Berlin [1]

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Berlin [1]

Berlin, Stadt in der preu√üischen Provinz Brandenburg, Hauptstadt der preu√üischen Monarchie, Residenz des K√∂nigs u. Sitz der h√∂chsten Staatsbeh√∂rden, liegt in einer sandigen Ebene, auf einem zum gro√üen Theile von Infusionsthierschalen gebildeten Grunde zu beiden Seiten der Spree u. ihres Nebenarmes, durchschnitten von der Panke, welche unweit der Weidendammerbr√ľcke in die Spree f√§llt, u. verschiedenen Kan√§len, dem Kupfergraben, K√∂nigsgraben, Gr√ľnen Graben, u. im S√ľden begrenzt vom Landwehrgraben (ehedem Schafgraben). Die innere Stadt ist von einer 16 Fu√ü hohen, nicht ganz 2 Meilen im Umfang habenden Mauer umschlossen, u. bildet ein ungleichseitiges Viereck, dessen L√§ngendiagonale ungef√§hr mit der Spree zusammenf√§llt u. 3/4 Meile betr√§gt, w√§hrend die kleinere Diagonale, vom Hallischen zum K√∂nigsthore, etwa 1/2 Meile lang ist. Der ganze Fl√§chenraum h√§lt 6017 Magdeburger Morgen. Au√üerdem geh√∂ren noch zum Territorium der Stadt, welches ungef√§hr 1 QM. gro√ü ist, die au√üerhalb der Ringmauern neuentstandenen Bahnh√∂fe, Kasernen u. Privath√§user. Diese eingerechnet hat B. √ľber 12,000 bebaute Grundst√ľcke u. mit Einschlu√ü des 15,100 M. starken Milit√§rs 460,000 Einwohner, darunter etwa 6000 Abk√∂mmlinge der franz√∂sischen Colonie, 1000 b√∂hmischer Abkunft, 13,000 Israeliten, 5000 Separatisten u. Dissidenten, 18,000 Katholiken u. 415,000 unirte Protestanten, wenige Griechen u. Mennoniten.

I. Die Stadtheile B-s: a) Berlin, der innere Kern am rechten Ufer der Spree; b) K√∂ln zwischen den beiden Hauptarmen der Spree, das wieder in Alt-K√∂ln, den n√∂rdlichen u. Neu-K√∂ln, den s√ľdlichen Theil zerf√§llt; c) Friedrichswerder, noch westlicher am linken Spreeufer mit Neu-K√∂ln, von dem ehemaligen Festungsgraben umschlossen; d) (Neu-) Dorotheenstadt, so von der Kurf√ľrstin Dorothea genannt, welche 1673 diesen sch√∂nsten Theil Berlins, vom Opernhaus bis zum Brandenburger Tbor, bebauen lie√ü, liegt westlich von den Vorigen; links u. s√ľdlich von der Spree; e) Friedrichstadt, gr√∂√üer als vorige, s√ľdlich von derselben u. westlich von Friedrichswerder, v√∂llig regul√§r gebaut. Diese St√§dte sind noch umgeben von den ehemaligen Vorst√§dten: f) der Friedrich-Wilhelmsstadt, n√∂rdlich der Dorotheenstadt (fr√ľher Theil des folgenden); g) dem Spandauer Viertel, n√∂rdlich von Alt-B. u. der Dorotheenstadt; h) der K√∂nigsstadt, √∂stlich von dem eigentlichen B.; i) dem Stralauer Viertel, s√ľd√∂stlich von der K√∂nigsstadt; s√§mmtlich am rechten Spreeufer; k) der Luisenstadt (sonst K√∂pnicker Viertel), s√ľdlich von Alt-B. u. √∂stlich der Friedrichsstadt. Auf dem linken Spreeufer lagen 1840 innerhalb der Ringmauer noch gro√üe unbebaute Strecken, welche inzwischen zu einem eigenen Stadtviertel, l) K√∂pnicker Viertel, angewachsen sind. Eine eigentliche Vorstadt ist nur m) die Rosenthaler Vorstadt (Voigtland), n√∂rdlich des Spandauer Viertels, jenseits des Rosenthaler u. Oranienburger Thors, ehedem von armen Voigtl√§ndischen Handarbeitern colonisirt, jetzt Hauptsitz der Berliner Gewerbth√§tigkeit. Alle √ľbrigen au√üerhalb der Ringmauer gelegenen H√§user u. Stra√üen sind zu den zun√§chst gelegenen Stadtvierteln zugezogen. Ehedem bildeten die 2 erstgenannten Stadttheile eigene St√§dte mit besonderen Magistraten u. die √ľbrigen Stadttheile waren Vorst√§dte derselben. Jetzt sind alle Theile unter Einem Magistrat mit einem Oberb√ľrgermeister u. eigenen Stadtverordneten vereinigt, u. in 21 Stadtbezirke getheilt.

II. Thore u. Br√ľcken. Die Umfassungsmauer wird durch 18 Thore od. Ausg√§nge unterbrochen, von denen das sch√∂nste, das Brandenburger Thor, am Ausgange der Linden steht; es ist 1789‚Äď1793 von Langhans nach den Propyl√§en der Akropolis zu Athen in Form einer Colonade, mit 12 dorischen S√§ulen aus Sandstein, erbaut, 196 Fu√ü breit, 60 Fu√ü hoch u. mit der von Schadow modellirten, 20 Fu√ü hohen kupfernen Gruppe der Victoria, welche 4 Pferde leitet u. einen Stab mit dem umkr√§nzten eisernen Kreuz in der Hand h√§lt, geschm√ľckt. (Diese Gruppe wurde von den Franzosen 1807 nach Paris gef√ľhrt u. 1813 im Triumph von da zur√ľckgebracht). √úber die Spree f√ľhren da, wo sie in die Umfassungsmauer von B. ein- u. austritt, 2 Br√ľcken (bei denen zugleich Wasserthore sind), n√§mlich der Ober- u. der Unterbaum. Au√üerdem f√ľhren eine gro√üe Anzahl √∂ffentliche u. auch Privatbr√ľcken √ľber die Arme der Spree; unter diesen sind merkw√ľrdig: die Kurf√ľrsten- od. Lange Br√ľcke, von der K√∂nigstadt nach dem Schlo√üplatz f√ľhrend 1690‚Äď95 aus Pirnaischen Quadersteinen erbaut[621] auf dem mittleren Br√ľckenpfeiler steht das eherne Reiterstandbild des Gro√üen Kurf√ľrsten (1703 von Schl√ľter modellirt, 300 Centner schwer, mit 4 gefesselten Sklavenstatuen zu feinen F√ľ√üen); die Schlo√übr√ľcke, von Schinkel 1822 erbaut, f√ľhrt vom Lustgarten nach dem Opernplatz, ist 104 Fu√ü breit u. mit 8 Marmorgruppen von je 8 Fu√ü H√∂he, die Laufbahn des Kriegers in mythologisch-allegorischer Weise darstellend, verziert. Die Gruppen sind nach Schinkels Idee von den Berliner Bildhauern Emil Wolf, Schievelbein, M√∂ller, Wichmann, Alb. Wolf, Drake, Blaeser u. Wredow ausgef√ľhrt. Die Herculesbr√ľcke, das Stadtviertel Berlin mit dem Spandauer Viertel verbindend, 1792 von Langhans aus Stein gebaut, mit 2 Sandsteingruppen nach Schadows Entwurf den Kampf des Hercules mit dem Nemeischen L√∂wen u. einem Centauren darstellend. Die Neue Friedrichsbr√ľcke, von dem Lustgarten nach der Neuen Friedrichsstra√üe, √ľber den Hauptarm der Spree f√ľhrend. Die Durchfahrt durch die k√∂niglichen M√ľhlen, welche denselben Spreearm oberhalb der Kurf√ľrstenbr√ľcke √ľberbr√ľcken u. burg√§hnlich nach einem Entwurf von Persius, ganz aus Stein u. Eisen im englisch-norm√§nnischen Styl erbaut sind.

III. Stra√üen, Pl√§tze u. Denkm√§ler. Von Pl√§tzen im √§lteren Theile von B. zeichnet sich der Schlo√üplatz, von wo √ľber die lange Br√ľcke die K√∂nigsstra√üe durch Alt-B. beginnt, durch Stattlichkeit aus; gro√üartiger aber ist der vom Schlo√ü, der Domkirche, dem Museum u. Zeughaus umschlossene, mit B√§umen u. Bowlinggreens geschm√ľckte, in der Mitte mit einem Springbrunnen versehene Lustgarten, wo vor dem Museum die 22 Fu√ü im Durchmesser haltende, 1500 Centner wiegende Granitschale seit 1827 aufgestellt ist. Von da er√∂ffnet sich √ľber die Schlo√übr√ľcke, den Platz am Zeughaus u. den Platz am Opernhaus einer der gro√üartigsten Prospecte nach den Linden, einer mit 4 Reihen Lindenb√§umen besetzten Stra√üe, welche, 250 Ruthen lang u. 14 Ruthen breit, nach dem Brandenburger Thor f√ľhrt, einen Spaziergang f√ľr Fu√üg√§nger in der Mitte u. 2 Wege f√ľr Reiter u. Wagen zur Seite enth√§lt u. mit dem 4eckigen Pariser Platz (sonst Viereck) endigt. Diesen Prospect machen die pr√§chtigsten Geb√§ude zu einem der sch√∂nsten der Welt. Er ist mit ausgezeichneten Monumenten geziert: zwischen dem Opernhause u. dem k√∂niglichen Palais steht das 1826 errichtete, von Rauch modellirte eherne Standbild des F√ľrsten Bl√ľcher, 24 Fu√ü hoch, mit entsprechenden, von Schinkel entworfenen Basreliefs am Fu√ügestelle; diesem rechts u. links zur Seite die ebenfalls von Rauch modellirten Standbilder York's u. Gneisenau's u. ihnen gegen√ľber, neben der K√∂nigswache, die marmornen Statuen Scharnhorst's u. B√ľlow's, gleichfalls von Rauch, so wie zwischen der K√∂nigswache u. dem Zeughause, von einem Gitter umschlossen, die aus L√ľbeck nach Frankfurt entf√ľhrte, von dort hierher gebrachte Riesenkanone u. 2 in la Fere zur Beschie√üung von Cadix gegossene, von den Preu√üen eroberte gro√üe M√∂rser. An dem Eingang der Linden, zwischen dem Palais des Prinzen von Preu√üen u. der Akademie, erhebt sich die broncene Reiterstatue Friedrichs d. Gr., zu der am 1. Juni 1840, wo Friedrich vor hundert Jahren die Regierung antrat, der Grund gelegt wurde. Diese, am 31. Mai 1851 enth√ľllt ist ebenfalls ein Werk Rauchs. Die ganze H√∂he betr√§gt 43 Fu√ü, die der Figur des K√∂nigs zu Pferde, auf dem Kopf den dreieckigen Hut, in der Rechten den Kr√ľckstock tragend u. mit einem Hermelinmantel bekleidet, 18 Fu√ü; zu dem Ganzen sind 880 Centner Metall verwendet. Das Piedestal besteht aus 4 Abs√§tzen. Der untere ist ein Granitsockel. Auf diesem ruht der untere Theil des Broncegusses, die Ged√§chtni√ütafeln von 60 ler√ľhmten Zeitgenossen des K√∂nigs u. die Inschrift: Friedrich dem Gro√üen Friedrich Wilhelm III. 1840, vollendet unter Friedrich Wilhelm IV. 1851, enthaltend. Dar√ľber erhebt sich der 3. Absatz, an dessen 4 Ecken die Reiterstatuen des Prinzen Heinrich, des Herzogs Ferdinand von Braunschweig, der Generale Seydlitz u. Ziethen vorspringen. Die dazwischen liegenden Seiten des Absatzes sind mit Reliefs geschm√ľckt, welche Scenen von historischem u. allegorischem Charakter, alle mit Bezug auf die Thaten des K√∂nigs u. die kriegerischen u. culturgeschichtlichen Momente seiner Zeit, darstellen. Die 4 abgestumpften Ecken des obersten Absatzes zieren 4 weibliche Figuren, die Cardinaltugenden, Gerechtigkeit, Weisheit, Tapferkeit u. M√§√üigung, darstellend Die Reliefs der Seitenfl√§chen geben in Allegorien die Geburt Friedrichs d. Gr., den Unterricht des Knaben in der Geschichte, die Weibe des J√ľnglings zum Krieger durch Pallas, die ihm das Schwert √ľberreicht, den K√∂nig nach der Schlacht bei Kollin als Feldherr, dann als Freund u. Sch√ľtzer der K√ľnste u. des Gewerbflei√ües, endlich auf der Hinterseite eine Apotheose Friedrichs, wie er von einem Adler zum Himmel getragen wird. V√∂llig parallel mit den Linden laufen n√∂rdlich 3 u. s√ľdlich 13 breite u. schnurgerade Stra√üen, von denen die Behrenstra√üe die breiteste, die Leipziger Stra√üe aber, welche mit dem Leipziger Platz (sonst Achteck, am Potsdamer Thore in der N√§he des Bahnhofs) beginnt u. neben dem D√∂nhofischen Platz √ľber die in Form eines mit S√§uleng√§ngen versehenen Rondels √ľber den alten Festungsgraben weggebaute Spittelbr√ľcke weg nach dem kleinen Spittelmarkte f√ľhrt, die l√§ngste u. belebteste ist. Alle diese Stra√üen werden von der breiten, schnurgeraden, vom Hallischen nach dem Oranienburger Thore, von S√ľden nach Norden laufenden, 4250 Schritt (2/3 Ml.) langen Friedrichsstra√üe, welcher die Charlotten- u. Markgrafenstra√üe parallel laufen, rechtwinkelig durchschnitten; zwischen beiden letzteren, der Leipziger u. Franz√∂sischen Stra√üe liegt der Gensd'armenmarkt, ein gro√üer, v√∂llig regul√§rer Platz, welchen das Schauspielhaus u. symmetrisch daneben stehend, die Franz√∂sische u. Neue Kirche zieren. Die Friedrichsstra√üe m√ľndet s√ľdlich aus in den kreisrunden Belle-Alliance-Platz (sonst Rondel). In der Mitte desselben erhebt sich die Friedenss√§ule von Granit auf einem Piedestal von grauem Marmor, welches in Form eines Brunnens von einem granitnen Bassin umgeben ist. Auf dem S√§ulencapit√§l von wei√üem Marmor steht in schwebender Haltung eine gefl√ľgelte Victoria von Bronce, modellirt von Rauch. Dort beginnt auch rechts die nord√∂stlich bis zum D√∂nhofischen Platz gerade laufende Lindenstra√üe u. die 3750 Schritt lange, schnurgerade Wilhelmsstra√üe, die nordwestlich nach den Linden f√ľhrt u. vom Wilhelmsplatze an fast nur von den Hotels hoher Staatsbeamter u. Prinzen eingefa√üt wird. Auf dem mit Gartenanlagen geschm√ľckten [622] Wilhelmsplatze stehen die auf Friedrichs d. Gr. Befehl von Adam, Michael Renz u. Tassart gearbeiteten marmornen Statuen Schwerins, Winterfelds, Seidlitzs u. Keiths, neben diesen die Statuen des F√ľrsten Leopold v. Dessau u. des Husarengenerals Ziethen, beide von Schadow ausgef√ľhrt. Auf der anderen Seite der Linden setzt sich die Wilhelmsstra√üe als Neue Wilhelmsstra√üe mittelst eines Bogens unter einem Hause zwischen Colonnaden nach der Spree fort, die sie mittelst der Marschallsbr√ľcke √ľberschreitet, von dort an den Namen Luisenstra√üe f√ľhrend u. an dem 4eckigen Luisenplatz, von wo die Stra√üe durch das Neue Thor nach dem Hamburger Bahnhofe f√ľhrt, endigend. Von der Wilhelmsstra√üe, zwischen dem Belleallianceplatz u. der Leipziger Stra√üe in der Mitte, f√ľhrt die auf der einen Seite von sch√∂nen H√§usern, auf der anderen vom Garten des Prinzen Albrecht begrenzte Anhaltsche Stra√üe nach dem Anhaltschen Bahnhofe. Von den mit der Friedrichsstra√üe parallel laufenden Stra√üen ist noch die Jerusalemer Stra√üe zu erw√§hnen, welche von dem Hausvogteiplatz ausgehend an dem D√∂nhofsplatz vor√ľberf√ľhrt u. in der Lindenstra√üe ausm√ľndet. Die sch√∂nsten Privatgeb√§ude finden sich in den vor dem Potsdamer Thore gelegenen neuen Stadttheilen: Potsdamer Stra√üe, Lenn√©stra√üe, Thiergartenstra√üe, Karlsbad etc. In der Luisenstadt sind bemerkenswerth die K√∂pnicker Stra√üe, welche nach dem Schlesischen, die Dresdener Stra√üe, welche nach dem Kottbuser Thore u. von dort nach der Hasenhaide f√ľhrt. Die Luisenstadt ist mit dem Stralauer Viertel durch 3 Br√ľcken √ľber die Spree verbunden. Die mittlere f√ľhrt nach dem Stralauer Platze, in dessen N√§he der Frankfurter Bahnhof liegt. Die Hauptstra√üen der K√∂nigsstadt sind die Landsberger u. die Neue K√∂nigsstra√üe, beide vom Alexanderplatz ausgehend, wo vom Innern der Stadt kommend die frequenteste aller Stra√üen, die K√∂nigsstra√üe, mit der K√∂nigsbr√ľcke m√ľndet. Die Hauptpl√§tze der Spandauer Vorstadt sind nahe zusammenliegend der Haaksche Markt u. der Montbijouplatz, von wo aus die Rosenthaler u. die Oranienburger Stra√üe beide nach den gleichnamigen Thoren f√ľhren. Von den Pl√§tzen im Innern der Stadt sind noch merkw√ľrdig der Werdersche Markt, an dem die Werdersche Kirche, u. der Platz an der Bauakademie, wo das Beuthdenkmal errichtet werden soll. S√§mmtliche Stra√üen u. √∂ffentliche Pl√§tze der Stadt, mit Ausnahme weniger, erst vor Kurzem neubebauter Strecken, werden durch Gas erleuchtet, welches in den st√§dtischen Gasanstalten am Stralauer Platze u. am Hellwege bereitet wird. Privatleute beziehen ihre Gasbeleuchtung theils von der st√§dtischen Anstalt, theils von der seit 1825 bestehenden Continental-Gas-Association, deren Gasanstalten sich am Hellwege u. in der Holzmarktstra√üe befinden. Das Stra√üenreinigungs- u. Feuerl√∂schwesen, beide unter einer Verwaltung stehend u. von gemeinsamen Arbeitskr√§ften betrieben, ist vortrefflich organisirt u. durch die seit 1855 in Th√§tigkeit gesetzte Wasserleitung zu einer hohen Stufe der Vollkommenheit gebracht. Die Feuerwehr, seit 1851 errichtet, besteht aus etwa 600 Mann. Die 23 Feuerwachen, welche in den 5 Brandinspectionen der Stadt gleichm√§√üig vertheilt sind, stehen mit der Hauptfeuerwache an der Breiten Stra√üe durch einen elektrischen Telegraphen in Verbindung u. sind so eingerichtet, da√ü binnen 5 Minuten nach der geschehenen Anzeige eine gen√ľgende Anzahl Spritzen auf der Brandst√§tte concentrirt werden k√∂nnen. Die Wasserleitung, deren Druck- u. Pumpwerk mit 12 Dampfkesseln sich vor dem Stralauer Thore befindet, dient theils zum Reinigen der Abzugskan√§le, theils zur Speisung der Spritzenschl√§uche bei Feuersgefahr, theils zum Besprengen der Stra√üen im Sommer u. theils endlich zum Privatgebrauch. Zur Regulirung des Plakatenwesens sind in allen frequenteren Stadttheilen runde, 12 Fu√ü hohe Anschlages√§ulen aufgestellt. Zur bequemeren Communication innerhalb der Stadt dienen eine Anzahl Omnibus, welche regelm√§√üig auf bestimmten Wegestrecken hin- u. herfahren, u. √ľber 1200 Droschken. Unter diesen befinden sich auch sogenannte Wegemesser, bei denen sich das Fahrgeld nach der Anzahl der Radumdrehungen richtet, die letztere aber durch ein Uhrwerk im Wagen auf einem Zifferblatte angezeigt wird. Eine Stadtpost, welche Bureaus in den verschiedenen Stadtvierteln besitzt u. in allen Hauptstra√üen Briefk√§sten angebracht hat, sorgt f√ľr die Bef√∂rderung der Briefe innerhalb des Weichbildes. Au√üer den bei Erw√§hnung der merkw√ľrdigen Stra√üen u. Pl√§tze genannten Denkm√§lern befinden sich noch au√üerhalb der Ringmauern: das 1821 enth√ľllte Nationaldenkmal der Kriege gegen Frankreich 1813‚Äď1815, auf dem Kreuz- (Tempelhofer) Berge vor dem Hallischen Thore. Es ist 61 Fu√ü hoch, nach Schinkels Entwurf aus Eisen st√ľckweis gegossen u. dann zusammengesetzt, besteht aus einer gothischen Spitzs√§ule mit 12 Kapellen, in denen die 12 Hauptschlachten aus den Kriegen 1813‚Äď15 als Genien nach Modellen von Rauch, Tieck u. Wichmann dargestellt sind, erhebt sich auf einem Sockel von mehreren Stufen u. ist von einem eisernen Gitter umgeben. Das National-Krieger-Denkmal, eingeweiht 1854, im Garten des Invalidenhauses vor dem Neuen Thore, in der N√§he des Hamburger Bahnhofes, dem Andenken der im Jahre 1848 u. 1849 gefallenen Soldaten gewidmet, ist eine 118 Fu√ü hohe S√§ule, innerhalb mit einer Wendeltreppe versehen, welche zu dem auf dem Capit√§l derselben befindlichen 251/2 F. breiten fliegenden Adler f√ľhrt. Das Capit√§l ist mit einer Gallerie versehen. Das Denkmal ist von drei Seiten von einer Granitmauer umgeben, in welche 38 Marmortafeln mit den Namen der gefallenen Soldaten eingelassen sind. Marmorbild Friedrich Wilhelms III. von Drake, im Thiergarten vor der Stadt errichtet. Das Relief, welches das runde Piedestal umgiebt, bezieht sich auf den Charakter des K√∂nigs als Freund u. Bef√∂rderer des Familiengl√ľckes u. unschuldiger Naturfreuden.

IV. Kirchen. Kirchen z√§hlt B. 40, darunter: die Nikolaikirche, mit einem Grabmal Pufendorfs, die √§lteste, 1223 geweiht, 1817 im Innern restaurirt, an der √§u√üeren Kirchenmauer die Denkm√§ler Speners u. Spaldings; die Marienkirche, mit dem Grabe des Dichters Kanitz u. einer von Schl√ľter 1703 aus Alabaster erbauten Kanzel; die Garnisonkirche; die Graue-Klosterkirche, mit dem Grabmal Ludwigs des R√∂mers; die Parochialkirche, mit Glockenspiel, s√§mmtlich in Alt-B.; die Domkirche im Lustgarten beim Schlosse, mit Begr√§bni√ü des Grossen Kurf√ľrsten u. Friedrichs I., Bilds√§ulen[623] der Kurf√ľrsten Johann Cicero u. Joachim I., marmornem Taufstein von Rauch, Altarblatt von Begas; die Werdersche Kirche auf dem Friedrichswerder, neu, nach Schinkels Angabe ganz von Ziegeln im altdeutschen Styl gebaut u. mit Altargem√§lden von Begas u. W. Schadow, mit einem St. Georg √ľber dem Haupteingange von gebranntem Thon nach einem Modell von Tieck; in der Friedrichsstadt befinden sich die Katholische Kirche St. Hedwig, eine nach dem Muster der Maria Rotonda zu Rom gebaute Rotunde, innen von 24 korinthischen S√§ulen getragen; das mit 6 r√∂mischen S√§ulen geschm√ľckte Portal u. die Gruppe Christus u. Maria am Hochaltare, lie√ü der Cardinal Quirini auf seine Kosten errichten; die Dorotheenst√§dtsche Kirche, mit den Denkm√§lern Lamberts u. des Grafen von Mark, nat√ľrlichen Sohnes Friedrich Wilhelms II., von Schadow; die Franz√∂sische u. Neue Kirche, beide auf dem Gensdarmenmarkt sich einander gegen√ľber stehend. Die 225 F. hohen Th√ľrme mit schlanken Kuppeln sind nach dem Muster der Kirche Maria del popolo zu Rom gebaut. Auf den Kuppeln stehen kupferne, vergoldete Figuren (15 F. hoch), die der erstern die triumphirende Religion, die der andern die siegende Tugend darstellend; die St. Petrikirche in K√∂ln, seit 1852 an der Stelle, wo schon seit 1237 eine mehrere Male, zuletzt 1809 abgebrannte Kirche stand, nach einem Plane von Strack in Form eines griechischen Kreuzes erbaut, mit einem 307 F. hohen Thurme, dessen 107 F. hohe Spitze von Eisen ist, u. vier achteckigen Th√ľrmen an den Ecken; die St. Marcuskirche in der Weberstra√üe, 1855 eingeweiht, nach St√ľlers Entwurf im Rundbogenstyl mit Kuppel ausgef√ľhrt; die Jerusalemer Kirche, die Dreifaltigkeitskirche u. m. a. Die J√ľdische Synagoge wurde 1714 von Kemmater, die neue von Titz 1850 erbaut. Der Tempel der j√ľdischen Reformgemeinde ist 1854 nach dem Entwurf G. Stiers errichtet. Die Englische Kapelle befindet sich seit 1854 im Schlosse Montbijou.

V. K√∂nigliche Schl√∂sser u. sonstige Pal√§ste. Das K√∂nigliche Schlo√ü in K√∂ln, ein l√§ngliches Viereck, 1011/2 F. hoch. Der urspr√ľngliche, jetzt nicht mehr vorhandene Bau, wurde 1451 unter Kurf√ľrst Friedrich II. begonnen u. 1538 durch Kurf√ľrst Johann II. niedergerissen. Von dem dann von Kasp. Theis neu erbauten Schlosse ist an der Wasserseite noch ein Theil √ľbrig. Das jetzige Schlo√ü wurde erst unter K√∂nig Friedrich I. 1600 von Schl√ľter begonnen, von Eosander v. Goethe fortgesetzt u. 1710 endlich von B√∂hm vollendet. Die Hauptfronte des Schlosses ist 276 rhein. F. lang u. hat ein nach dem Triumphbogen des Septimius Severus erbautes Portal. √úber dieses w√∂lbt sich die unter Friedrich Wilhelm IV. erbaute Schlo√ükuppel, welche die Decke der darunter befindlichen Schlo√ükapelle bildet. Die Seitenfronten nach dem Lustgarten u. dem Schlo√üplatz sind 430 F. lang u. von Portalen durchbrochen, welche nach den vier inneren H√∂fen f√ľhren. Von den 600 Zimmern des Schlosses sind bemerkungswerth der Rittersaal, der wei√üe Saal, das Wohnzimmer Friedrichs I. u. Friedrich Wilhelms II., das Kurf√ľrstenzimmer, das Kroncabinet, die Brautkammer, das Schwarze-Adlerzimmer u. die Bildergallerie. Das Schlo√ü ist Wohnung des K√∂nigs Friedrich Wilhelm IV. Das K√∂nigliche Palais auf dem Friedrichswerder, vom gro√üen Kurf√ľrsten aufgef√ľhrt, urspr√ľnglich den Gouverneurs zur Wohnung bestimmt, dann von Friedrich II. als Kronprinz, sp√§ter von Friedrich Wilhelm III. als Kronprinz u. K√∂nig bewohnt, endlich von dem Prinzen Friedrich Wilhelm, einstigem Thronerben, bezogen, nachdem es um ein Stockwerk erh√∂ht worden ist, ist durch einen √ľber die Oberwallstra√üe gehenden Bogen mit dem ehemaligen Palais des Prinzen Louis (Prinzessinnenpalais) verbunden, welches letztere sp√§ter Wohnung der F√ľrstin von Liegnitz wurde. Das Gartenschlo√ü Montbijou, in dem Spandauer Viertel, an der Spree, mit Park umgeben, von Eosander v. Goethe in zwei getrennten Geb√§uden erbaut u. von den Gemahlinnen Friedrich Wilhelms I. u. II., dann vom Herzog Karl von Mecklenburg (gegenw√§rtig vom Landgrafen von Hessen-Philippsthal, Prinzen Alexis Wilhelm Ernst u. dessen Gemahlin) bewohnt. Das Palais des Prinzen von Preu√üen, 1834‚Äď36 von Langhans gebaut; das Palais des Prinzen Karl in der Wilhelmsstra√üe, 1787 als Palais des Johanniterordens erbaut, 1828 von Schinkel umge√§ndert, mit Waffenhalle im unteren Stock; das Palais des Prinzen Albrecht, 1738 als Privathaus erbaut, von Friedrich II. seiner Schwester, der Prinzessin Amalie, zur Sommerwohnung bestimmt, seit 1810 Luisenstiftung, 1832 von Schinkel f√ľr den Prinzen Albrecht eingerichtet; das Palais des Prinzen Adalbert am Leipziger Platz, zugleich Admiralit√§tsgeb√§ude; unter den Linden das des Prinzen Friedrich der Niederlande; im Thiergarten das Schlo√ü Bellevue an der Spree, fr√ľher dem Prinzen Heinrich, dann dem Prinzen August von Preu√üen geh√∂rig, gegenw√§rtig k√∂niglich, mit Park u. Bildergallerie.

VI. Milit√§retablissements besitzt B., als Hauptstadt Preu√üens, sehr viele. Das Zeughaus auf dem Friedrichswerder, wurde von Nehring begonnen, von de Bodt 1696 umgeschaffen u. 1706 vollendet; von Schl√ľter sind die in Stein gehauenen Masken sterbender Krieger im inneren Hof u. √ľber der Hinterth√ľr die der Reue, die Statuen des Mars u. der Bellona u. die √ľbrigen kriegerischen Embleme √ľber den Bogenfenstern u. auf dem Dache. Das Bauwerk bildet ein Quadrat, jede Seite 290 Fu√ü lang mit 3 Portalen. In den um das ganze Viereck herumlaufenden hohen u. sehr breiten Gallerien sind Gewehre aus neuerer Zeit symmetrisch geordnet u. eine reiche Sammlung alter Waffen, so wie eine andere von Modellen zu Kriegsmaschinen befindlich; die W√§nde sind mit franz√∂sischen Fahnen aus der Revolutionszeit geziert; das untere Stockwerk enth√§lt Gesch√ľtze, auch eine Sammlung von alten Gesch√ľtzen aus der fr√ľhesten Zeit bis jetzt. Neben ihm steht die K√∂nigswache, 1819 von Schlakel in Form eines r√∂mischen Castrums gebaut; √ľber die Statuen daneben, s. oben III.; das Kriegsministerium in der Leipziger Stra√üe; das Invalidenhaus vor dem Neuen Thore an der Panke, 1748 f√ľr 600 Mann eingerichtet, aus 2 palast√§hnlichen Vierecken, die durch ein Mittelgeb√§ude verbunden sind, bestehend; auf dem Kirchhof daneben das Denkmal Scharnhorsts; mehrere Artillerieetablissements in der Jungfernhaide vor dem Unterbaum, sehr viel Kasernen, Exercirh√§user, Reitbahnen, das Gie√ühaus, Festungsmodellhaus, Admiralit√§t etc. Au√üer dem Kriegsministerium u. seinem Zubeh√∂r (Milit√§r√∂konomiedepartement, Abtheilung f√ľr Invalidenwesen,[624] desgleichen f√ľr Remonteaugelegenheiten, Generalauditoriat, Generalmilit√§rkasse), sind der gro√üe Generalstab, das Trigonometrische u. das Topographische Bureau, die Plankammer, die Direction des Milit√§rmedicinalwesens, das K√∂nigliche Lithographische Institut, das Generalcommando des Garde- u. Grenadiercorps, das des 3. Armeecorps, das Generalinspectorat der Artillerie, das der Festungen u. Ingenieure, die Divisionscommandos der beiden Gardedivisionen, das Gouvernement von B. u. viele Examinations- u. andere Commissionen hier stationirt. In Garnison zu B. befinden sich das 2. Gardeinfanterie-, Kaiser-Alexander- u. Kaiser-Franz-Grenadierregiment, Gardereserve-Infanterieregiment, das Gardesch√ľtzenbataillon, das Gardec√ľrassier-, Gardedragoner-, 2. Gardeulanenregiment, die Lehrescadron, die Gardeartilleriebrigade, die Gardepionierabtheilung, das Berliner Invalidenbataillon, die Cadres des 1. Bataillons des Gardelandwehr- u. das 1. u. 3. Bataillon des 20. Landwehrregiments. √úber die milit√§rischen Unterrichtsanstalten s. unten VIII. ‚Äď Von den √ľbrigen merkw√ľrdigen Geb√§uden werden die meisten bei den Beh√∂rden, wissenschaftlichen, Kunst-, Unterrichts-, Industrie- u. milden Anstalten erw√§hnt werden; wir nennen daher hier nur das Lagerhaus, als √§lteste Residenz der Markgrafen u. Kurf√ľrsten, sp√§ter Wollenmanufactur, jetzt Atelier Rauchs; das Kammergericht (Collegienhaus) in der Lindenstra√üe; den K√∂niglichen Marstall in der Breitenstra√üe.

VII. Beh√∂rden. Au√üer dem Staatsrath u. den verschiedenen Ministerien, die ihre eigenen Palais haben, ist B. Sitz des Geheimen Staatsarchivs, des Statistischen Bureaus, der Direction der Rentenbank, des Generalpostamts (mit weitl√§ufigem Geb√§ude), der Telegraphendirection, Verwaltung der Eisenbahnen, der Technischen Baudeputation, der Technischen Deputation f√ľr Gewerbe, des Generalm√ľnzdirectoriums, des Oberbergamts, der Bureaus des Herren- u. Abgeordnetenhauses, des Geheimen Obertribunals, des Kammergerichts, des Disciplinarhofs, der Centralstelle f√ľr Pre√üangelegenheiten, des Geheimen Ministerialarchivs, der Immediat-Examinationscommission, der Generatordenscommission, der Generallotteriedirection, der Verwaltung der Staatsschulden, des Landes√∂konomiecollegiums, der Staatsdruckerei, der Seehandlung, des Hauptsteueramts, der wissenschaftlichen Deputation f√ľr das Medicinalwesen, der Oberexaminationscommission f√ľr die Staatspr√ľfungen der √Ąrzte u. Wund√§rzte; des Seminars f√ľr gelehrte Schulen, der Intendantur der k√∂niglichen Museen, der Intendantur der Schauspiele u. mehrerer Beh√∂rden der Provinz Brandenburg: der Hauptritterschaftsdeputation der Kur- u. Neumark, Kriegsschuldentilgungscommission, Feuerversicherungsanstalt u. der Stadtbeh√∂rden, Polizeipr√§sidium, Baucommission, Magistrat, Stadtgericht.

VIII. Wissenschaftliche u. Kunstanstalten. Die K√∂nigliche Akademie der Wissenschaften, s.u. Akademie X. E). Das Akademiegeb√§ude unter den Linden hat eine Uhr, welche als Normaluhr dient; in demselben finden auch die gro√üen Kunstausstellungen statt, so wie dort auch die Akademie der K√ľnste (die Kunstakademie) ihre S√§le hat u. Sitzungen h√§lt. Die K√∂nigliche √∂ffentliche Bibliothek, in einem 1780 von Friedrich II. erbauten Bibliothekgeb√§ude am Opernplatze besteht aus 600,000 B√§nden u. 10,000 Manuscripten; au√üerdem haben die Universit√§t, die meisten h√∂heren Beh√∂rden u. die wichtigsten Unterrichtsanstalten noch Bibliotheken. Die Universit√§t wurde 1809 von Friedrich Wilhelm III. gestiftet u. hat ihren Sitz im ehemaligen Palais des Prinzen Heinrich unter den Linden. Sie hat 4 Facult√§ten. Die Zahl der Lehrer bel√§uft sich gegenw√§rtig auf 175, die Zahl der Zuh√∂rer auf √ľber 2300. Mit der Universit√§t ist ein Theologisches u. Philologisches Seminar verbunden. Die Universit√§t wird durch einen (wechselnden) Rector geleitet; die akademische Gerichtsbarkeit f√ľhrt in dessen Namen ein akademischer Syndicus. Zu ihren H√ľlfsanstalten geh√∂ren: das Pathologisch-anatomische Institut, die Anatomische Sammlung, das Institut f√ľr Chirurgie u. Augenheilkunde, die Poliklinik, die Entbindungsanstalt, das mit der Charit√© verbundene Klinicum, das Zoologische Museum, das Mineralogische Cabinet, beide in dem Universit√§tsgeb√§ude, die Physikalische Apparatensammlung, das Meteorologische Institut, der Physiologische Apparat, die Chirurgische Instrumentensammlung, das 1849 gegr√ľndete Christliche Museum (welches christliche Denkm√§ler von den ersten Anf√§ngen des Christenthums an in geschnittenen Steinen, Inschriften, Miniaturgem√§lden, Elfenbeinschnitzwerken, Abbildung kirchlicher Bauwerke, Nachbildungen religi√∂ser Gegenst√§nde, auch √Ėlgem√§lde biblischen Charakters umfa√üt), der Botanische Garten im nahen Sch√∂neberg, die kleinere botanische Anpflanzung nebst Winterhaus hinter der Universit√§t u. viele andere Anstalten; dann die Sternwarte, 1835 neu errichtet, unweit des Hallischen Thores am Enckeplatz. Au√üerdem bestehen hier noch die Bauakademie in dem von Schinkel in Backstein aufgef√ľhrten Geb√§ude an der Werderschen Stra√üe, seit 1824 von der Akademie getrennt, seit 1849 neu organisirt. Daran schlie√üt sich das Beuth-Schinkelmuseum, theils Handzeichnungen Schinkels zu Bauwerken u. Sculpturen, theils Kupferstiche u. andere Gegenst√§nde aus dem Beuthschen Nachlasse enthaltend; das Technische Gewerbeinstitut in der Klosterstra√üe zur Ausbildung von Sch√ľlern bestimmt, die sich dem Maschinenbau u. der Technik √ľberhaupt widmen wollen; mit demselben ist eine Musterweberei verbunden; die Baugewerbeschule f√ľr Handwerker. Die K√∂nigliche Thierarzneischule befindet sich in einem 1840 erbauten Geb√§ude an der Luisenstra√üe. Zu erw√§hnen bleibt noch: das K√∂nigliche Seminar f√ľr Stadtschulen; ferner das K√∂nigliche Gymnastische Centralinstitut mit Turnpl√§tzen auf der Hasenhaide u. in Moabit, Au√üerdem bestehen in B. folgende Schulen: 7 Gymnasien u. 6 Realschulen (worunter eine Gewerbschule), theils k√∂niglichen, theils st√§dtischen Patronats. Es sind mit einzelnen derselben Alumnate u. Vorschulen, auch ein Seminar f√ľr Lehrer der Mathematik u. Physik f√ľr Gymnasien verbunden. Sie haben zusammen etwa 6600 Sch√ľler mit 211 Lehrern. Neben ihnen stehen 6 h√∂here T√∂chterschulen mit 1800 Sch√ľlerinnen u. 70 Lehrern u. Lehrerinnen (die k√∂nigliche Bildungsanstalt f√ľr Lehrerinnen u. Erzieherinnen ist darin einbegriffen), 6 h√∂here u. mittlere Knabenschulen mit 1200 Sch√ľlern u. 40 Lehrern, u. 17 Elementarschulen mit 4900 Sch√ľlern, 6000 Sch√ľlerinnen u. 210 Lehrern, alle k√∂niglichen od. st√§dtischen Patronats. Dazu kommt[625] eine Anzahl Schulen, welche unter Specialaufsicht von Vereinen u. Kirchenministerien stehen: 9 sogenannte Erwerbschulen, jede von 2 Klassen u. 80 M√§dchen. Sie sind unter besonderer Protection der K√∂nigin u. haben zum Zweck, T√∂chter armer Eltern von 7‚Äď14 Jahren zu unterrichten u. ihnen zugleich durch Handarbeiten zeitig einen Verdienst zu gew√§hren. Ferner 13 Parochialschulen, darunter die der B√∂hmisch-reformirten, B√∂hmisch-lutherischen, B√∂hmisch-m√§hrischen u. der Franz√∂sisch-reformirten Gemeinden. In ihnen werden 820 Knaben u. 910 M√§dchen von 50 Lehrern u. Lehrerinnen unterrichtet. Mit Waisenh√§usern u. Erziehungsanstalten verbundene Schulen bestehen 9. Darunter das Kinderhospiz der Franz√∂sischen Kirche, ferner eine Anstalt, in welcher die unterrichteten erwachsenen M√§dchen zu Kinderw√§rterinnen ausgebildet werden, u. ein Institut f√ľr sittlich verwahrloste Kinder. Im Ganzen werden in diesen Schulen unterwiesen 400 Knaben u. 260 M√§dchen. Katholische Schulen gibt es 6 (darunter eine h√∂here T√∂chterschule), mit 820 Sch√ľlern, 700 Sch√ľlerinnen u. 36 Lehrern u. Lehrerinnen. J√ľdische Schulen existiren 4; darunter eine Religionsschule, worin Z√∂glinge aus 36 anderen Schulen (Gymnasien, Real-, Knaben- u. T√∂chterschulen) Religionsunterricht erhalten. Die j√ľdischen Schulen z√§hlen 430 Sch√ľler u. 300 Sch√ľlerinnen. Dazu kvmmen 113 zum gro√üen Theil sehr klassenreiche Privatschulen; unter denselben z√§hlt man 8 h√∂here Knabenschulen, welche ihre Z√∂glinge f√ľr Gymnasien u. Realschulen vorbereiten u. zusammen etwa 1500 Sch√ľler haben; ferner 12 mittlere Knabenschulen mit 3000 Sch√ľlern u. 18 Elementarknabenschulen, zusammen mit 5000 Sch√ľlern. H√∂here Privatt√∂chterschulen gibt es 29; die meisten sind zugleich Pensions- u. Erziehungsanstalten; eine derselben ist mit einem Privatlehrerinnenseminar verbunden. Unterrichtet werden in ihnen etwa 4000 Sch√ľlerinnen. Mittlere T√∂chterschulen gibt es 13, mit 2700 Sch√ľlerinnen; Elementart√∂chterschulen 17 mit 4800 Sch√ľlerinnen; 16 Elementarschulen f√ľr beide Geschlechter mit 3900 Sch√ľlern u. Sch√ľlerinnen. S√§mmtliche Schulen B-s, insofern sie nicht besondere Fortbildungsanstalten (u. solcher gibt es f√ľr Erwachsene auch 3) sind, sondern die allgemeine Schulbildung bezwecken, stehen theils als Schulen k√∂niglichen Patronats u. besonderer kirchlicher Corporationen unter der unmittelbaren Leitung u. Aufsicht des k√∂niglichen Provinzialschulcollegiums, theils als Schulen st√§dtischen Patronats od. als Privatlehranstalten unter der Verwaltung u. Aufsicht der st√§dtischen Beh√∂rden, insbesondere der st√§dtischen Schuldeputation. Letztere ist zusammengesetzt aus 2 Stadtschulr√§then, 3 Superintendenten, 7 Stadtr√§then, 8 Stadtverordneten u. 7 B√ľrgerdeputirten u. hat ihre stehenden Plenarsitzungen. Zu erw√§hnen sind noch 33 Kleinkinderbewahranstalten, welche √ľber alle Stadttheile verbreitet sind u. die Kinder armer Eltern bis zum schulpflichtigen Alter beaufsichtigen; 9 st√§dtische Sonntagsschulen mit 2100 Sch√ľlern u. Sch√ľlerinnen, endlich 8 sonnt√§gliche Freischulen f√ľr ¬Ľvers√§umte¬ę Lehrlinge. Zur Weiterbildung dienen den Strebsamen sodann die st√§dtischen Volksbibliotheken, jetzt 5 an der Zahl, die Jedem leicht zug√§nglich sind u. bes. aus dem Ertrage der wissenschaftlichen Vorlesungen in der Singakademie erweitert u. vermehrt werden. Milit√§rische Unterrichtsanstalten sind: das Medicinisch-chirurgische Friedrich-Wilhelms-Institut (mit der sonstigen Pepini√®re vereinigt, dient zur Ausbildung von Milit√§r√§rzten), die Allgemeine Kriegsschule (nur f√ľr Offiziere zu h√∂herer Ausbildung), die Artillerie- u. Ingenieurschule mit eigenem Geb√§ude, das Cadettenhaus (1775 erbaut, mit Modellsaal u. Kartensammlung). Zur Ausbildung von Musikern, S√§ngern u. S√§ngerinnen bestehen folgende Anstalten: die Akademie der Tonkunst seit 1855, das Institut f√ľr Kirchenmusik (zur Ausbildung von Musiklehrern u. Organisten), die Singakademie (mit 500 Mitgliedern, in einem eigenen 1826 erbauten Geb√§ude mit gro√üem Concertsaal), die Gesangklasse der k√∂niglichen Oper u. ein Conservatorium f√ľr Musik. Wissenschaftliche u. Kunstvereine, au√üer den von Staatswegen angeordneten Akademien bestehen: die Gesellschaft f√ľr Erdkunde (Organ: Zeitschrift f√ľr Erdkunde, herausgeg. von Neumann), die Gesellschaft naturforschender Freunde, die Hufeland'sche medicinisch-chirurgische Gesellschaft, die Deutsche zoologische Gesellschaft, der Statistische Verein, der Wissenschaftliche Verein des Gewerbeinstituts, der Musikalische Orchesterverein, die Liedertafel, der Wissenschaftliche Verein (in welchem Vortr√§ge w√§hrend der Wintermonate in der Singakademie gehalten werden, gr√ľndete mehrere Volksbibliotheken), der Kunstverein, der √§ltere u. j√ľngere K√ľnstlerverein, Gesellschaft f√ľr deutsche Sprache u. Alterthumskunde (gegr√ľndet 1815), der Literarische Sonntagsverein (gegr√ľndet 1827), der Apothekerverein, der Architektenverein, Preu√üische Hauptbibelgesellschaft, Hauptverein f√ľr evangelische Mission, Hauptverein f√ľr christliche Erbauungsschriften, Evangelische B√ľcherstiftung, Zweigverein der Evangelical-Alliance in London, Katholischer Leseverein, Schachgesellschaft (welche Schachturniere veranstaltet, Organ: Berliner Schachzeitung), Handwerkerverein (mit einem Geb√§ude), Verein zur Bef√∂rderung des Gewerbflei√ües, Frauenbildungsverein, Deutscher Feuerversicherungsverein, Verein f√ľr Eisenbahnkunde, Zweigverein des Schillervereins, Verein zur F√∂rderung des Gartenbaues (h√§lt halbj√§hrliche Ausstellungen u. vertheilt Preise, verbunden mit einem G√§rterlehrinstitut). Au√üerdem bef√∂rdern die Kunst die Ateliers mehrerer K√ľnstler, so Rauchs, Ki√ü', Drake's, Wichmann's, Schievelbein's, Cornelius', Mentzel's, J. Schrader's, Meyer's von Bremen. Meyerheim's, Hildebrandt's u. A., u. die Ausstellungen im Akademiegeb√§ude. Hinsichtlich der literarischen Production ist Berlin n√§chst Leipzig der bedeutendste Platz in Deutschland. Au√üer einer Menge wissenschaftlicher Journale u. belletristischer Bl√§tter erscheinen folgende gr√∂√üere politische Zeitungen: Der Staatsanzeiger u. die Preu√üische Correspondenz (officiell), die Zeit (halbofficiell), die Vossische Zeitung (mit der st√§rksten Auflage) u. die Spenersche Zeitung (beide conservativ-liberal), die Neue Preu√üische Zeitung (Kreuzzeitung, conservativ), die Volkszeitung (popul√§r u. liberal), die Nationalzeitung (liberal).

IX. Dir Sammlungenwissenschaftlicher u. Kunstgegenst√§nde sind zum Theil schon oben bei der Universit√§t genannt. Au√üerdem dienen diesem Zwecke die beiden mit einander verbundenen k√∂niglichen Museen zwischen der Spree u. dem Schleusengraben am Lustgarten. Das alte Museum[626] im Lustgarten, 1824 begonnen, von Schinkel aufgef√ľhrt, 1829 er√∂ffnet, ist ein 276 F. langes, 179 F. breites, bis zur Oberkante 61 F. hohes Viereck, nach dem Vorbilde des Tempels der Athene Polias in Athen gebaut. Zu der auf dem massiven Unterbau ruhenden, von 18 attischen S√§ulen getragenen Vorhalle, f√ľhrt eine breite Treppe, deren linke Wange die Amazonengruppe von Ki√ü tr√§gt, w√§hrend die rechte zur Aufnahme eines Pendants von Rauch bestimmt ist. An den vorderen Ecken des Schutzdaches, welches die in der Mitte des Geb√§udes sich erhebende Kuppel √ľberdeckt, stehen, in Eisen gegossen, die Dioskuren von Tieck u. in der S√§ulenhalle die Marmorstatue des Erbauers, ebenfalls von Tieck. Die Hinterwand der Halle ist zu beiden Seiten des Portals mit Frescogem√§lden (nach Schinkels Entwurf von Cornelius gemalt) ausgeschm√ľckt, ebenso die Hinterwand des Vestibuls oberhalb der zum zweiten Gescho√ü f√ľhrenden Treppe. Durch das Vestibul tritt man in die 72 F. hohe Rotunde. In dieser, sowie in den ansto√üenden R√§umen des unteren Geschosses, dem G√∂tter- u. Heroensaal, dem Kaisersaal, dem mittelalterlichen Saal u. dem Etruskischen Saal, sind antike u. moderne Sculpturwerke aufgestellt. Auf der Gallerie der Rotunde befinden sich Nachbildungen der f√ľr Leo X. zu Arras gewebten Gobelins. Das obere Gescho√ü enth√§lt in 37 Cabinetten die Gem√§ldegallerie, die aus den Kunstwerken in den k√∂niglichen Schl√∂ssern, aus der 1815 in Paris erkauften Giustinianischen u. der Sollyschen Gallerie u. anderen Erwerbungen zusammengesetzt ist. Im Grundbau befindet sich das Antiquarium, bestehend aus einer Gemmensammlung, einer M√ľnzsammlung, Sammlung antiker Metallarbeiten, Terracotten, Wandmalereien aus Herculanum u. Pompeji, antiker Thongef√§√üe etc. Das neue Museum, 1843 nach einem Plane St√ľlers in einem antiken, mit modernen Elementen gemischten Style begonnen (gegenw√§rtig noch nicht vollendet). Seine L√§nge betr√§gt 337 F., seine H√∂he 75 F., seine Tiefe 128 F., der Mittelbau, das Treppenhaus enthaltend, √ľberragt das Geb√§ude um 25 F., die Decken der S√§le sind gew√∂lbt u. werden von theils marmornen, theils Stuck-, theils gu√üeisernen S√§ulen getragen. Die einzelnen Abtheilungen mit ihren verschiedenen Sammlungen sind im ersten Gescho√ü: das Museum nordischer Alterth√ľmer u. das √Ągyptische Museum (Gr√§bersaal, Mythologischer Saal); im zweiten Gescho√ü: Gypsabg√ľsse antiker, mittelalterlicher u. moderner Sculpturen (8 S√§le); im oberen Gescho√ü: die Kunstkammer, die Ethnographische Sammlung, die Sammlung vaterl√§ndischer Alterth√ľmer (letztere drei ehedem im k√∂niglichen Schlosse befindlich) u. das Kupferstichcabinet. Das Treppenhaus, welches die ganze Tiefe des Geb√§udes einnimmt, ist geschm√ľckt mit den ber√ľhmten Wandgem√§lden W. v. Kaulbachs. Au√üerdem finden sich noch Gem√§ldesammlungen. im k√∂niglichen Schlo√ü u. in Bellevue (letztere aus √Ėlgem√§lden neuerer Meister bestehend). In mehreren Privatsammlungen sind noch Kunstsch√§tze geh√§uft, so Gem√§lde im Palais des Grafen Raczynski vor dem Brandenburger Thore, wo sich auch das Atelier von Cornelius befindet, beim Consul Wagner, Rav√®ne, eine permanente Gem√§ldeausstellung in der Kunsthandlung von Sachse u. Comp., eine Kupferstichsammlung beim Kaufmann Thiermann u. m. a. X. Heil- u. milde Anstalten. Die mit dem Klinicum verbundene Charit√©, seit 1710 bestehend u. 1400 Kranke beherbergend; die Gr√§ssche Augenklinik, das Milit√§rlazareth, Heilanstalt durch Elektricit√§t u. Magnetismus, mehrere Orthop√§dische Institute, Brunnenanstalten, Wasserheilanstalten, Mineralwasseranstalten von Struve u. Soltmann, Eiselens Anstalt f√ľr Leibes√ľbungen. Unter den Badeanstalten ist namentlich zu erw√§hnen die 1855 ins Leben getretene gro√üartige Wasch- u. Badeanstalt in der Schillingsgasse, hervorgerufen von einer Actiengesellschaft mit einem Capital von 113,700 Thlrn. Noch zahlreicher sind die milden Anstalten, theils unter der Armendirection, theils unter Privatleitung, zahlreiche Hospit√§ler zur Verpflegung Armer u. Infirmer: Heiligen-Geistshospital, Gertrauden-, Jerusalemer-, Jakobshospital; das Diakonissenhaus Bethanien (gegr√ľndet 1847, eine Stiftung Friedrich Wilhelms IV. unter dem Protectorat der K√∂nigin, zur Ausbildung von Krankenpflegerinnen, ist f√ľr 300 Kranke eingerichtet), das Elisabeth-Krankenhaus, das St. Hedwigs- (katholische) Krankenhaus, Heil- u. Bildungsanstalt f√ľr Bl√∂dsinnige, mehrere Armen- u. Versorgungsh√§user, darunter das vom Kaiser Nikolas als Ehrenb√ľrger von B. gegr√ľndete Nicolai-B√ľrgerhospital, die Rotherstiftung f√ľr Beamtent√∂chter √ľber 40 Jahr, Christliche M√§gdeherberge, Hollmanns Wilhelminen-Amalienstiftung f√ľr alte Frauen √ľber 60 Jahr, Alterversorgungsanstalt der j√ľdischen Gemeinde, die Pischonsche Pensionsstiftung f√ľr Volkslehrer u. Lehrerinnen, K√∂nigliche Wittwenpflegeanstalt, Offizierwittwenkassen u. mehrere Anstalten f√ľr Predigerwittwen; Waisenh√§user, darunter das gro√üe Friedrichswaisenhaus, welches f√ľr Waisen u. verwahrloste Kinder bestimmt ist, das Kornmessersche u. Schindlersche Waisenhaus (beide Privatanstalten), die J√ľdische Waisenerziehungsanstalt, das Friedrichsstift. Erziehungs- u. Besserungsanstalten: die Baviersche Anstalt zur Erziehung mutterloser Kinder, Magdalenenstift f√ľr sittlich verderbte M√§dchen, Pestalozzistiftung, Kleinkinderbewahranstalten (s. oben Unterrichtsanstalten). Taubstummen- (1798 vom Staate) u. Blindeninstitut (1800 von Zeune gegr√ľndet, jetztk√∂niglich), Besch√§ftigungsanstalt f√ľr erwachsene Blinde; Unterst√ľtzungskassen u. Unterst√ľtzungsvereine, darunter das 1840 von der Kaiserin von Ru√üland nach dem Tode ihres Vaters Friedrich Wilhelm III. mit 46,000 Thlrn. aus ihrem Erbschaftsantheil gegr√ľndete Friedrich-Wilhelmsinstitut f√ľr unbesch√§ftigte Arbeiter (Vorschu√ükasse), B√ľrgerrettungsinstitut (1796 von Baumgarten gegr√ľndet, soll zur√ľckgekommene Gewerbtreibende mit Vorsch√ľssen unterst√ľtzen), Hinkeldeystiftung f√ľr h√ľlfsbed√ľrftige B√ľrger Berlins, die Blechersche Stiftung f√ľr junge K√ľnstler zur Reise nach Italien; Allgemeine Landesstiftung, Nationaldank zur Unterst√ľtzung alter Krieger, gegr√ľndet aus Anla√ü der silbernen Hochzeit des Prinzen von Preu√üen 1854, mehrere Gesellen- u. Arbeiterunterst√ľtzungskassen, die Augusten-Stiftung, zur Aussteuer armer Brautpaare, gegr√ľndet bei der silbernen Hochzeit des Prinzen von Preu√üen, Gesindebelohnungsfond, Unterst√ľtzungsanstalt der Gesellschaft der Freunde f√ľr Wittwen u. Waisen, Gemeinn√ľtzige Baugesellschaft, gegr√ľndet 1848 (hat den Zweck, durch Bauten gesunde u. wohlfeile Wohnungen f√ľr sogenannte kleine Leute zu beschaffen); Lutherstiftung f√ľr Waisen[627] des Lehrerstandes, Vereinssterbekasse, Wittwenpensions- u. Unterst√ľtzungskasse, Speiseanstalten. Vereine: f√ľr Kleinkinderbewahranstalten, Alterversorgungsgesellschaft f√ľr deutsche Schauspieler (Perseverantia), gegr√ľndet von L. Schneider 1857, Unterst√ľtzungsverein h√ľlfsbed√ľrftiger Buchh√§ndler, H√ľlfsverein f√ľr j√ľdische Studirende, Verein zur Unterst√ľtzung armer W√∂chnerinnen, Frauengroschenverein etc. Zur Beschaffung von Geldmitteln dienen Darlehns- u. Vorschu√üvereine in allen Stadtbezirken, die st√§dtische Sparkasse, die Sparvereine, das k√∂nigl. Leihamt u. die Darlehnskasse des Berliner Frauenvereins zur Abh√ľlfe der Noth unter den kleinen Fabrikanten u. Handwerkern; Detentionsh√§user, Gef√§ngnisse; das Arbeitshaus, zugleich Zufluchtsort f√ľr Obdachlose, Siechenhaus u. Irrenbewahranstalt, die Stadtvoigtei f√ľr in Untersuchungshaft Befindliche u. Strafgefangene, das Zellengef√§ngni√ü in der N√§he des Hamburger Bahnhofs mit 800 Gefangenen.

XI. Industrie u. Handel. B. ist Concentrationspunkt der Gewerbe eines gro√üen Theils der Monarchie u. seine Industrie ist sehr bedeutend. Der Verein zur Bef√∂rderung der Gewerbe in Preu√üen wirkt neben den schon oben VIII. erw√§hnten technischen Lehranstalten u. Vereinen, zu denen noch die Polytechnische Gesellschaft zu z√§hlen ist, durch Er√∂ffnung von Concurrenzen u. Aussetzung von Pr√§mien f√ľr die Bef√∂rderung des Gewerbflei√ües. Von technischen Instituten des Staats sind die M√ľnze (mit M√ľnzgeb√§ude, auf broncirten steinernen Basreliefs von Schadow, die Operationen des M√ľnzend darstellend), die k√∂nigliche Porzellanfabrik (fertigt auch Gesundheitsgeschirr), die k√∂nigliche Eisengie√üerei u. die k√∂nigliche Bronzegie√üerei. Die Privatindustrie entwickelt sich in wahrhaft gro√üartiger Weise von Jahr zu Jahr. Gro√üen Ruf hat die Eisenindustrie B-s erlangt, namentlich im Fache des Maschinenbaues. Unter den zahlreichen Fabriken, die sich damit befassen, verdient besondere Erw√§hnung das Borsigsche Etablissement, das gro√üe seiner Art in Deutschland, aus welchem im Jahre 1854 bereits die 500. Locomotive hervorging. Die Zahl der in den s√§mmtlichen Maschinenbauanstalten besch√§ftigten Arbeiter bel√§uft sich auf 12,000. Au√üerdem producirt B. die verschiedenartigsten Gegenst√§nde des Luxus u. der Mode: Teppiche, Parf√ľmerien, H√ľte, Spiegel u. Bronzesachen, Lampen, M√∂bel, Porzellan√∂fen, Seiden-, Halbseiden-, Baumwollen- u. Leinenwaaren, Flu√ük√§hne, Wagen, Tapeten, Silberwaaren, Stutz- u. andere Uhren, Holzbronze, Bijouterie-, lackirte Blech- u. h√∂lzerne Waaren, Sohnen- u. Regenschirme, chirurgische, mathematische, optische u. musikalische Instrumente, chemische Waaren, Leder, k√ľnstliche Blumen u.a. Putzwaaren, fertige Kleidungsst√ľcke, seine Korbflechtereien, Strohh√ľte, St√§rke, Spielwaaren, Liqueurs etc. Der Handel B-s wird von dem Staate durch das Institut der Preu√üischen Bank (s. Bank II. Cc) q) aa) u. der Seehandlung (beide mit eigenen gro√üen Geb√§uden) unterst√ľtzt u. von der Handelskammer u. dem Handelsrath √ľberwacht. Au√üerdem bef√∂rdern den Geldverkehr die Bank des Berliner Kassenvereins (s. Bank II. Cc) q) b), die Discontokasse (s. ebenda cc), u. eine gro√üe Anzahl zum Theil gro√üartiger Bankgesch√§fte; die B√∂rse (an dem Lustgarten) dient zur Erleichterung des Waaren- u. Geldgesch√§fts; sie ist eine der bedeutendsten Deutschlands, ihre Curszettel erscheinen t√§glich. Der Handel erstreckt sich, au√üer auf Staatspapiere, auf Actien u. Wechselgesch√§fte, Spedition, Vertreiben der Erzeugnisse der Industrie B-s etc. Auch findet im Juni ein gro√üer Wollmarkt statt. Die bedeutenderen in- u. ausl√§ndischen Assecuranzgesellschaften haben in B. Comptoire, ihren Hauptsitz haben daselbst: die Berlinische Feuerassecuranz, die B-er Transportassecuranz, die Preu√üische National Feuer- u. Transportassecuranz, die B-er Hagelassecuranz, die B-er Renten- u. Capitalversicherungsbank, die Preu√üische Rentenversicherungsanstalt, die Alterversorgungsgesellschaft; ferner mehrere industrielle Gesellschaften: die Elbschifffahrts- u. Dampfschifffahrtsgesellschaft u. mehrere Eisenbahn- u. andere Actiengesellschaften. F√ľnf in B. zusammenlaufende Eisenbahnen, n√§mlich die Berlin-Hamburger, die Berlin-Stettiner, die Berlin-Frankfurter, die Anhaltische u. die Berlin-Potsdamer Bahn, vermitteln au√üer der Spreeschifffahrt den ausw√§rtigen Verkehr. Elektrische Telegraphen verbinden die Stadt mit allen Theilen der Monarchie u. den bedeutendsten Haupt- u. Handelsst√§dten des Continents, so mit Paris, Petersburg u. Constantinopel. Ma√üe u. Gewichte, s.u. Preu√üen (Geogr.); die alten Ma√üe u. Gewichte sind seit 1816 abgeschafft.

XII. Vergn√ľgungen u. Geselliges Leben. Unter den Vergn√ľgungen B-s steht das Theater oben an. Die Hauptgeb√§ude sind: Das gro√üe Opernhaus, der Universit√§t gegen√ľber, 1741 erbaut u. zu Opern, gr√∂√üern Schauspielen, so wie zu Concerten (wof√ľr ein eigner gro√üer Saal) benutzt, brannte 1843 ab, wurde aber mit Benutzung der stehen gebliebenen Umfassungsmauern fast ganz in derselben Weise wieder aufgebaut. Es ist 265 Fu√ü lang, 103 Fu√ü breit u. 73 Fu√ü hoch, im Giebel sind Basreliefs von Rietschel; der Zuschauerraum hat 4 Logenreihen u. fa√üt 2000 Personen. Das Schauspielhaus auf dem Gensdarmenmarkte, 1803 von Langhans gebaut, brannte 1817 ab u. wurde 1820 von Schinkel neu erbaut; es hat eine breite Freitreppe, welche zu einem vorspringenden Peristyl von 6 ionischen S√§ulen f√ľhrt, ist 245 Fu√ü lang u. im Mittelbau 160 Fu√ü tief; es enth√§lt einen Concertsaal mit Nebenzimmern u. Gallerien u. einen Decorationssaal; der Zuschauerraum fa√üt 1500 Personen. Im Opernhaus wie im Schauspielhaus spielen die k√∂niglichen Schauspieler mit den Operns√§ngern u. dem k√∂niglichen Ballet, gleichzeitig od. abwechselnd, doch so, da√ü die gr√∂√üeren Opern, Schauspiele u. Ballets im Opernhause, die kleineren, weniger Apparat erfordernden St√ľcke, Lustspiele u. dergl. im Schauspielhause gegeben werden. Das Ganze steht unter der Generalintendanz der k√∂niglichen Schauspiele. Ballet u. Oper werden vorzugsweise gepflegt, die dramatische Darstellung steht andern deutschen B√ľhnen nach. Das K√∂nigsst√§dter Theater, ein kleineres Theater, ehedem auf dem Alexanderplatze in der K√∂nigsstadt, auf Actien gegr√ľndet, f√ľr das Lustspiel u. die komische Oper bestimmt, bl√ľhte in den vierziger Jahren u. rivalisirte mit der K√∂niglichen B√ľhne, sp√§ter kam es in Verfall, wurde dann in einen Circus in der Charlottenstra√üe u. von dort nach der Blumenstra√üe verlegt. Sp√§ter wird es unter dem Namen Victoriatheater in einem bis jetzt noch nicht vollendeten Geb√§ude in der M√ľnzstra√üe seinen Sitz aufschlagen. Das Friedrich-Wilhelm- [628] st√§dtische Theater in der Schumannsstra√üe, verbanden mit Sommertheater, f√ľr Lustspiel, komische Oper u. Posse bestimmt, wurde 1850 er√∂ffnet u. fa√üt 1600 Personen. Das Krollsche Etablissement am Exercierplatz mit gro√üen S√§len, eins der gro√üartigsten Vergn√ľgungslocale der Welt, fa√üt an 5000 Personen. Das 1834 errichtete Geb√§ude wurde, nachdem es 1851 niedergebrannt war, von Titz wieder aufgebaut; es ist 366 Fu√ü lang, 95 Fu√ü tief u. mit den beiden Th√ľrmen 120 Fu√ü hoch. Die verschiedenen S√§le dienen theils zu B√§llen u. Familienfesten, theils zu Concerten; der gro√üe K√∂nigssaal ist mit einer kleinen B√ľhne verbunden, welche zur Darstellung von Farcen u. Localpossen dient. Au√üerdem finden theatralische Auff√ľhrungen statt im Henningschen Sommer- u. Wintergarten, zugleich Concertlocal, in dem Vorst√§dtischen Theater, mehreren Sommer- u. Liebhabertheatern. Concerte werden au√üer in den erw√§hnten Localen in Jachmanns Garten, auf dem Bockberge, im Hofj√§ger, Moritzhof, Albrechtshof (letztere 3 im Thiergarten) u.a. Orten veranstaltet. Die k√∂nigliche Kapelle gibt allwinterlich 6 Symphonie-Soireen, die Singakademie eine Reihe von Symphonieconcerten. Sehenswerth find die Gropiusschen Dioramen (s.d.). In einem Circus an der Friedrichsstra√üe werden equestrische Schauspiele gegeben. Innerhalb der Mauer gew√§hren mannichfache Locale in vielen Abstufungen Gelegenheit, sich bes. durch Tanzen zu vergn√ľgen, werden aber nur von einer sehr gemischten Gesellschaft u. Damen von zweideutigem Rufe besucht. Unter den zahlreichen Conditoreien sind die von Josti, Stehely, Spargnapani, d'Heureuse u. Kranzler die bekanntesten Elegante Caf√©s, die zugleich Speiselocale sind, werden von dem feineren Publicum besucht, w√§hrend die Kellerwirthschaften meistens nur f√ľr niedere Volksklassen eingerichtet sind. Dagegen pflegen in den Delikatessenkellern nur die h√∂heren St√§nde zu verkehren. Unter den zahlreichen Bierlocalen sind mehrere, in denen nur echtes baierisches Bier geschenkt wird u. die von einem gew√§hlteren Publicum besucht sind; eigentliche Wei√übierlocale, wo nur od. fast ausschlie√ülich dieses Berliner Getr√§nk (k√ľhle Blonde) verabreicht wird, sind die Sammelpunkte der eigentlichen Berliner. Verschiedene geschlossene Gesellschaften suchen einzelne St√§nde od. Coterien zu isoliren, √ľben jedoch fast gar keinen Einflu√ü aus den freien geselligen Verlehr, der durch den fortw√§hrenden Ab- u. Zugang von Fremden, die sich nur zeitweise in B. aufhalten, bedingt wird. Fast alle geschlossenen Gesellschaften haben eine bestimmte Tendenz, welcher der Zweck geselliger Unterhaltung untergeordnet ist, mehrere sind bereits oben angef√ľhrt worden; die 3 Gro√ülogen: Nationalmutlerloge zu den 3 Weltkugeln, Landesloge u. Royal York verfolgen in eigenen Localen mit G√§rten, jede in mehrere Johannislogen zerfallend, freimaurerische Zwecke, dirigiren zugleich die √ľbrigen Logen im Preu√üischen Staate u. bilden auch au√üer der Loge geschlossene gesellige Vereine. Noch gedenken wir der Pferderennen, die seit 1828 bei B. j√§hrlich w√§hrend des Wollmarktes von dem Verein f√ľr Pferdezucht ausgehend, vor dem Sch√∂nhauser Thore Statt finden, ferner des Sch√ľtzenfestes, welches allj√§hrlich am 27. Aug. auf dem Sch√ľtzenplatz in der Lindenstra√üe stattfindet, u. endlich der sogenannten Corsofahrten im Sp√§tsommer vor dem Sch√∂nhauser Thore.

XIII. Das Leben in B. ist das einer gro√üen Stadt von vorherrschend industriellem Charakter. Das Hofleben tritt √§u√üerlich nur wenn der K√∂nig in B. residirt u. bei Hoffestlichkeiten hervor, da der Adel keinen gro√üen Aufwand macht u. die reicheren Grundbesitzer nur den Winter in B. zu verleben pflegen. Das Interesse f√ľr Kunst u. Wissenschaft hat in den industriellen Kreisen zugenommen u. reiche Privatleute aus dem Adel sowohl, wie aus dem B√ľrgerstande, lieben es, sich mit einem gew√§hlten Kreise von K√ľnstlern u. Gelehrten zu umgeben. Sonst scheiden sich die verschiedenen Elemente der gebildeten Klassen, je nach den gemeinsamen Interessen, die sie verbinden, in bestimmte Coterien. Eine gewisse √§u√üere Bildung ist auch den niederen Klassen eigen, u. der B-er Volkswitz, der durch Glasbrenner u. Beckmann zuerst eine gewisse Ber√ľhmtheit erlangt hat, offenbart sich in einer Menge von Localpossen u. in dem verbreitetsten Witzblatte Deutschlands, dem Kladderadatsch. Das Volksleben concentrirt sich selten auf Einem Punkte; nur gro√üe, vom Hofe veranstaltete Feste, gro√üe Paraden, festliche Einz√ľge etc. bringen ganz B. auf die Beine, ohne jedoch nachhaltend zu wirken. Nicht mit Unrecht gibt man den B-rn eine gewisse Leichtfertigkeit u. Frivolit√§t schuld, wie solche fast in jeder gro√üen Stadt, welche viele Gelegenheit zum materiellen Genu√ü des Lebens bietet, zu Hause ist. Die Berliner Volkssprache ist kein eigentlicher Dialekt, sondern nur ein corrumpirtes Hochdeutsch. In den gebildeten Kreisen ist dieselbe verp√∂nt. Die eigenth√ľmlichen Ausdr√ľcke, welche der B-er h√§ufig in der gew√∂hnlichen Conversation, vorz√ľglich in Bezug auf den kaufm√§nnischen Verkehr gebraucht, sind meistens j√ľdischen Ursprungs, indem ein sehr gro√üer Theil der Handelswelt aus israelitischen Elementen besteht. Die Prostitution ist in B. geduldet u. wird von der Sanit√§tspolizei √ľberwacht. Die im Jahre 1846 angeordnete Schlie√üung der Bordelle √§u√üerte schlimme Folgen in Bezug auf den Gesundheitszustand der Stadt, weshalb sich die Regierung 1850 entschlo√ü, wieder Concessionen zur Errichtung √∂ffentlicher H√§user zu ertheilen. Aus Gr√ľnden der √∂ffentlichen Sittlichkeit erfolgte 1854 das Verbot, in Bierlocalen u. Schenkstuben Frauenzimmer zur Bedienung der G√§ste zu halten, u. 1856 die Ausweisung aller fremden Freudenm√§dchen.

XIV. Umgebung Berlins. Die Umgebungen B-s sind nichts weniger als freundlich. Eine todte Sandebene, von keinem Berg, ja fast von keinem H√ľgel unterbrochen, auf der fast nur Nadelholz, wenig Getreide, Kartoffeln u. Gem√ľse gedeihen, umzieht B. in weitem Kreise. Freundliche Spazierg√§nge gew√§hrt der durch mehrere Alleen u. Chausseen durchschnittene Thiergarten, ein ziemlich ansehnlicher, sich von B. nach Charlottenburg gegen Westen erstreckender Wald mit Parkanlagen (Goldfischteich mit der Venus Victrix, Floraplatz, Exercierplatz zwischen Krolls Etablissement u. dem Raczynskischen Palais, Luiseninsel), Landh√§usern, mehreren zum Theil schon erw√§hnten Gartenvergn√ľgungslocalen, u. dem Zoologischen Garten (einem abgez√§unten Theile, in welchem ausl√§ndische, namentlich tropische Thierracen, darunter L√∂wen, B√§ren, Affen, K√§nguruhs, Adler, Krokodile etc. gehalten werden). Eine schnurgerade Chaussee f√ľhrt durch den Thiergarten nach Charlottenburg. Diese sowohl, wie die[629] Seitenwege, sind an sch√∂nen Sonntagen von Fu√üg√§ngern u. Wagen ungemein belebt. Ein Hauptweg f√ľhrt von der Charlottenburger Stra√üe √ľber die Spree nach dem Dorfe Moabit, dem Hauptvergn√ľgungsort f√ľr Dienstm√§gde u. Soldaten u. dem Sitz einer der Borsigschen Maschinenbauanstalten, deren Vergr√∂√üerung auch die Vergr√∂√üerung des Ortes durch Arbeiterwohnungen zur Folge gehabt hat. Der Name soll von den unter Friedrich I. hier angesiedelten franz√∂sischen G√§rtnern herr√ľhren, welche den Ort des unfruchtbaren Bodens wegen la terre moab od. terre maudite nannten. Vor dem Halleschen Thore, dem Kreuzberg gegen√ľber, liegt der Bockberg mit einer Baierischen Bierbrauerei, einem Concertsaale u. Parkanlagen auf der H√∂he. Von hier, wie vom Kreuzberge aus, wo ehemals ein sehr besuchtes Vergn√ľgungslocal, das Tivoli, bestand, hat man einen sch√∂nen √úberblick √ľber die Stadt, sowie √ľber das Dorf Sch√∂neberg, weiterhin eine Aussicht nach dem Grunewald, nach Charlottenburg u. nach den das Spreethal bei Spandau einschlie√üenden Anh√∂hen (Pichelsberge). Nach der entgegengesetzten Seite liegt die waldige Hasenhaide, 1/4 Stunde von der Stadt, mit Kaffee- u. Landh√§usern, Vergn√ľgungsort der niederen St√§nde; dort ein besonderer Platz mit Schie√üst√§nden f√ľr das Milit√§r u. der Turnplatz. B-s Hauptvergn√ľgungsort in der Ferne ist Charlottenburg, wohin Nachmittags st√ľndlich Wagen (eine regelm√§√üige Fuhrgelegenheit dahin, die auch nach anderen Orten benutzt wird, sind die sog. Kremser od. Thorwagen) gehen. Ein sehr besuchter Ort ist Stralau an der Spree (bes. zur Zeit des dortigen Fischzuges, des einzigen B-er Volksfestes), das gegen√ľberliegende Treptow u. Rummelsburg am Rummelsburger See, mit einer Arbeitsanstalt f√ľr Str√§flinge. Au√üerdem werden noch bes. die D√∂rfer Tegel, mit dem Landhause Alex. v. Humboldts, Pankow, Sch√∂nhausen, Friedrichsfelde, Tempelhof, Gro√übeeren, Grunewald, Pichelsdorf, Saatwinkel, die Stadt K√∂pnick an der Frankfurter Eisenbahn, in deren N√§he der M√ľggelsee liegt, der Gesundbrunnen od. das Luisenbad ver dem Rosenthaler Thore etc. besucht.

XV. Geschichte Berlins. Die √§ltesten Ansiedler an der Stelle der Spree, an welcher das jetzige B. liegt, waren ohne Zweifel wendische Fischer. Die beiden D√∂rfer, Berlin u. K√∂ln, welche sie bewohnten, wurden durch die Spree getrennt. Der Sitz der wendischen F√ľrsten war das nahe K√∂pnick, weshalb den Markgrafen, welche die Grenzen des Deutschen Reiches nach dieser Seite gegen die r√§uberischen Einf√§lle der Slaven zu sch√ľtzen hatten, an dem Besitz des von Wasser umflossenen, also bis zu einem gewissen Grade festen Platzes, K√∂ln bes. gelegen sein mu√üte. Albrecht der B√§r war der erste, welcher bis hierher vordrang (um 11 42) u. durch Ansiedler, namentlich aus den Niederlanden, deutsche Sprache u. Sitte an der Spree einf√ľhrte. Wahrscheinlich legte er die ersten Befestigungen an. Unter seinen Nachfolgern bl√ľheten die Schwesterst√§dte, die zuerst 1237 u. 1244 als besondere Orte genannt werden, namentlich durch den Handelsverkehr mit den Slaven, an deren Grenze sie lagen, auf. 1253 war B. schon eine ansehnliche Stadt, nach deren Muster Frankfurt a. O. damals st√§dtische Rechte u. Freiheiten erhielt. Unter Joachim Friedrich wurde der Molkenmarkt angelegt u. das Hohe Haus (Lagerhaus) gegen Ende des 13. Jahrh. zur Wohnung der Markgrafen, deren Residenz damals Salzwedel war, eingerichtet. Die beiden Communen wurden 1307 mit einander vereinigt u. das gemeinsame Rathhaus in der Poststra√üe, sowie die Lange Br√ľcke erbaut. Nun hob sich B. immer mehr, u. im zweiten Jahrzehnt des 14. Jahrh. war die Stadt das Haupt eines m√§rkischen St√§dtebundes, welcher der Willk√ľhr des r√§uberischen Adels einen Damm entgegensetzte. 1340 schlo√ü B. einen Handelstractat mit Magdeburg u. trat in den Bund der Hansa. Nach dem Erl√∂schen der Askanier brachen Unruhen im Lande aus u. wirkten l√§hmend auf den Handel u. Verkehr B-s, u. erst unter der kr√§ftigen Herrschaft des Burggrafen Friedrich von N√ľrnberg (von 1411 an) gelang es, die Sicherheit im Lande wieder herzustellen. Zwar hatten die Hohenzollern manchen Kampf mit der B√ľrgerschaft, die sich ihre alten Rechte nicht nehmen lassen wollte, auszufechten u. namentlich gegen Friedrich den Eisernen (1440‚Äď1470) erhob sich die Stadt, als er eine Burg bauen wollte, in offener Fehde; doch unterwarf sie sich sp√§ter, die Burg wurde gebaut u. die st√§dtische Verwaltung wieder getrennt. Johann Cicero erhob B. zu Ende des 15. Jahrh. zur festen Residenz, welches bisher Spandau gewesen war, setzte das Hoch- u. Kammergericht ein u. gab der Stadt u. dem Lande eine bessere Rechtspflege. Die Reformation fand unter Joachim II. (1535‚Äď71) rasch Eingang. Der Kurf√ľrst trat 1539 zur Evangelischen Lehre √ľber, mit ihm der Rath u. die B√ľrgerschaft. In demselben Jahre wurde in B. die erste Buchdruckerei errichtet. Im 30j√§hrigen Krieg lie√ü der Statthalter B-s bei Ann√§herung der Schweden s√§mmtliche Vorst√§dte K√∂lns u. einige B-s abbrennen. Dadurch u. durch Brandschatzungen litt die Stadt ungemein. Eine neue Periode raschen Aufbl√ľhens beginnt f√ľr B. mit dem Regierungsantritt des Gro√üen Kurf√ľrsten, Friedrich Wilhelm (1640‚Äď1688), der dem Friedrichswerder Stadtrechte gab, die Neustad erbaute (nach seiner Gemahlin auch Dorotheenstadt benannt), u. Neu-K√∂ln u. mehrere Vorst√§dte jenseits der alten Festungswerke, die er nach neuem System umschuf, anlegte. Er bev√∂lkerte die erweiterte Stadt mit fremden Colonisten, bes. reformirten Franzosen, welche den religi√∂sen Verfolgungen wegen ihre Heimath verlie√üen; die Bev√∂lkerung stieg dadurch von 6000 zu 20,000 Einwohnern. Kurf√ľrst Friedrich III., nachmals K√∂nig Friedrich I., baute die Friedrichsstadt, erweiterte die Vorst√§dte, erhob B. zur k√∂niglichen Residenz u. vereinigte die beiden getrennten Magistrate von B. u. K√∂ln 1709 von Neuem. Prachtvolle Bauten (das Schlo√ü, Zeughaus, Pesthaus, sp√§ter Charit√©, die Franz√∂sische u. die Neue Kirche) wurden unter ihm aufgef√ľhrt. Unter Friedrich Wilhelm I. wurde der Bau des Schlosses vollendet, u. 1727 siedelte sich die B√∂hmische Colonie in B. an; die Einwohner, deren Zahl unter Friedrich I. 50,000 betragen hatte, mehrten sich auf 90,000. Friedrich II. baute, obgleich er in der Regel nicht in B. residirte, viel neue Geb√§ude, lie√ü die Festungswerke B-s demoliren u. Alleen in den Thiergarten hauen; die Einwohnerzahl wuchs bis 145,000. Im Siebenj√§hrigen Kriege wurde B. 1757 von den Kroaten unter Haddik gebrandschatzt, 1760 von den Russen unter Todleben genommen, jedoch bald wieder verlassen; 1785 wurde in B. der Deutsche F√ľrstenbund geschlossen u. 1792 der Allianzvertrag mit √Ėsterreich[630] gegen Frankreich unterzeichnet. Friedrich Wilhelm II. baute u.a. das Brandenburger Thor; Friedrich Wilhelm III. that zu Anfang seiner Regierung Manches zur Versch√∂nerung B-s, doch wurde sein Bem√ľhen schon nach 10 Jahren durch den Krieg von 1806 unterbrochen. In den folgenden Jahren litt B. durch die Calamit√§t, in welche der Staat durch den Franz√∂sischen Krieg gerieth, gro√üen Schaden. Damals erhielt die K√∂pnicker Vorstadt den Namen Luisenstadt; den 19. November 1808 wurde B. die St√§dteordnung verliehen, u. 1809 die Universit√§t von Frankfurt a. O. nach B. verlegt. Im M√§rz 1813 wurden die Franzosen von den Kosacken aus B. vertrieben. Die Einwohnerzahl betrug 1815 175,000. Nach dem Kriege hob sich B. ungemein, es vergr√∂√üerte sich nach allen Seiten, bes. nach W. u. S. u. Prachtgeb√§ude aller Art (Museum, K√∂nigswache, neues Schauspielhaus, die Bauakademie, die Werdersche Kirche, die Sternwarte) u. Denkm√§ler erstanden. 1826 wurde die Gasbeleuchtung eingef√ľhrt; 1828 erhielt der nordwestliche Stadttheil den Namen Friedrich-Wilhelmsstadt; 1831 w√ľthete die Cholera. Beim Tode des K√∂nigs 1840 betrug die Zahl der Einwohner 310,000 u. der Werth der Grundst√ľcke war seit Ende des vergangenen Jahrhunderts auf das dreifache gestiegen. Unter Friedrich Wilhelms IV. Regierung wurde das neue Museum erbaut, die Schlo√ükuppel u. das Friedrichsdenkmal vollendet, die Schlo√übr√ľcke mit Statuen u. der Opernplatz mit neuen Denkm√§lern geschm√ľckt, sowie auch die Friedens√§ule auf dem Belleallianceplatze zum Andenken an den 30j√§hrigen Frieden errichtet. Auch das wissenschaftliche u. Kunstleben hob sich unter dem pers√∂nlichen Einflusse des K√∂nigs, u. die Bedeutung, welche B. als Centralpunkt norddeutschen Handels u. Gewerbflei√ües errungen hat, zog u. zieht immer neue unternehmende Kaufleute, Arbeitskr√§fte u. Capital an, so da√ü die Grenzen der Stadt sich weit √ľber die Ringmauer ausdehnten. Im August 1844 fand hier die erste gro√üe Gewerbeausstellung der Zollvereinsstaaten (s.u. Industrieausstellungen), 1851 der Abschlu√ü des Postvereinsvertrags u. der Anschlu√ü des Steuervereins an den Zollverein, 1853 die Unterzeichnung des Handelsvertrags zwischen √Ėsterreich u. dem Zollverein u. die Ratification des Vertrags mit dem Steuerverein, ferner ein Congre√ü der Telegraphendirectoren Deutschlands u. der Niederlande u. 1855 die Deutsch-belgisch-franz√∂sische Telegraphenconferenz Statt. Von gr√∂√üeren Br√§nden der neuesten Zeit sind zu erw√§hnen der des Kroll'schen Etablissements 1851, des Sitzungslocals der Ersten Kammer in demselben Jahre, des Tivoli auf dem Kreuzberge 1853, der Rentz'sche Circus 1854 u. in demselben Jahre der der Salvatorkirche. In Bezug auf kirchliche Angelegenheiten wurde hier 1846 die Evangelische Kirchenconferenz, im Herbst desselben Jahres die Hauptversammlung des Gustav-Adolfs-Vereins u. der Deutsch-evangelischen Missionsgesellschaft, im Mai 1847 das zweite Concil der Deutsch-katholiken u. im September 1857 die Versammlung der Freunde des Evangelischen Bundes abgehalten. Regeres politisches Leben entfaltete sich, nachdem hier 1846 zwischen Preu√üen, Ru√üland u. √Ėsterreich die Einverleibung Krakaus in die √∂sterreichischen Staaten beschlossen war, im Jahre 1847 nach Berufung des ersten allgemeinen Landtages; im M√§rz 1848 war B. Schauplatz eines blutigen Stra√üenkampfes, im October versammelte sich hier der Demokratische Congre√ü, vom November 1848 bis Ende Juli, 1849 wurde √ľber die Stadt der Belagerungszustand verh√§ngt u. im Mai 1849 wurde hier das Dreik√∂nigsb√ľndni√ü unterzeichnet; im Mai 1830 trat hier der F√ľrstencongre√ü zusammen u. im Juli wurde hier der Friede mit D√§nemark abgeschlossen. Am 28 Juni 1853 wurde die neue St√§dteordnung eingef√ľhrt.

XVI. Literatur: Mila, Geschichte des Ursprunges B-s etc., Berl. 1829; Fidicin, Beitr√§ge zur Geschichte der Stadt B., ebd. 1837, 3 Thle.; Kl√∂den, √úber die Entstehung etc. der St√§dte B. u. K√∂ln, ebd. 1839; Fidicin, Die Gr√ľndung B-s, ebd. 1840; Chronik B-s f√ľr die Jahre 1837‚Äď40, herausgeg. von Gropius, ebd. 1837‚Äď40, 4 Jahrg√§nge; Geppert, Chronik von B., ebd. 1837 ff; Ramgo, Neue Berliner Stadtchronik, 1841; Bra√ü, Chronik von B., 1841; Nicolai, Beschreibung B-s u. Potsdams etc., ebd. 1779, 2 Thle.; G√§dicke, Lexikon von B. u. der umliegenden Gegend, ebd. 1806; Helling, Geschichtlich-statistisch-topographisches Taschenbuch von B. etc., ebd. 1830; Die Umgegend B-s, ebd. 1833; Cosmar, Bilder u. Skizzen aus dem Berliner Leben, ebd. 1839; Wegweiser durch B. u. Potsdam, 15. Aufl., ebd. 1854. Spiker, B. u. seine Umgebung im 19. Jahrh., ebd. 1833 ff.; Berlin, ein F√ľhrer etc., 5. Aufl., ebd. 1857.


Pierer's Lexicon. 1857‚Äď1865.

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