Condé [2]

Condé, Seitenlinie des Hauses Bourbon, s.d.; Stifter desselben war: 1) Ludwig I. von Bourbon, Prinz von C. (so nach der Herrschaft u. Stadt Conde 1) genannt), Sohn Karls von Bourbon, Herzogs von Vendôme, u. Bruder Antons, Königs von Navarra, geb. 1530 in Vendôme. Von den Guisen mit Geringschätzung behandelt, entfernte er sich beleidigt vom Hofe u. diente unter dem Marschall von Brissac in Savoyen u. unter dem Herzog von Guise zu Metz. Die fortgesetzte Mißachtung, welche ihm von Seiten der Guisen auch jetzt noch zu Theil wurde, bewog ihn als offner Gegner derselben aufzutreten u. zu Nerac öffentlich zum Calvinismus überzugehen. Er begann seit 1562 einen förmlichen Religionskrieg (s. u. Hugenotten), wurde 13. März 1569 im Treffen bei Jarnac verwundet u. während des Verbindens von Montesquiou, Commandeur der Schweizergarde, erschossen. 2) Heinrich I. von Bourbon, Prinz von C., Sohn des Vor., geb. 1552 zu la Ferté sous Jouarre; als sein Vater fiel, ergriff er, 16 Jahr alt, die Partei der Reformirten u. führte dem Namen nach (eigentlich commandirte Coligny) mit Heinrich von Béarn (später Heinrich IV.) das Obercommando der hugenottischen Armee bis zum Frieden von St. Germain. In der Bartholomäusnacht gefangen, versprach er katholisch zu werden, entfloh aber nach Deutschland, wo er sich öffentlich zur evangelischen Confession bekannte. Von dort kehrte er bald zurück, um 1583 ein Commando über die Hugenotten in Maine zu übernehmen, focht bei Coutras an Heinrichs IV. Seite u. st. zu St. Jean d'Angely 1588 an Gift. Er war vermählt mit Charl. Kathar. de la Tremouille, s.d. 3) Heinrich II. von Bourbon, Prinz von C., Sohn des Vor., geb. 1588; wurde Anfangs reformirt, seit 1595 aber auf Heinrichs IV. Befehl katholisch erzogen; 1600 vermählte ihn der König mit Charlotte Margarethe von Montmorenci (st. 1650); da aber der König dieser den Hof machte, entzweite C. sich mit seiner Gemahlin, floh nach Brüssel u. dann nach Mailand, von wo er erst nach Heinrichs IV. Tode zurückkehrte. Maria v. Medici ließ ihn wegen angesponnener Cabale, u. da er 1614 die Waffen gegen sie erhoben hatte, in der Bastille u. später in Vincennes halten. Nach dreijähriger Hast befreit, erhielt er ein Commando in Languedoc. Gegen das Ende seines Lebens war er ein heftiger Feind der Reformirten u. st. 1646 in Paris. 4) Ludwig II. von Bourbon, Prinz von C., früher Herzog von Enghien, genannt der Große, Sohn des Vor., geb. 1624 in Paris, erhielt, 18 Jahr alt, das Gouvernement von Bourgogne, machte 1640 unter dem Marschall Meilleraye seinen ersten Feldzug in den Niederlanden, verheirathete sich 1641 mit Clare Clem. de Maillé-Brezé, einer Nichte Richelieus, erhielt 1643 den Oberbefehl der Armee gegen die Spanier, schlug diese bei Rocroy, führte Turenne 1644 7000 Mann zu, übernahm in Schwaben den Oberbefehl u. gewann die Schlacht bei Freiburg,[347] u. den 2. Sept, die von Nördlingen (s. Dreißigjähriger Krieg), kehrte 1648 nach den Niederlanden zurück, schlug die Spanier bei Lens u. eroberte Ypern. Durch die Intriguen seiner Schwester, der Herzogin von Longueville, wurde er in die Streitigkeiten der Fronde verwickelt, blockirte u. eroberte 1649 Paris für die Königin (Anna von Österreich, Mutter u. Vormünderin Ludwigs XIV.) u. führte dieselbe zurück. Als er sich um den Lohn für sein kühnes Unternehmen betrogen sah, kam es zwischen ihm u. Mazarin zum Bruch, in Folge dessen er nebst seinem Bruder, dem Prinzen Conti, u. seinem Schwager ins Gefängniß wandern mußte, nachdem ihn die Cabalen des Cardinals auch mit der Fronde entzweit hatten. Erst der Pfalzgräfin Anna Gonzaga gelang es, in Verbindung mit der Fronde, einen Volksaufstand in Paris herbeizuführen, welcher die Königin Mutter u. Mazarin zwang, den Prinzen nach einjähriger Hast die Freiheit zurückzugeben. Die Intriguen der Regentin u. Mazarins brachten ihn endlich dahin, daß er 1652 die Waffen gegen den Hof ergriff. Er siegte 6. April bei Bleneau, focht gegen Turenne in der Vorstadt St. Antoine, entfloh, als er sich nicht zu halten vermochte, nach Spanien u. wurde 1653 zum Tode verurtheilt. Der Friede 1658 brachte ihn nach Frankreich zurück, u. der König u. die Königin Mutter empfingen ihn mit Wohlwollen. Er trat nun wieder in französische Dienste, nahm 1668 die Franche Comté u. zog bei Tolhuys 1672 über den Rhein. Hätte Ludwig XIV. seinen Rath befolgt, auf Amsterdam los zu gehen, so wäre Holland verloren gewesen; allein der Prinz lag verwundet in Emmerich, u. Turenne war gegen das Unternehmen. Nach seiner Genesung eroberte C. Limburg, die Entwürfe des Feindes durchkreuzend, zwang Montecuculi, die Belagerungen von Hagenau u. Zabern aufzuheben u. wieder über den Rhein zurückzugehen. Von da an zog sich C. auf seinen Landsitz Chantilly zurück u. st. 1686 zu Fontainebleau. Sein Leben ist sehr oft beschrieben, s. u. Condé 10), zuletzt von Lemercier, Tours 1844. 5) Heinrich III. Julius, Herzog von Bourbon, Prinz von C., Sohn des Vor., geb. 1643; diente unter seinem Vater u. rettete bei Senef demselben das Leben; er st. in Wahnsinn 1709. 6) Ludwig III., Herzog von Bourbon u. Enghien, Sohn des Vor., geb. 1668; vermählt mit einer natürlichen Tochter Ludwigs XIV., dem Fräulein von Nantes; er st. 1710. 7) Ludwig Heinrich, Herzog von Bourbon, Prinz von C., Sohn des Vor., geb. 1692 in Versailles; stand während der Minderjährigkeit Ludwigs XV. an der Spitze der Regentschaft u. wurde nach dem Tode des Herzogs von Orleans 1723 Minister. Mehrere Personen benutzten seine Schwäche. Er erhöhte die Abgaben u. brachte den Adel u. das Volk gegen sich auf, bewog Ludwig XV., die Infantin zurückzusenden u. Maria v. Leszinska zu heirathen; durch den Cardinal Fleury in Ungnade gefallen, starb er 1742. 8) Karl, Graf von Charolais u. Prinz von C., Bruder des Vor., geb. 1700, verließ Frankreich u. machte unter Eugen den Türkenkrieg mit, er st. 1760. 9) Ludwig, Graf von Clermont, Bruder des Vor., geb. 1709, diente in den Niederlanden u. im Siebenjährigen Kriege; er war Großmeister der französischen Logen, u. nach ihm ist das Clermontsche Freimaurersystem genannt; er st. 16. Juni 1771. 10) Ludwig Joseph von Bourbon, Prinz von C., Sohn von C. 7) u. der Prinzessin Karoline von Rheinfels, geb. 1736 in Chantilly; wurde Statthalter von Burgund u. vermählte sich 1758 mit der Prinzessin Charlotte von Rohan Soubise. Im Siebenjährigen Kriege befehligte er ein französisches Heer in Deutschland u. siegte 1762 bei Friedberg über die Alliirten u. 1763 bei Johannisberg über den Herzog von Braunschweig. Ludwig XV. widerrieth er 1771 die Einführung eines neu zu gestaltenden Parlaments. Deshalb verwiesen, wurde er jedoch bald wieder zurückberufen. 1787 protestirte er bei den Notablen gegen die vorgeschlagenen Reformen u. emigrirte 1789 nach Brüssel, ging von dort nach Turin, bildete 1792 zu Turin u. Coblenz ein Corps von 6800 Mann Emigrirten, welches sich an die Österreicher anschloß, trat 1795 mit diesem in englische Sold u. 1797 in russische Dienste; 1799 stand dasselbe unter Suworow am Rhein u. ging nach dem Frieden 1800 wieder in englischen Sold. C. selbst hielt sich seit 1801 in der Abtei Amesbury auf. 1814 kehrte er bei der Restauration Ludwigs XVIII. nach Paris zurück, wurde Generaloberst der Infanterie, ging mit dem König nach Gent u. kehrte 1815 wieder nach Paris zurück; er lebte zu Chantilly u. st. 13. Mai 1818 in Paris. Er schr.: Essai sur la vie du Grand Condé, Lond. 1806. 11) Ludwig Heinrich Joseph von Bourbon, Prinz von C., Sohn des Vor., geb. 1756; hing mit heftiger Liebe an Louise Marie Therese Balthilde von Orleans (geb. 1750), sollte sie auch nach 2 Jahren heirathen, entführte sie aber früher aus dem Kloster u. vermählte sich mit ihr. Die Frucht dieser Ehe war der Herzog von Enghien. Später schlug er sich mit dem Grafen von Artois (nachmaligem König Karl X.), ohne daß jedoch Einer verwundet wurde, u. wurde deshalb nach Chantilly verwiesen. 1780 trennte er sich von seiner Gemahlin (die seit 1816 wieder in Paris lebte u. 1822 dort st.), ging 1782 mit dem Grafen von Artois zur Belagerung von Gibraltar u. wurde zum Marschall erhoben. Er emigrirte 1789 mit seinem Vater nach Turin, ging dann nach Coblenz u. war einer der besten Generale der Emigrirten im Revolutionskriege; 1795 machte er in der Vendée eine Diversion, die jedoch erfolglos war. 1797 ging er nach Rußland, 1799 an den Rhein zurück, lebte von 1800–14 in England, wurde 1814, nach Frankreich zurückgekehrt, Generaloberst der leichten Infanterie, befehligte 1815 in den westlichen Departements, mußte sich jedoch zu Nantes einschiffen u. ging nach Spanien, von wo er später nach Paris zurückkehrte, um in der Folge seinen ständigen Wohnsitz in Chantilly zu nehmen. Seit 1817 machte dort eine schöne u. geistreiche Engländerin, Sophie verwittwete Dawes, geb. Clarke (die der Prinz in einem Wirthshaus in England od. als Schauspielerin kennen gelernt haben soll) die Honneurs des Condéischen Hofs. 1818 wurde Sophie katholisch, heirathete C-s Adjutanten, Baron Feuchères, ließ sich aber später wieder von demselben scheiden u. übte eine völlige Herrschaft über den Prinzen, der seine Tage schwach u. launisch zubrachte. Die Feuchères ging bei der ärgerlichen Geschichte, welche die Scheidung veranlaßt hatte, in ein Kloster, kehrte jedoch auf dringendes Bitten des Prinzen bald zu ihm zurück. Er[348] vermachte ihr 1824 die Güter Boissy u. St. Leu u. schenkte ihr 18251 Mill. Fr. Das Verhältniß fand aber Anstoß, u. Ludwig XVIII. gestattete ihr seit jener Scheidung nicht mehr den Zutritt bei Hof, welche Verordnung aber, als Karl X. auf den Thron kam, auf Bitten des Herzogs von Orleans wieder zurückgenommen wurde. In seinem Testament vom 30. August 1829 setzte der Prinz seinen Pathen, den Herzog von Aumale, 4. Sohn des Königs Ludwig Philipp, zum Haupterben ein, der Baronesse Feuchères aber legirte er noch 2 Mill. Franken. Das Testament wurde mit aller Form Rechtens von dem Prinzen in Gegenwart des Testamentsvollstreckers, Bar. Surval, einem Notar übergeben. Seit der Julirevolution 1830 von Schwermuth befallen, wurde der Prinz am Morgen des 29. August 1830 an einem Fensterladen seines Schlafzimmers zu St. Leu erhenkt gefunden. Die, die Obduction leitenden Ärzte u. die Gerichtspersonen gaben die Erklärung, daß der Tod durch Selbstmord erfolgt sei. Allein die Seitenverwandten C-s, das Haus Rohan, beschuldigten Ludwig Philipp der Erbschleicherei, die Feuchères, daß sie den Prinzen mit Beistand des Abtes Brien ermordet habe, u. die drei zur Obduction berufenen Ärzte, daß sie jeder mit 100,000 Frcs. bestochen worden wären. Die Kläger wurden jedoch von dem Gerichtshof zu Paris abgewiesen. Vgl. Hist. complète du procés relatif à la mort et an testament du Duc de Bourbon, Par. 1832. Mit dem Prinzen erlosch das Geschlecht C. 12) Ludwig Anton Heinrich, Sohn des Vorigen, s. Enghien. 13) Ludwig Philipp, Prinz von C., Sohn des Herzogs von Aumale, geb. 15. Novbr. 1845.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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