Leipzig [1]

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Leipzig [1]

Leipzig (hierzu drei Beilagen: Stadtplan mit Registerblatt, Karte ¬ĽLeipzig mit den Vororten¬ę und Tafel ¬ĽLeipziger Bauten I-III¬ę), nach der Z√§hlung von 1900 die gr√∂√üte Stadt des K√∂nigreichs Sachsen und die viertgr√∂√üte des Deutschen Reiches, Hauptstadt der gleichnamigen Kreishauptmannschaft (S. 386), liegt 105‚Äď125 m (Sternwarte 116 m) √ľ. M., unter 51¬į20¬ī n√∂rdl. Br. und 12¬į23¬ī √∂stl. L., an der Elster, Plei√üe und Parthe, in der gro√üen Ebene, die sich von der Saale bis zur Mulde und zum gro√üen Teil bis nach der Elbe erstreckt.

Wappen von Leipzig.
Wappen von Leipzig.

Die Stadt zerf√§llt in die innere Stadt, die innern und √§u√üern Vorst√§dte und die 1889‚Äď1892 einverleibten Vororte Reudnitz, Anger-Krottendorf, Volkmarsdorf, Neustadt, Neusch√∂nefeld, Sellerhausen, Neusellerhausen (Osten), Neureudnitz, Thonberg (S√ľdosten), Konnewitz, L√∂snig (S√ľden), Lindenau, Plagwitz, Kleinzschocher, Schleu√üig (Westen und S√ľdwesten), Gohlis und Eutritzsch (Norden). Die Einverleibung der Orte M√∂ckern (N.), Leutzsch (W.), Sch√∂nefeld (NO.) und St√∂tteritz (SO.) ist geplant. Die gut gebaute und seit 1770 von Promenaden (den vormaligen Festungsw√§llen) umgebene innere Stadt wurde fr√ľher in das Peters- (S.), Ranst√§dter (W.), Grimmaische (O.) und Hallische (N.) Viertel eingeteilt. Auch die Vorst√§dte bezeichnete man mit den Namen dieser Viertel. Jetzt benennt man die Vorst√§dte nach den Himmelsgegenden.

[Stra√üen, Pl√§tze, Denkm√§ler.] Die Zahl der Stra√üen und Pl√§tze Leipzigs betr√§gt nach der Einverleibung der Vororte √ľber 700. Die Stra√üen der innern Stadt sind teilweise eng und krumm; doch werden von Jahr zu Jahr im Interesse des Verkehrs Verbesserungen vorgenommen, durch die sich das fr√ľhere Stadtbild bereits wesentlich ver√§ndert hat. Die verkehrsreichsten Stra√üen der innern Stadt sind die Grimmaische und die Petersstra√üe. In den Vorst√§dten gibt es meist regelm√§√üige, breite und sch√∂ne Stra√üen, besonders in der erst neuerdings entstandenen S√ľdwestvorstadt. Zu den sch√∂nsten Stra√üen z√§hlen die Karl Tauchnitz-Stra√üe, die Kaiser Wilhelm-Stra√üe, die Bismarckstra√üe, Kronprinzstra√üe, Schw√§grichenstra√üe. Von der um die innere Stadt herumgef√ľhrten Ringstra√üe gibt es zurzeit (1905) den Thomasring, Rathausring und Georgiring. Die Hauptverkehrsstra√üen der Vorst√§dte sind der Grimmaische Steinweg, die Dresdener Stra√üe, der Peterssteinweg, die Zeitzer Stra√üe, die Bl√ľcherstra√üe, der Ranst√§dter Steinweg und die Frankfurter Stra√üe. Unter den √∂ffentlichen Pl√§tzen nimmt der Markt, der Schauplatz denkw√ľrdiger Ereignisse, eine hervorragende Stellung ein. In seiner Mitte befindet sich das 1845 in Pflastersteinmosaik ausgef√ľhrte Stadtwappen. Auf der Nordseite des Marktes steht das am 18. Aug. 1888 enth√ľllte gro√üartige Siegesdenkmal von Siemering (s. Tafel ¬ĽBildhauerkunst XVIII¬ę, Fig. 6). Leipzigs Schmuckplatz und wohl einer der gr√∂√üten und sch√∂nsten Pl√§tze Deutschlands ist der von sch√∂nen √∂ffentlichen und Privatgeb√§uden eingefa√üte Augustusplatz, auf dessen S√ľdseite sich der nach einem Entwurf von Gnauth 1886 errichtete Mendebrunnen erhebt (s. Tafel ¬ĽBrunnen¬ę, Fig. 12). Von den √ľbrigen Pl√§tzen verdienen Erw√§hnung: der Ro√üplatz, der K√∂nigsplatz mit dem Denkmal des Kurf√ľrsten (sp√§tern K√∂nigs) Friedrich August des Gerechten (nach einem Entwurf von √Ėser 1780), der Johannisplatz mit Joh. Schillings Reformationsdenkmal (enth√ľllt 1883), der Marienplatz, der Fl√∂√üplatz. Von andern Denkm√§lern seien genannt: das Leibnizdenkmal von H√§hnel auf dem Thomaskirchhof (1883); das Denkmal des Landwirts Albrecht Thaer von Rietschel (1850) an der Schule f√ľr Frauenberufe; das Harkortdenkmal und der Obelisk zur Erinnerung an die Erbauung der Leipzig-Dresdener Eisenbahn in der N√§he des Dresdener Bahnhofs; seitw√§rts davon in den Anlagen am Magdeburger Bahnhof das Denkmal des B√ľrgermeisters Karl M√ľller, dem L. seine Promenaden verdankt; in den Promenadenanlagen am Alten Theater das Denkmal des Hom√∂opathen Hahnemann; die Marmorstatue Gellerts von Knaur und das Denkmal des Liederkomponisten K. Z√∂llner im Rosental, das Denkmal Felix Mendelssohn-Bartholdys vor dem neuen Konzerthaus (1892) und das zu Ehren der beiden um Leipzigs Volksschulwesen verdienten Schulm√§nner Dolz und Plato errichtete Denkmal an der Promenade vor der Schulstra√üe (1894); ferner das Denkmal des Industriellen Karl Heine (von K. Seffner) am s√ľdlichen Eingange zum Palmengarten in der Plagwitzer Stra√üe, das Denkmal des B√ľrgermeisters Koch auf dem Musenh√ľgel (von K. Seffner, 1898), das Denkmal Robert Schumanns hinter der Schule f√ľr Frauenberufe, das Wilhelm Seyffert-Denkmal im Johannapark, das Bismarckdenkmal an der Karl Tauchnitz-Stra√üe (von Adolf Lehnert und Joseph Magr, 1897) und die Statuette des jungen Goethe auf dem Naschmarkt (von K. Seffner, 1903). An die Tage der gro√üen V√∂lkerschlacht erinnern das Fricciusdenkmal, nahe der Johanniskirche, an der Stelle, wo 19. Okt. 1813 die K√∂nigsberger Landwehr zuerst in die Stadt eindrang (vgl. unten: S. 387,2. Spalte); das am Ranst√§dter Steinweg 1863 zur Erinnerung an die Sprengung der Elsterbr√ľcke errichtete Denkmal, der Denkstein f√ľr Marschall Poniatowski, der in der Elster seinen Tod fand, im Hofe der Volksschule in der Lessingstra√üe, und das sogen. Kugeldenkmal an der Mittelstra√üe. Im Bau begrifsen ist seit 1898 beim S√ľdfriedhof das gewaltige V√∂lkerschlachtdenkmal von Bruno Schmitz, dessen Kosten auf etwa 3 Mill. Mk. veranschlagt sind. Es soll im J. 1913 vollendet werden. Au√üer den sch√∂nen, rings um die innere Stadt f√ľhrenden Promenaden und dem seit 1896 mit einem Aussichtsturm versehenen Rosental, worin sich auch ein reich ausgestatteter Zoologischer Garten befindet, dienen der Bev√∂lkerung als Erholungspl√§tze in der N√§he der Johannapark, das Scheibenholz mit dem K√∂nig Albert-Park, der 1899 er√∂ffnete Palmengarten mit Palmenhaus und Konzertsaal, das Nonnenholz im W. und SW. der Stadt, das Johannistal im O. (1832 angelegt und neuerdings teilweise bebaut) und der Volksgarten im NO. Alt-L. hat vier Friedh√∂fe. Der hinter der Johanniskirche gelegene alte Johannisfriedhof wird seit 1884 als solcher nicht mehr benutzt und nach und nach in einen Park verwandelt. Hier befindet sich ein sch√∂nes Grabdenkmal f√ľr Dominic Grassi, einen Wohlt√§ter Leipzigs (von Werner Stein). Der neue Johannisfriedhof liegt im SO. der Stadtflur, der n√∂rdliche mit dem israelitischen Friedhof an der Berliner Stra√üe. In der N√§he des Napoleonsteins auf Probstheidaer Flur ist 1886 ein gro√üer Zentralfriedhof (S√ľdfriedhof) angelegt worden.

[Kirchen.] L. hatte bis 1885 verh√§ltnism√§√üig sehr wenig Kirchen. Von dieser Zeit an aber war die kirchliche Baut√§tigkeit √§u√üerst rege, und zahlreiche Neu- und Umbauten sind seitdem erstanden. 1905 z√§hlt L. 25 evangelisch-lutherische, eine reformierte, 2 katholische, eine anglikan. Kirche, ein griechisches Bethaus und eine Synagoge. Die Thomaskirche, 1213 von Markgraf Dietrich dem Bedr√§ngten als Klosterkirche gestiftet, 1482 vergr√∂√üert, wurde 1885‚Äď89 nach Entw√ľrfen von Lipsius umgebaut. Im Chor, vor dessen Hauptaltar 1307 Markgraf Diezmann ermordet wurde, befinden sich die Bildnisse s√§mtlicher Leipziger Superintendenten von 1573‚Äď1883. Die Nikolaikirche, um 1170 erbaut und 1513 erneuert, wurde zu Ende des 18. Jahrh. umgebaut und 1902 gr√ľndlich restauriert. Auf dem Neukirchhof stand eine 1217 vom Markgrafen Dietrich errichtete Zwingburg, die sp√§ter den Barf√ľ√üern zur Anlegung eines Klosters einger√§umt wurde. Die Klosterkirche wurde 1488‚Äď1494 um- und 1698 neugebaut, weshalb sie Neukirche hie√ü, bis sie 1880 nach gr√ľndlichem, durch Mothes ausgef√ľhrtem Umbau den Namen Matth√§ikirche erhielt. Die neue Peterskirche auf dem Schletterplatz, im gotischen Stil nach Pl√§nen von Hartel und Lipsius erbaut, ist das sch√∂nste kirchliche Bauwerk Leipzigs; ihr schlanker Turm hat eine H√∂he von 87 m (s. Tafel ¬ĽLeipziger Bauten II¬ę, Fig. 1). Die Pauliner- oder Universit√§tskirche, um 1240 erbaut, 1545 erneuert und von Luther eingeweiht, neuerdings umgebaut, enth√§lt den Grabstein des in der Thomaskirche ermordeten Markgrafen Diezmann und andre bemerkenswerte Grabdenkm√§ler. Die Johanniskirche auf dem Johannisplatz, 1585 eingeweiht, ist 1894 abgebrochen und seitdem im Renaissancestil nach den Pl√§nen von H. Licht neu aufgebaut worden; nur der alte Turm ist geblieben. In der neuen Kirche sind die beim Ausgraben des Grundes aufgefundenen Gebeine J. S. Bachs und die Gellerts, dessen Grabmal sich an der Ostseite der Kirche befindet, beigesetzt worden. Die Kirche geh√∂rte urspr√ľnglich zu dem benachbarten Johannishospital, das 1278 als Hospital der Auss√§tzigen gegr√ľndet und zu einem Asyl f√ľr bejahrte B√ľrgersleute umgewandelt ward. Dieses im Laufe der Jahrhunderte zu gro√üem Reichtum gelangte Asyl (Johannisstift) befindet sich seit 1872 in einem am Johannistal gelegenen, von Lipsius entworfenen Prachtbau. In reizender Lage, am Saume des Johannaparkes, erhebt sich die nach Pl√§nen von Zei√üig 1883‚Äď86 erbaute Lutherkirche. In der √§u√üern S√ľdvorstadt steht die 1893 vollendete Andreaskirche, von Weidenbach erbaut. Am Nordplatz befindet sich die 1904 vollendete Michaeliskirche, von Heinrich Ruft und Alfred M√ľller erbaut. Von den beiden katholischen Kirchen steht die erste (Heiliche Dreifaltigkeitskirche, 1847 vollendet) an der Weststra√üe, die zweite, 1893 vollendet (St. Laurentiuskirche), in L.-Reudnitz. Die reformierte Kirche, 1897‚Äď98 von Weidenbach und Zschammer erbaut, ein Sandsteinbau in deutscher Renaissance, steht an der Promenade in der N√§he des Alten Theaters. Nahe der Lutherkirche steht seit 1885 eine kleine englisch-amerikanische Kirche. Die in den Vororten befindlichen Kirchen sind gr√∂√ütenteils in neuester Zeit errichtet worden. ‚Äď Die im maurischen Stil erbaute Synagoge in der Zentralstra√üe ist ein Werk Simonsohns und wurde 1855 eingeweiht.

[Weltliche Bauten.] An der Ostseite des Marktes steht das alte Rathaus, das mit Benutzung der untern Mauern des aus dem 13. Jahrh. stammenden Baues 1556 vom B√ľrgermeister Hieronymus Lotter erbaut wurde. In dem gro√üen Sitzungssaal h√§ngen die Bilder aller s√§chsischen F√ľrsten von 1485 an; in der Ratsstube werden kostbare altert√ľmliche Pokale verwahrt, darunter einer, der Luthers Eigentum war. Nach Vollendung des neuen Rathauses (1905) soll das alte umgebaut werden und ist dazu bestimmt, das Ratsarchiv und die Sammlungen des Vereins f√ľr die Geschichte Leipzigs aufzunehmen. Am Markt steht auch das K√∂nigshaus, worin bis 1829 die s√§chsischen Herrscher bei ihrer Anwesenheit in L. wohnten. Hier feierte K√∂nig August der Starke seine ber√ľchtigten Me√üfeste, hier rastete 1698 Peter d. Gr., 1707 Karl XII. von Schweden, fand 1760 das bekannte Gespr√§ch zwischen Friedrich d. Gr. und Gellert statt und wohnten 1809 J√©r√īme, K√∂nig von Westfalen, und 1813 Napoleon. In einem Erkerzimmer dieses Hauses verabschiedete sich Napoleon vom K√∂nig Friedrich August von Sachsen, den man von hier aus wenige Stunden sp√§ter in die Gefangenschaft f√ľhrte. In demselben Zimmer starb 1820 F√ľrst Schwarzenberg, der Sieger von L., und 1827 w√§hrend der Huldigungsfeier die K√∂nigin Maria Theresia von Sachsen. Die pr√§chtige Fassade des √§ltesten Kaufmannshauses (Barthels Hof an der Ecke des Marktes und der Hainstra√üe) hat man nach dessen 1871 erfolgtem Abbruch als Perle der Sp√§tgotik auf der Hofseite des Neubaues wieder angef√ľgt. Das sch√∂nste Haus am Markt ist das von O. Jummel im Barockstil ganz aus Eisen erbaute und 1895 vollendete Bismarckhaus. Dem Rathaus gegen√ľber, in der Grimmaischen Stra√üe, befindet sich das l√§nger als drei Jahrhunderte ber√ľhmteste B√ľrgerhaus der Stadt, Auerbachs Hof, 1530‚Äď38 erbaut, weltbekannt geworden durch die an ihm haftende Faustsage und durch Goethes Faustdichtung, ehedem ein Basar der reichsst√§dtischen Handelsherren und als solcher der wichtigste Me√ühandelsplatz, mit 100 Gew√∂lben und vielen offenen Buden. Die in dem Weinkeller befindlichen Faustbilder stammen aus dem Jahre 1525 (s. Auerbach 1). Das stattliche F√ľrstenhaus in derselben Stra√üe bewohnte 1712 Peter d. Gr. auf seiner Reise nach Karlsbad. In dem seit 1892 neugebauten und 1904 zu Gesch√§ftszwecken umgebauten Roten Kolleg in der Ritterstra√üe wurde Leibniz geboren, und daneben, im Hof der 1834 erbauten alten Buchh√§ndlerb√∂rse, worin zurzeit das Konvikt der Studenten seinen Sitz hat, wohnte und starb der Dichter Gellert. An der Nordseite des Nikolaikirchhofs, neben der alten Nikolaischule, erhebt sich der 1887 vollendete sch√∂ne Neubau des Predigerhauses zu St. Nikolai (von Hugo Licht). Das Caf√© Fran√ßais, an der Ecke der Grimmaischen Stra√üe und des Augustusplatzes, ist 1834 auf dem Grund eines alten Torturmes errichtet worden. Am √∂stlichen Ende der Grimmaischen Stra√üe liegen Geb√§ude der Universit√§t, die seit 1894 zum gro√üen Teil durch Neubauten ersetzt worden sind. Der Um- und Neubau der Universit√§t ist ein Werk des Leipziger Architekten Arwed Ro√übach. Eine besondere Sehensw√ľrdigkeit ist die gro√üe Wandelhalle im Augusteum. Das Hauptgeb√§ude ist das mit der Vorderseite nach dem Augustusplatz gerichtete Augusteum, 1834‚Äď36 nach Schinkels Entw√ľrfen gebaut. Die Aula enth√§lt Statuen s√§chsischer F√ľrsten, die B√ľsten Goethes und Leibniz' von Knaur, Gottfr. Hermanns und B√∂rners von Rietschel, pr√§chtige Basreliefs von demselben, ferner ein Denkmal, das die Universit√§t den im Kriege 1870/71 gegen Frankreich gefallenen Studenten setzen lie√ü. Andre hier gelegene, verschiedenen Zwecken dienende Universit√§tsgeb√§ude sind das Mauricianum, Paulinum, Bornerianum, Fridericianum, Johanneum, Albertinum. Am Augustusplatz erhebt sich das nach den Pl√§nen von Langhans erbaute Neue Theater. Bemerkenswerte Geb√§ude in der N√§he sind das Postgeb√§ude am Augustusplatz, das k√∂nigliche Palais und die Georgenhalle, bis 1895 Sitz des Reichsgerichts. Dem Theater gegen√ľber steht das 1837 gegr√ľndete, 1353 eingeweihte und 1883‚Äď86 nach den Pl√§nen von Hugo Licht aus den Mitteln der Grassistiftung bedeutend erweiterte st√§dtische Museum (Tafel II, Fig. 3), durch Schenkungen des Kunstfreundes Heinrich Schletter wesentlich gehoben, mit zahlreichen hervorragenden Gem√§lden √§lterer und moderner Meister, einer gro√üen Kupferstichsammlung und andern Kunstwerken. An die S√ľdfassade des Museums wird ein Saal angebaut, wo die Skulpturen des Leipziger Bildhauers Max Klinger vereinigt werden sollen. Der Goldene B√§r in der Universit√§tsstra√üe ist das Gr√ľndungshaus der ber√ľhmten, seit fast 180 Jahren bestehenden Buchdruckerei von B. Chr. Breitkopf, die jetzt (Breitkopf u. H√§rtel) ihr Gesch√§ftshaus in der N√ľrnberger Stra√üe hat. Zwischen der Universit√§tsstra√üe und dem Neumarkt befindet sich die 1899 umgebaute Stadtbibliothek in einem Teile des 1740 erbauten Gewandhauses, in dessen wegen seiner Akustik gepriesenem Konzertsaal von 1781‚Äď1884 die Gewandhauskonzerte stattfanden, und das 1894‚Äď96 f√ľr Me√üzwecke errichtete St√§dtische Kaufhaus (Me√üpalast, s. unten). Im Hofe der dem Kaufhaus nahegelegenen Gro√üen Feuerkugel wohnte Goethe als Student und vor ihm Lessing. An der Ecke der Schillerstra√üe und Petersstra√üe steht das pr√§chtige Reichsbankgeb√§ude, gegen√ľber das Gesch√§ftshaus von Polich (Grundri√ü s. Tafel ¬ĽKaufh√§user II¬ę, Fig. 10) und das stattliche, urspr√ľnglich f√ľr die 1901 zusammengebrochene Leipziger Bank bestimmte Gesch√§ftshaus der Deutschen Bank, eins der sch√∂nsten Werke Arwed Ro√übachs. In unmittelbarer N√§he erhebt sich auf dem Platze, wo sonst die Plei√üenburg, ehemals Leipzigs Zitadelle, stand (s. unten), das neue Rathaus (Tafel I), ein Werk Hugo Lichts, in grauem Kalkstein 1899‚Äď1905 ausgef√ľhrt. Der Turm, dessen untern Teil der Rest des Plei√üenburgturms bildet, ist mit 111 m H√∂he das h√∂chste Geb√§ude der Stadt. Einen Teil des Kellergeschosses nimmt der Ratskeller ein. (Die genannte Plei√üenburg, 1213 als Zwingburg angelegt, 1547 zusammengeschossen und 1549‚Äď51 wieder aufgebaut, im Drei√üigj√§hrigen Kriege wiederholt belagert und eingenommen, wurde seit 1770 nicht mehr als Festung betrachtet und diente sp√§ter als Kaserne und zu andern milit√§rischen Zwecken. Der Turm wurde bis 1861 als Sternwarte gebraucht; Weiteres s. unter Geschichte.) An der Nordseite des Rathauses sind neue Stra√üen mit stattlichen Gesch√§ftsh√§usern entstanden. Am nahen Thomaskirchhof stand ein 1213 gestiftetes Augustinerkloster, mit dem eine gelehrte Schule, die Thomasschule, verbunden war, die sich zugleich unter der Leitung ausgezeichneter Kantoren (wie Joh. Seb. Bach, Hiller, Schicht, Hauptmann u.a.) durch die Pflege des Kirchengesanges einen gl√§nzenden Namen in der Geschichte der Musik erworben hat (vgl. Lampadius, Die Kantoren der Thomasschule, Leipz. 1902). Seit 1877 hat die Schule ein neues stattliches Geb√§ude in der Westvorstadt erhalten. Das Geb√§ude der alten Thomasschule wurde 1902 abgebrochen; an seiner Stelle befindet sich seit 1904 die neue Superintendentur. Von den westlich vom Thomas- und Matth√§ikirchhof in j√ľngster Zeit entstandenen hervorragenden Geb√§uden verdienen Erw√§hnung das Geb√§ude der Kommandantur und das Zentraltheater, ein gro√ües Vergn√ľgungshaus mit zahlreichen der Unterhaltung und Erholung gewidmeten R√§umen am Thomasring, und das von Fritz Drechsler erbaute K√ľnstlerhaus an der Bose- und Zentralstra√üe. Das Alte Theater, unfern vom Eingang zum Rosental, wurde 1766 gegr√ľndet und 1817 umgebaut. Am Bl√ľcherplatz steht die 1884‚Äď1886 von Enger und Weichardt im Renaissancestil errichtete Neue B√∂rse, ihr gegen√ľber am Plauenschen Platz das Geb√§ude der dauernden Gewerbeausstellung An der Nordseite der Promenade liegen der Th√ľringer, Magdeburger und Dresdener Bahnhof. Die √ľbrigen Bahnh√∂fe liegen vereinzelt und zwar der Bayrische auf der Grenze zwischen der S√ľd- und Ostvorstadt, der Eilenburger im O., der Berliner im √§u√üersten Nordosten der Stadt und der Plagwitzer in dem westlichen Vorort Plagwitz. Der Zentralg√ľterbahnhof befindet sich bei Sch√∂nefeld. Von dem s√§chsischen und preu√üischen Staate gemeinsam ist 1902 ein Zentralbahnhof begonnen worden, dessen Hauptgeb√§ude etwa an der Stelle des jetzigen Dresdener, Magdeburger und Th√ľringer Bahnhofs ihren Platz finden werden. Nahe dem Dresdener Bahnhof steht das gro√üe Geb√§ude der Allgemeinen deutschen Kreditanstalt, am Ende der Wintergartenstra√üe der Kristallpalast, Leipzigs umfangreichstes Vergn√ľgungslokal mit gro√üen S√§len und einem 3500 Pl√§tze enthaltenden Zirkus (Alberthalle). Hervorragende Geb√§ude der Ostvorstadt sind das Paketpostamt und das neue Buchh√§ndlerhaus in der Hospitalstra√üe, ein Ziegelbau in deutscher Renaissance (von Kayser und v. Gro√üheim; Tafel II, Fig. 6), und hinter diesem das 1898‚Äď1900 nach den Pl√§nen E. Hagbergs errichtete Deutsche Buchgewerbehaus mit dem Deutschen Buchgewerbemuseum und der Gutenberghalle (Tafel I), die Heimst√§tte des Deutschen Buchgewerbevereins (s. die betreffenden Artikel, Bd. 3, S. 538). Im Johannistal erhebt sich seit 1861 die neue Sternwarte. In der N√§he des Johannistals liegen das st√§dtische Krankenhaus zu St. Jakob, die Irrenklinik, das Taubstummeninstitut und eine gro√üe Anzahl von Universit√§tsinstituten, wie die Augenheilanstalt, die Anatomie, das physiologische, pathologische, pharmakologische, hygienische, landwirtschaftliche, agrikulturchemische, physikalische, chemische, zoologische Institut, die neue Frauenklinik (Triersches Institut), die Veterin√§rklinik und der Botanische Garten. Am Ro√üplatz steht seit 1884 das Panorama, daneben die 1891 er√∂ffnete sehenswerte Markthalle, am K√∂nigsplatz das von Licht gebaute, 1895 vollendete Grassi-Museum, worin die reichen Sammlungen des Museums f√ľr V√∂lkerkunde und des Kunstgewerbemuseums untergebracht sind. S√ľdwestlich vom K√∂nigsplatz befinden sich das neue Polizeiamt, das Amtsgericht und das Landgericht. Ein neues gro√ües Justizgeb√§ude (Landgericht), 1905 vollendet, erhebt sich in der √§u√üern S√ľdvorstadt. Auf dem Areal des alten Botanischen Gartens (SW.) ist in neuerer Zeit eine Reihe von Prachtbauten erstanden, wie das gro√üartige, von Ludwig Hoffmann 1888‚Äď95 erbaute Reichsgericht (s. d., Abbildung Tafel III), das neue Konzerthaus, 1882‚Äď84 nach den Pl√§nen von Gropius und Schmieden gebaut (Tafel II, Fig. 5), das neue Konservatorium der Musik (Fig. 4), das herrliche Geb√§ude der Universit√§tsbibliothek (Fig. 2 und Tafel ¬ĽBibliotheksgeb√§ude III¬ę, Fig. 2), nach Ro√übachs preisgekr√∂ntem Entwurf errichtet und 1892 eingeweiht, die k√∂nigliche Akademie f√ľr graphische K√ľnste und Buchgewerbe u.a. Andre bedeutende Bauten sind die alte Gasanstalt und das neue Gesellschaftshaus des Zoologischen Gartens in der Nordvorstadt und die neue Gasanstalt sowie der 1891 er√∂ffnete gro√üe Zentralschlachtviehhof in der √§u√üern S√ľdvorstadt, das Kinderkrankenhaus in L.-Reudnitz und die neue Zwangsarbeitsanstalt zu St. Georg in L.-Thonberg.

[Bev√∂lkerung.] Die Zahl der Einwohner von L. betrug 1676 gegen 20,000,1776: 24,000,1800: 32,146,1832: 43,189,1864: 85,394,1875: 127,387,1880: 149,081,1885: 170,342,1890: 357,122,1895: 399,369 und 1. Dez. 1900: 456,124 (222,716 m√§nnliche,233,408 weibliche). Hiervon waren 420,924 Lutheraner, 6367 Reformierte, 18,628 Katholiken und 6171 Israeliten. Au√üer den S. 377 genannten Vororten sind auch die innerhalb eines Kreises von 4‚Äď6 km Radius vom Markte liegenden D√∂rfer durch wirtschaftliche Interessen mit L. eng verbunden. Es sind M√∂ckern mit Kasernen, St√∂tteritz, Sch√∂nefeld, Abtnaundorf, St√ľnz, Wahren, Leutzsch, Gro√üwiederitzsch, Mockau, Thekla, Paunsdorf, M√∂lkau, Zweinaundorf, Probstheida, D√∂litz, Raschwitz, √Ėtzsch, Gautzsch, Gro√üzschocher-Windorf, B√∂hlitz-Ehrenberg und Barneck. Die Bev√∂lkerung dieser Orte belief sich nach der Z√§hlung von 1900 auf etwa 76,000 Personen. Die Bev√∂lkerung von Gro√ü-L. innerhalb eines Kreises von 10 km Radius betrug 1900: 566,302.

[Messen, Handel und Industrie.] Schon gegen Ausgang des Mittelalters verdankte L. seine wachsende Bedeutung vornehmlich dem Handel. Die nach mehr als 400j√§hrigem Bestehen 1887 aufgel√∂ste Kramerinnung und die sp√§ter neben ihr begr√ľndete Vereinigung der Gro√üh√§ndler sowie der aus beiden K√∂rperschaften gebildete Handelsvorstand (bis 1868) haben in ihrer Bl√ľtezeit eine hervorragende Rolle gespielt. Den Charakter als Handelsstadt hat L. zun√§chst durch seine drei Handelsmessen, zu Neujahr, Ostern und Michaelis, gewonnen, die es zu einem Platz von universeller Bedeutung f√ľr die Handelswelt machten. Die Leipziger Messen entwickelten sich aus Jahrm√§rkten und erlangten namentlich eine gr√∂√üere Bedeutung, nachdem 1497 und 1507 Kaiser Maximilian I. der Stadt weitgehende Stapel- und Niederlagsrechte verliehen hatte (s. unten, Geschichte, S. 387). Infolge der g√ľnstigen Lage Leipzigs in dem gewerblichen Sachsen und zwischen dem industriereichen Westen Europas und dem stark konsumierenden Osten, auch infolge des Eifers, mit dem der Leipziger Rat und die s√§chsischen F√ľrsten √ľber die Privilegien der Leipziger Messen wachten, erhoben sich diese zu einer Bedeutung, die etwa von 1711 an die der √§ltern Reichsmessen von Frankfurt a. M. √ľberragte und auch durch die gro√üen Anstrengungen Frankfurts a. O. nicht beeintr√§chtigt werden konnte. Den Bl√ľteperioden der Leipziger Messen zu Anfang und dann wieder zu Ende des 18. Jahrh. folgte ein weiterer gro√üer Aufschwung nach dem Eintritt des K√∂nigreichs Sachsen in den Zollverein 1834. Obwohl der Umfang des Warenverkehrs auf den Leipziger Messen noch bis in die 1860er Jahre namhaft stieg, so machte sich die r√ľckl√§ufige Bewegung in der Bedeutung der Messen f√ľr den Handel im allgemeinen doch auch bei den Leipziger Messen mehr und mehr geltend (vgl. E. Hasse, Geschichte der Leipziger Messen, Leipz. 1885) Eine Reihe ehemals wichtiger Me√üg√ľter gingen dem Me√ühandel als solchem ganz oder doch zum Teil verloren, indem f√ľr sie an seine Stelle oder neben ihn ein st√§ndiger und spezialisierter, in L. ans√§ssiger Gro√ühandel trat (s. unten); dagegen ging f√ľr eine Reihe andrer Waren (keramische, Glas-, Metall-, Holz-, Papier- und Lederwaren, Spielwaren, Musikinstrumente, Galanterie- und Kurzwaren etc.) aus dem fr√ľhern Warenaustausch, und zwar nur auf den Messen Leipzigs, eine neue Form des Me√üverkehrs hervor, n√§mlich der Verkauf solcher Erzeugnisse auf Lieferung nach zur Messe ausgestellten Mustern. In richtiger Erkenntnis der Tragweite dieser Umwandlung und in gemeinsamer Abwehr eines von Berlin aus unternommenen Versuchs, diesen neuen Me√ü-Musterlagerverkehr dorthin zu ziehen, sind der Rat und die Handelskammer Leipzigs seit 1893 eifrig bem√ľht gewesen, L. seine Messen zu erhalten und den Me√üverkehr nach jeder Richtung hin zu erleichtern und zu f√∂rdern. Diesem Zweck hat namentlich auch der Umbau des alten Gewandhauses zu einem Ausstellungspalast f√ľr Me√ü-Musterlager (St√§dtisches Kaufhaus) gedient, dem zahlreiche √§hnliche, private Me√übauten gefolgt sind und die Errichtung eines zweiten st√§dtischen Ausstellungsgeb√§udes jetzt folgen soll. Ferner sind in bezug auf die Zeit und die Dauer der Messen seit 1894 einige √Ąnderungen getroffen worden. Die Neujahrsmesse findet seitdem vom 3.‚Äď16. Jan., die Ostermesse in den drei Wochen vom ersten Sonntag nach Ostern bis zum Sonntag Cantate einschlie√ülich, die Michaelismesse in den drei Wochen vom letzten Sonntag im August an statt, welche Termine auch f√ľr den mit den Messen von altersher noch verbundenen Me√ükleinhandel gelten. Daneben wird f√ľr den obenerw√§hnten Musterlagerverkehr der keramischen und verwandten Gesch√§ftszweige vom ersten Montag im M√§rz an in der Dauer von 13 Tagen eine von der √ľbrigen, f√ľr diese Gesch√§ftszweige zu sp√§t fallenden Ostermesse abgezweigte, sogen. Vormesse abgehalten, w√§hrend sich im Herbste der Me√ü-Musterlagerverkehr mit im Rahmen der allgemeinen Michaelismesse abspielt und an der Neujahrsmesse die Musterlager brauchen √ľberhaupt nicht teilnehmen. Naturgem√§√ü findet bei den verschiedenen Messen der Hauptverkehr in der ersten Woche, bez. zu Beginn der Messe statt. Diese neuen Termine und die √ľbrigen von Rat und Handelskammer ergriffenen Ma√üregeln haben sich f√ľr das Me√ügesch√§ft √ľberaus g√ľnstig erwiesen. Insbesondere hat sich der Me√ü-Musterlagerverkehr der Ostervormesse und Michaelismesse in gro√üartiger Weise entwickelt, was am besten aus dem von der Leipziger Handelskammer zweimal j√§hrlich herausgegebenen offiziellen Leipziger Me√üadre√übuch (Verk√§uferverzeichnis) zu ersehen ist, dessen letzte Auflage (Ostervormesse 1905) nicht weniger als 2930 ausstellende Firmen aufweist, davon 2646 aus Deutschland, 206 aus √Ėsterreich-Ungarn und 78 aus dem √ľbrigen Ausland. (N√§heres bei Heubner, Der Musterlagerverkehr der Leipziger Messen, T√ľbing. 1904.) Unter den Handelszweigen, f√ľr welche die Messen noch die alte Form des Warenverkehrs bewahrt haben, sind der Tuch-, der Leder- und der Borstenhandel, besonders aber der Rauchwarenhandel hervorzuheben; f√ľr diesen bildet L. mit seinen ungeheuern Vorr√§ten von Rauchwaren einen Hauptstapelplatz, wie es auch das Zurichten und F√§rben der Rauchwaren f√ľr die ganze Welt besorgt. Dagegen ist bei den √ľbrigen Zweigen des heutigen Leipziger Gro√ühandels der ehemalige Zusammenhang mit den Warenmessen gel√∂st. Wohl s√§mtlich verdanken sie aber, so namentlich der gesamte Woll- und Garnhandel, der Manufakturwarenhandel, der Produktenhandel, der Handel mit Tabak, Weinen, Kolonial- und Materialwaren, Nahrungs- und Genu√ümitteln, der Handel mit Metallen, Farbwaren, Drogen, Chemikalien, Fettwaren und √Ėlen, ihren Ursprung und ihre Ausdehnung dem fr√ľhern Me√ühandel. Sie waren berufen, seine f√ľr solche Waren nicht mehr geeigneten Formen durch neue, passendere zu ersetzen und nehmen seine Stellung f√ľr ihr Gebiet in gewisser Beziehung auch heute noch ein. Freilich ist das Gesch√§ft bei vielen von ihnen, z. B. dem Handel mit Webgarnen, mit roher und gef√§rbter Seide, mit Farbwaren, mit Eisen und Blech, der, von alten kapitalkr√§ftigen Firmen betrieben, die Industrie in weitem Umkreis versorgt, schwieriger und weniger gewinnbringend geworden. Dasselbe gilt vom Getreidehandel, w√§hrend anderseits z. B. der Wollhandel mit dem steigenden Verbrauch von Kolonialwollen durch die Industrie best√§ndig gewachsen ist und als neuer Zweig sich ihm das Gesch√§ft in Kammzug und K√§mmlingen zugesellt hat. Eine gro√üe Entwickelung zeigt ferner der Papierhandel, ebenso der Handel mit Rohtabak. In dem Vertrieb der Erzeugnisse der deutschen Industrie sowohl in Deutschland selbst als nach dem Ausland hat der Handel ein sich immer mehr erweiterndes Arbeitsfeld gewonnen. Der Wert der Ausfuhr aus dem Konsulatsbezirk L. nach den Vereinigten Staaten betrug vom 1. Juli 1903 bis 30. Juni 1904 √ľber 61/2 Mill. Doll.

Die Industrie hat in L. und seinen Vororten, unter denen namentlich Plagwitz, Lindenau und Reudnitz ihr das rasche Wachstum verdanken, in den Jahren 1867‚Äď73, dann wieder seit 1878 einen sehr ansehnlichen Aufschwung genommen. Die Zahl der Fabriken (mit mehr als 10 Arbeitern) betrug 1904: 877, in denen 65,917 Arbeiter besch√§ftigt waren. Hauptzweige der Industrie sind: Eisengie√üerei, Bau von Maschinen und Apparaten aller Art (z. B. Dampfmaschinen, Dampfkessel, Maschinen f√ľr Buchbinderei und Papierindustrie, N√§hmaschinen, Strickmaschinen, landwirtschaftliche Maschinen und Ackerger√§te, Werkzeugmaschinen etc.), Fabrikation von elektrischen Anlagen, Petroleum- und Gasmotoren, Gasbeleuchtungs-, Gasheizungs-, Wasserleitungs- und Badeeinrichtungen, von Schnellpressen, Geldschr√§nken, Ma√üst√§ben, mathematischen, physikalischen und chemischen Instrumenten; Fabrikation von Pianofortes und mechanischen Musikwerken, von Asphalt, Dachpappe und Holzzement, Zement-, Guttapercha- und Gummiwaren, k√ľnstlichen Blumen und Federn, Spitzen, R√ľschen, Papierw√§sche, Zelluloidw√§sche, Jalousien, Parkett und Furnieren, Koffern und Lederwaren, Kleidern und W√§sche etc. Auf dem Gebiete der Textilindustrie sind die Kammgarnspinnerei, die Baumwollspinnerei, die Wollk√§mmerei und die Wollgarnspinnerei gro√üartige Betriebe. Bedeutsam ist ferner die Fabrikation von √§therischen √Ėlen, Essenzen, Seifen und Parf√ľmerien. Zu gro√üer Bedeutung hat sich, wie schon bemerkt, die Rauchwarenzurichterei und -F√§rberei entfaltet. Erw√§hnung verdienen ferner die Bierbrauerei und die Fabrikation von k√ľnstlichen Mineralw√§ssern, Lik√∂ren, Roheis, Tabak und Zigarren. Hochentwickelt ist die Papier- und graphische Industrie mit bedeutenden Buchbindereien, Bunt- und Luxuspapierfabriken, Buchdruckereien, Stein-, Zink-, Kupfer- und Stahldruckereien, Notenstechereien und -Druckereien, Schriftschneidereien und -Gie√üereien, geographischen und artistischen Anstalten. Auch die Kunst- und Handelsg√§rtnerei hat in neuerer Zeit einen erfreulichen Aufschwung genommen.

Das Bankwesen zeigt eine entsprechende Entwickelung. Die bedeutendsten Bankinstitute sind die 1856 begr√ľndete Allgemeine deutsche Kreditanstalt (Umsatz 1904: 9017 Mill. Mk.), die Reichsbankhauptstelle (Umsatz 1904: 4601,9 Mill. Mk.) und die Filiale der Deutschen Bank. Au√üerdem sind zu nennen: die Filiale der S√§chsischen Bank zu Dresden, die Leipziger Kreditbank, die Leipziger Kredit- und Sparbank, die Leipziger Hypothekenbank, die Kommunalbank f√ľr das K√∂nigreich Sachsen, der Erbl√§ndische Ritterschaftliche Kreditverein etc. Hierzu kommen noch zahlreiche Privatbanken. Im Versicherungswesen hat sich L. mit zuerst hervorgetan. Schon 1819 wurde die Feuerversicherungsanstalt, 1830 die Leipziger Lebensversicherungsgesellschaft begr√ľndet; neben diesen ist noch die Renten-, Kapital- und Lebensversicherungsbank Teutonia zu nennen. Au√üerdem bestehen noch eine Menge kleinerer Anstalten und Zweigniederlassungen ausw√§rtiger Versicherungsinstitute der verschiedensten Art. An der Spitze des Handels und der Industrie steht die Handelskammer, die in der von ihr erbauten Neuen B√∂rse ein w√ľrdiges Heim gefunden hat.

Eine ganz hervorragende Bedeutung hat der Leipziger Buch- und Musikalienhandel. L. ist Sitz des 1825 gegr√ľndeten B√∂rsenvereins der deutschen Buchh√§ndler, des Deutschen Buchdruckervereins (s. d., Bd. 4, S. 730) und des Deutschen Buchgewerbevereins (s. d., Bd. 3, S. 538). 1905 bestanden in L. 993 buchh√§ndlerische Firmen einschlie√ülich der Kunst-, Musikalien- und Antiquariatshandlungen. Der Verein der Buchh√§ndler zu L., gegr√ľndet 25. Febr. 1833, unterh√§lt die Bestellanstalt f√ľr den ganzen buchh√§ndlerischen Gesch√§ftsverkehr. Die Kommission√§re (1905: 120) besorgten die Gesch√§fte von ca. 10,900 Kommittenten. Der Umsatz des Buchhandels in L. entzieht sich der neuen Verkehrserleichterungen halber (billige Zahlungsvermittelung durch die Post, Girokonten der Reichsbank etc.) jeder zuverl√§ssigen Sch√§tzung (vgl. auch Art. ¬ĽBuchhandel¬ę, besonders S. 545 u. 542). In engem Zusammenhang mit diesem gro√üartigen Buchhandel steht der √ľberaus lebhafte Betrieb der Buchdruckerei, die 1905 von 191 Firmen ausge√ľbt ward; viele der gr√∂√üern Buchhandlungen haben ihre eignen Offizinen, zum Teil verbunden mit Buchbinderei, Schriftgie√üerei etc. Notendruckereien sind 7, lithographische Anstalten und Steindruckereien 179, xylographische Anstalten 77 vorhanden. 1888 wurde das neue deutsche Buchh√§ndlerhaus er√∂ffnet, worin sich auch das 1885 begr√ľndete deutsche Buchgewerbemuseum (s. d.) befindet. Vgl. Lorck, Die Druckkunst und der Buchhandel in L. (Leipz. 1879); Kirchhoff, Die Entwickelung des Buchhandels in L. (bis 1560, das. 1885); O. v. Hase, Die Entwickelung des Buchgewerbes in L. (das. 1887); F. v. Schroeder, Die Verlegung der B√ľchermesse von Frankfurt a. M. nach L. (das. 1904).

[Bildungsanstalten, Sammlungen etc.] In der gro√üen Zahl der Unterrichtsanstalten Leipzigs nimmt die Universit√§t die erste Stelle ein. Ihre Gr√ľndung verdankt sie dem Umstande, da√ü im J. 1409 etwa 400 deutsche Studenten und Magister die Hochschule in Prag verlie√üen und sich auf s√§chsischem Boden eine neue Heimat suchten. Als Stiftungstag gilt der 4. Dez. 1409. Der erste Rektor war Otto von M√ľnsterberg (gest. 1416). Kurf√ľrst Moritz verschaffte der Universit√§t reiche Eink√ľnfte aus Grundbesitz, der sich im Laufe der Zeit bedeutend vergr√∂√üerte. Zudem erh√§lt sie vom Staat j√§hrlich einen namhaften Zuschu√ü. Mit der Universit√§t stehen zahlreiche wissenschaftliche Institute und Sammlungen in Verbindung, die zu den gr√∂√üten und am besten eingerichteten Lehrst√§tten ihrer Art geh√∂ren. Die Universit√§tsbibliothek hat √ľber 500,000 B√§nde, einschlie√ülich der Handschriften und Inkunabeln, sowie ein reichhaltiges M√ľnzkabinett. Eine segensreiche Einrichtung ist das bereits erw√§hnte Konvikt, worin gegen 300 unbemittelte Studierende Mittags- und Abendessen erhalten. N√§chst Berlin und M√ľnchen ist L. die am st√§rksten besuchte Universit√§t des Deutschen Reiches. Die Zahl der Studierenden und H√∂rer belief sich im Winterhalbjahr 1904/05 auf 4630. Davon waren 3880 Studierende (2063 Sachsen, 1817 Nichtsachsen), 659 H√∂rer und 91 H√∂rerinnen. Andre Unterrichtsanstalten sind: die Handelshochschule, gegr√ľndet Ostern 1898, die erste Anstalt dieser Art in Deutschland, die beiden st√§dtischen Gymnasien (die Thomasschule mit Alumnat und die Nikolaischule), 2 Staatsgymnasien (K√∂nig Albert-Gymnasium und K√∂nigin Carola-Gymnasium), ein st√§dtisches Realgymnasium, 4 Realschulen, eine k√∂nigliche Baugewerkenschule, eine h√∂here Schule f√ľr M√§dchen, verbunden mit Lehrerinnenseminar, eine Gewerbeschule, 4 h√∂here B√ľrgerschulen, 14 B√ľrgerschulen, 31 Bezirksschulen, die sogen. Vereinigte Freischule, 4 Fortbildungsschulen f√ľr Knaben, die st√§dtische Schule f√ľr Frauenberufe, eine katholische Schule und eine israelitische Religionsschule. Daneben bestehen noch zahlreiche von Vereinen und Korporationen unterhaltene Schulen, ferner Fachschulen, Privatschulen und Institute der mannigfaltigsten Art, z. B. die von der Kramerinnung 1831 gegr√ľndete, auch im Ausland sehr gesch√§tzte √∂ffentliche Handelslehranstalt, drei berechtigte Privatrealschulen, ein Privatprogymnasium, die Unterrichtsanstalt f√ľr Buchhandlungslehrlinge, die Sonntagsschule der Loge Balduin zur Linde, die Sonntags-Gewerbeschule der Leipziger Polytechnischen Gesellschaft, mehrere kaufm√§nnische Fortbildungsschulen, eine Lehranstalt f√ľr erwachsene M√§dchen zur Ausbildung f√ľr den kaufm√§nnischen und gewerblichen Gesch√§ftsbetrieb, die Carolaschule, eine h√∂here Fach- und weibliche Gewerbeschule, eine Volkshaushaltungsschule, Bildungsanstalten f√ľr Kinderg√§rtnerinnen, ein Lyzeum f√ľr Damen, ein Seminar f√ľr Handfertigkeitsunterricht, mehrere Sch√ľlerwerkst√§tten u.a.m. Der F√∂rderung der K√ľnste sind folgende Anstalten gewidmet: die Akademie f√ľr graphische K√ľnste und Baugewerbe und die damit verbundene Kunstgewerbeschule, das st√§dtische Museum, del Vecchios dauernde Kunstausstellung, das Kunstgewerbemuseum, der Verein der Kunstfreunde, der Leipziger K√ľnstlerverein, der Leipziger Kunstverein. Im Bereich der Musik stehen das Konservatorium der Musik (s. oben) und das altber√ľhmte Institut der Gewandhauskonzerte (s. d.) in erster Linie. Andre Musikinstitute sind: die Singakademie, der weitbekannte Riedel-Verein f√ľr Kirchenmusik, der Bach-Verein, die Windersteinkonzerte, die Neuen Abonnementskonzerte etc. Auch des musikhistorischen Museums von P. de Wit (am Thomaskirchhof) ist hier zu gedenken. Au√üer den beiden st√§dtischen Theatern hat L. noch das in der S√ľdvorstadt gelegene Schauspielhaus (fr√ľher Carolatheater), das Theater am Thomasring (Zentraltheater), das Battenbergtheater (Volkstheater) und zwei Sommertheater.

Von den zahlreichen wissenschaftlichen und andern Vereinen, deren nicht bereits gedacht worden ist, sind zu erw√§hnen: die K√∂nigliche Gesellschaft der Wissenschaften (gegr√ľndet 1846), die F√ľrstlich Jablonowskische Gesellschaft der Wissenschaften (seit 1768), die Deutsche Gesellschaft, die Deutsche Morgenl√§ndische Gesellschaft, der Verein f√ľr Erdkunde, der Verein f√ľr Handelsgeographie und Kolonialpolitik, der Deutsche Flottenverein, die Deutsche Genossenschaft dramatischer Autoren und Komponisten, die Fraternit√§t der Notarien und Literaten (1624), der Verein f√ľr Geschichte Leipzigs, der Verein zur Feier des 19. Oktobers, der Verkehrsverein, der Landwirtschaftliche Kreisverein, die Naturforschende Gesellschaft, die Medizinische Gesellschaft, der Entomologische Verein Fauna, der Verein des Museums f√ľr V√∂lkerkunde, der Kaufm√§nnische Verein, der Leipziger Lehrerverein, die Gemeinn√ľtzige Gesellschaft, der Verein f√ľr Volkswohl, der Arbeiterbildungsverein, der Schillerverein, die Goethe-Gesellschaft, die Polytechnische Gesellschaft, die beiden Gartenbaugesellschaften, der Gustav Adolf-Verein, der Evangelische Missionsverein, der Allgemeine deutsche Schriftstellerverein, die P√§dagogische Gesellschaft, mehrere Freimaurerlogen etc. An Bibliotheken sind au√üer der Universit√§tsbibliothek zu nennen die Stadtbibliothek mit √ľber 120,000 B√§nden, die Bibliothek des Reichsgerichts mit etwa 125,000 B√§nden, die K√∂niglich s√§chsische bibliographische Sammlung, die Bibliothek des B√∂rsenvereins der Buchh√§ndler, die Bibliothek der Handelskammer, die P√§dagogische Zentralbibliothek (s. Comenius-Stiftung), 10 Volksbibliotheken, mehrere √∂ffentliche Lesezimmer etc. Besondere Erw√§hnung verdient auch das Historische Museum der V√∂lkerschlacht und der Zeit Napoleons I. im Gasthaus zum Napoleonstein. In L. erscheinen √ľber 500 Zeitungen, Zeitschriften und Fachbl√§tter der verschiedensten Art. Unter den Tageszeitungen sind zu erw√§hnen die konservative Leipziger Zeitung (s. d.), das Leipziger Tageblatt, die Leipziger Neuesten Nachrichten, die Leipziger Abendzeitung, Stadt- und Dorfanzeiger, die sozialdemokratische Leipziger Volkszeitung.

[Wohlt√§tigkeitsanstalten.] Die wichtigsten Anstalten und Vereine zu gemeinn√ľtzigen und wohlt√§tigen Zwecken sind: die st√§dtischen Krankenh√§user zu St. Jakob und zu L.-Plagwitz, die st√§dtische Irrenheil- und Pflegeanstalt Thonberg, die neue, sehr umfangreiche Heilanstalt in D√∂sen bei L., die Diakonissenanstalt, das Diakonissenhaus in L.-Lindenau, das Kinderkrankenhaus, das Johannishospital f√ľr alte Leute, das St√§dtische Pflegehaus, die Zwangsarbeitsanstalt zu St. Georg, das Taubstummeninstitut, 3 Stiftungen f√ľr Blinde, das Leihhaus und die Sparkasse, die seit 1881 neuorganisierte Armenanstalt mit den damit verbundenen Instituten der st√§dtischen Brotb√§ckerei, der Bekleidungsanstalt, der Irrenversorganstalt, des Exmittiertenhauses, der Arbeitsnachweisungsanstalt, der 4 Armenh√§user, des Waisenhauses und der Ziehkinderpflege, das Daheim f√ľr Arbeiterinnen, die Gesellschaft der Armenfreunde, die Pestalozzi-Stiftung mit Erziehungshaus, der Verein f√ľr innere Mission, 3 √∂ffentliche Speiseanstalten, Volksbrauseb√§der, Sanit√§tswachen, der Verein f√ľr Familien- und Volkserziehung, das Asyl f√ľr Obdachlose, zahlreiche Kinderbewahranstalten und Kinderg√§rten, die Erziehungs- und Pfleganstalt f√ľr geistig zur√ľckgebliebene und schwachsinnige Kinder, der Verein zur F√ľrsorge f√ľr entlassene Str√§flinge, die Schrebervereine f√ľr F√∂rderung der Erziehung u. des Unterrichts, der Verein f√ľr Ferienkolonien u.a.m. Durch gro√üartige Schenkungen reicher B√ľrger (Stiftung eines Menschenfreundes, Focke-Stiftung etc.) k√∂nnen wohlt√§tige u. gemeinn√ľtzige Zwecke wesentlich gef√∂rdert werden.

[Verwaltung, Beh√∂rden.] Die st√§dtische Verwaltung liegt in den H√§nden des Stadtrats, der einschlie√ülich des Oberb√ľrgermeisters, des B√ľrgermeisters und des Polizeidirektors aus 16 besoldeten und 15 unbesoldeten Mitgliedern besteht, und des Stadtverordnetenkollegiums, das 72 Mitglieder z√§hlt. Die finanziellen Verh√§ltnisse sind g√ľnstig. Nach dem Verm√∂gensabschlu√ü vom 1. Jan. 1903 betrugen die Aktiven 124,869,679 Mk., die Passiven 91,597,942 Mk., so da√ü ein Verm√∂gensbestand von 33,271,737 Mk. vorhanden war. 1903 betrugen die Gesamtausgaben 31,971,721 Mk., die Gesamteinnahmen 31,847,018 Mk. Die Beleuchtung der Stadt und der Vororte erfolgt durch die beiden gro√üen st√§dtischen und durch drei der Th√ľringer Gasgesellschaft geh√∂rige Gasanstalten sowie (seit 1895) durch zwei Elektrizit√§tswerke, welche die innere Stadt und die innern Vorst√§dte mit elektrischem Licht versorgen. Durch ein gro√ües Wasserwerk bei Naunhof (seit 1888) wird L. mit Wasser versorgt. Als kaiserlich deutsche Reichsbeh√∂rden hat L. das Reichsgericht, den Disziplinarhof, die Disziplinarkammer, den Ehrengerichtshof, die Anwaltskammer bei dem Reichsgericht, die Oberpostdirektion, das Telegraphenamt, das Fernsprechamt und eine Hauptstelle der Reichsbank. Die haupts√§chlichsten andern Beh√∂rden sind: die k√∂nigliche Kreishauptmannschaft, die Amtshauptmannschaft, ein Landgericht und Amtsgericht, 2 s√§chsische Eisenbahndirektionen, 2 Ephorien, ein Polizeiamt, das Hauptzollamt, Hauptsteueramt, Landbauamt, die Landeslotteriedirektion, eine Handelskammer, eine Gewerbekammer. Dazu kommen 29 Konsulate und Generalkonsulate. L. ist Sitz des Generalkommandos des 19. (2. K√∂niglich S√§chsischen) Armeekorps, des Kommandos der 2. Division Nr. 24, der 3. Infanteriebrigade Nr. 47, der 4. Infanteriebrigade Nr. 48, der 2. Kavalleriebrigade Nr. 24, der 2. Feldartilleriebrigade Nr. 24 und Garnison der Infanterieregimenter K√∂nig Georg Nr. 106 und Prinz Johann Georg Nr. 107, der Maschinengewehrabteilung Nr. 19, des 2. Ulanenregiments Nr. 18, des 7. Feldartillerieregiments Nr. 77 und des 2. Trainbataillons Nr. 19.

[Verkehrswesen.] In direkter Eisenbahnverbindung steht L. mit Dresden (durch zwei Linien), Chemnitz, Magdeburg, Hof, Erfurt, Gera, Dessau, Berlin und Guben. Seit 1897 gibt es in L. nur elektrischen Stra√üenbahnbetrieb. Zwei Gesellschaften, die Gro√üe Leipziger Stra√üenbahn und die Leipziger Elektrische Stra√üenbahn, vermitteln durch 22 Linien den Verkehr mit den Vororten und Au√üend√∂rfern. Eine f√ľr L. sehr wichtige Angelegenheit ist die Kanal frage. Von den vier ausgearbeiteten Projekten kommt neuerdings nur noch der Plan eines Elster-Saale-Kanals in Betracht. L. hatte 1905: 28 Post√§mter, ein Telegraphenamt und ein Fernsprechamt. Mit den Post√§mtern sind Telegraphenbetriebsstellen und Fernsprechstellen vereinigt.

Das Wappen der Stadt (s. Abbildung, S. 377) ist ein der Länge nach geteilter Schild; links befindet sich auf goldenem Grund ein schwarzer ausgerichteter Löwe; rechts sind vier Balken abwechselnd in Blau und Gold. Vgl. Wustmann, Das Leipziger Stadtwappen (Leipz. 1897).

[Umgebung etc.] Die √∂ffentlichen gro√üen und sch√∂nen G√§rten, die vormals eine Zierde Leipzigs waren, hat die Spekulation vernichtet und in Stra√üen umgewandelt. Einen Ersatz bieten die pr√§chtigen Waldungen, die sich im Norden, Westen und S√ľden der Stadt hinziehen. Auf der s√ľdlich vom Scheibenholz gelegenen Rennbahn werden allj√§hrlich im Fr√ľhjahr und Herbst gro√üe Wettrennen veranstaltet. Die Radfahrer, Fu√üball-Wettspieler etc. haben einen Sportplatz im Westen der Stadt nahe bei Lindenau. Die besuchtesten Vergn√ľgungsorte f√ľr die Leipziger sind au√üer den schon genannten das Neue Sch√ľtzenhaus (Sch√ľtzenhof), die Vororte Gohlis, Eutritzsch, Konnewitz, L√∂√ünig, Lindenau, Plagwitz, Schleu√üig, ferner √Ėtzsch, Gautzsch, Leutzsch, B√∂hlitz-Ehrenberg, Wahren, L√ľtzschena mit Park und einer Gem√§ldegalerie des Freiherrn Speck v. Sternburg, die durch die V√∂lkerschlacht von 1813 denkw√ľrdigen D√∂rfer Probstheida, Meusdorf, Wachau, D√∂litz und Markkleeberg, teilweise noch mit Spuren der Schlachttage; Machern, Knauthain, Eythra mit sch√∂nen Parkanlagen u.a.m.

Geschichte.

Um das Jahr 1000 lag in der Flu√üniederung der Elster und Plei√üe eine slawische Ansiedelung mit einer Burg (in der N√§he des heutigen Alten Theaters), die den Mittelpunkt eines slawischen Verwaltungsbezirks (Burgwart) bildete. Daneben war auf etwas h√∂her gelegenem Boden eine deutsche Ansiedelung entstanden; deren Kirche (die Nikolaikirche) kam 1017 an das Stift Merseburg, das seit 974 in n√§chster N√§he einen gro√üen Wald besa√ü und offenbar in dieser Gegend kolonisatorisch t√§tig gewesen war. Die beiden Siedelungen und die Burg trugen den Namen Libzi, der von dem slawischen Worte lipa (die Linde) abgeleitet wird. Politisch geh√∂rte die Gegend zur ¬ĽMark Merseburg¬ę und zum Gau Chutizi, kirchlich zum Bistum Merseburg und w√§hrend dessen Aufl√∂sung 981 bis 1004 zu Magdeburg. Auf Grund seines Eigentums an dem Wald und der Kirche scheint der Bischof fr√ľh, und sicher noch im 12. Jahrh., grundherrliche Rechte entwickelt zu haben, w√§hrend der Landesherr, Otto der Reiche, nach 1156 die deutsche Siedelung mit hallisch-magdeburgischem Stadtrecht bewidmete. Diese neue Stadt war durch nichts Besonderes ausgezeichnet und lag inmitten einer sumpfigen und durch Hochwasser gef√§hrdeten Landschaft auf der einzigen vorhandenen Bodenerhebung. Aber eben darin lag auch die Vorbedingung f√ľr die k√ľnftige Entwickelung, insofern alle die Gegend ber√ľhrenden Stra√üen, um die Sumpfniederung zu vermeiden, durch die Stadt hindurchliefen, deren B√ľrger durch die Anlage von Br√ľcken und Wegen bereits um 1200 f√ľr die Zug√§nglichkeit Leipzigs sorgten. Wichtig war dies vor allem nach Nordwesten hin, wo um die Mitte des 14. Jahrh. der ¬ĽHallische¬ę, und nach S√ľdwesten, wo der ¬ĽRanst√§dter¬ę Steinweg vorhanden waren, die durch das Hallische, bez. Ranst√§dter Tor in die Stadt einm√ľndeten, w√§hrend man nach S√ľdosten hin durch das Grimmaische Tor zur Stadt hinauszog. Das vierte Haupttor, das Peterstor, ist bezeichnenderweise nach der Peterskirche und nicht wie die drei andern nach einem Orte benannt, es kommt f√ľr den Verkehr wenig in Betracht. Die Grundlage f√ľr einen L. ber√ľhrenden Durchgangsverkehr bildete die Salzproduktion Halles, und zwar besonders deshalb, weil sich die Strecke von dort bis L. in einem Tage zur√ľcklegen lie√ü und sich hier ein bequemes Nachtquartier bot. Dieser Verkehr der Salzwagen wuchs aber besonders seit 1200, als Schlesien Hallisches Salz zu beziehen begann, als sich die sp√§ter sogen. Hohe Landstra√üe (s. d.) ausbildete und der dadurch erzeugte Verkehr bereits eine g√ľnstige R√ľckwirkung auf die st√§dtische Entwickelung √§u√üerte.

Unter andern Verh√§ltnissen h√§tte diese wohl zur Reichsfreiheit der Stadt gef√ľhrt, aber Markgraf Dietrich (der 1213 das Thomaskloster gr√ľndete) bezwang die B√ľrger und beraubte sie 1217 ihrer Privilegien. W√§hrend der Minderj√§hrigkeit Heinrichs des Erlauchten entstand das Dominikanerkloster St. Paul am Grimmaischen Tor, dem andre geistliche Niederlassungen folgten. Gewi√ü fanden im 13. Jahrh., seit wann, ist unbekannt, bereits zwei Jahrm√§rkte nach Ostern und zu Michaelis statt, aber sie hatten keine hervorragende Bedeutung, und die Feststellung des Marktrechts 1268 durch den Markgrafen zeigt nur die gew√∂hnlichen Verh√§ltnisse. Eine √Ąnderung dieses Zustandes vollzog sich erst gegen Ende des 14. Jahrh., als zwischen 1380 und 1390 die nach Nordosten vordringenden N√ľrnberger L. als Etappenpunkt f√ľr ihren Handel nach Polen zu benutzen begannen. Unter dem Einflusse dieser Bewegung bl√ľhten Leipzigs M√§rkte rasch auf, die Stadt ward eine Zweigniederlassung N√ľrnbergs, dessen Handelsgewohnheiten sich hierher √ľbertrugen, und seit 1400 wird man mit Recht von Leipziger ¬ĽMessen¬ę sprechen d√ľrfen. Eine Wirkung der neuen Verh√§ltnisse ist bereits die Gr√ľndung der Universit√§t 1409, die dadurch entstand, da√ü etwa 400 deutsche Magister und Studenten (nicht mehr) von Prag nach L. zogen; auch im Handelsverkehr l√∂ste L. im Laufe der Hussitenkriege Prag als √∂stlichen Niederlagsort der N√ľrnberger v√∂llig ab. Der Rat erwarb im Laufe des 15. Jahrh. die wesentlichsten landesherrlichen Hoheitsrechte, vor allem 1423 die hohe und niedere Gerichtsbarkeit, wenn auch zun√§chst nur auf Wiederkauf, wie er die Verkehrsabgaben bereits besa√ü. Die Landesherren sahen jetzt v√∂llig ein, welchen Wert L. materiell f√ľr sie darstellte, und f√∂rderten es in jeder Weise. Vor allem ward 1458 als dritte die Neujahrsmesse verliehen, die 1466 die kaiserliche Best√§tigung erhielt, und 1464 wird zum ersten Male die ¬Ľgemeine Niederlage¬ę, der Stapel, als tats√§chlich vorhanden erw√§hnt. Die Landesherren haben auf Grund ihrer politischen Geltung im Reiche die beiden kaiserlichen Privilegien von 1497 und 1507 erwirkt, durch welche die Messen zu Reichsmessen erhoben und die Geltung des Stapelrechts genauer auf einen Umkreis von 15 Meilen festgelegt wurde.

Um 1500 war L. der erste Geld- und Warenmarkt Mitteldeutschlands mit vielfachen Beziehungen nach dem Osten. Seit 1479 wurde hier gedruckt, seit 1483 bestand das Oberhofgericht neben dem ber√ľhmten Sch√∂ppenstuhl. Bei der Teilung der Wettinischen Lande 1485 fiel L. der Albertinischen (herzoglichen) Linie zu, und Herzog Georg (s. Georg 20) erweiterte die Grenzen des Weichbildes, √ľberlie√ü auch dem Rate die hohe und niedere Gerichtsbarkeit 1508 erblich. In der Plei√üenburg fand auf Herzog Georgs Veranlassung 4. Juli 1519 die Disputation zwischen Luther, Karlstadt und Eck statt, aber der Herzog hielt sich streng zu den Altgl√§ubigen und unterdr√ľckte in den 1520er Jahren die evangelische Lehre wie in seinem ganzen Lande, so namentlich in L., wo sie viele Anh√§nger hatte, gewaltsam, vertrieb viele angesehene Leipziger und sch√§digte dadurch auch Handel und Me√üverkehr, w√§hrend die Zahl der Studenten an der Universit√§t zusehends abnahm, da sich alles Wittenberg zuwandte. Die Universit√§t L. war tats√§chlich die Hochburg der alten scholastischen Richtung, und auch ein Humanist wie Petrus Mosellanus (gest. 1524) vermochte nur vor√ľbergehend Einflu√ü zu gewinnen. Heinrich der Fromme (1539‚Äď41) f√ľhrte die Reformation f√∂rmlich ein, und nachtr√§glich schlo√ü sich ihr auch die Universit√§t an; der Rat erhielt das Patronat √ľber die Kirchen und Schulen, und unter Moritz ward auch die Universit√§t reichlich mit s√§kularisiertem Kirchengut ausgestattet. Im Schmalkaldischen Kriege wurde L. 1547 von Johann Friedrich vergeblich belagert, und dieses Ereignis hat die erste Abbildung der Stadt veranla√üt. Moritz verst√§rkte die Festungswerke und lie√ü die Plei√üenburg (in der 1632 Pappenheim starb) sowie die 1547 zerst√∂rten Vorst√§dte wieder aufbauen. Im M√§rz 1549 ward hier von den s√§chsischen Landst√§nden das sogen. Leipziger Interim (s. Interim) beschlossen. 1550 ward das Konsistorium aus Merseburg nach L. verlegt, 1556‚Äď57 entstand das alte Rathaus. In der zweiten H√§lfte des 16. Jahrh. lie√üen sich unter dem Schutze des am Handel stark interessierten Kurf√ľrsten August viele niederl√§ndische Kaufleute in L. nieder, und es entwickelte sich ein regelm√§√üiger Verkehr mit Hamburg, das Antwerpen abl√∂ste und nunmehr statt letzterm von den Engl√§ndern aufgesucht wurde. Dieser Umstand ist die Voraussetzung f√ľr Leipzigs Handelsbedeutung im 17. und 18. Jahrh., denn damals vermittelte L. fast ausschlie√ülich Mittel- und Ostdeutschland, ja Osteuropa (Polen, Ru√üland, den Donaul√§ndern) die englischen Industrieprodukte und die von Engl√§ndern eingef√ľhrten Kolonialwaren.

Ungemein litt L. im Drei√üigj√§hrigen Kriege; f√ľnfmal ward es 1631‚Äď42 belagert und beschossen, 1642 von den Schweden unter Torstensson eingenommen und auch noch nach dem Frieden bis zur Abtragung der Kriegskontribution von 267,000 Tlr. (1650) besetzt gehalten. Doch die ungl√ľckliche Finanzlage der Stadt war nicht erst durch den Krieg herbeigef√ľhrt worden, der Kursachsen erst seit 1631 heimsuchte, sondern L. war schon im Anfang der 162061 Jahre zahlungsunf√§hig und hatte 12 Mill. Mk. Schulden. Deshalb lie√ü der Kurf√ľrst die st√§dtische Finanzwirtschaft seit 1627 durch eine Kommission kontrollieren. Nach 1650 wurde L. st√§rker befestigt und erholte sich nun auch verh√§ltnism√§√üig rasch wirtschaftlich, da der Handel auf die alten Stra√üen zur√ľckkehrte, die Handelswaren der Engl√§nder eine immer wachsende Bedeutung f√ľr Deutschland erlangten und sich auch Italiener und Franzosen (seit 1688) hier niederlie√üen, die ferner Verbindung mit ihren Heimatl√§ndern unterhielten. Seit etwa 1680 ist ein unverkennbarer Aufschwung zu verzeichnen: 1677 wurde die Ratsbibliothek gegr√ľndet und 1679 die B√∂rse (am Naschmarkt) errichtet. 1681 gab es 63 Gro√üh√§ndler, die damals in den ¬ĽHandelsdeputierten¬ę eine Interessenvertretung erhielten; 1682 entstand das Handelsgericht, und es wurde eine Handelsgerichts- und Wechselordnung eingef√ľhrt. 1690 tagte in L. die M√ľnzkonferenz, deren Frucht die 1691 erfolgte Einf√ľhrung des Leipziger M√ľnzfu√ües (1 Mark = 12 Taler) war. L. war eine der vier ¬ĽLegest√§dte¬ę des Reiches und hatte das Direktorium der s√§chsischen St√§dte auf den Landtagen. Um 1700 war L. wirtschaftlich ein ernster Rival Frankfurts a. M. geworden und √ľberfl√ľgelte es um 1710 endg√ľltig. Der Buchhandel hatte auf den Leipziger Messen schon seit 1490 eine bedeutende Rolle gespielt, aber erst nach 1600 gewann L. als Verlagsort gr√∂√üere Bedeutung, und erst nach 1700 ward das Buchgesch√§ft von Frankfurt a. M., dessen B√ľchermesse 1764 v√∂llig einschlief, nach L. verlegt. Die Einsetzung der kurf√ľrstlichen B√ľcherkommission (1687) und die gr√∂√üere Sicherheit vor Nachdruck trugen wesentlich dazu bei. Der allgemeine Wohlstand, der Verkehr der Fremden und die Eigenschaft als Verkehrsmittelpunkt f√∂rderten auch das franz√∂sisch angehauchte geistige Leben (daher ¬ĽKlein-Paris¬ę): es entstanden zahlreiche zum Teil jetzt noch erhaltene gro√üartige B√ľrgerh√§user im Barockstil, es wirkten hier Sebastian Bach (1723‚Äď50), Gottsched (1724‚Äď66) und Gellert (1741‚Äď69), w√§hrend Lessing und Goethe hier studierten. Die schweren Bedr√ľckungen w√§hrend des Siebenj√§hrigen Krieges, wo Friedrich d. Gr. der Stadt 30 Mill. Mk. Kontributionen abpre√üte, bedeuteten wirtschaftlich und geistig trotz alledem nur eine vor√ľbergehende Unterbrechung der g√ľnstigen Entwickelung, die bis in den Anfang des 19. Jahrh. hin√ľberdauerte. 1784 fielen die Festungswerke, und der Stadtgraben wurde in Promenaden umgewandelt.

Die Beschlagnahme aller englischen Waren infolge der Kontinentalsperre (1806) und die Aufhebung der bisherigen Gesch√§ftsverbindungen sch√§digte anfangs den Handel wesentlich, doch pa√üte sich L. schnell den ver√§nderten Bedingungen an und hatte sich in den folgenden Kriegsjahren recht guter Messen zu erfreuen. Im Kriege von 1809 wurde es von √Ėsterreichern und dann von Braunschweigern besetzt, aber die gr√∂√üten Leiden brachte der Krieg von 1813. Die russischen Vortruppen hatten L. 31. M√§rz bis 30. April in Besitz, 2. Mai zog ein Korps Franzosen unter Lauriston ein. Bei der V√∂lkerschlacht (s. unten) vom 16.‚Äď19. Okt. drohte der Stadt die Ein√§scherung, und die gl√ľckliche Bewahrung davor war der Anla√ü zu den in den folgenden Jahren abgehaltenen Erinnerungsfeiern. Viele Tausende Verwundete lagen noch geraume Zeit nachher in den zahlreichen √ľberf√ľllten Spit√§lern, und der Typhus verbreitete sich von diesen aus auch unter der Bev√∂lkerung. Das Regiment f√ľhrte der russische F√ľrst Repnin bis zum Friedensschlu√ü, der 1815 die preu√üischen Schlagb√§ume bis zwei Stunden vor die Stadt r√ľckte. Die Messen entwickelten sich jedoch trotz b√∂ser Ahnungen zun√§chst g√ľnstig und erreichten in den n√§chsten zwei Jahrzehnten ihre relativ gr√∂√üte Bedeutung, die erst nach dem Anschlu√ü Sachsens an den Zollverein (1834) und der Er√∂ffnung der ersten Eisenbahn (8. April 1839) allm√§hlich sank, w√§hrend Einwohnerzahl (s. oben, S. 380), ebenso Industrie und Kleinhandel betr√§chtlich zunahmen. Am 5. April 1831 trat infolge ausgebrochener Unruhen an Stelle der alten st√§dtischen Regierung ein neuer, von den provisorischen Kommunerepr√§sentanten gew√§hlter Magistrat. 1835 wurden der Sch√∂ppenstuhl, das Oberhofgericht und das Konsistorium beseitigt, aber daf√ľr ward L. Sitz des Appellationsgerichts und der Kreisdirektion. 1825 schon war der ¬ĽB√∂rsenverein der deutschen Buchh√§ndler zu L.¬ę gegr√ľndet worden, 1833 wurde die Buchh√§ndlerb√∂rse erbaut. Die 1825 begonnene und 1837 abgeschlossene Reform der Universit√§t machte sie zu einer gesamtdeutschen Bildungsst√§tte. Unter Mitwirkung Mendelssohns entstand 1843 das k√∂nigliche Konservatorium der Musik-kurz in jeder Richtung wurden geistige Interessen gef√∂rdert. Die Mi√üstimmung √ľber die Haltung der Regierung gegen√ľber dem in L. stark verbreiteten Deutschkatholizismus sowie die Bef√ľrchtung eines beabsichtigten Glaubenszwanges in der protestantischen Kirche verursachten 12. Aug. 1845 bei Anwesenheit des Prinzen Johann einen Volksauflauf, der mehreren Personen das Leben kostete. W√§hrend des Jahres 1848 wirkten in L. zahlreiche politische Vereine, und namentlich entwickelte Robert Blum (s. d.) eine gro√üe agitatorische T√§tigkeit. 1866 war L. mehrere Monate von preu√üischen Truppen besetzt. 1868 ward es Sitz des Reichsoberhandelsgerichts und 1879 des Reichsgerichts. 1898 entstand in Verbindung mit der Universit√§t die erste deutsche Handelshochschule.

Vgl. au√üer den bereits angef√ľhrten Schriften: Hasse, Die Stadt L. und ihre Umgebung, geographisch und statistisch beschrieben (Leipz. 1878); die ¬ĽMitteilungen des Statistischen Bureaus der Stadt L.¬ę; die Jahresberichte der Handelskammer; ¬ĽDie Stadt L. in hygienischer Beziehung¬ę (Festschrift des Vereins f√ľr √∂ffentliche Gesundheitspflege, das. 1891); ¬ĽL. und seine Bauten¬ę (Festschrift des Architekten- und Ingenieurvereins, das. 1892); ¬ĽFestschrift des Vereins deutscher Ingenieure in L.¬ę (1887); Hirschfeld, Leipzigs Gro√üindustrie und Gro√ühandel (das. 1887); ¬ĽL. im Jahre 1904¬ę (Weltausstellung in St. Louis, das. 1904); Gurlitt, Beschreibende Darstellung der √§ltern Bau- und Kunstdenkm√§ler des K√∂nigreichs Sachsen, Heft 17 u. 18: Stadt L. (Dresd. 1895‚Äď96); Lokalf√ľhrer vom Verein zur F√∂rderung des Fremdenverkehrs, von Moser, Benndorf, Heitmann, Pfau, Bernhard, G√§bler, W√∂rl u.a.; Hassert, Die geographische Lage und Entwickelung Leipzigs (in den ¬ĽMitteilungen des Vereins f√ľr Erdkunde¬ę, Leipz. 1899); Helm, Heimatkunde von L. (2. Aufl., das. 1903); Gro√üe, Geschichte der Stadt L. (das. 1837‚Äď42, 2 Bde.; neuer Abdruck, das. 1897‚Äď98); B√∂ttger, Die Ereignisse um L. im Herbst 1642 (Halle 1882); Rachel, Verwaltungsorganisation und √Ąmterwesen der Stadt L. bis 1627 (Leipz. 1902); Wustmann, Aus Leipzigs Vergangenheit (das. 1885, neue Folge 1898), Bilderbuch aus der Geschichte der Stadt L. (das. 1897), L. durch drei Jahrhunderte, Atlas zur Geschichte des Leipziger Stadtbildes (das. 1891), Quellen zur Geschichte Leipzigs (das. 1889‚Äď95, 2 Bde.) und Geschichte der Stadt L. (das. 1905, Bd. 1), die erste urkundliche Darstellung; ¬ĽUrkundenbuch der Stadt L.¬ę (hrsg. von v. Posern-Klett und F√∂rstemann im ¬ĽCodex diplom. Saxoniae regiae¬ę, das. 1870‚Äď95, 3 Bde.); Seifert, Die Reformation in L. (das. 1883); Buchwald, Reformationsgeschichte der Stadt L. (das. 1900); Kirchhoff, Geschichte der reformierten Gemeinde in L. 1700 bis 1725 (das. 1874); Friedberg, Die Universit√§t L. in Vergangenheit und Gegenwart (das. 1898); Zarncke, Die Statutenb√ľcher der Universit√§t L. (das. 1861); ¬ĽMatrikel der Universit√§t L. 1409‚Äď1559¬ę (hrsg. von Erler im ¬ĽCodex diplom. Saxoniae regiae¬ę, das. 1895‚Äď1902, 3 Bde.); Hasse, Geschichte der Leipziger Messen (das. 1885); Kretzschmar, Die Entstehung von Stadt und Stadtrecht in den Gebieten zwischen der mittlern Saale und der Lausitzer Nei√üe (Bresl. 1905); Tille, Die Anf√§nge der Hohen Landstra√üe (Gotha 1906); Biedermann, Geschichte der Leipziger Kramerinnung (Leipz. 1881); Moltke, Die Leipziger Kramerinnung im 15. und 16. Jahrhundert (das. 1901); Geffcken und Tykocinski, Stiftungsbuch der Stadt L. (das. 1905); ¬ĽUntersuchungen √ľber das Leipziger Handwerk¬ę (in den ¬ĽSchriften des Vereins f√ľr Sozialpolitik¬ę, Bd. 63, 66 u. 67, das. 1895‚Äď1897); ¬ĽSchriften des Vereins f√ľr die Geschichte Leipzigs¬ę (das. 1872‚Äď1904, 7 Bde.).

Die Kreishauptmannschaft Leipzig umfaßt 3567 qkm (64,78 QM.) mit (1900) 1,060,632 Einw.; darunter waren 1,005,483 Evangelisch-Lutherische, 8520 Reformierte, 35,306 Römisch-Katholische, 1011 Deutsch-Katholische und 6692 Israeliten. Sie besteht aus den sieben Amtshauptmannschaften:

Tabelle

Die Völkerschlacht bei Leipzig.

(Hierzu Karte ¬ĽLeipziger V√∂lkerschlacht, 16. u. 18. Oktober 1813¬ę.)

Die Gegend von L. ist in neuerer Zeit mehrfach der Schauplatz gro√üer Schlachten gewesen, was mehr in der Wichtigkeit der an Hilfsquellen f√ľr den Krieg so reichen Stadt und in ihrer leichten Zug√§nglichkeit auf bekannten Stra√üen als in der Beschaffenheit des Terrains seinen Grund hat. Drei Hauptschlachten (die von L√ľtzen 16. Nov. 1632 nicht mitgerechnet) wurden hier geliefert, zwei im Drei√üigj√§hrigen Kriege, n√§mlich die nach Breitenfeld (s. d.) benannt zu werden pflegen, 17. Sept. 1631 und die am 2. Nov. 1642, und die sogen. V√∂lkerschlacht vom 16.‚Äď19. Okt. 1813 gegen Napoleon I., die den Krieg in Deutschland zugunsten der Verb√ľndeten entschied und insofern einen geschichtlichen Markstein bildet.

Durch die Niederlagen seiner Marsch√§lle im August und September gen√∂tigt, gab Napoleon seine Stellung bei Dresden auf und lie√ü durch 45,000 Mann unter Murat das bed√§chtig √ľber das Erzgebirge vordringende b√∂hmische Heer unter Schwarzenberg, bei dem sich auch Kaiser Alexander und K√∂nig Friedrich Wilhelm III. befanden, m√∂glichst lange aufhalten; er selbst wollte mit allen √ľbrigen Streitkr√§ften Bl√ľcher √ľber die Elbe zur√ľckjagen, dann umkehren und das b√∂hmische Heer angreifen. Aber Bl√ľcher wich geschickt aus, und Napoleon kehrte unverrichteter Dinge nach L. zur√ľck. Ein Reitergefecht bei Liebertwolkwitz 14. Okt. endete zum Vorteil der Verb√ľndeten, deren 200,000 Mann Napoleon 176,000 Mann gegen√ľberzustellen hatte. Er wollte die allgemeine Vereinigung der Gegner verhindern, w√§hlte seine Stellung √∂stlich von der die Elster und Plei√üe begleitenden Sumpf- und Waldniederung mit dem R√ľcken gegen L., obgleich ihm hier als einzige R√ľckzugslinie die Stra√üe √ľber Lindenau blieb. Auf der Nordseite beobachteten Bl√ľcher 42,000 Mann unter Ney; den Pa√ü bei Lindenau bewachte Bertrand mit 10,000 Mann. Napoleon ordnete am 15. vom Galgenberg zwischen Wachau und Liebertwolkwitz aus seine Scharen in einem gro√üen Halbkreise, der von der Plei√üe zwischen Konnewitz und L√∂snig √ľber Probstheida und Holzhausen bis Paunsdorf reichte, zur Schlacht gegen das b√∂hmische Heer.

Die Schlacht bei L. vom 16. Okt. zerf√§llt in drei Einzelk√§mpfe: in die Napoleons bei Wachau gegen das b√∂hmische Heer, die Marmonts bei M√∂ckern gegen Bl√ľcher und das Gefecht zwischen Gyulai und Bertrand bei Lindenau. Verleitet von dem Sachsen v. Langenau, wollte Schwarzenberg, die ganz unwegsame Flu√üniederung umgehend, gegen L. vorr√ľcken. Zwar versagte Kaiser Alexander die Mitwirkung der Russen zu dem verkehrten Plane; da aber Schwarzenberg dennoch 35,000 Mann dazu bestimmte, so blieben nur 84,000 Mann (Kleist, Wittgenstein und Klenau unter Barclays Oberbefehl) auf dem rechten Ufer verf√ľgbar. Ein f√ľnfst√ľndiger Gesch√ľtzkampf leitete die Schlacht bei Wachau ein, das Dorf Markkleeberg wurde viermal genommen und viermal verloren, bis es die Preu√üen behaupteten. Noch heftiger tobte der Kampf um Wachau selbst, das Herzog Engen von W√ľrttemberg mit seinen Russen gegen die von Napoleon pers√∂nlich befehligte √úbermacht nicht zu behaupten vermochte; er mu√üte nach G√ľldengossa zur√ľck, und zu seiner Rechten ging auch F√ľrst Gortschakow nach dem Universit√§tsholze zur√ľck. Noch weiter rechts hatte zwar Klenau Liebertwolkwitz den Franzosen entrissen und den Kolmberg besetzt, mu√üte aber auch in seine fr√ľhere Stellung bei Gro√üp√∂√üna und Fuchshain zur√ľck. Um 11 Uhr waren die Angriffe der Verb√ľndeten s√§mtlich gescheitert; die Schlacht stand f√ľr sie h√∂chst bedenklich. Zwar zog nun Schwarzenberg auf Alexanders Andringen, wenigstens einen Teil der √Ėsterreicher, die jenseit der Plei√üe nicht vorw√§rts kamen, auf das rechte Ufer, aber ehe sie eintrafen, entstand bei Wachau h√∂chste Gefahr. Napoleon, bisher aus 170 Gesch√ľtzen beschossen, suchte sich 3 Uhr nachmittags durch einen Reiterangriff (8000 Mann unter Murat) zu retten. Bis an den Fu√ü des H√ľgels, auf dem die Monarchen und jetzt auch Schwarzenberg hielten, ging der Sto√ü; das Zentrum der Verb√ľndeten war durchbrochen, und Napoleon befahl, in L. Sieg zu l√§uten. Doch in diesem Augenblick ermattete der Reiterschwarm und wurde von der herbeieilenden russischen Kavallerie und Reserveartillerie √ľberw√§ltigt. Ein zweiter von Maison mit Fu√üvolk unternommener Ansturm hatte denselben Erfolg. Die Nacht machte dem m√∂rderischen Kampf ein Ende. Gyulais matter Angriff auf Lindenau hatte inzwischen Bertrand ebenfalls abgewiesen.

Insofern Napoleon den Angriff des b√∂hmischen Heeres abgeschlagen hatte, durfte er sich bei Wachau den Sieg zuschreiben, und dieser w√ľrde voraussichtlich entscheidend geworden sein, h√§tte sein linker Fl√ľgel unter Ney und Marmont dem Ruf auf das Schlachtfeld von Wachau folgen k√∂nnen. Im Begriff, dahin aufzubrechen, sah sich Marmont pl√∂tzlich durch Bl√ľcher festgehalten, den der Kanonendonner fr√ľh zum Ausbruch von Halle veranla√üt hatte. Ney hatte sich zwar nach Wachau in Marsch gesetzt, kehrte aber wegen Marmonts gef√§hrdeter Lage um, kam jedoch zu sp√§t und gelangte daher weder hier noch dort zum Schlagen. Um seine infolge des Ausbleibens der Nordarmee unter dem Kronprinzen von Schweden ungedeckte linke Flanke nicht einem feindlichen Sto√ü auszusetzen, konnte Bl√ľcher nur mit dem Korps Yorck, 21,500 Mann, Marmont angreifen, der, um den Weg nach L. zu versperren, das durch seine Lage dicht an der Elster vor Umgehung gesch√ľtzte Dorf M√∂ckern zu hartn√§ckiger Verteidigung eingerichtet hatte. Um dieses tobte der von beiden Seiten mit h√∂chster Energie durchgef√ľhrte Kampf, bis die unvergleichliche Tapferkeit der Preu√üen durch Erst√ľrmung des Dorfes und durch einen gl√§nzenden Reiterangriff die Niederlage Marmonts entschied. Den Preu√üen kostete ihr Sieg an Toten und Verwundeten 172 Offiziere und 5500 Mann, den Franzosen 6000 Mann und 2000 Gefangene.

Der 17. Okt., ein Sonntag, verlief still. Die Verb√ľndeten verschoben gem√§√ü dem Beschlu√ü des zu Sestewitz gehaltenen Kriegsrats die Erneuerung der Schlacht auf den folgenden Tag, wo das Nordheer und das russische Reserveheer unter Bennigsen eingetroffen sein mu√üten. Nur Bl√ľcher, noch unbekannt mit diesem Beschlusse, lie√ü von Langeron und Sacken den Feind durch Wegnahme der D√∂rfer Eutritzsch und Gohlis bis dicht an die Stadt zur√ľckdr√§ngen. Dieselben Erw√§gungen, welche die Verb√ľndeten zum Aufschub veranla√üten, h√§tten Napoleon zum R√ľckzug bestimmen m√ľssen, da die Voraussetzungen, unter denen er sich dem b√∂hmischen Heere zur Schlacht gestellt hatte, nicht eingetroffen waren und er nur 14,000 Mann Verst√§rkungen unter Reynier von D√ľben her zu erwarten hatte. Allein diesen Entschlu√ü gestattete sein Stolz nicht; er hoffte vielmehr auf die M√∂glichkeit, √Ėsterreich durch Anerbietungen der Koalition abtr√ľnnig zu machen, und schickte zu diesem Zwecke den bei Konnewitz gefangenen √∂sterreichischen General Merveldt an seinen Schwiegervater. Aber der Tag verging ohne Antwort, und nun erst traf er einige, aber auch ungen√ľgende Anordnungen, die den R√ľckzug einleiten sollten.

Da Napoleon den auf 276,000 Mann verst√§rkten Gegnern nur 150,000 Mann gegen√ľberstellen konnte, sa verk√ľrzte er die Ausstellung seiner Truppen, indem er sie etwas n√§her an die Stadt zur√ľcknahm. Der Hauptteil unter Murat stand dem b√∂hmischen Heer gegen√ľber auf einer von der Plei√üe √ľber Probstheida bis Holzhausen reichenden Linie, links verteidigte Ney den Lauf der Parthe, den gro√üen Zwischenraum zwischen beiden besetzte nur das schwache Korps Reynier, da Napoleon zun√§chst vom Nordheer nichts f√ľrchtete. Er selbst leitete am 18. die Schlacht von der Tabakm√ľhle bei St√∂tteritz aus. Da√ü er trotz der gro√üen √úberzahl der Gegner ihnen auch diesen ganzen Tag standhielt, lag wesentlich an dem bei diesen herrschenden Mangel an √úbereinstimmung und Ineinandergreifen. In drei Heers√§ulen schritt Schwarzenberg zum Angriff. Die erste, 45,000 Mann unter Prinz Hessen-Homburg und nach dessen schwerer Verwundung unter Colloredo, entri√ü den Polen Poniatowskis die D√∂rfer D√∂litz und D√∂sen, konnte aber Konnewitz nicht nehmen. Barclay konnte den Hauptangriff auf Probstheida erst unternehmen, als Bennigsen nachmittags um 2 Uhr heran war. Um dieses massiv gebaute Dorf, das f√ľr Napoleon als die die beiden Schenkel seiner Ausstellung verbindende Spitze von h√∂chster Wichtigkeit war, erhob sich ein erbittertes, f√ľr die Verb√ľndeten erfolgloses Ringen. Am sp√§testen griff Bennigsen ein und nahm nach vergeblichem Angriff auf St√∂tteritz die D√∂rfer Zuckelhausen, Holzhausen und Baalsdorf, zuletzt auch Zweinaundorf. Bei Paunsdorf gingen 3000 Mann Sachsen mit 19 Kanonen √ľber; ihrem Beispiel folgten zwei w√ľrttembergische Reiterregimenter (nur noch 500‚Äď600 Mann) unter General Normann. Um 4 Uhr nachmittags traf das Korps B√ľlow vom Nordheer auf dem Schlachtfeld ein, nachdem Bl√ľcher in einer Zusammenkunft zu Breitenfeld mit gro√üer M√ľhe die Bedenken des Kronprinzen von Schweden √ľberwunden hatte. Vor dieser √úbermacht brach Napoleons linker Fl√ľgel zusammen. Ein Dorf nach dem andern ging verloren; Sch√∂nefeld verlor Ney in der Nacht an Langeron.

Dieser Ausgang machte Napoleons Aufenthalt vor L. unm√∂glich. Mit Eintritt der Dunkelheit zog er seine Truppen in die Stadt; er selbst verbrachte die Nacht im H√ītel de Prusse. Als die Verb√ľndeten am Morgen des 19. Okt. die D√∂rfer von den Franzosen ger√§umt fanden, schritten sie zum Sturm auf die Stadt; ein Versuch Napoleons, durch Abordnungen des K√∂nigs von Sachsen und des Rates an die Monarchen eine Frist zum Abzug zu gewinnen, hatte keinen Erfolg. Langeron und Sacken nahmen die Hallesche, B√ľlow die Grimmaische Vorstadt; hier drang das K√∂nigsberger Landwehrbataillon des Majors v. Mirbach (nicht Friccius, s. d.) zuerst in die Stadt ein; die Petersvorstadt r√§umte Poniatowski ohne Kampf. Da man keine besondern Br√ľcken geschlagen hatte, stand dem Heere nur die schmale Elsterbr√ľcke am Ranst√§dter Tore zum R√ľckzug zur Verf√ľgung. M√ľhsam bahnte sich der Kaiser selbst Bahn durch die Fliehenden; sobald er das Ranst√§dter Tor hinter sich hatte, flog die Elsterbr√ľcke, angeblich zu fr√ľh, in die Luft, alles, was sich noch diesseits befand, meist Rheinb√ľndler, der Gefangenschaft √ľberliefernd. Viele, unter ihnen Poniatowski, ertranken bei dem Versuche, durch den angeschwollenen Flu√ü zu entkommen. Gegen 1 Uhr hielten die Monarchen von Preu√üen und Ru√üland ihren Einzug in L. unter dem Jubel der Bev√∂lkerung, der eine Zeitlang das entsetzliche Elend vergessen lie√ü, das die ungeheure Menge von Verwundeten und Kranken in der Stadt verursachte.

Die dreit√§gige Schlacht hatte auf beiden Seiten gewaltige Opfer gekostet: die Preu√üen z√§hlten 16,000 Mann, darunter 620 Offiziere, an Toten und Verwundeten, die Russen 21,000 Mann und 860 Offiziere, die √Ėsterreicher 14,000 Mann und 420 Offiziere. Die Franzosen verloren 38,000 Mann an Toten und Verwundeten, 15,000 Gefangene, 300 Gesch√ľtze und lie√üen 23,000 Mann in den Lazaretten zur√ľck. Napoleons Weltmacht war vernichtet, und wenn auch eine energischere Verfolgung h√§tte Platz greifen sollen, so war doch mit Einem Schlag Deutschland bis zum Rhein befreit. ‚Äď Zahlreiche Denksteine bezeichnen die merkw√ľrdigsten Punkte der Schlacht, so die gu√üeiserne Spitzs√§ule (seit 1847) auf dem ¬ĽMonarchenh√ľgel¬ę, das Denkmal des F√ľrsten Schwarzenberg (ein W√ľrfel aus Stein unweit Meusdorf), der Napoleonsstein unweit Thonbergs, dazu mehrere in der Stadt selbst errichtete Denkm√§ler (s. oben, S. 377). Schon 1814 ward in L. ein Verein zur Feier des 19. Okt. gegr√ľndet, der sich die Aufgabe stellte, das Ged√§chtnis der V√∂lkerschlacht in m√∂glichst treuer √úberlieferung der Nachwelt zu erhalten und alle auf dieselbe bez√ľglichen Schriftst√ľcke zu sammeln. 1863 wurde die 50j√§hrige Jubelfeier der Schlacht festlich begangen. Die Errichtung eines w√ľrdigen V√∂lkerschlachtdenkmals, dessen Grundstein 1900 gelegt wurde und dessen Fundamente gegenw√§rtig (1905) schon stehen, wurde erst durch den 1895 gegr√ľndeten Deutschen Patriotenbund (s. d., Bd. 4, S. 738) in die Wege geleitet. 1875 wurde eine Kreuzerfregatte der deutschen Marine der Leipziger Schlacht zu Ehren ¬ĽLeipzig¬ę getauft. Seit 1905 tr√§gt wieder ein kleiner Kreuzer den Namen ¬ĽLeipzig¬ę. Vgl. After, Die Gefechte und Schlachten bei L. im Oktober 1813 (Dresd. 1852‚Äď53, 2 Bde.; 2. Ausg. 1857); Naumann, Die V√∂lkerschlacht bei L. (Leipz. 1863); Wuttke, Die V√∂lkerschlacht bei L. (Berl. 1863); Apel, F√ľhrer auf die Schlachtfelder Leipzigs (2. Ausg., Leipz. 1872); Gerlach, Die Schlacht bei L., die Armeestellungen etc. (Tafel, entworfen im J. 1813; neuer Abdruck, das. 1892); Friedr. Richter, Historische Darstellung der V√∂lkerschlacht bei L. (Hamb. 1864; neue Ausg., Leipz. 1897).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905‚Äď1909.

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