London [1]

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London [1]

London (spr. lonnd'n; hierzu Stadtplan: ¬ĽLondon, innere Stadt¬ę, mit Registerblatt), Hauptstadt Englands und des britischen Reiches, die bev√∂lkertste Stadt der Erde, liegt zu beiden Seiten der hier 180‚Äď275 m breiten Themse, 97 km oberhalb deren M√ľndung in die Nordsee, unter 51¬į30¬ī n√∂rdl. Br. und 0¬į5¬ī westl. L. (Kathedrale von St. Paul). Seit 1888 bildet L. f√ľr Verwaltungszwecke eine Grafschaft und bedeckt einen Fl√§chenraum von 302,9 qkm, wovon 128,1 qkm auf die alte Grafschaft Middlesex, 93,6 qkm auf Surrey und 81,2 qkm auf Kent kommen.

Wappen der City von London.
Wappen der City von London.

Diese neue Grafschaft entspricht den Grenzen des ehemaligen Board of Works und besteht seit 1899 aus der City und 28 Verwaltungsbezirken (metropolitan boroughs, s. unten). Die Grafschaft L. enth√§lt 58 parlamentarische Wahlbezirke (parlamentary boroughs), von denen jeder einen Abgeordneten, nur die City zwei w√§hlt. Ihre Grenzen stimmen nicht ganz mit der Grafschaft L. √ľberein. L. erstreckt sich in gerader Linie 26 km von W. nach O., 19 km von N. nach S. und ist gro√üenteils auf Alluviallagern von Ton und Kies erbaut, die auf dem Londoner Ton (London-clay) lagern. Im N. steigt ihr Gebiet zu den H√ľgeln von Highbury (46 m), Highgate (129 m) und Hampstead (134 m) an. Der s√ľdliche Stadtteil, fr√ľher teilweise sumpfige Niederung, ist in weitem Umkreise von den H√ľgeln Surreys umgeben, die bei Sydenham eine H√∂he von 112 m erreichen. Das Klima ist gesund; die mittlere Temperatur von Greenwich ist 9,7¬į (Januar 3,6, Juli 16,9¬į), und wenn die Themse auch schon gelegentlich zufror oder sich das Eis in ihr aufstaute (wie in den Jahren 1814, 1826 und 1842), so sind doch Schnee und Eis verh√§ltnism√§√üig selten. Der Regen (635 mm an j√§hrlich 168 Tagen) ist ziemlich gleichm√§√üig auf die vier Jahreszeiten verteilt. Eigent√ľmlich sind L. gelbe Nebel, die der h√∂hern Temperatur der Themse ihre Entstehung, dem Kohlendampf ihre Farbe und den Gasentweichungen ihren eigent√ľmlichen Geruch verdanken.

Stadtteile, Br√ľcken, Stra√üen etc.

Als eigentlicher Kern der Stadt mu√ü die City (272 Hektar) betrachtet werden, welche die fr√ľhere Munizipalverfassung behalten hat. Ihr schlie√üen sich die mit ihr zusammengewachsenen Stadtteile sowie eine gro√üe Anzahl gartenreicher Vorst√§dte an, die zu folgenden Verwaltungsbezirken vereinigt sind: links der Themse im O. der City Poplar und Stepney, im W. Westminster, Chelsea und Fulham, weiter im N. Hackney, Bethnal Green, Shoreditch, Stoke Newington, Islington, Finsbury, St. Pancras, Holborn, Hampstead, St. Marylebone, Paddington, Kensington und Hammersmith; rechts der Themse Woolwich, Greenwich, Deptford, Bermondsey, Southwark, Lambeth, Battersea und Wandsworth, weiter im S. Lewisham und Camberwell.

In der City haben die gro√üen Kaufherren ihre Gesch√§ftsh√§user, und hier entwickelt sich tags√ľber der lebhafteste Verkehr. Lombard Street (s. d.) ist seit Jahrhunderten der Sitz der Bankgesch√§fte; in Mark Lane wohnen Kornm√§kler, in Mincing Lane Kolonialh√§ndler, in Paternoster Row Buchh√§ndler, und in der N√§he von Fleet Street findet man die gr√∂√üten Druckereien. Der City schlie√üt sich das gewerbreiche, gro√üenteils von Arbeitern bewohnte Ostend an. Die Docks und die vielfachen dem Seehandel gewidmeten Anstalten, die L. den Charakter einer Seestadt verleihen, liegen am Ufer der Themse. Whitechapel (im Bezirk Stepney), n√∂rdlich von dieser, hat zahlreiche Schneiderwerkst√§tten, und hier wohnen viele deutsche Arbeiter. Bethnal Green mit Spitalfields ist der Sitz der aus Frankreich vertriebenen Seidenweber, auch sind hier viele M√∂belwerkst√§tten und Schuhfabriken. Clerkenwell z√§hlt unter seiner Bev√∂lkerung zahlreiche Uhrmacher, Juweliere und Mechaniker. Ein neutraler Streifen Landes, den die ¬ĽInns¬ę der Advokaten und die h√∂chsten Gerichtsh√∂fe einnehmen, trennt die City von dem Westend, dessen gesch√§ftlichen Mittelpunkt Charing Cro√ü und Trafalgar Square bilden. Wie die City Sitz des Verkehrs, so ist das Westend im engern Sinne Sitz der politischen T√§tigkeit, des Vergn√ľgens und des vornehmen gesellschaftlichen Lebens. Die sch√∂nsten Stadtteile dieses Westend sind St. James mit Pall Mall und seinen zahlreichen Klubs, Belgravia im S. des Hyde Park, Mayfair und die Umgegend von Grosvenor Square im O. und der neue Stadtteil Tyburnia im N. desselben. Diese vornehmen Quartiere der Stadt wandern stetig nach W., und Stra√üen und Pl√§tze, die noch zu Anfang des 19. Jahrh. f√ľr aristokratisch galten, wie Russell Square, sind den wohlhabenden Mittelklassen, den Gesch√§ftslokalen und selbst der Armut √ľberlassen worden. Die vornehmsten Kaufl√§den liegen in Regent Street, Oxford Street, Piccadilly, Strand. Indes fehlt es auch dem Westend ebenso wie dem Ostend nicht an Stadtteilen, in denen Armut und Laster ihren Sitz aufgeschlagen haben. Unter ihnen sind zu erw√§hnen: St. Giles, in der N√§he des Leicester Square, und Teile von Westminster und Chelsea. Der s√ľdlich der Themse gelegene Stadtteil ist voll von Arbeiterwohnungen und Fabriken. In Lambeth und Wandsworth findet man zahlreiche T√∂pfereien und chemische Fabriken, in Southwark Brauereien, in Bermondsey Gerbereien. Leimsiedereien und Wollniederlagen. Diese innern Stadtteile umgibt in weitem Umkreis eine Reihe von z. T. sehr stattlichen Vorst√§dten, die im Laufe der Zeit mit der Stadt v√∂llig zusammengewachsen sind. √úber Greenwich und Woolwich s. die besondern Artikel.

[Br√ľcken.] Den Verkehr zwischen den auf beiden Seiten der Themse gelegenen Stadtteilen vermitteln 19 Br√ľcken, 5 Tunnels und eine freie Dampff√§hre bei Woolwich. Die wichtigern Br√ľcken sind. die 1886‚Äď94 von Sir Horace Jones und Wolfe Barry erbaute Towerbr√ľcke, mit den Anfahrten 805 m lang; sie hat drei √Ėffnungen, die dem Ufer zun√§chstgelegenen je 82 m weit, mit H√§ngebr√ľcken, die mittlere 61 m weit, mit Fahrbahn, die zum Durchla√ü der Schiffe aufgeklappt wird, und einer 42,5 m √ľber Hochwasser gelegenen Fu√üg√§ngerbr√ľcke; die Londonbr√ľcke, das wichtigste Bindeglied zwischen City und Southwark, an der obern Grenze des Londoner Hafens, ist 1825‚Äď31 von John Rennie an Stelle der √§ltesten, seit 1209 bestehenden steinernen Br√ľcke der Stadt aus schottischem Granit ausgef√ľhrt. Einschlie√ülich der Widerlager ist die Br√ľcke 283 m lang, von den f√ľnf Bogen hat der mittlere 46,3 m Spannweite. Ihr zun√§chst folgt die vom Bahnhof in Cannon Street ausgehende Eisenbahnbr√ľcke, die von 16 gu√üeisernen Zylindern getragen wird. Oberhalb liegt die 1815‚Äď19 erbaute Southwarkbr√ľcke, ein Meisterwerk John Rennies, 215,8 m lang, mit drei gu√üeisernen, auf steinernen Pfeilern ruhenden Bogen (der mittlere 73,2 m weit). Dann folgen rasch auseinander eine Eisenbahnbr√ľcke, die Alexandrabr√ľcke, 317 m lang, die gleichfalls dem Eisenbahnverkehr dient, und die 1869 vollendete Blackfriarsbr√ľcke, 281 m lang, mit schmiedeeisernen, von Granitpfeilern getragenen Bogen und einem Denkmal der K√∂nigin Viktoria (seit 1897), am Beginn des Victoria Embankment (s. unten). Die Waterloobr√ľcke, 1811‚Äď17 ebenfalls von Rennie erbaut und unstreitig eine der sch√∂nsten Br√ľcken der Welt, ist 420 m, mit Einschlu√ü ihrer Anfahrten 746,6 m lang, und ihre neun Korbbogen haben eine Weite von 36,5 m. Die Eisenbahngitterbr√ľcke bei Charing Cro√ü nimmt die Stelle einer alten H√§ngebr√ľcke ein. Auf sie folgt die 1856‚Äď62 von Page erbaute Westminsterbr√ľcke, aus Stein und Eisen ausgef√ľhrt, 352,6 m lang und 25,9 m breit, mit sieben Bogen, deren mittlerer eine Spannweite von 36,5 m hat. Die alte, 1739‚Äď50 von einem Schweizer erbaute Br√ľcke, die zweite Londons, fiel ihr zum Opfer. Unter den obern Br√ľcken ist die Chelsea-H√§ngebr√ľcke oder Viktoriabr√ľcke, 1857‚Äď58 erbaut, wohl die wichtigste. Sie ist 289,9 m lang, und die beiden √Ėffnungen sind jede 105,8 m weit. Der einst f√ľr ein Wunderwerk der Welt gehaltene Themsetunnel (1825‚Äď43 erbaut, 396 m lang, 4,2 m breit und 4,8 m hoch) wird seit 1865 von einer Eisenbahn durchfahren. Der 1870 beim Tower erbaute kleinere Tunnel (subway) f√ľr Personenverkehr wurde 1897 geschlossen. Dagegen wurde 1892‚Äď97 zwischen Blackwall und Ost-Greenwich der Blackwall-Tunnel f√ľr Fu√üg√§nger und Wagen errichtet; er ist 1362 m, mit den Zufahrten 1893 m lang und besteht aus einer gu√üeisernen R√∂hre von 81/4 m √§u√üerm Durchmesser, die innen mit Zement und glasierten Ziegeln bekleidet ist. Endlich bestehen zwei Tunnels f√ľr elektrische Bahnen seit 1890, bez. 1893 oberhalb der London- und der Blackfriars-Br√ľcke.

[Stra√üen.] Von den ungef√§hr 11,000 Stra√üen Londons, in einer Gesamtl√§nge von 3300 km, k√∂nnen nur wenige in architektonischer Beziehung Anspruch auf Sch√∂nheit machen. Die Mehrzahl der H√§user ist aus Backsteinen ausgef√ľhrt, 2‚Äď3 Stockwerke hoch, zwei Fenster breit, unget√ľncht und von Rauch geschw√§rzt. In den Gesch√§ftsstra√üen der City jedoch, in den wohlhabenden Stadtteilen des Westend und vielfach in den Vorst√§dten gestalten sich diese Verh√§ltnisse g√ľnstiger, und namentlich in j√ľngster Zeit sind zahlreiche Bauten entstanden, die jeder Stadt zur Zierde gereichen w√ľrden. Unter s√§mtlichen Verkehrsadern Londons ist die ausgedehnte Stra√üenreihe, welche die Bank mit Westminster verbindet, die wichtigste und auch wohl die √§lteste. Als Cheapside (¬ĽKaufstra√üe¬ę) erstreckt sie sich von der Bank bis zur Paulskathedrale, nimmt dann den Namen Ludgate Hill an und geht an der Stelle des alten Ludtors in Fleet Street √ľber. Bei Temple Bar, dem ehemaligen Stadttor, an dessen Stelle ein Denkmal getreten ist, verlassen wir das Gebiet der City. Der Strand, mit zahlreichen Theatern, Speisewirtschaften und Kaufl√§den, bringt uns nach dem Trafalgar Square und Charing Cro√ü, von wo die breite, Whitehall genannte und fast ganz von Regierungsgeb√§uden besetzte Stra√üe nach den Parlamentsgeb√§uden f√ľhrt. Abermals von der Bank ausgehend, bringt uns die Queen Victoria Street mit ihren stattlichen Gesch√§ftsh√§usern auf das Victoria Embankment, einen auf der Nordseite der Themse von der Blackfriars-Br√ľcke bis Westminster f√ľhrenden Damm (1864‚Äď70 ausgef√ľhrt), der teilweise mit Anlagen geziert ist. Die von B√§umen beschattete Northumberland Avenue verbindet das Victoria Embankment mit Charing Cro√ü. Eine dritte Stra√üenreihe geht von der Paulskathedrale aus. Sie √ľberschreitet auf hohem Viadukt das Tal des ehemaligen Fl√ľ√üchens Fleet und setzt sich als Holborn und Oxford Street bis zum Hyde Park fort. Unter den andern Stra√üen, die von der Bank, dem Mittelpunkt der City, oder in der N√§he ihren Ausgangspunkt haben, sind zu erw√§hnen: Moorgate Street mit ihren Verl√§ngerungen, der City Road etc., die n√∂rdlich von Oxford Street nach dem weiten Westen f√ľhrt; die in n√∂rdlicher Richtung verlaufende Bishopsgate Street, die von der Untergrundbahn-Station Aldgate nach O. f√ľhrende Whitechapel Road und King William Street, die zur Londonbr√ľcke f√ľhrt und jenseit derselben sowohl in s√ľdlicher als in s√ľd√∂stlicher Richtung ihre Fortsetzung findet. Unter den von N. nach S. verlaufenden Stra√üen ist Regent Street die bedeutendste und √ľberhaupt eine der sch√∂nsten in L. Sie wurde seit 1813 nach dem Entwurf von Nash nach einheitlichem Plan ausgef√ľhrt und verbindet Waterloo Place, wo die Denks√§ule des Herzogs von York steht, mit Portland Place, die zum Regent's Park f√ľhrt, und durchschneidet Oxford Street sowohl als Piccadilly und Pall Mall. Die neuern Stra√üendurchbr√ľche erleichtern zwar den Verkehr, versch√∂nern aber keineswegs die Stadt in dem gehofften Ma√ü.

[Squares, Parke.] Zahlreiche mit Gartenanlagen versehene Squares gereichen L. zur besondern Zierde. Die Mehrzahl derselben ist Privateigentum und nur den Umwohnern zug√§nglich. Einige jedoch, wie der mit einem Denkmal Shakespeares geschm√ľckte Leicester Square, Soho Square und der bei den Parlamentsgeb√§uden und der Westminsterabtei gelegene Parliament Square, stehen dem Publikum offen. Die bereits 1619 vom ber√ľhmten Architekten Inigo Jones angelegten Lincoln's Inn Fields, Eaton Square, der aristokratische Belgrave Square und Russell Square sind die bedeutendsten unter diesen offenen Stellen im Londoner H√§usermeer. Trafalgar Square hat keinen Baumwuchs, aber Springbrunnen, eine Nelsons√§ule und andre Denkm√§ler. Smithfield (eigentlich Smoothfield, ¬Ľebenes Feld¬ę) in der City ist historisch merkw√ľrdig als alter Turnierplatz und Hinrichtungsst√§tte und enth√§lt jetzt die Zentralmarkthalle. N√§chst den Squares sind es die gro√üen √∂ffentlichen Parke, deren frisches Gr√ľn das Auge erquickt, und die teilweise im Innern der Stadt liegen. S√§mtliche 48 Parke und √∂ffentliche G√§rten von L. umfassen einen Fl√§chenraum von 2084 Hektar. Den vornehmsten Rang unter ihnen nimmt die zusammenh√§ngende Reihe des Westend Park ein, die sich von der N√§he der Charing Cro√ü ununterbrochen bis nach Kensington erstreckt und ein Areal von 319 Hektar hat. Dazu geh√∂ren St. James'Park mit der nach einem Ballspiel genannten Allee ¬ĽThe Mall¬ę, Green Park, Hyde Park (157 Hektar) und die mit pr√§chtigem Baumwuchs gezierten Kensington Gardens (92 Hektar). Am Hyde Park Corner, wo Green und Hyde Park zusammensto√üen, steht eine Reiterstatue Wellingtons und n√∂rdlich davon die sogen. Achillesstatue (zu Ehren Wellingtons), ferner am S√ľdrande der Kensington Gardens, an der Stelle, welche das 1851er Ausstellungsgeb√§ude einnahm, ein gro√üartiges Denkmal des Prinzen Albert (Albert Memorial). Der Hyde Park ist Sammelplatz der vornehmen Welt, der hier in der Rotten Row (route du roi) eine vorz√ľgliche Reitbahn, in der Ladies' Mile oder dem Ring eine sch√∂ne Fahrbahn geboten wird. Regent ' s Park (191 Hektar) mit dem ansto√üenden Primrose Hill Park (28 Hektar) dehnt sich n√∂rdlich vom Hyde Park aus, und in noch gr√∂√üerer Entfernung vom Westend liegen Finsbury Park (47 Hektar), Victoria Park (117 Hektar) und West Ham Park (32 Hektar), letzterer im fernsten Osten. Auf dem s√ľdlichen Ufer liegen Battersea Park (101 Hektar), Kennington Park (10 Hektar), Southwark Park (25,5 Hektar), Vauxhall Park, Dulwich Park (30 Hektar) und Greenwich Park (70,3 Hektar). Diesen eigentlichen Parken schlie√üt sich eine stattliche Reihe von Commons (Gemeindeweiden) an, unter denen Hampstead Heath im N., Clapham Common im SO. und Blackheath (¬Ľdie schwarze Heide¬ę) bei Greenwich die bedeutendsten sind. In s√§mtlichen Parken findet man Spiel- und Turnpl√§tze, und auch f√ľr das Baden sind in einigen unter ihnen Vorrichtungen getroffen. Sie wirken au√üerdem belehrend durch die in ihnen gepflegten ausl√§ndischen, stets mit Namen versehenen Gew√§chse. Mehrmals w√∂chentlich (auch Sonntags) spielt in ihnen eins der st√§dtischen Musikkorps. Unter den gro√üen Friedh√∂fen zeichnen sich diejenigen von Highgate, Kensal Green, Brompton und Norwood durch sch√∂ne Anlagen und sehenswerte Denkm√§ler aus. Die alten Kirchh√∂fe sind teilweise in G√§rten umgewandelt worden.

[Denkm√§ler.] Von den ca. 90 im Freien aufgestellten √∂ffentlichen Denkm√§lern sind nur wenige von hervorragend k√ľnstlerischem Wert. Von ihnen verherrlichen 26 Mitglieder des k√∂niglichen Hauses, 17 Kriegshelden oder kriegerische Ereignisse, 18 Staatsm√§nner, 7 Schriftsteller, 5 Gelehrte, 2 Maler, 4 Philanthropen etc. Unter allen diesen Denkm√§lern nimmt das des Prinzen Albert im Hyde Park (nach dem Entwurf des Architekten G. Scott), ein insgesamt 53 m hoher Bau mit 4,5 m hoher Statue des Prinzen und vielen andern Marmor- und Bronzestatuen, den vornehmsten Rang ein. Au√üerdem verdienen Beachtung die 44 m hohe Nelsons√§ule auf dem Trafalgar Square (von 1843), die schwerf√§llige, 38 m hohe S√§ule mit dem Standbild eines Herzogs von York auf dem Waterloo Place (von 1833), die 1671‚Äď77 nach Wrens Entwurf zur Erinnerung an den ¬Ľgro√üen Brand¬ę von 1666 errichtete S√§ule in der City, der auf dem Victoria Embankment aufgestellte 21 m hohe √§gyptische Obelisk (Kleopatras Nadel) und die zur Erinnerung an im Krimkriege gefallene fr√ľhere Sch√ľler errichtete 19 m hohe Westminster S√§ule im W. der Abtei. Unter den bedeutenden M√§nnern, die L. durch Denkm√§ler geehrt hat, sind die Dichter Shakespeare und Byron, die Schauspielerin Mrs. Sarah Siddons, die Gelehrten Newton, Hunter, Sloane, Jenner, Watt und Wilh. Siemens, die Schriftsteller Carlyle und Mill, die Maler Hogarth und Reynolds, die Ingenieure Stephenson und Brunel, der G√§rtner Paxton, die Staatsm√§nner Cromwell, Canning, Pitt, Fox, Peel, Palmerston, Derby, Beaconsfield, Cobden und Lord Lawrence, der Philanthrop Peabody, der Nordpolfahrer Franklin, die Kriegshelden Nelson, Wellington, Lord Clyde, Napier, Havelock, Outram und Gordon zu nennen.

Kirchliche Bauwerke.

Zur Zeit der Reformation war L. reich an Kirchen und Kl√∂stern, doch Heinrich VIII. r√§umte gewaltig unter den letztern auf. Der ¬Ľgro√üe Brand¬ę von 1666 zerst√∂rte 85 Kirchen, von denen nur 49 von Wren wieder aufgebaut wurden, so da√ü jetzt nur 25 Kirchen und Kapellen in ganz L. zu finden sind, die aus der Zeit der Reformation stammen. Unter allen diesen Kirchen steht die Westminsterabtei obenan (vgl. Stanley, Historical memorials of Westminster Abbey, 5. Aufl. 1882). Sie ist in Gestalt eines lateinischen Kreuzes gebaut, 156 m lang, im Querschiff 61,86 m breit und im Hauptschiff 31,1 m hoch. Von dem Turm, der sich am Kreuzungspunkte der Schiffe erheben sollte, besteht nur der Unterbau. Chor und Querschiff wurden an Stelle einer √§ltern Kirche 1245 bis 1269 errichtet, ein Teil des Langschiffes wurde 1307 vollendet; aber die westliche, von zwei 68,6 m hohen T√ľrmen eingefa√üte Fassade wurde erst 1483‚Äď1509 in Tudorgotischem Stil erbaut, und die T√ľrme wurden 1722‚Äď40 von Wren und Hawkesmore in verdorbenem Geschmack vollendet. Die Verh√§ltnisse des Innern sind gro√üartig; die H√∂he der Schiffe, Fenster und andrer Teile des Baues betr√§gt stets das Dreifache der Breite. Hinter dem Altar liegt die Kapelle Eduards des Bekenners, mit dem 1269 vollendeten Holzschrein dieses Heiligen. Das Chor umgibt ein Kapellenkranz, und √∂stlich schlie√üt sich an diesen die 1503‚Äď22 im reichsten gotischen Stil erbaute Kapelle Heinichs VII. an, deren f√§cherartig gew√∂lbte Decke ein Meisterwerk der Baukunst ist. Im Hauptschiff dieser Kapelle befindet sich das Grabmal des K√∂nigs und seiner Gemahlin Elisabeth von York, von einem zierlichen Bronzegitter umgeben, in der einen Seitenkapelle das der Maria Stuart, in der andern das ihrer Gegnerin Elisabeth. Die Zahl der im Innern der Kirche aufgestellten Denkm√§ler ist ungemein gro√ü. Im sogen. Dichterwinkel hat man den gr√∂√üten englischen Dichtern, von Chaucer bis auf unsre Zeiten, Denkm√§ler errichtet (nur Byron nicht). Die an die Kirche angebauten Kreuzg√§nge sind sorgf√§ltig wiederhergestellt worden. Einige alte Gew√∂lbe, darunter die Kammer der Pyx (wo in einer altmodischen Kiste Proben aller in England gepr√§gten M√ľnzen aufbewahrt werden) aus der Zeit Eduards des Bekenners, sto√üen an diese an, und ein Gang f√ľhrt von ihnen in das achteckige, 1250 erbaute Kapitelhaus. Im SW. der Abtei wird zur Erinnerung an das Jubil√§um der K√∂nigin Viktoria ein Church House gebaut, ein f√ľr kirchliche Zwecke bestimmter Geb√§udekomplex, von dem 1896 die Great Hall vollendet wurde. N√§chst der Westminsterabtei ist die St. Paulskathedrale die ber√ľhmteste Kirche Londons. Sie steht an Stelle der gotischen Kathedrale, die 1666 ein Raub der Flammen wurde, und ist 1675‚Äď1710 nach den Entw√ľrfen Wrens erbaut worden, als dessen Meisterwerk sie gilt. Die Baukosten beliefen sich auf 747,954 Pfd. Sterl., doch ist die Ausschm√ľckung der Kuppel erst 1894 vollendet. Die Kirche ist in Gestalt eines Kreuzes erbaut, 152,4 m lang, 36 m breit, das Querschiff 76 m lang; sie wird von einer doppelten Kuppel √ľberragt, die 32,9 m im Durchmesser hat. Die Spitze des Kreuzes auf der die Laterne √ľberragenden Kugel erreicht eine H√∂he von 111,25 m. Eine Freitreppe von 22 Marmorstufen an der Westfassade f√ľhrt zu einer 36,5 m breiten, 15,25 m hohen S√§ulenhalle von 6 S√§ulenpaaren korinthischen Stils, √ľber der 4 Paar S√§ulen gemischten Stils, 12,2 m hoch, einen zweiten Stock bilden. An beiden Seiten begrenzen 67,7 m hohe Glockent√ľrme (im s√ľdlichen h√§ngt die gr√∂√üte Glocke Englands, ¬ĽGreat Paul¬ę) diesen doppelten Portikus. Im Innern hat man ber√ľhmten Engl√§ndern Denkm√§ler aufgestellt, und in der Krypte liegen unter andern begraben Nelson, Wellington und der Erbauer der Kathedrale. Von den √ľbrigen Kirchen sind noch hervorzuheben: St. Bartholomew's in West-Smithfield, mit Chor und Kreuzschiff aus dem 12. Jahrh. und fr√ľhenglischem Portal, 1865 und 1886 restauriert; die Rundkirche der Tempelherren (s. unten); St. Saviour's in Southwark, mit Chor und Querschiff aus dem 13. Jahrh., 1890 bis 1896 restauriert, eins der bemerkenswertesten Beispiele des fr√ľhenglischen Stils; die 1354 erbaute Kirche in Austin Friars, die 1550 der niederl√§ndischen Gemeinde geschenkt wurde; die St. Helenenkirche aus dem 13.‚Äď15. Jahrh., 1893 restauriert; die Kirche St. Giles (im 14. Jahrh. erbaut, aber durch Feuer besch√§digt) mit dem Grabe Miltons. Unter den kleinern Kirchen, die Wren erbaute, verdienen St. Mary le Bow, gew√∂hnlich Bow (Bogen) Church genannt, mit zierlichem, 71,5 m hohem Turm und normannischer Krypte, St. Bride's in Fleet Street und St. Dunstan's im O. Beachtung. Inigo Jones erbaute die Paulskirche im Covent Garden (1645), Gibbs die Kirche St. Martin in the Fields am Trafalgar Square (1721‚Äď26), Shaw die zierliche St. Dunstanskirche im W. (1830‚Äď33), A. W. Pugin die kath. Kathedrale des heil. Georg in Lambeth (1840 bis 1848), Gilbert Scott in j√ľngerer Zeit die Pfarrkirchen von Camberwell und Kensington. Die St. Pancraskirche (von 1819) ist dem Erechtheum in Athen nachgebildet. Unter den zahlreichen Kirchen der Dissidenten sind nur wenige, die als Werke der Baukunst Beachtung verdienen, wie die Apostolische Kirche im fr√ľhgotischen Stil in Gordon Square. Wegen seiner Gr√∂√üe und innern Einrichtung (mit B√ľhne anstatt der Kanzel) war das vom Geistlichen Spurgeon erbaute Tabernakel bemerkenswert; es ist nach dem Brande von 1898 in kleinerm Ma√üstab wieder aufgebaut. √úberhaupt gibt es in L. 1269 gr√∂√üere dem Gottesdienst geweihte Geb√§ude, wovon 590 den Anglikanern, 586 den Dissidenten, 73 den Katholiken und 21 den Juden geh√∂ren.

√Ėffentliche Bauwerke, Pal√§ste etc.

An gro√üartigen √∂ffentlichen Bauten ist L. zwar nicht gerade arm, aber bei der Zerstreuung derselben √ľber die ganze Stadt fallen sie weniger in die Augen. Als architektonischer Glanzpunkt kann eigentlich nur der vom Parlamentsgeb√§ude und der Westminsterabtei √ľberschaute Parliament Square gelten. Seit Wilhelm dem Eroberer ist L. Landeshauptstadt, kann aber trotzdem keinen des Reiches w√ľrdigen k√∂niglichen Palast aufweisen. Der Tower, den, Wilhelm als Palast und Zwingburg baute, und der sp√§ter als Staatsgef√§ngnis diente, ist jetzt Kaserne und Arsenal (s. unten). Von dem von J. Jones vorgeschlagenen Prachtbau an Stelle des durch Feuer zerst√∂rten Palastes von Whitehall ist nur die Banketthalle vollendet, in der die Sammlungen des Royal United Service Museum untergebracht sind. St. James'Palace, die √§lteste k√∂nigliche Residenz Londons, stammt teilweise aus der Zeit Heinrichs VII., ist aber in architektonischer Beziehung ohne alle Bedeutung. Die wichtigern Hofzeremonien finden in demselben statt; aber der K√∂nig bewohnt den benachbarten Buckingham Palace, ein 1703 vom Herzog von Buckingham erbautes und 1825 umgestaltetes und erweitertes Geb√§ude mit h√ľbscher Fassade. in deutscher Renaissance (von Blore, 1846). Das Innere enth√§lt einige geschmackvolle R√§umlichkeiten, darunter den mit scharlachrotem Atlas behangenen Thronsaal und den 1856 vollendeten Ballsaal sowie eine wertvolle Sammlung von Gem√§lden und Skulpturen. Marlborough House, 1709‚Äď10 von Wren f√ľr den Herzog von Marlborough erbaut, steht neben dem St. James' Palace und ist Stadtresidenz des Prinzen von Wales. Kensington Palace, aus der Zeit Wilhelms III. stammend, wird von einigen Mitgliedern der k√∂niglichen Familie bewohnt. Die Wohnsitze des hohen Adels zeichnen sich weniger durch prachtvolle √§u√üere Ausstattung als durch behagliche Einrichtung des Innern und ihren Gehalt an wertvollen Kunstsch√§tzen aus. Der ehrw√ľrdigste unter ihnen ist Lambeth Palace, die Stadtresidenz des Erzbischofs von Canterbury, am rechten Themseufer, oberhalb der Parlamentsgeb√§ude. Die 1244‚Äď70 erbaute Kapelle ist der √§lteste Teil desselben, und der sogen. Lollardturm, in dem die Lollarden oder Wiclifiten gefangen gehalten wurden, stammt aus dem 15. Jahrh. Stafford House am St. James' Park, Sitz des Herzogs von Sutherland, Bridgewater House (Earl von Ellesmere) am Green Park, Apsley House (Herzog von Wellington) am Hyde Park Corner, Grosvenor House (Herzog von Westminster), √∂stlich vom Hyde Park, Lansdowne House am Berkeley Square und Hertford House am Manchester Square mit der sch√∂nen Wallace-Sammlung, die 1897 dem Staate vermacht wurde, sind wohl die beachtenswertesten unter ihnen und enthalten s√§mtlich wertvolle Kunstsch√§tze. Holland House, im W. der Kensington Gardens, jetzt dem Lord Ilchester geh√∂rig, ist durch historische Erinnerungen interessant. Northumberland und Burlington House bestehen nicht mehr; aber in der City kann der Wi√übegierige noch einen Einblick in einen aus dem 15. Jahrh. stammenden Palast im gotischen Stil gewinnen (Crosby Hall), der jetzt als Speisewirtschaft dient.

Unter den Staatsgeb√§uden steht obenan der neue Palast von Westminster oder das Parlamentsgeb√§ude, an Stelle des 1834 durch Feuer zerst√∂rten alten Palastes errichtet und jedenfalls der gr√∂√üte gotische Bau der Neuzeit. Erbauer des Palastes war Charles Barry. Der Bau begann 1837, und das √Ąu√üere wurde 1868 mit einem Kostenaufwand von fast 3 Mill. Pfd. Sterl. vollendet. Der gewaltige Bau bedeckt einen Fl√§chenraum von 3,24 Hektar und enth√§lt 11 H√∂fe und 1100 R√§ume, teilweise von gro√üartigen Verh√§ltnissen. Die dem Flu√ü zugewandte, 275 m lange Hauptfassade ist mit den Statuen der englischen Herrscher von Wilhelm dem Eroberer bis Viktoria geschm√ľckt, jedoch ziemlich einf√∂rmig; sch√∂ner ist die westliche Fassade, weil sie reichere Abwechselung bietet. An der nordwestlichen Ecke steht der viereckige, 97,5 m hohe Glockenturm mit der 140 dz schweren Stephansglocke. In der Mitte des Geb√§udes erhebt sich der 91 m hohe, zierliche Mittelturm und an seiner s√ľdwestlichen Ecke der bis zu den Zinnen 102,4 m hohe Viktoriaturm mit 19,8 m hohem Portal, durch das der K√∂nig bei Er√∂ffnung des Parlaments einf√§hrt. Die 1397‚Äď99 erbaute Westminster Hall ist dem Parlamentsgeb√§ude einverleibt worden. Sie ist 73,2 m lang, 20,5 m breit, 28 m hoch und hat ein vielbewundertes Holzdach. Eine Treppe f√ľhrt von ihr hinab in die unterirdische St. Stephanskapelle, einen Rest des alten Palastes, 1290‚Äď1345 erbaut und in j√ľngster Zeit gl√§nzend restauriert. Das Innere des Geb√§udes durch Westminster Hall betretend, gelangen wir zuerst in die St. Stephen's Hall, in der die Bilds√§ulen von zw√∂lf ber√ľhmten Parlamentsmitgliedern aufgestellt sind, und die reichverzierte achteckige Central Hall, 18,28 m im Durchmesser und 24 m hoch. Zur Linken derselben liegt das gesch√§ftsm√§√üig eingerichtete Haus der Gemeinen (das indes nicht s√§mtliche Mitglied er zu fassen vermag), zur Rechten das prunkvoll ausgestattete Haus der Lords. Hinter letzterm liegt eine Reihe von R√§umen, die der K√∂nig bei Er√∂ffnung des Parlaments durchschreitet. Im Prinzengemach steht eine Bilds√§ule der K√∂nigin Viktoria (von J. Gibson); in der n√§chstliegenden Royal Gallery befinden sich die ber√ľhmten Fresken von D. Maclise, den Tod Nelsons und das Zusammentreffen Wellingtons mit Bl√ľcher bei Waterloo darstellend. √úberhaupt ist sowohl das √Ąu√üere als das Innere des Geb√§udes mit Werken der Bildhauerkunst und Skulpturen √ľberreich verziert. Die breite Stra√üe Whitehall ist dazu bestimmt, Mittelpunkt der Regierungs√§mter zu werden. 1868‚Äď73 ist dort ein gewaltiger Bau (Public Offices) im italienischen Stil nach Pl√§nen von G. G. Scott entstanden, in dem die Ministerien des Innern, der Kolonien, Indiens und der ausw√§rtigen Angelegenheiten ein w√ľrdiges Unterkommen gefunden haben, w√§hrend s√ľdlich davon eine Reihe von andern Regierungsbauten seit 1900 errichtet wird. Die Fassade der Public Offices ist 96,7 m lang, und das Geb√§ude erstreckt sich bis zum St. James' Park. Sein √Ąu√üeres sowohl als die H√∂fe sind mit Skulpturen reich verziert. Die vielgenannte Downing Street trennt diesen Bau von dem Schatzkammeramt (Treasury buildings), das die Bureaus des ersten Ministers (Lord High Treasurer), des Unterrichtsministeriums und des Geheimen Rates enth√§lt. Die von Barry 1846‚Äď47 einem h√§√ülichen alten Geb√§ude angepa√üte Fassade hat eine L√§nge von 90 m. Hinter demselben liegt das unansehnliche Finanzministerium, dem der Chancellor of the Exchequer vorsteht. Weiter in der Stra√üe fortschreitend, erreichen wir die ¬ĽHorse Guards¬ę, zwei Schildwachen zu Pferde, beim Amtslokal des Oberbefehlshabers der Armee, einem unansehnlichen Bau (mit Uhrturm) von 1753. Gegen√ľber ist das neue Kriegsministerium nach Pl√§nen von Young errichtet. Am Strand, bei der Waterloobr√ľcke, liegt Somerset House, das Meisterwerk Sir W. Chambers', 1776‚Äď86 im Stil Palladios erbaut und 1828, bez. 1856 durch zwei Fl√ľgel erweitert, mit 240 m langer Fassade nach der Themse hin und sch√∂nem Hof mit dem Denkmal Georgs III. (von Bacon). In ihm befinden sich die Oberrechenkammer, das Standes- und das Steueramt. Die Record Office (Staatsarchiv), ein 1851‚Äď66 und 1891‚Äď96 feuerfest ausgef√ľhrter gotischer Bau mit dickem viereckigen Turm, liegt versteckt in einer Hintergasse bei Fleet Street. Das von Smirke 1825‚Äď29 errichtete Hauptpostamt (General Post Office East) liegt bei der St. Paulskirche und hat eine 120 m lange Fassade mit ionischem Portikus. Ihm gegen√ľber steht die 1870‚Äď73 errichtete General Post Office West mit dem Zentraltelegraphenamt. N√∂rdlich vom erstgenannten ist ein drittes General Post Office North 1890‚Äď95 f√ľr die oberste Postbeh√∂rde errichtet worden. Trinity House (1793‚Äď95 erbaut), Sitz der mit dem Lotsenwesen und den Leuchtt√ľrmen betrauten Beh√∂rde, und die k√∂nigliche M√ľnze (1811 erbaut, 1881‚Äď82 bedeutend vergr√∂√üert) befinden sich an der Ostseite von Tower Hill. Unter den st√§dtischen Geb√§uden sind hervorzuheben die Guildhall oder das Rathaus, 1411‚Äď31 erbaut, aber sp√§ter vielfach restauriert. Die gro√üe Halle, in der die st√§dtischen Festlichkeiten stattfinden, ist 46,6 m lang, 15,2 m breit, 16,8 m hoch und enth√§lt auch einige Denkm√§ler; G√§nge f√ľhren von ihr in die st√§dtische Bibliothek und das Museum (1870‚Äď73 erbaut) sowie in einige der st√§dtischen Gerichtsh√∂fe. Das Mansion House, die Amtswohnung des Lord-Mayors, ward 1739‚Äď52 von Dance ausgef√ľhrt und hat einen korinthischen Portikus von sechs S√§ulen. Unter seinen R√§umen ist die sogen. √Ągyptische Halle der bedeutendste. Ihm gegen√ľber liegen die 1842‚Äď44 erbaute B√∂rse (Royal Exchange) mit stattlichem korinthischen Portikus und die hinter einer ornamentalen Mauer versteckte Bank von England.

Die obersten Gerichtsh√∂fe des Landes tagen seit 1882 in dem nach den Pl√§nen Streets errichteten ziemlich schwerf√§lligen, gotischen Bau, der nach dem Strand zu eine Fassade von 152 m hat, so recht in der Mitte des Advokatenviertels und seiner Inns of Court. Diese Inns sind Eigentum der vier gro√üen Advokateninnungen, die sie durch Kauf oder Schenkung erworben haben. Die vornehmste der Inns, der Temple, war 1184‚Äď1313 im Besitz der Tempelherren und bis 1346 der Johanniter. Au√üer zahlreichen Wohnh√§usern befinden sich im Umkreis des von Fleet Street bis zur Themse reichenden innern und mittlern Temple (einen √§u√üern Temple gibt es nicht mehr) eine 1185 in normannischem Stil erbaute Rundkirche (1842 restauriert) mit im 13. Jahrh. angef√ľgtem fr√ľhenglischen Chor, die zwei ¬ĽHallen¬ę oder gemeinschaftlichen Versammlungslokale und eine 1861 errichtete Bibliothek. Lincoln's Inn hat eine von Inigo Jones 1621‚Äď23 erbaute Kapelle und eine pr√§chtige, im Tudorstil 1845 ausgef√ľhrte Halle mit daransto√üender Bibliothek. Noch weiter nach N. hin, jenseit Holborn, liegt Gray's Inn mit 1560 erbauter Kapelle, fr√ľher Klostereigentum, aber von Heinrich VIII. den Rechtsgelehrten √ľberlassen.

L. hat zwar nur wenige gro√üe Kasernen (die ganze Garnison, einschlie√ülich Woolwich, besteht nur aus 5 Bataillonen Infanterie, 2 Regimentern Gardereiterei und 12 Batterien, zusammen [1901] 10,058 Mann, darunter 151 Offiziere), besitzt aber trotzdem einige Milit√§rbauten von hohem Interesse. Unter ihnen ist der ehrw√ľrdige Tower unterhalb der City, am Themseufer, am merkw√ľrdigsten. Derselbe bedeckt eine Oberfl√§che von 5,5 Hektar, ist von einem tiefen, jetzt trocknen Graben umschlossen und hat in der Geschichte Englands als Festung, Gef√§ngnis, Schatzkammer, Zeughaus und k√∂nigliche Residenz eine merkw√ľrdige Rolle gespielt (vgl. Dixon, Der Tower von L., deutsch, Berl. 1870, 2 Bde.). Der ¬Ľweiste Turm¬ę in der Mitte ist der √§lteste Teil und wurde 1078 von Wilhelm dem Eroberer gebaut. Er enth√§lt eine normannische Kapelle und einen geschmackvoll geordneten Vorrat von 60,000 Gewehren. An ihn schlie√üt sich eine wertvolle und gut geordnete Waffensammlung an. Unter den andern T√ľrmen sind historisch merkw√ľrdig: der Beauchamp Tower, im 13. Jahrh. erbaut, in dem die beiden Grafen Warwick bis zu ihrem Tode gefangen sa√üen; der Bloody Tower, in dem die Kinder Eduards IV. ermordet wurden; der Brick Tower, welcher der Jane Gray als Gef√§ngnis diente; der Record Tower, der fr√ľher das k√∂nigliche Archiv enthielt, und in dem jetzt ein Teil der Kronjuwelen aufbewahrt wird. Die k√∂niglichen Gem√§cher, in denen Anna Boleyn bis zu ihrem Tode wohnte, wurden 1688 abgebrochen. Die neue Kaserne steht an Stelle des alten Zeughauses. Auf dem innern Hofraum fielen die K√∂pfe zweier Gemahlinnen Heinrichs VIII. (Anna Boleyn und Katharina Howard), der K√∂nigin Jane Gray und des Grafen Essex. Sie sowohl als die 1389 bis 1746 auf dem Towerh√ľgel gerichteten ¬ĽHochverr√§ter¬ę haben in der unansehnlichen Kirche St. Peter ad Vincula (1272‚Äď1307 erbaut, 1877 wiederhergestellt) ihre letzte Ruhest√§tte gefunden. Das von Karl II. gestiftete, von Wren erbaute Chelsea Hospital ist ein Invalidenhaus f√ľr Soldaten. Greenwich Hospital ist der neugegr√ľndeten Marineakademie √ľberlassen worden (s. Greenwich).

Unter den Geb√§uden, die der Kunst und Wissenschaft dienen, geb√ľhrt auch architektonisch dem Britischen Museum (s. d.) der vornehmste Rang. W√§hrend die Nationalgalerie in einem √§u√üerlich unansehnlichen, 1832‚Äď38 errichteten, sp√§ter erweiterten Geb√§ude untergebracht ist, wurde f√ľr die 1856 gegr√ľndete Sammlung von ber√ľhmten M√§nnern und Frauen Englands (National Portrait Gallery) 1890 bis 1896 ein stattliches Geb√§ude im italienischen Renaissancestil errichtet. Zwischen Lambeth- und Vauxhallbr√ľcke liegt an der Stelle des fr√ľhern Zellengef√§ngnisses die von Sir Henry Tate der Nation geschenkte National Gallery of British Art; sie ist 1897 von Sidney R. J. Smith im klassischen Stil erbaut. Bemerkenswert ist auch das seit 1854 vom Staat erbaute Neue Burlingtonhaus, in dem die Royal Society und andre gelehrte Gesellschaften ihren Sitz haben. Der Hauptbau, in italienischem Geschmack, liegt an Piccadilly. Ein hoher Torweg f√ľhrt in den Hof, dessen Hintergrund das Haus der k√∂niglichen Akademie der K√ľnste einnimmt. N√∂rdlich davon liegt der Palast der Londoner Universit√§t, 1869‚Äď72 im Renaissancestil erbaut, mit zahlreichen Statuen. Ferner verdienen Erw√§hnung das Museum in South Kensington (s. Kensington-Museum), das ebendort 1873‚Äď80 im romanischen Stil von Waterhouse erbaute Naturgeschichtliche Museum und das Imperial Institute (s. Kensington). Unter den gro√üen Bahnh√∂fen geb√ľhrt die Palme der St. Pancras Station, deren gew√∂lbtes Dach einen Raum von 213 m L√§nge bei 73 m Breite bedeckt. Unter den Theatern ist nur ein einziger monumentaler Bau, n√§mlich Covent Garden, der aber einen Vergleich mit √§hnlichen Anstalten auf dem Kontinent kaum zul√§√üt. Bemerkenswert ist hingegen die 1867‚Äď71 errichtete Alberthalle (Royal Albert Hall) im Hyde Park, eirund, 83 m lang, 72 m breit und mit Sitzpl√§tzen (ohne die Galerie) f√ľr 5266 Zuschauer nebst Orchester und Chor von 1000 Personen. Der Kristallpalast in Sydenham (s. Sydenham) ist ein Geb√§ude, dem keine andre Stadt √Ąhnliches an die Seite zu stellen hat. Beachtung verdienen ferner: St. Thomas' Hospital (1868‚Äď71 erbaut), an der Themse, dem Parlamentsgeb√§ude gegen√ľber; das Bethlehem Hospital (Bedlam), aus dem Mittelalter stammend, aber 1812 neu erbaut, mit weithin sichtbarer Kuppel; mehrere gro√üe Hotels (Metropole, Savoy, Cecil, Holborn Viaduct, Midland Grand Hotel, Claridge's u.a.) und Restaurants (Criterion, Holborn) und viele Klubh√§user. Unter letztern ist das des National Liberal Club (1887) am Themsedamm das gr√∂√üte, wird aber in architektonischer Beziehung von den Prachtbauten in Pall Mall in den Schatten gestellt.

Wasser, Licht, Kanalisation. Verkehrsanstalten.

L. und die n√§chste Umgebung wird durch acht Gesellschaften, die √ľber ein Aktienkapital von 19,7 Mill. Pfd. Sterl. verf√ľgen, mit Wasser versorgt (t√§glich 1501 auf 1 Person). 60 Proz. alles Wassers wird der obern Themse entnommen, der Rest aus dem Tal des Lea und der Grafschaft Kent; die erste Wasserleitung wurde 1606 unter Leitung H. Myddletons angelegt. 1902 wurde ein Metropolitan Water Board errichtet, das den Ankauf der Wasserwerke herbeif√ľhren soll. Gasbeleuchtung ist seit 1812 eingef√ľhrt. Die 16 jetzt bestehenden Gasgesellschaften, darunter 3 gro√üe, liefern j√§hrlich 1000 Mill. cbm Gas. Das elektrische Licht ist seit 1878 eingef√ľhrt und findet immer mehr Verwendung. Die Abfuhr des Unrats geschieht durch ein gro√üartiges, 1859‚Äď75 mit einem Aufwand von 4,5 Mill. Pfd. Sterl. hergestelltes System von Abzugskan√§len (sewers). Dieselben haben eine L√§nge von 4000 km und f√ľhren den Unrat nach zwei unterhalb der Londonbr√ľcke bei Barking und Cro√üne√ü liegenden Reservoirs, von wo er durch Dampfmaschinen bei der Ebbe in die Themse gepumpt wird. Das Wegschwemmen der fl√ľssigen Bestandteile √ľberl√§√üt man der Flut, w√§hrend die festen Stoffe (√ľber 2 Mill. Ton. j√§hrlich) durch Dampfer ins Meer geschafft werden.

Die gro√üen Eisenbahngesellschaften haben ihre Bahnh√∂fe entweder im Innern der Stadt selbst oder sind mit demselben durch teilweise unterirdische Bahnen verbunden. Von den 17 Hauptbahnh√∂fen sind namentlich gro√üartig die beim Charing Cro√ü, in der Cannon Street und beim King's Cro√ü. Dem Verkehr auf dem linken Themseufer dienen wesentlich die Untergrundbahn zwischen Kensington und Aldgate, die einen innern Ring von 21 km L√§nge mit 27 Stationen bildet, und die 1900 er√∂ffnete elektrische Londoner Zentral bahn, die in zwei parallelen Tunnels von Shepherds Bush nach der Bank f√ľhrt, endlich die schon erw√§hnten elektrischen Untergrundbahnen (City and South Street und Waterloo and City E. R., 1890, bez. 1898 er√∂ffnet). Eine Untergrundbahn zwischen Finsbury Park und Moorgate Street ist 1904 er√∂ffnet und eine zwischen Baker Street und Waterloo Station im Bau. Ein wichtiges Verkehrsmittel sind die Stra√üenbahnen, teilweise schon mit elektrischem Betrieb, die in allen Stadtteilen au√üer der City und dem vornehmsten Teil des Westend verkehren und eine Verbindung mit den entlegenern Vororten herstellen. Ferner sind 2200 Omnibusse und 11,000 Droschken (darunter 7000 zweir√§derige Hansoms) konzessioniert. Kleine Dampfer befahren die Themse. 1904 wurden durch die Stra√üenbahnen 156,8 Mill. und durch die beiden Omnibusgesellschaften 289 Mill. Personen bef√∂rdert. N√§heres s. im Artikel ¬ĽStadtbahnen¬ę mit Tafel (Karte von L.).

Bevölkerungsverhältnisse.

Seiner Einwohnerzahl nach ist L. die bev√∂lkertste Stadt der Erde, selbst innerhalb der Grenzen, die 1888 f√ľr die Grafschaft L. gew√§hlt sind (303 qkm mit [1901] 4,536,541 Einw.). Nun liegen aber jenseit dieser Grenzen und namentlich im O. des Lea (West Ham) ganz bedeutende Stadtteile, die innig mit L. verwachsen sind, und auch viele der weiter entfernten Vorst√§dte und St√§dte k√∂nnen f√ľglich als Teile der Metropole betrachtet werden, so da√ü ¬ĽGro√ü-L.¬ę (Greater L.) einschlie√ülich der City und des hauptst√§dtischen Polizeibezirks, der au√üer der Grafschaft L. die Verwaltungsgrafschaft Middlesex und 39 Kirchspiele in Surrey, 19 in Kent, 15 in Essex und 16 in Hertfordshire umfa√üt, ein Areal von 1794,4 qkm (32,6 QM.) bedeckt und (1901) 6,581,372 Einw. z√§hlt. Die Bev√∂lkerung hat namentlich seit Anfang des 19. Jahrh. rasch zugenommen. 1600 z√§hlte L. erst 150,000 Einw., 1801: 959,310, 1821: 1,378,947, 1841: 1,948,417, 1861: 2,803,989, 1881: 3,834,194, 1891: 4,232,118 und 1901: 4,536,541 Einw. 1904 wurde sie auf 4,648,950 Seelen berechnet. Diese Zunahme verteilt sich indes sehr verschieden auf die einzelnen Stadtteile und geh√∂rt im wesentlichen der Peripherie an. In den Jahren 1891‚Äď1901 betrug die Zunahme f√ľr ganz L. 7,8 Proz. (im Zeitraum 1841‚Äď51 dagegen 21,2 Proz.); in der City und sechs der innern Metropolitan boroughs fand eine Abnahme um 67,000 Personen statt, obwohl der Geburten√ľberschu√ü fast 70,000 K√∂pfe betrug. Diese Erscheinung ist schon seit 1851 beobachtet worden und erkl√§rt sich daraus, da√ü in der innern Stadt Wohnh√§user mehr und mehr in Waren- und Gesch√§ftsh√§user umgewandelt werden und die Bev√∂lkerung nach den √§u√üern Stadtteilen und Vororten verzieht. W√§hrend in der Grafschaft L. die Zunahme im letzten Jahrzehnt nur 308,224 Personen betrug, erreichte sie in den Vorst√§dten, welche die eigentliche Metropole zum Polizeibezirk erg√§nzen, 639,342 K√∂pfe (45,5 Proz.), so da√ü ¬ĽGro√ü-L.¬ę seit 1891 eine Zunahme von 16,8 Proz. (in den beiden vorhergehenden Z√§hlungsperioden 22,7, bez. 18,2 Proz.) aufzuweisen hat. In der City ist die Bev√∂lkerung im Zeitraum 1891‚Äď1901 von 37,702 auf 26,923 Personen gesunken. Im Jahrzehnt 1891‚Äď1901 wurden in L. 390,079 Eheschlie√üungen, 1,329,428 Geburten und 838,454 Todesf√§lle gemeldet, so da√ü der Geburten√ľberschu√ü 490,974 Personen betrug. Da die Zunahme der Bev√∂lkerung nur 308,224 Seelen betrug, so ergibt sich ein Verlust durch Auswanderung von 182,750 Seelen. Die Gesundheitsverh√§ltnisse sind besser als in irgend einer andern Gro√üstadt. Noch 1840‚Äď50 kamen auf 1000 Lebende j√§hrlich 24,8 Todesf√§lle, 1891‚Äď1900 nur 19,2. Von der Gesamtbev√∂lkerung kamen auf 1000 M√§nner 1118 Frauen. Den Altersklassen nach sind 1901: 29,93 Proz. unter 15 Jahre alt, 20,27 Proz. z√§hlen 15‚Äď25 Jahre, 30,86 Proz. 25‚Äď45 Jahre, 14,84 Proz. 45‚Äď65 Jahre und 4,10 Proz. √ľber 65 Jahre. Von √ľber 20 Jahre alten Personen sind 61,8 Proz. der M√§nner und 53,3 Proz. der Frauen verheiratet, 5,7 Proz. der M√§nner und 13,4 Proz. der Frauen verwitwet.

Die Zusammensetzung der Bev√∂lkerung ist sehr mannigfaltig. Von 1000 Bewohnern sind nur 664,9 in L. geboren, 265,0 stammen aus dem Rest von England und Wales, 12,5 sind geborne Schotten, 13,3 Irl√§nder, 1,2 von den umliegenden Inseln, 7,3 aus britischen Kolonien und 35,4 Ausl√§nder. Unter den 161,222 im Ausland Gebornen sind indes 25,843 Kinder britischer Eltern oder naturalisiert, so da√ü nur 135,377 wirkliche Ausl√§nder (foreigners) verbleiben, und unter diesen z√§hlt man 38,117 Russen, 27,427 Deutsche, 15,420 Polen, 11,264 Franzosen, 10,889 Italiener, 6189 √Ėsterreicher, 5561 aus den Vereinigten Staaten von Amerika, 4419 Schweizer, 4249 Niederl√§nder, 2102 Belgier etc. Einschlie√ülich ihrer naturalisierten Landsleute und der in England gebornen Kinder d√ľrfte sich die deutsche Bev√∂lkerung Londons (mit Deutschen, Schweizern und √Ėsterreichern) auf 44,000 Seelen belaufen, wovon 17,000 weiblichen Geschlechts. Die Deutschen hatten bereits im 10. Jahrh. in L. eine Kolonie. Die Hanseaten erhielten 1266 einen Freibrief; 1473 wurde ihnen ihr Stapelhof (steel-yard) gegen Zahlung einer Jahresmiete von 70 Pfd. Sterl. √ľberlassen und blieb im Besitz der Hansest√§dte, bis er 1866 an eine Eisenbahngesellschaft verkauft wurde. Jetzt steht der Bahnhof in Cannon Street an dessen Stelle. Die Deutschen besitzen in L. 10 protestantische, eine Methodisten- und eine kath. Kirche (einschlie√ülich einer Hofkapelle), mit denen mehrfach Volksschulen vereinigt sind, eine Synagoge, einen Klub (German Athenaeum), eine gro√üe Turnhalle, ein Hospital und ein Waisenhaus (Kaiser Wilhelm-Stiftung) in Dalston, einen Verein deutscher Lehrerinnen, Arbeiterklubs, Gesangvereine etc. Auch erscheinen zwei deutsche Wochenbl√§tter. Dem Beruf nach sind unter den Deutschen am zahlreichsten vertreten: Kaufleute, B√§cker, Schneider, Dienstboten, Zuckersieder, Schuster, Uhrmacher, Tischler, Musiker, Kellner, Lehrer und Gouvernanten, K√ľrschner, Maler und Bildhauer, √Ąrzte, Schriftsteller etc.

Dem religi√∂sen Bekenntnis nach gibt es in L. etwa 160,000 Katholiken, 550,000 protestantische Dissidenten und (1903) 106,550 Juden. Der Rest geh√∂rt der Staatskirche an oder k√ľmmert sich nicht um Religion. Die Londoner Geistlichkeit setzt sich (1901) zusammen aus 2309 Geistlichen der Staatskirche, 912 andrer protestantischer Bekenntnisse, 372 r√∂misch-katholischen, ferner 1074 m√§nnlichen und 1508 weiblichen Missionaren, Bibellesern etc., 21 M√∂nchen und 1326 Nonnen und Barmherzigen Schwestern.

Erwerbszweige.

Bei einer Großstadt von der Bedeutung Londons ist es von höchstem Interesse, einen Einblick in die Verteilung der Berufsarten zu gewinnen. Nach der Volkszählung von 1901 waren von den mehr als 10 Jahre alten Bewohnern Londons 31,57 Proz. im Gewerbe, 11,18 im Handel und Verkehr, 0,26 in Landwirtschaft und Fischerei beschäftigt, 10,61 Proz. waren Dienstboten, 5,27 Beamte, Militärs oder in gelehrten Berufen und 41,11 ohne Beschäftigung (von Männern 16,86 Proz., von Frauen 62,62 Proz.). Die Verteilung auf die einzelnen Berufsarten zeigt folgende Übersicht.

Tabelle

Die Wohnverh√§ltnisse sind im allgemeinen g√ľnstig, denn bei (1901) 571,768 bewohnten H√§usern kommen nur 7,93 Seelen auf ein Haus und 14,972 Einw. auf 1 qkm. Einzelne Stadtteile sind indes √ľberv√∂lkert. Obwohl im Durchschnitt auf ein Haus noch nicht zwei Wohnungen entfallen, so bestanden 1901 von den 1,019,546 Wohnungen Londons 149,524 (1891 noch 172,502) nur aus einem Zimmer, und dies wurde in 1802 (1891 noch 4097) Wohnungen von 6 oder mehr Personen bewohnt. Diesen Mi√üst√§nden helfen die seit 1841 von Privaten und seit 1875 auch von der Stadt gebauten Arbeiterwohnungen allm√§hlich ab.

Industrie und Handel.

Industrie. L. ist vorwiegend Handelsstadt, steht aber in gewissen Zweigen der Industrie an der Spitze aller St√§dte Englands. Seine Druckereien (37,249 Buchdrucker, darunter 2284 Frauen) geh√∂ren zu den gr√∂√üten der Welt; die M√∂belschreinerei besch√§ftigt 35,324, der Maschinenbau 53,791, der Bau von Wagen, Fahrr√§dern und Motorwagen 12,169, der Schiffbau 3744, die Elektrizit√§tsindustrie 12,231, die Industrie in edlen Metallen u. Juwelen 9007 Personen. Es gibt 64,503 Schneider (davon 33,114 Frauen), 84,187 Arbeiter f√ľr Damenkleider und Putz (davon 79,986 Frauen), 32,577 Hemdenmacher, 30,673 Schuhmacher und 4568 Hutmacher. Musikalische, chirurgische und optische Instrumente, Uhren, Messerwaren, Sattler- und Lederwaren liefert L. in vorz√ľglicher G√ľte. Seine Gerbereien, T√∂pfereien, Zuckersiedereien, Zigarrenfabriken, chemischen, Handschuh-, M√∂bel-, Wagen-, Gewehr-, Glas- und Tapetenfabriken erfreuen sich des besten Rufes. Seine Bierbrauereien (3406 Arbeiter) liefern namentlich Porter (Schwarzbier), seine Brennereien Gin.

Handel. Wenn auch alle gewerblichen Anstalten zusammen 1,136,082 Menschen besch√§ftigen, so ist es doch der Handel, der L. seinen Charakter ausdr√ľckt. Unter den Anstalten, welche die Bestimmung haben, denselben zu f√∂rdern, nimmt die 1694 gegr√ľndete Bank von England mit einem Stammkapital von 14,553,000 Pfd. Sterl. die erste Stelle ein (Weiteres s. Banken, S. 346). Neben der Bank von England bestehen etwa 250 Banken und Bankiers. Einer Anzahl derselben ist ein Ausgleichsamt (Clearinghouse) gemeinschaftlich, durch dessen Vermittelung die Wechsel und Kassenanweisungen umgetauscht werden. 1902 kamen hier 10,029 Mill. Pfd. Sterl. zur Verrechnung. Der Bank gegen√ľber steht die B√∂rse (Royal Exchange, s. Tafel ¬ĽB√∂rsengeb√§ude III¬ę, Fig. 1 u. 2) mit Lloyd's Subscription Rooms, ein Mittelpunkt des Verkehrs f√ľr alle, die an der Reederei Interesse nehmen. Ferner gibt es in L. eine Aktienb√∂rse (Stock Exchange), eine Kohlenb√∂rse, Kornb√∂rse, Hopfen- und Wollb√∂rse. ‚Äď In bezug auf den innern Verkehr ist noch der 14 Markthallen zu gedenken. Unter ihnen sind die von der City erbauten Hallen f√ľr Fleisch, Gefl√ľgel, Fische auf dem Smithfield, Billingsgate und Shadwell Market (f√ľr Fische) an der Themse, die Viehm√§rkte in Islington und bei Deptford an der Themse die wichtigsten; Covent Garden Market (f√ľr Gem√ľse und Blumen) liegt im Westend; bei Tattersall's s√ľdlich vom Hyde Park ist der Hauptpferdemarkt.

Hafen und Docks. Der Hafen Londons erstreckt sich von der Londonbr√ľcke bis zur Themsem√ľndung, und der der Br√ľcke zun√§chst gelegene Teil ist als ¬Ľthe Pool¬ę bekannt. Gro√üartig sind die seit 1800 s√§mtlich von Aktiengesellschaften erbauten Docks auf beiden Themseufern, in denen etwa 15,000 Menschen besch√§ftigt sind. Sie erstrecken sich vom Tower, wo die Flut 5,3 m steigt, bis Tilbury, gegen√ľber Gravesend, und haben eine Wasserfl√§che von 300 Hektar nebst einem Areal von 550 Hektar f√ľr Warenh√§user und Gew√∂lbe. Die √§ltesten und wichtigsten unter ihnen sind die London Docks, 1805 er√∂ffnet, 40,5 Hektar gro√ü und von gro√üartigen Warenh√§usern (namentlich f√ľr Tabak und Kolonialwaren) und Weinkellern umgeben. Die Katharinendocks (9,8 Hektar) liegen oberhalb dieser London Docks, die West India Docks (s. Tafel ¬ĽHafenanlagen¬ę, Fig. 2), aus drei Docks bestehend (zusammen 98 Hektar), Millwall (40 Hektar), East India (30 Hektar), Victoria und Albert (255 Hektar) und Tilbury (238 Hektar) Docks unterhalb der erstgenannten. Auf dem jenseitigen Ufer der Themse liegen die Surrey Commercial Docks (140 Hektar). Die Aussicht √ľber die Docks, den Hafen und die Themseschiffahrt f√ľhrt ein Board (Thames Conservancy) von 38 Mitgliedern.

Schiffahrt und Seehandel. L. ist unstreitig der erste Seehafen Englands und somit der Welt. Nur Liverpool kann mit ihm einen Vergleich aushalten; der Tonnengehalt seiner Schiffe √ľbertrifft sogar bedeutend (um 600,000 Ton.) jenen der Londoner Schiffe und der Wert seiner Ausfuhr aus den benachbarten Fabrikbezirken denjenigen der Ausfuhr Londons. Anderseits aber ist der Schiffsverkehr Londons infolge der st√§rkern Einfuhr und der gro√üen Ausdehnung der K√ľstenschiffahrt reger, und der Wert der eingef√ľhrten Waren ist bedeutend h√∂her. L. besa√ü 1903: 3190 Seeschiffe von 2,012,986 Ton. Gehalt, einschlie√ülich von 1811 Dampfern (1853: 3365 Schiffe von nur 792,672 T. Gehalt). 1903 liefen 27,359 Schiffe von 17,075,313 T. Gehalt ein, darunter im K√ľstenhandel 15,687 Schiffe von 6,116,574 T., es liefen aus 27,769 Schiffe von 16,407,708 T., davon in der K√ľstenschiffahrt 19,182 Schiffe von 8,302,818 T. Der Tonnengehalt der beladenen Schiffe betrug im Eingang 16,430,642 T., im Ausgang nur 9,376,247 T. Die Einfuhr vom Ausland und den Kolonien hatte 1903 (einschlie√ülich Queenborough) einen Wert von 173,132,088 Pfd. Sterl., und ausgef√ľhrt wurden britische Produkte im Wert von 59,607,799 Pfd. Sterl. und ausl√§ndische Produkte im Wert von 35,369,469 Pfd. Sterl. Zur Einfuhr kamen besonders Seidenwaren (Wert 3,3 Mill. Pfd. Sterl.), Schafwolle (15 Mill.), Rohbaumwolle und Baumwollwaren (3,2 Mill.), Getreide (13 Mill), Tiere (3,7 Mill.), Hammelfleisch (5,4 Mill.), Tee (9,5 Mill.), Butter, Zucker, Wein, Spirituosen, Holz, Leder, Flachs, Hanf, Kupfer, Blei, Maschinen etc. Die wichtigsten Artikel der Ausfuhr waren Baumwollwaren (6,4 Mill. Pfd. Sterl.), Metalle (6,6 Mill.), wollene Waren (3,7 Mill.), Maschinen (3,6 Mill.), Telegraphenkabel und -Apparate (1,8 Mill.), Malerfarben (1,2 Mill.), Kleider (3,4 Mill. Pfd. Sterl.), ferner Papier, Messerschmiedewaren, Waffen, Fahrr√§der und Motorwagen, Bier, B√ľcher, Zement, Chemikalien, H√ľte, Jute, Kunstd√ľnger, √Ėl, Porzellan, Kautschukwaren, Glas etc.

Wohltätigkeitsanstalten.

Die Armenpflege ruht in den H√§nden der Guardians (Armenpfleger), von denen aus Gemeindemitteln 38 Armenh√§user (workhouses, 1901 mit 46,646 Insassen), 20 Krankenh√§user, 11 Armenschulen und 24 Asyle f√ľr Obdachlose unterhalten werden. Neben ihnen bestehen 4 Asyle f√ľr Bl√∂dsinnige und 9 Fieber- und Pockenhospit√§ler unter einem Asylums Board, von dessen Mitgliedern 45 von den Guardians und 15 von der Regierung ernannt werden. Von 12 Irrenh√§usern werden 10 auf Grafschaftskosten unterhalten, 2 (Bethlehem und St. Lukas) sind alte Stiftungen. 1904 wurden 119,896 Arme (darunter 75,585 in Anstalten) und 16,740 arme Irre gez√§hlt. Die Gesamtkosten des Armenwesens beliefen sich 1902/03 auf 3,519,000 Pfd. Sterl. Neben den √∂ffentlichen Anstalten besteht eine Unzahl von Privatanstalten. Darunter nehmen die 127 Krankenh√§user (einschlie√ülich von 6 Entbindungsanstalten und 41 H√§usern f√ľr Genesende und Unheilbare) einen vornehmen Rang ein. Die vier gr√∂√üten unter ihnen sind das 1710 gestiftete London Hospital mit 800 Betten, Guy's Hospital (1721 gestiftet) mit 710 Betten, St. Bartholomew's (1123 gestiftet) mit 678 Betten und St. Thoma s's (1563 gestiftet) mit 572 Betten. Versorgungsh√§user z√§hlt man 94; als die √§ltesten unter ihnen sind das 1148 gestiftete Katharinenhospital im Regent's Park und das vom B√ľrgermeister Whittington 1521 gestiftete ¬ĽCollege¬ę anzuf√ľhren. Ferner erw√§hnen wir 55 Dispensaries (Armenapotheken), 26 Anstalten f√ľr Blinde, 8 f√ľr Taubstumme, 56 Waisenh√§user (darunter das 1739 gegr√ľndete ¬ĽFindelhaus¬ę, in dem indes nur Kinder, deren M√ľtter dem Vorstand empfohlen sind, Aufnahme finden) etc. Die wichtigsten Vereine zur F√∂rderung der Krankenpflege sind King Edward's Hospital Fund in L., der, 1897 gestiftet, bis 1902 √ľber 1 Mill. Pfd. Sterl. aufbrachte, die League of Mercy (seit 1899), der Hospital Sunday and Saturday Fund, die Sammlungen in den Kirchen, bez. auf den Stra√üen veranstalten, der Bischoffsheim Ambulance Service (seit 1889, mit 55 Unfallstationen). Zu diesen Wohlt√§tigkeitsanstalten kommen noch 92 Missionsgesellschaften (Jahreseinnahme √ľber 11/2 Mill. Pfd. Sterl.), Vereine f√ľr Kirchenbau, Bibelgesellschaften etc.

Bildungsanstalten. Museen etc.

Vor dem Jahre 1870 war die Volkserziehung der Privatt√§tigkeit √ľberlassen, und die Privatschulen befanden sich in ganz erb√§rmlichem Zustand. Erst nach der Einf√ľhrung eines von den Steuerzahlern gew√§hlten Schulvorstandes (School Board) von 55 (sp√§ter 56) Mitgliedern sind √∂ffentliche Volksschulen eingerichtet und in w√ľrdigen Schulh√§usern untergebracht worden. Der Unterricht ist seit 1891 unentgeltlich. Von 1904 ab geht die Aussicht √ľber Elementar- und Mittelschulen auf den Grafschaftsrat √ľber. Die Ausgaben der √∂ffentlichen Schulbeh√∂rde betrugen 1902/03: 3,254,879 Pfd. Sterl., die Einnahmen 3,354,248 Pfd. Sterl. Die √∂ffentlichen Schulen hatten im J. 1903 Pl√§tze f√ľr 572,649 Kinder; von 549,667 in den Listen befindlichen Kindern besuchten im Durchschnitt 475,150 die Schule. Die Fortbildungsschulen waren durchschnittlich von 57,800 Sch√ľlern besucht. Au√üerdem waren die vom Staat anerkannten und unterst√ľtzten Schulen (voluntary schools) von 213,297 Kindern besucht. Unter diesen Privatschulen sind diejenigen der kirchlichen National Society und der konfessionslosen British and Foreign School Society am wichtigsten. Anderseits fehlt es an guten Schulen f√ľr die Mittelklassen, die noch gro√üenteils auf Privatschulen angewiesen sind. Den deutschen Gymnasien oder Realgymnasien entsprechen die 6 gro√üen √∂ffentlichen (Public) Schulen, n√§mlich: St. Paul's (gegr√ľndet 1509), Christ's Hospital (Blue coat School, 1552), Westminster School (1560), die Schule der Merchant Tailors (1561), Charterhouse (1611', jetzt in Godalming), Dulwich College (1619); ihnen schlie√üen sich an die City of London School (1834), Mill Hill School, die mit King's und University Colleges verbundenen Gymnasien und 38 Lateinschulen (Grammar Schools), der Mehrzahl nach alte Stiftungen. Die Londoner Universit√§t war fr√ľher nur eine Examinationsbeh√∂rde, ihr ist 1898 aber eine Lehranstalt angegliedert worden, die im Imperial Institute in Kensington untergebracht ist. Dazu geh√∂ren die schon fr√ľher bestehenden Institute: University College und King's College und eine gr√∂√üere Anzahl von Instituten, die in 8 Fakult√§ten gegliedert sind: 6 theologische Schulen, 2 f√ľr Kunst und exakte Wissenschaften, eine Kunstschule, eine (das Royal College of Science in South Kensington) f√ľr exakte Wissenschaften, eine f√ľr Landwirtschaft, 10 f√ľr Medizin (davon eine f√ľr weibliche Studierende), eine (City and Guilds ot London Central technical College) f√ľr Ingenieurwissenschaft, eine f√ľr Staatswissenschaften. F√ľr das technische Unterrichtswesen sorgt eine Kommission des Grafschaftsrats, der 4 University Schools, 8 von den 12 vorhandenen Polytechnischen Schulen, 6 von der Grafschaft und 10 von Vereinen eingerichtete Technische Institute, 11 Kunstschulen, 6 Fortbildungsschulen, 46 h√∂here Schulen f√ľr Knaben, 14 f√ľr M√§dchen und 8 f√ľr beide Geschlechter und 22 Haushaltungsschulen unterstellt sind. Au√üer dem erw√§hnten Central technical College unterh√§lt das City and Guilds technical Institute eine Gewerbeschule, eine Kunstgewerbeschule und eine Fachschule f√ľr Schuhmacher. An Fachschulen bestehen au√üerdem 2 Tierarzneischulen, 11 Lehrerseminare, die k√∂nigliche Milit√§rakademie in Woolwich, das Naval College in Greenwich, die Kunstschulen der Royal Academy und in Verbindung mit dem South Kensington Museum (letztere mit zahlreichen Zweigschulen), endlich 3 gro√üe Musikschulen (Royal Academy, Royal College und Guildhall School of Music). Der Bildung und nebenbei geistigen Unterhaltung der arbeitenden Klassen widmen sich zahlreiche Anstalten und Vereine, wie die Polytechnic Young Men's Christian Association, Working Men's College, Birckbeck Institution, der im O. gelegene People's Palace (mit Bibliothek, Turnhalle, Gewerbeschule, technischen Werkst√§tten etc., 1887 er√∂ffnet) u.a. Auch besitzt L. 60 Freibibliotheken, von denen 49 auf Gemeindekosten unterhalten werden.

Unter den wissenschaftlichen und Kunstsammlungen Londons geb√ľhrt dem Britischen Museum (s. d.) der erste Rang. Das Viktoria- und Albert-Museum in South Kensington (s. Kensington-Museum), mit einem Zweig in Bethnal Green, enth√§lt eine der gr√∂√üten kunstgewerbl ichen Sammlungen. Ferner verdienen Erw√§hnung: die Nationalgalerie (mit ca. 1650 Gem√§lden in 22 S√§len) auf dem Trafalgar Square, die National-Portr√§tgalerie (1100 Gem√§lde), die National Gallery of British Art (mit den Sammlungen von Tate, Watts und den aus dem Chantrey-Legat an gekauften Kunstwerken); die vom Schauspieler Alleyn gestiftete Gem√§ldegalerie in Dulwich, das geologische Museum in der Jermyn Street, die st√§dtische Bildergalerie bei der Guildhall, das naturhistorische Museum und das 1893 er√∂ffnete Imperial Institute in Kensington (mit Sammlungen von Kolonialerzeugnissen etc.), das anatomische Museum des College of Surgeons und Soane's Museum, beide in den Lincoln's Inn Fields, das Lady Brassey-Museum (ethnologische Sammlung), das Museum der United Service Institution, das Marinemuseum in Greenwich. Der Sternwarte in Greenwich (s. d.), des Botanischen Gartens in Kew (s. d.) und des Zoologischen Gartens im Regent's Park mu√ü gleichfalls hier gedacht werden.

Vereine. Zahlreiche Privatvereine lassen sich die Pflege von Kunst und Wissenschaft angelegen sein. An ihrer Spitze stehen die Royal Society (1652 gegr√ľndet) und die Royal Academy of Arts (1768). Ferner verdienen Erw√§hnung: die Royal Institution (1800 gegr√ľndet, mit Laboratorium, in dem Faraday seine gro√üen Entdeckungen machte), die Zoologische Gesellschaft (1826), die Geographische Gesellschaft, der Geologische Verein, die Linn√©sche Gesellschaft, die Astronomische Gesellschaft, die Statistische Gesellschaft, der Altertumsverein, die Asiatische Gesellschaft, die Society of Arts (Kunstgewerbe etc.), die London Institution in der City, 12 medizinische Gesellschaften, 8 Kunstvereine u. v. a. Die Mehrzahl dieser Vereine ist im Besitz von reichhaltigen Fachbibliotheken.

Die Presse ist ungemein t√§tig; es erscheinen (1908) 454 Zeitungen und Zeitschriften. Vgl. den Artikel ¬ĽZeitungen¬ę und die Einzelartikel √ľber die hervorragenden Tagesbl√§tter (¬ĽTimes¬ę, ¬ĽStandard¬ę, ¬ĽDaily News¬ę etc.) und Zeitschriften; eine √úbersicht der wichtigsten Bl√§tter enth√§lt ¬ĽHazell's Annual¬ę f√ľr 1905.

Vergn√ľgungsanstalten, Klubs.

Dem Kristallpalast in Sydenham und Alexandrapalast im N. Londons, beide inmitten herrlicher Gartenanlagen gelegen, k√∂nnen andre St√§dte nichts √Ąhnliches zur Seite stellen. In einem bei Earl's Court gelegenen Vergn√ľgungslokal steht ein 91 m im Durchmesser gro√ües Rad, das gleichzeitig 1600 Personen durch die L√ľfte f√ľhrt. Ein gr√∂√üeres Vergn√ľgungslokal in der Stadt selbst ist das Aquarium mit Wintergarten in Westminster. Es gibt ferner 50 gr√∂√üere Theater, von denen keins vom Staat oder von der Stadt einen Zuschu√ü erh√§lt. Das √§lteste unter ihnen ist Drury Lane, 1663 gegr√ľndet (das jetzige Geb√§ude wurde 1812 errichtet); das Opernhaus in Covent Garden stammt vom Jahre 1733, wurde aber nach einem Brande 1856 neu aufgebaut. Ein st√§ndiges Opernhaus besitzt L. nicht. Ferner sind noch zu nennen: Her Majesty 's Theatre (Schauspiel) und Haymarket-Theater (Lustspiel), Globe-Theater (Lustspiel), Strand-Theater (komische Oper) etc. Vgl. H. B. Baker, History of the London stage (neue Ausg., Lond. 1904, 3 Bde.). ‚Äď Unter den f√ľr Konzerte und √∂ffentliche Versammlungen bestimmten Hallen steht die 1871 er√∂ffnete Royal Albert Hall beim Albertdenkmal am Hyde Park (s. oben, S. 691), was Gr√∂√üe betrifft, obenan; au√üerdem sind die bedeutendsten Konzerts√§le St. James' Hall und Queen's Hall. Erw√§hnenswert sind ferner die in Islington erbaute landwirtschaftliche Halle (Agricultural Hall), in der neben Vieh- und Pferdeausstellungen auch Konzerte gegeben werden, 17 gr√∂√üere Musikhallen und das weltbekannte Wachsfigurenkabinett der Madame Tussaud. Unter den musikalischen Vereinen sind namentlich die alte und die neue Philharmonische Gesellschaft, die neue Sacred Harmonic Society (seit 1882, die alte besteht nicht mehr) und der Wagner-Verein zu erw√§hnen. Da√ü auch den Freunden des Sports in L. Gelegenheit geboten wird, ihrem Vergn√ľgen nachzugehen, ist selbstverst√§ndlich. Namentlich gilt das Pferderennen am Derby-Tag als allgemeines Volksfest, und auch das j√§hrlich wiederkehrende Wettrudern zwischen den beiden Universit√§ten versetzt die ganze Stadt in Aufregung. Rudervereine, Kricket-, Fu√üball-, Golf-, Tennis- und andre Sportklubs sind zahlreich. Schlie√ülich sei hier noch der etwa 200 eigentlichen Klubs gedacht. Die Mehrzahl ist Eigentum der Mitglieder; andre geh√∂ren Privatunternehmern, die aber die Aufnahme von Mitgliedern einem Ausschu√ü √ľberlassen. Viele der Klubs liegen an der Stra√üe Pall Mall und z√§hlen unter die sch√∂nsten Geb√§ude Londons. Die Mitglieder rekrutieren sich h√§ufig in der gleichen Gesellschafts- oder Berufsklasse. Das Athenaeum hat einen gelehrten Anstrich; im United Service und dem Army and Navy Club werden nur Offiziere zugelassen; wer im Traveller's Club Aufnahme finden will, mu√ü Weltreisender sein; Reform und National Liberal (5500 Mitglieder) Clubs sind Sammelpunkte der Liberalen; Carlton, Constitutional (6500 Mitglieder), St. James und Conservative Clubs nehmen nur Konservative auf. Auch die Damen haben ihre Klubs (Alexandra, Writer's, New County u.a.). Insgesamt z√§hlen diese Klubs √ľber 100,000 Mitglieder. Diesen Klubs f√ľr die h√∂hern Klassen schlie√üen sich zahlreiche Arbeiterklubs an (vgl. Timbs, Clubs and club-life in L., neue Ausg. 1898).

Verfassung, Behörden, Finanzen.

Die Verwaltung der Grafschaft L. ist durch den Local Government Act von 1888 so geregelt worden: Verwaltungsbeh√∂rde ist der County Council, der aus einem Obmann (Chairman), 19 √Ąltesten (Aldermen) und 118 Ratsherren (Councillors), zusammen 138 Mitgliedern, besteht. Die Wahlperiode der √Ąltesten dauert 6 Jahre, die H√§lfte (10, bez. 9) wird alle drei Jahre erg√§nzt. Die Ratsherren werden auf drei Jahre von den Steuerzahlern gew√§hlt und w√§hlen ihrerseits die √Ąltesten. Dem County Council steht die Aussicht √ľber die Irrenh√§user, das Wohnungswesen, die Stra√üenbahnen, das Feuerl√∂schwesen, den technischen Unterricht und neuerdings √ľber den ganzen mittlern und Elementarunterricht zu. Die City von L. hat ihre alte Munizipalverfassung im wesentlichen behalten. Sie wird in 27 Bezirke (wards, einschlie√ülich des Au√üenbezirks von Bridge) eingeteilt. Die Stadtr√§te (Common Councillors) werden j√§hrlich, 4‚Äď16 f√ľr jeden Bezirk, von der Bezirksversammlung (Ward-mote) gew√§hlt, in der nur B√ľrger (Freemen) Sitz und Stimme haben. Das B√ľrgerrecht wird den S√∂hnen, T√∂chtern und Lehrlingen unentgeltlich, Ausw√§rtigen aber, die in der City ein Gesch√§ft betreiben, gegen Zahlung einer geringen Taxe erteilt. Am Montag nach dem Dreik√∂nigstag werden die erw√§hlten Common Councillors dem in der Guildhall tagenden Court of Aldermen (Rat) vorgestellt. Die Aldermen (Ratsherren), je einer f√ľr jeden Ward (f√ľr die beiden Wards von Cripplegate zusammen einer), werden gleichfalls im Fall einer Vakanz vom Ward-mote und zwar auf Lebenszeit gew√§hlt. Sie bilden den Court of Aldermen und, gemeinschaftlich mit den Common Councillors, den Court of Common Council (Gemeinderat), der aus 232 Mitgliedern, einschlie√ülich der 26 Aldermen, besteht. In diesen zwei Versammlungen sowohl als in der Common Hall (d.h. der Gemeinschaft s√§mtlicher Liverymen der unten erw√§hnten City Companies) f√ľhrt ein j√§hrlich 29. Sept. gew√§hlter Lord-Mayor den Vorsitz. In der Regel wird der √§lteste Alderman f√ľr diesen Ehrenposten in Vorschlag gebracht, und seine Amtsdauer ist selten √ľber ein Jahr. Der Common Hall steht das Recht zu, den k√ľnftigen Lord-Mayor vorzuschlagen; die Aldermen aber haben das Recht der Wahl, die vom Lord-Kanzler im Namen der Krone best√§tigt wird. Am 8. Nov. leistet der neue Lord-Mayor seinen Diensteid vor dem Court of Aldermen, und am folgenden Tage begibt er sich in pomphaftem Auszug (Lord-Mayor's Show) nach dem obersten Gerichtshof, wo er der Krone Treue schw√∂rt. Am Abend findet in der Guildhall ein Festessen statt, dessen Unkosten von dem Lord-Mayor und den beiden Sheriffs bestritten werden. Der Lord-Mayor nimmt n√§chst dem K√∂nig in der City den h√∂chsten Rang ein; er ist Mitglied des Geheimen Rats, Richter im Zentralkriminalgericht, Lord-Lieutenant der City und Hafenadmiral von L. Seine Amtswohnung ist im Mansion House, und es wird von ihm erwartet, da√ü er die altber√ľhmte Gastfreundschaft der City in Ehren h√§lt. Er bezieht einen Gehalt von 10,000 Pfd. Sterl. Die st√§dtischen Beamten werden vom Court of Aldermen, vom Court of Common Council oder von der Livery (s. unten) erw√§hlt. Unter ihnen sind zwei Sheriffs, ein Recorder und ein Common Serjeant (beide Stadtrichter), ein Chamberlain (Schatzmeister) u.a. Eine bedeutende Rolle in der Verwaltung der City spielen die aus den Gilden des Mittelalters hervorgegangenen City Companies. Es gibt deren 79, aber nur 76 unter ihnen sind sogen. Livery Companies (s. Livery), d.h. sie sind in der obenerw√§hnten Common Hall vertreten. Die 12 vornehmsten sind diejenigen der Seidenh√§ndler (mercers), Gew√ľrzh√§ndler, Tuchh√§ndler, Fischh√§ndler, Goldschmiede, K√ľrschner, Schneider, Kurzwarenh√§ndler, Salzh√§ndler, Eisenh√§ndler, Weinh√§ndler und Tuchbereiter. Diese Companies haben eine j√§hrliche Einnahme von 750‚Äď800,000 Pfd. Sterl. und ein Verm√∂gen von ca. 15 Mill. Pfd. Sterl. Vgl. Ditchfield, The City Companies of L. and their good works (1904). Die City als Korporation hat ein Einkommen von 7‚Äď800,000 Pfd. Sterl.

Die durch den London Government Act von 1899 eingerichteten Metropolitan Boroughs haben jeder einen Mayor, 5‚Äď10 √Ąlteste und einen Stadtrat (Borough Council) von 30‚Äď60 Stadtr√§ten (Councillors), zusammen 1362 Councillors. Das Wahlrecht zum Borough Council unterliegt denselben Bedingungen wie das zum Parlament, nur k√∂nnen auch Frauen ihr Wahlrecht aus√ľben, jedoch nicht gew√§hlt werden. Die Wahlperiode ist dreij√§hrig, die √Ąltesten werden von den Stadtr√§ten auf 6 Jahre, der Mayor j√§hrlich gew√§hlt. Auf den Borough Council sind die Rechte der fr√ľhern Vestries und District Boards √ľbergegangen. Ihm steht die Aussicht √ľber die Armenpflege, das Gesundheitswesen, √∂ffentliche B√§der, Schlachth√§user, Freibibliotheken, Friedh√∂fe, der Bau von Arbeiterwohnungen, einzelne Teile der Stra√üenpolizei zu, er veranschlagt und erhebt eine Steuer (general rate). Das Rechnungswesen wird von Revisoren, die vom Lokalverwaltungsamt bestellt sind, gepr√ľft.

Das steuerpflichtige Einkommen innerhalb der Grafschaft betrug 1903: 40,590,786 Pfd. Sterl., die Grafschaftssteuer (Council's rates) 2,832,894 Pfd. Sterl. (163/4 Pence auf 1 Pfd. Sterl.); die Einnahmen wurden 1903/04 auf 4,912,913, die Ausgaben auf 4,703,270 Pfd. Sterl. gesch√§tzt. Die Schuld betrug 1903: 57,6 Mill. und nach Abzug der Aktiva 28,7 Mill. Pfd. Sterl. An Gemeinden (Civil Parishes) z√§hlt man 196, an Kirchspielen (Ecclesiastical Parishes) 58, mit Teilen von 11 andern. Die unter dem County Council stehende, 1866 errichtete Feuerwehr ist (1904) 1036 Mann stark und mit 78 Dampf- und 15 Handspritzen, 120 Rettungsapparaten, einem Flo√ü, 4 Schleppdampfern, 17 Booten etc. ausger√ľstet. Die 1829 geschaffene hauptst√§dtische Polizei steht unter dem Minister des Innern, ist (1902) 16,374 Mann stark und kostet 1902/03: 2,154,145 Pfd. Sterl. Au√üerdem hat die City eine Polizei von 1050 Mann.

L. ist Sitz der obersten Gerichtsh√∂fe des Landes. Ein Zentralkriminalgericht f√ľr ganz L. hat seinen Sitz im Old Bailey bei Newgate unter Vorsitz eines k√∂niglichen Richters und der zwei Stadtrichter. In betreff der Rechtspflege ist sonst die City von der Grafschaft L. abgetrennt; in beiden halten die Friedensrichter gesondert ihre √ľblichen Sitzungen (in der Grafschaft L. eine Vierteljahrssitzung und 17 kleine Sitzungen). Die zw√∂lf County Court's (s. England, S. 804) sowohl als zwei st√§dtische Gerichtsh√∂fe in der Guildhall haben Jurisdiktion in Zivilsachen. Die niedere Gerichtsbarkeit wird von 16 Polizeigerichten ausge√ľbt, wovon 2 in der City, unter Vorsitz des Lord-Mayors und eines Ratsherrn, und 14 im Reste der Hauptstadt (einschlie√ülich West Ham), unter Vorsitz besoldeter Richter, tagen. L. hat 6 Gef√§ngnisse, darunter 4 f√ľr Strafgefangene (Convicts).

Umgebungen

(Hierzu Karte: ¬ĽUmgebung von London¬ę).

Dicht an den Grenzen Londons liegen der County Borough West Ham (267,358 Einw.), Leyton (98,912) und Walthamstow (95,131) in Essex; Tottenham (182.541), Hornsey (72,056), Willesden (114,811), Acton (37,744), Chiswick (29,809), Ealing (33,031), Hanwell (10,438) und Brentford (15,171) in Middlesex; Richmond (31,672), Kingston upon Thames (34,375), Wimbledon (41,652) und der County Borough Croydon (133,895) in Surrey; Beckenham (26,331), Bromley (27,354) und Dartford (18,644) in Kent. Wenn auch das im SW. gelegene Wimbledon Common und die Parke von Kew, Richmond und Hampton Court beliebte Anziehungspunkte bieten, so besitzt auch der Nordosten im Eppinger Wald (s. Epping) einen schönen öffentlichen Park. Selbst in größerer Entfernung, bei Maidenhead, hat die City das Burnham Beeches genannte Wäldchen erworben.

Geschichte.

L. war schon zur R√∂merzeit eine bedeutende Stadt, wird aber weder bei C√§sars noch bei Claudius' Zug, sondern zuerst von Tacitus genannt. Der Name ist keltisch, seine Ableitung unsicher. Zur Zeit der R√∂mer hie√ü L. Londinium (Lundinium) und war r√∂mische Kolonie. Unter den Angelsachsen hie√ü es Lundenburg oder Lundenwic, war Bischofssitz und Hauptstadt der K√∂nige von Essex. Gegen das Ende des 8. Jahrh. wurde es viermal durch Feuersbr√ľnste fast ganz zerst√∂rt und im 9. Jahrh. zweimal von den D√§nen genommen. 886 gab Alfred d. Gr. die Stadt ihren alten Einwohnern zur√ľck, befestigte sie und stellte sie unter den Alderman von Mercia. Wilhelm I. verlieh L. 1066 einen Freibrief; er ist der Erbauer des Towers. In dem unter K√∂nig Johann zwischen der Krone und den Baronen entbrennenden Streit stand L. auf der Seite der letztern, und Johann mu√üte in der Magna charta die Rechte und Privilegien der Stadt best√§tigen und erweitern. 1377 hatte L. 35,000 Einw. An den K√§mpfen zwischen der Wei√üen und Roten Rose beteiligte sich die Stadt zugunsten des Hauses York. Gegen die spanische Armada (1588) konnte L. schon 20,000 Mann und 38 Schiffe stellen. 1660 betrug die Zahl der Einwohner 1/2 Mill. 1665 raffte die Pest √ľber 68,000 Menschen weg, und eine Feuersbrunst verzehrte 2. Sept. 1666: 13,200 H√§user. Die Zunahme des Handels, die Gesch√§ftsverbindung mit Ru√üland, die Gr√ľndung der amerikanischen Kolonien, die Entstehung der Ostindischen Kompanie und einer andern f√ľr den Handel mit der T√ľrkei und der Levante gaben L. einen bedeutenden Aufschwung. Ein Dekret von 1710 ordnete die Erbauung von 50 neuen Kirchen in L. und seinen Vorst√§dten an. Vielfach war L. der Ort von diplomatischen Unterhandlungen. Besonders wichtig waren in neuerer Zeit der Vertrag mit Frankreich und Ru√üland vom 6. Juli 1827 zugunsten Griechenlands, die Konferenzen, die 1829 und 1832 √ľber das Schicksal Griechenlands, 1830‚Äď31 und 1839 √ľber das Belgiens entschieden; ferner der Kongre√ü von 1852, der durch das Protokoll vom 8. Mai die d√§nische Thronfolge und die schleswig-holsteinische Sache ordnete. 1863 fanden abermals Konferenzen √ľber die Neubesetzung des griechischen Thrones, vom April bis Juni 1864 zur Schlichtung des deutsch-d√§nischen Streites, endlich 1871 √ľber die Revision des Pariser Friedens von 1856 statt. Am 20. Aug. 1846 wurde in L. die gro√üe Evangelische Allianz (s. d.) gestiftet. 1851 und 1862 fanden in L. Weltindustrieausstellungen statt.

Vgl. Norton, History, constitution etc. of the city of L. (3. Aufl. 1869); Jesse, L., its celebrated characters and remarkable places (1871, 3 Bde.); Walford, Greater L., a narrative of its history (1882‚Äď84, 2 Bde.; neue Ausg. 1898); Loftie, History of L. (2. Aufl. 1884, 2 Bde.); Cassells ¬ĽOld and new L., a narrative of its history¬ę (1887, 6 Bde.); Wheatley, L. past and present (1891, 3 Bde.); Besant, L. (1894); Sharpe, L. and the Kingdom (1894, 3 Bde.); Welch, Modern history of the city of L. (1896); Gomme, L. in the reign of queen Victoria (1898); Firth, Municipal L. (1876); J. Hunt, L. local government (1897, 2 Bde.); Seager, Government of L. under L. Government Act 1898 (1899); Round, Commune of L. (1899); A'Beckett, L. at the end of the century (1899); Heckethorn, London memories, social, historical, topographical (1900); Sims, Living L. (1902‚Äď03, 2 Bde.); C. Booth, Life and labour of the people in L. (1903, 3 Abtlgn. in 17 Bdn.); Hutton, Literary landmarks of L. (8. Aufl. 1892); Hare, Walksin L. (6. Aufl. 1894, 2 Bde.); Loftie, Round about L. (6. Aufl. 1893); Pascoe, L. of to-day (zuletzt 1903); Lloyd, The L. manual (j√§hrlich); Kemmann, Der Verkehr Londons (Berl. 1892); Steffen, In der F√ľnfmillionenstadt (Stuttg. 1895); Sinzheimer, Der Londoner Grafschaftsrat (das. 1900, Bd. 1); Baumann, Londinismen (W√∂rterbuch der Londoner Volkssprache, Berl. 1887); Reisehandbuch von B√§deker (15. Aufl., Leipz. 1905; auch in engl. Ausgabe).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905‚Äď1909.

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