Laibach [2]

Laibach (slowen. Ljubljana), Hauptstadt des österreich. Herzogtums Krain, 287 m ü. M., in einer weiten Ebene an der Laibach (s. oben), die von sechs Brücken überspannt ist, an den Südbahnlinien Wien-Triest und L.-Oberlaibach und den Staatsbahnlinien L.-Tarvis, L.-Stein u. L.-Gottschee, umfaßt sechs Bezirke und besitzt mehrere größere Plätze, darunter den Kongreßplatz mit der schönen Sternallee und dem Denkmal Radetzkys von Fernkorn, dann den Hauptplatz mit Marmorbrunnen.

Wappen von Laibach.
Wappen von Laibach.

Von den öffentlichen Gebäuden sind besonders die Domkirche zu St. Nikolaus (aus dem 18. Jahrh.) mit hoher Kuppel, Stuckornamenten und Fresken, die Jakobs- und Ursulinerinnenkirche, die evang. Kirche (von 1852) im byzantinischen Stil und die Herz-Jesukirche (1883), ferner das Regierungsgebäude, der Justizpalast, die neue landschaftliche Burg, das Rathaus, der Bischofshof, das Kasinogebäude etc. zu erwähnen. 1886 wurde Anastasius Grün ein Denkmal errichtet. L. zählt (1900) mit Militär (2592 Mann) 36,547 meist slowen. Einwohner (5423 Deutsche). Von industriellen Etablissements finden sich hier eine Baumwollspinnerei und -Weberei, Glockengießerei, Eisengießerei und Maschinenfabrik, Eisenbahnreparaturwerkstätte, Fabriken für Zündwaren, Kaffeesurrogate und Kanditen, Drahtstifte, Metall-, Papier-, Strick-, Teig- und Tonwaren, Leder, eine Dampfmühle, Bierbrauerei, Elektrizitätswerk und eine ärarische Tabakfabrik (mit 2600 Arbeitern). Von Wichtigkeit ist auch der Handel. An Bildungsanstalten besitzt L. 2 Obergymnasien, eine Oberrealschule, eine Lehrer- und Lehrerinnenbildungsanstalt, eine theologische Lehranstalt, eine Handelslehranstalt, eine kunstgewerbliche Fachschule, eine höhere Mädchenschule, eine Lehr- und Erziehungsanstalt der Ursulinerinnen, 2 Musikschulen, eine Studienbibliothek (60,000 Bände), ein Landesmuseum mit kulturhistorischen und naturgeschichtlichen Sammlungen, namentlich Pfahlbaufunden aus dem Laibacher Moor (s. unten), und ein Theater. Außerdem hat L. eine Filiale der Österreichisch-Ungarischen Bank, eine Kreditbank, 2 Sparkassen, ein Krankenhaus mit Irren- und Gebäranstalt, eine Taubstummen- und eine Zwangsarbeitsanstalt. L. ist Stadt mit eignem Statut und Sitz der Landesregierung von Krain, des Landtags und Landesausschusses, eines Landesgerichts, einer Bezirkshauptmannschaft (L. Umgebung), eines Fürstbischofs, einer Finanzdirektion, eines Revierbergamtes, einer Handels- und Gewerbekammer und des Kommandos der 28. Infanterietruppendivision. Die Stadt besitzt ein Schlachthaus, elektrische Beleuchtung und Straßenbahn (5,1 km). Der Schloßberg, der sich 77 m über der Stadt erhebt, trägt ein 1416–1520 ausgeführtes, 1813 von den Franzosen teilweise zerstörtes Kastell. Die schöne Lattermann-Allee führt nach Tivoli, mit städtischem Park und Schloß, einst Besitz Radetzkys, dem hier gleichfalls ein Denkmal errichtet wurde. Das nahe Laibacher Moor (144 qkm) ist durch Herstellung des Gruberschen Kanals (1780) sowie durch Entsumpfungsarbeiten großenteils kulturfähig gemacht worden. Die Südbahn durchschneidet dasselbe auf einem 2300 m langen Damm. Vgl. Kramer, Das Laibacher Moor (Laib. 1905).

L. befindet sich nach gewöhnlicher Ansicht an der Stelle des keltorömischen Aemona (Emona) oder Haemona. Jedenfalls ist es auf römischer Grundlage erbaut und nach deren Verfall in den Stürmen der Völkerwanderung in der avaroslawischen Epoche von den Slowenen neu besiedelt worden. Seit dem 12. Jahrh. blühte mit deutscher Ansiedelung der günstig gelegene Ort, besonders unter den Kärntner Herzogen aus dem Hause Sponheim. Nach deren Aussterben wurde L. 1270 von Ottokar von Böhmen eingenommen. 1416 erhielt es Stadtrecht, die Errichtung des Bistums erfolgte 1461. L. spielte auch in der Reformationszeit eine wichtige Rolle als erster Wirkungskreis des bekannten Primas Truber. 1797 zogen die Franzosen hier ein, die 1805 und 1806 wieder erschienen. Nachdem das verschanzte Lager der Österreicher zu L. 23. Mai 1809 an die Franzosen unter Mortier kapituliert hatte, wurde die Stadt vom Oktober d. J. bis 1813 der Sitz des französischen Generalgouverneurs der illyrischen Provinzen. Von Januar bis Mai 1821 tagte hier der Laibacher Kongreß; die Kaiser von Österreich und Rußland, der König beider Sizilien und der Herzog von Modena waren zu gemeinschaftlichen Beratungen über die Zustände in Italien hier versammelt, und die Folge ihrer Beschlüsse war der Umsturz der liberalen Verfassung in Neapel durch österreichische Truppen. L. hat durch heftige Erdbeben 14. April 1895 und 15. Juli 1897 sehr gelitten. 20 km südwestlich von L. liegt der Marktflecken Ober-Laibach (slowen. Vrhnika) an dem hier schiffbar zutage tretenden Flusse L., Sitz eines Bezirksgerichts, mit Bierbrauerei, Holzwarenfabrik, Gerberei und (1900) 2292 (als Gemeinde 5874) slowen. Einwohnern. Vgl. A. Müllner, Emona (Laib. 1879); Vrhovec, Die fürstliche Landeshauptstadt L. (das. 1887); Richter, Geschichte der Stadt L. bis 1461 (in Kluns »Archiv für Geschichte Krains«, Heft 2 u. 3).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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