CanńÉda [2]

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CanńÉda [2]

CanńÉda (Gesch.). Der Name C. soll von dem spanischen aca nada! (d.i. hier [im Norden] ist nichts!) herkommen, welches die Spanier, es entdeckend, wegen des unproductiven Landes ausgerufen h√§tten; nach Andern von dem Cabo de Nada, einem Vorgebirg am Lorenzstrom, od. vom schippew√§ischen Canata, gro√ües Dorf. Zuerst besuchten die Italiener Giovanni u. Sebast. Cabot mit 6 englischen Schiffen 1497 das Land, doch wurde von den Engl√§ndern keine Notiz von dieser Entdeckung genommen. Um 1500 besuchten die Franzosen unter den Italiener Giovanni Verragani das Land, das dieser f√ľr Frankreich in Besitz nahm; 1506 Denis u. 1508 Aubert; 1534 u. 1535 fuhr Jacq. Cartier den Lorenzstrom hinauf u. nannte das Land Neu-Frankreich; er schlo√ü Vertr√§ge mit den Eingebornen u. baute eine Festung. Um 1600 wurde schon ein gro√üer Pelzhandel zwischen C. u. Frankreich getrieben. 1603 u. 1608 gingen Handelsgesellschaften von Rouen, St. Malo u. La Rochelle nach C.; 1608 legte Capit√§n Champlain den Grund zu Quebec, worauf die Colonie zum franz√∂sischen Vicek√∂nigreich gemacht wurde. Den Titel Vicek√∂nig von Neu-Frankreich erhielt 1620 der Marschall Montmorency. 1628 ging auf Richelieu's Antrieb eine neue Handelsgesellschaft von 100 Mitgliedern von Frankreich nach C.; sie erhielt das ausschlie√üliche Privilegium, mit C. zu handeln, machte sich aber anheischig, in 3 Jahren 300 u. bis 1643 16,000 Handwerker u. Ackerbauer dahin zu bringen. Wie die fr√ľheren Colonisten, so vermochten auch diese nicht die dortigen Zust√§nde zu verbessern u. zu consolidiren. Fortdauernde Streitigkeiten mit den Indianern, welche von den Ansiedlern perfid behandelt wurden u. daher ihnen feindselig gesinnt waren, traten dem Gedeihen der Colonie hindernd entgegen. Noch schlimmer gestalteten sich die Verh√§ltnisse, als die Religionsverfolgung der Jesuiten sich auch in den Colonien gegen die Reformirten wendete, so da√ü diese auch dort keine Zuflucht fanden. 1629 nahmen die Engl√§nder Quebec, gaben es aber 1631 den Franzosen zur√ľck u. 1640 wurde Montreal gegr√ľndet. Seit 1664 wurde C. von der Franz√∂sisch-westindischen Colonie verwaltet u. die Colonie unter k√∂nigliche Oberaufsicht gestellt. Inde√ü wurden schon 1674 der Gesellschaft die Territorien wieder entzogen u. eine Regierung nach C. geschickt. Diese, Conseil souverain, bestand aus dem Gouverneur als k√∂niglichem Commiss√§r, einem apostolischen Vicar zur Wahrnehmung der kirchlichen Interessen u. 4 Edelleuten als R√§then. Die Colonien wurden nun bl√ľhend, aber dies gab den Engl√§ndern Veranlassung zur Eifersucht, u. es entstanden fortw√§hrend K√§mpfe an den Grenzen der beiden M√§chte. 1685‚Äď88 waren kaum 12,000 Franzosen in dem Lande; viele Protestanten hatten sich, um den Verfolgungen zu entgehen, in der Wildni√ü angebaut. Nachdem die Engl√§nder schon 1690 u. 1711 vergebliche Versuche gemacht, sich C-s zu bem√§chtigen u. 1756 durch den Marquis Montcalm, der in C. landete, mehrere Forts nahm u. 2000 Franzosen zu Gefangenen machte, sie aber durch insgeheim gewonnene Indianer niedermachen lie√ü, mehrere Vortheile gewonnen hatten, eroberten sie unter General Wolfe 1759 Quebec, u. Frankreich mu√üte im Frieden zu Paris 1763 C. abtreten. Diesen Verlust hatten die Franzosen mehr dem Unfug der Beamten in C., die sich allerhand Ungerechtigkeiten zu Schulden kommen lie√üen, als dem Ungl√ľck gegen die Engl√§nder zuzuschreiben. Ber√ľchtigt sind bes. die Namen Beaujon u. Bigot. Von der franz√∂sischen Regierung ward eine Untersuchung √ľber jene Beamten verh√§ngt, in deren Folge Mehrere in die Bastille gesetzt, Andere verbannt wurden. Die Briten f√ľhrten nun durch Proclamation vom 7. October 1763 englisches Recht u. englische Gerichtsh√∂fe f√ľr die Civil- u. Criminalprocesse ein; dies erregte aber als Antastung der franz√∂sischen Nationalit√§t Unwillen, u. als die Nordamerikanischen Unruhen ausbrachen, wurde f√ľr alle √§lteren Colonisten 1774 die alte franz√∂sische Seigneurverfassung (d.h., da√ü ein Individuum einen ganzen District in Lehn bekam u. diesen nun Einzelnen, ihm Lehnbaren, abtrat) u. das franz√∂sische Recht mit Ausnahme des Criminalrechts hergestellt, w√§hrend die neuen, d.h. englischen Ansiedler, in ihren Townships das englische Recht beibehielten. Diese Ma√üregel u. der Umstand, da√ü die damals an Despotie gew√∂hnten Franzosen, besser mit der englischen Regierung daran waren, als mit ihrer eignen, waren Ursache, da√ü, als der Nordamerikanische Freiheitskrieg ausbrach u. 1775 die amerikanischen Generale Montgomery u. Arnold C. zu insurgiren versuchten, die Einwohner von C. der britischen Regierung treu blieben. Auch mi√ülang das Unternehmen der Amerikaner auf Quebec im December 1775 u. Bourgoyne reinigte C. von den Insurgenten. 1784 wurde die Habeascorpus acte in C. eingef√ľhrt. Auf Pitts Betrieb wurde, um C. ganz den anderen englischen Colonien gleichzustellen, die neue Constitution von 1791 verfa√üt. Danach wurde C. in 2 Gouvernements, Ober-C. u. Unter-C., getheilt u. jedem vom K√∂nig zu ernennenden Gouverneur ein berathender Vollziehungsrath u. 2 parlament√§hnliche Corporationen, der gesetzgebende Rath u. die Assembly (s. Canada, Geogr.) beigegeben. Aber diese echt englische Einrichtung sagte dem franz√∂sischen Charakter nicht zu, die in Nieder-C. die englische Nationalit√§t um das 4fache √ľberwiegende franz√∂sische Bev√∂lkerung trat mit der rein englischen gesetzgebenden Versammlung u. dem Geheimenrath bald in dem Repr√§sentantenhaus in geheime Opposition, u. die meisten in diesem durchgegangenen Bills wurden in der gesetzgebenden Versammlung verworfen. Dadurch wurde die Verschmelzung des franz√∂sischen u. englischen Elements gehindert, u. immer sch√§rfer sonderten sich die Elemente, da√ü in Nieder-C. das franz√∂sische u. in Ober-C. das englische das herrschende wurde. Bei alle dem wankte die Treue der Canadier gegen England nicht, u. der Prinz-Regent sprach laut seinen Dank gegen dieselben √ľber ihr Benehmen in dem Kriege gegen die Vereinigten Staaten 1812 aus.

Als jedoch nach dem Frieden 1816 viele Offiziere u. Beamten in C. Anstellung u. Fortkommen suchten u. der milde u. umsichtige Generalgouverneur Sir Sherbrooke, der seit 1816 diese Stelle bekleidet hatte, 1818 abging, zeigte sich in Nieder-C. nicht mehr der fr√ľhere Geist, man[619] klagte bes. unter dem Generalgouverneur Herzog von Richmond u. unter dem Untergouverneur von Nieder-C., Dalhousie, √ľber Nepotismus, Bedr√ľckungen, Veruntreuungen, Parteilichkeit etc. Als man daher die Wiedervereinigung der beiden C-s in Eine Colonie 1822 im britischen Parlament zur Sprache brachte, fand dies nicht nur in diesem gro√üen Widerspruch, sondern noch mehr in Unter-C., von wo eine Petition gegen diese Bill an das britische Parlament ging, welches dieselbe fallen lie√ü. An der Spitze der franz√∂sischen Opposition stand Papineau, nachmals Pr√§sident der Assembly von Unter-C., dessen Rednergabe auf die Bewegung gro√üen Einflu√ü √ľbte. Man verlangte bes. gr√∂√üere Verantwortlichkeit der executiven Gewalt u. mehr Regelm√§√üigkeit in der Finanzverwaltung, die ungeachtet des gro√üen Zuschusses Englands immer schlechtere Resultate gab. 1826 erregte die Canadalehnacte (Canada-tenures-act), welche das alte Seigneurverh√§ltni√ü aufhob, den Unwillen der franz√∂sischen Bev√∂lkerung, noch mehr steigerte sich die Unzufriedenheit, als der Generalgouverneur im November 1827 sich weigerte, die Wahl Papineaus als Sprecher in der Assembly von Unter-C. anzuerkennen. Die Assembly ging aus einander, setzte jedoch einen Ausschu√ü nieder, welcher eine Beschwerdeschrift an das britische Parlament richtete, worin bes. die Verwendung von 1/2 des ganzen Grundeigenthums f√ľr die englische Kirche hervorgehoben war; zugleich bat man um Dalhousies Abberufung. In Folge dessen wurde eine Commission zur Untersuchung der canadischen Verh√§ltnisse vom englischen Ministerium abgesandt u. Dalhousie abberufen. Die Commission fand die meisten Beschwerden gegr√ľndet, u. da in Rio u. Kempt u. sp√§ter in Lord Aylmar unparteiische u. umsichtige Gouverneure eingesetzt wurden, so beruhigten sich die Gem√ľther, obgleich keine Ma√üregeln getroffen wurden, welche auf eine durchgreifende Ver√§nderung des bisherigen Verwaltungssystems abzweckten. Eine Palliativma√üregel 1832, nach der auch 11 franz√∂sische Canadier in die gesetzgebende Versammlung aufgenommen werden sollten, befriedigte das Verlangen der franz√∂sischen Colonisten nicht, u. nachdem 1833‚Äď1835 kein Budget zu Stande gekommen war, ging 1834 Roebuck als Abgesandter der Assembly von Unter-C. nach London, um eine neue Beschwerde einzureichen. 1835 erschien eine Parlamentscommission, Lord Gosford, der zugleich zum Gouverneur in Unter-C. bestimmt war, an der Spitze, in C., die Assembly gerieth mit derselben in Conflicte, so da√ü es zu keiner Verst√§ndigung kommen konnte, u. 1836 beschlo√ü sie, um die Regierung zu definitiven Ma√üregeln zu n√∂thigen, mit gro√üer Stimmenmehrheit, f√ľr jetzt nur noch auf 6 Monate die Steuern u. zwar unter der Bedingung zu bewilligen, da√ü die gesetzgebende Gewalt k√ľnftig von einem, aus Wahlen hervorgegangenen Repr√§sentantenhause bestehen, die Executivgewalt aber verantwortlich sein solle. Beides schlug das britische Parlament am 13. M√§rz 1837 ab u. empfahl die Deckung des durch die Budgetverweigerung entstandenen Deficits. Auch in Ober-C. hatte sich indessen Unzufriedenheit gezeigt, man beklagte sich bes. √ľber die Familienaristokratie der alten Ansiedler (vor. 1812), den Family compact; diese waren strenge Anglikaner, hatten sich alles noch unbebauten Bodens durch Kauf, Lehen u. Abtretung, u. zugleich s√§mmtlicher Richter-, Civil-, Kirchen- u. Schul√§mter bem√§chtigt u. zogen jeden neuen Gouverneur in ihr Interesse. Gegen die dadurch hervorgerufene Mi√üverwaltung zeigte sich in der Assembly eine starke Opposition, welche ebenfalls auf Verantwortlichkeit der Regierungsbeamten antrug. An der Spitze der obercanadischen Opposition stand seit 1832 Mackenzie, welcher es dahin brachte, da√ü 1834 eine Petition mit ziemlich denselben Klagepunkten, wie die untercanadische, nach England abgesendet wurde; Gouverneur war damals Francis Head.

Als im Juni 1837 die Entscheidung des britischen Parlaments √ľber die Angelegenheiten Unter-C-s anlangte, wurde die Proclamation Lord Gosfords sogleich von den Milizen in Quebec abgerissen, u. die Assembly von Unter-C. erkl√§rte in einer Antwortsadresse am 18. August, da√ü sie diese Entscheidung als einen Mi√übrauch der Gewalt ans√§he u. so lange die Steuern verweigern w√ľrde, bis die Resolution des britischen Parlaments nicht zur√ľckgenommen u. die Forderungen bewilligt w√§ren. Nachdem Gos ford in Folge dieses Beschlusses die Assembly aufgel√∂st hatte, traten die Demokraten, mit Papineau. Nelson, Cote, Drolet an der Spitze, zu einer revolution√§ren Gesellschaft (S√∂hne der Freiheit) zusammen, welche zu Montreal einen Centralausschu√ü zur Leitung ihrer Unternehmungen constituirte. Dieser sprach die Trennung von England offen aus, u. 6 Grafschaften traten im October zu einer Conf√∂deration unter Nelson zusammen. Dagegen organisirten die Loyalisten ebenfalls einen Clubb, u. der Gouverneur zog zur Unterdr√ľckung der Bewegung, welche bereits den Charakter des B√ľrgerkriegs angenommen hatte, Truppen herbei. Oberst Gore wurde von 1500 M. unter Nelson bei St. Denis am Lorenzstrome den 23. November 1837 zur√ľckgeschlagen, Obristlieutnant Wetheral st√ľrmte aber den 26. November die Verschanzungen der Insurgenten unter Brown bei St. Charles u. drang bis St. Denis vor, welches er in Brand steckte. In Unter-C. wurde am 4. Decbr. das Kriegsgesetz erkl√§rt u. die Assembly dieser Provinz suspendirt. Am 14. u. 15. December wurden die Insurgenten bei St. Eustach u. Grand Brul√© angegriffen u. zerstreut, mehrere Anf√ľhrer blieben, andere retteten sich nach den Vereinigten Staaten. Gleich darauf wurde Lord Gosford abberufen u. Sir John Colborne provisorisch zum Gouverneur von Unter-C. ernannt. Auch in Ober-C. versuchte ein Insurgentenhaufe unter Mackenzie u. van Egmont die Hauptstadt Toronto (York) in der Nacht zum 5. December zu √ľberfallen, wurde aber am 7. December von Oberst Mac Nab, dem Sprecher der Assembly von Ober-C., angegriffen u. zerstreut. Van Egmont wurde gefangen, die √ľbrigen H√§uptlinge entkamen. Mackenzie floh nach Buffalo, im Staate New-York, nahm hier den Titel Pr√§sident der Canadischen Republik an u. brachte von nordamerikanischen Freischaaren, sogenannten Sympathizers, verst√§rkt, auf der canadischen Navyinsel bei Buffalo Lebensmittel u. Waffen zu einem Angriff auf Ober-C. zusammen. Er bediente sich eines Dampfschiffes Karoline, das einem B√ľrger von Buffalo geh√∂rte, um die Verbindung mit dieser Insel zu unterhalten. Dieses Dampfschiff wurde, w√§hrend es am New-Yorker Ufer bei dem Orte Schlosser vor Anker lag, vom Capit√§n Drew in[620] der Nacht zum 30. December 1837 in Brand gesteckt, von der Str√∂mung in den Niagarafall getrieben u. dort zerschmettert. Die Navyinsel wurde am 14. Januar 1838 von den Briten angegriffen u. die Insurgenten vertrieben. Dieser Vorfall h√§tte leicht die ernstlichsten Folgen haben k√∂nnen. Mac Nab ward 1840, 2 Jahre nach dem Vorfall, als Betheiligter bei dem √úberfall der Karoline auf dem Gebiete des Staates New-York verhaftet u. unter Insulten u. Todesdrohungen in ein Staatsgef√§ngni√ü geworfen. In Folge dessen drohte ein Conflict zwischen Gro√übritannien u. der Union auszubrechen, doch wurden die Schwierigkeiten mit der Freisprechung Mac Nabs gl√ľcklich beseitigt.

Unterdessen hatte das britische Parlament am 16. Jan. 1838 die Canadabill mit 110 Stimmen gegen 8 best√§tigt, wodurch die Verfassung von 1791 u. alle sp√§teren Verordnungen bis zum 1. November 1840 suspendirt u. Lord Durham als Generalgouverneur mit unbeschr√§nkter Vollmacht nach C. gesendet werden sollte. Dieser landete am 21. Mai in Quebec, u. eine seiner ersten Ma√üregeln war, da√ü er alle politisch Compromittirten nach den Bermudasinseln verbannte. In Folge der Indemnitybill, welche auf Antrag Lord Broughams die Acte des Generalgouverneurs als Vollmacht√ľberschreitung f√ľr nichtig erkl√§rte, legte Durham sein Amt nieder u. kehrte im November 1838 nach England zur√ľck. Inzwischen wurde die Ruhe nur noch an einigen Orten von einzelnen Insurgentenbanden u. Sympathizers gest√∂rt u. kehrte vollst√§ndig zur√ľck, als der Vorschlag Lord Russels, beide C-s in Hinsicht der Gesetzgebung durch Ein Parlament zu vereinen u. eine neue liberale Verfassung einzuf√ľhren (s. Canada, Geogr.), im Juli 1840 vom Parlament angenommen u. das betreffende Gesetz am 23. Juli 1840 in C. proclamirt wurde. 1841 wurde Sir Charles Bagot als Generalgouverneur nach C. geschickt. 1842, wo endlich nicht ohne Opfer von Seinen Englands die Streitigkeiten zwischen der Union u. England, welche Grenzbestimmungen zwischen dem Staate Maine u. C. betrafen, beigelegt wurden, erhielt die Regierung freiere Hand zu den beabsichtigten Verwaltungsreformen. Die Durchf√ľhrung derselben erweckte ihr jedoch die Gegnerschaft der alten Ansiedlerfamilien in Ober-C. (die Toryistische od. S√§chsische Partei genannt), die ihre durch Nepotismus starke Macht durch die liberalen Neuerungen bedroht sahen. An ihrer Spitze stand Mac Nab. Ihnen mi√üfiel die Vereinigung beider C-s, die Wahl der Minister des Gouverneurs aus den franz√∂sischen Abk√∂mmlingen u. die Umschmelzung der Regierungsform zu einer constitutionellen mit einem Vicek√∂nig, verantwortlichen Ministern u. parlamentarischer Regierung. Doch sahen sie sich durch das Zusammenhalten der Franzosen Unter-C-s unter sich u. mit den Radikalen Ober-C-s stets in die Minorit√§t gedr√§ngt. Ein unwesentlicher Streitpunkt f√ľhrte endlich zum offenen Ausbruche der Parteileidenschaft. Schon in dem letzten getrennten Parlament von Ober-C. war n√§mlich ein Gesetz √ľber Entsch√§digung aller durch die j√ľngste Revolution Besch√§digten durchgegangen, u. die englische Schatzkammer war hinsichtlich derselben in Anspruch genommen worden. Das erste vereinigte Parlament trat dem Beschlusse bei. Die also best√§tigte Bill erhielt im Allgemeinen wohl die Genehmianna des englischen Ministeriums. nicht aber in dem Punkte wegen des Anspruches auf die englische Schatzkammer, worauf das Council C-s den Antrag auf Zahlung der Entsch√§digung aus den consolidirten Fonds der vereinigten Provinzen stellte. Dagegen erhoben sich wieder die, ohnehin pecuni√§r durch die Vereinigung beeintr√§chtigten franz√∂sischen Canadier, den unterde√ü amnestirten Papineau (s. oben) an ihrer Spitze. Das canadische Ministerium fand die Protestation billig, u. das Council beschlo√ü, bei dem Gouverneur darauf anzutragen, da√ü die Entsch√§digung, wenn auch unter beschr√§nkenden Bedingungen, auch f√ľr Unter-C. eintr√§te (ausgeschlossen von der Beg√ľnstigung der Entsch√§digungsbill sollten n√§mlich hier Alle sein, welche an der Emp√∂rung th√§tigen Antheil genommen), w√§hrend f√ľr Ober-C. gar keine Beschr√§nkungen gelten sollten. Hiernach ward auch die in Unter-C vorgenommene Absch√§tzung von den Commiss√§ren bis auf 100,000 Pfd St. herabgesetzt. Im Anfange der Verwaltung des, nach Zur√ľcktritt des Lord Metcalfe neu ernannten Gouverneurs Lord Elgin (seit August 1847) blieb die Sache jedoch auf Rath der conservativen Minister, die mit den Loyalen zu brechen f√ľrchteten, g√§nzlich ruhen. Erst als Lord Elgin in Hoffnung auf eine g√ľnstigere Parteistellung im Sommer 1847 die Versammlung aufgel√∂st, die Neuwahlen, bes. aus Ober-C., jedoch nur eine Verst√§rkung der liberalen Partei u. durch sie den Sturz des Ministeriums zur Folge gehabt hatten, brachten die neuen liberalen Minister die Entsch√§digungsfrage wegen Unter-C. zur letzten Beschlu√üfassung vor das im Januar 1849 neu er√∂ffnete Haus u. erhielten im M√§rz dessen Beistimmung, selbst von Seiten der Majorit√§t der englischen Vertreter. Die Partei Mac Nab gerieth durch den Beschlu√ü v√∂llig au√üer sich. Waren schon seit Eintritt des liberalen Ministeriums mehrmals Unruhen in Toronto (22. M√§rz) u. Montreal ausgebrochen, so kam es nun zum offenen Aufstand. Am 25. April 1849, dem Tage der Sanctionirung der Bill durch Lord Elgin, brachen die Loyalen, seit Kurzem in eine British American League unter Oberst Mac Nab organisirt, in Montreal los, insultirten den Gouverneur, demolirten mehrere H√§user ihrer Gegner u. erst√ľrmten u. verbrannten endlich das Parlamentshaus mit der Bibliothek der Legislatur. Die Unth√§tigkeit der Garnison, den Aufr√ľhrern wohl um 1000 M. √ľberlegen, gab einen neuen Beweis f√ľr den Charakter des Aufstandes als eines reinen Racenkampfes gegen die Franzosen. Dagegen verhielt sich die Assembly ganz unparteiisch. Am 28. April gab die gro√üe Mehrheit dem Gouverneur ein Vertrauensvotum. Hierauf wendeten sich die Loyalen um Unterst√ľtzung nach England, von wo nach der Nachricht von dem Aufstande 3 Schiffe mit Truppen nach C. gingen. Unterdessen stieg die Aufregung immer mehr; es ging eine Adresse nach England, um die Regierung um ihr Veto gegen die Entsch√§digungsbill u. um Abberufung Lord Elgins zu bitten. Allein die englische Regierung rief den Lord Elgin nicht ab, billigte im Gegentheil seine Politik. Ende Mai wurde die Legislatur durch den Oberbefehlshaber der Truppen, Generalmajor Rowan, als Stellvertreter des Gouverneurs Elgin, vertagt. Neue Unruhen brachen am 15. August in Montreal nach Verhaftung einiger, in der Aprilrevolte Compromittirter aus u. am 7. September zwischen den Reformern u. Tories[621] zu Bytown, wo erstere zusammengekommen waren, um eine Gl√ľckw√ľnschungsadresse an den Gouverneur zu beschlie√üen; die Letzteren behaupteten den Platz, bis das Milit√§r sie vertrieb. Kurz darauf ward der Regierungssitz von dem unruhigen Montreal nach Toronto verlegt.

Unterdessen w√§hrte die Agitation f√ľr den Anschlu√ü an die Vereinigten Staaten, welche selbst ruhige Leute nicht aus politischen, sondern aus commerciellen Gr√ľnden w√ľnschten, fort u. rief verschiedene Adressen deshalb hervor. Lord Elgin verf√ľgte darauf die Absetzung aller bei den Anschlu√üadressen betheiligten Beamten. Zugleich sah er sich gen√∂thigt, gegen die im November 1849 aufst√§ndig gewordenen Chippewas-Indianer in den Bergwerksbezirken der oberen Seen, die, von Speculanten um ihr Land betrogen, lange ihr Recht bei der Regierung vergebens gesucht hatten, mit Waffengewalt einzuschreiten. In dem am 14. Mai 1850 zu Toronto neu er√∂ffneten Parlament erkl√§rte sich der Gouverneur gegen jeden Versuch, das Land von England loszurei√üen. Die 3 Hauptparteien des Landes: die altenglischen Conservativen unter Mac Nab, die entschieden antienglischen Republikaner Ober-C-s unter Papineau u. die franz√∂sische Reformpartei in Unter-C., welche eine Erweiterung des Wahlrechtes erstrebt hatten, schienen inde√ü seitdem darin einig zu sein, da√ü sie, wenn auch aus sehr verschiedenen Motiven, die Annexation an die Vereinigten Staaten f√ľr das Ersprie√ülichste halten. Die Nordstaaten der Union unterlie√üen nicht, diese Sympathien eifrig zu unterst√ľtzen, schon um in C. eine Verst√§rkung ihres √úbergewichts gegen√ľber den s√ľdlichen Sklavenstaaten zu erhalten, u. die Regierung der Vereinigten Staaten wird, bes. um ihrer Handelspolitik willen, den Gewinn des neuen Staates stets mit Freuden begr√ľ√üen. Die schwache Bev√∂lkerung C-s zu st√§rken, lenkte England, bes. seit 1847, den Strom der europ√§ischen Auswanderung dahin, u. wirklich z√§hlte man in diesem Jahre 100,000 Einwanderer, w√§hrend fr√ľher deren kaum 20,000 gewesen waren. Allein eben dadurch wurde √ľber C. gro√ües Verderben gebracht, denn die Einwanderer, meist arme Irl√§nder, auf der √úberfahrt in gr√∂√üeres Elend versunken, wurden, dort angekommen, noch zu Tausenden die Opfer des Typhus u. machten diese Krankheit in C. heimisch. Lord Elgin wurde im September 1852 vom Ministerium Palmerston abberufen u. an seiner Stelle Lord Harris zum Generalgouverneur ernannt. Unter Beider Verwaltung nahm die Colonie an Bev√∂lkerung wie an materiellen Hilfsquellen zu. Im Jahre 1853 fanden zu Montreal u. Quebec Unruhen statt, die in Folge der Reden des methodistischen Predigers Govazzi von der katholischen Bev√∂lkerung angestiftet waren, aber bald unterdr√ľckt wurden. Eine Spannung zwischen der Regierung u. dem Colonialparlament trat 1855 ein, wurde jedoch durch Nachgiebigkeit der Ersteren, welche in die W√§hlbarkeit des Oberhauses (Legislative council) u. in die Verf√ľgung √ľber die der Hochkirche reservirten G√ľter zu √∂ffentlichen Zwecken willigte, ausgeglichen. Gro√üe Eisenbahnbauten, welche im Jahre 1856 zur Ausf√ľhrung kamen u. die Hauptorte des Landes, Quebec, Toronto u. Montreal, unter einander u. mit den n√§chsten Handelspl√§tzen der Vereinigten Staaten in Verbindung brachten, trugen zum Aufschwung des Handels u. der Industrie wesentlich bei, w√§hrend durch Errichtung von Normalschulen f√ľr die Verbesserung des Unterrichts Sorge getragen wurde. Die Agitation f√ľr den Anschlu√ü an die Vereinigten Staaten lie√ü in demselben Grade nach, wie die Regierung bem√ľht war, den Forderungen des Parlaments entgegenzukommen u. das Wohl der Colonie durch zweckm√§√üige Ma√üregeln zu bef√∂rdern. ‚Äď Collection des m√©moires, etc., sur l'histoire ancienne du Canada, Quebec 1840; Brasseur de Bourbourg, Hist. du C., de son √©glise en de ses missions, Par. 1852, 2 Bde.


Pierer's Lexicon. 1857‚Äď1865.

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