Thetis


Thetis

THETIS, ĭdos, Gr. Θέτις, ιδος, ( Tab. III.)

1 §. Namen. Diesen soll sie von ἀπόθεσις, Einrichtung, haben, weil sie, als die Vorsehung, die verwirreten Elemente in ihre Ordnung gebracht habe Heraclid. Allegor. Homer. p. 444. Allein, es ist solche Ableitung ziemlich weit hergeholet. Indessen soll er doch so viel, als θέσις, seyn, und das Legen der Wellen andeuten. Dam. Lex. etym. p. 2899. Sonst ist sie nicht mit der Tethys zu vermengen, wiewohl vielfältig geschieht, weil sie deren Enkelinn, und also eine ganz andere war, obwohl sonst beyder Namen ziemlich einerley klingen. Voss. Theol. gent. l. II. c. 78. Es soll aber dieses keinesweges ihr rechter Namen gewesen seyn, sondern sie soll eigentlich Philomela geheißen haben. Deimach. ap. eumd. l. c. Doch konnten auch wohl des Nereus Tochter, und des Achilles Mutter zwo ganz verschiedene Personen gewesen seyn.

2 §. Aeltern. Der Vater war Nereus, die Mutter aber Doris, und sie also eine von den bekannten Nereiden. Hesiod. Theog. v. 244. Andere geben sie nur für eine Tochter des Chirons an; Dictys Cret. lib. VI. c. 7. Schol. Apollon. ad l. I. v. 559. Epicharm. ap. Nat. Com. l. VIII. c. 2. oder auch des Aktors. Deimach. ap. Schol. Apollon. l. c. & Staphyl. ap. eumd. l. IV. 816.

3 §. Eigenschaften und Verrichtungen. Sie war von einer so sonderbaren Schönheit, daß Jupiter selbst. wie auch Neptun, sich um ihre Ehe bewarben. Es gab ihnen aber Themis zu verstehen, es wäre nach dem Schicksale verordnet, daß ihr Sohn größer werden sollte, als sein Vater. Apollon. l. IV. v. 791. Pind. Isthm. Od VIII. 67. Einige wollen, es habe ihnen Thetis selbst solches angekündiget. Apollod. l. III. c. 12. §. 5. Man will aber, daß man auch hier Themis lesen müsse. Mezir. sur les Epitr. d'Ovid. T. I. p. 219. Nach andern entdeckete ihnen Prometheus diese Weissagung, und sie stunden also beyde gern von ihr ab. Aeschyl. ap. Tzetz. ad Lycophr. 178. Hygin. Fab. 54. Jedoch wollen auch einige, es habe sie Juno, bey der sie erzogen worden, abwendig gemachet: und dadurch sey Jupiter veranlasset worden, sie nur an einen sterblichen Menschen kommen zu lassen. Apollon. l. c. & Apollod. l. c. Einige wollen, es sey auch Apollo unter ihren Freyern gewesen, der sich aber nicht minder von dem Prometheus abschrecken lassen. Pindar. ap. Tzetz. ad Lycophr. v. 178. Gleichwohl gieng es ihr sehr nah, daß sie allein von ihren Schwestern einen Sterblichen heurathen sollte. Hom. Il. Σ. 432. Sie verwandelte sich daher bald in Feuer, bald in Wasser, bald in allerhand wilde Thiere, wenn sich einer an sie machete Nat. Com. l. VIII. c. 2. p. 816. Indessen wußte doch endlich Chiron, Apollod. l. c. oder, nach andern, Proteus, Ovid. Metam. XI. v. 221. dem Peleus einen Rath zu geben, wie er ihrer habhaft werden könnte. Ungeachtet sie sich nun, nach aller ihrer Kunst, verwandelte, so hielt er sie den, noch, da er sie einmal gefasset hatte, so fest, daß sie ihm nicht entwischen konnte. Sie machete sich endlich zu einer Meerspinne. Allein, da solches auch nicht helfen wollte, so bequemte sie sich zu der Heurath mit ihm. Tzetz. ad Lycophr. 178. Ovid. & Apollod. l. c. Jedoch behaupten auch einige, sie habe sich von selbst, ohne alle dergleichen Umschweife zu der Vermählung mit dem Peleus verstanden. Pytheuctus ap. Nat. Com. l. c. Es wurde solche auf dem Pelion gefeyret, und alle Götter fanden sich dabey ein. Sieh Peleus. Er zeugete auf sieben Kinder mit ihr, die sie aber insgesammt, indem Peleus schlief, ins Feuer legete, und dadurch dasjenige, was sie von ihm Sterbliches an sich hatten, von ihnen wegbringen wollte. Sie verbrannte dieselben aber insgesammt, und es würde dieses auch dem letztern, nämlich dem Achilles, wiederfahren seyn, wo nicht Peleus ungefähr aufgewachet wäre, und sie in solcher Arbeit gestöret hätte. Dieß empfand sie aber so übel, daß sie sich wieder unter ihre Schwestern, die Nereiden, begab, und den Peleus nebst dem Kinde also verließ. Apollon. l. c. v. 869. & Schol. ad il. IV. 816. Cf. Tzetz. ad Lycophr. l. c. & Schol. Aristoph. ad Nub. v. 1064.

4 §. Wahre Beschaffenheit. Sie soll eigentlich Aktors Tochter gewesen seyn, und mit ihrem Namen Philomela geheißen haben. Weil nun Chiron gern gewollt, daß dem Peleus mit ihr eine sonderbare Ehre wiederfahre, so habe er vorher ausgesprenget, daß sie kein menschliches Frauenzimmer, sondern vielmehr die Thetis, eine Tochter des Nereus, sey, und auf ihrem Beylager die Götter selbst in einem Regen und Sturme zugegen seyn würden. Weil nun solche Witterung wirklich erfolget, die er, als ein guter Sternseher, schon vorher gesehen, so habe man die Sache für wahr gehalten, und mit der Zeit der Philomela Namen vergessen, hingegen sie für erwähnte Thetis gehalten. Schol. Aristoph. ad Nub. v. 1064. & Staphyl. ap. Schol. Apollon. l. IV. v. 816. Es geschah solches um so viel leichter, weil die zu dem Beylager eingeladenen Fürsten und Herren selbst die Namen der Götter annahmen, und sich Apollo, Bacchus und so weiter nannten, nach, dem sich ein jeder im Tanzen, im Singen, Instrumentspielen, oder sonst hervorgethan hatte; wie denn auch einige Frauenzimmer sich den Namen der Musen beylegeten; und da man das Lob der Braut sang, so nannte man ihren Vater Chiron, Nereus, und sie eine Nereide; und eben davon wurde dieses Gastmahl nachher das Götterbanquet genannt. Dict. Cret. l. VI. c. 7.


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