Görres

Görres, 1) Jakob Joseph von G., geb. 25. Jan. 1776 in Koblenz, wo sein Vater Holzhändler war, wurde auf dem akademischen Gymnasium daselbst gebildet, studirte von 1792 an Medicin in Bonn, verließ dies Studium, als der Französische Revolutionskrieg von 1793 begann, schloß sich den bewegenden Ideen an, trat als Redner in Clubs u. Volksversammlungen auf u. gab 1798 eine Zeitschrift, das Rothe Blatt, heraus. Auf Antrag Hessens wurde diese untersagt, lebte aber als Rübezahl im blauen Gewande bald wieder auf, ging jedoch auch bald wieder ein. Als um 1799 das linke Rheinufer durch das Aussaugungssystem der französischen Behörden hart litt, wurde G. mit einer Deputation nach Paris geschickt, um die Vereinigung des linken Rheinufers mit Frankreich (vergebens) zu erbitten. G. wurde 1804 Professor der Physik bei der Secundärschule in Coblenz u. widmete sich ganz der Naturphilosophie, verließ jedoch 1806 Coblenz u. ging 1807 nach Heidelberg, wo er mit Brentano u. Arnim die Zeitung für Einsiedler herausgab u. bes. das Mittelalter studirte. 1808 kehrte er nach Coblenz in seine frühere Lehrerstelle zurück, schloß sich 1813 der deutschen Partei an u. gab seit Februar 1814 den Rheinischen Mercur heraus; dieser wurde 1816 unterdrückt. Während des interimistischen Gouvernements war G. 1814 zum Studiendirector des Bezirks Coblenz ernannt worden, welche Stelle ihm jedoch 1816 wieder entzogen wurde. Demagogische Verdächtigungen u. die Herausgabe von: Deutschland u. die Revolution (Cobl. 1819), bewirkten von Berlin den Befehl, ihn zu verhaften; er floh nach Frankreich u. lebte zu Strasburg, von wo er sich jedoch, nach Ermordung des Herzogs von Berry nach Aarau begab. Dort schrieb er: Europa u. die Revolution (Stuttg. 1821) u.: In Sachen der Rheinprovinzen u. eigener Angelegenheit (Stuttg. 1822) Er lebte dann wieder in Strasburg. Nun wurde er aus einem Vertheidiger des Liberalismus dessen Gegner u. einer der eifrigsten Vertheidiger des Ultramontanismus; er folgte 1827 einem Rufe als Professor der Literaturgeschichte nach München u. st. hier 29. Jan. 1848. Außer den genannten Schriften schr. er: Aphorismen über Organologie, Cobl. 1804; Aphorismen über die Kunst, ebd. 1804: Glaube u. Wissen, Münch. 1805; Exposition der Physiologie, 1805; Die deutschen Volksbücher, Heidelb. 1807; Mythengeschichte der asiatischen Welt, 1810, 2 Bde.; Einleitung zu Lohengrin, 1813; Deutschlands künftige Verfassung, 1816; Altdeutsche Volks- u. Meisterlieder, aus den Handschriften der Heidelberger Bibliothek, Frkf. 1817; Deutschland u. die Revolution, 1819; Das Heldenbuch von Iran, aus dem Schah Nameh des Firdusi, Berl. 1820, 2 Bde.; Die heilige Allianz u. die Völker auf dem Congresse in Verona, Stuttg. 1822: Der Kurfürst Max I. an den König Ludwig von Baiern, 1826; Rom wie es ist, 1826.; Vermischte Schriften, 1827; Em. Swedenborg, seine Visionen u. sein Verhältniß zur Kirche, Strasb. 1827; Über die Grundlage etc. der Weltgeschichte, Bresl 1830; Die christliche Mystik, Regensb. 1830–42, 4 Bde.; Athanasius, 1837, 4. Ausg. ebd. 1838; Die Triarier, Leo, Marheinecke u. Bruno, 1838; Zum Jahresgedächtniß, 1838; Zweites Jahresgedächtniß, 1840; Der Dom von Köln u. der Münster von Strasburg, 1842; Kirche u. Staat nach Ablauf der Kölner Irrungen, 1842; Die Völkertafel des Pentateuchs, 1842; Die Japhetiten, 1814: Die drei Grundwurzeln des keltischen Stammes in Gallien, 1845; Die Wallfahrt nach Trier, 1845; Lebensbeschreibung von Sepp, Regensb. 1848. Gesammelte Schriften von Marie G. herausgegeben, Münch. 1854 ff., 8 Bde. 2) Guido, Sohn des Vorigen, geb. 28. Mai 1805 in Coblenz, lebte in München u. starb daselbst 14. Juli 1852: als Legendenschriftsteller u. Dichter bekannt. Er schr.: Die Jungfrau von Orleans, Regensburg 1834, 2. Aufl. 1835; Festkalender in Bildern u. Liedern, Münch. 1835–39, 3 Bde.; Schön Röslein (Mährchen), Münch. 1835; mit [481] Pocci u.a.: Marienlieder, ebd. 1842, 2. Aufl. 1844; Die heilige Cäcilie (Gedicht), ebd. 1843; Hürnen Siegfried, Schaffh. 1843; Das Weihnachtskripplein, ebd. 1843; Gedichte, Münch. 1844; Die Gottesfahrt nach Trier (Gedicht), Kobl. 1844; Das deutsche Hausbuch, Münch. 1846 f., 2 Bde; er redigirte auch seit 1848 die Historisch-politischen Blätter für das katholische Deutschland.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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