Costa-Rica [1]

Costa-Rica (span., d. i. Reiche Küste), Republik in Centralamerika, 3000 QM., grenzt im N. an Nicaragua, im O. an das Caraibische Meer, im SO. an Isthmo, im S. u. W. an den Stillen Ocean; ein terrassenförmig bis zu 4000 Fuß hoch aufsteigendes, durch die Cordilleren gebildetes Plateau mit zahlreichen Vulkanen (Barua, Irasu, Turrialva, Tenorio, Chirippo); Vorgebirge: Burica; Meerbusen: Dolce u. Nicoya (sämmtlich im Stillen Ocean); die Flüsse sind sämmtlich von sehr kurzem Laufe u. kaum 1 Ml. weit landeinwärts für kleinere Fahrzeuge schiffbar; Klimaim Allgemeinen heiß u. nicht ganz gesund, namentlich am Caraibischen Meere, im inneren Hochlande gemäßigt u. gesund, vom April bis Novbr. Regenzeit; Boden namentlich an den Küsten sehr fruchtbar u. nur an einigen Strecken längs des Stillen Oceans felsig u. sandig, große Savannen u. herrliche Urwälder, die Küstenstriche aber wenig angebaut; Producte: Gold, Silber, Getreide, Tabak, Indigo, Zuckerrohr, Kaffee, Rindvieh; Gesammtbevölkerung: 215,000 Seelen, wovon aber nur ungefähr 10 Procent reine Weiße, die Übrigen sind Mischlinge (Ladinos) u. Indianer, Neger in sehr geringer Anzahl; die Verfassung ist repräsentativ; die Executivgewalt übt ein auf 6 Jahre gewählter Präsident (1858 General Juan Rafael Mora), zugleich Obercommandant der Armee, welchem ein Vicepräsident zur Seite steht; 3 Ministerien: des Inneren u. des Cultus; des Äußeren; der Finanzen u. des Krieges; die gesetzgebende Gewalt ruht in einer aus 12 Mitgliedern bestehenden legislativen Kammer; die Rechtspflege hat 3 Instanzen; die christliche Bevölkerung bekennt sich fast ausschließlich zur Römisch-katholischen Kirche mit einem Bischof zu St. José; für den Unterricht wird zur Zeit noch sehr wenig gethan; Finanzen wohl geordnet; 1855: 594,156 Piaster Einnahmen, 531,898 Piaster Ausgaben; Staatsschuld besteht nicht; zum Milizdienste ist Jeder vom 15. bis[478] zum 60. Jahre verpflichtet, ein wirkliches stehendes Heer gibt es nicht, aus der Miliz werden periodisch 200 Mann zum activen Dienste einberufen; Wappen: 3 Vulkane zwischen 2 Meeren mit einem Segelschiffe auf jeder Seite, links die aufgehende Sonne, oben 5 Sterne, Umschrift: Republik Costa-Rica; Flagge: 5 horizontale Streifen, der mittlere (breiteste) roth, dann 2 weiße, die beiden äußersten blau; der Handel ist fast ausschließlich in den Händen der Engländer; Ausfuhr (Kaffee, Häute, Hölzer, Arzneipflanzen) jährlich ungefähr 1,350,000 Piaster; die Einfuhrartikel sind vorzugsweise englische Fabrikate; die Einwanderung wird in neuester Zeit von der Regierung sehr begünstigt; Eintheilung in 6 Partidos od. Provinzen: San José, Cartago, Heredia, Alajuela, Muracia, Punta-Arenas; Hauptstadt: San José; Münzen, Maße u. Gewichte: man rechnet nach Piaster (Pesos, Dollars) zu 8 Reales à 4 Cuartillos à 2 Clacos à 11/2 Granos, beim Zoll wird der Real auch in 12 Granos getheilt; geprägte Münzen in Gold: Onzas (zu 5/6 sein Gehalt u. 417 Troygrains), in Silber: Piaster (zu 870/1000 sein Gehalt u. 416 Troygrains), 971/2 nordamerikan. Cents, ungefähr 1 Thlr. 10 Sgr. Preuß. Cour., Pesados (zu 2 Reales) 1/1, 1/2 u. 1/4 Reales; Wechsel werden auf London notirt, das Pfd. Sterling zu 5 Piaster; Maße u. Gewichte im Allgemeinen die spanischcastilischen (s. Spanien), beim Getreide wird jedoch nach Cajuelas (0,68702 Litres) gerechnet, 100 Cajuelas = 1,923 winch. Bushels = 1,25 preuß. Scheffel, also 5 Cajuelas = 1 preuß. Metze. Vgl. Baily, Centro-America, describing each of the states, Lond. 1850; von Bülow, Costa-Rica, der Freistaat in Mittelamerika u. seine Wichtigkeit für den Welthandel, den Ackerbau u. die Colonisation, Berl. 1850; Coup d'oeil rapide sur la Rép. Costa-Rica, Par. 1849; Reichardt, Centralamerika, Braunschw. 1851; Wagner u. Scherzer, Die Republik C.-R. in Centralamerika mit besonderer Berücksichtigung der Frage der deutschen Auswanderung u. Colonisation; Reisestudien u. Skizzen aus den Jahren 1853 u. 1854, Lpz. 1856.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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