Schande

Schande, 1) Alles, was in der öffentlichen u. gesellschaftlichen Beurtheilung Gegenstand der Geringschätzung u. Verachtung ist, also nicht blos die Abwesenheit, sondern das Positive Gegentheil der Ehre (s.d.). Was der Mensch sich selbst od. Andere ihm zur S. rechnen, hängt vielfach von den gerade geltenden, oft sehr falschen Ehrenpunkten ab. Ein fester Maßstab für Ehre u. S. liegt daher nur in den richtigen Grundsätzen der sittlichen Beurtheilung; innerhalb dieses Gebietes individualisirt er sich je nach der Lebenslage u. Stellung des Menschen u. den aus ihr hervorgehenden Pflichten sehr verschiedenartig. Ein Betragen u. eine Handlungsweise, welche das mißbilligende u. verachtende Urtheil Anderer rechtfertigt, heißt schändlich, d.h. S. bringend, wohl auch schimpflich, obwohl ein Schimpf als Ehrverletzung Jemanden auch ohne eigene Schuld von fremdem Übermuth u. fremder Schlechtigkeit zugefügt werden kann. Wenn Schimpf u. S. zusammengestellt werden, so bezeichnet das letztere Wort den Grund, das erstere die Äußerung der Geringschätzung; 2) der Lappen, welchen die Schneider um den Griff des heißen Bügeleisens wickeln, damit sie sich nicht verbrennen; 3) Stück Zeug von Haaren od. Filz, welches die Arbeiter vor die Brust hängen, wenn sie die vollen Salzkörbe tragen; 4) so v.w. Joch 5); 5) (Schandgrube, Schundgrube), so v.w. Kothgrube, Abtritt.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Schande — Schande: Das altgerm. Wort mhd. schande, ahd. scanta, got. skanda, niederl. schande, aengl. scand ist eine Ableitung vom Stamm des unter ↑ Scham behandelten Substantivs, wobei md zu nd angeglichen wurde. Schon ahd. ist »zuschanden werden« für… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Schande — Sf std. (8. Jh.), mhd. schande, ahd. scanta, mndd. schande, mndl. sc(h)ande Stammwort. Aus g. * skam dō f., auch in gt. skanda, ae. sceand, afr. skande, skonde. Auf eine Variante mit stimmlosem Dental geht anord. sko̧mm zurück. Zu der Grundlage… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Schande — Schande, im Gegensatz zur Ehre (s. d.) die Mißachtung, die denjenigen trifft, der durch sein Verhalten die Sittlichkeit, die gute Sitte oder die Forderungen der Standes , Berufs etc. Ehre verletzt. Der höchste Grad der S. ist die Schmach. Schimpf …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Schande — ↑Blamage …   Das große Fremdwörterbuch

  • Schande — [Aufbauwortschatz (Rating 1500 3200)] Auch: • Scham • Schamgefühl Bsp.: • Er kennt keine Scham und fühlt sich niemals schuldig …   Deutsch Wörterbuch

  • Schande — 1. An etwas Schande stirbt man nicht. Frz.: Un peu de honte est bientôt bue. (Cahier, 872.) 2. Besser a Schand in Punim (Gesicht) eider (als) a Kränck (Krankheit, Schmerz) in Bauch. (Jüd. deutsch. Warschau.) Das Sprichwort meint, eine… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Schande — Aufsehen; Affäre; Skandal; Schmach; Peinlichkeit; Kompromittierung; Bloßstellung; Blamage; Gesichtsverlust * * * Schan|de [ ʃandə], die; , n: a) …   Universal-Lexikon

  • Schande — Der Begriff Schande (veraltet auch Schmach) bezeichnet eine starke Geringschätzung und Verachtung anderer. Inhaltsverzeichnis 1 Begriff 2 Philosophie 3 Altes und Neues Testament 4 Web …   Deutsch Wikipedia

  • Schande — Schạn·de die; ; nur Sg; etwas, das einen großen Verlust des Ansehens oder der Ehre (meist wegen unmoralischen Verhaltens o.Ä.) bringt <jemand / etwas bringt jemandem Schande, bringt Schande über jemanden; etwas gereicht jemandem zur Schande;… …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Schande — Seine eigene Schande hören: mit eigenen Ohren hören müssen, wie ehrlos man ist. Diese Redensart ist eine Umwandlung des Sprichworts: ›Der Horcher an der Wand hört seine eigne Schand‹. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes ist ›Beschädigung‹.… …   Das Wörterbuch der Idiome

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