Protêvs


Protêvs

PROTÊVS, ëi, Gr. Πρωτεὺς, έως, ( Tab. XI.)

1 §. Aeltern. Diese waren, nach einigen, Neptun und die Phönice; Tzetz. ap. Nat. Com. l. VIII. c. 8. nach andern aber Ocean und die Tethys. Xanthippus ap. eumd. l. c. Jedoch machen auch einige selbst den Jupiter zu dessen Vater. Lucian. ap. Huet. D. E. Propos. IV. c. 8. §. 14.

2 §. Wesen. Er war einer der vornehmsten Meergötter. Ovid. Metam. II. v. 8. Doch gab er insonderheit einen guten Wahrsager mit ab. Hom. Od. Δ. v. 384. Virg. Georg. IV. 387. Er ließ sich aber nicht leicht dazu bringen, sondern verwandelte sich lieber eher in allerhand Gestalten, als Feuer, Wasser, Bäume, Löwen, Drachen, und so ferner. Lucian. Dial. Deor. 15. Homer. l. c. v. 456. & Ovid. Met. VIII. v. 730. Es mußte daher auch Menelaus ehemals, damit er sich dessen bemächtigte, sich selbst, nebst dreyen andern seiner Leute, mit Meerkalbshäuten bedecken, sodann unter die Meerkälber am Ufer, als schlafen legen, und, weil Proteus gewohnet war, nicht nur unter denselben herum zu gehen, sondern sich auch selbst mit nieder zu legen und zu schlafen pflegete, ihn auf diese Art überlisten und fest binden, wenn er von ihm erfahren wollte, was er verlangete. Homer. l. c. v. 431. Cf. Hygin. Fab. 118. Indessen wird er doch nur für einen Diener des Neptuns mit angegeben, dessen Vieh er hütete. Homer. l. c. v. 386. & Theocr. Idyll. VIII. v. 52. Gleichwohl sollte er dabey die Schlüssel des Meeres haben. Virg. l. c. v. 394. Sein Aufenthalt war insonderheit in dem karpathischen Meere, Orpheus Hymn. XXIV. v. 1. & Virgil. l. c. v. 387. oder auf der Insel Pharos im adriatischen Meere. Philostr. vit. Apollon. l. III. c. 24.

3 §. Gemahlinn und Kinder. Erstere soll, nach einigen, Psamathe gewesen seyn, mit welcher er die Theonoe und den Theoklymenus gezeuget. Eurip ap. Nat. Com. l. VIII. c. 8. Seine Söhne waren Torone, Polygonus, und Telegonus, die aber Herkules insgesammt niedermachte, als sie ihn auf einen Kampf im Ringen ausforderten. Apollod. l. II. c. 5. §. 9. Sie waren böse Buben, die insonderheit den Fremden alle Gewalt und Grausamkeit anthaten. Als daher Proteus ihre Bosheit nicht mehr mit ansehen konnte, so bath er den Neptun, ihn nach Aegypten zu bringen. Dieß geschah, und er kam unter der Erde hinweg in besagtes Land. Dagegen lachete er hernach niemals, und weinete auch nicht, da er hörete, daß seine Söhne umgekommen waren. Das erstere that er nicht, weil sie doch einmal seine Kinder waren, und das andere nicht, weil sie sich so böse aufgeführet hatten. Tzetz. ad Lycophr. v. 124. Ihre Mutter nennen einige Korone, Serv. ad Virg. Georg. IV. v. 391. andere Torone, Lycophr. l. c. sie selbst aber Tmolus und Telegonus. Tzetz. l. c. & ad eum Potter. v. 115. Dabey sollen noch ferner seine Töchter Kabera, Rheta und Idothea, oder Eidothea gewesen seyn, von welchen aber wenigstens die letztere nicht eben die beste war, weil sie es dem Menelaus verrieth, wie er sich ihres Vaters bemächtigen sollte. Homer. Od. Δ. v. 366. & Hygin. Fab. 118. Cf. Heracl. Allegor. Homer. p. 489.

4 §. Bildung. Er wird als ein alter Mann blaulichter Farbe gebildet, der auf einem Wagen fährt, vor welchem ein Paar Meerpferde gespannet sind. Virgil. Georg. IV. v. 388. Um ihn herum sieht man eine große Menge Meerkälber. Voss. Theol. gent. l. IX. c. 35. Man vermuthet, ihn auf einem alten Steine zu finden, wo ein alter Mann, der bis auf den halben Leib mit einem Gewande bedecket ist, in einer ruhigen Stellung liegt, und ein gewunden Horn in seinem linken Arme, die rechte Hand aber auf dem Knie liegen hat. Lipp. Dactyl. I Taus. 77 N.

5 §. Verehrung. Es hielten ihn selbst die Nymphen und so gar Nereus in Ehren. Virgil. Georg. IV. v. 391. Man pflegte ihm nebst seinen Hymnen ein Opfer von allerhand Räuchwerke und Storax zu bringen. Orph. Tit. Hymn. XXIV. Ueberdieß hatte er in Aegypten, zu Memphis, seinen besondern und herrlichen Tempel. Herodot. Euterp. s. l. II. 112.

6 §. Eigentliche Historie. Er soll eigentlich ein Aegypter gewesen seyn, welcher nach Pallene, in Thracien, gekommen, woselbst er geheurathet, seiner Söhne Bosheit wegen aber heimwieder nach Aegypten gegangen seyn. Daher glaubete man denn, er sey unter der Erde dahin gewandert. Tzetz. ad Lycophr. v. 116. Hieselbst soll er endlich gar König geworden seyn; und mit seinem wahren Namen Cetes geheissen haben. Wie er nun in der Astronomie und Kenntniß der Winde sehr erfahren gewesen: also soll er durch die öftere Veränderung seiner Kleidung und zumal seiner Hauptzierden Gelegenheit zu dem Gedichte von seinen Verwandelungen gegeben haben. Diod. Sic. l. I. c. 62. p. 39. Eben zu ihm soll auch Paris mit der Helena gekommen seyn, die er ihm aber abgenommen, und aufbehalten, bis sie Menelaus wieder abgefordert, wogegen er den Paris mit einem starken Verweise, Herodot. Euterp. s. II. 112. jedoch auch zurückgegebenem Bilde der Helena, seine Wege ziehen lassen. Lycophr. v. 113. & Stesichor. ap. Tzetz. ad Lycophr. l. c. Oder, da ja auch Paris mit der Helena nicht zu demselben gekommen, so soll doch Menelaus mit derselben bey ihm eingesprochen seyn, da er von Troja wieder zurück gegangen. Homer. Od. Δ. v. 350. Huetius machet seiner Gewohnheit nach den Moses aus ihm. D. E. Propos. IV. c. 8. §. 14. Plato giebt ihn nur für einen Sophisten an. in Euthydem. p. 200. Lucian hält ihn für einen Gaukler oder pantomimischen Tänzer, de saltat. p. 793. T. I. Opp. und andere endlich für einen sonderbaren Hexenmeister. Ap. Huet. l. c. Cf. Farnab. ad Ovid. Metam. VIII. 731. Banier Entret. X. ou P. I. p. 303. Dess. Erl. der Götterl. III B. 553 S.

7 §. Anderweitige Deutung. Einige deuten ihn auf die Materie der Dinge, als die sich so oft verändert, als Arten der Thiere, Gewächse und anderer Creaturen sind. Baco Verulam. Sap. Vet. c. 13. Eidothea, welche den Rath giebt, ihren Vater zu binden, soll die göttliche Vorsehung seyn, welche der Materie vorschreibt, was aus ihr werden soll. Heraclid. Alleg. Homer. p. 488. Calcagnin versteht durch ihn die Wahrheit, welche im Verborgenen liegt und schwerlich ergriffen wird; Melanchthon aber das Verständniß. Ap. Taubmann. ad Virgil. Georg. IV. v. 387. Andere deuten ihn auf die Kraft der Luft; Nat. Com. l. VIII. c. 8. oder auf einen klugen Mann; auf die Natur selbst; auf die Mannichfaltigkeit der Kleidung, deren sich des Proteus Landesleute bedienet. Daher saget denn Taubmann l. c. von ihm nicht unrecht: daß die Gelehrten so viele Auslegungen dieser Dichtung angenommen, als Proteus selbst Gestalten.


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