August

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August

August, m√§nnlicher Taufname, Verk√ľrzung des lat. Augustus (franz. Auguste, engl. Augustus, ital. Augusto oder Agosto, span. Augusto). Bemerkenswerte F√ľrsten dieses Namens sind:

[Braunschweig.] 1) A. der j√ľngere, Herzog zu Braunschweig-Wolfenb√ľttel, geb. 10. April 1579 in Dannenberg, gest. 17. Sept. 1666, siebenter Sohn des Herzogs Heinrich und der Prinzessin Ursula von Sachsen-Engern, wohl der gelehrteste F√ľrst seines Zeitalters, unter anderm unter dem Namen Gustavus Selenus (d. h. Augustus von Lun√§burg) der Verfasser des lange ma√ügebenden Buches √ľber ¬ĽDas Schach- oder K√∂nigsspiel¬ę (Leipz. 1616), dessen praktischer Teil indessen nur eine √úbersetzung des Ruy Lopez ist. Aus der Erbschaft des 1634 erloschenen mittlern Hauses Braunschweig-Wolfenb√ľttel fiel ihm 1635 das F√ľrstentum Wolfenb√ľttel zu, das freilich bis 1643 von den Kaiserlichen besetzt blieb. Seine in Hitzacker begr√ľndete Bibliothek vermehrte er bis auf 180,000 B√§nde, darunter wertvolle Handschriften, und schrieb davon eigenh√§ndig einen mehrb√§ndigen Katalog. Auch der Fruchtbringenden Gesellschaft geh√∂rte er an. A. ist Begr√ľnder der j√ľngern Wolfenb√ľttelschen Linie des Hauses Braunschweig. Vgl. Bethmann, Herzog A., der Gr√ľnder der Wolfenb√ľtteler Bibliothek (Wolfenb. 1863); Koldewey, Die Schulgesetzgebung des Herzogs A. des j√ľngern von Braunschweig-Wolfenb√ľttel (Braunschw. 1887).

[Erzstift Magdeburg.] 2) A., Administrator des Erzstiftes Magdeburg, vor dessen (1648 festgesetzten) Anfall an Kurbrandenburg, zweiter Sohn des Kurf√ľrsten Johann Georg I. von Sachsen, geb. 13. Aug. 1614 in Dresden, gest. 4. Juni 1680, wurde 1628 vom Domkapitel in Magdeburg an Stelle des ge√§chteten Markgrafen Christian Wilhelm von Brandenburg zum Administrator postuliert und im Prager Frieden 1635 auf Lebenszeit anerkannt. Nach dem Tode seines Vaters (1656) erhielt A. zehn √Ąmter im kurs√§chsischen Th√ľringen, die Stadt Wei√üenfels und die vier im Prager Frieden vom Erzstift abgerissenen √Ąmter Burg, Querfurt, J√ľterbog und Dahme, aus denen sowie der 1659 angefallenen Grafschaft Barby 1663 das F√ľrstentum Sachsen-Querfurt gebildet wurde, und stiftete die Nebenlinie Sachsen-Wei√üenfels, die 1746 ausstarb. In Wei√üenfels erbaute er 1663 das sch√∂ne Residenzschlo√ü Augustusburg. Seine Prachtliebe legte den Grund zur tiefen Verschuldung seiner Nachkommen.

[Oldenburg.] 3) A. Paul Friedrich, Gro√üherzog von Oldenburg, Sohn des Herzogs Peter Friedrich Ludwig und der Prinzessin Elisabeth von W√ľrttemberg, geb. 13. Juli 1783, gest. 27. Febr. 1853, ging nach der Besetzung Oldenburgs durch die Franzosen 1811 mit seinem Vater nach Ru√üland, wo er Generalgouverneur von Reval wurde, nahm an den Kriegen von 1812‚Äď14 t√§tigen Anteil, kehrte 1816 nach Oldenburg zur√ľck und verm√§hlte sich 24. Juli 1817 mit der Prinzessin Adelheid von Anhalt-Bernburg-Schaumburg (gest. 1820). Seine zweite Gemahlin, Ida, eine j√ľngere Schwester der ersten, starb nach der Geburt des Erbgro√üherzogs Nikolaus Friedrich Peter (geb. 8. Juli 1827). Ein Sohn aus seiner 1831 geschlossenen dritten Ehe mit der Prinzessin C√§cilie von Schweden, Herzog Elimar (geb. 1841), starb 17. Okt. 1895 auf Schlo√ü Erlaa in Nieder√∂sterreich. Nach seines Vaters Tod (21. Mai 1829) trat A. als ¬ĽGro√üherzog¬ę die Regierung an, berief zur Beratung einer Verfassung 1848 einen Landtag, vollzog jedoch nur widerstrebend 18. Febr. 1849 das vereinbarte Staatsgrundgesetz, das dann 1852 revidiert wurde. Vgl. Mos le, Paul Friedrich A., Gro√üherzog von Oldenburg (Oldenb. 1865).

[Preu√üen.] 4) A. Wilhelm, Prinz von Preu√üen, zweiter Sohn K√∂nig Friedrich Wilhelms I. und Sophia Dorotheas, geb. 9. Aug. 1722 in Berlin, gest. 12. Juni 1758, j√ľngerer Bruder des nachmaligen K√∂nigs Friedrich II., war der Liebling seines Vaters, der ihm sogar wegen des Ungehorsams des √§ltesten die Thronfolge zuwenden wollte. Seit 1735 F√§hnrich im Regimente des Kronprinzen, ward er bei der Thronbesteigung seines Bruders 1740 Chef dieses Regiments. Im August d. I. begleitete er seinen Bruder auf einer Reise bis Stra√üburg und verlobte sich 20. Sept. d. I. in Braunschweig mit der Prinzessin Luise Amalie, Schwester der K√∂nigin; die Verm√§hlung fand 6. Jan. 1742 in Berlin statt. Der Prinz hatte am ersten Schlesischen Kriege teilgenommen und erhielt 30. Juni 1744 als voraussichtlicher Thronfolger den damals zum erstenmal verliehenen Titel eines ¬ĽPrinzen von Preu√üen¬ę, er beteiligte sich auch am zweiten Schlesischen Krieg und bezog nach dem Friedensschlu√ü das Lustschlo√ü zu Oranienburg. Im Siebenj√§hrigen Kriege nahm er an den Schlachten bei Lobositz, Prag und Kollin teil, erhielt nach der letztern den Befehl, einen Teil des Trosses nach der Lausitz zu f√ľhren, hatte dabei Ungl√ľck und wurde deshalb vom K√∂nig so hart und ungerecht getadelt, da√ü er sich von aller √∂ffentlichen T√§tigkeit zur√ľckzog; lebte in Berlin und Oranienburg. Er malte mit Geschick. Den Titel ¬ĽPrinz von Preu√üen¬ę erhielt sein √§ltester Sohn, der sp√§tere K√∂nig Friedrich Wilhelmll.

5) Friedrich Wilhelm Heinrich A., Prinz von Preu√üen, j√ľngster Sohn des Prinzen August Ferdinand (s. Ferdinand), Neffe Friedrichs II., geb. 19. Sept. 1779 in Friedrichsfelde, gest. 19. Juli 1843 in Bromberg, f√ľhrte seit 1803 als Major ein Grenadierbataillon und verwendete bereits das ganze dritte Glied zum Tirailleurdienst. Als Oberstleutnant f√ľhrte er 1806 sein Bataillon in der Schlacht von Auerstedt, wurde dann bei Prenzlau gefangen, nach Frankreich gebracht und kehrte erst nach dem Friedensschlu√ü Ende Oktober 1807 nach Berlin zur√ľck. 1808 zum General und Chef der Artillerie sowie zum Chef des ostpreu√üischen Artillerieregiments ernannt, begann der Prinz die Reorganisation der Artillerie mit dem General v. Scharnhorst. 1813 folgte er dem Bl√ľcherschen Hauptquartier. Nach dem Waffenstillstand wurde er mit dem Kommando der 12. Brigade im Kleistschen Korps betraut und zeichnete sich in der Leipziger Schlacht 16. Okt. bei Markkleeberg, am 18. bei Probstheida aus. 1814 nahm er an allen Gefechten im M√§rz (Laon, Paris) teil, √ľbernahm 1. April interimistisch das Kommando des 2. Armeekorps und leitete 1815 den Belagerungskrieg im n√∂rdlichen Frankreich. Nach dem Frieden nahm er als Generalinspekteur der Artillerie und Kurator der Artillerie- und Ingenieurschule die Umformung der Artillerie wieder auf und f√∂rderte die geistige Bildung des Offizierkorps. Von 1816 ab inspizierte der Prinz 27 Jahre lang allj√§hrlich die verschiedenen Brigaden. 1889 wurde das 1. Feldartillerieregiment nach A. benannt. Der Prinz war der reichste Grundbesitzer des preu√üischen Staates. Der gr√∂√üte Teil seiner Besitzungen fiel nach den testamentarischen Bestimmungen Friedrich Wilhelms I. an die k√∂nigliche Familie zur√ľck, da A. nur illegitime Kinder hinterlie√ü. Vgl. v. Puttkamer und v. H√∂pfner, Erinnerungsbl√§tter aus dem Leben des Prinzen A. von Preu√üen (Gotha 1869); ¬ĽAus dem kriegsgeschichtlichen Nachla√ü des Prinzen A. von Preu√üen¬ę (in den ¬ĽKriegsgeschichtlichen Einzelschriften¬ę des preu√üischen Generalstabs, Heft 2, Berl. 1883).

[Sachsen bez. Polen.] 6) A., Kurf√ľrst von Sachsen, zweiter Sohn Herzog Heinrichs des Frommen und Katharinas von Mecklenburg, j√ľngerer Bruder des Kurf√ľrsten Moritz (s. d.), geb. 31. Juli 1526, gest. 11. Febr. 1586 in Dresden, folgte seinem Bruder Moritz 1553 in der Kurw√ľrde. Wie dieser, ist er unter dem Gesichtspunkte des Territorialf√ľrstentums zu w√ľrdigen: w√§hrend das Territorialinteresse Moritzens den Protestantismus gerettet hat, setzt unter A. die f√ľr den Protestantismus verh√§ngnisvoll gewordene reichspolitische und konfessionelle Engherzigkeit und Beschr√§nktheit Kursachsens ein. Namentlich die Sorge vor den der Kur beraubten Ernestinern bestimmte A. zeitlebens zu engem Anschlu√ü an die Habsburger und zu einer konfessionellen Friedenspolitik, die ihn in schroffen Gegensatz zu dem streitbaren Calvinismus und seinen deutschen Vork√§mpfern brachten. Anfangs unterst√ľtzte er die Anh√§nger Melanchthons, die Philippisten oder Kryptocalvinisten, gegen die Flacianer, bis er 1574 pl√∂tzlich, von seiner Gemahlin Anna von D√§nemark (s. Anna 10) angespornt, ihre H√§upter verfolgte, worauf mit der Konkordienformel die starre lutherische Orthodoxie in Kursachsen zur Herrschaft gelangte. Auch mit unlautern Mitteln seine landeshoheitlichen Rechte und sein Besitztum zu vermehren, verschm√§hte A. nicht. So benutzte er die Vormundschaft √ľber die S√∂hne Johann Wilhelms von Sachsen-Weimar, um sich auf ihre Kosten an der hennebergischen Erbschaft zu bereichern. F√ľr Sachsen selbst hat er als Staatswirt Bedeutendes geleistet. Durch die Aufnahme fl√ľchtiger Niederl√§nder, durch Verbesserung der Stra√üen und des M√ľnzwesens, Beg√ľnstigung der Leipziger Messen hoben sich Gewerbflei√ü und Handel; die treffliche Bewirtschaftung der f√ľrstlichen Kammerg√ľter, bei der ihn seine Gemahlin Anna eifrig unterst√ľtzte, gaben Beispiel und Anregung zur F√∂rderung des Ackerbaues, der Viehzucht und des Obstbaues; A. schrieb selbst ein ¬ĽK√ľnstlich Obst- und Gartenb√ľchlein¬ę. Auch die Waldwirtschaft und den Gartenbau suchte er mit Erfolg zu heben; ferner wurden durch ihn die ersten Posten in Sachsen eingerichtet. Auch als Gesetzgeber ist A. bedeutend. Er erlie√ü die s√§chsischen Konstitutionen vom 22. April 1572; die Bergordnung von 1554, erg√§nzt 1571 und 1573; die Polizeiordnung von 1555; die M√ľnzordnung von 1558; die Kirchenordnung von 1580, mit der er eine besondere Ordnung f√ľr Universit√§ten verband. Nachdem er das lange beanstandete Privilegium de non appellando durchgesetzt hatte, gr√ľndete er 1559 das Appellationsgericht, ferner das Obersteuerkollegium, das geheime Konsilium, das Oberkonsistorium, das Kammerkollegium etc. Die Steuern wurden von den Kammereink√ľnften geschieden und der st√§ndischen Verwaltung √ľberlassen. Die Anf√§nge der meisten Dresdener Sammlungen f√ľr Wissenschaft und Kunst stammen aus Augusts Zeit. Nur die Jagdleidenschaft des absoluten F√ľrsten gereichte dem Lande zum Schaden. Nachdem er seine Gemahlin Anna, die ihm in 37j√§hriger Ehe 15 Kinder (von denen ihn jedoch nur 4 √ľberlebten) geboren hatte, 1. Okt. 1585 verloren, verm√§hlte er sich schon 3. Jan. 1586 mit Agnes Hedwig, der kaum 13j√§hrigen Tochter Joachim Ernsts von Anhalt. Aber schon 11. Febr. d. I. ward er in Moritzburg vom Schlage ger√ľhrt. Vgl. B√∂ttiger-Flathe, Geschichte Sachsens, Bd. 2 (Gotha 1870); Ritter, Deutsche Geschichte im Zeitalter der Gegenreformation, Bd. 1 (Stuttg. 1889); Calinich, Kampf und Untergang des Melanchthonismus in Kursachsen (Leipz. 1866); Joh. Falke, Geschichte des Kurf√ľrsten A. in volkswirtschaftlicher Beziehung (Leipz. 1868).

7) Friedrich A. I., Kurf√ľrst von Sachsen, als K√∂nig von Polen A. II. (w√§hrend A. I. sonst Siegmunds s. d. j genannt wird), wegen seiner K√∂rperkraft A. der Starke genannt, zweiter Sohn Kurf√ľrst Johann Georgs III., geb. 12. Mai 1670 in Dresden, gest. 1. Febr. 1733 in Warschau, folgte 1694 seinem Bruder Johann Georg IV. in der Kurw√ľrde. Unter ihm hielt der lange vorbereitete f√ľrstliche Absolutismus seinen Einzug in Sachsen. An territorialf√ľrstlichen Talenten mit den Kurf√ľrsten Moritz und August am meisten von allen sp√§tern Albertinern vergleichbar, entbehrte er doch noch mehr als jene des sittlichen Haltes. Verh√§ngnisvoll f√ľr Sachsen wurde seine Bewerbung um die polnische K√∂nigskrone, die ihn veranla√üte, 1. Juni 1697 in Baden bei Wien zur katholischen Kirche √ľberzutreten. In Sachsen f√∂rderte A. trotz seiner Erkl√§rungen, da√ü sein Glaubenswechsel ein rein pers√∂nlicher sei, die katholische Propaganda. Seine Gemahlin Christine Eberhardine von Bayreuth wies alle Bekehrungsversuche ab und zog sich nach Pretzsch bei Wittenberg zur√ľck, wo sie 5. Sept. 1727 starb. In dem polnischen Wahlkampfe Sieger √ľber seine Mitbewerber, den franz√∂sischen Prinzen Conti, Kurf√ľrst Max Emanuel von Bayern und Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, benutzte er, 15. Sept. 1697 in Krakau zum K√∂nige gew√§hlt, seinen zweifelhaften polnischen Machtzuwachs als Einsatz in dem durch seine Teilnahme an dem B√ľndnis gegen Karl XII. von Schweden (s. d.) entz√ľndeten Nordischen Kriege. Trotz der Weigerung der Polen, an Schweden den Krieg zu erkl√§ren, fiel A. 1699 in Livland ein. Doch wurden seine Truppen 19. Juli 1702 bei Kliszow geschlagen, worauf Karl XII. ihn 14. Febr. 1704 des polnischen Thrones entsetzen lie√ü. Der Einbruch Karls in Sachsen n√∂tigte ihn 24. Sept. 1706 zum Frieden von Altranst√§dt (s. d.). Dennoch schickte A. dem Kaiser 9000 Mann unter Schulenburg nach den Niederlanden zu Hilfe (1708), nahm pers√∂nlich unter dem Prinzen Eugen an der Eroberung von Lille teil und erneuerte nach Karls XII. Niederlage bei Poltawa den Krieg zur Wiedergewinnung Polens. Am 5. Okt. 1709 zog A. in Thorn ein, wo er mit Peter d. Gr. eine Unterredung hatte; zu Marienburg verst√§ndigte er sich mit Preu√üen. Karls XII. Weigerung, das zwischen Joseph I. und den Seem√§chten (31. M√§rz 1710) geschlossene Haager Konzert anzuerkennen, dehnte den Krieg auch auf Schwedens deutsche L√§nder aus. A. griff mit 20,000 Sachsen, Russen und Polen Pommern an und belagerte mit den D√§nen Stralsund, mu√üte sich jedoch 1712 vor General Steenbock nach Mecklenburg zur√ľckziehen. Stettin wurde 30. Sept. 1713 von den Sachsen und Russen erobert. Der brandenburgische Sequestrationsvertrag zu Schwedt (6. Okt. 1714) schien die Ruhe wiederhergestellt zu haben, als 22. Nov. 1714 Karl XII. zu Stralsund erschien. Inzwischen hatte in Polen die Partei Stanislaus Leszcynskis zu Tarnogrod eine neue Konf√∂deration geschlossen, der sogar die Kronarmee beitrat. Der im Oktober 1715 in Polen ausbrechende B√ľrgerkrieg wurde 1717 dadurch beendet, da√ü A. versprach, in Polen nie mehr als 17,000 Mann Truppen zu halten, √ľber die der Reichstag die Verf√ľgung erhielt. Mit Schweden wurde im Dezember 1719 zu Stockholm ein Waffenstillstand geschlossen, wonach Schweden A. als K√∂nig von Polen anerkannte, wogegen Stanislaus den K√∂nigstitel fortf√ľhrten sollte; erst nach zehn Jahren wurde er in einen f√∂rmlichen Frieden umgewandelt. Von seinen weitausgreifenden Pl√§nen, Polen in eine Erbmonarchie zu verwandeln, die Macht des s√§chsischen Adels zu brechen, seinem unehelichen Sohn Moritz das Herzogtum Kurland zu verschaffen, die kaiserliche Macht zu beschr√§nken, seinem Hause Neapel, Schlesien etc. zu erwerben, gelangte kein einziger zur Ausf√ľhrung; doch hat man die Folgen seiner Verschwendungssucht f√ľr Sachsen sehr √ľbertrieben. Unter ihm erhielt Dresden seinen bestimmenden baulichen Charakter, und ganz Sachsen erfreute sich in wirtschaftlicher Hinsicht der ausgleichenden Gerechtigkeit des absoluten F√ľrstentums. Von zahlreichen Maitressen (Aurora v. K√∂nigsmarck, Gr√§finnen Cosel und Esterle, T√ľrkin Fatime [Frau Spiegel], F√ľrstin Lubomirska u. a.) hatte er viele uneheliche Kinder, von denen Graf Moritz (s. d.), ¬Ľder Marschall von Sachsen¬ę, und Graf Rutowski als namhafte Heerf√ľhrer die bekanntesten sind. Vgl. F√∂rster, Die H√∂fe und Kabinette Europas im 18. Jahrhundert, Bd. 3 (Potsd. 1839); Noorden, Europ√§ische Geschichte im 18. Jahrh., Bd. 3 (Leipz. 1882); Jarochowski, Geschichte Augusts II. (polnisch, Posen 1856‚Äď74, 3 Bde.); A. Theiner, Geschichte der Zur√ľckkehr der H√§user Braunschweig und Sachsen in den Scho√ü der katholischen Kirche (Einsiedeln 1843; ultramontan); Sold an, Drei√üig Jahre des Proselytismus in Sachsen und Braunschweig (Leipz. 1845; gegen Theiner); Haake, Eigenh√§ndige Entw√ľrfe und Briefe K√∂nig Augusts II. von Polen (in Vorbereitung).

8) Friedrich A. II., Kurf√ľrst von Sachsen, als K√∂nig von Polen A. III., des vorigen einziger ehelicher Sohn, geb. 17. Okt. 1696 in Dresden, gest. 5. Okt. 1763. Obgleich unter Aussicht seiner Mutter und seiner Gro√ümutter Anna Sophia von D√§nemark evangelisch erzogen, trat er doch 27. Nov. 1712 insgeheim zum Katholizismus √ľber, wodurch die dauernde Abkehr der Albertinischen Linie vom Protestantismus entschieden wurde. Am 11. Okt. 1717 vollzog er seinen √úbertritt in Wien √∂ffentlich und verm√§hlte sich 20. Aug. 1719 mit Kaiser Josephs √§ltester Tochter, Maria Josepha. 1733 folgte er seinem Vater als Kurf√ľrst in Sachsen. Doch √ľberlie√ü er die Regierung dem Grafen Sulkowsli, seit 1738 dem Grafen Br√ľhl. Interesse und Verst√§ndnis besa√ü er nur f√ľr Musik und Malerei, brachte die italienische Oper in Dresden zu hoher Bl√ľte (s. Hasse 1) und erwarb kostbare Antiken und Gem√§lde. Um auch die Nachfolge in Polen zu erlangen, erkaufte er die Unterst√ľtzung des Kaisers durch Anerkennung der Pragmatischen Sanktion, die Ru√ülands durch die Preisgabe Kurlands und Livlands. Am 17. Jan. 1734 wurde A. von der s√§chsischen Minderheit gew√§hlt, sein Gegner Stanislaus Leszczynski zur Flucht nach Danzig gen√∂tigt, worauf A. 17. Jan. 1734 in Krakau feierlich gekr√∂nt und im Juni 1736 zu Warschau anerkannt wurde. In Wahrheit bedeutete seine Regierung nur die Herrschaft Ru√ülands √ľber Polen; nicht einmal die Belehnung seines Sohnes Karl mit Kurland vermochte er gegen Biron aufrecht zu erhalten. Nach Karls VI. Tode schlo√ü er sich den Gegnern Maria Theresias an, trat jedoch 1744 zu √Ėsterreich √ľber. 1756 fl√ľchtete er vor dem Einbruch Friedrichs II. in Sachsen auf den K√∂nigstein und ging nach der Kapitulation des s√§chsischen Heeres nach Warschau, wo er bis zum Hubertusburger Frieden blieb. Von 15 Kindern √ľberlebten ihn f√ľnf S√∂hne und f√ľnf T√∂chter.

[Sachsen-Gotha.] 9) A. Emil Leopold, Herzog von Sachsen-Gotha, Sohn Herzog Ernsts II. und Amaliens von Meiningen, ein durch Geist und Charakter ausgezeichneter F√ľrst, geb. 23. Nov. 1772, gest. 17. Mai 1822. 1788‚Äď93 in Genf gebildet, verm√§hlte er sich 1797 mit Luise Charlotte von Mecklenburg-Schwerin und nach deren 1801 bei Geburt einer Tochter erfolgtem Tode 1802 mit Karoline Amalie von Hessen-Kassel. Seinem Vater folgte er 12. April 1804 zum Segen seines Landes. Napoleon I., den er als Helden bewunderte, bewog er zur Schonung seines Gebietes und zum Erla√ü der zuerkannten Kriegssteuer. Zur Freigebigkeit, ja zur Verschwendung geneigt, opferte A. seinen abenteuerlichen Einf√§llen manches; als Kunstfreund besa√ü er eine der vorz√ľglichsten Kapellen und hat selbst komponiert. Kenntnisse, Phantasie, Gem√ľt und Witz machten seinen Umgang anziehend; seine Briefe sind reich an √ľberraschenden Gedanken. Seine ¬ĽEmilianischen Briefe¬ę, in denen er seine Neigungen, Gef√ľhle und Verh√§ltnisse zum Mittelpunkte der Dichtung machte, blieben unvollendet. Unvollendet ist auch sein ungedrucktes Werk ¬ĽPanedone¬ę (¬ĽDie All-Luft¬ę), mehr M√§rchen als Roman. Gedruckt ist nur: ¬ĽKyllenikon, oder: Auch ich war in Arkadien¬ę, eine Reihe idyllischer Gem√§lde in Prosa, mit Liedern durchflochten. Die ¬ĽVierzehn Briefe eines Kart√§users¬ę sind nur √úbersetzung aus dem Franz√∂sischen. Mit Jean Paul stand er in Briefwechsel; Goethe galt ihm als ein Pedant. Vgl. Eichst√§dt, Memoria Augusti, ducis Saxoniae etc. (2. Aufl., Erfurt 1823).

[W√ľrttemberg.] 10) A. Friedrich Eberhard, Prinz von W√ľrttemberg, preu√ü. General, Sohn K√∂nig Wilhelms I., geb. 24. Jan. 1813, gest. 12. Jan. 1885 in Zehdenick bei Berlin, trat 1829 in w√ľrttembergische, 1830 als Rittmeister bei den Gardedukorps in preu√üische Kriegsdienste und wurde 1858 zum kommandierenden General des Gardekorps ernannt. 1866 war das Gardekorps dem Heere des Kronprinzen zugeteilt. Es siegte 28. Juni bei Soor und st√ľrmte am 29. K√∂niginhof. Den Sieg von K√∂niggr√§tz entschied es durch die Erst√ľrmung von Chlum. 1870 geh√∂rte das Gardekorps zuerst zur Armee des Prinzen Friedrich Karl; bei Gravelotte verursachte A. durch einen voreiligen Angriff auf St.-Privat dem Korps ungeheure Verluste. Er befehligte dann das der vierten (Maas-) Armee zugeteilte Korps unter dem Kronprinzen von Sachsen bei Sedan und vor Paris. Seine Erfolge in beiden Kriegen hatte er seinem Generalstabschef v. Dannenberg zu verdanken. 1873 ward er zum Generalobersten der Kavallerie ernannt und erhielt 1882 den erbetenen Abschied als Gardekommandeur. Ihm zu Chren erhielt 1889 das 10. Ulanenregiment den Namen ¬ĽPrinz A. von W√ľrttemberg¬ę; auch f√ľhrt das ehemalige Fort St.-Privat bei Metz seinen Namen.


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