Bourbon [1]

Bourbon (bes. merkwürdige Personen), 1) Bona von B., s. Bona 4). 2) Pierre II., Duc de B., s. Beaujeu 7). 3) B.-Dampierre, Guido von B., s. Bourbon. 4) Charles, Duc u. Cardinal von B., war Erzbischof u. Graf von Lyon, legte auf dem Concil zu Lyon 1449 die Streitigkeiten zwischen den Päpsten Felix V. u. Nicolaus V. bei, erhielt 1456 den Cardinalshut u. st. 1487 in Lyon. 5) Charles, Duc de B., gewöhnlich der Connetable B. benannt, geb. 1489, 2. Sohn Gilberts von Bourbon, Vicekönigs von Neapel. Er ward, da sein älterer Bruder starb u. er seine Base Susanne, welcher die Herzogthümer Bourbon, Auvergne u. Chatellerault statt seiner von Ludwig XII. zugesprochen worden waren, heirathete, der reichste. Mann in Frankreich. 1507 zeichnete er sich gegen Genua, 1509 gegen Venedig, 1512 gegen Spanien aus u. behauptete 1514 Burgund gegen die Schweizer. Er begleitete den König nach Italien, trug sehr viel zum Siege bei Marignano bei u. ward Gouverneur von Mailand. Hier widerstand er mit geringen Kräften dem Kaiser Maximilian, ward aber auf Betrieb der Königin Mutter, Louise von Savoyen, verwittweten Herzogin von Angoulème, die ihn liebte, deren Hand er jedoch nach dem Tode seiner Gemahlin ausschlug, von seinem Gouvernement abberufen. Nach dem Tode seiner Kinder machte Louise ihm die Erbschaft seiner Gemahlin streitig u. das Parlament sprach dem Connetable die Grafschaft de la Marche ab, welche Louise erhielt, u. ließ ihm nicht einmal seinen Sold auszahlen. Hierdurch u. durch Kränkungen, welche B. 1520 im Lager des Königs erlitten hatte, ließ er sich 1523 verleiten, zu Kaiser Karl V. u. Heinrich VIII. von England überzutreten. Er vertrieb nun an der Spitze der Kaiserlichen 1524 Bonivet aus Italien, u. wollte nach Lyon vordringen, um so in die Nähe seiner Anhänger zu kommen u. ein eigenes Heer zu bilden, mit dem er die ihm als Königreich zugesagten Provinzen Dauphiné u. Provence behaupten konnte; allein des Kaisers Befehl zwang ihn, nach Marseille zu gehen. Der Zug mißlang, u. Franz I. kam gleichzeitig mit den sich Zurückziehenden in [146] Mailand an. Die Belagerung von Pavia hielt indessen den König auf, B. sammelte in Deutschland ein neues Heer u. schlug die Franzosen bei Pavia, s. Frankreich (Gesch.). Franz I. wußte indessen in seiner Hast persönliche Unterhandlungen einzuleiten, u. hielt selbst um des Connetable Braut, Eleonore von Portugal, die ihm Karl V. zur Gemahlin versprochen hatte, an; dieser mußte daher auf deren Hand verzichten u. erhielt Mailand zur Entschädigung. Bei seiner Freilassung 1526 versprach zwar Franz I., dem Connetable alle Güter wieder zu geben, hielt dies aber nicht. B. war daher blos auf Mailand beschränkt, u. dies fand er völlig ausgeplündert u. von einem zügellosen Heere besetzt. Um sich einen neuen Besitz zu erwerben, ließ er nun durch Frundsberg in Deutschland ein neues Heer werben, mit dem er im Vordringen gegen Neapel im Mai 1527 vor Rom erschien u. dies stürmen ließ, dabei aber durch eine Flintenkugel getödtet u. zu Gaeta beerdigt wurde. 6) Charles de B., gen. der ältere Cardinal B., geb. 1523, Sohn Karls von Vendôme, Herzog von Vendôme, Cardinal, Erzbischof zu Rouen u. päpstlicher Legat von Avignon; ward auf Befehl Heinrichs III. zu Tours gefangen gesetzt, weil man ihn nach der Ermordung des Herzogs von Guise fürchtete. 1589, nach der Ermordung Heinrichs III., ward er vom Herzog von Mayenne als Gegenkönig Heinrichs IV. unter dem Namen Karl X. zum König proclamirt u. vom Parlament anerkannt; er selbst wollte aber die Krone nicht annehmen, ward jedoch aus Vorsicht von Heinrich IV. gefangen gehalten u. st. 1590 zu Fontenai le Comté. 7) Charles de B., gen. der jüngere Cardinal B. od. der Cardinal von Vendôme, geb. 1562, Sohn Ludwigs von B.-Condé; trat nach Heinrichs III. Tode an die Spitze der Partei, welche Heinrich IV. nur, wenn er der protestantischen Lehre entsagte, anerkennen wollte, u. behauptete ebenfalls, wiewohl vergebens, ein näheres Recht auf den Thron zu haben, als Heinrich IV.; er st. 1594. 8) Antoine de B., Comte de Moret, natürlicher Sohn Heinrichs IV. von Jacobine de Bueil, Gräfin v. Moret, geb. 1607, wurde 1608 legitimirt; erhielt mehrere Abteien, schlug sich zur Orleanschen Partei u. blieb 1632 bei Castelnaudary. 9) Louis Marie de B., geb. 1777, Sohn des Infanten Louis, des Bruders Karls III. von Spanien, Cardinal u. Erzbischof von Toledo; trat nach Ferdinands VII. Verhaftung zu Valençay an die Spitze der Cortes u. verlor, weil er die Constitution der Cortes 1814 dem König zur Unterschrift vorgelegt hatte, sein Bisthum; nach der Restauration 1820 wurde er in den Staatsrath berufen u. st. 1823.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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