Neapel

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Neapel

Neapel, 1) so v.w. K√∂nigreich beider Sicilien, s. Sicilien. 2) (Sicilien diesseit der Meerenge od. des Faro), der continentale Theil des K√∂nigreichs beider Sicilien, bildet die zwei s√ľdlichsten Spitzen des Festlandes von Italien u. grenzt nordwestlich an den Kirchenstaat, nord√∂stlich an das Adriatische Meer (mit Busen von Manfredonia), im S√ľden an das Ionische Meer (mit dem Meerbusen von Tarent u. im Westen an das Tyrrhenische [730] Meer mit dem Busen von Gaeta, N. u. Salerno); mit dem Tyrrhenischen Meer ist das Ionische durch die Meerenge von Messina verbunden, in welcher der Fels Scylla u. der Strudel Charybdis (s. b.) sind. Fl√§chengehalt: 1535 QM. Gebirge: die Apenninen, welche sich im S√ľden des Landes theilen u. zwei gro√üe Halbinseln bilden, deren nord√∂stliche durch die Provinz Calabrien in dem Capo di Leuca, die s√ľdwestliche aber durch die Provinz Calabrien in dem Vorgebirge Spartivento ausl√§uft. Die h√∂chsten Punkte des Apennins sind Majella (8684 Fu√ü) u. Gran Sasso d'Italia (8255 Fu√ü). Einzelne Zweige des Apennin sind: Sorrento, Cenide, Gargano, u. die Vorgebirge, au√üer den erw√§hnten: d'Otranto, Cavallo, Punta Rossa, delle Colonne, Gaeta, Ancini, d'Orso, Licosa, Palinuro, Vaticano. Zwischen den Gebirgen sind sehr fruchtbare Th√§ler u. Ebenen (Apulische Ebene die gr√∂√üte, Campanische die fruchtbarste), welche wie das Land, vielfache vulkanische Zeichen haben u. durch vulkanische Erscheinungen ausgezeichnet sind (Vesuv, Solfatara, Puzzuolo, die Dampfh√∂hlen beim Lago d'Agnano etc.). Die Fl√ľsse sind nur K√ľstenfl√ľsse, von denen der Garigliano, Volturno (nur diese beiden durch flache Fahrzeuge [Sandale] schiffbar), Sale (Silaro), Noce, Lao, Savuto, Mesima u. Marro ins Tyrrhenische Meer, der Corace, Tacino, Nieto, Trionto, Crati, Sinno, Agri, Salandra, Basente u. Bradano in das Ionische Meer, der Ofanto, Carapella, Cervajo, Cesone, Fortore, Biferno, Trigno, Sangro u. Pescara in das Adriatische Meer m√ľnden. Auch hat N. einige Bew√§sserungskan√§le u. mehre Seen (Lago di Celano, Agnano, Lugrino, Varano, Battaglia, Fusaro u. m.). Mineralquellen gibt es viele. Das Klima ist herrlich, die Luft mild u. gesund, nur der Sommer ist hei√ü u. wird bes. durch hei√üe Winde (Sirocco u. Libecchio) beschwerlich; Erdbeben bringen oft Gefahr. Die hohen Gipfel des Apennin sind alle Jahre bis in den Juni u. Juli mit Schnee bedeckt, dagegen f√§llt nur selten Schnee in den Th√§lern, u. noch seltener bleibt der Schnee einen od. einige Tage liegen. Die Natur ist √ľppig u. reich an Producten s√ľdlicher Gegenden u. gibt letztere ohne besondere Arbeit; es wird viel Getreide (Mais, Hirse, Buchweizen, Reis) gebaut u. ausgef√ľhrt, man zieht H√ľlsenfr√ľchte (Bohnen), Flachs, Baumwolle, Safran, Zucker, S√ľ√üholz, Tabak, s√ľ√üe Weine, (Lagrima Cristi, Vino greco u.a.), kostbares √Ėl aus Oliven, Granat√§pfel, Feigen, Mandeln, Citronen, Pomeranzen, Rosinen, edle Kastanien, Walln√ľsse, Johannisbrod (f√ľr Menschen u. Pferde), Kapern, Mastix, Holz (doch nicht √ľberall hinreichend), Kork, Manna, Gall√§pfel, auch seit 1817 Kartoffeln. Von den Besch√§ftigungen ist die Viehzucht nicht an allen Orten bedeutend, doch zieht man gute Pferde (Neapolitaner), Esel, Rindvieh (auch B√ľffel als Zugthiere), Schafe mit guter Wolle, Ziegen, Gefl√ľgel (Truth√ľhner), Bienen, Seidenraupen; die Fischerei ist ergiebig, bes. auf Sardellen, Thunfische, Korallen; Bergbau gibt nur wenig Eisen, Steinsalz, Marmor, Alaun; am Meere gibt es viele Salzschl√§mmereien. Weniger ausgebreitet, die Hauptstadt ausgenommen, ist der Kunstflei√ü, er producirt nicht alle Bed√ľrfnisse, ist jedoch seit 1824 im Steigen, namentlich die Fabrikation in Baumwolle, Wolle, Leder, Handschuhen, Papier, Glas, Liqueur, Maccaroni, Eisen, Stahl, Gewehren, Kupfer, Wachs, Porzellan, Fayence, von welchem N. jetzt weit weniger fremde Einfuhr bedarf als sonst. Schifffahrt wird fast nur an der K√ľste u. auf dem Mittelmeere getrieben. Der Handel (bes. der Seehandel), welcher die Landesproducte ausf√ľhrt, ergibt eine g√ľnstige Bilanz, doch wird er viel von Ausl√§ndern (Engl√§ndern, Franzosen, Deutschen u. D√§nen) betrieben. Minder bedeutend ist der Landhandel, welcher durch eine Menge Z√∂lle gedr√ľckt u. durch schlechte Stra√üen gehemmt wird, doch haben die √Ėsterreicher, als sie N. 1815 u. bes. 1821 besetzten, mehrere Chausseen gebaut u. die Regierung ist damit fortgefahren. An Eisenbahnen besitzt N. gegenw√§rtig (1860) zwei Linien, die eine von der Hauptstadt aus √ľber Portici u. Castellamare nach Nocera, die andere ebenfalls von der Hauptstadt aus √ľber Acerra nach Capua u. Nola; eine Anzahl anderer Linien ist in neuester Zeit projectirt worden. Andere Unterst√ľtzung bekommt der Handel durch einige Assecuranzgesellschaften, eine Bank, B√∂rse, Handelskammer, Dampfschiffe (s. Neapel 4) etc. Haupthandelsplatz ist N. Einwohner: 6,475,100; die Mehrzahl Italiener (Neapolitaner), mit hartem Dialekt des Italienischen, Liebhaber der Musik, lebhaft, witzig, zornig, tr√§ge f√ľr Arbeit, feig, durch Bedr√ľckungen arm, habs√ľchtig; die Kleidung, Wohnung u. Kost des Volkes ist schmutzig u. d√ľrftig, doch wird der im √úberflu√ü vorhandene Wein auch von den Armen f√ľr gew√∂hnlich genossen. Die h√∂heren St√§nde sind mehr den franz√∂sischen Sitten geneigt, theilen aber die Geistesanlagen mit dem gemeinen Mann. Au√üer den eigentlichen Neapolitanern leben etwa 66,000 Arnauten in N.; dann noch etwa 30,000 Europ√§er anderer L√§nder (bes. Engl√§nder, doch auch Franzosen, Spanier, Neugriechen, Deutsche), auch einige Orientalen, √Ągyptier, T√ľrken etc.; die Europ√§er werden zum Theil durch den reizenden Aufenthalt, doch auch, wie die Orientalen, durch den Handel dahin gezogen. Der Religion nach ist der Neapolitaner (bis auf die Arnanten, welche den griechischen Cultus haben, die Juden u. einige Ausl√§nder) katholisch, u. die Katholische Kirche ist die einzige herrschende, doch haben die Gesandtschaften in der Residenz das Recht eigener Capellen ihrer Religion. Der K√∂nig ernennt die hohe Geistlichkeit; die p√§pstlichen Bullen d√ľrfen ohne seine Erlaubni√ü nicht publicirt u. vollzogen, die bisch√∂flichen Hirtenbriefe nicht ohne Censur des Staatsraths ausgegeben werden. √úber Reichsverfassung, Gesetzgebung, Rechtsverfahren, Einkommen, Abgaben, Milit√§r, Orden, Wappen, Wissenschaften u. K√ľnste, Unterricht etc., s.u. Sicilien (K√∂nigreich beider). M√ľnzen: In N. wird seit dem M√ľnzgesetz vom 20. April 1818 gerechnet nach Ducati (neuen Silber-Ducati) zu 100 Grani √† 10 Cavalli im gesetzm√§√üigen Werth von 12,2313 neue Ducati = 1 Vereinsmark sein Silber, also 1 Ducato = 1 Thlr. 4 Sgr. 4,055 Pf., der Erfahrung nach aber durchschnittlich 124/11 Ducati = 1 seine Mark, also 1 Ducati = 1 Thlr. 3 Sgr. 11,647 Pf. preu√üisch Courant. Da die bisherige neapolitanische Regierung den Werth des Silbers alle 6 Monate aufs Neue bestimmte, so waren bisher die M√ľnzs√§tze h√§ufigen Ver√§nderungen unterworfen; 1859 galt 1 Scudo di Fernando = 12 Carlini, 1 Plastro ebensoviel, 1 Oncia = 3 Ducati, 1 Ducato = 10 Carlini, 1 Carlino = 10 Grani, 1 Grana = 2 Tornesi = 10 Cavalli, 1 Zechino = 251/2 Carlini. Im gew√∂hnlichen Leben rechnet man nach Ducati √† 10 Carlini √† 10 [731] Grani; wirklich gepr√§gte M√ľnzen: a) in Gold seit 1818 einfache Oncetta zu 3 Ducati (85 Acini an Gewicht mit 99,006 Feingehalt, 0,003 Kupferzusatz u. 0,001 Remedium), ferner St√ľcke zu 2, 5 u. 10 Oncette od. 6, 15 u. 30 Ducati nach Verh√§ltni√ü im Gewicht u. Gehalt u. unter Murat zu 20 u. 40 Lire italiane; b) in Silber seit 1818 der Ducato zu 10 Carlini od. 100 Grani im gesetzm√§√üigen Gewicht von 515 Acini u. 5/6 Feingehalt, dann namentlich St√ľcke zu 12 u. 6 Carlini od. 120 u. 60 Grani (ganze u. halbe Scudi. Thaler od. Piaster), u. St√ľcke zu 2 Carlini od. 20, 1 Carlino od. 10 u. 1/2 Carlino od. 5 Grani von verh√§ltni√üm√§√üigem Gewicht u. gleichem Gehalt u. unter Murat 5, 2, 1 u. 1/2 Lire italiane; c) in Kupfer nach 1818, 1/2, 1, 11/2, 2, 3, 4, 5 u. 10 Tornesi. Ma√üe: Durch Gesetz vom 22. April 1840 wurden f√ľr das K√∂nigreich N. diesseit des Pharus neue Ma√üe u. Gewichte als allgemeine Gr√∂√üen eingef√ľhrt, nachdem schon 1811 zu diesem Zweck eine Commission ernannt u. durch den Mathematiker Visconti mehrmals Vorschl√§ge gemacht u. diese Angelegenheit seit 1828 √∂fter wieder in Anregung gekommen war. L√§ngenma√üe: Der Erdquadrant ist in 90 Grade √† 60 Minuten getheilt, u. jede Minute ist der Miglio, die Meile, diese hat 1000 Passi od. Schritt, jeder Passo hat 7 Palmi u. dieser Palmo ist die Einheit der L√§ngenma√üe u. die Grundlage des ganzen Ma√üsystems. Der Palmo hat 10 Decime, √† 10 Centesime, ist aber im gemeinen Leben auch in 12 Once √† 5 Minuti getheilt, 1 Palmo = 50/139 od. 0,26455 Meter, 100 Palmi = 84,2910 rhein. Fu√ü; die Canna od. Elle hat 10 Palmi = 2,6455 Meter, 100 Canne = 396,664 preu√ü. Ellen; der Miglio ist 1851, 852 Meter, die in fast ganz Italien gebr√§uchliche Land- u. Seemeile; 4 Miglj = 1 deutsche (geographische) Meile. Fl√§chenma√ü: die Einheit ist die Canna quadrata, Quadratelle; Feldma√ü: der Moggio √† 10 Decime √† 10 Centesime, 100 Moggio = 27,4112 preu√ü. Morgen; K√∂rperma√ü ist die Canna cuba (Cubik Canna), hat 1000 Cubik-Palmi = 18,515 Cubikmeter; Holzma√ü: die Canna di legna (Holz-Canna) ist 8 Palmi hoch, 8 P. breit u. 4 P. tief, h√§lt also 256 Cubik-Palmi od. = 4,7399 Cubikmeter; Getreidema√ü: die Einheit ist der Tomolo, getheilt in 2 Mezzo tomoli (Mezzette), 4 Quarti √† 6 Misure √† 4 Quartarole u. h√§lt 3 Cubik-Palmi od. 55,5451 Liter; Wein- u. Branntweinma√ü: die Einheit ist der Barile, ein Cylinder von 1 Palmo Durchmesser u. 3 Palmi H√∂he, ist in 60 Caraffe getheilt, 12 Barili = 1 Botte, 2 Botti = 1 Carro = 1047 Liter; 100 Barili = 63,49 preu√ü. Eimer. Gewichte: Die Einheit ist das Pfund, die Libbra, sie h√§lt 320,759 Gramm, u. ist beim Gold-, Silber-, M√ľnz- u. Seidengewicht getheilt in 12 Once (Unzen) √† 10 Dramme (Drachmen) √† 3 Trappesi od. Scropoli (Scrupel) √† 2 Oboli √† 10 Grani od. Acini, hat also 7200 Grani; 100 Libbre = 64,152 deutsche Zollpfund od. 32,076 Kilogramm; Handelgewicht ist der Rotolo, in 10 Decime getheilt, er hat 1000 Trappesi od. 17/9 Libbre, od. 890,997 Gramm, 100 Rotoli sind 1 Cantaro grosso (gro√üer Centner) = 178,2 deutsche Zollpfund od. 89,100 franz√∂sische Kilogramm; der Cantaro piccolo od. kleine Centner hat 100 Libbre; die Schiffslast (2 Tonnen) hat 22 Cantari, 80 Rotoli, od. 50 Tomoli od. 11 Salme. N. wird eingetheilt: sonst in 4 Hauptprovinzen (Campanien, Apulien, Abruzzo u. Calabria), woraus sp√§ter 15 Provinzen gebildet worden sind: Napoli, Terra di Lavoro, Principato citeriore u. ulteriore, Molise, Abruzzo ulteriore I. u. II., Abruzzo citeriore, Capitanata. Terra di Bari, Terra d'Otranto, Basilicata, Calabria citeriore u. Calabria ulteriore I. u. II. 3) (Napoli), Provinz im K√∂nigreich N., bildet mit Terra di Lavoro das Gl√ľckliche Campanien; grenzt an das Mittelmeer u. den Kirchenstaat u. ist 17,50 QM. gro√ü ohne die Inseln; Gebirg: Apennin, namentlich dessen Zweige: Tisato, Auronco u.a., mit den Spitzen Monte Cesimo, Colle Rotondo, Cassino u. m., so wie mit dem Vulkan Vesuv; hat gr√∂√ütentheils vulkanischen Boden, welcher sich durch Schwitzb√§der, Dampfh√∂hlen, Rauchh√ľgel, Mineralquellen etc. offenbart, ist durch die verwitterte Lava sehr fruchtbar; Seen u. S√ľmpfe: Averno, S. Filippo u. Lucrino, Agnano, Fondi, Fosaro etc.; Fl√ľsse: Garigliano, auf einige Meilen schiffbar, mit den Nebenfl√ľssen Fibreno, Melfi u.a., der Volturno, Clanio. Producte: die oben 2) genannten, die Feldfr√ľchte geben in der Provinz 12- bis 20f√§ltigen Ertrag; der Handel ist wegen der Hauptstadt hier st√§rker als anderswo in N.; 832,000 Ew. 4) (Napoli, mit dem Beinamen Fidelissima [die treueste]), Haupt- u. Residenzstadt des K√∂nigreichs beider Sicilien, Sitz der Ministerien u. sonstige oberen Beh√∂rden, eines Erzbischofs, obersten Civilgerichtshofs des Festlandes, Appellationshofs, eines Criminal-, Provinzial- u. Handelsgerichts u. einer Handelskammer; die st√§dtischen Beh√∂rden bestanden bis zur Revolution 1860 aus von dem K√∂nige gew√§hlten Decurionen, sie ernannten aus sich einen Syndicus u. 1/3 der Decurionen als Ausschu√ü, u. dieser Syndicus bildete wieder mit 12 Mitgliedern des Ausschusses das Corpo di citta. Auch besteht eine nniformirte Nationalgarde von 12,000 Mann. N. ist nach London u. Paris die gr√∂√üte Stadt Europas u. liegt reizend in der imposantesten Lage der Welt (daher das Wort der Neapolitaner: Napoli vedere e poi morir, d.i. sieh Neapel u. dann stirb!), im sch√∂nsten Klima u. herrlichsten Lande, am gleichnamigen Golf u. theilweise auf den angrenzenden H√ľgeln (Vomero, Capodichino, S. Maria del Pianto, Pizzo Falcone) u. wird von einer oberhalb der Stadt mit ihr parallel laufenden u. in einem Ausl√§ufer ans Meer grenzenden Bergreihe umgeben, √∂stlich der Vesuv, westlich der Posilippo; es ist auf der Landseite nur auf der schmalen √∂stlichen Seite mit Mauern u. Th√ľrmen versehen, ohne eigentliche Thore u. Au√üenwerke, gilt aber doch wegen seiner Castelle f√ľr eine Festung. Das wichtigste von diesen ist Castello S. Elmo (ehedem Ermo, jetzt auch S. Erasma genannt), ein tenaillirtes Sechseck, auf einem steilen Felsen n√∂rdlich bei der Stadt, wurde 1343 neu gegr√ľndet, von Louis XII. von Frankreich zuerst befestigt, von Landh√§usern u. G√§rten umgeben u. ist allein einer regelm√§√üigen Vertheidigung f√§hig, es hat eine Pfarrkirche u. Cisterne, mit ihm h√§ngt Pizzo Falcone (auf einem steilen Felsen liegende gro√üe Casernen u. Besserungshaus etc.), durch eine hohe Br√ľcke (Ponte Chiaja), unter welcher die Stra√üe Chiaja weggeht, zusammen, u. am Fu√üe dieses liegt das Castello del uovo, eine eif√∂rmige, durch eine Br√ľcke mit dem Festland verbundene u. nur durch Mauern u. einen Thurm befestigte Felseninsel, wo schon Lucullus G√§rten besa√ü u. Romulus Augustulus als Verwiesener[732] starb. Au√üerdem liegt √∂stlich, unsern des letzteren u. am Hafen, mit der einen Seite nach dem Meere zugewendet, das Castello nuovo, ein Viereck, das innere Castell nach Art der Bastillen u. Donjons 1283 von Karl von Anjou erbaut, sp√§ter durch einen darum gelegten Mantel von 4 Bastions erweitert, mit dem Zeughaus u. 3 Kirchen, u. in dies Castell f√ľhrt ein Triumphbogen von Alfons I. von Aragonien, mit mittelalterlichen Bronzeth√ľren; das Castell soll bei pl√∂tzlichem Aufruhr den K√∂nig, die Beh√∂rden u. den dicht dabei gelegenen k√∂niglichen Palast sch√ľtzen u. zur Vertheidigung des Hafens gegen pl√∂tzliche Angriffe wirken. Zu ersterem Zweck war auch das Castello Capuano (Vicaria) bestimmt, welches, in dem ostn√∂rdlichen Theile der alten Stadt liegend, von Wilhelm I. bis Ferdinand II. Residenz war u. bis auf die neueste Zeit zum Sitz der oberen Gerichte N-s, zum Archiv u. Gef√§ngnisse diente, eben so das Castello del Carmine, an der S√ľdostecke der alten Mauer, 1647 nach dem Aufstand des Masaniello gegen Volksaufst√§nde gebaut. Beide letztere Castelle tragen ganz den Charakter der Befestigung im Mittelalter u. sind zu einer ernsten Vertheidigung unf√§hig, das letztere aber zum Rettungsort bei Aufst√§nden bestimmt u. deshalb mit Kanonen besetzt. N. hat 12 Miglien im Umfang u. wird in 12 Stadttheile getheilt. Von den Vorst√§dten sind die ansehnlichsten: S. Giovanni Teduccio, Pietra Bianca, Capo di Monte, Arenella, Fuori Grotte (mit der H√∂hle Posilippo), Chiaja. Die Bauart N-s ist im Ganzen unregelm√§√üig, denn die √§ltere Stadt, √∂stlich von dem H√∂henzug (Vomero), welcher, von Norden nach S√ľden sich ziehend, sich in N. mit j√§hem Felsenhange in das Meer st√ľrzt u. welchen das Castell S. Elmo u. Pizzo Falcone kr√∂nen, ist, einige Pl√§tze u. gro√üartige Stra√üen ausgenommen, eng, krumm u. winkelig, dagegen die andere, westlich dieses H√∂henzuges, gro√üartig u. pr√§chtig. Der Sebeto, ein kleiner wasserarmer Flu√ü, von dem Vesuv kommend, durchflie√üt den √∂stlichen Theil der Stadt u. m√ľndet ins Meer, √ľber ihn f√ľhrt der Ponte della Magdalena.

Die Pl√§tze in N. hei√üen Larghi, die M√§rkte Piazze, beide sind unbedeutend, unregelm√§√üig u. nicht ger√§umig; die gro√üen Stra√üen hei√üen Strade, die Querstra√üen Vichi, die kleinen Strettole od. Vicoletti; die H√§user, 3‚Äď6 Stockwerke hoch, haben Balcons u. platte u. mit Estrich (Astrico) aus Kalk u. Puzzolana flach gew√∂lbte D√§cher; die Bauwerke haben keinen reinen Kunststyl, denn fast alle Geb√§ude sind √ľberladen u. durch Zierrathen verunstaltet. Pl√§tze: Largo del Castello (beim Castel nuovo u. bei der Fontana medina); Largo del Palazzo (wo der k√∂nigliche Palast u. gegen√ľber die Kirche S. Francesco nuovo sich erhebt, auf ihm die Bronzestatue Karls III. u. Ferdinands I.); Largo del Mercatello od. Spirito Santo am oberen Ende von Toledo (mit einem, Karl III. zu Ehren aufgef√ľhrten Geb√§ude); Largo del Carmine od. Mercato (Victualienmarkt, Hinrichtungsplatz Konradins von Schwaben, Tummelplatz der Aufst√§nde, auch Masaniellos, dessen Haus man hier noch zeigt, Hauptaufenthalt der Lazzaroni); Largo di Monte Oliveto (mit Bronzestatue Karls II.); Largo del Vasto, Largo del Pigne etc. Unter den Stra√üen ist die sch√∂nste die pr√§chtige, breite u. gerade Strada di Toledo, welche, vom Largo del Mercatello ausgehend u. auf dem Largo del Palazzo endigend, die H√§lfte von N. von Norden nach S√ľden durchschneidet; sie dient zum Corso, bes. zur Carnevalszeit, hat sch√∂ne Pal√§ste u. ist der Hauptsammelplatz f√ľr N., hier u. auf den Larghi, bes. dem Largo Mercato, wird Alles, was verk√§uflich ist, mit Geschrei ausgeboten. Die andere Hauptstra√üe ist Chiaja, wo der Corso meistentheils zu Wagen abgehalten wird, sie beginnt auf dem Largo del Palazzo u. f√ľhrt, unter der hohen, den Pizzo Falcone mit dem Castell S. Elmo verbindenden Br√ľcke weg, nach u. durch die Vorstadt Riviera di Chiaja zu der Villa reale u. nach dem Posilipp. Die neu angelegte Strada Maria Teresa in der H√∂he der Stadt ist die an malerischen Ann. Aussichten reichste in N. Das treffliche Pflaster von N. ist von Lavaquadern, doch werden die Stra√üen nie gereinigt u. der Schmutz ist daher ungeheuer. Gute Erleuchtung findet seit 1806 statt. √úberreste von Baudenkmalen aus fr√ľhester Zeit findet man in N. wenige, z.B. Reste vom Theater am Portico Avellino, vom Tempel des Castor u. Pollux an der Kirche S. Paolo maggiore, vom Apollotempel in S, Gennaro; die Pontirossi bei Albergo reale sind √úberreste eines Aqu√§ducts. Um dem Wassermangel zu begegnen, f√ľhren die Aqu√§ducte von S. Agnata di Grotta (7(deutsche Meilen weit) u. der von Caserta Wasser zu. Von Kirchen hat N. 4 Haupt-, 51 Pfarr- u. 149 Klosterkirchen, im Ganzen gegen 300 Kirchen u. Kapellen, fast alle ohne Th√ľrme, darunter die Kathedrale S. Gennaro, 1299 im Gothischen Styl unter Karl II. von Anjou gebaut, von Masuccio I. nach dem Erdbeben von 1456 neu erbaut, aber jetzt modernisirt, enth√§lt die Grabm√§ler Karls II. von Anjou, des K√∂nigs Andreas u. Karls III. Durazzo, u. viele Kapellen (unter denen die Basilica S. Restituta, die urspr√ľngliche Kathedrale, auf den Tr√ľmmern eines Apollo- u. Neptuntempels um 330 erbaut wurde), die Confession des St. Januarius, die Wunder des Heiligen von Domenichino, Lanfranco, Spagnoletto u. Stanzioni in der Capella di tesoro, in welcher auch in zwei Flaschen das Blut des St. Januarius (s.d.) bewahrt wird; vor ihr steht die Aguglia di S. Gennaro. Andere Kirchen sind: die Kirche S. Gennaro dei Poveri, mit Katakomben, in denen sich Malereien aus dem Urchristenthum befinden; S. Lorenzo maggiore, gegr√ľndet von Karl I. von Anjou nach dem Siege √ľber Manfred bei Benevent, beendigt 1324, sp√§ter modernisirt mit Grabm√§lern Karls I., der Katharina von √Ėsterreich, Roberts von Artois u. v. a.; S. Maria l'Incoronata, S. Francesco di Paola, nach dem Vorbild des Pantheons in Rom, ganz nen von P. Bianchi errichtet; S. Maria Donna Regina, mit Grabmal der K√∂nigin Maria von Ungarn, Gesu nuovo (sonst Trinit√† maggiore), S. Giovanni a Carbonara, mit Grabmal des K√∂nigs Ladislaus, S. Filippo Neri, die Kirche der sonstigen Karth√§user (S. Martino), unterhalb des Castells S. Elmo; S. Maria nuova, mit den Grabm√§lern der Feldherren Lautrec u. Pierre Navarre; das Kloster zu Monte Oliveto, wo einst Tasso Zuflucht fand, Kirche mit Kunstsch√§tzen; die Nonnenklosterkirche S. Chiara mit Denkmal des K√∂nigs Robert, 5 Denkm√§lern von Mitgliedern des Hauses Anjou, Grabmal des Herzogs Karl von Calabrien, der K√∂nigin Johanna I. u.a., auch mit den Grabst√§tten der neuen K√∂nige von N. u. ihrer Familienglieder; das 1820 hergestellte Dominicanerkloster, worin Thomas von Aquino lehrte, in der Kirche die Grabm√§ler [733] Philipps von Anjou, 12 aragonischer F√ľrsten, Kapelle des St. Thomas von Aquino mit Grabmal der Johanna d' Aquino; vor derselben Obelisk; das Kloster Sta. Maria della Sanit√† mit Katakomben; S. Severino e Sosio; das Carmeliterkloster, in der Kirche (S. Maria del Carmine) Begr√§bni√ü. Konradins von Schwaben u. Friedrichs von √Ėsterreich, hier wurde Masaniello erschossen u. beigesetzt. Au√üerdem: S. Angelo a Nilo; S. Annunziata mit Grabmal der K√∂nigin Johanna II.; S. Antonio Abate, S. Apostoli mit Krypta, in welcher das Grab des Dichters Marini ist; S. Carlo Borromeo, eine Rotunde, nach der Cholera 1838 erbaut; S. Giacomo degli Spagnuoli mit Grabmal des Vicek√∂nigs Pietro di Toledo, S. Giovanni Evangelista, in welcher die Academia degli Aspiranti naturalisti ihre Sitzungen h√§lt; S. Giovanni maggiore; S. Giovanni de' Pappacoda, Girolonimi, S. Maria delle Grazie a Capo Napoli, S. Maria del Porto auf dem Posilipp, gegr√ľndet von dem Dichter Sannazaro 1629 mit seinem Grabmal; S. Maria della Piet√† de Sangri; S. Pietro ad aram, die √§lteste Kirche in N., zu Ehren des Altars, welchen Petrus bei seiner Landung errichtet haben soll; S Pietro a Majella mit dem Conservatorio di Musica u.a. Evangelische Kapellen bestehen nur in den Hotels des preu√üischen Gesandten u. in Privath√§usern franz√∂sische u. englische. Juden gibt es wenige u. daher auch keine Synagoge. 1786 gab es gegen 200 Kl√∂ster mit 3644 M√∂nchen u. 6416 Nonnen, 3143 Priester; 1845 aber nur noch 32 M√∂nchskl√∂ster mit 1502 M√∂nchen u. 22 Nonnenkl√∂ster mit 1013 Nonnen, au√üerdem 800 Priester. Von Pal√§sten u. √∂ffentlichen Geb√§uden sind merkw√ľrdig: der Palazzo reale, 1600 vom Vicek√∂nig Ruiz de Castro, Graf von Lemos, erbaut, ein verdeckter Gang verbindet ihn mit dem Castello nuovo, u. Kunstwerke schm√ľcken ihn, er brannte am 6. Februar 1837 gr√∂√ütentheils ab, ist aber 1841 erneuert u. erweitert, mit Gem√§lden von Rafael, Guido Reni, Tizian, Holbein u.a.; die Villa reale im neuen Theil N-s, am Meere, mit Gartenanlagen, Statuen, Tempeln u. herrlichen Aussichten, allgemeiner Spaziergang der Neapolitaner, der k√∂nigliche Palast Capo di Monte, in der √§u√üersten n√∂rdlichen Vorstadt, auf einer Anh√∂he gelegen, 1839 ganz ausgebaut, mit Park, Gem√§lden u. Kunstsch√§tzen, das Lustschl√∂√üchen Casino reale, an der Stra√üe Chiatamone u. am Meere, in reizender Lage, von Murat eingerichtet; Palast des Grafen von Syracus unweit des Meeres an der Chiaja; der erzbisch√∂fliche Palast, das neue Finanzgeb√§ude (Palazzo de Ministeri) in der Toledostra√üe, in welchem s√§mmtliche Ministerien vereint sind etc., die Pal√§ste Santangelo mit einer der bedeutendsten Privatkunstsammlungen in Italien (bes. griechische Vasen, Terracotten, Bronzen, geschnittene Steine etc.), Maddaloni, Gravina (in der Revolution 1848 verheert, jetzt Post, Hypothekenamt etc.), Berio, letzter mit Gem√§ldesammlung u. Venus u. Adonis von Canova, Cellamare mit G√§rten; Angri mit Gem√§lden von Tizian u.a., Campofranco mit Gem√§lden, Casareno mit Gem√§lden, Cassano mit Kupferstichsammlung, Cassaro mit Gem√§lden, Castaldi mit M√ľnz- u. Medaillensammlung, Costa mit naturhistorischem Museum, Fondi mit Gem√§lden, Fusca mit bedeutender M√ľnzsammlung, Lazzari u. Marulli mit Gem√§lden, Monticelli mit vollst√§ndiger Mineraliensammlung der Umgegend N-s u. anderen oryktognostischen u. geologischen Sammlungen, Ottajono. mit Gem√§lden, Policastro mit Bibliothek, bes. f√ľr die Geschichte Neapels reichhaltig, Santantimo mit Gem√§lden u. Sculpturen neuerer italienischer Meister, Taccone mit Gem√§lden u.a.

Wissenschaftliche u. Kunstanstalten. Akademien: K√∂nigliche Akademie od. Societa reale borbonica, von Karl III. gegr√ľndet (aus 3 Abtheilungen: Akademie der Wissenschaften, Akademie der K√ľnste u. Academia ercolanense bestehend), Academia Pontaniana, ebenfalls von wissenschaftlicher Bestimmung, Academia medico cerusica, Gesellschaft f√ľr Ackerbau u. Manufacturen, Institut der Aufmunterung der Naturwissenschaften, Botanischer Garten, Astronomisches Observatorium, nahe bei Capo di Monte, auf einem H√ľgel, 1819 von der franz√∂sischen Regierung eingerichtet, Meteorologisches Observatorium, seit 1845, am Vesuv mit vorz√ľglicher Einrichtung, Topographisches Bureau. Bibliotheken: Biblioteca reale od. Borbonica im Museo Borbonico, die gr√∂√üte von N., 150,000 B√§nde u. 4760 Manuscripte (besteht haupts√§chlich aus der Farnesischen, vormals in Rom befindlichen Sammlung); Biblioteca Brancacciana, gegr√ľndet 1675 vom Cardinal Brancaccio, 50, 000 Bde., reich bes. an Manuscripten f√ľr die neapolitanische Geschichte; Biblioteca ministeriale, gegr√ľndet 1807 aus den Bibliotheken aufgehobener Kl√∂ster; Biblioteca della citt√†, entstanden aus der Bibliothek des Marchese Taccone, Universit√§tsbibliothek (30,000 Bde.), auch aus B√ľchersch√§tzen aufgehobener Kl√∂ster erwachsen, mehre Bibliotheken noch bestehender Kl√∂ster, bes. des Klosters von S. Filippo Neri. Die Kunstsammlungen sind s√§mmtlich in den Studj publici, der bedeutendsten u. umfangreichsten Kunstsammlung Italiens, vereint, einem gro√üen Viereck nach einer Zeichnung Fontanas vom Vicek√∂nig Ruiz de Castro errichtet, 1616 von seinem Sohne Pedro de Castro als Universit√§t er√∂ffnet u., als Ferdinand I. diese 1816 in das Kloster Ges√Ļ vecchio verlegte, als Real Museo Borbonico der jetzigen Bestimmung gegeben, in dem man die Alterth√ľmer aus Herculanum, Pompeji, Stabi√§, Nocera, Minturn√§, Nola, P√§stum etc. u. die Gem√§ldegallerie von Capo di Monte vereinigte. Sie besteht aus 15 Abtheilungen, u. zwar befinden sich im Erdgescho√ü: die antiken Wandgem√§lde u. Mosaiken aus Herculanum, Pompeji u. Stabi√§, die antiken Marmorwerke, darin die Hallen der Flora (mit der gro√üen Mosaik der sogenannten Alexanderschlacht aus Pompeji, der Kolossalstatue der Flora aus den B√§dern des Caracalla in Rom, dem Torso Farnese u.a.), des Adonis, der Musen, des Apollo, Jupiter, Atlas, Tiberius u. der Venus (mit Venusstatuen); √§gyptische u. oscische Alterth√ľmer; die antiken Bronzestatuen; die Inschriften mit der Gruppe des Toro Farnese; in einem Mittelstockwerk: Kunstdenkmale des Mittelalters, antike Gl√§ser u. Terracotten; im oberen Stockwerk: Abtheilung der Papiere, 1752 in Herculanum in einer Privatsammlung aufgefundene Manuscripte auf Papyrus, dabei eine von Antonio Piaggio erfundene Maschine des Entrollens (s. Herculanum); die Bibliothek (s. oben); Gemmen u. Pretiosen (darunter der ber√ľhmte Onyx, die Apotheose des Ptolem√§os I. vorstellend); M√ľnzen u. Medaillen; Abtheilung der kleinen Bronzen[734] (mit antiken Tempel-, Haus-, Kirchen-, Handelsger√§thschaften etc.); Abtheilung der Vasen (wohl die vollst√§ndigste u. bedeutendste derartige Sammlung in der Welt mit 3300 St√ľck, meist aus altgriechischen Gr√§bern); Gabinetto riservato mit obsc√∂sen antiken Kunstwerken; zwei Gallerien der neuen Gem√§lde (mit Werken der ber√ľhmtesten Meister). Au√üerdem bestehen viele Privatkunstsammlungen u. Il grande Archivio, aus dem ganzen Reiche, auch aus den Kl√∂stern gesammelt, in vier Sectionen getheilt: das Archiv der Geschichte, der Gesetze, der Finanzen u. der Communen u. mit Schule der Pal√§ographie verbunden. Unterrichtsanstalten: Universit√§t, von Friedrich II. 1224 gestiftet, 1780 umgestaltet, die einzige Universit√§t des K√∂nigreichs, mit f√ľnf Facult√§ten u. 52 Lehrst√ľhlen, Bibliothek, Anatomischem Theater, Chemischem Laboratorium, Physikalischem Cabinet, Mineralogischem u. Zoologischem Museum; Lyceum del Salvatore, vier andere Lyceen, mehre Collegien (d.i. Klosterschulen), namentlich Collegio di S. Sebastiano, von Jesuiten geleitet, 12 k√∂nigliche Gymnasien, Collegium u. Akademie zur Bildung junger Offiziere, Milit√§rschule, Akademie f√ľr Marine, Lehranstalt f√ľr Medicin u. Chirurgie, Schule bei dem Hospital degli Incurabili mit 8 Professoren, das Istituto f√ľr Maler- u. Bildhauerkunst (1822 neu organisirt), die k√∂nigliche Scuola de musaico (Mosaikschule, mehr Fabrik als Schule), 2 Erziehungsanstalten f√ľr adelige M√§dchen (Casa de' miracoli u. S. Marcellino), 2 Jesuitencollegien, das Collegio della propaganda side auf Capo di Monte, wo junge Chinesen zu Mission√§ren f√ľr ihr Vaterland gebildet werden, 1726 gestiftet; Conservatorium f√ľr Musik, gegr√ľndet von G. Tappia 1537, entwickelte kurz nach einander 3 √§hnliche Anstalten, f√ľhrt in der Heiligen Woche gr√∂√üere Musiken u. w√§hrend des Carnevals Opern auf; 2 Seminarien, Polytechnische, Taubstummen- u. Blindenanstalt, Veterin√§rschule. Die Prim√§rschulen sind schlecht, der gr√∂√üere Theil des Volkes besucht sie gar nicht. √úber die Conservatorien s. unten. Wohlth√§tigkeits- u. andere √∂ffentliche Anstalten. Die Wohlth√§tigkeitsanstalten N-s sind trefflich u. man rechnet, da√ü j√§hrlich 400,000 Ducati (455,000 Thlr.) auf dieselben gewendet werden. Die Hospit√§ler sind zahlreich, reinlich u. gut, die wichtigsten sind das Ospedale degli Incurabili (welches jedoch Kranke aller Art aufnimmt), mit 100,000 Ducati Eink√ľnften; Casa santa (S. dell' Annunciata) (64,000 Ducati Eink√ľnfte), f√ľr Findelkinder (von denen j√§hrlich in N. etwa 2000 ausgesetzt werden), in der Kirche Grab der Johanna II.; Ospizio di Lorenzo, in welchem arme Kinder zu Handwerkern u. K√ľnstlern gebildet werden, das Sagramento u. das Trinit√† degli Monacha, beide aus Kl√∂stern in Milit√§rspit√§ler verwandelt, das Ospedale de Pellegrini, f√ľr Fremde u. Einheimische, von einer Br√ľderschaft bedient, Ospedale di S. Eligio, S. Gennaro dei Poveri, bei der gleichnamigen Kirche, das de Carcerati f√ľr erkrankte Gefangene, u. das della Pace de Febbricitanti; die Hospit√§ler sollen insgesammt 3000 Kranke fassen k√∂nnen. N. hat 48 Armenh√§user, in denen 6000 Arme verpflegt werden, das gr√∂√üte ist Albergo reale (Reclusorio) degli poveri (im Munde des Volkes Seraglio), das gr√∂√üte Geb√§ude N-s, 1757 von Karl III. gebaut, mit 3 H√∂fen u. einer Kirche in der Mitte, jedoch nicht ausgebaut, es enth√§lt ein milit√§risch organisirtes Waisenhaus u. eine Unterrichtsanstalt f√ľr 6000 Kinder in K√ľnsten u. Handwerken, zugleich Besserungs- u. Taubstummenanstalt, Schule des gegenseitigen Unterrichts; es hat die Aufsicht √ľber mehre audere Waisenh√§user. Au√üerdem gibt es ein Invalidenhaus im ehemaligen Karth√§userkloster, am Abhang des Berges, wo das Castell S. Elmo liegt, den Monte della Piet√†, Leihhaus u. Bank zugleich, so wie mehre andere Leihh√§user, Monte della Misericordia, Wohlth√§tigkeitsanstalt in mehren Richtungen, Monte dei poveri, zur Unterst√ľtzung von wegen Schulden Gefangenen etc. Wichtig sind auch zur Wohlth√§tigkeitspflege die Br√ľderschaften (Confraternit√†), deren eine gro√üe Menge zu allen guten Werken bestehen. Ein Mittelding zwischen Wohlth√§tigkeitsanstalten u. Erziehungsh√§usern sind die kloster√§hnlichen Conservatorien, deren es mehr als 30 gibt, u. wo arme M√§dchen, von meist 7‚Äď18 Jahren Nahrung, Erziehung, Unterricht in weiblichen u. Handarbeiten, Weben u. dgl. u. nach ihrem Austritt auch wohl eine Aussteuer erhalten. Es gibt auch ein solches Conservatorium f√ľr T√∂chter von Freudenm√§dchen u. ein anderes f√ľr solche, wenn sie Reue f√ľhlen. Gef√§ngnisse befinden sich im Castell Capuano f√ľr schwere Verbrecher, dann S. Maria apparente, Concordia (Schuldgef√§ngni√ü), S, Agnello, S. Maria d'Agnone (Arbeitshaus f√ľr Verbrecherinnen), S. Caterina a Formello (Strafarbeitshaus), S. Francesco di Paolo. Von Kirchh√∂fen ist bes. der Campo Santo, f√ľr die √§rmeren Neapolitaner, √∂stlich von N., zu bemerken, in ihm werden die Leichen entkleidet ohne Ordnung in gro√üe gemauerte Gruben geworfen u. mit Kalk √ľberdeckt; der Campo Santo nuovo liegt vor der Porta Capuana, hat 160 Capellen f√ľr die ebensoviel Congregationen N-s, u. auf ihm steht die kolossale Statue der Religion (30. Sept. 1845 eingeweiht). Wohlhabendere werden in die Kirchen begraben u. oft, wenn die Leichen vertrocknet sind, in gl√§sernen Schr√§nken ausgestellt; auch einen protestantischen Kirchhof (Garten der Protestanten) gibt es.

Die Fabriken u. Manufacturen N-s haben sich in den letzten Jahren sehr gehoben; sie fertigen bes. Gros de Naples, carrirte Taste, Seife, Handschuhe, Gold- u. Silberwaaren, Glas, Schmucksachen von Korallen, Lava, Schildkrot, Porzellan, Gewehre, Tabak, Maccaroni, Darmsaiten; es gibt 45 Buchdruckereien, 150 Buchhandlungen, von denen jedoch die Mehrzahl Antiquare, Papierh√§ndler u. Buchdrucker zugleich sind; Musikalienhandlung, Lithographische Anstalt, optische Instrumente. Der Handel ist betr√§chtlich; ausgef√ľhrt wird viel Seide, √Ėl, Getreide, Leinsamen, Safran, Krapp, Lakritzensaft, Talg, Manna, Hanf, Mandeln, Feigen u. andere S√ľdfr√ľchte, Weinstein, Cremor Tartari, Ziegen- u. Lammfelle, Wein (die besten sind vom Vesuv, Somma u. Lagrima Cristi u. von Puzzuoli). Er wird durch eine Bank f√ľr beide Sicilien (mit 1 Million Ducati Fond), B√∂rse, mehre Privatbanken u. dgl. unterst√ľtzt. Der Hafen, durch Kunst hervorgebracht, ist tief genug f√ľr Fregatten, doch nicht sehr ger√§umig. An ihm liegt die Gesundheitsdeputation u. am Ende des Molo der zur Gasbeleuchtung eingerichtete hohe Leuch tthurm; rechts von ihm befindet sich der Kriegshafen mit der Darsena. Eine Eisenbahn f√ľhrt von N. √ľber Portici, Torre del Greco, Torre dell' Anunziata, Castellamare u. Pompeji nach Nocera, eine andere nach [735] Capua u. Nola. Vergn√ľgungen: 7 Theater, unter denen das bei dem k√∂niglichen Palast liegende S. Carlotheater das gr√∂√üte in Italien nach der Scala in Mailand ist, 1537 erbaut, es hat f√ľnf Reihen Logen u. die sechste als Gallerie √ľber einander, jedes Stockwerk 25 Logen, u. fa√üt 7500 Zuschauer; es brannte 1816 ab, ist jedoch bis 12. Januar 1817 wieder aufgebaut; hier werden die gro√üen Opern u. Ballets aufgef√ľhrt; Teatro del Fondo f√ľr Oper u. Ballet; Fenice, Volkstheater; S. Ferdinando, Fiorentini, S. Carlino ist Volkstheater f√ľr Kom√∂dien u. Sebeto f√ľr die unteren Volksklassen. N hat eine gro√üe Anzahl Kaffeeh√§user, welche Fremde u. Einheimische mehr besuchen, um zu schwatzen, als um Zeitungen zu lesen u. zu verzehren. Villen, von denen die meisten sch√∂ne Garrenanlagen u. prachtvolle Aussichten haben: Villa Belvedere. Floridiana, Ricciardi, Duca Rocca Romana, Villa Real (s.u. Pal√§sten), Villa Regina Isabella, Santangelo u. m. a. Die Bewohner von N. tragen weniger Charakteristisches an sich als die von Rom, treiben aber ein ewig bewegtes Leben, Tag u. Nacht wird es nicht ruhig auf den Stra√üen, immer dr√§ngen sich Menschenmassen, stets droht den Vor√ľbergehenden Gefahr von Cabriolets √ľberfahren zu werden, man sieht S√§nger u. Improvisatoren, Erz√§hler, Vorleser, Marktschreier, Pulcinelltheater u. andere Histrionen th√§tig. Zum Verkauf ausgestellte Orangen, Kuchen, Feigen, Honig, Maccaroni etc. dienen zur Leckerei. Sonst ist der Neapolitaner gen√ľgsam u. strebt au√üer dem Unentbehrlichen nur darnach, etwas f√ľr Divertimentis zu er√ľbrigen. Eigenth√ľmlich ist dem Neapolitaner seine √ľberaus gro√üe Fertigkeit in der Zeichensprache. Das Leben im Freien liebt er √ľber Alles, alle Handwerker arbeiten auf der Stra√üe u. auch der Wohlhabendere lebt auf dem Balcon u. den platten D√§chern, wo G√§rten gehalten werden. Das Dolce far niente sch√§tzt der Neapolitaner hoch, u. so werden viele allm√§lig Lazzaroni (s.d.), deren man sonst gegen 40‚Äď60,000 rechnete, welche Zahl aber jetzt bedeutend abnimmt. Der gr√∂√üte Schmutz herrscht bei den Neapolitanern vor, u. die sch√∂nsten Pal√§ste sieht man fortw√§hrend mit Unflath bedeckt, selbst die Kirchen werden nie gereinigt. Die neapolitanischen M√§nner sind sehr sch√∂n, bes. in den Jahren der vollen Kraft, die Weiber dagegen h√§√ülich. Der Charakter der Neapolitaner ist √ľbrigens Gutm√ľthigkeit, drollige Treuherzigkeit u. M√§√üigkeit, doch auch Geldgier, Treulosigkeit, Leidenschaftlichkeit, welche aber bei ihrer ungemeinen Feigheit selten in Mord ausartet; Dieberei, namentlich Taschendieberei, ist sehr gew√∂hnlich. Polizeiu. Gensd'armerie sind gut organisirt, sehen aber durch die Finger u. thun wenig; der Fremde kommt stets in Gefahr betrogen, bestohlen u. sonst hintergangen zu werden, u. stets hilft das Volk einem √úbelth√§ter durch. Die Prostitution ist in N. gro√ü; um Geld zu gewinnen, tragen auf dem Lande die Frauen u. M√§dchen niederen Standes sich h√§ufig selbst an, weniger aber Dirnen in der Stadt N., wo die Polizei sehr aufmerksam darauf ist; desto mehr geht das Gesch√§ft dort durch Zwischentr√§ger. In den mittleren u. h√∂heren St√§nden herrscht bei M√§dchen gro√üe Zur√ľckhaltung, doch entsch√§digen sie sich nach der Verheirathung. Hazardspiele sind jetzt verboten, dennoch wird in Privatzirkeln noch stark gespielt, auch Lotto ward mit Wuth von der ganzen Nation gespielt. Getanzt wird viel, bes. im Volke; der beliebteste Volkstanz ist die Tarantella. Volksseste sind meist kirchlich. Au√üer den Festen des St. Januarius, 3. Mai u. 19. Sept., wobei dessen Blut flie√üt u. die Reliquien in Procession nach S. Chiara getragen werden, dem Fronleichnamsfest, dem Weihnachtsfest, welches mit Schmau√üen gefeiert wird, wo Krippen mit der Darstellung der Geburt Jesu ausgestellt sind u. die Hirten aus den Abruzzen nach N. kommen u. mit Schalmei, Dudelsack u. Triangel vor den H√§usern u. Heiligenbildern Musik machen, dem Osterfest, wobei am Ostersonntag gro√üe Procession mit Puppen, die Heilige Jungfrau, Johannes den T√§ufer, Jesum etc. darstellend, gehalten wird, u. vielen anderen Kirchfesten, sind die wichtigsten: das Fest der Maria del Arco, ein l√§ndliches, sehr besuchtes Fest in dem nahen Dorfe gleiches Namens am 2. Pfingsttage mit gro√üer Wallfahrt nach Monte Vergine, u. das Fest S. Maria di Pi√® di Grotta, am 8. Sept., welches durch Karl III. 1734, als er den √Ėsterreichern bei Bicocco gegen√ľber stand, in Folge eines Gel√ľbdes, im Falle des Sieges der Mariadi Pi√® di Grotta auf dem Posilipp 100 Jahre lang ein pr√§chtiges Fest feiern zu lassen, eingesetzt ist u. durch gro√üe Paraden, eine pr√§chtige Auffahrt des Hofes zur genannten Kirche, Kanonendonner aus den f√ľnf Castellen u. von der Flotte, welche nach jener Kirche segelt, Milit√§rmusik auf den verschiedenen Pl√§tzen u. durch die durch einander wogende Einwohnerschaft u. das herzustr√∂mende Landvolk der Umgegend gefeiert wird, welches in seiner malerischen Tracht nur an diesem Tage die herrliche Villa reale an der Chiaja betreten darf. Das Fest der Marinare findet den 30. August Statt; die Seeleute laufen in Reifr√∂cken gekleidet auf S Lucia umher u. st√ľrzen sich mit Jedem, den sie erfassen, in das gerade dort sehr tiefe Meer; dabei werfen sie Schw√§rmer etc. Das neapolitanische Carnevalfest, welches sonst mit der Cocagna (s.d.) endigte, steht dem r√∂mischen bedeutend nach. Einwohner: 400,813, nach Anderen 550,000 (1818 329,438; 1827 357,238; 1837 351,700. Die Umgegend von N. hat sch√∂ne Landh√§user (s. oben unter Villen) u. gro√üe Natursch√∂nheiten (der Vesuv, der erloschene Vulkan Astronti mit Wildschweingarten, der Lago d'Agnano, die Solfatara, die Hundsgrotte, die Schwitzb√§der von Germano u. m. a.). auch Alterth√ľmer (Herculanum u. Pompeji); au√üerdem gew√§hren la Chiaja, die Grotte von Posilippo, das Grab des Virgil, Marzellina, Scoglio di Virgilio, Camaldoli, Pozzuoli, Golf von Baj√§, Bajagrotte der Cum√§ischen Sibylle, Cum√§, Capua, Nola, Portici, Sorrento, nach den Inseln n√§here, nach P√§stum u. Amalfi weitere Ausfl√ľge.

Vgl. Mormile, Descr. della citt√† de Napoli, Neapel 1670; F. Sacco, Dizionario geografico-istorico del regno di Napoli, ebd. 1794, 4 Bde.; G. M. Galanti, Nova descrizione storica e geografica delle due Sicilie, ebd. 1787‚Äď1791, 5 Bde. (deutsch von C. I. Jagemann, Lpz. 1790‚Äď95, 5 Bde.); Descrizione geografica e politica delle due Sicilie, ebd. 1792, 2 Bde; N. u. Sicilien, Gotha 1789‚Äď1805, 10 Bde.; I. N. v. Salis, Reisen in verschiedene Provinzen des K√∂nigreichs N., Z√ľrich 1793; K. F. Benkowitz, Reise von N. in die umliegende Gegend, Berl. 1806; Romanelli, Napoli antica e moderna, Neapel 1815, 2 Bde.; Finati, Il regal Museo Borbonico, ebd. 1817; Beitr√§ge zur Kenntni√ü von N., Berl. 1821; Gerhard u. Panofka, Neapels Bildwerke etc.,[736] T√ľb. 1828; G. Ceva Grimaldi, Considerazioni sulle publiche opere della Sicilia di qu√† del Faro dai Normanni sino ai nostri tempi, Neapel 1840; K. A. Mayer, N. u. die Neapolitaner, Oldenb. 1841, 2 Bde.; Luigi Galanti, Napoli e contorni, 1839; Napoli e i luoghi celebri delle sue vicinanze, 1845, 2 Bde.; Stanisl. hl Alo√ę, Naples, ses monuments et ses curiosit√©s, 1852; F. F√∂rster, Handbuch f√ľr Reisende in Italien, 6. Aufl., M√ľnch. 1857, 4 Abth. (4. Abth. Unteritalien u. Sicilien); F. Gregorovius, Siciliana, Wanderungen in N. u. Sicilien, Lpz. 1860.

Die Stadt Neapel wurde etwa 1000 Jahre v. Chr. von den Cum√§ern an der Stelle des alten Phaleron od. Parthenope an dem nordwestlichen Abhange des Vesuvius u. an der M√ľndung des Sebethus in den Puteolanischen Meerbusen angelegt. Anfangs bedrohten die Campaner die junge Colonie, dann suchten die R√∂mer Einflu√ü auf sie zu gewinnen, die sich daher 327 v. Chr. in den Schutz der Samniter begab, aber von diesen 6000 M. Beschatzung einnehmen mu√üte. Im Samnitischen Krieg, 290 v. Chr., kam sie durch Einverst√§ndni√ü ihrer F√ľhrer in die H√§nde der R√∂mer; diese lie√üen N. die griechische Verfassung, aber seitdem verlor sich die Eintheilung der Stadt in die Pal√§opolis (Altstadt) u. Neapolis (Neustadt), welche fr√ľher durch eine Mauer geschieden gewesen waren, u. der Name N. allein blieb der Stadt. Nochmals wurde es Municipium u. stellte 50 Schiffe zur r√∂mischen Flotte. Wegen der sch√∂nen Lage, der warmen B√§der in der N√§he u. der Bildung der Einwohner war N. Lieblingsaufenthalt vornehmer, bes. exilirter R√∂mer. Die R√∂mer behaupteten N. gegen Pyrrhus, gegen die Tarentiner (272 v. Chr.) u. gegen Hannibal (212 v. Chr.). Lucullus besa√ü G√§rten auf dem jetzigen Castell del Uovo; alsdie Stadt unter Titus von einem Erdbeben g√§nzlich zerst√∂rt wurde, baute dieser Kaiser es im R√∂mischen Styl wieder auf. Unter den Antoninen (od. unter Commodus) wurde N. r√∂mische Colonie (Colonia Augusta). Als das R√∂merreich unter Constantin dem Gr. das Christenthum annahm, war N. die Stadt, welche am l√§ngsten die alten G√∂tter bewahrte. Romulus Augustulus ward hierher verbannt u. st. daselbst. Im 5. Jahrh. theilte N. das Schicksal von ganz Italien, es wurde von den Westgothen, Vandalen, Herulern (415) u. Ostgothen eingenommen (493) u. stand dann 33 Jahre lang unter Theoderich, K√∂nig der Ostgothen, welcher es durch einen Comes regieren lie√ü. Nach dessen Tode lie√ü Kaiser Justinian N. durch Belisar 536 erobern. N. wurde hierauf 542 vom Gothenk√∂nig Totila, nach der Niederlage der Byzantiner bei Mucella, belagert u. ergab sich nach zwei Entsatzversuchen der Griechen, kam jedoch 555 bald wieder in die H√§nde der Griechen u. wurde zum Exarchat geschlagen.

Der erste der unter dem Exarchen zu Ravenna stehenden Herz√∂ge von N. war seit 568 Myron, unter welchem au√üer N. u. Gebiet die Inseln Ischia, Nisida, Procida, die Seest√§dte Gaeta, Amalfi, Sorrento, Otranto, Gallipoli, Rossano mit Gebiet standen; er st. 589, u. erst 592 (593) folgte Maurentius, welcher sich gegen die Longobarden tapfer hielt, aber 602 vom Kaiser Phokas abberufen wurde; nach ihm waren Herz√∂ge Gaudoin (Gondoin) u. 615 Johann I.; letzter machte einen Versuch, sich von Byzanz unabh√§ngig zu machen, da er aber wegen Grausamkeiten verha√üt war, √∂ffnete das Volk 612 dem kaiserlichen Exarchen Eleutherius die Thore, Johannes wurde hingerichtet u. Theodorus an seiner Statt Herzog. N. theilte nun alle Schicksale des Exarchats, seine Herz√∂ge wechselten schnell, bis 751 das Exarchat durch Aistulf, K√∂nig der Longobarden, zerst√∂rt wurde. Damals war Exhilaratus Herzog von N.; er unterwarf sich dem Longobardenk√∂nig nicht u. erhielt den byzantinischen Kaisern diese wichtige Stadt. Auf Exhilaratus folgte 753 Stephan I. als Herzog, welcher 767 von den Neapolitanern auch zugleich zum Bischof gew√§hlt wurde; er lie√ü die weltlichen Angelegenheiten eine Zeitlang durch seinen Sohn C√§sarius verwalten. Unter Stephans Enkel, Stephan II., versuchte F√ľrst Sicon von Benevent N. zu erobern; diese Versuche erneuerte Sicon unter dem Herzog Bonus (seit 820) u. n√∂thigte den Herzog zur Zahlung eines j√§hrlichen Tributs. Gegen Herzog Andreas erneuerte Sicons Sohn, F√ľrst Sicard von Benevent, den Krieg; Andreas besiegte ihn mit H√ľlfe der Sarazenen, die er aus Sicilien gerufen hatte. Aber kaum hatten die Sarazenen die Stadt verlassen, so begann Sicard den Krieg von Neuem u. belagerte N. bis 839. Der Kaiser Lothar I. schickte zur Ausgleichung den Baron von Coutard, welchen Andreas, um durch ihn die aufr√ľhrerischen Neapolitaner zu schrecken, unter dem Versprechen zur√ľckbehielt, ihm seine Tochter Eupraxia zu verm√§hlen. Da er sein Wort nicht hielt, ermordete ihn Coutard 843, worauf Sergius I. zum Herzog gew√§hlt wurde. Er schlug 845 einen Angriff der Sarazenen auf die Insel Ponza zur√ľck u. eroberte Licosa wieder. Ein Jahrhundert lang herrschte im Herzogthum N gro√üe Verwirrung, indem die Herz√∂ge es meist mit den Sarazenen gegen die P√§pste hielten u. deshalb von denselben in den Bann gethan od. durch angezettelte Verschw√∂rungen gest√ľrzt wurden. Als der Kaiser Otto I., in Folge der Usurpation Berengars II. Italien unterwarf, hielt sich nur N. tapfer gegen ihn, u. die Neapolitaner drangen selbst unter F√ľhrung des Herzogs Marinus nach Capua vor u. belagerten dieses. Der griechische Kaiser Nikephoros II. Phokas suchte endlich durch das Versprechen, das Herzogthum seiner Tochter Theophania als Aussteuer zu geben, den Frieden herzustellen, erf√ľllte dies Versprechen aber so wenig als sein Nachfolger, u. Otto II. mu√üte um Unteritalien k√§mpfen, eroberte N, wurde aber, da die Griechen die Sarazenen zu H√ľlfe riefen, bei Basantello in Calabrien geschlagen (982), u. mit seinem Tode (983) endigte dieser Krieg. Herzog Sergius wurde im 11. Jahrh. von dem Herzog Pandulf IV. von Capua, welcher eine Schaar Normannen in seinen Sold genommen hatte, bekriegt u. vertrieben; er gewann aber die Fremdlinge durch h√∂hern Sold u. eroberte N. wieder. Er verm√§hlte sich dann mit einer Verwandten Rainniss, eines norm√§nnischen Anf√ľhrers, u. gab demselben ein St√ľck Land bei N., wo er 1026 Aversa baute u. dies als Grafschaft besa√ü.

Mit der Ausbreitung der Normannen in Unter-Italien, welche 1059 unter Robert Guiscard das Herzogthum Apulien (s.d.) u. Calabrien gr√ľndeten u. vom Papst die eventuelle Belehnung mit allen L√§ndern Unter-Italiens u. Siciliens erhielten, welche sie den Sarazenen entrei√üen w√ľrden, wogegen sie dem Papst ihre stete H√ľlfe zusagten, begannen auch die Angriffe derselben auf N. Robert Guiscard verdr√§ngte die Griechen vollends aus den Seest√§dten u. unterwarf sich mit den longobardischen[737] F√ľrstenth√ľmern Bari (1070), Salerno u. Amalfi (1075), Benevent (1077) ganz Unter-Italien, w√§hrend sein Bruder Roger I., ihm lehnbar, als Gro√ügraf von Sicilien sich auf dieser Insel festsetzte u. sein dritter Bruder Richard, der normannische Graf von Aversa, 1062 Capua u. einen Theil Campaniens eroberte. Rogers I. Sohn, Roger II., vereinigte nach dem Tode seines Vaters (1101) u. Wilhelms von Apulien (1127) von dem er schon fr√ľher Calabrien abgetreten erhalten hatte, alle norm√§nnischen Eroberungen unter dem Titel eines K√∂nigs von Sicilien u. Herzogs von Apulien u. Calabrien u. wurde vom Papst Anaclet II. als solcher 1128 best√§tigt. Palermo war der Sitz seines Reichs. Nur N. u. Capua waren in Italien noch freie St√§dte. Bei Gelegenheit eines Kriegs mit Innocenz II., dem Gegenpapste Anaclets II., u. dem Kaiser Lothar II., wo er die Deutschen zum R√ľckzug zwang, eroberte er Capua u. belagerte auch N., doch n√∂thigte ihn ein neuer Einfall des Kaisers Lothar II. die Belagerung aufzuheben. Als Lothar II. aber 1137 st., gewann er die Oberhand u. nahm Innocenz II. 1139 gefangen, erkannte ihn aber, da Anaclet II. gestorben war, als Papst an. Freiwillig ergab sich ihm 1150 auch N., u. das Herzogthum N., dessen letzter Herzog Sergius VII. gewesen war, ward nun integrirender Theil des K√∂nigreichs Sicilien, welches au√üer dieser Insel auch ganz Mittel- u. Unter-Italien, also die Herzogth√ľmer Apulien, Calabrien, Bari, Sorento, Amalfi, Gaeta, beide Abruzzos u. die F√ľrstenth√ľmer Capua, Tarent u. Salerno umfa√üte. Diese L√§nder nannte man schon zur Zeit der byzantinischen Statthalter im 9. Jahrh. Sicilien jenseit des Faro, u. hiervon stammt der Name des K√∂nigreichs beid er Sicilien. Roger versch√∂nerte die Stadt N. sehr mit neuen Geb√§uden. Als der normannische Mannsstamm mit Wilhelm II. 1189 ausstarb, kam das Reich durch dessen Tante Constanze, Tochter des K√∂nigs Roger I., welche mit dem Kaiser Heinrich VI. verm√§hlt war, an das deutsche Haus Hohenstaufen, bei welchem dasselbe bis 1266 blieb, wo Manfred bei Benevent blieb (s.u. Sicilien), worauf Karl von Anjou sich mit H√ľlfe des Papstes Clemens IV. auf den Thron von Sicilien u. Neapel schwang (s. ebenda), welcher daf√ľr dem Papst 8000 Unzen Gold zu zahlen u. ein wei√ües Pferd (Neapolitanischer Zelter, s. d) zu schicken u. au√üerdem die Vasallentreue versprach. Er w√§hlte N. zu seiner Residenz, u. diese Stadt ward von nun an der Mittelpunkt des Reichs. Indessen bereitete Peter III., K√∂nig von Aragonien, Gemahl der Hohenstaufin Constanze u. von Konrad in zum Erben eingesetzt, heimlich Krieg gegen Karl von Anjou vor, u. ein Vertrauter der letzten Hohenstaufen, Friedrichs II. u. Manfreds, Johann von Procida, ein palermitanischer Edler, war zu ihm mit einer sicilianischen Flotte geflohen. Am 30. Mai 1282 brach eine Emp√∂rung aus (Sicilianische Vesper), u. in wenigen Stunden waren s√§mmtliche Franzosen in ganz Sicilien ermordet. Sogleich erschien die aragonische Flotte zur H√ľlfe des Aufstands, im August auch Peter III. mit einem Heer u. entschied, da die Unternehmung Karls von Anjou gegen Sicilien an der Festigkeit Messinas scheiterte u. er zur√ľckeilen mu√üte, um dem Aufruhr in Calabrien u. Apulien entgegen zu arbeiten, wo dann die Aragonier Sicilien, die Franzosen das Festland behaupteten, die Trennung Siciliens von N.

Vergebens suchte der Papst Karln Sicilien wieder zu erwerben, u. that deshalb Peter III. von Aragonien in den Bann; ja der aragonische Admiral Roger von Lauria lockte den Prinzen Karl von Salerno, Thronerben Karls von Anjou, aus dem Hafen von N., schlug dessen Flotte u. nahm ihn selbst gefangen. Da starb Karl I. 1284 zu Foggia. Die Gefangenschaft des nunmehrigen K√∂nigs Karl II. brachte das Reich in die gr√∂√üte Verlegenheit. Vom Papst ward ein Legat, vom K√∂nig Philipp III. von Frankreich aber dessen Sohn, der Graf Robert von Artois, als Statthalter eingesetzt, u. diese bekriegten seit 1285 Jakob, Sohn u. Nachfolger Peters in Sicilien. Karl II. war indessen in der Hast des K√∂nigs Alfons III. von Aragonien, des √§ltern Bruders Jakobs, der ihn endlich, von Frankreich bedr√§ngt u. durch Englands Vermittlung, 1289 unter der Bedingung entlie√ü, da√ü er den Frieden zwischen Frankreich u. Aragonien vermittelte. Nur mit M√ľhe brachte Karl II. denselben 1290 zu Stande, u. als K√∂nig Alfons III. von Aragon st., erhielt Jakob, bisher K√∂nig von Sicilien, Aragonien, hob die eingegangenen Verpflichtungen auf u. trat endlich, durch den p√§pstlichen Bann bewogen, 1295 Sicilien an Karl II. ab. Doch die Sicilianer w√§hlten nun Jakobs Bruder, Friedrich, zum K√∂nig, u. dieser vertheidigte Sicilien gegen Karl u. seinen eigenen Bruder Jakob, u. erzwang so den Frieden von Castro nuovo 1302, wodurch er Sicilien als K√∂nig von Trinakrien auf Lebenszeit behielt. Karl II. st. 1309, u. ihm folgte, verm√∂ge einer Entscheidung des Papstes, sein dritter Sohn, Robert. Dieser ward 1312 vom Papst zum Gonfaloniere des Kirchenstaats ernannt, Kaiser Heinrich VII. citirte ihn aber 1312 auf seinem R√∂merzug nach Rom u. √§chtete ihn, als er nicht erschien; doch st. Heinrich VII. bald darauf. Gleichzeitig ward Robert von Friedrich II., K√∂nig von Trinakrien, bekriegt, landete zwar in Sicilien, mu√üte aber 1315 ohne Erfolg abziehen u. schlo√ü 1318 einen f√ľnfj√§hrigen Waffenstillstand. Als er mit Kaiser Ludwig dem Baier im Krieg war u. denselben √ľber die Alpen zur√ľckdr√§ngte, st. 1328 sein einziger Sohn, Karl Herzog von Calabrien. Dieser hinterlie√ü eine Tochter, Johanna, u. Robert verm√§hlte nun seine Enkelin 1330 mit Andreas, dem zweiten Sohn seines Neffen Karobert, der Anspr√ľche auf den Thron Karls II. hatte, u. lie√ü ihn in N. erziehen. Als er 1343 starb, folgte ihm Johanna I. Unter ihr nahmen die schon unter Karl II. Statt gefundenen Unruhen zu. Die meisten Gro√üen u. alle Prinzen von Gebl√ľt entfernten sich vom Hofe, u. der wegen seiner eignen Rohheit u. der an seiner Gemahlin ver√ľbten Mi√ühandlungen geha√üte Andreas ward von Nicolo Acciajuoli am 18. Septbr. 1345 auf dem Schlo√ü zu Aversa ermordet. Johanna verm√§hlte sich nun 1346 mit ihrem Vetter, dem Prinzen Ludwig I. von Tarent. Doch schon 1347 erschien Ludwig, K√∂nig von Ungarn, vor N., um den Mord seines Bruders Andreas zu r√§chen, zwang die K√∂nigin u. deren Gemahl nach der Provence zu fliehen, hielt schreckliches Gericht √ľber die Schuldigen, lie√ü u.a. den der Theilnahme am Mord √ľberwiesenen Herzog Karl von Durazzo enthaupten, f√ľhrte die √ľbrigen anjonischen Prinzen gefangen nach Ungarn u. lie√ü einen Ungar als Regenten zur√ľck, welcher das Land schwer bedr√ľckte. Sehr bald inde√ü kehrten Johanna u. ihr Gemahl zur√ľck u. wurden nach hartem Kampfe durch den mit dem K√∂nig von Ungarn[738] geschlo√ünen Frieden von 1351 wieder in ihr Reich eingesetzt. Der K√∂nig von Ungarn setzte die vier Prinzen in Freiheit u. entsagte allen Anspr√ľchen auf N. Die Unm√ľndigkeit des K√∂nigs Ludwig von Sicilien war eine starke Lockung, diese Insel zu erobern; Ludwig I. von N. bem√§chtigte sich auch derselben wirklich, ward aber durch innere Unruhen in N. gezwungen, sie wieder zu verlassen, doch erkl√§rte sich in dem Frieden von 1357 Siciliens K√∂nig zum Vasallen von N. u. versprach 3000 Unzen Gold Tribut. 1362 st. Ludwig, Johannens Gemahl, u. die kinderlose Johanna heirathete nun den Infanten von Majorca, Prinzen Jakob von Aragonien, der aber nicht den K√∂nigstitel f√ľhrte, sondern sich nur Herzog von Calabrien nannte u. 1375 st. 1376 heirathete Johanna in vierter Ehe Otto von Braunschweig, nahm aber Karl von Durazzo, einen Anjou, dem sie bereits 1370 ihre Nichte Margaretha verm√§hlt hatte, an Kindesstatt an. Dieser Karl benahm sich aber h√∂chst undankbar gegen sie, lie√ü sich 1380 vom Papst Urban VI. zum K√∂nig von N. kr√∂nen, r√ľckte, als Johanna den Ludwig von Anjou an seine Stelle zum Nachfolger w√§hlte, nach N., nahm sie gefangen, lie√ü sie 1382 erdrosseln u. bestieg als Karl III. den Thron. Bald veruneinigte er sich aber mit seinem bisherigen Besch√ľtzer, Urban VI., u. ward auch von Ludwig I. von Anjou, der nach dem Testamente Johanna's den Thron pr√§tendirle, angegriffen u. hart bedr√§ngt; von diesem befreite ihn indessen 1384 der Tod, den Papst belagerte er in Nocera; endlich ging er nach Ungarn, von seinen Anh√§ngern dahin berufen, u. wurde 1386 von Anh√§ngern der verwittweten K√∂nigin Elisabeth, an deren Spitze der Palatin Nikolaus Graf von Gara stand, durch den Grafen von Forgacz ermordet. Sein zehnj√§hriger Sohn Ladislaw folgte ihm unter Vormundschaft seiner Mutter Margaretha, wurde aber sowohl von aufr√ľhrerischen Gro√üen als von Ludwig II. von Anjou, welcher auf den Thron Anspr√ľche machte, nach Gaeta zu fliehn gen√∂thigt u. heirathete dort die reiche Gr√§fin Constanze von Chiaramonte, verstie√ü sie aber, als ihr Verm√∂gen zu Ende war, schon 1394 u. heirathete 1403 Maria, Schwester des K√∂nigs von Cypern. Schon 1400 hatte ihm sein Gegner Ludwig II. von Anjou, durch immerw√§hrende Neckereien ersch√∂pft, die Rechte auf N. abgetreten u. war nach Frankreich zur√ľckgekehrt. Ladislaw nahm darauf die ungarische, ihm angebotene Krone an, jedoch nur, um sie bald wieder niederzulegen. 1408 benutzte er die Unzufriedenheit der R√∂mer mit Papst Gregor XII., um Rom zu besetzen u. sich den Titel eines K√∂nigs von Rom beizulegen. Daf√ľr reizte der dritte der damals zugleich regierenden P√§pste, Alexander V., Ludwig von Anjou zu einem nochmaligen Angriff auf N. Dieser fiel in N. ein u. schlug zwar Ladislaw bei Riosecca, mu√üte aber, da sein S√∂ldnerhaufe bald aus Mangel an Zahlung auseinander lief, N. wieder verlassen. 1414 st. Ladislaw, u. seine Schwester Johanna II. folgte ihm. Diese, Wittwe des Herzogs von √Ėsterreich, zeichnete sich durch ein z√ľgelloses Leben aus u. war von Liebhabern umgeben, von denen sie bes. Pandolfello Alopo, ihren K√ľchenmeister, beg√ľnstigte u. zum Obristk√§mmerer u. Grafen erhob. Sie heirathete 1415 Jakob von Bourbon; dieser, von den Baronen des Reichs sogleich als K√∂nig begr√ľ√üt, lie√ü alsbald Alopo verhaften u. hinrichten u. hielt die K√∂nigin, nebst ihrem treuen Anh√§nger dem Condottiere Franz Sforza, selbst gefangen. Johanna wurde aber 1416 von ihren Unterthanen befreit u. Jakob von Bourbon selbst gefangen gesetzt, bis er 1419 entkam. Johanna adoptirte 1421, um den innern Aufr√ľhrern desto besser zu widerstehen, Alfons V., K√∂nig von Aragonien u. Sicilien. Dieser erschien u. schlug die unruhigen Vasallen, ma√üte sich aber bald zu viel Gewalt an, weshalb Johanna die Adoption zur√ľcknahm u. solche auf Ludwig III. von Anjou √ľbertrug. Dieser schlug Alfons V. u. befreite die wiederum gefangene K√∂nigin, welche nun bis 1432 mit ihrem G√ľnstling Caraccioli regierte, wo dieser bei ihr in Ungnade fiel u. ermordet wurde. 1434 st. Ludwig III. u. 1435 Johanna II. selbst. Ludwig hatte seine Rechte auf seinen Bruder, den Herzog Ren√© von Anjou √ľbertragen, welcher Johannen auch ihrem Testament zu Folge succediren sollte, doch Papst Eugen IV. wollte dasselbe dem K√∂nig Alfons von Aragonien zuwenden. Ren√© wurde vom Herzog von Burgund als Gefangner zur√ľckgehalten, u. nur seine Gemahlin Isabella erschien, von dem Volke jubelnd begr√ľ√üt, in N. Bald erschien aber Alfons von Aragonien, u. obschon er 1435 bei Ponza zur See geschlagen u. gefangen wurde, so wu√üte er doch in seiner Gefangenschaft den Herzog von Mailand, Bundesgenossen Ren√©s, durch die ihm eingefl√∂√üte Furcht, N. in franz√∂sischen H√§nden zu sehen, von ihm abzuziehen u. zu bewegen, ihn u. die andern Gefangenen frei zu lassen. Zwar erschien 1438 Ren√© pers√∂nlich in N., aber am 2. Juni 1442 drang Alfons in N. ein, eroberte es u. vertrieb Ren√©, welcher sich nach Frankreich einschiffte, um nie zur√ľckzukehren.

Alfons I. blieb Herr von Sicilien u. N. Mit ihm bestieg das Haus Aragon den neapolitanischen Thron. Au√üer in N., Sicilien u. Aragonien gebot Alfons I. noch in Catalonien, Valencia, Majorca, Corsica, Sardinien u. in Roussillon, w√§hlte nun N. zu seiner Residenz, that w√§hrend seiner sechzehnj√§hrigen Regierung viel f√ľr Versch√∂nerung der Stadt, beg√ľnstigte K√ľnste u. Wissenschaften u. st. 1458. Er hatte seinen nat√ľrlichen Sohn, Ferdinand I., zum Nachfolger in N., dagegen seinen Bruder Johann II. zum K√∂nig von Aragon u. Sicilien bestimmt. Das finstere stolze Wesen des Ersteren machten ihn nicht beliebt, dazu bestritt ihm der Prinz Karl von Viana, Sohn Johanns II., u. der Papst Calixt III. sein Recht auf den Thron, u. Aufr√ľhrer riefen Johann von Anjou, Sohn des K√∂nigs Ren√©, in das Reich. Anfangs war dieser siegreich, bald aber wurde er 14. Aug. 1462 bei Troja geschlagen u. ging nach Frankreich zur√ľck, seine Rechte auf N. trat er aber an K√∂nig Karl VIII. von Frankreich ab. Die Unzufriedenen riefen dagegen den t√ľrkischen Sultan Muhammed II. herbei, welcher 1480 Otranto erobern lie√ü; 1481 wurden aber die T√ľrken wieder vertrieben. Nun trat Papst Innocenz VIII. gegen Ferdinand auf u. beg√ľnstigte die Rebellen, wurde jedoch 1486 zum Frieden gezwungen, u. die Rebellen wurden hingerichtet od. flohen nach Frankreich; Ferdinand st. 1494. Seinem Sohn u. Nachfolger, Alfons II., mi√ülang ein Anschlag auf Genua, er wurde von Karls VIII. Heere besiegt u. durch dessen Vordringen u. den Aufruhr seiner Barone so niedergeschlagen, da√ü er 1495 zu Gunsten seines Sohnes, Ferdinand II., abdankte u. in ein Kloster ging. Ferdinand II. mu√üte schon nach 10 Tagen, da die Franzosen bis N. vordrangen,[739] nach Ischia u. von dort nach Sicilien fliehen. Dort gewann er aber in Ferdinand dem Katholischen, K√∂nig von Sicilien u. Aragon, eine kr√§ftige H√ľlfe. Dieser sandte Gonsalva di Cordova, welcher, von allen die Franzosen hassenden Neapolitanern gern aufgenommen, Karl VIII. zum schnellen R√ľckzug n√∂thigte, u. Ferdinand II. zog im Juni 1495 wieder in seine Hauptstadt ein. Doch schon 1496 st. er, u. sein Oheim Friedrich Il. folgte ihm; sein Bruder Ferdinand der Katholische von Aragonien u. Sicilien schlo√ü gegen ihn mit Ludwig XII. von Frankreich einen Vertrag, durch welchen er N., Gaeta, Terra di Lavoro u. die Abruzzen abtrat u. sich dagegen Calabrien u. Apulien vorbehielt. Da 1501 franz√∂sische u. sicilianische Truppen in N. einr√ľckten, floh Friedrich Anfangs nach Ischia u. ging sp√§ter nach Frankreich, wo er das Herzogthum Anjou erhielt. Bald aber geriethen Aragonien u. Frankreich √ľber die Theilung der Beute in Streit, die aragonischen Truppen zogen sich zur√ľck, aber durch Verrath siegte Ferdinand dennoch, denn w√§hrend er zum Schein unterhandelte, griff Cordova die Franzosen an, schlug sie 1503 am Garigliano u. bei Cerignoles u. vertrieb sie aus Italien. Endlich gewann Ferdinand der Katholische, nun als K√∂nig von N. Ferdinand III. genannt, Friede u. die Abtretung N-s von Ludwig XII. 1504 dadurch, da√ü er die Nichte desselben, Germaine von Foix, heirathete u. N. den aus dieser Ehe entspringenden Kindern versprach. Von jetzt an waren N. u. Sicilien wieder vereinigt u. wurden ein Nebenland von Spanien.

Ferdinand setzte Vicek√∂nige in N. ein; diese waren: Graf von Ripacorsa, Don Raimund von Cardona (bis 1522), Don Carlos de Lanoja (bis 1524) u. Andr. Caraffa (st. 1527). Bisher hatte N. nur durch Geldopfer u. Truppen an dem Kriege zwischen Karl V. u. Franz I. Theil genommen, als aber in der Heiligen Ligue sich der Papst 1526 mit Frankreich verband, belehnte er den Prinzen von Vaudemont-Anjou mit N., u. franz√∂sische Truppen landeten daselbst, w√§hrend Lautrec mit 40,000 M. zu Lande vordrang u. das K√∂nigreich N. 1528 eroberte. Seuchen brachen indessen bei der Belagerung von N. durch die Franzosen aus, Lautrec selbst starb u. der Rest seines Heeres wurde von dem neuen Vicek√∂nig, Hugo von Moncada, in Aversa gefangen, worauf der Friede in Cambray den Krieg 1529 endete. Auf Moncada folgten als Vicek√∂nige Philibert von Chalons, Prinz von Oranien, der Cardinal Pompejo Colonna bis 1532, u. Peter von Toledo, dessen Regierung strenge Gerechtigkeitspflege, Beschr√§nkung des Adels, Befestigung der K√ľsten gegen die T√ľrken auszeichneten; ebenso machte er sich durch Anlegung einer neuen Citadelle, vermehrte Befestigungen u. Versch√∂nerungen der Stadt, Sorge f√ľr die Nahrungspolizei, Vertreibung der Juden aus dem K√∂nigreiche u. Einrichtung von Leihh√§usern um die Stadt N. verdient u. war daher allgemein beliebt. In Folge der vom Kaiser gebotenen Einf√ľhrung der Censur u. Inquisition 1547, entstand ein Aufruhr, wo die Spanier in die Festungen eingeschlossen wurden; 1553 st. Toledo bei der Belagerung der abgefallenen Stadt Siena. Cardinal Pacecco wurde nun Vicek√∂nig u. herrschte mild. 1554 trat Karl V. N. u. Sicilien seinem Sohne Philipp II. ab, um ihn bei seiner Verm√§hlung mit Maria, K√∂nigin von England, als K√∂nig auftreten zu lassen. Der harte Sinn dieses Monarchen stie√ü die Herzen des Volkes ab, u. seine Vicek√∂nige mu√üten in N. noch mehr als unter seinem Vater Geld erpressen. Der erste derselben, Herzog Alba von Toledo (1555‚Äď58), bekriegte den Papst Clemens VII., welcher N. wegen der Verweigerung des √ľblichen Tributs f√ľr ein er√∂ffnetes Kirchenlehn erkl√§rt hatte, aber durch die von den Franzosen verlorene Schlacht von St. Quentin mittelbar zum Frieden gen√∂thigt ward. Der Herzog von Alcala (1558‚Äď1571) handhabte stets die Gesetze u. schw√§chte das Ansehen des Adels dadurch, da√ü er die gro√üen Lehen nicht wieder zusammen besetzte, sondern an mehrere minder m√§chtige Edle vertheilte. Ihm folgten 1571 der Cardinal Granvella, unter welchem N. viel zur Ausr√ľstung der Flotte, welche den Seesieg von Lepanto √ľber die T√ľrken erfocht, beitrug; 1575 der allgemein verha√üte Marchese von Mondejar; 1579 Johann von Zuniga, 1583 der Herzog von Ossu√Īa, unter dessen schlechter Verwaltung ein Aufruhr wegen Getreidemangels entstand, der N. viel Blut u. Geld (4,400,000 Ducati Vers√∂hnungsgeschenk an den K√∂nig) kostete; 1586 der Graf Miranda, unter dem das R√§uberwesen auf eine furchtbare Weise √ľberhandnahm; 1595 der Graf Olivarez, absto√üend durch sein √Ąu√üeres, aber f√ľr das wahre Wohl des Landes th√§tig. Unter Letzterem starb Philipp II., u. sein Sohn Philipp III. succedirte ihm in Spanien u. N. Er rief sogleich Olivarez ab u. sendete 1598 den Grafen Lemos nach N. Dieser hatte mit einem Aufstand, an dessen Spitze der Dominicaner Campanella stand, zu k√§mpfen u. bekam von Florenz den angeblich falschen Sebastian ausgeliefert, welchen er nach Spanien schickte. Als er 1603 starb, wurde der Graf von Benevente Vicek√∂nig; dieser stie√ü durch seine Gerechtigkeitsliebe allenthalben so an, da√ü er, als √ľber eine Victualiensteuer ein Aufstand ausbrach u. er mit der Geistlichkeit √ľber das Asylrecht in Streit gerieth, 1610 durch den Grafen Ruiz de Lemos ersetzt wurde; dessen Nachfolger waren der Herzog Peter von Ossu√Īa (1616), Cardinal Zapatta, 1620, unter dem ein Aufstand wegen der Hungersnoth u. Verschlagen aller gangbaren M√ľnzen ausbrach; Herzog Alba 1622 unter dem neuen K√∂nig Philipp IV., unter welchem Hungersnoth u. Erdbeben w√ľtheten u. Geldlosigkeit den Staat dr√ľckte; 1629 Herzog Ferdinand von Alcala; 1631 Graf von Monteray; 1637 der Herzog von Medina; 1644 der Admiral Enriquez, welcher abberufen wurde, weil er zur Schonung des ungl√ľcklichen Landes rieth; 1646 der Herzog von Arcos. Unter diesem brach 1647 die Emp√∂rung des Masaniello (s.d.) in Folge der ungeheueren Bedr√ľckungen u. einer schlie√ülich noch hinzugef√ľgten Obststeuer aus, durch welche letztere bes. das niedere Volk sehr betroffen wurde. Masaniello, pers√∂nlich beleidigt durch die harte Behandlung seiner Frau, welche die Mauth umgangen hatte, ergriff am 7. Juli 1647 die Gelegenheit eines Aufruhrs an den Zollh√§usern wegen Erhebung der neuen Obststeuer, um eine Revolte zu machen. Er zerst√∂rte mit seinen Genossen die Zollgeb√§ude u. vertrieb die Zollbeamteten, u. obgleich der Vicek√∂nig sich zu Concessionen erbot, so fand doch der P√∂bel, welcher Herr in der Stadt war, keine M√§√üigung, sondern zerst√∂rte Pal√§ste u. √ľbte eine blutige Volksjustiz. Masaniello handhabte nun die Gewalt in der Stadt, u. erst, nachdem der Vicek√∂n ig am 13. Juli einen f√∂rmlichen Vertrag in der Karmeliterkirche mit[740] ihm abgeschlossen hatte, wonach die neu aufgelegten Abgaben beseitigt wurden, kehrte die Ruhe zur√ľck. Masaniello selbst, welcher darauf aus dem Demagogen ein Despot gegen seine eigenen Anh√§nger geworden war, wurde von diesen bereits am 16. Juli ermordet. Arcos hatte in Folge dieses Auftrittes seine Vicek√∂nigschaft in die H√§nde Juans von √Ėsterreich niedergelegt, doch ohne Wissen des Hofes, u. dieser setzte den Herzog von Ognatta an dessen Stelle. Der Graf von Castrillo (1653), unter welchem eine Pest N. verheerte, u. der Herzog von Guise, welcher den Versuch machte sich des Thrones von N. zu bem√§chtigen, der Graf von Peguaranda (1659), der Cardinal Pascal (1664), unter welchem 1665 Philipp IV. starb u. Karl II., dessen Sohn, die Regierung antrat, bekleideten nun die W√ľrde als Vicek√∂nige. Don Peter von Aragonien, Bruder des Cardinals, welcher trotz der Anspr√ľche, welche der Papst auf die Verwaltung N-s w√§hrend des K√∂nigs Minderj√§hrigkeit machte, Vicek√∂nig war u. durch Geiz u. Habsucht eine f√∂rmliche Rechtlosigkeit organisirte, der Marchese de Astorga (1671), welcher mit ungeheuerer Anstrengung u. Kosten gegen das emp√∂rte Messina stritt, der Marchese de los Velez (1675) u. der Marchese del Carpio (1693) folgten auf einander, u. erst Letzterem gelang es, den Unordnungen, welche von Neuem entstanden waren, zu steuern. Alle forderten aber viel Geld, indem die gro√üen Kriege Spaniens gegen Frankreich ungeheuere Anstrengungen erheischten u. sie selbst auch sich zu bereichern strebten. Nach Carpios Tode (1678) wurden der Graf von Stefano u. dann der Herzog von Medina-Celi (1695), Beide strenge u. gerechte M√§nner, Vicek√∂nige. Unter Letzterem starb Karl II. (1700), u. der Spanische Erbfolgekrieg brach auch mit um N. zwischen Frankreich u. √Ėsterreich aus. N. war gegen die Franzosen gestimmt, dennoch wurde es durch die Anstrengungen des franz√∂sisch gesinnten neuen Vicek√∂nigs, des Herzogs von Escalona, von Franzosen besetzt; Philipp V. kam aber selbst nach N., um das Volk durch seine Gegenwart zu gewinnen, u. wirklich gelang es ihm, N. zu behaupten, bis 1706 die Generalcapitulation von Italien, welche in Folge von Eugens Siegen in Turin geschlossen wurde, die Franzosen verpflichtete, N. zu r√§umen; zugleich versprachen dieselben kein neues Heer zu senden. Der Graf Daun r√ľckte nun mit 14,000 Mann √Ėsterreichern den 7. Juni 1708 in N. ein u. der spanische Vicek√∂nig Escalona warf sich nach Gaeta, wurde aber dort belagert u. mu√üte sich ergeben.

Der Erzherzog Karl, zweiter Sohn des Kaisers Leopold, wurde nun in N. als Karl III. zum K√∂nig proclamirt, u. das Haus Habsburg bestieg mit ihm den neapolitanischen Thron. Cardinal Grimani wurde Vicek√∂nig. Mit Jubel hatten die Neapolitaner die Deutschen empfangen, bald waren sie jedoch ihrer, wie der Spanier u. Franzosen, √ľberdr√ľssig; allein dennoch regten sie sich nicht, u. im Frieden zu Utrecht 1713 wurde N., wie Mailand, Belgien u. Sardinien, an den unterdessen als Karl VI. Kaiser gewordenen Karl III. abgetreten, w√§hrend Philipp V. Spanien u. dessen Colonien behielt. Sicilien sollte das Haus Savoyen, welches ebenfalls als Mitbewerber um die Erbschaft aufgetreten war, bekommen. 1715 verm√§hlte sich Philipp V. mit der. Prinzessin Elisabeth Farnese von Parma. Diese gebar ihm bald einen Sohn, Karl, u. f√ľr diesen strebte sie mit allen Kr√§ften, ein Reich zu erobern. Die Spanier griffen daher schon 1717, unter dem Vorwand, da√ü Bedingungen des Utrechter Friedens nicht erf√ľllt (u.a. da√ü Majorca u. Catalonien noch nicht ger√§umt) w√§ren, den Kaiser an u. nahmen Majorca, Sardinien u. einen Theil von Sicilien; jedoch wurde 1718, durch die Bem√ľhungen Englands, eine Quadrupelallianz geschlossen, welche 1719 den Frieden vermittelte u. Spanien durch eine englische Flotte zur Annahme derselben zwang. √Ėsterreich entsagte in diesem neuen Frieden allen Rechten auf die spanische Succession u. erhielt von Savoyen Sicilien abgetreten, wogegen Savoyen Sardinien bekam u. ein spanischer Prinz Parma, Piacenza u. Toscana, im Fall des Aussterbens dieser H√§user, unabh√§ngig besitzen sollte. Erst 1720 r√§umten die Spanier Sicilien g√§nzlich. Elisabeth benutzte den 1733 wegen der Polnischen Succession zwischen √Ėsterreich einer- u. Frankreich, Savoyen u. Spanien andrerseits ausgesprochenen Krieg, um ihren Sohn Karl m√ľndig erkl√§ren u. 1734 mit einem, von dem Marquis von Montemar gef√ľhrten Heere zu den Kaiserlichen sto√üen zu lassen. Die Kaiserlichen aber wurden in den Linien von S. Angelo, u. 1734 bei Bitonto besiegt, u. nun zog Don Carlos, Sohn des K√∂nigs Philipp V. von Spanien, siegreich in N. ein, eroberte auch Sicilien, bis auf Messina u. Syracus, wurde in dem Vertrag vom 16. Novbr. 1735 als K√∂nig von N. u. Sicilien anerkannt u. als Karl III. (denn der Habsburger Karl III. wurde in der Regentenreihe nicht mitgez√§hlt) in Palermo gekr√∂nt. So kam das Haus Bourbon wieder aus den Thron von N. Noch in demselben Jahre trat Kaiser Karl VI. vorl√§ufig am 21. April 1739, definitiv aber in dem Wiener Frieden, die Kronen von N. u. Sicilien f√∂rmlich an Karl ab, erhielt aber Mailand, Parma u. Piacenza u. f√ľr seinen Schwiegersohn, Franz von Lothringen, die Anwartschaft auf Toscana, wenn das Haus Medici aussterben sollte, daf√ľr; zugleich garantirten N. u. die anderen Frieden schlie√üenden Staaten Karl VI. die Pragmatische Sanction.

Karl III., nun allgemein als K√∂nig von N. anerkannt, r√ľsteteungeachtet dieser Vertr√§ge, um beim Ausbruch des √Ėsterreichischen Erbfolgekrieges 1742 den Gegnern Maria Theresias beizutreten, u. nur die Drohung des englischen Admirals Martin, N. zu bombardiren, n√∂thigte ihn zur Neutralit√§t. Als aber 1744 das Gl√ľck die franz√∂sischen Waffen in Italien beg√ľnstigte, brach Karl III. die versprochene Neutralit√§t, zog an der Spitze der Spanier in. Italien ins Feld u. siegte bei Velletri √ľber die √Ėsterreicher unter Lobkowitz. Der Friede in Aachen 1748 endigte diesen Krieg. W√§hrend der Abwesenheit des K√∂nigs hatte die hohe Geistlichkeit die Inquisition eingef√ľhrt, doch schaffte der K√∂nig dieses dem Volke verha√üte Institut sogleich nach seiner R√ľckkehr wieder ab. Am 10. Aug. 1759 starb Ferdinand II., K√∂nig von Spanien, u. Karl III., sein Bruder, erbte den spanischen Thron, trat aber N. u. Sicilien nicht, wie es ein fr√ľherer Vertrag bestimmte, seinem j√ľngeren Bruder Philipp, Herzog von Parma, sondern seinem dritten Sohne, Ferdinand IV. (od. III. in Sicilien) ab, schlo√ü aber mit √Ėsterreich den Vertrag vom 3. Oct. 1759, da√ü die Kronen von N. u. Spanien nie auf demselben Haupte vereinigt werden sollten. So waren N. u. Sicilien wieder ein selb st√§ndiges Reich. Da Ferdinand IV.[741] erst 8 Jahre alt war, so f√ľhrte eine Regentschaft unter dem Marquis von Tanucci, die Regierung. Ferdinands Erziehung war sehr vernachl√§ssigt, u. Jagd, Fischfang u. Bankettiren waren nachher seine Lieblingsbesch√§ftigungen, die Regierung √ľberlie√ü er seiner Gemahlin Karoline von √Ėsterreich, welche 1788 dem Papst den Lehnsverband aufk√ľndigte, √ľbrigens den Adel an den Hof zog, da√ü er durch Vergeudung seiner G√ľter alle Bedeutung verl√∂re, das Volk in Unwissenheit hielt u. den guten Minister Tanucci durch den ber√ľchtigten Acton ersetzte. Durch diesen bestimmt, wollte sich der K√∂nig bei Ausbruch der Franz√∂sischen Revolution von Abscheu vor derselben erf√ľllt, an England u. √Ėsterreich anschlie√üen; nun √§nderte zwar das Erscheinen einer franz√∂sischen Flotte vor N. 1792 augenblicklich seinen Entschlu√ü, jedoch in Folge der Hinrichtung der K√∂nigin Marie Antoinette, seiner Schw√§gerin, erkl√§rte er 1793 den Krieg an Frankreich, trat aber bei Bonapartes Siegen in Oberitalien aus der. Coalition u. schlo√ü den 10. October 1796 gegen 8,000,000 Fr. zu zahlende Contribution den Separatfrieden in Paris. Nun wurde unter den Auspicien der K√∂nigin u. Actons, denen sich Nelson anschlo√ü, ein schweres Gericht √ľber alle gehalten, welche einer Hinneigung zu den liberalen franz√∂sischen Ideen bez√ľchtigt waren. Als die Franzosen 1798 Rom republikanisirt u. in der Schlacht von Abukir ihre Flotte verloren hatten, sendete der K√∂nig von N., nachdem er ein B√ľndni√ü mit √Ėsterreich geschlossen hatte, ein 12,000 Mann starkes Heer unter Mack in den Kirchenstaat, um den Papst zu restituiren. Die Franzosen wichen zur√ľck, u. die Neapolitaner zogen Ende Novbr. in Rom ein u. besetzten es zugleich mit den Engl√§ndern, ebenso Civita vecchia u. Livorno. Darauf von Frankreich mit Krieg √ľberzogen u. von √Ėsterreich nicht ausreichend unterst√ľtzt, machte N. B√ľndnisse mit England u. Ru√üland. Nun r√ľckte Championnet mit einer republikanischen Armee an, schlug im Dec. 1798 die Neapolitaner √ľberall u. besetzte Rom u. N. Mack mu√üte sich, um dem w√ľthenden P√∂bel zu entgehen, zu der franz√∂sischen Armee retten, der K√∂nig aber nach Sicilien entfliehen, nachdem er den F√ľrst Pignatelli von Strongoli als Vicek√∂nig zur√ľckgelassen hatte. Die Lazzaroni bewaffneten sich zu Tausenden f√ľr das K√∂nigthum u. leisteten bis zum 23. Jan. unter Rocca Romana blutigen Widerstand, wo es Championnet, welcher bereits 20. Jan. in N. einger√ľckt war, durch List gelang, sie zu bew√§ltigen.

Darauf wurde von den Franzosen das K√∂nigreich N. zur Parthenop√§ischen Republik erkl√§rt, eine provisorische Republik von 25 Neapolitanern, notorischen Feinden des K√∂nigthums, eingesetzt u. der neuen Republik die Annahme des franz√∂sischen Papiergeldes aufgen√∂thigt. In dem Lande umher zogen nun wetteifernd in Pl√ľnderung u. Unthaten die Franzosen u. der P√∂bel, welcher dem. K√∂nig angehangen hatte, unter Fra Diavolo u. Cardinal Ruffo. In Norditalien wendete sich der Krieg indessen zum Nachtheil der Franzosen. Das Vordringen u. die Siege der Russen u. √Ėsterreicher daselbst n√∂thigten Macdonald, welcher nach Championnets Abberufung in N. befehligte, Unteritalien zu verlassen u. seine dortigen Anh√§nger im Stiche zu lassen. Sogleich r√ľckte der Cardinal Ruffo aus Calabrien gegen die Republik vor; sein Heer wuchs bald bis zu 100,000 Mann an u. dr√ľckte allenthalben die Republikaner zur√ľck, endlich wurde Manthone, Kriegsminister u. Anf√ľhrer der Republikaner, vor N. geschlagen u. die Franzosen verlie√üen 7. Mai die Stadt. W√§hrend nun Russen u. T√ľrken unter dem Chevalier Micheroux u. Admiral Food auf mehren Punkten des K√∂nigreichs landeten, auch eine englische Flotte die Stadt selbst zur See blockirte, griff Ruffo N. zu Lande an, zog, von den Royalisten in der Stadt u. den Lazzaroni unterst√ľtzt, den 14. Juni 1799 unter Mord u. Pl√ľnderung in N. ein u. vernichtete den 15. Juni die Reste der republikanischen Besatzung bei Portici. Nun capitulirten auch die von den Parthenop√§ern besetzten Castelle am 23. Juni, u. so wurde die Republik wieder gest√ľrzt, den Republikanern aber verm√∂ge eines Vertrages die Wahl gelassen, nach Marseille √ľbergesetzt zu werden, od. in N. ohne St√∂rung zu leben. Schon waren zwei Schiffe mit einem Theil derselben nach Marseille abgegangen, als ein von Sicilien abgeschickter k√∂niglicher Befehl diese Capitulation annullirte; die noch nicht nach Frankreich abgereisten Patrioten wurden gefangen gesetzt u. einige nach wenigen Tagen geh√§ngt, die anderen eingekerkert u. die Stadt N. am 30. Juni, nach der R√ľckkehr des K√∂nigs, ihrer Rechte f√ľr verlustig erkl√§rt. Die Lazzaroni beraubten u. mordeten nun ungestraft jeden, den sie des Republikanismus verd√§chtig hielten; mehre Patrioten wurden lebendig gebraten u. ihr Fleisch von den Cannibalen verzehrt, andere mit den gr√∂√üten Martern zu Tode gequ√§lt. Die errichtete Staatsjunta verurtheilte hierauf die gefangenen Parthenop√§er, der greise Admiral Caraccioli, welcher sich aus Schw√§che ihnen angeschlossen hatte, die F√ľrsten Strongoli u. Julian Colonna, der ganze Generalstab der Nationalgarde u. der Linientruppen, so wie fast das ganze gesetzgebende Corps u. das Directorium wurden hingerichtet. Man sagt, da√ü diese Greuelthaten bes. auf Antrieb der durch Privatfeindschaften erbitterten Lady Hamilton, der Maitresse Nelsons, gestattet worden w√§ren. Selbst Ruffo fiel in Ungnade wegen seiner milden Capitukation u. wurde durch den Prinzen von Cassaro, einen Sicilianer, ersetzt. Das Castell S. Elmo in N., das einzige, welches noch nicht capitulirt hatte, ergab sich unter General Majean; Gaeta u. andere Pl√§tze, welche in den H√§nden der Franzosen waren, capitulirten ebenfalls, allein nur die Franzosen u. Cisalpiner erhielten freien Abzug, die Neapolitaner hingegen wurden hingerichtet. Bis zur Schlacht von Marengo (14. Juni 1800) blieb nun N. im Kriegsstand mit Frankreich; durch diese Schlacht aber geschreckt schlo√ü Ferdinand IV. Waffenstillstand u. am 28. M√§rz 1801 in Florenz einen Separatfrieden mit Frankreich, worin er die Insel Elba, das F√ľrstenthum Piombino u. die Stati degli Presidj abtrat u. die H√§fen den Briten zu schlie√üen versprach. Der Parthenop√§ischen Republik wurde in diesem Frieden nicht gedacht, der erste Consul verlangte nur gr√∂√üere Schonung der Patrioten, welche schon eingetreten war, seitdem der Herzog von Ascoli in N. commandirte u. der Finanzminister Ritter von Medici den fr√ľheren Minister Acton aus der Gunst der K√∂nigin verdr√§ngt hatte. Der K√∂nig, welcher nur einen kurzen Aufenthalt in N. gemacht hatte u. dann nach Palermo gegangen war, kehrte erst 1802 wieder dahin zur√ľck, als die Franzosen, welche nach einem geheimen Artikel des Florentiner Friedens die n√∂rdlichen Provinzen N-s w√§hrend des Krieges zwischen England u. Frankreich besetzt halten sollten,[742] dieselben g√§nzlich ger√§umt hatten. Doch kaum war der Krieg zwischen England u. Frankreich 1803 wieder ausgebrochen, als die Franzosen unter Murat Apulien u. die Abruzzen wieder besetzten. Vergebens waren die Protestationen N-s gegen diese Occupation, u. erst nachdem der K√∂nig versprochen hatte, neutral zu bleiben (Sept. 1805) u. Acton u. alle Anh√§nger desselben zu entfernen, verlie√ü die franz√∂sische Armee unter Gouvion St. Cyr das neapolitanische Gebiet. Nichts destoweniger setzte Ferdinand IV. die R√ľstungen fort u. nahm am 20. Novbr. 1805 ein englisch-russisches H√ľlfsheer von 13,000 M. in N. auf. Da erkl√§rte Napoleon von Sch√∂nbrunn aus, da√ü das Haus N. aufgeh√∂rt habe zu regieren, u. eine franz√∂sische Armee unter Joseph Napoleon u. Massena eilte nach Abschlie√üung des Presburger Friedens nach Unteritalien u. √ľberschritt Ende Januar 1806 die neapolitanische Grenze; der K√∂nig u. seine Familie fl√ľchtete am 23. Januar nach Sicilien, die fremden Truppen schifften sich wieder ein u. am 14. Febr. 1806 zogen die Franzosen in N. ein.

Napoleon ertheilte nun am 31. M√§rz seinem Bruder Joseph Bonaparte den Thron von N. Die franz√∂sischen Truppen unter Reynier vertrieben die letzten Neapolitaner unter Damas von dem Continent; Gaeta war der letzte bedeutende Punkt, der sich hielt u. erst am 18. Juli 1806 nach langer heldenm√ľthiger Vertheidigung unter dem Prinzen von Hessen-Philippsthal sich ergab. Die Organisation des Landes ganz auf franz√∂sische Weise hatte unterdessen begonnen, die innere Ruhe war durch Energie u. milit√§rische Strenge, au√üer in Calabrien, hergestellt worden. Durch Milde strebte K√∂nig Joseph das Volk zu gewinnen; er minderte die hohen Abgaben einigerma√üen, hob die Jesuiten, welche Ferdinand IV. 1805 wieder eingef√ľhrt hatte, nochmals auf u. verwendete deren G√ľter zur Sicherstellung einer Anleihe von 1,700,000 Ducati, s√§cularisirte viele G√ľter geistlicher Orden u. Kl√∂ster, errichtete eine Bank, er√∂ffnete ein gro√ües Buch der √∂ffentlichen Schuld, verkaufte viele Dom√§nen, verbesserte die Gerechtigkeitspflege, f√ľhrte eine Gendarmerie u. Nationalgarde ein, welche die Banditen u. Lazzaroni im Zaume halten sollten, verbesserte die Landescultur u. theilte das Land in 13 Departements. Alle diese Vortheile wurden jedoch durch die Conscription u. eine strenge Censur, durch eine kostspielige, 50,000 Mann starke franz√∂sische Armee u. das durch die Blockirung s√§mmtlicher H√§fen durch die Briten bewirkte Darniederliegen des Handels √ľberwogen. Die Landungen der Engl√§nder u. Sicilianer, bes. die des Prinzen von Hessen-Philippsthal im Jahre 1807 in Reggio mit 6000 Mann, wurden immer bedeutender, doch ward Letzter bei Mileto geschlagen. Als Gegensatz machten die Franzosen Miene, in Sicilien zu landen, u. nur das Kreuzen einer britischen Flotte vor Sicilien sch√ľtzte dieses. Joseph wurde durch Decret vom 15. Juli 1808 durch Napoleon abberufen, um den spanischen Thron zu besteigen, u. Joachim Murat, Napoleons Schwager, ersetzte ihn durch Decret vom 1. August. Noch bevor Joseph das Land verlie√ü, gab er demselben am 20. Juni eine Constitution, deren wesentlichste Punkte die Errichtung eines aus f√ľnf Klassen bestehenden Parlaments, welches wenigstens alledrei Jahre berufen werden sollte, waren, w√§hrend die andern Artikel die Successionsfolge, Gesetzgebung, innere Organisation etc. betrafen. Durch Krankheit abgehalten, setzte Joachim Anfangs den Marschall Perignon zu seinem Lieutenant ein, hielt am 6. September seinen Einzug in N. u. bezeichnete seine Ankunft durch die Begnadigung mehrer Hundert Verurtheilter. Er imponirte den Neapolitanern Anfangs durch den Glanz, welcher seine Person umgab, u. durch pr√§chtige Feste u. lie√ü, um sich noch mehr in Ansehen zu setzen, gleich bei seiner Ankunft den Engl√§ndern die im Angesicht der Stadt N. gelegene Insel Capri durch den General Lamarque wegnehmen, wobei zwei britische Regimenter unter Sir Hudson Lowe kriegsgefangen wurden, hob die Frohnen u. andere Beschr√§nkungen des Ackerbaues auf u. suchte die Staatsschuld durch Ver√§u√üerung der Klosterg√ľter zu tilgen. Allein die consequente Fortf√ľhrung der Conscription u. die Anordnung von Grundsteuern von 7,000,000 Ducati, hob die Zuneigung des Volkes zu ihm wieder auf. Der Plan, Sicilien 1810 zu nehmen, mi√ülang durch die Schw√§che der neapolitanischen Seemacht, dagegen unternahmen die Engl√§nder von da aus gl√ľcklichere Landungen u. Neckereien, bombardirten selbst Reggio u. versuchten Gaeta zu √ľberrumpeln. Um diese Zeit entstanden Mi√üverh√§ltnisse zwischen Murat u. seinem Schwager, dem Kaiser Napoleon, u. erzeugten in Ersterem Mi√ütrauen gegen seine eigenen Umgebungen. Der Feldzug von Ru√üland 1812, zu welchem er berufen wurde u. wozu er 10,000 Mann stellte, rief ihn von N. abu. er setzte w√§hrend seiner Abwesenheit seine Gemahlin Karoline, Schwester Napoleons, als Regentin ein. Nach dem ungl√ľcklichen Ausgang des Feldzugs f√ľr die Franzosen kehrte Murat nach N. zur√ľck u. unterhandelte schon damals mit Napoleons Feinden. Doch Napoleons neue Siege bei L√ľtzen u. Bautzen lie√üen Murat wieder einlenken, u. er √ľbernahm f√ľr Frankreich wieder ein Commando. Nach der Schlacht von Leipzig verlie√ü er das Heer nochmals u. kehrte nach N. zur√ľck. Dort sann er ernstlicher auf Abfall von Napoleon u. schlo√ü mit √Ėsterreich den 11. Jan. 1814 einen Allianztractat, worin er versprach, 30,000 Mann f√ľr die Sache der Alliirten zu stellen, wogegen ihm √Ėsterreich nicht nur seine Staaten garantirte, sondern auch noch eine Vergr√∂√üerung derselben durch die Marken verhie√ü. Nachdem er 15. Februar an Napoleon den Krieg erkl√§rt hatte, drang er nach Oberitalien vor, benahm sich aber dort, von Napoleons Drohungen u. augenblicklichen Erfolgen in der Champagne u. von einem, von den Carbonari zur Herstellung einer Verfassung in den Abruzzen gemachten Aufstand erschreckt, so unentschlossen u. neigte sich wieder so sichtbar auf die Seite der Franzosen, da√ü er den √Ėsterreichern nur wenig n√ľtzte. Nur nach Napoleons Abdankung trat er entschieden f√ľr sie auf. Bei dem Congre√ü in Wien kam Murats zweideutiges Benehmen zur Sprache; er hatte dort vorz√ľglich s√§mmtliche bourbonische H√∂fe zu Gegnern, u. es war ungewi√ü, ob die ihm verhei√üene Garantie seiner L√§nder gehalten werden w√ľrde. Nachdem er daher, um die √∂ffentliche Meinung zu gewinnen, die Conscription u. die Z√∂lle abgeschafft u. mehre Reformen eingef√ľhrt, England u. auch √Ėsterreich seine Treue versprochen hatte, r√ľckte er mit 40,000 Mann in den Kirchenstaat ein, proclamirte die Unabh√§ngigkeit u. Einheit Italiens u. begann, am 30. M√§rz selbst die Feindseligkeiten gegen √Ėsterreich. Zu sp√§t erfuhr er, da√ü der Wiener Congre√ü, durch Napoleons Landung besorgt gemacht, ihn anerkannt[743] habe. Es war aber jetzt zu sp√§t, um wieder einzulenken, u. er drang daher nun bis an den Po vor, wurde aber in mehren Gefechten, namentlich bei dem Sturm auf den Br√ľckenkopf von Ochio-Bello, zur√ľckgeworfen, mu√üte sich, von den √Ėsterreichern auf der linken Flanke umgangen, zur√ľckziehen u. suchte nun vergebens einen Waffenstillstand durch Unterhandlungen zu erlangen. An das Adriatische Meer gedr√§ngt, wagte er gegen den √∂sterreichischen General Bianchi am 3. Mai die Schlacht bei Tolentino, wurde aber geschlagen u. sein ganzes Heer zerstreut. Vergebens versuchte er sich in Capua zu halten u. durch den Herzog von Gallo Unterhandlungen anzukn√ľpfen. Den 19. Mai kam er nach N., da sich aber hier ein Aufstand gegen ihn u. f√ľr Ferdinand IV. erhob, so schiffte er sich schon am 20. nach Ischia ein u. segelte von hier aus nach Frankreich. Eine Capitulation wurde nun von Carrascosa den 20. Mai zu Casa Lanza geschlossen, worin sich die ganze noch √ľbrige neapolitanische Armee, die Hauptstadt u. alle Festungen den √Ėsterreichern ergaben, die Bourbons aber restaurirt wurden. Am 23. Mai besetzte der √∂sterreichische General, Graf Nugent, N., u. die K√∂nigin Karoline, welche als Regentin in N. zur√ľckgeblieben war, schiffte sich zu Folge der Capitulation mit dem britischen Commodore Campbell auf englischen Schiffen nach Triest ein.

K√∂nig Ferdinand, u. mit ihm die bourbonische Dynastie, kehrte den 14. Juni nach N. zur√ľck; Erster betrachtete diese R√ľckkehr als die Gr√ľndung einer neuen Dynastie u. befahl, da√ü von ihm als Ferdinand I., an, die K√∂nige in besonderer Reihenfolge gez√§hlt u. den Titel: K√∂nig beider Sicilien fortf√ľhren sollten. Um sich auf seinem Throne sicher zu erhalten, nahm er 14,000 √Ėsterreicher in Sold, strebte aber, um sie entbehren zu k√∂nnen, nach einer neuen Organisation der neapolitanischen Armee. Milder als fr√ľher, verk√ľndete Ferdinand I. Vergeben u. Vergessen, lie√ü fast alle Angestellte in ihren Posten u. behielt auch die alten Einrichtungen gr√∂√ütentheils bei. Mit Jubel wurde er daher aufgenommen. Bald aber bemerkte das Volk, da√ü man gerade das Verha√üteste, die Abgaben u. mancherlei unbehagliche Einrichtungen der Franzosen, beibehielt, u. dagegen andere Dinge, deren √Ąnderungen durch die Franzosen dem Volke willkommen gewesen waren, auf den alten Stand zur√ľckf√ľhrte. Als daher nach wenigen Monaten Viele die Franzosen zur√ľckw√ľnschten, unternahm Murat eine Expedition gegen N., stieg am 8. Oct. mit 30 M. zu Pizzo in Calabrien ans Land, wurde aber an der K√ľste von Soldaten u. Einwohnern ergriffen u. kriegsrechtlich am 15. Octbr. in Pizzo erschossen. Die neapolitanische Regierung begriff wohl, da√ü der Zustand N-s, wie er jetzt war, nicht fortbestehen k√∂nne; sie arbeitete daher ernstlich an Reformen, der Minister Tomma mit Medici bereitete, laut des organischen Gesetzes vom 12. Dec. 1816, neue Einrichtungen vor, f√ľhrte u.a. Provinzial- u. Municipalr√§the ein, konnte aber an eine repr√§sentative Verfassung nicht denken, da ein 1815 mit √Ėsterreich geschlossener geheimer Vertrag N. ausdr√ľcklich verpflichtete, eine solche, ohne √Ėsterreichs Zustimmung, nicht einzuf√ľhren. Au√üerdem mehrte die von Medici eingef√ľhrte Erh√∂hung der Grundsteuer (welche 35 Procent des reinen Ertrags betrug) u. die durch das Concordat bedingte Wiedererrichtung von 42 Kl√∂stern die Unzufriedenheit. Auch die Verschmelzung der neapolitanischen Armee mit der dem K√∂nig nach Sicilien gefolgten, gab, da letztere belohnt, erstere nur geduldet wurde, Anla√ü zu vielen Klagen. Dazu war die Conscription abgeschafft u. die Erg√§nzung eines Heeres von 60,000 Mann daher sehr schwierig. 1817 √§nderte Graf Nugent, Oberbefehlshaber des neapolitanischen Heeres u. Kriegsminister, die bisherige franz√∂sische Organisation in √∂sterreichische Formen um u. beleidigte hierdurch die Offiziere. Die Unzufriedenen fl√ľchteten sich in die geheime Gesellschaft der Carbonari, welche schon zu Murats Zeiten bestand. Bald z√§hlte diese Gesellschaft √ľber eine halbe Million Mitglieder, u. der Widerstand der Polizei, welche ihnen die Calderari (Kesselmacher) unter dem Protectorat des Prinzen von Canosa entgegensetzte, verst√§rkte sie. Durch das Gelingen der Spanischen Revolution gewann sie noch mehr Muth, u. von ihr aus gingen die Bewegungen, durch welche die Neapolitanische Revolution ihren Anfang nahm. Am 2. Juli 1820 r√ľckte der Lieutenant Morelli mit seiner Schwadron u. dem Priester Minichini, an der Spitze von 20 Nationalgarden, von Nola aus √ľber Monteforte nach Avellino u. verk√ľndete dort die Constitution. Hier vereinigten sich die Verschworenen mit Lorenzo de Conciliis, Chef des Generalstabs der dritten Milit√§rdivision, welcher ihnen Truppen u. Milizen zuf√ľhrte. Mehre St√§dte, so Salerno, erkl√§rten sich f√ľr die Emp√∂rer, auch ein Corps unter General Carrascosa weigerte sich, gegen dieselben zu fechten. Am 5. Juli f√ľhrte General Wilhelm Pepe von N. aus ein Dragonerregiment zu den Insurgenten, u. am 6. sandte das Regiment, welches das k√∂nigliche Schlo√ü bewachte, sowie die B√ľrgergarde in N. Abgeordnete an den K√∂nig, welche denselben aufforderten, dem Volksw√ľnsche nach einer Constitution nachzugeben. Der K√∂nig erlie√ü auch eine Proclamation, worin er versprach, binnen acht Tagen die Grundlagen einer Verfassung zu geben, allein die Aufst√§ndischen waren mit dieser Erkl√§rung nicht zufrieden u. forderten binnen 24 Stunden die Annahme der Constitution der spanischen Cortes von 1812. Ferdinand I. setzte nun den Kronprinzen Franz als alter ego (Mitregenten) mit unumschr√§nkter Entscheidungsvollmacht ein; dieser nahm die spanische Constitution an, u. am 7. Juli best√§tigte der K√∂nig diesen Ausspruch. Eine provisorische Junta wurde ernannt, zu welcher der Generallieutenant Florestan Pepe u. David Winspeare geh√∂rten. Am 9. wurde ein neues Ministerium ernannt, in welchem Graf Zurlo das Innere u. General Carrascosa das Departement des Kriegs erhielten; Wilh. Pepe wurde Oberbefehlshaber der Insurgentenarmee, u. am 13. Juli beschworen der K√∂nig, der Kronprinz u. der Prinz Leopold, Herzog von Salerno, die Constitution u. nahmen den Mitgliedern der Junta den Eid ab. Die Censur ward nun in N. aufgehoben, das Parlament auf den 1. Octbr. berufen u. dem Heere die alte Verfassung, wie unter Murat, gegeben. Die in dem Neapolitanischen enclavirten p√§pstlichen Districte Benevent u. Ponte Corvo hatten ebenfalls die Constitution am 4. angenommen u. verlangten vom Prinzen von Calabrien v√∂llige Aufnahme in den Neapolitanischen Staatsverein, als ihnen aber diese Bitte abgeschlagen wurde, indem dies N. in Collision mit dem Papst gebracht haben w√ľrde, verwandelten sie sich in einen Freistaat. Als die Nachricht von diesen Ereignissen nach Sicilien kam,[744] brach am 16. u. 17. Juli auch ein Aufstand in Palermo aus; der Franciscaner Joachim de Voglica stellte sich an die Spitze, die neapolitanischen Truppen wurden geschlagen u. 6000 Neapolitaner gefangen u. viele gemordet; zugleich forderte eine Junta in Palermo ein eigenes Parlament. Darauf wurde von N. aus der F√ľrst la Scatella zum Statthalter ernannt, Flor. Pepe landete am 2. Sept. mit einem Corps auf Sicilien, schlug die Palermitaner mehrmals u. nahm am 5. Octbr. Palermo durch die Vermittelung des von den Insurgenten zum Befehlshaber ernannten F√ľrsten von Paterno durch Capitulation, der zu Folge die Frage wegen des sicilianischen Parlaments durch Stimmenmehrheit der Sicilianer entschieden werden sollte. Das neapolitanische Parlament verwarf jedoch diese Capitulation, rief Pepe ab u. sendete den General Coletta mit 5000 Calabresen nach Palermo, welcher die Einwohner entwaffnete u. ihnen eine Contribution von 300,000 Thalern auflegte.

Das neapolitanische Parlament war n√§mlich am 1. Octbr. vom K√∂nig er√∂ffnet worden. Es bestand unter Galdis Vorsitz aus 97 Abgeordneten (74 von N., 23 von Sicilien) u. 32 Ersatzm√§nnern. Bald zeigten sich aber in ihm politische Spaltungen, bes. von den Carbonari u. Calderari veranla√üt. Vergebens riethen einzelne Deputirten, die franz√∂sische od. eine der deutschen Constitutionen anzunehmen, man beharrte bei der spanischen. Zu der alten Finanzverlegenheit zeigte sich dazu ein neues Deficit von 700,000 Ducati, u. dennoch setzte das Parlament, um sich beliebt zu machen, die Grundsteuer um 1/6 herab. Der Congre√ü in Troppau zwischen √Ėsterreich, Rn√üland u. Preu√üen erkl√§rte Ende October, da√ü eine bewaffnete Einmischung anderer Staaten in die inneren Angelegenheiten eines andern europ√§ischen Landes, um den Besitzstand der legitimen Monarchie u. das monarchische Princip aufrecht zu erhalten, erlaubt sei; zugleich wurde der K√∂nig von N. zum Congre√ü in Laibach, der Fortsetzung jenes zu Troppau, eingeladen. Dies, die R√ľstung eines √∂sterreichischen Heeres in Oberitalien u. die Erscheinung eines englischen u. franz√∂sischen Geschwaders vor N., um die k√∂nigliche Familie im Fall der Noth wegzuf√ľhren, erzeugte eine gro√üe Aufregung in N. Eine k√∂nigliche Botschaft, den Rath Frankreichs zur Annahme des Zweikammersystems u. mehrer, den k√∂niglichen Pr√§rogativen g√ľnstigerer Ab√§nderungen in der Tonstitution betreffend, wurde verworfen, die am 7. Decbr. gemachte Anzeige, da√ü der K√∂nig der Einladung zum Congresse nach Laibach folgen werde u. in seiner Abwesenheit keine √Ąnderung in der Constitution gemacht sehen wolle, steigerte noch die √ľble Stimmung. Vor der Abreise √§nderte der K√∂nig auch das Ministerium u. nachdem er den Kronprinzen zum Regenten des Reichs ernannt hatte, schiffte er sich am 13. Dec. ein u. ging nach Laibach, wo er am 8. Jan. 1821 ankam. Dort fa√üte der Congre√ü am 5. Febr. den Entschlu√ü, Nichts von dem anzuerkennen, was seit dem 5. Juli 1820 in N. geschehen w√§re. √Ėsterreich drang auf Erf√ľllung des geheimen Vertrags, welcher N. an der Einf√ľhrung des repr√§sentativen Systems hinderte; der constitutionelle Minister, Herzog von S. Gallo, wurde bei den Unterhandlungen nicht zugelassen u. ihm am 30. Jan. er√∂ffnet, da√ü in N. die k√∂nigliche Gewalt wieder herzustellen sei, wie sie vor dem 5. Juli 1820 gewesen w√§re, u. da√ü, um dies zu k√∂nnen, dem K√∂nig ein √∂sterreichisches Heer √ľberlassen werden solle. In N. hatte unterdessen der Regent den 18. den constitutionellen Eid geleistet; das Parlament hatte die Majorate u. das Feudalwesen in Sicilien anfgehoben u. die Hazardspiele verboten, in andern Sachen aber zeigte es sich excentrisch u. parteiisch. Ende Januar gab der Regent dem Constitutionsentwurf seine Zustimmung, worauf am 30. Jan. das Verfassungsgesetz f√∂rmlich bekannt gemacht wurde. Am 31. wurde das Parlament geschlossen. Als bald darauf der Beschlu√ü des Laibacher Congresses vom 5. Febr. in N. bekannt gemacht u. dem permanenten Ausschu√ü officiell mitgetheilt wurde, erkl√§rte der Regent, da√ü er sich von der Sache der Nation nicht trennen werde. Am 13. Febr. wurde das wieder zusammenberufene Parlament er√∂ffnet u. ihm die Congre√übeschl√ľsse mitgetheilt; das Parlament erkl√§rte, da√ü es den Beschl√ľssen des Congresses nicht unterworfen sei, den Willen des K√∂nigs nicht als frei betrachte u. jenen daher auch nicht nachkommen werde. Zugleich wurde beschlossen, das Parlament im Nothfall nach Salerno zu verlegen, u. alle Anstalten zur Gegenwehr gegen die √∂sterreichische Executionsarmee wurden nun getroffen.

Die neapolitanische Armee belief sich auf 32,000 M. Linientruppen, 219,000 mobile, 400,000 stehende Nationalgarden u. 10,000 Gensd'armen u. K√ľstenw√§chter. Der Geist dieser Armee war jedoch schlecht, die Nationalgarden fast nicht zu gebrauchen. Bereits fr√ľher waren die Linientruppen u. 50‚Äď60,000 Nationalgarden in drei Armeecorps, unter General Ambrasso auf der Stra√üe von Neri, unter General Carrascosa bei dem Passo von S. Germano u. unter General Wilhelm Pepe in den Abruzzen aufgestellt worden; eine Flotte sollte die Zufuhr der √Ėsterreicher zur See erschweren. Die √Ėsterreicherunter Frimont gingen indessen √ľber den Po u. r√ľckten, sich bei Bologna in zwei Colonnen theilend (die rechte unter Stutterheim durch Toscana u. den Kirchenstaat, die linke unter Wallmoden durch die Legationen u. die Marken), gegen N. vor; eine kleine √∂sterreichische Flotille sollte von Ancona aus letztere Colonne cottoyiren. Eine Proclamation Ferdinands I., vom 23. Febr., langte mit den √Ėsterreichern gleichzeitig auf neapolitanischem Gebiet an; sie verk√ľndete, da√ü man die √Ėsterreicher gut aufnehmen u. sich mit ihnen vereinigen solle. Die Neapolitaner selbst er√∂ffneten den Krieg; W. Pepe fiel den 21. Febr. in den Kirchenstaat ein, besetzte Rieti u. drang bis Terni vor; als aber 2500 Mann √∂sterreichischer Reiterei sich zeigten, ergriff er die Flucht. Frimont verbreitete von Foligno aus den Aufruf des K√∂nigs u. erkl√§rte, da√ü er als Freund komme u. nur da, wo er Widerstand finde, Kriegssteuern auflegen werde. Die Erkl√§rung l√∂ste die lockeren Bande, welche die Miliz vereinigte, vollends auf u. ganze Bataillone liefen bei W. Pepes Corps aus einander. Noch einmal versuchte Pepe das Gl√ľck u. griff am 7. M√§rz den √∂sterreichischen Vortrab unter General Geppert mit 10,000 M. bei Rieti an, wurde aber geschlagen u. sein Corps floh in die Gebirge, die √Ėsterreicher aber r√ľckten mit den Fliehenden zugleich in Civita ducale ein. An demselben Tage wurde ein anderes, von Leonessa aus vordringendes neapolitan. Corps von 3000 M. geschlagen. Von Stellung zu Stellung trieben nun die √Ėsterreicher die fl√ľchtige Armee in den Abruzzen vor sich her; auch das Corps Carrascosa's, bes. die Milizen, l√∂sten sich auf. Von Capua aus eilte der [745] Regent nach N., u. hier ersuchte ihn das rathlose Parlament um Vermittlung. Er sandte einen Adjutanten nach Florenz, erhielt jedoch ausweichende Antwort, u. die √Ėsterreicher drangen fortw√§hrend vor. In Folge hiervon vollendete sich die Aufl√∂sung von Carrascosas Corps, die Milizen gingen nach Hause u. die Linientruppen marschirten mit den √Ėsterreichern; nur die k√∂nigliche Garde blieb bei Carrascosa u. schlo√ü in Capua Waffenstillstand mit den √Ėsterreichern. Die Carbonari beabsichtigten noch immer einen Gebirgskrieg; die Capitulationen von Neapel, Pescara u. Gaeta am 23. l√∂sten aber auch die letzten Banden der Revolution auf. Die gro√üe Vendita der Carbonari l√∂ste sich auf, W. Pepe u. die √ľbrigen H√§upter der Carbonari erhielten P√§sse ins Ausland; am 24. M√§rz l√∂ste sich auch das Parlament auf, u. die √Ėsterreicher zogen in N. ein. Der K√∂nig hatte bereits den 10. M√§rz von Florenz aus eine provisorische Regierung ernannt, welche die alte Ordnung wieder herstellte u. die Constitutionellen gerichtlich verfolgte, Erst am 10. Mai kehrte er selbst nach N. zur√ľck. √Ėsterreichische mobile Colonnen reinigten nun die Provinzen, wo Morelli, Minichini u. de Conciliis den Guerillakrieg fortzusetzen strebten, u. entwaffneten das Volk, auch wurde den 1. Juni Sicilien besetzt. Benevent u. Ponte Corvo unterwarfen sich dem Papst. Nur in Sicilien erhob General Rossarol einen neuen Aufstand, indem er Messina zur Republik erkl√§rte, doch unterwarfen sich die aufgewiegelten Truppen dem K√∂nig wieder u. Rossarol floh nach Spanien. Am 10. Sept. 1822 wurden von 43 verhafteten Revolution√§rs 30 zum Tode verurtheilt, jedoch lie√ü der K√∂nig das Urtheil nur an Morelli u. Silvati vollziehen. Von der am 28. Sept. 1822 ausgesprochenen Amnestie waren blos W. Pepe, Minichini, de Conciliis, Carrascosa, Rossarol u. noch sechs Andere ausgenommen.

Eine Staatsjunta gab nun eine neue Verfassung, welche zwei Staatsversammlungen, eine von 30 Mitgliedern f√ľr N., eine andere von 18 Mitgliedern f√ľr Sicilien bestimmt, einsetzte; doch waren die Mitglieder besoldete Staatsdiener. Sie sollten sich mit Gutachten √ľber Gesetzvorschl√§ge, Abgaben, Verwaltung u. Tilgung der Schulden etc. besch√§ftigen, u. waren daher mehr als Regierungen, denn als st√§ndische Versammlungen zu betrachten. Beschr√§nkungen hinsichtlich der Unterrichtsanstalten u. der Sittenzucht traten ein, die Jesuiten wurden wieder eingef√ľhrt, die alte Armee aufgel√∂st u. alle Offiziere entlassen, die neue aber gleich darauf zu organisiren begonnen u. die Offiziere, erst nachdem ihr Betragen durch zwei strenge Reinigungsjunten untersucht worden war, wieder angestellt. Dem Nothstande der Finanzen (die Revolution hatte N. 10 Millionen Ducati gekostet) half Rothschild dadurch ab, da√ü er am 7. Mai 1821 eine Rente von 800,000 Ducati auf das Gro√üe Buch von N. zu 60 Procent, mit einer Provision von 3 Procent auf das nominelle Capital, kaufte. Mit √Ėsterreich wurde den 8. Oct. 1821 eine Convention abgeschlossen, wonach es 57,000 Mann in N. u. Sicilien zur Besatzung lassen sollte, welche von N. unterhalten werden mu√üten. Wenn 6000 M. neuerrichteter neapolitanischer Truppen in Sicilien, angelangt sein w√ľrden, sollte diese Insel von den √Ėsterreichern ger√§umt u. das √∂sterreichische Heer auf 30,000, sp√§ter auf 25,000 Mann vermindert werden. Ungeachtet dieser √∂sterreichischen Besatzung war das Land nicht ruhig, bes. in Sicilien g√§hrte es sehr, obschon 12,000 M. unter Wallmoden dort standen; ein Aufstand zu Palermo wurde noch die Nacht vor dem Ausbruch verrathen. In N. waren bes. die R√§uber furchtbar u. wurden durch das Verfolgungssystem des Ministers des Innern noch mehr, verst√§rkt, indem derselbe sie als Polizeibeamte brauchte. Die Regierung hatte bei ihrem furchtbaren Walten im Jahre 1822 bes. zweierlei im Auge, einmal die Bestrafung f√ľr die beendigte Revolution, dann die Verh√ľtung von Verschw√∂rungen, welche letztere auch manchmal nur imagin√§r waren. Auf den Rath √Ėsterreichs √§nderte der K√∂nig sein Ministerium u. setzte Medici u. andere Gem√§√üigte wieder ein; auch bewirkte er 1823 in Wien, obgleich noch keineswegs die tractatenm√§√üige Reorganisirung der neapolitanischen Armee geschehen war, den Abmarsch von 17,000 M. √Ėsterreicher, u. nur 40,000 blieben in N.; 1824 fand abermals eine Verringerung von etwa 5000 M. statt.

Am 4. Januar 1825 starb Ferdinand I. u. sein √§ltester Sohn folgte ihm als Franz I. Wiederum bewirkte der neue K√∂nig durch Convention vom 28. Mai 1825 eine Verminderung der Occupationsarmee um 12,000 M., √ľber die zur√ľckbleibenden 23,000 Mann erhielt Feldmarschalllieutenant Lederer das Commando. 1826 verlie√üen die letzten √∂sterreichischen Truppen Sicilien u. 1827 ganz N.; sie blieben jedoch am Po stehen, um im Nothfall wieder umzukehren, denn noch immer war N. in einem gereizten Zustande, u. oft kamen Versuche zu Revolten vor. Zwar gab der K√∂nig die Jagdpl√§tze seines Vaters (auf 10 Mill. Ducati gesch√§tzt) dem Ackerbau durch Ver√§u√üerung derselben wieder etc., aber immer noch hob dies die Nahrungslosigkeit nicht. Am kl√§glichsten stand es mit den Finanzen. Zwar wurden die gr√∂√üten Einschr√§nkungen im Hof- u. Staatshaushalt gemacht u. 10 Procent Abzug von allen Besoldungen u. Pensionen bezogen, u. 1824 machte Rothschild eine Anleihe von 24 Millionen Ducati, wogegen die Z√∂lle zum Pfand eingesetzt wurden. Von 1821‚Äď1828 waren die Staatsschulden von 1,420,000 auf 5,198,500 Ducati gestiegen. Geldmangel hinderte auch die Ausr√ľstung einer achtunggebietenden Flotte gegen die afrikanischen Raubstaaten; nur 1828 lief eine Seeexpedition gegen den Dey von Tripolis aus u. bombardirte Tripolis, jedoch kam der Friede bald durch die Vermittlung des franz√∂sischen Consuls zu Stande, u. N. fuhr diesem Vertrage gem√§√ü dennoch fort, Tribut an den Dey zu zahlen. 1828 brach in Salerno ein Aufstand aus, welcher aber unterdr√ľckt u. die Theilnehmer daran schwer gestraft wurden. Der Finanzminister Medici, unter welchem sich die Finanzen etwas zu bessern anfingen, starb 1830 aufder Reise nach Spanien, wohin er die Prinzessin Christine, welche dem K√∂nig Ferdinand VII. zur Gemahlin bestimmt war, begleiten sollte. Am 8. Nov. d.i. starb auch der K√∂nig Franz I.

Ihm folgte sein Sohn Ferdinand II.; von ihm erwartete man bei seiner Thronbesteigung eine freisinnigere Verfassung, doch erkl√§rte er alsbald, er halte die Zeit nicht f√ľr g√ľnstig, die Verfassung zu √§ndern. Seine streng legitimistischen Grunds√§tze mu√üten sich bei der Julirevolution in Frankreich nach den Umst√§nden f√ľgen, u. er erkannte den K√∂nig der Franzosen Louis Philipp, welcher eine seiner Tanten zur Gemahlin hatte, nur ungern an, doch gingen von den bourbonischen H√∂fen u. N. mancherlei[746] Machinationen gegen Louis Philipp u. besondere Beg√ľnstigungen der Herzogin von Berry, Ferdinands II. √§lteren Schwester, bei ihrem abenteuerlichen Zuge durch S√ľdfrankreich aus. Als 1822 in Spanien die Aufhebung der ausschlie√ülich m√§nnlichen Erbfolge durch die K√∂nigin Christine, seine Schwester, bewirkt wurde, war er f√ľr die Sache des Don Carlos u. rief seinen Gesandten von Madrid ab. Im Allgemeinen wurde das Land unter ihm ruhiger als vorher; das materielle Wohl suchte er dadurch zu heben, da√ü er den Abgabendruck erleichterte, auf 270,000 Ducati von seinem Einkommen verzichtete u. beim Staatshaushalt Einschr√§nkungen machte, auch vermehrte er die Handelsmarine, f√ľhrte gleiches Ma√ü u. Gewicht im Lande ein u. steuerte der Bettelei durch Einrichtung von Zwangsarbeitsh√§usern; die geheimen Verbindungen aber konnten nicht ganz unterdr√ľckt werden, u. die Beg√ľnstigung der Jesuiten erregte oft Unzufriedenheit, selbst von Seiten des katholischen Clerus. Zum offenen Aufstand kam es aber durch Hungersnoth u. Cholera w√§hrend der Jahre 1836‚Äď37 in Sicilien. Der K√∂nig lie√ü, obgleich er den Titel eines K√∂nigs beider Sicilien fortf√ľhrte, Sicilien am 10. Nov. 1837 zur neapolitanischen Provinz erkl√§ren, u. so kam eine Centralverwaltung u. ein Gesammtministerium f√ľr das ganze K√∂nigreich zu Stande, was den Gesch√§ftsgang sehr erleichterte u. die Kosten der doppelten Verwaltung verminderte. 1838 beunruhigten R√§uberbanden die Insel Sicilien, das Kriegsgesetz mu√üte gegen sie proclamirt werden, u. erst 1839 gelang ihre v√∂llige Unterdr√ľckung. Am 2. Jan. 1840 stellte der K√∂nig den Malteserorden wieder her, gerieth aber wegen des Schwefelmonopols, welches er 1816 den Briten, 1838 aber einer franz√∂sischen Gesellschaft verpachtet hatte, mit Gro√übritannien in Streit, u. es kam so weit, da√ü eine britische Escadre den Golf von Neapel blockirte u. Embargo auf alle Schiffe unter neapolitanischer Flagge legte. Der K√∂nig wollte Gewalt mit Gewalt vertreiben, lie√ü seine Truppen zusammen ziehen u. seine Castelle verproviantiren, als aber die Sache ernster wurde u. der Verlust Siciliens sich in m√∂gliche Aussicht stellte, nahm er am 26. April 1840 franz√∂sische Vermittlung an u. zahlte den Briten 11/4 Mill. Ducati u. der franz√∂sischen Compagnie 1 Mill. 1841 wurde eine neue Verschw√∂rung des Jungen Italien entdeckt. 1842 schaffte der K√∂nig die Feudalabgaben in Sicilien ab, lie√ü seit October d.i. Syracus in eine starke Festung verwandeln u. schlo√ü einen g√ľnstigen Handelsvertrag mit England. 1842 fanden Differenzen mit Belgien u. Holland statt, welche Staaten bei einer Insolvenz der Banca dei Tavolini di Puglia f√ľr ihre Unterthanen von der Regierung Entsch√§digung verlangten, was die neapolitanische Regierung zur√ľckwies, jedoch wurden diese Differenzen bald ausgeglichen.

W√§hrend 1843 u. 1844 wurde das Land von zahlreichen R√§uberbanden in Schrecken gesetzt u. bes. die Provinz Calabrien von Ruhest√∂rungen heimgesucht. Am 15. M√§rz 1844 brach ein Aufstand in Cosenza aus, wobei es zum Kampf zwischen den Aufst√§ndischen u. den k√∂niglichen Truppen kam, welcher aber durch energisches milit√§risches Einschreiten schnell beendigt wurde. 1845 hatte eine gro√üe Anzahl verfolgter Fl√ľchtlinge sich im Silawalde mit zahlreichem Gesindel zu R√§uberbanden organisirt, deren Verfolgung u. Aufhebung sich weit in das Jahr 1846 hineinzog. Als mit der Erhebung Pius' IX. auf den P√§pstlichen Stuhl in der italienischen Bev√∂lkerung Tausende von W√ľnschen u. Hoffnungen laut wurden, herrschte in dem K√∂nigreiche beider Sicilien in politischer Beziehung Anfangs vollkommene Ruhe, aber schon zu Anfang des Jahres 1847 begann sich's auch hier gewaltig zu regen, u. wenn bes. in N. selbst die √∂ffentliche Stimmung vor der Hand nur gegen einzelne unbeliebte Pers√∂nlichkeiten, so namentlich gegen den Polizeiminister del Caretto, sich aussprach, kam es doch schon im Sommer in Calabrien u. auf Sicilien zu offenen Aufst√§nden. Auf Sicilien wurde Messina der Schauplatz eines, jedoch bald wieder unterdr√ľckten Aufstandes; weit gefahrdrohender war der Aufstand in Calabrien, welcher von Domenico u. Giovanni Andrea Romeo organisirt u. geleitet wurde u. eine allgemeine Revolution vorbereiten sollte; begleitet von mehreren hundert Gleichgesinnten r√ľckte Domenico Romeo am 31. Ang. 1847 in Reggio ein. Die schwache Garnison der Stadt, welche sich gleich beim Erscheinen der Insurgenten in die Citadelle zur√ľckgezogen hatte, capitulirte Tags darauf, eine provisorische Regierung wurde eingesetzt u. auf der Citadelle die p√§pstliche Fahne aufgepflanzt. Allein schon Anfangs Sept. wurden Truppen auf Kriegsdampfbooten unter dem Grafen von Aquila entsendet, welche den Aufstand niederwarfen, worauf die Revolutionsf√ľhrer u. die compromittirten Bewohner der Stadt mit anderen Mi√üvergn√ľgten u. R√§uberbanden das Land weiter zu revolutioniren suchten u. noch eine l√§ngere Zeit einen blutigen Guerillakrieg fortsetzten, endlich aber meist aufgegriffen u. auf die Galeeren geschickt od. hingerichtet wurden. Dessenungeachtet kam die Regierung nicht zu einem erw√ľnschten Ziele, vielmehr wurde seitdem die Unzufriedenheit noch gr√∂√üer u. theilte sich um so schneller allen Schichten der Gesellschaft mit, je raschere Erfolge die Erhebung Italiens zu Tage brachte, bes. in Rom die Gew√§hrung u. Er√∂ffnung der Staatsconsulta im Herbste 1847. Wie gro√üe Theilnahmlosigkeit u. Gleichg√ľltigkeit daher die Masse des Volkes in N. u. Sicilien bisher f√ľr Politik u. Staatsverwaltung gezeigt hatte, so gro√ü wurde jetzt das Interesse, welches jeder Einzelne im Staate an solchen Dingen nahm, u. die Leidenschaftlichkeit, mit welcher in liberalen Kreisen darauf hingearbeitet wurde, auch dem K√∂nigreiche beider Sicilien die Reformen der Nachbarstaaten zu verschaffen. Gegen Ende des Jahres 1847 kam es aber in N. u. Sicilien noch √∂fter zu unruhigen Auftritten, die einen um so ernsteren Charakter annahmen, je fester die Regierung an ihrem alten Systeme festhielt u. je offenkundiger allgemein unbeliebte Pers√∂ulichkeiten, wie der Polizeiminister del Caretto u. der vertraute Rathgeber des K√∂nigs, der Jesuit Cocle, nach wie vor ihren Einflu√ü geltend zu machen wu√üten.

Anfang Januar 1848 wurden in u. um N. gro√üe Massen Milit√§r zusammengezogen, die Gef√§ngnisse f√ľllten sich von Tag zu Tag immer mehr u. eine nicht geringe Anzahl bisher geachteter Beamten wurden abgesetzt. Deshalb u. weil die erwarteten Reformen nicht gew√§hrt wurden, schritt Sicilien in offener Revolution dem √ľbrigen K√∂nigreiche voran. Als am Morgen des 12. Jan. Kanonendonner vom Castell zu Palermo den Namenstag des K√∂nigs verk√ľndigte, erhob sich Palermo zum Kampfe, so da√ü sich der Statthalter, Herzog San Pietro de Maja, in seinen Palast, die k√∂niglichen [747] Truppen in die Citadelle zur√ľckziehen mu√üten, w√§hrend noch an demselben Tage von den Palermitanern ein Dampfboot mit dem Befehle entsendet wurde, die Insel zu umsegeln, um alle K√ľstenst√§dte zur Theilnahme am Freiheitskampfe aufzufordern. Schon am 13. Jan. begann die Besatzung von Castellamare ein heftiges Bombardement auf Palermo; das Volk dagegen organisirte die Revolution u. w√§hlte am 11. Jan. Aussch√ľsse, von denen der erste die Sorge f√ľr die Lebensmittel, der andere die f√ľr den Kriegsbedarf, der dritte die f√ľr die n√∂thigen Geldmittel u. der vierte die Leitung der Revolution selbst hatte. Am 16. Jan. kam ein Geschwader mit Truppen unter General Sauget aus N. an, um Palermo wieder zu unterwerfen. Die Aussch√ľsse hatten unterde√ü ihr Programm festgestellt, auf dessen Grund Palermo die Waffen niederlegen werde. Die Hauptbedingungen desselben waren: Gew√§hrung der Constitution von 1812, Trennung Siciliens u. N-s in den Verwaltungsverh√§ltnissen, Ernennung eines Vicek√∂nigs aus dem k√∂niglichen Hause, Municipalverfassung. Prinz Aquila, des K√∂nigs Bruder, welcher in Verbindung mit dem General Sauget mit den Palermitanern unterhandelte, wagte nicht auf diese Bedingungen einzugehen, erstattete dem K√∂nige Bericht u. warf inzwischen einen Theil der gelandeten Truppen in die Citadelle, von welcher die Stadt bombardirt wurde, bis der Capit√§n eines englischen Kriegsschiffes hiergegen Protest einlegte. In den Gefechten gegen die noch in den Vorst√§dten der Stadt befindlichen Truppen blieb das Volk fortw√§hrend Sieger, daher es nun um so hartn√§ckiger auf seinen Forderungen beharrte, zumal da in gleicher Weise unterde√ü sich fast die ganze Insel erhoben hatte u. h√§ufig Adressen u. Deputationen in Palermo anlangten, welche die Palermitaner zu dem entschiedensten Widerstande noch mehr ermuthigten. Solche Vorg√§nge, verbunden mit denen in der Hauptstadt N. selbst, wo auf die Nachricht von der sicilianischen Revolution von Stunde zu Stunde die allgemeine Stimmung gefahrdrohender wurde u. trotz polizeilicher Strenge in revolution√§ren Maueranschl√§gen zu gleichem Verfahren aufgefordert ward, stimmten endlich den K√∂nig zur Nachgiebigkeit, u. bereits am 19. Jan. erschien ein k√∂nigliches Decret, wodurch die Befugni√ü der neapolitanischen u. palermitanischen Consulta erweitert, die Verwaltung Siciliens durch eingeborne Beamtete gew√§hrt, die Presse freigegeben u. der Graf von Aquila zum Statthalter von Sicilien mit einem eigenen Ministerium ernannt wurde. Aber schon kam diese Nachgiebigkeit zu sp√§t; die Palermitaner setzten den Kampf gegen die k√∂niglichen Truppen fort u. wurden, w√§hrend unterde√ü der vierte der obenerw√§hnten Aussch√ľsse sich provisorisch an die Spitze der Regierung stellte, so vom Gl√ľck beg√ľnstigt, da√ü bereits am 25. Jan. die k√∂niglichen Truppen aus den Vorst√§dten in die Umgegend der Stadt zersprengt u. nur noch auf die Citadelle beschr√§nkt waren u. Sauget sich auf der Rhede von Solanta einschiffen mu√üte, um die Insel wieder zu verlassen. Da nun gleichzeitig die K√§mpfe des Volkes auf anderen Punkten der Insel nicht minder g√ľnstigen Erfolg hatten, so da√ü im Ganzen nur noch die Citadellen von Palermo, Messina u. Syracus sich in den H√§nden der Truppen befanden, war Ende Januar die ganze Insel Sicilien frei. Gleichzeitig kam es auch zu einer Entscheidung auf dem Festlande, wo sich die Bewegung unterde√ü von N. auch nach den Provinzen fortgepflanzt hatte. Ebenso wenig als das k√∂nigliche Reformdecret vom 19. Jan. die Aufregung unter der Bev√∂lkerung der Hauptstadt zu beschwichtigen vermocht hatte, ebenso wenig hatte dies ein am 24. Jan. erlassenes Amnestiedecret vermocht, da dasselbe zu viele Ausnahmen enthielt. Am 27. Jan. reichte das Ministerium seine Dimission ein, worauf der K√∂nig zur Bildung eines liberalen Cabinets schritt, welches ihm ernstlich zu Ertheilung einer Constitution rieth. Am 29. Jan. ward auch mittels Decrets eine Constitution ertheilt, deren Grundlagen in folgenden Punkten beruhten: zwei Kammern, die Pairskammer vom K√∂nig ernannt, die Abgeordnetenkammer nach Census gew√§hlt, keine Religion au√üer der katholischen, der K√∂nig als Oberbefehlshaber √ľber die Land- u. Seemacht, seine Person heilig, die Minister verantwortlich; das Milit√§r vom K√∂nig abh√§ngig, Errichtung einer Nationalgarde, Einf√ľhrung der Pre√üfreiheit. Diese k√∂nigliche Botschaft brachte gro√üe Freude unter das Volk, zumal da noch an demselben Tage der K√∂nig, mit der dreifarbigen Cocarde geschm√ľckt, Revue √ľber die Truppen hielt. Anders wurde diese k√∂nigliche Botschaft in Palermo aufgenommen, wo sie erst am 5. Febr. eintraf. Schon am 2. Febr. hatte sich hier das Generalcomit√© als provisorische Regierung unter dem Vorsitz Ruggiero Settimo's constituirt, u. diese wies die k√∂nigliche Verfassung zur√ľck, w√§hrend sie gleichzeitig an den k√∂niglichen Commandanten von Castellamare die Forderung stellte, das Castell zu √ľbergeben u. mit den Truppen abzuziehen. Der Commandant mu√üte endlich auf diese Forderung eingehen, wornach auf die Dauer von 10 Tagen ein Waffenstillstand abgeschlossen u. weitere Unterhandlungen angekn√ľpft, gleichzeitig aber auch von der provisorischen Regierung an die Ausschu√üpr√§sidenten aller sicilischen St√§dte eine Botschaft erlassen wurde, worin diese insgesammt zu Ende des Monats M√§rz nach Palermo zu weiterer Beschlu√ünahme eingeladen wurden. Zu einem gl√ľcklichen Endresultate aber konnten diese Unterhandlungen zwischen Sicilien u. N. um so weniger f√ľhren, da ersteres an seiner Grundbedingung, Aufstellung eines eigenen Parlaments auf Grund der Verfassung von 1812, unweigerlich festhielt. In N. kam es inzwischen mehrmals zu Lazzaronibewegungen f√ľr die Regierung, u. am 3. April erfolgte ein Wechsel des Ministeriums in Folge der Erhebung der Lombardei am 23. M√§rz, bei deren Bekanntwerdung in N. der K√∂nig durch eine neue Volksbewegung gen√∂thigt wurde, Truppen u. Freiwillige u. sogar eine Flotte dahin abzuschicken (s.u. Lombardisch-Venetianisches K√∂nigreich, Gesch.). Inde√ü war diese gezwungene Theilnahme an dem Kampfe Italiens gegen √Ėsterreich nicht die einzige neue Verlegenheit, in welche sich K√∂nig Ferdinand versetzt sah; an die √úbernahme der Portefeuilles kn√ľpfte das neue Ministerium Troja auch die Bedingung, da√ü die Kammern constituirende w√§ren u. das Recht h√§tten, die Verfassung zu ver√§ndern. Endlich folgte aber in Sicilien auch noch das Schlimmste, n√§mlich am 13. April beschlo√ü das dortige Parlament: Ferdinand Bourbon u. seine Dynastie sind f√ľr immer des sicilischen Thrones verlustig, doch wird Sicilien unter constitutioneller Regierungsform einen italienischen F√ľrsten, auf den Thron berufen. Obgleich K√∂nig Ferdinand unter dem 18. April gegen diesen Beschlu√ü einen Protest einlegte, so blieb doch derselbe soweit unbeachtet,[748] da√ü Ruggiero Settimo zum Pr√§sident des K√∂nigreichs Sicilien gew√§hlt wurde. Niemand vermochte dieser Wirren Meister zu werden, u. wenn auch am 14. April abermals eine Ver√§nderung des Ministeriums vorgenommen wurde, so war doch auch dieses weder im Stande, der Autorit√§t des K√∂nigs eine neue Grundlage zu verschaffen, noch den Zust√§nden des K√∂nigreichs im Allgemeinen eine bessere Wendung zu geben. Unter solchen Verh√§ltnissen wurde die Hauptstadt N. immer unruhiger, zumal da nach dem Abmarsch so vieler Truppen die unter sich uneinige Nationalgarde nicht im Stande war, die Ordnung aufrecht zu erhalten. In den Provinzen ging es sehr anarchisch zu; als eb√©n die Kammern zusammentraten, kam es am 15. Mai in N. zu einer furchtbaren Katastrophe, durch welche die gesammten Verh√§ltnisse der Monarchie mit einem Male eine v√∂llige Umgestaltung erhielten. Bereits am 14. Mai, als die Ernennung von 50 Pairs durch den K√∂nig erfolgt war, erkl√§rten die zu einer vorl√§ufigen Sitzung versammelten Deputirten, indem sie sich dabei auf das Programm des Ministeriums Troja beriefen, da√ü sie den Constitutionsentwurf nur beschw√∂ren w√ľrden, wenn verschiedene Modificationen gemacht w√ľrden; bes. verlangten sie Aufhebung der Pairskammer, Sendung aller Truppen nach der Lombardei, √úbergabe aller Forts an die Nationalgarde u. endlich Ausweisung aller angesessenen Deutschen aus dem Reiche. Dazu aber wollte sich der K√∂nig nicht verstehen u. rief deshalb die schweizerischen u. neapolitanischen Truppen unter die Waffen. Am 16. Mai begann der Kampf zwischen Truppen u. Nationalgarde, in welchem erstere die Oberhand behielten. Von Stund an trat die Regierung mit gro√üer Energie auf, die Deputirtenkammer wurde aufgel√∂st, die Nationalgarde entwaffnet u. die in Belagerungszustand erkl√§rte Stadt gegen au√üen ganz abgeschlossen, um ihr jede H√ľlfe abzuschneiden, die Polizei trat in volle Th√§tigkeit, die Gef√§ngnisse f√ľllten sich, selbst mit Personen der h√∂chsten St√§nde. Zugleich trat ein neues Ministerium mit F√ľrst Cariati an der Spitze in Activit√§t, u. alsbald wurden die neapolitanischen Truppen aus der Lombardei zur√ľckgerufen, (welchem Befehl nur der General Pepe mit seinem Corps nicht folgte). Unter dem 24. Mai erlie√ü darauf der K√∂nig eine Proclamation, worin er versprach, die Verfassung vom 10. Febr. in voller Kraft beizubehalten, doch wurde das Programm vom 3. April, insofern es die Verfassung √§nderte, f√ľr ung√ľltig erkl√§rt.

So gelang es also dem K√∂nig, nachdem auch in den Provinzen, bes. Calabrien, der Aufstand durch die Truppen niedergeworfen war, seine Gewalt auf dem Festlande wieder herzustellen. Dagegen leistete Sicilien nach wie vor hartn√§ckigen Widerstand, bes. Messina, welches zwar von dem Fort aus Monate lang bombardirt wurde, aber dennoch nicht gezwungen werden konnte, sich den k√∂niglichen Truppen zu ergeben. Anfang Juli trat der Streit zwischen den beiden Theilen des K√∂nigreichs in ein neues Stadium. Bereits am 10. Juli fa√üte das sicilianische Parlament zu Palermo √ľber die k√ľnftige Verfassung der Insel folgenden Beschlu√ü: die Insel ist constitutionell monarchisch; der K√∂nig kann mit der Regierung √ľber die Insel keine andere verkn√ľpfen; die Souver√§net√§t beruht in der Gesammtheit der Inselbewohner, nicht in Klassen noch bei Einzelnen etc., u. erlie√ü auf Grund dieses Beschlusses am 11. Juli ein Decret, wonach der Herzog von Genua, zweiter Sohn des K√∂nigs von Sardinien, auf den sicilischen Thron berufen wurde, auch erschien bereits am 15. Juli ein au√üerordentlicher sicilianischer Botschafter in Genua, um den sardinischen Hof von diesem Beschlu√ü in Kenntni√ü zu setzen u. das Weitere darauf Bezug habende an Ort u. Stelle zu ordnen. Wenige Tage vorher, am 1. Juli, war in N. das Parlament er√∂ffnet worden, aber von 78 Pairs waren nur 33, von 164 Deputirten nur 71 erschienen. Eben als diese Versammlung ihre Berathungen begann, lief die Nachricht von jenem sicilischen Parlamentsbeschlu√ü ein, gegen welchen K√∂nig Ferdinand, mit Bezugnahme auf die fr√ľheren Proteste vom 22. M√§rz u. 18. April, sofort eine neue Protestation erlie√ü. Zu Gunsten des K√∂nigs war auch der ungl√ľckliche Ausgang des Sardinisch-√∂sterreichischen Kriegs f√ľr Sardinien, so da√ü K√∂nig Victor Emanuel dem Plane der Sicilianer keine Ber√ľcksichtigung schenken konnte. Am 30. August ging eine neue Expedition gegen die Insel ab, deren n√§chstes Ziel Messina war. Am 4. Sept. landeten die Truppen in Spadafora u. begannen alsbald die Beschie√üung der Stadt, u. bereits am 7. Septbr. Nachmittags 5 Uhr unterwarf sich Messina, alle Kanonierboote der Sicilier wurden genommen, alle Forts, den Faro inbegriffen, besetzt u. die Stadt entwaffnet. Dagegen wurde die Regierung verhindert, die Offensive gegen Sicilien in der begonnenen Weise fortzusetzen, da gleichzeitig in der Hauptstadt N. neue Unruhen ausbrachen. Veranlassung dazu gab die am 5. Sept. erfolgende Vertagung der Kammern, eine Ma√üregel; die von den Kammern selbst ruhig hingenommen wurde, in der Stadt aber, bes. unter den untersten Volksschichten, gro√üe Unruhe hervorrief; es kam zum Handgemenge, worauf Polizei u. Truppen einschritten. √Ąhnliche Auftritte wiederholten sich auch die folgenden Tage. Unter solchen Umst√§nden mu√üte die Waffenruhe dem K√∂nig mehr als willkommen sein. Zudem machten die gleichzeitigen St√ľrme in dem √ľbrigen Italien, namentlich die Flucht des Papstes auf neapolitanisches Gebiet nach Ga√ęta am 6. Nov. 1848, welchem sp√§ter (am 22. Febr. 1849) auch der Gro√üherzog von Toscana folgte, ein Sistiren des Kriegs nicht minder w√ľnschenswerth. Daher wurde auch jetzt wieder unterhandelt, allein abermals ohne Erfolg. Vergebens verlangte der britische Gesandte William Temple f√ľr Sicilien die Verfassung von 1812, statt deren bewilligte der K√∂nig unter dem 28. Febr. 1840 eine Amnestie u. eine neue Verfassung f√ľr Sicilien, bezeichnete aber auch dieselbe als sein Ultimatum. Diesem Decrete zufolge sollte der K√∂nig in Sicilien durch einen Vicek√∂nig repr√§sentirt werden, Sicilien sollte Minister f√ľr Justiz u. Gnaden, Inneres, Finanzen, √∂ffentliche Arbeiten, Ackerbau u. Handel, geistliche Angelegenheiten, √∂ffentlichen Unterricht u. Polizei erhalten, wogegen die Ministerien des Kriegs, der Marine u. des Ausw√§rtigen f√ľr N. u. Sicilien gemeinschaftlich sein sollten. Die Minister, welche √ľbrigens s√§mmtlich Sicilianer sein m√ľ√üten, sollten verantwortlich sein. Alle Vermischung der √Ąmter zwischen Sicilien u. N. sollte aufh√∂ren u. das Budget getrennt sein, dagegen sollte Sicilien einen Theil der Schuld u. 500,000 Unzen f√ľr die au√üerordentlichen Ausgaben des Schatzes 1848 u. 1849 √ľbernehmen. Das Parlament Siciliens ferner sollte bestehen aus einer Kammer der Pairs u. einer [749] Kammer der Gemeinen etc. Bereits am 9. M√§rz fa√üte die sicilianische Deputirtenkammer, trotz der neuen englischen u. franz√∂sischen Vermittelungsversuche, den Beschlu√ü, das k√∂nigliche Ultimatum abzulehnen, worauf sofort ein Waffenaufgebot in Masse angeordnet wurde u. der Krieg von neuem begann. Gleichzeitig wurden am 14. M√§rz die neapolitanischen Kammern der Abgeordneten aufgel√∂st, weil sich in der Kammer unverkennbare Sympathien f√ľr die derzeitigen republikanischen Gewalthaber in Rom gezeigt hatten, u. zugleich nicht nur mehrere Abgeordnete, sondern auch viele andere weniger distinguirte Personen verhaftet. Die Anstrengungen, welche Sicilien f√ľr den Krieg gegen N. machte, waren ungeheuer, dem Massenaufgebot wurde √ľberall willig Folge geleistet, zum Chef der Armee wurde der Pole Mieroslawski berufen. Der Kampf selbst begann in den letzten Tagen des M√§rz 1849 u. beschr√§nkte sich anf√§nglich auf unbedeutendere Gefechte; zur ersten Entscheidung kam es vor Catania, welche Stadt General Filangieri nach gro√üem Verlust am 7. April einnahm. Die n√§chste Folge davon war, da√ü Taormina, Aci Reale, Caltagirone, Augusta, Syracus, Noto nebst mehreren kleineren Ortschaften, also fast die ganze √∂stliche K√ľste Siciliens den Neapolitanern in die H√§nde fielen, u. da√ü Palermo an einem weiteren gl√ľcklichen Erfolge verzweifelte. Nach Einlaufen der Nachrichten vom Fall jener St√§dte beschlossen die Kammern, in dieser kritischen Lage die Intervention des franz√∂sischen Admirals Baudin anzurufen. Bereits am 20. April brachte ein franz√∂sischer Dampfer die Nachricht nach N., da√ü Palermo u. somit Sicilen sich unterwerfe, nur um eine allgemeine Amnestie wurde gebeten. Am 23. April begab sich darauf eine Deputation Palermitaner in das neapolitanische Lager, um dem General F√ľrsten Satriano die unbedingte Unterwerfung der Stadt anzuzeigen, wogegen gleichzeitig der Chef der provisorischen Regierung zu Palermo, Ruggiero Settimo, nach Malta floh, Mieroslawski aber nach Marseille ging. Am 15. Mai hielt F√ľrst Satriano mit den Neapolitanern seinen Einzugin Palermo, u. an demselben Tag wurden hier als provisorische Ministerialdirectoren Gino Buongiardino f√ľr die Finanzen, Giaochimo Lumia f√ľr die Justiz, Ferd. Malrica f√ľr das Innere eingesetzt. Nach der Zeit verwendete K√∂nig Ferdinand einen Theil seiner Truppen zur Restituirung der p√§pstlichen Herrschaft im Kirchenstaate, wobei dieselben mehrmals mit dem Garibaldischen Corps zusammenstie√üen, ohne jedoch bedeutende Resultate zu erringen. In der Verwaltung des Landes begann von der Pacification Siciliens eine vollst√§ndige R√ľckkehr zu dem fr√ľheren Systeme; zugleich trat ein sehr ernstes Ahndungsverfahren gegen diejenigen ein, welche sich an der Revolution wesentlich betheiligt hatten, so namentlich gegen die Deputirten der im Fr√ľhjahre 1849 aufgel√∂sten Kammer, welche sich gegen die Mitte des Jahres fast alle auf fl√ľchtigem Fu√ü od. in Hast befanden. Auf die Kunde von einer Verschw√∂rung, deren Zweck gewesen sei, im Vereine mit den r√∂mischen Liberalen die weltliche Herrschaft des Papstes zu zerst√∂ren u. diesen selbst in Ga√ęta auf die Seite zu schaffen, wurden im Aug. 1849 zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Im Zusammenhangehiermit stand auch ein am 7. Aug. 1849 eintretender Ministerwechsel; Pr√§sident des Ministerraths u. zugleich Ministerstaatssecret√§r der Finanzen wurde Giustino Fortunato, der schon unter Murat mit der F√ľhrung der innern u. √§u√üern Angelegenheiten betraut gewesen war u. seit 1830 fortw√§hrend f√ľr Einf√ľhrung von Verbesserungen gewirkt hatte. In Bezug auf die sicilischen Angelegenheiten erlie√ü nun zwar der britische Gesandte zu N., Temple, an den neapolitanischen Minister der ausw√§rtigen Angelegenheiten unter dem 16. Sept. 1849 eine Note, in welcher eine Amnestie, sowie die Aufrechthaltung der Verfassung von 1812 f√ľr Sicilien abermals verlangt wurde, wobei er sich auf die im Manifeste vom 28. Febr. 1849 zugesagten Zugest√§ndnisse bezog, darauf aber gab der Minister zur Antwort: die Sicilianer h√§tten die ihnen in jenem Manifeste gemachten Zugest√§ndnisse durch die Erneuerung des Aufstandes verwirkt; dessenungeachtet sei der K√∂nig geneigt, passende, von den Einwohnern gew√ľnschte Verwaltungsformen aus freiem Willen einzuf√ľhren. Nachdem in N. seit l√§ngerer Zeit f√ľr die Beseitigung der Constitution von 1848 agitirt worden war, ging im Juli 1850 ein Befehl vom Ministerium des Innern aus, da√ü alsbald Milit√§r u. Beamtete den Eid nach der im k√∂niglichen Decrete vom 21. Juli 1816 vorgeschriebenen Formel leisten sollten; unter dem 16. Aug. 1850 wurde die Censur wieder eingef√ľhrt, die Verfolgung u. Verhaftung politisch Verd√§chtigter dauerte fort, die B√ľrgergarden wurden aufgel√∂st (Oct. 1851) etc. Dankbar f√ľr die gastliche Aufnahme in Ga√ęta bewies sich dem K√∂nig Ferdinand der Papst Pius IX., indem er demselben noch vor seiner R√ľckkehr nach Rom den Titel Rex pissimus u. dazu das Einsprachsrecht bei Papstwahlen verlieh, ein Vorrecht, welches bis dahin nur √Ėsterreich, Frankreich u. Spanien zustand.

In eine Differenz kam N. mit Spanien durch die Verm√§hlung der Prinzessin Karoline, Schwester des K√∂nigs Ferdinand, mit dem Grafen Montemolin (s. Karl 153). In Folge derselben verlie√ü sogar der spanische Botschafter am 10. Juli 1850 N., doch wurden die freundschaftlichen Beziehungen zu Spanien bald wieder hergestellt. Ernster wurde ein Streit mit England, welches f√ľr Verluste britischer Unterthanen bei den Revolutionsst√ľrmen in Messina auf diplomatischem Wegebedeutende Entsch√§digungsforderungen erhob, ja endlich sogar mit seiner Flotte drohte. Inde√ü wurde auch diese Angelegenheit noch 1850 unter russischer Vermittelung dadurch ausgeglichen, da√ü die neapolitanische Regierung sich zur Zahlung der geforderten Summen f√ľr verpflichtet erkl√§rte. Gro√üe Aufmerksamkeit widmete die neapolitanische Regierung i. J. 1851 den politischen Processen, von denen einer sogar zu diplomatischen Streitigkeiten mit England f√ľhrte (vgl. Gladstone). Am meisten aber machten die Finanzen der Regierung zu schaffen, es fehlten 5‚Äď6 Millionen Ducati zur Deckung der Ausgaben: zu einer Verminderung des Milit√§rs wollte sich der K√∂nig bei der fortdauernden Spannung der Gem√ľther nicht verstehen; die Grundsteuer, welche bereits die H√∂he von 20 Proc. erreicht hatte, konnte nicht mehr erh√∂ht werden; der Abschlu√ü einer Anleihe mit dem Hause Rothschild gelang nicht, eine Ende 1851 in Vorschlag gebrachte Anleihe im Lande wurde wegen des mehr als fraglichen Patriotismus der Einheimischen unter damaligen Verh√§ltnissen gar nicht versucht. In Sicilien wollte man im Oct. 1851 einer Verschw√∂rung gegen den K√∂nig auf die Spur gekommen sein, u. die h√§ufig deshalb vorgenommenen [750] Verhaftungen erstreckten sich sogar auf das Milit√§r u. die Schweizercompagnien. Deshalb gingen bedeutende Milit√§rverst√§rkungen nach verschiedenen Punkten der Insel, so da√ü das dort stehende Heer Ende 1851 sich auf 40,000 Mann belief. Messinas Handel hob sich, als im M√§rz 1852 der dasige Hafen zum Freihafen erkl√§rt wurde. Auch war im Aug. 1851 ein Handelsvertrag mit der T√ľrkei abgeschlossen worden. Die Calamit√§ten des Landes wurden 1851 erh√∂ht durch den Schaden, welchen mehrmalige Eruptionen des Vesuvs u. wiederholte Erdbeben verursachten. Das bedeutendste Erdbeben war am 14. Aug. 1851, durch welches die Provinz Basilicata fast ganz verheert wurde; √ľber 50 D√∂rfer u. mehre St√§dte, Melfi, Venosa u. Barile, wurden davon betroffen; mit Heftigkeit erneuerten sie sich wieder im M√§rz 1852. Zu Anfang des Jahres 1852 waren auch die Entsch√§digungen der durch die Ereignisse 1848 u. 1849 im K√∂nigreich besch√§digten Fremden durch eine eigens dazu niedergesetzte Commission ermittelt u. begann die Auszahlung derselben. Eine Milderung im Regimente wurde gehofft, als der K√∂nig Ende Januar 1852 pl√∂tzlich seinen Specialsecret√§r u. Vertrauten, Baron Leopold Corsi, u. den Ministerpr√§sidenten Fortunato nebst dem alles verm√∂genden Polizeiminister Peccheneda entlie√ü; den Vorsitz im Ministerium √ľbernahm Ferdinand Troja, u. in der That erfolgten gleichzeitig zahlreiche Gnadenacte gegen die in den politischen Monsterproce√ü vom 15. Mai Verwickelten. Auch lag es im Interesse der Dynastie, das Volk an sich zu ziehen, da allerhand Ger√ľchte von einer Muratschen Partei in N. u. von Bonapartistischen Ideen u. Absichten auf N. auftauchten. Die Folge von jenen Ger√ľchten war eine Vermehrung der Schweizertruppen, w√§hrend die einheimischen vermindertwurden, u. die Verproviantirung der Festungswerke von N. u. Ga√ęta. Bemerkenswerth war, da√ü der K√∂nig, obwohl v√∂llig unumschr√§nkt regierend, doch die Verfassung von 1848 nicht f√∂rmlich u. ausdr√ľcklich aufgehoben hatte, w√§hrend dies in Toscana im Jahre 1852 geschah. Ein Vertrag mit der r√∂mischen Regierung (14. Mai 1852) beendigte noch obwaltende Grenzstreitigkeiten; ein gleicher mit Frankreich (21. Febr.) enthielt Zus√§tze zu dem bestehenden Handelsvertrag u. ein dritter (23. December) erneuerte den abgelaufenen Postvertrag mit Frankreich mit einigen Ab√§nderungen zu Gunsten Frankreichs. Neue Unruhen auf dem platten Lande Siciliens im Februar 1853 trugen mehr den Charakter von Bauernaufst√§nden wegen der Mi√üernte als von politischen Bewegungen; die R√§delsf√ľhrer wurden zum Tode verurtheilt, ihre Strafe jedoch vom K√∂nig gemindert, u. hierauf die Entwaffnung des sicilischen Landvolkes vollzogen. Gegen Frankreich erwies sich die Regierung durch Verg√ľnstigungen gef√§llig, die sie der franz√∂sischen Dampfschifffahrtsgesellschaft im Hafen von Messina einr√§umte. Indessen wurde es von Seiten der franz√∂sischen u. der englischen Regierung mit Mi√üfallen vermerkt, da√ü, w√§hrend andere M√§chte zweiten Ranges die von ihnen erkl√§rte Neutralit√§t in der nunmehr auftauchenden Orientalischen Frage durch Nachgiebigkeit gegen die Westm√§chte abschw√§chten, der K√∂nig von N. dieselbe im vollen Sinne des Wortes nach beiden Seiten hin aufrecht hielt. Der K√∂nig verhehlte sich nicht die Gefahren, welche die Versagung einer sympathisirenden Neutralit√§t den drohenden Mienen der Westm√§chte gegen√ľber zur Folge haben konnte, sondern r√ľstete zum Kriege. Alle politischen Interessen verschwanden jedoch vor der Cholera, die mit gleicher Heftigkeit in N. u. Sicilien w√ľthete. Der Schreck dar√ľber war so gro√ü, da√ü in wenigen Tagen in N. 40,000 P√§sse ausgestellt wurden. Bemerkenswerth war am Schlusse des Jahres 1854 ein vor√ľbergehendes Zerw√ľrfni√ü zwischen dem K√∂nig u. den sonst im Reich gern gesehenen Jesuiten, welches mit einer Versicherung der monarchischen Grunds√§tze der Letztern schlo√ü (s.u. Jesuiten III.). Im Jahr 1855 wurde die gro√üe Landstra√üe vollendet, welche von Ga√ęta ausgehend l√§ngs der r√∂mischen Grenze erst durch das Volscergebirge u. dann durch die Abruzzen zum Adriatischen Meere f√ľhrt, ein gro√üartiges Werk, welches den Abruzzen m√∂glich macht, die reichlichen Erzeugnisse ihres Bodens nach zwei Meeren hin abzusetzen. Im September erhielten der Kriegsminister F√ľrst Ischitella u. der Polizeiminister Mazza, wie es scheint aus politischen R√ľcksichten, ihre Entlassung. √úbrigens herrschte in N. nach Beendigung aller politischen Untersuchungen vollst√§ndige Ruhe, u. wenn auch in Sicilien die einzelnen politischen Parteien im Herbste Versuche gemacht haben mochten, die Bev√∂lkerung aufzuregen, so fanden sie einerseits doch viel zu wenig Theilnahme, u. war ihnen Polizeigewalt u. Milit√§rmacht viel zu √ľberlegen, um irgend auf Erfolg rechnen zu k√∂nnen. Auch das Jahr 1856 zeugte von der Th√§tigkeit der Regierung auf dem Gebiete volkswirthschaftlicher Verbesserungen. Ein strenges Polizeiregiment bekundete sich allerdings in den k√∂niglichen Decreten vom 10. Mai, wonach das Tragen von Waffen ohne schriftliche polizeiliche Erlaubni√ü mit dem ersten Grade der Eisenstrafe bedroht ward, allein die im Juli stattfindende Begnadigung mehrer wegen politischer Vergehen fr√ľher Verurtheilten zeigten vers√∂hnlichen Sinn. Die Verhandlungen der Pariser Friedensconferenzen √ľber die italienischen Angelegenheiten u. die Haltung Englands nachher konnten nicht verfehlen, auf die Regierung Eindruck zu machen; jedoch wies der K√∂nig jede Einmischung in die innern Angelegenheiten eines selbst√§ndigen Staates als v√∂lkerrechtswidrig entschieden ab, u. der Gang der Ereignisse lie√ü erkennen, da√ü die freundlich gesinnten Regierungen √Ėsterreichs u. des Kirchenstaates ihren Einflu√ü auf Frankreich zu Gunsten des K√∂nigs geltend gemacht hatten, so da√ü der Gedanke eines gewaltsamen Einschreitens in die neapolitanischen Angelegenheiten kaum Platz greifen konnte. Die Stellung zu Frankreich hatte sich schon im Fr√ľhjahr gebessert. Die Hoffnungen der Urheber des am 26. Juli versuchten Aufstandes in Modena, da√ü sie durch eine Volksbewegung in N. unterst√ľtzt werden w√ľrden, erwies sich als unbegr√ľndet. Indessen hatten doch die diplomatischen Verhandlungen, um den K√∂nig zu Zugest√§ndnissen in Bezug auf die inneren Einrichtungen seiner Staaten zu verm√∂gen, bes. von Seiten Englands, fortgedauert, u. w√§hrend die Regierung N-s auf der Weigerung, eine Einmischung zu gestatten, beharrte, hatte England u. Frankreich √ľber ein gemeinschaftliches Handeln in dieser Angelegenheit im September 1856 sich verst√§ndigt. Sie drohten mit dem Abbruch der diplomatischen Verbindungen u. erkl√§rten, jedes ein Geschwader von zwei Linienschiffen, einer Fregatte u. einer Corvette in den Gew√§ssern N-s kreuzen zu lassen, um bei dem etwaigen Ausbruch eines B√ľrgerkriegs daselbst[751] die Personen u. Sachen ihrer Unterthanen sch√ľtzen zu k√∂nnen. √Ėsterreich beschr√§nkte sich dabei auf vermittelnde Schritte u. die russische Regierung sprach sich beil√§ufig in einer Note vom 9. September dahin aus, da√ü sie nur Rathschl√§ge u. h√∂chstens Ermahnungen f√ľr zul√§ssig erachte. Die neue Verwickelung der europ√§ischen Angelegenheiten u. die Erschlaffung des Englisch-franz√∂sischen B√ľndnisses wegen der Russisch-orientalischen Angelegenheit brachte auch einen Stillstand in das gemeinschaftliche Handeln Englands u. Frankreichs; doch als der K√∂nig sich auf ihre Forderungen gar nicht einlie√ü, gab die englische Regierung dem neapolitanischen Gesandten seine P√§sse, worin die franz√∂sische Regierung erst gegen Ende November nachfolgte. Die Abreise des englischen u. franz√∂sischen Gesandten hatte auf die Stimmung des Landes keinen Einflu√ü. Der K√∂nig erlie√ü wieder mehre Gnadenacte u. noch andere sollten folgen; doch wurde Seitens der Regierung damit innegehalten, da bei dem Aufstand auf Sicilien am 22. November sich eben Amnestirte, unter ihnen bes. Bentivenga (s.d.), als F√ľhrer betheiligt hatten. Dieser Aufstand, zu Gunsten der Idee von 1848 gemacht, wurde alsbald durch die Regierungstruppen ged√§mpft. Am 8. Decbr. wurde in Neapel auf den K√∂nig von einem Soldaten Milano (s.d.) ein erfolgloses Attentat gemacht; auch die Pulverexplosion am 17. Dec. im Kriegshafen, in der N√§he des k√∂niglichen Palais, wurde als eine politische, gegen den K√∂nig gerichtete Demonstration gedeutet.

In Folge dieser Ereignisse schlo√ü sich der K√∂nig nur noch strenger von seinem Volke ab u. lebte mit seiner Familie in Caserta, unzug√§nglich f√ľr Jedermann u. nur umgeben von Milit√§r. Zugleich wurden immer strengere Ma√üregeln ergriffen. Nachdem in Sicilien Baron Bentivenga mit sieben Aufst√§ndischen erschossen worden war, wurden in N. die umfassendsten Verhaftungen, darunter vieler Priester u. M√∂nche, vorgenommen. Das Ereigni√ü des Jahres 1857 war die Cagliari-Angelegenheit. W√§hrend n√§mlich in N. eben erst wieder ein Muratislischer Aufstandsversuch unterdr√ľckt worden war, landete der einer sardinischen Gesellschaft geh√∂rige Dampfer Cagliari, welcher von Genua aus politische Fl√ľchtlinge nach Tunis hatte √ľberf√ľhren sollen, die sich jedoch angeblich unterwegs des Schiffes bem√§chtigt hatten, an der Insel Ponza, wo der Oberst Pisicane als F√ľhrer jener Fl√ľchtlinge die Fahne der Emp√∂rung aufpflanzte, die dortigen Strafgefangenen befreien lie√ü u. dann bei Sapri an das neapolitanische Festland ging. Hier wurde der Aufstand Anfang Juli durch Regierungstruppen rasch unterdr√ľckt, wobei Pisicane selbst ums Leben kam. Zahlreiche Gefangene, dazu die Mannschaft des von zwei neapolitanischen Fregatten aufgebrachten Cagliari, wurden nun den Gerichten zur Aburtheilung √ľbergeben. Die Wegnahme des Cagliari gab aber der sardinischen Regierung eine, wohl erw√ľnschte Gelegenheit, dagegen als eine durchaus unrechtm√§√üige Ma√üregel, energisch zu protestiren, u. es entspann sich daraus zwischen beiden Cabineten ein heftiger Notenwechsel, welcher, da die englisch-franz√∂sischen Vermittelungsversuche lange erfolglos blieben, weit bis ins n√§chste Jahr hineindauerte u. selbst zu beiderseitigen Kriegsr√ľstungen f√ľhrte. F√ľr N. wurde die Angelegenheit dadurch noch verwickelter, da√ü sich unter den Gefangenen des Cagliari auch zwei englische Maschinisten befunden hatten, deren Freilassung u. Entsch√§digung die englische Regierung forderte. Erst nachdem der in Salerno gef√ľhrte Proce√ü mit Verurtheilung der Gefangenen geschlossen worden war, lie√ü der K√∂nig eine Amnestie f√ľr dieselben eintreten u. befahl die Freilassung der Ausl√§nder, wie die Herausgabe des Cagliari. Mit dem R√∂mischen Stuhle hatte N. 1857 ein Concordat abgeschlossen, welches der Geistlichkeit wieder die vollste Gewalt in die H√§nde gab. √úberhaupt gerieth der K√∂nig immer mehr unter den Einflu√ü der absolutistischen Partei (Sanfedisten), welche ihn durch fortw√§hrende Ger√ľchte von Verschw√∂rungen zu schrecken u. zu den h√§rtesten Ma√üregeln zu dr√§ngen suchte; darum blieben auch die Ann√§herungsversuche Englands u. Frankreichs v√∂llig erfolglos. Im Jahre 1859 suchte man die √ľberf√ľllten Gef√§ngnisse dadurch zu leeren, da√ü man nach einem mit der Argentinischen Republik geschlossenen Vertrage eine bedeutende Anzahl politischer Gefangener (darunter Poerio) zur Deportation nach dem Platastrome einschiffte, welche jedoch unterwegs den Capit√§n zu einer Landung in Irland zwangen u. dann meist ins sardinische Heer eintraten. W√§hrend die italienischen Angelegenheiten immer verwickelter wurden u. der Krieg zwischen Sardinien u. √Ėsterreich bereits begonnen hatte, wobei die Regierung sich f√ľr eine bewaffnete Neutralit√§t erkl√§rte, lag der K√∂nig schon monatelang schwer krank darnieder u. st. am 22. Mai.

Der Kronprinz Franz, seit Anfang des Jahres mit der Prinzessin Marie von Baiern (der Schwester der Kaiserin Elisabeth von √Ėsterreich) verm√§hlt, bestieg den Thron als Franz II. Es gingen damals Ger√ľchte von Bestrebungen des Grafen von Trani, seines √§ltesten Stiefbruders, ihm den Thron streitig zu machen, u. in der That wurden viele Verhaftungen in den vornehmsten Familien vorgenommen. Die Berufung des Generals Filangieri u. des F√ľrsten Ischitella in das Cabinet des K√∂nigs wurden als eine Gew√§hr f√ľr die Ergreifung einer liberaleren Politik hingenommen u. dem √ľberhandnehmenden Einflu√ü Englands auf die Entschlie√üungen des K√∂nigs zugeschrieben. Es wurden zugleich wiederholt umfassende Amnestien erlassen u. das verha√üte Gesetz gegen die Verd√§chtigen aufgehoben. Je unruhiger es jedoch im Kirchenstaate wurde u. je offener die nationale Partei in N. u. Sicilien hervortrat, um so mehr f√ľhlte sich der junge K√∂nig nach dem System seines Vaters hingedr√§ngt. Als h√∂chst bedenkliches Zeichen mu√üte ein Aufstand der Schweizerregimenter in N. am 8. Juli gelten, welcher zwar mit Strenge niedergeschlagen wurde, aber dann die v√∂llige Aufl√∂sung der Schweizerregimenter zur Folge hatte, wonach die meisten Schweizer das Land verlie√üen. Inzwischen war in beiden Landestheilen die Stimmung immer drohender geworden, einzelne Aufst√§nde mehrten sich, wie am 10. Octbr. ein solcher in Sicilien losbrach, worauf in Palermo allgemeine Entwaffnung u. Sch√§rfung des Belagerungszustandes angeordnet wurde. Filangieri ward entlassen u. provisorisch durch General Cavaseca ersetzt. Die von Frankreich angerathenen Reformvorschl√§ge wies der K√∂nig zur√ľck; die Verhaftungen mehrten sich wieder. Zugleich wurden gewaltige Kriegsr√ľstungen u. die Befestigung der Grenzen angeordnet u. zahlreiche Truppen nach den Abruzzen entsendet.

[752] Unter den obwaltenden Verh√§ltnissen mu√üte die Anfang 1860 erfolgende Ver√∂ffentlichung des Budgets f√ľr 1859 einen um so ung√ľnstigeren Eindruck machen, als dasselbe wiederum ein Deficit von 2 Millionen Ducati ergab, wie √ľberhaupt seit 10 Jahren die √∂ffentliche Schuld um 20 Millionen gewachsen war. Unter die ersten bedenklichen Zeichen des Jahres 1860 geh√∂rte, da√ü unter den nach dem Kirchenstaat hin aufgestellten, neuerdings bedeutend vermehrten Truppen eine weit verzweigte Verschw√∂rung entdeckt wurde, in welche selbst Offiziere verwickelt waren u. in deren Folge zahlreiche Verhaftungen unter dem Milit√§r erfolgten. In noch ausgedehnterer Weise fanden in N. am 1. M√§rz Verhaftungen, bes. vieler Edelleute, statt, wie denn an diesem Tage wegen Bef√ľrchtung des Ausbruches einer Muratistischen Erhebung das ganze Milit√§r in der Hauptstadt allarmirt war. Die definitive Entlassung Filangieri's aus dem Cabinet am 11. M√§rz u. dessen Ersetzung durch Carafa trug noch mehr zu der allgemeinen Erbitterung bei. Inzwischen hatten aber die Verh√§ltnisse in Sicilien eine noch viel drohendere Gestalt angenommen. Nachdem schon seit l√§nger dort gro√üe Aufregung geherrscht u. sich bes. in Mordversuchen gegen Beamte kundgegeben hatte, wie in Messina der Generalstaatsprocurator dem Volksha√ü als Opfer gefallen war, brach am 4. April in Palermo in Folge einer von der Regierung angeordneten Durchsuchung des Klosters Gancia nach verd√§chtigen M√∂nchen eine, immer gr√∂√üeren Umfang gewinnende Volkserhebung aus; das von den M√∂nchen u. dem Volke tapfer vertheidigte Kloster wurde endlich von den Truppen erst√ľrmt u. die in andern Stadttheilen sich erhebende Emp√∂rung durch das Milit√§r unterdr√ľckt, aber ein gro√üer Theil der Aufst√§ndischen floh ins Innere der Insel. Gleiches geschah nach dem am 8. April in Messina gegen die Truppen ausgebrochenen Aufstand. So mehrten sich die Anzeichen, da√ü die italienische Propaganda in Folge einer pl√∂tzlichen Schwankung den √§u√üersten S√ľden zum Ausgangspunkt einer neuen Bewegung erkoren hatte. Au√üer allem Zweifel aber wurde dies gesetzt, als der seit einiger Zeit in Zur√ľckgezogenheit lebende sardinische General Garibaldi, nachdem er, von der sardinischen Regierung nur unzureichend verhindert, in der Nacht vom 5. zum 6. Mai Genua mit mehren Schiffen verlassen hatte, am 11. in Marsala auf der Westk√ľste von Sicilien mit etwa 1100 Mann wohlbewaffneten Freischaaren, auffallend unterst√ľtzt von einer englischen Fregatte, landete u. nach getroffener Verabredung mit den sich ihm alsbald, unterordnenden einheimischen F√ľhrern des Aufstandes, welcher nun v√∂llige Organisation erhielt, gegen die sich immer weiter nach Palermo zur√ľckziehenden Regierungstruppen marschirte. Der Hof von N. wurde dadurch in einen gro√üen Schrecken versetzt. Da der von der Regierung bei dem diplomatischen Corps zu N. erhobene Protest gegen das Verfahren Sardiniens erfolglos blieb, wurde General Lanza nach Sardinien gesandt, um Concessionen zu machen, namentlich Amnestie, Eisenbahnen u. die Errichtung eines besonderen Vicek√∂nigreiches in Sicilien zu versprechen. Aber es war schon zu sp√§t; Garibaldi, durch Massen sicilischer Insurgenten u. fortw√§hrend zur See anlangenden fremden Zuzug verst√§rkt, stand am 20. Mai bereits in der N√§he von Palermo, dessen Erst√ľrmung, von innen durch das Volk unterst√ľtzt, am 27. begann u. erst am 31. nach einem Bombardement durch die k√∂nigliche Armee gegen die Stadt durch einen Waffenstillstand unterbrochen wurde, welcher endlich, nachdemdie Einwilligung dazu von Seiten des k√∂niglichen Hofes in N. erlangt worden war, mit der R√§umung der Stadt u. der Forts durch die k√∂niglichen Truppen endete, die sich zumeist nach Messina einschifften. Unterdessen hatte sich Garibaldi schon zum Dictator von Sicilien erkl√§rt, ein Ministerium gebildet u. eine neue Verwaltung u. neue Aushebungen angeordnet. In N. herrschte w√§hrend dessen vollst√§ndige Rathlosigkeit; die Entlassung u. Verbannung der Generale Lanza u. Letizia √§nderte in der Lage der Dinge nichts. Endlich lie√ü sich der K√∂nig zu Concessionen herbei u. unterzeichnete am 25. Juni einen Erla√ü, durch welchen Amnestie, Bildung eines neuen Ministeriums, Wiederherstellung der Verfassung von 1848, B√ľndni√ü mit Sardinien u. Annahme der italienischen Farben zugesagt wurden, u. welchem weitere Verhei√üungen folgten. Aber schon bei Verk√ľndigung des neuen Ministeriums unter Spinelli am 28. fanden in der Hauptstadt von Seiten der beiden √§u√üersten Parteien wieder die gr√∂bsten Excesse statt. Auch nach Aufhebung des Belagerungszustandes, der Einberufung der Kammern auf den 1. September u. der provisorischen Errichtung einer Nationalgarde besserten sich die Verh√§ltnisse nicht. Es herrschte allgemeines Mi√ütrauen gegen die Aufrichtigkeit der k√∂niglichen Zusagen; das Ministerium zeigte keine Energie u. gewann, selbst nachdem der volksbeliebte Romano in dasselbe eingetreten war, auf keiner Seite Sympathien. Die Aufst√§nde in den Provinzen w√§hreten fort. Die Hoffnung auf eine Intervention der Gro√üm√§chte schwand immer mehr. Die franz√∂sische Regierung hatte dem au√üerordentlichen Gesandten des K√∂nigs eine ausweichende Antwort gegeben; Sardinien dagegen hatte f√ľr das ihm angetragene B√ľndni√ü fast unerf√ľllbare Bedingungen (Aufgeben von Sicilien etc.) gestellt, u. K√∂nig Victor Emanuel sich gegen√ľber den Forderungen N-s nur dazu herbeigelassen, Garibaldi zur vorl√§ufigen Einstellung der Feindseligkeiten aufzufordern, worauf Letzter jedoch unter Hinweisung auf die Lage Italiens ablehnend antwortete. Der Dictator schritt inzwischen mit der Neuorganisation von Sicilien fort, gab die Schifffahrt frei u. lie√ü die R√ľstungen mit Energiebetreiben, wozu das fortw√§hrende Anlangen von italienischen Freischaaren u. die sich best√§ndig h√§ufenden Desertionen der k√∂niglichen Truppen, selbst die eines neapolitanischen Kriegsschiffes, die beste Unterst√ľtzung boten. Der Kampf mit dem treugebliebenen Milit√§r w√§hrte jedoch best√§ndig fort; Milazzo fiel nach hartn√§ckigem Kampf, u. Anfangs August hielt die k√∂nigliche Streitmacht fast nur noch die Citadelle von Messina besetzt. Unterdessen hatte aber in Sicilien, bes. in Palermo, auch schon der Streit der politischen Parteien f√ľr od. wider Anschlu√ü an Sardinien od. an ein neues Mittelitalien begonnen u. den Dictator zu mehrmaligem Wechsel seines Ministeriums, ja der Ausweisung seines ersten Ministers Lafarina, veranla√üt. Mit der Ankunft des sardinischen Bevollm√§chtigten Depretis, welcher als Vicedictator auftrat u. die sardinische Verfassung proclamirte, sowie die Beamten darauf vereiden lie√ü, trat jedoch hierin ein g√ľnstigeres Verh√§ltni√ü ein. In N. selbst stieg inzwischen die Verwirrung; der Ausbruch einer Verschw√∂rung[753] des Grafen von Aquila zum Sturz der Verfassung war am 9. Aug. von der Nationalgarde mit M√ľhe unterdr√ľckt worden. Der Graf von Syracus, Oheim des K√∂nigs, hatte sich offen f√ľr ein Norditalienisches Reich u. Victor Emanuel erkl√§rt u. war verbannt worden. Der K√∂nig aber hatte wieder ganz zu reaction√§ren Mitteln gegriffen u. sich der Camarilla aufs Neue in die Arme geworfen. Der Belagerungszustand war wiederum erkl√§rt, die Wahlen f√ľr die Kammern waren verschoben, der gr√∂√üte Pre√üzwang herrschte; schon nahte aber auch die Entscheidung. Nach l√§ngerer Vorbereitung zu einer Landung auf dem Festlande, wozu Garibaldi durch die weitern √úberg√§nge k√∂niglicher Kriegsschiffe unterst√ľtzt wurde, u. nachdem der vereinzelte Versuch einer Landung bei Castellamare mi√ügl√ľckt war, setzte Garibaldi am 19. August mit starker Macht √ľber, nahm am 22. zun√§chst Reggio u. lie√ü kleinere Expeditionen an andern K√ľstenpunkten landen u. ins Land vordringen. Sofort fanden nun auch in den meisten Provinzen Erhebungen f√ľr ihn statt, welche bei der Unzuverl√§ssigkeit des Milit√§rs nur m√ľhsam unterdr√ľckt wurden. Wirklich befand sich auch schon das k√∂nigliche Heer zum gro√üen Theile in vollst√§nst√§ndiger Aufl√∂sung; ganze Brigaden wurden fahnenfl√ľchtig, die meisten im Felde stehenden Generale capitulirten, die Kriegsschiffe gingen √ľber. Da endlich entschlo√ü sich der K√∂nig, nach langem Str√§uben, am 6. September die Hauptstadt zu verlassen u. ging zur See nach Ga√ęta ab, wohin ihm das diplomatische Corps folgte. Schon am 7. zog darauf Garibaldi in N. ein, wo er sofort Victor Emanuel als K√∂nig von Italien ausrufen lie√ü u. ein neues Ministerium unter Romano bildete. Doch war seine Stellung, inmitten der Parteien, von denen die eine die Annexation, die andere mit Mazzini die Republik, die dritte Fortdauer eines selbst√§ndigen Reiches unter einem anderen K√∂nige wollte, u. gegen√ľber einestheils dem sardinischen Ministerpr√§sidenten Cavour, anderntheils der Unzul√§nglichkeit seiner Truppen gegen die dem K√∂nig treu gebliebenen neapolitanischen, l√§ngere Zeit eine sehr schwierige, bis er sich v√∂llig der sardinischen Regierung unterordnete u. selbst den Einmarsch sardinischer Truppen forderte, um den K√§mpfen mit den neapolitanischen Truppen um Capua, Ga√ęta etc. ein Ende zu machen. Nachdem das sardinische Ministerium den beschlossenen Einmarsch sardinischer Truppen in das K√∂nigreich beider Sicilien dem neapolitanischen am 6. Octbr. angezeigt hatte, protestirte dieses am 7. Octbr. dagegen. Gleichwohl ging der K√∂nig, nachdem er am 13. Octbr. eine neapolitanische Deputation wegen der Annexation an Sardinien empfangen hatte, auch ungeachtet einer dringenden Vorstellung dagegen von Seiten Preu√üens u. Ru√ülands doch nach S√ľditalien, landete bei Giulia Nova u. setzte seinen Marsch nach Foggia fort. Die Hauptstadt wollte er erst nach vollendeter Volksabstimmung √ľber seine Annahme betreten. Ru√üland rief nun seinen Gesandten von Turin ab, was der Kaiser von Frankreich, welcher vorgeblich das Verfahren Victor Emanuels gegen N. mi√übilligte, schon vorher gethan hatte.

Vgl. F. A. Grimaldi, Istoria delle leggi e magistrati del regno di Napoli (v. Erb. Roms bis 1211 n.Chr.), Neap. 1781‚Äď86, 16 Bde.; N. Toppi, Bibliotheca Napoletana, ebd. 1678, 2 Bde., Fol.; hierzu L. Nicodemo, Addizioni copiose alla Bibl. Nap., ebd. 1683, Fol.; Caruso, Bibliotheca histor. regni Siciliae, Palermo 1720‚Äď23, 2 Bde.; D. Jordanus, Delectus scriptorum rerum Neapolitanarum, Neap. 1735; Raccolta di tutti i pi√Ļ rinomati scrittori dell' istoria del regno di Napoli, ebd. 1769, 25 Bde.; Sora, Memorie storico-critiche degli storici Napolitani, ebd. 1781‚Äď82, 2 Bde.; A. Caraccioli, Antiqui chronologi quatuor historiae Neapolitanae, ebd. 1624; G. B. Caraffa, Storia del regno di Napoli, ebd. 1572, ebd. 1580; A. di Costanzo, Istoria del regno di Napoli, Aquileja 1582, Neap. 1735; Summonte, Istoria della citt√† e regno di Napoli, ebd. 1601, 4 Bde., ebd. 1751, 6 Bde.; F. Capecelatro, Istoria della citt√† e regno di Napoli, ebd. 1640, Pisa 1820, 4 Bde.; N. P. Giannetasio, Historia Neapolitana, ebd. 1713, 3 Bde. (italien. ebd. 1715, 3 Bde.); P. Giannone, Istoria civile del regno di N., ebd. 1723, 4 Bde., zuletzt Mail. 1823‚Äď24, 14 Bde. (deutsch von v. Lohenschiold u. le Bret, Ulm 1758‚Äď1770, 4 Bde.); P. Troyli, Istoria generale del reame di Napoli, Neap. 1747‚Äď53, 11 Bde.; A. Meo, Annali critico-diplomatici del regno di Napoli, ebd. 1805, 7 Bde.; Gesch. des K√∂nigreichs N., Darmst. 1828; F. de Angelis, Storia del regno di Napoli sotto la dinastia Borbonica, Neap. 1817, 4 Bde.; G. Orloff, M√©moires historiques et litt√©raires sur le royaume de Naples, mit Anmerkungen von A. Duval, Par. 1819‚Äď21, 5 Bde.; ebd. 1825, 5 Bde. (deutsch im Auszug, Lpz. 1821, 2 Bde.); P. Colletta, Storia del reame di Napoli dal 1734 sine al 1835, Par. 1835, 2 Bde., Capolago 1837, 4 Bde.; Cinq jours de l'histoire de Naples, Par. 1820 (deutsch Altenb. 1820); W. Pepe, Darstellung der politischen u. milit√§rischen Ereignisse in Neapel, im Jahr 1820 u. 1821, franz√∂sisch Lond. 1822, deutsch Ilmenau 1822; Carrascosa, Historische, politische u. milit√§rische Denkw√ľrdigkeiten √ľber die Revolution von Neapel 1820 u. 1821, aus dem Franz√∂sischen, 1823; Denkschrift √ľber die geheimen Gesellschaften in S√ľditalien u. bes. der Carbonari, Stuttg. 1823; Gamboza, Gesch. der neapolitanischen Revolution im Juli 1820; Helffrich, Neapel u. Sicilien im Jahre 1850, Lpz. 1853; Th. Mundt, Italienische Zust√§nde, 4. Thl. (Rom u. Neapel), Lpz. 1860.


Pierer's Lexicon. 1857‚Äď1865.

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