Geographie

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Geographie

Geographie (v. gr., Erdbeschreibung, Erdkunde), ist diejenige Wissenschaft, welche mit den Lebenserscheinungen des Erdk√∂rpers in seinem ganzen Umfange bekannt macht. I. Je nach dem Gesichtspunkte, von welchem aus man diese Lebenserscheinungen der Erde betrachtet, wird die G. eingetheilt in: A) Die mathematische (astronomische) G.; diese stellt die Verh√§ltnisse der Erde in Beziehung auf andere Weltk√∂rper (Sonne, Mond, Planeten, Kometen, Fixsterne) dar, besch√§ftigt sich mit Erforschung der Erde nach Gestalt, Gr√∂√üe u. Umfang in ihren r√§umlichen u. zeitlichen Eigenschaften, zieht deshalb (eingebildete) Linien (√Ąquator, Wende- u. Polarkreise, Meridiane, Erdachse) u. setzt Punkte (Pole, √Ąquinoctial- u. Solstitialpunkte, Zenith, Nadir), theilt die Oberfl√§che in gewisse Abschnitte nach der Verschiedenheit des Klimas (Zonen), betrachtet den Horizont (wahren u. scheinbaren)[177] u. die Weltgegenden (Haupt- u. Nebengegenden), nebst den aus ihnen wehenden Winden, ferner die Stellungen der Erde u. ihrer Bewohner gegen den Himmel, gegen die Planeten u. gegen sich selbst (Antipoden, Antiskioi, Askivi etc.), mi√üt u. berechnet die Bewegung der Erde um sich u. um die Sonne, nebst den daraus entstehenden Erscheinungen (Jahreszeiten, Abwechslung von Tag u. Nacht, Finsternisse), theilt die Zeiten (Jahre, Monate, Tage, Stunden) u. bildet Ma√üe (Meilen, Grade etc.), lehrt Erdkloben u. Landkarten fertigen u. bildet sich so eine Menge f√ľr die Genauigkeit u. Deutlichkeit dieser, wie auch anderer Wissenschaften, wichtiger Aufgaben (Mittagsh√∂hen, Zeitbestimmungen, Auf- u. Niedergang der Sonne etc.). B) Die physikalische (physische, nat√ľrliche od. reine) G. besch√§ftigt sich mit der Erde als einen f√ľr sich bestehenden K√∂rper, mit Allem, was denselben zun√§chst umgibt u. von ihm abh√§ngig ist, sie untersucht die Kr√§fte des Erdk√∂rpers, erforscht die Gesetze, nach welcher die Kr√§fte in der Materie th√§tig sind, u. zieht Alles in den Bereich ihrer Betrachtung, was auf dem festen Lande od. im Meere od. in der Atmosph√§re lebt u. webt, insofern es sich um eine Kenntni√ü der Verbreitung der K√∂rper handelt. Da nun alle K√∂rper, welche die Erde zusammensetzen, entweder elastisch fl√ľssig (luftf√∂rmig) od. tropfbar fl√ľssig od. fest sind, so unterscheidet man als Unterabtheilungen: a) Atmosph√§rologie (Meteorologie), welche die verschiedenen Luftarten u. deren Eigenschaften betrachtet (Schwere, Zusammensetzung, W√§rme u. dergl.), dann deren H√∂he u. Schichten (Schneelinie), die Niederschl√§ge aus derselben (Thau, Nebel, Wolken, H√∂herauch, Meteorsteine, Sternschnuppen), die Farben (Morgenr√∂the, Regenbogen), die Bewegungen (Winde, St√ľrme), Lichterscheinungen (Nordlichter, √ľberhaupt Meteore) in der Luft u. dem √Ąther u. dergl.; b) Hydrologie (hydroistische G.), betrachtet die Gew√§sser als Quellen (nach Gehalt, Temperatur, Lebendigkeit), Fl√ľsse (Lauf, Gef√§lle, Gr√∂√üe), Seen, Meer (dessen Boden, Tiefe, Salzigkeit, Farbe, Temperatur, Bewegung, Str√∂me, Ausdehnung etc.), sowie in ihrem Einflu√ü auf die Atmosph√§re, auf die Temperatur, auf die Ver√§nderungen des festen Landes etc.; c) Ge√Įstik, die Lehre vom festen Lande, welche wiederum zerf√§llt in: aa) Mineralogie, die Beschreibung u. Eintheilung der unorganischen K√∂rperwelt, ihre Heimath, die Art u. Weise, wie sie gefunden werden; bb) Geognosie u. Geologie, welche sich die Aufgabe stellen, die Entstehung der festen Erdrinde, deren Urzustand, die Umformungen, welche sie erlitten hat, u. ihre gegenw√§rtige Beschaffenheit zu erforschen; cc) Topographie, Beschreibung der Vertheilung von Land u. Wasser, von H√∂he u. Tiefe nach ihren allgemeinen r√§umlichen Verh√§ltnissen (Berggeographie od. Orologie; planologische G., die Lehre von den Ebenen, Fl√§chen, Th√§lern, Abdachungen); dd) Nesologie od. Inselgeographie; ee) die thetische G., welche das Innere der Erdrinde, die Spalten, Kl√ľfte, B√§nke, G√§nge, Lagerungen etc. beschreibt; d) Productengeographie, u. zwar aus dem Mineral- (mineralogische G.), aus dem Pflanzen- (botanische G.) u. aus dem Thierreiche (zoologische G.); anthropologische G. od. V√∂lkerkunde, wohl auch Ethnographie od. Ethnologie genannt. C) Die politische G. besch√§ftigt sich mit der Erde, als dem Wohnplatz der Menschen; daher fallen in ihr Bereich die Eintheilung derselben in Erdtheile, L√§nder, Staaten, die verschiedenen Sprachen, Religionen, Bildungsstufen, St√§nde, Gewerbe, Ergiebigkeit, Reichthum u. Armuth, Charakter der V√∂lker od. L√§nder; einen wesentlichen Theil derselben bildet die Statistik od. Staatskunde. Unter allgemeiner G. versteht man die physikalische u. mathematische zusammengenommen. Die Universalgeographie behandelt die ganze Erde, die Specialgeographie nur ein einzelnes Land. Die historische (politische) G. lehrt die Fortschritte der geographischen Kenntnisse u. Entdeckungen u. wird nach den Perioden der Geschichte in die alte, mittlere u. neue eingetheilt. Die comparative od. vergleichende G. umfa√üt die Gesammtgebiete der Geschichte, Staatskunde u. G. in ihren Wechselbeziehungen. Die biblische G. enth√§lt die Beschreibung der L√§nder, welche in der Bibel vorkommen. In Bezug auf einzelne St√§nde unterscheidet man Milit√§rgeographie, Handelsgeographie etc. Der Nutzen der G. ist zwar f√ľr einen gro√üen Theil der menschlichen Wissenschaften unverkennbar, doch vorz√ľglich f√ľr das Verst√§ndni√ü der Geschichte u. die Erleichterung des Handels u. Gewerbes, der Verbindung u. des Verkehrs der Menschen unter einander. Die H√ľlfsmittel zu ihrer Erlernung sind: Landkarten, Globen, Handb√ľcher u. vollst√§ndigere geographische Werke, so wie Reise-Orts- u. L√§nderbeschreibungen; zur Fertigung geographischer B√ľcher sind insbesondere Kenntnisse der Mathematik, von den Messungen der Astronomen u. Mathematiker, von den Entdeckungen der Naturforscher, von der Geschichte, ferner Einsicht in die Staatsurkunden, Staatskalender, Z√§hlungslisten u. dergl. n√∂thig, obgleich die Statistik Manches davon als eigene Wissenschaft behandelt.

II. Die Geschichte der Geographie h√§lt mit der Geschichte der geographischen Entdeckungen gleichen Schritt. A) Die geographische Kenntni√ü in der √§ltesten Zeit beschr√§nkte sich f√ľr jedes Volk auf den Ort od. das Land, an u. in dem dasselbe wohnte. Die ersten Erweiterungen dieser Kenntnisse f√ľhrten Handelsunternehmungen u. Kriege herbei, dann die Anlage von Colonien an entfernten Orten u. Reisen. Die fr√ľhesten Nachrichten von fremden L√§ndern hat man von den Ph√∂niciern, die mit ihren Schiffen das ganze Becken des Mittelmeeres befuhren, um Handel zu treiben (um 1250), durch die S√§ulen des Hercules vordrangen u. Cadix gr√ľndeten u. von den Kassiteriden (Zinninseln, wahrscheinlich die Scillyinseln) das sehr gesch√§tzte Zinn holten. Von den Hebr√§ern, welche das Meiste, was sie von dem Auslande wu√üten, den Ph√∂niciern verdankten, hat man noch Tafeln in der Genesis u. Nachrichten von Pal√§stina in den B√ľchern Moses u. Josua. Die √Ągyptier hatten angeblich von Hermes ausgearbeitete geographische B√ľcher; auf Befehl ihres K√∂nigs Necho sollen um 600 v. Chr. ph√∂nicische Seeleute ganz Afrika (s.d. Gesch.) umschifft haben. Die erste Seeunternehmung der Griechen war der, der Mythenzeit angeh√∂rende Argonautenzug; die Beschreibungen desselben geh√∂ren aber alle der sp√§teren Zeit an, daher man aus ihnen die geographischen Kenntnisse damaliger Zeit nicht erkennen kann. Im Homer u. Hesiod mu√ü man geographische Kenntnisse aufsuchen, welche die Griechen in[178] dieser Periode besa√üen. Sie stellten sich die Erde als eine vom Ocean umflossene Scheibe vor, von welcher Griechenland die Mitte bildete. Ihre L√§nderkenntni√ü reichte bis Sicilien, bis an die Pontischen u. Kleinasiatischen K√ľsten u. im S√ľden bis nach √Ągypten, Libyen u. √Ąthiopien, freilich war diese Kenntni√ü eine sehr m√§hrchenhafte. In der Periode, die zwischen dem Zeitalter Homers u. dem des Herodot, etwa vom 10. bis 5. Jahrh. v. Chr., verflo√ü, gr√ľndeten die Griechen zahlreiche Niederlassungen in den K√ľstenl√§ndern des Mittelmeeres u. auf den Inseln u. erweiterten so ihre geographische Kenntni√ü bis nach dem S√ľdgestade der Hesperischen Halbinsel. In noch gr√∂√üerem Ma√üstabe u. daher noch erfolgreicher f√ľr die geographische Kenntni√ü entwickelte Carthago sein Colonialsystem; √ľber 1400 Meilen des K√ľstensaumes vom Mittelmeere erstreckte sich sein Gebiet u. dabei lie√ü es Entdeckungsreisen ausf√ľhren, auf denen Himilko (450) bis nach Albion, Hanno aber s√ľdw√§rts an der Afrikanischen K√ľste (bis 4¬į n√∂rdl. Breite) vordrang. Etwas fr√ľher als diese (um 500 v. Chr.), hatte schon Skylax von Karyanda auf Befehl des Perserk√∂nigs eine Fahrt den Indus hinab unternommen u. war bisan das Nordende des Rothen Meeres gelangt. Der Perser Sataspes war unter K√∂nig Xerxes durch die S√§ulen des Hercules nach Westen geschifft, als er jedoch Monate lang kein Land gesehen hatte, kehrte er wieder um.

W√§hrend in dieser Weise mehr u. mehr positive geographische Kenntnisse gewonnen wurden, hatten auch schon die Philosophen begonnen, den Versuch zu machen, die Entstehung des Weltalls u. der Erde zu entr√§thseln. Schon Thales (um 648 v. Chr.) soll sich damit besch√§ftigt haben; ihm folgten hierin die sogenannten Jonischen Philosophen, namentlich Anaximander (angeblich Verfertiger der ersten Landkarten) u. Anaximenes (600‚Äď550 v. Chr.), sodann Pythagoras (580) u. seine Sch√ľler, die sogenannten Mathematiker mit der ersten Ansicht von der Kugelgestalt der Erde, darauf Xenophanes (536) u. die von ihm gestiftete Eleatische Schule, ferner Leukippos (500) mit seiner Atomistischen Schule, Plato u. die Akademiker (seit 427) u.a. Der beschreibenden G. bem√§chtigten sich die sogenannten Logographen (Sagenschreiber), die, Wahres mit Erdichtetem mischend, die Erdkunde im Gewande des Abenteuerlichen vortrugen, sich der geschichtlichen Darstellung jedoch allm√§lig n√§herten. Charon vor Lampsakos (400) lieferte Nachrichten √ľber Persien, √Ąthiopien u. Libyen; Hekat√§os aus Milet entwarf eine Erdbeschreibung der damals bekannten drei Erdtheile: Asien, Libyen u. Europa; Damastes aus Sigeion stellte ein V√∂lker- u. St√§dteverzeichni√ü zusammen; Skylax, ein Seemann aus Karien, soll der Verfasser des (noch vorhandenen) Periplus, einer hydrographischen Beschreibung des ganzen Mittelmeerbeckens, sein. Doch erst mit Herodot aus Halikarna√ü beginnt in der Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. die wahre beschreibende G. Die Erde erscheint bei ihm als eine Ebene von unbestimmter Begrenzung, getheilt in die drei Theile Europa, Libyen u. Asien, deren Gr√∂√üenverh√§ltnisse ihm sehr unklar waren; dagegen ist seine L√§nderbeschreibung ein Vorbild f√ľr alle Zeiten zu nennen. In Europa erstreckten sich seine Kenntnisse bis nach Albion u. an die Weichselm√ľndung, in Asien bis zum Himalaya u. Indus, in Afrika bis nach Habesch u. an den Rand der Sahara. Nach Herodot scheint die Wissenschaft der Erdkunde eine Zeitlang in ihrer Entwickelung stillgestanden zu haben. Eudoxos aus Knidos (368 v. Chr.) soll der Erste gewesen sein, welcher die Sternkunde auf geographische Beobachtungen anwandte. Aristoteles stellte durch Annahme der Kugelgestalt der Erde das Grundgesetz der mathematischen G. fest; Pytheas aus Massilia, ein Zeitgenosse des Vorigen, entdeckte das Verh√§ltni√ü der Ebbe u. Fluth zu den Mondver√§nderungen, bestimmte mittelst des Gnomon die Polh√∂he der Orte u. unternahm Seereisen nach Norden, auf denen es bis nach Thule (Island od. vielleicht auch Norwegen) gelangte. Dann verdankte die G. der Alten ihre gr√∂√üten Fortschritte den Eroberungsz√ľgen Alexanders des Gro√üen; nicht allein in der Geschichte der Erdkunde, sondern auch in der Geschichte der gesammten physikalischen Wissenschaften machen dieselben Epoche. Im Gefolge Alexanders waren Geographen, welche mit der Erforschung u. Beschreibung der besuchten L√§nder beauftragt waren; man lernte so Asien besser kennen, als je vorher. Au√üerdem wurden die in den Archiven von Babylon u. Tyros befindlichen Schriften ausgebeutet u. die astronomischen u. nautischen Beobachtungen der Ph√∂nicier u. Chald√§er setzten die griechischen Philosophen in den Stand, ihre geographischen Kenntnisse mit Sicherheit auf die mathematischen Wissenschaften zu st√ľtzen. Nearchos ging auf Alexanders Befehl mit einer Flotte den Hydaspes u. Indus hinab u. dehnte seine Fahrt (von welcher Arrian das Tagebuch aufbewahrt hat) bis in den Persischen Meerbusen aus, von wo aus er den Tigris hinausfuhr. Von den Nachfolgern Alexanders trug Seleukos Nikanor seine Waffen auch nach Indien u. gelangte bis zum Ganges; mehr noch trugen die Ptolem√§er, die Herrscher von √Ągypten, durch Vergr√∂√üerung des Handels u. der Schifffahrt, zur Erweiterung der Erdkunde bei. Vorzugsweise unter den drei ersten Ptolem√§ern flossen an ihrem Hofe in Alexandrien, dem Sitze des Welthandels, eine gro√üe Menge geographische Nachrichten aus allen Enden der bekannten Erde zusammen, bei deren Ansammlung ein griechischer Gelehrter aus Cyrene (260 v. Chr.) ganz bes. th√§tig war.

Mit H√ľlfe dieser Quellen u. der geographischen Sch√§tze der Alexandrinischen Bibliothek schuf nun Eratosthenes das erste vollst√§ndige System der Erdbeschreibung, in welchem er die gesammten Kenntnisse seiner Zeit (270‚Äď190) zusammenstellte, sowohl in der physischen u. mathematischen, als in der politischen G.; seine Kenntni√ü reichte bis nach Hinterindien u. bis zu den Quellen des Nil, gegen Westen u. Norden jedoch nur soweit, wie bei Herodot u. Pytheas. Dagegen geben bes. seine Vermuthungen, da√ü man aus dem Indischen Meere durch den √Ąthiopischen Ocean Afrika umschiffen u. noch mehr, da√ü man durch den Atlantischen Ocean gegen Westen vordringend, Indien erreichen k√∂nne, u. ebenso seine Karten von Arabien, von Vorderindien, von Albion u. von Thule gen√ľgendes Zeugni√ü von den gro√üen Fortschritten, welche die Erdkunde seit Herodot gemacht hatte. Gleichwichtig waren die geod√§tischen Unternehmungen des Eratosthenes, u. von diesem die ber√ľhmteste diejenige, welche sich auf Ermittelung des Umfanges der Erde bezieht, obgleich er den Irrthum beging, diesen Umfang um viele hundert Meilen zu gro√ü festzustellen, ebenso wie viel sp√§ter Posidonios, welcher[179] die geod√§tische Operation des Eratosthenes einer Pr√ľfung unterwarf. Von den √ľbrigen Geographen dieser Zeit sind zu nennen: Agatharchides, sodann Polybios, der die R√∂mer einen Theil der von ihnen eroberten L√§nder genauer kennen lehrte; vorz√ľglich aber Hipparchos (140 v. Chr.), der eine Kritik des Eratosthenes schrieb u. das Verdienst hat, die ersten Grundlagen einer rein astronomischen G. u. vielleicht die erste Idee der geographischen Projectionen geboten zu haben, w√§hrend er aus dem Indischen Ocean ein Binnenbecken macht, indem er Asien u. Afrika im S√ľden in Verbindung stehen l√§√üt; Artemidoros (110) beschrieb sehr genau die Ostk√ľste Afrikas; Dionysios Periegetes schrieb in Hexametern eine Darstellung des Systems des Eratosthenes, Eudoxos ging zweimal von √Ągypten nach Indien u. erkl√§rte die M√∂glichkeit der Umschiffung Afrikas.

Die R√∂mer verdankten ihre ersten Kenntnisse in der G. allein den Kriegsz√ľgen, durch welche sie nach u. nach in die verschiedenen L√§nder der Erde gef√ľhrt wurden; wissenschaftlich haben sie die Erdkunde nie behandelt. Zweihundert Jahre lang siegreich gef√ľhrte Kriege gegen Carthago, in Macedonien, Syrien, Numidien, in Arabien, Mauretanien, Gallien, Germanien u. Britannien erweiterten den Kreis der geographischen Entdeckungen bedeutend; Julius C√§sar war mitten in seinen Triumphen ein eifriger Geograph; auf seinen Betrieb lie√ü der r√∂mische Senat die Aufnahme einer allgemeinen Karte des ganzen R√∂mischen Reiches bewerkstelligen, welche als die erste topographische Landesaufnahme anzusehen ist. Man hatte Britannien u. auch Irland kennen gelernt, dazu auch Belgien, den Rhein, die Maas, die Schelde u. die an diesen Fl√ľssen wohnenden V√∂lkerschaften celtischen u. germanischen Stammes. Unter Augustus zog Germanicus als Sieger durch Dalmatien, Bosnien u. Serbien, dann (14‚Äď16 n. Chr.) durch Deutschland bis an die Elbe; √Ąlius Paulus u. Petronius unternahmen zwei Feldz√ľge nach Arabien u. √Ąthiopien. Alle dabei gemachten Entdeckungen wurden um die Mitte des 1. Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung von Strabo zu einem gro√üen Werke benutzt, welches gegenw√§rtig noch fast ganz vollst√§ndig erhalten ist, u. dem im √úbrigen das Werk des Eratosthenes zu Grunde gelegt war. Unter dem Kaiser Claudius erhielten die R√∂mer n√§here Nachrichten von der Insel Ceylon; Hippalus lernte die Eigenschaften der Monsune (Wechselwind) kennen; zur Zeit des Kaisers Nero wurde ein Periplus des Rothen Meeres geschrieben, der die Seeh√§fen √Ągyptens, des √∂stlichen Afrika, von Arabien, Persien u. der K√ľste Malabar enthielt. Man lernte die D√§nischen Inseln, die J√ľtische Halbinsel u. Norwegen kennen u. besuchte die Ostsee bis zum Finnischen Meerbusen; unter Vespasian wurde die insulare Lage Britanniens festgestellt u. der Schottl√§ndische Archipel entdeckt; man drang in Afrika nach der gro√üen W√ľste vor, nach Fezzan u. entdeckte viele Oasen; Kaufleute drangen zu Lande bis an die Ostsee vor, um Bernstein zu holen. Die so gewonnenen Kenntnisse legte der √§ltere Plinius (st. 79 n. Chr.) in den ersten B√ľchern seiner Naturgeschichte nieder, einem Werke, aus dem erhellt, da√ü eine ausf√ľhrliche topographische Beschreibung des R√∂mischen Reiches, die Commentarien des K√∂nigs Juba √ľber Afrika, der Bericht von Statius Sebosus √ľber die Gl√ľckseligen Inseln u. Senecas Denkschriften √ľber Indien f√ľr uns verloren gegangen sind. Als Zeitgenosse des Plinius schrieb. Pomponius Mela ein geographisches Handbuch, doch ebenso wie jener von vielen Irrth√ľmern befangen. Isidor von Charax lieferte bes. Nachrichten √ľber das Partherreich, Tacitus machtenamentlich Deutschland bekannt. Die Eroberungen unter Trajan (96‚Äď117) verbreiteten die Erdkunde √ľber Dacien, Armenien, Mesopotamien u. Parthien, u. unter dem Kaiser Hadrian unternahm der Proconsul von Cappadocien, Arrian, eine Reise zur Untersuchung der K√ľsten des Schwarzen Meeres u. schrieb eine noch jetzt fast vollst√§ndig vorhandene Geschichte der Feldz√ľge Alexanders des Gro√üen, worin er namentlich seine Kenntni√ü von Kleinasien zeigt, u. ein kleines Werk √ľber Indien. Au√üer diesen Quellen f√ľr die r√∂mische Erdkunde verdienen hier einige noch vorhandene Itinerarien Erw√§hnung, namentlich das Itinerarium Antoninum, angefertigt unter Kaiser Antoninus Pius (131‚Äď161), eine der vollst√§ndigsten Urkunden des R√∂mischen Reiches; ferner das Itinerarium Hierosolymitanum, ein Nachweis des Reiseweges von Bordeaux nach Jerusalem, u. die sogenannte Tabula Peutingeriana, eine Karte, auf welcher die verschiedensten Marschrouten angegeben sind, sowie die gro√üen Gebirge u. Fl√ľsse, viele Seen, die Meeresk√ľste, die Provinzen u. die Namen der V√∂lkerschaften. Doch diese Itinerarien wurden als strenges Geheimni√ü bewahrt u. haben daher wenig zur Verbreitung geographischer Kenntnisse bei den R√∂mern beigetragen. Auch hatte die wissenschaftliche Bearbeitung der G. bis dahin nur sehr schwache Fortschritte gemacht.

Endlich trat Marinos aus Tyrus (130) wieder in die Fu√ütapfen des Hipparchos u. entwarf ein vollst√§ndiges Lehrgeb√§ude der G., mit dem er seine Karten erl√§uterte; sein Werk ist verloren, es liegt aber dem des Ptolem√§os, dem ber√ľhmtesten Geographen des Alterthums (140‚Äď170), zu Grunde. Das Werk des Ptolem√§os, welches eine Beschreibung der ganzen damals bekannten Erde enth√§lt, √ľberfl√ľgelte alle fr√ľheren an Genauigkeit u. Vollst√§ndigkeit; dabei wandte er die Grunds√§tze der Astronomie u. Geometrie auf den Entwurf seiner Karten u. auf die verschiedenen Methoden der Projection der Kugel an u. stellte so die Wissenschaft der G. auf ihre wahre Grundlage; ja noch heute bedient man sich in der G. der wissenschaftlichen Sprache, die er zuerst angewandt hat. Nach der Angabe des Ptolem√§os umfa√üte damals die L√§nderkunde der R√∂mer folgende Theile: Europa, mit Ausnahme von Scandinavien u. dem n√∂rdlichen Ru√üland, von Afrika die Nordk√ľste, die Ostk√ľste bis zum 12¬į s√ľdl. Breite, die Westk√ľste bis zum 5¬į n√∂rdl. Breite, Asien endlich bis nach Hinterindien u. den Angrenzungen von China. Den Umfang der Erde bestimmte er beinahe um 1000 Meilen zu klein. Mit Ptolem√§os schlie√üen die Fortschritte der Erdkunde des Alterthums ab, denn was in der Folge noch an Kenntnissen gewonnen wurde, durch die Kriege der R√∂mer mit den Barbaren im Morgen- u. Abendlande, durch das Eindringen des Septimius Severus in das Hochland von Schottland (209) war unbedeutend. Ein Theil dieser Nachrichten findet sich in dem Werke des Ammianus Marcellinus (370 n. Chr.), das namentlich √ľber die V√∂lker Germaniens u. Sarmatiens manches Neue enth√§lt; vorher schon hatte Jul. Honorius (im 1. Jahrh. n. Chr.)[180] eine Kosmographie, Pausanias (170) √ľber Griechenland, Dionysios (200) √ľber eine Reise nach dem Thracischen Bosporus geschrieben, Agathemeros (250) hatte ein kleines geographisches Werk verfa√üt, Marcian (410) verfa√üte einen allgemeinen Periplus der ganzen Erde, Stephanos (480) ein geographisches W√∂rterbuch. Wahrscheinlich dem 6. Jahrh. geh√∂rt die neulich wieder bekannt gewordene Kosmographie des √Ąthicus Ister an.

B) Neben der alten G., die w√§hrend der V√∂lkerwanderung erlosch, sehen wir nun die des Mittelalters in den Werken der Schriftsteller entstehen, welche aus dem Scho√üe jener rohen Nationen ans Licht traten. Moses von Chorene, ein Armenier, gibt (auf eigene Anschauung begr√ľndete) Nachrichten √ľber Ostasien; Cosmas Indicopleustes od. Indopleustes, ein √§gyptischer M√∂nch um 550, schrieb eine Topographie der christlichen Welt, das einzige gr√∂√üere geographische Werk jener Zeit, welches auf uns gekommen ist; Jornandes (Jordanes), ein Alane u. Bischof von Ravenna, beschrieb (560) die Wanderungen der Hunnen u. Gothen u. bot Mittheilungen √ľber das n√∂rdliche u. √∂stliche Europa. Im 8. Jahrh. verfa√üte Guido von Ravenna eine Beschreibung der St√§dte Italiens, u. er gilt auch als der Geographus Ravennas, welcher eine Kosmographie schrieb. Der Sinn f√ľr Erdkunde w√§re ohne Zweifel w√§hrend der Wanderungen der V√∂lker, welche das R√∂mische Reich zerst√∂rten, verloren gegangen, wenn nicht zwei sehr entfernte Nationen, die Normannen u. Araber, die bisherigen Entdeckungen, diese als Freunde der Wissenschaften, jene als beutelustige Abenteurer, fortgesetzt h√§tten. Die Normannen besuchten fast alle europ√§ischen K√ľsten u. entdeckten die Inseln im Norden Schottlands; Othan u. Wulfstan beschrieben ihre Reise nach dem Nordcap u. dem Finnischen Meerbusen, u. K√∂nig Alfred von England (871‚Äď901) √ľbersetzte diese Reisebeschreibung ins Angels√§chsische. Island hatten die Normannen schon 861 kennen gelernt; der Isl√§nder Gunbi√∂rn fand 970 Gr√∂nland, Erik der Rothe 982 die nordamerikanische K√ľste (das sogenannte Winland). Bei den Arabern, welche ihre Herrschaft von Lissabon aus √ľber die geographische Nordk√ľste Afrikas bis nach Indien hin ausgedehnt hatten, machte die Ausdehnung des Handels u. der geographischen Kenntnisse gleich gro√üe Fortschritte. Schon um das Jahr 833 lie√ü der Chalif Al Mamum zur Bestimmung des Umfanges der Erde eine Gradmessung vornehmen; die beiden Reisenden Wahab u. Abuzeid beschrieben den Osten von Asien (851 u. 877); Massudi, mit dem Zunamen Kothbeddin (950). schrieb eine allgemeine Geschichte der bekanntesten Reiche in allen drei Erdtheilen; Ebu Haukal (970) beschrieb die den Arabern unterworfenen L√§nder; der Sherif Al Edrisi, bekannt unter dem Namen des Geographus Nubiensis, schrieb (1155) Erl√§uterungen zu einer gro√üen, dem K√∂nig Roger I. von Sicilien geh√∂renden Erdkugel; Ebn al Wardi lieferte 1232 eine physikalische Erdbeschreibung nebst einer Karte; Abulfeda (gest. 1332) verfa√üte ein ber√ľhmtes geographisches Werk, in welchem er, au√üer dem mathematischen u. physikalischen Theile, bes. treffliche Nachrichten √ľber Syrien u. Nordafrika bietet; Mohammed Ebn Batuta schrieb im 14. Jahrh. ein Werk √ľber seine Reisen, welche sich √ľber fast alle Theile der damals bekannten Erde erstreckt hatten; Leo Afrikanus beschrieb Afrika. Die positive G. hatte unter den H√§nden der Araber, streng genommen, nur wenig Fortschritte gemacht, bei Weitem mehr die beschreibende, namentlich in Bezug auf die von ihnen beherrschten L√§ndergebiete. Nicht wenig zur Erweiterung geographischer Kenntnisse im Mittelalter trug seitdem 10. Jahrh. der Eifer f√ľr die Ausbreitung der Christlichen Religion bei, theils durch Wallfahrten nach dem Gelobten Lande, theils durch Missionen, theils durch die gro√üen Unternehmungen der Kreuzz√ľge; daneben waren es in Italien die m√§chtigen Handelsst√§dte Venedig u. Genua, seit dem 12. Jahrh. aber im Norden Europas die Hansa, welche das wesentlichste Interesse haben mu√üten, ihre V√∂lker- u. L√§nderkunde zu erweitern. Als zu Anfang des 13. Jahrh. die Mongolen von den Hochebenen Innerasiens aufbrachen u. das √∂stliche Europa anfielen, wurde die Aufmerksamkeit des christlichen Europa auf jene Steppenl√§nder gelenkt. Auf Anordnung des Papstes Innocenz IV, reiste der M√∂nch Ascelin durch Syrien, Mesopotamien u. Persien zu den Mongolen u. hinterlie√ü einen Bericht √ľber seine Reise; der Minorit Plano Carpini ging 1246 zum Gro√ükhan; ebendahin 1253 auf Ludwigs IX. Befehl Wilhelm von Rubruquis (Ruysbroek), dessen Bericht nebst dem Werke des Marco Polo (1270‚Äď1295) die besten Quellen zur Kenntni√ü Asiens waren. Die Reisebeschreibungen des Minoriten Oderich von Portenau, der 1318 bis nach China vordrang, u. des Engl√§nders Mandeville, der 1322 nach dem Gelobten Lande ging, bereicherten die Kenntni√ü Asiens, wie sie Marco Polo geboten, wenig; wichtiger wurde das Reisetagebuch des Ruy Gonzalez de Clavijo, der 1403 als Gesandter nach Samarkand ging. Der Venetianer Josafat Barbaro (1436‚Äď1471) schlie√üt die Reihe der Reisenden, welche durch drei Jahrhunderte das Innere Asiens zu erforschen suchten. Indem ihre einzelnen Entdeckungen u. ihre verschiedenen Reisewege zusammengetragen wurden, machten die Geographen den Versuch, das Ganze der Erde in ein Gesammtgem√§lde zu bringen. Mit H√ľlfe dieser Materialien zeichneten Sanuto (1306), Visconti, die Br√ľder Pazigani, Pareto, Bianco (1436), Bedracio, Benincasa, Brazi, Mauro u.a. jene Landkarten, auf denen man nicht allein die neueren Angaben, sondern auch die Begriffe der Alten vereinigt findet. Auf mehreren dieser Karten sieht man die drei Welttheile als eine gro√üe Insel dargestellt, Afrikas Ende auf der Nordseite des √Ąquators, gerade so wie Eratosthenes u. Strabo es geglaubt hatten; dabei findet sich eine Insel Antilia, westlich von den Canarischen Inseln, verzeichnet, was hie u. da zu der Annahme gef√ľhrt hat, man habe schon damals Kenntni√ü von dem Vorhandensein Amerikas gehabt. Inzwischen hatten seit der zweiten H√§lfte des 14. Jahrh. die Portugiesen sich zu einer seefahrenden Nation entwickelt u. drangen im Laufe des 15. Jahrh. mit ihren Schiffen mehr u. mehr an der Westk√ľste Afrikas nach S√ľden vor, bis es endlich 1486 Bartolomeo Diaz gelang, die S√ľdspitze des Continents, das Cap der Guten Hoffnung, zu erreichen.

C) Neue Zeit. Obwohl nun schon Toscanelli, ein Florentiner u. gr√∂√üter Geograph seiner Zeit, 1474 auf die M√∂glichkeit der Umschiffung Afrikas hingewiesen hatte, so wurde dennoch erst 1498 durch Vasco de Gama der Seeweg nach Indien entdeckt,[181] ein Ereigni√ü, welches im Verein mit der 1492 durch Columbus erfolgten Entdeckung Amerikas ebenso als ein Hauptmoment in der Geschichte der geographischen Entdeckungen, wie √ľberhaupt als Wendepunkt der Cultur der Menschheit betrachtet werden mu√ü. Handel u. Schifffahrt erhielten durch die beiden gro√üen Entdeckungen am Schlusse des 15. Jahrh. einen unerme√ülichen Aufschwung. Vorerst die Schiffe der Portugiesen u. Spanier, dann auch der Engl√§nder, Niederl√§nder u. Franzosen durchkreuzten die Weltmeere nach allen Richtungen hin u. f√ľhrten in rascher Reihenfolge Entdeckungen herbei Cabral fand 1500 Brasilien, Andrade 1516 die K√ľste von China, Mota 1542 Japan, Balboa hatte 1513 zuerst den Stillen Ocean gesehen, Cabot, Corte Real, Frobisher, Raleigh, Davis, Hudson, Bassin u. Bylot drangen nordw√§rts bis zu dem Polarmeere vor, Niederl√§nder entdeckten den f√ľnften Welttheil Australien, Magelhaens hatte in Begleitung des Astronomen Ruy Falero 1519 die erste Erdumsegelung ausgef√ľhrt, die n√§chste Franz Drake 1577, welche der G. nicht nur √ľberhaupt eine ungemeine Stoffvermehrung zuf√ľhrten, sondern auch unmittelbar die geographischen Systeme des Strabo u. Ptolem√§os √ľber den Haufen warfen u. die Kugelgestalt der Erde au√üer Zweifel setzten. Die sternkundigen Arbeiten eines Copernicus (1543), Tycho de Brahe (1546‚Äď1601), Kepler, Galilei u. Newton (1642 bis 1727) trugen ihrerseits zur Vervollkommnung der geographischen Karten bei, in deren Entwurf man von nun an die Erdkugel in ihrer wahren Gestalt abzubilden u. die gegenseitigen Entfernungen der L√§nder, deren Lage nach der Polh√∂hen. Weite von einem ersten Meridian, auf eine genauere Weise anzugeben sich bem√ľhten, als es jemals vorher geschehen war. Bald nach des ber√ľhmten N√ľrnbergers Martin Behaim Erdglobus (1492) erschienen die ersten Weltkarten, welche auch Amerika enthielten; zun√§chst die der Br√ľder Appian (1513), dann die von Ribeiro u. die von Gemma Frisius. Die eigentliche Gestaltung der geschichtlichen Erdkunde geb√ľhrt Vadianus (1518) u. mehr noch Sebastian M√ľnster (1543), der sich durch seine Cosmographia den Namen eines wieder erstandenen Strabo erwarb. Eine gewisse Ordnung brachte zuerst Abrah. Ortelius (gest. 1598) in die G., indem er die alte von der neueren trennte u. namentlich auch die Kartenzeichnung in seinen mit Noten begleiteten Theatrum mundi (Antwerp., letzte Ausg. 1603) wesentlich vervollkommnete. Vor Allen aber war es Gerhard Kaufmann (gest. 1594), genannt Mercator, der den geographischen Wissenschaften einen neuen Schwung gab, indem er f√ľr den Entwurf der Karten eine neue Methode anwandte (die noch gegenw√§rtig f√ľr Seekarten ma√ügebend ist) u. so der Begr√ľnder der positiven G. der Neuzeit wurde. Die Sammlung seiner Karten nannte Mercator zuerst Atlas, eine seitdem beibehaltene Benennung. Zur Vervollkommnung der G. trugen dann Cluverius, Fernel, Bart bei, diesen folgten Grimaldi (1663) u. Riccioli (1671); des Varenius (1684) System der allgemeinen G. wurde sp√§ter von Newton neu aufgelegt; auch die Arbeiten von Godofredus u. Melissander zeigten von gro√üem Flei√üe; f√ľr die Kartographie wirkten erfolgreich in Frankreich Sanson, in Holland Blaeu, in Schweden Bur√§us. Als Nebenzweig der geographischen Wissenschaft entwickelte sich die Statistik durch Sansovino (1567), Botero (1592), Davity (1616), besser noch durch Conring, doch beweisen die Elzevirischen Republiken, eine Probe der statistischen Arbeiten in diesem Zeitalter, da√ü man √ľber den Umfang dieses Zweiges der G. ebenso unbestimmte als unvollst√§ndige Ansichten hegte.

Mit ungleich gr√∂√üerer Auszeichnung steht in geographischer R√ľcksicht das 18. u. noch mehr das 19. Jahrhundert da. Eine Menge der wichtigsten Entdeckungen erleichterten das geographische Studium. Von Seiten der Regierungen wurden Entdeckungsreisen u. Gradmessungen angeordnet, auf ihren Befehl u. mit ihrer Unterst√ľtzung Reise- u. L√§nderbeschreibungen herausgegeben, die Herstellung der Karten wurde vervollkommnet, dazu f√∂rderten die Akademien der Wissenschaften die geographischen Forschungen; der mehr u. mehr wachsende Handelsverkehr nach allen Punkten der Erde u. die zahlreichen Mission√§re der christlichen Religion trugen ebenfalls nicht wenig zur Erweiterung der geographischen Kenntnisse bei. Der allgemeine Fortschritt in den Wissenschaften (namentlich auch das erh√∂hte Interesse an den Naturwissenschaften) u. die gro√üen Erfindungen der Anwendung des Dampfes u. der Elektricit√§t kamen der G. direct u. indirect zu Gute, namentlich haben auch die Geographischen Gesellschaften (s.d.) unendlich viel zur Ausdehnung u. Vervollst√§ndigung der G. nach allen Richtungen hin beigetragen. W√§hrend fast alle seefahrenden Nationen mehr od. minder zu den Entdeckungen beitrugen, die im Gro√üen Ocean, in den Arktischen u. Antarktischen Polargegenden gemacht wurden, erforschten haupts√§chlich die Russen den n√∂rdlichen Theil u. das Innere von Asien, die Engl√§nder die s√ľdlichen Theile von Asien u. Afrika, sowie Australien, die Holl√§nder den Indischen Archipel, die Franzosen den Norden Afrikas, Spanier u. Portugiesen die S√ľdh√§lfte, Nordamerikaner die Nordh√§lfte Amerikas. Den Deutschen war zwar an den Entdeckungsreisen nur ein geringer Theil zugewiesen, desto mehr haben sie sich aber an der wissenschaftlichen Erfahrung fast aller L√§nder der Erde hervorragend (Alexander von Humboldt in Amerika u. Asien, Barth u. Vogel in Afrika, Gebr√ľder Schlagintweit in Asien) betheiligt, u. haben mehr als irgend eine Nation f√ľr die wissenschaftliche Bearbeitung der G. gethan.

F√ľr die mathematische G. wurden die zuerst in Frankreich von Maupertuis u. Condamine angestellten Gradmessungen, denen bald andere in den √ľbrigen Theilen Europas folgten, von Wichtigkeit; wesentlich zum Fortschritt trugen bei die Arbeiten von Cassini, de l'Isle, Tob. Mayer, Euler, Mechain, Herschel, Zach, Lalande, Gau√ü, Maskelyne, Olbers, Piazzi, Enke, Delambre, Biot, Bode, Arago, Bessel, Struve u.a. Handb√ľcher √ľber die mathematische G. haben geschrieben: Mayer 1805, Walch 1807, Schmidt 1810, Bode, Hochstetter 1820, Brewer 1828, Schmidt 1829, Littrow 1837, M√§dler 1843, Somerville, Studer, Wigand u. Cornelius, 4. Aufl. 1857; Steinh√§user (Grundz√ľge der mathematischen G. u. der Landkartenprojection, Wien 1857). Das Bedeutendste enth√§lt Alex. von Humboldts Kosmos. Die physikalische G. fand in Buache (1745) ihren wissenschaftlichen Begr√ľnder; fortgebildet wurde sie von Bergmann (1773), Wallerins (1779), die Forster (1778), Zimmermann, de Luc (1779), Dolomieu, Saussure, Otto Lamarck[182] (1801), Kant, Mitterpacher u.a.; mit Herbeiziehung der Naturwissenschaften tiefer aufgefa√üt von Werner (st. 1821), Steffens, Alex. von Humboldt, Leopold von Buch, Arago u.a.; Kants Physikalische G. erschien 1802 bearbeitet von Rink, von Link im Handbuch der physikalischen Erdbeschreibung (1826‚Äď30), von Hoffmann (Physikalische G., Berl. 1837), Studer (Lehrbuch der physikalischen G. etc., Bern 1844), Burmeister (Geschichte der Sch√∂pfung, 4. Aufl. 1851), Wittwer (Physikalische G. etc., Lpz. 1838), Gugot (Comparative Physical Geography, Lond. 1858), Somerville (Phys. Geography, Lond. 1858). Zu der sogenannten reinen od. der G. nach Naturgrenzen, hatte schon Gattereo 1775 die ersten Grenzlinien gezogen; ihm folgten Zeune in seiner G√§a (3. Aufl. 1830), Kaiser, Stein, Homeyer, Kunz, Berghaus, K. von Raumer, Schacht, Meinicke, Zimmermann (Der Erdball u. seine Naturwunder, 3. Aufl. Berl. 1854), Teichmann (Physik der Erde, Berl. 1854); geologische, meteorologische u. hydrographische Institute f√ľhren im Verein mit den zahlreichen Beobachtungen u. Untersuchungen, welche ununterbrochen fast auf allen Punkten. der Erde √ľber die Natur derselben veranstaltet werden, der Wissenschaft ein √ľberreiches Material zu, welches in dem Berliner Dove den gr√ľndlichsten Bearbeiter findet, w√§hrend der Amerikaner Maury am meisten unter den Neueren f√ľr Erforschung der Physik des Meeres gethan hat. Die politische G. wurde fr√ľher u. flei√üiger angebaut als die √ľbrigen Theile der Wissenschaft. Nach dem Vorgange der flei√üigen Sammler Merula, H√ľbner u. Hager, wurde B√ľsching von 1754 an der Begr√ľnder der wissenschaftlichen Behandlung der neueren G.; ihm folgten d'Anville, Normann, Gatterer, Fabri, Gaspari (1797), Bruns, Canzler, Galletti, Stein, Cannabich, Malte Brun, Blanc, Hoffmann, Balbi; 1819‚Äď27 erschien das gr√∂√üte u. vollst√§ndigste Handbuch der G., bearbeitet von Hassel, Gutsmuths, Cannabich, Ukert u. Gaspari. Eine neue Bahn brach Karl Ritter, als Sch√∂pfer der allgemeinen vergleichenden G., in seinem gro√üen Werke: Die Erdkunde im Verh√§ltni√ü zur Natur u. zur Geschichte des Menschen. Die von ihm eingeschlagene Bahn wurde ma√ügebend f√ľr alle folgenden. Rougemont schrieb Pr√©cis de g√©og. compar√©e, Neuenb. 1831, u. G√©og. de l'homme, 1838, sp√§ter eine Geschichte der Erde nach der Bibel u. der Geologie, deutsch von Fabricius, 1856; Meinicke (Lehrbuch der G., 1857); Merleker (Lehrbuch der historisch-comparativen G., 1839, u. eine Kosmogeographie, 1848); Berghaus (Allgemeine L√§nder- u. V√∂lkerkunde, Stuttg. 1837‚Äď44; Grundri√ü der G., 1840‚Äď43; Allgemeine Erdbeschreibung, die 4. Aufl. des Werkes von Balbi, 1857; Was man von der Erde wei√ü, 1856); Roon (Grundz√ľge der Erd-, V√∂lker- u. Staatenkunde); Schneider (Handbuch der Erdbeschreibung etc., 1846 ff.); Wapp√§us (Neubearbeitung des Handbuchs der G. von Stein u. H√∂rschelmann, 1850 ff.); Zachari√§ (Lehrbuch der Erdbeschreibung in Verbindung mit Weltgeschichte etc., Lpz. 1854); Ungewitter (Neueste Erdbeschreibung, 4. Aufl. 1856); Diesterweg (Neubearbeitung von Blancs Handbuch des Wissensw√ľrdigsten etc., 1857); Kl√∂den (Handbuch der Erdkunde, 1858). Die Statistik od. historisch-politische Staatskunde wurde zuerst von Achenwall (1749) wissenschaftlich behandelt, dann von Toze (1777), Crome (1782), Niemann (1807), Summel (1803), Hassel (1823), Andr√© (1823), Bernoulli (1828), Schubert (seit 1834), Fr√§nzl (1838‚Äď1841), u. in neuester Zeit von Brachelli, H√ľbner, Kolb, Dieterici, Boeckh, K√∂ppen, Tegoborski, u. mit dem gr√∂√üten Erfolg Reden. √úber die Theorie der Statistik hatten, nach dem Vorgange von Schl√∂zer, geschrieben Hogel (Altenb. 1829), Schlieben (Grundz√ľge einer allgemeinen Statistik, 1834), Gr√§berg von Hems√∂ (Theorie der Statistik, 1835), W√∂rl (1841), Fallati (1843) u.a. Von umfassendem Nutzen f√ľr die National√∂konomie hat die Statistik einen bes. hohen Aufschwung genommen, seitdem fast alle Staaten officiell das statistische Material sammeln lassen, u. sich neben den statistischen Staatsbureaus auch statistische Privatvereine gebildet haben. Die Handelsgeographie haben speciell behandelt: Kalckmann (1807), Becher (1836), Reden (1843), M'Culloch (deutsch 1836‚Äď1837), Cr√ľger (1853), Scherer (Allgemeine Geschichte des Welthandels, 1853). √úber Milit√§rgeographie haben geschrieben: Malchus (1832), Meineke (1836), dann Roon u. neuestens Killmeyer. √úber Methodik der G. handeln L√ľdde, Ritter u.a. Unter den geographisch-statistischen W√∂rterb√ľchern sind hervorzuheben, die Werke von Winkopp u. Ehrmann (fortgesetzt von Schorch, aber nicht beendet), H√ľbner's Staats-, Zeitungs- etc. Lexikon (1804, umgearbeitet von R√ľder 1824), Hassel (Allgemeines geographisch-statistisches Lexikon, 1817), Stein (Zeitungs-, Post- u. Comtoir-Lexikon, 1818) The Edinburgh Gazetteer or Geogr. dictionary mit einem Atlas von Arrowsmith (1817), Dictionnaire g√©ogr. universel von Beudant, Billard, Douaix, Dubrera, Eyries, Humboldt u.a. (1824 ff.), M√∂ller (Geographisch-statistisches Lexikon, 1846), Ritter (Geographisch-statistisches Lexikon, 4. Aufl. 1855), Johnston (Dictionary of geography, Boston 1852), Gazetteer of the world (Lond. 1852), Kramers (Geographisch woordenboek, Gouda 1853), Castro (Gran dizionario geogr., Mail. 1855), Hoffmann (Encyklop√§die der Erd-, V√∂lker- u. Staatenkunde, Lpz. 1855 ff.), Brockes (A General Gazetteer etc., Lond. 1857), Bouillet (Diction. universel etc., Par. 1857). Als geographische Zeitschriften sind, abgesehen von den zahlreichen, zum Theil nur auf specielle Erdr√§ume od. auf einzelne Theile der G. berechneten Journalen, sowie von den √§lteren Ephemeriden, Magazinen, Archiven u. Jahrb√ľchern von Zach, B√ľsching, Forster, Sprengel, Bernoulli, Bertuch, Gaspari u.a. zu erw√§hnen: L√ľdde (Zeitschrift f√ľr vergleichende Erdkunde, Magdeb. 1842‚Äď1846); Berghaus (Annalen f√ľr Erd- etc. Kunde, 1830‚Äď43; Hertha 1825‚Äď1829; Geographisches Jahrbuch 1849‚Äď1852); Sommer (Taschenbuch zur Verbreitung geographischer Kenntnisse, 1823‚Äď43); Gumbrecht. (Zeitschrift f√ľr allgemeine Erdkunde, 1853‚Äď56, neue Folge von Neumann seit 1856), Petermann (Mittheilungen aus J. Perthes geographischer Anstalt, seit. 1855), Sacchi (Annali universali etc. zu Mailand); au√üerdem geh√∂ren hierher die periodischen Ver√∂ffentlichungen der Geographischen Gesellschaften (s.d.). Um die Kartographie erwarben sich gro√üe Verdienste zuerst Homann u. Weigel, dann Ha√ü, der Erfinder der stenographischen Kartenentwerfung, [183] Sotzmann, Mellin, Schmettau, Bohnenberger, Reichard, Wolf, Lapin, Arrowsmith, Cary, Hermlin, Stieler, Sydow, Sohr, Black, Kuyper, Petermann u.v. A. F√ľr die Specialkartographie leisteten die topographischen Bureaux der verschiedenen Staaten ungemein viel durch die Herausgabe der sogenannten Generalstabskarten u. die Hydrographischen Institute durch Anfertigung von Seekarten. Einen Atlas f√ľr die Physikalische G. gab Berghaus heraus; Kartenwerke f√ľr die Historische G. lieferten ehemals d'Anville, Reichard u.a., von ungleich gr√∂√üerem Werthe in der Neuzeit Spruner, Kiepert, Lelewel u. Wedell. Obgleich Unternehmungen Einzelner, sind doch in Deutschland zwei Anstalten f√ľr die geographische Wissenschaft von Bedeutung geworden, n√§mlich das Geographische Institut in Weimar, 1797 von Bertuch gegr√ľndet, in welchem u.a. 1798‚Äď1832 die Geographischen Ephemeriden erschienen, u. vor Allem die Geographische Anstalt von Justus Perthes in Gotha (seit 1816).

Die G. der alten Welt hatte schon 1686 in Cellarius einen Bearbeiter gefunden; diesem folgte 1730 K√∂hler (Anleitung zur alten u. mittleren G.), 1785 erschien das von Bruns, Ditmar, Stroth, Hummel u.a. bearbeitete Handbuch zu dem Atlas von d'Anville, der 1782 auch eine G√©ogr. ancienne geschrieben hatte. Dann lieferten die Franzosen Mentelle, Delille, Dureau de la Malle, Frevot werthvolle Arbeiten, mehr noch Gosselin (Recherches sur la g√©ogr. des anciens, 1790‚Äď1843); Mannert (Die G. der Griechen u. R√∂mer); Heeren (Ideen √ľber die Politik etc. der vornehmsten V√∂lker der alten Welt, 4. Aufl. 1826); Malte Brun, Schlichthorst, Ukert (1816‚Äď1821); Sickler, Georgi (Alte G. 1838), Forbiger (Handbuch der alten G., 1842‚Äď48), Schmitz (A Manual of Ancient G., 1857). Kleinere Compendien √ľber die alte G. lieferten Schirlitz (1822), Schmieder, Billerbeck (1826), K√§rcher (1829), Sickler (1832), Volger u.a. Die G. des Mittelalters ist nur wenig bearbeitet worden; Junker's Anleitung zur G. der mittleren Zeiten war der erste unvollkommene Versuch (1712); die Arbeiten von d'Anville, K√∂hler, Pischon sind ebenfalls d√ľrftig, besser Wuttke √ľber Erdkunde u. Karten des Mittelalters (1853), die vorz√ľglichste Quelle bildet inde√ü der historische Atlas von Spruner. Die Geschichte der G. haben behandelt Zeune (Dissertatio de hist. geographiae, 1802), Malte Brun (Geschichte der Erdkunde, aus dem Franz√∂sischen von Zimmermann, 1816), Sprengel (Geschichte der wichtigsten geographischen Entdeckungen bis 1542, 2. Aufl. 1792), L√∂wenberg (Geschichte der G., 1840), L√ľdde (Geschichte her Erdkunde, 1841), Hoffmann (Geschichte des Handels, der Erdkunde etc., 2. Aufl. 1847), Berghaus (Abri√ü einer Geschichte der geographischen Entdeckungen, 1857) Die wichtigsten Sammlungen von Reisebeschreibungen sind: Allgemeine Historie der Reisen zu Wasser u. zu Lande, Amsterd. 1747‚Äď74; Ehrmann (Geschichte der merkw√ľrdigsten Reisen, 1791‚Äď99, 22 Bde.); Sammlung der besten u. ausf√ľhrlichsten Reisebeschreibungen (Berl. 1764‚Äď1803); F. R. Forster (Magazin von merkw√ľrdigen neuen Reisebeschreibungen, Berl. 1790‚Äď1839, 39 Bde.); G. Forster (Neue Geschichte der Land- u. Seereisen, Hamb. 1789‚Äď1808, 19 Bde.), Sprengel u. Ehrmann (Bibliothek der wichtigsten Reisebeschreibungen, Weim. 1800‚Äď14, 50 Bde.), Bertuch (Neue Bibliothek etc., eine Fortsetzung des vorhergehenden Werkes, Weim. 1815‚Äď35, 65 Bde.); Journal f√ľr die neuesten Land- u. Seereisen (Berl. 1808‚Äď36, 84 Bde.); Widemann, Hauff u. Peschel (Reise- u. L√§nderbeschreibungen der √§lteren u. neusten Zeit 1835‚Äď56, 43 Bde.); Weltpanorama, eine Chronik der neuesten Reisen etc. (Stuttg. 1843‚Äď1850, 153 Bde.), Heinzelmann (die Weltkunde in einer Rundschau der wichtigsten neueren Reisen 1847‚Äď55, 16 Bde.). Zusammenstellungen der geographischen Literatur enthalten: Engelmann (Bibliotheca geographica, Lpz. 1858), Schmidt (Bibliotheca historico-geographica, seit 1853), sowie die Zusammenstellungen der neuen Erscheinungen im Gebiete der G. von Koner (seit 1852) u.v. Ziegenbalg (seit 1856).


Pierer's Lexicon. 1857‚Äď1865.

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