Dehnbarkeit

Dehnbarkeit (Ductilitas), Eigenschaft mehrerer Körper, vermöge deren dieselben bei angewandter äußerer Gewalt ihre Form ändern, ohne zu zerreißen. Ihr entgegen steht die Sprödigkeit. Von der D. unterscheidet sich die Elasticität dadurch, daß bei dieser die Körper nach aufhörender Einwirkung der sie ausdehnenden Kraft ihre vorige Gestalt wieder einnehmen. Bei den Metallen unterscheidet man die Flächen-D. (Hämmerbarkeit od. Streckbarkeit) u. die Längen-D. (Zähigkeit od. Tenacität), d.h. Fähigkeit, sich zu Draht ziehen zu lassen. Eisen u. Platin ist im Drahtzuge weit dehnbarer, als unter dem Blechhammer; Gold, Silber u. Kupfer dagegen sind eben so hämmerbar, als streckbar. Wärme macht dehnbarer. Platin, Gold, Silber, Messing, Kupfer, Zinn, Blei u. Eisen sind unter allen Bedingungen u. in einem sehr hohen Grade, Zink, Wismuth, Arsenik, Glas u.a. entweder überhaupt, od. wenigstens bei mittlerer Temperatur gar nicht, Schellack, Wachs u. Zink werden in etwas erhöhter Temperatur, Glas in einer Temperatur, die es fast schmelzen macht, dehnbar; Gummi, Eiweiß, thierischer Leim, viele Pflanzenstoffe, Thonerde werden durch Feuchtigkeit dehnbar u. lassen sich oft zu den allerfeinsten, beim Austrocknen erhärtenden Fäden ausspinnen. Reine Fäden sind dehnbarer, als die gemischten. So gibt die Verbindung zweier zähen Metalle, des Kupfers u. Zinns, ein sehr sprödes Metall (Glockenspeise). Gold ist der dehnbarste Körper, nach Réaumur's Angaben kann es so dünn geschlagen werden, daß z.B. eine Unze 1462/3 Quadratfuß bedeckt, wobei die mittlere Dicke des Blattes sich 1/21662 Linien ergibt; Platin steht ihm schon sehr nach, noch mehr Silber u. Kupfer, die aber noch sehr dehnbar sind. Das Zink ist erst bei einer Hitze von 100–150° dehnbar u. gibt dünne Bleche u. Draht. Auch Blei ist noch zu Platten sehr dehnbar, nicht so zu Draht. Auch das Verhalten des Eisens ist in dieser Hinsicht merkwürdig. Glas ist, als geschmolzene u. noch glühende Glasmasse, sehr dehnbar (s. Glasfäden). Unter den weichen Stoffen ist das Gewebe der Spinne am merkwürdigsten, s. unter Stimme. Die Ursache der D. der Körper ist noch nicht genügend erklärt.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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