Brabant [2]

Brabant (Gesch.). Anfänglich wohnten die Menapier u. Tungern, Mischvölker von Germanen u. Celten, in B., diese wurden von den Römern bezwungen u. das Land zu der Provinz Gallia belgica geschlagen. Im 5. Jahrh. bemächtigten sich die Franken des Landes u. ließen sich daselbst nieder. In der Theilung der Merowingschen Monarchie kam es im 6. Jahrh. zu Austrasien, wurde im 9. Jahrh. mit Lothringen vereinigt u. kam, als dies Land getheilt wurde, 870 zu Frankreich; schon zu Anfang des 10. Jahrh. kam es wieder an Lothringen u. zwar gehört es seit der Theilung Lothringens 959 zu Niederlothringen. Als 1005 Herzog Otto von Niederlothringen kinderlos st., so machte seine Schwester, Gerberga, Gemahlin des Grafen Lambert v. Löwen, Ansprüche auf B., aber Kaiser Heinrich II. verlieh es Gottfried, Grafen v. den Ardennen. Das Geschlecht desselben besaß B. bis 1076, wo der letzte Graf aus demselben, Gottfried der Bucklige, getödtet wurde. Da dieser keine Kinder hinterließ, so folgte ihm sein Schwestersohn, Gottsried v. Bouillon, der nachmalige König von Jerusalem, Anfangs blos in den Alloden, da Kaiser Heinrich IV. die Lehen von B. seinem eigenen Sohn Konrad gab, später aber, als er dem Kaiser treu diente, 1087 auch in den Lehen. Als Gottfried nach Palästina zog, gab der Kaiser B. an Heinrich v. Limburg, da dieser aber gegen den Kaiser treulos war, so verlieh er es von Neuem an Gottfried, Grafen v. Löwen, dessen Nachkommen in männlicher Linie das Land bis 1355 besaßen. Die Namen der Grafen v. B., die unmittelbar auf ihn folgten, sind nicht mit Sicherheit anzugeben. Gegen Ende des 12. Jahrh. regierw Gottfried III., welcher 1185 starb. Ihm folgte [162] Heinrich I., der 1186 vom Kaiser Friedrich I. zum Herzog v. B. ernannt wurde. Dieser wohnte dem 3. Kreuzzuge bei; unter ihm wurde auch der lange Krieg B-s mit den Grafen von Flandern u. Holland beendigt u. B. von dem Bündniß mit Frankreich abgezogen. Heinrich I. st. 1236. Sein Sohn u. Nachfolger Heinrich II., der Großmüthige, prätendirte als Gemahl Sophiens, Tochter des Landgrafen Ludwig des Heiligen von Thüringen, nach Heinrich Raspe's kinderlosem Versterben, dessen Besitz, u. traf Anstalten, Thüringen od. wenigstens Hessen zu erobern. Gegen ihn stand Heinrich der Erlauchte, Markgraf von Meißen, als Mitbewerber auf, u. Heinrich II., bei Mühlhausen geschlagen, konnte seine Ansprüche nicht durchsetzen. Er st. noch vor Entscheidung der thüringischen Erbfolge 1247. Sein ältester Sohn Heinrich III., der Friedfertige, folgte ihm, während dessen Bruder, Heinrich das Kind, die Ansprüche auf Thüringen u. Hessen aufnahm u. Landgraf von Hessen wurde. Heinrich führte, wie sein Vater, den Titel eines Herzogs von Niederlothringen u. st. 1267; ihm folgte sein 2. Sohn Johann I., der Siegreiche, da sein älterer Bruder Heinrich Mönch wurde. Dieser kriegte mehrmals zur Unterstützung der Königin von Navarra gegen Aragonien, hatte mit Heinrich von Luxemburg Streit um Limburg u. besiegte u. tödtete denselben 1288 in der Schlacht bei Wöringen u. vereinigte Limburg mit B. Er st. 1294. Nach ihm regierte sein Sohn Johann II., der Friedfertige, bis 1312 ruhig u. weise, u. dann Johann III., der Triumphirende. Dieser vertheidigte sich mit Glück gegen mehrere deutsche Fürsten, welche Frankreich gegen ihn bewaffnet hatte, u. schloß mit Frankreich Frieden; ließ sich zwar durch Eduard III. von England wieder gegen Frankreich gewinnen, betrieb indeß den Krieg nur lässig. Er erhielt 1349 vom Kaiser Karl IV. die Goldene Bulle von B. (Brabanter Bulle), d.h. den freien Gerichtsstand, in Folge dessen sich ein brabantischer Unterthan vor keinem Gerichtshof außerhalb B-s zu stellen brauchte. Er st. 1355 u. hinterließ nur 2 legitime Töchter, von denen die ältere, Johanna, an Herzog Wenzel von Luxemburg, Bruder des Kaisers Karl IV., vermählt war. Mit Wenzels Regierungsantritt begann die Sitte in B., daß die Herzöge vor dem Einzug in die Residenz die aus 59 Artikeln bestehende Karte beschwören mußten. Diese hieß deshalb Blyde-Incomste (franz. Joyeuse entrée, der fröhliche Einzug). Johanna's Schwester Margaretha war an den Grafen Ludwig II. von Flandern, u. deren Tochter Margaretha mit Philipp den Kühnen von Burgund vermählt u. hatte diesem 3 Söhne, Johann, Anton u. Philipp geboren; den zweiten ernannte Johanna zum Erben, u. als sie 1405 st., folgte er ihr als Herzog von B. Anton nahm lebhaften Antheil an den Kriegen seines Bruders Johann von Burgund u. Frankreichs gegen England u. fiel 1413 in der Schlacht bei Azincourt. Auf ihn folgte sein Sohn Johann IV. bis 1422 unter der Vormundschaft seines Oheims Philipp; er war vermählt mit Jacobäa von Holland, die ihn aber bald wieder verließ, u. st. 1426 ohne Erben. Das Land fiel nun an seinen Oheim Herzog Phillipp, den jüngern Bruder Antons. Dieser st. aber schon 1429 (1430) zu Löwen, u. mit ihm starken die Herzöge von B. aus, u. B. fiel nun an Herzog Philipp den Guten von Burgund (s. Burgund Gesch.). Als 1484 Kaiser Maximilian die Erbtochter von Burgund, Menia, Tochter Karls des Kühnen, heirathete, kam B. an das Haus Österreich. Von Maximilian erbte es dessen Sohn, Kaiser Karl V., u. von diesem sein Sohn Philipp II. von Spanien. B. war eine der ersten niederländischen Provinzen, die sich gegen Spaniens Religionsedicte u. Alba's Tyrannei erhoben; doch konnte es sich nicht losreißen. Im Frieden zu Münster 1648 blieb das nördliche Stück od. Herzogenbusch, das unterdessen wieder katholisch geworden war, als Nord-B. od. die Generalitätslande in den Händen der 7 vereinigten Provinzen, während Antwerpen u. Mecheln, davon getrennt, eigene Provinzen wurden. Der übrige Theil von B., Süd-B., wurde 1714 mit den spanischen Niederlanden, nach Aussterben der Österreichisch-spanischen Linie wieder an das Kaiserhaus Österreich abgetreten. 1746 eroberten die Franzosen Süd-B., gaben es aber 1748 im Aachener Frieden an Österreich zurück. Unter Joseph II. entstand ein Streit zwischen der Regierung u. den Brabanter Ständen über die Auslegung einiger Artikel der Blyde-Incomste, u. als in Folge davon die Stände aufgehoben worden waren, versammelten sich diese ungerufen u. sprachen die Trennung B-s von Österreich aus. Vgl. Belgien (Gesch.). Kaiser Leopold II. gab den Brabantern ihre alten Rechte zurück. 1794 eroberten die Franzosen B. von Neuem u. behielten es 1797 durch den Frieden von Campo Formio. Napoleon eroberte dazu 1810 auch Nord-B., u. B. bildete nun den größten Theil des Departements Rheinmündungen. 1814 wurde B. durch den Pariser Frieden den alliirten Mächten überlassen u. von diesen zu dem Königreiche der Niederlande geschlagen u. bildete die 3 Provinzen: Nord-B., Antwerpen u. Süd-B. 1830 gab Süd-B. durch den Aufstand seiner Hauptstadt Brüssel das Signal zur Losreißung Belgiens von den Niederlanden u. es bildet seitdem, u. 1839 an Belgien förmlich abgetreten, den Kern des Königreichs Belgien, während Nord-B. bei Holland verblieb.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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