Attila [2]

Attila (Etzel, genannt Godegisel, »Gottes Geißel«), König der Hunnen, Sohn Mundzuks, folgte 434 n. Chr. mit seinem (wohl ältern) Bruder Bleda seinem Oheim Rua (Rugila) als König der Hunnen und wurde durch Ermordung Bledas (445) Alleinherrscher. Wildheit war ihm ebenso eigen wie Würde, Ernst und Gerechtigkeit; auch fremden Völkern erschien er als ein gewaltiger Herrscher. So bildete A. einen gewaltigen Völkerbund, dem die Aeatziren, Amilzuren, Itimaren, Tonosuren, Boisker, Sorosger, Ultzinzuren, Angisciren, Bittugoren, Bardoren, Sueben, Alanen, Markomannen, Quaden, Gelonen, Skyren, Neuren, Bastarner, Brukterer, Franken, Alemannen und Burgunder, Ostgoten, Gepiden, Thüringer, Heruler, Turkilinger und Rugier angehörten; von Dänemark bis Pannonien, vom Rhein bis an den Kaspischen See reichte sein Machtgebiet. Seine Residenz lag in Oberungarn unweit Tokaj. Er verwüstete 441 Mösien, Illyricum, Thrakien und dehnte 447 seine Streifzüge bis in die Nähe von Konstantinopel aus. Der oströmische Kaiser Theodosius II. erkaufte 448 den Frieden um einen von 700 auf 2100 Pfund Gold (= 1,9 Mill. Mk.) erhöhten jährlichen Tribut, eine einmalige Zahlung von 6000 Pfund (= 5,5 Mill. Mk.) und die Einräumung des Süddonaulandes. Zwar wurde nach des Theodosius Tode (450) durch die Kaiserin Pulcheria und ihren Gemahl Marcian der Tribut verweigert; aber A. sah sich durch die Zurückweisung seiner Werbung um Grata Justa Honoria, die Schwester des weströmischen Kaisers Valentinian III., und durch dessen Bündnis mit dem Westgotenkönig Theoderich I. veranlaßt, sich nach Westen zu wenden. Mit 500,000 Kriegern durchzog A. 451 Deutschland, fiel in Nordgallien ein, zerstörte eine Reihe von Städten (Metz u. a.) und bedrohte Orléans, als Aëtius, der Feldherr Valentinians, und die Westgoten der Stadt zu Hilfe kamen, worauf A. in der weiten Katalaunischen Ebene zwischen Troyes und Metz Stellung nahm. Hier kam es im Herbste 451 zu einer gewaltigen Völkerschlacht: 165,000 (nach andern 300,000) Krieger fielen, darunter König Theoderich, und die Sage ließ die Erschlagenen noch in den Lüften fortkämpfen. A. kehrte nach Pannonien zurück. 452 drang er in Italien ein, zerstörte Aquileja und bedrohte Rom; doch Bischof Leo I. erkaufte um hohe Geldsummen den Frieden, der A. wegen Seuchen und Mangels in seinem Heer erwünscht war. A. starb 453 bald nach seiner Rückkehr, während er seine Hochzeit mit der Burgunderin Ildico feierte, an einem Blutsturz. Mit A. erlosch die Macht des hunnischen Weltreichs; gegen seine Söhne Ellak, Dengisich und Hernac (Irnas oder Irnach) erkämpften die germanischen und skythischen Völker ihre Selbständigkeit durch eine Schlacht am Fluß Netad in Pannonien (s. Hunnen). Vgl. Theiner, Saint-Aignan ou le siège d'Orléans par A. (Par. 1832); Thierry, König A. und seine Zeit (deutsch von Burckhardt, Leipz. 1855); Haage, Geschichte Attilas (Celle 1862); F. Hirth, Über Wolga-Hunnen und Hiung-nu (Sitzungsberichte der bayr. Akademie, 1900, Bd. 2, Heft 1); Beilage zur »Allgemeinen Zeitung« Nr. 177 vom 4. Aug. 1900.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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