Ludwig [1]

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Ludwig [1]

Ludwig (franz. Louis), altfr√§nk. Mannesname, aus Chlodwig entstanden, bedeutet: ruhmvoller K√§mpfer; ihm entsprechen die weiblichen Namen Ludovika und Ludovicia (woraus Luise). Die merkw√ľrdigsten Tr√§ger des Namens L. sind:

Tabelle

[R√∂misch-deutsche Kaiser.] 1) L. I., der Fromme, bei den Franzosen le D√©bonnaire (¬Ľder Sanftm√ľtige¬ę), geb. 778 in Chasseneuil am Lot als der dritte Sohn Karls d. Gr. von dessen dritter Gemahlin, Hildegard, gest. 20. Juni 840. Schon 781 zum K√∂nig von Aquitanien gekr√∂nt, erlangte er gro√üe Fertigkeit im Waffengebrauch und viele Kenntnisse in geistlichen und weltlichen Dingen; er verstand sogar Griechisch. L. lebte einfach und m√§√üig wie sein Vater, aber es fehlte ihm dessen Selbst√§ndigkeit und Kraft des Willens; seine Abh√§ngigkeit von der Geistlichkeit, die er beg√ľnstigte und √ľberreich beschenkte, hat ihm den Beinamen ¬Ľder Fromme¬ę eingetragen. Nach dem Tode seiner √§ltern Br√ľder, Pippin (810) und Karl (811), von seinem Vater 813 in Aachen zum Kaiser gekr√∂nt und zum Mitregenten erhoben, folgte L. 28. Jan. 814 dem Vater als Alleinherrscher. Seine ersten Regierungsma√üregeln zeugten von Tatkraft; er beseitigte die an dem Hofe zu Aachen eingerissene Z√ľgellosigkeit der Sitten, bestrafte die Unterdr√ľckung des Volkes durch die Gro√üen, forderte bessern Lebenswandel der Weltgeistlichen und der M√∂nche und verpflichtete sich mit kluger Milde die Sachsen und Friesen. Bald aber folgten Mi√ügriffe. Die Diener und Ratgeber seines Vaters wurden zur√ľckgesetzt, die k√∂niglichen G√ľter massenweise zu Lehen gegeben und der Geistlichkeit immer mehr Einflu√ü einger√§umt. Die ungl√ľcklichste Ma√ünahme war die bereits 817 ausgef√ľhrte Teilung des ganzen Reiches unter seine drei S√∂hne von seiner Gemahlin Irmengard, Lothar (s. Lothar 1), Pippin und Ludwig. Sein Neffe Bernhard von Italien, dadurch gereizt, emp√∂rte sich, ward aber 818 nach Ch√Ęlon gelockt und hier geblendet, worauf Italien Lothar zufiel. Als sich L. nach dem Tode Irmengards (3. Okt. 818) in ein Kloster zur√ľckziehen wollte, vereitelten seine Ratgeber diesen Plan, indem sie 819 seine zweite Verm√§hlung mit Judith, der Tochter des Grafen Welf, zustande brachten. Zugunsten des ihm von derselben 13. Juni 823 gebornen vierten Sohnes, Karl, nachher der Kahle genannt, schritt L. 829 zu einer zweiten Reichsteilung, wobei Karl Alemannien als K√∂nigreich erhielt. Dar√ľber erbittert, griffen die S√∂hne erster Ehe zu den Waffen, zwangen, durch die mi√üvergn√ľgten Gro√üen unterst√ľtzt, 830 ihren Vater, Judith in ein Kloster zu verbannen, und verlangten von L. freiwillige Entsagung auf die Kaiserkrone. Indes L. weigerte sich, brachte seine S√∂hne Pippin und Ludwig wieder auf seine Seite und wurde auf dem Reichstag zu Nimwegen wieder eingesetzt; Lothar mu√üte sich unterwerfen. Judith kehrte zur√ľck, und Karl erhielt nicht nur das vergr√∂√üerte Alemannien wieder, sondern 832, als Pippin sich emp√∂rte, auch Aquitanien. Dies veranla√üte einen neuen Aufstand der drei √§ltern S√∂hne, und nach dem Abfall seines Heeres auf dem Rothfeld (danach ¬ĽL√ľgenfeld¬ę genannt) unweit Kolmar 29. Juni 833 ergab sich L. freiwillig samt seiner Gemahlin und dem j√ľngsten Sohne Karl. Judith ward nach Tortona verwiesen, ihr Sohn Karl nach Pr√ľm gebracht. Die Br√ľder teilten das Reich unter sich, der alte Vater tat im Oktober 833 in der Kirche zu Soissons vor Lothar und den versammelten Gro√üen Kirchenbu√üe und ward der kaiserlichen Herrschaft f√ľr unw√ľrdig erkl√§rt. Lothars Herrschsucht rief aber bald die beiden Br√ľder gegen ihn zu den Waffen. Lothar floh nach Vienne, und L. wurde 1. M√§rz 834 zu St.-Denis wieder in die Herrschaft eingesetzt. 837 machte er mit Einwilligung Pippins eine neue Teilung, wobei Karl K√∂nig von Neustrien wurde. Als jedoch L. nach Pippins Tode (13. Dez. 838) mit Ausschlie√üung der Kinder desselben Westfranken an Karl und Italien nebst ganz Austrasien an Lothar vergab, griff sein gleichnamiger j√ľngster Sohn erster Ehe, sp√§ter ¬Ľder Deutsche¬ę genannt (s. Ludwig 5), dem auf diese Weise nur Bayern blieb, zu den Waffen, w√§hrend sich auch die Aquitanier 839 zugunsten der S√∂hne Pippins k√§mpfend erhoben. Um alle Wirren zu ordnen, berief der Kaiser einen Reichstag nach Worms, starb jedoch noch vor dessen Zusammentritt auf einer Rheininsel bei Ingelheim. Er wurde in der Kirche des heil. Arnulf zu Metz (seit 1552 zerst√∂rt) beerdigt. Vgl. ¬ĽDie Lebensbeschreibungen Ludwigs des Frommen von Thegan und vom sogen. Anonymus¬ę (¬ĽGeschichtschreiber der deutschen Vorzeit¬ę, Bd. 19, Leipz. 1889); Funk, L. der Fromme (Frankf. 1832); Himly, Wala et Louis le D√©bonnaire (Par. 1849); Simson, Jahrb√ľcher des fr√§nkischen Reiches unter L. dem Frommen (Leipz. 1874‚Äď76, 2 Bde.).

2) L. II., √§ltester Sohn Lothars I., geb. 825, gest. 12. Aug. 875, ward von seinem Vater als K√∂nig von Italien eingesetzt, vom Papst Sergius 15. Juni 844 zum K√∂nig der Langobarden, 6. April 850 von Leo IV. zum r√∂mischen Kaiser gekr√∂nt und erhielt bei seines Vaters Abdankung 855 von dessen Reich Italien. Das r√∂mische Kaisertum verlor unter ihm jede Oberhoheit √ľber die √ľbrigen fr√§nkischen K√∂nigreiche. Ein Bund mit dem griechischen Kaiserreich zur Vertreibung der Sarazenen f√ľhrte zwar zur Eroberung Baris 871; indes bald entzweiten sich die beiden Kaiser, da die Griechen L. nicht den Titel Imperator Augustus zugestehen wollten. Nach seines j√ľngsten Bruders, Karl, kinderlosem Tode (863) hatte er sich mit Lothar II. in Burgund geteilt; als aber auch Lothar II., zu dessen Gunsten er 864 einen Zug nach Rom unternommen, um Nikolaus I. zur Nachgiebigkeit in dessen Ehestreit zu zwingen, 869 ohne Erben starb, tat er nichts, um dessen Land in Besitz zu nehmen, das seinen Oheimen Karl dem Kahlen und Ludwig dem Deutschen zufiel. Von einem erfolglosen Rachezug gegen Benevent nach Oberitalien zur√ľckgekehrt, starb er bei Brescia. Da seiner Ehe mit Engelberga, Tochter Ludwigs des Deutschen, kein Sohn entsprossen war, erlosch mit ihm der italienische Zweig der Karolinger.

3) L. III., geb. 880, gest. 928, Sohn K√∂nig Bosos von Niederburgund und der Irmengard, einer Tochter des vorigen, folgte seinem Vater 887 in Burgund, nachdem er Karls des Dicken Oberhoheit anerkannt hatte und von ihm als Sohn angenommen worden war, konnte aber lange der √ľberm√ľtigen, unbotm√§√üigen Gro√üen nicht Herr werden. 900 von den Langobarden gegen die Ungarn zu Hilfe gerufen, erhielt er die langobardische K√∂nigskrone und im Februar 901 aus Benedikt IV. Hand auch die r√∂mische Kaiserkrone, wurde aber 905 von Berengar von Friaul in Verona √ľberfallen, geblendet und nach Arles zur√ľckgeschickt, wo er im Elend starb.

4) L. IV. oder der Bayer, geb. 1287, gest. 11. Okt. 1347, der Sohn Herzog Ludwigs des Strengen von Oberbayern (gest. 1294), ward in Wien mit seinen Verwandten, des Herzogs Albrecht von √Ėsterreich S√∂hnen, erzogen und kam nach langem Hader 1313 mit seinem √§ltern Bruder, Rudolf, dahin √ľberein, da√ü beide das v√§terliche Erbe gemeinsam besitzen, der √§ltere aber die Kurstimme f√ľhren sollte. Im Streit √ľber die Vormundschaft der unm√ľndigen Herzoge von Niederbayern besiegte L. Friedrich den Sch√∂nen von √Ėsterreich 6. Nov. 1313 bei Gammelsdorf. Nach Heinrichs VII. Tod auf Betrieb des Erzbischofs von Mainz, Peter von Aspelt (s. d.), 20. Okt. 1314 in Frankfurt a. M. von vier Kurstimmen zum K√∂nig erw√§hlt und zu Aachen gekr√∂nt, zwang er 1317 seinen Bruder Rudolf, ihm das gesamte v√§terliche Erbe abzutreten, besiegte auch seinen Nebenbuhler Friedrich den Sch√∂nen (s. Friedrich 3) mit Hilfe der St√§dte 28. Sept. 1322 bei M√ľhldorf und nahm ihn gefangen. Indes Friedrichs Bruder, Leopold, setzte den Kampf fort, unterst√ľtzt vom K√∂nig Karl IV. von Frankreich, der selbst nach der Krone strebte, und dem von ihm abh√§ngigen Papst Johann XXII. Dieser verbot L., ohne p√§pstliche Best√§tigung den k√∂niglichen Titel zu f√ľhren, und als sich L., durch die Stimmung des deutschen Volkes ermutigt, nicht f√ľgte, wurde er 1324 gebannt und abgesetzt. Selbst die Entlassung Friedrichs aus der Hast 1325 endete den Streit nicht, erst der Tod Leopolds 1326 brachte Frieden. Nachdem L. Friedrich von √Ėsterreich die Verwaltung des Reichs √ľbertragen, zog er nach Italien, erhielt 1327 in Mailand die lombardische und 17. Jan. 1328 in Rom die Kaiserkrone, die ihm ein Laie, Sciarra Colonna, aussetzte. Denn durch Ludwigs Zug nach Italien war der Streit mit dem Papst, wobei die einflu√üreichen Minoriten lebhaft f√ľr L. Partei nahmen, aufs neue heftig entbrannt. L. erkl√§rte Johann XXII. f√ľr abgesetzt und erhob Nikolaus V. auf den p√§pstlichen Stuhl. Indes verlor L. durch Mi√ügriffe in Italien seine Anh√§nger und trat verlassen und verachtet 1329 einen flucht√§hnlichen R√ľckzug nach Deutschland an. Dem Papst machte er die dem√ľtigsten Anerbietungen, um eine Auss√∂hnung herbeizuf√ľhren, die nur deshalb nicht zustande kam, weil der starrsinnige Johann XXII. mit Hartn√§ckigkeit auf Ludwigs Thronentsagung bestand. Ja, die R√ľcksicht auf die Kurie hielt ihn ab, bei Beginn des franz√∂sisch-englischen Krieges eine entschiedene, f√ľr das Reich vorteilhafte Stellung einzunehmen. Endlich schritten die Kurf√ľrsten ein und erkl√§rten auf dem Kurverein zu Rhens 16. Juli 1338 die p√§pstliche Einmischung f√ľr unberechtigt; der Frankfurter Reichstag im August d. J. best√§tigte dies und hob Bann und Interdikt als rechtswidrig auf. Aber auch nachher war Ludwigs Haltung gegen den Papst schwankend. Die Hauptfrage f√ľr L. war die Vergr√∂√üerung seiner Hausmacht. Nachdem er 1323 Brandenburg an sein Haus gebracht, nahm er 1341 Niederbayern in Besitz, erwarb seinem Haus 1342 Tirol und K√§rnten, indem er seinen Sohn Ludwig mit Margarete Maultasch verm√§hlte, nachdem er deren Ehe aus kaiserlicher Machtvollkommenheit getrennt hatte, und erbte 1346 durch seine Gemahlin Margarete von Holland die L√§nder Holland, Seeland, Friesland und Hennegau. Dieser Zuwachs an Macht erregte aber die Eifersucht der deutschen F√ľrsten, und der Einwirkung des Papstes, der L. von neuem mit dem Bann velegte, nachgebend, stellten die drei geistlichen Kurf√ľrsten und zwei weltliche, der K√∂nig Johann von B√∂hmen und der Herzog Rudolf von Sachsen, in Karl IV. einen Gegenk√∂nig auf. Doch blieben die meisten Reichsst√§nde, namentlich die St√§dte, L. treu, und dieser erhielt sich daher im Besitz der Kaiserw√ľrde bis an seinen Tod, der auf einer B√§renjagd bei F√ľrstenfeld unfern M√ľnchen erfolgte. Er wurde in der Frauenkirche zu M√ľnchen beigesetzt, wo ihm 1622 Kurf√ľrst Maximilian I. ein von Peter Candid entworfenes Denkmal errichtete (s. Tafel ¬ĽBildhauerkunst X¬ę, Fig. 5); ein zweites Denkmal (von Miller) wurde 1905 in M√ľnchen enth√ľllt. Die Stelle, wo er starb, bezeichnet eine marmorne Spitzs√§ule. Vgl. Mannert, Kaiser L. IV. (Landshut 1812); A. Fischer, L. IV., der Bayer, 1314‚Äď1338 (Nordh. 1882); v. Weech, Kaiser L. der Bayer und K√∂nig Johann von B√∂hmen (M√ľnch. 1860); Riezler, Die literarischen Widersacher der P√§pste zur Zeit Ludwigs des Bayers (Leipz. 1874); Preger, Der kirchenpolitische Kampf unter L. dem Bayer (M√ľnch. 1877) und Die Vertr√§ge Ludwigs des Bayern mit Friedrich dem Sch√∂nen (das. 1883); Karl M√ľller, Der Kampf Ludwigs des Bayern mit der r√∂mischen Kurie (T√ľbing. 1879‚Äď80, 2 Bde.); Altmann, Der R√∂merzug Ludwigs des Bayern (Berl. 1886); Chroust, Beitr√§ge zur Geschichte Ludwigs des Bayern (1. Teil: Die Romfahrt, Gotha 1887); ¬ĽQuellen zur Geschichte Ludwigs des Bayern¬ę (deutsch von Friedensburg, Leipz. 1898, 2 Tle.); ¬ĽVatikanische Akten zur deutschen Geschichte in der Zeit Kaiser Ludwigs des Bayern¬ę (Innsbr. 1891); Sievers, Die politischen Beziehungen Kaiser Ludwigs des Bayern zu Frankreich (Berl. 1896); Steinberger, Kaiser L. der Bayer (M√ľnch. 1901); Ueding, L. der Bayer und die niederrheinischen St√§dte (Paderb. 1904).

[Ostfr√§nkisch-deutsche K√∂nige.] 5) L. I., der Deutsche, geb. 804, gest. 28. Ang. 876, dritter Sohn Ludwigs des Frommen (s. Ludwig 1) und der Irmengard, erhielt bei der ersten Reichsteilung (817) Bayern und die nach Osten hin angrenzenden L√§nder, emp√∂rte sich aber wegen der neuen, zugunsten Karls des Kahlen vorgenommenen Teilung (829) mit seinen Br√ľdern Lothar und Pippin zweimal (830 und 833) gegen seinen Vater, half diesem aber 834 wieder gegen Lothar. Bei der Teilung nach Pippins Tod 839 mit Undank belohnt, erhob er sich 840 von neuem gegen den Vater. Nach dessen baldigem Tode begann unter den Br√ľdern ein mehrj√§hriger Streit √ľber das Erbe. L. und Karl vereinigten sich gegen Lothar (s. Ludwig 1), schlugen ihn 841 bei Fontenoy und n√∂tigten ihn, nachdem L. vorher noch die von Lothar zur Emp√∂rung gereizten Sachsen wieder unterworfen und 842 im Februar zu Stra√üburg sein B√ľndnis mit Karl erneuert hatte, zum Teilungsvertrag zu Verdun von 843, wodurch L. Ostfranken bis zum Rhein und √ľberdies Mainz, Speyer und Worms erhielt. Schon in der fr√ľhern Zeit der Statthalterschaft in Bayern, seit 825, hatte L. wiederholte K√§mpfe mit den von S√ľdosten her andr√§ngenden Bulgaren und mit einzelnen slawischen V√∂lkerschaften, den B√∂hmen, Sorben und Moraven, zu bestehen; mehr aber noch machten ihm nach seinem Regierungsantritt die Einf√§lle der Normannen in die Rheinlande und in Friesland zu schaffen. Mit Westfranken lag er fortw√§hrend im Krieg. Nach Lothars II. Tod erwarb er im Vertrag zu Mersen 22. Jan. 870 die deutsche H√§lfte von Lothringen, dagegen kam ihm Karl nach Ludwigs II. Tod 875 in der Bewerbung um die Kaiserkrone zuvor. L. r√§chte sich durch einen verheerenden Einfall in Westfranken. Er starb in Frankfurt und wurde im Kloster Lorsch begraben. Er hinterlie√ü von seiner Gemahlin Hemma drei S√∂hne, Karlmann, Ludwig und Karl, unter die er schon 865 sein Reich so geteilt hatte, da√ü Karlmann Bayern, Ludwig (s. Ludwig 6) Ostfranken und Sachsen. Karl Alemannien erhielt, und drei T√∂chter. L. war ein guter K√∂nig, fromm und freigebig gegen die Kirche und auch geistigen Interessen nicht abhold; namentlich f√ľr seine Muttersprache zeigte er Sinn. Otfried widmete ihm sein deutsches Evangelienbuch, das Gedicht Muspilli soll er selbst abgeschrieben haben. Er ist der Begr√ľnder des ostfr√§nkischen, sp√§ter Deutschen Reiches und f√ľhrt daher seinen Beinamen. Vgl. D√ľmmler, Geschichte des ostfr√§nkischen Reichs, Bd. 1 u. 2 (2. Aufl., Leipz. 1887).

6) L. III., der J√ľngere, zweiter Sohn des vorigen, fiel 854 in Aquitanien ein, erhielt bei der vorl√§ufigen Teilung des Reiches 865 Ostfranken, Sachsen und Th√ľringen, aber nicht den K√∂nigstitel, emp√∂rte sich daher 866 gegen seinen Vater, ward aber bald unterworfen, ebenso wie bei einem zweiten Aufstand 871, begleitete Ludwig den Deutschen 875 bei seinem Einfall in Frankreich, schlug nach dessen Tode den verr√§terischen Angriff Karls des Kahlen bei Andernach zur√ľck (8. Okt. 876) und erhielt bei der Reichsteilung Ostfranken, Th√ľringen, Sachsen und Friesland. 879 unternahm er einen Zug nach Westfranken, um sich die Krone dieses Reiches zu erwerben, begn√ľgte sich aber mit der Abtretung ganz Lothringens und erwarb auch noch bei Lebzeiten des gel√§hmten Karlmann durch Vertrag mit seinem Bruder Karl 880 Bayern. Nach wechselvollen K√§mpfen mit den Normannen, deren Besiegung 881 das althochdeutsche Ludwigslied (s. d.) besingt, starb er 20. Jan 882 in Frankfurt und wurde in Lorsch beigesetzt. Verm√§hlt war er mit Liutgard, Tochter des Herzogs Ludolf von Sachsen. Sein einziger Sohn war 879 durch einen Sturz aus dem Fenster verungl√ľckt.

7) L. das Kind, geb. 893 in √Ėttingen, gest. 24. Sept. 911, der Sohn des K√∂nigs Arnulf und der Ota, wurde auf Betrieb Hattos von Mainz im Januar 900 in Forchheim zum K√∂nig gekr√∂nt, und dieser kluge Bischof leitete auch haupts√§chlich an Stelle des unm√ľndigen L. die sehr unruhige Regierung des Reiches. Namentlich herrschten unaufh√∂rliche K√§mpfe unter den Vasallen, wie die Babenberger Fehde (s. d.), und wiederholt fielen die Ungarn ein, vor denen sich Deutschland nur durch Zahlung eines j√§hrlichen Tributs sichern konnte. L. starb unverm√§hlt, und mit ihm erlosch der karolingische Stamm in Deutschland.

[Baden.] 8) L. Wilhelm 1., Markgraf von Baden, der ¬ĽT√ľrken-Louis¬ę, geb. 8. April 1655 in Paris, wo seine Mutter getrennt von ihrem Gemahl lebte, gest. 4. Jan. 1707 in Rastatt, Sohn des Erbprinzen Ferdinand Maximilian von Baden-Baden und der Luise Christiane von Savoyen, diente seit 1675 unter Montecuccoli und dem Herzog von Lothringen gegen Frankreich, kehrte nach dem Frieden zu Nimwegen (1678) nach Baden-Baden zur√ľck, wo er nach seines Gro√üvaters Wilhelm Tod (1677) an Stelle seines 1669 verstorbenen Vaters zur Regierung gekommen war. Bald darauf trat er als Feldmarschallleutnant in kaiserliche Dienste, zog 1683 vor das von den T√ľrken belagerte Wien, wohnte der Schlacht am Kahlenberg bei und focht hierauf erfolgreich in Ungarn. 1689 mit dem Kommando der ganzen kaiserlichen Armee in Ungarn betraut, schlug er die T√ľrken 24. Sept. 1689 bei Nissa, eroberte diese Stadt und Widdin, schlug 1690 T√∂k√∂ly in Siebenb√ľrgen, erfocht 19. Aug. 1691 den Sieg bei Salankemen und nahm Lippa, Gro√üwardein, Brod und Gradisca, worauf er Feldzeugmeister und Gouverneur von Raab wurde. 1693 erhielt er das Kommando der Reichsarmee am Oberrhein und eroberte Heidelberg wieder, hielt sich aber dann meist allzu vorsichtig stets hinter seinen¬īLinien von dem Schwarzwald bis an den Rhein (den Stollhofener Linien) bis zum Frieden von Ryswyk (1697). 1696 bewarb er sich vergeblich um die polnische K√∂nigskrone. Im Spanischen Erbfolgekrieg nahm er 1702 Landau, trug 2. Juli 1704 zum Sieg am Schellenberg bei und ward Reichsfeldmarschall, focht aber 1706 allzu bed√§chtig mit weniger Gl√ľck gegen die Franzosen. Verm√§hlt war L. mit Franziska Sibylla Augusta von Sachsen-Lauenburg. Vgl. R√∂der v. Diersburg, Des Markgrafen L. Wilhelm von Baden Feldz√ľge wider die T√ľrken (Karlsr. 1839‚Äď42, 2 Bde.) und Kriegs- und Staatsschriften des Markgrafen L. Wilhelm von Baden (das. 1850, 2 Bde.); Schulte, Markgraf L. Wilhelm von Baden und der Reichskrieg gegen Frankreich 1693‚Äď1697 (das. 1892, 2 Bde.); K. J. Bauer, L. Wilhelm, Markgraf von Baden, der T√ľrkenlouis (Heidelb. 1904); Neff, L. Wilhelm, Markgraf von Baden, eine Lebensskizze (Berl. 1892).

9) L. Wilhelm August, Gro√üherzog von Baden, geb. 9. Febr. 1763 in Karlsruhe, gest. daselbst 30. M√§rz 1830, dritter Sohn des Gro√üherzogs Karl Friedrich, trat 1785 in die preu√üische Armee ein, machte den Krieg von 1792 mit, ward Generalmajor, nahm aber 1795 seinen Abschied und begann das badische Heer neu zu organisieren, ward aber durch ein Machtwort Napoleons zur Unt√§tigkeit gezwungen. 1818 seinem Neffen, dem Gro√üherzog Karl Ludwig, in der Regierung Badens folgend, ordnete er die Finanzen, regelte die kirchlichen Verh√§ltnisse und zeigte namentlich f√ľr das Milit√§r ein reges Interesse; gegen die Kammern wahrte er seine landesherrliche W√ľrde mit Eifersucht und bem√ľhte sich, die einer Reaktion im Sinne Metternichs hinderlichen Verfassungsbestimmungen zu beseitigen. Da er unverm√§hlt starb, folgte ihm sein Stiefbruder Leopold aus der Hochberger Linie.

10) L. II., Gro√üherzog von Baden, geb. 15. Aug. 1824 in Karlsruhe als zweiter Sohn des Gro√üherzogs Leopold und Sophiens von Schweden, gest. 22. Jan. 1858, studierte 1842‚Äď45 in Wien und Heidelberg, konnte aber einer unheilbaren Krankheit wegen beim Tode seines Vaters (24. April 1852) die Regierung nicht antreten, die deshalb sein Bruder Friedrich f√ľhrte.

[Bayern.] 11) L. I., der Kelheimer, Herzog von Bayern, geb. 1174 in Kelheim, gest. 15. Sept. 1231, folgte seinem Vater Otto I. 1183 unter Vormundschaft und trat 1192 selbst√§ndig die Regierung an. Als Anh√§nger der Staufer half er die Acht gegen seinen Vetter Otto von Wittelsbach. den M√∂rder K√∂nig Philipps, vollziehen, lie√ü die Burg Wittelsbach abbrechen und erhielt daf√ľr die Familieng√ľter Ottos, von K√∂nig Otto IV. die Herrschaft M√∂hringen und 1208 die Erblichkeit des Herzogtums anerkannt. Daf√ľr stand er im Thronstreit gegen Friedrich II. anfangs auf seiner Seite, ging jedoch 1214 zu Friedrich √ľber und erlangte von ihm die Anwartschaft auf die Pfalz, nachdem er seinen Sohn Otto mit der Tochter des Pfalzgrafen Heinrich, Agnes, verm√§hlt hatte; 1214 fiel sie ihm wirklich zu. 1221 trat er einen Kreuzzug an, erreichte auch Damiette, kehrte jedoch, als der Feldzug ungl√ľcklich endete, bald nach Bayern zur√ľck. Von Kaiser Friedrich II. zum Reichsverweser bestellt, f√ľhrte er im Namen des jungen r√∂mischen K√∂nigs Heinrich die Reichsgesch√§fte, wurde aber, 1228 auf Anstiften des Papstes vom Kaiser abgefallen, 1230 von Heinrich bekriegt und 15. Sept. 1231 auf der Br√ľcke in Kelheim von einem unbekannten Mann ermordet. Man beschuldigte allgemein Friedrich II. der Urheberschaft.

12) L. II., der Strenge, Herzog von Bayern, geb. 1228 in Heidelberg, gest. daselbst 1. Febr. 1294, Ottos des Erlauchten √§ltester Sohn, regierte nach des Vaters Tod 1253 mit seinem Bruder Heinrich gemeinschaftlich, teilte aber 1255 das Erbe und erhielt Oberbayern und die Pfalz am Rhein. Er hie√ü ¬Ľder Strenge¬ę, weil er in einem Anfall von Eifersucht seine erste Gemahlin, Maria von Brabant, 1256 in Donauw√∂rth hatte hinrichten lassen; seitdem verfiel er oft in finstere Schwermut. Er f√ľhrte Kriege mit dem Erzbischof von Salzburg, dem Bischof von Regensburg, Ottokar von B√∂hmen, seinem Bruder u.a. Seinen Neffen und M√ľndel, Konrad von Schwaben, unterst√ľtzte er 1267 mit Geld bei seinem Zuge nach Italien, begleitete ihn bis Verona und wurde deshalb gebannt, lie√ü sich aber daf√ľr von Konradin zum Erben einsetzen, nahm nach dessen Hinrichtung den gr√∂√üten Teil seiner G√ľter in Besitz und teilte sie 1269 mit seinem Bruder. Gemeinsam mit dem Erzbischof von Mainz f√∂rderte er Rudolfs von Habsburg Wahl zum K√∂nig, mit dessen √§ltester Tochter, Mathilde, er sich 1273 in dritter Ehe verm√§hlte, und dem er im Kampf gegen Ottokar half. Er war der m√§chtigste F√ľrst in S√ľddeutschland und die ¬Ľunersch√ľtterliche S√§ule¬ę von Rudolfs Herrschaft. Auch nach dessen Tod hielt er allein von allen Kurf√ľrsten an dem habsburgischen Haus fest. Seine S√∂hne Rudolf und Ludwig (der sp√§tere Kaiser) teilten sich in seine Lande. Vgl. S√∂ltl, L. der Strenge (N√ľrnb. 1857).

13) L. der √Ąltere, Herzog von Bayern, Markgraf von Brandenburg, geb. 1315, gest. 18. Sept. 1361, √§ltester Sohn Kaiser Ludwigs des Bayern (s. Ludwig 4) aus dessen Ehe mit Beatrix von Glogau, ward von seinem Vater 1323 mit der Mark Brandenburg belehnt. Unter seiner minderj√§hrigen Regierung, w√§hrend der sein Vater die Vormundschaft f√ľhrte, ward die Mark in dessen Streit mit dem Papst verwickelt, mit dem Interdikt belegt und von den Polen furchtbar verw√ľstet. Durch die Verm√§hlung mit Margarete Maultasch 1342 erlangte L. auch Tirol. Nach seines Vaters Tod 1347 Haupt des Hauses Wittelsbach, weigerte er sich, Karl IV. anzuerkennen, und daf√ľr beg√ľnstigte dieser das Unternehmen des falschen Waldemar 1348, dem die M√§rker anhingen. Indes, als L. G√ľnter von Schwarzburg als Gegenk√∂nig aufstellte, verglich sich Karl IV. 1350 mit ihm gegen Abtretung der Oberlausitz. Bei der Teilung mit seinen Br√ľdern (1349) erhielt L. mit Ludwig dem R√∂mer und Otto Oberbayern, die drei andern dagegen Niederbayern und die Niederlande. 1351 trat er Brandenburg an seine Br√ľder Ludwig den R√∂mer und Otto ab und regierte seitdem in Oberbayern allein, wo er f√ľr die St√§dte und besonders f√ľr M√ľnchen viel tat. Er hinterlie√ü als Nachfolger seinen einzigen Sohn von der Margarete Maultasch, Meinhard, der aber schon 1363 starb. Vgl. Taube, L. der √Ąltere als Markgraf von Brandenburg (Berl. 1900).

14) L. der R√∂mer, Herzog von Bayern (als erster Sohn Ludwigs des Bayern als r√∂mischen Kaisers aus seiner zweiten Ehe mit Margarete von Holland so genannt), geb. 1330 in M√ľnchen, gest. 1365, Halbbruder des vorigen, verzichtete auf das Erbe seiner Mutter, die niederl√§ndischen Grafschaften, zugunsten seiner j√ľngern Br√ľder, Wilhelm und Albrecht, da er durch die Heirat mit einer Tochter des K√∂nigs Kasimir von Polen zur polnischen Krone zu gelangen hoffte. Bei der Teilung mit seinen Br√ľdern (1349) erhielt er gemeinsam mit Ludwig dem √Ąltern und Otto Oberbayern, das sie 1351 gegen Brandenburg und die Niederlausitz vertauschten. Hier zwang er den falschen Waldemar zum Verzicht, erlangte durch die Goldene Bulle 1356 die Kurw√ľrde und schlo√ü aus Ha√ü gegen seine bayrischen Br√ľder, mit denen er wegen der Kur und der Erbschaft seines Bruders Ludwig des √Ąltern in Streit geriet, 1363 eine Erbverbr√ľderung mit Karl IV., die diesem nach seinem und Ottos kinderlosem Tode die Mark zusicherte.

15) L. der B√§rtige (im Bart), Herzog von Bayern-Ingolstadt, geb. 1365, gest. 1. Mai 1447, Stephans II. Sohn, begleitete 1384 seine Schwester Elisabeth (Isabella), Gemahlin des K√∂nigs Karl VI. von Frankreich, dahin und verm√§hlte sich dort zuerst mit Anna von Bourbon, die ihm Ludwig den H√∂ckerigen gebar, dann mit Katharina von Alen√ßon, die ihm die Grafschaft Mortagne in der Normandie und die Pairsw√ľrde zubrachte. Als Schwager des wahnsinnigen Karl VI. besa√ü L. zehn Jahre einen bedeutenden Einflu√ü auf die Regierung und sammelte Reichtum. 1413 geriet er in die Gefangenschaft der aufst√§ndischen Pariser und ward nur durch den Dauphin vom Tode gerettet. Auch in Deutschland nahm er an den Parteiungen teil, begleitete 1401 Ruprecht nach Italien und trat 1406 dem Marbacher Bund bei. Nach dem Tode seines Vaters 1413 in Ingolstadt zur Regierung gelangt, lebte er mit seinen Verwandten in fortw√§hrendem Unfrieden. Mit Herzog Heinrich dem Reichen, seinem Vetter, hatte er 1417 in Konstanz vor den Augen Kaiser Siegmunds einen heftigen Zank; am Abend wurde er von demselben √ľberfallen und durch mehrere Dolchstiche schwer verwundet. In der Fehde mit Heinrich und dessen Schwager, Markgraf Friedrich von Brandenburg, √ľber dessen Belehnung mit dem fr√ľher wittelsbachischen Brandenburg L. erz√ľrnt war, pl√ľnderte er die feindlichen Lande, unterlag aber 1422 bei Alling unweit M√ľnchen und nahm hierauf Kaiser Siegmunds Vermittelung des Friedens an. 1425 kam es wegen des Straubinger Erbes zwischen den bayrischen Herzogen wieder zum Streit; im Vergleich von 1429 erhielt L. das Sch√§rdinger Viertel. Wegen √úbergriffen gegen die Kl√∂ster 1433 vor das Konzil in Basel geladen, erschien er nicht, ward mit dem Bann, 1434 auch mit der Acht belegt und befreite sich nur durch Unterwerfung und Zahlung gro√üer Summen. Da er seinen nat√ľrlichen Sohn Wieland von Freiberg beg√ľnstigte, so begann sein √§ltester Sohn, Ludwig der H√∂ckerige (Bucklige, geb. 1404), 1438 Krieg gegen den Vater und brachte ihn 1443 in seine Gewalt, in der er bis zum Tode seines Sohnes 1445 blieb. Nun bem√§chtigte sich Albrecht von Brandenburg seiner und lieferte ihn 1446 an seinen Todfeind Heinrich von Landshut aus. L. starb in Burghausen im Kerker. Sein Verm√∂gen und Gebiet erbte Heinrich. Vgl. K. v. Lang, Geschichte Ludwigs des B√§rtigen, Herzogs zu Ingolstadt (N√ľrnb. 1821).

16) L. IX., der Reiche, Herzog von Bayern-Landshut, geb. 21. Febr. 1417, gest. 18. Jan. 1479, ward von seinem Vater Heinrich dem Reichen aus Geiz knapp in Burghausen gehalten und folgte ihm 29. Juli 1450. Ungeheuer reich, freigebig und prachtliebend, hielt er einen prunkvollen Hof; sein Hochzeitsfest mit Amalie von Sachsen und sp√§ter das seines Sohnes Georg mit der polnischen K√∂nigstochter Hedwig blieben wegen der entfalteten Pracht noch lange in Andenken. Obwohl friedliebend, suchte er das Ansehen des wittelsbachischen Hauses im Reich zu heben, nahm im Verein mit seinem Vetter Friedrich dem Siegreichen von der Pfalz 1458 Donauw√∂rth und k√§mpfte gl√ľcklich gegen Albrecht Achilles von Brandenburg, der sich ein Gericht √ľber ihn angema√üt hatte. Er zwang ihn 1460 zum Vertrag von Roth, und als Albrecht von neuem den Reichskrieg gegen L. erregte, besiegte er ihn 19. Juli 1462 bei Giengen. Hierdurch erwarb er Bayern die ihm geb√ľhrende Stellung im Reiche wieder und brachte es durch eine weise Verwaltung in Sicherheit, Rechtspflege, Hebung des Ackerbaues, Handels und Gewerbes, endlich auch in geistiger Bildung zu hoher Bl√ľte; 1472 gr√ľndete er die Universit√§t Ingolstadt. Vgl. A. Kluckhohn, L. der Reiche (N√∂rdling. 1865).

17) L. I. Karl August, K√∂nig von Bayern, √§ltester Sohn des K√∂nigs Maximilian Joseph aus dessen erster Ehe mit Auguste von Hessen-Darmstadt, geb. 25. Aug. 1786 in Stra√üburg, wo sein Vater als Oberst des franz√∂sischen Regiments d'Alsace stand, gest. 29. Febr. 1868 in Nizza. Er ward in Mannheim, wohin seine Eltern 1789 vor der Revolution fl√ľchteten, und in Rohrbach an der Bergstra√üe einfach und streng erzogen und geno√ü den Unterricht vortrefflicher Lehrer. Als sein Vater 1799 Kurf√ľrst von Bayern wurde, siedelte er mit seinen Eltern nach M√ľnchen √ľber und studierte seit 1803 in Landshut, dann in G√∂ttingen Staatsrecht, Philosophie und Geschichte. Damals versuchte er sich zuerst in Gedichten, die zwar barock in Wort- und Satzbau und voll Verst√∂√üe gegen die Metrik sind, aber von dem Geist und Gem√ľt des Verfassers zeugen; eine hohe Begeisterung f√ľr das Vaterland, den Genius des deutschen Volkes erf√ľllte ihn. Seine erste Reise nach Italien 1804 f√∂rderte seinen lebhaften Kunstsinn. 1806 begleitete er Napoleon nach Paris und befehligte 1807 im franz√∂sischen Heer die bayrische Division, ebenso im Kriege von 1809 eine Division des bayrischen Korps unter Lefebvre, obwohl er Napoleon ha√üte. Um so schmerzlicher war es ihm, an dem Kriege gegen Frankreich 1813‚Äď14 nicht teilnehmen zu d√ľrfen. In der Friedenszeit widmete er sich besonders der Kunst, namentlich in Rom, wo er sich zweimal, 1817‚Äď18 und 1820‚Äď21, l√§nger aufhielt, und begann den Bau der Glyptothek, f√ľr deren Sammlung er schon 1804 die Ank√§ufe begonnen hatte. An der Politik nahm er wenig Anteil; nur den Sturz Montgelas' (s. d.) 1817, dessen bureaukratischer Rationalismus seinen romantischen Anschauungen zuwiderlief, und die Einf√ľhrung der Verfassung bef√∂rderte er. Seine liberalen Grunds√§tze bet√§tigte er auch in den ersten Jahren nach seiner Thronbesteigung (12. Okt. 1825): das Zensuredikt wurde aufgehoben, der Kirche gr√∂√üere Freiheit gelassen, und seine erste Thronrede 17. Nov. 1827 verk√ľndete noch weitere Reformen. Die arg zerr√ľtteten Finanzen wurden durch bedeutende Ersparungen in Ordnung gebracht, die Universit√§t Landshut wurde reorganisiert und 1826 nach der Hauptstadt verlegt, sowie die gro√üartigen Kunstbauten und Sammlungen begonnen, wof√ľr er seine Privatmittel aufwandte. Cornelius, Schnorr, Kaulbach u.a. wurden nach M√ľnchen berufen, um es mit Fresken und Gem√§lden zu schm√ľcken; Schwanthaler schuf zahlreiche Bildwerke, die Glasmalerei und Gie√ükunst wurden neu belebt. 1826 wurde der Grundstein zur Pinakothek, 1830 zur Walhalla gelegt. Lebhaft hatte L. der Freiheitskampf der Hellenen besch√§ftigt; als K√∂nig lieh er ihnen seine materielle und moralische Unterst√ľtzung und brachte der Einsetzung seines Sohnes Otto als K√∂nig von Griechenland 1832 bedeutende Opfer aus seinem Privatverm√∂gen (√ľber 2 Mill. Gulden), bereiste auch 1835‚Äď1836 selbst Griechenland. Allm√§hlich aber besann sich L. auf seine k√∂niglichen Rechte und seine Pflicht, das monarchische Prinzip zu wahren, zumal als die St√§nde ihm √∂fters opponierten oder ungeduldig Forderungen stellten, und seitdem der liberale Minister F√ľrst Wallerstein 1837 zur√ľckgetreten war. Mit der Ernennung Abels (s. d. 3) zu seinem Nachfolger wuchs auch die Macht der ultramontanen Partei, der L. selbst durch seine romantische Vorliebe f√ľr die katholische Kirche und ihre mittelalterlichen Einrichtungen Vorschub leistete. Zahlreiche Kl√∂ster erstanden wieder, Klagen √ľber Beeintr√§chtigung der Protestanten wurden laut, die Zensur lebte von neuem auf, Unterricht und Wissenschaft wurden vernachl√§ssigt. Die klerikalen Anma√üungen wurden endlich L. selbst unertr√§glich; aber der √§u√üere Anla√ü, der L. zum Sturz des wenig beliebten Ministeriums Abel bewog, raubte diesem Schritt seine Popularit√§t: erst als das Ministerium 11. Febr. 1847 sich weigerte, die Indigenatsverleihung an die Freundin Ludwigs, die abenteuerliche T√§nzerin Lola Montez (s. Montez), gegenzuzeichnen, erhielt es seine Entlassung, und der freisinnige Staatsrat v. Maurer trat an die Spitze der Regierung, dem jedoch bald F√ľrst Wallerstein folgte. Die Opposition der ultramontanen Professoren und Studenten in M√ľnchen reizte L. so, da√ü er mit scharfen Polizeima√üregeln einschritt und im Februar 1848 sogar die Universit√§t schlo√ü. Als dies, verbunden mit der Erregung der Februarrevolution, zu Unruhen in M√ľnchen Anla√ü gab, legte er 20. M√§rz 1848 die Krone nieder; ihm folgte sein √§ltester Sohn, Kronprinz Maximilian. L. war zu wenig Staatsmann, um bestimmte Ziele mit Konsequenz zu verfolgen. Nur in der ausw√§rtigen Politik hielt ihn seine echt deutsche Vaterlandsliebe ab (von seinen Bestrebungen zur Wiedererwerbung der badischen Pfalz abgesehen), mit fremden M√§chten zu intrigieren; er w√ľnschte lebhaft die Einigung Gesamtdeutschlands. Von bedeutendem Einflu√ü war L. durch seine Bef√∂rderung der Kunst auf die geistige Entwickelung Bayerns und Deutschlands; gerade seine Vielseitigkeit war hier von Vorteil. Auch nach seiner Abdankung verwendete er gro√üe Mittel aus seinem Privatverm√∂gen auf Kunstwerke, Sammlungen und Bauten: die M√ľnchener Kirchen, die Neue Pinakothek, die Befreiungshalle in Kelheim, die Propyl√§en wurden vollendet. Im ganzen verwendete L. 213/4 Mill. Gulden f√ľr Bauten und Kunst. Bis zum h√∂chsten Alter war er k√∂rperlich und geistig frisch. Er war von stattlicher Figur, seine Haltung aber nicht straff, auch infolge seiner Schwerh√∂rigkeit. In seinem √Ąu√üern h√∂chst einfach, liebte er den Verkehr mit den verschiedensten Volksschichten; wegen seiner leutseligen, witzigen Unterhaltungsgabe war er sehr beliebt, vor allem bei den K√ľnstlern. Seine Leiche wurde in der Bonifatiuskirche zu M√ľnchen beigesetzt, 1860 in M√ľnchen seine Reiterstatue, 1897 in Br√ľckenau ein Denkmal errichtet. Er war seit 12. Okt. 1810 mit der Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen (geb. 8. Juli 1792, gest. 26. Okt. 1854) verm√§hlt, die ihm vier S√∂hne, Maximilian, seinen Thronfolger (gest. 1864), Otto, Exk√∂nig von Griechenland (gest. 1867), Luitpold (s. d.) und Adalbert (gest. 1875), und vier T√∂chter, Mathilde, Gemahlin des Gro√üherzogs Ludwig von Hessen (gest. 1862), Adelgunde, verm√§hlt mit dem Herzog Franz von Modena (Witwe seit 1875), Hildegard, Gemahlin des Erzherzogs Albrecht von √Ėsterreich (gest. 1864), und Alexandra (gest. 1875), gebar. Seine ¬ĽGedichte¬ę erschienen in vier B√§nden (M√ľnch. 1829‚Äď47), eine Auswahl (2 Bdchn.) in Reclams Universal-Bibliothek; die sp√§tern gab Laubmann heraus (M√ľnch. 1888). Au√üerdem ver√∂ffentlichte er: ¬ĽWalhallas Genossen¬ę (M√ľnch. 1843) und das vielfach ausgef√ľhrte Lustspiel ¬ĽRezept gegen Schwiegerm√ľtter¬ę (nach dem Spanischen, Berl. 1866). Vgl. Sepp, L. I. Augustus, K√∂nig von Bayern, und das Zeitalter der Wiedergeburt der K√ľnste (Schaffh. 1869; 2. Aufl., Regensb. 1903); K. Th. v. Heigel, L. I., K√∂nig von Bayern (Leipz. 1872, 2. Ausg. 1888); Reidelbach, K√∂nig L. I. von Bayern und seine Kunstsch√∂pfungen (M√ľnch. 1887, Volksausgabe 1888); Riedl, L. Augustus, K√∂nig von Bayern (Freiburg 1888); S√∂ltl, L. I. und Graf v. Armansperg (N√∂rdl. 1886); Trost, K√∂nig L. I. von Bayern in seinen Briefen an seinen Sohn, den K√∂nig Otto von Griechenland (Bamberg 1891).

18) L. II. Otto Friedrich Wilhelm, geb. 25. Aug. 1845 in Nymphenburg, gest. 13. Juni 1886, Sohn Maximilians II. und der K√∂nigin Maria, einer Tochter des Prinzen Wilhelm von Preu√üen, sollte, mit 18 Jahren gro√üj√§hrig geworden, eine Universit√§t besuchen, als ihn der Tod seines Vaters 10. M√§rz 1864 zur Regierung berief. Mit den Staatsgesch√§ften befa√üte sich der junge K√∂nig nur so weit, wie es unerl√§√ülich war; selbst 1866 hielt er sich zur√ľckgezogen auf Schlo√ü Berg am Starnberger See und der benachbarten Roseninsel und √ľberlie√ü sich ganz seiner schw√§rmerischen Neigung f√ľr die Kunst Richard Wagners, den er an seinen Hof zog, mit Auszeichnungen √ľberh√§ufte und verschwenderisch beschenkte, aber schon Anfang 1866 entlie√ü. L. trat nun etwas aus seiner Einsamkeit heraus und verlobte sich auch 1867 mit der Herzogin Sophie von Bayern (der jetzigen Herzogin von Alen√ßon); indes nach der baldigen Aufl√∂sung dieser Verlobung wurde L. menschenscheuer denn je und hielt sich nur selten in M√ľnchen auf, meist auf Schlo√ü Berg, den Sommer in Hohenschwangau und auf Linderhof. Der Widerstand der klerikalen Partei gegen das L. sehr sympathische Ministerium Hohenlohe (s. d. 6) und die Feindseligkeit derselben gegen seinen hochverehrten Lehrer D√∂llinger dr√§ngten den K√∂nig mehrfach, in den Fragen des Tages Partei zu ergreifen; doch war seine Beteiligung an den √∂ffentlichen Dingen nicht andauernd und gleichm√§√üig. Von gro√üer Bedeutung war sein Auftreten im Juli 1870 beim Ausbruch des deutsch-franz√∂sischen Krieges, bei dem er entschlossen f√ľr Teilnahme auf seiten Preu√üens eintrat. Das Angebot der Kaiserw√ľrde, das er im Namen der √ľbrigen F√ľrsten und Freien St√§dte im Dezember K√∂nig Wilhelm machte, war dagegen nur eine diplomatisch bis ins kleinste vorbereitete Form. Am Kriege selbst nahm er nicht teil, besuchte Versailles nie und lie√ü sich selbst beim Einzug seines Heeres in M√ľnchen 16. Juli 1871 nur wenig sehen. Im h√∂chsten Grade stolz auf seine Souver√§nit√§t, vermied er m√∂glichst pers√∂nliche Ber√ľhrungen mit dem neuen Kaiserhaus und gab seine Mi√üstimmung √ľber Ovationen, die dessen Gliedern dargebracht wurden, gelegentlich in gereizter Sprache zu erkennen. Ebenso aber trat er im Oktober 1875, als die klerikale Kammermajorit√§t in einer Adresse das ihm genehme Ministerium Pfretzschner (s. d.) offen anklagte und vom K√∂nig, dessen Person sogar auf unziemliche Weise in die Debatte gezogen wurde, sehr entschieden Erf√ľllung ihrer W√ľnsche verlangte, dieser Anma√üung schroff entgegen und versicherte 1876 im Landtagsabschied das Ministerium seines unersch√ľtterten Vertrauens. Dieser festen Haltung gegen die ultramontane Kammermajorit√§t blieb er auch in den n√§chsten Jahren getreu. Dagegen steigerte sich seine Menschenscheu, so da√ü er selbst mit den Ministern nur schriftlich verkehrte und nur Bediente und Ordonnanzen in seiner Umgebung duldete; derselben Wurzel entstammte seine Vorliebe f√ľr Privattheaterauff√ľhrungen (s. Heigel 1). Er lebte meist in Linderhof oder auf dem neuerbauten Schlo√ü Neuschwanstein bei Hohenschwangau, das er mit gro√üem Kostenaufwand erbaute. Auch auf Herrenchiemsee begann er einen gro√üartigen Bau nach dem Muster des Versailler Schlosses und lie√ü dies Schlo√ü wie Linderhof im Geschmack des von ihm verehrten Ludwig XIV., des ¬Ľroi-soleil¬ę, ausschm√ľcken. Die ins Ungeheuere anschwellenden Kosten der Bauten √ľberh√§uften die Zivilliste mit immer wachsenden Schulden; die Vorstellungen der Kabinettsr√§te dagegen wurden mit Entlassung beantwortet. Nachdem der Finanzminister Freiherr v. Riedel (s. d.) 1884 die dr√ľckendsten Schulden durch eine Anleihe gedeckt hatte, steigerten sich nur die Bausucht und Verschwendung des K√∂nigs; er verlangte immer neue Millionen und erlie√ü 1886 Verhaftsbefehle gegen die sich weigernden Minister. Um die Staatsgesch√§fte k√ľmmerte er sich gar nicht mehr. Die Mitglieder des k√∂niglichen Hauses und die Minister mu√üten unter diesen Umst√§nden eine Geisteserkrankung des K√∂nigs annehmen, und nachdem die Irren√§rzte die Vermutung 8. Juni 1886 best√§tigt hatten, √ľbernahm Prinz Luitpold 10. Juni die Regentschaft, da der j√ľngere Bruder des K√∂nigs, Otto, gleichfalls geisteskrank war. L. wurde von Neuschwanstein nach Schlo√ü Berg gebracht, st√ľrzte sich aber auf einem Spaziergang im Park 13. Juni in den Starnberger See; sein Begleiter, der Irrenarzt Gudden, ertrank beim Versuch, ihn zur√ľckzuhalten, gleichfalls. Die Sektion des Gehirns best√§tigte die Vermutung unheilbarer Geisteskrankheit. Vgl. Lampert, L. II., K√∂nig von Bayern (M√ľnch. 1890); K. v. Heigel, K√∂nig L. II. (Stuttg. 1892); Luise von Kobell, K√∂nig L. II. und die Kunst (M√ľnch. 1898) und K√∂nig L. II. und F√ľrst Bismarck im Jahre 1870 (Leipz. 1899); R√∂ckl, L. II. und Richard Wagner. 1864, 1865 (M√ľnch. 1903).

19) L. Leopold Joseph Maria Alois Alfred, Prinz von Bayern, geb. 7. Jan. 1845 in M√ľnchen, √§ltester Sohn des Prinz-Regenten Luitpold und pr√§sumtiv bayrischer Thronfolger, trat in das Heer, wurde 25. Juli 1866 in dem Gefecht bei Helmstadt schwer verwundet, gab deshalb den aktiven Milit√§rdienst bald auf, bekleidet jedoch im deutschen Heere den hohen Rang eines Generalobersten. Am 20. Febr. 1868 verm√§hlte er sich mit der Erzherzogin Maria Theresia von Modena (geb. 2. Juli 1849), die ihm elf Kinder, darunter vier S√∂hne (der √§lteste Prinz Rupprecht, s. d.), gebar. Er widmete sich besonders dem Studium der Landwirtschaft, f√∂rderte auch das Kanalsystem und nahm mannigfach an √∂ffentlichen Angelegenheiten teil, wobei er sich als vortrefflicher Redner bew√§hrte. 1901 wurde er zum Dr. ing. der Technischen Hochschule und zum Dr. oecon. publ. der Universit√§t M√ľnchen ernannt. Vgl. Reidelbach, Prinz L. von Bayern (M√ľnch. 1905).

[Braunschweig.] 20) L. Ernst, Herzog zu Braunschweig, geb. 25. Sept. 1718 in Wolfenb√ľttel, gest. 12. Mai 1788 in Eisenach, Sohn des Herzogs Ferdinand Albrecht II., trat 1737 in kaiserliche Kriegsdienste und k√§mpfte gegen die T√ľrken, wurde 1740 zum Herzog von Kurland gew√§hlt, aber von der 1741 auf den Thron erhobenen russischen Kaiserin Elisabeth nicht zugelassen, nahm dann im √∂sterreichischen Heer am √Ėsterreichischen Erbfolgekrieg und am 2. Schlesischen Krieg teil und trat 1750 als Feldmarschall in niederl√§ndische Dienste, um das Heerwesen zu reformieren. Nach Wilhelms IV. Tode (1751) wurde er Generalkapit√§n und, als dessen Witwe Anna starb, 1759‚Äď66 Vormund Wilhelms V. und tats√§chlich oberster Leiter der Republik. Als 1780 der Krieg mit England ausbrach, beschuldigte ihn die Patriotenpartei, durch seine Unt√§tigkeit das Land wehrlos gemacht zu haben, und verlangte seine Bestrafung. L. verlie√ü 1784 die Niederlande. Vgl. Schl√∂zer, L. Ernst, Herzog zu Braunschweig (G√∂tting. 1786); Nijhoff, De hertog van Brunswijk, 1750‚Äď1784 (Haag 1889).

[Frankreich.] 21) L. I.,König von Aquitanien, römischer Kaiser, s. Ludwig 1).

22) L. II., der Stammler (le Bègue), geb. 846, gest. 10. April 879, Sohn Karls des Kahlen und der Irmentrud, wurde von seinem Vater 867 zum König von Aquitanien ernannt und folgte ihm 877 in Frankreich. Er war vermählt mit Ansgarde von Burgund, die ihm Ludwig III. und Karlmann, sodann mit Adelheid, die nach seinem Tode Karl den Einfältigen gebar. Die erstern teilten sich nach seinem Tod in das Reich.

23) L. III., √§ltester Sohn des vorigen, erhielt in der Teilung von 881 Neustrien und starb 5. Aug. 882 kinderlos. Sein Land fiel an Karlmann. Auf seinen Sieg √ľber die Normannen bei Saulcourt, im Januar 881, bezieht sich das Ludwigslied (s. d.).

24) L. IV., der √úberseeische (Ultramarinus oder d'Outremer) genannt, weil seine Mutter Ethgiva ihn in England erziehen lie√ü, geb. 921, gest. 10. Sept. 954, Enkel Ludwigs II., Sohn Karls des Einf√§ltigen, ward im Juni 936 von Hugo von Francien zum K√∂nig erhoben. Er wollte sich von Hugos Vormundschaft befreien, erweckte aber dadurch dessen und der √ľbrigen gro√üen Vasallen Zorn. Mit Hilfe der Normannen brachte ihn Hugo 945 auf verr√§terische Weise in Gefangenschaft. Kaiser Otto d. Gr., sein Schwager, befreite ihn (946) und setzte ihn 950 wieder als K√∂nig ein: einen bef√§higten und energischen Herrscher, dem nur die Macht zur Erreichung gro√üer Ziele gefehlt hat. Seine Gemahlin Gerberga, Schwester Ottos I., gebar ihm zwei S√∂hne, Lothar III., der ihm folgte, und Karl. Vgl. Lauer, Le r√®gne de Louis IV d'Outremer (Par. 1900).

25) L. V., der Faule (le Fainéant), geb. 966, gest. im Mai 987, Sohn Lothars III. und der Emma, ward von seinem Vater als Mitregent angenommen und trat nach dessen Tode 986 die Regierung allein an. Mit L. endigte die Dynastie der Karolinger. Vgl. Lot, Les derniers Carolingiens (Par. 1891).

26) L. VI., der Dicke (le Gros), geb. 1078, gest. 1. Aug. 1137, Sohn Philipps I. und der Berta, war seit 1100 Mitregent seines Vaters und folgte ihm 29. Juli 1108 auf dem Thron. Ein mutiger, tatendurstiger und dabei besonnener und klug berechnender F√ľrst, unterwarf er in zahllosen K√§mpfen die Vasallen seiner unmittelbaren Besitzungen Isle-de-France und Orl√©anais und schuf so f√ľr das K√∂nigtum eine feste Grundlage. Kirche und Volk unterst√ľtzten ihn eifrig gegen den r√§uberischen Adel. Schlie√ülich vermochte er auch s√ľdlich von der Loire seine k√∂nigliche Macht zur Anerkennung zu bringen. Seinen Nachfolger Ludwig verm√§hlte er 1137 mit Eleonore, der Erbin von Aquitanien. Vgl. Luchaire, Recherches sur les premi√®res ann√©es de la vie de Louis le Gros (Par. 1886) und Louis VI, le Gros; annales de sa vie et de son r√®gne (1889).

27) L. VII., der J√ľngere (le Jeune), Sohn des vorigen, geb. 1120, gest. 18. Sept. 1180, folgte seinem Vater 1137. Gewissensbisse wegen der Zerst√∂rung der Stadt Vitry bestimmten L., 1147 einen Kreuzzug zu unternehmen; aber diese Unternehmung, die zwei Jahre dauerte, hatte keinen Erfolg. Durch die Trennung von seiner sittenlosen Gemahlin Eleonore (1152), die sodann Heinrich Plantagenet, K√∂nig von England, heiratete und diesem die reiche aquitanische Erbschaft zubrachte, legte er den Grund zu langen Kriegen mit England, die zun√§chst den Verlust des gesamten Westens und S√ľdwestens Frankreichs (35 der heutigen Departements) an England zur Folge hatten. L. nahm 1179 seinen Sohn Philipp II. August zum Mitregenten an. Vgl. Luchaire, √Čtudes sur les actes de Louis VII (Par. 1885); D. Hirsch, Studien zur Geschichte K√∂nig Ludwigs VII. von Frankreich (Leipz. 1892).

28) L. VIII., geb. 1187, gest. 8. Nov. 1226, Enkel des vorigen, Sohn Philipp Augusts und der Isabella von Hennegau, folgte seinem Vater 1223. Noch als Prinz hatte er 1216 einen vergeblichen Versuch gemacht, mit Hilfe der aufst√§ndischen englischen Gro√üen England in Besitz zu nehmen. Gleich nach seiner Thronbesteigung fiel L. in Poitou ein, das er eroberte. Einen mit dem K√∂nig von England auf vier Jahre geschlossenen Waffenstillstand benutzte L. zu einem Kreuzzuge gegen die Albigenser. L. drang bis dicht vor Toulouse vor, erkrankte aber t√∂dlich in den Winterquartieren. Seine Gemahlin Blanka von Kastilien gebar ihm elf Kinder, darunter Ludwig den Heiligen (s. den folgenden Artikel) und Karl I. von Anjou (s. Karl 39). Vgl. Petit-Dutaillis, √Čtude sur la vie et le r√®gne de Louis VIII (Par. 1894); Berger, Histoire de Blanche de Castille, reine de France (1895).

29) L. IX., der Heilige, Sohn des vorigen, geb. 25. April 1215 im Schlo√ü Poissy, gest. 25. Aug. 1270 vor Tunis, folgte seinem Vater im November 1226 unter Vormundschaft seiner Mutter Blanka von Kastilien und f√ľhrte seit 1236 selbst die Regierung. Er berief t√ľchtige M√§nner in seinen Rat, f√ľhrte die strengste Sparsamkeit ein, steuerte dem Mi√übrauch der geistlichen Gerichtsbarkeit, stillte die Unruhen in der Bretagne und unterwarf den Grafen Raimund von Toulouse. Im Sommer 1248 schiffte er sich zu einem Kreuzzug ein, landete im Juni 1249 zu Damiette, schlug das mohammedanische Heer und eroberte die Stadt; doch fiel er 5. April 1250 samt seinen Br√ľdern Alfons und Karl in feindliche Gefangenschaft, aus der sie sich durch die Abtretung Damiettes und 8000 Goldbyzantiner (etwa 100,000 Mark Silber) loskaufen mu√üten. Hierauf schiffte er sich mit den √úberresten des Heeres 1251 nach Akka ein, nahm Tyros und C√§sarea und blieb in Pal√§stina, bis ihn 1254 der Tod seiner Mutter nach Frankreich zur√ľckrief. Er vereinigte durch Vertrag und Heimfall viele Provinzen mit der Krone, schlo√ü 1259 mit Heinrich III. von England einen Vergleich, in dem er England den Besitz seiner Lande an der Garonne best√§tigte, f√ľr diese aber die Lehnshuldigung und den Verzicht auf die Normandie und das Loiregebiet empfing; er schaffte die Gottesurteile ab, gew√∂hnte die Gro√üen an die Oberaufsicht der k√∂niglichen Gerichte (Parlamente) und ordnete sie seiner k√∂niglichen Autorit√§t v√∂llig unter. 1270 unternahm er auf Anregung seines Bruders Karl von Anjou einen neuen Kreuzzug gegen Tunis. Eine Seuche raffte jedoch einen gro√üen Teil des Heeres weg, und L. selbst ward ein Opfer derselben. Der Papst Bonifatius VIII. kanonisierte 1297 L. wegen seiner Fr√∂mmigkeit, die ihn nicht verhindert hatte, den p√§pstlichen Anma√üungen mit w√ľrdevoller Festigkeit entgegenzutreten; sein Tag ist der 25. August. Die Krone Frankreichs hie√ü seitdem die Krone des heil. L., und ihm war der h√∂chste Orden geweiht, den die K√∂nige vor der Revolution verliehen. Verm√§hlt war er seit 1231 mit Margarete von Provence, die ihm zehn Kinder gebar. Sein Nachfolger war sein Sohn Philipp III. Sein Leben beschrieben: sein Zeitgenosse und Freund Jean de Joinville (s. d.), in neuerer Zeit Villeneuve-Trans (Par. 1839, 3 Bde.), Le Nain de Tillemont (das. 1846‚Äď51, 6 Bde.), Scholten (M√ľnst. 1850‚Äď55, 2 Bde.), Faure (Par. 1865, 2 Bde.) und Wallon (4. Aufl., Tours 1893). Vgl. Boutaric, Saint Louis et Alfonse de Poitiers (Par. 1870); Elie Berger, Saint Louis et Innocent IV (das. 1893) und Les derni√®res ann√©es de saint Louis (1902); Bunger, Die Beziehungen Ludwigs IX. zur Kurie (D√ľsseld. 1896); Sternfeld, Ludwigs des Heiligen Kreuzzug nach Tunis (Berl. 1896); Davis, The invasion of Egypt by Louis IX (Lond. 1898); Perry, Saint Louis of France (das. 1901).

30) L. X., der Z√§nker (le Hutin), geb. 1289, gest. 4. Juni 1316, Urenkel des vorigen und √§ltester Sohn Philipps des Sch√∂nen und der Johanna von Navarra, folgte 1305 seiner Mutter als K√∂nig von Navarra und Graf von Champagne und 1314 seinem Vater auf den Thron Frankreichs, opferte die R√§te desselben der feudalen Reaktion, die er beg√ľnstigte, befahl aber zugleich aus fiskalischem Interesse den Leibeignen auf den k√∂niglichen G√ľtern, sich loszukaufen. Verm√§hlt war er erst mit Margarete von Burgund, die ihm Johanna, die Erbin von Navarra, gebar, und nach deren Ermordung mit Klementia von Ungarn. Er starb, ohne einen Sohn zu hinterlassen.

31) L. XI., geb. 3. Juli 1423 in Bourges, gest. 30. Aug. 1483 in Plessis-les-Tours, der √§lteste Sohn Karls VII. und der Maria von Anjou, zeigte von Jugend auf einen herrschs√ľchtigen, t√ľckischen Charakter. trat als erkl√§rter Feind von seines Vaters Ministerium und der Geliebten desselben, Agnes Sorel, auf und stellte sich 1440 sogar an die Spitze der Praguerie, einer Verbindung der Gro√üen gegen die G√ľnstlinge seines Vaters. Die Emp√∂rer wurden von Karl bald unterworfen, L. aber begnadigt, mit der selbst√§ndigen Regierung des Dauphin√© und 1444‚Äď45 mit dem Kommando gegen die Schweizer betraut. Indes brach zwischen dem Dauphin und den eigens√ľchtigen R√§ten seines Vaters ein heftiger Zwist aus, infolgedessen L. 1456 an den Hof des Herzogs von Burgund floh. Als ihm nach seines Vaters Tode 1461 die Krone zufiel, traf die alten R√§te schwere Verfolgung und die Gro√üen heimt√ľckische Feindschaft, namentlich die H√§user Burgund und Bretagne, was 1465 zu einer Koalition des Adels (la ligue du bien public) f√ľhrte, an deren Spitze sein Bruder Karl von Berri und Karl der K√ľhne, der sp√§tere Herzog von Burgund, standen. Nach der unentschiedenen Schlacht bei Monthl√©ry mu√üte L. den Gro√üen erhebliche Zugest√§ndnisse machen. 1468 fiel L. zu P√©ronne in die Gefangenschaft Karls des K√ľhnen und mu√üte sich durch einen dem√ľtigenden Vertrag befreien. Bald indes erneuerte er mit dem Herzog von Burgund die H√§ndel, die nun bis 1472 dauerten, und bei denen sich L. mit den Schweizern, √Ėsterreich und dem Herzog Renatus von Lothringen verband. Nach dem Tode Karls des K√ľhnen (1477) zog L. die burgundischen St√§dte in der Picardie und das Herzogtum Burgund als er√∂ffnetes Mannslehen ein; die √ľbrige Erbschaft entging ihm durch die Verm√§hlung Marias von Burgund mit Maximilian. Einige andre wichtige Erwerbungen machte L., indem er 1481 die Grafschaft Provence und Forcalquier sowie Anjou und Maine als heimgefallene Lehen in Beschlag nahm. L. war einer der unterrichtetsten M√§nner seines Jahrhunderts, klug und fest, unerm√ľdlich t√§tig und gerecht, wo nicht die Interessen seiner Macht im Spiel waren, dann aber hinterlistig und grausam, wie er denn seinen des Verrates beschuldigten Minister, den Kardinal La Balue, elf Jahre lang in einen K√§fig sperrte; dabei war er im h√∂chsten Grad abergl√§ubisch, mi√ütrauisch und heuchlerisch. Er umgab sich, um sich von den Gro√üen unabh√§ngig zu machen, mit Vorliebe mit Dienern niedern Standes, wie Olivier le Dain, seinem Barbier, seinem ¬ĽGevatter¬ę dem Henker Tristan u.a. Seine Verdienste um Frankreich sind aber sehr bedeutend. Er vernichtete die gro√üen Vasallenstaaten innerhalb des Reiches und dehnte die k√∂nigliche Herrschaft bis zu den Pyren√§en, Alpen und Jura aus. Er bef√∂rderte Handel und Industrie, insbes. den Acker- und Bergbau, richtete regelm√§√üige Posten ein, berief zu den Sitzungen des Staatsrates einsichtsvolle M√§nner, verlieh den Stadtgemeinden eine neue, auf freiem Wahlrecht beruhende Verfassung unter einem Maire (B√ľrgermeister) und war √§u√üerst sparsam in der Verwendung der Staatsgelder. Die zeitweilige Aufhebung der von seinem Vater erteilten Pragmatischen Sanktion erwarb ihm von seiten des Papstes den Titel Rex christianissimus. Als Freund der Wissenschaften bekundete er sich durch Errichtung von Buchdruckereien, Reformation der Pariser Universit√§t, Gr√ľndung andrer Hochschulen und Berufung griechischer Gelehrten. Verm√§hlt war er seit 1436 mit Magarete von Schottland, sodann seit 1451 mit Charlotte von Savoyen, die ihm drei S√∂hne, darunter seinen Nachfolger, Karl VIII., und drei T√∂chter gebar. Vgl. Duclos, Histoire de Louis XI (Par. 1745, 4 Bde.); Comines (s. d.), M√©moires (das. 1524; neue Ausg. von Dupont, 1840‚Äď48, 3 Bde.); Legeay, Histoire de Louis XI (das. 1874, 2 Bde.); ¬ĽLettres de Louis XI¬ę (hrsg. von Vaesen u. Charavay, das. 1885‚Äď1903, Bd. 1‚Äď9); Buet, Louis XI et l'unit√© fran√ßaise (2. Aufl., Tours 1886); Zeller u. Luchaire, Louis XI et la maison de Bourgogne (das. 1887); S√©e, Louis XI et les villes (Par. 1892); Rey, Louis XI et les √©tats pontificaux de France au XVe si√®cle (das. 1899); Calmette, Louis XI, Jean II et la r√©volution catalane (Toulouse 1902); Combet, Louis XI et le Saint-Si√©ge (Par. 1903); Brachet, Pathologie mentale des rois des France: Louis XI et ses ascendants (das. 1903). Delavigne hat L. zum Gegenstand eines Dramas gemacht und Walter Scott ihn in ¬ĽQuentin Durward¬ę trefflich geschildert.

32) L. XII., K√∂nig von Frankreich, aus der Seitenlinie Valois-Orl√©ans, geb. 27. Juni 1462 in Blois, gest. 1. Jan. 1515, war der Urenkel Karls V. und der Sohn des Herzogs Karl von Orl√©ans und der Maria von Kleve. Nach Ludwigs XI. Tode der √§lteste Prinz von Gebl√ľt, machte er auf die Vormundschaft √ľber Karl VIII. Anspruch, die dessen Schwester Anna von Beaujeu f√ľhrte, wurde aber bei St.-Aubin 1488 besiegt und drei Jahre lang gefangen gehalten. Nach Karls Tode bestieg L. 1498 den Thron, und seine Regierung ward eine milde und gerechte (¬ĽVater des Volkes¬ę). So verringerte er die Auflagen und verbesserte die Rechtspflege. Um so ungl√ľcklicher war seine ausw√§rtige Politik. Als Enkel der mail√§ndischen Prinzessin Valentine, der Tochter des Herzogs Galeazzo Visconti, erhob er Anspr√ľche auf Mailand und nahm es 1499 in Besitz. Sodann verband er sich mit Ferdinand von Aragonien zur Eroberung des K√∂nigreichs Neapel. Das Land wurde erobert, √ľber seine Teilung brach aber unter den Siegern selbst Krieg aus; L. wurde 1503 aus Neapel vertrieben. 1509 trat L. der zur Dem√ľtigung Venedigs geschlossenen Liga von Cambrai bei; er befehligte selbst sein Heer und schlug die Venezianer 1509 bei Agnadello. Als jedoch der Papst sich von ihm trennte und die Heilige Liga gegen Frankreich schlo√ü, die Schweizer von L. abfielen und das franz√∂sische Heer im Juni 1513 bei Novara besiegten und aus Italien vertrieben, Heinrich VIII. und Maximilian in Frankreich eindrangen und ein andres franz√∂sisches Heer unter Longueville 17. Aug. 1513 bei Guinegate (Sporenschlacht) schlugen, mu√üte er mit dem Papst, England, Spanien und dem Kaiser 1514 Frieden schlie√üen. Verm√§hlt war er mit Johanna, Tochter Ludwigs Kl., sodann mit Karls VIII. Witwe Anna von Bretagne (gest. 1514), durch welche Ehe er den Erwerb der Bretagne f√ľr Frankreich sicherte, und zuletzt mit Marie von England. Da er nur zwei T√∂chter aus zweiter Ehe hinterlie√ü, folgte ihm sein Schwiegersohn Franz I. Vgl. de Seyssel, Histoire de Louis XII (Par. 1558); Anton (gest. 1527), Chroniques de Louis XII (hrsg. von Maulde-La Clavi√®re, 1891‚Äď95, 4 Bde.); Maulde-La Clavi√®re, Histoire de Louis XII (1889‚Äď93, 6 Bde.); P√©lissier, Louis XII et Ludovic Sforza (1896).

33) L. XIII., K√∂nig von Frankreich, geb. 27. Sept. 1601 in Fontainebleau, gest. 14. Mai 1643, aus dem Haus Bourbon, Sohn Heinrichs IV. und der Maria de' Medici, bestieg nach der Ermordung des Vaters (14. Mai 1610) unter der Vormundschaft der Mutter den Thron. Schon im September 1614 ward er zwar f√ľr m√ľndig erkl√§rt und heiratete 1615 die spanische Prinzessin Anna, blieb aber stets schwach und unselbst√§ndig und √ľberlie√ü die Regierung zun√§chst seiner Mutter und deren G√ľnstlingen, unter denen der Italiener Concini gro√üen Einflu√ü besa√ü. Am 14. April 1617 ward Concini jedoch mit Vorwissen des K√∂nigs auf Betreiben von Ludwigs Vertrauten Luynes niedergeschossen, die K√∂nigin-Mutter verbannt. L. oder vielmehr sein G√ľnstling Luynes leitete nun selbst den Staat; er hatte sofort mit einem Aufstande der Hugenotten zu k√§mpfen. Nach Luynes' fr√ľhem Tode (1621) und Vieuvilles Sturz 1624 berief der K√∂nig den Kardinal Richelieu in den Rat, der bald als erster Minister das Reich und den K√∂nig beherrschte und den ehrgeizigen Adel unterdr√ľckte. Richelieu veranla√üte L. auch zu mehreren Kriegen, zun√§chst gegen die Hugenotten, denen nach der Einnahme La Rochelles 1628 ihre politischen Vorrechte genommen wurden (1629), dann gegen das Haus Habsburg in Italien, wo L. nach einem gl√ľcklichen Feldzug 1630 im Frieden von Cherasco 6. April 1631 seinem Sch√ľtzling, dem Herzog von Nevers, die Belehnung mit Mantua verschaffte. Da der Herzog Karl von Lothringen franz√∂sische Rebellen unterst√ľtzt hatte, lie√ü L. im Herbst 1633 ganz Lothringen erobern. Auch zur Teilnahme am Drei√üigj√§hrigen Krieg bestimmte Richelieu den K√∂nig, um die habsburgische Macht zu schw√§chen. An Spanien war 1635 der Krieg erkl√§rt worden. W√§hrend sich 1641 die aufgestandenen Katalonier an Frankreich ergaben, unterwarf ein franz√∂sisches Heer, zu dem der schon kranke K√∂nig abging, die Grafschaft Roussillon. L. starb wenige Monate nach seinem allm√§chtigen Minister. Er war schw√§chlichen K√∂rpers, unentschlossen und argw√∂hnisch. Seine Gemahlin Anna von √Ėsterreich (s. Anna 5) gebar ihm 1638 den Dauphin, der als Ludwig XIV. auf dem Thron folgte, und 1640 den Herzog Philipp von Orl√©ans, den Stammvater des Hauses Orl√©ans. Vgl. Bazin, Histoire de France sous Louis XIII (neue Ausg., Par. 1846, 4 Bde.); Topin, Louis XIII et Richelieu (1876); B. Zeller, √Čtudes critiques sur le r√®gne de Louis XIII (1879 bis 1880, 2 Bde.), La minorit√© de Louis XIII, 1610‚Äď1612 (1892‚Äď97, 2 Bde.), Louis XIII, Marie de M√©dicis, chef du conseil (1898) und Louis XIII, Marie de M√©dicis, Richelieu ministre (1899); de Beauchamp, Louis XIII d'apr√®s sa correspondance avec le cardinal de Richelieu 1622‚Äď1642 (1902); Batiffol, Au temps de Louis XIII (1903); Guillon, Le mort de Louis XIII (1897).

34) L. XIV. (Louis le Grand), K√∂nig von Frankreich, geb. 5. Sept. 1638, gest. 1. Sept. 1715, Sohn des vorigen und der Anna von √Ėsterreich, folgte seinem Vater 14. Mai 1643 unter Vormundschaft seiner Mutter und dein Einflu√ü Mazarins. Die alsbald beginnenden Unruhen der Fronde (s. d.) wurden erst mit der Unterwerfung Cond√©s und dem Pyren√§ischen Frieden 1659 beendet. Auch nachdem L. 1651 m√ľndig geworden, √ľberlie√ü er die Z√ľgel der Regierung den bew√§hrten H√§nden Mazarins. Erst seit des letztern Tode (9. M√§rz 1661) regierte er selbst√§ndig und entwickelte eine von ihm nicht erwartete Energie und T√§tigkeit. Die ministerielle Allgewalt, wie solche sich seit 1624 unter Richelieus und Mazarins kr√§ftigem und klugem Regiment ausgebildet hatte, vereinigte er nun in seiner Person mit der k√∂niglichen Macht und Autorit√§t, und indem er sich mit Eifer wie auch mit Kenntnis und nat√ľrlichem Verstande den Gesch√§ften widmete, begr√ľndete er die absolute Monarchie in Frankreich, deren gl√§nzendster Repr√§sentant er wurde durch seine imponierende Erscheinung, die geschmackvolle Pracht, die er entwickelte, und sein w√ľrdevolles und doch immer anmutendes Benehmen. In der Auswahl und Verwendung seiner Minister und Generale bew√§hrte L. haupts√§chlich seinen Herrscherberuf. Gleich bei Beginn seiner Regierung berief er Le Tellier, Colbert und Lyonne in seinen Rat, dann noch Louvois, Namentlich Colbert trug durch seine durchgreifenden Reformen in den Finanzen und der Rechtspflege, durch sch√∂pferische Ma√üregeln f√ľr Hebung von Industrie und Handel zur Erh√∂hung der Macht und des Ruhmes seines K√∂nigs bei und lieferte ihm die Mittel zur Ausstellung eines Heeres, in dem der kriegslustige Ehrgeiz des franz√∂sischen Adels Befriedigung fand, und das Frankreich zum m√§chtigsten Staat Europas machte. Ob die Bewerbung Mazarins um die deutsche Kaiserkrone f√ľr L. XIV. nur ein diplomatischer Schachzug gewesen ist, steht noch nicht fest. Die im Pyren√§ischen Frieden verabredete Verm√§hlung (1660) Ludwigs mit der spanischen Infantin Maria Theresia, deren Verzicht auf ihr Erbrecht L. von vornherein f√ľr wirkungslos erkl√§rte, gab ihm einen Anspruch auf die spanische Monarchie, die teilweise oder ganz zu erwerben fortan das stete Ziel seiner ausw√§rtigen Politik vor. Bereits 1667, nach dem Tode seines Schwiegervaters Philipp IV., erhob er auf Grund des Devolutionsrechts Erbanspr√ľche auf die spanischen Niederlande, eroberte diese, ohne viel Widerstand zu finden, im Sommer 1667, sowie im Februar 1668 die Franche-Comt√©, mu√üte sich aber infolge der drohenden Haltung der Tripelallianz im Frieden von Aachen (2. Mai 1668) mit zw√∂lf Festungen an der belgischen Grenze begn√ľgen. Um die Republik der Niederlande f√ľr ihre Opposition zu z√ľchtigen, machte er durch Bestechung England und Schweden von der Tripelallianz abwendig, gewann die deutschen Grenznachbarn der Niederlande, K√∂ln und M√ľnster, f√ľr sich, und nachdem er das Heer auf 200,000 Mann gebracht und vortrefflich ausger√ľstet hatte, fiel er im Fr√ľhjahr 1672 √ľber die ganz unvorbereiteten Niederlande her, eroberte sie in wenigen Wochen fast ganz und kehrte triumphierend nach Paris zur√ľck, als die Niederl√§nder sich unter Wilhelm III. von Oranien erhoben und bei Brandenburg wie auch beim deutschen Kaiser und beim Reich, endlich auch bei Spanien Hilfe fanden. Diese Koalition und der Abfall Englands zwangen L., auf die Eroberung der Republik zu verzichten und sich auf eine Erweiterung der Ost- und Nordgrenze durch v√∂llige Unterwerfung des Elsa√ü und Eroberungen spanischen Gebiets, namentlich der Franche-Comt√©, zu beschr√§nken. Diese L√§nder behielt er auch im Frieden von Nimwegen 1678.

Jetzt stand L. auf der H√∂he seiner Macht: sein Heer war das zahlreichste, bestorganisierte und bestgef√ľhrte der Welt; seine Diplomatie beherrschte durch ihre Geschicklichkeit alle H√∂fe; die franz√∂sische Nation √ľberragte in Kunst und Wissenschaften alle √ľbrigen und entwickelte in Industrie und Handel eine √ľberraschend erfolgreiche T√§tigkeit; die Koryph√§en der Literatur priesen L. als das Ideal eines F√ľrsten. Der Hof von Versailles, wohin L. seine Residenz verlegte, deren Bau 150 Mill. Frank kostete, war der Gegenstand des Neides, der Bewunderung und Nachahmung f√ľr alle gro√üen und kleinen Monarchen. Die Nation sah in L. die Verk√∂rperung des Staates und opferte ihm freiwillig alle politischen Rechte; ¬Ľl'√Čtat c'est moi!¬ę hat L. zwar nicht gesagt, aber er h√§tte es mit Recht sagen k√∂nnen. In seiner Eitelkeit lie√ü er seinen Ruhm und seinen Glanz √ľberall verherrlichen, man pries ihn als ¬Ľle roi-soleil¬ę. L. legte auch der Aus√ľbung seiner Allgewalt keine Schranken auf. Die frevelhafte Kom√∂die der R√©unionskammern diente ihm zur Abrundung und Erweiterung der vielfach zerrissenen Grenzen; bei der √úberrumpelung von Stra√üburg 30. Sept. 1681 glaubte er selbst diese Form nicht mehr n√∂tig zu haben. W√§hrend er die T√ľrkengefahr des Deutschen Reiches benutzte, um im Waffenstillstand von 1684 die Abtretung der R√©unionen zu erzwingen, wurde Genua in Brand geschossen, weil es sich den Launen des franz√∂sischen Despoten nicht f√ľgen wollte. Auch in religi√∂sen Dingen sollte nur Ein Wille und Ein Gesetz herrschen: der Jansenismus wurde unterdr√ľckt, aber auch der Einflu√ü des Papsttums beschr√§nkt durch die Annahme der vier Artikel der gallikanischen Kirche auf dem Nationalkonzil von 1682. Die Rechte der Protestanten wurden erst m√∂glichst beschr√§nkt, ihr Gottesdienst erschwert, endlich im Oktober 1685 das Edikt von Nantes ganz aufgehoben; die Auswanderung derer, die ihren Glauben auch nicht √§u√üerlich abschw√∂ren wollten, wurde mit den h√§rtesten Strafen bedroht. Dennoch verlie√üen 200,000 Refugi√©s Frankreich, dessen Industrie unwiederbringlichen Schaden litt. Da L. in diesem gewaltsamen Treiben immer weiter ging, brachte er endlich fast ganz Europa gegen sich auf. Indem er Jakobs II. von England Plan, dort die katholische Kirche wieder herzustellen, unterst√ľtzte, bef√∂rderte er die englische Revolution von 1688, die seinen entschiedensten Gegner, Wilhelm von Oranien, auch dort an die Spitze des Staates brachte. Mit Papst Innozenz XI. geriet er √ľber das Asylrecht der franz√∂sischen Gesandtschaft zu Rom in Streit und besetzte 1688 sogar Avignon. Das Deutsche Reich endlich zwang er zum Kriege durch seine Einmischung in die k√∂lnische Bischofswahl und den gegen den Willen der Erbin, seiner Schw√§gerin Elisabeth Charlotte von Orl√©ans, erhobenen Erbanspruch auf einen Teil der Pfalz. Gegen die gro√üe Koalition von 1689 behauptete zwar die franz√∂sische Landarmee, nachdem sie die schmachvolle Verw√ľstung der Pfalz ausgef√ľhrt, in den Niederlanden, am Rhein und in Piemont ihre alte √úberlegenheit; aber die Versuche, die vertriebenen Stuarts nach England zur√ľckzuf√ľhren, mi√ülangen alle, und in der Schlacht bei La Hougue 29. Mai 1692 ward die franz√∂sische Seemacht vernichtet. Die Hilfsquellen Frankreichs begannen zu versiegen. Obwohl L. 1697 im Frieden zu Ryswyk Elsa√ü und Stra√üburg behielt, mu√üte er Lothringen, Luxemburg, den Breisgau und die Alpenfestung Pignerol zur√ľckgeben. So bezeichnet dieser Friede einen Stillstand, ja R√ľckschritt. Der Plan einer franz√∂sischen Universalmonarchie unter L. war nun unausf√ľhrbar. Die hohen Steuern, Mi√üwachs und Teurung hatten den Wohlstand des Landes sehr gesch√§digt und Unzufriedenheit erregt. L. vers√∂hnte sich mit dem Papst und gab 1693 die gallikanische Unabh√§ngigkeit preis.

In der spanischen Erbfolgefrage, die nun in den Vordergrund des Interesses trat, verstand sich L. zu Vertr√§gen mit den Seem√§chten, die sein Erbrecht begrenzten. Als aber der kinderlose Karl II. von Spanien 1. Nov. 1700 starb und sein Testament Ludwigs zweiten Enkel, Philipp von Anjou, zum Erben der gesamten Monarchie ernannte, konnte L. der Versuchung nicht widerstehen, nahm f√ľr seinen Enkel die Erbschaft an und rief so den Spanischen Erbfolgekrieg hervor, in dem Frankreich auch seine milit√§rische √úberlegenheit nicht mehr behaupten konnte. Dem Prinzen Eugen und Marlborough waren die Nachfolger Turennes, Cond√©s, Luxembourgs und Catinats nicht gewachsen. Von 1704‚Äď1709 folgte Niederlage auf Niederlage, schon drangen die Verb√ľndeten in Frankreich ein, die Kr√§fte des Landes waren ersch√∂pft, und die Sehnsucht nach Frieden war allgemein. L. war auch bereit, ihn mit den gr√∂√üten Opfern, nicht blo√ü Verzicht auf Spanien, sondern sogar Herausgabe aller Eroberungen in Deutschland, zu erkaufen; aber mit berechtigtem Stolz weigerte er sich, seinen Enkel, der sich mit Erfolg in Spanien behauptete, selber mit franz√∂sischen Truppen vertreiben zu helfen. Der Sturz des Whigministeriums in England f√ľhrte in der Tat den Abfall der Seem√§chte von √Ėsterreich und den Separatfrieden von Utrecht 1713 herbei, dem sich Kaiser und Reich 1714 anschlie√üen mu√üten. L. behauptete die Grenzen seines Reiches und rettete seinem Enkel den Hauptteil der spanischen Monarchie; aber die Bl√ľte seines Landes war geknickt, die Finanzen zerr√ľttet, die Schuldenlast auf 2 Milliarden gewachsen. Von seinen sechs legitimen Kindern starben die f√ľnf j√ľngern fr√ľh; der √§lteste Sohn, der Dauphin Ludwig, starb 1711. Da 8. M√§rz 1712 auch dessen √§ltester Sohn, der Herzog von Bourgogne, und im M√§rz 1714 sein Bruder, der Herzog von Berri, starben, blieb au√üer Philipp V. von Spanien nur der Sohn des Herzogs von Burgund √ľbrig, der dem Urgro√üvater im Alter von f√ľnf Jahren als Ludwig XV. folgte. Ludwigs einflu√üreichste M√§tressen waren nacheinander die Lavalli√®re (s. d.), die ihm vier, die Montespan, die ihm sechs Kinder gebar, die Fontanges und die Witwe Scarron, Fran√ßoise d'Aubign√©, die er zur Marquise von Maintenon erhob, und mit der er sich nach Maria Theresias Tod (1683) im Herbst 1685 heimlich verm√§hlte. 1822 wurde L. auf der Place des Victoires zu Paris ein Reiterstandbild (von Bosio modelliert) im Kost√ľm eines r√∂mischen Imperators errichtet; ein √§lteres Denkmal (von J. Warin) befindet sich in Versailles (s. Tafel ¬ĽBildhauerkunst XII¬ę, Fig. 7), ein andres (Reiterstandbild von Lemot) auf der Place Bellecour in Lyon. Seine ¬ĽŇíuvres¬ę, welche die Instruktionen f√ľr den Dauphin (diese ¬ĽM√©moires¬ę besonders herausgegeben von Drey√ü, 1859, 2 Bde.) und f√ľr Philipp V. sowie auch Briefe enthalten, erschienen zu Paris 1806 in 6 B√§nden. Vgl. Voltaire, Si√®cle de Louis XIV (1740); Saint-Simon, M√©moires sur le si√®cle de Louis XIV et la R√©gence (1788, viele Auflagen; hrsg. von Ch√©ruel, 2. Aufl. 1886‚Äď89, 21 Bde.); Gaillardin, Histoire du r√®gne de Louis XIV (1871‚Äď78, 6 Bde.); Philippson, Das Zeitalter Ludwigs XIV. (2. Aufl., Berl. 1889); Ch√©ruel, Histoire de France pendant la minorit√© de Louis XIV (1878‚Äď80, 4 Bde.); Bonnem√®re, La France sous Louis XIV (3. Aufl. 1892, 2 Bde.); Michelet, Louis XIV et la r√©vocation de l'√©dit de Nantes (3. Aufl. 1875); Michaud, Louis XIV et Innocent XI (1882‚Äď83, 4 Bde.); Cl√©ment, La police sous Louis XIV (2. Aufl. 1866); Comte de Cosnac, Souvenirs du r√®gne de Louis XIV (1874‚Äď81, 8 Bde.); Marquis de Sourches, M√©moires sur le r√®gne de Louis XIV (hrsg. von Cosnac und Pontal, 1882‚Äď93, 13 Bde.); Chotard, Louis XIV, Louvois, Vauban (1890); G√©rin, Louis XIV et le Saint-Si√®ge (1894, 2 Bde.); Ch√©rot, La premi√®re jeunesse de Louis XIV (1894); Perey, Le roman du Grand Roi: Louis XIV et Marie Mancini (3. Aufl. 1894); Bourgeois, Le grand si√®cle. Louis XIV (1895; deutsch, Leipz. 1896); Waldteufel, La politique √©trang√®re de Louis XIV (1898); Vast, Les grands trait√©s du r√®gne de Louis XIV (1893‚Äď99, 3 Bde.); Lacour-Gayet, L'√©ducation politique de Louis XIV (1898); Dhanys, Marie Mancini et Louis XIV (1901); Heuz√©, La cour intime de Louis XIV (1902); A. Barine, Louis XIV et la Grande Mademoiselle (1805).

35) L. XV., K√∂nig von Frankreich, geb. 15. Febr. 1710, gest. 10. Mai 1774, Sohn Ludwigs, Herzogs von Burgund, und der Prinzessin Maria Adelheid von Savoyen, folgte seinem Urgro√üvater Ludwig XIV. schon 1. Sept. 1715 unter der Regentschaft des Herzogs Philipp von Orl√©ans auf dem Thron. Ein schw√§chliches Kind, erhielt er durch Marschall Villeroi und Kardinal Fleury eine sehr fromme Erziehung. 1723 wurde er bereits f√ľr m√ľndig erkl√§rt, √ľbernahm aber noch nicht selbst die Regierung. Nach dem Tode des Herzogs von Orl√©ans (2. Dez. 1723) ward der Herzog von Bourbon zum obersten Staatsminister ernannt; aber 1726 trat Fleury in diese Stelle ein und verwaltete sie bis an seinen Tod (1743). Wiewohl friedliebend und auf Ordnung in den Finanzen und auf Hebung des Wohlstandes bedacht, wurde er doch in den Polnischen Erbfolgekrieg verwickelt, der zwar mit der Vertreibung des franz√∂sischen Sch√ľtzlings Stanislaus Leszczinski aus Polen endete, aber 1738 im Wiener Frieden Frankreich die Anwartschaft auf Lothringen verschaffte. Als Fleury 1743 w√§hrend des √Ėsterreichischen Erbfolgekrieges starb, √ľbernahm L. selbst die Leitung des Staates. Er besa√ü Bildung und ein treffendes Urteil; aber es fehlte ihm ausdauernde T√§tigkeit. W√§hrend er seine Gemahlin Maria, die Tochter des fr√ľhern K√∂nigs Stanislaus Leszczinski, durchaus vernachl√§ssigte, nahmen anderweite grob sinnliche Liebschaften bald fast seine ganze Zeit in Anspruch; nur um Kleinigkeiten k√ľmmerte er sich, und selbst in der ausw√§rtigen Politik, der er noch das meiste Interesse zuwendete, wechselte er sprungweise seine Gesichtspunkte oder verfolgte in geheimer Korrespondenz mit diplomatischen Agenten besondere Pl√§ne. Im √Ėsterreichischen Erbfolgekrieg erfocht zwar das franz√∂sische Heer unter L. selbst bei Fontenoy 1745 und dann unter dem Marschall von Sachsen mehrere Siege, um so ungl√ľcklicher wurde aber der Krieg in Italien und zur See gef√ľhrt, und im Frieden von Aachen mu√üte L. auf alle Eroberungen verzichten und Maria Theresia als Erbin ganz √Ėsterreichs anerkennen. Noch nachteiliger f√ľr Frankreichs Machtstellung und seine Finanzen wie f√ľr den Ruhm seiner Armee war Ludwigs Teilnahme am Siebenj√§hrigen Krieg auf seiten des eben erst bek√§mpften √Ėsterreich. W√§hrend Frankreich seine √ľberseeischen Kolonien seinem Gegner England √ľberlie√ü, erlitt es auch zu Lande fast nur Niederlagen, so da√ü schlie√ülich der Friede von Paris 1763 ihm nicht nur nicht den gehofften Gewinn, die Niederlande, brachte, sondern es auch die Besitzungen in Nordamerika, seine Stellung in Ostindien, seine Seemacht kostete. Die Nation war durch diesen Ausgang eines kostspieligen Krieges in ihrem Selbstgef√ľhl aufs empfindlichste verletzt. Ludwigs frivoles Verhalten mu√üte notwendig die Erbitterung der Gem√ľter vermehren und Verachtung gegen das einst so hoch gepriesene K√∂nigtum erwecken. Er gestattete seinen M√§tressen, unter denen die Marquise von Pompadour die wichtigste war, einen √ľberaus wirksamen Einflu√ü; sie durften sich auf Kosten der Staatsfinanzen aufs schamloseste bereichern und ihre Verwandten und G√ľnstlinge in hohe, eintr√§gliche √Ąmter bringen. 1757 ward durch Damiens (s. d.) ein Mordanfall auf L. ver√ľbt. Indem er in der Wahl seiner Minister fortw√§hrend schwankte, bald einen Anh√§nger von Reformen, wie Choiseul, bald einen Vertreter des starren Absolutismus, wie Aiguillon, berief, geriet er zuletzt mit den Hauptst√ľtzen des K√∂nigstums, dem Klerus und den Parlamenten, in Konflikt. Den erstern reizte er durch die Vertreibung der Jesuiten 1762 und durch Anspr√ľche auf die Kircheng√ľter, die Opposition der Parlamente wurde nur durch deren gewaltsame Aufhebung beseitigt. Seine letzte M√§tresse war eine √∂ffentliche Dirne, die er zum Schein mit einem Grafen Dubarry verheiratete. Er hinterlie√ü den Staat mit einer Schuldenlast von 4000 Mill. Livres und in fast unheilbarer Zerr√ľttung. Sein einziger legitimer Sohn, der Dauphin, war 20. Dez. 1765 gestorben; daher folgte ihm sein Enkel Ludwig XVI. auf dem Thron. Vgl. Voltaire, Si√®cle de Louis XV (1768‚Äď70, 2 Bde.); Barbier (gest. 1771), Journal historique et anecdotique du r√®gne de Louis XV (1849‚Äď56, 4 Bde.); Capefigue, Louis XV et la soci√©t√© du XVIII. si√®cle (2. Aufl. 1854); Tocqueville, Histoire philosophique du r√®gne de Louis XV (2. Aufl. 1847, 2 Bde.); Jobez, La France sous Louis XV (1864‚Äď73, 6 Bde.); Boutaric, Correspondance secr√®te in√©dite de Louis XV sur la politique √©trang√®re (1866, 2 Bde.); Herzog von Broglie, Le secret du roi. Correspondance secr√®te de Louis XV avec ses agents diplomatiques 1752‚Äď1774 (1878, 2 Bde.) und Fr√©d√©ric II et Louis XV 1742‚Äď1744 (1884, 2 Bde.); Pajol, Les guerres sous Louis XV (1881‚Äď92, 7 Bde.); Graf Fleury, Louis XV intime (1900); Bonhomme, Louis XV et sa famille (1873); de Nolhac, Louis XV et Marie Leczinska (1902, 9. Aufl. 1904; deutsch, Berl. 1905) und Louis XV et Mme. de Pompadour (1904; deutsch, das. 1905); Gauthier-Villars, Le mariage de Louis XV (1900); Foulon de Vaulx, La vieillesse de Louis XV (1901); Vandal, Louis XV et Elisabeth de Russie (1882); Carr√©, La France sous Louis XV (1891); Soulange-Bodin, La diplomatie de Louis XV et le Pacte de famille (1894); Waddington, Louis XV et le renversement des alliances (1896) und La guerre de sept'aus, Bd. 1 (1900).

36) L. XVI. August, K√∂nig von Frankreich, geb. 23. Aug. 1754, gest. 21. Jan. 1793, Enkel des vorigen, dritter Sohn des Dauphins Ludwig und der Maria Josepha von Sachsen (vgl. Stryienski, La m√®re des trois derniers Bourbons. Marie-Jos√®phe de Saxe et la cour de Louis XV, 1902), ward durch den Tod seiner √§ltern Br√ľder und seines Vaters 1765 Dauphin. Er besa√ü von Natur einen starken K√∂rper, viel Herzensg√ľte, aber mittelm√§√üige Anlagen, und war zwar zur Fr√∂mmigkeit, aber in Unwissenheit und g√§nzlicher Unkenntnis der Staatsgesch√§fte erzogen worden, auch denkfaul und unbeholfen. Die gr√∂√üte Vorliebe zeigte der Prinz f√ľr mechanische Arbeiten und die Jagd. Obschon in der Mitte des verderbten Hofes erzogen, bewahrte er sich doch einfache, reine Sitten. Am 10. Mai 1770 verm√§hlte er sich mit Marie Antoinette (s. Marie II) von √Ėsterreich; am 10. Mai 1774 bestieg er den Thron. Der junge K√∂nig brachte unter den schwierigsten Verh√§ltnissen nichts mit auf den Thron als redlichen Willen, und seine Reformbestrebungen waren nur verwirrende Experimente. Zu sp√§t betrat der zum Minister erhobene greise Maurepas den Weg der Reformen und stellte ausgezeichnete, patriotische M√§nner, wie Vergennes, Saint-Germain, Malesherbes und Turgot, an die Spitze der Verwaltung. Man hob die Tortur, die Reste der Leibeigenschaft, die Z√ľnfte, die willk√ľrlichen Gnadenspenden und Sinekuren auf und schr√§nkte mit dem Willen des K√∂nigs den Hofhalt bedeutend ein. Gr√ľndlichere Reformen scheiterten aber an dem Widerstande der Aristokratie und der Parlamente. Turgot, der Urheber der wichtigsten Reformen, mu√üte bald darauf mit Malesherbes aus der Verwaltung scheiden. Ebenso fiel der Kriegsminister Saint-Germain, nachdem er das Heer durch Einf√ľhrung der preu√üischen Disziplin und zumal der Pr√ľgelstrafe auf das √§u√üerste erbittert hatte. Nach der kurzen, aber verderblichen Finanzverwaltung Clugnys wurde im Juni 1777 Necker Generaldirektor; aber da L., der Volksstimmung weichend, 6. Febr. 1778 ein B√ľndnis mit den nordamerikanischen Kolonien schlo√ü und mit England einen kostspieligen Krieg anfing, kam Necker mit seinen Mitteln, Ersparungen und Anleihen, auf die Dauer nicht aus und mu√üte sich, nachdem er den Hof durch eine r√ľcksichtslose Darlegung seiner Verschwendung √∂ffentlich kompromittiert, 1781 zur√ľckziehen. Die steigende Finanznot zwang den K√∂nig 1787, die Notabeln zu berufen; er erhielt von ihnen die gew√ľnschten Steuern auf die bevorrechteten St√§nde, gegen die aber nun das Parlament opponierte und auf die Generalst√§nde hinwies. Als auch die zweite Notabelnversammlung 1788 der Finanznot nicht abhelfen konnte, berief er, nachdem er Necker von neuem an die Spitze der Verwaltung gestellt, die Reichsst√§nde, die am 5. Mai 1789 in Versailles zusammentraten. In gleicher Weise verfuhr er haltlos und schwankend in dem entscheidungsvollen Sommer 1789. Als sich der dritte Stand 17. Juni d. J. als Nationalversammlung konstituierte, lie√ü sich der K√∂nig von der Hofaristokratie zu der unheilvollen k√∂niglichen Sitzung vom 23. Juni verleiten, in der er die Beschl√ľsse des dritten Standes kassierte. Dieser f√ľgte sich jedoch nicht, und L. bat nun selbst die Geistlichkeit und den Adel, sich mit dem dritten Stand zu vereinigen. Dem K√∂nig blieb jetzt nur √ľbrig, sich selbst an die Spitze der politischen Revolution zu stellen oder sie mit den Waffen in der Hand zu bek√§mpfen. Zum erstern fehlten ihm Energie und √úberzeugung, gegen die Gewalt emp√∂rte sich sein Herz und sprach der zuchtlose Sinn der Armee. Als er sich zur Zusammenziehung eines 30,000 Mann starken Truppenkorps in der N√§he der Hauptstadt bewegen lie√ü und den popul√§ren Necker verabschiedete, bewirkte er nichts als die Erhebung des Pariser P√∂bels und die Erst√ľrmung der Bastille (14. Juli). Darauf best√§tigte er in Paris die Errichtung der revolution√§ren Autorit√§ten und der Nationalgarde. Die Nationalversammlung ging nun an die Abfassung der Konstitution und an die Zertr√ľmmerung des Feudalstaats, und der K√∂nig lie√ü sich auch 11. Sept. die Best√§tigung aller Beschl√ľsse abzwingen. Am 5. Okt. unternahm der P√∂bel von Paris einen Zug nach Versailles, und L. mu√üte dem st√ľrmischen Verlangen des Volkes, das am 6. Okt. in das Schlo√ü eindrang, nachgeben und mit seiner Familie nach Paris in die Tuilerien √ľbersiedeln. Er war von da an v√∂llig gebrochen und hatte alle Willenskraft verloren. Er erwartete nur noch von der Hilfe des Auslandes Errettung, und als auch Mirabeau, mit dem der Hof zuletzt Unterhandlungen angekn√ľpft, 2. April 1791 starb, wurde die Flucht beschlossen, aber langsam und ungeschickt ins Werk gesetzt und erst in der Nacht vom 20. zum 21. Juni unternommen, so da√ü alle getroffenen Ma√üregeln sich unn√ľtz erwiesen, und er von dem Postmeister Drouet, der ihn in Ste. ‚Äď Menehould erkannt, in Varennes angehalten und nach Paris zur√ľckgebracht wurde. Die Nationalversammlung, die am 24. Juni die Suspension ausgesprochen hatte, hob sie wieder auf und dekretierte in der neuen Verfassung die Unverletzlichkeit und Unverantwortlichkeit des K√∂nigs. Dieser leistete, in seinem Gewissen durch die kirchenfeindlichen Gesetze bedr√§ngt, nach langem Str√§uben 14. Sept. 1791 den Eid auf die Konstitution, geriet aber mit der neuen Gesetzgebenden Versammlung in Konflikt durch das Veto, das er den Gesetzen gegen die eidweigernden Priester und die Emigranten entgegensetzte. Seitdem hatte die Gironde seinen Sturz beschlossen. Zu diesem Zweck wurde 20. Juni 1792 ein Zug des P√∂bels nach den Tuilerien veranstaltet. L. ertrug mit W√ľrde und Kaltbl√ľtigkeit drei Stunden lang die Beschimpfungen des P√∂bels. Bei dem gro√üen Sturm des P√∂bels auf die Tuilerien 10. Aug. sah er sich gen√∂tigt, mit seiner Familie Schutz in dem Scho√ü der Nationalversammlung zu suchen, die ihn zum zweiten Male suspendierte. Am folgenden Tage brachte man ihn als Gefangenen mit seiner Familie nach dem Palast Luxembourg und von hier nach einigen Tagen nach dem Temple. Das Gericht √ľber ihn √ľberlie√ü die Versammlung dem am 21. Sept. zusammentretenden Nationalkonvent, der sofort die Abschaffung des K√∂nigtums beschlo√ü. Als L. 11. Dez. vor den Schranken der Versammlung erschien, benahm er sich mit W√ľrde, verteidigte sich mit Ruhe und Geistesgegenwart gegen die leichtfertige Anklageschrift und erhielt Tronchet, Malesherbes und de S√®zes zu Verteidigern. Der Konvent erkl√§rte ihn aber nach einer mehrt√§gigen Debatte der Verschw√∂rung gegen den Staat und die Sicherheit der Nation schuldig und verurteilte ihn 17. Jan. 1793 mit 361 gegen 360 Stimmen zum Tode. L. vernahm sein Schicksal mit gro√üer Fassung. Als ihn der Henker gebunden, rief er noch mit lauter Stimme: ¬ĽVolk, ich sterbe unschuldig!¬ę und zu den Henkern sagte er: ¬ĽMeine Herren, ich sterbe unschuldig an allem, was man mir vorwirft; ich w√ľnsche, da√ü mein Blut das Gl√ľck der Franzosen befestigen m√∂ge¬ę. Sein Leichnam wurde auf dem Kirchhof Ste. ‚Äď Madeleine bestattet, nach der Restauration 1814 aber nach St.-Denis gebracht und auf dem Platz der Hinrichtung eine S√ľhnekapelle errichtet. L. hinterlie√ü zwei Kinder: den Dauphin (s. Ludwig XVII.) und die sp√§tere Herzogin von Angoul√™me (s. d. 3). Vgl. Soulavie, M√©moires historiques et politiques du r√®gne de Louis XVI (1801, 6 Bde.); Droz, Histoire du r√®gne de Louis XVI (2. Aufl. 1858, 3 Bde.; deutsch von Luden, Jena 1842); Tocqueville, Coup d'Ňďil sur le r√®gne de Louis XVI (2. Aufl. 1850); Jobez, La France sous Louis XVI (1877‚Äď93, 3 Bde.); Nicolardot, Journal de Louis XVI (1873); v. Stockmar, L. XVI. und Marie Antoinette auf der Flucht nach Montm√©dy (Berl. 1890); Beaucourt, Captivit√© et derniers moments de Louis XVI (1892, 2 Bde.); Souriau, Louis XVI et la R√©volution (1893).

37) L. XVII., eigentlich Karl L., geb. 27. M√§rz 1785, gest. 8. Juni 1795, zweiter Sohn des vorigen und der Marie Antoinette, hie√ü erst Herzog von der Normandie und wurde durch das am 4. Juni 1789 erfolgte Ableben seines √§ltern Bruders, Ludwig Joseph, Dauphin. Nach seines Vaters Hinrichtung proklamierte ihn sein ausgewanderter Oheim, der Graf von Provence (sp√§ter Ludwig XVIII.), als K√∂nig von Frankreich. Er ward anfangs mit seiner Mutter und seinen Geschwistern zusammen gefangen gehalten, aber im Juli 1793 auf ausdr√ľcklichen Befehl des Konvents einem rohen Jakobiner, dem Schuhmacher Simon, zur Aussicht √ľbergeben, von diesem aber physisch und geistig zugrunde gerichtet. G√§nzlich vernachl√§ssigt und verk√ľmmert, starb er. Eine Kommission, die das Ger√ľcht von der Vergiftung des Dauphins untersuchen sollte, konstatierte den Tod aus nat√ľrlichen Ursachen auf eine gesetzlich-authentische Weise. Sein Leichnam ward 10. Juni in die gemeinsame Gruft des Begr√§bnisplatzes der St. Margaretenpfarrei geworfen und mit ungel√∂schtem Kalk besch√ľttet. Da infolgedessen seine √úberreste nicht mehr zu finden waren, traten mehrere falsche L. XVII. auf, zuerst Jean Marie Hervagault, der Sohn eines Schneiders zu St.-L√ī, geb. 1781, der unter Napoleons I. Regierung in Bic√™tre eingesperrt wurde, wo er 1812 starb. Ein zweiter falscher L., der unter dem Namen Karl von Frankreich Aufsehen erregte, war Mathurin Brumeau, geb. 1784 in Vezins bei Cholet in dem ehemaligen Anjou, wo sein Vater Holzschuhe verfertigte. Vom Gerichtshof in Rouen zu siebenj√§hrigem Gef√§ngnis verurteilt, verscholl er nach der Julirevolution 1830. Der dritte falsche L. XVII. ist der sogen. Herzog von Richmont, dessen eigentlicher Name Fran√ßois Henri H√©bert war, aus der Gegend von Rouen geb√ľrtig. 1834 zu zw√∂lfj√§hriger Hast verurteilt, gelangte er mit Hilfe seiner Anh√§nger nach London, wo er 1845 starb Am wahrscheinlichsten wu√üte sein Vorgeben der Uhrmacher Karl Wilhelm Naundorf aus Potsdam zu machen, zumal seine Gesichtsz√ľge eine auffallende √Ąhnlichkeit mit denen der Bourbonen hatten. Nachdem er seit 1810 in Berlin, Spandau und Brandenburg gelebt und eine Gef√§ngnisstrafe von drei Jahren verb√ľ√üt hatte, ging er 1833 nach Frankreich, ward aber 1836 ausgewiesen, besch√§ftigte sich sodann in England mit milit√§rischen Erfindungen und starb 10. Aug. 1845 in Delft. Seine Kinder nahmen den Namen de Bourbon an und strengten 1851 und 1874 vergebliche Prozesse gegen den Grafen Chambord vor Gerichten von Paris an. Vgl. Eckard, M√©moires historiques sur Louis XVII (1817); Beauchesne, Louis XVII, sa vie, son agonie, sa mort (13. Aufl. 1884, 2 Bde.); Nettement, Histoire populaire de Louis XVII (2. Aufl. 1876); Chantelauze, Louis XVII, son enfance, sa prison et sa mort an Temple (neue Ausg. 1895); Provins, Le dernier roi l√©gitime de France (1889, 2 Bde.; kurze Biographie 1898); Elizabeth Evans, The story of Louis XVII. of France (Lond. 1893); A. Bourgeois, Etude historique sur Louis XVII (Par. 1905); B√ľlau, Geheime Geschichten und r√§tselhafte Menschen, Bd. 2 (Leipz. 1850). Seit Anfang 1905 erscheint in Paris monatlich eine ¬ĽRevue historique de la question Louis XVII¬ę.

38) L. XVIII. Stanislaus Xaver (le D√©sir√© nannten ihn die Royalisten), K√∂nig von Frankreich, geb. 17. Nov. 1755, gest. 16. Sept. 1824, vierter Sohn des Dauphins Ludwig und der Maria Josepha von Sachsen, Bruder Ludwigs XVI., erhielt den Titel eines Grafen von Provence. Seinen Br√ľdern an Geist √ľberlegen, besch√§ftigte er sich mit den alten Klassikern und Philosophie, versuchte sich im Dichten und √ľbersetzte einige B√§nde von Gibbons Geschichtswerk. Nach dem Regierungsantritt Ludwigs XVI. nahm er den Titel ¬ĽMonsieur¬ę an. Er begab sich im Juni 1791 unmittelbar nach der Flucht des K√∂nigs ins Ausland. Als bald darauf der Krieg ausbrach, schlossen sich L. und sein j√ľngerer Bruder, der Graf von Artois, an der Spitze der Emigranten der preu√üischen Armee an. Auf die Nachricht von der Hinrichtung des K√∂nigs rief er den Dauphin als Ludwig XVII. aus, ernannte sich selbst zum Regenten und den Grafen von Artois zum Generalleutnant. Zugleich verlegte er unter dem Namen eines Grafen von Lille seinen Hof nach Verona. Nach dem Tode Ludwigs XVII. (8. Juni 1795) nahm er den K√∂nigstitel an. 1796 auf Bonapartes Drohung aus Verona ausgewiesen, ging er wieder nach Deutschland; 1799 zog er sich nach dem ihm vom Kaiser Paul I. gew√§hrten Asyl zu Mitau in Kurland zur√ľck, wo er sich bis zum Tilsiter Frieden aufhielt. Ende 1807 begab er sich nach England, wo er zu Hartwell in Buckinghamshire mit Studien besch√§ftigt lebte. Als die Verb√ľndeten in Frankreich eingedrungen waren, erlie√ü er 1. Febr. 1814 eine Proklamation, worin er sein g√∂ttliches Thronrecht beanspruchte. Am 26. April 1814 landete er in Calais und hielt 3. Mai seinen Einzug in Paris. Am 4. Juni empfing die Nation aus seinen H√§nden die konstitutionelle Charte. Bei der Ann√§herung Napoleons jedoch verlie√ü L. mit seiner Familie in der Nacht vom 19. zum 20. M√§rz 1815 Paris und floh nach Gent. Nach der Schlacht von Waterloo hielt er unter dem Schutz des Herzogs von Wellington 8. Juli 1815 abermals seinen Einzug in Paris. L. selbst war einer milden, gem√§√üigt liberalen Regierung geneigt, aber die Adels- und Priesterpartei, an deren Spitze sein Bruder, der Graf von Artois, stand, vereitelte seine verst√§ndigen Bem√ľhungen. Er berief Talleyrand und Fouch√©, zwei Napoleonische Minister, in sein Kabinett; indes diese wurden bald von der royalistisch-klerikalen Koterie unter Artois, dem sogen. Pavillon Marsan und der Chambre introuvable, die am 7. Okt. 1815 zusammentrat, gest√ľrzt, denen auch die neuen Minister, Richelieu und Decazes, nicht reaktion√§r genug waren. 1819 trat durch die Wahlen eine liberale Wendung ein, der sich L. bereitwillig anschlo√ü, die indes bereits 1820 durch die Ermordung des Herzogs von Berry unterbrochen wurde. Die neue Kammer, in der die reaktion√§ren Ultras wieder die Majorit√§t hatten, n√∂tigte 1821 L. das Ministerium Vill√®le auf, das nach au√üen (durch die Intervention in Spanien 1823) und nach innen schroff reaktion√§r auftrat. Verm√§hlt war L. seit 1771 mit Luise, Tochter des K√∂nigs Viktor Amadeus von Sardinien. Da er keine Kinder hinterlie√ü, folgte ihm sein Bruder Karl X. Die von Lamothe-Langon herausgegebenen ¬ĽM√©moires de Louis XVIII¬ę (Par. 1832) sind apokryph. Vgl. Alphonse de Beauchamp, Vie de Louis XVIII (3. Aufl. 1825); de Vaulabelle, Histoire des deux Restaurations (3. Aufl. 1864, 8 Bde.; deutsch von Fink, Baden 1846); L. de Viel-Castel, Histoire de la Restauration (1860‚Äď78, 20 Bde.); Petit, Histoire contemporaine de la France, Bd. 8: Louis XVIII (1885); Imbert de Saint-Amand, La cour de Louis XVIII (1891); Malet, Louis XVIII et les Cent-Jours √° Gand (1898‚Äď1902, 2 Bde.); E. Daudet, Louis XVIII et le duc Decazes (1899).

39) L. Philipp (L. XIX.), K√∂nig der Franzosen, geb. 6. Okt. 1773 in Paris, gest. 26. Aug. 1850 in Claremont, der √§lteste Sohn des Herzogs Ludwig Philipp Joseph von Chartres, sp√§tern Herzogs von Orl√©ans (Egalit√©, s. Orl√©ans), und der Prinzessin Luise Marie Adelaide von Penthi√®vre, erhielt bei der Geburt den Titel eines Herzogs von Chartres. Von Frau v. Genlis nach Rousseauschen Prinzipien erzogen, erhielt L. Philipp eine t√ľchtige Verstandesbildung. Gleich seinem Vater schlo√ü er sich der Revolution an, erkl√§rte sich f√ľr die Konstitution, trat in die Nationalgarde und den Jakobinerklub. Am 11. Sept. 1792 Generalleutnant, focht er bei Valmy, Jemappes und Neerwinden. Mit Dumouriez trat er 4. April 1793 auf das √∂sterreichische Gebiet √ľber und begab sich nach der Schweiz, wo er unter dem Namen Chabaud Latour eine Lehrerstelle im Kollegium von Reichenau bekleidete. Als das Direktorium f√ľr die Freilassung seiner Mutter und seiner Br√ľder die Bedingung stellte, da√ü er Europa verlasse, reiste er im Herbst 1796 nach Amerika, von da im Januar 1800 nach England. Er vers√∂hnte sich hier mit den Bourbonen und lebte mit seinen Br√ľdern Montpensier und Beaujolais auf einem Schlo√ü bei Twickenham. Am 25. Nov. 1809 verm√§hlte er sich mit der Prinzessin Marie Amalie von Sizilien, der zweiten Tochter des K√∂nigs Ferdinand I. Er wurde dann als Liberaler von Ludwig XVIII. und dessen Hof mit solchem Mi√ütrauen behandelt, da√ü er erst 1817 dauernd nach Frankreich √ľbersiedelte. Nun widmete er sich der Regelung der tief zerr√ľtteten Verm√∂gensverh√§ltnisse der Familie und der Erziehung seiner Kinder. Naturgem√§√ü richteten sich die Blicke aller Mi√üvergn√ľgten, die eine √Ąnderung w√ľnschten, auf ihn; seine Residenz, das Palais Royal, wurde allm√§hlich der Sammelpunkt der liberalen Partei. Als in der Julirevolution 1830 am 29. Juli auf dem Stadthaus die Absetzung Karls X. ausgesprochen worden, nahm L. Philipp nach l√§ngerer Beratung mit Laffitte, Talleyrand u.a. 31. Juli die ihm angebotene Regentschaft an. Nach der Flucht Karls X. er√∂ffnete er 3. Ang. als Generalleutnant von Frankreich die Kammern, die am 7. Aug. den Thron f√ľr erledigt erkl√§rten und L. Philipp aufforderten, denselben einzunehmen. Am 9. Aug. erkl√§rte der Herzog die Annahme der Krone unter dem Titel eines K√∂nigs der Franzosen und leistete den konstitutionellen Eid. Seine Stellung war schwierig, ' denn er besa√ü die Krone auf Grund weder der Legitimit√§t noch der Volkssouver√§nit√§t, sondern eines Kompromisses der Parteien. Zwar erwarb er durch seine b√ľrgerliche Einfachheit eine Zeitlang eine gewisse Popularit√§t; aber diese nutzte sich doch schnell ab. In der hohen Politik wollte er die extremen Parteien durch Beg√ľnstigung des wohlhabenden Mittelstandes, der Bourgeoisie, im Gleichgewicht halten, das juste-milieu beobachten. Bald aber entwickelte sich daraus eine Parteiregierung, die sich nicht scheute, durch schamlose Beeinflussung der Wahlen sich die Majorit√§t in der Kammer zu sichern. L. Philipp wurde daher von allen √ľbrigen Parteien, den Republikanern, den Legitimisten und den Bonapartisten, aufs heftigste angefeindet. Es kam zu Unruhen und Attentaten auf ihn, wie namentlich dem der H√∂llenmaschine Fieschis 28. Juli 1835, die strenge Repressivma√üregeln zur Folge hatten. Die vielen wohlt√§tigen Gesetze und Einrichtungen, die L. Philipps Regierung Frankreich brachte, namentlich seine F√ľrsorge f√ľr die geistigen Interessen, wurden nicht gew√ľrdigt. Besonders seine ausw√§rtige Politik, die mehrmals einen Anlauf zu gro√üen Aktionen nahm, wie namentlich 1840, im ganzen aber, die Expeditionen nach Italien und Belgien ausgenommen, friedlich war, erregte den Unwillen der Nation, der von der bonapartistischen Partei k√ľnstlich gen√§hrt wurde; gegen diese benahm sich L. Philipp schw√§chlich, indem er den Prinzen Ludwig Napoleon nach beiden Handstreichen, 1836 und 1840, schonte und in letzterm Jahr die Asche Napoleons I. feierlich aus St. Helena abholen und im Invalidendom beisetzen lie√ü. Die Erfolge seiner Regierung in Algerien und im Stillen Ozean kamen nicht in Betracht. Man identifizierte ihn mit dem konservativen Ministerium Guizot; der Widerstand gegen dieses in der Wahlreformfrage richtete sich auch gegen ihn; und als die G√§rung 24. Febr. 1848 zum Ausbruch kam, gen√ľgten weder die Nachgiebigkeit gegen die W√ľnsche des Volkes noch die Abdankung zugunsten des Grafen von Paris zur Beschwichtigung der Revolution. L. Philipp verlie√ü mit seiner Gemahlin Paris und schiffte sich zu Honfleur 2. M√§rz nach England ein. Hier lebte er unter dem Namen eines Grafen von Neuilly in Claremont bei Windsor. Seine Leiche ward 1876 nach Dreux in Frankreich gebracht. Er hatte acht Kinder: Ferdinand Philipp, Herzog von Orl√©ans, der, 1810 geboren, 13. Juli 1842 verungl√ľckte und aus seiner Ehe mit Helene von Mecklenburg den Grafen von Paris und den Herzog von Chartres hinterlie√ü; Luise, Gemahlin des K√∂nigs der Belgier (gest. 1850); Marie, Gemahlin des Prinzen Alexander von W√ľrttemberg (gest. 1839); Ludwig Karl, Herzog von Nemours; Klementine, Herzogin von Koburg-Kohary; Franz Ferdinand, Prinz von Joinville; Heinrich Eugen, Herzog von Aumale; Anton Philipp, Herzog von Montpensier (vgl. Orl√©ans [Geschlecht]). Vgl. Birch, L. Philipp I., K√∂nig der Franzosen (3. Aufl., Stuttg. 1851, 3 Bde.); Montalivet, Le roi Louis-Philippe (2. Aufl. 1851); Lemoine, Abdication du roi Louis-Philippe, racont√©e par lui-m√™me (1851); Cr√©tineau-Joly, Histoire de Louis-Philippe d'Orl√©ans (1862, 2 Bde.); Alex. Dumas, Histoire de la vie politique et priv√©e de Louis-Philippe (1852, 2 Bde.; auch mehrfach deutsch); Nouvion, Histoire du r√®gne de Louis-Philippe (1861, 4 Bde.); Billault de G√©rainville, Histoire de Louis-Philippe (1870‚Äď75, 3 Bde.); Hillebrand, Geschichte Frankreichs von der Thronbesteigung L. Philipps etc. (Gotha 1877‚Äď79, Bd. 1 u. 2); Gazeau de Vautibault, Les Orl√©ans an tribunal de l'histoire, Bd. 7 (1889); Villeneuve, Charles X et Louis XIXen exil. M√©moires in√©dits (1889); Thureau-Dangin, Histoire de la monarchie de juillet (1885‚Äď92, 7 Bde.); Imbert de Saint-Amand, Marie-Am√©lie et l'apog√©e du r√®gne de Louis-Philippe (1894).

40) L. Napoleon, Kaiser der Franzosen, s. Napoleon III.

[Hessen-Darmstadt.] 41) L. I., Gro√üherzog von Hessen-Darmstadt, geb. 14. Juni 1753 zu Prenzlau in der Ukermark, wo damals sein Vater, der nachmalige Landgraf Ludwig IX. (1768‚Äď90), der Gemahl der ¬Ľgro√üen Landgr√§fin¬ę (s. Karoline 3), als preu√üischer Generalmajor in Garnison stand, gest. 6. April 1830, bezog 1769 die Universit√§t in Leiden, trat 1774 auf kurze Zeit (bis September 1775) in russische Kriegsdienste, verzichtete 1776 gegen eine j√§hrliche Pension von 10,000 Rubel auf seine Braut Sophie Dorothea von W√ľrttemberg, die dem damaligen Gro√üf√ľrsten-Thronfolger Paul verm√§hlt ward, besch√§ftigte sich sodann in Darmstadt mit Wissenschaften und Kunst. Dabei stand er in best√§ndiger Verbindung mit dem Weimarer Hof und dessen f√ľhrenden Geistern, bis ihn 1790 der Tod seines Vaters unter dem Namen Landgraf L. X. zur Regierung berief. In den franz√∂sischen Revolutionskriegen k√§mpften seine Truppen am Rhein, im Elsa√ü und in den Niederlanden; L. selbst wohnte der Belagerung von Mainz bei. Nach dem Frieden von Campo Formio (1797) sah er sich im M√§rz 1799 zu einer Neutralit√§tskonvention mit Frankreich gen√∂tigt. F√ľr den Verlust seiner Besitzungen auf dem linken Rheinufer wurde er im Reichsdeputationshauptschlu√ü 1803 unter anderm durch mainzische Besitzungen und das Herzogtum Westfalen entsch√§digt. Im August 1806 trat er dem Rheinbund bei, wurde souver√§ner Gro√üherzog und nannte sich nun L. I. Erst im November 1813 schlo√ü er sich den Verb√ľndeten an und erhielt auf dem Wiener Kongre√ü f√ľr Westfalen namentlich Rheinhessen. Am 21. Dez. 1820 gab er seinem Land eine konstitutionelle Verfassung. Verm√§hlt war er mit Prinzessin Luise Karoline Henriette, Tochter seines Oheims, des Landgrafen Georg Wilhelm von Hessen-Darmstadt. L. huldigte freisinnigen Anschauungen, er f√∂rderte die Wissenschaften und K√ľnste, das Museum, die Hofbibliothek und das Theater. Als der erste deutsche F√ľrst ging er 1828 mit Preu√üen eine Zolleinigung ein. Dieser preu√üisch-hessische Vertrag wurde die Grundlage des Deutschen Zollvereins. 1844 wurde ihm, dem Neubegr√ľnder des Staates, in Darmstadt ein Denkmal errichtet. Vgl. Steiner, L. I. (Offenb. 1842; 2 Supplemente, Darmst. 1866 u. 1869).

42) L. II., Gro√üherzog, Sohn des vorigen, geb. 26. Dez. 1777, gest. 16. Juni 1848, lebte bis zu seinem Regierungsantritt (6. April 1830) meist zur√ľckgezogen in Darmstadt. An eigentlichen Regierungsgesch√§ften durfte er keinen Anteil nehmen, nur beteiligte er sich an den Sitzungen der Ersten Kammer und war von 1823 an Mitglied des Staatsrats. Wohlwollend, aber den liberalen Ideen abhold, lie√ü er den Minister du Thil ein verst√§ndiges, aber bureaukratisches Regiment f√ľhren, w√§hrend es schon infolge der Julirevolution zu Unruhen in Oberhessen und wegen der Schuldenlast, die L. als Erbprinz auf sich geladen hatte und nun auf den Staatshaushalt √ľbernommen wissen wollte, zu Reibungen mit dem Landtag kam. Den Ereignissen von 1848 sich nicht gewachsen f√ľhlend, √ľbertrug er 5. M√§rz 1848 seinem Sohn, dem sp√§tern Gro√üherzog, die Mitregentschaft. L. war verm√§hlt mit Prinzessin Wilhelmine von Baden (gest. 1836), die ihm drei S√∂hne, den Gro√üherzog Ludwig III. (s. unten), Karl, geb. 23. April 1809, gest. 20. M√§rz 1877, Alexander (s. d. 14), geb. 15. Juli 1823, gest. 15. Dez. 1888, und eine Tochter, Marie, geb. 8. Aug. 1824, gest. 3. Juli 1880, seit 1841 die Gemahlin des Gro√üf√ľrsten-Thronfolgers, sp√§tern Kaisers von Ru√üland, Alexander II., gebar. Vgl. Steiner, L. II., Gro√üherzog von Hessen (Darmst. 1848).

43) L. III., Gro√üherzog, Sohn des vorigen, geb. 8. Juni 1806, gest. 13. Juni 1877, hatte vor 1848 wenig Einflu√ü auf die √∂ffentlichen Angelegenheiten, wurde aber f√ľr liberal gehalten und mit Jubel begr√ľ√üt, als ihn der Gro√üherzog 5. M√§rz 1848 zum Mitregenten berief; die Wahl Gagerns zum Minister steigerte seine Popularit√§t. Seit 16. Juni 1848 Gro√üherzog, √§nderte er nach 1850 seine Politik, und unter dem Ministerium Dalwigk (s. d.) erhielt die Kirche, von der Gro√üherzogin, Mathilde von Bayern (geb. 30. Aug. 1813, verm√§hlt 1833, gest. 25. Mai 1862), beg√ľnstigt, weitgehende Rechte und Freiheiten auf Kosten des Staates. L. selbst trat hinter dem allm√§chtigen Minister und dem Bischof von Mainz zur√ľck, nahm 1866 am Kriege gegen Preu√üen teil, behielt aber infolge der Verwandtschaft mit dem russischen Kaiser sein Land fast unverk√ľrzt, trat f√ľr Oberhessen in den Norddeutschen Bund und schlo√ü mit Preu√üen eine Milit√§rkonvention. 1871 trat er mit dem ganzen Land ins Deutsche Reich ein und entlie√ü 6. April d. J. Dalwigk, worauf mit Hofmanns Eintritt im September 1872 ein v√∂lliger Systemwechsel erfolgte. Er starb, seit 1868 morganatisch mit einer Freiin von Hochst√§tten verm√§hlt, kinderlos.

44) L. IV., Gro√üherzog, geb. 12. Sept. 1837, gest. 13. M√§rz 1892, Neffe des vorigen, Sohn des Prinzen Karl von Hessen und der preu√üischen Prinzessin Elisabeth, trat in das preu√üische 1. Garderegiment, verm√§hlte sich 1. Juli 1862 mit der zweiten Tochter der K√∂nigin Viktoria von England, Prinzessin Alice (gest. 14. Dez. 1878), f√ľhrte 1866 eine Brigade im hessischen Kontingent, 1870/71 die hessische (25.) Infanteriedivision und blieb auch im Frieden deren Kommandeur, bis er, durch den Tod seines Vaters (20. M√§rz 1877) Thronerbe geworden, nach dem Tode seines Oheims, des Gro√üherzogs L. III., 13. Juni 1877 als L. IV. den hessischen Thron bestieg. Er √ľbernahm sodann die 3. Armeeinspektion. 1884 verm√§hlte er sich morganatisch mit Frau v. Kolemine, geborne Gr√§fin Czapska, doch ward die Ehe kurz darauf gerichtlich wieder getrennt. Seine Kinder erster Ehe sind: sein Nachfolger Ernst Ludwig (s. Ernst 7), die Prinzessinnen Viktoria (geb. 5. April 1863, seit 1884 Gemahlin des Prinzen Ludwig von Battenberg), Elisabeth (geb. 1. Nov. 1864, seit 1884 Gemahlin des russischen Gro√üf√ľrsten Sergij Alexandrowitsch), Irene (geb. 11. Juli 1866, seit 1888 Gemahlin des Prinzen Heinrich von Preu√üen) und Alix (geb. 6. Juni 1872, seit 1894 als Alexandra Feodorowna Gemahlin des Kaisers Nikolaus II. von Ru√üland). Vgl. Zernin, L. IV., Gro√üherzog von Hessen (Darmst. 1898).

[Mailand.] 45) L. von Mailand, aus dem Hause Sforza; s. Sforza und Mailand (Geschichte).

[Nassau.] 46) Graf von Nassau-Dietz, geb. 10. Jan. 1538 in Dillenburg, gest. 14. April 1574, Bruder Wilhelms I. (s. d.) von Oranien, folgte diesem nach den Niederlanden, erlangte hier durch seinen edlen, ritterlichen Charakter und seinen frommen Eifer f√ľr den Protestantismus gro√üe Popularit√§t, schlo√ü sich dem Adelsbund (1565) an und wurde bald eins seiner H√§upter, verfa√üte 1566 das Kompromi√ü und war 1567 in Deutschland, hier Hilfe zu suchen, als der neue Statthalter der Niederlande, Herzog von Alba, ankam und ihn vor den Blutrat forderte. Schon im Mai 1568 drang Graf L. mit 14,000 Mann in das Groningerland ein, bem√§chtigte sich des Schlosses Wedde und schlug die Spanier 23. Mai bei Heiligerlee, mu√üte sich aber hierauf vor Alba in ein verschanztes Lager bei Jemgum an der untern Ems zur√ľckziehen und erlitt hier 21. Juli eine v√∂llige Niederlage. Er beteiligte sich dann an dem fruchtlosen Heereszug seines Bruders Wilhelm nach Brabant und folgte ihm 1569 zum Admiral Coligny nach Frankreich, wo er an verschiedenen Unternehmungen der Hugenotten teilnahm. Von Karl IX. unterst√ľtzt, brachte er im April 1572 ein kleines Heer unter die Waffen und √ľberrumpelte Mons im Hennegau, wurde aber sodann hier von Alba belagert und mu√üte im September kapitulieren. Er erhielt freien Abzug und kehrte, krank und von den Spaniern mit gr√∂√üter Auszeichnung behandelt, in seine Heimat zur√ľck. 1574 warb er mit franz√∂sischen Subsidien in Deutschland ein Heer von 8000 Mann zu Fu√ü und 2000 Reitern, um in Brabant einzufallen, wurde aber von dem spanischen Heer 14. April auf der Mooker Heide geschlagen und starb beim letzten verzweifelten Kampf nebst seinem Bruder Heinrich den Heldentod. Vgl. Ledderhose, Graf L. von Nassau, ein Lebensbild (Norden 1877); Blok, Lodewijk van Nassau (Haag 1889).

[Neapel.] 47) L. von Tarent, K√∂nig von Neapel, zweiter Sohn des F√ľrsten Philipp von Tarent, verm√§hlte sich 1346 mit der K√∂nigin Johanna I. von Neapel, nachdem deren erster Gemahl, Andreas, 1345 ermordet worden war. 1348 vom K√∂nig Ludwig von Ungarn mit Johanna vertrieben, kehrte er nach dessen Abzug im Sommer 1350 zur√ľck und wurde 1352 zum K√∂nig gekr√∂nt. 1356 versuchte er Sizilien zu erobern, verlor aber die gewonnenen Vorteile in den n√§chsten Jahren wieder. Er starb kinderlos 26. Mai 1362.

48) L. von Anjou, K√∂nig von Neapel, geb. 1339, gest. 21. Sept. 1384, Sohn des K√∂nigs Johann von Frankreich, wurde 1360 von seinem Vater den Engl√§ndern als Geisel f√ľr die Zahlung der Loskaufssumme √ľberliefert, entfloh aber 1363 aus der Gefangenschaft, k√§mpfte, von seinem Bruder, K√∂nig Karl V., zum Statthalter von Languedoc ernannt, mit wechselndem Gl√ľck gegen die Engl√§nder, erzwang 1380 nach Karls V. Tod seine Erhebung zum Regenten an des unm√ľndigen Karl VI. Statt, benutzte diese Stellung aber nur, um Geldmittel f√ľr seine italienischen Pl√§ne zu sammeln, und st√ľrzte das Reich in gro√üe Verwirrung. Von der K√∂nigin Johanna I. von Neapel, die Frankreichs Hilfe gegen Ungarn gewinnen wollte, im Juni 1380 adoptiert und zum Thronerben ernannt, begab er sich 1382 nach Italien, nachdem er in Avignon von Papst Clemens VII. gekr√∂nt worden war, und drang in Neapel ein, wo inzwischen Karl von Durazzo Johanna ermordet und sich des Thrones bem√§chtigt hatte. Im Kampfe gegen Karl erreichte er keine gro√üen Erfolge. Sein Anrecht auf den Thron von Neapel √ľbertrug er auf seinen √§ltesten Sohn, Ludwig II., der sich 1390 nach Neapel begab, nachdem er von Clemens VII. gekr√∂nt worden war, aber nach zehnj√§hrigem, vergeblichem Kampf gegen K√∂nig Ladislaus das Land verlassen mu√üte. Auch ein sp√§terer Versuch Ludwigs, sich im Bunde mit Papst Johann XXIII. und den Florentinern Neapels zu bem√§chtigen, scheiterte 1412. L. starb 1417 in Angers. Sein Sohn Ludwig III. wurde 1420 von Papst Martin V. f√ľr den rechtm√§√üigen Erben von Neapel nach Johannas II. Tod erkl√§rt, auch 1423 von dieser an Kindes Statt angenommen und zum Herzog von Kalabrien erhoben. Er zog 1424 in Neapel ein, mu√üte aber den gr√∂√üten Teil des K√∂nigreichs in den H√§nden seines Rivalen Alfons V. von Aragonien lassen. L. starb 24. Nov. 1434 bei Cosenza. Seine Erbanspr√ľche gingen auf seinen Bruder, Herzog Ren√© von Lothringen, √ľber.

[√Ėsterreich.] 49) L. Joseph Anton, Erzherzog von √Ėsterreich, geb. 13. Dez. 1784 in Florenz, gest. 21. Dez. 1864, j√ľngster Bruder des Kaisers Franz I., stand schon 1809 an der Spitze eines √∂sterreichischen Truppenkorps, erlitt aber bei Abensberg 20. April von Napoleon I. eine Niederlage. Hierauf des Kommandos entbunden, wendete er sich dem Studium der Naturwissenschaften zu und unternahm mit seinem Bruder, Erzherzog Johann, gr√∂√üere wissenschaftliche Reisen. 1822 wurde er zum Generaldirektor der Artillerie ernannt. Seit der Thronbesteigung seines Neffen, des Kaisers Ferdinand, 1835 Chef der aus dem Erzherzog Franz Karl, dem F√ľrsten Metternich und dem Grafen Kolowrat zusammengesetzten geheimen Staatskonferenz, war er ein z√§her Anh√§nger des alten Systems, und zog sich nach den Ereignissen von 1848 ganz aus dem √∂ffentlichen Leben zur√ľck.

50) L. Salvator von Toskana, Erzherzog von √Ėsterreich, geb. 4. Aug. 1847 in Florenz, der zweitj√ľngste Sohn des Gro√üherzogs Leopold II. von Toskana, durch seine Reisen und als geographischer Schriftsteller bekannt. Von Jugend auf dem Studium der Naturwissenschaften ergeben, ausger√ľstet mit umfassenden Sprachkenntnissen und einem ausgesprochenen Zeichen- und Maltalent, verwendet er seine bedeutenden Eink√ľnfte fast ausschlie√ülich zu wissenschaftlichen Zwecken und ausgedehnten Forschungsreisen von seinem Wohnsitz in Mallorca aus. Die bedeutendsten, alle von ihm selbst illustrierten und meist anonym erschienenen Werke sind: ¬ĽDer Djebel Esdnum¬ę (1873); ¬ĽLevkosia, die Hauptstadt von Cypern¬ę (Prag 1873); ¬ĽEine Jachtreise in die Syrten¬ę (das. 1874); ¬ĽEine Spazierfahrt im Golf von Korinth¬ę (das. 1876); ¬ĽLos Angeles in S√ľdkalifornien¬ę (2. Aufl., W√ľrzb. 1885); ¬ĽDie Karawanenstra√üe von √Ągypten nach Syrien¬ę (Prag 1878); das Prachtwerk ¬ĽDie Balearen¬ę (Leipz. 1869‚Äď91, 7 Bde.; kleine Ausg., W√ľrzb. 1897, 2 Bde.), das auf der Pariser Weltausstellung mit der goldenen Medaille pr√§miiert wurde; ¬ĽDie Serben an der Adria¬ę (Leipz. 1870‚Äď79,9 Lfgn.); ¬ĽUm die Welt, ohne zu wollen¬ę (4. Aufl., W√ľrzb. 1886); ¬ĽHobarttown oder Sommerfrische in den Antipoden¬ę (Prag 1886); ¬ĽLose Bl√§tter aus Abbazia¬ę (W√ľrzb. 1886); ¬ĽPaxos und Antipaxos¬ę (das. 1887); ¬ĽDie Liparischen Inseln¬ę (Prag 1897); ¬ĽBenzert¬ę (das. 1898); ¬ĽBougie¬ę (Leipz. 1900); ¬ĽRamleh als Winteraufenthalt¬ę (das. 1900); ¬ĽHelgoland¬ę (2. Aufl., das. 1901); ¬ĽZante¬ę (Prag 1904). Erzherzog L. Salvator ist k. u. k. Oberst und Inhaber des 58. √∂sterreichischen Infanterieregiments; 1889 wurde er zum Ehrenmitglied der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften erw√§hlt. Vgl. Woerl, Erzherzog L. Salvator als Forscher des Mittelmeers (Leipz. 1899).

51) L. Viktor, Erzherzog von √Ėsterreich, geb. 15. Mai 1842 in Wien, j√ľngster Bruder Kaiser Franz Josephs I., Feldzeugmeister und Inhaber des k. u. k. Infanterieregiments Nr. 65, lebte fr√ľher in Wien, jetzt bei Salzburg; er ist unverm√§hlt.

[Pfalz.] 52) L. III., Kurf√ľrst von der Pfalz, geb. 1378, gest. 1436, Sohn des deutschen K√∂nigs Ruprecht, wurde 1401, als sein Vater nach Italien zog, von ihm zum Reichsverweser in Deutschland bestellt, hatte mit fortw√§hrenden Fehden zu k√§mpfen, folgte 1410 seinem Vater in der Kurw√ľrde, nahm am Konstanzer Konzil teil, hielt den abgesetzten Papst Johann XXIII. in Heidelberg gefangen und geleitete Hus auf den Richtplatz. Anfangs ein treuer Anh√§nger Siegmunds, den er mit gew√§hlt hatte, schlo√ü er sich sp√§ter der f√ľrstlichen Opposition an und entzog sich dem Reichskrieg gegen die Hussiten. Ihm folgte sein Sohn Ludwig IV. 1437‚Äď49. Vgl. Eberhard, L. III., Kurf√ľrst von der Pfalz und das Reich (Gie√üen 1896).

53) L. V., Kurf√ľrst von der Pfalz, geb. 2. Juli 1478, gest. 16. M√§rz 1544, Sohn des Kurf√ľrsten Philipp, folgte diesem 1508, hatte 1523 mit Sickingen, 1525 mit einem Aufstande der Bauern zu k√§mpfen, duldete die Ausbreitung der Reformation in seinem Land und starb nach segensreicher Regierung kinderlos.

54) L. VI., Kurf√ľrst von der Pfalz, geb. 1539, gest. 12. Okt. 1583, Sohn Friedrichs III., folgte diesem 1576, f√ľhrte die lutherische Lehre und die Konkordienformel in der Pfalz ein und veranla√üte hierdurch kirchliche Streitigkeiten.

[Portugal.] 55) L. I. Philipp Maria Ferdinando etc., K√∂nig von Portugal, Herzog zu Sachsen, geb. 31. Okt. 1838, gest. 19. Okt. 1889, Sohn des K√∂nigs Ferdinand, Prinzen von Koburg, und der K√∂nigin Maria II. da Gloria, f√ľhrte als Prinz den Titel Herzog von Oporto, trat in die Marine ein und bestieg nach dem Tode seines Bruders Pedro V. 11. Nov. 1861 den portugiesischen Thron. Verm√§hlt war er seit 6. Okt. 1862 mit Maria Pia, Tochter des K√∂nigs Viktor Emanuel von Italien, die ihm zwei S√∂hne, den Kronprinzen Karl (geb. 28. Sept. 1863) und den Prinzen Alfons (geb. 31. Juli 1865), gebar. Er starb in Cascaes bei Lissabon an den Folgen einer Typhuserkrankung, welche die meisten Mitglieder der k√∂niglichen Familie hinweggerafft hatte.

[Preu√üen.] 56) L. Friedrich Christian, gew√∂hnlich Louis Ferdinand, auch Prinz Louis genannt, Prinz von Preu√üen, geb. 18. Nov. 1772, gest. 10. Okt. 1806, Sohn des Prinzen Ferdinand, Bruders Friedrichs d. Gr., bekundete, von franz√∂sischen Erziehern herangebildet, fr√ľh Geist, aber auch ein exzentrisches Wesen und ungez√ľgelte Sinnlichkeit, die ihn in viele galante Abenteuer verwickelte. 1792 folgte er dem Heer an den Rhein, erst√ľrmte bei der Belagerung von Mainz an der Spitze seines Regiments die Verschanzungen von Zahlbach und wurde wegen seiner pers√∂nlichen Tapferkeit zum Generalmajor ernannt. Auch 1794 in der Pfalz zeichnete er sich aus. Nach dem Frieden von 1795 besch√§ftigte sich L. in der Einsamkeit des Garnisonlebens wieder mit der Kunst, besonders der Musik, zog sich wegen seiner h√§ufigen Reisen, seiner unbesonnenen Reden und seiner Verschwendung wiederholt R√ľgen des K√∂nigs zu und wurde endlich 1800 arretiert und nach Magdeburg gef√ľhrt. Doch durfte er bald nach Berlin kommen, wo er durch seine Liebensw√ľrdigkeit und seinen Geist die Gesellschaft entz√ľckte, aber auch seine milit√§rische Ausbildung betrieb und f√ľr ein B√ľndnis mit √Ėsterreich gegen Frankreich wirkte. 1806 erhielt er den Befehl √ľber die Avantgarde des F√ľrsten von Hohenlohe und lagerte mit seinen 8000 Mann bei Saalfeld mit dem Auftrag, einem Gefecht auszuweichen. Trotzdem nahm er gegen einen doppelt √ľberlegenen Feind 10. Okt. den Kampf an, der mit Vernichtung seines Korps endete, und um nicht dieses Mi√ügeschick zu √ľberleben, suchte und fand er nach tapferer Gegenwehr im Get√ľmmel den Tod. Die St√§tte, wo L. fiel, bezeichnet seit 1823 ein Denkmal. 1889 erhielt ihm zu Ehren das 2. magdeburgische Infanterieregiment Nr. 27 den Namen Infanterieregiment Prinz Louis Ferdinand von Preu√üen. Aus seinem Verh√§ltnis mit Henriette Fromm hinterlie√ü er zwei Kinder, die 1810 den Namen ¬Ľvon Wildenbruch¬ę erhielten; der Dichter Ernst von Wildenbruch (s. d.) ist sein Enkel. Vgl. B√ľchner, L. Ferdinand, Prinz von Preu√üen, Briefe an Pauline Wiesel etc. (Leipz. 1865); v. Hymmen, Prinz Louis Ferdinand (Berl. 1894); Heinke, Prinz Louis Ferdinand von Preu√üen, ein Erinnerungsblatt (das. 1898). Fanny Lewald hat einen Roman √ľber L. geschrieben (¬ĽPrinz L. Ferdinand¬ę, 2. Aufl., Berl. 1859, 3 Bde.), R. Bunge ein Epos (das. 1894).

[Th√ľringen.] 57) L. der Springer, Graf von Th√ľringen, gest. 6. Mai 1123 in Reinhardsbrunn, war der Sohn Ludwigs des B√§rtigen, des Ahnherrn des ersten th√ľringischen Landgrafenhauses, der aus dem fr√§nkischen Mainlande nach Th√ľringen eingewandert war und um 1080 starb. Als Anh√§nger der strengkirchlichen Partei und Gegner einer starken K√∂nigsgewalt begr√ľndete L. die Machtstellung seines Hauses in Th√ľringen, gewann wahrscheinlich durch Verdr√§ngung des rechtm√§√üigen Eigent√ľmers im s√§chsisch-th√ľringischen Aufstand 1073 den Wartberg bei Eisenach, erbaute dort die Wartburg sowie in gleich unrechtm√§√üiger Weise auf dem Grund und Boden seines Stiefsohnes die Neuenburg oberhalb Freyburg an der Unstrut. Sie beide bildeten zusammen mit Eckartsberga, das ihm 1122 Heinrich V. verlieh, die Eckpfeiler der sp√§tern landgr√§flichen Macht. Wie L. stets gegen Heinrich IV. Partei genommen hatte, so fehlte er auch nicht bei der Opposition, als Heinrichs V. Stellung sich befestigt hatte. Letzterer hat sich zweimal Ludwigs Person bem√§chtigt und ihn 1114‚Äď16 gefangen gehalten; wo, ist unbekannt. Erst 1122 erfolgte die Auss√∂hnung. Die Sage erz√§hlt von einer Gefangenschaft Ludwigs auf der Burg Giebichenstein bei Halle und von einem rettenden Sprung in die Saale. Aber diese Erz√§hlung taucht erst 200 Jahre nach seinem Tod auf, der Beiname ¬Ľder Springer¬ę noch wieder 100 Jahre sp√§ter, zuerst in deutschen Chroniken. Die Sage l√§√üt die Gefangenschaft von Heinrich IV. verh√§ngt werden zur Strafe f√ľr die Ermordung Pfalzgraf Friedrichs von Sachsen im Februar 1085. Diese Tat hat L. nicht pers√∂nlich ver√ľbt, sondern durch zwei Ritter, und L. heiratete zwar die sch√∂ne Witwe Adelheid, stiftete aber noch in demselben Jahre das Kloster Reinhardsbrunn, das er mit Hirsauer M√∂nchen, den geschwornen Feinden Heinrichs IV., bev√∂lkerte. Acht Monate vor seinem Tode wurde L. M√∂nch in Reinhardsbrunn. ‚Äď Sein Sohn L. gelangte dank seiner Verm√§hlung mit Hedwig, der Erbtochter des hessischen Grafenhauses der Gisonen (von Gudensberg), in den Besitz vieler hessischen Allodien, Kirchenlehen und Kirchenvogteien und weiter 1130 durch Gunst Kaiser Lothars zur Gewalt und W√ľrde eines Landgrafen von Th√ľringen, hei√üt als solcher L. I., schlo√ü sich in dem nach Lothars Tode zwischen Welfen und Staufern entbrannten Streite den letztern an und starb 1140.

58) L. II., der Eiserne, Landgraf von Th√ľringen seit 1140, geb. um 1128, gest. 1172 auf der Neuenburg, Sohn Ludwigs I. L. heiratete Jutta, die Nichte K√∂nig Konrads III. und spielte als Schwager Kaiser Friedrichs I. sowie durch eigne T√ľchtigkeit eine Rolle unter den F√ľrsten seiner Zeit, begleitete auch den Kaiser 1157 nach Polen sowie 1158 und 1161 nach Italien. Der alte Gegensatz der Landgrafen zum Erzstift Mainz und kaiserlicher Wunsch verwickelte L. 1165 in Krieg mit dem Mainzer Erzbischof Konrad von Wittelsbach; 1166‚Äď68 beteiligte er sich an den K√§mpfen des F√ľrstenbundes gegen Heinrich den L√∂wen. 1172 zog er nochmals mit dem Kaiser gegen Polen und starb bald darauf. An einen in seine letzte Lebenszeit fallenden Besuch des Kaisers auf der Neuenburg bei Freyburg a. U. kn√ľpft sich die (Wander-) Sage von der lebendigen Mauer, welche die getreuen Vasallen statt der vom Kaiser vermi√üten steinernen Mauer um die Burg bilden. Die sp√§tere volkst√ľmliche √úberlieferung des 15. Jahrh. machte L. nach erfolgter Mahnung des Schmiedes von Ruhla (¬ĽLandgraf, werde hart!¬ę) zum strengen Gebieter der die Armen bedr√ľckenden Gro√üen; er habe sich nur durch die eiserne R√ľstung vor ihren Anschl√§gen sch√ľtzen k√∂nnen und daher stammt sein Name ¬Ľder Eiserne¬ę.

59) L. III., der Fromme, Landgraf von Th√ľringen, gest. 16. Okt. 1190, Sohn des vorigen, folgte ihm 1172 und vereinigte mit F√ľrsorge f√ľr die Kl√∂ster und Ergebenheit gegen die Kurie (daher sein Beiname) eine nie verletzte Treue gegen den Kaiser, wahrte auch kirchlichen Instituten gegen√ľber stets seine Rechte. Vorher oft siegreich, unterlag er trotz aller Tapferkeit Heinrich dem L√∂wen. Bei Wei√üensee 14. Mai 1180 geschlagen und gefangen, wurde er von dem inzwischen selbst gest√ľrzten Welfen im Sommer 1181 wieder freigelassen. Die ihm 1180 nach dem Aussterben der Pfalzgrafen von Sommersenburg √ľbertragene Pfalzgrafschaft Sachsen √ľberlie√ü er jetzt seinem Bruder Hermann. K√§mpfe gegen Erzbischof Konrad von Mainz und den Markgrafen von Mei√üen sowie seine Stellungnahme gegen√ľber dem Kaiser verraten sein Selbstgef√ľhl. Zur Beteiligung am dritten Kreuzzuge nahm er selbst√§ndig seinen Weg durch Italien, verrichtete vor Akkon Heldentaten, wurde aber durch Krankheit zur R√ľckkehr gezwungen und starb auf Cypern. Da er ohne Sohn war, folgte ihm sein Bruder Hermann I. (s. Hermann 6).

60) L. IV., der Heilige, Landgraf von Th√ľringen, geb. 1200, gest. 11. Sept. 1227, √§ltester Sohn Hermanns I., folgte seinem Vater 1217. Die angesehenste Gestalt unter den th√ľringischen Landgrafen der √§ltern Reihe, hervorragend als Reichs- und Landesf√ľrst sowie als Kriegsmann, war er kirchlich und fromm und doch in weltlichen Dingen unbefangen und n√ľchtern. Nach K√§mpfen mit Mainz wurde L. durch die Vormundschaft √ľber seinen Schwestersohn, Heinrich den Erlauchten von Mei√üen, nach Osten abgelenkt und entwand 1225 Lebus an der Oder den Polen. √úberall finden wir ihn im Dienste Kaiser Friedrichs II.; vielleicht schon 1224 hatte ihm dieser die Anwartschaft auf Mei√üen und die Lausitz, die Lande seines Neffen, falls dieser ohne Erben st√ľrbe, gew√§hrt, w√§hrend L. die Teilnahme an dem von Friedrich gelobten Kreuzzuge versprach. In Brindisi erkrankte er jedoch und starb zu Otranto. Seine Gebeine wurden nach Reinhardsbrunn gebracht, wo sie sp√§ter Wunder taten. L. ist ¬ĽHeiliger¬ę von Volkes Gnaden als Gemahl Elisabeths von Ungarn (s. Elisabeth 15), deren asketische Fr√∂mmigkeit und Freigebigkeit er weitherzig duldete. Konrad von Marburg, ihr strenger Beichtvater, war sein Vertrauensmann. Aus der Ehe gingen hervor Hermann II. (geb. 1222, gest. 1241), dem Heinrich Raspe, Ludwigs Bruder und Nachfolger, in den letzten drei Jahren seines Lebens die selbst√§ndige Waltung in Hessen √ľberlie√ü, Sophie von Brabant, die Mutter des ersten hessischen Landgrafen, und Gertrud, √Ąbtissin von Altenberg bei Wetzlar.

[Ungarn.] 61) L. I., der Gro√üe, K√∂nig von Ungarn, geb. 5. M√§rz 1326, gest. 11. Sept. 1382 in Tyrnau, Sohn des K√∂nigs Karl Robert von Ungarn und der Elisabeth von Polen, folgte seinem Vater 1342 auf dem ungarischen Thron. Er unterst√ľtzte 1345 seinen Oheim Kasimir von Polen gegen K√∂nig Johann von B√∂hmen, eilte auf die Nachricht von der Ermordung seines Bruders Andreas, K√∂nigs von Neapel (1347), dahin, eroberte dieses 1348, gab aber 1350 nach dem zweiten Zuge die Eroberung wieder auf. Darauf sicherte er Polen, auf das ihm die Anwartschaft zustand, als Bundesgenosse Kasimirs durch gl√ľckliche Kriege gegen Litauer und Tataren, machte die Walachen aufs neue zinspflichtig, eroberte Rotru√üland, das er mit Wahrung seiner Rechte an Kasimir √ľberlie√ü, und entri√ü 1358 den Venezianern Dalmatien, die ihm nach einem zweiten, im Bunde mit Genua unternommenen Kriege (1381) sogar Tribut zahlen mu√üten. Als er 1370 nach dem Tode Kasimirs auch zum K√∂nig von Polen erw√§hlt wurde, erstreckte sich sein Reich von der Ostsee beinahe bis zum Schwarzen und Adriatischen Meer. In den seiner Oberhoheit unterworfenen S√ľddonaul√§ndern und in Bosnien suchte er als ¬ĽFahnentr√§ger der Kirche¬ę mit Eifer die Kultur durch Verbreitung des Christentums (an Stelle des Bogumilistentums), durch Kolonisationen und gute Gesetze zu heben. Auch in Ungarn wurden Schulen gegr√ľndet (1367 Gr√ľndung der ersten ungarischen Universit√§t in F√ľnfkirchen) und der Bergbau, Handel und Gewerbe hoben sich. Sein gl√§nzender Hof zu Visegr√°d wurde von vielen fahrenden Rittern und S√§ngern (Suchenwirt) aufgesucht. Weniger segensreich war seine Regierung f√ľr Polen, wo er, um die Thronfolge zu erlangen, den Magnaten gro√üe Rechte einr√§umen mu√üte. √úberdies √ľberlie√ü er die Regentschaft seiner Mutter Elisabeth, die sich von G√ľnstlingen beherrschen lie√ü. Vor seinem Tode hatte L. die Erbfolge seiner Tochter Maria, die mit dem 14j√§hrigen Kurf√ľrsten Siegmund von Brandenburg, Karls IV. Sohn, verlobt war, in Ungarn und Polen zur Anerkennung gebracht. Nach seinem Ableben erhoben aber die Polen seine j√ľngere Tochter, Hedwig, auf den Thron, und nur die Ungarn huldigen Maria. Vgl. A. P√≥r, L. I. von Ungarn (ungar., Budapest 1893).

62) L. II., K√∂nig von Ungarn, geb. 1. Juli 1506, aus dem Hause der Jagellonen, Sohn Wladislaws II., folgte seinem Vater 1516 in den K√∂nigreichen Ungarn und B√∂hmen. Er wurde von seinem Vormund Georg von Brandenburg schlecht erzogen und war, auch nachdem er 1521 die Regierung √ľbernommen hatte, unf√§hig, die k√∂nigliche Macht gegen die um die Herrschaft ringenden Adelsparteien zu behaupten. Am 29. Aug. 1526 wurde L. samt seinem Heer bei Moh√°cs von Suleiman d. Gr. geschlagen und ertrank auf der Flucht im Bache Csele, ohne Kinder zu hinterlassen. Verm√§hlt war er seit 1522 mit Maria, der Schwester Kaiser Karls V. Sein Erbe wurde der Gemahl seiner Schwester Anna, Erzherzog Ferdinand. Vgl. Arras, Regestenbeitr√§ge zur Geschichte Ludwigs II. von Ungarn und B√∂hmen (Bautzen 1893).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905‚Äď1909.

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