Grenville [2]

Grenville (spr. Grennwill), englisches Adelsgeschlecht, schon unter Heinrich I. in der Grafschaft Buckingham begütert; merkwürdig sind: 1) Richard, Parlamentsmitglied für Andover, st. 1724; er war vermählt mit Hesther, Tochter des Sir Richard Temple, welche 1749 von ihrem Bruder, Richard Temple, dessen große Güter erbte u. zur Gräfin von Temple erhoben wurde (st. 1752). 2) Richard, Graf von Temple, älterer Sohn des Vorigen, geb. 1702, war 1757 Großsiegelbewahrer u. st. 1779 ohne Nachkommen; er wird von Einigen für den Verfasser der Briefe des Junius gehalten. 3) Georg, Bruder des Vor., geb. 1712, studirte in Cambridge u. prakticirte seit 1737 als Sachwalter, kam jung ins Parlament, wurde 1744 im Admiralitätsamte angestellt, 1747 Lord des Schatzes u. brachte 1757 die Bill für die regelmäßige Bezahlung der Kosten dieses Ministeriums in Vorschlag, wurde 1762 Lord der Admiralität u. 1763 Premierminister, führte 1764 die Stempeltaxe ein, welche die nächste Veranlassung zum Abfall der Nordamerikanischen Colonien wurde; auch kam unter ihm das Gesetz über das Verfahren bei streitigen Wahlen (Grenville Act) zu Stande. 1765 trat er aus dem Amt u. st. 13. Novbr. 1770. The Grenville papers, herausgeg. von Smith, 1852, 4 Bde. Er schr.: Betrachtungen über den Handel u. die Finanzen Englands, Lond. 1766; Gemälde von England hinsichtlich seines Handels u. seiner Finanzen, Par. 1769. 4) Georg, Graf Temple, ältester Sohn des Vorigen, erbte von seinem Oheim Richard den Titel als Graf von Temple wurde 1754 zum Marquis von Buckingham u. 1782 u. 1787 zum Lordlieutenant von Irland ernannt, erhielt 1788 nach dem Tode seines Schwiegervaters, des Grafen Robert Nugent, auch dessen Titel u. st. 11. Febr. 1813. Er hatte 2 Söhne, der jüngere, George Nugent-Temple-G., wurde Lord Nugent, s.d.; der älteste, Richard, wurde 1822 zum Herzog von Buckingham ernannt, s.u. Buckingham 9). 5) Thomas, jüngerer Sohn des Vor., geb. 31. Dec. 1755, Freund von Fox; trat früh für Buckingham ins Parlament, unterstützte die Coalition von Fox u. North, wodurch er sich mit seiner Familie entzweite u. 1784 seinen Sitz im Parlament verlor; er kam erst 1790 wieder ins Parlament für Abingdon u. 1794 wieder für Buckingham. Nachdem er bereits 1782 eine Mission nach Paris erhalten hatte, ging er 1799 an den Berliner Hof, um diesen zur Fortsetzung des Krieges gegen Frankreich zu bewegen; allein durch Eis u. das zweite Mal durch Schiffbruch aufgehalten, kam er erst, als der Friede schon geschlossen war, in Berlin an. Er wurde 1806 Präsident des Indischen Amtes u. nach Fox Tode Lord der Admiralität, welche Stelle er jedoch 1807 wieder niederlegte; da sein Neffe für ihn ins Parlament getreten war, lebte er seit 1818 als Privatmann auf seinen Gütern, wo er 17. Dec. 1846 starb. 6) William Wyndham, Lord G., Bruder des Vor., geb. 25. Oct. 1759, studirte in Eton u. Oxford die Rechte, wurde 1782 ins Unterhaus gewählt u. begleitete 1782 seinen Bruder, den Lord Buckingham, nach Irland, wurde dann Generalzahlmeister der Armee, war von 1788–91 Sprecher des Unterhauses, wurde 1790 Staatssecretär des Innern u. als Lord G. Pair u. 1791 Staatssecretär des Auswärtigen, als welcher er sich als unversöhnlicher Gegner der Französischen Revolution u. Urheber aller Maßregeln gegen die Republik Frankreich zeigte; er trug auf Aufhebung der Habeas-corpus-Acte an u. schlug 1793 die Alienbill u. 1795 die nach ihm Grenvilles Bill genannte [584] Bill, nach welcher alle Versuche auf das Leben u. die Würde des Königs, selbst bloße Worte, mit den strengsten Strafen belegt werden, vor, unterstützte Pitts Maßregeln, beförderte 1799 die Union Irlands, trat 1801 wieder mit Pitt aus u. sprach 1802 gegen den Frieden von Amiens, trat 1806 an die Spitze des Coalitionsministeriums, gab aber 1807 wegen der katholischen Frage seine Entlassung, war von da an nur noch im Oberhaus thätig, vertheidigte die Sache der irischen Katholiken, unterstützte das Ministerium Canning u. st. 12. Jan. 1834 ohne Nachkommen. Er schr.: Nugae metricae (Übersetzungen altenglischer, italienischer u. griechischer Gedichte), 1806; Mehreres über die Politik seiner Zeit u. gab auch die Briefe des Grafen Chatham an seinen Neffen Thomas Pitt heraus.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Grenville —   [ grenvɪl], englisches Geschlecht aus Buckinghamshire, das besonders im 18. Jahrhundert zu Reichtum und politischem Einfluss kam; seit 1749 im Besitz des Titels Earl of Temple, seit 1784 des Marquess , seit 1822 des Herzogstitels von Buckingham …   Universal-Lexikon

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  • Grenville — (spr. grénnwill), engl. Adelsgeschlecht, war seit Wilhelm dem Eroberer in der Grafschaft Buckingham ansässig, gelangte aber erst durch die Heirat Richard Grenvilles (1678–1728), Parlamentsmitglieds für Andover, mit Hester, Tochter Sir Richard… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

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  • Grenville — (spr. will), George engl. Staatsmann, geb. 14. Okt. 1712, Bruder des Grafen Richard Temple (s.d.), 1747 Lord des Schatzes, 1762 erster Lord der Admiralität, 1763 65 Ministerpräsident, gest. 13. Nov. 1770. Sein Nachlaß: »The G. papers« (4 Bde.,… …   Kleines Konversations-Lexikon

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