Kohle

Kohle (Carbo), nennt man im Allgemeinen den bei der trockenen Destillation von organischen Körpern erhaltenen schwarzen Rückstand; vorzugsweise versteht man aber darunter die auf solche Weise aus der Holzfaser entstandene Masse u. bezeichnet demzufolge als K. die ganze Gruppe von Körpern, welche sowohl hinsichtlich ihrer physikalischen u. chemischen Eigenschaften, als ihrer Entstehungsweise u. der Anwendung als Feuerungsmaterial der Holzkohle an die Seite zu stellen sind, also Braunkohle, Torf, Steinkohle u. Coak. Die K. besteht vorzugsweise aus Kohlenstoff mit geringen Mengen Wasserstoff u. Sauerstoff; die durch Verkohlung stickstoffhaltiger Substanzen gewonnene enthält[638] auch Stickstoff. Die künstlich durch Erhitzen organischer Körper dargestellte K. ist schwarz, geruch- u. geschmacklos, porös u. verglimmt an der Luft erhitzt. Da viele organische Körper vor der Verkohlung schmelzen, so erscheint die so erhaltene K. als eine geschmolzene, großblasige, glänzende Masse; kohlenstoffreiche Körper schmelzen in der Regel nicht, man erhält aus ihnen eine meist wenig glänzende K., welche die Form des verkohlten Körpers zeigt. Die K., bes. Holzkohle, hat die Eigenschaft, Gase u. Miasmen zu absorbiren, daher wird sie gepulvert zur Reinigung der Luft in Krankenzimmern etc. benutzt, auch widersteht sie der Fäulniß u. verhindert das Faulen anderer Substanzen. Die thierische K., bes. Knochenkohle, zeichnet sich durch das Vermögen aus, organische Farbstoffe u. Extractivstoffe aus Flüssigkeiten aufzunehmen, daher dient sie zum Entfärben organischer Extracte u. Auflösungen, z.B. in der Zuckersiederei. Die K. schmelzender Körper zeigt diese Eigenschaft nicht, wie überhaupt K. mit größeren Poren ein geringeres Absorptionsvermögen besitzt, als solche mit kleinen Poren, weil die letzteren eine größere Oberfläche darbieten; im Allgemeinen nimmt die Absorptionsfähigkeit mit der auf demselben Raum enthaltenen Oberfläche zu, doch nur bis zu einer gewissen Grenze, indem sehr dichte K. ohne Wirkung ist. Von den Holzkohlensorten absorbirt Buchsbaumkohle sehr gut; sie enthält auf 1 Cubikzoll 100 Cubikfuß Oberfläche. Blut gibt verkohlt eine blasige K., welche nicht entfärbt: dagegen kann man eine stark entfärbende Blutkohle darstellen, wenn man das Blut mit 1/4 des Gewichts Pottasche mischt, glüht u. auswäscht. Die zu entfärbende Flüssigkeit darf nicht alkalisch sein, nur neutrale u. sauere Flüssigkeiten werden entfärbt. Die Absorption erfolgt am besten durch frisch ausgenühle K., u. zwar nimmt diese die Gase oft so schnell u. hastig auf, daß sie von selbst ins Glühen kommt u. sich an der Luft von selbst entzündet. Auch andere Stoffe, als die gekannten, werden von der K. aufgenommen, so z.B. mehrere organische Basen, wie Strychnin; es gründet sich hierauf eine Methode, das Strychnin aus Flüssigkeiten abzuscheiden. Auch für viele anorganische Substanzen zeigt die K. eine große Anziehung, so absorbirt sie das Jod aus seiner Lösung in Jodkalium, Bleisalze u. viele basische Metalloxyde; Silber wird aus seinen Lösungen metallisch niedergeschlagen. Die physikalischen Eigenschaften der K. sind wesentlich verschieden je nach der Temperatur, bei welcher die Verkohlung stattfand, u. zwar findet man die bei hohen Hitzegraden erzeugte K. dichter; sie leitet die Elektricität u. wird in Berührung mit Zink negativ elektrisch, leitet die Wärme gut u. läßt sich schwer entzünden; die bei weniger hoher Temperatur dargestellte K. ist ein schlechter Leiter für Elektricität u. Wärme u. wird in Berührung mit Zink nicht elektrisch. Die durch Verkohlung von Holz w. dargestellte K. enthält außer den geringen Mengen Wasserstoff u. Sauerstoff noch Aschenbestandtheile; von diesen frei, gewinnt man die K. durch Glühen von reinem Zucker in verschlossenen Gefäßen; auch Ölruß, unter Luftabschluß geglüht, gibt eine aschenfreie K. Sehr rein erhält man die K., wenn man die Dämpfe von ätherischen Ölen durch eine glühende Porzellanröhre leitet; der Dampf zersetzt sich bei dieser Temperatur, u. die K. scheidet sich an den Wandungen der Röhre ab. Der ausgedehnteste Gebrauch von der K. wird zur Feuerung gemacht (s. Brennmaterialien); zu metallurgischen Operationen ist die Holzkohle wegen ihrer Reinheit vorzuziehen; zu Kesselfeuerungen bedient man sich gewöhnlich der Stein- od. Braunkohlen, für Locomotiven meist Coaks. Der Anwendung der K. zum Entfärben von Flüssigkeiten u. zum Reinigen der Luft ist oben Erwähnung gethan; wegen ihrer großen Absorptionsfähigkeit dient sie auch zum Entfuseln des Brannteweins. Zu Schießpulver u. Feuerwerkssätzen wählt man die K. von einem weichen, leichten Holz, am häufigsten Faulbaum- u. Erlenholz. Die beste K. zu Schießpulver, wie sie auch zu dem spanischen Schießpulver angewendet wird, gewinnt man durch Rösten von Faulbaumholz in verschlossenen eisernen Trommeln; diese K. enthält einen größeren Antheil Wasserstoff u. ist daher leichter entzündlich.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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