Mercvrivs


Mercvrivs

MERCVRIVS, i, Gr. Ἐρμῆς, ου, ( Tab. X. & XV.)

1 §. Namen. Den lateinischen Namen hat er am richtigsten von Merx, mercis, Waare. Festus l. XI. p. 237. & Serv. ad Virg. Aen. IV. v. 638. Es sind also nichts, als weit gesuchte Dinge, wenn ihn einige von Merx und cura, gleichsam Mercicurius, Fulgentius Mythol. l. I. c. 52. oder von medius und curro, gleichsam Medicurrius, weil die Rede zwischen die Menschen läuft, Augustin. de C. D. l. VII. c. 14. oder auch von mercator und κύριος, Herr, herleiten. Ap. Voss. Etym. in Mercor, p. 369. Man läßt es dahin gestellet seyn, ob er viel besser von dem ebräischen machar, er hat Waaren verkaufet, Angel. Caninius Hellenism. Græc. Alphab. in Ρῶ, p. 102. cf. Becmann. in Mercor; oder von dem griechischen Ἐρμῆς hergeführet werde. Voss. ipse l. c. Hermes soll er, nach der meisten Meynung, von ἐρεῖν, sagen, heißen, und es sind seltsame Grillen, wenn ihn einige von ἑρεῖν, reden, und μήσασθαι; oder auch ἕρυμα ήμῖν εἶναι, uns zur Schutzwehr seyn, zusammen setzen. Phurnut. de N.D. c. 16. Eher könnte es hingehen, wenn man diesen Namen von dem Phönicischen, und zwar von haram, er hat List gebrauchet, herleitet. Cleric. ad Hes. Theog. v. 938.

2 §. Aeltern. Da es ihrer fünfe dieses Namens gegeben hat, so können sie wohl schwerlich einerley Aeltern haben. Des ersten seine sollen Cölus und Dies, des andern Valens und Phoronis, des dritten Jupiter und Maja, des vierten Vater aber Nilus gewesen seyn, und des fünften seine werden nicht namhaft gemacht. Cic. de N.D. l. III. c. 22. p. 1199. a. Wenn man andere Nachrichten damit verbindet, so bringt man ihrer noch mehr heraus, ob sie gleich deren nur viere benennen, nämlich des Jupiters und der Maja, des Cölus und der Dies, des Libers und der Proserpina, und Jupiters und der Cyllene Sohn, welcher den Argus soll getödtet haben. Corvil. ap. Lactat. ad Stat. Theb. IV. 483. Indessen ist von allen diesen doch der bekannteste der Maja Sohn, dem folglich alle der übrigen Thaten zugeschrieben werden. Nat. Com. l. V. c. 5. p. 435. Ja, man will behaupten, daß es im Grunde wirklich nicht mehr, als nur einen einzigen gegeben habe. Fourmont. dans les Mem. de l'Acad. des I. & B. L. T. X. p. 1–19.

3 §. Ort seiner Geburt und Auferziehung. Wie Jupiter die Maja in einer Höhle des Berges Cyllene zu Falle brachte, so gebahr sie auch in derselben den Mercurius. Apollod. l. III. c. 10. §. 2. Virgil. Aen. VIII. v. 138. Indessen wollen doch einige, daß er auf dem Berge Cerycius, in Böotien, gebohren worden. Pausan. Bœot. c. 20. p. 571. Als solches geschehen, sollen ihn die Nymphen des Berges, Geronte, in den drey Brunnen an demselben gebadet haben. Id. Arcad. c. 16. p. 481. Darauf wurde er insonderheit unter einem Baume, den die Griechen Andrachne nennen auferzogen. Id. Bœot. c. 22. p. 574. Jedoch soll dieses auch Lykaons Sohn, Akakus, zu Akacesium, gethan, Id. Arcad. c. 36. p. 514. und ihn Juno selbst eine Zeitlang unwissend mit ihrer Milch unterhalten haben. Da sie aber gewahr geworden, daß er der Maja Sohn sey, so habe sie ihn von sich geworfen; und, weil ihr dabey ein Theil der Milch entflossen, so sey daher die Milchstraße am Himmel entstanden. Hygin. Astron. Poet. l. II. c. 43.

4 §. Stand und Wesen. Er war der Gott der Beredsamkeit, Phurnut. de N.D. c. 16. der Kaufmannschaft, Serv. ad Virgil. Aen. VIII. v. 138. der Diebe, Homer. Hymn. in Mercur. v. 282. der Fechtkunst, Phurnut. l. c. und der Wege und Straßen. Hiernächst war er Jupiters und der andern Götter Bothe. Apollod. l. III. c. 10. §. 2. & Horat. l. I. Od. 10. v. 5. Er mußte aber auch deren Eßsaal des Morgens auskehren, die Stühle in der Rathsstube zu rechte setzen, das Essen auftragen, die Seelen der Verstorbenen aus ihren Leibern lassen, und sie in die Hölle hinunter und wieder heraus führen, u.s.w. Lucian. Dial. Deor. II. cf. Nat. Com. l. V. c. 5.

5 §. Erfindungen und Thaten. Da er kaum geboren war, so stahl er dem Neptun den Dreyzack, dem Mars den Degen aus der Scheide, dem Apollo Bogen und Pfeile, dem Vulcan seine Zange, dem Jupiter selbst den Zepter; und, wo er sich nicht vor dem Feuer gefürchtet hätte, so würde er ihm auch den Blitz entwendet haben. An eben dem Tage, da er geboren war, forderte er den Cupido auf die Ringekunst heraus, zog ihm die Beine unten hinweg, und bezwang ihn also glücklich; und, da Venus ihre Freude darüber hatte, und ihn daher auf den Schooß nahm, so entführete er ihr ihren Gürtel. Lucian. Dial. Deor. 2. Er schlich sich auch, da er noch in der Wiege lag, heimlich aus selbiger hinweg, durchstrich Pierien, und trieb dem Apollo die Rinder weg, die er hütete. Damit ihm aber derselbe nicht auf die Spur kommen sollte, so zog er den Rindern gewisse Schuhe an, trieb sie also theils nach Pylus, theils in eine Höhle, schlachtete zween davon, hieng die Häute auf die Felsen, das Fleisch aber verzehrete er theils gekocht, theils gebraten. Von dar gieng er wieder auf den Cyllene, fand eine Schildkröte, machte sie rein, und spannete der geschlachteten Rinder Nerven darauf, wodurch er denn die Leyer erfand. Immittelst suchte Apollo sein Vieh allenthalben, und hörete endlich von den Bürgern zu Pylus, daß es ein kleiner Knabe vorbey getrieben, erfuhr auch endlich durch seine Wahrsagerkunst, daß der Dieb Mercurius gewesen. Er begab sich daher zur Maja, und verklagete denselben, die wies ihm aber solchen, wie er noch in den Windeln läge, und wollte damit darthun, daß er solche Rinder unmöglich könnte gestohlen haben. Allein, Apollo nahm ihn mit samt den Windeln, und trug ihn also vor den Jupiter, der ihm denn befahl, dem Apollo die Rinder wieder zu geben. Doch Mercurius blieb darauf bestehen, daß er sie ihm nicht gestohlen hätte. Jupiter führete daher den Apollo selbst nach Pylus, und gab ihm die Rinder wieder. Wie aber dieser den Mercurius auf seiner erfundenen Leyer spielen hörete, so gefiel es ihm so wohl, daß er ihm selbst die Rinder für dieselbe gab. Da nun Mercurius solche weidete, und dabey die Pfeifen erfand, so gab ihm Apollo für dieselben auch seinen goldenen Stab, und lehrete ihn zugleich die Kunst mit gewissen Steinchen zu wahrsagen. Apollod. l. III. c. 10. §. 2. Er erfand hiernächst die Bündnisse und Stillstände im Kriege, die Absendung der Herolde, die Maaße und Gewichte, die Art zu kaufen und verkaufen, und dabey seinen Vortheil durch einen geschickten Betrug zu machen, wie auch die Fechtkunst. Diod. Sic. l. V. c. 75. p. 236. Den Aegyptern wies er die Gesetze und Buchstaben, Cic. de N.D. l. III. c. 22. p. 1199. a. und deren Priestern zu Theben die Astronomie, Philosophie und Art, die Götter zu verehren. Diod. Sic. l. I. c. 16. p. 10. Sonst aber lehrete er die Menschen den Unterschied der Sprachen. Hygin. Fab. 143. Er erfand die Buchstaben aus dem Fluge der Kraniche, Id. Fab. 277. und soll selbst auf zwanzig tausend, oder, wie andere wollen, sechs und dreyßig tausend fünf hundert und fünf und zwanzig Bücher geschrieben haben, worinnen er die Philosophie und deren Grundsätze, die Astrologie und Götterlehre ausführlich erkläret. Iamblich. de myst. Aegypt. sect. VIII. c. 1. p. 157. & Th. Gale ad h. l. Diese große Menge aber haben einige nur für so viel Zeilen, Bocharti Chan l. I. c. 15. andere aber für so viel Blätter halten wollen. Horn. hist. phil. l. I. c. 6. Jedoch könnte auch wohl ein Irrthum in den Zahlen eingeschlichen seyn. Fabric. Bibl Gr. T. I. p. 77. Denn derjenigen Bücher, welche die ägyptischen Priester selbst verehreten, waren nur zwey und vierzig. Cem. Alex. Strom. l. VI. p. 633. Hätte er auch selbst keine geschrieben, so soll er doch die ersten Säulen, welche man nachher Pharaons Nadeln (Pharaonis acus) genennet, errichtet, und darein die Wissenschaften gegraben haben, die er erfunden hat. Abenephi ap. Kircher. Obel. Pamph. p. 45. Man sehe von allen seinen Erfindungen Fabric. Bibl. gr. l. I. c. 12. p. 80. Den Battus, welcher ihm, gegen ein empfangenes Rind, versprach, ihn nicht zu verrathen, als er dem Apollo des Admetus Rinder hinweg trieb, es doch aber gegen ihn selbst that, als er ihm in verstelleter Gestalt fragete, und eine doppelte Verehrung versprach, verwandelte er in einen Stein. Ovid. Met. II. v. 689. In dem Streite mit den Riesen erlegete er den Hippolytus. Apollod. l. I. c. 6. §. 2. Als Otus und Ephialtes den Mars gefangen geleget, so stahl er ihnen solchen wieder. Id. ib. c. 7. §. 4. So stahl er mit dem Pan auch dem Typhöus des Jupiters Nerven wieder, die ihm besagter Riese ausgeschnitten, und setzete sie dem Jupiter wieder ein. id. ib. c. 6. §. ult. Auf dieses Befehl schmiedete er den Prometheus mit dem Vulcan an den Caukasus. Hygin. Fab. 144. Er band den Ixion in der Hölle auf sein Marterrad, Id. Fab. 82. verkaufete, nach dem Orakel, den Herkules der Omphale, Apollod. l. II. c. 6. §. 2. und brachte auch durch seine List den hundertäugigen Argus um, als solcher die in eine Kuh verwandelte Io hüten sollte. Id. ib. c. 1. §. 3. Indessen mußte er sich auch in einen Ibis verwandeln, als Typhöus die gesammten Götter zwang, vor ihm zu fliehen, und sich in Aegypten zu verbergen. Ovid. Met. V. v. 334. Palästra verrieth ihm ihrer Brüder Kunst; wofür ihm aber diese, als sie ihn schlafend antrafen, die Hände abschnitten. Als er solches darauf dem Jupiter klagete, so wurde deren Vater, Choricus, der sie ihm nachgeschickt, in einen Blasebalg verwandelt, Mercurius aber gab seiner besagten Buhlschaft von der ihm gewiesenen Kunst selbst den Namen Palästra. Serv. ad Virg. Aen. VII. v. 138.

6 §. Beynamen. Diese waren unter andern:


Acacesius,Acacetus,Agonius,

Agoræus,Alipes,Alychmius,

Arras,Arnyctus,Argiphontes,

Caducifer,Camillus,Chrysorthepis,

Chthonius,Cridphorus,Cyllenius,

Cyllius,Diactorus,Ennius,

EriuniusEuodius,Nomius,

Nonacriates,Parammon,Polygius,

Promachus,Pronaus,Propylæns,

Socus,Strophæus,Trivius,


unter denen denn von solchem Mercurius noch ein mehrers nachzusehen steht.

7 §. Verehrung. Die Aegypter verehreten ihn unter dem Namen Theur, oder Thoot, dermaßen heilig, daß ihn, bey Strafe des Todes, niemand nennen durfte. Cic. de N.D. l. III. c. 22. p. 1199. Lact. Inst l. I. c. 6. & ad eum Cellar. l. c. Die Ehrerbiethung, welche sie für seine vermeynten Bücher bezeugeten, hätte auch nicht größer seyn können. Eine jede Classe der Priester mußte einige derselben besonders studieren und auswendig wissen. Was dieses aber für welche gewesen, erkennet man am besten aus der Beschreibung eines feyerlichen Umganges, der an seinen Festen gehalten wurde. Zuerst gieng der Sänger, welcher etwas von den Sinnbildern der Musik trug. Dieser mußte zwey solcher Bücher nehmen, deren eines die Hymnen, das andere aber die Vorschrift enthielt, wie ein König sich betragen sollte. Nach ihm kam der Planetenleser oder Nativitätsteller, Horoscopus, der in der Hand eine Uhr und einen Palmzweig hatte, als Sinnbilder der Sterndeuterkunst. Dieser mußte vier astrologische Bücher wissen, deren eines von der Ordnung der sichtbaren Fixsterne, das andere von den Sonnen-und Mondfinsternissen, und die übrigen von dem Auf- und Untergange dieser Gestirne handelten. Nach ihm kam der Schriftgelehrte, Hierogrammateus, der eine Feder auf dem Kopfe und in den Händen ein Buch unds ein Richtscheit hatte, worinnen eins Tintenfaß und Rohr waren, womit man schrieb. Er mußte die Hieroglyphen, die Welt- und Erdbeschreibung, dens Sonnen- und Mondlauf, wie auch den Lauf der Planeten, die Ortbeschreibung von Aegypten, die Eigenschaften des Nils, die heiligen Geräthschaften und Oerter, und was sonst zum Gottesdienste nöthig war, verstehen, welches in zehn Büchern enthalten war. Ihm folgete der Stolistes, welcher den Arm der Gerechtigkeit und den Kelch zum Trankopfer hielt. Er hatte gleichfalls aus zehn Büchern alles gelernet, was zu den Religionsverrichtungen, Opfern, Gebethen, Gefängen, Cerimonien, Festen u.d.g. gehörete. Nach allen kam der Prophet, welcher den Wasserkrug offen vor sich trug. Dieser lernete, als Vorsteher des Gottesdienstes, diejenigen zehn Bücher auswendig, welche die priesterlichen genannt wurden, und von den Gesetzen, den Göttern und der gesammten Kirchenzucht handelten. Dieß machten zusammen sechs und dreyßig Bücher: es waren aber in allen ihrer zwey und vierzig, welche den ganzen Umfang der ägyptischen Weltweisheit enthielten. Die sechs übrigen also, welche zur Arzeneykunst gehöreten und von der Zergliederungskunst, den Krankheiten, den Werkzeugen, den Arzeneymitteln, den Augen und der Hebammenkunst handelten, wurden von den gemeinern Priestern, den Pastophoren, auswendig gelernet. Clem. Alex. Strom. l. VI. p. 633. Die Griechen und Römer erwiesen ihm ihren Dienst fast in allen Städten. Insonderheit verehreten ihn die Arkadier, weil er bey ihnen sollte seyn geboren und erzogen worden. Pausan. El. post. c. 26. p. 394. Zu Rom hatte er seine Tempel in der I, IV, V, XI und XIII Region. Merula Cosmogr. P. II. l. IV. c. 22. Sein besonderes Fest wurde den 15ten May von den Kaufleuten gefeyert, da sie sich unter andern aus dessen Brunnen mit Wasser besprengeten, und sich damit von den Meyneiden zu reinigen vermeynten, die sie in ihrem Handel und Wandel bis dahin begangen hatten. Ovid. Fast. V. v. 671. & ad eum Neap. l. c. Sonst waren ihm die Jungen der Thiere heilig, als die ihm daher auch geopfert wurden; Schol. Aristoph. ad Plut. v. 1111. desgleichen die Ohrfinger der Menschen, von den Vögeln aber der Larus, der Ibis und Spinus, von Fischen der Boar, von Kräutern das Fünffingerkraut und die Portulaca, Voss. Theol. gent. l. IX. c. 20. und von Bäumen der Feigenbaum: zu seiner Verehrung gehörete auch, daß, wenn jemand bey den von ihm so genannten Statuis Mercurialibus oder Wegesäulen vorbey gieng, er ihm zu Ehren allemal einen Stein auf einen Haufen daselbst warf. Phurnut. de N.D. c. 16. Es sollen ihn auch die Gallier verehret, und für einen Urheber aller Künste, und Beförderer des Handels und Wandels, gehalten haben. Iul. Cæs. de B. G. l. VI. c. 17. Ja, sein Dienst soll auch zu den Deutschen, Tac. de M. Germ. c. 9. und bis zu den Thraciern gekommen seyn, die nur bey ihm geschworen und von ihm herzustammen vorgegeben haben. Herod. Terps. V. 7. Es ist aber vielmehr zu glauben, daß sie den Tis oder Theut dafür verehret, und man nur wegen einiger ähnlichen Gebräuche auf diesen Wahn gekommen. Pellout. Hist. des Celtes T. II. p. 76. & 92.

8 §. Bildung. Er wurde als ein junger unbärtiger Mann vorgestellet, der aber schon völlig erwachsen ist, und in dessen Gesichte man die Schärfe eines feinen und nachdenkenden Blickes entdecket. Winkelm. mon. ant. Trat. prel. p. XLI. Er hat ein krauses und dicht lockichtes Haar, Iv. p. LVIII. auf dem Haupte einen Hut mit einem kleinen Rande und zweenen Flügeln, auf dem Rücken einen kleinen Mantel, in der rechten Hand einen Geldbeutel, in der linken aber einen Stab mit zwo also umflochtenen Schlangen, daß sie die Köpfe gegen einander kehreten, an dem Fuße aber wiederum Flügel, und neben sich einen Hahn stehen. Appianus ap. Voss. Theol. gent. l. IX. c. 20. In solcher Bildung sieht man ihn auf einem geschnittenen Steine, wo er nur statt des Hutes einen Helm auf dem Kopfe hat. Wilde gem. ant. n. 111. Auf einem Paar andern hat er auch noch eine Schildkröte oder einen Widder neben sich. Chauss. gem. ant. n. 66. c. 67. Auf einigen hetrurischen Werken hat er einen spitzigen und vorwärts gekrümmten Bart, welches die älteste Gestalt der Bärte ist. Winkelm. Gesch. der Kunst 88 S. e Monum. ant. p. 43. Er wird aber nicht immer mit allen diesen Kennzeichen, sondern nur mit einem oder dem andern auf Münzen und Gemmen vorgestellet. So sieht man ihn bloß mit den geflügelten Stie. sein an den Füßen, auf einer bithyninischen Münze, wo er wie ein Hirt be. kleidet ist, ein Rind zur Rechten neben sich stehen und eine Keule in dem linken Arme hat. Corrar. num. ær max. mod. t. 14. Aus einem geschnittenen Steine fährt er bloß mit seinem geflügelten Hute und dem Stabe auf den Wolken einher. Wilde gem ant. n. 109. Auf einer chalcedonischen Münze aber steht er nur mit dem Schlangenstabe. Frœl. tent. p. 86. Einige geben ihm in die linke Hand eine Sichel oder einen krummen Säbel, in die rechte aber eine Pfeife, wobey sich neben ihm Argus mit abgehauenem Kopfe, imgleichen einige Kaufleute befinden, deren einem em Beutelschneider den Geldbeutel abschneidet. Seinen Hut maleten sie hierbey halb schwarz und bald weiß, dichteten ihm aber auch wohl einen Hundskopf an, und weil sie ihn für einen Hermaphroditen hielten, so gaben sie ihm noch eine Lanze und einen Rocken zu. Albric. Imag. Deor. c. 6. So wurde er auch wohl ohne Hände und Füße, nur als ein viereckichter Stein, jedoch mit seinem ordentlichen Kopfe gebildet. Iuvenal. Sat. VIII. v. 57. & ad eum Schol. vet. l. c. Wenn er aber bald mit drey oder vier Köpfen, einem Helme auf dem Haupte, einem Schwerte in den Händen und einem Widder unter dem Arme, oder auch mit dergleichen auf den Achseln gebildet wird, so sind es Sonderheiten, die nur an einem, oder dem andern Orte Statt gefunden. Cbortar. Imag. 52. Dergleichen ist es, wenn er anstatt des Hutes eine ganze Schildkröte, oder deren Schaale auf dem Kopfe trägt. Winkelm. l. c. p. 45. & Descr. des Pier. gr. de Cab. de Stosch. p. 97. wie auch, wenn er einen Hund zu seinen Füßen hat und mit dem Flügelhute und dem Stabe in der linken, in der rechten aber mit einer Schale in völliger Kleidung vor einem Altare steht, wie er auf einer perinthischen Münze vorkömmt, und so den Mercurius Camillus vorstellen soll. Frœl. l. c. p. 191. Mehrerer Abbildungen und Vorstellungen von ihm zu geschweigen. Sieh Montfauc. ant. expl. T. I. pl. 68.–77 & Suppl. T. I. pl. 36.–38. und Lipperts Dactyl. I Taus. VI Abth. 133 ff. S.

9 §. Buhlschaften und Kinder. Von einer rechten Gemahlinn desselben findet sich nichts: er zeugete aber mit der Creusa, des Erechtheus Tochter, den Cephalus; mit der Libye, des Palamedes Tochter, den Libys; Hygin. Fab. 160. mit der Issa den Prylis: Tzetz. ap. Munck. ad Hygin. l. c. mit der Chione den Autolykus; Hygin. Fab. 200. mit der Eupolemia den Aethalis; mit der Antianira den Eurytus und Echion; Id. Fab. 14. mit der Polymela den Eudorus; mit der Lara, oder Larunda, die Lares; mit der Penelope den Pan; mit der Carmenta den Evander; Boccacc. l. XII. c. 63. 65. 66. 69. mit der Aglauros den Eryx; mit der Daira den Eleusis; mit der Alcidamea den Bunus; mit der Philodamea den Pharis, mit der Ocythoe den Kailus; mit der Kleobula den Myrtilus; mit der Erythea den Norax; mit der Akakallis den Cydon; Nat. Com. l. V. c. 5. p. 441. und mit noch andern den Priapus, Antias, Eurestus und andere. Hygin. Fab. 160. Man sehe die Tab. Geneal. XV.

10 §. Eigentliche Historie. Weil verschiedene Personen Hermes oder Mercur benennt worden, so läßt sich ihre wahre Geschichte schwerlich recht bestimmen. Der älteste, welcher auch der phönicische Thoth oder Taaut heißt, und mit dem Adris oder Idris einerley ist, soll Misors oder Mizraims Sohn gewesen seyn, und Aegypten zuerst bevölkert haben. Weil nun die neuern Araber vielfältig den Henoch Idris nennen, welcher Namen vermuthlich aus dem Griechischen genommen, und einen klugen erfahrnen Mann andeutet: Fabric. Biblioth. Græc. T. I. p. 46. so haben einige den Mercur oder Hermes dafür gehalten. Kircheri Oedip. T. I. p. 67. 79. Von ihm sollen die Buchstaben seyn erfunden worden. Doch läßt sich deswegen nicht behaupten, daß er Enoch gewesen. Jack sons chronol. Alterthümer, 438 S. Man muß ihn von dem Stammvater der ägyptischen Gelehrsamkeit unterscheiden, welcher der Urheber der Gesetze war, womit Menes oder Osiris sein Land versah. Ebend. 441 S. Daß er dessen geheimer Secretär, oder Ἱερογραμματεὺς gewesen, hindert wohl nichts zu glauben. Diod. Sic. l. I. c. 16. p. 10. Diesen hält man für den zweyten Idris oder Hermes, dem man adn seiner großen Wissenschaft den Namen Trismegistus gegeben, und der zu Abrahams Zeiten soll gelebet haben. Alkandi ap. Kircher. Obelisc. Pamphil. c. III. p. 25. So kann es auch wohl seyn, daß die Griechen eine Person gehabt, die eines und das andere von demjenigen gethan, was dem Mercurius zugeschrieben worden, und erst ungefähr um die Zeiten des trojanischen Krieges gelebet hat. Voss. Theol. gent. l. I. c. 16. Daß aber einige einen Fürsten oder König aus ihm machen, der in der Erbschaft seines Vaters, des Jupiters, Spanien, Italien und Gallien zu seinem Antheile bekommen, auch Mauritanien von seinem mütterlichen Großvater darzu geerbet, verschlagen, listig und betrügerisch gewesen, in Aegypten die Magie gelernet, einen Wahrsager abgegeben, und vom Jupiter, seinem Vater, in vielen Gesandtschaften gebrauchet worden, einige Colonien nach Spanien, als dem Reiche seines Vetters, des Pluto, abgeführet, der aber endlich von Jupiters andern Prinzen, wegen seines unruhigen Wesens, mit Kriege überzogen, und sich nach Aegypten zu begeben gezwungen worden, woselbst er auch gestorben, Banier Entret. VI. ou P. I. p. 142. Dess. Erläut. der Götterl. III B. 347 S. läßt sich zwar so ziemlich wahrscheinlich hören, allein doch nicht genugsam beweisen. Noch weniger aber läßt sich behaupten, daß er einerley mit dem Melchisedech, Kircher. l. c. p. 23. Jabal, Alsted. Comp. Chronol. p. 1499. oder dem Patriarchen Joseph, Th. Gale Phil. gen. L. I. c. 1. §. 6. oder auch mit dem Chanaan, Bochart. Phaleg. l. I. c. 2. oder dem Mose gewesen, Huet. Dem. Evang. Propos. IV. c. 4. §. 2. Gleichwohl hat man dieser letztern Meynung einen großen Grad der Wahrscheinlichkeit beygelegt. Heumann Act. philosoph. T. II. p. 687. Jedoch läßt sich aus allen denen unter beyden gefundenen Aehnlichkeiten noch gar nichts sicheres bestimmen. Bruckeri Hist. crit. Phil. T. I. p. 257. Es haben daher auch einige lieber alles, was von diesem Mercur oder Hermes vorgegeben worden, für eine bloße Erdichtung halten wollen. Ursin. de Zoroast. Exercit. II. sect. 2. p. 80. Was die Bücher anbetrifft, die man ihm zueignet, so muß man merken, daß es bey den Aegyptern gewöhnlich gewesen, daß die Priester, welche allein Bücher schreiben dürfen, ihre Schriften mit seinem Namen benennet; weil man kein Buch gelten ließ, das nicht von der ganzen Priesterschaft vorher war gebilliget und unter die Religionsbücher aufgenommen worden. Iambl. de myst. Aegypt sect. I. c. 1. p. 5. & Th. Gale ad h. l. Man darf sich also über die große Anzahl derselben eben nicht wundern. Jedoch sind diejenigen, die man noch jetzo davon hat, von den neuern Platonikern untergeschoben. Brucker l. c. p. 261. & Fabric. l. c. p. 58. Es streiten aber einige sehr dafür, daß solches nicht seyn könne. Kircher. l. c. p. 35.

11 §. Anderweitige Deutung. Einige deuten ihn mit großer Mühe auf die Sonne. Macrob. Saturnal. l. I. c. 19. Allein, so ungewiß solches ist, so wenig Nutzen hat es auch. Nicht besser ist das, was von ihm und dem Planeten seines Namens beygebracht wird. Nat. Com. l. V. c. 5. p. 444. Daß er aber für Jupiters Sohn angegeben wird, soll geschehen, weil er vieles den Menschen nutzbares erfunden hat; unbärtig soll er seyn, weil zu seinen Verrichtungen Kräfte eines jungen Menschen gehören; Flügel hat er bey den Ohren gehabt, weil er seine gehörten Befehle geschwind verrichten müssen; einen Mantel, um sich auf seinen Reisen vor dem Regen zu bewahren; einen Beutel, um der Kaufleute Gewinnsucht zu bemerken; den Heroldsstab, weil er insonderheit ein Bote des Friedens gewesen; Flügel an den Füßen, seine Fertigkeit anzuzeigen; Voss. Theol. gent. l. IX. c. 20. sein Hut war halb schwarz, und halb weiß, weil er, wenn er was weißes gestohlen, solches schwarz machte, und da es schwarz war, in weiß verwandelte, damit es niemand kennen konnte, sich daher auch selbst bald in ein Mannsvolk, bald in ein Frauenzimmer verwandelte. Albric. de Imag. Deor. c. 6. So soll sein Hut auch bedeuten, daß Kaufleute ihre Dinge und Anschläge gern verdeckt und verborgen halten; der Hahn aber, daß sie allezeit auf ihren Gewinn wachsam seyn. Für den Gott der Diebe wird er gehalten, weil unter diesem und manchem Kaufmanne kein Unterschied sey, und den hundertäugigen Argus hat er umgebracht, weil auch hundert Augen sich vor einem Betrüger nicht genug vorsehen können. Fulgent. Mythol. l. I. c. 21. 22. 23. 24. Er hat den Cupido überwunden, und der Venus den Gürtel gestohlen, weil die Schönheit keine größere Feindinn, als die Beredsamkeit hat, und durch diese leicht zu Falle gebracht wird; er ist der Vorsteher der Diebe, weil durch eben dieselbe die Leute um das Ihrige gebracht werden können. Er konnte mit seinem Stabe die Todten auferwecken, weil durch die Wohlredenheit blöde und gleichsam todte Gemüther ermuntert und belebt werden können; er hatte Flügel am Hute und den Füßen, weil ein guter Redner geschwind und allezeit fertig seyn soll, u.w.d.m.i. Omeis Mythol in Mercurius, p. 155.


http://www.zeno.org/Hederich-1770.

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