Handel

ÔĽŅ
Handel

Handel. I. Handel im Allgemeinen ist jeder Austausch von G√ľtern irgend welcher Art gegen andere, gleichviel ob derselbe durch Kauf u. Verkauf (gegen Geld) od. durch Tausch (gegen Waare) bewirkt wird; insbesondere der gewerbm√§√üig betriebene Ein- u. Verkauf von Gegenst√§nden aller Art, in der Absicht dadurch Gewinn zu erzielen. Der H. ist von gro√üem Nutzen f√ľr den Einzelnen u. den Staat; er bef√∂rdert die Geldcirculation, hebt den Gewerbflei√ü, unterst√ľtzt den Ackerbau, erhebt den Nationalreichthum unmittelbar, indem er die Kaufleute bereichert, u. mittelbar,[927] indem er Schiffern, Fuhrleuten, M√§klern etc. Verdienst verschafft u. denselben wieder den Arbeitern, welche die Waare erzeugen, zuwendet; er bef√∂rdert endlich K√ľnste u. Wissenschaften, indem er die V√∂lker einander n√§her bringt u. die Erfindungsgabe der Menschen aus Hoffnung auf Gewinn erregt. Dagegen ist aber auch unverkennbar, da√ü der H. weder der einzige, noch der h√∂chste Zweck in einem Staate sein darf; denn da Eigennutz des Einzelnen der wahre Grundtrieb des H-s ist, so wird in einem solchen Staate auch dieser leicht zum bewegenden Princip. Die Hauptth√§tigkeit des H-s besteht darin, die G√ľter der Zeit u. dem Orte ihres Bed√ľrfnisses zuzuf√ľhren, u. somit bildet der H. den Vermittler zwischen Nachfrage u. Angebot. Als Centralpunkt zwischen Nachfrage u. Angebot entfaltet der H. seine ganze Wichtigkeit; er kennt alle W√ľnsche u. Bed√ľrfnisse der Nachfrage bis in die kleinsten Details, u. es wenden sich an ihn nun Alle ohne Unterschied, welche irgend ein entbehrliches, n√ľtzliches Gut gegen ein anderes, od. momentan gegen Geld eintauschen wollen, welches er ihnen je nach dem Grade ihres Bedarfes von seinen Vorr√§then mittheilt, welche nie aufh√∂ren od. sich verringern, sondern durch die Production, welche er ermuntert, ihm stets aufs Neue u. in vergr√∂√üertem Ma√üstabe zugef√ľhrt werden. Der Betrieb des H-s kann ebensowohl die einzige Mittelstufe zwischen dem Erzeuger der Waare u. ihrem Verbraucher bilden, als auch in eine gro√üe Kette solcher Zwischenstufen sich ausbreiten. Der letztere Fall ist der gew√∂hnliche: die meisten Waaren gehen durch mehre Mittelspersonen (Handeltreibende, s.d.), ehe sie in die H√§nde des Handelsconsumenten gelangen. Die Stellung des H-s ist eine zwischen dem Producenten u. dem Consumenten vermittelnde u. schlie√üt daher diejenigen Gewerbe aus, welche ihre Artikel selbst erzeugen od. veredeln, namentlich die Landwirthschaft, die Fabrikation u. die K√ľnste. Man sagt zwar gemeinhin, da√ü auch der √Ėkonom, der Handwerker, der Fabrikant mit seinen Producten handle, dann ist aber der Begriff des H-s in einem uneigentlichen Sinne genommen, in welchem jeder Verkauf als ein Handelsgesch√§ft gedacht wird. Wesentlich ist endlich, da√ü der Handeltreibende Eigenth√ľmer der Waaren wird, sie in dem n√§mlichen Zustande in den Verkehr bringt, in welchem er sie angeschafft hat, u. mit der Absicht auf materiellen Gewinn. Daher kann man auch von dem Spediteur, Fuhrmann, M√§kler, obgleich sie Vermittler des Tausches sind, nicht sagen, da√ü sie H. treiben, da sie die demselben als Gegenstand zu Grunde liegenden Waaren nicht in ihr Eigenthum erwerben. Wenn Jemand od. ganze Gesellschaften mit Waaren von einem gewissen Fach zu handeln privilegirt sind, so hei√üt dies Alleinhandel od. Monopol (s.d.). Die Gesammtheit des internationalen Verkehres der V√∂lker wird Welthandel genannt. Die Betheiligung der einzelnen Nationen an demselben h√§lt keinesweges gleichen Schritt mit der Masse der Waaren, welche sie selbst erzeugen u. verbrauchen, vielmehr zeigt sich, vom Anbeginn eines gr√∂√üeren V√∂lkerverkehres √ľberhaupt an, ein vorzugsweiser Beruf des einen od. andern Volkes zum Welthandel, zur Vermittelung des Austausches der Producte aller L√§nder, u. im Laufe der Jahrhunderte sind immer nur wenige Nationen, oft nur eine, die Kaufleute der Welt gewesen, s. unten VI. A). Ein besondere F√§higkeit u. Neigung gewisser Nationen f√ľr die Operationen des gro√üen H-s l√§√üt sich nicht leugnen, immer aber mu√ü sie durch eine g√ľnstige geographische Lage am Meere u. an belebten Wasser- od. Landstra√üen u. zwischen den Ausgangs- u. Zielpunkten der Tauschobjecte unterst√ľtzt werden, um eine Herrschaft im Welthandel zu begr√ľnden. Gro√üe Waarenerzeugung ist kein unerl√§√üliches Moment, wird aber ein m√§chtiger Hebel zur Ausdehnung des H-s, wie bei England, dessen ganze Politik aber auch wieder von den Interessen der einheimischen Fabrikation abh√§ngig geworden ist, f√ľr welche die Absatzquellen immer offen zu halten u. zu erweitern sind. Es braucht kein politisch hervorragendes Volk zu sein, welches den Welthandel erringt, wohl aber wird derselbe im eigenen Gefolge politische Macht u. Gr√∂√üe f√ľhren, u. bleibend kann er sich nur da niederlassen, wo freie Institutionen alle Seiten des Verkehres beg√ľnstigen; seine Entfaltung selbst ruft gegenseitig die politische Freiheit hervor.

II. Die H√ľlfsmittel des Handels u. Verkehres zerfallen in zwei verschiedene Abtheilungen: in die eigentlichen Transport- u. Communicationsmittel, zur Bef√∂rderung der Waaren u. Mittheilung von Nachrichten, u. in die zur Vereinfachung u. Erleichterung des Gesch√§ftsbetriebes getroffenen Einrichtungen. In der Neuzeit sind hierin gro√üe Fortschritte gemacht worden, u. sind bes. hierher zu rechnen: die Eisenbahnen, welche an die Stelle der fr√ľheren alten Landstra√üen getreten sind, u. auf welchen ganze Z√ľge von Personen u. G√ľterwagen mit Geschwindigkeit bef√∂rdert werden; die Dampfschiffe, welche die Segelschiffe immer mehr verdr√§ngen u. die Herrschaft auf dem Meere, so wie auf den Fl√ľssen an sich gerissen haben; der Telegraph, welcher die menschlichen Gedanken in Minuten dorthintr√§gt, wo fr√ľher die schnellste Briefpost erst nach mehreren Tagen anlangte. Wie hier der Dampf u. die Elektricit√§t Gro√ües gewirkt hat, so ist in den verschiedenen Gesch√§ftsbetrieben u. vornehmlich im Bank- u. Versicherungswesen mittelst socialer Kraft eine gleiche Entfaltung u. Ausbildung herbeigef√ľhrt worden; namentlich das Associationswesen, durch dessen H√ľlfe es allein m√∂glich geworden ist, gro√üartige, industrielle Unternehmungen zu begr√ľnden, welche die Kr√§fte Einzelner weit √ľbersteigen. Das beste Bef√∂rderungsmittel des H-s ist die Handelsfreiheit diese ist die Lebenslust des H-s, u. jede Einschr√§nkung durch Monopol, Auflegung von Z√∂llen etc. erschwert u. hemmt den H. Freilich ist eine absolute Handelsfreiheit nicht wohl denkbar, u. gewisse Beschr√§nkungen zu Guusien der Unterthanen des diesseitigen Staates sind n√∂thig, um theils den H. auch Antheil an den Staatslasten nehmen zu lassen, theils um der Production des Landes in den Artikeln, die ein Land ebenso wie ein Nachbarland, jedoch nicht ganz so wohlfeil wie dieses, hervorbringen kann, zu Hilfe zu kommen. In letzterem Falle m√ľssen aber die, fremde Einfuhr inhibirenden Gesetze vorsichtig gegeben werden, da√ü sie nicht durch die, inl√§ndischen Fabriken gegebenen Beg√ľnstigungen diese, statt sie zu heben, einschl√§fern u. die Consumenten statt guter Waare schlechte u. theurere als die ausl√§ndischen erhalten. Die Handelssperre, welche durch Verbote u. hohe, r√ľcksichtslose Z√∂lle bewirkt wird, ist um so hemmender f√ľr den H. wenn im Innern[928] des Landes Zolllinien gezogen sind u. so auch der innere Consumtionshandel gehemmt wird. Kommen noch zu diesen Beschr√§nkungen Verbote, welche das Verfahren √ľberfl√ľssiger Landesproducte nach dem Auslande hemmen, so liegt der H. ganz darnieder. Die g√§nzliche Abschlie√üung eines Landes gegen den H. mit dem anderen geschieht nur in feindseliger Absicht zur Zeit eines Kriegs (s. Continentalsperre). Der Kaufmann sucht vorn√§mlich Handelsconjuncturen, gewisse Ereignisse, welche entweder in politischen od. Naturverh√§ltnissen ihren Grund haben u. den Preis irgend eines Handelsgegenstandes, so des Kaffees, der Wolle, des √Ėls etc. steigern od. sinkend machen, zu seinem Vortheil zu benutzen. Solche Handelsconjuncturen entstehen, wenn irgend ein Artikel entweder vorz√ľglich ger√§th od. mi√ür√§th, wo im ersten Falle der Artikel sinkt, im letzteren steigt; wenn irgend wo ein st√§rkerer Bedarf (so bei bevorstehendem Kriege von Tuch, Leder, Salpeter, Blei, Waffen) sich zeigt, u. der Waarenzug von diesem Artikel nach einem Lande st√§rker als gew√∂hnlich wird; wenn der gew√∂hnliche Weg f√ľr einen Artikel versperrt ist, so f√ľr Colonialwaaren bei einem Seekrieg durch feindliche Kreuzer, f√ľr ausl√§ndische Manufacturwaaren durch ein auf sie gelegtes Verbot etc. Wenn zwei Ursachen nach gleicher Richtung zugleich wirken, so wird die Handelsconjunctur auch gr√∂√üer, w√§hrend, wenn dieselben in verschiedene Richtungen gehen, sie auch mehr od. minder aufgehoben wird. Oft kennt man die Ursachen einer Handelsconjunctur gar nicht, doch m√ľssen obige Ursachen, wiewohl versteckt, immer da sein. Auf richtiger Beobachtung der Handelsconjuncturen beruht die Kunst der kaufm√§nnischen Speculation, derjenige, welcher sie err√§th, wird reich, der, welcher sie mi√üversteht, geht zu Grunde. Einen sehr gew√∂hnlichen u. zweckm√§√üigen Weg des raschen Absatzes hat der gr√∂√üere Handel in periodisch wiederkehrenden Auctionen gefunden, welche bes. f√ľr die gro√üen Handelsgesellschaften das regelm√§√üige Mittel zum Verkauf ihrer betr√§chtlichen Einfuhren bilden, aber auch von den einzelnen hervorragenden Handelsh√§usern mit Nutzen wahrgenommen werden, so da√ü die Zeitungen der gro√üen Hafenpl√§tze t√§glich die Ank√ľndigungen von Waarenversteigerungen bringen. Die √∂ffentliche Versteigerung gew√§hrt dem Verk√§ufer den Vortheil schleunigsten Absatzes gro√üer Waarenmengen, ohne die Gefahr des Creditirens, wobei nicht an die Entwerthungen zu denken ist, welche bei anderen Arten von Auctionen die ausgebotenen Gegenst√§nde so oft erfahren; im H. stellt sich bei jenen Auctionen aus der Concurrenz der K√§ufer von selbst der angemessene Preis lest, wobei aber immer der Verk√§ufer ein Minimum als Grenze festh√§lt, unter welcher der Zuschlag nicht stattfindet. Solche Auctionen haben mit denjenigen Nichts gemein, welche etwa die Aufr√§umung des Waarenlagers eines Kaufmanus von alten Resten u. dgl. (den sogen. Ausverkauf) zum Zwecke haben, od. den nothwendigen gerichtlichen Verkauf. Ber√ľhmt sind z.B. die gro√üen Auctionen der niederl√§ndischen Handels-Maatschappy, welche die Preise von Colonialwaaren, haupts√§chlich von Kaffee, f√ľr halb Europa bestimmen; auch der Pascha von √Ągypten l√§√üt einen gro√üen Theil der ihm als Abgaben gelieferten Waaren in √∂ffentlicher Versteigerung verkaufen.

III. Die Arten des Handels sind: A) Nach der Betriebs- u. Bezugsweise: a) nach dem Betrieb selbst: aa) Haupthandel, den ein Kaufmann als Hauptgeschäft treibt; bb) Nebenhandel, mit dem er sich nur nebenher beschäftigt; b) nach dem Bezug: aa) directer H., wo man seine Waaren aus erster Hand bezieht, während bb) bei indirectem H. Mittelspersonen thätig sind.

B) Nach den Gegenst√§nden, womit gehandelt wird: a) Waarenhandel, welcher als der urspr√ľngliche H. zu betrachten ist, weil aus demselben nach u. nach alle anderen Handelszweige hervorgegangen sind. Dieser zerf√§llt nach seinen wichtigsten Zweigen in: H. mit Colonialwaaren; Droguenhandel od. H. mit Materialwaaren; Farbwaarenhandel; H. mit Landesproducten u. Victualien; H. mit Delicatessen u. Italienischen Waaren, Manufacturwaarenhandel; Porzellan-, Steingut-, Glashandel, Lederhandel, Holzhandel; H. mit nordischen Producten; H. mit Rauch- u. Pelzwaaren; H. mit Strohwaaren; Papier- u. Schreibmaterialienhandel; H. mit Fabrikwaaren, als Stahl, Kupfer, Zinn, Eisen, Blechwaaren. b) Geld- u. Wechselhandel, welcher das Geld als Waare betrachtend, theils mit Gold u. Silber in gem√ľnzten Barren, theils mit Papieren, als Wechseln, Banknoten, Staatsobligationen, Actien etc. betrieben wird u. f√ľr den H. im Allgemeinen von hoher Bedeutung ist, weil derselbe gleichsam die Maschine darstellt, welche das Geld, das Blut des Handelsk√∂rpers, an sich zieht, um es auf anderen Wegen wieder zu verbreiten.

C) Nach den Betriebsmitteln: a) Landhandel, welcher nur zur Achse od. in Asien u. Afrika durch Karavanen (Karavanenhandel, s.d.), allenfalls auch mit Flu√ü- u. Kanalschiffen, u. b) Seehandel, welcher zur See betrieben wird. Dieser zerf√§llt wieder in aa) K√ľstenhandel, der nur l√§ngs der K√ľste betrieben wird; bb) Cabotage, Handel von einem nahen Hafen in den anderen; cc) wahren Seehandel, in entfernte L√§nder u. Welttheile.

D) Nach der Ausdehnung: a) Gro√ühandel (H en gros, H. im Gro√üen), wo K√§ufer u. Verk√§ufer nur nach Centnern, Ballen, St√ľcken etc. mit einander handeln. Der Gro√üh√§ndler (Grossist, Grossirer) beabsichtigt, den Verkehr innerhalb eines Landes zu bef√∂rdern u. die Bed√ľrfnisse, welche eine Provinz zu viel hat, einer anderen zukommen zu lassen (inl√§ndischer Consumtionshandel), od. die Producte des Auslandes einzutauschen (ausl√§ndischer H.); dies geschieht durch Eintausch fremder Erzeugnisse gegen √ľberfl√ľssige vaterl√§ndische Producte (ausw√§rtiger Consumtionshandel), od. gegen andere ausl√§ndische Erzeugnisse (Zwischenhandel, Comerce d'√©conomie, √Ėkonomiehandel). Der ausw√§rtige Engroshandel ist der wichtigste u. erzeugt den allgemeinen Welthandel. Der inl√§ndische Consumtionshandel setzt dagegen die auf den H. verwendeten Summen rasch um u. hilft wieder sicher u. schnell zum Capitale, bef√∂rdert den Nutzen der mit einander handelnden Provinzen, vermehrt den Verkehr, ist sicherer u. besch√§ftigt mehr Leute. Der Binnenhandel erzeugt das sicherste Wohlbefinden eines Volkes, denn in jedem Staate von nur einiger Bedeutung mu√ü der innere Verkehr bei Weitem √ľberwiegend sein, da ihm die Bed√ľrfnisse der Gesammtmasse der Einwohner r√ľcksichtlich ihres gegenseitigen Austausches zum Grunde[929] liegen, u. selbst England, von so gro√üem Umfange auch sein Welthandel ist, macht hiervon keine Ausnahmen. Ein blo√üer einzelner Zweig des Binnenhandels der Vereinigten Staaten Nordamerikas, auf den gro√üen Seen an der Nordgrenze, den Champlainsee eingeschlossen, belief sich im Jahre 1850 auf 186,485,627 Dollars (√ľber 2671/4 Millionen Thaler Preu√üisch), also auf mehr als den Ausfuhrhandel des Landes nach dem gesammten Auslande, u. jener Verkehr ist erst seit dem Jahre 1814 entstanden. b) Klein- od. Detailhandel (Kramhandel), wo im Einzelnen nach der Elle, dem Pfund, der Metze, Kanne etc. verkauft wird. Detailh√§ndler gibt es weit mehr als Gro√üh√§ndler; auch haben jene, obgleich sie mehr Gewinn nehmen, als diese, doch wegen des geringeren Umfanges ihrer Gesch√§fte endlich einen kleineren Gewinn als Letztere. Dem Gro√ühandel geh√∂rt der Bezug der Waaren von den Erzeugni√üorten selbst, von den M√§rkten des Welthandels u. von den ersten Seepl√§tzen an, so wie ihr Betrieb bis in die H√§nde derjenigen Handeltreibenden, welche sie den Consumenten verkaufen. Der Kleinhandel besorgt den √úbergang der dem Gro√ühandel entnommenen Artikel in die H√§nde der Consumenten u. bildet also das endliche Ausstrahlen des gr√∂√üeren H-s in das Bed√ľrfni√ü aller Volksklassen, somit die Erf√ľllung des letzten Zweckes allen Gesch√§ftsverkehrs. Das Charakteristische des Gro√ü- u. des Kleinhandels liegt nicht in der gr√∂√üeren od. geringeren Menge von Waaren, welche der einzelne Verkauf umschlie√üt, sondern vielmehr in der Stellung des K√§ufers u. in dem Zwecke, welche dessen K√§ufe haben. So weit die Operationen zwischen Kaufleuten od. zwischen diesen u. Producenten (als Verk√§ufern) vollzogen werden, ist der H. Gro√ühandel; sobald als K√§ufer der Consument auftritt, Kleinhandel. Der Gro√üh√§ndler kauft entweder von den Producenten od. von Gro√üh√§ndlern u. verkauft an Gro√üh√§ndler u. Kleinh√§ndler; der Kleinh√§ndler (Detaillist) kauft in der Regel nur von Gro√üh√§ndlern, in einzelnen F√§llen auch wohl von den Producenten u. verkauft an die Consumenten, indem er die Waaren in die kleinsten Mengen theilt u. dieselben in √∂ffentlichen L√§den zur Bequemlichkeit u. Auswahl aller Klassen ausstellt. Es schlie√üt dies nicht aus, da√ü im einzelnen Falle der Gro√üh√§ndler auch einmal eine (gr√∂√üere) Partie Waare direct dem Verbraucher, der Kleinh√§ndler eine eben solche einem anderen Kaufmann verkaufen kann. √úbrigens findet man beide Handelsklassen bisweilen in Einem Gesch√§ft vereinigt. Die ansehnlichen Ums√§tze des Gro√ühandels erfordern ein ungleich gr√∂√üeres Betriebskapital als der Kleinhandel, u. wenn jener auch unter gl√ľcklichen Umst√§nden einen sehr betr√§chtlichen Gewinn abwirft, so ist er doch unsicher u. unterliegt Gefahren, welche der Kleinhandel gro√üentheils nicht kennt, z.B. gro√üen Verlusten durch Preisschwankungen, dem regelm√§√üigen ausgedehnten Creditgeben, Fallimenten der Schuldner etc. Der Gro√üh√§ndler, welcher auf dem Weltmarkt verkehrt, mu√ü daher sein Augenmerk auf die Handelsverh√§ltnisse s√§mmtlicher Erdtheile richten, u. sowohl die Zust√§nde als die Bed√ľrfnisse aller Nationen der Welt kennen, um auf diese seine Speculation zu gr√ľnden, wenn seine Berechnungen nicht fehlschlagen sollen. Der Gro√üh√§ndler im Binnenverkehr mu√ü auf den bedeutenden Handelspl√§tzen im Inneren der Staaten, u. neben diesen R√ľcksichten auch noch mit den Bed√ľrfnissen der einzelnen Gegenden seines Wirkungskreises bekannt sein, um sich einen dauernden Absatz der Artikel seiner Branche zu sichern. Durch Preiserniedrigungen leidet der Kleinh√§ndler weit weniger, da er sich in der Regel nur so weit mit Waare versorgt, als es das erfahrungsm√§√üige Bed√ľrfni√ü der betreffenden n√§chsten Periode erheischt; sein geringes Capital ist in der regsten Circulation u. wird sehr oft umgesetzt; sein Creditgeben ist nicht die Regel u. erstreckt sich nur auf kleine Summen, daher hat er nur in kleinem Ma√üe schlechte Schuldner; aus den letzten Gr√ľnden bedarf er auch f√ľr seine Verk√§ufe keiner eigentlich systematischen Buchf√ľhrung, deren Aufgabe bei ihm mithin nur eine sehr geringe Arbeit bildet; immerhin aber ist es f√ľr den Kleinh√§ndler sehr n√ľtzlich, wenn er nebenbei, wie der Grossist, die Preisver√§nderung an den Bezugsquellen, die politischen Begebenheiten u. Naturereignisse beobachtet, um davon auf einzutretende, seinem Unternehmen g√ľnstig od. ung√ľnstig scheinende Conjuncturen zu schlie√üen u. daraus nach Umst√§nden Nutzen ziehen zu k√∂nnen. Eine Art des Detailhandels ist c) der Hausirhandel, d.h. derjenige H. welcher seine Waaren von Haus zu Haus tr√§gt u. der Consumtion entgegenbringt Allgemein unterliegt der Hausirhandel, wie manche Gattungen des H-s mannigfachen Vorurtheilen, besonders best√§rkt durch die. Eifersucht st√§dtischer Kleinh√§ndler; aus staatswirthschaftlichen Gr√ľnden l√§√üt sich jedoch gegen den Hausirhandel an u. f√ľr sich nichts Haltbares vorbringen; denn derselbe liefert den Landleuten die verschiedenen Waaren ins Haus, welche dieselben sonst von der Stadt h√§tten beziehen m√ľssen, u. bewirkt somit f√ľr die Consumenten eine Ersparung an M√ľhe, Zeit u. Geld Ebenso leistet der Hausirhandel dem H. im Ganzen n√ľtzliche Dienste, denn von eigenem Interesse angespornt, sorgt er rastlos f√ľr den Absatz u. erf√ľllt folglich den Hauptzweck des H-s, die N√§herung von Nachfrage u. Angebot vollkommen. Man behauptet zwar, der Hausirhandel bef√∂rdere den Verkehr mit verf√§lschten Waaren, verbotenen sch√§dlichen u. giftigen Stoffen; f√ľhre somit eine Reihe sehr ernster Mi√übr√§uche in seinem Gefolge. Dieses zu verhindern ist nat√ľrlich Sache der Polizeibeh√∂rde, u. wird sicher am besten erreicht werden, wenn man das Hausirgewerbe nur Personen von unbescholtenem Rufe gestattet. Der Hausirhandel mit B√ľchern u. Bildern hei√üt Colportage.

E) Nach der Art des Betriebs: unter a) Activhandel versteht man, da√ü eine Nation ihre Erzeugnisse u. Waaren ins Ausland f√ľhrt u. sich ihren Bedarf dort holt; b) der Passivhandel dagegen erwartet, da√ü die Fremden zu ihm kommen, ihm ihre Waaren bringen u. die seinigen holen. Ein blo√üer Passivhandel schlie√üt daher den Besitz der erforderlichen Communicationsmittel, namentlich die Theilnahme an der gr√∂√üeren Seefahrt aus, wie dies bei den Chinesen u. den uncultivirten V√∂lkern der Fall ist; den Passivhandel in Activbandet umzuwandeln, ist eine der wichtigsten Gegenst√§nde der National√∂konomie; c) der Transithandel od. Durchfuhrhandel verdient den Namen H. nur in uneigentlicher Bedeutung, da bei demselben die Handelnden nicht in dem Lande ans√§ssig sind, durch welches die Waaren bef√∂rdert werden, mithin die beim Durchfuhrhandel betheiligten [930] Personen am Handelsgesch√§ft auch keinen selbstth√§tigen Antheil haben, sondern demselben nur gewisse Dienste leisten, in deren Verg√ľtung ihr Vortheil besteht. Dieser Nutzen kann f√ľr manche Klassen der Nation sehr bedeutend sein u. wird daher eine weise Regierung dem Durchfuhrhandel die m√∂glich gr√∂√üten Beg√ľnstigungen u. Erleichterungen zu Theil werden lassen; d) Precareyhandel (Commerce pr√©caire), wo man mit einer Nation, mit welcher der Staat, in dem man wohnt, im Krieg begriffen ist, durch einen neutralen Zwischenh√§ndler verkehrt; e) Contreband- u. Schleichhandel, welcher sich mit Einbringung verbotener Waaren √ľber eine Grenze besch√§ftigt.

F) Nach den Betriebsmitteln: a) Propre- od. Eigenhandel, wo der H. f√ľr eigene Rechnung, d.h. auf eigene Gefahr u. mit eigenen Mitteln, betrieben wird; b) Commissionshandel, der H., welchen ein Kaufmann (Commission√§r) f√ľr fremde Rechnung, gegen eine Verg√ľtung (Provision od. Commission) f√ľhrt; c) der Handel f√ľr gemeinschaftliche Rechnung, d.h. auf gemeinschaftliche Gefahr u. gemeinschaftlichen Mitteln (Compagniegesch√§ft); d) Speditionsgesch√§ft, welches sich mit dem Empfange, der Aufbewahrung u. Weiterbef√∂rderung von G√ľtern f√ľr fremde Rechnung gegen eine Provision befa√üt. Die Spedition ist eigentlich kein Zweig des H-s, sondern ein blo√ües, aber wichtiges H√ľlfsgesch√§ft desselben; sie wird auch oft von Personen (Spediteuren) betrieben, welche zugleich Kaufleute, namentlich Commission√§re sind, da hierzu keine besondere Concession erforderlich ist. Das Speditionsgesch√§ft ist bes. an denjenigen Orten in Bl√ľthe, welche, wie Hamburg, K√∂ln, Frankfurt a.M. an einem schiffbaren Flusse, an der See, od. zwischen anderen gro√üen Handelsst√§dten gelegen sind.

G) Nach den Tauschmitteln: a) Tauschhandel ist die √§lteste Form des H-s, u. selbst in unseren Tagen ist der H. in seiner tausendfachen Gestaltung eigentlich nur Tausch von Waare gegen Waare, wobei das Geld nur als erstes, universelles Zwischentauschmittel dient, um sich vermittelst desselben die eigentlich gew√ľnschte od. ben√∂thigte Waare zu verschaffen. Der eigentliche Tauschhandel, wo Waare gegen Waare unmittelbar gegeben wird, findet sich seit der Einf√ľhrung des Geldes fast g√§nzlich beseitigt u. wird vorzugsweise nur von uncivilisirten V√∂lkern getrieben, kommt jedoch auch in einzelnen Operationen noch unter gebildeten Nationen vor, bes. wenn zwei Kaufleute solche Waaren austauschen, von denen die eine f√ľr den Verkehr desjenigen von ihnen, welcher sie besitzt, sich weniger eignet als f√ľr den des anderen, u. so gegenseitig. Dieses Tauschen ist im Grunde ein doppelter Kauf u. wird Barattiren, Troquiren od. Stichhandel, im Buchhandel Changiren genannt. Beim Verkehr der englischen u. ostindischen Kaufleute in China veranla√üt der dortige Mangel an baarem Gelde derartige Operationen in gro√üem Ma√üstabe, u. man tauscht bes. Baumwolle u. Opium gegen Thee u. Seide. Auch der H. der Russen mit den Chinesen in Kiachta ist fast durchweg Tauschhandel, die Waaren werden aber nach einer ideellen Geldeinheit zuvor angeschlagen, so da√ü er nicht den Charakter des urspr√ľnglichen Tausches hat. b) H. durch Geld, u. zwar H, per comptant (Kauf gegen baar), der nur gegen Empfang von baarem Gelde betrieben wird, u. H. (Kauf) auf Zeit od. auf Credit, bei welchem die Zahlung nicht gleich bei der Ablieferung od. Zusendung der Waare, sondern an einem verabredeten sp√§teren Termine stattfindet; nat√ľrlich wird, unter √ľbrigens gleichen Bedingungen, beim Zeit- od. Creditkauf ein h√∂herer Preis stipulirt als beim Baarkaufe. Wenn die Waare nicht sogleich nach dem Abschlu√ü des Kaufes abgeliefert od. zugesandt wird (Tageskauf), sondern erst an einem ausdr√ľcklich festgesetzten sp√§teren Termine, so geh√∂rt das betreffende Gesch√§ft zum sogenannten Lieferungshandel (Zeithandel), ist Lieferungskauf (Zeitkauf). Wenn Einem f√ľr die Lieferung einer Partie Waare auf Zeit eine bestimmte Summe versprochen wird, so hei√üt dies Pr√§mienhandel.

Die bei weitem meisten Lieferungsgesch√§fte ruhen nicht auf wirklichem Bed√ľrfni√ü des K√§ufers, sondern geh√∂ren der Speculation an; die Mehrzahl derselben wird daher auch gar nicht durch wirkliche Ablieferung u. √úbernahme der Waare abgewickelt, sondern durch Auszahlung der Differenz, welche sich aus dem Unterschiede des festgesetzten Preises u. des sp√§ter am eigentlichen Ablieferungstage (Stichtage) stattfindenden Marktpreises ergibt; das Gesch√§ft hei√üt dann Differenzgesch√§ft, s. Differenz 3) u. B√∂rse III. H. nach Probe (Kauf nach Probe) hei√üt das Gesch√§ft, bei welchem die erkaufte Partie einer bestimmten Probe gleich sein mu√ü, w√§hrend im entgegengesetzten Falle der K√§ufer nicht nur die Waare zur√ľckgeben, sondern unter Umst√§nden auch Schadloshaltung fordern kann, da er vielleicht wegen des betreffenden Kaufes einen anderweiten unterlassen od., auf jenen gest√ľtzt, vor dem Empfang der Waare bereits bindende Weiterverk√§ufe derselben geschlossen hat. H. nach Besicht (H. auf Besichtigung) hei√üt die Verabredung, bei welcher zwar der Verk√§ufer gebunden ist, der K√§ufer od. Kauflustige aber sich erst nach Besichtigung (Untersuchung) der Waare √ľber deren Annahme zu erkl√§ren braucht. Ein Kauf auf Besicht ist demnach √ľberhaupt ein solcher, bei welchem der K√§ufer das Recht des R√ľcktrittes hat. Der H. auf Besicht hat, je nach der Natur der Waare (deren G√ľte sich nicht immer aus dem blo√üen Ansehen erkennen l√§√üt) auch noch andere Namen, z.B. H. auf Nachsicht od. auf Nachstich (bes. bei Kaffee u. Zucker), H. auf Nachziehen (bei Baumwolle etc.), H. aufs Kosten etc.

IV. Zur F√ľhrung eines vollst√§ndig organisirten Handelsgesch√§fts geh√∂ren folgende Personen: A) der Handelsherr (Handelspatron, Principal). Er leitet das Ganze u. mu√ü daher, ohne das Detail aus den Augen zu verlieren, sich mehr den √úberblick des Ganzen zu erhalten suchen. Meist sind in gro√üen Handlungen mehre Handelsherren vorhanden, von denen einer gew√∂hnlich Besitzer des Hauptcapitals u. Chef der Handlung ist, die anderen Associ√©s, gew√∂hnlich aber an dem Gewinn u. Verlust der Handlung im Verh√§ltni√ü ihres eingelegten Capitals Theil haben (Associ√©s en commandite). Oft haben diese Eigenth√ľmer auch einen Procuratr√§ger zur Seite, dem sie Vollmacht gegeben haben in ihrem Namen u. an ihrer Stelle zu handeln, u. dessen Unterschrift daher rechtskr√§ftig ist. Der Procurist bezieht gew√∂hnlich au√üer einer baaren Besoldung noch gewisse Procente vom Reingewinn, ohne Capital in die Handlung eingeschossen zu haben. Verf√ľgt er √ľber wichtige Handelsgegenst√§nde ohne weitere Anfrage, so hei√üt er Disponent.[931] Im Fall des Todes des Chefs einer Handlung, wenn die Handlung noch fortgef√ľhrt werden soll, wird in Ermangelung dazu bef√§higter u. williger Erben oft ein zuverl√§ssiger Mann gew√§hlt u. diesem als Handlungsdirector die Gesch√§fte der Handlung √ľbertragen. Auch wenn der Staat od. eine Gesellschaft H. treibt, wird ein √§hnlicher Director unter irgend einem Titel angestellt. B) Die Handlungsdiener (Commis, Handlungsgeh√ľlfen): a) der Buchhalter (s.d.), welchem die F√ľhrung der Hauptb√ľcher obliegt; b) der Kassirer, durch dessen H√§nde alle Einnahmen u. Ausgaben in baarem Gelde gehen, wor√ľber er mittelst des Cassabuches, welches er zu f√ľhren hat, Rechenschaft ablegen mu√ü. In kleineren Handlungen werden der Buchhalter u. der Kassirer oft durch den Hadelsherrn selbst ersetzt; c) der Correspondent, dem die Besorgung des Briefwechsels zwischen seinem Hause u. dessen ausw√§rtigen Gesch√§ftsfreunden ausschlie√ülich obliegt; d) mehrere Comptoristen, welche die Nebenb√ľcher f√ľhren, die Aufsicht √ľber das Waarenmagazin, die Verpackung der Waaren, die Verhandlungen mit den Fuhrleuten etc. besorgen; e) Reisende, durch welche haupts√§chlich der Verkauf von Waaren an ausw√§rtige Gesch√§ftsfreunde bewerkstelligt, das freundschaftliche Verh√§ltni√ü mit denselben aufrecht erhalten wird u. neue Verbindungen angekn√ľpft werden; f) in Detailhandlungen bestehen noch Ladendiener, welche den Einzelverkauf zu besorgen haben. C) Lehrlinge, welche den H. in einer Handlung erlernen, copiren u. die leichteren Gesch√§fte der Diener, auch wohl die h√∂heren der Markthelfer besorgen. D) Markthelfer u. andere Geh√ľlfen, die mehr mechanische Arbeiten, das Packen, Geldz√§hlen, Besorgen von G√§ngen etc. ausf√ľhren. Die Kaufleute bilden meist besondere Innungen od. Gilden, u. entweder sind die Gro√üh√§ndler in eine u. die Detailh√§ndler in eine zweite vereinigt, od. beide bilden eine gemeinschaftliche Kramerinnung. Der Handelsherr, welcher zu ihnen geh√∂ren will, mu√ü bei einem Innungsglied gelernt haben u. eine gewisse Zeit Diener gewesen sein. Man ersetzt auch wohl einen Theil, resp. die ganze Lehrzeit durch eigene Handelsschulen (s.d.), jedoch in der Voraussetzung, da√ü der junge Mann nach Absolvirung des Uuterrichts noch ein Jahr als Volontair diene, um in dem betreffenden erw√§hlten Handelszweige eine gr√ľndliche Waarenkenntni√ü zu erlangen.

V. Handelsvermittler sind a) die M√§kler, Sensale od. Courtiers, deren Besch√§ftigung darin besteht, die K√§ufe od. Verk√§ufe, welche Kaufleute an einem u. demselben Orte unter einander abschlie√üen wollen, einzuleiten u. zu ordnen, wof√ľr sie gewisse Procente als Courtage, Sensarie od. M√§klerlohn beziehen. Nach den Gegenst√§nden ihres Wirkungskreises unterscheidet man: Waarenm√§kler, Schiffsm√§kler, Geld- u. Wechselm√§kler (s.d.); b) die Handlungsagenten, welche als Bevollm√§chtigte eines Gro√üh√§ndlers od. mehrerer deren Verbindung mit den Kaufleuten ausw√§rtiger Pl√§tze aufrecht erhalten u. f√ľr ihre Bem√ľhung eine nach Procenten berechnete Provision beziehen, deren Gr√∂√üe von den bewirkten Verk√§ufen abh√§ngt. Zu den Handlungsagenten sind zu rechnen die Provisionsreisenden, die sogenannten Stadtagenten u. Colporteure (im Buchhandel).; c) die Handelsconsuln, welche sich in allen wichtigen Handelspl√§tzen befinden u. von ihrer od. einer fremden Regierung autorisirt sind, das Handelsrecht ihrer Nation zu besorgen u. zu vertreten, s. Consul 4).

VI. Die Geschichte des H-s beginnt, wie alle Geschichte, im Orient, der Wiege des menschlichen Geschlechts. Die Frage aber, welches Land des Orients zuerst Handel getrieben, ist mit Bestimmtheit nicht zu beantworten. Stellt man sich unter H. nichts Anderes vor, als Tausch, so l√§√üt er sich schon in den Uranf√§ngen des menschlichen Zusammenlebens annehmen, da die verschiedenen Anlagen u. Einsichten der Menschen mannichfaltige Bed√ľrfnisse schufen u. dadurch eine Gegenseitigkeit der Dienstleistungen unentbehrlich machten. Die Geschichte des H-s erh√§lt jedoch erst von dem Zeitpunkte an Interesse, wo er sich von Land zu Land, von Volk zu Volk in der Zahl seiner Gegenst√§nde u. der sich daran betheiligenden Personen erweitert hat; denn er ist dann nicht mehr Sache des Bed√ľrfnisses allein, sondern auch des Gewinnes geworden. Dieser Zeitpunkt trat aber erst dann ein, als die Menschen Ackerbau trieben, daher feste Wohnsitze gegr√ľndet u. Grundbesitz u. Eigenthum erworben hatten. Die Geschichte des H-s beginnt u. w√§chst daher mit der menschlichen Civilisation; der Sitz der letzteren ist auch der Ursprung des ersteren. Um aber dem blo√üen Austausch von Gegenst√§nden den Charakter des H-s zu geben, war es n√∂thig, da√ü man sich zur Bestimmung der Werthe nur solcher Gegenst√§nde bediente, die selbst nicht zuf√§lligen, sondern festen, allgemein angenommenen Werth hatten. Diese aber waren verschiedener Art; bes. waren es die Metalle u. zwar zuerst die unedlen Metalle, die zum Ma√üstabe des Werthes der √ľbrigen Gegenst√§nde dienten. Diese Metallst√ľcke, zu denen sich mit der Zeit die edlen Metalle gesellten, nahmen immer mehr eine bestimmte Form an u. gestalteten sich zum Gelde (s.d.) aus.

A) Zun√§chst der Welthandel. Denselben haben im Laufe der Zeit immer nur einzelne Nationen betrieben, so im Alterthum lange Zeit hindurch die Ph√∂nicier, hierauf die Carthager dann die Griechen u. endlich die R√∂mer; jedoch blieb der Handel der alten V√∂lker immer reiner Waaren-, d. h. Tauschhandel, u. zwar weil der Gebrauch gepr√§gter M√ľnzen sehr beschr√§nkt blieb, u. wo er sich auch erweiterte, nicht von den fremden Nationen als allgemeines Tauschmittel angenommen wurde; dann weil die Schifffahrt der damaligen Zeit auf einer sehr niedrigen Stufe stand, u. sich bei Ermangelung nautischer u. astronomischer Kenntnisse auf K√ľstenfahrt beschr√§nken mu√üte. Durch die Einf√ľhrung des Christenthums wurde die alte Cultur von der neuen geschieden, u. wie das Christenthum die Welt umgestaltete, so fand auch jetzt erst der H. in demselben seine eigentlichen Lebensfactoren. Dazu geh√∂rt zun√§chst der Credit, welcher in seiner jetzigen Bedeutung im Heidenthum sich nie vorfand; dann die freie Th√§tigkeit des H-s, indem das Christenthum die Gleichberechtigung aller Menschen, sich je nach ihren geistigen u. materiellen Kr√§ften einen rechtlichen Lebenszweig zu w√§hlen, anerkannte, u. somit aufs Entschiedenste die Sklaverei bek√§mpfte, deren Aufhebung es allein bewirkte. Ehe aber der H. die Fr√ľchte dieser Neugestaltung der Welt ernten konnte, mu√üten die dadurch hervorgerufenen politischen St√ľrme u. Revolutionen[932] erst √ľberwunden sein; sowohl in Europa, wo die Germanen, nach dem Sturz des R√∂mischen Reichs, vorwalteten, als auch in Asien u. Nordafrika, wo Muhammed ein arabisches Weltreich gr√ľndete, blieb der H. noch lange Zeit in der Kindheit, bis derselbe durch die Er√∂ffnung der Kreuzz√ľge, welche ihm ein weites Feld neuer. Th√§tigkeit schufen, seinen ersten bedeutenden Aufschwung erhielt; von da an sehen wir in kurzer Zeit Genua u. Venedig sich zur h√∂chsten Bl√ľthe erheben. Die Nebenbuhlerschaft um die Herrschaft des Mittelmeeres f√ľhrte aber blutige Kriege unter den beiden Republiken herbei, in deren Folge Genua unterlag, u. Venedig sich zur wirklichen Beherrscherin des Weltverkehrs erhob, was es so lange blieb, bis durch die Auffindung des Seeweges nach Ostindien das schwer Errungene f√ľr dasselbe wieder verschwand. In gleicher Periode f√§llt auch die Macht u. die Handelsgr√∂√üe des Hansabundes in Deutschland. War nun die Auffindung des Seeweges nach Ostindien unbedingt eins der folgenreichsten Ereignisse f√ľr die Handelsverh√§ltnisse Europas, so fand fast zu derselben Zeit eine noch gr√∂√üere u. in ihren Folgen noch wichtigere Begebenheit statt: die Entdeckung Amerikas. Durch diese beiden Ereignisse wurden nicht nur die Handelsverh√§ltnisse u. das Schifffahrtswesen, sondern auch die politische Stellung der europ√§ischen Staaten g√§nzlich umgestaltet. Wir sehen daher nun mehr Portugal u. Spanien, deren Unternehmungsgeist Europa sowohl die Entdeckung des Seeweges nach Indien, als diejenige des neuen Welttheils verdankte, den ersten Rang an politischer Machtstellung u. Handelsgr√∂√üe fast w√§hrend eines Jahrhunderts unbestritten einnehmen, bis dieselben vorz√ľglich in Folge mannichfacher M√§ngel innerer Verwaltung der vereinigten Macht Englands u. Hollands unterlagen. Aber auch Holland konnte nicht auf lange Zeit den Vorrang im H., den es erstritten, behaupten; denn nach blutigen Kriegen mit England mu√üte es letzterem weichen, welches nun vorzugsweise in den Besitz des Welthandels gelangte, aber den ersten bedeutenden Schlag durch die Lostrennung der Vereinigten Staaten Nordamerikas erlitt, welche sich alsbald rasch u. immer m√§chtiger entfalteten, u. jetzt unter die ersten handeltreibenden Nationen gez√§hlt werden m√ľssen.

B) Den Handelsbetrieb der einzelnen Nationen betreffend, nennt die Geschichte Indien als eines der ersten, wenn nicht als das erste Land, dessen Producte den V√∂lkerverkehr anbahnten. Die Natur in ihrer unendlichen F√ľlle u. Mannichfaltigkeit brachte dort Erzeugnisse hervor, die anderswo nirgends zu finden waren. So sehr aber auch Indien in der Geschichte des H-s mit Recht in der Vorderreihe stehen mag, so d√ľrfen die Indier doch nicht als das erste handeltreibende Volk betrachtet werden; denn sie gingen mit ihren Erzeugnissen nie zu fremden V√∂lkern; sie trieben niemals Eigenhandel, vielmehr kamen die fremden V√∂lker zu ihnen. Schon die Mythe berichtet von Heldenz√ľgen noch Indien; die assyrischen u. babylonischen K√∂nige machten gewaltige Anstrengungen, ihr Land bis Indien auszudehnen, u. die Perser unter Darius Hystaspes widerstanden ebensowenig der Lockung nach dem an Gold, Edelsteinen u. anderen k√∂stlichen Erzeugnissen reichen Lande, als vor ihnen Semiramis. Aber erst Alexander dem Gro√üen gl√ľckte es, ms Innere des Landes einzudringen u. sich Kenntni√ü von dem Lande u. seinen Bewohnern zu verschaffen; Handelsverbindungen anzukn√ľpfen, gelang ihm inde√ü nicht. Dies sollte den √Ągyptiern u. Ph√∂niciern vorbehalten sein. Die Producte Indiens, die dem Abendlande g√§nzlich abgingen, waren: Gew√ľrze, Farbstoffe, Baumwolle, Zucker, Stahl, Perlen, Edelsteine, Elfenbein u. seine H√∂lzer. Zucker u. Reis konnten jedoch wegen der Theuerung des l√§stigen Transportes nicht in den Handel kommen. Die Indier, welche feste Wohnpl√§tze hatten u. oft eine dichte Bev√∂lkerung bildeten, hatten sich schon so entwickelt, da√ü sie Producte der Arbeit zur Ausfuhr bringen konnten, so u.a.: seine, kostbare Gew√§nder aus Baumwolle nach Tyrus u. Babylon u. Schnitzwerke aus Elfenbein, Perlmutter u. Kokusnu√ü. Wegen der bedeutenden Bev√∂lkerung war der Verkehr im Inlande ein sehr lebhafter. Die Fl√ľsse wurden befahren u. Heerstra√üen zogen sich durch das ganze Land; der Transport fand nicht mittelst Karavanen, sondern schon mit Ochsengespannen statt, u. die Sicherheit der Handeltreibenden auf den Stra√üen geh√∂rte hier zur Ehre des Landes. Gro√üe Wallfahrten nach heiligen Orten, wie Benares, Ellora u.a. concentrirten den indischen Binnenhandel in den Tempeln, wodurch er eine religi√∂se Weihe u. zugleich bei der Menge von Menschen, die sich dort von allen Seiten zusammenfanden, einen immer lebhafteren Aufschwung erhielt. Die Fremden, welche indische Producte holten, landeten an der Westk√ľste von Vorderindien, wo sie die Waaren gegen Gold u. Silber einkauften. Gr√∂√üere Emporien f√ľr den Binnenverkehr waren im Norden Ozene (Ongein), u. im S√ľden der Halbinsel Dekan: Tagara u. Pluthane. Die Kaufleute geh√∂rten zur dritten Kaste u. hatten ihre besonderen Statuten; neben den Handwerkern hatten sie die meisten Abgaben zu entrichten, von denen die Brahminen bezahlt wurden u. auch der K√∂nig seine Eink√ľnfte bezog. Der directe Seehandel Indiens befand sich vorzugsweise in den H√§nden der Araber (s. unten); auch ph√∂nicische u. √§gyptische Schiffe liefen von Zeit zu Zeit in die indischen H√§fen ein; aber erst zur R√∂merzeit erweiterten sich die directen Verbindungen mit √Ągypten u. Indien, u. der directe Waarenzug ging den Nil abw√§rts bis nach Alexandrien. Um diese Zeit singen einzelne indische Kaufleute (Banianen) zuerst an, sich in den angrenzenden L√§ndern anzusiedeln u. am ausw√§rtigen Handel zu betheiligen. Au√üer den Seeverbindungen, welche Indien hatte, bestand eine Landverbindung zwischen ihm u. dem gro√üen Chinesischen Reiche (Serika). China lieferte vor Allem die Seide, welche in Indien zu Zeugen verarbeitet wurde u. dann in den Verbrauch √ľberging; ferner auch Thierfelle, Pelzwerke u. Betel. Die bedeutendste Handelsstadt Chinas war Thin√§: die Haupthandelswege zwischen Indien u. China f√ľhrten durch die an Goldstaub reiche W√ľste Kobi u. durch den Pa√ü Balus im Casgergebirge. Die meisten indischen Karavanen mu√üten Baktra ber√ľhren, wo sich die Handelswege nach China u. Persien trennten. Au√üer China unterhielt Babylon mit Indien Handelsverbindungen; denn in der N√§he des Persischen Meerbusens u. des Euphrat u. Tigris gelegen, wurde es bald der Mittelpunkt eines ausgebreiteten Handels, der Stapelplatz [933] Indiens u. Nordasiens. In der Stadt selbst webte man weltber√ľhmte Gew√§nder u. Teppiche, u. schnitt Steine, welche hier eingetauscht wurden. Mehr noch als die Babylonier betrieben die Araber den Seehandel Indiens, sie waren ein handeltreibendes Volk; die kostbaren Erzeugnisse, bes. der s√ľdlichen Theile ihres Landes hatten sie dazu gemacht. Hier war das Vaterland der Spezereien u. R√§ucherwerke, Weihrauch, Myrrhe u.a. dgl. Die bedeutendsten Pl√§tze des arabischen Handels, sofern er Indien zum Ziel hatte, waren Gerrha (Lachsa) u. Aden. Seefahrer waren die Araber der K√ľste, welche, die Erwerbsquellen in dem √ľberseeischen Handel mit Indien suchten; aber anstatt indische Erzeugnisse zu holen, wie andere V√∂lker thaten, trieben sie Activhandel mit Indien. Die Hebr√§er, nachmals durch ihren Handel ber√ľhmt, waren im Alterthum kein Handelsvolk; denn obgleich die Lage Pal√§stina's dazu au√üerordentlich g√ľnstig war, namentlich in Betracht der Verbindung mit Syrien, Arabien u. √Ągypten, so waren doch die K√ľsten in den H√§nden der Ph√∂nicier, u. wenn auch das Mosaische Gesetz weder den Binnenhandel, noch die Handelsverbindung mit dem Auslande f√∂rmlich verbot, so waren doch mancherlei Bestimmungen u. Anordnungen demselben eher hinderlich, namentlich durch die Bevorzugung des Ackerbaues. Vor Salomo's Zeit scheinen die Israeliten wegen ihrer einfachen Lebensweise u. der Ergiebigkeit des Landes selbst wenig Einfuhrhandel gehabt zu haben, u. selbst bei der Ausfuhr von Weizen, √Ėl, Honig u. Balsam nach Ph√∂nicien waren die St√§mme Sebulon u. Isaschar, Assar u. Dan die Zwischenh√§ndler; sie selbst reisten nicht des Handels wegen au√üer Land. Der ausw√§rtige H. gewann erst zu Salomo's Zeiten an Bedeutung. Doch trieb diesen zuerst nicht das Volk, sondern der K√∂nig Salomo auf eigne Rechnung in Verbindung mit dem K√∂nig von Tyrus, meist mit ph√∂nicischen Schiffern von Eziongeber aus; von Ophir (Indien) lie√ü er sich Gold, Silber, Edelsteine, Elfenbein, Sandelholz durch eigne Schiffe bringen, aus Arabien durch eine Art. k√∂niglicher Handelscompagnie Pferde u. Weihrauch, mit welchen Waaren, bes. mit den Pferden, er wieder einen bedeutenden Handel trieb. Sp√§ter kamen auch Ph√∂nicier nach Pal√§stina, um Fabrikate zu Kleidern u. Luxusartikel einzukaufen; dagegen brachten sie Purpurgew√§nder, Salben etc. zum Verkauf mit. Auch die Ismaeliten trieben einen Tauschhandel durch Karavanen zwischen Pal√§stina u. √Ągypten. Mit den Hebr√§ern waren, wenigstens zu gewissen Zeiten, von den handeltreibenden V√∂lkerschaften die Sab√§er (Scheba) im Gl√ľcklichen Arabien (ber√ľhmt wegen des Reichthums ihres Landes an Gew√ľrz, Weihrauch, Edelsteinen u. Gold), Dedan, welche wahrscheinlich im n√∂rdlichen Arabien wohnten, u. die Babylonier in Verkehr. Nach dem Babylonischen Exil wurden an verschiedenen Orten des Landes Victualienm√§rkte gehalten, bes. in Jerusalem, wo auch lebhafter Geldwechsel u. Handel mit Vieh, Mehl u. Salz getrieben wurde. Erst nach u. nach, bes. auch durch die Vermischung mit andern Volksst√§mmen, wurde das j√ľdische Volk auf den H. hingewiesen, da sie nicht leicht andre Besch√§ftigungen an den verschiedenen Orten, wo sie zerstreut wurden, finden konnten. Im Mittelalter hatten die Juden den H. fast ausschlie√ülich in den H√§nden, u. ihretwegen wurde sogar der Markttag vom Sonnabend auf den Sonntag verlegt.

.In Afrika war in √§ltester Zeit der Haupthandelsplatz Meroe oberhalb der Nilf√§lle im heutigen Nordabyssinien gelegen, ein Handelsstaat; durch seine Verbindung mit der See wurde es der Mittelpunkt einer √ľber das Arabische u. Indische Meer hin bestehenden Handelsverbindung zwischen Afrika u. S√ľdasien, welche Verbindung wahrscheinlich der Grund der √Ąhnlichkeit zwischen den Institutionen der √Ągyptier u. Indier war. Ein anderer Umstand, der Meroes Handel bes. zu heben geeignet war, ist der, da√ü es der Mittelpunkt des Amuncultus war. Die √Ągyptier waren zwar kein seefahrendes Volk, gleichwohl war ihr H. bedeutend; denn die Bedingungen eines regen Handelsverkehres waren hier vorhanden: die Hauptbesch√§ftigung des √Ągyptiers war n√§mlich Ackerbau, mit welchem Handel, Industrie u. Schifffahrt concurrirten; dazu kam die eigenth√ľmliche Beschaffenheit des Landes, welche den Bau von Stra√üen zu Land u. zu Wasser n√∂thig machte. Hierdurch konnte sich der Landhandel u. der Handel auf den Fl√ľssen gleichm√§√üig entwickeln. Seehandel haben die √Ągyptier nie getrieben; diesen √ľberlie√üen sie den Ph√∂niciern u. zum Theil auch den Arabern. Der H. war somit Binnenhandel, der nicht blos durch die Landwege, sondern auch durch den Nil erleichtert wurde. Die beiden bedeutendsten Handelswege waren: durch die W√ľste Barka √ľber die Oase des Amun (jetzt Siwah) nach Augila in das Lano der Garamanten (Fezzan), u. den Nil aufw√§rts u. √ľber die gro√üe u. kleine Oase nach √Ąthiopien u. der Ostk√ľste Afrikas. Von da an √ľbernahmen die ph√∂nicischen u. arabischen Schiffe die weitere Bef√∂rderung der Waarentransporte zur See. Die zahlreichen Feste, zu denen sich fast das ganze Land nach Unter√§gypten begab u. bei denen man sehr luxuri√∂s lebte, schufen mehrere Marktpl√§tze, um den Bed√ľrfnissen abzuhelfen; auch hatte das Schuldenwesen in den Gesetzen eine geeignete R√ľcksicht gefunden. Bes. war Ober√§gypten der Hauptplatz des Welthandels, denn an der Nordgrenze der W√ľste liegend war es Stapelplatz der Producte des innern Afrikas u. der L√§nder jenseit der W√ľste; ferner waren in der N√§he die Goldgruben. √Ągypten bezog aus √Ąthiopien Gold, Elfenbein, Sklaven, aus Arabien R√§ucherwerk, aus Indien Gew√ľrze, aus Ph√∂nicien Wein, aus den afrikanischen W√ľsten seines Salz; dagegen wurden ausgef√ľhrt Getreide, Wollengewebe, Ger√§thschaften aus Erz, Geflechte u. T√∂pferwaaren. Gehoben wurde der √§gyptische H. durch Psammetich, welcher den Griechen Unter√§gypten √∂ffnete, noch mehr durch Amasis, der den Griechen erlaubte, sich daselbst anzusiedeln u. so den H. mit Griechenland anbahnte. Durch die griechischen Kaufleute wurde der innere H. auch sehr belebt, durch die Occupation der Perser zwar Anfangs zerst√∂rt, nachher aber wieder ungehindert fortgesetzt, u. was ja am Landhandel verloren wurde, das wurde durch den griechischen Seehandel wieder ersetzt.

Das √§lteste bekannte Handelsvolk des Alterthums waren die Ph√∂nicier. Ph√∂nicien war ein schmales, unfruchtbares K√ľstenland, aber reich an trefflichen Hafenbuchten, Ankerpl√§tzen u. sch√ľtzenden Inseln u. hatte eine Menge gro√üer u. bl√ľhender St√§dte. Die √§ltesten u. m√§chtigsten waren Sidon[934] u. Tyrus; letzteres war gegr√ľndet, um f√ľr die Fahrten auf dem Mittelmeere einen g√ľnstig gelegenen Hafen zu besitzen. Der Holzreichthum vom Libanon u. Antilibanon f√ľhrte die Ph√∂nicier zum Schiffsbau. Die Handelsz√ľge der Ph√∂nicier werden schon im Alten Testamente u. bei Homer erw√§hnt. Ihre Schifffahrt ging ostw√§rts nach dem Arabischen u. Persischen Meerbusen, sp√§ter bis in den Indischen Ocean, nordw√§rts bis in das Schwarze Meer, westw√§rts nach Nordafrika, Griechenland, Italien bis Spanien, ja √ľber die S√§ulen des Hercules (Gades, Cadix) hinaus in das Atlantische Meer, u. in diesem nordw√§rts bis nach den britischen Inseln, wo sie bes. edle Metalle, Zinn, Farben etc. holten, dann auch nach der Nordsee, von deren Gestaden sie den Bernstein bezogen; zu Lande handelten sie nach Arabien, bes. nachdem Gl√ľcklichen, wo Petra der Hauptplatz f√ľr den H. mit Landeserzeugnissen, bes. R√§ucherwerk, aber zugleich der Stapelplatz der √§thiopischen u. indischen Waaren war; dann zogen sie auch weiter nach √Ągypten, woher sie bes. Getreide u. baumwollene Waaren holten; ferner handelten sie nach Pal√§stina, Syrien, Babylon, Assyrien, woher sie Feigen, Rosinen, √Ėl, Balsam, Wein, Wolle holten; auf der gro√üen Handelsstra√üe von Tyros nach Babylon waren die St√§dte Baalbeck u. Palmyra; nach Norden gegen das Schwarze u. Kaspische Meer u. nach Armenien gingen nur einzelne Handelsleute, die von dort Kupfer u. andere Metalle, Sklaven u. Pferde brachten. Spanien hatte es den Ph√∂niciern allein zu verdanken, da√ü der Mehrbetrag seines H-s activ war; bes. war es sein Silber, welches auf alle M√§rkte, selbst nach Indien gebracht wurde. Die h√∂chste Bl√ľthe des ph√∂nicischen H-s f√§llt in die Jahre von 700‚Äď400 v. Chr. Nach der Zerst√∂rung von Tyrus dienten die Ph√∂nicier bei allen seefahrenden Nationen als Steuerleute u. Matrosen f√ľr Sold. Wie Ph√∂nicien so war auch dessen Colonie Carthago ein bedeutender Handelsstaat, u. doch hatten die Carthager eine sehr engherzige Handelspolitik; mit ihren Colonien lie√üen sie Fremde gar nicht handeln; der H. mit Fremden in Carthago wurde unter √∂ffentlicher Auctorit√§t nach gewissen Gesetzen u. Vertr√§gen gef√ľhrt; Meere, wo sie in Concurrenz mit Andern kamen, wurden ganz vermieden. Von jenen Handelsvertr√§gen sind bes. der mit den R√∂mern von 509 v. Chr., welcher das Cap Bona als Handelsgrenze f√ľr beide bestimmte, u. der von 348 v. Chr., welcher den R√∂mern Handelsfreiheit nach Sicilien u. Carthago u. den Carthagern nach Rom bestimmte, bekannt. Zu Lande handelten sie in Karavanen od. nahmen eigentlich nur an dem von den nomadischen V√∂lkern getriebenen H. Theil, nach Ober√§gypten, mit den Garamanten u. ins Innere Afrikas u. erhielten dorther Sklaven, Salz, Gold u. Edelsteine; ihr H. mit den benachbarten Barbaren war Tauschhandel; zur See handelten sie mit Sicilien, Elba, Corsica, den Britannischen Inseln u. Westitalien, hierher f√ľhrten sie bes. ihre zu Lande geholten Handelsgegenst√§nde.

Im √§ltesten Griechenland waren die Ph√§aker, Kreter, Taphier u. Tyrrhener, die Handelsleute, nicht eigentliche Griechen, diese handelten od. tauschten vielmehr von diesen, die nebenbei zugleich Piraten waren, bes. Wein u. Sklaven gegen Erz u. Rinder. Auch Ph√∂nicier handelten schon fr√ľh nach Griechenland. Von allen griechischen Staaten zeichnete sich aber Athen als Handelsstaat durch seine g√ľnstige Lage u. durch seine H√§fen, durch seine mannichfaltigen Bed√ľrfnisse, durch seine geordneten Handelsgesetze u. Handelspolizei, durch seine durch ganz Griechenland accreditirten Gesch√§fte mit Zahlungsanweisungen aus. Nach Athen kamen von den K√ľsten des Schwarzen Meeres, Thracien u. Macedonien: Sklaven, Schiffsbauholz, gesalzne Fische, Honig, Wachs, Theer, Wolle, Leder, Ziegenfelle, aus √Ągypten u. Sicilien Getreide, aus Phrygien u. Milet seine Wolle u. Teppiche, allerhand Erzeugnisse aus dem Peloponnes, Sicilien u. Italien; dagegen f√ľhrten sie ihre eignen Landeserzeugnisse, wie Waffen, T√ľcher, Hausger√§th, u. von Producten nur √Ėl (andere auszuf√ľhren war von Solon verp√∂nt) aus, tauschten auch Waaren ein u. brachten sie anderswohin, bes. Wein auf den Inseln des √Ąg√§ischen Meeres, den sie nach Pontos verfuhren. Zur Bef√∂rderung des H-s ausw√§rts hatte man schon damals Handelsagenten (Proxenoi, s.u. Consul) in den St√§dten, wohin man handelte. Da√ü Handelsfreiheit in den griechischen Staaten bestanden habe, ist von Einigen behauptet worden; dem ist aber nicht so, denn nicht nur da√ü einzelne Staaten allem fremden Verkehr verschlossen waren, wie Kreta u. Sparta, da√ü es in einzelnen Staaten Handelsmonopole gab, sondern es wurde auch Ein- u. Ausfuhr von den Staaten nach Zweck u. Bed√ľrfni√ü geleitet u. die Ausfuhr bestimmter Gegenst√§nde entweder f√ľr immer od. f√ľr einzelne Zeiten verboten. Auch einzelne Staaten, bes. Athen, √ľbten durch ihre Seemacht eine bedeutende Handelssperre in Kriegszeiten, u. sowohl dies, als der immer keck betriebene Seeraub in den griechischen Gew√§ssern st√∂rte den H., wenn er ihn gerade auch nicht hinderte. Neben Athen ist Korinths zu gedenken, wo der H. fast allgemeiner u. mannichfaltiger war, als in Athen. Die Lage der Stadt zwischen zwei Meerbusen war f√ľr den H. die g√ľnstigste Luxusartikel, Schnitzwerke, Gef√§√üe aus Bronze, Mosaiken u. andere Kunstgegenst√§nde waren die vornehmsten Erzeugnisse ihrer betriebsamen Bewohner. Unter den Inseln verdient Rhodus wegen der Schifffahrtsgesetze, die dort entstanden sind u. nach u. nach allgemein g√ľltiges Seerecht wurden, besonders erw√§hnt zu werden. Bei der Geschichte des H-s der Griechen ist ferner noch der zahlreichen Aussendung u. Gr√ľndung von Colonien zu gedenken, worin sie den Ph√∂niciern zum wenigsten gleichstehen. Die griechischen Colonien lagen l√§ngs der Meeresk√ľste Kleinasiens, meist nur von einem kleinen Gebiete umgeben, die Satrapie Lydien mit der Hauptstadt Sardes, dem ersten Stapelplatze des Binnenhandels, war die reichste Auch auf dem italischen Festlande begegnen wir zahlreichen Niederlassungen der Griechen; ganz Unteritalien war fast nichts Anderes, als eine griechische. Colonie, daher auch Gro√ügriechenland genannt.

In Rom war der H. lange Zeit unbedeutend; er war rein passiv u. f√ľhrte zur Verarmung u. zum endlichen Untergange. Man wei√ü eben so wenig von einem Seehandel der R√∂mer, als von einem Landhandel; die Schiffe waren Kriegsschiffe u. die Stra√üen f√ľr ihre milit√§rischen Zwecke angelegt. Auch die Handelsvertr√§ge, die sie mit Carthago schlossen (s. oben), hatten wohl mehr politischen Grund, als nur den H. zu unterst√ľtzen u. zu erweitern. Den Kleinhandel trieben nur Freigelassene od. B√ľrger der niedern Klasse, solche hie√üen Mercatores, doch waren Mercatores[935] auch √ľberhaupt H√§ndler, welche Waaren im Auslande holten u. dieselben dann mit Gewinn in Rom wieder absetzten; sie hatten, wenn sie vornehm waren, ihre Vertreiber (Institores), die entweder f√ľr sie feil hielten, od. ihre Waaren auch umhertrugen; Gro√üh√§ndler (Negotiatores), d.i. hier solche, die entweder die Ertr√§ge ihrer G√ľter u. L√§ndereien nach der Hauptstadt zum Verkauf schickten od. sich in Provinzen niedergelassen hatten, um dort Wechselgesch√§fte zu treiben, geh√∂rten auch dem Ritterstande an. Mit zunehmendem Luxus seit den Punischen Kriegen stieg der H., aber er war ein einseitiger, da die volkreiche u. luxuri√∂se Stadt nur consumirte, der Kunstflei√ü aber stets in Rom ein geringer war. Dagegen kamen √ľberall her, wo Rom gebot, Lebensbed√ľrfnisse, Leckereien u. Befriedigungsmittel eines woll√ľstigen u. weichlichen Lebens. Zur Zeit des Kaisers Theodosius sank der H. im R√∂mischen Reiche bes. durch die Steigerung der Z√∂lle, durch die Verschlechterung der M√ľnzen u. die Erweiterung der Monopole des Staats, u. zur Zeit der V√∂lkerwanderung war der H. fast wieder blos zu Tauschhandel herabgesunken.

Eine nicht unbedeutende Rolle spielten unter den Handelsv√∂lkern die Byzantiner. In der Gr√ľndung von Byzanz offenbarte sich der griechische Handelsgeist; denn g√ľnstigere Momente f√ľr einen Welthandelsplatz konnte man nirgendwo so vereinigt finden, als an der Landspitze, welche den √úbergang Europas zu Asien vermittelte. Die Producte des pontischen Nordens, Schlachtvieh, gesalzene Fische, Honig, Wachs u. Getreide gelangten auf seine M√§rkte. Der Zwischenhandel der Byzantiner reichte jedoch weiter, als bis zu den Uferstaaten des Schwarzen Meeres; er drang tief in das Innere Asiens, wo er mit den indischen Karavanen zusammentraf. Als Byzanz (330 v. Chr.) den Namen Constantinopel annahm, nahm es dem alten Rom die Rolle der Weltbeherrscherin. Was die Handelsth√§tigkeit betrifft, so ist diese von Au√üen gekommen; ohne die Italiener w√§re Constantinopel kein Weltmarkt geworden. Der byzantinische H. kann nach seinen Wegen, die er eingeschlagen hat, in drei Abschnitte getheilt werden: in den H. mit dem Morgenlande, mit dem Abendlande u. mit dem Norden. Bis zum Auftreten der Italiener √ľberwog der Eigen- u. Einfuhrhandel bei Weitem den Zwischen- u. Ausfuhrhandel, der dagegen sp√§ter den Vorrang gewann. Die zuverl√§ssigsten Nachrichten √ľber den byzantinischen H. datiren seit dem 10. Jahrh., wo Venedig mit Constantinopel Handelsverbindungen ankn√ľpfte. Der hierdurch entstehende italienisch-byzantinische H. entfaltete sich in ganzer Bl√ľthe durch die Kreuzz√ľge, welche Constantinopel zur Hauptstation sowohl f√ľr Kriegs- als f√ľr Handelsexpeditionen machten. Den Kreuzz√ľgen ist es auch zuzuschreiben, da√ü Deutschland mit Constantinopel in directe Handelsverbindungen kam. Regensburg war die erste deutsche Stadt, welche ihre. Expeditionen bis nach Constantinopel ausdehnte, um den Kreuzfahrern Munition u. Lebensmittel zuzuf√ľhren. Au√üer Regensburg verdienen hier Wien u. Passau erw√§hnt zu werden.

Der Handelsgeist der Araber wurde durch den Koran noch mehr geweckt; denn H. u. Gewerbflei√ü werden im Koran als gottgef√§llige Besch√§ftigungen anempfohlen u. deren Bef√∂rderung u. Schutz den Gl√§ubigen zur Pflicht gemacht. Mit der Ausbreitung des Islam erweitert sich auch die arabische Handelssph√§re. Der gew√∂hnliche Gang des H-s war, wie im Alterthum, da√ü der Kaufmann seine Waaren begleitete. Die gro√üen Entfernungen hatten da u. dort Zwischenh√§ndler n√∂thig gemacht, welche als Commission√§re die Aus- u. Einfuhr besorgten. Die Hauptstadt des arabischen H-s in Asien war Bagdad, der Sitz des Kalifen; aber der Stapelplatz der arabischen Producte u. der Zwischenmarkt f√ľr den Umtausch dreier Welttheile war Mekka, die Wiege u. das Grab des Propheten. Als die arabische Herrschaft sich √ľber Afrika ausbreitete, stieg die Macht des arabischen H-s auf den h√∂chsten Gipfel. Kairovan wurde die Hauptstadt dieses neuen Handelsgebietes, u. Fes die bedeutendste Industriestadt. 711 setzten die Araber nach Spanien √ľber u. brachten diese Halbinsel in die arabische Cultur u. Handelsbewegung.

Von dem H. der alten. Deutschen unter sich wei√ü man nichts. Von Fremden, die nach Deutschland handelten, werden zuerst Ph√∂nicier genannt, die des Bernsteins wegen, fr√ľher zu Lande, sp√§ter zur See, hierher kamen; dann kamen r√∂mische H√§ndler, vielleicht auch griechische, die sich zuweilen sogar h√§uslich an Orten niederlie√üen, wo sie sich sicher glaubten; mit ihren Nachbarn, bes. den celtischen. V√∂lkern, hatten sie mehr Verkehr, u. schon fr√ľh gab es Stra√üen, die sich an den Fl√ľssen hinzogen. Die Schiffe Genuas, welches bes. den H. mit dem Schwarzen u. Kaspischen Meere f√ľhrte, Venedigs u. Pisas, so wie die der flandrischen u. holl√§ndischen St√§dte, dienten den Kreuzfahrern zur √úberfahrt. Dadurch lernten Italiener u. Niederl√§nder die Luxusgegenst√§nde des Orients kennen, verpflanzten sie nach dem Occident u. entrissen den Griechen den H. mit dem Osten. Die Seidenwebereien, welche in dem 12. Jahrh. in Italien aufkamen, machten dieses Land noch wichtiger u. unentbehrlicher f√ľr den H. Vor allen war Venedig, bes. seit der byzantinische Kaiser Alexius IV. der Stadt daf√ľr, da√ü sie ihm zum Thron verholfen hatte, einige Inseln des Archipelagus, wozu sp√§ter noch Kandia kam, √ľberlie√ü, der Stapelplatz der Erzeugnisse des Orients, von wo dieselben zu Lande nach dem Westen u. Norden gingen. Der deutsche Handel entfaltete sich zuerst (5. Jahrh.) an der Ostsee; als Emporien werden Schleswig, R√ľgen, Stargard u. vor allen Vineta genannt, welches in seinem Hafen √ľber 300 Seeschiffe barg. Die Bl√ľthe des deutschen H-s an der Ostsee, der den ganzen Norden verband u. die indischen Karavanen heranzog, ist ohne Betheiligung der R√∂mer entstanden. Durch die Unterwerfung der Sachsen wurde der Ostseehandel mit dem deutschen Binnenhandel in Verbindung gebracht. Bremen, L√ľbeck, Hamburg, Stade, R√ľgen, Schleswig u. Bardewik waren die Hauptemporien des deutschen H-s mit Skandinavien u. den Wenden. Um aber den deutschen internationalen H. kr√§ftiger zu beleben, legte Karl der Gro√üe eine Stra√üe an zur Verbindung der St√§dte Celle, Magdeburg, Erfurt, Bamberg, N√ľrnberg, Passau, Regensburg, wo sich der zur Zeit so bl√ľhende Donauhandel anschlo√ü. Aus dieser Zeit stammt das Stapelrecht (s.d.). Die Zeit nach Karl dem Gro√üen brachte nicht die Fr√ľchte, welche zu erwarten waren; erst unter Heinrich V. schwang sich der H. auf, als dieser Kaiser die deutsche Industrie dadurch emancipirte,[936] da√ü er allen Stadtbewohnern das freie B√ľrgerrecht verlieh. In der Folge trat der landesherrliche Schutz des Handelsmannes hinzu, dann ein eigener Gerichtsstand, Zollfreiheiten, Marktpolizei, Geleitsbriefe u. bewaffnete Bedeckung. Aber trotz der letzteren waren die Handelsleute dennoch gen√∂thigt, sich zu gemeinschaftlichen Expeditionen zu vereinigen; eine Vereinigung von Kaufleuten im gro√üartigen Ma√üstabe ist der Hansabund (s.d.). Am meisten sollte sich aber der deutsche H. in dem Stromgebiete des Rheines entwickeln. Der Rheinhandel wurde Welthandel, als sich der Hauptstrom der Handeltreibenden ans Deutschland nach den Niederlanden (Br√ľgge u. Antwerpen) zog. Die Rheinschifffahrt √ľbertraf die Schifffahrt auf allen √ľbrigen Fl√ľssen. So wie am Rhein die St√§dte zu einem B√ľndnisse zusammentraten, so bildete sich auch ein Schw√§bischer St√§dtebund zum Schutze des H-s. Es wuchs dadurch die Production des Landes u. des Gewerbflei√ües, u. in den St√§dten sammelten sich Reichth√ľmer massenhaft an. Diese riefen die Bank- u. die B√∂rsengesch√§fte ins Leben, u. Augsburg wurde einer der ersten Wechselpl√§tze Europas. Im 15. Jahrh. lenkte die Umschiffung Afrika's u. die Entdeckung eines neuen Seewegs nach Ostindien, so wie die Entdeckung Amerika's, den H. in eine ganz neue Bahn. Die Hansa war schon zu Anfang dieses Jahrh. allm√§lig eingegangen, u. der H. Venedigs u. der Lombardei u. der Transitohandel Deutschlands bekam jetzt ebenfalls einen gewaltigen Sto√ü. Statt da√ü die indischen Producte bis jetzt mittels Karavanen durch Asien nach dem Mittelmeere u. von da nach Venedig u. durch die Lombardei u. Deutschland nach West- u. Nordeuropa gegangen waren, schlugen sie nun den zwar l√§ngern, aber leichtern Weg um Afrika ein, u. durch diesen bequemeren Transport kamen in Europa Waaren auf den Markt, die man bisher nicht gekannt hatte; zudem str√∂mten v√∂llig unbekannte Genu√ü- u. Luxusartikel von Westindien nach unserem Continente, u. der ungeheuere Zuflu√ü von edeln Metallen aus Amerika √§nderte in wenig Jahrzehnten den bisherigen Werth der Gegenst√§nde, so da√ü der Preis derselben auf das Doppelte stieg. Portugal war seiner Lage nach dazu bestimmt, sich der Schifffahrt zuzuwenden u. hatte als die √§u√üerste Westk√ľste Europas, wie einst Ph√∂nicien, den Beruf, den Welthandel zu leiten. Die Zeit seines Glanzes liegt zwischen Johann I. bis zur Zeit Sebastians (1412‚Äď1580). Heinrich der Seefahrer brach die Bahn f√ľr die Entdeckung des vierten Welttheils. Unter Emanuel dem Gro√üen legte Vasco de Gama 1498 den Seeweg nach Indien zur√ľck, u. von da an ist Portugal im Besitze der indischen Colonien u. des Hauptmarktes (Lissabon) f√ľr indische Erzeugnisse. Die Muhammedaner waren ihres Monopols in Indien beraubt, u. Portugal gebot auf der S√ľdostk√ľste Afrikas, wie an den K√ľsten Indiens (s. Albuquerque). Goa war der Sitz der politischen Herrschaft u. der Mittelpunkt des portugiesischen H-s; von dort bewegte sich der H. nach Lissabon u. nach der afrikanischen K√ľste, 1517 kn√ľpfte Portugal Handelsverbindungen mit China an u. dehnte auch nach Westen seine Macht aus; denn der Zufall f√ľhrte 1500 den portugiesischen Admiral Cabral nach Brasilien u. 1679 ging eine portugiesische Expedition nach Paraguay. Durch unheilvolle Regierungsma√üregeln, durch Habgier u. Grausamkeit gegen die unterdr√ľckten V√∂lker u. durch Eifersucht, bes. der Engl√§nder, gingen die portugiesischen Besitzungen allm√§lig verloren. Spaniens Beruf war zun√§chst, Amerika der Welt zu gewinnen, Columbus entdeckte 1492 die Bahama-Insel St. Salvador u. auf seinen folgenden Seereisen die √ľbrigen Inseln von Centralamerika, u. Amerigo, der die Entdeckungen fortsetzte, erschlo√ü das amerikanische Festland. Es w√§hrte aber lange, bis ein geordneter Zustand in die Verwaltung der spanischen L√§nder in Amerika eingef√ľhrt wurde; erst Karl V. erlie√ü 1542 eine Reihe von Regierungsvorschriften. Die gr√∂√üte Macht der Colonialherrschaft hatte Spanien zu Ende der Regierung Philipps II, als ihm durch die Vereinigung mit Portugal dessen s√§mmtliche √ľberseeische Besitzungen zugefallen waren. Die Hauptartikel des spanischen Handels waren Silber, Gold, Kupfer, Vanille, Cochenille, Indigo, Farbholz, Baumwolle, Tabak, Cacao, Safran, Reis u.a. Spanien besa√ü in S√ľdamerika Peru, Chili, Neugranada, Terra firma, das Land n√∂rdlich vom Orinoco u. zuletzt Paraguay u. die Uferl√§nder am La Plata, in Asien die Philippinennebst den Mariannen- u. Karolineninseln. Aber die Ursachen, die zum Verfalle des portugiesischen H-s dienten, f√ľhrten auch den der spanischen Colonialmacht herbei. Sowohl die Spanier, wie die Portugiesen waren keine Kaufleute; von richtigen volkswirthschaftlichen Ansichten war bei beiden nicht eine Spur. Daher kam es, da√ü Fremde, Deutsche, Franzosen, Italiener u.a. in ihre Besitzungen kamen, um die Sch√§tze derselben auszubeuten.

Wichtig in der Geschichte des H-s sind die Niederlande od. Holland. Gesittung, Intelligenz, Arbeit u. Freiheit zeichnen die Niederl√§nder aus. Die Niederlande waren unter Karl V. eine spanische Provinz. Die Revolution gegen die Spanier brach die Macht derselben in. den Niederlanden u. die Bl√ľthe dieses Landes. Das Ende des Kampfes war die Unabh√§ngigkeit des holl√§ndischen H-s, der sich jetzt bis nach Ostindien erstreckte, wo es seine Colonialherrschaft entfaltete. Den Grund dazu legte 1595 die Gesellschaft der fernen L√§nder, welche eine Expedition nach Indien schickte, die zun√§chst festen Fu√ü auf Madagascar u. Bantam fa√üte, u. auf der Nordk√ľste Javas Jakatra (Batavia), Surabaja u. die Inseln Mandura u. Bali besuchten. Es bildeten sich nun mehrere Gesellschaften, die sich 1602 zu einer einzigen, Holl√§ndisch-Ostindischen Compagnie, vereinigten; diese legte den Grund zur holl√§ndischen Colonialmacht. Kurze Zeit darauf, 1609, gr√ľndeten die Amsterdamer, u. 1612 die Rotterdamer Kaufleute eine Girobank, um die Ungewi√üheit der Valuta aufzuheben. Die Besitzungen in Westindien waren f√ľr Holland von gro√üer Bedeutung; aber sollte der westindische H. nicht zu Grunde gehen, so mu√üte das Monopol der Westindischen Compagnie aufgel√∂st werden. Dies geschah; denn 1734 wurde allen Holl√§ndern gegen Erlegung von 2 Proc. der H. nach den westindischen Colonien freigegeben. Holland hat seine Colonialmacht erhalten, u. seine Flagge ist geachtet auf allen Meeren.

Englands Handelsgr√∂√üe beginnt unter der Regierung der K√∂nigin Elisabeth. Lossagung von der commerciellen Vormundschaft der deutschen Hansa u.[937] die Besiegung der spanischen Armada waren die Hebel zu Englands Selbst√§ndigkeit u. Gr√∂√üe. Die Engl√§nder sind von Natur das gr√∂√üte Handelsvolk der Welt; selbst in der Landwirthschaft sprechen sich commercielle Tendenzen aus, u. wenn Selbst√§ndigkeit die erste Bedingung f√ľr die Wohlfahrt eines Volkes ist, so hat England sie im vollsten Ma√üe erf√ľllt: Freiheit u. Eigenthum war sein uralter Grundsatz, der immer Wahrheit blieb. Die Colonialherrschaft wurde immer weiter ausgebreitet u. fa√üte Fu√ü in allen Welttheilen. Hierf√ľr war besonders die englische Industrie, welche √ľberall die Concurrenz bestehen konnte, von dem gr√∂√üten Einflusse. Die Erzeugnisse desselben gingen eben so nach allen L√§ndern des Continentes, als nach den eroberten L√§ndern fremder Erdtheile. Den Portugiesen u. Spaniern wurden bedeutende Besitzungen entrissen, u. seit 1621 war England Herr in Nordamerika. Die Ostindische Compagnie bot zu allen Unternehmungen die Mittel. 1773 verlor England die Herrschaft in der Neuen Welt; die Namen Washington u. Franklin gen√ľgen f√ľr die Hinweisung auf den Freiheitskampf der Nordamerikaner. Auch Frankreich hat sich als Handelsstaat einen Namen erworben. Aber erst mit Colbert beginnt dessen Bedeutung (1661). Ihm verdankt Frankreich eine gesunde Zolleinrichtung, welche er aus dem Binnenlande beseitigte u. an die Grenzen verlegte. Die Colonialpolitik konnte ihm auch nicht fern bleiben; Amerika war das Land, wo er die Colonialmacht zu befestigen sich bem√ľhte. So war denn der Welthandel im 17. Jahrh. u. den ersten zwei Drittheilen des 18. Jahrh. zwischen Portugal, Spanien, Frankreich, England u. Holland getheilt; ersteres brachte ostindische Waaren zu Markt u. hatte durch die Erwerbung von Brasilien Antheil an dem Colonialhandel, Spanien edle Metalle u. Tropenproducte aus Amerika, Frankreich u. England haupts√§chlich Colonialwaaren, Holland war fast im ausschlie√üenden Besitz des ostindischen Gew√ľrzhandels. D√§nemark besa√ü nur einen Theil des ostindischen Handels u. Schweden nahm nur mittelbar durch Zwischenhandel an demselben Theil; Ru√üland, welches durch Peter den Gro√üen zu Anfang des 18. Jahrh. zum Handelsstaat geworden war, war besonders zum Verkauf des in Sibirien (das es seit dem 16. Jahrh. besa√ü) gewonnenen Pelzwerks u. des Hanfes, Holzes u. anderer roher Producte wichtig. Deutschland u. Italien hatten im Welthandel ihr Ansehen, welches sie in fr√ľheren Jahren genossen hatten, verloren. Gegen die Mitte des 18. Jahrh. √§nderte sich dies Verh√§ltni√ü. Frankreich u. England waren schon im 17. Jahrh. in Ostindien ans√§ssig geworden u. hatten dort Factoreien u. Colonien errichtet. England trat nun dort durch die Ostindische Compagnie (s. Handelsgesellschaften u. Indien [Gesch.]) als Eroberer auf, machte sich mehrere einheimische F√ľrsten durch die Waffen unterth√§nig, vernichtete den Einflu√ü der Franzosen bei den indischen F√ľrsten u. vertrieb sie aus ihren Besitzungen. Eben so machte es sich auch in Nordamerika, wo es Schweden u. Holl√§nder schon fr√ľher verjagt hatte, durch Vertreibung der Franzosen Platz. Mehr als je √ľberfl√ľgelte aber der englische H. gegen Ende des 18. Jahrh. den aller anderen Nationen. Zwar hatte es den gr√∂√üeren Theil der nordamerikanischen Staaten durch √ľbelberechnete Finanz- u. Handelsma√üregeln verloren, aber in den √ľbrigen Colonien hoben weise Ma√üregeln der britischen Regierung die Fabriken, rei√üend nahm die Ausfuhr u. durch die Navigationsacte die Schifffahrt zu, √ľberall sah man englische Comptoirs entstehen, u. alle Staaten wichen dem englischen √úbergewicht. Die Franz√∂sische Revolution stellte den Continent u. England sich feindlich gegen√ľber, welches letzteren ungeheuere Production sich neue Abfl√ľsse verschaffen mu√üte. Es eroberte aber fast alle Colonien der ihm feindlichen Staaten, vernichtete den Einflu√ü Frankreichs in Ostindien v√∂llig, machte dort fast alle F√ľrsten tributbar u. stieg so, obschon 10 Jahre lang durch die Continentalsperre vom H. nach dem Continent ausgeschlossen, u. als endlich Napoleon bezwungen war, zu nie dagewesener Handelsgr√∂√üe. Der Frieden von 1814 gab zwar dem H. auf dem Continent die Freiheit wieder, jedoch fesselten allenthalben errichtete od. fester gezogene Zolllinien ihn bald wieder. Die Losrei√üung S√ľd- u. Mittelamerikas von spanischer Botm√§√üigkeit er√∂ffnete dem Welthandel einen neuen Markt, den jedoch England zum Theil f√ľr sich durch Vertr√§ge in Anspruch genommen hat. Mit dem Frieden erhielt ein bis jetzt fast nur in Holland u. England stattgefundener H., der H. mit Staatspapieren, eine gr√∂√üere Ausdehnung u. Bedeutsamkeit u. entzog dem Waarengesch√§ft ein gro√ües Capital. Er u. der seit dem Frieden, besonders in England, √ľberhand nehmende Schwindelgeist erzeugten die gro√üen Handelskrisen 1825, 1826 u. 1837, die zwar tempor√§r die √ľberspannte Production etwas minderte, ohne jedoch dem Welthandel wesentlichen Schaden zu thun. Der Associationsgeist rief besonders in neuerer Zeit Actienunternehmungen hervor, welche zwar mehr auf Fabrikationsunternehmungen u. Transvortmittel (Dampfschiffe, Eisenbahnen u. dgl.), als auf den eigentlichen H. Einflu√ü hatten, aber mittelbar auch diesen in Schwung brachten. Der allgemeine Deutsche Zollverein (s.d.), der 1834 aus dem preu√üischen Zollsystem durch freiwilliges Anschlie√üen der meisten anderen deutschen Staaten erwuchs, hat dem deutschen H. viel Vorschub geleistet, so da√ü Deutschland seitdem Eifersucht der Franzosen u. Engl√§nder erregt.

Was die neueste Geschichte des H-s betrifft, so begegnet dem Blick auf den gegenw√§rtigen Stand der wichtigsten Staaten in ihrer Handelsth√§tigkeit, vor allen England, dessen Politik wesentlich die wohlverstandene seiner Handelsgr√∂√üeist. Viele Jahre hindurch dem Systeme des sogenannten Industrieschutzes folgend u. trotzdem durch seine unersch√∂pflichen inneren H√ľlfsquellen, seine g√ľnstige geographische Lage, sein unaufhaltsames Voranschreiten in allen Verbesserungen der Technik u. der Communicationen, denen das reichste Geldcapital zu Gebote steht, Herr auf den M√§rkten u. Meeren, fand es das Eindringen der m√§chtigen √§u√üeren Verh√§ltnisse, das Emporwachsen der fremden Gewerbth√§tigkeit, die Stimme der inneren Erkenntni√ü zu gebieterisch, um nicht zu einem freieren Verkehre √ľberzugehen. Genug noch der Fesseln tr√§gt dieser zwar, aber eine nach der anderen f√§llt, u. etc. langsamer das Ausland Schritt halten wird, um so sicherer wird die englische Handelsgr√∂√üe f√ľr Jahrhunderte aufs Neue sich befestigen, wozu sie Anfangs 1849 einen gro√üen u. energischen Schritt gethan hat mit der Aufhebung der unter dem Namen Navigationsacte[938] bekannten, einengenden Schifffahrtsgesetze, nachdem vorher schon die Differentialz√∂lle auf die Einfuhren im Britischen Ostindien gefallen waren. In England war es besonders der Fabrikant Rich. Cobden, der seit 1841 in dem Parlament f√ľr die Aufhebung der Korngesetze u. dann f√ľr die Handelsfreiheit sprach. In Folge seiner Reise auf dem Continent fand die Freihandelsidee auch besonders in Deutschland vielfach Eingang, u. es bildeten sich mehrere Vereine f√ľr diesen Zweck, besonders in den deutschen Nord- u. Ostseest√§dten, besonders Preu√üens, welche im Februar 1851 einen Freihandelscongre√ü in Elbing hielten, der eine Deputation an den Handelsminister mit einer Petition um Abwendung vom Schutzzollsystem absendete. Fr√ľher schon wurde, Ende September 1847, ein Freihandelscongre√ü in Br√ľssel gehalten, der von M√§nnern aus den meisten Staaten Europas besucht wurde, dessen Resultate jedoch nicht bedeutend waren. Belgien selbst namentlich wendete sich in seinen Hauptrednern nicht dem absoluten Freihandel zu, sondern vertheidigte einen Mittelweg zwischen Freihandel u. Schutzz√∂llen. In Frankreich war die Idee des Freihandels schon fr√ľher vorhanden u. namentlich von Say (s.d.) vertreten, u. als England mit Aufhebung der Korngesetze den Anfang zum Freihandel machte, wurden auch zu Gunsten desselben in Frankreich Vereine gegr√ľndet u. Versammlungen gehalten. Der damalige Minister des Innern, Graf Duchatel, war auch der Sache nicht abhold, allein desto mehr machte die Kammer, in welcher die Geldaristokratie besonders das Wort f√ľhrte, dagegen Opposition. Im Juni 1851 ergriff Ste. Beuve das Wort f√ľr freieren H., aber unter vorz√ľglicher Opposition Thiers wurde seine Motion mit gro√üer Majorit√§t beseitigt (s. Frankreich). W√§hrend aber England den Verkehr seiner ostindischen Colonien von Banden befreit, halten die Niederlande u. Spanien in den ihrigen noch fest an den alten monopolisirenden Beschr√§nkungen. Der Nachbar Ostindiens, China, ist jetzt wie vor Jahrtausenden; doch auch hier wird der seit den Eroberungen Englands n√§her ger√ľckte europ√§ische Verkehr, wenn auch sehr langsam, allm√§hlig eine Entwickelung wach rufen, die den langen Schlummer st√∂rt u. eine Ann√§herung an die fremden Nationen hervorruft. In den s√ľdamerikanischen Freistaaten lassen die fortw√§hrenden inneren Reibungen eine dauerhafte Bl√ľthe des H-s noch nicht aufkommen, u. auch Brasilien, kaum zu gr√∂√üerer politischer Selbst√§ndigkeit gelangt, hat nur die ersten Stufen einer gr√∂√üeren Bedeutung erschritten. Der H. der Vereinigten Staaten Nordamerikas gibt ein Bild gro√üartigen Fortschrittes, wie in so kurzer Zeit der Entwickelung kein anderes Land, u. wie seine Anstrengungen u. Erfolge auf materiellem Gebiete √ľberhaupt in der Geschichte ihres Gleichen nicht finden, so auch die kolossalen Dimensionen, in welchen seit einem halben Jahrh. sein H. emporgewachsen ist. Der Goldreichthum Californiens verfehlt nicht, in neuester Zeit das Seinige hierzu beizutragen, u. er tr√§gt Verkehr u. Bildung mehr u. mehr nach Westen. Riesenhaft ist die Entfaltung des jungen Staates aufgeschossen, u. kein Wunder daher, wenn sie nicht gleich auch die edelsten geistigen u. k√ľnstlerischen Gebiete der Civilisation so warm umfa√üt hat, wie die des n√§chsten Bed√ľrfnisses.

VII. Literatur: A) Hand- u. Lehrb√ľcher: Schumann, Compendi√∂ses Handbuch f√ľr Kaufleute, Lpz. 1795‚Äď97, 4 Bde.; J. G. B√ľsch, Darstellung der Handlung etc., 3. Aufl., herausgegeben von G. P. H. Norrmann, Hamb. 1808, 2 Thle., Zus√§tze u. Register, ebd. 1799 f., 3 Thle.; Dessen Handbuch f√ľr Kaufleute, G√∂tt. 1803; Jos. Nowack, Grunds√§tze der Handlungswissenschaften, 3. Aufl. Wien 1808; L. H. v. Jakob, Grundri√ü der Handlungswissenschaften f√ľr Staatsgelehrte, Halle o. I.; K. Cr√ľger, Der Kaufmann, 2. Aufl. Hamb. 1820, 4 Bde.; D. Busch, Abri√ü der Handlungswissenschaften etc., Wien 1823, 2 Bde.; F. S√ľpke, Einleitung in die Handelswissenschaften, Braunschw. 1825; J. K. A. Murhard, Theorie u. Politik des Handels, G√∂tt. 1831, 2 Thle.; J. M. Leuchs, Handelswissenschaften, 4. Ausg. N√ľrnb. 1839, 2 Bde.; G. v. G√ľlich, √úber die gegenw√§rtige Lage des englischen u. deutschen Handels etc., G√∂tt. 1834; A. Schiebe, Lehrbuch der Contorwissenschaft, Lpz. 1853, 3 Bde. (1. Bd. Contorwissenschaft, 2. Bd. Correspondenz, 3. Bd. Buchhaltung); Courtin, Der praktische Kaufmann, Stuttg.; System der doppelten Buchhaltung, Brem. 1852 f.; Aufpitz, Kaufm√§nnische Buchf√ľhrung, Wien 1857; Perpent, Doppelte Buchhaltung, Crefeld 1857; Ditscheiner, Wiener Handelsschule, 3 Bde. (1. Bd. einfache Buchhaltung, 2. Bd. doppelte Buchhaltung, 3. Bd. Kaufm√§nnische Correspondenz), Pesth 1855; Schulten, Allgem. Handelscorrespondenz, M√ľhlheim a. d. R. 1858; Scherber, Die Mercantilbuchhaltung, Br√ľnn 1858; Bleibtreu, Doppelte Buchhaltung 1858; L'Hermite u. Langhenie, H√ľlfsbuch der kaufm√§nnischen Handelscorrespondenz, Hamb. 1857; Munde, Neue u. vollst√§ndige Handelscorrespondenz, Lpz. 1856 f.; Steinhaus, Lehrbuch der Handelscorrespondenz, Lpz. 1857; Noback, Lehrbuch der Handelswissenschaft, Berl.; Huber, die Quintessenz der Handelswissenschaft, Stuttg. 1858; Schmidt, Die Handelswissenschaft, ebd. 1857; Seubert, Lehrbuch der Handelswissenschaft, W√ľrzb. 1859; Simon, Katechismus der Handelswissenschaft, 3. Aufl. Lpz. 1859, herausgeg von K. Arenz. b) W√∂rterb√ľcher: Savary, Dictionnaire universelle de commerce, Par. 1741, 3 Bde., vermehrt von Philibert, Kopenh. 1750‚Äď66, 5 Bde., Fol.; J. M. Leuchs, Handelslexikon, N√ľrnb. 1824‚Äď25, 2 Thle.; Mac-Culloch, Comptoirhandbuch in alphabetischer Ordnung, von L. R. Schmidt, Stuttg. 1836; Dessen Universallexikon f√ľr Kaufleute etc., 2. Aufl. Augsb. 1842, 2 Bde.; Allgemeine Encyklop√§die f√ľr Kaufleute, 4. Aufl. Lpz. 1841‚Äď42, mit Supplem., die 12. Aufl. begonnen von C. u. Fr. Noback u. fortgesetzt von Fr. Steger, 1856‚Äď59; A. Schiebe, Kaufm√§nnisches Handw√∂rterbuch, Lpz. 1833; Dessen Universallexikon der Handelswissenschaften etc., Lpz. u. Zwickau 1837‚Äď39, 3 Bde. c) Handelsgeschichte: A. Anderson, Geschichte des H-s von den √§ltesten bis auf die neuesten Zeiten, aus dem Englischen (von J. P. Bamberger), Riga 1773‚Äď79, 7 Bde.; F. Ch. J. Fischer, Geschichte des deutschen H-s u. der Schifffahrt, Erfindungen etc., Hannov. 1785‚Äď02, 4 Thle.; Jos. Nowack, Grundri√ü der Handlungsgeschichte, Wien 1799; v. Perrin-Parnajon, Historisch-philosophisch-politisches Handbuch f√ľr Kaufleute, u. Aufl. Lpz. 1811; K. S. A. Richter, Handelsgeschichte, Magdeb. 1829; A. H. L. Heeren. Ideen √ľber die Politik, den Verkehr u. Handel der[939] alten Welt, 4. Aufl. G√∂tt. 1824‚Äď26, 6 Bde,; G. v. G√ľlich, Geschichtliche Darstellung des H-s, der Gewerbe u. des Ackerbaues, Jena 1830‚Äď42, 3 Bde.; R. Montgomery-Martin, Die britischen Colonien etc., aus dem Englischen von P. Frisch, Lpz. 1835‚Äď36,3 Lief.; Tritzschke, Grundri√ü der Handelsgeschichte, ebd. 1852; Fischer, Geschichte des H-s; Engelmann, Geschichte des Welthandels, ebd. 1859; Ungewitter, Geschichte des H-s, ebd. 1851; H. Scherer Allgemeine Geschichte des Welthandels, ebd. 1853, 2 Bde. d) Zeitschriften: Allgemeine polytechnische u. Handlungszeitung, herausgegeben von J. K. Leuchs, N√ľrnb. 1794‚Äď1832; Allgemeines Organ f√ľr Handel u. Gewerbe, herausgegeben von A. v. Binzer u. C. Bedbur, K√∂ln 1834‚Äď44, von Dellenbusch u. Sch√ľcking, 1845‚Äď49; Zeitung f√ľr Handel u. Fabrikindustrie, herausgegeben von J. A. Romberg u. J. Kaufmann, Lpz. 1835‚Äď43; Berliner Gewerbe-, Industrie- u. Handelsblatt, herausgegeben von A. F. Neukranz u. F. A. Metzke, Berl. 1841, 1842, 3 Bde.; Unterhaltende u. belehrende Bl√§tter f√ľr den Handelsstand, herausgegeben von C. G. Gotthold, Arnst. 1842 u. 1843; Austria. Zeitschrift f√ľr H. u. Gewerbe etc., Wien seit 1849; Der Kaufmann von J. Schadeberg, Halle seit 1856.


Pierer's Lexicon. 1857‚Äď1865.

Schlagen Sie auch in anderen W√∂rterb√ľchern nach:

  • Handel-C ‚ÄĒ is a programming language and Hardware Description Language (HDL) for compiling programs into hardware images of FPGAs or ASICs. It is a rich subset of C, with non standard extensions to control hardware instantiation and parallelism.The subset… ‚Ķ   Wikipedia

  • Handel ‚ÄĒ treiben: Gesch√§fte machen. Der Begriff ‚ÄļHandel‚ÄĻ wurde erst im Mittelalter nach ‚Äļhandeln‚ÄĻ gebildet. Dieses findet sich schon fr√ľh als ‚Äļhantol√īn‚ÄĻ: mit H√§nden fassen, dann ‚Äļtun, betreiben, verrichten‚ÄĻ. Erst seit dem 15. Jahrhundert auch √ľblich f√ľr… ‚Ķ   Das W√∂rterbuch der Idiome

  • H√§ndel ‚ÄĒ H√§ndel, Georg Friedrich, Komponist, geb. 23. Febr. 1685 in Halle a. S. als Sohn eines Wundarztes, gest. 14. April 1759 in London, zeigte fr√ľh auffallende musikalische Begabung, so da√ü schon 1696 der Kurf√ľrst, nachmals K√∂nig Friedrich I., dem… ‚Ķ   Meyers Gro√ües Konversations-Lexikon

  • Handel ‚ÄĒ Handel. Man k√∂nnte den Handel die Blutcirkulation der Industrie eines Volkes, ja aller V√∂lker, nennen. Er gibt den Ma√üstab f√ľr die Kultur; denn je h√∂her die Kultur, nicht nur die des Bodens, sondern auch die technische und scientifische, desto… ‚Ķ   Damen Conversations Lexikon

  • H√§ndel ‚ÄĒ H√§ndel, 1) Georg Friedr., geb. 24. Februar 1685 in Halle a. d. S. Sein Talent zur Tonkunst wurde von seinem Vater niedergehalten, u. nur der Herzog von Wei√üenfels vermochte den Vater, H. der Tonkunst zu √ľberlassen. Schon als Knabe von 7 Jahren… ‚Ķ   Pierer's Universal-Lexikon

  • Handel ‚ÄĒ (lat. Commercium, franz. Commerce. engl. Commerce, Trade), im weitern Sinne jeder zur Erzielung eines Gewinnes vorgenommene Austausch von G√ľtern, im engern Sinne der auf Arbeitsteilung und eigner Berufsbildung beruhende gewerbsm√§√üige Ein und… ‚Ķ   Meyers Gro√ües Konversations-Lexikon

  • handel ‚ÄĒ {{/stl 13}}{{stl 8}}rz. mnŇľ III, D. handeldlu, blm {{/stl 8}}{{stl 20}} {{/stl 20}}{{stl 12}}1. {{/stl 12}}{{stl 7}} rodzaj dziaŇāalnoŇõci polegajńÖcej na nabywaniu jakichŇõ d√≥br, usŇāug, walor√≥w w celu sprzedaŇľy, wynajmowania, odstńôpowania ich za… ‚Ķ   Langenscheidt Polski wyjaŇõnieŇĄ

  • Handel ‚ÄĒ [han‚Ä≤d…ôl] George Frideric [frńď‚Ä≤d…ôr ik, frńď‚Ä≤drik] (born Georg Friedrich H√§ndel) 1685 1759; Eng. composer, born in Germany Handelian [han del‚Ä≤ńď …ôn, handńď‚Ä≤lńď…ôn; handel‚Ä≤y…ôn, handńďl‚Ä≤y…ôn] adj ‚Ķ   English World dictionary

  • Handel ‚ÄĒ Handel, im weitern Sinne jede Art des G√ľteraustausches zum Zweck der Befriedigung von Bed√ľrfnissen, im engern Sinne der gewerbsm√§√üige Eintausch von G√ľtern zu dem Zweck, sie mit Gewinn wieder zu ver√§u√üern, vermittelt zwischen Produzent und… ‚Ķ   Kleines Konversations-Lexikon

  • Handel ‚ÄĒ Sm std. (13. Jh.), mhd. handel Stammwort. R√ľckbildung zu handeln, zun√§chst allgemein in den Bedeutungen dieses Verbs, dann spezialisiert auf die kaufm√§nnische Bedeutung. Hand, H√§ndel. ‚úé Ganz (1957), 90f.; LM 4 (1989), 1895 1901; R√∂hrich 2 (1992) ‚Ķ   Etymologisches W√∂rterbuch der deutschen sprache


Share the article and excerpts

Direct link
… Do a right-click on the link above
and select ‚ÄúCopy Link‚ÄĚ

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.