Indien [1]

Indien (Inaĭa, Indĭke, a. Geogr.), das nach dem Indos benannte südlichste Land in Asien; grenzte, im Norden von dem Paropamisos, Imaos u. Emodos eingeschlossen, an Scythia extra Imaum, Serika u. das Land der Sinä, im Osten an die Sinä u. den Magnus Sinus des Ostlichen Oceans, im Süden an den Gangetischen Busen des Indischen Oceans, im Westen, durch den Indos geschieden, an Gedrosien, Arachosien u. die Paropamisadä; die Größe gaben die Alten, welche überhaupt sehr unvollkommene Vorstellungen von dem Lande hatten, verschieden an, Einige schätzten es zu. der ganzen Erdoberfläche, eigentlich betrug es 400 geographische Meilen in die Länge, Vorderindien hatte eine Breite von 350 bis 1000 Meilen: Ptolemäos, welcher noch an eine Verbindung I-s mit Afrika glaubte, theilte es in India intra Gaugem u. I. extra Gangem, das Land jenseits u. diesseits des Ganges, letzteres mit der Chersonesus aurea (j. Halbinsel Malacca); Gebirge: im Norden die zusammenhängende Kette des Paropamisos od. Indischen Kaukasos (Hindukusch), wo der Indos entsprang, des Imaos u. Emodos (Himalaya); die südlichen Zweige dieser Kette waren noch im jenseitigen I. von Osten nach Westen: das Semanthinische Gebirg (j. das Birmanische Gebirg), das Damassische Gebirg (j. Pahimapan), der Bepyrros, weiter südlich der Mäandros (j. Yeomah); im diesseitigen I. in derselben Richtung: das Orudische Gebirg, der Uxentos (j. Goandy), Adisafhros, Bittigo (j. Ghats), Vindios (j. Vindhya), Sardonix (j. Sautpura), Apokopa (j. Aravulli); die Vorgebirgeim jenseitigen I. waren bes. das Promontorium magnum, Malai colon etc.; im diesseitigen: Kory (P. Calligleum), Taprobane gegenüber, Komaria (Cap Comorin), Kallikaris, Simylla (C. St. John). P. Maleum; Meerbusen: der Große Busen zwischen dem Lande der Sinä u. dem jenseitigen I.; der Perimntische u. Sabarische (j. Straße von Malacca u. Golf von Martaban), der Gangetische (j. Busen von Bengalen), der Agarische (j. Palks Bai), der Kolchische, zwischen den Vorgebirgen Kory u. Komaria (j. Busen von Manaar), der Barygazenische, zwischen Maleum u. Simylla (j. Busen von Cambay), Kanthi (j. Busen von Cutch). Die meisten großen auf dem nördlichen Gebirgszuge entspringenden Flüsse des Landes waren im jenseitigen I.: Seros (j. vielleicht Menam), Dorias (j. vielleicht Thaluen od. Saluen), Doanas (j. Irawaddy), welche sämmtlich in den Großen Meerbusen münden; auf der Chersonesus aurea: Sobannas, Attabas, Palandas, Chrysoana, Besynga, Temala, Sabos, Tokosanna (j. Aracan) u.a.; der Ganges selbst mit seinen Nebenflüssen aus diesem Landestheile: Magon (j. vielleicht Ramguna), Kommenases (j. vielleicht Gumty), Agoranis (j. [856] Gogra), Kondochates (j. Gunduk), Oxymagis (j. vielleicht Bogmully), Kossoanos (j. Cosi), Ödanes od. Dyardanes (j. Brahmaputra); im diesseitigen I. zunächst die Nebenflüsse des Ganges: Jomanes od. Diamuna (Dschumna) mit Sambos (j. Tschumbul) u. Kaïnas (j. Cane), der Sonos (j. Son) od. Erannaboas u. v. a.; ferner Adamas (j. vielleicht Braminy), Manadas (Mahannuddy), Mäsolos (j. Godavery), Tynna (j. Krischna), Chaberos (j. Cavery), Solen, Baris, Nanaguna (j. Tapty), Namados (j. Nerbudda) u. der Indos mit den Nebenflüssen links: Akesines (j. Dschenab) mit Hydaspes (Dschelun), Hydraotes (Rawi), Hypanis od. Hyphasis (j. Gharra), Zaradros (Sutledsch); rechts: Kophen (j. Kabul), mit Choaspes od. Guräos (j. Attok) u. Choes (j. Kama). Producte: Das Land war an sich sehr fruchtbar u. war für die Zeit des Regenmangels noch durch eine große Menge von Gräben u. Kanälen durchzogen, wodurch die Äcker bewässert u. denselben eine doppelte, reiche Ernte abgenöthigt wurde. Aus dem Thierreich gab es Elephanten, Nashorne, Kameele, Affen, Buckelochsen, Büffel, Maulthiere, wilde Esel, Pferde (klein, aber für den Kriegsdienst brauchbar), eine besondere Art Jagdhunde (s.u. Hund), Raubthiere aller Art, Krokodile, Schildkröten, Schlangen, Papagaien, Pfaue, Perlmuscheln, Skorpione; aus dem Pflanzenreiche: Reis, Hirse, Sesam, Südfrüchte, aber wenig Wein, Bananen, Holz aller Art, Aloë, Zuckerrohr, Bambusrohr, Baumwolle, Papyrus, viele Arten Gewürze, bes. Zimmt, Betel (Malathron), Weihrauch, Mastix, Myrrhen, Cassia, Indig etc.; aus dem Mineralreiche bes. Gold (vgl. Goldgrabende Ameisen) u. Edelsteine, auch Silber, Kupfer, Eisen, Steinsalz. Über die Einwohner, Indi, ihre Nationalität, Sitten, Einrichtungen, Gewerbe, Kunst, Handel etc. s.u. Indien Gesch. u. Antiq. Sie bestanden aus vielen einzelnen Völkerschaften mit vielen Städten, im jenseitigen I. waren u.a. die Stadt Perimula an der Ost- u. der Handelsplatz Takola an der Westküste der Goldenen Halbinsel; im Norden die Bessyngitä, Menschenfresser von nichtindischer Abkunft, u. die Räuberstadt Balonga (j. Pahang); weiter nördlich die Gold- u. Silbergegend mit Mareura, die Handelsstadt Berabonna, Sada, welches die von der Westspitze des Gangetischen Busens nach Hinterindien Segelnden berührten; die Doani um den Doanas, die Sindi am Dorias, die Barä; etwas westlich von der Silbergegend der District Kirrhadia mit Betelbau u. der Hauptstadt Triglyphon (j. vielleicht Tripa); dann die menschenfressenden Tamerä (Zamirä), Naugologä, Kadupá, die Landschaft Chalkitis mit Kupferwerken, die Basanarä, Kakobä, Aminachä, Indaprathä, Iberingä, Dabasä, Besadä, Korankali, Takaräi, längs des Ganges die Marundä. Im diesseitigen I. die Bewohner des südlichen Striches mit gemeinschaftlichem Namen Dachinabades (im j. Dekan) genannten Gangaridä mit der Stadt Ganga, wichtig als Handelsplatz, Kalingä mit den Städten Parthalis, Kalliga u. dem Handelsplatz Dandagula (j. vielleicht Calingapatam), die Mäsoli mit Pitynda, Contakossyla (j. vielleicht Masulipatam) u. Alosyuga; die Arvarni mit Matanga (j. vielleicht Madras), Padoke u. Maliarpha (j. Maliapur od. Mavalipuram); die Soringi an den Ufern des Chaberos mit Orthura (i. Utatur) u. Sobura; die Bati mit Nikama (j. Cottapatam); das Land des Pandion um den Solenfluß mit Modura (j. Madura), wo zur Zeit Alexanders d. Gr. Poros herrschte, u. Agara, dort war auch der Wallfahrtsort Komar mit Castell (beim j. Calymere); die Karel mit Kolchi, wo Perlenfischerei getrieben wurde; die Aït mit Koltiara (j. Cochin), von wo viel Pfeffer ausgeführt wurde, Elankon u. Komaria; zwischen dem Barisfluß u. Bittigogebirg die Landschaft Limyrike (j. Mangalore) mit Karura (j. Carur), Tyndis (j. Goa), Puruta, Muziris (j. Mirdschuo), ein Seeräuberfest, Nelkynda etc.; westlich neben Limyrike die Pientenplätze Musapale, Niträ, Mandagara etc.; am Nanaguna die Landschaft Ariake mit den Hauptstädten Happokutra (j. Hydrabad) im Süden, u. Bätana (j. Beder) im Norden, außerdem Simylla, Omenogara (j. Ahmednuggur), Tagara (j. Deoghir), Modogulta (j. Modgull), Kalligeris (j. Kalliany), Nagurris (j. Nagaran); neben Ariaka der Staat Larike, wo bedeutender Handel getrieben wurde, mit Ozene (j. Uzen od. Ougein), Minnagara, Barygaza (j. Baroatsch), der Hauptstapelplatz für den südwestindischen Handel, Nasike (j. Nassuk) etc.; nordwestlich von Larike lag Syrastrene u. zwischen den Indusmündungen die Insel Pattalene mit der Stadt Pattala (j. Tatta). Im Inneren lag zunächst an den beiden Ufern des Indus die Landschaft Indoskythia, mit eingewanderten skythischen Stämmen; dann am Fuß des Imaos u. Emodos von Westen nach Osten die Lampatä, das Land Suastene (j. Sewad) u. Goryäa mit Gorya u. Nagara od. Dionysiopolis (j. Naggar), die Gandarä mit dem District Peukelaotis u. der Stadt Peukela (j. Pehkely); an den Quellen des Indos die Daradrä, davon östlich das Land Kaspiria u. südlich davon Varsa mit der Stadt Taxila; das Land der Abisarà, der Maller, weiter östlich Kylindrine u. die Gangani; längs des Ganges herab die Dätichá u. Nanichä das Land Praslake, die Mandalä mit Palimbothra (j. Patna), die Kokkonagâ, die Sabarä mit Diamantgruben, westlich derselben die Salakeni, am südlichen Abhang des Uxentos die Drillophyllitä, die Adisathri mit Sagida (vielleicht j. Sohagepur), nördlich die Poruari, Bolingä; jenseits des Vindiosgebirges das Land Sandrabatis u. die Gymnosophisten, westlich von diesen die Kaspiräl mit Raraffa, Kaspira, Modura; am südlichen Abhang des Vindios die Parapiotä, Rhamnâ mit der Stadt Kossa (vielleicht j. Cotta), Phyllitä, Gondali, am Bittigo die nomadisirenden Sorä, Brachmani, Bettigi, Tabassi, zwischen dem Indos u. Namados die Puljudä u. nordwestlich die Chatriäi (s.d. a.) u. v. a. Von den zu I. gehörenden Inseln war die größte u. wichtigste Taprobane (s.d.), j. Ceylon, von der großen Zahl anderer werden genannt Jabadiu (wahrscheinlich Java) u. Satyrorum insulae (wohl Anamba); die Malediven u. Lakediven kannte Ptolemäos auch, gibt ihnen aber keine besonderen Namen, sondern sagt nur, daß es 1378 an der Zahl wären. Das alte I. ist beschrieben von Ptolemäos im 7. Buch seiner Geographie; vgl. Lassen, Commentatio geograph. et histor de Pentopotamia indica, Bonn 1827.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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