Tanne [1]

Tanne, zur Gattung Pinus gehörig, von Mehren als selbständige Art Abies, od. unter gleichem Namen als Unterart von Pinus aufgeführt. Hierher gehören: a) die Gemeine T. (Weiß-, Silber-, Edel-, Taxustanne, Pinus abies, u. And. Pinus Piecea, Abies pectinata De C.), mit geraden, eine Höhe von 100–180, u. unten eine Stärke von 4–12 Fuß erreichenden, mit glatter, an alten Stämmen etwas aufgerissener, grauweißlicher Rinde bekleidetem, sehr regelmäßig, ziemlich walzenartig gewachsenem Stamm, an der Spitze stark ausgeschnittenen, oben dunkelgrünen u. glänzenden, unten von zwei weißen u. vertieften Strichen durchzogenen, auf kurzen, etwas gewundenen Stielen stehenden, linienförmigen Nadeln, männlichen, im Mai einzeln zwischen den Nadeln hervortretenden, kleinen, rothbraunen, u. weiblichen, etwas längern weißgrünlichen Blüthenkätzchen, letztere schon im Herbste vorher als braune Köpfchen erkennbar. Die gemeine T. kommt in höherer Lage fort als die Kiefer, jedoch nicht auf allzuhohen Bergen; sie liebt frischen, guten, tiefgründigen Boden, vorzüglich das Urgebirge, in magerem Sande gedeiht sie nicht; sie wächst in den ersten 30 Jahren spärlich, dann aber ziemlich schnell, erreicht ein Alter von 250–300 Jahren, ist aber mit 100–120 Jahren am brauchbarsten. Das weiße, feinfaserige u. gleichförmig gefügte, zähe u. elastische, wegen seiner geradlaufenden Fasern leicht zu spaltende Holz (Tannenholz), verdirbt in der freien Luft leicht, hält sich aber im Wasser gut, wird zum Bauen, zu Mastbäumen zu allerhand Böttcher- u. Tischlerarbeit, Resonanzböden (dies bes. gut aus Tyrol), Schachteln etc. u. zur Feuerung häufig benutzt. Tannenholz wiegt der Cubikfuß frisch 59 Pfund, halb trocken 48 Pfd., dürr 30 Pfd., u. verhält sich als Brennholz zum buchenen etwa wie 7: 10. Aus der Rinde schwitzt ein Harz (Tannenharz), woraus Terpentin gemacht wird; auch zieht aus der Rinde heißer Äther eine wachsartige, krystallisirende Substanz, kochender Alkohol eine große Menge einer dem Catechu ähnlichen, beim Erkalten sich gallertartig absetzenden, in kochendem Wasser löslichen, mit Metalloxyden Verbindungen eingehenden Substanz. Bei jungen T-n sammelt sich unter der Rinde in erbsengroßen Erhöhungen (Tannenblattern) ein seines Tannenharz. Wenn man diese Blattern mit einem spitzigen Messer aufsticht, so laufen ein paar Tropfen Harz heraus, welche man von dem Messer m ein Glas fließen läßt. Das Einathmen des Rauches von diesem Harze, wovon man etwas auf ein heißes Eisen schüttet, dient als Heilmittel gegen Brustschwäche. Aus den jungen, um Johanni gebrochenen Zapfen (Tannenzapfen), welche, wenn sie mit Zucker eingemacht werden, an manchen Orten als magenstärkendes Mittel genossen werden, erhält man durch Destillation ein bräunliches od. grünliches, wasserhelles, sehr dünnflüssiges, stark balsamisch terpentinartig riechendes Öl (Tannenzapfenöl), u. einen mit Citronen- u. Pomeranzenschalen, Lavendelblüthen, Cardamomen, Nelken, Muskatennuß u. Muskatenblüthe abgezogenen, seinen Branntwein (Tannenzapfenbranntwein). Die Reise des Samens, aus dem man auch ein wohlriechendes Öl Pressen kann, fällt in den September. Im October fangen die Zapfen an sich zu öffnen, worauf dann der eckige, braune u. breitgeflügelte Samen mit den ihn nicht umschließenden Schuppen von der stehenbleibenden Spindel zugleich abfällt. Um den Samen zu gewinnen, breitet man die gebrochenen Zapfen auf einem trockenen Boden dünn aus u. stößt sie nach einiger Zeit durch einander. Die Schuppen gehen dann mit den Samenkörnern vom Stiel ab u. werden durch Sieben gereinigt. Von 5–6 Scheffeln Zapfen erhält man 1 Scheffel Samen. Die mit dem Samenkorn verwachsenen Flügel muß man durch Reiben u. Klopfen in einem nur zu z gefüllten Sacke zerbrechen. Man kann die Tannenzapfen auch auf der Darre trocknen. Die Tannensamenflügel, nachdem sie in Folge des Processes, welchen die zur Samengewinnung bestimmten Tannenzapfen in der Darre durchgemacht haben, vollständig entharzt, sich von dem Samen lösen u. nach gehöriger, mittelst Schwingung vorgenommener Reinigung von den gröberen u. härteren Bestandtheilen sehr zart, weich u. elastisch anzufühlen sind, lassen sich bei ihrer Zähigkeit gut zur Füllung[233] von Betten verwenden. Sie behalten das den T-n eigenthümliche Aroma, welches angenehm ist, halten das Ungeziefer ab u. lassen nur einen der Körperwärme entsprechenden Wärmegrad aufkommen, so daß die aus solchem Material gefertigten Betten als Gesundheitsbetten zu betrachten sind. Auch die Tannensprossen benutzt man zur Bierbereitung (Sprossenbier), indem man die Sprossen stößt, den Saft auspreßt u. ihn zu Syrupdicke einkocht. Die gemeine T. ist in vielen Gegenden Deutschlands u. der Schweiz, so wie auch Sibiriens, wo sie ungeheuere Waldungen bildet, heimisch u. einer unserer schönsten Waldbäume, Die Fortpflanzung geschieht durch Verjüngung, Saat u. Pflanzung, indeß beide letzteren Fortpflanzungsarten erheischen große Vorsicht. Die Aussaat geschieht im Herbst gleich nach dem Sammeln des Samens, od. im Frühjahr. Ganz im Freien gelingt die Saat schwer, sind daher keine Schutzbäume vorhanden, so muß der ganze Saatplatz mit starkem, sperrigem Reisig bedeckt u. diese Bedeckung im zweiten Jahre erneuert werden, auch das Anfüllen von Erde bis an die Nadeln der jungen Pflanzen wirkt vortheilhaft. In den ersten Jahren wachsen die T-n wenig u. meist nach Einer Seite, später rascher. Frost, Sonnenbrand, langes Gras u. im Alter der Borkenkäfer schaden der T. sehr, b) Balsamtanne (Pinus balsamea, Abies balsamea De C.), in Virginien u. Canada heimischer, daselbst wie bei uns die gemeine T. benutzter, auch in Deutschland, in nicht ganz unfruchtbarem Sandboden sehr gut fortkommender Baum, mit glatter, aschgrauer, in eigenen Beulen od. Blasen ein gelbes, wohlriechendes, Balsam von Gilead od. fälschlich Mekkabalsam (s.d.) genanntes Harz enthaltender Rinde u., bes. im Frühlinge, sehr angenehm duftenden Nadeln, c) Schierlingstanne (Hemlokstanne, Pinus canadensis, Abies canadensis Poir.), schöner, 80–100 Fuß hoher, in l gutem, lockerem, mit Lehm vermischtem Boden gedeihender, häufig in Holzanlagen cultivirter Baum in Amerika, auch nach Europa verpflanzt, mit geradem, schlankem Stamm, glatter, glänzend aschgrauer Rinde, linien-, lanzettförmigen, in vierfacher Reihe kammförmig gestellten Blättern u. freien sich ausbreitenden Ästen, so daß derselbe in Hinsicht des Habitus u. der Gestalt der Blätter gleichsam den Übergang zu den Laubbäumen macht.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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