-fń≠dus

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-fń≠dus

-fń≠dus (Bot., spaltig), als Anh√§ngssylbe, d.h. nicht √ľber die Mitte hinaus getheilt, bes. von Bl√§ttern, mit spitzigen Buchten, die etwa bis zur Mitte gehen, u. spitzigen Lappen, die nach der Zahl letzterer dann zwei-, drei- u. mehrspalig (bi-, tri-, multifidus) hei√üen, od. wenn die Lappen an beiden Seiten des Hauptnervs stehen, fiederspaltig (pinnatifidus), wie z.B. die untersten Bl√§tter von Scabiosa suaveolens.

Fieber (Febris). I. Krankheitszustand od. Symptome einer krankhaften Ver√§nderung im K√∂rper, welche sich gew√∂hnlich durch beschleunigten Puls, Hitze, wohl auch mit Frost im Wechselschwei√ü erh√∂hte Ausscheidung von Kohlens√§ure durch die Lungen u. von Harnstoff durch die Nieren kund gibt. Nach vielen Schwankungen in den Ansichten √ľber das, was Fieber ist, h√§lt man jetzt das Fieber f√ľr eine Steigerung des Verbrennungsprocesses im K√∂rper, erzeugt durch eine vor√ľbergehende L√§hmung im R√ľckenmarke u. einigen von demselben entspringenden Nerven. Die Fiebererscheinungen lassen bald nach (Remission), bald steigen sie wieder (Exacerbation), endigen zuweilen mit vermehrten Ausscheidungen, den sogenannten kritischen Ausleerungen (Krisis). Die F. bilden die zahlreichste u. wichtigste Abtheilung aller Krankheiten, der Gesundheit u. dem Leben zwar oft verderblich, in manchen F√§llen f√ľr heilsam (Febris depuratoria) geltend u. schwere Folgen abwehrend, bald acut, bald chronisch, bald urspr√ľnglich f√ľr sich bestehend (idiopathisch, essentiell, von Manchen gel√§ugnet), bald Folgen u. Begleiter anderer Krankheitszust√§nde (symptomatich), bald einfach, bald mit andern F-n verwikelt, bald sporadisch, bald epidemisch od. endemisch, bald gut-, bald b√∂sartig, ansteckend od. nicht ansteckend, bald typisch, bald atypisch, bald station√§r, bald nicht station√§r, dem Jahres- od. Jahreszeitenwechsel folgend (Febres annuae) od. nicht, hinsichtlich des Verlaufs anhaltend, fortdauernd u. nur am Morgen schwache Nachl√§sse bildend (Febres continuae continentes), od. deutlichere Nachl√§sse bildend, nachlassend (F. continuae remittentes), od. v√∂lig fieberfreie Zwischenzeiten (Apyrexien) darstellend, Wechselfieber (F. intermittentes).

II. Die haupts√§chlichsten nur selten einzeln fehlenden Fieberzuf√§lle sind: Verstimmung des Gemeingef√ľhls, Abgeschlagenheit mit einem eigenth√ľmlichen Kraukheitsgef√ľhle, die Empfindung von Frost u. darauf folgender Hitze (Fieberfrost u. Fieberhitze), beschleunigter Puls (Fieberpuls) u. Durst (Fieberdurst). Der Verlauf der F. ist vorzugsweise vor andern Krankheiten durch gewisse Zeitr√§ume, Krankheitsstadien (s. Krankheit) ausgezeichnet, das der Vorboten, des Frostes, der Hitze, der Krisis u. der Reconvalescenz. Das F. endet entweder in Genesung, od. geht in andere Krankheiten od. in den Tod √ľber. Die √§lteren Humoral√§rzte nehmen einen eigenen Krankheitsstoff, Fiebermaterie (Materia febrilis, Materia peccans) an, welche durch das F. gleichsam gekocht u. durch die Krisen aus dem K√∂rper ausgesto√üen werde.

III. Die √§u√üeren u. inneren Veranlassungen der F. liegen im Wechsel der Jahreszeiten, sowohl in dem regelm√§√üigen, als auch in dem unregelm√§√üigen, in Ver√§nderungen u. Verderbnissen der √§u√üeren Last, im Wechsel der Temperatur, in √∂rtlichen u. klimatischen Einfl√ľssen, Miasmen, Contagien, St√∂rungen der Verdauung u. in der Ern√§hrung durch √úberma√ü od. schlechte Beschaffenheit der Speisen u. Getr√§nke, in Verderbnissen der Verdauungss√§fte, psychischen St√∂rungen, Anstrengungen u. Ersch√ľtterungen, allgemeinem od. √∂rtlichem √úberflu√ü von S√§ften, bedeutenden Entleerungen von S√§ften, vorz√ľglich des Blutes, Verletzungen u. St√∂rungen der k√∂rperlichen Organisation mancherlei Art, Wunden, Zur√ľckhaltungen der Ab- u. Aussonderungen, in √ľberm√§√üigen Anstrengungen der K√∂rperh√§fte, Erk√§ltungen.

IV. Anlage zu F. geben das kindliche u. jugendliche Alter, hervorstehende Reizbarkeit des But- u. Nervensystems, so wie des Gem√ľths, schw√§chlicher K√∂rperbau u. St√∂rungen des Ern√§hrungsprocesses mancherlei Art.

V. Die Gefahr der F. h√§ngt vorz√ľglich ab von dem Zustande der Kr√§fte, der Constitution der Kranken, der Schwere der das F. bedingenden krankhaften Ver√§nderungen im K√∂rper u. dem herr. schenden Krankheitscharakter etc. Schlimme Zeichen sind insbesondere: kleiner, sehr schwacher Puls, trockene Zunge, anhaltende Delirien, trockene od. mit zu √ľberm√§√üigen od. klebrigen u. kalten Schwei√üen bedeckte Haut, ersch√∂pfender Durchfall u. andere Ausleerungen, Mangel der Krisen, unregelm√§√üiger Verlauf.

VI. Da die Natur in wenigen Krankheiten ihre Heilth√§tigkeit kr√§ftiger entwickelt, als in den F-n, so gilt f√ľr die Behandlung derselben im Allgemeinen, da√ü bei geregeltem di√§tischen Verhalten in den leichtern F√§llen ihre Kraft allein zur Heilung hinreicht. Bei Neigung zu Entz√ľndung ist diese zu heben, bes. durch die Antiphlogistische Heilmethode (sd.), im Falle gro√üer Hinf√§lligkeit durch st√§rkende, bes. nervenst√§rkende Mittel, wobei jedoch wohl zu beachten ist, in wie fern der Zustand wahrer, od. nur scheinbarer, auf blo√üer Unterdr√ľckung der Th√§tigkeit einzelner Organe od. Systeme beruhender Schw√§che obwaltet. Im Beginn der F. gelingt es bisweilen durch eine kr√§ftige Ableitung, ein Brechmittel, od. Bewirkung eines t√ľchtigen Schwei√ües die Krankheit in der Wurzel abzuschneiden. Im Zeitraume der Krisen sind bes. diese einzuleiten u. zu verfolgen. Bei symptomatischen F-n ist auf die √∂rtliche Affection vorz√ľglich R√ľcksicht zu nehmen. Allgemeine Mittel gegen das F. (Fiebermittel) gibt es nicht. Die di√∂rpers u. der Seele u. Abwehr aller dieser aufregenden Einfl√ľsse, Entfernung eines grellen Lichteinflusses, eine 15¬į R. nicht √ľbersteigende, nach Umst√§nden eher k√ľhlere Temperatur des Zimmers u. ein nicht zu warmes u. ungewohntes Lager zu forgen.[265] In den meisten F-n bedarf der Kranke keiner od. nur einer leichten Nahrung aus leichter Semel-, Wasser-, Schleim- u. Obstsuppe, od. Wasserkaltschale. zum Getr√§nk, dessen Gebrauch man dem Kranken. nur nicht im √úberma√üe, gestatten kann, dienen am besten frisches Wasser, Zucker-, Brod-, Essig-, Himbeeressig-, Citronen-, Himbeersaft-, Maulbeersaft-, Sauerhonigwasser, Weinsteins√§ure od. Cremor tartari in Wasser aufgel√∂st, Abkochungen von Obst, von Hafergr√ľtze, Reis, Althee, Hirschhorn. Warme Getr√§nke, bes. Thee aus Fliederblumen, Chamillen, Lindenbl√ľthen sind nicht als allgemeine, sondern nur f√ľr die Bef√∂rderung der Schwei√ükrise taugliche, in m√§√üiger Weise zu genietzende Getr√§nte zu empfehlen. Kr√§ftigere Getr√§nke u. Speisen passen nur f√ľr den Zeitraum der Wiedergenesung, erstere, z.B. Wein, fr√ľher h√∂chstens bei tief gesunkener Nervenkraft.

VII. Bei der Eintheilung der F. ist theils auf deren Charakter, theils auf die bei denselben obwaltenden √∂rtlichen Affectionen ungeordneter Systeme u. einzelner Theile (die Entz√ľndung als solche ausgenommen) R√ľcksicht genommen worden. Sie sind demnach in 2 gro√üe Klassen geschieden worden: einfache u. zusammengesetzte F.

A) Einfache (Grund-) F.: a) Entz√ľndungsfieber (Hitziges F., Gef√§√üfieber, Synocha. Febris inflammatoria), einfaches, entz√ľndliches F. ohne hervorstechende Entz√ľndung eines Theils des K√∂rpers, welche dieses F. zwar auch oft begleitet, dabei aber mehr als symptomatisch erscheint, beginnt bald mit einem m√§√üigen, bald mit einem starken Froste von kurzer Dauer, auf welchen schnell anhaltende brennende Hitze folgt, mit lebhafter R√∂the des Gesichts, gro√üem Durst, starkem, hartem, vollem, nicht √ľberm√§√üig beschleunigtem Pulse, rothgelbem, versehenem Blute, Verschlimmerungen am Abend, u. geringen Nachl√§ssen am Morgen. √ľberhaupt regelm√§√üigem Verlaufe. Das Entz√ľndungsfieber entscheidet sich meist schon mit dem 7., selten erst mit dem 14. Tage durch Schwei√ü u. kritischen Harn, bisweilen auch mit durch Nasenbluten, u. t√∂dtet f√ľr sich nicht, sondern nur durch √úbergang in andere F. od. Entz√ľndungen. In seiner mildesten Form verl√§uft es vorz√ľglich bei Kindern als Eintagsfieber (Ephemera), oft schon in einem od. h√∂chstens 4‚Äď5 Tagen. Es erscheint vorz√ľglich bei jungen, wohlgen√§hrten u. vollbl√ľtigen Personen, gesellt sich aber auch oft zu andern F-n, vorz√ľglich im Anfange derselben. Es erfordert antiphlogistische Mittel, Aderla√ü etc. b) Der Synochus (Synochus) od. das Asthnische Gef√§√üfieber, zwischen dem Enz√ľndungs-, Nerven- u. Faulfieber mitten inne stehend, zun√§chst sich an das vorige anschlie√üend, aber schon verminderte Energie des Lebensprocesses u. gr√∂√üere St√∂rung im Zustande der fl√ľssigen Theile des K√∂rpers zeigend, ohne da√ü jedoch das Nervensystem wesentlich, wie beim Nervenfieber, mitleidet, od. eine Ausartung der Mischung der S√§fte, wie beim Faulfieber, statt findet, von mehreren √Ąrzten nur f√ľr ein gradweise von den andern Grundfiebern verschiedenes, durch individuelle od. √∂rtliche Krankheitsanlage modificirtes F. angesehen. c) Das Nervenfieber (Febris nervosa). vorz√ľglich durch Huxham eingef√ľhrte Benennung eines F-s, das in seinen Zuf√§llen ein Unterliegen der Lebensth√§tigkeit √ľberhaupt u. der des Gehirns u. Nervensystems insbesondere andeutet, daher auch in seine Gange auf mannigfaltige Weise von der Einfachheit des Verlaufs eines gew√∂hnlichen F-s abweicht u. wodurch das Leben immer mehr od. weniger bedroht wird. In fr√ľherer Zeit wurde es √ľberhaupt vorz√ľglich aa) als b√∂sartiges F. (F. maligna), bezeichnet, in der neuern als Typh√∂ses F. (Typhus), obschon letzterer Ausdruck auch in engerer Beziehung (s, unt. B) f) aa) gebraucht wird. Die haupts√§chlichsten Kennzeichen des Nervenfiebers sind: schlaffer, bleicher, eingesunkener Ausdruck des Gesichts, mattes, staubiges u. glanzloses Ansehn der Augen mit einer br√§unlichen od. schwarzen Kruste √ľberzogene Nasen√∂ffnungen, Lippen, Zahnfleisch u. Zunge, schlaffe, zusammengesunkene Haltung des K√∂rpers, unruhiges Umherwerfen, h√§ufiger Wechsel zwischen Darniederliegen u. Aufregung der Kr√§fte, geringes od. falsches Gef√ľhl der Schwere der Krankheit, Widerspruch in den einzelnen Zuf√§llen, bald gro√üe Empfindlichkeit, bald Abstumpfung der Sinne, Eingenommenheit, Schwindel, Schwere des Kopfs, Bet√§ubung, Delirien, unruhiger Schlaf od. Bet√§√ľb√ľngschlummer, Erschlaffung u. Kraftlosigkeit in allen Bewegungen, Zittern der Glieder, krampfhafte Erscheinungen von verschiedener Art, Schluchzen, Sehnenh√ľpfen, Flockenlesen, sp√§ter L√§hmungen einzelner Theile, sehr erschwerte Sprache u. Stimme, frequenter, kleiner, weicher, aber sehr ver√§nderlicher u. unordentlicher Puls, trockene, brennend warme, bisweilen auch k√ľhle Haut, klebrige, kalte Schwei√üe, trockene, brauue od. schwarze rissige Zunge, oft auch Meteorismus, Durchfall, Schw√§mmchen, Decubitus, Petechien, Friesel. Die Dauer der Krankheit betr√§gt 2‚Äď3, steigt aber auch oft bis zu 6‚Äď8 Wochen. Genesung erfolgt seltener durch regelm√§√üige Krisen, sondern mehr allm√§hlig ohne bedeutende kritische Bestrebungen. Das Nervenfieber t√∂dtet, als eine der gef√§hrlichsten F-formen, bisweilen unerwartet. Am h√§ufigsten erfolgt der Tod durch Ersch√∂pfung der Kr√§fte, L√§hmung, Entmischung der S√§fte, Schlagflu√ü. Es verl√§uft bald acut, bald chronisch, bald mit vielfach wechselnder Aufregung der Nerventh√§tigkeit (F. nervosa versatilis), od. mit anhaltendem auffallendem Darniederliegen der Kr√§fte (F. nervosa stupida), od. offenbart im schlimmsten Grade einen l√§hmungsartigen Zustand (F. nervosa paralytica). bb) Das chronische, langwierige, schleichende Nervenfieber (F. nervosa lenta) erscheint immer nur sporadisch bald in Folge des acuten Nervenfiebers, bald anderer das Nervensystem zerr√ľttender Leiden. Die Cur des Nervenfiebers bietet gro√üe Schwierigkeiten dar, da die Natur theils selbst weniger daf√ľr thut, als bei vielen andern F-n, theils auch dein Arzte weniger Anleitung dazu gibt. Da dasselbe sehr oft mit einem entz√ľndlichen, gastrischen, schleimigen, galligen, katarrhalischen, auch rheumatischen Zustande als erstem Hauptstadium beginnt, so ist diesem gem√§√ü im Anfange zu verfahren. Schw√§chende Eingriffe gestatten das Nervenfieber entweder nicht, od. nur im Anfange u. in vorsichtigem Ma√üe, namentlich auch bei √∂rtlichen Affectionen, bes. Aderl√§sse, Blutegel, Brechmittel, antiphlogistische Mittel. Hauptanzeige bleibt aber, die K√§fte zu schonen u. zu heben. Als die wichtigsten Mittel hierzu galten sonst die sogenannten reizenden Nervenmittel, Baldrian, Serpentaria, Angelica, Arnica, das fl√ľchtige Ammonium, berusteinhaltiges fl√ľchtiges [266] Ammonium, √Ątherarten, Wein, Campher, Moschus. Das schleichende Nervenfieber erheischt aber Ber√ľcksichtigung der es veranlassenden Zust√§nde, vorzuglich eine st√§rkend n√§hrende, leicht verdauliche Di√§t, Wein, China, Eisen etc. b) Das Faulfieber (Fehris pu trida), selten prim√§r, meist secund√§r, in Folge anderer F. u. Krankheitszust√§nde entstehende Fieberform, die sich durch eine der F√§ulni√ü analoge Zersetzung u. Entartung des Blutes u. der dadurch bedingten Affection des Nervensystems andeutet. Eigenth√ľmlich sind ihm gro√üe Schw√§che u. Entkr√§ftung, Ver√§nderlichkeit u. Widerspruch der Symptome, entstelltes Aussehen des Kranken, heftige, bei√üende Hitze, die sich unter der aufgelegten Hand vermehrt u. ein h√∂chst widerliches Gef√ľhl hinterl√§√üt, kleiner, weicher, ver√§nderlicher Puls, gro√üe Schw√§che, Petechien, Meteorismus, √ľbelriechende colliquative Ausleerungen, namentlich Blutungen, Durchf√§lle, Neigung zu Brand, Schw√§mmchen etc. Ursachen sind: lebensschw√§chende u. zugleich die Blutbereitung st√∂rende Einfl√ľsse aller Art, hei√üe, feuchte, durch faulige Substanzen verunreinigte Luft, Genu√ü von fauler, verdorbener Nahrung, Ansteckungsstoffe (ansteckendes F.), zur√ľckgehaltene Ausleerungsstoffe, brandige Geschw√ľre u.a.m. Immer ist es eine das Leben h√∂chst bedrohende Krankheit. Die Behandlung ist theils vorbeugend, theils therapeutisch, indem man die Ursachen u. Alles, was das Fieber unterhalten u. vermehren kann, hebt, den eigentlichen nerv√∂sfauligen Charakter u. seine Complicationen ber√ľcksichtigt, die dringendsten u. gef√§hrlichsten Symptome beseitigt. Hauptmittel sind die antiseptischen, als Minerals√§uren, kohlensaures Gas, st√§rkend zusammenziehende Substanzen, bes. Chinarinde, fl√ľchtig reizende Mittel u.a. Die s√§mmtlichen hier aufgef√ľhrten Grund- u. Cardinalsieber treten nun entweder rein u. isolirt auf, od. sie verbinden sich mannigfaltig unter sich od. mit den folgenden F-n u. selbst mit √∂rtlichen u. andern Leiden. z.B. Entz√ľndungen.

B) Zusammengesetzte F.: a) Das gastrische F. (Febris gastrica), ein mit krankhaften Absonderungen der Verdauungss√§fte, Ansammlung derselben, so wie schlecht od. nicht verdauter Speisen u. Getr√§nke etc. im Magen u. Darmkanale u. mit Leiden dieser Theile √ľberhaupt verbundenes, anhaltend nachlassendes F. mit folgenden Arten: aa) Saburalfieber (F. saburralis), vorzugsweise von, im Magen u. Darmkanale angesammelten Unreinigkeiten herr√ľhrend, od. damit verbunden, √§u√üert sich durch Mangel an E√ülust, Widerwillen gegen Speisen, vorz√ľglich Fleischspeisen, √ľblen, faden, bittern, sauren od. fauligen Geschmack, √§hnliches Aufsto√üen, schleimige od. kleisterige Beschaffenheit des Mundes, wei√ügelblich od. br√§unlich belegte Zunge, starken Durst, Verlangen nach k√ľhlen u. sauren Getr√§nken, Ekel, Neigung zum Erbrechen, wirkliches Erbrechen, Kollern im Leibe, Abgang stinkender Bl√§hungen, Verstopfung od. Durchfall, dr√ľckenden u. spannenden Schmerz in der Magengegend u. im ganzen Unterleibe, mit Austreibung desselben, schmutzig bleiche Gesichtsfarbe, mit dazwischen erscheinender dunkler R√∂the, Kopfschmerz, mit √ľberlaufender Hitze abwechselndes Fr√∂steln, weichen, frequenten, unordentlichen, bisweilen auch langsamen Puls, tr√ľben, lehmigen Urin. Dieses F. entscheidet sich vorz√ľglich durch Erbrechen u. Durchfall, u. die Hauptmittel dagegen sind deshalb auch Brechmittel u. die mildern, so wie die salzigen, k√ľhlenden u. aufl√∂senden Abf√ľhrungsmittel. bb) Das Gallenfieber (F. biliosa), entsteht aus √ľberm√§√üig vermehrter Absonderung einer meist krankhaft ver√§nderten Galle, nimmt leicht einen entz√ľndlichen Charakter an u. gibt sich zu erkennen durch eine dunkle, einen schmutzig gr√ľnlichen od. gelblichen Grund zeigende R√∂the des Gesichts, mehr vollen Puls, stark brennende Hitze, Angst u. Unruhe, Kopfschmerzen, bisweilen Delirien, schmerzhaft spannenden od. brennenden Druck u. Vollheit in der Magengegend u. auch im ganzen Unterleibe u. Auftreibung desselben, bittern Geschmack u. gleiches Aufsto√üen, Erbrechen von galligen Fl√ľssigkeiten, Verstopfung, seltner gallige Durchf√§lle, gro√üen Durst nach sauren u. k√ľhlen Getr√§nken, gelblich od. gelblichbraun, auch schw√§rzlich belegte, bisweilen auch reine Zunge, dunkelbraunen, sehr tr√ľben od. gelblich gef√§rbten Urin, bisweilen gelbliche Hautfarbe, tritt vorz√ľglich im Sp√§tsommer u. Herbst bei gro√üer Hitze nach Di√§tfehlern u. Erk√§ltungen auf u. entscheidet sich vorz√ľglich durch Erbrechen u. Durchfall. Brech- u. Abf√ľhrungsmittel √§hnlicher Art wie beim Saburralfieber sind die Hauptst√ľtzen der Cur. cc) Das Schleimfieber (F. pituitosa), erscheint meist als Synochus (s. oben A) b) vorz√ľglich im Fr√ľhjahre u. √§u√üert sich durch eine bleich schmutzige Gesichtsfarbe, beschleunigten, schwachen u. unregelm√§√üigen Puls, abwechselnd brennende od. auch m√§√üig warme u. zugleich auch feuchte Haut, mit z√§hem Schleim belegte Zunge, Mangel an Appetit, h√§ufiges Aufsto√üen, faden, kleisterigen Geschmack, Spannung in der Magengegend u. im ganzen Unterleibe, √úbelkeit, Erbrechen von Schleim, Verstopfung od. Neigung zu Durchf√§llen, katarrhalische Affection der Brust, Neigung zu Schw√§mmchen; dauert gegen 3 Wochen u. dar√ľber. Schleimige Ausleerungen durch Erbrechen u. Stuhl, reichliche Schwei√üe, oft auch Friesel entscheiden die Krankheit gew√∂hnlich u. geben die Richtung f√ľr die Behandlung an. Leicht geht es in Nervenfieber √ľber u. bildet daher oft dessen erste H√§lfte. b) Atrabil√§res F. (F. atrabilaria), ist eine acute Mel√§na u. mit Ausschwitzung schwarzgalliger Stoffe im Verdauungskanale verbunden. c) Gekr√∂sfieber (F. mesenterica), ein mit Localleiden der Gekr√∂sdr√ľsen verbundenes, vorz√ľglich bei Kindern vorkommendes F. d) Wurmfieber (F. verminosa), s.u. Wurmkrankheit. e) Schw√§mmchenfieber (F. aphthosa), s. Schw√§mmchen. f) Abdominalnervenfieber (F. nervosa, Typhus abdominalis): aa) Schleimfieber (Gastrisches F., Gallenfieber, Sporadischer Typhus, Sporadisches Nervenfieber), eine eigenth√ľmliche, vorz√ľglich in der neuern Zeit n√§her u. ausgebreiteter beobachtete Form des Nervenfiebers, wo dasselbe in Verbindung mit einem Leiden der Schleimhaut des Magens u. Darmkanals vorkommt, beginnt meistens mit den Symptomen eines gastrischen, insbesondere eines schleimigen F-s, ist mit Schmerzen im Unterleibe in den untern Seitentheilen desselben, entz√ľndlicher Reizung od. wirklicher Entz√ľndung der Schleimhaut des Unterleibes, bes. auch mit Entz√ľndung u. Verschw√§rung der Darmschleimhautdr√ľsen, vorz√ľglich im untern Theile des D√ľnndarms (Ileitis pustulosa), mit Durchfall, der oft blutig ist, etc. verbunden; bb) jedes mit Unterleibsleiden[267] anderer Art verbundene Nervenfieber. g) Wechselfieber (Kaltes F., Frieren, F. intermittens), besteht aus einzelnen Fieberanf√§llen (Paroxysmen), mit einer jedesmal mitten inne liegenden fieberfreien Zeit (Apyrexie), ist ausgezeichnet durch, in der Regel st√§rkeren u. l√§nger dauernden Frost, als er bei anderen F-n vorkommt, welchem eine heftige Hitze folgt, die in einen allgemeinen, mehrere Stunden anhaltenden, sauer riechenden Schwei√ü √ľbergeht u. worauf auch ein kritischer, einen ziegelmehlartigen Bodensatz bildender Urin ausgesondert wird, womit der Kranke zu dem Zustande eines ertr√§glichen Wohlbefindens, bei welchem er selbst bisweilen seine Gesch√§fte verrichten kann, zur√ľckkehrt. Das Wechselfieber ist bald eint√§giges F. (F. intermittens queotidiana), wo alle 24 Stunden, bald dreit√§giges F. (F. i. tertiana), wenn nur den 3. Tag, bald viert√§giges F. (F. i. quartana), wenn nur den 4. Tag ein Anfall eintritt. Zu den Abweichungen geh√∂ren die doppelten Wechselfieber, z.B. das doppelte eint√§gige Wechselfieber (F. quotidia na duplex) wo alle Tage 2 Anf√§lle, u. das doppelte dreit√§gige (F. i. tertiana duplex), wo alle Tage ein Fieberanfall erscheint, wobei sich die um den anderen Tag erfolgenden gleichen, od. wo um den anderen Tag jedesmal 2 Anf√§lle auftreten F. i. t. duplicata), u. das doppelte viert√§gige Wechselfieber (F. i. quartana duplex), wo am 1., 2., 4. u. 5. Tage Anf√§lle erfolgen, von denen der 1. u. 4. u. der 2. u. 5. sich gleichen, od. alle 4 Tage 2 Anf√§lle erscheinen (F. i. q. duplicata). Eine von den schlimmsten Formen stellt das halbdreit√§gige Wechselfieber (F. i. semitertiana s. Hemitritaeus) dar, welches durch ein Zusammentreffen eines anhaltenden F-s mit einem dreit√§gigen Wechselfieber zu Stande kommt, obwohl man mit diesem Namen auch ein mit einem eint√§gigen Wechselfieber zusammentreffendes dreit√§giges od. ein doppeltes dreit√§giges bezeichnet hat. Auf eine √§hnliche Weise kann auch ein eint√§giges Wechselfieber mit einem anhaltenden zusammentreffen F. amphemerina), od. ein viert√§giges F. tetartaeophya). Erhalten dabei die anhaltenden F. das √úbergewicht (F. i. subcontinua), so werden diese F. leicht gef√§hrlich. Das Wechselfieber erscheint verm√∂ge seines typischen Verlauss als eine zun√§chst in dem Nervensysteme wurzelnde dynamische Krankheit, die jedoch sehr innig mit Leiden der Verdauungswege zusammenh√§ngt u. bei langwieriger Dauer immer zu einem kachektischen Zustande, selbst zu Krankheiten der Unterleibseingeweide, namentlich Anschwellungen der Milz u. Leber (Fieberkuchen) f√ľhrt. Die Anf√§lle erscheinen bald regelm√§√üig, bald unregelm√§√üig (F. i. erratica), manchmal fr√ľher (Typus anteponens), manchmal sp√§ter (T. postponens), u. dehnen sich mitunter auch so aus, da√ü das Ende des einen mit dem Anfange des anderen zusammentrifft (F. i. subintrans). Sie haben zwar in der Regel einen gastrischen, bisweilen aber auch einen entz√ľndlichen od. nerv√∂sen Charakter, bisweilen treten einzelne Zuf√§lle, wie Kopfschmerz, Schlafsucht, Apoplexie, Ohnmachten, hinzu (F. i. comitata), die sehr gefahrvoll werden k√∂nnen (F. i. perniciosa). Auch gibt es Zuf√§lle od. Krankheiten, die dem Typus der Wechselfieber folgend auch gleiche Heilart wie sie verlangen u. deshalb versteckte Wechselfieber (F. i. larvata) genannt werden. Die Wechselfiebern verdanken ihre Entstehung dem Sumpfmiasma u. sind daher auch an feuchte u. sumpfige Gegenden gebunden. Sie sind bei strenger di√§tetischer Haltung kein so gef√§hrliches, bisweilen auf andere Krankheitszust√§nde sogar wohlth√§tig wirkendes, aber ohne Dazwischentreten der Kunst sehr leicht langwierig werdendes u. sehr zu R√ľckf√§llen u. zu Nachtkrankheiten geneigtes Leiden. Schutz dagegen gew√§hrt haupts√§chlich das Vermeiden des Sumpfmiasma, u. die Entfernung aus dem Bereich desselben tr√§gt nicht nur wesentlich zur Heilung bei, sondern macht sie bisweilen auch allein m√∂glich. Wer dasselbe nicht meiden kann, mu√ü sich vorz√ľglich durch strenge u. kr√§ftige Di√§t, Vermeidung der Erk√§ltung, des Aufenthalts im Freien am Morgen, Abend u. bei Nacht u. den Gebrauch bitterer aromatischer Magenmittel dagegen zu sch√ľtzen suchen. Die eigentliche Cur erheischt sowohl w√§hrend derselben, als auch l√§ngere Zeit nachher ein streng geregeltes di√§tetisches Verhalten. Sie wird gemeiniglich mit Brech- u. Abf√ľhrmitteln begonnen. Das sicherte Fiebermittel Febrifugum bleibt die China, bes. in der Form des schwefelsauren od. salzsauren Chinins. h) Rheumatisches F., s. Rheumatismus. i) Katarrhalfieber, s. Katarrh. k) Exanthematisches F., s.u. Hautausschl√§ge. l) Schlaffieber (F. soporosa senum), dem Greisenalter eigenth√ľmliches, bisweilen aber auch bei Kindern vorkommendes, bald entz√ľndliches, bald katarrhalisches od. auch nerv√∂ses F. mit anhaltender Schlafsucht als dem Hauptkennzeichen, geht leicht in Schlagflu√ü √ľber. m) Kindbettfieber, s.u. Kindbetterin. n) Ruhr, s.d. o) Typhus, s.d. p) Petechialfieber, s. Petechien. q) Pest, s.d. r) Englisches Schwei√üfieber, s.u. Englischer Schwei√ü. s) Gelbes F., s.d. t) Sumpffieber F. paludosa, Marschfieber, Malaria); dies aus dem Sumpfmiasma entstehende, vorz√ľglich junge u. kr√§ftige Personen u. solche, die in der Gegend, wo es herrscht, fremd sind, heimsuchende u. ihnen mehr als Andern Gefahr bringende F. beruht auf einer eigenth√ľmlichen, zum fauligen Zustande hinneigenden Beschaffenheit des Blutes, Anh√§ufung desselben im Unterleibe, ist selten entz√ľndlich, meist asthenisch, im schlimmsten Gradeselbst faulig, neigt sich immer sehr zum Wechselfieber u. tritt entweder als solches auf, od. auch als anhaltendes, od. als aus beiden gemischtes F., s. oben g). u) Zahnfieber, s.u. Zahnen. v) Milchfieber (F. lactea), am 2. bis 4. Tag nach der Entbindung √∂fter eintretendes, leichtes u. schnell vor√ľbergehendes F., meist an den st√§rkeren Eintritt der Milch in die Br√ľste gekn√ľpft. w) Hektisches F. (F. hectica, Zehrfieber, Auszehrendes od. Schleichendes F.), F. mit langsamem Verlauf, in einzelnen Anf√§llen auftretend, mit auffallendem Schwinden der Kr√§fte u. gro√üer Abmagerung, sich bald an eine trockene, nicht wesentlich mit Ausleerungen verbundene Abzehrung kn√ľpfend, bald aus allgemeiner od. √∂rtlicher Schw√§che, Mangel an Nahrungsstoffen, S√§fteverderbnissen, Kachexien, √ľberm√§√üigem Verbrauch der Nervenkraft, od. Unbrauchbarkeit, insbesondere Vereiterung u. Zerst√∂rung einzelner Organe herr√ľhrend. Zeichen desselben sind: nach leichtem Fr√∂steln in der Haut auftretendes, vermehrtes, nach u. nach zu brennender Hitze, Anfangs vorz√ľglich in den lebhaft ger√∂theten Wangen, den[268] Handfl√§chen u. Fu√üsohlen steigendes, vermehrtes W√§rmegef√ľhl nach dem Mittagsessen u. in den Abendstunden, mit beschleunigtem, h√§rtlichem u. ungleichem Pulse, worauf gegen Morgen ein klebriger, nach u. nach profus werdender Schwei√ü folgt, u. der Kranke sich im Ganzen leidlich befindet, auch guten, selbst verst√§rkten Appetit hat. Dazu gesellt sich auffallende Abmagerung; das F. wird mehr u. mehr anhaltend, bis endlich eolliquative Schwei√üe u. Durchf√§lle den Tod herbeif√ľhren, ohne da√ü der Kranke bis zuletzt Gefahr ahndet. Die Behandlung besteht in M√§√üigung des F-s, Beschr√§nkung der √ľberm√§√üigen Ausleerungen, St√§rkung der Verdauung, kr√§ftiger, n√§hrender, aber leicht verdaulicher Nahrung, dem Gebrauch der Milch, des Molkens, der China, des Isl√§ndischen Moses etc. x) Entkr√§ftungssieberalter Leute, bei Alten bald in Folge von entz√ľndlichem Zustande der Schleimhaut des Magens u. Darmcanals, od. von Marasmus der Verdauungsorgane entstehendes F. mit gro√üer Hinf√§lligkeit, Schmerzen im Unterleibe, √úblichkeit, W√ľrgen od. Erbrechen, trockener Haut, rother Zunge, meist nat√ľrlichem Pulse, Verstopfung, endet meist durch t√∂dliche Schlafsucht. y) Wundfieber, s.u. Wunden. z) Eiterungsfieber, s.u. Eiterung. aa) Speichelfieber, Begleiter eines heftigen Speicheflusses. bb) Mercurialfieber, entsteht durch starke, l√§nger fortgesetzte Einwirkung des Quecksilbergebrauchs. Vgl. R. Morton, Pyretologia, Lond. 1629, 2 Bde.; Th. Sydenham, Methodus curandi febres, Amsterd. 1666; Th. Gla√ü, De febribus, Wien 1786; I. C. Reil, Erkenntni√ü u. Cur der F., 3. Aufl. Halle 1826, 3 Bde.; F. G. Boisseau, Pyr√©tologie, 4. Ausg. Par. 1831; A. F. Chomel, Die F. u. Pestkrankheiten, aus dem Franz√∂sischen von Becker, Lpz. 1822; Baumg√§rtner, √úber die Natur u. Behandlung der F., Frankf. 1827, 2 Bde.; Knolz, Systematische Eintheilung der F., Salzb. 1827; Brown, Med. essays on fever, Lond. 1828; I. R. Bischoff, Grunds√§tze zur Erkenntni√ü u. Behandlung der F., 2. Aufl. Wien 1830; Blaudin, Nouvelle pyretographie, Par. 1838; G. Mugna, Della febbre, Padua 1844; Heidenhayn, Das F. an sich u. das typh√∂se F., Berl. 1845; Delpech, De la fi√®vre, Par. 1847; St√§ger, Das F. u. die neuesten Fiebertheorien, Mitau 1857.


Pierer's Lexicon. 1857‚Äď1865.


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