Epimenides


Epimenides

EPIMENIDES, is, Gr. Ἐπιμενίδης, εος, einer Nymphe, Namens Balte, Sohn. Plutar. in vit. Solon. c. 29. p. 84. T. I. Opp. Andere nennen seine Mutter Blaste und seinen Vater Phästius, oder Dosiades, oder Agesarkus. Suid. in h. v. Diog. Laert. L. I. s. 109. Er war aus Knossus in Kreta gebürtig, wiewohl man ihn auch zu einem aus Phästus machet. Menag. ad Diog. Laert. l. c. In seiner Jugend wurde er von seinem Vater auf das Feld geschicket, das Vieh zu hüten. Eines Tages verirrete er sich bey Aufsuchung eines verlaufenen Schafes und kam in eine Höhle, woselbst er von einem Schlafe überfallen wurde, der sieben und funfzig Jahre hinter einander fortwährete. Diog. Laert. l. c. Plin. H. N. L. VII. c. 52. Andere sagen bloß funfzig. Plut. an seni ger. Resp. p. 784. T. II. Opp. oder wohl gar nur vierzig. Pausan. in Attic. c. 10. p. 26. Als er wieder aufwachete, so fuhr er fort, sein Schaf zu suchen, wunderte sich aber sehr, daß er alles so verändert auf dem Felde antraf. Er gieng also nach Hause: doch hier fragete ihn sein jüngster Bruder, der inzwischen alt geworden war, was er wollte. Endlich erkannte ihn solcher und erfuhr sein Ebenteuer, welches sich bald nach Griechenland ausbreitete. Man hielt ihn für einen Liebling der Götter und zog ihn wie ein Orakel zu Rathe. Die Athenienser holeten ihn auch bey einer wüthenden Pest, daß er ihre Stadt aussöhnen und reinigen sollte. Er that solches und nahm schwarze und weiße Schafe, die er auf das Feld trieb. Hier ließ er sie hinlaufen, wohin sie wollten, und befahl denjenigen, die ihnen nachfolgeten, an jedem Orte, wo sie stille liegen würden, dem nächsten Gotte eines zu opfern: worauf denn die Pest aufhörete. Daher soll es gekommen seyn, daß man an verschiedenen Orten um Athen herum Altäre ohne Namen eines Gottes angetroffen. Diog. Laert. l. c. 110. Zur Belohnung wollten ihm die Athenienser eine große Geldsumme schenken: er nahm aber nichts an, als einen Oelzweig. Diog. Laert. & Plut. l. c. Auf einem geschnittenen Steine scheint er solchen auf seinem Hausaltare zu pflanzen. Lipperts Dactylioth II Taus. N. 315. Andere aber deuten solches anders aus. Maffei gem. ant. T. IV. tav. 81. p. 129. Man hat viele Prophezeyungen und Schriften von ihm gehabt, und er soll sein Leben auf hundert und sieben und funfzig oder gar auf zweyhundert und neun und neunzig Jahre gebracht haben. Diog. Laert. s. 111. Jedoch soll er auch in eben so vielen Tagen alt geworden seyn, als er Jahre geschlafen hat. Id. 115. Plin. l. c. Von diesem seinem Schlafe ist das Sprüchwort entstanden: ὑπὲρ τὸν Ἐπιμενίδην κεκοίμησαι, ultra Epimenidem dormis; welches von beständig müßigen und faulen Leuten gesaget wird. Erasmi Chil. adag. p. 665. Man hat ihn niemals essen gesehen: doch sollen ihn die Nymphen mit solchen Speisen versehen haben, deren Hefen er nicht wieder auszuleeren gebrauchet. Diog. Laer. l. c. 114. Die Kretenser sollen ihm auch als einem Gotte geopfert haben; wie ihn denn die damaligen Menschen den neuen Kureten nannten; und einige statt des Perianders unter die sieden Weisen zähleten. Plutarch. in Solon. c. 29. p. 84. T. I. Opp. Die Lacedämonier rühmeten sich, seinen Leichnam bey sich zu haben, und hatten ihm ein Ehrendenkmaal unter denen errichtet, welche sie Ephorea nannten; wie er denn auch bey ihnen einen Tempel soll erbauet haben. Paus. Lacon. p. 181. & 183. Gleichwohl hatte man ihm auch zu Argos vor dem Tempel der Minerva ein Grabmaal errichtet. Man erzählete, die Lacedämonier hätten ihn in ihrem Kriege mit den Knossiern lebendig gefangen bekommen. Weil er ihnen aber gar nichts erfreuliches vorher gesaget, so hätten sie ihn hingerichtet, da denn die Argiver seinen Leichnam aufgehoben und an diesem Orte begraben hätten. Id. Corinth. p. 122. Die Lacedämonier aber widersprachen solcher Erzählung nachdrücklich, weil sie niemals einen Krieg mit den Knossiern geführet hätten. Id. Lacon. p. 183.


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