Athen [3]

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Athen [3]

Athen (Gesch.). I. Athen unter K√∂nigen, 1800 bis 1068 v. Chr. Als der √§lteste K√∂nig von Attika wird Akt√§os od. Ogyges (1800 v. Chr.) genannt; Kekrops, ein √Ągyptier aus Sais, soll 1580 (1550) v. Chr. eine Colonie nach Attika gef√ľhrt, die zerstreuten Bewohner des Landes in 12 Flecken (Demen) vereinigt u. eine Burg auf einer H√∂he, die er Kekropia (sp√§ter die Akropolis von A.) nannte, errichtet haben. Er f√ľhrte die Ehe u. Gesetze, die Todtenbegrabung etc. ein u. errichtete Gerichtsh√∂fe, nach Ein. sogar den Areopag. Diese Einrichtungen verkn√ľpfte er mit religi√∂sen Instituten. Die Mythe sagt hier√ľber: da die Stadt erbaut war, stritten Athene u. Poseidon, wer Schutzgottheit der Stadt sein u. derselben den Namen geben sollte; auf Befehl des Zeus sollte jeder der beiden etwas f√ľr die Stadt schaffen u. welches Geschenk am n√ľtzlichsten befunden w√ľrde, dem sollte die streitige Ehre werden. Poseidon schuf das Pferd, Athene den √Ėlbaum; da ward der Athene der Preis ertheilt. Andere erz√§hlen: Als die G√∂tter sich Sitze ihrer Verehrung in Attika w√§hlen wollten, kam zuerst Poseidon, stie√ü mitten in die Akropolis seinen Dreizack in den Boden, worauf der See Erechtheis entstand; Athene kam sp√§ter u. pflanzte einen √Ėlbaum. Kekrops sollte hier√ľber Zeugni√ü vor den 12 G√∂ttern ablegen, u. er sagte aus, Athene sei fr√ľher gekommen, worauf ihr die G√∂tter den Besitz zusprachen. Da der Sohn des Kekrops, Erysichthon, kinderlos starb, so wurde Kranaos sein Nachfolger; von seinem Eidam Amphiktyon, Deukalions Sohn, verdr√§ngt, ging er au√üer Land. Gleiches erfuhr Amphiktyon nach 10 Jahren durch Erechtheus I. od. Erichthonios, Sohn des Heph√§stos u. der Athene, nach welchem alle folgenden K√∂nige bis Aphidas (s. unt.) Erechthiden genannt wurden. Unter ihm soll der Name A. aufgekommen u. die Panathen√§en eingef√ľhrt worden sein. Ihm folgte sein Sohn Pandion I.; w√§hrend seiner 40j√§hrigen Herrschaft wurde Acker- u. Weinbau in Attika eingef√ľhrt. Dem Pandion folgte sein Sohn Erechtheus II.; von den Eleusinern bekriegt, erhielt er ein Orakel, er werde nach Opferung einer seiner T√∂chter siegen. Die j√ľngste, Orithyia, opferte er, die √ľbrigen 3 (Prokris, Kreusa, Chthonia) sich selbst; er schlug hierauf die Feinde, erlegte aber dabei den Immarados, Sohn des Eumolpos, worauf ihn Zeus mit dem Blitze t√∂dtete. Nach Diodor war Erechtheus, ein √Ągyptier, der zur Zeit einer D√ľrre Getreide aus √Ągypten nach Attika brachte, wof√ľr ihn die A-er zum K√∂nig machten u. worauf er die Eleusinien stiftete. Sein Nachfolger war sein Sohn Kekrops II., der nach 50√§hriger Regierung das Reich seinem Sohne Pandion II. hinterlie√ü. Diesen vertrieben die Metioniden (S√∂hne Metions) vom Throne; er ging deshalb nach Megara zu Pylas, der ihm Megara u. seine Tochter Pylias in die Ehe gab; von dieser wurde er Vater von √Ągeus, Pallas, Nisos u. Lykos. Diese S√∂hne (Pandioniden) vertrieben die Metioniden wieder u. theilten sich in das Reich; √Ągeus erhielt die Oberherrschaft, Nisos bekam Megara. Eigentlich sind Kekrops II. u. Pandion II. sp√§ter eingeschoben, u. nach der gew√∂hnlichen Geschichte folgte auf Erechtheus II. Xuthos, Sohn des Hellen, welcher dem Erechtheus gegen die Eleusinier beigestanden u. daf√ľr die Hand der Kreusa, der Tochter des K√∂nigs, u. die Herrschaft erhalten hatte. Andere verbinden beide Angaben u. lassen Xuthos den Zwist der beiden S√∂hne des Erechtheus dahin entscheiden, da√ü er das Reich dem Kekrops zusprach, deshalb aber von den √ľbrigen gen√∂thigt ward, das Land zu verlassen. Unter √Ągeus kam Androgeus, Sohn des Minos von Kreta, nach A.; da ihn √Ągeus aus Eifersucht t√∂dten lie√ü, belagerte Minos A. Bei einer damals ausgebrochenen Pest wurden die T√∂chter des Hyakinthos f√ľr das Wohl der Stadt geopfert, aber vergebens; A. ward erobert u. mu√üte j√§hrlich 7 Knaben u. 7 M√§dchen als Tribut nach Kreta schicken. Der ber√ľhmteste der athenischen K√∂nige war Theseus, Sohn u. Nachfolger des √Ągeus, welcher es dahinbrachte, da√ü alle B√ľrger der √ľbrigen Demen (Marathon, Phaleron, Eleusis, Dekelea, Kephissia, Brauron, Thorikos, Kyth√©ros, Sphettos, Epakri√§ u. Aphidn√§) zugleich B√ľrger A-s wurden, u. dadurch A. zu einem gemeinschaftlichen Centralpunkt erhob; u. obschon die √ľbrigen B√ľrger an ihren Orten blieben, zogen doch obrigkeitliche u. a., vom Feldbau nicht lebende Personen, zahlreich nach A., wodurch die Stadt sehr vergr√∂√üert wurde. Die B√ľrger theilte Theseus in 3 St√§nde: Cupatrid√§ (Vornehme), Geomoroi (Grundst√ľcksbesitzer) u. Demiurgoi (Handwerker); aufgenommene Ausl√§nder hie√üen Metoikoi. Diese Verfassung behielt A. bis auf die Persischen Kriege; nur da√ü durch Einwanderungen, bes. der Joner, die Stadt an Einwohnern u. Wohlhabenheit gewann. W√§hrend Theseus auf Abenteuer auszog, hatte Menestheus, Urenkel des Erechtheus, die Herrschaft an sich gerissen. Theseus floh zu Lykomedes nach Skyros, um von dort unterst√ľtzt wieder nach A. zur√ľckzukehren, aber Lykomedes t√∂dtete den Gastfreund [878] Inde√ü auch Menestheus erfreute sich nicht lange seiner Herrschaft, er fiel vor Troja, u. nun kam das Land wieder an die Nachkommen des Theseus. Zuerst an seinen u. der Ph√§dra Sohn, Demophoon, dann an Oxynthes u. zuletzt an dessen Sohn Aphidas. Da dessen Sohn Thym√∂tes beim Einfall der Dorier in Attika einen, von dem B√∂oter Xanthos vorgeschlagenen Zweikampf abgelehnt hatte, so versprach Aphidas Demjenigen die Herrschaft, welcher mit Xanthos k√§mpfen u. denselben besiegen w√ľrde. Der Messenier Melanthos, Sohn des Neleus, bot sich dar, besiegte den Xanthos durch List u. wurde K√∂nig. So kam in A. statt des Geschlechtes der Erechthiden ein fremdes Geschlecht zur Regierung. Auf Melanthos folgte sein Sohn Kodros. Unter diesem fielen die Dorier, verbunden mit Herakliden u. unterst√ľtzt von den Laced√§moniern, in Attika ein. Ein Orakel hatte verk√ľndigt, da√ü die Partei siegen w√ľrde, deren K√∂nig gefallen w√§re. Da entschlo√ü sich Kodros, sich f√ľr das Vaterland zu opfern; als Holzhauer verkleidet ging er in das feindliche Lager, fing H√§ndel an u. ward von einem Dorier erschlagen. Als die Dorier unter dem schlechten Kleid die K√∂nigsinsignien erkannten, flohen sie, u. A. war gerettet.

II. Von Einsetzung der Archonten bis zur Herrschaft des Pisistratos, 1068‚Äď561 v. Chr. Die Athener, meinend, da√ü sie das Andenken des Kodros nicht besser ehren k√∂nnten, als wenn sie ihm keinen Nachfolger g√§ben, w√§hlten keinen K√∂nig, sondern an seiner Stelle Archonten, 1068 v. Chr., s. Athen (Ant.) I. B) a). Von den 2 S√∂hnen des Kodros wurde der √§ltere, Medon, zum Archonten gew√§hlt; der j√ľngere, Neleus, f√ľhrte eine Colonie Joner aus Attika nach der K√ľste Klein-Asiens. Die Archonten waren Magistrate auf Lebenszeit u. die W√ľrde war erblich, nach Medon wurden sie Medontiden genannt; solcher Archonten regierten 13. 752 v. Chr. ward die Verfassung dahin ge√§ndert, da√ü der Archon nur 10 Jahre regieren, dann ein anderer an dessen Stelle treten sollte; aber auch diese Einrichtung gefiel nicht lange, u. seit 684 wurden allemal 9 Archonten gew√§hlt, deren Amt nur 1 Jahr dauerte. Der letzte der lebensl√§nglichen Archonten war Alkm√§on gewesen, dessen Nachkommen (Alkm√§oniden) bes. seit 600, abwechselnd an der Spitze A-s standen. Die jetzigen Archontenverh√§ltnisse hatten mancherlei Mi√üliches; da der Staat eines dauernden Oberhauptes entbehrte, so bedurfte es vieler Gesetze, um so mehr, da die Eupatriden im Besitz des ganzen Landeigenthums waren u. die √ľbrigen B√ľrger meist zu Schuldnern hatten, die nach den Gesetzen ihrer Gl√§ubiger mit ihrem Leibe haften mu√üten. Durch das Streben des Volks nach gr√∂√üerer Freiheit u. besserer Lage u. das starre Festhalten der Eupatriden an den alten Verh√§ltnissen, wurden bedeutende Zerr√ľttungen des Staats veranla√üt. Daher erhielt Drakon 624 v. Chr. den Auftrag, eine neue Verfassung zu geben. Er beschr√§nkte sich auf eine Criminalgesetzgebung; aber seine Gesetze hatten keine Dauer; weil er fast auf alle Vergehen die Todesstrafe gesetzt hatte, so sagte man von ihnen, sie w√§ren mit Blut geschrieben gewesen. Er mu√üte vor der Wuth des Volkes nach. √Ągina fliehen u. starb in der Verbannung. Da Drakon keine Ordnung u. Ruhe hatte herstellen k√∂nnen, so versuchte es Kylon auf andere Weise. Er erwarb sich dadurch, da√ü er seine Schuldner milder behandelte u. den Unbemittelten Getreide u. Lebensmittel schenkte, unter der niederen Klasse eine gro√üe Partei u. versuchte die aristokratische Partei der Alkm√§oniden zu st√ľrzen u. sich zum Tyrannen aufzuwerfen. Er nahm, unterst√ľtzt von seinem Schwiegervater, dem Tyrannen Theagenes von Megara, 612 v. Chr. die Akropolis ein, wurde aber dort von den Aristokraten unter Anf√ľhrung des damaligen Archonten Megakles belagert, u. als er mit den Belagerten capituliren wollte, wurden die Seinigen zwischen den Alt√§ren der G√∂tter niedergehauen; er selbst mit seinem Bruder entkam. Wegen jenes Mordes an heiliger St√§tte wurden die Alkm√§oniden als Beleidiger der G√∂tter verflucht u. verbannt. Die Ruhe A-s blieb gest√∂rt, bis Solon, ein Nachkomme des Kodros, 594 v. Chr. erster Archon wurde. Durch ihn wurden nicht blos die M√∂rder Kylons zur Verantwortung gezogen u. Epimenides zur Ents√ľhnung des Staates von der Kylonischen Blutschuld aus Kreta gerufen; sondern A. verdankt ihm auch die Eroberung der f√ľr A. h√∂chst wichtigen Insel Salamis. Denn da wegen der gro√üen Verluste bei den Eroberungsversuchen auf jene Insel das Gesetz gegeben war, da√ü der des Todes sterben sollte, welcher einen neuen Feldzug in Salamis in Vorschlag br√§chte, so stellte sich Solon wahnsinnig, bestieg den Rednerstuhl u. declamirte ein Gedicht, in welchem er den Athenern Feigheit vorwarf u. sie von Neuem gegen die Megarenser, die damaligen Herren von Salamis, reizte. Jetzt zogen die Athener gen Salamis u. nahmen es ein. Nach And. soll Solon durch Einschiebung zweier Verse in die Ilias (2,557 s.) A-s Anspr√ľche auf die Insel geltend gemacht u. durchgef√ľhrt haben. Inzwischen hatten sich in A. 3 Parteien gebildet die eine wollte eine strenge Oligarchie, die andere eine vollkommene Demokratie, die dritte eine gemischte Verfassung. Zur Schlichtung der K√§mpfe dieser Parteien erhielt Solon 594 v. Chr. den Auftrag, dem Staate eine neue Verfassung zu geben. Die Grundlage der Solonischen Verfassung war demokratisch, indem alle Freie Theil an der Verfassung hatten; aber gemindert wurde die Macht der Demokratie durch den Census, durch den organisirten Areopag u. dadurch, da√ü die unbeg√ľterte Klasse nur Stimmrecht in der Volksversammlung u. Antheil an den Gerichten erhielt, aber keine obrigkeitlichen W√ľrden bekleiden konnte. Solon theilte die gesammte Volksmasse nach Ma√ügabe des Census in 4 Klassen (s. Athen [Ant.] I. A) a). Die Entscheidung behielt die Volksversammlung, den h√∂chsten Einflu√ü aber √ľbte der von Solon geschaffene Staatsrath (Bule, s. ebd.), da er alles zuvor zu berathen hatte, was vor die Volksversammlung kommen sollte; der Areopag erhielt auch politische Bedeutung (s. ebd.) u. wurde ein heilsames aristokratisches Gegengewicht gegen das demokratische Element. Die Archonten blieben, doch war ihre Macht bedeutend geschm√§lert. Besoldung erhielten die Beamteten nicht. Wichtig vor Allem war die Ver√§nderung, die Solon im Schuldenwesen vornahm. Er strich zum Theil die Schulden ganz, zum Theil verminderte er sie (Seisachtheia) dadurch, da√ü er das Geld leichter machte, u. die Anleihen wurden in dem leichteren Gelde zur√ľckgezahlt; vorz√ľglich verbot er, da√ü die Schuldner dem Gl√§ubiger mit dem Leibe hafteten. Au√üerdem aber bezweckte Solons Gesetzgebung noch Erh√∂hung politischer u.[879] h√§uslicher Tugenden, Aufbl√ľhen der K√ľnste u. Wissenschaften, des Handels u. der Gewerbe, Bildung der B√ľrger nicht blos zum Krieg, sondern auch zur Humanit√§t. Diese Gesetze lie√ü Solon auf drehbare Tafels√§ulen schreiben, u. zwar die das b√ľrgerliche Recht enthaltenden auf die Axones, welche viereckig waren, dagegen die das √∂ffentliche Recht u. die f√ľr die religi√∂sen Gebr√§uche auf die Kyrbeis, welche dreieckig u. von wei√ü angestrichenem Holz waren. Aufgestellt waren diese Gesetztafeln urspr√ľnglich auf der Akropolis, zur Zeit des Demosthenes wurden sie auf den Markt in das Rathhaus, sp√§ter in das Prytaneion versetzt. Nachdem Solon seine Gesetze durch das Delphische Orakel hatte auctorisiren u. von den B√ľrgern schw√∂ren lassen, da√ü sie innerhalb 10 Jahren nichts daran √§ndern wollten, machte er eine Reise ins Ausland. Inde√ü da er zur√ľckkehrte, fand er, da√ü sie Ver√§nderungen an seinen Gesetzen vorgenommen hatten. Aus Verdru√ü dar√ľber u. weil sein eigener Verwandter Pisistratos nach der Oberherrschaft strebte, verlie√ü er A. u. verlebte den Rest seiner Tage auf Kypros (wie man sagt), wo er starb.

III. Von Pisistratos bis zum Verlust der Hegemonie A-s durch Sparta, 561‚Äď404 v. Chr. Die Solonische Verfassung vermochte inde√ü nicht die Gem√ľther der Athener zu beruhigen, die alten Parteien blieben geschieden. Nach Solon stand an der Spitze der Aristokraten Lykurgos, an der Spitze der Alkm√§oniden Megakles, die Volkspartei f√ľhrte Pisistratos, ein wohlth√§tiger, beredter u. darum popul√§rer Mann, der seinen Ursprung auf Kodros zur√ľckf√ľhrte. Er erhielt 561 v. Chr. mit H√ľlfe der √§rmeren, aber zahlreicheren B√ľrger eine mit Keulen bewaffnete Leibwache (Korynephoroi) zum Schutz gegen angebliche Nachstellungen der Aristokraten, u. nachdem er sich durch sie der Akropolis bem√§chtigt hatte, die Herrschaft √ľber A. Megakles suchte durch alle Mittel zu siegen: erst verband er sich mit Lykurgos u. vertrieb so 560 den Pisistratos aus der Stadt; inde√ü veruneinigte er sich mit Lykurgos u. nun rief er 558 den Pisistratos wieder zur√ľck, nachdem er ihm die Tyrannis versprochen hatte. Inde√ü da Pisistratos seine Tochter nicht heirathen wollte, vertrieb er ihn 551 nochmals, u. erst 538 gelang es dem Pisistratos mit fremder, bes. thebanischer H√ľlfe, nach A. zur√ľckzukehren, worauf er bis zu seinem Tode 528 v. Chr. die Tyrannis behielt. Die Alkm√§oniden entwichen nun mit den mi√üvergn√ľgten Athenern nach Macedonien, u. machten von dort mehrere Versuche zur Wiedereroberung A-s. Pisistratos besch√ľtzte Solons Gesetze u. wandte sie an; er suchte den M√ľ√üiggang zu verbannen u. bes. den Ackerbau emporzubringen, f√∂rderte Industrie, K√ľnste u. Wissenschaften; schm√ľckte A. mit √∂ffentlichen Geb√§uden, baute bes. die Tempel des Pythischen Apollon u. des Olympischen Zeus, u. ordnete Homers Ges√§nge. Auf Pisistratos folgten seine S√∂hne Hippias u. Hipparchos. Beide regierten gelind u. besa√üen die Liebe des Volkes; aber da Hipparchos den Harmodios u. dessen Schwester beleidigt hatte, machte dieser mit Aristogiton u. anderen J√ľnglingen im Jahre 514 eine Verschw√∂rung gegen die Tyrannen, dieselben am Feste der Panathen√§en zu ermorden. Hipparchos fiel von ihren Dolchen, Hippias behielt die Herrschaft. Aber je h√§rter u. grausamer er nun wurde, desto mehr entfremdete er sich die Herzen der Athener, u. so gelang es den Alkm√§oniden, in Verbindung mit den Spartanern unter Kleomenes, den Hippias 510 zu vertreiben. Da nun Klisthenes, an der Spitze der Alkm√§oniden, die Regierung an sich zurei√üen suchte, stellte sich Isagoras an die Spitze der Aristokraten, bat die Spartaner um H√ľlfe u. setzte es beim Volke durch, da√ü Klisthenes vertrieben ward. Als aber Isagoras die alte Verfassung ganz umzust√ľrzen drohte u. die Spartaner, obgleich Klisthenes vertrieben war, dennoch unter Kleomenes einen Einfall ins Gebiet von A. machten, griffen die Athener zu den Waffen, belagerten Isagoras u. Kleomenes auf der Akropolis, n√∂thigten diesen zur Ergebung u. vertrieben jenen aus dem Lande. Klisthenes kehrte zur√ľck u. blieb an der Spitze des Staates. Er f√ľhrte Solons Gesetze u. Staatsverfassung wieder ein u. gab der Macht des Volkes eine gr√∂√üere Ausdehnung, indem er dasselbe, statt in 4 Phylen, in 10 theilte (s. Athen [Ant.] I.), u. jede berechtigte, 50 ihrer Mitglieder in die Bule zu w√§hlen, die er von 400 R√§then auf 500 vermehrte. Auch dem Ostrakismus gab Klisthenes den Ursprung. √úbrigens war die Regierung des Klisthenes sehr unruhig, denn die Spartaner unter Kleomenes kamen mit ihren peloponnesischen Bundesgenossen bald wieder nach A., nachdem sie auch die B√∂oter u. Chalkidenser zum Krieg gegen A. gereizt hatten. Aber Kleomenes wurde mit dem Heere nach Hause berufen u. die B√∂oter u. Chalkidenser wurden von den Athenern geschlagen. Sowohl die demokratische Herrschaft als auch die wachsende Macht A-s hielt inde√ü den Verdru√ü u. die Eifersucht der Spartaner gegen die Athener stets wach; sie riefen auch, um in A. die Alleinherrschaft wieder einzuf√ľhren, den Hippias aus Kleinasien nach Griechenland zur√ľck. Inde√ü ihr Plan scheiterte an dem Widerstand der Peloponnesier. Da wendete sich Hippias an Artaxerxes, den persischen Satrapen in Sardes, u. bat ihn um H√ľlfe gegen A. Dieser schickte auch Gesandte nach A., mit dem Befehl, da√ü sie den Hippias wieder als ihren K√∂nig aufn√§hmen. Die dadurch beleidigten Athener unterst√ľtzten dagegen den von den kleinasiatischen Jonern 503 v. Chr. gemachten Aufstand gegen die Perser mit 20 Schiffen, zogen aber bald zur√ľck, da sie den Persern keinen Widerstand leisten konnten. Nach Unterdr√ľckung dieses Aufstandes wollte sich der Perserk√∂nig Darios an A. r√§chen u. aus diesem Racheplane entstanden die Persischen Kriege (s.d.) 490 bis 449. In diesen zeichneten sich die Athener vor allen Hellenen aus, durch ihre Feldherren Miltiades, Aristides, Themistokles u. durch die von ihnen entschiedenen Land- u. Seesiege bei Marathon, bei Salamis u. Plat√§√§; bei Artemision war der Sieg unentschieden, bei Mykale halfen die Spartaner zum Sieg. 480 wurde A. von den Persern verbrannt. Beendigt wurden diese Kriege durch Kimon 449. W√§hrend der Persischen Kriege fielen in A. manche Ver√§nderungen vor, wie durch diese Kriege A. eine ganz andere Stellung zu Griechenland einnahm u. den Grund zu seiner nachherigen Gr√∂√üe legte. Zuv√∂rderst erlangten, nach der Schlacht bei Plat√§√§ 479, die Thetes, bes. durch die Unterst√ľtzung des Aristides, Antheil an Staats√§mtern, von denen sie durch die Solonische Gesetzgebung ausgeschlossen waren. Im Jahre 478 befestigte Themistokles den Hafen Pir√§eus, da der fr√ľhere Hafen Phaleron[880] bei der wachsenden Macht zu klein wurde, u. stellte auch die Mauern um den Pir√§eus wieder her, ungeachtet des Widerspruchs der Spartaner. Zugleich gr√ľndete er einen Bund der griechischen Staaten, um sich gegen etwa erneute Angriffe der Perser vertheidigen zu k√∂nnen. Da die Spartaner urspr√ľnglich den Oberbefehl in diesem Bunde gehabt hatten, so erhielt, da die Bundesgenossen von dem Stolze des Pausanias beleidigt, nicht mehr unter den Spartanern stehen wollten, A. unter Aristi des 476 den Oberbefehl √ľber die hellenische Flotte u. somit die Hegemonie in Griechenland. Die Sorglosigkeit der Bundesgenossen benutzend, verwandelte A. die von den Bundesstaaten bewilligten, zur Bildung eines gemeinschaftlichen, auf Delos niederzulegenden u. von den Athenern zur Fortsetzung des Krieges mit Persien zu verwaltenden Bundesschatzes bestimmten Geldbeitr√§ge in eine willk√ľhrliche Besteuerung u. brachte durch Verbindung demagogischer Kunstgriffe mit Strenge in Kurzem s√§mmtliche Inseln des √Ąg√§ischen Meeres, nebst den K√ľstenst√§dten Thraciens u. Kleinasiens, in solche Abh√§ngigkeit, da√ü die meisten als eigentliche Unterthanen betrachtet u. behandelt wurden. Hiermit stand die f√ľr A. eben so vortheilhafte, als f√ľr die √ľbrigen Staaten dr√ľckende Meeresherrschaft im ganzen √Ąg√§ischen Meere in der genauesten Verbindung. Die Stimmung der Athener gegen die Spartaner wurde immer √ľbler, bes. auch wegen der R√ľcksendung eines von den Spartanern im Jahre 461 gegen die Messener erbetenen u. unter Kimon geschickten H√ľlfsheeres. Dies nahmen die Athener so √ľbel, da√ü sie sich mit Spartas Feinden, den Thessaliern u. Argivern, verbanden. Damals lag A. auch mit √Ągina u. Korinth in Streit; 459 ward √Ągina blockirt u. die Korinther von Myronides geschlagen; aber gegen die Spartaner waren sie in B√∂otien ungl√ľcklich, indem sie unter Tolmides 458 bei Tanagra besiegt wurden. Diese Niederlage r√§chte Myronides an den B√∂otern, Phokern u. Opuntischen Lokrern, welche den Spartanern geholfen hatten u. sich nun, Theben ausgenommen, den Athenern unterwerfen mu√üten. Auch √Ągina ward g√§nzlich bezwungen, mu√üte seine s√§mmtlichen Schiffe ausliefern u. sich zu Tributzahlungen verpflichten. Die Athener verst√§rkten ihre Seemacht. auch noch dadurch, da√ü sie auf Kimons Rath die H√§fen Phaleron u. Pir√§eus durch eine Mauer mit der Stadt verbanden. Von nun an beschr√§nkte sich der Krieg auf Verheerungen, welche die athenische Flotte unter Tolmides u. Perikles an den K√ľsten des Peloponnes anrichtete; beendigt ward er 454 durch einen von Kimon auf 5 Jahre geschlossenen Frieden. Kimon hob A-s Seemacht auf 3000 Schiffe, unterst√ľtzte den Handel u. die Gewerbe u. versch√∂nerte die Stadt, namentlich machte er die Akademie zu einem Lieblingsplatze der Athener. Er st. 449 nach einem Doppelsieg √ľber die Perser bei u. auf Cypern. Perikles, schon bei Kimons Lebzeiten dessen Nebenbuhler, vermochte nach dessen Tode noch 20 Jahre lang Alles in A., vom Volke wegen seiner Uneigenn√ľtzigkeit verehrt. Seine Politik ging bes. dahin, f√ľr A. die Hegemonie in Griechenland zu bewahren, u. dazu vergr√∂√üerte er nicht nur die athenische Seemacht, sondern sorgte auch daf√ľr, da√ü kein anderer Staat Griechenlands nur irgendwelche Macht zur See erhielt. Unter keiner Staatsverwaltung erreichte A. den h√∂chsten Grad der Macht u. des Reichthums u. wurde Mittelpunkt der Wissenschaften, K√ľnste u. Gewerbe in Griechenland, ja der civilisirten Welt. Er f√ľllte, mit dem √∂ffentlichen Schatze A-s u. der Bundesgenossen nach Belieben schaltend, die Stadt u. a. Orte mit Meisterwerken der Kunst, einer Menge von Tempeln, √∂ffentlichen Geb√§uden, Statuen etc., an. Durch Phidias, Iktinos, Kallikrates u. a. K√ľnstler, die er √ľberallher rief, lie√ü er u. a. das Parthenon, die pir√§ische Mauer, das Odeion, die Propyl√§en erbauen. Er veranla√üte eine Menge neuer Erwerbarten, breitete Wohlstand u. Betriebsamkeit unter alle Klassen der B√ľrger aus, f√ľhrte die Besoldung der Gerichtsbeisitzer u. der Theilnehmer an den Volksversammlungen ein, theilte unter arme B√ľrger Gehalt aus, damit sie das Theater besuchen konnten, besoldete sie im Kriege, wies ihnen eroberte L√§ndereien an u. feierte Feste mit nie gesehener Pracht. Und doch verdreifachte er durch weise Ma√üregeln u. Erh√∂hung der Abgaben der Bundesgenossen die Staatseinnahmen. Nachtheilig aber wirkte er dadurch, da√ü er die Bundesgenossen hart dr√ľckte, welche dadurch zum Ha√ü gegen die Athener gereizt wurden, u. da√ü er, um selbst mehr Macht zu √ľben, dem Volke gr√∂√üere Gewalt verschaffte u. die Macht des Areopagos als Oberrevisionssenates brach. 447 f√ľhrten die Athener wieder einen Krieg gegen Sparta, indem sie sich der Phoker gegen die, von den Spartanern unterst√ľtzten Delphier in einem Streite wegen des Vorsitzes bei den Delphischen Spielen annahmen. Tolmides eroberte Ch√§ronea, aber bei Koronea wurde er geschlagen, u. in Folge dieses Unfalls verloren die Athener nicht nur die Herrschaft √ľber B√∂otien, Phokis u. die Lokrer, sondern auch Eub√∂a u. Megara fiel ab. Die Spartaner schickten ein Heer unter Plistianax gegen Attika, welches aber Perikles durch Bestechung ablenkte, u. nun bekamen die Athener Zeit, sich gegen Eub√∂a zu wenden, welches sie auch 445 wieder unterwarfen. Mit den dorischen St√§mmen, worunter die Spartaner, ward nun ein Waffenstillstand auf 30 Jahre geschlossen. In dem Thracischen Chersones machte Perikles an mehreren Orten gl√ľckliche Landungen, pl√ľnderte die St√§dte an der Seek√ľste, drang selbst tief ins Land hinein; schlug die Sikyonier bei Nemea, segelte dann nach der M√ľndung des Acheloos u. durchstreifte Akarnanien. Sp√§ter schiffte er nach dem Pontos, um die hier gelegenen griechischen St√§dte f√ľr A. zu gewinnen u. den Barbaren A-s Macht zu zeigen; er z√ľchtigte die Samier, welche A-s Befehl, gegen Milet die Waffen niederzulegen, nicht befolgt hatten, f√ľhrte daselbst statt der aristokratischen Regierung die demokratische ein, u. als sie sich wieder erhoben, besiegte er ihre Flotte, eroberte die Stadt nach neunmonatlicher Belagerung, ri√ü die Mauern nieder, legte ihnen Geldstrafe auf u. nahm ihre Schiffe mit sich fort (im Jahre 441). Endlich forderte er alle Griechen auf, Deputirte nach A. zu senden, bes. um Ma√üregeln zu verabreden, wodurch auf immer die Sicherheit der griechischen Meere u. die Erhaltung des Friedens unter den Staaten Griechenlands begr√ľndet werden k√∂nnte. In den entfernteren u. abh√§ngigen Staaten gehorchte man, aber in n√§heren, bes. den peloponnesischen, nahm man diese Einladung kalt auf, u. dieser Ehrgeiz der Athener, der auch f√∂rmlich vom ganzen Griechenland als Haupt anerkannt werden[881] wollte, erregte den Unwillen Aller, u. es bedurfte nur einer Veranlassung, um die Peloponnesier gegen A. zu bewaffnen, welche zun√§chst Potid√§a gab, worauf der Peloponnesische Krieg (s.d.) 431 v. Chr. entflammte. Als 430 die Pest in A. ausbrach, erhielt Perikles zwar den Muth u. zwang abermals durch eine nach dem Peloponnes geschickte Flotte die in Attika eingefallenen Spartaner zum R√ľckzuge, inde√ü wurde er gleichsam als Urheber der Krankheit (weil er fast alle Umwohner in die Stadt aufgenommen u. durch die √úberf√ľllung die Verbreitung der Seuche herbeigef√ľhrt hatte) seines Amtes entsetzt, u. wiewohl er bald wieder zum Anf√ľhrer gew√§hlt wurde, st. er doch schon 429. Nach Perikles wurde Kleon, ein gemeiner u. leidenschaftlicher Demagog, von dem niederen Volke, welches er durch allerhand Verg√ľnstigungen gewonnen hatte, an die Spitze des Staates gestellt. Er wie√ü die Bitte der Spartaner um Frieden (425) ab, stellte sich an die Spitze des Heeres, siegte zwar durch Demosthenes √ľber dieselben, aber in einem 2. Feldzug wurde er 422 bei Amphipolis g√§nzlich geschlagen u. blieb selbst. Nun ward Friede zwischen A. u. Sparta auf 50 Jahre geschlossen. Aber schon 415 begann der Krieg wieder; in einem Kampfe der Segestaner gegen die Syrakusaner unterst√ľtzten die Athener die Ersteren, die Laced√§monier die Letzteren; Alkibiades, der nach Kleon seit 420 an der Spitze des Staates stand, hatte seine Mitb√ľrger dazu veranla√üt. Das Unternehmen war ungl√ľcklich; in Griechenland k√§mpften die Athener mit abwechselndem Gl√ľck gegen die Spartaner (s. Peloponnesischer Krieg), als Lysander von den Spartanern zum Befehlshaber der Flotte gew√§hlt wurde. Die Schlacht bei √Ągos Potamos 405 brach die athenische Macht, u. Lysander segelte sofort nach A., welches sich 404 den Spartanern ergab. Die Friedensbedingungen waren hart: die Mauern des Pir√§eus mu√üten geschleift, die Schiffe bis auf 12 ausgeliefert, die Anspr√ľche auf ausw√§rtige Besitzungen aufgegeben, die Aristokraten zur√ľckgerufen u. eine andere, von Sparta vorgeschriebene Verfassung angenommen werden.

IV. Von dem Verlust der Hegemonie bis zur Unterdr√ľckung der Freiheit Athens durch Philippos von Macedonien, 404‚Äď338 v. Chr. Nach der neuen Verfassung standen an der Spitze des Staates 30 M√§nner (Drei√üig Tyrannen), gro√üentheils Athener, unter ihnen Kritias, die Seele des Regiments, Theramenes, Charikles, Ch√Ęreteos, √Ąschines, Aristoteles, Euklides, Aresias, Drakontides etc., zu denen sie, zur Theilnahme an der Staatsverwaltung, 3000 B√ľrger, meist ihre Creaturen u. ihre Leibwache, gesellten. Nach einem Hoffnung versprechenden Anfange griffen sie (bes. Kritias) Leben u. Verm√∂gen ihrer Mitb√ľrger an. Nachdem der wohlwollende Theramenes, der sich den Ungerechtigkeiten der √úbrigen widersetzte, zum Tode verurtheilt worden war, wurden alle Demokraten nicht blos aus A., sondern aus ganz Griechenland verwiesen (auch Sokrates u. Alkibiades unterlagen ihren Kabalen). Wegen der Willk√ľhrherrschaft der Drei√üig hei√üt die Zeit ihrer Regierung die Anarchie; doch dauerte sie nicht ganz 1 Jahr; denn die Spartaner hatten bereits durch H√§rte die neuen Unterthanen emp√∂rt, u. Theben, Argos u. Megara √∂ffneten den Fliehenden willig die Thore. An deren Spitze stellte sich nun Thrasybulos, setzte sich mit 30 seiner Gleichgesinnten in Phyle, einem Castell an der b√∂otischen Grenze, fest, versammelte dort mehrere um sich, griff dann den Pir√§eus an u. befestigte Munychia. Vergebens k√§mpften die 30 gegen die tapfere Schaar; Kritias fiel, die andern Tyrannen flohen nach Eleusis, u. Thrasybulos wurde Herr der Stadt 403 v. Chr. Die Anarchie endigte durch den Volksbeschlu√ü, da√ü die Gesetze der Tyrannen aufgehoben sein u. fernerhin nur die des Euklides, des damaligen Archonten, gelten sollten. Auch sollte keiner wegen seiner fr√ľhern Unbildenverklagt od. angefeindet werden (Amnestie, s.d.). Der Held der athenischen Geschichte wird nun Konon. Dieser schlug mit einer persischen Flotte 394 die Spartaner bei Knidos, w√§hrend seine Landsleute mit Thebanernn. Lokrern gegen die Spartaner zu Lande k√§mpften, zwar nicht ganz gl√ľcklich, denn sie wurden von Agesilaos bei Koronea geschlagen, allein derselbe konnte seinen Sieg nicht verfolgen, denn Konon kam mit der Flotte an die K√ľste des Peloponnesos u. that dort nicht nur grossen Schaden, sondern erregte auch mit persischem Gelde den Spartanern viele Feinde. Darauf kehrte er nach A. zur√ľck u. stellte die Mauern u. Hafen von A. wieder her. Der Antalkidische Friede 387 endigte auch f√ľr A. den Krieg mit Sparta; A. erhielt nach demselben die Inseln Imbros, Skyros u. Lemnos. In dem darauf folgenden Kriege Spartas mit B√∂otien blieben die A-er neutral, wenigstens war die Unterst√ľtzung, die sie zuletzt den Spartanern angedeihen lie√üen, nicht ernstlich gemeint. Gs folgte nun 358 der Bundesgenossenkrieg, ein Krieg, den Byzanz, Chios, Kos u. Rhodos gegen A. wegen Bedr√ľckung unternahmen. In diesem Kriege waren Chabrias, Timotheos, Iphikrates u. Chares die Feldherren der Athener, aber es fiel nichts Bedeutendes vor, weil sich die Streitkr√§fte ziemlich gleich waren. Mehrere Ungl√ľcksf√§lle f√ľr A., wie der Untergang der Flotte bei Chios u. die ungl√ľckliche Schlacht bei Samos, verschuldete Chares, der aber die Schuld auf Iphikrates u. Chabrias schob, welche deshalb um gro√üe Geldsummen gestraft wurden. An dem nun folgenden Heiligen Kriege (356‚Äď346) nahmen auch die Athener Theil u. unterst√ľtzten mit den Spartanern die Phoker gegen die Delphier. Der durch Macedoniens Vermittelung f√ľr die Phoker ungl√ľckliche Ausgang dieses Kriegs hatte zwar unmittelbar keine nachtheiligen Folgen f√ľr A., aber desto gr√∂√üre dadurch, da√ü Macedonien nun einen allgemeinen Einflu√ü auf Griechenland gewann, u. weil A. gewohnt war, Griechenland, wenigstens Hellas zu repr√§sentiren, so war A. die n√§chste Macht, auf welche sich Macedonien warf, um die l√§ngst gew√ľnschte Hegemonie √ľber Griechenland zu erlangen. Damals war Philippos K√∂nig von Macedonien, der schon l√§ngst die athenischen Besitzungen an der macedonischen K√ľste durch Gewalt an sich gebracht hatte; nun suchte er in allen griechischen Staaten durch Bestechung der Parteih√§upter sich eine Partei zu gewinnen: auch in A. Den Plan des Philippos hatte der, als Redner ber√ľhmte Demosthenes durchschaut u. bot alle Mittel auf, den Einflu√ü des Macedoniers auf die griechischen Angelegenheiten zu schw√§chen; allein sein politischer Gegner √Ąschines nahm Partei f√ľr Macedonien, u. als die Athener nach der Besetzung Elateas durch die Macedonier sich mit den Thebanern gegen dieselben verbanden, wurden sie bei Ch√§ro[882] nea geschlagen (338). Durch diesen Sieg erhielt Philippos von Macedonien Einflu√ü auf alle griechischen Staaten.

V. A. unter macedonischer und r√∂mischer Herrschaft. Um seine Macht zu befestigen, schlug Philippos einen allgemeinen Feldzug gegen Persien vor. Aber er starb (335) vor. der Ausf√ľhrung des Plans; nun versuchte A., wie alle griechische Staaten, sich von dem fremden Einflu√ü frei zu machen; aber die Zerst√∂rung Thebens durch Alexander d. Gr. schreckte sie ab. Einen 2. Versuch, sich unabh√§ngig zu machen, machte A. nach Alexanders Tode 323. Antipater, der sich in Lamia (im s√ľdlichen Thessalien, daher Lamischer Krieg) festgesetzt hatte, wurde dort von den Athenern unter Leosthenes, in Verbindung mit andern Griechen, au√üer den Spartanern, Arkadern u. Ach√§ern, belagert. Bei einem Ausfalle der Belagerten ward Leosthenes get√∂dtet, ihm folgte der junge u. unerfahrne Antiphilos im Commando. Antipater, in einem Reitergefecht besiegt, verlie√ü Lamia, verband sich mit Krateros, schlug die verb√ľndeten Griechen bei Kranon (322) u. r√ľckte darauf nach A. Um eine Belagerung abzuwenden, schickten die A-er dem Antipater Gesandte entgegen, welcher denselben folgende Bedingungen vorlegte: die Demokratie wird abgeschafft u. nur die k√∂nnen zu Staatsstellen kommen, welche 2000 Drachmen im Verm√∂gen haben; A. nimmt in den H√§fen Munychia u. Pir√§eus macedonische Besatzung auf, bezahlt die Kriegskosten u. liefert den Redner Demosthenes aus (der jedoch floh u. sich auf Kalauria vergiftete). Damals zogen viele der √§rmern, von der Regierung ausgeschlossenen B√ľrger aus A., u. ihnenwurden Sitze in Thracien angewiesen. W√§hrend dieser Zeit, von dem Bundesgenossenkriege bis 318, hatte Phokion gro√üen Einflu√ü auf die Angelegenheiten A-s. Er hatte den Frieden mit Antipater vermittelt, aber der Verr√§therei angeklagt, floh er, wurde ausgeliefert u. mu√üte den Giftbecher trinken. In die Zwiste der Feldherrn Alexanders wurde fortan auch A. gezogen; es ergab sich 317 dem Kassander, aber 307 dem gegnerischen Demetrios Poliorketes, der, um sich die Herzen der Athener zu gewinnen, die demokratische Regierung wieder einf√ľhrte. Deshalb wurde ihm nach Niederrei√üung der Bilds√§ule des Demetrios Phalereus, des athenischen Commandanten unter Kassander, eine Bilds√§ule aufgerichtet. Nach der Schlacht bei Ipsos (301) theilte A. meist das Schicksal Macedoniens (s.d. Gesch.) u. des √ľbrigen Griechenlands, mit dem es auch 146 von den R√∂mern nach der Zerst√∂rung Korinths zur Provinz Achaia geschlagen wurde. Die Stadt selbst, auch von Demetrios Phalereus mit herrlichen Geb√§uden geschm√ľckt, behauptete unter den R√∂mern ihre Sch√∂nheit u. Gr√∂√üe. Aber von Sulla, wegen ihrer von Athenion bewirkten Verbindung mit Mithridates, belagert u. erobert (86 v. Chr.), verlor sie den gr√∂√üten Theil ihrer B√ľrger, viele pr√§chtige Geb√§ude, das Arsenal, Schiffslager u. die Mauern, u. wenn sie auch in der Folgezeit sch√∂n u. ber√ľhmt blieb, u. man die Ehre, ihr B√ľrger zu hei√üen, theuer erkaufte, u. sie allgemeine St√§tte f√ľr Bildung des jungen u. f√ľr Erholung des reifern Mannes ward, erhielt sie doch nie wieder den alten Glanz, selbst da nicht, als Herodes Atticus u. bes. Kaiser Hadrian ihre H√§fen u. Festungswerke wieder herstellten, sie mit neuen Prachtgeb√§uden schm√ľckten, u. sie freie Stadt hie√ü u. eigne Gesetze unter r√∂mischer Hoheit hatte. So blieb A. bis auf Arcadius u. Honorius, wo Alarich, im Anfange des 5. Jahrhunderts, die meisten Geb√§ude zerst√∂rte. Justinian lie√ü die Schulen der Philosophen schlie√üen. Seitdem war sie fast nur ein Haufen pr√§chtiger Ruinen.

VI. Athen im Mittelalter. Von Griechenland getrennt, ward A. der Sitz einiger lateinischen F√ľrsten, dann als im 13. Jahrhundert die Lateiner sich des griechischen Kaiserthums bem√§chtigten, wurden mehrere griechische Provinzen an die vornehmsten Kreuzfahrer vertheilt; damals wurde auch A. ein Herzogthum. Bonifacius, einer der Begleiter Balduins von Flandern, wurde durch die Gewalt der Waffen Herzog von A.; dann war der Burgunder Otho de la Roche, der sich Megas Kyr (Gro√üherr) nannte, Herzog; ihm folgte Walther von Brienne, dessen Sohn Walther von dem Florentiner Rainer Acciajuoli 1364 geschlagen u. gefangen wurde; damals geh√∂rte auch noch B√∂otien u. Thessalien dazu. Nach Rainers Tode kam A. an die Venetianer, denen es aber 1397 Antonio I. Acciajuoli, Rainers nat√ľrlicher Sohn, mit H√ľlfe der T√ľrken abnahm. Dieser versch√∂nerte A. sehr. Seine Neffen, Rainer II. u. Antonio, von Florenz gerufen, stritten sich nach seinem Tode um die Regierung; Letzterer siegte, doch kam nach dessen Tode Rainer zur√ľck. Aber er war ganz abh√§ngig von den T√ľrken, u. sein Nachfolger Marco Acciajuoli mu√üte sogar 1456 die Herrschaft niederlegen, u. A. kam unter t√ľrkische Botm√§√üigkeit.

VII. Athen unter den T√ľrken, 1456‚Äď1833. Die T√ľrken lie√üen den Einwohnern von A. viel Freiheit; dieselben w√§hlten sich j√§hrlich 4 Archonten u. der Erzbischof bezog gro√üe Eink√ľnfte. 1687 zerst√∂rte die venetianische Belagerung unter Morosini u. K√∂nigsmark (wobei A. eingenommen wurde, jedoch nur bis 1688 in christlicher Gewalt blieb u. dann von den T√ľrken zur√ľckerobert wurde) viele Alterth√ľmer, u. eine Bombe, die ein im Parthenon angelegtes t√ľrkisches Pulvermagazin sprengte, vernichtete auch gro√üentheils dieses Denkmal. Viele andre Alterth√ľmer wurden durch Fremde, bes. unter Lord Elgin, weggeholt, noch mehr durch die Gewohnheit der Griechen, Tr√ľmmern zu neuen Bauten zu brauchen, zerst√∂rt. 1821 brannte ein Theil von A. ab. Im Griechischen Freiheitskrieg wurde A. 1822 von den Griechen blockirt u. die Akropolis durch Hunger eingenommen, doch belagerten es die T√ľrken 1826 u. 1827 wieder, u. die Besatzung mu√üte sich nach mehreren mi√ülungenen Entsatzversuchen am 5. Juni 1827 an Reschid Pascha ergeben.

VIII. Athen in neuster Zeit. Nach der Ankunft des K√∂nigs Otto von Griechenland ward A. Theil des neugriechischen Reichs u. am 1. April 1833 von den T√ľrken ger√§umt. Im Decbr. 1834 wurde die Residenz von Nauplia nach A. verlegt, u. seitdem wird die, durch den Krieg u. mehrere vorhergegangene Belagerungen ganz zerst√∂rte Stadt nach einem neuen Plane wieder aufgebaut (s. Athen [Geogr.] 2). Vom 14. zum 15. Septbr. 1843 Milit√§raufstand, in dessen Folge die Constitution gegeben wurde, s. Griechenland (Gesch.); 19. Aug. 1844 neuer Aufstand (s. ebd.). Im Febr. 1854 brach hier eine revolution√§re Bewegung gegen die Pforte aus, in deren Folge sich griechische Freischaarenz√ľge bildeten u. am 26. Mai A. von Franzosen[883] besetzt wurde (s. ebd.); die Besatzung zog erst 28. Februar 1857 wieder ab.


Pierer's Lexicon. 1857‚Äď1865.

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