Asphalt

Asphalt (griech., Erdpech), Mineral, schwarz bis schwarzbraun, fettglänzend, undurchsichtig, Härte 2, spez. Gew. 1,1–1,2, riecht, zumal gerieben, stark bituminös, ist brennbar, schmilzt bei 100°, löst sich in Terpentin, Petroleum und Benzin. Es findet sich derb, eingesprengt, in Hohlräumen verschiedenartiger Gesteine, auch als Kluftausfüllung und auf Erzgängen, als Imprägnation von Sandsteinen und Kalksteinen, selten lagerartig, wie bei Avlona in Albanien. Auf Trinidad erfüllt es das Becken eines Sees (Asphaltsee), der mehr als 1000 Schritt lang und 120 Schritt breit ist; auch auf Cuba findet es sich massenhaft (mexikanischer A.), enthält aber an beiden Fundstätten erdige Beimengungen (bis 35 Proz.). Venezuela hat zwei für den Welthandel wichtige Fundstätten nahe der Mündung des Orinoko. Auch im Toten Meer findet sich A., von dem oft Stücke durch Erdbeben vom Boden des Meeres losgerissen und aus Ufer getrieben werden. A. besteht aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff und ist meist durch Aufnahme von Sauerstoff aus Erdöl entstanden. Erdöl oxydiert sich in den der Luft zugänglichen obern Gebirgslagen sehr bald, verliert seine flüchtigen Bestandteile, wird braun, dickflüssiger, spezifisch schwerer und verwandelt sich schließlich in Bergteer, von dem man einige Varietäten als Albertit, Grahamit und Gilsonit unterschieden hat. Dieser findet sich besonders in sandigen Schichten und lockern Sandsteinen in der Nähe der meisten Erdölquellen, wie bei Palembang in Ostsumatra und wird durch Waschen oder Kochen mit Wasser abgeschieden. Der Rückstand ist ein zähes, glänzend schwarzes Pech, das in der Technik als Goudron minéral benutzt wird. Wie den Sand, durchdringt Bergteer auch Kalkstein und bildet so den Asphaltstein, der sich unter anderm im Val de Travers, bei Seyssel an der Rhone, in der Auvergne, bei Ragusa in Sizilien, Lobsann im Elsaß und Limmer in Hannover findet. Asphaltstein von Seyssel enthält 6–8, der von Limmer 14, der aus dem Val de Travers 11–12 Proz. A. Der Bergteer, der das Gestein durchdringt, ist eine Mischung verschiedenartiger Körper. Beim Erhitzen destillieren unter 200° Kohlenwasserstoffe über, die noch als Petroleum bezeichnet werden können; zwischen 200 und 250° destilliert Petrolen, und als Rückstand bleibt sauerstoffhaltiges Asphalten, das schwerer als Wasser, in der Kälte brüchig, in Äther unlöslich, aber löslich in Terpentinöl und Erdöl ist.

A. dient als braunschwarze Farbe in der Ölmalerei (s. Asphaltmalerei), auch zu schwarzen Firnissen und Lacken, als Ätzgrund für Kupferstecher, zu Kitten, Salben, Pflastern etc. Eine dünne Asphaltschicht wird durch Einwirkung des Lichtes in Äther unlöslich, und hierauf beruht die Benutzung des Asphalts beim photographischen Steindruck (s. Asphaltverfahren). Im Altertum diente A. zum Einbalsamieren von Leichen und als Baumaterial (Babylon, Ninive). 1712 erhielt der griechische Arzt Eirinis eine Konzession für die Asphaltlagerstätten im Val de Travers, aber obwohl er die günstigsten Resultate erzielte, geriet die Sache in Vergessenheit. 1802 wurde das Vorkommen von A. bei Seyssel entdeckt und 1832 die Asphaltindustrie durch Sassenay neu begründet. Man benutzte A. zu den verschiedenartigsten Zwecken, zu denen man jetzt viel vorteilhafter Zement verwendet; aber unübertroffen ist die Brauchbarkeit des Asphalts für Straßen, Trottoirs und Terrassen über niedrigen Stockwerken oder Kellerbauten. Asphaltmastix (Asphaltkitt), der in Broten von 25 kg in den Handel kommt, ist ein zusammengeschmolzenes Gemisch von Asphaltstein und Bergteer oder statt des letztern einer Mischung von Trinidadasphalt mit Erdöl. Diese Mischung bildet den Goudron. Asphaltmastix dient als Mörtel bei Wasserbauten, zum Bekleiden der Wände von Wasserbehältern, feuchten Kellern, Abtrittsgruben. Er wird auch mit etwa 5–6 Proz. Bergteer und 60 Proz. grobem Sand zusammengeschmolzen und als Gußasphalt zu Fußböden, Dachflächen, Isolierschichten etc. benutzt. Eine neue Epoche für die Asphaltindustrie wurde durch Merian in Basel angebahnt, der zuerst erwärmtes Asphaltpulver auf die Straße schüttete und künstlich zusammendrückte. Derartig hergestellte Straßen werden seit 1868 mit dem A. des Val de Travers, von Seyssel (Depart. Aisnes) und Ragusa (Sizilien) gebaut. Der Verwendung des Asphalts ist die Unterschiebung von Surrogaten aus eingekochtem Steinkohlenteer sehr nachteilig gewesen. Zum Nachweis einer Verfälschung von A. mit Teer wird ein auf etwa 200° erhitztes Stück der Masse von etwa 1 g nach dem Abkühlen und Pulvern mit etwa 5 ccm Alkohol von 80° in einem Reagenzglas behandelt. Bei nur 2 Proz. Gehalt an Pech erhält der Alkohol eine deutlich gelbe Färbung mit grünblauer Fluoreszenz von oben gesehen. Färbung und Fluoreszenz nehmen an Intensität mit Erhöhung des Pechgehalts zu und gehen endlich ins Dunkelweingelbe mit grüngelber Fluoreszenz über. Vgl. Jeep, Der A. und seine Anwendung in der Technik (2. Aufl., Weim. 1898); Meyn, Der A. und seine Bedeutung für den Straßenbau (Halle 1872); Schubarth, Über Asphaltstraßen (Berl. 1881); Dietrich, Die Asphaltstraßen (das. 1882); Malo, L'Asphalte (3. Aufl., Par. 1898); Kovacs, Über A., sein Vorkommen, seine Verwendung etc. (Budap. 1901); »A.- und Teerindustriezeitung« (Berl., seit 1901).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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