Baden [2]

ÔĽŅ
Baden [2]

Baden, Gro√üherzogthum (Geschichte). I. √Ąlteste Geschichte. Das jetzige Baden wurde nach der V√∂lkerwanderung von Alemannen bewohnt, welche in der letzten H√§lfte des 4. Jahrh. n.Chr. die R√∂mer aus den von denselben gegr√ľndeten Colonien vertrieben u. deren Herrschaft am Oberrhein ein Ende machten. Gegen Ende des 5. Jahrh. in einen Krieg mit den Franken verwickelt, mu√üten sie sich nach der Schlacht bei Z√ľlpich i. I. 496 dem K√∂nige Chlodwig unterwerfen u. nahmen die Christliche Religion an. Verschiedene Versuche, sich der fr√§nkischen Herrschaft zu entziehen, so namentlich der von Herzog Gottfried unternommene, schlugen fehl, bis Pipin der Kleine im I. 748, um die Oberhoheit leichter behaupten zu k√∂nnen, das Herzogthum Alemannien (s.d.) aufl√∂ste. Als Nachkommen Gottfrieds werden die Landgrafen in der Baar genannt; von diesen wieder sollen die Grafen im Breisgau u. unter ihnen der Stammvater des gegenw√§rtigen Regentenhauses in B., der Herzog Berthold, abstammen. Letzterer erbaute das Schlo√ü Z√§hringen im Breisgau u. mit ihm beginnt in ununterbrochener Folge die Reihe der nach jenem Schlosse benannten Grafen u. Herz√∂ge von Z√§hringen.

II. B. unter den Z√§hringern bis aus die Theilung, 1070 bis 1190. Als erster Markgraf von B. wird Hermann I., zweiter Sohn des Grafen Berthold I. von Z√§hringen, genannt, doch ist es ungewi√ü, welchen Theil er an den Z√§hringschen Besitzungen hatte; er ging 1073 in das Kloster Clugny u. st. hier 1074 noch vor seinem Vater. Sein Sohn Hermann II. kam 1077 nach dem Tode seines Gro√üvaters Berthold in den Besitz der Grafschaft Hochberg u. einiger anderer Landstriche u. nannte sich Markgraf von B. Ein treuer Anh√§nger der Kaiser Heinrich IV. u. Heinrich V. leistete er diesen in ihren Kriegen Beistand u. st. hochbejahrt 1130; Hermann III., der Gro√üe, sein einziger Sohn, durch treue Anh√§nglichkeit an das Haus der Hohenstaufen u. durch Tapferkeit bekannt, begleitete 1140 den Kaiser Konrad III. auf seinem Zuge gegen Weinsberg, ging mit ihm 1147 nach Pal√§stina u. 1154 u. 1158 mit Kaiser Friedrich I. nach Italien. Dieser belehnte ihn mit der Markgrafschaft Verona, welche schon Berthold I. eine Zeitlang besessen hatte; Hermann III. st. 1160. Sein einziger Sohn, Hermann IV., schlo√ü 1164 mit Berthold IV. von Z√§hringen u. dem Herzog Welf von Baiern ein B√ľndni√ü gegen den Pfalzgrafen Hugo von T√ľbingen, u. es entstand ein verheerender Krieg, der aber durch Vermittelung des Kaisers Friedrich I. 1083 durch den Frieden von Kostnitz beendigt wurde, u. wobei Hermann die Markgrafschaft Verona verloren haben soll. Der Markgraf begleitete hierauf 1190 den Kaiser auf seinem Kreuzzuge, zeichnete sich hier bes. gegen den Sultan von Iconium aus, st. aber 1190 in Cilicien u. wurde in Antiochien begraben. Er hinterlie√ü drei S√∂hne; von diesen st. Friedrich auf einem Kreuzzug 1216 im Gelobten Lande; die beiden andern, Hermann u. Heinrich, theilten die v√§terlichen Lande u. wurden die Gr√ľnder der beiden Linien Baden u. Hochberg.

III. Baden nach der ersten Theilung 1190 bis 1527. A) Grafschaft u. Markgrafschaft Baden-Baden. Hermann V., der Streitbare od. der Fromme f√ľhrte auch den Titel als Markgraf von Verona fort, er war umsichtig u. tapfer u. unterst√ľtzte den Kaiser Friedrich II. gegen dessen Sohn Heinrich. 1227 starb Hermanns V. Schwiegervater, Herzog Heinrich von [143] Sachsen u. Pfalzgraf am Rhein, wodurch wegen dessen Tochter Irmgard, seiner Gemahlin, dem Markgrafen Hermann V. ein Theil von Braunschweig zufiel. Diesen vertauschte er an den Kaiser Friedrich II. gegen Durlach, das er als Allodium, u. gegen Ettlingen, das er als Reichslehn erhielt; au√üerdem erhielt er Deidesheim u. Pforzheim u. brachte noch die St√§dte Laufen, Sinsheim u. Eppingen pfandweise an sich. Nach seinem Tode 1243 folgte ihm sein Sohn Hermann VI.; diesem fielen 1248 als dem Gemahl der Gertrude, Enkelin Leopolds VI. von √Ėsterreich u. Steiermark, welche er in demselben Jahre geheirathet hatte, nach dem Erl√∂schen des √∂sterreichischen Mannsstammes die Markgrafschaften √Ėsterreich u. Steiermark zu. Hermann VI. st. schon 1250; sein einziger Sohn Friedrich I., welcher ihm unter der Vormundschaft seiner Mutter Gertrude folgte, ward von Ottokar von B√∂hmen aus der Erbschaft in √Ėsterreich verdr√§ngt u. ging mit Konradin von Schwaben nach Neapel, wo er 1268 mit enthauptet wurde; mit ihm erlosch die √§ltere Linie von B. Rudolf I., sein Oheim, zweiter Sohn Hermanns V., setzte die Linie B. fort. Er hielt sich nach einander zu den Gegenk√∂nigen Heinrich Raspe u. Richard von Cornwall, erkl√§rte sich aber gegen Rudolf von Habsburg, weil dieser nicht dulden wollte, da√ü sich der Markgraf nach Aussterben des Hauses Hohenstaufen einiger Besitzungen desselben in Schwaben bem√§chtigte. Es kam zwischen dem Kaiser u. dem Markgrafen zum Kriege, der 1274 durch einen Frieden, aber nur auf kurze Zeit, unterbrochen wurde. 1275 eroberte der Kaiser Durlach, M√ľhlberg u. das Schlo√ü Grezingen, verheerte B. u. zwang den Markgrafen sich zu unterwerfen. Nachdem Rudolf mit dem Kaiser unter billigen Bedingungen im Winter 1275 auf 1276 Frieden geschlossen hatte, ward er im folgenden Jahre schon wieder in einen Krieg mit dem Erzbischof von Stra√üburg erwickelt, der bis 1281 w√§hrte. Der obwohl gl√ľcklich gef√ľhrte Krieg brachte seinem Lande keinen Zuwachs u. ersch√∂pfte dessen Kr√§fte u. H√ľlfsquellen. Dagegen vermehrte der Markgraf durch seine Verheirathung mit Adelgunde von Eberstein seine Besitzungen 1283 um einen Theil der Herrschaft Eberstein. Er st. 1288. Seine 4 S√∂hne, Hermann VII., Rudolf II, Hesso u. Rudolf III., von denen jeder einige Schl√∂sser f√ľr sich erhielt, regierten gemeinschaftlich. Der √§lteste, Markgraf Hermann VII., vererbte die in mehreren Fehden vergr√∂√üerten badischen Lande, da zwei seiner Br√ľder kinderlos u. die S√∂hne des dritten ohne m√§nnliche Nachkommen starben, 1291 auf seine drei S√∂hne, Friedrich II., Rudolf IV. u. Hermann VIII. Der 3. st. schon 1300, worauf die beiden andern seinen Landesantheil theilten. Friedrich II. residirte zu Eberstein. Beide Br√ľder k√§mpften in dem Kriege der Gegenkaiser erst f√ľr Friedrich von √Ėsterreich, traten jedoch sp√§ter auf die Seite Ludwigs des Baiern, zu dessen Partei auch ihr Oheim Rudolf III. z√§hlte. Jeder erweiterte sein Land. Friedrich II. st. 1333, sein Sohn Hermann IX. mu√üte, mit dem Grafen von W√ľrttemberg in Krieg verwickelt, Weinsberg verpf√§nden u. st. 1353, ohne S√∂hne zu hinterlassen. Sein Gebiet fiel nun an Rudolfs IV. S√∂hne, Friedrich III. u. Rudolf V., zur√ľck, welche 1348, nach ihres Vaters Tode, die Regierung angetreten hatten. Friedrich residirte zu Baden, Rudolf zu Pforzheim. Der erstere st. 1353 u. hinterlie√ü einen Sohn, Rudolf VI.; der andere st. 1361 kinderlos. Auf diese Weise fiel 1361 alles badische Land, bis auf Hochberg, an Einen F√ľrsten zur√ľck. Rudolf VI. der Lange, in der kaiserlichen Belehnung zum ersten Male F√ľrst genannt, war ein G√ľnstling des Kaisers Karl IV. u. vergr√∂√üerte sein Land durch Ankauf, Eine Fehde, die er mit W√ľrttemberg f√ľhrte, wurde 1370 vom Kaiser beigelegt. Die Herz√∂ge von √Ėsterreich ernannten ihn zum Landvoigt von Breisgau. Nach seinem Tode 1372 folgten ihm unter der Obervormundschaft des Pfalzgrafen Ruprecht seine minderj√§hrigen S√∂hne, Bernhard I. u. Rudolf VII., die nach erlangter Vollj√§hrigkeit 1380 das Land unter sich theilten. Bernhard nahm Durlach, Pforzheim u. die n√∂rdlichen, Rudolf die Stadt Baden u. die s√ľdlichen Lande. In einem zu Heidelberg abgeschlossenen Hausvertrag f√ľhrten sie das Erstgeburtsrecht ein u. bestimmten, da√ü B. stets nur in 2 Theile getheilt werden d√ľrfe. Rudolf VII., welcher dem Grafen Eberhard von W√ľrttemberg in dem St√§dtekriege beistand, starb kinderlos schon 1391, worauf sein Gebiet an Bernhard zur√ľckfiel. Bernhard regierte 59 Jahre u. erwarb sich die Liebe seiner Unterthanen u. allgemeine Achtung in ganz Deutschland. Sehr oft wurde er als Schiedsrichter zwischen Reichsst√§nden aufgerufen, wobei er stets gro√üe Friedensliebe an den Tag legte. Nie fehlte es ihm an Geld, u. oft streckte er dem Kaiser od. auch den andern Reichsst√§nden betr√§chtliche Summen vor. Au√üer mehreren kleineren Fehden, welche er zu bestehen hatte, mu√üte er 1401‚Äď1403 einen Krieg mit dem Kaiser Ruprecht f√ľhren, weil dieser ihm die Rheinz√∂lle, welche der Kaiser Wenzel an B. verliehen hatte, wieder nehmen wollte. Durch diesen Krieg litt B. sehr viel; viele Schl√∂sser wurden zerst√∂rt u. das flache Land verw√ľstet. Durch Vermittelung des Erzbischofs von K√∂ln u. einiger anderer F√ľrsten kam 1403 ein Vertrag zu Stande, in welchem B. die Rheinz√∂lle auch ferner zugestanden u. die Erbfolge im Lande auf die weibliche Linie ausgedehnt wurde. Da dieser Friede dem Markgrafen nicht genug Sicherheit zu bieten schien, so schlo√ü er 1405 mit Stra√üburg, mehreren schw√§bischen St√§dten, dem Erzbischof von Mainz u. dem Grafen von W√ľrttemberg ein Schutzb√ľndni√ü zu Marbach auf 5 Jahre, angeblich blos zur Erhaltung der Ruhe u. unter dem ausdr√ľcklichen Vorbehalt des Gehorsams gegen den Kaiser. Dennoch bem√ľhte sich dieser, das B√ľndni√ü aufzul√∂sen, was ihm inde√ü nicht gelang. Mit H√ľlfe seiner Bundesgenossen bekriegte Bernhard 1408 den Herzog Friedrich von √Ėsterreich, eroberte dessen Schl√∂sser in der Markgrafschaft Burgau u. n√∂thigte ihn, sie bei dem Frieden von 1410 wieder auszul√∂sen. 1412 stand er dem Herzog von Lothringen gegen die Herz√∂ge von Berg u. J√ľlich u. die Grafen von Nassau bei; 1415 ging er zur Kirchenversammlung nach Kostnitz, unterst√ľtzte den Kaiser Siegmund mit Geld, wurde Landvogt von Breisgau u. kaufte die Grafschaft Hochberg. Die Landvogtei Breisgau mu√üte er sp√§ter an den fr√ľheren Besitzer, Herzog Friedrich von √Ėsterreich-Tyrol, zur√ľckgeben. Da die Stadt Freiburg eine Anzahl seiner Unterthanen als B√ľrger aufgenommen hatte, so legte Bernhard mehrere Z√∂lle an, die ihr vielen [144] Schaden brachten, so wie auch der Rheinzoll dieser u. andern St√§dten h√∂chst l√§stig fiel. Nach mehreren Versuchen, diese Streitigkeiten friedlich beizulegen, √ľberzogen endlich der Kurf√ľrst von der Pfalz, der Herzog von W√ľrttemberg u. der Bischof von Speier Bernhard mit Krieg, verheerten sein Land u. belagerten ihn endlich in M√ľhlberg. In Folge des durch die Vermittelung des Kaisers Siegmund zu Stande gekommenen Friedens wurden die streitigen Zollst√§tten aufgehoben u. den St√§dten die Aufnahme badischer Unterthanen als B√ľrger verboten. Eine sp√§tere Fehde mit der Pfalz wurde 1.129 durch den Kurf√ľrsten von Mainz beigelegt. Bernhard st. 1431. Er hatte durch Verbesserung der Rechtspflege u. Lehnsverh√§ltnisse, so wie durch Entgegenarbeiten der Zerst√ľckelung der Gerichtsbarkeit, viel Gutes gestiftet. Sein Nachfolger war Jakob, sein Sohn, ein gleich guter u. gelehrter Regent. Seit 1425 schon hatte ihm sein Vater die Regierung der Herrschaft Hochberg √ľbertragen. Mit Katharina von Lothringen verm√§hlt, stand er 1429 seinem Schwiegervater, dem Herzog von Lothringen, gegen die Stadt Metz bei; schlo√ü 1430 ein B√ľndni√ü mit Freiburg u. vereinigte die Grafschaft Sponheim, nachdem das dortige Regentenhaus erloschen war, mit B. Obgleich er sich √ľber den Besitz derselben mit Kurpfalz u. dem Grafen von Veldenz verglichen hatte, gerieth er dennoch mit Kurpfalz in Streitigkeiten, die betreffenden Streitfragen dauerten bis in die Mitte des 18. Jahrh. fort u. lebten in neuerer Zeit sogar wieder auf. Die Herrschaften Lahr u. Mahlberg brachte Jakob 1442 pfandweise an sich u. 1446 wurde er mit den Reichsbesitzungen in denselben von dem Kaiser belehnt. Zu derselben Zeit trat er einem B√ľndni√ü mehrerer Reichsf√ľrsten gegen die Schweiz bei, vermittelte aber kurz darauf den Frieden; 1448 unterst√ľtzte er den Markgrafen Albrecht von Brandenburg gegen N√ľrnberg u. 1449 den Grafen Ulrich von W√ľrttemberg gegen E√ülingen. Jakob st. 1453, u. ihm folgten seine drei √§ltesten S√∂hne Karl, Bernhard II. u. Georg, die das Land unter sich theilten. Karl erhielt die Stadt Baden, Hochberg u. H√∂hingen, Bernhard Pforzheim u. Georg Durlach. Nachdem Georg 1454 sich dem geistlichen Stande gewidmet u. Bernhard 1458 in Italien gestorben war, erhielt Karl I. die Alleinherrschaft in B., da auch die beiden j√ľngern S√∂hne Jakobs, Johann u. Marcus, schon fr√ľher in den geistlichen Stand getreten waren. Mit einer Schwester des Kaisers Friedrich III. verm√§hlt, hatte Karl schon als Prinz an mehreren Kriegen tapfer Theil genommen; zum Alleinbesitz des Landes gekommen, wurde er f√ľr den schwachen Kaiser noch √∂fters in Kriege verwickelt, bes. mit Kurf√ľrst Friedrich dem Siegreichen von der Pfalz wegen der Wiederbesetzung des Erzbisthums von Mainz (s.d., Gesch.), wo Karl mit dem Kaiser Anfangs f√ľr Diether von Isenburg, sp√§ter aber, als sich der Papst gegen diesen erkl√§rte, f√ľr Adolf von Nassau war. Gerade umgekehrt handelte der Kurf√ľrst von der Pfalz. Karl fiel 1462 in der Pfalz ein, aber der Kurf√ľrst schlug den 30. Juni 1462 bei Seckenheim die vereinigten Badener u. W√ľrttemberger vollst√§ndig u. nahm alle Anf√ľhrer, den Markgrafen von B., den Grafen von W√ľrttemberg u. mehrere andere Grafen u. Herren gefangen. Nur nach langen Unterhandlungen, gegen 20000 Fl. L√∂segeld u. gegen Verpf√§ndung der Grafschaft Sponheim, Kreuznachs, zweier St√§dte u. mehrerer D√∂rfer, erhielt Karl seine Freiheit wieder. Dazu trat er das Einl√∂sungsrecht auf Heidelsheim u. Eppingen ab mu√üte dem B√ľndni√ü mit W√ľrttemberg entsagen u. die Stadt Pforzheim von der Pfalz zur Lehn nehmen. Unter ihm wurde zu Pforzheim die erste Druckerei in B. angelegt. Ein entschiedener Gegner der Fehmgerichte, schlo√ü er zu ihrer Aufhebung ein B√ľndni√ü mit √Ėsterreich, Kurpfalz u. anderen F√ľrsten, erreichte jedoch sein Ziel nicht. Besonderes Verdienst erwarb er sich um die Aufrechthaltung des Landfriedens u. die Sicherheit der Stra√üen. Karl st. 1475. Sein Sohn Christoph I. regierte Anfangs im Verein mit seinem Bruder Albrecht, der sich aber 1476 mit der Grafschaft Hochberg begn√ľgte. Albrecht blieb 1488 bei der Belagerung von Damm, ohne Kinder zu hinterlassen, u. Hochberg fiel daher zur√ľck. In dem Krieg des deutschen Kaisers gegen Burgund 1475 that sich Christoph hervor, eroberte in dem Kriege gegen Frankreich 1479 Luxemburg u. trug dann bei der Emp√∂rung der Niederl√§nder gegen Maximilian I. 1488 viel zu dessen Befreiung aus Br√ľgge bei, we√ühalb er von diesem zum Statthalter von Luxemburg u. Chiney ernannt u. mit mehreren niederl√§ndischen Herrschaften, welche der Dynast Gerhard von Rodemachern verwirkt hatte, belohnt wurde. Diese Besitzungen blieben dem Hause B. bis zum Ende des 18. Jahrh. In dem Streit mit dem Landgrafen von Hessen wegen der Grafschaft Katzenellnbogen zeigte sich Christoph uneigenn√ľtzig, auch nahm er an dem Kriege des Kaisers Maximilian 1505 gegen die Pfalz keinen Theil, obgleich er durch ihn zu Allem wieder h√§tte gelangen k√∂nnen, was sein Vater an Kurpfalz verloren hatte. Dagegen vereinigte er Hochberg-Sausenberg mit B., als der letzte Markgraf dieser Seitenlinie 1503 st. Er traf f√ľr das Innere mehrere polizeiliche Anstalten, hielt den Landfrieden aufrecht, gab St√§dten u. D√∂rfern Gemeindeordnungen, lie√ü die Gesetze sammeln u. ordnen, hob die Fehmgerichte auf, vermehrte die Schulen u. setzte eine Erbordnung fest. Im Jahre 1511 machte er ein Testament, in welchem er die Theilung des Landes unter seine drei S√∂hne verordnete, u. 1515 errichtete er eine gesetzliche Bestimmung (Pragmatische Sanction von Baden), in welcher er den Landesantheil jedes seiner S√∂hne bestimmte, die Aussteuer der Prinzessinnen ordnete, den Verkauf von Landes. heilen verbot u. die Verpf√§ndung derselben erschwerte. Kurz darauf verfiel er in eine Geisteskrankheit, in deren Folge seine S√∂hne die Regentschaft f√ľhrten, u. st. 1527.

B) Baden Hochberg. Nach Hermanns IV. Tode 1190 (s. oben A.) kam die Grafschaft Hochberg an Hermanns zweiten Sohn Heinrich I. Dieser regierte bis 1231, u. ihm folgte dann sein tapferer u. frommer Enkel Heinrich II. Dieser war ein treuer Anh√§nger des Kaisers Rudolf I., der ihm haupts√§chlich den Sieg √ľber K√∂nig Ottokar verdankte. Heinrich II. schenkte das Dorf Heitersheim dem Johanniterorden u. trat 1290 selbst in denselben, nachdem er die Regierung seinen S√∂hnen Heinrich III. u. Rudolf √ľbergeben hatte. Diese regierten bis 1300 gemeinschaftlich, dann theilten sie das Land so, da√ü Heinrich III. Hochberg u. Rudolf Sausenberg nahm. a) Baden Hochberg-Hochberg. Heinrich III. starb 1330. Sein Sohn[145] war Heinrich IV., der einen Theil des Stifts Andlau kaufte u. 1352 mit der Niedern Herrschaft Usenberg belehnt wurde. √úber diese kam er mit dem Herzog Rudolf von √Ėsterreich in H√§ndel, dem 1365 ein Schiedsgericht die Herrschaft zusprach. Da Heinrich IV. dennoch nicht nachgab, wurde die Reichsacht √ľber ihn verh√§ngt, in welcher er 1369 starb. Sein Sohn Otto I. vermehrte das Land durch Ank√§ufe; er fand 1386 in der Schlacht von Sempach den Tod u. hinterlie√ü das Land seinen S√∂hnen Johann u. Hesso, die es nochmals theilten. Hesso erbte 1400 die Usenbergischen Allodialg√ľter, erhielt vom Kaiser den Rheinzoll zu Wei√üweil u. vereinigte, da sein Bruder 1408 ohne Kinder starb, dessen Landesantheil mit dem seinigen. Dennoch hinterlie√ü er bei seinem Tode 1410 seinem Sohne Otto II. eine so gro√üe Schuldenlast, da√ü dieser sich gen√∂thigt sah, 1415 sein Land f√ľr 80,000 Fl. an den Markgrafen von B. zu verkaufen. Mit Otto II. erlosch 1418 die Linie B.-Hochberg-Hochberg. b) Baden Hochberg-Sausenberg. Rudolf I., Stifter dieser Linie 1300, erbte 1301 einen Theil der Herrschaft R√∂teln u. st. 1314. Er hinterlie√ü 3 S√∂hne, Heinrich, Rudolf II. u. Otto, die gemeinschaftlich regierten. Heinrich st. schon 1326 kinderlos, auch Otto (st. 1384) hinterlie√ü keine Erben u. Rudolf II. pflanzte die Linie fort. 1315 fiel auch der √ľbrige Theil von R√∂teln an Sausenberg. Rudolf II. st. 1352. Sein Sohn Rudolf III. regierte Anfangs unter der Vormundschaft seines Oheims Otto, von 1364 an mit ihm gemeinschaftlich u. von 1384 an allein. Er st. 1428. Sein Sohn war Wilhelm, der als Landvogt von Elsa√ü mit in den Krieg zwischen √Ėsterreich u. der Schweiz verwickelt u. dadurch in so gro√üe Schulden gest√ľrzt wurde, da√ü er einen Theil seines Gebiets verpf√§nden mu√üte. Dies bewog ihn wahrscheinlich, die Regierung des gr√∂√üten Theils seiner L√§nder an seine S√∂hne abzutreten u. sich an den kaiserlichen Hof zu begeben, wo er 1473 st. Rudolf IV. u. Hugo, Wilhelms S√∂hne, regierten von 1441 an selbst√§ndig u. zwar gemeinschaftlich, doch st. Hugo bald darauf. Rudolf IV. vergr√∂√üerte sein Gebiet durch die Grafschaft Neuenburg (Neufchatel) in der Schweiz, die er 1457 von dem Grafen Johann von Freiburg erbte, sowie auch durch Ank√§ufe u. Wiedereinl√∂sung verpf√§ndeter Districte. Sein Sohn Philipp, welcher ihm 1.187 folgte, hatte fr√ľher im Heere Karls des K√ľhnen von Burgund gefochten, sich aber dann auf die Seite der Franzosen gewendet; er schlo√ü 1490 den R√∂telnschen Erbvergleich mit Baden-Baden, weil er keine S√∂hne hatte, u. st. 1503, worauf Sausenberg an B. zur√ľckfiel. Seine Tochter Johanna verm√§hlte sich 1504 mit dem Herzog Ludwig von Longueville, dem sie die Grafschaft Neuenburg u. die Herrschaften St. Georg u. St. Croix als Heirathsgut zubrachte.

IV. Baden nach der zweiten Theilung in Baden-Baden u. Baden-Durlach bis zur Wiedervereinigung, 1529‚Äď1771. Die Wiedervereinigung s√§mmtlicher badischer Lande nach dem Tode des Markgrafen Philipp 1503, dauerte nur bis zum Tode Christophs I. 1527. Seine S√∂hne theilten sich in das v√§terliche Erbe in der Art, da√ü Bernhard III. einen Theil von Sponheim u. die Luxemburgischen Herrschaften, Philipp den gr√∂√üten Theil von B. u. Ernst die Lande Hochberg u. Sausenberg mit Pforzheim u. Durlach erhielt. Als Philipp 1533 ohne Erben st., wurde das Land von Neuem getheilt. Diese Theilung verursachte einen Streit zwischen beiden Br√ľdern, der durch den Kurf√ľrsten von der Pfalz geschlichtet wurde, Bernhard erhielt die Obere Grafschaft im STheile, Baden-Baden mit der Hauptstadt Baden; Ernst bekam die Uniere Grafschaft im NTheile des Landes, Baden-Durlach, mit der Hauptstadt Durlach. Von dem Letzteren stammt das jetzt regierende Gro√üherzogliche Haus ab. A) Baden-Baden. Bernhard III., der zweite Sohn Christophs, unterst√ľtzte den Protestantismus u. bekannte sich √∂ffentlich zur Evangelischen Lehre. Er starb 1536, einen einzigen. Sohn, den einj√§hrigen Philibert, hinterlassend; nach seinem Tode wurde noch Prinz Christoph geboren. Philibert stand bis zum 19. Jahre unter der Vormundschaft des Herzogs Wilhelm von, Baiern u. des Pfalzgrafen von Simmern; 1555 m√ľndig geworden, trat er an seinen Bruder die Luxemburgischen Herrschaften Rodemachern, H√∂rspringen, Uffeldingen u.a. ab. a) Baden-Baden. Der kriegerische Philibert f√ľhrte 1566 die Reichsv√∂lker nach Ungarn gegen die T√ľrken. Als Protestant wollte er in Frankreich f√ľr die Hugenotten k√§mpfen, aber Kaiser Maximilian II. u. K√∂nig Karl IX. von Frankreich wu√üten ihn umzustimmen, so da√ü er, dem es mehr um den Krieg, als um die Sache zu thun war, sich gegen seine Glaubensgenossen wandte. Bei der Schlacht von Moncontour, die am 3. Octbr. 1569 durch ihn gewonnen wurde, erhielt er eine Verwundung, die den Tod zur Folge hatte. Sein 10j√§hriger Sohn Philipp II. stand unter der Vormundschaft des Herzogs Albrecht V. von Baiern, seiner Gro√ümutter Jakoba von Baiern u. des Grafen von Hohenzollern-Sigmaringen. Gegen diese Vormundschaft erkl√§rte sich der Markgraf Karl II. von Baden-Durlach, u. um den Streit zu endigen, erkl√§rte der Kaiser schon 1571 den noch nicht 13j√§hrigen Philipp f√ľr m√ľndig. Markgraf Philipp II., von seinen Vorm√ľndern in der Katholischen Religion erzogen, f√ľhrte diese in seinem Lande wieder ein u. entlie√ü alle Beamten, welche sich diesem Wechsel widersetzten. Durch Abschaffung vieler Mi√übr√§uche im Jagd u. Forstwesen, Annahme des verbesserten Kalenders u. Pflege der Wissenschaften machte er sich um sein Land verdient. Sein gro√üer Aufwand, besonders auf Reisen, st√ľrzten ihn aber tief in Schulden. Da er 1588 unverm√§hlt starb, fiel das Land an die Linie Rodemachern. b) Baden-Rodemachern Christoph II., Bernhards III. zweiter Sohn, Philiberts Bruder, trat, als er 1556 m√ľndig geworden war, die Regierung an seinen Bruder Philibert gegen ein Jahrgeld von 4000 Gulden ab u. begab sich auf Reisen. Von 1557 war er in den Niederlanden u. wohnte den Feldz√ľgen der spanischen Armee bei, bis er 1561 nach Schweden ging, wo er sich 1564 mit einer Schwester des K√∂nigs Erich XIV. von Schweden verm√§hlte. Hierauf kehrte er nach Rodemachern zur√ľck, baute ein Schlo√ü u. machte gro√üen Aufwand; 1565 reiste er nach London, wo ihn die K√∂nigin Elisabeth ehrenvoll aufnahm, h√§ufte dort Schulden auf Schulden u. konnte 1566 das Land nicht eher verlassen, als bis die K√∂nigin f√ľr ihn B√ľrgschaft geleistet hatte. 1566 erbte er die Herrschaften Useldingen, Pittingen u.[146] Rou√üzy, aber da er seinen Aufwand nicht einschr√§nkte u. durch die Religionsunruhen auch sein Land litt, so kam er immer tiefer in Schulden u. ging endlich nach Schweden, wo ihm sein Schwager, K√∂nig Johann III., die Insel √Ėsel zu Lehn gab. Erst nach mehreren Jahren kehrte er nach Deutschland zur√ľck u. st. 1575. Sein Sohn Eduard Fortunat folgte ihm unm√ľndig, u. als ihm 1588 Baden-Baden zufiel, √ľbernahm er dieses (von ihm wird weiter unten die Rede sein), u. trat B-Rodemachern seinen Br√ľdern, besonders Philipp III., ab. Dieser wollte 1600 nach Eduards Tode dessen Lande, die in den H√§nden B-Durlachs waren, erobern, ward aber gefangen u. st. 1615 zu Hochberg in Haft. Ihm folgte Eduard Fortunats zweiter Sohn Hermann Fortunat; dieser hinterlie√ü mehrere S√∂hne, welche aber s√§mmtlich kinderlos starben. Mit einem derselben, Karl Wilhelm Eugen, erlosch 1666 die Linie Baden-Rodemachern u. die Luxemburgischen Herrschaften fielen nun an Baden-Baden zur√ľck. ‚Äď Baden-Baden ward unterdessen von Eduard Fortunat (s. oben) regiert. Dieser war, 10 Jahre alt, unter der Vormundschaft des Herzogs Albert IV. von Baiern zur Regierung √ľber Rodemachern gekommen, u. von ihm in der Katholischen Religion erzogen worden, weshalb er dann dieselbe in Baden-Baden bestehen lie√ü; er hatte 1587 den zum K√∂nige von Polen erw√§hlten Prinzen Siegmund von Schweden nach Polen begleitet, dort den Anfall von Baden-Baden durch seines Oheims Tod erfahren u. sogleich Rodemachern an seine Br√ľder abgetreten. Er ging nun auf Reisen, verm√§hlte sich in den Niederlanden mit Maria von Eicken, der Tochter des Hofmarschalls des Prinzen von Oranien, u. kehrte erst nach langer Abwesenheit in sein Land zur√ľck. Dann bewirkte er, trotz der Unebenb√ľrtigkeit seiner Gemahlin, die Anerkennung der Erbf√§higkeit seiner S√∂hne u. erkl√§rte laut Testament von 1594 den √§ltesten Prinzen Wilhelm zu seinem Nachfolger. Seine Verschwendung nahm immer zu, u. als aller Credit ersch√∂pft war, lie√ü er sogar falsche M√ľnzen pr√§gen. Seine Gl√§ubiger brachten es endlich bei dem Kaiser Rudolf II. dahin, da√ü dieser durch die Herz√∂ge von Baiern u. Lothringen das Land besetzen u. sequestriren lie√ü. Der Markgraf Ernst Friedrich von Baden-Durlach bem√§chtigte sich jetzt der Oberen Markgrafschaft, damit diese seinem Stamme nicht entrissen werde. Eduard Fortunat aber trat in die Dienste des Erzherzogs Albrecht von √Ėsterreich, focht erst gegen die Niederl√§nder, dann 1598 gegen die Polen u. st. endlich 1600 im Schlosse Kastelmar auf dem Hundsr√ľck in Folge eines ungl√ľcklichen Falles. Sein Sohn Wilhelm, damals 7 Jahr alt, der an dem Hofe des Erzherzogs Albrecht erzogen wurde, h√§tte nun in der Regierung folgen sollen, aber der Markgraf von Baden-Durlach bestritt sein Recht, wegen Unebenb√ľrtigkeit, u. behielt die Obere Markgrafschaft besetzt. Wilhelms Oheim, Philipp, versuchte sich des Landes zu bem√§chtigen, wurde aber gefangen u. st. nach 15j√§hriger Hast auf Hochberg. Wilhelm lebte nun in Br√ľssel ohne Aussicht, das Erbe seines Vaters wieder zu erhalten, bis der Markgraf von B-Durlach, der sich gegen den Kaiser erkl√§rt hatte, 1622 bei Wimpfen g√§nzlich geschlagen worden war. Er mu√üte nun Wilhelm nicht nur Baden-Baden zur√ľckgeben, sondern sollte ihm auch alle bisher daraus gezogenen Renten ersetzen. Da dieses unm√∂glich war, so verglichen sich die F√ľrsten dahin, da√ü Durlach einige √Ąmter pfandweise an Baden-Baden abtrat. Eine Hauptbedingung, unter welcher Markgraf Wilhelm seine Erbstaaten vom Kaiser wieder erhalten hatte, war die, da√ü er die Katholische Religion wieder in demselben einf√ľhren sollte, da nach der Besitznahme des Landes durch Durlach die Evangelische Confession dort wieder herrschend geworden war. Er erf√ľllte sein Versprechen gewissenhaft, vertrieb die protestantischen Geistlichen u. errichtete zu Baden u. Ettlingen Jesuitencollegien. Im 30j√§hrigen Kriege diente er als General in dem kaiserlichen Heere, wurde von den Schweden unter Horn 1632 bei Schlettst√§dt geschlagen u. verlor sein Land, welches mit Baden-Durlach vereinigt wurde. Der Markgraf ging nun nach Innsbruck, wo er bis nach der N√∂rdlinger Schlacht (1634) blieb. Durch diese kam er wieder in Besitz der Obern Markgrafschaft u. erhielt nun auch noch die Durlachschen Lande, in deren Besitz er bis zum Westf√§lischen Frieden blieb. 1641 schlo√ü er einen Vertrag mit Frankreich, der ihm zwar den Besitz des Landes, dieses aber nicht vor Verheerungen sicherte. Durch Ordnung, Gesetzlichkeit u. strenge Sparsamkeit suchte Wilhelm nach dem Westf√§lischen Frieden, in Folge dessen Durlach wieder mit seinen L√§ndern vereinigt ward, dem bedr√§ngten Volke wiederaufzuhelfen. 1661 sendete er dem Kaiser H√ľlfsv√∂lkergegen die T√ľrken zu, welche sein 2. Sohn Leopold Wilhelm anf√ľhrte. Er st. 1677, am Schlusse des 2. Kriegs Ludwigs XIV. gegen den Kaiser (1673‚Äď78), in welchem Baden besonders viel zu leiden hatte. Da Wilhelms letzter Sohn, Ferdinand Maximilian, 1669 gestorben war, so folgte dessen Sohn Ludwig Wilhelm seinem Gro√üvater, ein v√§terlicher Regent. Durch den Nymweger Frieden 1678 verlor Baden-Baden Gr√§fenstein, Sponheim, die Luxemburgischen Herrschaften u. mehrere St√§dte, welche von den Reunionskammern f√ľr Frankreich in Beschlag genommen worden waren. Als kaiserlicher Feldmarschalllieutenant focht Ludwig vor u. in Wien 1683 u. in Ungarn, erhielt 1689 den Oberbefehl in Ungarn gegen die T√ľrken u. leistete mit geringen Kr√§ften sehr viel. Nach den Siegen bei Nissa u. Szalankemen wurde er zum Feldzeugmeister ernannt. 1693 erhielt er das Commando der Reichsarmee am Oberrhein, wo er aber gegen die Franzosen wenig auszurichten vermochte u. sich hinter verschanzten Linien in der Defensive hielt. Sein Land ward w√§hrenddem von den Franzosen verw√ľstet, das Schlo√ü in Baden 1688 verbrannt, u. Jahre geh√∂rten dazu, die Spuren dieses Raubzuges zu verwischen. Im Ryswicker Frieden 1697 erhielt zwar Baden-Baden die ihm durch den Frieden von Nymwegen entrissenen Lande wieder, aber von einer andern Entsch√§digung war nicht die Rede; doch wurden 1699 Kehl, die Herrschaft Lahr u. die Markgrafschaft Burgau dem Markgrafen zugesprochen u. ihm auch die Landvogtei Ortenau auf Lebenszeit √ľberlassen. Ludwig Wilhelm, dem um diese Zeit eine Bewerbung um die polnische K√∂nigskrone fehlschlug, verlegte nun seine Residenz nach Rastadt, wo er ein Schlo√ü erbaute. Der Spanische Erbfolgekrieg rief den Markgrafen wieder unter die Waffen. Er that an der Spitze der Reichsv√∂lker sein M√∂glichstes, war aber stets durch[147] den langsamen Gesch√§ftsgang der deutschen St√§nde u. das sp√§te Eintreffen ihrer Contingente gehemmt; dabei vertrug er sich nicht ganz mit Eugen u. Marlborough u. f√ľhlte sich durch den Undank des Kaisers oft gekr√§nkt. Der Krieg f√ľhrte f√ľr sein Land selbst nur Noth u. Leiden mit sich. Er st. 1707 u. hinterlie√ü von Auguste von Sachsen-Lauenburg drei S√∂hne, Wilhelm Georg (st. schon das folgende Jahr), August Georg u. Ludwig Georg, welcher Letztere unter der Vormundschaft seiner Mutter u. des Herzogs von Lothringen seinem Vater in der Regierung folgte. Bis zum Rastadter Frieden 1714 hatte das Land noch viel zu leiden, es wurde √∂fters von den Franzosen √ľberschwemmt u. hart mitgenommen. Nach dem Frieden, durch welchen Baden seine Niederl√§ndischen Besitzungen, aber als franz√∂sische Lehen, wieder erhielt, beflei√üigte sich die Markgr√§fin vorz√ľglich der Ordnung, Sparsamkeit u. Bezahlung der Schulden u. lie√ü die Schl√∂sser Rastadt u. Favorite erbauen. Erst 1727 trat Ludwig Georg die Regierung selbst an. Obgleich er gut erzogen, hochgebildet u. vom besten Geiste beseelt war, vermochte er doch seine gro√üe Jagdleidenschaft, die dem Landmann eine dr√ľckende Last auferlegte, nicht zu m√§√üigen; doch hielt er strenge Ordnung in den Finanzen u. l√∂ste die Herrschaft Heerspringen wieder ein. W√§hrend des Polnischen Thronfolgekrieges 1783 wurde B. wieder von den Franzosen besetzt, u. der Markgraf fl√ľchtete auf seine B√∂hmischen G√ľter, wo er bis zum Frieden blieb. Er stiftete nach seiner R√ľckkehr mehrere Piaristenkl√∂ster u. st. 1761. Da seine zwei S√∂hne gestorben waren, so folgte ihm sein j√ľngerer Bruder August Georg, damals schon 55 Jahr alt, der fr√ľher f√ľr den geistlichen Stand bestimmt, sp√§ter in niederl√§ndische, darnach in √∂sterreichische Dienste getreten u. 1758 kaiserlicher Generalfeldmarschall geworden war. Er sorgte f√ľr Verbesserung der Schulen, gr√ľndete eine Feuerversicherungsanstalt u. eine Beamtenwittwenkasse; 1765 schlo√ü er mit Baden-Durlach eine Erbvereinigung, die gegenseitig freie Religions√ľbung versprach. Er st. 1771, zwar verm√§hlt, aber kinderlos, u. so fiel Baden-Baden an Baden-Durlach.

B) Baden-Durlach 1527‚Äď1771. Der Markgraf Ernst, der siebente Sohn Christophs I., erhielt in der ersten Theilung 1515 die Markgrafschaften Hochberg u. Sausenberg mit mehreren St√§dten, u. 1533 nach seines Bruders Philipp Tode die Untere Markgrafschaft, die nach der Residenz des F√ľrsten erst Baden-Pforzheim genannt wurde. Sein Antheil war betr√§chtlicher, als der seines Bruders Bernhard, des Markgrafen von Baden-Baden, u. um dieses auszugleichen, mu√üte Durlach an B. j√§hrlich ein Quantum von Wein u. Getreide abgeben. Ernst erhielt durch gute Polizeianstalten Ruhe, that viel f√ľr Schulen, u. wenn auch der Bauernaufstand in seinem Lande, wie im √ľbrigen SDeutschland, ausbrach, so stillte er ihn doch durch Milde fr√ľher als dies anderswo der Fall war. Er neigte sich auf die Seite der Protestanten, w√ľnschte aber eine offene Trennung von der Katholischen Kirche zu vermeiden. Auf den Reichstagen zu Worms u. Augsburg that er deshalb sein M√∂gliches, die Parteien zu vers√∂hnen. Als aber seine Hoffnungen wegen einer Kirchenversammlung nicht in Erf√ľllung gingen, bef√∂rderte er im Stillen die Ausbreitung der Evangelischen Lehre. So lie√ü er in Pforzheim eine deutsche Bibel nach Luthers √úbersetzung drucken u. ausbreiten u. verwarf den C√∂libat, nahm aber an dem Schmalkaldischen Bunde keinen Antheil. Er st. 1553. Seine beiden √§ltesten S√∂hne von Ursula v. Rosenfeld, Albrecht u. Bernhard, waren vor ihm gestorben. Der dritte, Karl, erbte daher allein das Land, bekannte sich offen zum Protestantismus, f√ľhrte ihn in seinem Lande ein u. hob alle Kl√∂ster auf, deren Eink√ľnfte zu Gemeinzwecken verwendet wurden. 1565 verlie√ü er Pforzheim, seine bisherige Residenz, weil die B√ľrger sich weigerten, die Jagdfrohnen zu leisten, u. zog nach Durlach. Hier nahm er den Namen Baden-Durlach an u. baute die Karlsburg. Bei aller Anh√§nglichkeit an die Reformation schickte Karl doch dem K√∂nig Karl IX. von Frankreich H√ľlfstruppen gegen die Hugenotten, theils weil er sie als Emp√∂rer betrachtete, theils weil er den Calvinisten sehr abgeneigt war, u. focht selbst 1566 in der Schlacht von Moncontour mit. Mit dem Herzog von Longueville wurde er wegen des Allodiums. von dessen Gro√ümutter in einen Proce√ü vor dem Reichkammergericht vermittelt. 1568 erhielt er die Mitvormundschaft √ľber Ludwig von W√ľrttemberg, dagegen entzog ihm der Kaiser 1571 die Anspr√ľche auf die Vormundschaft √ľber seinen Neffen Philipp von Baden-Baden durch M√ľndigerkl√§rung desselben im 13. Jahre. Er st. 1577 u. hinterlie√ü drei unm√ľndige S√∂hne, Ernst Friedrich, Jakob u. Georg Friedrich, welche das Land, seiner Verordnung nach nicht theilen, sondern gemeinschaftlich regieren sollten; sie standen bis 1584 unter Vormundschaft ihrer Mutter, des Kurf√ľrsten von der Pfalz, des Pfalzgrafen von Neuburg u. des Herzogs von W√ľrttemberg, w√§hrend welcher Zeit der Proce√ü mit dem Herzog von Longueville verglichen wurde. M√ľndig geworden, theilten die Br√ľder, ungeachtet des Verbotes ihres Vaters, das Land, u. zwar erhielt Ernst Friedrich die Untere Markgrafschaft mit den Herrschaften Besigheim, Altensteig u. M√ľndelheim, Jakob Hochberg u. Sulzburg, Georg Friedrich aber R√∂teln, Sausenberg u. Badenweiler. a) Jakob, Markgraf von Baden-Hochberg, der sich unter Alexander von Parma als Feldherr auszeichnete, ging zur Katholischen Religion √ľber; st. 1590 u. wenige Monate sp√§ter sein einziger Sohn. b) Ernst Friedrich, Markgraf von Baden-Durlach, wu√üte durch Muth u. Energie die M√§ngel auszugleichen, welche in Folge einer unverst√§ndigen Erziehung an ihm hafteten. Er mischte sich in den Bischofsstreit zu Stra√üburg u. unterst√ľtzte den evangelischen Bewerber Georg von Brandenburg gegen den katholischen Karl von Lothringen, wodurch er die an B. verpf√§ndete Herrschaft Bitsch in Lothringen verlor. 1594 besetzte er Baden-Baden, da es f√ľr die Gl√§ubiger des Markgrafen Eduard Fortunat sequestrirt werden sollte (s. oben), u. behielt es sp√§ter f√ľr sich. 1588 stiftete er das Gymnasium zu Durlach u. 1588 den Orden von der Blauen Binde. Von seiner Absicht, zum Reformirten Glauben √ľberzutreten u. denselben in seinem Gebiete einzuf√ľhren, stand er, da es dar√ľber zu Unruhen kam, ab. Da er 1604 ohne m√§nnliche Nachkommen st., so fiel das Land wieder an seinen j√ľngsten Bruder c) Georg Friedrich von Baden-Sausenberg, einen tapferen u. wohlunterrichteten F√ľrsten. Als Georg Friedrich nach seines Bruders Tode das ganze Land B. unter seinem Scepter vereinigte, erhob der Markgraf [148] Philipp von Baden-Rodemachern Anspr√ľche auf Baden-Baden u. suchte es selbst mit Waffengewalt f√ľr seinen Neffen Wilhelm an sich zu bringen. Georg Friedrich nahm ihn 1600 gefangen u. erhielt nun vom Kaiser die Belehnung mit Baden-Baden, unter der Bedingung, nichts in dem Religionswesen zu √§ndern. Die Spannung zwischen beiden Religionsparteien hatte bei seinem Regierungsantritt die h√∂chste Stufe erreicht; die St√§nde jeder Partei schlossen B√ľndnisse, u. auch B. trat 1608 der Evangelischen Union (s.d.) zu Ahausen u. 1610 dem Schw√§bischen Bunde bei, dessen Zweck es war, die Herzogth√ľmer J√ľlich u. Kleve ihren Erben zu erhalten, denen sie der Kaiser entziehen wollte (s. Klevesche Erbschaft). Nach dem Tode des Kaisers Rudolf II. versuchte Kaiser Matthias den Markgrafen zu einem Vergleiche mit dem Sohne Eduard Fortunat's zu bewegen, indem er die Luxemburgischen Herrschaften abtreten u. dagegen Baden-Baden behalten sollte, aber Georg Friedrich schlug 1618, auf einen 1617 geschlossenen Vertrag mit Friedrich V. von der Pfalz gest√ľtzt, diesen Vertrag aus u. behielt sein f√ľr die Union geworbenes Heer von 15,000 M. Die Union unterst√ľtzte aber Friedrich V. von der Pfalz in B√∂hmen nicht, sondern mu√üte auf Befehl des Oberfeldherrn derselben, des Kurf√ľrsten von Brandenburg, sich an den Rhein erst gegen Spinola, dann gegen den Erzherzog Leopoldwenden, w√§hrend welcher Zeit B√∂hmens Schicksal entschieden wurde. Nach Friedrichs V. Fall suchten die Mitglieder der Union sich mit dem Kaiser einzeln zu vertragen, aber Georg Friedrich blieb fest bei der pf√§lzischen Sache, verst√§rkte seine Armee bis auf 18,000 M. u. beschlo√ü den Kampf fortzusetzen. Um inde√ü seinem Lande, falls er unterl√§ge, alle Verantwortung zu ersparen, trat er den 12. April 1622 die Regierung an seinen √§ltesten Sohn Friedrich ab u. begann hierauf den Feldzug. Der Markgraf Friedrich V. erkl√§rte sogleich nach Antritt der Regierung sein Land f√ľr neutral, w√§hrend sein Vater durch die Pfalz gegen Heilbronn vorr√ľckte; bei seinem Heere befanden sich die Prinzen Wilhelm u. Bernhard von Sachsen-Weimar u. Magnus von W√ľrttemberg. Am 7. Mai kam es bei Wimpfen zwischen Tilly u. dem Markgrafen zur Schlacht, Letzter wurde g√§nzlich geschlagen u. w√ľrde, ohne die heldenm√ľthige Aufopferung der 400 B√ľrger von Pforzheim, die unter dem B√ľrgermeister Deimling bis auf den letzten Mann fielen, selbst in feindliche H√§nde gefallen sein. Einige Zeit lang setzte der Markgraf den Krieg noch fort, dann zog er sich auf das Schlo√ü Hochberg zur√ľck, wo er blieb, bis 1627 der K√∂nig Christian IV. von D√§nemark f√ľr die Protestanten das Schwert ergriff. Georg Friedrich zog ihm mit einem schnell geworbenen Heere zu H√ľlfe, wurde aber von Schlick im Holsteinischen geschlagen u. ging nun erst nach Genf, dann nach Stra√üburg, wo er 1638 st. 1615 hatte er ein badisches Hausgesetz gegeben, alle Landestheilung verboten u. das Recht der Erstgeburt festgesetzt. Die Niederlage bei Wimpfen hatte traurige Folgen f√ľr B. gehabt, die der Markgraf Friedrich V. durch seine Neutralit√§tserkl√§rung nicht abwenden konnte. Er mu√üte die Markgrafschaft Baden-Baden an den Sohn Eduard Fortunat's wieder herausgeben u. sich zu einer Entsch√§digung f√ľr die Nutznie√üung des Landes verstehen (s. oben). Dazu verheerten die Kaiserlichen das Land, Friedrich V. mu√üte selbst fl√ľchtig werden, u. das Restitutionsedict vermehrte die Verwirrung. Erst als Gustav Adolf von Schweden 1631 vordrang, erkl√§rte sich Friedrich sogleich f√ľr ihn u. verband die Obere Markgrafschaft wieder mit Durlach, aber nach der Schlacht bei N√∂rdlingen 1634 fiel ganz B. abermals an Baden-Baden, die Katholische Religion wurde wieder eingef√ľhrt, u. der Markgraf fl√ľchtete nach Stra√üburg, wo er bis zum Westf√§lischen Frieden 1648, in welchem er B.-Durlach wieder erhielt, verblieb. Friedrich V. that Alles, was in seinen Kr√§ften stand, um die Wunden seines durch den Krieg verw√ľsteten Landes zu heilen. Wegen der Allodialbesitzungen seiner Gemahlin, Anna Maria von Hohengeroldseck, kam er mit √Ėsterreich, Nassau u. W√ľrttemberg mehrfach in Weiterungen. Er st. 1659, u. sein √§ltester Sohn Friedrich VI., der sich schon unter Herzog Bernhard von Weimar u. Karl Gustav von Schweden in Deutschland u. Polen einen gro√üen Feldherrnruhm erworben hatte, folgte ihm in der Regierung, die er mit treuer Erf√ľllung seiner Regentenpflichten f√ľhrte. 1633 zog er mit einem Reichsheere nach Ungarn gegen die T√ľrken u. in dem Kriege, der 1674 gegen Frankreich ausbrach, wurde er Reichsfeldmarschall. Er sorgte f√ľr Vermehrung der Reichsarmee, eroberte 1676 Philippsburg, st. aber mitten unter gro√üen Zur√ľstungen f√ľr den n√§chsten Feldzug, vornehmlich f√ľr die Einnahme von Breisach im Januar 1677. Das Land fiel an seinen √§ltesten Sohn Friedrich VII. den Gro√üen. Die ersten Jahre seiner Regierung verflossen unter Krieg, der 1679 durch den Frieden von Nymwegen geendigt wurde. Kaum war das ersch√∂pfte Land durch die weisen Regierungsma√üregeln des Markgrafen in etwas wieder zu Kr√§ften gekommen, als der Krieg von 1688 ausbrach, in welchem die Franzosen unter Melac Baden abermals verheerten. Die St√§dte Ettlingen, Pforzheim, Steinbach, Durlach, selbst das f√ľrstliche Schlo√ü nicht ausgenommen, wurden ausgepl√ľndert u. niedergebrannt. 1697 nach dem Frieden von Ryswick war die Bev√∂lkerung um ein Viertel vermindert, der Wohlstand vernichtet u. es blieb dem Markgrafen, als er nach dem Frieden von Basel, wo er w√§hrend des Krieges residirt hatte, nach Durlach zur√ľckkam, kein einziges Schlo√ü zur Wohnung √ľbrig. Unerm√ľdet suchte Friedrich diesen √úbeln abzuhelfen, aber der Spanische Erbfolgekrieg (1702) hinderte ihn, seine wohlth√§tigen Pl√§ne zur Reise zu bringen. Er floh nochmals nach Basel u. st. dort 1709. Karl Wilhelm folgte dem Vater, ein erfahrener F√ľrst, durch Studien u. Reisen gebildet u. im Felde versucht. Er stellte nach dem Frieden von Baden 1714 die Ordnung in den Finanzen wieder her, hob den Ackerbau durch Einf√ľhrung des Krapps, Waids u. T√ľrkischen Weizens, stellte mehrere Mi√übr√§uche der Z√ľnfte ab, wodurch die Gewerbe zu neuem Flor kamen, gr√ľndete Wohlth√§tigkeitsanstalten, hielt scharf auf schnelle u. genaue Rechtspflege u. zahlte au√üerdem noch einen gro√üen Theil der Landesschulden ab. 1715 begann er den Bau des Karlsruher Schlosses, welches Anfangs zu einem Jagdschlo√ü bestimmt war. Seine Unzufriedenheit mit den B√ľrgern Durlachs bewog ihn, die Gr√ľndung einer Stadt, die er Karlsruhe nannte, zu beg√ľnstigen; hierher verlegte er die Residenz u. die Landescollegien; die Markgr√§fin aber blieb in Durlach. Als 1733 im Kriege wegen der Polnischen Thronfolge[149] die Franzosen abermals B. √ľberschwemmten, ging Markgraf Karl nach Basel; die Franzosen hielten diesmal, da er die Neutralit√§tserkl√§rung erlangt hatte, bessere Mannszucht. Von ihm ward der Orden der Treue gestiftet. Er st. 1738, u. da 1732 auch sein Sohn Friedrich gestorben war, so folgte ihm sein 10j√§hriger Enkel Karl Friedrich unter der Vormundschaft seines Oheims Christoph u. seiner Gro√ümutter. Beide verwalteten das Land vortrefflich; viele Schulden wurden abgetragen, Kassen u. Magazine gef√ľllt, Kunststra√üen angelegt, √∂ffentliche Bauten ausgef√ľhrt u. der lange Streit mit √Ėsterreich wegen Sausenberg, R√∂teln u. Badenweiler zu Gunsten B-s geschlichtet. 1746 trat Karl Friedrich die Regierung an. Unterst√ľtzt von dem Rathe zweier vortrefflicher Minister, von Hahn u. von Edelsheim, f√∂rderte er Ackerbau, Gewerbe u. Handel, erm√§√üigte den Land- u. Wasserzoll auf die H√§lfte, zog. geschickte K√ľnstler u. Handwerker ins Land, verbesserte die Forstverwaltung durchgreifend, mehrte die Kunststra√üen u. stellte durch strenge Polizei die Sicherheit im Lande dauernd her. Auch die Rechtspflege wurde der Zeit anpassender gemacht, indem 1767 die Tortur abgeschafft, eine neue Proce√üordnung eingef√ľhrt u. die Todesstrafen vermindert wurden. Land- u. Gewerbschulen wurden theils verbessert, theils neu gegr√ľndet; ein Schullehrerseminar eingerichtet, eben so eine Schullehrerwittwenkasse, u. der Gehalt der Schullehrer verbessert. Vortreffliche Gesetze steuerten dem M√ľssiggang, dem Wucher, dem Betrug u. der Bettelei. Karlsruhe u. dessen Schlo√ü wurden weiter ausgebaut, in allen St√§dten √∂ffentliche Geb√§ude aufgef√ľhrt u. so f√ľr das N√ľtzliche u. Sch√∂ne zugleich gesorgt.

V. Baden nach der Wiedervereinigung (1771) bis auf die neueste Zeit. A) Die vereinigte Markgrafschaft Baden bis zur Errichtung des Rheinbundes u. Erhebung B-s zum Gro√üherzogthum 1771‚Äď1806. Durch den Tod des Markgrafen August Georg von Baden-Baden 1771 fiel diese H√§lfte des Landes an Karl Friedrich; er nahm das Land desselben ruhig in Besitz, bis auf die Ortenau u. die B√∂hmischen Herrschaften, die als erledigte Lehen an √Ėsterreich zur√ľckfielen. Die vereinigte Markgrafschaft B. z√§hlte jetzt auf etwa 64 QM. 190,000 Ew. Die Verwaltungsformen, die in Durlach sich so segensreich erwiesen hatten, wurden nun auch schonend nach u. nach in Baden-Baden eingef√ľhrt. Mit weiser Toleranz gegen die katholischen Einwohner wurden die Schulen vermehrt u. verbessert, die Jesuiten verbannt u. 1783 die Leibeigenschaft, der Leibschilling, der Todfall u. alle Umzugsabgaben in ganz B. aufgehoben, ferner die Frohnen erleichtert, Sporteln u. Taxen herabgesetzt, die Geldstrafen beschr√§nkt u. Freiheit des Handels u. Gewerbes in den St√§dten bef√∂rdert. Die ersten Jahre des Revolutionskrieges ber√ľhrten B. nur in so weit, als es sein Reichscontingent stellte; am 21. Juni 1796 jedoch ging Moreau bei Kehl √ľber den Rhein, u. nun wurde B. Schauplatz des Krieges. Karlsruhe selbst wurde von den Franzosen besetzt, u. Karl, Friedrich schlo√ü am 25. Juli zu Stuttgart einen Waffenstillstand mit ihnen, auf welchen der Friede zu Paris am 25. August 1796 folgte. B. mu√üte seine √ľberrheinischen Besitzth√ľmer u. die Festung Kehl (l4 QM. u. 38,000 Ew.) abtreten, 2 Millionen Franken Contribution zahlen u. ungeheuere Lieferungen leisten. Dagegen wurde ihm im allgemeinen Frieden Entsch√§digung in einem geheimen Artikel zugesichert. B. hielt. den Frieden auch bei der durch den Luneviller Frieden geendigten zweiten Coalition. Durch den Reichsdeputationshauptabschlu√ü vom 25. Juli 1803 erhielt B. als Entsch√§digung f√ľr seine Abtretungen: die Bisth√ľmer Constanz u. Speier, die Abteien Reichenau u. √Ėhningen, Petershausen, Schwarzach etc., die √Ąmter Ettenheim, Oberkirch, Bretten, Ladenburg u. Heidelberg mit Heidelberg u. Manheim u. mehrere Reichsst√§dte, zusammen 60 QM. mit 240,000 Ew. u. zugleich die Kurw√ľrde. Auch Kehl wurde wieder an B. abgetreten u. der Thalweg des Rheins zur Grenze zwischen B. u. Frankreich bestimmt. Das neue Kurf√ľrstenthum B. umfa√üte 131 QM. mit 438,000 Ew. u. ward durch Tauschvertrag mit Hessen-Darmstadt noch mehr abgerundet. Es wurde in 3 Provinzen abgetheilt u. √ľberall die badische Verwaltung eingef√ľhrt, auch die Universit√§t Heidelberg erhielt eine neue Organisation. 1804 mu√üte Karl Friedrich die Verletzung des V√∂lkerrechts durch die Verhaftung des Herzogs von Enghien auf seinem Gebiete dulden, u. beim Ausbruch des Krieges von 1805 sah er sich gen√∂thigt, auf franz√∂sische Seite zu treten. Da der Krieg schnell geendigt wurde, so stie√üen diesmal noch keine badischen Truppen zur franz√∂sischen Armee, aber dennoch erhielt der Kurf√ľrst im Frieden von Pre√üburg den gr√∂√üten Theil des Breisgaues u. der Ortenau, die Stadt Constanz, die Komthurei Meinau, die Herrschaften Ebringen u. Norsingen (46 QM. mit 160,000 Ew.). Am 5. Mai 1806 erkl√§rte sich der Kurf√ľrst als unumschr√§nkter Souver√§n des Landes, indem er die st√§ndische Verfassung des Breisgaus aufhob, die in dem Alt-Badischen l√§ngst erloschen war. Der Kurprinz Karl, Enkel des Kurf√ľrsten, hatte sich im April 1806 mit der Prinzessin Stephanie de la Tascher-Pagerie, einer Adoptivtochter Napoleons, verm√§hlt, u. am 12. Juli d.i. trat der Kurf√ľrst dem Rheinbunde bei, indem er sich verbindlich machte, f√ľr denselben ein Contingent von 8000 M. zu stellen. Gleich darauf erhielt er die Grafschaft Bondorf, die St√§dte Br√§unlingen, Villingen u. Tuttlingen, die Komthureien Heitersheim, Beuggen u. Freiburg u. einen Theil der Lande der mediatisirten F√ľrsten u. Grafen von Leiningen, L√∂wenstein-Wertheim, Salm u. Auersperg, im Ganzen 100 QM. mit 380,000 Ew. So bestand B. jetzt aus etwa 270 QM. mit einer Bev√∂lkerung von mehr als 800,000 Seelen. Im August 1806 legte der Kurf√ľrst nach Aufl√∂sung des Deutschen Reiches seine Kurw√ľrde nieder u. nahm den Titel eines Gro√üherzogs an.

B) Das Gro√üherzogthum Baden bis zu Revolution, 1806‚Äď1848. An dem Kriege gegen Preu√üen u. Ru√üland (1806‚Äď1807) nahm das badische Contingent Theil; eine Brigade ging 1808 nach Spanien u. der √úberrest desselben focht 1809 gegen √Ėsterreich. Durch diese Kriege wuchsen die Schulden. Der Gebietszuwachs, welchen B. 1809 durch die Besitzungen des aufgehobenen Deutschen Ordens bekam, war nur eine schwache Entsch√§digung. 1808 √ľbertrug Karl Friedrich einen Theil der Regierung seinem Enkel, dem Erbgro√üherzog, u. unter dessen Mitwirkung entstand 1808 die Pragmatische Sanction √ľber Staatsschulden u. Staatsver√§u√üerungen u. 1810 die Verordnung wegen Urbarmachung u. Vertheilung[150] der Gemeindeg√ľter. In demselben Jahre wurde auch der Code Napol√©on, aber mit mehreren Ver√§nderungen, in B. eingef√ľhrt. Karl Friedrich st. im Juni 1811 im 65. Jahre seiner Regierung, geliebt u. geehrt von seinen Unterthanen, hochgeachtet von allen Zeitgenossen. Nach seinem Tode ging die Regierung an seinen Enkel Karl Ludwig √ľber, dessen Vater, Karl Ludwig, der √§lteste Sohn des Gro√üherzogs aus erster Ehe, schon 1807 gestorben war. Das Land befand sich damals in einer hart bedr√§ngten Lage, denn ein Theil des Contingents focht in Spanien u. der Rest marschirte 1812 nach Ru√üland. Viele fanden dort ihren Tod, u. 1813 mu√üten die Truppen ganz neu organisirt werden, um aufs Neue f√ľr Frankreich zu k√§mpfen. Nach der Schlacht bei Leipzig l√∂ste sich der Rheinbund auf, u. nun trat der Gro√üherzog Karl Ludwig, nachdem ihm der Besitz seiner s√§mmtlichen Staaten garantirt worden war, dem Bunde gegen Frankreich bei. Sein Contingent focht 1814 u. 1815 mit gegen Napoleon. Nach dem zweiten Frieden von Paris wurde das Gro√üherzogthum B. ein Glied des Deutschen Bundes. Es bildete einen zusammenh√§ngenden Staat von 272 QM., mit mehr als 1 Million Ew., aber die Schulden des Landes waren mehr u. mehr angewachsen u. die Abgaben daher sehr hoch. Der allgemeine Mi√üwachs 1816 dr√ľckte doppelt schwer u. bewog Viele zur Auswanderung nach Amerika. Das Verlangen nach einer repr√§sentativen Verfassung erf√ľllte Karl Ludwig erst, als Baiern, das sich f√ľr die Abtretung, die es nach dem Pariser Frieden an √Ėsterreich machen mu√üte, nicht hinl√§nglich entsch√§digt glaubte, auf einen Theil des badischen Gebietes Anspr√ľche machte. Die Verfassung erkl√§rte n√§mlich das Land f√ľr untheilbar. Der Gro√üherzog Karl Ludwig erlebte die Er√∂ffnung der ersten Zusammenkunft der Landst√§nde nicht, sondern st. schon im December 1818, ohne S√∂hne zu hinterlassen. Ihm folgte sein Oheim, der 3. Sohn Karl Friedrichs aus erster Ehe, der Gro√üherzog Ludwig August Wilhelm. Dieser theilte das Land am 3. Mai 1819 in 6 Kreise u. schlo√ü den 10. Juli d.i. einen Vertrag mit Ru√üland, √Ėsterreich, England u. Preu√üen ab, in welchem das Gro√üherzogthum nicht nur in seinem ganzen Besitzstand gew√§hrleistet, sondern auch das Erbfolgerecht der Markgrafen von Hochberg, der S√∂hne seines Vaters aus dessen zweiter Ehe mit der Freiin Luise Geyer von Geyersberg, die schon durch ein Familiengesetz von 1806 f√ľr ebenb√ľrtig erkl√§rt worden waren, anerkannt wurde. Am 22. April 1819 wurde in Karlsruhe die erste repr√§sentative St√§ndeversammlung er√∂ffnet, aber es kam zwischen den Mitgliedern der beiden Kammern zu solchen Reibungen, da√ü der Gro√üherzog f√ľr gut fand, die Kammern am 28. Juli d.i. wieder aufzul√∂sen. Auf dem 2. Landtage, welcher im Juli 1820 zusammentrat, wurden die. letzten √úberbleibsel der Leibeigenschaft vertilgt, die Communalverwaltung geordnet u. die Verantwortlichkeit der Minister entschieden. Am 5 Sept. 1820 wurde der Landtag geschlossen. Im Juli 1821 erfolgte die Vereinigung der beiden protestantischen Kirchen in B. (s. Union). Auf dem 3. Landtage von 1822 wurden nach einander ein Gesetz √ľber die Milit√§rpflicht angenommen, Bestimmungen √ľber Gewerbefreiheit getroffen, die Justiz von der Verwaltung getrennt u. noch manche zweckm√§√üige Einrichtungen eingef√ľhrt. Leider zeigte sich bei diesem Landtage wieder eine gro√üe Spaltung zwischen beiden Kammern, bes. bei den Verhandlungen √ľber die Gemeindeordnung u. √ľber Abschaffung der Stra√üenfrohnen. Bei der Berathung des Budgets gerieth die 2. Kammer auch noch mit der Staatsregierung in Zwiespalt, u. als sie das verlangte Milit√§rbudget beharrlich verweigerte, l√∂ste der Gro√üherzog am 31. Januar 1823 die Kammer auf. G√ľnstigeren Erfolg erlangte man von dem am 24. Februar 1825 er√∂ffneten 4. Landtage, denn der Gro√üherzog hatte 1824 den sehr beliebten Staatsrath Winter zum Dirigenten des Ministeriums ernannt. Die Antr√§ge der Regierung wurden angenommen, u. der Landtag konnte schon am 14. Mai wieder geschlossen werden. W√§hrend dieser ganzen Zeit wurden die Finanzen geordnet, die meisten Schulden bezahlt, Karlsruhe versch√∂nert u. viele Schl√∂sser wieder hergestellt; Gewerbe u. Handel wurden beg√ľnstigt, bes. durch die 1826 mit Hessen-Darmstadt u. der Schweiz wegen Erleichterung des Verkehrs u. des Handels geschlossenen Vertr√§ge. Mit W√ľrttemberg dagegen konnte man zu keinem g√ľnstigen Resultate gelangen, u. da die w√ľrttembergische Regierung den Eingangszoll auf badische Erzeugnisse erh√∂hte, so sah sich 1827 die badensche Regierung gen√∂thigt, Repressalien zu ergreifen. Dabei wurde die Verwaltung immer mehrgeordnet, gleiches Ma√ü u. Gewicht eingef√ľhrt u. durchgreifende Ma√üregeln hinsichtlich der Stra√üen, Br√ľcken u. Salinen getroffen. Der 5. Landtag von 1828, vom 28. Februar bis 14. Mai, war so friedlich als der vorige, auch kam auf ihm ein gem√§√üigter Transitzoll f√ľr B. zu Stande. Den 30. M√§rz 1830 st. der Gro√üherzog Ludwig, u. ihm folgte sein Halbbruder Leopold (s. Baden, Geneal.). Trotz der Garantie der Gro√üm√§chte suchte Baiern seine alten Anspr√ľche, bes. auf die Grafschaft Sponheim hervor, u. eine Zeit lang glaubte man wirklich, es w√ľrde endlich zu einer Entscheidung durch Waffengewalt kommen. Von badischer Seite ergriff man milit√§rische Vorsichtsma√üregeln. Der Streit wurde inde√ü bald, besonders durch die Vermittelung √Ėsterreichs, friedlich u. zu Gunsten B-s, geschlichtet. Der Gro√üherzog Leopold minderte den Preis des Salzes, hob das 1820 gegebene Stra√üengeldgesetz auf, befahl die Verminderung des Wildstandes, erlie√ü alle Steuerr√ľckst√§nde der Weinbauern u. verringerte die Strafen f√ľr Forstfrevel. Die Julirevolution in Frankreich schien auch in B. Unruhen anregen zu wollen, doch kam es nur in Manheim u. Karlsruhe zu unbedeutenden, gegen die Juden gerichteten Excessen. Den 17. M√§rz l831 wurde der erste Landtag unter der neuen Regierung er√∂ffnet, der bei der allgemeinen Aufgeregtheit ziemlich st√ľrmisch war. Schon am 11. April kam es √ľber die Verantwortlichkeit der Minister zu heftigen Debatten, u. es wurde beschlossen, die Verantwortlichkeit auch auf den Bundestagsgesandten auszudehnen. Die Gemeindeordnung √ľber Frohn- u. Zehntabl√∂sung gab Veranlassung zu heftigen K√§mpfen mit den mediatisirten Herren u. wurde von der 1. Kammer verworfen. F√ľr Verbesserung der Schulen wurde th√§tig gesorgt. Am 21. October legte die Regierung den Kammern ein Pre√ügesetz vor, welches von ihnen angenommen wurde. Ein anderes Gesetz hob die Milit√§r-, Stra√üen- u. Gerichtsfrohnen auf. Am[151] 31. December 1331 wurde der Landtag geschlossen. 1832 wurde das Land von der Regierung in 4 Kreise, statt der bisherigen 6, getheilt; die General Adjutantur als verfassungswidrig aufgehoben u. ihre Gesch√§fte dem verantwortlichen Kriegsministerium √ľbertragen. Alle diese Schritte der v√§terlichen Regierung richteten inde√ü gegen die allgemeine Mi√üstimmung, die sich bes. durch Adressen der Gemeinden an den Gro√üherzog kund gab, nichts aus. Gro√üe Aufregung verursachte das Verbot aller √∂ffentlichen Versammlungen, Nachtmusiken, Aufz√ľge etc. u. die den Bundesbeschl√ľssen vom Juni gem√§√ü im Juli angeordnete Au√üerkraftsetzung des Pre√ügesetzes von 1831. Da sich die Universit√§t Freiburg bes. der letzteren Ma√üregel widersetzte, so wurde sie im September d.i. reorganisirt u. die Professoren v. Rotteck u. Welker entlassen, ja die Wahl des Ersteren zum B√ľrgermeister von Freiburg von der Regierung verworfen. Auf der anderen Seite trug das Ministerium Sorge, die Lage der Unterthanen zu erleichtern u. die W√ľnsche ihrer Vertreter zu erf√ľllen. Alle popul√§ren Ma√üregeln, die Aufhebung des Fiscalats, die Milderung des Executivverfahrens u. die Sicherstellung der Steuerpflichtigen gegen willk√ľrliche Vexationen der Beamten konnten dem Mi√übehagen kein Ende machen, welches um so gefahrdrohender wurde, als von der Schweiz aus, wo sich viel politischer Brennstoff gesammelt hatte, fortw√§hrend Aufregungen gegen B. erfolgten. In Folge dessen sah sich endlich die Regierung gen√∂thigt, Truppenabtheilungen nach der Schweizergrenze zu entsenden. Auf dem Landtag vom 20. Mai bis 13. November 1833 war die 1. Kammer, welcher Markgraf Wilhelm, der Bruder des Gro√üherzogs, pr√§sidirte, wieder dem Beharrungs-, die 2., deren Pr√§sident Mittermeier war, dem Fortschreitungsprincip geneigt; es wurden bes. Klagen √ľber die Aufhebung des Pre√ügesetzes u. die supponirte Intention des Bundestags, die Verfassungen zu beschr√§nken, laut u. beide Kammern besch√§ftigten sich mit Abl√∂sung des Zehnten u. mit einem neuen Forstgesetz. Am 1. Jan. 1834 trat der Anschlu√ü an den Deutschen Zollverein in Wirksamkeit, dem B. kurz zuvor beigetreten war. Auf dem Landtag vom 28. Mai bis 28. August 1835 gewann der Geist der 1. Kammer schon mehr Terrain, indem Spaltungen in der 2. Kammer entstanden. Die Verhandlungen bezogen sich bes. auf Erg√§nzungen des Grundgesetzes, auf Pre√üangelegenheiten, auf das Recht der Regierung, Staatsdienern den Urlaub zum Eintritt in die Kammern zu verweigern, auf Verbesserungen der Schulen u. Lehrer, auf die unentgeltliche Aufhebung der √§rarischen Bannrechte, auf ein Expropriationsgesetz hinsichtlich einer Eisenbahn, auf den bereits erfolgten Beitritt zum Deutschen Zollverein, u. einige Strafgesetze. Verschiedene Entw√ľrfe zu einer Ab√§nderung im Municipalwesen veranla√üten einige Mediatisirte √ľber dieselbe beim Bundestag Beschwerde zu s√ľhnen, was zur Folge hatte, da√ü die Regierung das Gemeindegesetz √ľber die Umlagen u. Bestreitungsmittel der Gemeindebed√ľrfnisse √§nderte. Bei diesem Landtage wurden zum erstenmal nicht alle Verhandlungen desselben dem Druck √ľbergeben. Auf dem Landtag vom 9. Mai bis 1. August 1837 zeigte sich die aristokratische Partei noch m√§chtiger, so da√ü es den Anschein hatte, als werde die 1. Kammer die Oberhand √ľber die 2. gewinnen; doch war die Regierung selbst gegen einen dahinzielenden Antrag, die Kammern in ihren Rechten bez√ľglich der Finanzgesetzgebung gleichstellen zu wollen. Die Opposition wegen der Presse u. dgl. war schw√§cher als sonst, u. man besch√§ftigte sich bes. mit √Ąnderungen in der Gemeindeordnung. mit Zollangelegenheiten, mit Anordnungen √ľber Recurse in Criminalsachen u. √ľber Erleichterung der Entrichtung der Klassensteuer. Das Wichtigste war der Antrag, der diesseitige Gesandte m√∂ge beim Bundestage dahin wirken, da√ü die Hann√∂versche Verfassung in Gem√§√üheit des 13. Artikels der Bundesacte u. des Artikels 65 der Wiener Schlu√üacte aufrecht erhalten werde, welchem Antrag die 2. Kammer einstimmig beitrat. Vom 10. Febr. bis 26. M√§rz 1838 versammelte sich ein au√üerordentlicher Landtag u. beschlo√ü eine auf Staatskosten zu bauende Eisenbahn vorl√§ufig von Manheim nach Heidelberg u. ferner √ľber Karlsruhe, Rastadt, Offenburg, Freiburg, bis zur Baseler Grenze. Am Tage nach dem Landtagsschlu√ü starb Winter, seit 1831 Minister des Innern, welcher sich im h√∂chsten Grade des Vertrauens des Gro√üherzogs u. der Liebe des Volkes erfreut u. dem Lande eine Reihe wichtiger Reformen gegeben hatte. Nach seinem Tode trat v. Blittersdorf, seit 1835 Minister des Ausw√§rtigen, mit gr√∂√üerem Einflu√ü auf die inneren Angelegenheiten hervor, weshalb Winters Nachfolger, Nebenius, bereits im October 1839 sein Portefeuille an Freiherr R√ľdt v. Collenberg abgab. Der ordentliche Landtag von 1839, er√∂ffnet am 6. April, besch√§ftigte sich mit der Discussion eines Appanagegesetzes u. haupts√§chlich eines neuen Strafgesetzbuches f√ľr B. Dabei kam die Hann√∂versche Frage wieder zur Sprache, u. es ward beschlossen, den vorigen Antrag wieder in Anregung zu bringen. Die Kammern wurden am 22. Juli vertagt, u. eine Commission trat zusammen, um das neue Gesetzbuch zu berathen. Beschwerden √ľber zu strenge Presse waren zwar in der Kammer ohne Erfolg geblieben, doch erfolgte Anfangs Januar 1840 eine Verordnung, um die Schriftsteller gegen Willk√ľr der Censoren zu sichern u. √ľberhaupt den Instanzenzug bei der Censur m√∂glichst zu erleichtern. Der Landtag trat den 6. Mai 1840 wieder zusammen u. tagte bis zum 18. Juli, ohne seine Hauptaufgabe, Berathung des Strafgesetzbuches, vollendet zu haben. Am Ende des Jahres gerieth das Land durch die Besorgnisse eines Krieges mit Frankreich in gro√üe Aufregung. In Karlsruhe fanden h√§ufige diplomatisch-milit√§rische Conferenzen statt, deren Ergebni√ü die f√ľr 1841 beschlossene au√üerordentliche Aushebung von 4500 Mann u. die beantragte Befestigung von Rastadt, Ulm u. den Schwarzwaldp√§ssen war. Nach der am 17. April durch den Gro√üherzog erfolgten Er√∂ffnung der Kammern von 1841 entspann sich sehr bald der dann lange fortgef√ľhrte Streit √ľber das von der Regierung beanspruchte, seit 21 Jahren zum ersten Male ge√ľbte Recht der Urlaubsverweigerung f√ľr die in die Kammer gew√§hlten Beamten. Die 2. Kammer sprach der Regierung dies Recht ab, u. da diese nicht nachgab, so wandte sich erstere endlich mit einer Adresse vom 22. Mai an den Gro√üherzog; da jedoch die 1. Kammer der Beschwerde nicht beitrat, so war damit die Angelegenheit als beseitigt anzusehen. Anfang August wurden die St√§nde beurlaubt. Im Januar 1842 trat der Landtag wieder zusammen; nachdem sich die 2. [152] Kammer vorzugsweise mit dem Budget, dem katholischen Kirchenwesen u. der Auswanderungesfrage besch√§ftigt hatte, wurde sie, in Folge einer Erneuerung der Urlaubsfrage, am 19. Februar aufgel√∂st. Auf dem vom 25. Mai bis 9. Septbr. versammelten Landtag wurde von Seiten der Opposition auf's Neue auf bessere Pre√üverh√§ltnisse, auf Einf√ľhrung einer Criminalproce√üordnung mit √Ėffentlichkeit, M√ľndlichkeit u. Anklageproce√ü, auf Aufhebung der Ausnahmema√üregeln des Deutschen Bundes gedrungen. 1843 schied v. Blittersdorf aus dem Ministerium u. ging im November als Gesandter nach Frankfurt zur√ľck; an seine Stelle trat v. Dusch ins Ministerium. Reformen umfassender Art waren die Gesetzentw√ľrfe √ľber Gerichtsverfassung (Trennung der Justiz von der Verwaltung bis in die untersten Instanzen), Strafrecht u. Strafproce√ü (Einf√ľhrung des √∂ffentlichen u. m√ľndlichen, Verfahrens), die dem am 23. November er√∂ffneten Landtage am Schlusse des Jahres vorgelegt wurden. Die Kammern hatten die fr√ľheren Pr√§sidenten (Markgraf Wilhelm u. Bekk), aber auch da√ü fr√ľhere Parteiverh√§ltni√ü. Am 4. Mai 1844 nahm die 2. Kammer den Strafproce√üentwurf an. In demselben Jahre trat Freiherr R√ľdt v. Collenberg aus dem Ministerium; B√∂ckh wurde Ministerpr√§sident, an Rudts Stelle Eichrodt Minister des Innern, starb jedoch schon nach wenigen Monaten, das Portefeuille desselben erhielt Regierungsdirector Rettig, im M√§rz 1845 Nebenius. Die auftauchende Deutschkatholische Bewegung gewann sich erst Sympathien im Lande durch die Beschr√§nkung u. versuchte Unterdr√ľckung derselben, wodurch sie auf die politische Tagesordnung kam u. von Bedeutung f√ľr den n√§chsten Landtag wurde, welcher am 24. November 1845 er√∂ffnet ward. Der hier am 15. December gestellte Antrag auf Religionsfreiheit (Recht der freien kirchlichen Association u. der freien √∂ffentlichen Aus√ľbung des Cultus f√ľr alle Landeseinwohner, sofern ihre ausgesprochenen religi√∂sen Grunds√§tze mit den allgemeinen B√ľrgerpflichten nicht im Widerspruche stehen) wurde f√ľr die streng-katholische Partei der St√§nde das Signal zur heftigsten Agitation im ganzen Lande. Protestationen √ľber Protestationen liefen bei der Kammer √ľberallher aus dem Lande ein, in denen auch Aufl√∂sung des Landtags gefordert wurde. Dies geschah auch wirklich am 9. Februar 1846. Aber es entstand jetzt eine neue Aufregung im Lande, gen√§hrt durch zahllose Flugschriften, u. selbst in dem katholischen Oberlande machte sich wieder ein Umschlag in der Stimmung bemerkbar. Alles trug dazu bei, bei den Neuwahlen der Opposition wieder eine entschiedene Majorit√§t zu geben, da√ü jetzt selbst v. Blittersdorf (von Frankfurt aus) zu einem liberalen Ministerium riech. Die neue Kammer trat am 4. Mai zusammen; die Majorit√§t, der 2. Kammer, in welcher Mittermeier Pr√§sident geworden war, bewies eine gem√§√üigte Haltung; das Ministerium, in welches Bett eingetreten war, bewahrte einen milderen, entgegenkommenden Ton, u. obgleich die gemachten Concessionen nicht gen√ľgten, die Klagen √ľber die Pre√üverh√§ltnisse, polizeilichen √úbergriffe, Beschr√§nkung des Petitionsrechtes die alten blieben, so herrschte doch ein freundlicher Ton zwischen Kammer u. Ministerium. Besonders besch√§ftigte sich die Kammer mit Einf√ľhrung einer (schon 1844 beantragten) Capitalsteuer, mit der Ausweisung Heckers u. v. Itzsteins aus Preu√üen, mit dem Antrag auf Abh√ľlfe der Beschwerden der Deutschkatholiken, mit den Vorlagen von Geschwornengerichten. Von durchgreifender Bedeutung wurde erst die Abstimmung √ľber das Budget, indem dadurch eine offene Spaltung der liberalen u. der radicalen Opposition herbeigef√ľhrt wurde. Die liberale Partei ging von da an entschiedener mit der in milder Form auftretenden Regierung, war aber deshalb nun auch den ma√ülosen Angriffen der radicalen Presse (bes. durch Struve) ausgesetzt. Eine, freilich nur momentane Heilung des Risses zwischen beiden Parteien bewirkte ein Congre√ü zu Durlach im November 1846. an welchem alle Fractionen der einstigen Opposition Theil nahmen u. wo die Deutsche Zeitung gegr√ľndet wurde. Im December 1846 trat eine Ver√§nderung im Ministerium ein; Nebenius gab das Ministerium des Innern an Bekk ab, blieb jedoch Pr√§sident des Staatsrathes; Anh√§nger des fr√ľheren Regime wurden entfernt. So schien sich Alles zur Vers√∂hnung anzulassen. Vor√ľbergehendes Aufsehen machte ein heftiger Streit der Regierung mit dem Erzbischof von Freiburg, Vicari, √ľber das Verhalten bei gemischten Ehen; die Appellation des Erzbischofs an den Papst blieb in Folge weiterer Zeitereignisse ohne Resultat. Seit Bekks Eintritt in das Ministerium hatte sich das Unbequeme des bureaukratischen Systems allm√§lig verloren, die Censur u. Polizeigewalt gem√§√üigt, die Regierung war jeder Weise zug√§nglicher, Vorabeiten zu einer volksth√ľmlicheren Verwaltung waren bereits vollendet, u. so n√§herte sich die liberale Partei dem Ministerium mit gr√∂√üeren Vertrauen immer mehr. Um so augenscheinlicher wurde aber auch die, schon bis ins Privatleben f√ľhlbare Spaltung zwischen ihr u. der von Hecker u. Struve gef√ľhrten radicalen Partei. Bereits bei den Erg√§nzungswahlen im Herbst 1847 traten sich beide Parteien als Gegner zum ersten Male entgegen, der liberale Mittelstand verst√§rke durch seine Wahl die Partei des Ministeriums. Am 12. September hielten die Radicalen, sich jedoch noch als entschiedene Verfassungsfreunde ank√ľndigend, eine Versammlung in Offenburg ab. Die als Forderungen des Volkes aufgestellten Punkte (zumeist die Forderungen von 1848) liehen den demokratischen Socialismus nur hier u. da (Ausgleichung des Mi√üverh√§ltnisses zwischen Capital u. Arbeit, Abschaffung aller Vorrechte etc.) durchklingen, doch bestanden wohl schon jetzt, wo die Dinge in Italien, Frankreich u. des Schweiz auch eine Krisis Deutschland erwarten lie√üen. Verbindungen zwischen den badischen u. ausw√§rtigen Radicalen. Die Er√∂ffnung der St√§ndekammer von 1847‚Äď48 geschah am 9. December pers√∂nlich durch den Gro√üherzog. Unter den angek√ľndigten neuen Gesetzentw√ľrfen war der zu einer Repressivgesetzgebung f√ľr die Presse. Durch die n√§here Verbindung der Altliberalen mit Thron u. Ministerium entstanden nun ein Centrum, der Kern der neuen ministeriellen Majorit√§t, w√§hrend die radicale Opposition sich auf wenige, sich √ľbrigens m√§√üig verhaltende Stimmen beschr√§nke. Au√üerhalb der Kammer ward der Bruch durch die Presse indessen best√§ndig vergr√∂√üert; innerhalb derselben f√ľhrte bes. die Fabrikfrage (ob der Staat durch seine B√ľrgschaft bestimmte industrielle Unternehmungen unterst√ľtzen solle od. nicht?) allm√§lig auch wieder eine weitere Spaltung herbei. Bedeutungsvoll f√ľr die nahende Zeit war Bassermanns Antrag vom[153] 12. Februar 1848 auf Volksvertretung bei dem Bundestage, welcher gro√ües Aufsehen durch ganz Deutschland machte. Unterdessen war die Zeit der neuen Bewegung schon angebrochen. Sie fand in B. das constitutionelle Leben bereits ersch√ľttert, den Gegensatz zwischen Liberal u. Radical stark ausgepr√§gt u. die neue Regierung zwar voll guten Willens, aber dem Strom der Ereignisse gegen√ľber kaum stark genug.

C) Die Badensche Revolution 1848 u. 1849. a) Die Erhebung des Volkes. Auf die Nachricht von der Proclamirung der Republik in Frankreich war B. das erste Land, wo sich die W√ľnsche des deutschen Volkes √∂ffentlich aussprachen. Eine B√ľrgerversammlung zu Manheimam 27. Febr. 1848, in welcher die Altliberalen noch mit den Radicalen zusammenstanden, forderte in einer, bald f√ľr ganz Deutschland ma√ügebenden Adresse an die versammelten St√§nde als die zun√§chst f√ľr Deutschland unbedingt nothwendigen Ma√üregeln: Volksbewaffnung mit freier Wahl der Offiziere, unbedingte Pre√üfreiheit, Schwurgerichte nach dem Vorbilde Englands u. sofortige Herstellung eines deutschen Parlamentes. Gleiche Versammlungen in Karlsruhe, Heidelberg, Freiburg etc. stellten die gleichen Forderungen. Die Regierung, anfangs ungewi√ü u. zaudernd, gab am 29. Febr. in der 2. Kammer endlich die Zusage √ľber schleunige Errichtung von B√ľrgerwehren, Verk√ľndigung eines provisorischen Pre√ügesetzes u. der Einf√ľhrung von Schwurgerichten. Da diese Zugest√§ndnisse nicht gen√ľgten, so sollten am 1. M√§rz Deputationen aus dem ganzen Lande die Adressen pers√∂nlich nach Karlsruhe bringen, um den Forderungen Nachdruck zu geben, eine Demonstration, der man mit Besorgni√ü entgegensah, da. sich allenthalben Z√ľge von Proletariern zur Begleitung der Deputationen r√ľsteten. Hatte doch schon am 28. Febr. ein Haufen unbekannten Volkes unter Anf√ľhrung des Literaten Blind in Karlsruhe Krawall versucht u. die Republik leben lassen. Am 1. M√§rz kamen die Deputationen, meist aus angesehenen M√§nnern von patriotischer Gesinnung bestehend, in Karlsruhe an, wurden aber von der B√ľrgerschaft mit Mi√ütrauen empfangen, da die F√ľhrer der radicalen Partei die Gelegenheit zu Massendemonstrationen benutzen zu wollen schienen. Die Sitzung der 2. Kammer, deren Galerien meist mit revolution√§ren Gestalten √ľberf√ľllt u. deren Zug√§nge durch Tausende von Menschen belagert waren, war merkw√ľrdig genug: Bekks Verk√ľndigung der Pre√üfreiheit wurde mit Jubel vernommen; Hecker u. Brentano aber stellten nun weitere Forderungen u. dr√§ngten auf sofortige Bewilligung derselben. Solcher √úberrumpelung in der Kammer trat aber diese mit ruhiger Festigkeit entgegen, u. den krawalllustigen Massen vor dem St√§ndehause die entschlossene Haltung des Milit√§rs u. der B√ľrgerwehr. Karlsruhe blieb auch in den n√§chsten Tagen in bedenklicher Aufregung, welche bes. ein den verschiedensten Muthma√üungen raumgebender Brand im Palais des Ministeriums des Ausw√§rtigen, w√§hrend der Nacht vom 2. M√§rz, n√§hrte. Unterdessen waren Heckers Antr√§ge vom 1. M√§rz in geh√∂riger Form vor die Kammer gebracht, sogar noch erweitert u. in 12 W√ľnsche zusammengefa√üt, von derselben fast einstimmig angenommen worden (u.a. Verantwortlichkeit der Minister, Reinigung des Ministeriums u. der Bundestagsgesandtenstelle von den mi√üliebigen Elementen, Unabh√§ngigkeit des Richterstandes), worauf am. 4. M√§rz die Regierung eine zusagende Antwort gab. Am 9. traten an Trefurt's u. Regenauer's Stelle Bauer u. Hoffmann in das Ministerium. Die Bitte um allgemeine Amnestie wurde sofort gew√§hrt, bei der Bundesversammlung der Antrag auf Volksvertretung am Bundestage gestellt, v. Blittersdorf von Frankfurt abgerufen, Welcker an seiner Stelle zum Bundestagsgesandten u. Bassermann zum Vertrauensmann ernannt. W√§hrend mit diesen Concessionen der Regierung ein friedlicher Entwickelungsproce√ü der staatlichen Verh√§ltnisse in Aussicht gestellt war u. die allgemeinen Zust√§nde auch wirklich in ein ruhiges Stadium traten: machte sich die einmal ins Volk gedrungene G√§hrung doch noch hier u. da, wenn auch nur vor√ľbergehend, Luft durch Verfolgung der Juden u. in ausgedehnterer Weise durch Aufst√§nde der Bauern im Odenwalde u. in den fr√§nkischen Gegenden gegen ihre Herren, wobei in vereinzelten F√§llen Pl√ľnderungen u. Gewaltth√§tigkeiten gegen mi√üliebige Pers√∂nlichkeiten vorfielen. In einer auf den 19. M√§rz ausgeschriebenen Volksversammlung zu Offenburg, auf welcher sich die beiden Fractionen der Linken zum letzten Male zusammenfanden, lag dem √ľberallher zusammengestr√∂mten Volke der Gedanke an eine gewaltsame Umgestaltung der Staatsform noch fern; selbst die H√§upter der radicalen Partei hielten die Zeit noch nicht f√ľr reif, mit bestimmten Aufforderungen hierzu hervorzutreten. Die Beschl√ľsse der Versammlung enthielten ein Mi√ütrauensvotum gegen den Kriegsminister u. gegen den Markgrafen Wilhelm, ferner das Verlangen nach Umgestaltung der 1. Kammer u. Reinigung der 2. Kammer, nach Verschmelzung der B√ľrgerwehr mit dem stehenden Heere, nach Einf√ľhrung einer progressiven Verm√∂gens- u. Einkommensteuer, nach wohlfeilerer Regierung, Trennung der Schule von der Kirche etc. Der bedeutungsvollste Beschlu√ü war aber jedenfalls der √ľber Bildung von politischen Clubs, die durch ganz Baden sorgf√§ltig organisirt, unter einem leitenden Ausschu√ü stehen sollten; als dessen Mitglieder wurden 16 M√§nner der √§u√üersten Linken, als deren Obmann Hecker, ernannt. Die Wenigsten √ľbersahen die Tragweite dieses, allerdings mit jeder constitutionellen Praxis unvereinbaren Beschlusses. Nachdem unterdessen selbst in Wien u. Berlin den Forderungen des Volkes nachgegeben u. die Wirksamkeit der revolution√§ren Propaganda in Frankreich u. der Schweiz auf Deutschland danach neu belebt u. bereits √∂ffentlich der Einfall bewaffneter Arbeitercolonnen aus Frankreich nach Deutschland angezeigt worden war: trat auch in B. die revolution√§re Partei, deren F√ľhrern jene Projecte nicht fremd waren, offener mit ihren Pl√§nen hervor u. suchten Sympathien f√ľr die unter den gl√§nzendsten Bildern materiellen Wohlseins in Aussicht gestellte Republik. Sie fanden sie am Bodensee, unter Ficklers Agitation, im Seekreis, wo der Abgeordnete Peter zum Regierungsdirector ernannt worden war, auf dem Schwarzwalde u. in den √ľbrigen Landestheilen durch zahlreiche Volksversammlungen, von deren Leitung sich die gem√§√üigteren F√ľhrer bereits zur√ľckgezogen hatten. In Freiburg erreichte Struve schon das Votum der Versammlung f√ľr eine deutsche F√∂derativrepublik, w√§hrend ihm in Heidelberg derselbe Versuch g√§nzlich[154] fehlschlug. Auch das Heer wurde schon nicht erfolglos bearbeitet, u. w√§hrend die Republikanisirung des Landvolkes, bei dessen z√§her Natur, auf vielfache Hindernisse stie√ü, erwarb man in dem st√§dtischen Proletariat u. unter dem niederen Handwerksstande um so bereitwilligere Werkzeuge f√ľr den Umsturz. Daneben tauchten allenthalben fremde abenteuerliche Gestalten in Menge auf, √ľber deren Bestrebungen u. Absichten kein Zweifel herrschen konnte. Von Seiten der Regierung waren gegen die drohende Arbeiterinvasion mit Bewilligung der St√§nde milit√§rische Vorsichtsma√üregeln angeordnet u. den. Forderungen der Offenburger Versammlung so weit als m√∂glich entsprochen worden, namentlich waren der Kriegsminister u. Markgraf Wilhelm beseitigt. So war das Ende des M√§rz herbeigekommen, u. mit ihm die Er√∂ffnung des Vorparlamentes zu Frankfurt, auf welches die Radicalen die bestimmteste Hoffnung gesetzt hatten. Doch schon in der 1. Sitzung desselben (31. M√§rz) wurde Struves Antrag, Deutschland zur Republik zu erkl√§ren, zur√ľckgewiesen. Dies entschied f√ľr die blutige Weiterentwickelung der Zust√§nde in B. Die F√ľhrer der republikanischen Partei, von Frankfurt doppelt verbittert zur√ľckgekehrt, forderten nun in Versammlungen u. durch die Presse fast offen zum bewaffneten Aufstande auf; fast ebenso offen waren die mit Frankreich u. der Schweiz wegen des von dorther erwarteten Freischaareneinfalles angekn√ľpften Verbindungen. Unterdessen hatte jedoch die Regierung f√ľr schleunige Mobilmachung des 8. Armeecorps gesorgt, u. das Einr√ľcken der ersten Bundestruppen, Anfangs April, gegen welche im ganzen Lande heftig agitirt wurde, wurde am 7. April in der 2. Kammer mit gro√üer Majorit√§t gebilligt. Gewaltigen Eindruck machte unterdessen die durch Mathy am 8. April zu Karlsruhe bewirkte Verhaftung Ficklers, der von einer Zusammenkunft der F√ľhrer in Manheim eben wieder in den von ihm nun hinl√§nglich vorbereiteten Seekreis eilen wollte. Diese That verwirrte theils den Plan der Verschworenen u. dr√§ngte sie zu einem fr√ľhzeitigen Losbruch; theils schlug, nachdem Mathy in Manheim vor der gegen ihn w√ľthenden Volksmenge seinen Schritt durch Nachweis der landesverr√§therischen Verbindungen des Verhafteten gerechtfertigt hatte, die Volksstimmung daselbst zum Nachtheil der republikanischen Partei um.

b) Der Aprilaufstand. Hecker, nach Ficklers Verhaftung f√ľr seine eigene Sicherheit besorgt, eilte am lt. April nach dem Seekreis hinauf; Struve war bereits dort, u. Beide erlie√üen, obschon die allgemeine Stimmung nicht eben g√ľnstig f√ľr ihre Sache war, doch am 12. April aus Constanzeinen Aufruf an die waffenf√§higen M√§nner der benachbarten √Ąmter, sich am 14. April bewaffnet in Donaueschingen einzufinden. Der Erfolg war sehr gering; mit nicht 50 Mann zog Hecker am 13. April von Constanz aus; nirgends fand er mehr Begeisterung, bei Engen betrug seine Mannschaft kaum erst 400 Mann, u. in Donaueschingen war gleichfalls nur eine geringe, schlechtbewaffnete Schaar zusammengekommen. Am Tage der Ankunft Heckers daselbst (15. April) erschien auch w√ľrttembergisches Milit√§r vor der Stadt, mit welchem Struve eine Capitulation abschlo√ü, zufolge deren die republikanische Mannschaft ungehindert abzog, welche nun Hecker √ľber den Schwarzwald der Rheinebene zuf√ľhrte. Den Abgesandten des F√ľnfzigerausschusses, Venedey u. Spatz, welche ihm gegen Niederlegung der Waffen volle Amnestie zusicherten, antwortete er mit Spott. Unterdessen hatten sich allerdings Constanz u. Offenburg f√ľr die Republik erkl√§rt; doch fl√ľchtete dort der am 17. April auf Heckers Befehl zum Statthalter des Seekreises eingesetzte Peter alsbald vor den einr√ľckenden Baiern in die Schweiz, u. in Offenburg machte die milit√§rische Besetzung der am 18. dort auftauchenden Bewegung schnell ein Ende. Dagegen sammelte sich, namentlich aus der Constanzer Gegend, eine Masse Freischaaren, welche unter Anf√ľhrung des fr√ľheren badenschen Lieutenants Sigel u. des Wirthes Weishaar, sich mit Heckers Schaar verbinden wollten. Hecker war inzwischen am 19. April bereits in Kandern angekommen u. daselbst f√ľr die n√§chste Zukunft geblieben, obschon die Gegend ung√ľnstig gestimmt war u. Truppen in der N√§he standen. Mit denselben, Hessen u. W√ľrttembergern unter dem General Friedr. v. Gagern, entspann sich nun auch am 20. April das Gefecht bei Kandern, welches damit begann, da√ü der General v. Gagern, nachdem er in einer Unterredung mit Hecker demselben von seinem Vorhaben abzumahnen gesucht hatte, vor seiner Fronte verr√§therischerweise durch Freisch√§rler niedergeschossen wurde. Erbittert dar√ľber griffen die Truppen rasch an u. trieben die Freischaaren bald in die Flucht. Hecker entkam selbst nur mit M√ľhe in die Schweiz u. blieb f√ľr jetzt daselbst. Struves u. Weishaars Schaar zerstreute sich bei Ann√§herung der Truppen, u. der gr√∂√üte Theil derselben verlief sich in die Schweiz. Auch die meisten F√ľhrer gingen √ľber den Rhein, u. Struve, von B√ľrgern verhaftet, aber durch die eingesch√ľchterten Beh√∂rden von S√§ckingen am 21. April wieder freigelassen, folgte ihnen dahin. Dagegen erhob sich nun der Aufstand aufs Neue in u. um Freiburg; hier hatte der Rest einer am 22. April abgehaltenen bewaffneten Volksversammlung v√∂llig die Oberhand gewonnen, so da√ü am 23. die Stadt verbarrikadirt u. gegen die heranr√ľckenden Truppen in ziemlichen Vertheidigungszustand gesetzt wurde; zur Besatzung eilten Sigel u. M√∂gling mit ihren Schaaren herbei. Mit Ankunft der Sigelschen Vorhut unter Struve begann nun bei Freiburg ein Gefecht, in welchem die Freischaaren √ľberall im Nachtheil waren, um so mehr, da auch die badensche Infanterie gegen die Verlockungen Struves zum √úbertritt fest stand. Am 24. April wurde Freiburg selbst durch badensches, hessisches u. naussanisches Milit√§r nach kurzem, aber heftigem Kampfe genommen. Die Freischaaren zerstreuten sich wieder, die F√ľhrer entwichen in die Schweiz. Auch im Unterlande, bes. in Manheim, wo die v√∂llige Anarchie am 26. April ihren H√∂hepunkt erreichte, trat gegen Ende des Monats wieder Ruhe ein; die Stadt wurde von Baiern u. Hessen besetzt. Die von den Aufst√§ndischen in Baden l√§ngst erwartete demokratische Legion aus Paris, ein bunter Haufen brodloser Arbeiter u. Abenteurer aus allen Nationen, war unter Herwegh in Stra√üburg Mitte April angekommen, verlor aber schon da eine Anzahl Entt√§uschter, ging, etwa noch 1000 Mann stark, in der Nacht vom 23. bei Kems √ľber den Rhein, zog gegen Kandern, wandte sich aber bald auf die Nachricht von den j√ľngsten ung√ľnstigen Ereignissen in schnellem R√ľckzuge der Schweizergrenze[155] zu, gerieth noch in der N√§he derselben am 27. April bei Dossenbach mit w√ľrttembergischem Milit√§r in ein unbedeutendes Gefecht, in welchem der republikanische Hauptmann Schimmelpenninck fiel u. Bornstedt mit vielen Anderen gefangen wurde, u. l√∂ste sich dann auf. Herwegh entkam in die Schweiz.

c) Der Septemberaufstand. War auch der Aprilaufstand g√§nzlich mi√ügl√ľckt, so waren doch die Hoffnungen der republikanischen Partei dadurch nicht herabgestimmt, vielmehr erhob dieselbe in der Presse u. in den Clubs das Haupt bald k√ľhner als zuvor, u. auch die Z√ľgellosigkeit des Proletariats war noch gewachsen. Die Ma√üregeln der Regierung, namentlich wider die Volksaussch√ľsse u. die demokratischen Vereine, waren ohne Erfolg. Vergebens bereiteten Regierung u. Kammer in dieser Zeit die freisinnigsten Reformen vor (Capital- u. Einkommensteuer, Schwurgerichte, Volkswahlen etc.), vergebens verzichtete der Gro√üherzog auf einen Theil seiner Civilliste f√ľr das laufende Jahr, vergebens wurde eine umfassende Amnestie erlassen; w√§hrend man es dadurch mit den Strengconservativen verdarb, gen√ľgte man auch der radicalen Partei nicht. Revolution√§re Emiss√§re u. Flugschriften bearbeiteten das Land, das Clubwesen nahm einen neuen Aufschwung, u. in den Zusammenk√ľnften der F√ľhrer an der Schweizer Grenze wurden l√§ngst wieder Pl√§ne f√ľr einen neuen Aufstand geschmiedet, u. w√§hrend Hecker, zerfallen mit den meisten seiner Verb√ľndeten, von Southampton nach Amerika abreiste (20. Sept.), r√ľstete man sich auch wirklich an der Schweizer Grenze zu einem wiederholten Einfall in Baden. Am 21. Sept. ging Struve, in der Erwartung, Deutschland in Folge der Anerkennung des Malm√∂er Waffenstillstandes durch die Nationalversammlung f√ľr seine Pl√§ne nun v√∂llig zug√§nglich zu finden, von Basel √ľber die Grenze u. r√ľckte gegen Abend mit etwa 30 Mann in L√∂rrach ein, proclamirte daselbst vom Rathhause herab die Republik, ordnete unter Androhung des Standrechtes f√ľr die Widersetzlichen die Aushebung der waffenf√§higen Mannschaft an. u. begann die Regierung mit einer Reihe von Proclamationen, worin. u.a. die Aufhebung aller Abgaben, mit einstweiliger Ausnahme der Z√∂lle, die Abschaffung aller Grundlasten ohne Entsch√§digung, die Verhaftung aller Personen von der conservativen Partei sammt Confiscation ihres Verm√∂gens angeordnet wurden; ferner sollte alles Grundeigenthum des Staates, der Kirche u. der Conservativen provisorisch an die betreffenden Gemeinden √ľbergehen, unter Vorbehalt sp√§terer Ausgleichung. Verschiedene Beamten wurden eingezogen, die Posten angehalten, die Staatsgelder confiscirt, selbst verd√§chtige Gesinnung gen√ľgte zur Verhaftung, aber freilich auch Geldzahlung zur Freilassung. So ging es in L√∂rrach, M√ľhlheim, Kandern u.a. O. Schwer hielt es aber mit der Organisation des Revolutionsheeres; der Zuzug kam nur schwach an u. bestand meist aus Gezwungenen, u. der sogenannte General L√∂wenfels hatte bei seinem Vorr√ľcken mit dem steten Widerstande seiner Truppen zu k√§mpfen. Die Regierung war diesmal besser ger√ľstet als fr√ľher; denn kaum waren die etwa 800 Mann starken Freischaaren am 24. Sept. in Staufen einger√ľckt u. hatten die √∂ffentlichen Kassen in Beschlag genommen, als bereits das badische Milit√§r (2 Bataillone Infanterie, 2 Schwadronen u. 4 Gesch√ľtze) unter General Hoffmann vor dem St√§dtchen anlangte. Die eben noch mit den fabelhaftesten Siegesnachrichten unterhaltene Volksmenge lief auseinander, ein Rest der Freischaaren verbarrikadirte die Stadt, wehrte sich gegen die Truppen hier u. da lebhaft, mu√üte aber schon nach 2 Stunden den Ort mit ziemlichem Verlust r√§umen u. zerstreute sich dann; Struve floh √ľber das Gebirge der Schweiz zu, entkam schon in Todtenau nur mit M√ľhe einigen gegen ihn erbitterten Freisch√§rlern, wurde aber in Wehr am 25. von einer Anzahl B√ľrger festgenommen u. von Schopfheimer B√ľrgerwehr nach Schliengen u. von da aus von badenschem Milit√§r noch Freiburg gebracht. Gegen Struve zeigte sich im Volke allenthalben gro√üe Erbitterung; statt an das Kriegsgericht ward derselbe dort, in Folge der Milde der Regierung, an die ordentlichen Gerichte √ľberwiesen. Die noch hier u. da im Gebirge zerstreuten u. √ľbel hausenden Freischaaren wurden von den Truppen theils aufgerieben, theils zersprengt. Mit dem traurigen Ausgange des Struveschen Unternehmens hatte die Sache der Republik f√ľr jetzt bei dem Volke allen Boden verloren, w√§hrend die Regierung an Macht gewonnen hatte.

d) Zust√§nde bis zum Mai 1849. Die Regierung verschm√§hte es ihren Sieg gegen die Feinde des Vaterlandes zu benutzen u. von den Ausnahmsgesetzen Gebrauch zu machen, dagegen gab sie in milder, vertrauensvoller Weise auch den liberalen Forderungen ihrer Freunde nach Kr√§ften nach, setzte gemeinschaftlich mit der Kammer die friedliche Organisation des Staates fort, promulgirte die Grundrechte des deutschen Volkes u. suchte dieselben durch Ausf√ľhrungsgesetze m√∂glichst schnell zur Geltung im Lande zu bringen. Diese Milde machte der revolution√§ren Partei, deren Haupt jetzt Lor. Brentano (s.d.) war, in Kurzem wieder Muth u. lie√ü sie aufs Neue ihre Pl√§ne th√§tig u. r√ľcksichtslos verfolgen. Zun√§chst schlug der Ton der radicalen Presse wieder in die ungemessenste Z√ľgellosigkeit um. Bald begannen auch die Volksvereine, von Manheim aus durch den Landesausschu√ü geleitet, ihre destructive Wirksamkeit wieder; ihr n√§chstes Ziel war die Aufl√∂sung der Kammer geworden; dieselbe wurde nach allen Seiten verd√§chtigt u. mit Petitionen zur Selbstaufl√∂sung aufgefordert, um einer constituirenden Versammlung aus allgemeinen Volkswahlen Platz zu machen. In der Kammersitzung vom 10. Februar 1849 sprach sich der Ausschu√übericht gegen eine sofortige Aufl√∂sung aus, wollte aber eine solche nach Erledigung der wichtigsten Vorlagen, darunter eines neuen Wahlgesetzes, verf√ľgt wissen. Die radicale Partei dagegen k√§mpfte wider die Aufnahme der Wahlordnung unter die Arbeiten der jetzigen Kammer; u. als sie darin √ľberstimmt wurden, legten 17 Abgeordnete, Brentano an der Spitze, ihr Mandat nieder. Gegen ihre Berechnung blieb die Kammer, trotzdem da√ü die Vollziehung der angeordneten Ersatzwahlen gr√∂√ütentheils hintertrieben wurde, dennoch beschlu√üf√§hig u. setzte ihre Arbeiten fort. Daneben nahmen die Volksvereine (ihre Zahl betrug gegen 400 mit mehr als 60,000 Mitgliedern) immer mehr das Recht der wahren Volksvertretung in Anspruch, der Landesausschu√ü betrachtete sich als eigentliche Regierung, der Arbeiterstand war durch communistische Vorspiegelungen v√∂llig f√ľr die Partei gewonnen u. die revolution√§re Presse predigte jetzt geradezu eine[156] rothe Republik mit Todtschlag u. Galgen, u. erlaubte sich die w√ľthendsten Ausf√§lle gegen die Gerichte, das Ministerium, die Kammer, den Gro√üherzog mit seiner Familie, sowie gegen die Kirche. Unter solchen Verh√§ltnissen war auch der Ausgang der am 20. M√§rz in Freiburg gegen Struve u. Blind er√∂ffneten Assisensitzung nur zu erkl√§rlich; nach den w√ľstesten Verhandlungen sprachen die bearbeiteten u. eingesch√ľchterten Geschwornen ihr Urtheil dahin aus, da√ü Struves Antheil am Aprilaufstand verneint, die Unternehmung im September aber als ohne Vorbedacht mit mildernden Umst√§nden bezeichnet ward; wonach der Staatsanwalt seinen Antrag nur auf 8 Jahre Zuchthaus stellen konnte. Somit hatte die revolution√§re Partei nun alle Factoren der politischen Bewegung in H√§nden, au√üer der Presse u. dem Clubwesen auch die Justiz als Parteiwaffe. Das waren die Zust√§nde B-s, als der April 1849 kam, u. mit ihm die Vernichtung der letzten Hoffnung der liberalen Partei. Der K√∂nig von Preu√üen lehnte die Kaiserw√ľrde ab; die Frankfurter Verfassung vom 28. M√§rz ward von den Regierungen verworfen u. dadurch mit der Nationalversammlung v√∂llig gebrochen. Die radicale Partei in Deutschland nahm bei der allgemeinen Aufregung die g√ľnstige Gelegenheit wahr; unter dem Vorwande eines Kampfes f√ľr die Reichsverfassung erhob sich der Aufstand in der Pfalz, in Sachsen u. am Rhein. Dieser Vorwand war der Partei in B. freilich abgeschnitten, denn die Regierung hatte die Verfassung anerkannt, dieselbe am 10. Mai publicirt, die Beeidigung des Heeres u. der B√ľrgerwehr auf dieselbe f√ľr den 13. Mai bestimmt. Man mu√üte einen andern Titel f√ľr die Revolution suchen.

e) Die Revolution im Mai u. Juni 1849. Schon im April war von Kreiscongressen der Volksvereine beschlossen worden, durch allenthalben abzuhaltende Volksversammlungen das Volk auf einen entscheidenden Schlag vorzubereiten; u. als die F√ľhrer der republikanischen Partei das Volk in jenen Versammlungen f√ľr reif dazu befunden hatten, so schrieb der Landesausschu√ü auf den 12. Mai einen allgemeinen Landescongre√ü aller Volksvereine, auf den 13. Mai eine gro√üe Volksversammlung nach Offenburg aus. In dem Landescongre√ü behielten die Besonneneren von der radicalen Partei noch die Oberhand; man war gegen sofortigen Losbruch, es sollte noch ein Versuch der G√ľte stattfinden. Die vom Congre√ü an die Regierung gestellten Forderungen waren: R√ľcktritt des Ministeriums, Aufl√∂sung der Kammer, Annullirung aller seit Januar von derselben gefa√üten Beschl√ľsse, Berufung einer constituirenden Versammlung nach allgemeinem Stimmrecht, allgemeine Amnestie. Der mit diesen Forderungen an den Minister Bekk gesandten Deputation gab derselbe am 13. Mai eine ruhige, im Ganzen aber abweisende Antwort, in welcher schlie√ülich f√ľr den Fall, da√ü auch der Umsturz gel√§nge, auf die unausbleibliche Besetzung des Landes durch fremde Truppen hingewiesen wurde. Die Deputation schied unter Drohungen. Der Bescheid, den sie nach Offenburg zur√ľckbrachte, trat jedoch in seiner Wirkung weit zur√ľck hinter die Wirkung eines andern Ereignisses, von welchem die Kunde unterdessen eingelaufen war u. welches der Versammlung auch den letzten Rest der M√§√üigung raubte. Dies war die durch unerm√ľdlich fortgesetzte Bearbeitung des Heeres hervorgerufene u. am 11. Mai ausgebrochene Milit√§remp√∂rung in Rastadt, Schon seit dem 9. Mai hatten Soldaten in Rastadt in revolution√§ren Versammlungen aufreizende Reden gehalten; ihre Aufregung ward von den B√ľrgern sorgsam gen√§hrt. Am 11. Mai wurde ein verhafteter Soldat durch Erst√ľrmung der Kaserne befreit, mehrere Offiziere, darunter der Festungscommandant, th√§tlich angegriffen u. gemi√ühandelt, das Haus eines Obersten gest√ľrmt u. die Fahne aus seiner Wohnung geraubt. Der am 12. Mai mit Dragonern u. Gesch√ľtz angekommene Kriegsminister, General Hoffmann, mu√üte sich, nachdem er vergebens mit den trunkenen Soldaten verhandelt u. dabei die Beschickung der Offenburger Versammlung durch die Besatzung bewilligt hatte, zuletzt unter Lebensgefahr mit einem geringen Rest seiner Truppe aus der Festung retten. Kaum hatte man noch Struve u. Blind nach Bruchsal abf√ľhren k√∂nnen. Die Emp√∂rung war v√∂llig, die Offiziere machtlos u. in steter Lebensgefahr, die Festung in der Gewalt eines sofort gew√§hlten Vertheidigungsausschusses. In Folge der Nachricht von diesem Stande der Dinge in Rastadt siegte in der gro√üen Volksversammlung zu Offenburg am 13. Mai die Partei der offenen Revolution. Die Beschl√ľsse dieser Versammlung lauteten dem Hauptinhalte nach nun: die Regierung mu√ü die Durchf√ľhrung der Reichsverfassung auch mit der ganzen bewaffneten Macht, zun√§chst in der Pfalz, unterst√ľtzen; das gegenw√§rtige Ministerium ist sofort zu entlassen, ein neues durch Brentano u. Peter zu bilden; die St√§ndekammern sind alsbald aufzul√∂sen, eine verfassunggebende Versammlung durch allgemeine Wahlen aber einzuberufen, welche die gesammte Rechts- u. Machtvollkommenheit des badischen Volkes in sich vereinigt; Volksbewaffnung ist ohne Verzug auf Staatskosten ins Leben zu rufen, das erste Aufgebot derselben sofort mobil zu machen; allgemeine Amnestie; Aufhebung der Milit√§rgerichtsbarkeit; bei dem Heere freie Wahl der Offiziere; alsbaldige Verschmelzung des stehenden Heeres mit der Volkswehr; unentgeltliche Aufhebung aller Grundlasten; die Gemeinden sind hinsichtlich der Verwaltung des. Gemeindeverm√∂gens wie der Wahl der Gemeindevertreter f√ľr unbedingt selbst√§ndig zu erkl√§ren; Annullirung s√§mmtlicher von den sogenannten Kammern seit dem 17. Januar gefa√üten Beschl√ľsse, namentlich des sogenannten Wahlgesetzes; augenblickliche Einf√ľhrung der Geschwornengerichte; Errichtung einer Nationalbank f√ľr Gewerbe, Handel u. Ackerbau: Einf√ľhrung einer progressiven Einkommensteuer statt des alten Steuerwesens; Errichtung eines gro√üen Landespensionsfonds an Stelle des besonderen Pensionsfonds f√ľr Staatsdiener. Der Landesausschu√ü (Brentano, H. Hoff, Richter, Goegg, Werner, Rehmann), ward beauftragt, die n√∂thigen Anordnungen zu Durchf√ľhrung dieser Beschl√ľsse mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln zu treffen u. von dem Ergebni√ü der Versammlung die Landesaussch√ľsse der Nachbarstaaten, namentlich den der Pfalz, in Kenntni√ü zu setzen. Der somit permanent gewordene Landesausschu√ü begab sich nach Rastadt. Unterdessen war auch in L√∂rrach eine Milit√§remente mit Erfolg losgebrochen; in Freiburg u. Bruchsal blieb es nur bei den Versuchen. Gefahrdrohender wurden aber nun die Zust√§nde in Karlsruhe selbst; die Regierung forderte vergebens Truppen von der Reichsgewalt,[157] Da brach in der Nacht vom 13. zum 14. Mai unter der, schon seit einiger Zeit ebenfalls aufs√§ssig gewordenen Garnison der Hauptstadt, auch der offene Tumult aus. Unterst√ľtzt vom P√∂bel, demolirten die trunkenen Soldaten die Kaserne u. r√ľsteten sich dann zu einem Sturme auf das Zeughaus, welcher jedoch durch die dort aufgestellte B√ľrgerwehr abgeschlagen ward. Doch blieb dies Beispiel eines kr√§ftigen Widerstandes nur ein vereinzeltes; die Beh√∂rden u. der Gro√üherzog verlie√üen Karlsruhe, u. Letzter ging unter dem Geleite des Generals Hoffmann mit einer schwachen Bedeckung treugebliebener Dragoner √ľber Germersheim nach Hagenau im Elsa√ü; nach ihm verlie√ü auch das Ministerium die Stadt. Hier ging es inzwischen so toll her, da√ü dem Gemeinderath kein anderer Ausweg blieb, als den Landesausschu√ü von Rastadt nach Karlsruhe einzuladen, der auch bereits am 14. Abends seinen Einzug hielt. Brentano versicherte √∂ffentlich, die ganze Bewegung gelte nur der Durchf√ľhrung der Reichsverfassung; der Landesausschu√ü wolle nur an der Stelle des geflohenen Gro√üherzogs durch seine Auctoritat f√ľr die √∂ffentliche Sicherheit sorgen. Die n√§chste Ma√üregel war jetzt die Ernennung einer Executivcommission: Brentano f√ľr das Innere, Peter f√ľr die Justiz, Goegg f√ľr die Finanzen, Eichfeld f√ľr den Krieg. Von nun verbreitete sich der Aufruhr wie mit einem Schlage durch das Land; √ľberallentwichen die Beamten; die Gefangenen in Bruchsal, darunter Struve u. Blind, wurden befreit, das Milit√§r l√∂ste sich theils g√§nzlich auf, theils folgte es dem Rufe des Landesausschusses nach Karlsruhe, den wenigen treugebliebenen Abtheilungen unter General Gayling, Hoffmann etc. gelang es bei dem allgemeinen Widerstande an der Grenze nicht, sich auf das W√ľrttembergische zur√ľckzuziehen; auch sie l√∂sten sich auf. So war das Land v√∂llig in den H√§nden des Landesausschusses, welchem aber sowohl alle Anlage zum Regierungsgesch√§ft, als auch das allgemeine Vertrauen fehlte. Brentano, dies wohl einsehend, suchte darum auch die bisherigen Beamten im Dienste zu erhalten u. zwang die √Ąngstlichen derselben zu einem zweideutigen Verpflichtungseid. Auch t√§uschte er sich so wenig √ľber die wahre Sachlage, da√ü er nur mit der √§u√üersten M√§√üigung auftrat, w√§hrend die Extremen der Partei (Struve, Willich, Heinzen, Becker, Blind, Bornstedt, Tzschirner) mit ihrem Anhang aus allen Nationen, die Republik durch die gewaltsamsten Ma√üregeln durchzusetzen strebten. Daher entstand schon von vorn herein die feindselige Spaltung in der Partei. Zum Mi√ülingen ihrer Absicht trug noch bei die t√§glich zunehmende Unzuverl√§ssigkeit der Truppen, die zum gro√üen Theil der Zuchtlosigkeit m√ľde u. der Republik abhold, nach dem Gro√üherzog u. den fr√ľheren Offizieren verlangten u. dadurch den neuen Machthabern unbequem wurden Die ersten Ma√üregeln der revolution√§ren Regierung war die Absetzung der bisherigen Minister, Aufl√∂sung der Kammern, Berufung einer constituirenden Versammlung, daneben Zur√ľckrufung Heckers aus Amerika, Anordnung einer allgemeinen Gemeindebewaffnung u. der Mobilmachung des ersten Aufgebotes, Einf√ľhrung unbeschr√§nkter Pre√üfreiheit, unentgeltliche Aufhebung s√§mmtlicher Grundlasten, Erkl√§rung der Selbst√§ndigkeit der Gemeinden etc. Biel davon kam nie zur Ausf√ľhrung, gegen manche Verordnung, wie die der Pre√üfreiheit u. des Postgeheimnisses, s√ľndigte die neue Regierung selbst am schreiendsten. Unterdessen hatte die Regierung auch Kriegs- u. Civilcommiss√§re in die St√§dte des Landes geschickt, deren Hauptthaten die waren, da√ü sie auf √∂ffentliche Kosten ein heiteres Leben f√ľhrten u. die Bev√∂lkerung schonungslos tyrannisirten. Viel versprach sich die neue Regierung von franz√∂sischer H√ľlfe, um welche eine Gesandtschaft, Blind u. Ruge, in Paris nachsuchen sollte; √§u√üeres Ansehen suchte sie sich durch die Verbindung mit dem in Stuttgart tagenden Rumpfparlament. zu geben; au√üerdem trat sie in ein B√ľndni√ü mit der provisorischen Regierung der Pfalz. √úber die Wirkung dieser Schritte, wie √ľber die Zust√§nde im √ľbrigen Deutschland, wurde das Volk von der revolution√§ren Regierung fortw√§hrend durch unwahre Nachrichten get√§uscht, jedoch durch Thatsachen bald entt√§uscht: in Hessen-Darmstadt, wohin eine bewaffnete Schaar unter Sigel r√ľcken sollte, wurde dieselbe am 30. Mai von hessischem Milit√§r zur√ľckgewiesen u. in gr√∂√üter Verwirrung bis hinter den Neckar zur√ľckgeworfen; in W√ľrttemberg, wohin zur Beschleunigung des Aufstandes Fickler geschickt worden war, scheiterte der Plan an der Festigkeit des Ministeriums, u. der Agent selbst wurde am 2. Juni verhaftet. Bei dieser schlimmen Lage der Dinge hatte man sich in Karlsruhe schon am 1. Juni zur Aufl√∂sung des Landesausschusses u. Einsetzung einer Provisorischen Regierung entschlossen, in welche au√üerden Mitgliedern der Executivcommission auch Fickler u. Sigel gew√§hlt worden waren. Doch drohte selbst im Innern des Landes schon eine neue Gefahr. Die √§u√üerste Partei, Struve an der Spitze, fand den Grund der mi√ülichen Lage in dem Mangel an revolution√§rer Energie von Seiten der Regierenden; der von Struve gestiftete Club des entschiedenen Fortschrittes forderte darum von diesen ein anderes Regiment voll durchgreifenden Terrorismus. Nachdruck gab diesen Forderungen die Leibgarde des Clubs, die Schweizerlegion unter Becker u. B√∂nning. Da aber befahl Brentano, da√ü die Legion die Stadt verlasse u. an die Hessische Grenze abmarschire, u. als sich dieselbe de√ü weigerte (5. Juni), stellte sich am n√§chsten Morgen die B√ľrgerwehr kampffertig auf. Struves Vermittlung verhinderte einen blutigen Zusammen√üsto√ü, inde√ü lie√ü die Regierung, unterdessen verst√§rkt durch Milit√§r aus Rastadt, Struve, Blecket u. Genossen verhaften, gab dieselben aber wieder frei, u. nachdem die Legion sich zum Abzug bereit erkl√§rt hatte, verlie√ü auch Struve Karlsruhe. Einige Tage darauf, am 10. Juni, ward die Constituirende Versammlung, die √ľber die Regierungsform entscheiden sollte, durch Brentano er√∂ffnet. Die neuen Volksvertreter, √ľberall bei der Mi√üstimmung des Landes gegen den Zustand der Dinge nur durch Minorit√§tswahlen ernannt, denen es an Einsicht u. Kenntnissen g√§nzlich mangelte, wiesen zun√§chst den am 13. Juni gestellten Antrag auf Zur√ľckberufung des Gro√üherzogs unter Hohn zur√ľck u. gingen daran, zum 3. Mal eine neue Regierungsform zu w√§hlen. Man entschied sich f√ľr das Triumvirat, welches durch Brentano, Goegg u. Werner gebildet wurde. Die Bedeutung, welche die Verhandlungen der Versammlung h√§tten gewinnen k√∂nnen, schwand jedoch bald vor den sich nun vorbereitenden kriegerischen Ereignissen.

f) Der Revolutionskrieg im Juni. Die [158] Reichsgewalt in Frankfurt hatte einen Plan zur Unterdr√ľckung des badischen Aufstandes entworfen. Aber die danach in Aussicht gestellte H√ľlfe war eine zu entfernte u. unzul√§ngliche, als da√ü sich die Regierung des Gro√üherzogs darauf verlassen durfte; darum wendete sich derselbe an Preu√üen, das eben eine rasche u. nachdr√ľckliche H√ľlfe zu bieten vermochte. In Folge dieses B√ľndnisses trat der Gro√üherzog, der gegen Ende des Mai nach Deutschland zur√ľckgekehrt war, dem Dreik√∂nigsb√ľndni√ü bei, entlie√ü am 4. Juni sein bisheriges Ministerium, w√§hrend M√§nner der entschiedenen Rechten, Marschall v. Bieberstein, Kl√ľber u. Stabel, das neue Ministerium bildeten. Rasch r√ľckten nun die Preu√üen vom Niederrhein, der Nahe u. aus Mitteldeutschland vor, √ľber welche der Prinz von Preu√üen selbst den Oberbefehl √ľbernahm, w√§hrend eine Reichsarmee (Hessen, Mecklenburger, W√ľrttemberger, Nassauer u. Baiern, nebst dem 38. preu√üischen Regimente) unter Peucker an der Hessischen Grenze aufgestellt war. Dies Neckarcorps stand bereits Mitte Juni vollst√§ndig concentrirt da. Zu gleicher Zeit r√ľckte das preu√üische Corps von der Nahe unter General Hirschfeld bereits in die Pfalz vor, w√§hrend von Wetzlar her ein drittes unter General Gr√∂ben schon in der N√§he des Main stand; es waren zusammen 50,000 Mann Infanterie, 4500 Mann Cavallerie mit 100 Gesch√ľtzen. In Reserve standen 16,000 Mann Baiern, w√§hrend W√ľrttemberg 8000 Mann bei Heilbronn u. √Ėsterreich 10,000 Mann im Vorarlberg aufgestellt hatten. Aber auch in B. hatte sich die revolution√§re Regierung auf den herannahenden Sturm nach Kr√§ften ger√ľstet. Der Pole Mieroslawski war zur √úbernahme des Oberbefehls gewonnen worden, u. unter ihm traten als Befehlshaber ein die Polen Sznayde, Oborski, Gajewski etc., von den Deutschen blieben Willich, Sigel, Eichfeld, Blenker, Anneke, Germ. Metternich, Zitz. Man hatte zu verf√ľgen √ľber drei Truppengattungen: regelm√§√üiges Heer, etwa 22,000 Mann stark (badisches u. baierisches Milit√§r), Freischaaren u. B√ľrgerwehr, letztere meist ganz unzuverl√§ssig. Zusammen belief sich die St√§rke des ganzen Revolutionsheeres in den besten Momenten auf etwa 45,000 Mann mit circa 80 Gesch√ľtzen. Die Operationen der preu√üischen u. Reichstruppen liefen darauf hinaus, den Aufstand zu umzingeln u. durch planm√§√üiges Zusammenwirken der drei verschiedenen Corps die Aufst√§ndischen selbst von einem R√ľckzuge auf au√üerdeutsches Gebiet abzuschneiden, ‚Äď eine Aufgabe, die jedoch nur unvollst√§ndig gelang. Am 14. Juni r√ľckte Peucker gegen die Neckarlinie vor, warf zwar die badischen Vorposten bei Weinheim zur√ľck, konnte aber durch seinen linken Fl√ľgel im Odenwald keinerlei Vortheile erringen. Am 15. Juni wurde bei K√§ferthal, Ladenburg u. an der Bergstra√üe hartn√§ckig gek√§mpft. Bei K√§ferthal u. Weinheim (Bergstra√üe) wurden die Aufst√§ndischen nach einiger Zeit geworfen, w√§hrend sie im Centrum bei Ladenburg im Ganzen siegreich waren, Ladenburg erst√ľrmten u. Schriesheim besetzten, wobei mehrere feindliche Offiziere in ihre H√§nde fielen. Unterdessen waren aber die Preu√üen auf dem linken Rheinufer aus der Pfalz gegen Ludwigshafen vorgedrungen, hatten die badische Volkswehr aus diesem Orte vertrieben u. sie unter heftigem Feuer √ľber die Br√ľcke nach Manheim zur√ľckgeworfen, von wo aus die Aufst√§ndischen die Lagerh√§user von Ludwigshafen in Brand schossen. Am 16. Juni griff Mieroslawski die Reichstruppen von Neuem mit seiner ganzen Macht an, wobei bes. um das Dorf Gro√üsachsen mehrere Stunden lang heftig gek√§mpft wurde. Am 17. Juni war fast das ganze Corps Peuckers in dieser Gegend concentrirt, es hatte seinen Zweck erreicht, die Aufst√§ndischen einstweilen am Neckar zu besch√§ftigen. Unterdessen war der Aufstand in der Pfalz bereits als √ľberwunden zu betrachten, die dortige Provisorische Regierung war entflohen, Landau entsetzt, u. am 18. Juni zog sich der Rest der pf√§lzischen Insurrectionsarmee unter Sznayde, noch 8000 Mann stark, bei Kandel √ľber die Knielinger Schiffsbr√ľcke auf badisches Gebiet zur√ľck, sie war im Zustande v√∂lliger Ersch√∂pfung u. Aufl√∂sung (s. Baiern). Am 20. Juni ging General Hirschfeld bei Germersheim ohne bedeutenden Widerstand √ľber den Rhein. Tags vorher hatte das Peuckersche Corps den Weg nach dem oberen Neckar eingeschlagen, am 21. √ľberschritt es nach einzelnen kurzen, aber hartn√§ckigen Gefechten diesen Flu√ü bei Zwingenberg. Gr√∂ben dagegen hatte am 20. sein Corps in die bisherigen Stellungen des Peuckerschen vorgeschoben. Mieroslawski, so der Einschlie√üung bereits nahe ausgesetzt, entschlo√ü sich jetzt, den schon bis 2 Meilen s√ľdlich von Heidelberg vorgedrungenen General Hirschfeld mit seiner ganzen disponibeln Macht (ca. 12,000 Mann) anzugreifen. Daraus entspann sich das blutige Treffen bei Waagh√§usel am 21. Juni. Die Preu√üen, am Morgen zur√ľckgedr√§ngt, vermochten nur erst durch herbeigezogene Verst√§rkung √ľber die Aufst√§ndischen zu siegen. Sznayde war inde√ü stehen geblieben u. entging unth√§tig bei Bruchsal kaum der Ermordung durch seine eigenen Leute. Nach ihrer v√∂lligen Niederlage eilten die Aussl√§ndlischen in wilder Flucht auf Wiesloch u. Heidelberg zu. Manheims u. Heidelbergs weiteres Schicksal war durch dieses Treffen entschieden. Heidelberg wurde am 22. von Mieroslawski verlassen, verfiel aber dann um so widerstandsloser dem Terrorismus der Schweizerlegion, bis der Anzug der Preu√üen am 23. demselben ein Ende machte. In Manheim erhoben sich bei der Ann√§herung der Preu√üen die der Schreckensherrschaft m√ľden B√ľrger selbst, verst√§ndigten sich mit dem Reste badischer Dragoner, entwaffneten die Freischaaren, nahmen den Civilcommiss√§r von Tr√ľtzschler, der eben mit der Kreiskasse entfliehen wollte, gefangen u. √∂ffneten den Preu√üen selbst den Weg √ľber die Br√ľcke. Mieroslawski hatte es unterdessen wegen des langsamen Vorr√ľckens des Peuckerschen Corps erm√∂glicht, √ľber Sinsheim zwischen dem Neckarcorps u. den Preu√üen durchzumarschiren, worauf er Bruchsal gewann u., nach blutigen Gefechten in dessen N√§he (24. Juni) wie bei Durlach, sich hinter die Murglinie zur√ľckwarf. Karlsruhe bot inzwischen das Bild der vollst√§ndigsten Verwirrung dar. Bisher durch die pomphaften Siegesberichte Mieroslawski's stets √ľber die wahre Sachlage get√§uscht, konnte man daselbst jetzt nach der wirren Flucht der Revolutionsarmee nicht l√§nger √ľber den schlimmen Stand der Sache der Revolution im Ungewissen sein. Die Provisorische Regierung sammt der Constituirenden Versammlung schickte sich bei Zeiten zum Abzug an, auf welchem sie die eben anlangenden Reste des Parlaments mit der Reichsregentschaft begleiteten, Ihre Flucht ging √ľber Offenburg, das sie am 2. [159] Juni erreichten, u. Freiburg; mit sich genommen hatten sie die Staats-, Post- u. Amortisationskassen. Schon am Nachmittag des 25. Juni waren unterdessen die Preu√üen in Karlsruhe einger√ľckt. Hiernach begann der zweite Theil des Feldzuges, in welchem das Peuckersche Corps wieder einen Flankenmarsch entlang der W√ľrttembergischen Grenze nahm, die Preu√üen aber in der Fronte angreifen sollten, wobei Gr√∂ben nun den rechten Fl√ľgel der Gesammtarmee bildete, das Hirschfeldsche Corps unter dem Prinzen von Preu√üen das Centrum. Den Aufst√§ndischen blieben noch die Murglinie u. Rastadt u. die P√§sse des Schwarzwaldes. Am 29. Juni begann der neue Kampf. Nachdem die Badner bei Ettlingenweiler, nach tapfrer Gegenwehr, geworfen worden waren, r√ľckten die Preu√üen unaufhaltsam in der Ebene vor, unter stetem Gefecht gegen die Aufst√§ndischen, die durch Peucker zugleich von den Bergen herab gedr√§ngt wurden. Nachdem die starken Schanzen zwischen Reu-Malsch u. Muggensturm erst√ľrmt worden waren, ging der Prinz von Preu√üen bis an die Murg vor. Die Insurgenten waren bereits zum √úbergang √ľber diesen Flu√ü gezwungen worden u. wurden noch w√§hrend desselben von der preu√üischen Vorhut beunruhigt, die ihnen bis nach Kuppenheim folgte. An demselben Tage war auch Peucker durch das Gebirge bis an die Murg gelangt, hatte dieselbe unter fortw√§hrendem Gefecht √ľberschritten, Gernsbach genommen u. bedrohte nun von B. aus die Aufst√§ndischen bereits im R√ľcken. Gr√∂ben dagegen hatte, von M√ľhlburg ausr√ľckend, am Abend des 29. Juni Rauenthal genommen u. war bis in die N√§he Rastadts vorgedrungen, u. am 30. Juni ward die Einschlie√üung der Festung Rastadt bewerkstelligt. Bei Oos erlitten Mecklenburger u. Nassauer an demselben Tage noch eine ziemliche Niederlage durch die Volkswehr Beckers, welche dort Stand hielt, um den gr√∂√üeren Massen den eiligen R√ľckzug nach S√ľden zu decken. Denn die Aufl√∂sung, die immer mehr zu einer wilden Flucht nach dem Rhein u. der Schweizer Grenze wurde, griff bereits weit um sich. In Offenburg versuchte Mieroslawski noch einmal, wiewohl vergebens, die Fl√ľchtigen zu sammeln; dann legte er das Commando nieder u. Sigel √ľbernahm dasselbe; doch hielten seine Schaaren nirgends mehr Stand. Am 11. Juli war das badische Gebiet g√§nzlich von dem Insurgenten heere ger√§umt; an 10,000 Mann mit den meisten F√ľhrern waren in die Schweiz √ľbergetreten, wo sie alsbald entwaffnet wurden. Gleichfalls am 11. Juli r√ľckten die Hessen u. Mecklenburger schon in Constanz ein, u. der Feldzug war somit beendet. Hecker, der an demselben Tage aus Amerika in Frankreich anlangte, kam zu sp√§t, um eine Rolle in diesem Acte der Badenschen Revolution zu spielen; ohne B-s Boden betreten zu haben kehrte er nach Amerika zur√ľck. Die Provisorische Regierung hatte sich schon l√§ngst entfernt. Von der am 28. Juni in Freiburg noch einmal zusammentretenden Constituirenden Versammlung fast offen des Landesverrathes beschuldigt, legte Brentano sofort nieder, entfloh am 29., nicht ohne Schwierigkeiten, nach der Schweiz u. erwiderte die ihm nachgesandte Achtserkl√§rung mit einer Rechtfertigungsschrift, die seine eigenen Genossen schonungslos an den Pranger stellte. Kiefer, an seiner Stelle. zum Dictator ernannt, folgte ihm zwei Tage darauf sammt der ganzen Versammlung auf der, noch eben von ihr als Landesverrath gebrandmarkten Flucht. Am 14. Mai hatte der Landesausschu√ü in Karlsruhe in den Staatskassen noch 21/2 Mill. Fl. aufgefunden; weder von dieser Summe, noch von sp√§teren Eink√ľnften blieb das Geringste im Lande. Auf gleiche Weise ward auf dem R√ľckzuge das Verm√∂gen von Privatpersonen in Beschlag genommen; Schl√∂sser wurden gepl√ľndert, einzelne Personen, wie ganze Ortschaften wegen angeblich reaction√§rer Gesinnung gebrandschatzt. Das Revolutionsheer hatte sich in R√§uberbanden aufgel√∂st. Der letzte noch nicht √ľberwundene Punkt in B. war die Festung Rastadt, befehligt von Tiedemann, besetzt von einem Reste badischer Truppen, Polen, Schweizerfl√ľchtlingen u. einer Anzahl Freischaaren, deren Muth t√§glich durch neue M√§hrchen gen√§hrt ward. Nachdem Gr√∂bens Aufforderung zur √úbergabe erfolglos geblieben war, begann am 6. Juli die Beschie√üung, die jedoch bald wieder eingestellt wurde. Schon bereitete man einen Sturm vor, als 2 Parlament√§re sich mit dem Verlangen meldeten, sich pers√∂nlich im Oberlande zu √ľberzeugen, in wie weit die in die Festung gespielten Nachrichten Wahrheit enthielten. Nach ihrer R√ľckkehr ergab sich die Besatzung endlich am 23. Juli auf Gnade u. Ungnade. Etwa 4500 Mann streckten die Waffen u. wurden dann sofort in die Kasematten abgef√ľhrt.

D) Die Restauration bis zum Tode des Gro√üherzogs Leopold, April 1852. Die durch H√ľlfe preu√ü. Waffen zur√ľckgef√ľhrte Staatsgewalt stellte sich zun√§chst eine doppelte Aufgabe: Bestrafung der Aufst√§ndischen u. Wiederherstellung der staatlichen Ordnung. Sonach wurde ein allgemeiner Belagerungszustand u. Standrecht verk√ľndet, die Gef√§ngnisse f√ľllten sich mit politischen Verbrechern, die Regierungsbl√§tter mit Steckbriefen. Darauf begannen die Kriegsgerichte zu Rastadt, Freiburg u. Manheim ihre Th√§tigkeit, in deren Folge eine bedeutende Anzahl der am meisten gravirten Theilnehmer am Aufstande standrechtlich erschossen wurde. Zuerst am 31. Juli Dortu, dann bis Ende October Elsenhans, Biedenfeld, Tiedemann (Commandant von Rastadt), v. Tr√ľtzschler, H√∂fer, B√∂nning, Jansen, Bernigau, Mniewski, Dietz u.a.; w√§hrend eine gr√∂√üere Anzahl zu 10j√§hriger Zuchthausstrafe verurtheilt, Andere dagegen an die ordentlichen Gerichte. verwiesen wurden. Kinkel, welcher am 29. Mai an der Murg gefangen worden war, ward mit lebensl√§nglicher Zuchthausstrafe begnadigt. Am 27. Oct. stellten die Standgerichte ihre Th√§tigkeit ein, w√§hrend der Kriegszustand mit Standrecht von Monat zu Monat aufs Neue verl√§ngert wurde. Zwei sp√§tere Verordnungen lie√üen f√ľr die verhafteten Unteroffiziere u. Soldaten Strafmilderungen eintreten. Der Reorganisation des Heeres ging eine v√∂llige Aufl√∂sung der bisher bestandenen Brigade-, Regiments-, Bataillons-, Compagnie-, Schwadrons- u. Batterieverb√§nde vorher; Offiziere u. Beamte mit Offiziersrang wurden einstweilen u. bis auf weiteres in Ruhestand gesetzt. Ausgenommen von dieser ganzen Ma√üregel wurden nur die 4. Schwadron des 2. Dragonerregiments u. das 1. Bataillon des 4. Infanterieregiments, die zur Zeit des Aufstandes abwesend in Landau u. Schleswig gewesen waren. Zugleich wurden alle mit der revolution√§ren Gewalt irgend[160] wie verbunden gewesenen Offiziere, Kriegsbeamte u. Unteroffiziere, die dem Kriegsgericht nicht anheimgefallen waren, vor ein Ehrengericht gestellt, das halb aus preu√üischen, halb aus nicht compromittirten badischen Offizieren gebildet war; durch die bis zum Januar 1850 von demselben ergangenen Erkenntnisse √ľber 476 Offiziere u. Kriegsbeamte wurden 10 pensionirt u. 21 entlassen. Auch gegen die mit der revolution√§ren Regierung in Verbindung getretenen Civil- u. Kirchenbeamten wurde ein strafrechtliches Verfahren eingeleitet, in Folge dessen nicht Wenige ihrer Stellen entkleidet wurden. Die gefl√ľchteten Theilnehmer am Aufstande wurden ihres Heimathsrechtes f√ľr verlustig erkl√§rt u. in contumaciam verurtheilt; f√ľr alle n√§her od. entfernter Betheiligten wurde au√üerdem die solidarische Verbindlichkeit f√ľr den Schaden von 3 Mill. ausgesprochen, welcher dem Staate durch die Revolution erwachsen war. Der Gro√üherzog kehrte erst nach Vollziehung der ersten strengsten Ma√üregeln in sein Land zur√ľck u. zog am 16. Aug. 1849 in Karlsruhe ein. Das von Koblenz aus gebildete neue Ministerium bestand nun aus Kl√ľber f√ľr das √Ąu√üere, Marschall f√ľr das Innere, Regenauer f√ľr Finanzen, Roggenbach f√ľr den Krieg, Stabel f√ľr die Justiz. Die milit√§rische Besatzung des Landes bestand, nachdem Peuckers Corps aufgel√∂st war, von Mitte October an nur aus preu√üischen Truppen. Doch wurde die ganz nach preu√üischem Muster vorgenommene Reorganisation des 10,000 Mann starken badischen Heeres eifrig betrieben. Die so neu gebildete Armee sollte nach der Berliner Convention vom 25. Mai 1850 in preu√üische Garnisonen verlegt werden, B. dagegen von 17,930 Mann Preu√üen besetzt bleiben, welche jedoch Preu√üen ohne Weiteres bis auf 10,000 M. vermindern k√∂nnte. Die Protestation √Ėsterreichs gegen diese Ma√üregel blieb ohne Erfolg. Der Abmarsch der ersten H√§lfte des badischen Contingents nach Preu√üen, begann mit Mitte Juli 1850, nachdem die von Hannover, den beiden Hessen u. dem √∂sterreichischen Festungscommandanten in Mainz demselben in den Weg gelegten Hindernisse theils umgangen, theils beseitigt. worden waren. Hinsichtlich der einzuberufenden St√§ndeversammlung entschlo√ü man sich endlich, die am 14. Mai unfreiwillig auseinandergegangene, weder vertagte, noch aufgel√∂ste fr√ľhere Versammlung beizubehalten. Durch Verordnung vom 1. Dec. 1849 wurde der Landtag f√ľr die Periode von 1848 u. 1849 f√ľr geschlossen erkl√§rt u. das Beginnen der Periode von 1850 u. 1851 verk√ľndet. Die ausgeschriebenen Erg√§nzungswahlen von 27 Abgeordneten veranla√üten, bei. fast g√§nzlicher Enthaltung von der Wahl seitens der radicalen Partei, nur einen Wahlkampf zwischen Altconservativen u. Altliberalen, so da√ü die Kammer das radicale Element g√§nzlich verlor; der Beamtenstand war stark vertreten. Die fr√ľher ganz republikanischen Bezirke hatten jetzt fast nur M√§nner von der entschiedenen Rechten gew√§hlt. Die Er√∂ffnung der Kammern erfolgte am 6. M√§rz 1850; zum Pr√§sidenten wurde Bekk gew√§hlt. Die Kammer, am 27. M√§rz bereits wieder vertagt, sprach nachtr√§glich ihre Beistimmung zu dem Beitritt zum B√ľndnisse vom 26. Mai aus u. erkl√§rte sich einverstanden mit dem Abmarsche der badischen Truppen nach Preu√üen. Als Preu√üen Anfangs November seins Armee wohl machte, rief es seine Truppen aus B. ab, u. das Oberland wurde von einheimischem Milit√§r besetzt. An Kl√ľbers Stelle √ľbernahm Freiherr von R√ľdt das Portefeuille des Au√üern. Am Schlusse des Jahres 1850 befand sich B. in einem, nach den Ersch√ľtterungen der vorhergehenden Jahre √ľberraschend befriedigenden Zustande, Bei den ausnehmenden H√ľlfsquellen des Landes war der Wohlstand trotz der erh√∂hten Steuern u. Leistungen rasch wieder aufgebl√ľht, u. die Finanzzust√§nde erwiesen sich geregelt. Die tr√ľbe Vergangenheit hatte einen g√ľnstigen Einflu√ü auf die Volksstimmung ge√ľbt, u. war auch in den unteren Volksschichten noch immer ein Geist der Unruhe, bes. durch aufregende Flugschriften aus der Schweiz gen√§hrt, bemerkbar, so war doch die Regierung, unterst√ľtzt durch die den gesch√§rften Verordnungen √ľber Presse, Vereine u. Versammlungen, Kriegszustand u. Standrecht bereitwillig zustimmenden Kammern, hinreichend erstarkt, um allen √Ąu√üerungen desselben ger√ľstet entgegen treten zu k√∂nnen. Die seit dem 27. August wieder einberufenen Kammern tagten bis. zum 3. Februar 1851. Die wichtigsten Ergebnisse ihrer Berathungen waren ein neues Gemeindegesetz, das Einf√ľhrungsgesetz √ľber das 1845 verabschiedete Strafgesetzbuch u. die Schwurgerichtsordnung, eine Ab√§nderung der Proce√üordnung, die Gesetze √ľber Presse u. Vereine, √ľber Aufhebung der befreiten Gerichtsst√§nde, ein neues Conscriptionsgesetz, wodurch das Einstandswesen wieder eingef√ľhrt wurde. Dem zwischen W√ľrttemberg u. B. abgeschlossenen Eisenbahnvertrag, wonach B. der W√ľrttembergischen Regierung den Bau u. Betrieb der Bruchsal-Brettener Zweigbahn unter Vorbehalt einj√§hriger K√ľndigung √ľberlie√ü, war die Zustimmung der Kammern unter der Bedingung ertheilt worden, da√ü B. gleichzeitig die Bahn. von Haltingen rheinaufw√§rts gegen Constanz baue, um ein Gegengewicht gegen W√ľrttemberg zu behalten. Zur Ordnung des Staatshaushaltes war der Regierung eine Anleihe von 5 Mill. Fl. bewilligt worden. Auch r√ľcksichtlich der obschwebenden kirchlichen Fragen (s. unten) hatten sich die Kammern vernehmen lassen, indem die 2. Kammer unter dem 30. Januar in einer Adresse an den Gro√üherzog den Wunsch ausgesprochen, da√ü die Regierung unter Benehmen mit den anderen Regierungen der Oberrheinischen Kirchenprovinz u. unter Berathung von Vertretern der beiden Kirchen in Erw√§gung ziehe, ob nicht unter vollst√§ndiger Wahrung der. Hoheitsrechte r√ľcksichtlich der Erziehung u. Anstellung der Geistlichen, der Disciplinargewalt √ľber dieselben u. der Verwaltung u. Verwendung des Kirchenverm√∂gens andere Bestimmungen getroffen werden k√∂nnten, w√§hrend auch die 1. Kammer um baldige Niedersetzung einer Commission gebeten hatte, welche diejenigen Gesetze u. Verordnungen vorbereiten sollte, wodurch der Katholischen Kirche die geb√ľhrende Selbst√§ndigkeit einger√§umt u. aus dem Kirchenverm√∂gen die Mittel zur kirchlichen Erziehung der jungen Geistlichen ausgeh√§ndigt w√ľrden. Schon damals begannen n√§mlich diese Fragen die Gem√ľther allgemein zu bewegen; denn das Jahr 1851 ist als der eigentliche Ausgangspunkt des Kirchenstreites zu betrachten, der in seiner weiteren Entwickelung B. in eine neue Verwirrung st√ľrzte. Im Laufe des Jahres 1851 erschienen nun die mit den St√ľnden vereinbarten Gesetze; so am 20. Mai das auf Klassenwahl[161] beruhende Gemeindegesetz, am 15. Februar das Gesetz √ľber Einf√ľhrung des Strafgesetzbuches, des neuen Strafverfahrens u. der Schwurgerichte, wodurch zugleich die Todesstrafe wieder eingef√ľhrt wurde. Die Schwurgerichte traten vom 1. Juli an ins Leben. Durch Rescript vom 5. Mai wurden die deutschen Grundrechte f√ľr rechtlich unwirksam erkl√§rt. Indessen fuhren die Gerichte in der Aburtheilung der aus der Revolutionszeit her Angeklagten fort. Indem ihre Urtheile jedoch meist hart ausfielen, √ľbte der Gro√üherzog fort u. fort ziemlich umfassende Gnadenacte aus; so wurden s√§mmtliche, zufolge der Ereignisse von 1849 verurtheilten Offiziere bis auf einen einzigen begnadigt u. meist im Civilsache angestellt, w√§hrend viele andere unter der Bedingung des Auswanderns u. der Zahlung einer Abfindungssumme f√ľr den durch die Revolution verursachten Schaden ihrer Hast entlassen wurden. Anfangs Mai beschickte auch B. die Bundesversammlung aufs Neue. Der Anschlu√ü an den Deutsch-√∂sterreichischen Postverein wurde den 17. April publicirt. Mit Basel wurden Verhandlungen wegen der Fortf√ľhrung der neuprojectirten Eisenbahn bis Basel angekn√ľpft. Am 8. October ward das Justizministerium dem Oberhofgerichtsrath v. Wechmar √ľbertragen. Die Kammern wurden, nachdem mehrere der Opposition angeh√∂rige Abgeordnete ihr Mandat niedergelegt hatten u. die Neuwahlen durchaus conservativ ausgefallen waren, am 15. December 1851 er√∂ffnet u. tagten bis 20. M√§rz 1852; es wurde unter andern ein Gesetz √ľber Aufhebung der Beeidigung des Milit√§rs auf die Verfassung u. ebenso der Fortdauer des Kriegszustandes angenommen. Hinsichtlich der Unterhandlungen der Regierung wegen Erneuerung des Zollvereinsvertrages mit Preu√üen (B. geh√∂rte zu den Darmst√§dter Coalitionsstaaten, s.u. Deutschland) sprach sich der Landtag mehrfach f√ľr den Fortbestand des Zollvereins aus. Indessen hatte sich der Zustand des schon seit l√§ngerer Zeit leidenden Gro√üherzogs so sehr verschlimmert, da√ü schon am 21. Februar der zweite Sohn desselben, Prinz Friedrich, mit Wahrnehmung der Regierungsgesch√§fte beauftragt worden war.

E) Vom Tode des Gro√üherzogs Leopold bis zur Gegenwart. Am 24. April starb Gro√üherzog Leopold. Die Frage wegen der Regierungsnachfolge war insofern eine eigenth√ľmliche, als der n√§chste Thronerbe, Erbgro√üherzog Ludwig, Krankheitshalber zur √úbernahme der Regierung unverm√∂gend war, w√§hrend der verstorbene Gro√üherzog doch wegen seines Nachfolgers keine Bestimmung getroffen hatte. Inde√ü regelte sich die Angelegenheit ohne Schwierigkeit, indem mit Zustimmung des Erbgro√üherzogs u. unter Beirath der Agnaten, Prinz Friedrich, zweiter Sohn des Gro√üherzogs, als Prinz-Regent die Regierung √ľbernahm. Ein gro√üer Gnadenact begleitete diesen Schritt. Im Ministerium trat keine Ver√§nderung ein, wie √ľberhaupt nichts auf einen Systemwechsel hindeutete. Dagegen gab der Tod des Gro√üherzogs zu einem Zwiespalt zwischen der Staatsgewalt u. dem katholischen Erzbischof Veranlassung. H√∂chster Entschlie√üung zufolge sollte der Trauergottesdienst f√ľr den protestantischen Gro√üherzog Leopold in den katholischen Kirchen des Landes am 10. Mai stattfinden, wie denn auch in drei vorhergehenden F√§llen die Todtenfeier der verstorbenen Landesherren durch ein feierliches Requiem in den katholischen Kirchen begangen worden war. Dem entgegen ordnete der Erzbischof zu Freiburg an, da√ü Tags vorher nur ein Abendgottesdienst mit Gesang abgehalten werden solle. Die Regierung, auf jene Pr√§cedenzf√§lle verweisend, blieb bei ihrem Verlangen stehen, ohne jedoch den Erzbischof zu einer Ab√§nderung seiner Verf√ľgung bewegen zu k√∂nnen. Die Pfarrgeistlichen schwankten darauf in ihrer Haltung; ein Theil befolgte die Vorschriften der Regierung, ein anderer die des Erzbischofs, w√§hrend Einzelne den Gottesdienst g√§nzlich unterlie√üen. Seitens der katholischen Unterthanen schien das Verfahren des Erzbischofs wenig Billigung zu erfahren; die Katholiken von Karlsruhe sprachen dies in einer besonderen Adresse aus, u. der angeordnete Abendgottesdienst mu√üte dort ganz eingestellt werden. Die Streitfrage schien jedoch bald durch einen Schriftwechsel zwischen dem Prinz-Regenten u. dem Erzbischof g√§nzlich beigelegt. Da erschien Mitte Juli ein Hirtenbrief des Erzbischofs, der einen strengen Tadel gegen die ungehorsamen Geistlichen enthielt, welche in dem beregten Falle das Me√üopfer dargebracht hatten, u. dieselben zur Abhaltung von Bu√ü√ľbungen im Clericalseminar zu St. Peter im Schwarzwalde aufforderte; am mildesten wurden diejenigen beurtheilt, welche die Abhaltung eines Gottesdienstes ganz vers√§umt hatten u. die nun nur die Erkl√§rung k√ľnftigen Gehorsams abgeben u. ihren Fehler durch ein gutes Werk b√ľ√üen sollten. Die 110 Geistlichen der ersten Kategorie, bei Nichtstellung zu St. Peter mit Amtsentsetzung bedroht, versammelten sich zum Theil am 27. Juli zu Rothenfels u. unterzeichneten dort eine dem√ľthige Abbitte an den Erzbischof, denselben zugleich um Erla√ü der angeordneten Strafe ersuchend. Dieser ertheilte jedoch einen abschl√§glichen Bescheid. Diesem Vorgehen des Erzbischofs gegen√ľber erlie√ü nun die Regierung ein Rescript, worin unter der Hinweisung, da√ü der erzbisch√∂flichen Verf√ľgung, wegen des mangelnden Placet, keine Rechtskraft beizulegen sei, den betreffenden Geistlichen vollst√§ndiger Schutz zugesichert wurde, w√§hrend es ihnen doch unbenommen sein sollte, nach ihrer moralischen √úberzeugung zu handeln. Trotzdem wagte von den nach St. Peter Berufenen Keiner dem Erzbischof den Gehorsam zu verweigern; mit Ausnahme weniger gen√ľgend Entschuldigten unterzogen sich Alle vom 16. August an den auferlegten Bu√ü√ľbungen. Im √úbrigen bot das Jahr 1852 wenig weiter hervortretende Erscheinungen dar. Am 1. September wurde der Kriegszustand aufgehoben u. die Wirksamkeit der b√ľrgerlichen Beh√∂rden v√∂llig wieder hergestellt; nach den get√§uschten Hoffnungen der Umsturzpartei auf die Erhebung Frankreichs im December vorigen Jahres war jede Bewegung im Lande ermattet. Die Auswanderung, von der Regierung selbst durch Beih√ľlfe f√ľr Unbemittelte unterst√ľtzt, ging wieder in bedeutendem Umfange vor sich. Mit der Schweiz einigte sich B. im August √ľber die Fortf√ľhrung der Staatsbahn von Haltingen durch Schweizerisches Gebiet bis an den Bodensee; mit W√ľrttemberg wurde ein Telegraphenvertrag abgeschlossen, demzufolge die Regierung von W√ľrttemberg l√§ngs der badischen Verbindungsbahn einen elektrischen Telegraphen herstellte, w√§hrend zugleich ein solcher auch an der Main-Neckarbahn zum[162] Anschlu√ü B-s an Norddeutschland errichtet wurde. Zugleich trat B. dem Deutsch-√∂sterreichischen Telegraphenvereine bei. Erst im Jahre 1853 entfaltete sich der Kirchenstreit, u. zwar nun speciell f√ľr B., in seiner ganzen St√§rke. Aus der Conferenz der Regierungsbevollm√§chtigten der zur Oberrheinischen Kirchenprovinz geh√∂renden Staaten ging eine im Wesentlichen gleichlautende Erkl√§rung der verschiedenen Regierungen vom 5. M√§rz mit sehr erheblichen Zugest√§ndnissen f√ľr die Bisch√∂fe hervor. Das landesherrliche Placet sollte beschr√§nkt, der Verkehr der Katholiken mit dem Heiligen Stuhle ausdr√ľcklich freigegeben, die Verbindung eines Convictes mit der katholisch-theologischen Facult√§t angeordnet u. die Mitwirkung der Staatsbeh√∂rden bei der Seminarpr√ľfung in eine blo√üe Kenntni√ünahme umgewandelt werden. √úber dies erlie√ü die badische Regierung noch besondere Verordnungen √ľber die Verleihung von Kirchenpfr√ľnden, wodurch die bisch√∂flichen Rechte bedeutend erweitert wurden, √ľber die Ertheilung des katholischen Religionsunterrichtes an den Volks- u. Gelehrtenschulen, wodurch der Erzbischof einen √ľberwiegenden Einflu√ü hierauf einger√§umt erhielt; das Institut der landesherrlichen Dekanate wurde aufgehoben, die Verwendung des Kirchenverm√∂gens an die Zustimmung der erzbisch√∂flichen Beh√∂rde gebunden u. derselben unbeschr√§nkte Kenntni√ünahme von der Verwaltung dieses Verm√∂gens zugestanden, u. neben diesen Zugest√§ndnissen noch weitere in Aussicht gestellt, ja dem Erzbischof bereits im Entwurfe zur √Ąu√üerung dar√ľber mitgetheilt. Trotzdem fand diese Nachgiebigkeit der Regierungen bei den Bisch√∂fen die er wartete Anerkennung nicht. Schon unter dem 6. M√§rz erlie√ü der Erzbischof von Freiburg als Metropolitan der Oberrheinischen Kirchenprovinz eine Protestation gegen den Inhalt der Regierungserkl√§rungen, u. unter dem 12. April √§u√üerten sich die in Freiburg versammelten Bisch√∂fe dahin, da√ü sie den Vorschriften u. Anordnungen des Staates bez√ľglich der Katholischen Kirche als widerkatholisch u. widerrechtlich entschieden entgegentreten w√ľrden, u. verwahrten sich zugleich gegen alle Verantwortlichkeit f√ľr die Folgen, welche sich aus dem tiefeingreifenden Gegensatze zwischen den von den Regierungen u. den von den Bisch√∂fen befolgten Grunds√§tzen ergeben d√ľrften. Hierauf verwiesen die Regierungen einfach auf die bestehenden Landesgesetze, wie dies von B. am 21. April geschah, wobei zugleich die Warnung hinzugef√ľgt war, da√ü allen √úbergriffen mit den gesetzlichen Mitteln entgegengetreten werden w√ľrde. Die Bisch√∂fe suchten dagegen durch Denkschrift vom 18. Juni ihre fr√ľheren Forderungen nun auch rechtlich zu begr√ľnden. Von da an h√∂rte nun aber auch das gleichm√§√üige Vorgehen der f√ľnf Regierungen in dieser Angelegenheit auf. Die √ľbrigen Staaten zogen sich unter mehreren od. wenigeren Zugest√§ndnissen zur√ľck, u. der Streit beschr√§nkte sich von da an auf B. Die Eingabe der Bisch√∂fe vom 18. Juni hatte die badische Regierung unbeantwortet gelassen. Der Erzbischof von Freiburg ging nun, nachdem er durch Schreiben vom 12. Juli der Regierung f√∂rmlich abgesagt hatte, eigenm√§chtig weiter. Er wies bei den Seminarpr√ľfungen nun auch selbst die Gegenwart eines landesherrlichen Commiss√§rs zur√ľck, besetzte Pfarreien, die fr√ľher von dem Landesherrn vergeben worden waren etc. So mu√üte sich auch nun von selbst ein Conflict mit dem Oberkirchenrathe, der staatlichen Aufsichtsbeh√∂rde in Sachen des katholischen Kirchenwesens, ergeben. N√§chste Veranlassung hierzu bot das Verlangen des Erzbischofs, statt einer Mitaufsicht √ľber das Kirchenverm√∂gen die Oberaufsicht zu f√ľhren, u. die deshalb von ihm an den Oberkirchenrath unter Androhung der Excommunication erlassene Weisung, sein Verhalten nur nach seinen Erkl√§rungen zu regeln. Noch einmal erlie√ü die Regierung unter dem 31. October ein abmahnendes Schreiben an den Erzbischof; derselbe erkl√§rte unter dem 14. November, nichts von seiner Verf√ľgung zur√ľcknehmen zu wollen. Da trat die Regierung endlich in bestimmter er Weise auf; eine Verordnung vom 7. November verf√ľgte, da√ü weder der Erzbischof, noch das Ordinariat, noch in ihrem Namen ein Dritter einen Erla√ü ohne Zustimmung u. Billigung des Regierungs-Specialcommiss√§rs (Stadtdirector Burger in Freiburg) ergehen lassen d√ľrfe u. da√ü gegen Zuwiderhandelnde nach Gesetz vom 24. Juli 1852 zu verfahren sei. Gleichzeitig ward ein Erla√ü des Ministeriums des Innern an die katholische Geistlichkeit gerichtet, worin unter Hinweisung auf des Erzbischofs bisheriges Verfahren derselben Treue gegen die Regierung, die sie zu sch√ľtzen wissen werde, dringend anempfohlen war. Der Erzbischof antwortete hierauf dadurch, da√ü er im November den Bann gegen die Mitglieder des Oberkirchenraths aussprach. Zugleich erlie√ü er einen Hirtenbrief, der eine offene Kriegserkl√§rung gegen die Regierung enthielt. Er befahl die Verlesung dieser seiner Erlasse von den Kanzeln; die Regierung verbot dies. Die Geistlichkeit war nun erst in die mi√ülichste Lage versetzt. Eine gro√üe Anzahl Pfarrer wurde wegen dieser Verlesung verhaftet, allenthalben erhoben sich gerichtliche Verfolgungen, da auch die Verbreitung des Hirtenbriefes durch Erla√ü vom 28. November verboten war. Die Aufregung wurde allgemein. Die Regierung verweigerte die Auszahlung der Gehalte an die vom Erzbischof eingesetzten Priester u. wies die fremden Geistlichen aus, die auf manchen Pfarreien zur Aush√ľlfe dienten; dagegen sendete der Erzbischof den betreffenden Gemeinden keine Seelsorger u. untersagte den benachbarten Pfarrern dort andere als die nothwendigsten Verrichtungen zu besorgen. Unter dieser aufs h√∂chste gestiegenen Verwirrung ging das Jahr 1853 zu Ende. In Anderer Hinsicht bot dasselbe wenig Bemerkenswerthes im Staatsleben. Im Ministerium ging insofern eine Ver√§nderung vor, als der Minister des Innern, Marschall von Bieberstein, am 2. Juni ausschied u. provisorisch durch den Justizminister v. Wechmar ersetzt wurde, wie auch der Kriegsminister v. Roggenbach im December in Pensionsstand trat, worauf sein Portefeuille dem Generalmajor Ludwig √ľbertragen wurde. Ein am 7. December allem Anschein nach gegen das Leben des Prinz-Regenten versuchtes Attentat, das √ľbrigens unaufgekl√§rt geblieben ist, gab Veranlassung zu den weitesten Ausdeutungen. Am 12. Januar 1854 erfolgte die Er√∂ffnung der Kammern durch den Prinz-Regenten. Die Adressen auf die Thronrede sprachen bez√ľglich der vom F√ľrsten hinsichtlich des Kirchenstreites gethanen √Ąu√üerungen die vollste Anerkennung u. das unbedingte Vertrauen in die Gesinnungen des Regenten aus. √úbrigens besch√§ftigte sich der Landtag mit wenigen Ausnahmen nur[163] mit finanziellen Arbeiten. Die f√ľr den Prinz-Regenten geforderte Civilliste von 650,000 Fl., sowie die von der Regierung verlangte Anleihe von 10 Mill. Fl. zu Eisenbahnbauten u. der Vermehrung des umlaufenden Papiergeldes um 1 Mill. Fl. wurde bewilligt. Der Landtagsschlu√ü erfolgte durch den Prinz-Regenten am 12. April. Der Kirchenstreit wurde in diesem Jahre bis zu den √§u√üersten Verwickelungen fortgef√ľhrt. Durch Verordnung vom 25. M√§rz 1854 wurde die Verf√ľgung der Regierung vom 7. Nov. 1853 zur√ľckgenommen, auch die Ausweisung der fremden Geistlichen widerrufen, wenn auch unter der Erkl√§rung, da√ü die Regierung nicht gemeint sei, eine wesentliche √Ąnderung in ihrem bisherigen Standpunkte eintreten zu lassen. Demgem√§√ü wurde gleichzeitig den Bezirks√§mtern bes. anempfohlen, darauf zu sehen, da√ü von den Verrechnern der Stiftungen keine Zahlung ohne Anweisung der Regierung geleistet werde. Gegen einen vom Erzbischof wegen des Unterrichts in den Volksschulen an den Clerus gerichteten Hirtenbrief erlie√ü der Oberkirchenrath eine ausdr√ľckliche Verordnung. Die Bestrafung der Geistlichen nahm Seitens der Regierung ihren Fortgang. Nachdem nun die Regierung auch vom Erzbischofe gegebene Anweisungen auf kirchliche Fonds zur√ľckgewiesen hatte, ging der Erzbischof in noch entschiedener er Weise vor. Durch Erkl√§rung vom 12. April lie√ü er sich dahin vernehmen, da√ü er k√ľnftig keiner weltlichen Beh√∂rde irgend welche Wirksamkeit in der Aus√ľbung kirchlicher Rechte u. Pflichten gestatten werde, welche ihm laut der Denkschrift des Oberrheinischen Episkopats zuk√§men; bei der Verweigerung der Geb√ľhren an die von ihm bestellten Pfarrverweser habe er den betreffenden Geistlichen die F√ľhrung der b√ľrgerlichen Standesb√ľcher u. √ľberhaupt die Verrichtungen der b√ľrgerlichen Staatsbeamtung verboten; er werde die, ihrer Pfr√ľnden od. Geb√ľhren beraubten Priester von ihren Pastorationspl√§tzen abberufen u. die Pfarreien sperren, allen ihm unterstellten Geistlichen die Verrichtungen der Staatsbeamtung untersagen, seinem Ordinariat allen Verkehr mit dem Oberkirchenrath, allen ihm untergebenen Priestern den Verkehr mit Staatsstellen in kirchlichen Dingen verbieten; werde ferner Decreturen auf das Verm√∂gen der Kirche ertheilen u. alle geeigneten Anordnungen treffen, um das Verm√∂gen der Kirche von fremden Eingriffen zu befreien. Er erlie√ü auch im Sinne dieser Erkl√§rung unter dem 21. April eine Aufforderung an die Geistlichkeit seines Sprengels. In Folge hiervon schlo√ü nun die Regierung durch weiteren Erla√ü die Kirche von jedem Antheil an der Verwaltung ihres Verm√∂gens aus; sie verf√ľgte, da√ü alle etwaigen Weisungen der Kirchen- u. Stiftsfonds unmittelbar, d.h. ohne Vermittelung der betreffenden Pfarrer, erlassen, alle die Verwaltung u. Verwendung des Fondsverm√∂gens betreffenden Gesch√§fte nicht mehr durch den Pfarrer besorgt werden sollten. Bes. aber wurde durch Verf√ľgung vom 6. Mai, die nun den Streit zum √§u√üersten trieb, vornehmlich Folgendes verordnet: die Amtsvorst√§nde haben in denjenigen Gemeinden, in denen es nothwendig erscheint, in der Stiftungscommission den Vorsitz entweder selbst als Regierungscommiss√§re zu f√ľhren od. durch Stellvertreter f√ľhren zu lassen; der katholische Ortsgeistliche ist aber als Mitglied des Stiftungsvorstandes zu den Sitzungen einzuladen; der Stiftungsverrechner mu√ü √ľberwacht werden, ob er nicht unbefugten Zahlungsanweisungen kirchlicher Beh√∂rden Folge zu leisten Willens ist u. ist in diesem Falle zu entlassen. Die Entgegnung des Erzbischofs auf diesen Erla√ü erfolgte merkw√ľrdigerweise schon um einen Tag fr√ľher, unter dem 5. Mai, er verordnete darin, da√ü die Ortsstiftungsvorst√§nde das Kirchenverm√∂gen in der bisherigen Weise unter seiner alleinigen Leitung verwalten sollten, da√ü jeder Verkehr mit weltlichen Stellen aufh√∂ren m√ľsse, die Dekanate bei Rechnungsrevisionen etc. an Stelle der Gro√üherzoglichen √Ąmter zu treten h√§tten, da√ü Stiftungsvorst√§nde u. Rechner keine Weisung weltlicher Beh√∂rden √ľber Theile des katholischen Verm√∂gens vollziehen, den Seelsorgern dagegen ihr volles Einkommen auszahlen sollten; die Ortsgeistlichen aber wurden angewiesen, diese Befehle den Vorst√§nden mitzutheilen, sie √ľber ihre Willensmeinung zu Protokoll zu vernehmen, die Widerstrebenden zu entsetzen u. die erzbisch√∂fliche Bekanntmachung von den Kanzeln zu verk√ľnden. Nun wurde die Verwirrung allgemein; die Geistlichen wurden in eine immer mi√ülichere Lage versetzt. Die Regierung mu√üte in dem Vorgehen des Erzbischofs eine Aufreizung gegen die Staatsgewalt erkennen. Zun√§chst wurde, da die Regierung das Verlesen der erzbisch√∂flichen Schrift von den Kanzeln nicht hindern konnte, die Confiscation derselben mit aller Strenge betrieben. Danach aber erfolgte am 18. Mai die Einleitung einer strafgerichtlichen Untersuchung gegen den Erzbischof wegen Amtsmi√übrauches sowie wegen St√∂rung u. Gef√§hrdung der √∂ffentlichen Ruhe. Am 22. Mai wurde demselben seine Verhaftung angek√ľndigt, u. er in seinem Zimmer von Gendarmen bewacht. Jetzt stellte auf seinen Befehl das Ordinariat seine Gesch√§fte ein u. berichtete nach Rom, damit der Papst f√ľr Verwaltung der Di√∂cese F√ľrsorge treffe. Es wurde gro√üe Kirchentrauer angeordnet, das Gel√§ute eingestellt etc. Das somit allem Anschein nach bevorstehende Interdict wurde jedoch durch die Entlassung des Erzbischofs aus seiner Hast am 30. Mai, da die Untersuchung geschlossen sei, abgewendet. Inzwischen hatten √ľbrigens auch die Stiftungsr√§the ihre Erkl√§rungen abgegeben, u. zwar in einer f√ľr den Erzbischof nicht g√ľnstigen Weise. Jetzt kam es nun aber auch bei Gelegenheit der Abforderung von Stiftungskisten u. den betreffenden Acten von den Pfarrern hier u. da zu Th√§tlichkeiten, indem einzelne Gemeinden ihre Geistlichen in der Verweigerung der Abgabe der Schl√ľssel zu sch√ľtzen suchten; in den Odenwald wurden vom 28. Mai bis 27. Juni auf 11 Gemeinden Executionstruppen gelegt, worauf die meisten der aufs√§ssigen Gemeinden sich der Regierung unterwarfen. Somit hatte die Regierung jetzt gesiegt; √ľberall waren ihre Stiftungsvorst√§nde in Wirksamkeit. Andererseits gab aber auch der Erzbischof nicht nach u. fuhr namentlich mit Verh√§ngung des gro√üen Bannes gegen regierungstreue Beamte fort. Die Erkl√§rungen des P√§pstlichen Stuhles, mit welchem jetzt Graf von Leiningen-Billigheim als au√üerordentlicher Gesandter des Prinz-Regenten verhandelte, konnten ihn auch nur nach jeder Seite hin ermuthigen. Namentlich nahm der R√∂mische Hof in einer Note vom 8. Juni Partei f√ľr den Erzbischof r√ľcksichtlich seines Ausschreibens vom 5. [164] Mai, zeigte sich aber in Folge weiterer Verhandlungen zu einem friedlichen Abkommen geneigt, u. es kam so zuletzt auf Grund der in der Note des Cardinal-Staatssecret√§rs Antonelli vom 24. Juni dargelegten Ansichten zun√§chst ein Interim zu Stande, das in seinen wesentlichen Punkten, um nur die n√§chsten Ursachen des Conflictes zu beseitigen, Folgendes festsetzte: Der Regent zieht die zur Einleitung einer Untersuchung gegen den Erzbischof gegebene Erm√§chtigung zur√ľck; die Geistlichen u. Laien, welche wegen Handlungen aus Gehorsam gegen den Erzbischof verhaftet sind, werden freigelassen u. die betreffenden Untersuchungen niedergeschlagen; die w√§hrend der Dauer der Unterhandlungen erledigten Pfarreien werden nicht definitiv besetzt, vielmehr durch, vom Erzbischof zu ernennende Pfarrverweser; das Kirchenverm√∂gen ist vorerst nach dem Zustande vor dem Conflicte fortzuverwalten u. die Regierung nimmt deshalb die w√§hrend des Conflictes erlassenen Verordnungen zur√ľck; die Stiftungskisten mit Urkunden, Werthpapieren, Schl√ľsseln etc. werden wieder an den Pfarrer ausgeliefert u. die zufolge des Conflictes abgetretenen Kirchenvorst√§nde √ľbernehmen ihren fr√ľheren Dienst wieder, w√§hrend die von der Regierung eingesetzten abtreten. Dadurch da√ü der Erzbischof, welcher in dem Interim, bes. wegen der Bestimmung √ľber die Verwaltung des Kirchenverm√∂gens, den eigentlichen Streitpunkt, noch immer eine Verletzung seiner Rechte u. eine Beeintr√§chtigung seiner kirchlichen W√ľrde erblickte, darauf in Rom behufs der Modificirung desselben, jedoch vergeblich Schritte that wurde die Ver√∂ffentlichung der Convention bis zum 20. November verz√∂gert, worauf die Regierung nun auch die zur Vollziehung derselben erforderlichen Ma√üregeln verf√ľgte. Die offen gelassene, od. vielmehr vom Papste der Entscheidung des Erzbischofs anheimgestellte Frage wegen Zur√ľcknahme der Excommunication der Oberkirchenr√§the hatte insofern f√ľr dieselben keine Bedeutung, als die Regierung ihnen ihre staatliche Stellung garantirt hatte. Die Verhandlungen wegen einer definitiven Regelung der kirchlichen Verh√§ltnisse, f√ľr B. durch Staatsrath Brunner in Rom fortgef√ľhrt, wurde auch im Jahre 1855 fortgesetzt. Zur Ordnung der Verh√§ltnisse der Evangelischen Kirche versammelte die Regierung eine Evangelische Generalsynode zu Karlsruhe (vom 13. Juni bis 13. August 1855), welche unter Anderem den Entwurf eines neuen Katechismus berieth u. annahm, der an die Stelle des veralteten sogenannten Heidelberger Katechismus treten sollte. Die Wahlen eines Drittels von Mitgliedern der 2. Kammer gingen ohne politische Aufregung vor sich. In Bezug auf innere Angelegenheiten konnte sich B. zu den bestverwalteten deutschen L√§ndern mit Recht z√§hlen; namentlich leitete Minister Regenauer mit seltenem Geschick die Finanzen u. Minister Ludwig das Kriegsministerium, so da√ü, obwohl 18,000 M. u. 2000 Pferde kriegsbereit gehalten wurden, der au√üerordentliche Aufwand daf√ľr verh√§ltni√üm√§√üig gering war. Die Einnahme der Staatseisenbahnen zeigte ein fortw√§hrendes Steigen. Die seit 1840 unternommene Geradlegung des Rheinstromes war so weit gediehen, da√ü im Jahre 1855 der Rhein auf Badischem Gebiete um 5‚Äď6 Stunden k√ľrzer u. dadurch 18,000 Morgen Land gewonnen worden war. Nach einer amtlichen Mittheilung waren in den Jahren 1844‚Äď1855 aus B. 86,410 Personen mit einem Capital von 15,006,716 Fl., wozu der Staat ungef√§hr 2 Mill. als Unterst√ľtzung gegeben hatte, ausgewandert. Indessen blieben doch die Einnahmen in Folge theils der fr√ľheren Unruhen, theils der nothwendig gewordenen Vermehrung der Ausgaben, j√§hrlich ungef√§hr um eine halbe Million Gulden hinter den Ausgaben zur√ľck, so da√ü die im November 1855 zusammentretenden Kammern in eine Erh√∂hung der Grund-, H√§user- u. Capitalsteuer willigten, in Folge dessen die reine Staatseinnahme f√ľr 1856 zu 10,738,965 Fl., die Ausgabe zu 10,608,007 Fl. u. f√ľr 1857 noch g√ľnstiger festgestellt werden konnte. Au√üerdem vereinbarte die Regierung mit den Kammern ein Gesetz, wonach die Scheine zu 5% Zinsen des in den Jahren 1848 u. 1849 aufgenommenen Eisenbahnanlehens (etwas √ľber 4 Mill. Gulden) in 41/2procentige umgewandelt od. im Nennwerth eingel√∂st wurden; ferner ein Gesetz √ľber Zusammenlegung von Grundst√ľcken einer. Gemeindeflur, ein Gesetz, um die Pre√üverh√§ltnisse mit dem Bundesgesetze von 1854 in √úbereinstimmung zu bringen (der Bundesbeschlu√ü vom 6. Juli 1854 √ľber allgemeine Bestimmungen zur Verhinderung des Mi√übrauchs der Presse wurde in B. erst am 5. Februar 1857 im Regierungsblatte bekannt gemacht), u. ein Gesetz zur Aufbringung u. Vertheilung der Beitr√§ge zur Deckung der Gemeindebed√ľrfnisse, letzteres, um einigerma√üen den gro√üen Grundherren gerecht zu werden, welche bisher die von einem Gemeinderathe festgestellte Gemeindesteuer bezahlen mu√üten, ohne an dessen Berathungen theilnehmen zu k√∂nnen. Bei Gelegenheit des Ausgabebudgets nahm die 2. Kammer am 29. Januar 1856, den Vorg√§ngen in anderen deutschen Kammern folgend, einen Antrag an, worin die Regierung gebeten wurde, nach allen ihren Kr√§ften mitzuwirken zur F√∂rderung der Einheit u. Macht des Deutschen Vaterlandes durch eine weitere Entwickelung der Bundesverfassung, um Deutschland wieder auf die H√∂he politischer Bedeutsamkeit zu erheben, die seine Bildung, sein Handel u. seine Gewerbsth√§tigkeit lebhaft erheischte. Diesem Antrag trat am 25. Februar die 1. Kammer bei, wobei der Minister des √Ąu√üeren sich dahin aussprach: die Regierung erkenne an, da√ü die Verfassung des Deutschen Bundes unter Festhaltung der gegebenen Grundlagen einer weiteren Fortbildung f√§hig sei, um die Bundesversammlung in Stand zu setzen, die F√∂rderung der gemeinsamen deutschen Interessen mehr als bisher in die Hand zu nehmen. Auch seien schon die n√∂thigen Schritte gethan worden, da√ü in dieser wichtigen Angelegenheit das gesch√§he, was unter den gegebenen Verh√§ltnissen √ľberhaupt m√∂glich sei. Inder That nahm die Regierung auch nach Schlu√ü des Landtages, der am 10 April erfolgte, th√§tigen Antheil an mehreren Conferenzen von Bevollm√§chtigten deutscher Staaten in N√ľrnberg zur Herstellung einer deutschen Handelsgesetzgebung, in Wien zur Vereinbarung eines gemeinschaftlichen Geldes f√ľr Deutschland u. √Ėsterreich, in M√ľnchen zur weiteren Entwickelung des Postvereines u. im Juni 1857 in Wien zur Verabredung gemeinschaftlicher polizeilicher Ma√ünahmen. Auf Anregung s√§mmtlicher Handelskammern B-s verordnete die Regierung (24. December 1855), da√ü bei Zahlungen im gew√∂hnlichen Verkehr keine anderen Werthpapiere zugelassen werden sollten, als preu√üische Kassenanweisungen u. Banknoten, [165] W√ľrttembergisches Papiergeld, Gro√üherzoglich Hessische Grundrentenscheine u. die Noten der Bairischen Hypotheken- u. Wechselbank, so wie die der Frankfurter u. Nassauischen Bank. Von Bedeutung f√ľr den Gang der Regierung war die Abberufung des strengkatholischen Grafen Andlau vom Gesandtschaftsposten zu Wien, an dessen Stelle der bisherige Minister des √Ąu√üeren v. R√ľdt kam. Baron v. Meisenburg, seit mehreren Jahren Badischer Gesandter in Berlin, √ľbernahm das Ministerium des √Ąu√üeren in Karlsruhe, der fr√ľhere Minister des Innern v. Marschall ging als badischer Gesandter nach Berlin (Mai 1856), v. Wechmar trat vom Ministerium der Justiz u. des Innern zur√ľck u. an seine Stelle v. Stengel (September 1856). Bei der fortdauernden geistigen u. k√∂rperlichen Gebrechlichkeit des Gro√üherzogs Ludwig u. zur Feststellung der Erbfolge nahm der Prinz-Regent am 5. September 1856 die W√ľrde u. den Titel eines Gro√üherzogs von B. an u. verm√§hlte sich am 20. September zu Berlin mit der einzigen Tochter des Prinzen von Preu√üen, Prinzessin Luise Marie Elisabeth. Am 11. Juli hatte sich Prinzessin C√§cilie Auguste. Schwester des Gro√üherzogs, mit dem Gro√üf√ľrsten Michael von Ru√üland verlobt. Der Streit mit der r√∂misch-katholischen Geistlichkeit war nicht beigelegt; aber die Regierung zeigte sich sehr vers√∂hnlich, ohne jedoch im Wesentlichen sich etwas zu vergeben. Der Badensche au√üerordentliche Gesandte war mit einem Concordatentwurf aus Rom im Herbst 1855 zur√ľckgekehrt, den die Regierung nicht annehmbar fand. Der Regent sah sich veranla√üt, einigen von Seiten des Erzbischofs geschehenen Ernennungen die Best√§tigung zu versagen; doch lie√ü man es geschehen, da√ü im October 1855 zu Donaueschingen eine Jesuitenmission abgehalten wurde. Unter diesen Umst√§nden reiste Staatsrath Brunner, mit Abschlu√ü des Concordats beauftragt, wieder nach Rom ab. Als der Erzbischof von Freiburg im April 1857 sein 25j√§hriges Jubil√§um feierte, wurde er vom Gro√üherzog selbst in einem Handschreiben begl√ľckw√ľnscht u. ihm die Einrichtung u. Leitung des katholischen Convicts frei gegeben. Am 29. Juni 1856 war die dritte S√§cularfeier der Einf√ľhrung der Reformation in B. unterlebhafter Theilnahme des Publikums ebenso w√ľrdig wie feierlich begangen worden. ‚Äď Vgl. Meier, Genealogische Herf√ľhrung von uralter Her- u. Ankunft der Hochf√ľrstlichen H√§user B. u. Holstein, Frankf. 1672, Fol.; Der F√ľrsten u. Markgrafen von Baden Leben, Regierung, Gro√üthaten u. Absterben, Frankf. 1695; Sch√∂pflin, Historia Zaringo-Badensis, Karlsr. 1763‚Äď66, 7 Bde.; Sachs, Einleitung in die Geschichte der Markgrafschaft u. des Markgr√§flichen altf√ľrstlichen Hauses B., ebd. 1764‚Äď70,5 Thle.; Dessen Auszug aus der Geschichte der Markgrafschaft etc. Baden, ebd. 1776; Schreiber, Badische Geschichte, ebd. 1817; Bader, Badische Landesgeschichte, Karlsr. 1836; Bekk, Die Bewegung in B., Mannh. 1850; H√§usser, Denkw√ľrdigkeiten zur Geschichte der Badischen Revolution, Heidelb. 1851; Kolb, Lexikon von dem Gro√üherzogthum B., ebd. 1813, 3 Bde.


Pierer's Lexicon. 1857‚Äď1865.

Schlagen Sie auch in anderen W√∂rterb√ľchern nach:

  • baden ‚ÄĒ baden ‚Ķ   Deutsch W√∂rterbuch

  • Baden ‚ÄĒ ‚ÄĘ The Grand Duchy of Baden is situated in the southwestern part of the German Empire Catholic Encyclopedia. Kevin Knight. 2006. Baden ¬†¬†¬†¬†Baden ¬†¬†¬†¬† ‚Ķ   Catholic encyclopedia

  • Baden ‚ÄĒ steht f√ľr: eine T√§tigkeit der K√∂rperpflege oder des Freizeitsports, siehe Badekultur Baden ist der Name folgender geographischer oder verwaltungstechnischer Objekte: Bezirk Baden (Nieder√∂sterreich), Verwaltungsbezirk in Nieder√∂sterreich Baden… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Baden [2] ‚ÄĒ Baden, 1) (Baden Baden) Hauptstadt des bad. Kreises B. (1042 qkm [18,92 OM.] mit (1900) 148,656 Einw.), im Tale der Oos, im n√∂rdlichen Schwarzwald, an der Staatsbahnlinie Oos B., 181 m √ľ. M., ist einer der gl√§nzendsten und besuchtesten Badeorte… ‚Ķ   Meyers Gro√ües Konversations-Lexikon

  • Baden [1] ‚ÄĒ Baden, Gro√üherzogtum (hierzu die Karte ¬ĽBaden¬ę), der Volkszahl nach der f√ľnfte, dem Fl√§cheninhalt nach der vierte Staat des Deutschen Reiches, im volkreichsten und bestbebauten Teil von S√ľddeutschland, zwischen 7¬į31¬ī und 9¬į51¬ī √∂stl. L. sowie… ‚Ķ   Meyers Gro√ües Konversations-Lexikon

  • Baden VI c ‚ÄĒ DRG Class 75.4,10‚Äď11 Number(s): DRG 75 401‚Ķ494, 1001‚Äď1023, 1101‚Äď1120 Quantity: 135 Manufacturer: Karlsruhe, Jung ‚Ķ   Wikipedia

  • Baden [1] ‚ÄĒ Baden, Gro√üherzogthum, der 7. deutsche Bundesstaat, 275,63 QM. gro√ü mit 1356943 E., von denen etwas √ľber 900000 Katholiken, √ľber 430000 Protestanten, etwa 2000 Sektirer, 24000 Juden sind. Baden erstreckt sich vom Main bis an den Bodensee in einer ‚Ķ   Herders Conversations-Lexikon

  • Baden VI b ‚ÄĒ DRG Class 75.1‚Äď3 Number(s): DRG 75 101‚Ķ302 Quantity: 173 Manufacturer: Maffei, MBG Karlsruhe Year ‚Ķ   Wikipedia

  • Baden X b ‚ÄĒ DRG Class 92.2‚Äď3 DB Class 92.2‚Äď3 DR Class 92.2‚Äď3 Number(s): DRG 92 201‚Äď92 232 DRG 92 241‚Äď92 320 Quantity: 98 Manufacturer: Krupp Maschinenbaugesellschaft Karlsruhe Year(s) of manufacture: 1907‚Äď1921 Retired: by 1966 Wheel arrangement ‚Ķ   Wikipedia

  • Baden [4] ‚ÄĒ Baden, 1) Bezirksamt im Mittelrheinkreise des Gro√üherzogthums Baden, 2 QM.; 16,000 Ew.; 2) (B. in Baden, Baden Baden), Stadt daselbst an der Oos (Oosbach) u. an einer Zweigbahn der Badischen Eisenbahn gelegen, mit Kettenbr√ľcke bei dem nahen… ‚Ķ   Pierer's Universal-Lexikon


Share the article and excerpts

Direct link
… Do a right-click on the link above
and select ‚ÄúCopy Link‚ÄĚ

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.