Kataplexīe

Kataplexīe (griech., Schrecklähmung), der eigentümliche lähmungsartige (kataplektische) Zustand, in den Tiere aller Art durch plötzlichen Schreck versetzt werden, von dem sie sich nur allmählich wieder erholen. Auch der Mensch kann gelegentlich vor Schrecken »kein Glied rühren«, z. B. bei plötzlichen Verwundungen (Wundschreck); doch steigert sich bei ihm die Lähmung nur selten zur vollkommenen Starrheit, und in der Regel geht sie schnell vorüber. Manche Tiere dagegen, die man plötzlich ergreift und auf den Rücken oder auf die Seite legt, werden nach den ersten fruchtlosen Fluchtversuchen alsbald unbeweglich, so daß man die Hand vorsichtig wegnehmen kann, ohne daß sie davonlaufen. Am frühesten war dies vom Huhn bekannt, das man nach der Vorschrift des Jesuitenpaters Kircher (1601–80) zu binden pflegte und mit dem Schnabel an die Diele drückte, worauf man von dort einen Kreidestrich zog, den es angeblich für das Ende des Bindfadens hielt, mit dem es gebunden sei (»Experimentum mirabile«). Czermak fand, daß sich die meisten Vögel ähnlich verhalten, und glaubte, daß sie dabei in einen eigentümlichen Zustand von Schlaftrunkenheit (Hypnotismus) verfallen, aus dem sie erst nach 5–15 Minuten erwachen. Preyer zeigte, daß diese Zustände, die er auf eine Erregung bewegungshemmender Zentren durch die Furcht zurückführen wollte, sich fast bei Tieren aller Klassen hervorrufen lassen. Das Zum-Stab-Werden der Uräusschlange, wenn man sie am Halse faßt, das die ägyptischen Zauberer noch heute, wie zu Moses' Zeiten, zeigen, gehört vermutlich ebenso wie die Lähmung der durch den Schlangenblick »bezauberten« Vögel hierher. Frösche oder Tritonen, die man plötzlich mit der Pinzette oder mit einer Schlinge am Bein oder Schwanz faßt und aufhängt, werden sogleich starr und können sogar nach Verlauf eines halben bis ganzen Tages sterben, ohne ihre Gliederstellung geändert zu haben. Auch das »Sichtotstellen« kleiner Käfer, wenn sie ergriffen werden, gehört wahrscheinlich hierher. Vgl. W. Preyer, Die K. und der tierische Hypnotismus (Jena 1878); Verworn, Beiträge zur Physiologie des Zentralnervensystems, Bd. 1 (das. 1898).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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