Bernoulli

Bernoulli, eine Gelehrtenfamilie, die ursprünglich aus Antwerpen stammte, woher 1) Jakob, um den Religionsbedrückungen der Spanier zu entgehen, nach Frankfurt auswanderte; er st. 1583. 2) Jakob, Enkel des Vor., wurde 1622 in Basel Bürger. 3) Leon, aus dem Frankfurter Zweige der Familie, machte mit Olearius die Reise nach Persien u. st. 1672 in Leyden. 4) Jakob, geb. 1654 in Basel, wurde 1687 Professor der Mathematik daselbst u. st. 1705; er ist Erfinder der Bernoullischen Zahlen (s.d.). Opera, Genf 1744, 2 Bde. 5) Johann, Bruder des Vor., geb. zu Basel 1667, studirte Medicin u. Mathematik. Er löste die Leibnitzische Differentialrechnung mit seinem Bruder Jakob glücklich auf, erfand die Integralrechnung u. 1690 auf dem Gute des Marquis de l'Hopital bei Blois den Calculus exponentialis; 1695 wurde er Professor der Mathematik in Gröningen, wo er das leuchtende Barometer erfand; 1705 übernahm er seines Bruders Stelle in Basel u. st. dort 1749, Merkwürdigste Schrift: De musculorum motu, Vened. 1722; Schriften, Genf 1742, 4 Bde.; Briefwechsel mit Leibnitz, lateinisch, Lausanne 1745. 6) Nikol., Neffe des Vor., geb. 1687 in Basel, wurde 1705 Professor der Mathematik daselbst, 1716 in Padua, ging 1719 nach Basel zurück, wurde hier 1722 Professor der Logik u. 1731 des Lehnrechts u. st. das. 1759. Er machte Entdeckungen in der Wahrscheinlichkeitsrechnung, auf Jakob B-s Ars conjectandi fortbauend, 1709 Anwendungen derselben auf die Dauer des menschlichen Lebens, gab eine allgemeine Auflösung der Aufgabe über die rechtwinkeligen Trajectorien u. bereicherte mit dem Folgenden die Integralrechnung. 7) Nikol., Sohn von B. 5), geb. 1695 in Basel, wurde 1723 Professor der Rechte zu Bern, ging 1725 mit seinem Bruder Daniel nach Petersburg u. st. dort 1726. Er gab von dem Probleme, das Leibnitz den Engländern vorlegte u. das Nikolaus allgemein behandelte, für einen besonderen Fall eine schöne Auflösung. 8) Daniel, Bruder des Vor., geb. 1700 in Gröningen, ging 1725 als Professor nach Petersburg, wurde 1733 zu Basel Professor der Anatomie u. Botanik u. 1750 der Physik, legte diese Stelle 1777 nieder u. st. 1782. Mit Euler machte er mehrere alte Theoreme durch neue Entdeckungen, wie die Bestimmung der oscillirenden Bewegung einer verticalen schweren Kette, allgemeiner u. wendete bes. die Geometrie auf die Physik an, wie bei den Untersuchungen über den excentrischen Stoß, über die Klänge der Stäbe u. Saiten, Ebbe u. Fluth u. das von ihm entdeckte Gesetz für die Neigung der Magnetnadel gegen den magnetischen Meridian. Er schr.: Hydrodynamik, Straßb. 1738. 9) Johann, Bruder des Vor., geb. 1710 in Basel; ging 1732 nach Petersburg, kehrte aber schon 1733 nach Basel zurück, wurde hier 1743 Lehrer der Beredtsamkeit, 1748 der Mathematik u. st. 1790. Er schr. gekrönte Preisschriften über die Fortpflanzung des Lichts u. die Magnetnadel. 10) Johann, des Vor. Sohn, geb. 1744 in Basel; wurde 1763 Astronom an der Akademie von Berlin u. st. 1807 als Director der mathematischen Klasse der Berliner Akademie. Er schr.: Recueil pour les astronomes, Berlin 1772–76, 3 Bde.; Lettres sur différents sujets, ebd. 1777–79, 3 Bde.; Zusätze zu den neuesten Reisebeschr. von Italien etc., Lpz. 1777–78, 2 Bde.; Reisen durch Brandenburg, Pommern, Preußen, Lpz. 1779; Samml. kurzer Reisebeschr., Dess. 1782 bis 1793, 15 Bde.; Archiv zur neueren Geschichte, Geographie, Natur- u. Menschenkenntniß, 1783–88, 8 Bde. etc. 11) Jakob, des Vor. Bruder, geb. 1759 in Basel, war erst Secretär bei der österreichischen Gesandtschaft in Turin, wurde dann Professor[646] der Mathematik zu Petersburg u. st. 1789 daselbst beim Baden in der Newa. 12) Christoph, Neffe des Vor., Sohn von B. 8), geb. 1782 in Basel, wurde 1602 Lehrer am Pädagogium in Halle, ging 1804 nach Berlin u. Paris, eröffnete 1806 in Basel eine Privatlehranstalt u. wurde 1817 Professor der Naturgeschichte an der Universität. Er schr.: Über das Leuchten des Meeres, Gött. 1802; Psychische Anthropologie, Halle 1804, 2 Bde.; Leitfaden für Physik u. Mineralogie, ebd. 1807, 2. A. 1811; Über den nachtheiligen Einfluß der Zunftverfassung auf die Industrie, Basel 1822; Anfangsgründe der Dampfmaschinenlehre, ebd. 1824; Betrachtungen über Baumwollenfabrikation, ebd. 1825; Rationelle Darstellung der gesammten mechan. Baumwollenspinnerei, ebd. 1829; Handb. der Technol., ebd. 1833 f., 2 Bde., 2. A. 1840; Handbuch der Dampfmaschinenlehre, Stuttg. 1833, 4 A. 1854; Handb. der industriellen Physik, Mechanik u. Hydraulik, ebd. 1834 f., 2 Bde.; Übers. Baine's Geschichte der brit. Baumwollenmanufactur, ebd. 1836; Handb. der Populationistik, Ulm 1840; Technol. Handencyklopädie, Stuttg. 1850. Er gab heraus das Bürgerblatt u. nach dessen Aufhören das Schweizerische Archiv für Statistik u. Nationalökonomie, Basel 1828–30, 5 Bde. 13) Joh. Gust., Sohn des Vor., geb. 1811 in Basel, schr.: Vademecum des Mechanikers, 8. A. Stuttg. 1855.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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