Maschine

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Maschine

Maschine, im physikalischen Sinn eine Vorrichtung, die erm√∂glicht, die Richtung, den Angriffspunkt oder die Gr√∂√üe einer Kraft in gew√ľnschter Weise abzu√§ndern, soweit dies die sogen. ¬Ľgoldene Regel¬ę der Mechanik gestattet, nach der das, was an Gr√∂√üe der Kraft gewonnen wird, an Hubh√∂he oder Schnelligkeit der Leistung verloren geht und umgekehrt (s. Energie). Als einfache Maschinen bezeichnet man Hebel, Rolle, schiefe Ebene, Keil und Zahnrad, da sie keine Zergliederung in noch einfachere zulassen, w√§hrend die √ľbrigen, die zusammengesetzten Maschinen, als Kombinationen derselben aufgefa√üt werden k√∂nnen.

In der Technik versteht man unter M. eine Verbindung widerstandsf√§higer K√∂rper, die so eingerichtet ist, da√ü mittels ihrer mechanische Naturkr√§fte gen√∂tigt werden k√∂nnen, unter bestimmten Bewegungen zu wirken. Diese Erkl√§rung r√ľhrt von Reuleaux her. Andre, hiervon abweichende Definitionen sind von andern Autoren (Weisbach, R√ľhlmann, Poncelet u. a.) gegeben worden. Es d√ľrfte wohl Schwierigkeiten machen, eine leichtverst√§ndliche, allgemein zutreffende und doch pr√§zise Definition der M. aufzustellen. Im Zusammenhang mit den sich in einer M. abspielenden Bewegungsvorg√§ngen vollzieht sich eine Umwandlung der in ihr auftretenden Kr√§fte nach Gr√∂√üe und Richtung. Der in einer M. durch die eingeleitete Kraft hervorgerufenen Bewegung stehen Widerst√§nde entgegen, bei deren √úberwindung mechanische Arbeit (s. Arbeit, S. 673) geleistet wird. Die mechanische Arbeit zur √úberwindung der n√ľtzlichen oder Nutzwiderst√§nde, durch deren Eigenart der Zweck der M. gekennzeichnet ist, wird in entsprechender Weise als n√ľtzliche oder Nutzarbeit bezeichnet. Au√üer den Nutzwiderst√§nden treten infolge der physischen Beschaffenheit der K√∂rper in jeder M. sch√§dliche oder Nebenwiderst√§nde auf, als welche in erster Linie der Reibungswiderstand, ferner der Luft-, der Seilbiegungswiderstand etc. zu nennen sind. Zur √úberwindung dieser Nebenwiderst√§nde ist ebenfalls eine gewisse mechanische Arbeit, die Nebenarbeit, aufzuwenden. Hiernach mu√ü die in eine M. eingeleitete Arbeit stets um die Nebenarbeit gr√∂√üer sein als die von der M. geleistete Nutzarbeit (s. Wirkungsgrad). Es geht hieraus zur Gen√ľge hervor, da√ü bei einer M. niemals ein Arbeitsgewinn, sondern stets ein Arbeitsverlust eintreten wird, und da√ü somit das Perpetuum mobile, d. h. eine M., die, ohne Arbeit zu konsumieren, Arbeit verrichten soll, ein Ding der Unm√∂glichkeit ist.

Die in ihrer Zusammensetzung die M. bildenden Körper oder die baulichen Bestandteile der M. nennt man Maschinenteile oder Maschinenelemente. Als solche werden bezeichnet Nieten und Vernietungen, Keile und Keilverbindungen, Schrauben und Verschraubungen, Zapfen, Achsen, Wellen, Lager, Kuppelungen, Räder, Seile, Ketten, Kurbeln, Schubstangen, Kolben, Zylinder, Rohre, Hähne, Schieber, Ventile etc. Nach einer Darstellung, die besonders durch die ältern Maschinentheoriker vertreten wurde, zerfällt jede M. in drei Teile oder Gruppen von Teilen, nämlich in Rezeptor (kraftausnehmender Teil), Transmission (kraftleitender Teil) u. Werkzeug. Beim Dampfhammer z. B. ist der Zylinder mit dem Kolben der Rezeptor, die Kolbenstange die Transmission, der Hammer mit dem Amboß das Werkzeug. Danach wäre jedoch die Dampfmaschine, die Turbine, die Uhr u. a. keine vollständige M., weil jeder von ihnen das Werkzeug fehlt.

Die Einteilung der Maschinen erfolgt zweckm√§√üig in folgender Weise: 1) Kraftmaschinen oder Motoren (Umtriebsmaschinen) zur Aufnahme der treibenden Kraft. a) Maschinen, bez. Maschinenteile zur Aufnahme der Muskelkr√§fte von Menschen und Tieren: Hebel, Kurbel, Tretr√§der, G√∂pel etc. Auch Menschen und Tiere selbst k√∂nnen, sofern sie mechanische Arbeit leisten, als (belebte) Motoren betrachtet werden. b) Maschinen zur Aufnahme von Elementarkr√§ften: Wasserkraftmaschinen (Wasserr√§der, Turbinen, Wassers√§ulenmaschinen), Luftkraftmaschinen (Windr√§der, Druckluftmotoren), W√§rmekraftmaschinen (Dampfmaschinen, Verbrennungsmotoren [Gas-, Benzin- etc. Motoren], Hei√üluftmaschinen), elektrische Maschinen. 2) Arbeitsmaschinen (Werkmaschinen) zur Verrichtung n√ľtzlicher Arbeit. Sie empfangen ihren Antrieb von andern Maschinen. a) Maschinen zur Ortsver√§nderung: Flaschenz√ľge, Winden, Krane, Ausz√ľge, F√∂rdermaschinen, Baggermaschinen, Fahrzeuge, Transportb√§nder, Pumpen, Gebl√§se, Kompressoren etc. b) Maschinen zur Formver√§nderung: H√§mmer, Pressen, Walzwerke, s√§mtliche Werkzeugmaschinen (Drehb√§nke, Hobel-, Fr√§s-, Bohrmaschinen etc.), Mahl- und Zerkleinerungsmaschinen, S√§gemaschinen, Dreschmaschinen, Spinn-, Webe- und N√§hmaschinen, Buchdruckpressen etc. 3) Zwischen- oder Transmissionsmaschinen zur √úbermittelung mechanischer Arbeit von einer M. zur andern: Wellenleitungen, Zahnr√§dergetriebe, Riemen- und Seiltriebe etc. 4) Maschinen zum Messen, Z√§hlen und Regulieren: Uhren, Tachometer, Wagen, Dynamometer, Indikatoren, Wasser- und Gasmesser, Regulatoren etc. Manche Maschinen sind Kraft- und Arbeitsmaschinen zugleich, z. B. eine Lokomotive, eine Dampfpumpe. Solche Maschinen werden wohl auch als selbst√§ndige Maschinen bezeichnet.

[Wirtschaftliches.] Die Bedeutung der Maschinen f√ľr die Entwickelung der modernen materiellen Kultur liegt darin, da√ü sie Menschen- und Tierkr√§fte ersparen und vorteilhaft ersetzen k√∂nnen, eine gro√üe Schnelligkeit und St√§rke des Verkehrs gestatten und die Quantit√§t, Qualit√§t und Wohlfeilheit der Arbeit erh√∂hen, ja zu ganz neuen Arbeiten Veranlassung geben, die ohne sie nicht m√∂glich sind. Wie unvorteilhaft die Verwendung tierischer Kraft zur Aus√ľbung sehr gro√üer Kraftleistungen ist, zeigt z. B. die Ausrichtung der Alexanders√§ule in Petersburg (1834), deren Schaft 876,000 kg wiegt. Dabei waren t√§tig 681 Arbeiter und 1950 Soldaten, 62 Winden und 186 Flaschenz√ľge. Dagegen wurden die 1,900,000 kg schweren Eisenblechkasten, aus denen die Britanniabr√ľcke Robert Stephensons √ľber die Menaistra√üe zusammengesetzt ist, von nur drei hydraulischen Pressen ausgezogen, die von einer einzigen Dampfmaschine in Bewegung gesetzt wurden. Bei vielen Arbeiten der neuern Technik reicht Menschenkraft √ľberhaupt nicht hin, um Erfolge zu erzielen, soz. B. beim Ziehen dicker Eisendr√§hte, Blei- und Messingr√∂hren, beim H√§mmern und Walzen der in Puddel- und Schwei√ü√∂fen gewonnenen Eisenmassen, des Stabeisens, der Panzerplatten, Bleche etc. Die Schnelligkeit des modernen Verkehrs beruht auf der Erfindung der Eisenbahnen, Lokomotiven, Dampfschiffe und Telegraphen. Eine Schnellzuglokomotive bef√∂rdert einen Zug von etwa 100,000 kg Gewicht mit 25 m Geschwindigkeit in der Sekunde auf horizontaler Strecke. Ein Pferd vermag auf horizontaler Chaussee eine Last von 2500 kg mit 1 m Geschwindigkeit fortzuschaffen. Um auf einer horizontalen Chaussee eine Last gleich dem Gewicht des Schnellzugs fortzuschaffen, w√§ren 40 Pferde n√∂tig, und die Transportzeit w√ľrde 25mal gr√∂√üer sein. Was die Erh√∂hung der Arbeitsquantit√§t durch die Maschinen betrifft, so liefert ein Arbeiter an der Strickmaschine in einem Tage mehr Str√ľmpfe als die geschickteste Strickerin in Monaten. N√§hmaschinen machen 1200‚Äď1500 Stiche in der Minute im Vergleich zu 50, die eine ge√ľbte N√§herin machen kann. Buchdruckhandpressen geben etwa 250 Abdr√ľcke in der Stunde, die Schnellpressen dagegen deren bis 30,000. In den meisten F√§llen sind die Maschinen auch imstande, bessere Arbeit zu liefern als die Hand; vor allen Dingen deshalb, weil bei ihnen die Kraft gleichm√§√üiger zur Verwendung kommt. Daher √ľbertrifft z. B. der Maschinenfaden bei Gespinsten den durch die Hand gesponnenen Faden an Gleichheit, Rundung und Reinheit, auch ist er durch die bessere Drehung zugleich stoffreicher und schwerer geworden. Besonders auffallend sind die Vorz√ľge der Maschinenarbeit beim Verspinnen von Werg, wobei die Handarbeit nichts entfernt √Ąhnliches zu leisten vermag. Ebenso bleibt letztere durchaus zur√ľck in der Feinheit des Garns, die man jetzt auf Maschinen erreicht. Qualit√§tsvorz√ľge lassen sich au√üerdem in sehr vielen F√§llen nachweisen; es gen√ľgt, auf die Kratzen, Schraffiermaschinen, Schermaschinen, Kalander, Werkzeugmaschinen, ja fast auf alle Fabrikationsmaschinen zu verweisen. Manche Arbeiten, wie die der Reliefkopiermaschinen, Guillochiermaschinen etc., lassen sich √ľberhaupt nicht mit der Hand ausf√ľhren. Bei allen diesen Vorz√ľgen ist die M. √ľberdies imstande, die Arbeit √§u√üerst wohlfeil zu verrichten. Ein St√ľck glatten englischen T√ľlls oder Bobbinets wurde nach Erfindung der Heathcoatschen Bobbinetmaschine 501nal so billig verkauft wie am Ende des 18. Jahrh. Manche durch Stanzen hergestellte Blechwaren werden zu erstaunlich billigem Preise geliefert. Einen h√∂chst wichtigen Einflu√ü auf die Wohlfeilheit mancher Artikel hat das dabei angewandte Prinzip der Arbeitsteilung, das in solchem Ma√ü ausgebildet ist, da√ü z. B. jede N√§hnadel 90‚Äď120mal durch die Hand gehen mu√ü, ehe sie vollendet ist, und da√ü sich die Arbeiten bei der Uhrenfabrikation in mehr als 50 Besch√§ftigungsarbeiten teilen, so da√ü nicht Eine Hand t√§tig ist, die auch nur den kleinsten Uhrteil ganz fertig macht.

Diese gro√üen Vorz√ľge des Maschinenwesens nach der Seite der Produktion m√ľssen freilich auch mit manchen betr√§chtlichen volkswirtschastlichen und sozialen Opfern erkauft werden. Die Maschinen haben der menschlichen Arbeitskraft eine Konkurrenz bereitet, die wenigstens in √úbergangszeiten und f√ľr einzelne Industrien sehr dr√ľckend werden kann. Dagegen haben durch die Maschinen auch wieder viele Menschen Arbeit gefunden (Eisenbahnen, Dampfmaschinen), und manche Maschinen, die ganze Klassen brotlos zu machen drohten, wie die N√§hmaschine, haben schlie√ülich zur Besch√§ftigung von mehr Personen in der betreffenden Industrie gef√ľhrt, als vordem darin t√§tig waren. Die Maschinen haben erst die Frauen- und Kinderarbeit in gro√üem Umfang hervorgerufen, wodurch zeitweise die Arbeit der M√§nner beschr√§nkt und ihr Lohn gedr√ľckt worden ist, wodurch aber auch das weibliche Geschlecht in der Arbeiterklasse vielfach eine wirtschaftliche Selbst√§ndigkeit erhielt. Das Bedenklichste ist ohne Zweifel, da√ü im Zeitalter des Maschinenwesens wegen des zur Erwerbung der Maschinen erforderlichen Kapitals der Arbeiter unf√§hig ist, eine wirklich selbst√§ndige Stellung zu erlangen, da√ü er selten aus der Klasse der Fabrikarbeiter auf eine wirtschaftlich und sozial h√∂her stehende Stufe emporzusteigen vermag. Auch dem Kleinbetrieb hat das Maschinenwesen eine schwere Konkurrenz bereitet, die teilweise mit dem Untergang des erstern und damit mit der Vernichtung zahlreicher, selbst√§ndiger Existenzen endete. Allein auch da, wo dieser Ausgang nicht eingetreten ist, bleibt vielfach der Nachteil, da√ü das Maschinenwesen haupts√§chlich dem gro√üen Kapital dient, und da√ü es die gewaltige Anh√§ufung des modernen Kapitals in den H√§nden weniger mit bef√∂rdert hat. √úber die mit dem Maschinenwesen verbundenen Gefahren f√ľr die Arbeiter und ihre Verh√ľtung s. Fabrikgesetzgebung und Gewerbehygiene.

[Maschinenfabrikation, -Handel.] Die Herstellung der Maschinen geschieht von Maschinenbauern in den Maschinenwerkst√§tten, Maschinenbauanstalten oder Fabriken und zwar teilweise wieder mit Maschinen, den sogen. Werkzeugmaschinen. Auch hierbei ist das Prinzip der Arbeitsteilung eingef√ľhrt, indem in einer Fabrik nur einige oder nur eine Gattung von Maschinen oder gar nur bestimmte Maschinenteile hergestellt werden. Eine weitere Arbeitsteilung findet in jeder Fabrik dadurch statt, da√ü jeder Arbeiter nur ganz bestimmte Arbeiten auszuf√ľhren oder nur bestimmte Teile anzufertigen hat. Vielfach werden hierbei Spezialmaschinen verwendet, d. h. Maschinen, die nur auf die Herstellung eines besondern Teiles oder auf die besondere Bearbeitung eines Teiles zugeschnitten sind. Durch eine solche Art der Fabrikation (Massenfabrikation) wird nicht nur der Herstellungspreis bedeutend erniedrigt, sondern es wird auch die Auswechselung besch√§digter Maschinenteile (z. B. R√§der, Lager, R√∂hren, Ventile, Windkessel etc.) von im Betriebe befindlichen Maschinen in hohem Ma√ü erleichtert. Einzelne Maschinenteile, wie z. B. Schrauben, werden durchweg nach bestimmten Normalien angefertigt.

Maschinenfabrikation findet sich fast in allen L√§ndern, in denen √ľberhaupt eine Industriet√§tigkeit rege ist, und besonders da, wo vorhandene Sch√§tze an Eisen und Kohlen auf diesen Gewerbszweig f√∂rdernd einwirkten. Ihren Ausgang nahm die Maschinenfabrikation von England, wo zuerst die Dampfmaschine, auf der die ganze moderne Maschinenentwickelung beruht, eingef√ľhrt wurde. Eisen und Kohle, deren ergiebige Ausbeutung wieder durch die Dampfmaschine erm√∂glicht wurde, auch der Erfindungsgeist und die Energie der Engl√§nder sowie der Umstand, da√ü sie als erste Kolonial- und Handelsmacht schon fr√ľh eine genauere Kenntnis von deren speziellen Anforderungen und Bed√ľrfnissen fremder L√§nder erwarben und ihre Maschinen ihnen anzupassen verstanden, beg√ľnstigten das Aufbl√ľhen der Maschinenindustrie in nachhaltigster Weise, so da√ü England lange Zeit hindurch den Maschinenmarkt, namentlich auch mit Arbeitsmaschinen beherrschte.

Nordamerika, dem unerme√üliche Reicht√ľmer an Eisen und Kohle zu Gebote stehen, hat sich besonders um die Entwickelung der Werkzeugmaschinen, landwirtschaftlichen und N√§hmaschinen verdient gemacht. √Ąu√üere Veranlassung dazu war der hohe Preis menschlicher Arbeitsleistungen, die innere Triebfeder der rege Erfindungsgeist und die Unternehmungslust der Nordamerikaner. Eine besondere Eigent√ľmlichkeit des nordamerikanischen Maschinenbaues ist die weitgehendste Arbeitsteilung, die durch die in erstaunlicher Weise ausgebildeten Werkzeugmaschinen erm√∂glicht wurde, und die damit verbundene durchgebildete Massenfabrikation und die F√§higkeit, gro√üe Auftr√§ge schnell auszuf√ľhren.

Deutschlands Leistungen auf dem Gebiete des Maschinenbaues haben sich in den letzten Jahrzehnten bedeutend gehoben. Fr√ľher vom Ausland, besonders von England, abh√§ngig, steht es jetzt mit seinem Maschinenbau selbst√§ndig da. Dieser Aufschwung der deutschen Maschinenindustrie beruht auf der vermehrten Ausnutzung der Erz- und Kohlenlager, der Pflege der technischen Wissenschaften auf den Technischen Hoch- und Mittelschulen, aus denen vortreffliche Ingenieure und Maschinentechniker hervorgehen, und der Entwickelung des praktischen Sinnes durch Ber√ľhrung mit dem Ausland. Die deutschen Maschinen zeichnen sich durch Vorz√ľge der Konstruktion und Leistungsf√§higkeit, durch t√ľchtige Arbeit und gutes Material aus und stehen in dieser Hinsicht in erster Linie, haben aber oft M√ľhe, sich den englischen und belgischen Maschinen gegen√ľber zu behaupten, wenn auf Billigkeit gro√ües Gewicht gelegt wird. Andre L√§nder mit bedeutender Maschinenindustrie sind Frankreich, Belgien, √Ėsterreich-Ungarn und die Schweiz. Die folgende Tabelle gibt einen √úberblick √ľber den Wert der Ein- und Ausfuhr von Maschinen in den sieben bedeutendsten Industriel√§ndern der Erde. Dabei ist zu bemerken, da√ü die Zahlen nicht streng vergleichbar sind, da manche Gegenst√§nde von dem einen Staat zu den Maschinen, von einem andern zu Eisen- und Kupferwaren gerechnet werden. Es betrug (in 1000 Mark) die

Tabelle

In Gro√übritannien wird die Maschineneinfuhr erst seit 1897 verzeichnet, in den Vereinigten Staaten seit 1895. Die Zahlen f√ľr Deutschland stellen den Spezialhandel ohne den Veredelungsverkehr f√ľr inl√§ndische Rechnung dar. Nur Frankreich und √Ėsterreich-Ungarn haben gr√∂√üere Maschineneinfuhr als Ausfuhr. Die gr√∂√üte Vermehrung der Ausfuhr haben die Vereinigten Staaten und Deutschland. Den Anteil des Maschinenhandels am gesamten Handel zeigt die folgende Tabelle. Die Maschinenein- und Ausfuhr betrug in Prozenten der gesamten Ein- und Ausfuhr

Tabelle

Die Zunahme der Einfuhr in Deutschland betrifft vornehmlich landwirtschaftliche und Werkzeugmaschinen aus England und Amerika. Der Wert der amerikanischen Einfuhr hatte 1900 den der englischen Einfuhr √ľberfl√ľgelt. Deutschland setzte seine Maschinen (haupts√§chlich elektrische, Dampf-, N√§hmaschinen, Lokomotiven und Lokomobilen, landwirtschaftliche und Werkzeugmaschinen) nach allen L√§ndern ab, vorwiegend nach den europ√§ischen Staaten und besonders nach Ru√üland, √Ėsterreich-Ungarn und Frankreich.

[Geschichtliches.] Wann und wo die erste M. erfunden und verwendet wurde, wird sich nie ermitteln lassen, da die √§ltesten, historisch bekannten V√∂lker schon Maschinen, wenn auch von sehr primitiver Natur, gebrauchten. Nach Reuleaux ist es wahrscheinlich, da√ü das Bed√ľrfnis des Feueranmachens die erste M., den sogen. Feuerquirl, hervorrief. Es ist das ein runder Holzstab, der in senkrechter Stellung mit seinem untern spitzen Ende in eine Vertiefung eines auf dem Erdboden liegenden Holzst√ľcks gesetzt und unter gleichzeitig nach unten gerichtetem Druck mit den H√§nden quirlartig so lange hin und her gedreht wird, bis das Holz Feuer f√§ngt. Durch Zuf√ľhrung von Schleifmaterial (Sand) und Wasser zu der gedrehten Spitze war eine einfache Bohrmaschine erfunden. Weiter entwickelten sich aus dem Feuerquirl mit der Zeit alle diejenigen Maschinen, welche die Herstellung von Drehk√∂rpern bezwecken, au√üer den Bohrmaschinen die Drehwippe, der Drehstuhl, die Drehbank, die T√∂pferscheibe, indem die hin und her gehende Drehbewegung allm√§hlich durch die dauernde Drehung nach einer Richtung ersetzt wurde. Uralt sind jedenfalls auch die Maschinen zur Bew√§sserung von L√§ndereien, wie sie durch die Sch√∂pfr√§der und Paternosterwerke der Chinesen und die Schwingb√§ume oder Kaduffs der √Ągypter (√§hnlich dem noch bei uns auf D√∂rfern gebr√§uchlichen, immer seltener werdenden Ziehbrunnen) repr√§sentiert werden; ferner Maschinen zur Herstellung von Gespinsten und Geweben sowie die Getreidemahlm√ľhlen. Da√ü die sogen. einfachen Maschinen, Hebel, Rolle, Keil, schiefe Ebene, schon in grauer Vorzeit zu gro√üartigen Leistungen verwendet wurden, bezeugen die Baudenkm√§ler der alten √Ągypter, Assyrer, Inder etc., wie anderseits aus vielen diese Denkm√§ler schm√ľckenden Abbildungen das hohe Alter von Vorrichtungen zum Transport zu Wasser und zu Lande, Wagen, Ruder- und Segelschiffen, hervorgeht. Bemerkenswert ist auch das au√üerordentlich fr√ľhe Auftreten der Wage. Sie ist schon Abraham bekannt und findet sich auf den √§ltesten Denkm√§lern der √Ągypter abgebildet. Lange Zeit scheint der Mensch gebraucht zu haben, ehe er dazu √ľberging, zum Betrieb von Maschinen an die Stelle seiner Muskelkr√§fte diejenigen von Tieren oder gar Elementarkr√§fte zu setzen. Von den Elementarkr√§ften wurden lange Zeit nur die Wasserkraft zum Betrieb von Wasserr√§dern, die Windkraft zum Fortbewegen von Segelschiffen und die Spannkraft elastischer K√∂rper (Hotz, Horn, Seile, Sehnen) zu Schu√üwaffen verwendet.

Die Entwickelung der Maschinen ging in den ersten Jahrtausenden der Geschichte sehr langsam vorw√§rts, so da√ü um Christi Geburt au√üer den genannten Maschinen nur etwa bekannt waren: Flaschenz√ľge, Haspel, Winden, G√∂pel, Wasserschrauben, Trommelr√§der, Kolbenpumpen mit Windkesseln, Keil-, Hebel- und Schraubenpressen (besonders zur Gewinnung von Wein und Oliven√∂l), Kollerg√§nge zum Zerquetschen der √Ėlfr√ľchte, Lederblaseb√§lge zum Ansch√ľren des Feuers und eine Art Zylindergebl√§se zum Betrieb von Wasserorgeln, Wassermahlm√ľhlen mit unterschl√§chtigen R√§dern, die Schnellwage, ferner an Maschinen f√ľr Kriegszwecke: der Mauerbrecher oder Widder, der Enterhaken, die Armbrust, die Katapulten und Ballisten. Die Dampfkraft wu√üte man zu physikalischen Spielereien (zum Betrieb des Heronsballes und der √Ąolipile) zu benutzen. Aus der Zeit bis zum 18. Jahrh. sind an neuen Erfindungen nur zu erw√§hnen: im 14. Jahrh. die Feuerwaffen, die als bewegende Kraft das Ausdehnungsbestreben von Explosionsgasen benutzen, und die Uhren, im 15. die Druckerpresse, im 17. die Luftpumpe und die Elektrisiermaschine sowie Papins Dampfmaschine, im 18. Jahrh. die Spinnereimaschine, der Maschinenwebstuhl und als die folgenschwerste Erfindung, die jemals gemacht wurde, die Wattsche Dampfmaschine (1765‚Äď84), die sich sehr schnell √ľber die ganze Welt verbreitete. Mit der fortschreitenden Verwendung der Dampfmaschine nahm das gesamte Maschinenwesen einen ungeheuern Aufschwung, ja man kann sagen, sie habe das moderne Maschinenwesen erst geschaffen. Eine Erkl√§rung daf√ľr ist in folgenden Umst√§nden zu suchen. Einmal veranla√üte die Dampfmaschine eine Verbesserung der Werkzeuge, die durch sie in Bewegung gesetzt wurden, und f√ľhrte zur Erfindung neuer Arbeitsmaschinen, die nicht nur zur Vollendung der Maschinen in konstruktiver Hinsicht, sondern auch zu einer gr√∂√üern Massenhaftigkeit in der Maschinenfabrikation beitrug. Dann war die Einf√ľhrung eines widerstandsf√§higern und dauerhaftern Rohmaterials f√ľr den Maschinenbau, n√§mlich der Metalle (besonders des Eisens) an Stelle des bis dahin vorherrschenden Holzes, nur dadurch m√∂glich, da√ü die Dampfmaschine die Gewinnung und den Transport der Metalle etc. in den allergr√∂√üten Quantit√§ten gestattete. Endlich ist zu ber√ľcksichtigen, da√ü die Dampfmaschine die erste allgemein verwendbare M. war, deren Erfindung auf einer rationellen und √∂konomischen Ausnutzung von Naturkr√§ften begr√ľndet war, so da√ü sie fortan als Beispiel daf√ľr diente, wie die naturwissenschaftlichen und mathematischen Kenntnisse technisch zu verwerten seien (vgl. die Textbeilage zum Artikel ¬ĽErfindung¬ę). Literatur s. bei Artikel ¬ĽMaschinenlehre¬ę.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905‚Äď1909.

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