Mineralń≠en

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Mineralń≠en

Mineralń≠en (v. mittellat. minera, ¬ĽBergwerk, Erzgrube¬ę; hierzu die Tafel ¬ĽMineralien und Gesteine¬ę, mit Erkl√§rungsblatt), die anorganischen festen oder tropfbarfl√ľssigen Naturk√∂rper von homogener Beschaffenheit. Das Erfordernis der Homogenit√§t, die darin besteht, da√ü die K√∂rper in ihrer ganzen Ausdehnung die gleichen physikalischen und chemischen Eigenschaften besitzen, sondert von den M. zun√§chst die zusammengesetzten Massen (s. Gesteine) ab, die sich als Gemenge verschiedener Mineralspezies herausstellen. Die Homogenit√§t der M. in chemischer Hinsicht erfordert, da√ü sie Elemente oder bestimmte chemische Verbindungen sind.

In morphologischer Beziehung teilen sich die M. in amorphe und kristallinische. Erstere, zu denen (neben den tropfbarfl√ľssigen) nur eine kleine Anzahl fester (z. B. Opal) z√§hlen, besitzen keine ebenfl√§chige Spaltbarkeit und bilden niemals ebenfl√§chig begrenzte gesetzm√§√üige Gestalten (Kristalle, s. d.), w√§hrend die kristallinischen M. die F√§higkeit, Kristalle zu bilden, besitzen, jedoch h√§ufiger in einzelnen oder zu Aggregaten aufgeh√§uften K√∂rnern, Bl√§ttchen oder Stengeln auftreten, deren physikalisches Verhalten, wie es sich aus Spaltbarkeit, optischen Eigenschaften etc. ergibt, darauf hindeutet, da√ü diese K√∂rner, Bl√§ttchen, Stengel in der freien Formentwickelung gehemmte Kristalle sind.

Die kristallisierten M. finden sich in einzeln eingewachsenen (Fig. 2 der Tafel), allseitig ebenfl√§chig und gesetzm√§√üig begrenzten (schwebend gebildeten) oder in ausgewachsenen (sitzend ausgebildeten) Kristallen (Fig. 3 u. 7), die nur noch an ihrem freien Ende ebenfl√§chig begrenzt sind, w√§hrend ihr unteres Ende sich der zuf√§lligen Unterlage anschmiegt. Mehrere bis viele Kristalle bilden aneinandertretend oder durch Gruppierung um einen Punkt etc. nach Art mancher Konkretionen (s. d.) eine Kristallgruppe (Fig. 1), h√§ufig auch, bei sekretion√§rer Entstehung (s. Sekretionen) in einem Hohlraum, eine Kristalldruse und besitzen in beiden F√§llen nur noch an den frei entwickelten Enden gesetzm√§√üige Formen, w√§hrend im erstern Fall ihr inneres, im letztern Fall ihr √§u√üeres Ende ein der ebenen Fl√§chen entbehrendes, kristallinisches Aggregat darstellt. Zwischen den regelm√§√üig begrenzten Kristallen und einem Haufwerk vieler √§u√üerlich gesetzlos begrenzter K√∂rner, Stengel etc. gibt es demnach die mannigfaltigsten √úberg√§nge. ‚Äď K√∂rnige Aggregate (Fig. 5) k√∂nnen nach der Gr√∂√üe der einzelnen K√∂rner gro√ük√∂rnig, grobk√∂rnig und feink√∂rnig, nach ihrer Form eckigk√∂rnig oder rundk√∂rnig sein; stengelige Aggregate (Fig. 4) lassen sich als dickstengelige, d√ľnnstengelige, grobfaserige, feinfaserige, als parallelstengelige, radialfaserige, verworrenfaserige etc., bl√§tterige als gro√übl√§tterige, kleinbl√§tterige, geradschalige, krummschalige, schuppige unterscheiden, Bezeichnungen, die ohne n√§here Definition verst√§ndlich sind. Sind die das Aggregat zusammensetzenden Teile so klein, da√ü ihre Form nicht mehr mit blo√üem Auge erkannt werden kann, so hei√üt das Aggregat dicht (kryptokristallinisch) und bei lockerm Gef√ľge auch wohl erdig; unter dem Mikroskop erscheinen die dichten Aggregate wieder k√∂rnig, schuppig oder faserig. Zuweilen besitzen kristallinische M. eine doppelte Struktur, indem sie neben der k√∂rnigen, bl√§tterigen oder faserigen Beschaffenheit noch einen schaligen Aufbau erkennen lassen. So besitzen der braune und rote Glaskopf und der Erbsenstein (Pisolith) neben dem radialfaserigen noch einen konzentrischschaligen Bau (Glaskopfstruktur, Pisolithstruktur). Die kristallinischen M. erscheinen mitunter nach au√üen hin regelm√§√üig begrenzt, bald kugelig (z. B. die Erbsensteine, Dolithe), bald nierenf√∂rmig und traubig (Brauneisenstein, Psilomelan, Malachit, Fig. 10), bald zylindrisch, zapfenf√∂rmig (Tropfstein); auch finden sie sich in krusten- oder schalenartigen √úberz√ľgen √ľber andern M. Wo sich die kristallinischen M. im beschr√§nkten Raum (auf Spalten oder in Hohlr√§umen der Gesteine) bilden, nehmen sie die Form dieser R√§ume an. Ausf√ľllungen von Kl√ľften geben Platten, Bleche (Fig. 9) und, wenn sie sehr d√ľnn sind, sogen. Anfl√ľge; die letztern sind oft moos- oder baumf√∂rmig gestaltet (dendritisch, Fig. 6) und zeigen nicht selten √úberg√§nge in die zu √§stigen und gestrickten Formen (Fig. 8) regelm√§√üig aneinandergereihten Kristallaggregate. ‚Äď Die amorphen M. bilden ebenso wie die kristallinischen M. kugelige, nierenf√∂rmige, zylindrische, zapfenf√∂rmige oder knollige Gestalten und krustenartige √úberz√ľge, oder haben rein zu f√§llige von ihrer Umgebung abh√§ngige Formen, aber sie besitzen keine Spur von einer k√∂rnigen, bl√§tterigen oder faserigen Struktur, auch keine ebenfl√§chige, nach bestimmten Kristallfl√§chen orientierte Spaltbarkeit.

Von den physikalischen Eigenschaften der M. ist die Spaltbarkeit (s. d.) in einem besondern Artikel behandelt. Unter Bruch versteht man die Form der beim Zerbrechen oder Zerschlagen der M. entstehenden Trennungsfl√§chen (Bruchfl√§chen) und unterscheidet au√üer dem regelm√§√üigen ebenfl√§chigen Bl√§tterbruch (s. Spaltbarkeit) je nach der Form und der Beschaffenheit der Bruchfl√§chen (ob mit muschel√§hnlichen oder regellosen Vertiefungen versehen oder frei von solchen, oder ob frei von Rauheiten oder mit kleinen. halb abgel√∂sten Splittern, oder mit hakenartig gekr√ľmmten Spitzen oder lauter sandartigen Teilchen bedeckt) einen muscheligen, unebenen, ebenen, glatten, splitterigen, hakigen und erdigen Bruch. ‚Äď Das spezifische Gewicht der M. schwankt zwischen weiten Grenzen (Iridium 21‚Äď23, Erd√∂l und Erdwachs 0,6‚Äď0,9), jedoch ist bei den weiter verbreiteten Arten, so namentlich bei den gesteinsbildenden, ein spezifisches Gewicht von 2,5‚Äď3,5 das h√§ufigste. ‚Äď √úber die H√§rte der M. s. d.; √ľber die optischen, elektrischen und thermischen Eigenschaften, die in direktem Zusammenhang mit den Kristallgestalten stehen, vgl. Kristalloptik und Kristall. ‚Äď Die Farbe der M. kann, wie bei der blauen Kupferlasur, dem gr√ľnen Malachit, dem roten Zinnober und dem gelben Auripigment, eine wesentliche, der chemischen Substanz entsprechende sein (farbige, idiochromatische M.), oder sie kann von einem beigemengten fremden Pigment (Verunreinigung) herr√ľhren, das an sich farblose M. in gef√§rbte (allochromatische) umwandelt. H√§ufig ist die Farbe durch das ganze Mineral hindurch gleichm√§√üig verteilt; zuweilen finden sich aber auch an ein und demselben Mineral verschiedene F√§rbungen; so gibt es z. B. im Innern rot und au√üen gr√ľn gef√§rbte Turmalinkristalle, Diopsidkristalle, die an dem einen Ende gr√ľn, an dem andern farblos sind, und viele M., die, wie die Achate (Fig. 12), geb√§ndert, geflammt, gestreift, ge√§dert, wolkig, gefleckt, punktiert etc. erscheinen. Bei vielen dieser gef√§rbten M. l√§√üt sich das f√§rbende Prinzip seiner Natur nach bestimmen; so sind rote F√§rbungen, wie am Eisenkiesel, h√§ufig durch Eisenoxyd, gelbe und braune durch Eisenhydroxyd, smaragdgr√ľne, wie an der als Smaragd bezeichneten Variet√§t des Berylls, durch Chromoxyd, viele dunkle durch organische Substanzen bedingt; andre M., wie der Hypersthen, der Sonnenstein, der Saphirquarz, der Moosachat etc., enthalten fremde K√∂rper in feinster Verteilung, welche die ihnen eigent√ľmliche Farbe auf den Wirt √ľbertragen. Bei der Mehrzahl der gef√§rbten M. l√§√üt sich aber die Ursache der F√§rbung selbst bei Anwendung der sch√§rfsten Untersuchungsmethoden nicht ermitteln. und zumal bei den auffallend gef√§rbten Flu√üspat-, Apatit- und Quarzkristallen, von denen man, weil sie den Farbstoff oft so gleichm√§√üig wie in einer L√∂sung verteilt enthalten, auch wohl zu sagen pflegt, da√ü sie eine dilute F√§rbung bes√§√üen. Diese dilut verteilten Farbstoffe werden zum Teil schon durch das Licht zerst√∂rt, z. B. der Smaragd, der apfelgr√ľne Chrysopras, der rote Vanadinit etc., verblassen nach l√§ngerm Liegen im Sonnenlicht; andre, wie blaues Steinsalz, violetter Flu√üspat und Amethyst, verlieren ihre Farbe schon bei einer Erw√§rmung bis 200 oder 300¬į. Da nun auch selbst die aufmerksamste chemische Untersuchung in der Regel nicht imstande ist, Ausschlu√ü √ľber die chemische Beschaffenheit des dilut verteilten Farbstoffes zu geben, lag die bisher gemachte Annahme nahe, da√ü organische Stoffe die Ursache jener F√§rbung seien, zumal man eine so gro√üe Menge verschiedenartiger organischer Farbstoffe kennt, die bei einer sehr geringen Best√§ndigkeit gegen Licht und Temperaturerh√∂hung ihren L√∂sungen selbst in kaum merkbaren Spuren eine lebhafte F√§rbung erteilen. Indessen spricht das Vorkommen der meisten auffallend gef√§rbten M. in der Natur gegen eine F√§rbung durch organische Substanzen. Die sch√∂nfarbigen Kristalle von Flu√üspat, Apatit, Beryll, Quarz etc. finden sich auf den G√§ngen der Zinnerz- und Titanformation, in den gro√ük√∂rnig ausgebildeten Ganggraniten (Pegmatiten) und auch sonst vielfach innerhalb massiger, aus glutfl√ľssigem Magma erstarrter Gesteine, w√§hrend dieselben Kristalle da, wo sie innerhalb kohlenstoffhaltiger Schichten entstanden sind, in der Regel farblos erscheinen. Daraus scheint mit Gewi√üheit hervorzugehen, da√ü es auch anorganische Stoffe gibt, die, in geeigneten L√∂sungsmitteln dilut verteilt, intensiv zu f√§rben imstande sind. Da auffallend gef√§rbte M. gew√∂hnlich in Gesellschaft von Zinn-, Zirkon- und Titanverbindungen, auch mit Cer-, Lanthan-, Didym-, mit Niob-, Tantal- und Beryll-haltigen M. auftreten, liegt es nahe, in Verbindungen dieser Elemente den Grund ihrer F√§rbung zu vermuten und bei der Analyse nach diesen Stoffen zu forschen; indessen lassen sich in den meisten F√§llen in den geringen, zur Analyse zur Verf√ľgung stehenden oder verwendeten Mengen die betreffenden Elemente √ľberhaupt nicht nachweisen.

Charakteristisch ist f√ľr manche farbige M. auch die Farbe (Strichfarbe, Strich) des seinen Pulvers (Strichpulvers), das man durch Anfeilen oder durch Reiben oder Streichen der M. auf einer rauhen Platte (Strichtafel) von Porzellan (Biskuit) erh√§lt. So besitzt der eisenschwarze Eisenglanz einen kirschroten Strich; das Pulver des speisgelben Eisenkieses ist br√§unlich schwarz. Gef√§rbte M. haben meist einen wei√üen oder hellgrauen Strich. Durch oberfl√§chliche chemische Ver√§nderung k√∂nnen sich die Farben mancher M. √§ndern, die M. k√∂nnen ¬Ľanlaufen¬ę. Die entstehenden Farben (Anlauffarben) sind dann entweder auf der ganzen Oberfl√§che gleich oder an verschiedenen Stellen verschieden; im letztern Fall erhalten die M. ein buntes Aussehen (pfauenschweifig, taubenh√§lsig, regenbogenartig). ‚Äď Nach dem Grade der F√§higkeit, das Licht durchzulassen (Pelluzidit√§t), unterscheidet man die M. als durchsichtig, halbdurchsichtig, durchscheinend, kantendurchscheinend und undurchsichtig (opak). Auch die Durchl√§ssigkeit f√ľr R√∂ntgenstrahlen ist bei verschiedenen M. verschieden und f√ľr die Unterscheidung mancher Edelsteine von Wichtigkeit. Speziell l√§√üt sich wasserheller Diamant infolge seiner vollkommenen Durchl√§ssigkeit f√ľr R√∂ntgenstrahlen leicht von dem nur wenig durchl√§ssigen wei√üen oder gelblichen Topas, Bergkristall, Phenakit, wei√üen Saphir, Spinell und gegl√ľhten Hyazinth, und gr√ľn, blau und rosa gef√§rbter Diamant leicht von Chrysoberyll, Saphir, Aquamarin, Rubin, Spinell und Hyazinth unterscheiden; ebenso Rubin von Spinell, Granat und Turmalin; Saphir von Cordierit, Turmalin und Cyanit; gelber Saphir von Goldberyll, Topas, Citrin, Chrysoberyll und Chrysolith; gr√ľner Korund von Smaragd; Spinell von Granat; Chrysoberyll von Sphen, Chrysolith und Andalusit; Hyazinth von Hessonit etc. Und, was besonders wichtig ist, die Untersuchung kann an gefa√üten Steinen vorgenommen werden, ohne da√ü dieselben in irgend einer Weise verletzt werden. Der Glanz (s. d.) ist seiner Qualit√§t nach Metallglanz (an undurchsichtigen, sogen. metallischen M.), Diamant glanz (an durchsichtigen M. von hoher Brechung), Glasglanz, Fettglanz, Perlmutterglanz, Seidenglanz (dieser besonders an faserigen M.). Nach der St√§rke des Glanzes unterscheidet man die M. als stark gl√§nzend, wenig gl√§nzend und als matt.

Einen sehr wertvollen Anhaltspunkt zur Bestimmung der M. bietet ihr Verhalten vor der L√∂trohrflamme, vor der sie sich als unschmelzbar, schwer oder leicht schmelzbar erweisen oder sich verfl√ľchtigen. Kobell hat f√ľr die schmelzbaren M. eine Schmelzbarkeitsskala aufgestellt, mittels deren man, √§hnlich wie bei der H√§rteskala, den Grad der Schmelzbarkeit eines Minerals durch Vergleich bestimmen kann. Die sechs Schmelzgrade sind, von dem am leichtesten schmelzbaren Mineral anfangend: 1) Antimonglanz (etwa 520¬į), 2) Natrolith, 3) Almandin, 4) Strahlstein, 5) Orthoklas, 6) Bronzit (etwa 1300¬į). ‚Äď Magnetismus besitzen nur wenige Mineralspezies. Polaren Magnetismus zeigen manches Platin und mancher Magnetkies, besonders aber manches in Zersetzung begriffene Magneteisen (nat√ľrlicher Magnet); einfach magnetisch, indem sie vom Magneten angezogen werden, sind namentlich Eisen, Magneteisen, Magnetkies und noch einige viel Eisen enthaltende M., manche von diesen allerdings erst nach dem Gl√ľhen oder Schmelzen. ‚Äď Als physiologische Merkmale endlich werden auf Geschmack, Geruch und Gef√ľhl wirkende Eigenschaften der M. bezeichnet, unter ihnen einige zur rohen Bestimmung recht n√ľtzliche, wie der Geschmack des Steinsalzes, des Sylvins, der eigent√ľmliche Geruch, den tonige M., namentlich nach dem Anhauchen, zeigen, ferner der bitumin√∂se, der entweder direkt oder noch h√§ufiger nach dem Anschlagen oder Reiben wahrgenommen wird, endlich das eigent√ľmlich fettige Gef√ľhl bei Ber√ľhrung z. B. des Talks und des Graphits. Auch das Adh√§rieren an befeuchteter Lippe (hygroskopische M.: Tone, Meerschaum, Hydrophan) geh√∂rt hierher.

Die Mineralspezies sind, wie schon hervorgehoben, bestimmte chemische Verbindungen. Chemisch analog zusammengesetzte M. zeigen häufig ähnliche Kristallformen, sind isomorph (s. Isomorphie); anderseits können aber auch in verschiedenen Kristallsystemen kristallisierende M. die gleiche chemische Zusammensetzung besitzen (Polymorphie, Heteromorphie, s. d.). Die Wichtigkeit der chemischen Zusammensetzung findet ihren Ausdruck auch darin, daß die systematische Anordnung der Mineralspezies jetzt allgemein nach chemischen Prinzipien erfolgt. Man gliedert die M. wie folgt:


I. Klasse. Elemente und deren isomorphe Mischungen; mit den Ordnungen der Metalloide und der Metalle.

II. Klasse. Schwefelverbindungen (Inflammabilien der alten Mineralogen zum Teil) und Verbindungen des Selens, Tellurs, Arsens, Antimons und Wismuts; mit den Ordnungen der einfachen Sulfide (Selenide etc.), der Sulfosalze und der Oxysulfuride.

III. Klasse. Oxyde; mit den Ordnungen der Anhydride und der Hydroxyde.

IV. Klasse. Haloidsalze; mit den Ordnungen der einfachen Haloidsalze und der Doppelchloride und -Fluoride sowie einem Anhang: Oxychloride und Oxyfluoride.

V. Klasse. Sauerstoffsalze (Oxysalze); mit den Ordnungen der Aluminate und Ferrate, Borate, Nitrate, Karbonate, Selenite, Arsenite und Antimonite, Sulfate, Chromate, Molybdate, Wolframate und Uranate, Tellurate, Phosphate, Arseniate, Antimoniate, Vanadinate, Niobate und Tantalate, Silikate, Titanate, Zirkoniate, Thorate, Stannate, Verbindungen der Silikate mit Titanaten, Zirkoniaten, Niobaten und Vanadinaten und Verbindungen der letztgenannten Salze untereinander. Von diesen Ordnungen zerfallen die meisten in zwei Unterordnungen, je nachdem die betreffenden Verbindungen wasserfrei oder wasserhaltig sind. Bei den Silikaten werden namentlich folgende ¬Ľnat√ľrliche Gruppen¬ę unterschieden: Gruppen des Andalusit, Turmalin, Epidot, Olivin, Willemit, Granat, Nephelin, Glimmer, Chlorit, Talk und Serpentin, Augit und Hornblende, Cordierit, Feldspat, Skapolith, Zeolithe.

VI. Klasse. Organische Verbinbungen (Inflammabilien der alten Mineralogen zum Teil); mit den Ordnungen der Salze der organischen Säuren, Kohlenwasserstoffe und Harze sowie einem Anhang: Kohlen.


F√ľr die chemische Untersuchung bedient sich die Mineralogie im allgemeinen der gleichen Methoden wie die anorganische Chemie, und nur f√ľr eine schnelle Bestimmung wird mit Vorliebe der sogen. trockne Weg unter Benutzung des L√∂trohrs behufs Vornahme von Schmelzversuchen, F√§rbungen von Glasfl√ľssen (Borax-, Phosphorsalzperlen) etc. gew√§hlt; auch die √§u√üern Kennzeichen (Glanz, Farbe, H√§rte, Spaltbarkeit, Kristallform etc.) werden zur Bestimmung mit Vorteil verwertet. Weisbach, Fuchs, Kobell u. a. haben Anleitungen zur Bestimmung der M. auf Grund einfacher chemischer Pr√ľfungen und nach √§u√üern Kennzeichen gegeben. Wo nur sehr kleine Mengen eines n√§her zu bestimmenden Minerals zur Verf√ľgung stehen, wie das bei Gesteinsuntersuchungen √∂fter der Fall ist, bedient man sich auch wohl mikrochemischer Reaktionen und Analysen. Man pr√ľft zun√§chst das zu untersuchende Material auf seine L√∂slichkeit in Wasser und S√§uren und sucht dann aus Tr√∂pfchen der erhaltenen L√∂sung, eventuell unter Zusatz eines weitern Reagens, Kristallisationen darzustellen, die durch Form und optisches Verhalten so gut charakterisiert sind, da√ü man sie mit Leichtigkeit erkennen kann und eine Verwechselung mit andern Kristallen ausgeschlossen ist. Wegen der geringen Gr√∂√üe der entstehenden Kristalle und, weil eine optische Pr√ľfung derselben in der Regel unerl√§√ülich ist, bedient man sich bei der Untersuchung eines Mikroskops mit Polarisationsvorrichtung. Z. B. bei in Wasser oder S√§uren l√∂slichen M. stellt man sich aus einem K√∂rnchen des Minerals eine L√∂sung her und pr√ľft einzelne Tropfen derselben auf dem Objekttr√§ger der Reihe nach auf Natrium, Tonerde, Calcium, Magnesium, Phosphors√§ure etc. Bei Anwesenheit von der geringsten Menge (schon von 0,0008 mg) von Natrium in der L√∂sung erh√§lt man bei Zusatz eines Tropfens einer L√∂sung von essigsaurem Uranoxyd scharf ausgebildete, tetraedrische Kristalle von essigsaurem Uranylnatrium; Tonerde wird am besten bei Zusatz von etwas C√§siumsulfat erkannt, mit dem sie die schwer l√∂slichen oktaedrischen Kristalle von C√§siumalaun bildet; aus einem Tropfen schwefelsaurer L√∂sung scheiden sich bei Anwesenheit von Calcium nadelf√∂rmige Gipskristalle aus, Phosphors√§ure verr√§t sich dadurch, da√ü die L√∂sung mit molybd√§nsaurem Ammoniak, gel√∂st in Salpeters√§ure, einen gelben Niederschlag von phosphormolybd√§nsaurem Ammon gibt. Gute Zusammenstellungen der wichtigsten Reaktionen f√ľr die verschiedenen Elemente haben Haushofer (¬ĽMikrochemische Reaktionen¬ę, Braunschw. 1885), Kl√©ment u. Renard (¬ĽR√©actions microchimiques √† cristaux¬ę, Br√ľssel 1886) und besonders Behrens (¬ĽAnleitung zur mikrochemischen Analyse¬ę, Hamb. 1895) gegeben.

Die Bildung der M. erfolgt wie die der Kristalle (s. d.) auf dreierlei Weise; entweder entstehen sie durch Erstarrung von Schmelzfl√ľssen (wie viele Gemengteile der Laven, z. B. Feldspat, Leucit, Augit, Biotit, Apatit, Magneteisen), oder durch Ausscheidung aus w√§sserigen L√∂sungen (z. B. Steinsalz, Gips) oder durch Sublimation aus dem dampff√∂rmigen Zustand (z. B. Salmiak, Schnee). Die aus Schmelzfl√ľssen erstarrten M. f√ľhren nicht selten neben kleinen rundlichen und schlauchf√∂rmigen Einschl√ľssen von Gas und Fl√ľssigkeiten, die in den Schmelzfl√ľssen absorbiert waren, als besonders charakteristisch, weil ihre Entstehung verratend, Einschl√ľsse von Glas. Die aus w√§sserigen L√∂sungen auskristallisierten M. enthalten h√§ufig und oft in regelm√§√üiger Anordnung, bald mehr in den zentralen, bald mehr in den peripherischen Teilen geh√§uft, Fl√ľssigkeitseinschl√ľsse, die, wenn sie den oft ebenfl√§chig begrenzten Raum (negativen Kristall) nicht ganz erf√ľllen, eine bewegliche Gasblase (Libelle) enthalten. Gaseinschl√ľsse (sogen. Gasporen) kommen namentlich bei den sublimativ gebildeten M. h√§ufig vor. Die Ausscheidung von M. aus w√§sserigen L√∂sungen und D√§mpfen ist nicht selten eine Folge ziemlich komplizierter Vorg√§nge; so kann z. B. Eisen glanz aus sublimierendem Chloreisen durch die Einwirkung von Wasserdampf, Gips durch Einwirkung oxydierenden Eisenkieses auf kohlensaures Calcium entstehen; Zeolithe k√∂nnen sich aus Feldspaten bilden etc. Die unter dem Einflu√ü von vulkanischen D√§mpfen gebildeten und zumal aus andern M. durch Umbildung entstandenen M. werden kurz als pneumatolytische und die unter gleichzeitigem Einflu√ü von Wasser oder Wasserdampf gebildeten M. als pneumatohydatogene bezeichnet. Viele M., die sogen. Kontaktmineralien, entstehen durch den Einbruch eines Eruptivgesteins in andre Gesteine an den Ber√ľhrungsstellen beider (s. Metamorphismus der Gesteine). Endlich k√∂nnen Organismen einen hervorragenden Anteil an der Bildung von M. nehmen. die neben organischen Substanzen aus Kiesels√§ure oder aus Calciumkarbonat bestehenden innern oder √§u√üern Skelette von Tieren oder Pflanzen (Diatomeen), die Holzfasern der Pflanzen gehen gelegentlich durch Umwandlungsprozesse in rein mineralische Substanzen √ľber (Polierschiefer aus Diatomeen bestehend, Verkohlungsproze√ü). √úber die gro√üe Bedeutung, welche die sogen. Pseudomorphosen als Anzeichen bestimmter nat√ľrlicher Bildungs- und Umbildungsprozesse besitzen, vgl. Pseudomorphosen. Von vielen M. wissen wir nicht, wie sie sich gebildet haben; zur Erkl√§rung ihrer mutma√ülichen Bildungsweise k√∂nnen dann aber synthetische Arbeiten dienen, durch die mit den nat√ľrlich vorkommenden identische chemische Verbindungen erzeugt werden. Man hat bereits eine gr√∂√üere Zahl von M. k√ľnstlich dargestellt, z. B. Diamant, Rubin, Spinell, Quarz, Tridymit, Feldspat, Augit, Olivin, Nephelin, Analcim, Natrolith, Biotit, Zinnstein, Eisenglanz u. v. a., aber noch nicht Hornblende, Muskovit etc. Die umfangreiche Literatur √ľber solche Darstellungen und Versuche findet sich in Meuniers ¬ĽLes m√©thodes de synth√®seen min√©ralogie¬ę (Par. 1891) √ľbersichtlich zusammengestellt. Der Verallgemeinerung der dabei gewonnenen Resultate steht die Tatsache gegen√ľber, da√ü sich die Natur in vielen F√§llen nachweisbar verschiedener Wege bedient, um dasselbe Mineral hervorzubringen. So ist der Feldspat in den Laven eruptiver Entstehung, in den Kristallkellern der Alpen (als Adular, Albit, Periklin) w√§sseriger Bildung, der Quarz in den Quarzporphyren und Lipariten eine Ausscheidung aus feurigem Schmelzflu√ü, aber als Versteinerungsmittel von fossilen Baumst√§mmen entschieden aus w√§sseriger L√∂sung abgesetzt.

Hinsichtlich der H√§ufigkeit und der Art ihres Vorkommens unterscheiden sich die M. auffallend voneinander. Unter den etwa 800 Spezies, die man kennt, sind nur gegen 40 als wesentliche Bestandteile der Gesteine (vgl. Gesteine, S. 744) weit verbreitet, alle √ľbrigen kommen nur als zuf√§llige Beimengungen entweder in kristallinischen Aggregaten (derb, eingesprengt, Fig. 11) und in Kristallen in den Gesteinen eingewachsen vor, oder in Hohlr√§umen derselben, als Ausf√ľllungen ehemaliger Blasenr√§ume (Mandeln) und auf G√§ngen und Lagerst√§tten besonderer Art (s. Erzlagerst√§tten). ‚Äď √úber die Benennung der einzelnen Spezies vgl. Mineralnamen. ‚Äď Das beste Hilfsmittel zum Studium der M. bieten die Mineraliensammlungen, wie sie die Universit√§ten und andre Lehranstalten besitzen. Die Anlage eigner Sammlungen erm√∂glichen die Mineralienhandlungen (in Bonn, Heidelberg, Freiberg, Dresden, Wien), von denen man sowohl einzelne St√ľcke als ganze Zusammenstellungen beziehen kann. Auch sind Etiketten f√ľr Mineraliensammlungen k√§uflich. √úber Lehrb√ľcher s. Mineralogie.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905‚Äď1909.

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