Menstrūation

Menstrūation (lat., Menses, monatliche Reinigung, Regel, Periode, griech. Katamenien), die beim geschlechtsreifen Weibe periodisch in Intervallen von etwa vier Wochen auftretende, mehrere Tage anhaltende Blutung aus der Gebärmutter. Sie tritt in unsern Klimaten durchschnittlich mit dem 14. Lebensjahr ein und dauert, wenn nicht besondere Verhältnisse dazwischentreten, bis etwa zum 45. Jahr an. Der Eintritt der M. bekundet die Fortpflanzungsfähigkeit des weiblichen Organismus, ihr Erlöschen kennzeichnet das Aufhören dieser Fähigkeit. In südlichen Klimaten tritt die M. schon bei Mädchen von 8–12 Jahren ein, erlischt dafür auch um so früher; in nördlichen Gegenden dagegen fällt der Eintritt der M. erst in das 18.–20. Jahr. Die physiologische Bedeutung der M. beruht in der jedesmal dabei stattfindenden Abstoßung eines reisen, befruchtungsfähigen Eies aus dem Eierstock, das in den Eileiter und durch diesen in die Gebärmutter übertritt. Dabei wird die Schleimhaut der Gebärmutter sehr blutreich und schwillt bedeutend an, die oberflächliche Schicht der Schleimhaut wird abgestoßen, so daß Bestandteile derselben im Menstrualblut sich vorfinden. Die Schleimabsonderung in der Scheide, in geringerm Grad auch in der Gebärmutter, nimmt zu, die äußern Genitalien werden blutreicher und wärmer; viele Kapillargefäße der Gebärmutterschleimhaut zerreißen infolge ihrer übermäßigen Anfüllung mit Blut, und das vergossene Blut läuft als Menstrualblut ab. Bei gesunden weiblichen Individuen dauert die Menstrualblutung durchschnittlich 4–5 Tage, die Menge des vergossenen Blutes schwankt zwischen 100 und 250 g im ganzen. Meist verläuft die M. unter gewissen Beschwerden, die nicht nur die Gegend der Genitalien, sondern mehr oder weniger den ganzen Körper in Mitleidenschaft ziehen. Bei vielen Frauen beginnen sie schon einen oder mehrere Tage vorher, um mit dem Eintritt der Blutung allmählich wieder nachzulassen. An Intensität sind sie sehr verschieden, bisweilen können sie gänzlich fehlen. Niemals dürfen sie unter normalen Verhältnissen bis zu eigentlichen Schmerzen ausarten, vielmehr müssen solche Fälle als pathologisch angesehen werden. Die Klagen beziehen sich teils auf lokale Empfindungen, teils betreffen sie mehr das Allgemeinbefinden. Die erstern bestehen in Schwere im Unterleib, Gefühl des Drängens nach unten und Ziehen im Kreuz. Die allgemeinen Beschwerden sind Schwächegefühl, Mattigkeit, Beeinträchtigung der Energie, Kopfschmerzen, Appetitmangel, Reizbarkeit und allgemeine Unlust. Der Eintritt der Blutung bringt mitunter Erleichterung, in andern Fällen dauern die Beschwerden bis zum Ende der M. an. Da der Körper zur Zeit der M. für Schädlichkeiten besonders empfänglich ist, so müssen während derselben besondere diätetische Vorschriften beobachtet werden, deren Vernachlässigung leicht gesundheitsschädliche Folgen nach sich ziehen kann. Vornehmlich sollen Erkältungen, jede Art von Anstrengung vermieden werden. Andauerndes Gehen oder Stehen, Maschinennähen, Tanzen, Reiten, Radfahren etc. sind während der M. zu unterlassen. Weiterhin ist Sorge für Reinlichkeit von großer Wichtigkeit. Es empfiehlt sich, während der M. eine Binde (s. Menstruationsbinde) zum Auffangen des Blutes zu tragen und die äußern Geschlechtsteile täglich mit abgekochtem, warmem Wasser und Watte zu reinigen. Scheidenausspülungen sollen nur gemacht werden, wenn sie vom Arzt ausdrücklich verordnet sind. – Zu den Anomalien der M. gehören der zu frühe Eintritt der M. (Menstruatio praecox) und der verspätete Eintritt (Menstruatio serotina), ferner die mit zu starker Blutung einhergehende M. (Menorrhagie), das Ausbleiben der M. (Amenorrhoe, s. d.) und die mit Schmerzen verlaufende M. (Dysmenorrhoe, s. d.). Unter vikariierender M. versteht man das periodische Auftreten von Blutungen aus andern Organen als der Gebärmutter, z. B. Nase, Kehlkopf, Lunge etc. Doch sind sicher beobachtete Fälle dieser Menstruationsanomalie selten. Ein zu früher Eintritt der M. (Menstruatio praecox) kommt nicht häufig vor. Wenn in unserm Klima die M. nicht im 14.–16., sondern schon im 12. bis 14. Jahr eintritt, so ist dies nur dann eine krankhafte Erscheinung, wenn der Körper noch verhältnismäßig unentwickelt ist. Man beobachtet aber auch bei scheinbar völlig unentwickelten 11–12jährigen Mädchen zuweilen regelmäßig wiederkehrende und von allen Symptomen der M. begleitete Blutungen aus den Genitalien, und die Erfahrung lehrt, daß fast alle solche Mädchen später an hartnäckiger Bleichsucht erkranken. Wenn bei jungen Mädchen die jedesmalige, sei es anfangs rechtzeitig oder nicht rechtzeitig eingetretene M. mit starkem oder überstarkem Blutverlust einhergeht, so ist dies nur äußerst selten ein Zeichen von Vollblütigkeit. In der Regel, immer aber bei zarten, blassen Mädchen, bekundet es eine Schwäche des blutenden Organs, das sich nicht genügend kontrahiert. Da muß sofort der Arzt gefragt werden, sonst kann der zarte Körper den großen Blutverlust von 4 zu 4 Wochen nicht ersetzen, es bleibt jedesmal ein Minus, das mit jeder M. größer wird, mit einem Wort, es tritt eine chronische Verblutung ein, der beizeiten vorzubeugen ernste Pflicht ist. Allzu reichliche menstruale Blutungen erfordern umsichtige ärztliche Behandlung. – In gerichtsärztlicher Praxis ist zuweilen zu entscheiden, ob Flecken menschlichen Blutes von der M. herrühren oder andern Ursprungs sind. In der Beziehung zeigt die Erfahrung, daß von der M. herrührende Blutflecke in der Wäsche stets von einem hellen Saum umgeben sind, weil der mit dem Blut sich zugleich ergießende Schleim sich weiter in die Wäsche hineinsaugt als das Blut.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • menstruation — [ mɑ̃stryasjɔ̃ ] n. f. • 1761; du lat. menstrua « menstrues » ♦ Stade du cycle œstral (ou menstruel) de la femme non fécondée, pendant lequel se produit, normalement tous les 25 à 31 jours, de la puberté à la ménopause, un écoulement passager de… …   Encyclopédie Universelle

  • Menstruation — Sf Monatsblutung erw. fach. (19. Jh.) Entlehnung. Abstraktum zu menstruieren, das entlehnt ist aus l. mēnstruāre. Dieses aus l. mēnstruus monatlich , zu l. mēnsis Monat, Monatsblutung (meist Pl.) .    Ebenso nndl. menstruatie, ne. menstruation,… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Menstruation — Men stru*a tion, n. The discharge of the menses; also, the state or the period of menstruating. [1913 Webster] …   The Collaborative International Dictionary of English

  • Menstruation — (Menstruus fluxus, Katamenien), periodischer Blutabgang der Frauen während der zur Empfängniß fähigen Lebensperiode, wenn sie weder schwanger sind, noch ein Kind säugen. Dieser Abgang tritt ein mit der Geschlechtsreife (bei uns vom 13.–15. Jahr,… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Menstruation — Menstruation, monatliche Reinigung, Regel, Periode, Katamenien (lat. menstrŭa, menses), bei Frauen periodisch alle 4 Wochen eintretende Blutausscheidung aus der Gebärmutterschleimhaut, begleitet von der Lösung und dem Austritt eines reifen Eis… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Menstruation — Menstruation, monatliche Reinigung, Katamenien, dem weiblichen Geschlechte eigenthümliche blutige Absonderung aus den Geschlechtstheilen, welche während der Zeit der Zeugungsfähigkeit des Weibes periodisch eintritt, mit Ausnahme der Zeit der… …   Herders Conversations-Lexikon

  • menstruation — (n.) 1680s, from L.L. menstruare, from menstruus monthly (see MENSTRUAL (Cf. menstrual)) + ATION (Cf. ation). Old English equivalent was monaðblot month blood. Middle English had menstrue (n.), late 14c., from O.Fr. menstrue, from L. menstruum …   Etymology dictionary

  • menstruation — [men΄stro͞o ā′shən, men strā′shən] n. [ML menstruatio] the menses; menstrual flow or a menstrual period …   English World dictionary

  • Menstruation — Not to be confused with mensuration , a mathematical and a forestry term meaning measurement. See also: Menstrual cycle and Menstruation (mammal) Menstrual cycle Menstruation is the shedding of the uterine lining (endometrium). It occurs on… …   Wikipedia

  • Menstruation — Menstruationszyklus Die Menstruation (von lat. menstruus, „monatlich“ zu lat. mensis, „Monat“, da sowohl der Menstruationszyklus als auch der Mondmonat ungefähr 28 Tage dauern), auch als Menorrhö wissenschaftlich, Periode, Zyklus, Menses, die… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.