gesetz, das blo√ü m√§nnliche Erbfolge statuierte, aufgehoben hatte. Als K. gegen diese Bestimmung protestierte, verwies ihn der K√∂nig erst nach Portugal, sodann nach dem Kirchenstaat. K. versagte jedoch den Gehorsam und ward nach dem am 19. Sept. 1833 erfolgten Tode Ferdinands VII. von seiner Partei, die von jetzt an den Namen Karlisten f√ľhrte, als rechtm√§√üiger Herrscher (K. V.) anerkannt. Die K√∂nigin-Regentin Christine erkl√§rte ihn daher 16. Okt. f√ľr einen Rebellen, und K., der alle Vergleichsvorschl√§ge zur√ľckwies, entz√ľndete 1834 einen blutigen B√ľrgerkrieg, den Karlistenkrieg, der mit abwechselndem Gl√ľck gef√ľhrt ward, bis K. endlich 1839 auf franz√∂sischem Boden eine Zuflucht suchte, wo er das Schlo√ü Bourges als Aufenthaltsort angewiesen erhielt und seitdem in halber Gefangenschaft lebte. Erst 18. Mai 1845 entsagte er zugunsten seines √§ltesten Sohnes, des Prinzen Karl von Asturien. Unter dem Namen eines Grafen von Molina lebte er seit 1847 in Triest. Er war verm√§hlt mit Maria Franziska von Portugal und seit 1838 zum zweitenmal mit Maria Theresia, Prinzessin von Beira und Witwe des Infanten Peter von Spanien.

77) K. Ludwig Maria Ferdinand, Prinz von Asturien (K. VI.), √§ltester Sohn des vorigen, geb. 31. Jan. 1818, gest. 13. Jan. 1861, lebte bis 1833 in Madrid, ging mit seinem Vater 1834 nach England, kehrte 1838 nach Spanien zur√ľck und mu√üte 1839 ebenfalls seinen Aufenthalt in Bourges nehmen. Nach der Verzichtleistung seines Vaters (1845) nannte er sich Graf von Montemolin und verm√§hlte sich 1850 mit Karoline Ferdinande, Schwester des K√∂nigs Ferdinand III. von Neapel. 1860 unternahm er mit seinem j√ľngsten Bruder, Ferdinand, w√§hrend des spanisch-marokkanischen Krieges eine Landung an der Ostk√ľste Spaniens bei Tortosa und lie√ü sich zum K√∂nig von Spanien ausrufen. Er fand jedoch gar keinen Anhang und rettete sein Leben nur durch f√∂rmlichen Verzicht zugunsten Isabellas; hierauf in Freiheit gesetzt, nahm er denselben 15. Juni wieder zur√ľck. Er starb zu gleicher Zeit mit seiner Gemahlin, ohne Kinder zu hinterlassen.

78) K. Maria de los Dolores Johann Isidor Joseph Franz, gew√∂hnlich Don Carlos genannt, geb. 30. M√§rz 1848, Sohn des Infanten Johann Karl Maria Isidor (s. Johann 55), wurde durch den Verzicht seines Vaters, der durch den Tod des Grafen Montemolin 1861 Erbe der Thronanspr√ľche des Don Carlos geworden, 3. Okt. 1868 Tr√§ger der karlistischen Anspr√ľche und nannte sich Herzog von Madrid. 1872 trat er zuerst als Pr√§tendent auf, indem er als K√∂nig K. VII. 15. April ein Manifest an die karlistische Partei in Madrid erlie√ü, 2. Mai in Spanien selbst erschien und, von den karlistischen Banden in den baskischen Provinzen empfangen, in Vera einzog. Aber bereits 4. Mai bei Oroquieta von Moriones g√§nzlich geschlagen, floh er nach Frankreich und √ľberlie√ü seinem Bruder, dem Infanten Alfons, die Leitung der karlistischen Scharen. Erst als der Thron des K√∂nigs Amadeus 1873 zusammenst√ľrzte und √ľberall Aufst√§nde ausbrachen, wagte er es, 15. Juni von Bayonne wieder auf spanischem Boden zu erscheinen, wo sich inzwischen sein Anhang bedeutend gemehrt hatte. Am 2. Aug. beschwor er in Guernica die Fueros der baskischen Provinzen und bem√§chtigte sich des festen Platzes Estella, den er zu seiner Residenz und zum Mittelpunkt seiner Operationen machte; √ľbrigens hielt er sich von den K√§mpfen selbst m√∂glichst fern. Erst als Ende 1874 Alfons XII. zum K√∂nig ausgerufen worden war, gingen die spanischen Generale ernstlich an die √úberwindung der Emp√∂rer. Im Mai 1875 begannen Jovellar und Martinez Campos die systematische S√§uberung der Provinzen und beschr√§nkten den Karlismus auf Navarra und die baskischen Provinzen, die im Februar 1876 durch eine konzentrische Operation der √ľberlegenen Regierungsarmee ebenfalls erobert wurden. Eine Entscheidungsschlacht mied K. und zog es vor, seine Truppen ihres Eides zu entbinden, worauf dieselben 26. Febr. in Pamplona die Waffen streckten. Er selbst fl√ľchtete √ľber die franz√∂sische Grenze und lebt seitdem im Ausland. Er war seit 4. Febr. 1867 mit der Tochter des Herzogs Karl III. von Parma, Margarete (geb. 1. Jan. 1847), verm√§hlt, die ihm auch 27. Juni 1870 einen ¬ĽThronerben¬ę, den Infanten Jayme, geboren hat, aber 29. Jan. 1893 starb. Am 28. April 1894 heiratete er dann die Prinzessin Maria Berta von Rohan.

[Ungarn.] 79) K. Robert, K√∂nig von Ungarn 1308‚Äď42, der erste K√∂nig aus dem neapolitanischen Zweige, des Hauses Anjou, trat nach dem Tode des letzten √Ārp√°den, Andreas III., mit Unterst√ľtzung des p√§pstlichen Stuhles als Thronpr√§tendent auf, wurde aber erst nach langwierigen K√§mpfen mit seinen Rivalen, Wenzel von B√∂hmen und Otto von Bayern, 1308 von den St√§nden einstimmig zum K√∂nig erw√§hlt. Nachdem er auch die innere Oligarchie (Cs√°k) besiegt und aus seinen Getreuen sich eine neue Aristokratie geschaffen hatte, schritt er zu zeitgem√§√üen Reformen: in milit√§rischer Beziehung zum Banderialsystem, in finanzieller zur Einf√ľhrung der Portal- (Tor-) Steuer der H√∂rigen. Nach Herstellung der zerr√ľtteten innern Verh√§ltnisse f√ľhrte er mehrere Kriege, so gegen den Woiwoden der Walachei, Bazar√°ba, wobei K. fast sein Leben einb√ľ√üte; dagegen zwang er Milutin von Serbien zur Anerkennung seiner Lehnshoheit. Der Krieg gegen Venedig wegen Dalmatiens verlief ergebnislos. Im Thronstreit um die deutsche Krone unterst√ľtzte er Friedrich den Sch√∂nen. Mehr Erfolg kr√∂nte seine Familienpolitik; seinem √§ltern Sohn, Ludwig (dem Gro√üen), erwarb er das Anrecht auf die polnische Krone (1339), seinem zweiten Sohn, Andreas, die Hand der Erbin von Neapel, Johanna. Der F√ľrstenkongre√ü von Visegr√°d (1335) zeigte Ungarn in seiner Gr√∂√üe als f√ľhrende Macht Osteuropas. Vgl. Ant. P√≥r, Die Anjou und ihre Erben (in Szil√°gyis ¬ĽGeschichte Ungarns¬ę, Bd. 3).

[W√ľrttemberg.] 80) K. Alexander, Herzog von W√ľrttemberg, geb. 24. Jan. 1684 in Stuttgart, gest. 12. M√§rz 1737, Sohn des Prinzen Friedrich Karl zu W√ľrttemberg-Winnenthal, focht in √∂sterreichischen Diensten 1697 gegen Frankreich, im Spanischen Erbfolgekrieg am Rhein und in Italien und verteidigte 1713 Landau, mu√üte aber 20. Aug. kapitulieren. 1712 in Wien katholisch geworden, bei Peterwardein und Belgrad gegen die T√ľrken ausgezeichnet, ward er Generalfeldmarschall und 1719 Statthalter von Belgrad und Serbien. Seinem Vetter, Herzog Eberhard Ludwig, 1733 nachfolgend, versprach er die evangelische Religion zu sch√ľtzen, dr√ľckte, da er, seinen kriegerischen Neigungen folgend, mit einem starken Truppenkorps am Polnischen Erbfolgekrieg teilnahm, das Land mit hohen Steuern und geriet in die H√§nde des ber√ľchtigten Juden S√ľ√ü Oppenheimer (s. d.), der durch Pr√§gung falschen Geldes und √§hnliche Betr√ľgereien die n√∂tigen Geldmittel schaffte.

81) K. Eugen, Herzog von W√ľrttemberg, Sohn des vorigen, geb. 11. Febr. 1728 in Br√ľssel, gest. 24. Okt. 1793 in Hohenheim, folgte seinem Vater 1737 unter Vormundschaft, ward aber, nachdem er 1741‚Äď44 am Hofe Friedrichs d. Gr. gelebt, im 17. Jahre f√ľr m√ľndig erkl√§rt und regierte selbst√§ndig, der f√ľrstlichen Gewohnheit der Zeit entsprechend, mit Entfaltung √§u√üerer Pracht, so da√ü sein Hof als einer der gl√§nzendsten in Europa galt. Seine Minister Rieger und Montmartin beschafften ihm das n√∂tige Geld, das er seinem Hang zu Pracht, sinnlichem Genu√ü und seiner Vorliebe f√ľr das Milit√§rwesen opferte. In franz√∂sischem Sold im Siebenj√§hrigen Kriege gegen Preu√üen k√§mpfend, hielt er sich auch nachher 14,000 Soldaten. Erpressungen, √Ąmterverkauf, Zwangsanleihen, Monopole, das Lotto und andre Mittel dienten der Geldbeschaffung, doch litten Land und St√§nde schwer, so da√ü sie sich in Wien beim Reichshofrat beschwerten. Auch durch die Verfolgung J. J. Mosers (s. d.) und des Dichters Schubart (s. d.) machte sich K. verha√üt. 1748 verm√§hlte er sich mit Elisabeth Friederike Sophie von Bayreuth, die sich aber schon 1756 von ihm trennte und 6. April 1780 in Bayreuth starb. K. w√§hlte 1771 die Frau eines Freiherrn v. Leutrum, Franziska, geborne v. Bernardin, zur Geliebten, erhob sie 1774 zu einer Gr√§fin von Hohenheim und heiratete sie 1785. Jetzt trat ein Umschwung in seiner Regierungsweise ein; er suchte die dem Lande geschlagenen Wunden zu heilen, sorgte f√ľr Veredelung des Weinbaues und f√ľr Verbesserungen im Betrieb der Landwirtschaft, legte Kunststra√üen an, erweiterte durch Kauf das Gebiet des Herzogtums und bef√∂rderte Kunst und Wissenschaft durch Errichtung der ber√ľhmten Karlsschule (s. d.). Die letzten Jahre seines Lebens verlebte er auf dem f√ľr seine Gemahlin erbauten Lustschlo√ü Hohenheim. Ihm folgten in der Regierung seine Br√ľder Ludwig Eugen (gest. 1795) und Friedrich Eugen (gest. 1797). Vgl. Vely, Herzog K. von W√ľrttemberg und Franziska von Hohenheim (3. Aufl., Stuttg. 1877); ¬ĽK. Eugen, Herzog von W√ľrttemberg, und seine Zeit¬ę (hrsg. vom W√ľrttembergischen Geschichts- und Altertumsverein, das. 1903 ff.).

82) K. I. Friedrich Alexander, K√∂nig von W√ľrttemberg, geb. 6. M√§rz 1823 in Stuttgart, gest. daselbst 6. Okt. 1891, der einzige Sohn Wilhelms I. und dessen dritter Gemahlin, Pauline, Herzogin von W√ľrttemberg, studierte in T√ľbingen und Berlin, verm√§hlte sich 13. Juli 1846 mit der Tochter des Kaisers Nikolaus, der Gro√üf√ľrstin Olga (geb. 11. Sept. 1822, gest. 30. Okt. 1892) und folgte seinem Vater 25. Juni 1864. Er ersetzte das reaktion√§re Ministerium Linden durch den gem√§√üigten Varnb√ľler, schlo√ü sich 1866 den Gegnern Preu√üens an, vertrat aber 1870 eine nationale Politik, stellte seine Truppen unter preu√üischen Oberbefehl und trat dem Deutschen Reiche bei. Im Innern regierte er in stetem Einvernehmen mit dem Landtag und geno√ü wegen seines Wohlwollens allgemeine Beliebtheit, lebte aber infolge seiner Kr√§nklichkeit viel im Ausland. Ihm folgte, da seine Ehe kinderlos blieb, sein Vetter, K√∂nig Wilhelm II. Vgl. ¬ĽW√ľrttemberg und sein K√∂nig, 1864 bis 1889¬ę (Stuttg. 1889, Jubil√§umsschrift); Hochstetter, K√∂nig K. von W√ľrttemberg (das. 1891).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905‚Äď1909.

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