Corsica

Corsica (Gesch.). C. hieß bei den Griechen Kyrnos; die alten Bewohner C-s, Corsi (Kyrnä, Kyrnäi), ein rohes, wenig von Ackerbau, meist von Viehzucht lebendes Volk, scheinen ursprünglich Iberer gewesen zu sein, doch waren auch Ligurer, Tyrrhener u. Carthager hier eingewandert; zu ihnen kamen um 556 v. Chr. die in den Perserkriegen ihr Vaterland fliehenden griechischen Phokäer, welche die Stadt Alalia (Aleria) anlegten. Die Etrusker, welche die Griechen nicht in ihrer Nähe dulden wollten, vereinigten sich mit den Puniern u. schlugen in einer Seeschlacht 536 die Phokäer, die hierauf die Insel verließen Carthago's Verhältniß zu C. war von jetzt an ohne Bedeutung, u. die Etrusker blieben noch lange im Besitz der rauhen u. uncultivirten Insel, die ihnen indeß treffliches Bauholz, Pech u. Wachs lieferte. Mit dem Sinken der etruskischen Seemacht kamen die Küstenplätze in die Hände der Carthager, welche Herren der Insel bis zum Ende des ersten Punischen Kriegs 238 v. Chr. blieben, wo die Römer C. zugleich mit Sardinien eroberten, nach einem Kampfe von 236–230 gegen die wider die römische Herrschaft sich auflehnenden Corsen behielten u. sie mit Sardinien zu einer Provinz ihres Reiches machten. Unter Marius u. Sulla wurden Colonien auf der Ostküste angelegt, welche aber die Cultur nicht sehr allgemein gemacht zu haben scheinen, wenigstens war in der Kaiserzeit C. noch ein Verbannungsort mißliebiger Personen, von denen z.B. Seneca hier im Exil lebte u. die Insel mit sehr düsteren Farben beschreibt. Mit dem Verfall des Römischen Reiches wechselte C. seine Herren sehr oft: seit 470 besaßen es die Vandalen, seit 533 abwechselnd die Byzantiner u. Gothen, während die Longobarden keinen festen Fuß hier fassen konnten; 754 kam es unter die Herrschaft der Franken, 850 unter die Sarazenen, welche schon seit Anfang des 9. Jahrh. Einfälle hier gemacht hatten. Unter der sarazenischen Herrschaft hatten sich mehrere kleine Dynastien gebildet, gegen welche die Corsen zu Anfang des 11. Jahrh. sich empörten u. unter erblichen Corporali eine Repräsentatiwerfassung bildeten. 1070 bemächtigten sich die Pisaner der Oberherrschaft; die Insulaner erkannten zwar nicht diese, sondern 1077 den Papst als ihren Oberherrn an, doch übertrug Urban II. zu Ende des 11. Jahrh. den Pisanern wieder die Administration der Insel; 1387 kam dieselbe an die Genueser, welche C. bis in das 18. Jahrh. behaupteten. Nach mehreren Verschwörungen der Corsen gegen die sie sehr bedrückenden Genuesen u. nach mehreren von Letzteren gebrochenen Vergleichen, erhob sich ganz C. 1729; vergebens wurden 1730 österreichische Truppen zur Unterwerfung hierher gesendet; die Corsen bekamen Hülfe von den Deys zu Tunis u. Algier, die ihnen 1735 1 Mill. Zechinen Kriegsbedarf u. eine Menge Abenteurer unter dem Baron von Neuhof (s. Theodor) zuschickten. Freudig von den Corsen aufgenommen, bemächtigte sich dieser C-s u. wußte es dahin zu bringen, daß er 1736 feierlich mit einem Lorbeerkranze als Theodor zum König von C. gekrönt wurde. Er ernannte Hofämter u. Großwürdenträger, ließ Münzen schlagen u. stiftete den Orden des Erlösers. Aber von Neuem von den Genuesern gedrängt, verließ er im Novbr. 1736 heimlich C., ging nach Amsterdam u. erhielt hier von Kaufleuten, denen er künftig den ausschließlichen Handel mit Baumöl auf C. versprach, Hülfe an Kriegsbedarf u. kam im Septbr. 1738 nach C. zurück. Indessen war der französische Einfluß hier sehr groß geworden, u. da er fürchtete, von den Seinigen an die Engländer, die einen Preis auf seinen Kopf gesetzt hatten, verrathen zu werden, so verließ er 1738 C. wieder. 1741 verließen die Franzosen C., u. der Aufstand brach von Neuem los; 1743 landete Theodor mit zwei englischen Schiffen bei Isola Rossa, mußte sich aber, wie nach dem erneuten Versuch 1744, bald wieder einschiffen; indeß erkannten damals seine Anhänger ihn durch eine eigene Acte als König an. Genuas u. Englands Versuche (1744–53) zur Eroberung C-s scheiterten an der Tapferkeit der [467] Corsen, welche von Frankreich kräftig unterstützt wurden, u. der seit 1755 zum Oberbefehlshaber ernannte Pasquale Paoli kriegte so glücklich gegen die Genueser, daß diese, auf Bastia beschränkt, die Insel 1768 durch den Tractat von Compiegne an Frankreich abtraten. Anfangs hielt sich Paoli, im Vertrauen auf englische Hülfe, noch gegen die Franzosen, da aber diese 30,000 Mann unter de Vaux nach C. sendeten, u. die englische Hülfe ausblieb, so verließ Paoli im Juni C. u. ging nach England. Die Franzosen hatten mit den Corsen bis 1774 zu kämpfen, bis sie dieselben gänzlich unterwarfen. Durch die Französische Revolution (s. Französischer Revolutionskrieg) bildete C. erst zwei französische Departements (Golo u. Liamone), dann eins u. sendete Deputirte zum Convent. Paoli, welcher inzwischen nach C. zurückgekehrt war, machte, da er von der Schreckensregierung den Tod fürchtete, das Volk den Engländern geneigt; diese landeten unter Hood am 18. Febr. 1794, eroberten am 21. Mai Bastia u. erklärten sie mit englischen Gesetzen u. einem besonderen Parlament zu einem vierten Königreich, u. am 18. Juni beschwur Elliot als Vicekönig von C. auf der Versammlung zu Corte die Vereinigungsurkunde, am 4. Aug. wurde auch Calvi eingenommen u. so die ganze Insel den Engländern unterworfen (s. Französischer Revolutionskrieg). Da sich aber nach kurzer Zeit die Engländer verhaßt machten, gewann die französische Partei unter General Gentili immer mehr Ausbreitung u. Macht. Durch Bonaparte (der an den früheren Kämpfen für Frankreich persönlich betheiligt war) von Livorno aus unterstützt, erhoben sich die Corsen im Octbr. 1796, nahmen Elliot gefangen u. ließen ihn nur unter der Bedingung sofortiger Räumung der Insel frei. Am 20. Octbr. landete der französische General Casalta von Livorno her u. die Engländer zogen ab; General Gentili beruhigte C. bald u. stellte Bonaparte 10,000 Freiwillige (s. ebd.). Seitdem ist C. französisch geblieben. Vgl. Filippini, Historia di C., Turnone 1594, 2. Ausg. von Gregorj, Pisa 1828–32, 5 Bde.; Ballin, Description géogr. et hist. de l'Île de Corse, Par. 1769, 2 Bde.; Jacobi, Hist. générale de la Corse, ebd. 1835, 2 Bde.; Stephanopoli, Hist. de la colonie grecque en Corse, ebd. 1827; Rospatt, De C. insula a Romanis capta, Münst. 1849; Ehrmann, Geschichte der Revolutionen in C., Hamb. 1799; Robiquet, Recherches hist. et stat. sur la Corse, Par. 1835, 2 Bde.; Gregorovius, Corsica, Stuttg. 1854, 2 Bde.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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