Märtyrer

Märtyrer (v. gr.), 1) Jemand, der für seine Überzeugung Verfolgung u. Tod leidet; 2) bes. die Christen, welche in den drei ersten Jahrhunderten ihren Glauben mit dem Tode besiegelten; später alle Christen, welche von Nichtchristen wegen ihres Glaubens verfolgt u. getödtet wurden. Der erste christliche M. war Stephanus, der zweite der Apostel Jakobus, u. ihnen folgte eine ungeheure Zahl M. zur Zeit der Christenverfolgungen, trotz der grausamsten Marter; sie wurden auf glühenden Rosten gebraten (St. Laurentius), in Pechkleidern als Fackeln angezündet, in siedendem Öl, in Kalköfen u. auf Holzstößen verbrannt, von wilden Thieren zerrissen, zerstückelt, gepfählt, als Zielscheibe nach ihnen geschossen (St. Sebastian) etc. Diese Qualen wurden von den M-n mit einer Standhaftigkeit erduldet, welche nicht selten die Zuschauer u. die Peiniger selbst zur Bewunderung[934] zwang u. Manche bewog, sich selbst als Christen zu bekennen u. das Märtyrerthum zu wählen. Die M. wurden von den Christen sehr verehrt, so daß auf ihre Fürbitte, wenn sie sich noch in Ketten befanden, den Büßenden ein Theil der Kirchenbuße nachgelassen wurde. Diese schriftlichen Fürbitten hießen Libelli pacis. Die M. wurden feierlich bestattet, Grabmäler, später Kirchen (Martyria) über ihren Gräbern errichtet, ihre Reliquien verehrt, ihre Namen, Thaten, Todestag in die Diptychen eingetragen u. auswärtigen Gemeinden mitgetheilt u. jährlich ihr Todestag, als Geburtstag zum höheren Leben (Natalitia martyrum), mit Gesang, Gebet, Bewirthung der Armen, Lobrede, Vorlesung ihrer Thaten, die bald in den Martyrologien (s.d.) verzeichnet wurden, gefeiert. Da die Zahl dieser Märtyrer- u. Gedächtnißfeste zu groß wurde, als daß man sie alle hätte einzeln feiern können, so wurden sie zu einem allgemeinen (Festaller M.) vereinigt, das von der Griechischen Kirche in der Pfingstwoche od. am Trinitatisfeste, von der Römischen am Tage des St. Stephanus, den 26. December, gefeiert wird. Vgl. Ruinart, Acta martyrum, Amst. 1713, Fol.; de Chateaubriand, Les Martyrs. Par. 1809, 3 Bde.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Märtyrer — Märtyrer, auch Martyrer (von griechisch μάρτυς „Zeuge“ oder μαρτύριον „Zeugnis“, „Beweis“;[1] weibliche Formen Märtyrerin bzw. Martyrerin, sowie Märtyrin bzw. Martyrin) sind Menschen, die um des Bekenntnisses ihres Glaubens willen einen… …   Deutsch Wikipedia

  • Märtyrer — (Martyrer, griech.), im allgemeinen Personen, die um ihrer sei es politischen, sei es religiösen Überzeugung willen leiden; in der alten Kirche im Unterschied von den Konfessoren (s. Confessor) diejenigen, die unter den Christenverfolgungen als… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Märtyrer — Märtyrer, griech. deutsch, Zeugen; in der Kirchensprache Blutzeugen d.h. solche Christen, welche um ihres Glaubens willen den Tod oder doch schwere Mißhandlungen und Verbannung erlitten, während die Bekenner (s.d.) mit Verlust des Vermögens u.… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Märtyrer — Märtyrer,der:⇨Opfer(3) …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • Märtyrer — Sm Marter …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • martyrer — Martyrer, Torquere …   Thresor de la langue françoyse

  • Märtyrer — Mär|ty|rer [ mɛrtyrɐ], der; s, , Mär|ty|re|rin [ mɛrtyrərɪn], die; , nen, Mär|ty|rin [ mɛrtyrɪn], die; , nen: Person, die sich für ihre Überzeugung opfert, Verfolgungen und den Tod auf sich nimmt: die frühchristlichen Märtyrer; sie ist als… …   Universal-Lexikon

  • Märtyrer — 1. Märtyrer haben einen schönen Tod, sagte der Dieb, als man ihn zum Galgen führte. Holl.: Die het op de galg aanstellt, zei Joris, die sterft een profeet en een martelaar. (Harrebomée, I, 199.) 2. Vierzig Märtyrer, vierzig Morgenfröste. – Orakel …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Märtyrer — Jemanden oder sich zum Märtyrer machen: allein für alle anderen die Verantwortung übernehmen, stellvertretend für die anderen büßen müssen; jemanden zum Symbol für eine Sache machen. Griech. martys bedeutet Zeuge. In christlicher Zeit wurden… …   Das Wörterbuch der Idiome

  • Märtyrer — Mạ̈r|ty|rer 〈m.; Gen.: s, Pl.: 〉 1. Christ, der für seinen Glauben den Tod erlitten hat; Syn. 〈oberdt.〉 Martyrer 2. Mann, der für eine Idee gestorben ist, Blutzeuge; ein Märtyrer seines Glaubens, seiner Überzeugung [Etym.: <mhd. marterer,… …   Lexikalische Deutsches Wörterbuch

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