Seleukīa

Seleukīa (a. Geogr.), Name mehrer von den Seleukiden, namentlich von Seleukos Nikator, angelegter Städte: 1 ) (S. Pieria, S. ad mare), feste Stadt in dem Gau Pieria od. in der Provinz Seleukis in Syrien, von Seleukos Nikator an der Stelle einer schon früher hier gelegenen Stadt (Paläopolis) 300 v. Chr. angelegt, lag 1 Meile nördlich von der Mündung des Orontes ins Mittelmeer auf einem steilen Felsen, welcher nur auf der Seite von der See her durch eine in den Felsen gehauene, befestigte Treppe zugängig war; sie war die Hauptfestung Syriens u. als ein Stapelplatz des asiatischen Handels sehr belebt u. wurde wegen ihrer tapferen Gegenwehr gegen König Tigranes von Armenien von Pompejus mit der Freiheit beschenkt. Später verfiel sie u. wurde mehrmals erobert; dem Perser Chosroes trugen die Bürger freiwillig die Schlüssel entgegen. Seleukos Nikator lag daselbst begraben u. hatte Tempel u. Grabmal hier; Ruinen bes. von den Hafenbauten u. Felsengräber beim j. Kepse; 2) (S. ad Belum, Seleukos), Castell in Apamene (Syrien), nicht weit von Apamea, am Gebirg Belos, vielleicht das j. Sehjun; 3) feste Stadt in der Landschaft Gaulonitis in Palästina, jenseit des Jordan, am See Samachonites; 4) Stadt an der Küste von Pamphylien; 5) (S. Pisidiae), Stadt in Nordwest-Pisidien, wahrscheinlich von Seleukos Nikator angelegt; in ihrer Nähe Bergwerke, daher das Eiserne S. (S. ferrĕa) genannt; j. Egerdir; 6) (S. Trachēa, S. Tracheōtis), Stadt im Rauhen Cilicien, von Seleukos Nikator 1 Meile nördlich von der Mündung des Kalykadnos angelegt, welcher die Bewohner von Holmi u. anderer Städte nach S. führte. S. war eine schöne Stadt u. erhielt ihre Freiheit auch unter den Römern, welche hier drei Legionen stationirt hatten, kam im 4. Jahrh. in die Hände der Isaurer (daher S. Isauriae) u. wurde von nun an Hauptstadt Isauriens. S. war die Vaterstadt des Grammatikers Athenäos u. des Peripatetikers Xenarchos. Bei S. wurden 485 n.Chr. die Empörer Leontios u. Illos von den kaiserlich byzantinischen Truppen geschlagen; sie sank schon vor den Kreuzzügen zu einem bloßen Castell (Seleph) herab. Bei S. verlor Kaiser Friedrich I. im Flusse Kalykadnos das Leben; j. Selefkieh; 7) (S. am Tigris), Stadt in Babylonien, an einem Tigriskanal gegenüber Ktesiphon, von Seleukos Nikator an der Stelle des alten Zochases erbaut u. von ihm u. seinem Sohne bewohnt u. zum Nachtheil Babylons sehr bevorzugt. Sie war durch Handel blühend u. durch die Pflege von Kunst u. Wissenschaft berühmt; hatte eine freie Verfassung, welche sie auch unter der parthischen Herrschaft behielt, u. wurde von einem Senat[816] von 300 regiert, die obersten Magistratspersonen hießen Adriganes; die (600,000) Einwohner bestanden aus Macedoniern, Griechen, Syrern u. Juden. Die Griechen nahmen die unter Trajan zuerst tief in Parthien eindringenden Römer freundlich auf, aber da die Bürger sich nachher gegen die Fremdlinge empörten, brannte der römische Feldherr die Stadt 116 n.Chr. an u. ließ 300,000 Bürger niederhauen. Was von der Stadt noch übrig war, wurde unter dem Kaiser L. Verus 162 vernichtet, weil die Einwohner römische Soldaten ermordet haben sollten; Severus fand S. schon verlassen u. Julianus nur noch Trümmern, über welchen sich mehre kleine Orte gebildet hatten, u.a. stand auch nachmals das Castell Minas Sabattha dort; j. werden die Ruinen mit unter dem Namen El Madaien (s. Ktesiphon) begriffen; 8) (früher Soloke), Stadt der Elymäer in Susiana, am Hedyphon, beim j. Sultanabad; 9) so v.w. Tralles; 10) so v.w. Antiochia 8).


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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