Th├╝ringen [2]

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Th├╝ringen [2]

Th├╝ringen (Gesch.). Das Land, welches in der Folge T. hie├č, bewohnten Anfangs die Hermunduren, ein suevischer Stamm, mit deren Namen der der Th├╝ringer (Toringer, Thoringer) gleichen Stammes ist; die Th├╝ringer selbst, welche unter K├Ânigen standen, erscheinen im 5. Jahrh. in dem sp├Ątern T. Au├čer diesem T. wurde auch schon von Gregor von Tour ein Th├╝ringerland in Belgien an der Schelde, nicht weit vom Meer, genannt. Die Gegner der Th├╝ringer waren von fr├╝her her die Franken, u. die Th├╝ringer nahmen an Attilas Zuge 451 gegen dieselben Theil. Den Th├╝ringerk├Ânig Basinus, dessen Gemahlin Basina zu dem Frankenk├Ânige Childerich floh u. von demselben Mutter Chlodwigs wurde, nehmen die neuesten Historiker als K├Ânig der belgischen Th├╝ringer an. Im 6. Jahrh. regierten in dem diesseitsrheinischen T. die drei Br├╝der Hermanfried, Baderich (Bathrich) u. Berthar. Eine durch die Verm├Ąhlung Hermanfrieds mit Amalaberg, Tochter des Vandalenk├Ânigs Trasimund u. Nichte des Ostgothenk├Ânigs Theoderich, herbeigef├╝hrte Vereinigung der Th├╝ringer mit den Ostgothen sch├╝tzte T. einige Zeit gegen die Franken. Nach der Sage vertrieb od. t├Âdtete Hermanfried, mit H├╝lfe des Frankenf├╝rsten Theoderich, seine beiden Br├╝der u. wurde einziger K├Ânig von T. Weil er aber dem Theoderich das Versprechen ihm f├╝r seine Unterst├╝tzung einen Theil des gewonnenen Landes abzutreten nicht hielt, so griff Theoderich, mit seinem Bruder Chlothar I. u. den Sachsen verbunden, den Th├╝ringerk├Ânig an u. schlug ihn um 530 bei Runiberg. Hermanfried zog sich in die feste Burg Scheidungen an der Unstrut zur├╝ck; dahin folgten ihm die Franken, eroberten 530 die Veste u. singen den K├Ânig Hermanfried, welcher 531 zu Z├╝lpich verr├Ątherischerweise von der Stadtmauer gest├╝rzt ward. T. wurde nun dem Austrasischen Reiche der Franken zinsbar.

Die Verwirrung im Fr├Ąnkischen Reiche nach dem Tode Theodebalds von Austrasien (555) veranla├čte die inzwischen von den Franken unterworfenen Sachsen die Erlangung ihrer Freiheit zu versuchen, u. an sie schlossen sich auch die Th├╝ringer an; allein Chlothar, welcher Austrasien an sich gerissen hatte, schlug beide, u. T. theilte nun die Schicksale Austrasiens. In dieser Zeit scheinen die Sorben in das Land zwischen Elbe u. Saale (Osterland) eingewandert zu sein, u. wahrscheinlich zogen sich die Th├╝ringer von da nach den Sitzen der von den Franken zu Ende des 6. Jahrh. besiegten u. ausgewanderten Warnen, von der Bode u. untern Saale bis zur Ohre u. von der Elbe bis ├╝ber die Quellen der Aller, welches Land nachher als Nord-Th├╝ringen erscheint u. den Sachsen geh├Ârte, im Gegensatz zu dem eigentlichen S├╝d-Th├╝ringen (s. oben). K├Ânig Dagobert I. von Austrasien gab um 630 den Th├╝ringern einen Herzog in der Person Radulfs. Dieser focht tapfer gegen die Slawen u. verband sich mit Fara, dem Sohn des ermordeten Chrodoald, eines vornehmen Baiern. Als 639 Zwistigkeiten unter den Vorm├╝ndern des jungen K├Ânigs Sigbert von Austrasien ausbrachen,[565] emp├Ârten sich Radulf u. Fara 640; Fara blieb in einer Schlacht, Radulf aber hielt sich, u. die Franken zogen nun aus T. Radulf residirte im heutigen Franken auf einem Schlo├č nahe bei W├╝rzburg, welches auch seine Nachfolger als Residenz beibehielten. Sein Sohn u. Nachfolger Hedant Hetan, Hedene) der ├ältere fiel 651 in einer Schlacht; sein Sohn Gozbert folgte ihm, u. unter ihm kam St. Kilian (s.d.) nach T., von dem sich jener auch taufen lie├č u. den Namen Theobald annahm. Allein das Volk blieb heidnisch, u. selbst Gozberts Gemahlin, Geilane, die Wittwe seines Bruders, war, weil Kilian ihre Ehe als unerlaubt mi├čbilligte, gegen die neue Lehre u. lie├č Kilian u. seine Geh├╝lfen in Abwesenheit ihres Gemahls 688 ermorden. Theobald starb um 690. Sein Sohn, Hedan der J├╝ngere, leistete mit Pipin dem Erzbischof Willibrord Unterst├╝tzung bei Bekehrung der Friesen; in T. selbst predigte St. Bonifacius das Christenthum, baute mit H├╝lfe der Franken bei dem Dorfe Altenberge bei Gotha die erste christliche Kirche in T. u. stiftete das Bisthum Erfurt, welches er unter das Erzbisthum Mainz stellte. Nach Hedans des J├╝ngern Tode wurde das Herzogthum T. aufgel├Âst u. T. durch fr├Ąnkische Grafen verwaltet. Durch Bonifacius u. seine Geh├╝lfen wurden mehre Striche in T. urbar gemacht. Unterdessen fielen die Sachsen fortw├Ąhrend in T. ein, u. der Zug Karl Martels 728 gegen sie brachte nur f├╝r kurze Zeit H├╝lfe. 741 kam T. nach Karl Martels Tode an dessen Sohn Karlmann, dann an Pipin den Kleinen. Karls des Gro├čen Kriege mit den Sachsen betrafen auch T. schwer, u. von den Sachsen u. Sorben gereizt, emp├Ârten sie sich unter Hartrath: doch wurden sie besiegt. Nachdent die Sachsen, bes. seitdent sie Christen geworden waren, die Einf├Ąlle in T. aufgegeben hatten, wendeten sich die Slawen verheerend gegen T., bis 804 Karl der Gro├če sie vertrieb u. wahrscheinlich die Th├╝ringischen Marken gegen sie gr├╝ndete, welche jedoch erst 839 erw├Ąhnt werden. Ludwig der Fromme richtete seine Aufmerksamkeit bes. auf die Dotirung der Kirchen. Nach Beendigung der K├Ąmpfe zwischen den S├Âhnen Ludwigs des Frommen, in denen T. bald dem Einen, bald dem Andern anhing, kam T. endlich an Ludwig den Deutschen. Unter ihm war Thachulf Markgraf in T., welcher sich bes. durch gl├╝ckliche K├Ąmpfe gegen die Sorben u. Tschechen auszeichnete u. von dem K├Ânig Ludwig 849 die herzogliche W├╝rde bekam. 852 hielt K├Ânig Ludwig zu Erfurt einen Landtag, wo er bes. die Gerichtspflege verbesserte. Radulf (Ratolf), Tachulfs Nachfolger, schlug mit dem Erzbischof von Mainz 874 die Sorben ├╝ber der Saale; 876 kam in der Theilung zwischen den S├Âhnen Ludwigs des Deutschen auf dessen zweiten Sohn Ludwig den J├╝ngern T. nebst Sachsen u. Friesland. Herzog Poppo, Radulfs Nachfolger, erlitt an der Chemnitz 892 eine Niederlage von den Sorben u. verlor in Folge davon die Herzogsw├╝rde, welche nun Konrad (s.d. 47), einem vornehmen fr├Ąnkischen Grafen, ├╝bergeben wurde, welchem aber bald Burkhard folgte; da aber auch dieser 908 bei einem Einfalle der Daleminzen u. Magyaren blieb, so wurde Otto der Erlauchte, Herzog von Sachsen, von Ludwig dem Kinde auch zum Herzog von T. ernannt.

Otto besa├č viele G├╝ter in T. u. verwaltete das Land gut. Sein Sohn, Heinrich (nachmals als Heinrich I. deutscher K├Ânig) folgte ihm in T. u. Sachsen; zwar wollte K├Ânig Konrad I. ihm nach dem Tode Ottos nicht beide Herzogth├╝mer ├╝berlassen u. forderte T. zur├╝ck, um es seinem Schwiegersohn, dem Grafen Bardo, zu ├╝bergeben, allein Heinrich behauptete sich. Er unterwarf von hier aus die Milziener u. Daleminzen u. besiegte 933 die Magyaren in den Schlachten bei Jechaburg unweit Sondershausen u. bei Merseburg (Keuschberg). Er st. 936 u. sein Sohn, Otto dev Gro├če, besa├č auch als deutscher K├Ânig die Herzogth├╝mer T. u. Sachsen; inde├č scheinen ihm die Th├╝ringer nicht recht g├╝nstig gewesen zu sein, denn schon 951 unterst├╝tzten sie seinen Sohn, Ludolf von Schwaben, wiewohl ohne Erfolg. Otto legte die Bisth├╝mer Zeitz (Naumburg) u. Merseburg in T. an. Als er 960 nach Italien zog, ├╝bergab er seinem Sohne Wilhelm, Erzbischof von Mainz, die Regierung von T., welcher Erfurt befestigte. Als Markgraf erscheint damals G├╝nther, u. nachdem er 982 in Italien geblieben war, sein Sohn Eckard. Als sein Oheim Rigdag, Markgraf von Mei├čen, gestorben war, wurde Eckard auch Markgraf von Mei├čen (s.d. S. 92) u. machte nach Ottos II. Tod 1002 Anspr├╝che auf die Herzogsw├╝rde von T., wurde aber 1002 zu P├Âlde bei Nordheim ermordet (s. ebd.). Wilhelm I., Graf von Weimar, war nun der m├Ąchtigste F├╝rst in T., u. auf seine Verwendung erlie├č Kaiser Heinrich II. den Th├╝ringern, als er 1004 ihr Land besuchte, den j├Ąhrlichen Tribut von 500 Schweinen f├╝r die k├Ânigliche K├╝che. Markgrafen von T. kommen in dieser Zeit nicht mehr vor. Mit Kaiser Heinrich II. starb 1024 das S├Ąchsische Regentenhaus, welches bisher gewisserma├čen die Hoheit ├╝ber T. ausge├╝bt hatte, aus. Konrad II. aus dem Salischen Hause schlug T. zu Franken; doch stand das Land von nun an nicht mehr in unmittelbarer Abh├Ąngigkeit von dem Fr├Ąnkischen Reiche. Die m├Ąchtigsten Herren im Lande waren neben den Grafen von Weimar die von Orlam├╝nde (s.d.). Graf Wilhelm III. von Weimar erhielt vom Kaiser die W├╝rde eines Markgrafen; doch die Herrschaft ├╝ber die ├╝brigen Grafen hatte er nicht. In dieser Zeit kam (1036) ein fr├Ąnkischer Edelmann, Ludwig mit dem Barte, aus dem Geschlechte der Salier, nach T., welcher mehre Grundst├╝cke am Th├╝ringer Wald, unter andern Altenberge u. die Gegend von Reinhardsbrunn, kaufte u. anbaute. Seine Macht begr├╝ndete er durch die Verm├Ąhlung mit der beg├╝terten C├Ącilie von Sangerhausen. Er st. zu Mainz 1056, auf der R├╝ckkehr von einer Reise zu Beerdigung Kaisers Heinrich III. Ludwig II. der Springer (Saliens), sein ├Ąlterer Sohn, erbte die v├Ąterlichen G├╝ter, der j├╝ngere, Beringer, das von der Mutter eingebrachte Sangerhausen. 1069 entspann sich der Th├╝ringische Zehntstreit mit dem Mainzer Erzbischof Sigfrid. N├Ąmlich Graf Otto von Orlam├╝nde (1062ÔÇô67) hatte dem Erzbischof den Zehnten von allen seinen Besitzungen in T. zugesprochen u. demselben verhei├čen auch die andern Th├╝ringer zu Entrichtung des Zehnten zu n├Âthigen. Als aber die Th├╝ringer sich dessen weigerten, stellte Sigfrid sie dem Papste u. dem Kaiser Heinrich IV. als Emp├Ârer dar. Den Letztern gewann Sigfrid dadurch f├╝r sich, da├č er demselben zur Scheidung von seiner Gemahlin Bertha beh├╝lflich zu sein versprach. Als dies die Th├╝ringer erfuhren, griffen sie mit dem Markgrafen Dedo von der Lausitz zu den Waffen, wurden aber von den Truppen des Erzbischofs u. Kaisers, welche die Burgen Beuchlingen u. Scheidungen[566] eroberten, besiegt u. erhielten von dem Kaiser den Befehl den Zehnten zu entrichten. Inde├č der Kaiser gab seinem Worte keinen Nachdruck, da der Erzbischof ihm nicht von seiner Gemahlin helfen konnte. Erst 1073 brach der Krieg wieder aus, als die Th├╝ringer sich mit den Sachsen gegen Heinrich IV. verbunden hatten. Zun├Ąchst sollte auf der Th├╝ringer Synode zu Erfurt, 10. M├Ąrz, die Rechtm├Ą├čigkeit der Zehntforderung von Seiten des Erzbischofs bewiesen u. die Th├╝ringer zur Pflicht der Entrichtung desselben gen├Âthigt, diese Pflicht auch auf die ├äbte von Fulda u. Hersfeld ausgedehnt werden. Inde├č wenn auch den Th├╝ringern der Beweis gef├╝hrt wurde, so bedr├╝ckte u. pl├╝nderte der Kaiserdoch das Land so aus, da├č sie bei dem besten Willen nichts h├Ątten entrichten k├Ânnen. Nach dem Siege Heinrichs IV. ├╝ber die Th├╝ringer u. Sachsen am 9. Juni 1075 bei Hohenburg an der Unstrut unweit Langensalza, sprach der Erzbischof auch noch den Bann ├╝ber die Th├╝ringer F├╝rsten aus, u. als die F├╝hrer der Sachsen u. Th├╝ringer auf der Ebene von Spier an der Helbe, s├╝dlich von Sondershausen, vor dem K├Ânige erschienen, um sich demselben zu unterwerfen, wurden sie, trotz des erhaltenen Versprechens, da├č sie weder an Gut noch an Freiheit besch├Ądigt werden sollten, gefangen u. abgef├╝hrt. Nachdem Heinrich IV. u. mit ihm Sigfrid in den p├Ąpstlichen Bann gerathen war, wurden die gefangenen Grafen u. Herren wieder frei u. betheiligten sich an der Wahl des Gegenk├Ânigs; sie wurden bei Melchrichstadt, 7. Aug. 1078, geschlagen, siegten aber mit am 27. Jan. 1080 bei Fladenheim u. im October d. J. bei Grona unweit Merseburg. Darauf abdicirte Sigfrid 1082, u. der Zehntstreit ruhte nun fast ein halbes Jahrhundert, bis Erzbischof Adelbert I. 1123 einen neuen Versuch der Erhebung machte (s. unten). An jenem Kriege hatte aber Ludwig II. der Springer nur zu Anfang Theil genommen; 1070 hatte er die Wartburg gebaut u. das in der Th├╝ringer Fehde zerst├Ârte Eisenach wieder hergestellt; an der Unstrut hatte er das Schlo├č Neuenburg u. die Stadt Freiburg gegr├╝ndet. Hier lernte er die nahe wohnende Adelheid von Goseck, Tochter Udos von Stade, Gemahlin des Pfalzgrafen Friedrich von Sachsen, kennen, u. um sie zu heirathen, lie├č er 1087 den Pfalzgrafen ermorden, weshalb er auf dem Giebichenstein eingesperrt worden sein u. sich von da durch einen k├╝hnen Sprung in die Saale gerettet haben soll (s. Ludwig 121). Zur S├╝hne seiner That stiftete Ludwig 1089 das Kloster Reinhardsbrunn. Ludwig hatte in dieser ganzen Zeit es mit dem Kaiser gehalten, eine Fehde jedoch, welche er 1090 mit seinem Stiefsohn, dem Pfalzgrafen Friedrich II. von Sachsen, ├╝ber dessen Erbe begann, entzweite ihn mit dem Kaiser; ein Vergleich 1098 vers├Âhnte die Streitenden. 1112 schlo├č er sich gegen den Kaiser an die mi├čvergn├╝gten Sachsen an, rettete sich zwar, 1113 von Hoyer von Marsfeld in Warnst├Ądt ├╝berfallen, durch die Flucht, ergab sich aber doch 1114 dem Kaiser zu Dortmund u. wurde in Haft gehalten, bis er die Wartburg ├╝berlieferte. Als er 1114 bei des Kaisers Hochzeit zu Mainz erschien, lie├č ihn derselbe wieder gefangen nehmen. Seine S├Âhne k├Ąmpften, bis sie 1116 Heinrich von Mei├čen, einen Feldherrn des Kaisers, singen u. durch dessen Freigebung ihren Vater ausl├Âsten. Ludwig II. starb 1123 als M├Ânch in Reinhardsbrunn, in welchem Jahre auch der Erzbischof Adelbert I. von Mainz wieder einen Versuch machte den Zehnten in T. zu erheben. Da aber rotteten sich unter Heinrich Raspe an 20,000 Th├╝ringer dei Trettenburg zusammen u. zogen gen Erfurt, wo der Erzbischof damals war; hier n├Âthigten ihm diese den Verzicht auf die Zehntabgabe ab, u. seitdem hat Mainz seine Anspr├╝che auf den Zehnten in T. aufgegeben. Ludwig hinterlie├č drei S├Âhne; der zweite, Heinrich Raspe II., welcher mit dem ├Ąlteren, Ludwig, getheilt hatte, wurde 1130 ermordet, Otto (Udo) widmete sich dem geistlichen Stand u. wurde Bischof in Zeitz; Ludwig III., der ├Ąlteste Sohn, allein blieb ├╝brig, welcher nicht nur die v├Ąterlichen G├╝ter in T. erhielt, sondern auch durch die Verm├Ąhlung mit der Gr├Ąfin Hedwig von Gudensberg zum Besitz ansehnlicher L├Ąndereien in Hessen kam u. vom K├Ânig Lothar zum Landgrafen von T. ernannt wurde.

Ludwig III. (als Landgraf Ludwig I.) stand bei dem deutschen Regentenwechsel 1137 auf Seiten Konrads III u. T. war in Gefahr der Schauplatz eines verheerenden Krieges zu werden, doch wurde bald ein Waffenstillstand geschlossen. Ludwig unternahm dann 1139 einen Zug gegen Polen u. starb 1140. Sein ├Ąltester Sohn, Ludwig IV. (II.) der Eiserne, war bei der Belehnung mit der Landgrafenw├╝rde noch minderj├Ąhrig u. am Hofe des Kaisers Konrad III., w├Ąhrend seine Mutter Hedwig die Vormundschaft f├╝hrte. Dies benutzten die ├╝brigen th├╝ringischen Grafen zur Wiedererlangung mancher Gerechtsame, welche ihnen durch die Erhebung seines Vaters zum Landgrafen geschm├Ąlert worden waren, u. zur H├Ąrte gegen die Unterthanen, doch sch├╝tzte Ludwig die Letzteren, als er 1144 die Regierung selbst ├╝bernommen hatte, durch energische Ma├čregeln (s.u. Ludwig 153). Mit seinem Schwager, dem Kaiser Friedrich Barbarossa, zog er 1157 gegen Polen, stand demselben 1158 u. 1161 gegen die Mail├Ąnder bei, kriegte gegen die Erzbisch├Âfe von K├Âln u. Mainz u. zerst├Ârte auf kaiserlichen Befehl 1163 die von Letzterem errichteten Mauern Erfurts. Den italienischen Zug des Kaisers 1166 machte er nicht mit, sondern befehdete bis 1168 Heinrich den L├Âwen. Er starb 1172 auf dem Schlosse Freiburg. Ludwig erwarb Gotha, stiftete die Kl├Âster Georgenthal, Ichtershausen, Ro├čleben u. m. a. Von seinen S├Âhnen folgte ihm in T. Ludwig V. (III.) der Milde, w├Ąhrend Heinrich Raspe durch Heirath Hessen erwarb. Ludwig bekriegte 1173 zu Gunsten seines Oheims, des Kaisers Friedrich I., die S├Âhne des Markgrafen Albrecht des B├Ąren von Brandenburg, welche daf├╝r T. arg verw├╝steten, unterwarf 1177 die sich emp├Ârenden Erfurter u. die Grafen Erwin u. Heinrich von Gleichen u. nahm an der Bek├Ąmpfung Heinrichs des L├Âwen den th├Ątigsten Antheil, wurde aber von demselben 1180 gefangen, nach L├╝neburg u. nach Holstein auf die Burg Sigeberg gebracht u. erst losgegeben, als Heinrich seiner als Friedensvermittlers mit dem Kaiser bedurfte. Die nach dem Tode des Pfalzgrafen Friedrich von Sommerseburg erhaltene Pfalzgrafschaft Sachsen trat Ludwig 1181 an seinen Bruder Hermann ab, begleitete 1184 den Kaiser nach Italien, machte 1189 den Kreuzzug mit, wo er sich bei der Belagerung von Ptolemais auszeichnete, u. starb auf der Heimkehr 1190 (1189) auf Cypern. Da er keine Kinder hatte, so folgte ihm sein Bruder Hermann I. Dieser f├╝hrte von 1192ÔÇô95 mit dem Erzbischof Konrad von Mainz eine, schon unter Ludwig III. begonnene Fehde u. bek├Ąmpfte zum Beistand Dietrichs des Bedr├Ąngten,[567] welcher zu ihm floh, den Markgrafen Albrecht den Stolzen von Mei├čen. Nach dem Tode des Kaisers Heinrich VI. hielt es Hermann erst mit Otto IV., dann mit Philipp von Schwaben; als er sich wieder auf Ottos Seite gewendet hatte, mu├čte er sich, da die B├Âhmen T. verw├╝steten, 1204 zu Ichtershausen unterwerfen. Nach Philipps Tode 1208 trat er auf Ottos Seite zur├╝ck, lie├č sich aber 1211 von dem Papst bewegen sich f├╝r Friedrich II. zu erkl├Ąren, weshalb er von Otto IV. 1212 bekriegt wurde, bis Friedrich II. nach Deutschland kam. Er starb 1216 in Gotha; unter ihm soll 1207 der S├Ąngerkrieg (s.d.) auf der Wartburg stattgefunden haben. Sein Sohn Ludwig VI. (IV.) der Heilige hatte bei des Vaters Tod kaum das 15. Jahr zur├╝ckgelegt; er bestellte seine Br├╝der, nach erlangter M├╝ndigkeit, zu Statthaltern der einzelnen Theile des Landes. Der Erzbischof Sigfrid von Mainz erkl├Ąrte ihn 1219, als den Sohneines in der Excommunication Gestorbenen, in den Bann; allein Ludwig zwang den Erzbischof zur Aufhebung des Bannes. Als sein Schwager, Markgraf Dietrich der Bedr├Ąngte von Mei├čen, 1221 gestorben war, wurde ihm die Vormundschaft ├╝ber dessen Sohn, Heinrich den Erlauchten, ├╝bertragen. Aber seine Schwester Jutta wollte regieren; sie verband sich daher insgeheim mit dem Grafen Poppo XIII. von Henneberg u. hetzte die mei├čnischen Herren gegen Ludwig auf. Daraus entstand 1223 ein Krieg, in welchem Ludwig bis Rochlitz vordrang. 1225 machte er einen Zug gegen Polen, in welchem er Lebus eroberte, u. starb 1227 auf einem Kreuzzug nach Pal├Ąstina in Otranto; seine Gemahlin war die Sta. Elisabeth. Sein Bruder Heinrich Raspe war von ihm als Statthalter u. Vormund seines Sohnes Hermann bestellt; der andere Bruder, Konrad, verwaltete Hessen. Als Hermann II. 1239 m├╝ndig geworden war, ├╝bernahm er selbst die Regierung. Durch die Verm├Ąhlung mit Helena von Braunschweig erhielt er 1238 das Land an der Leine. Er starb 1242 zu Kreuzburg, u. ihn beerbte sein Oheim Heinrich Raspe in T. u. Hessen. Dieser wurde vom Papst Innocenz IV. durch das Versprechen von 25,000 Mark Silber gewonnen sich gegen den Kaiser Friedrich II. zu emp├Âren u. 1246 zum Gegenk├Ânig gew├Ąhlt. Da dies meist von geistlichen F├╝rsten geschah, so wird er von den Gegnern der Pfaffenk├Ânig genannt. Heinrich schlug 1246 Friedrichs II. Sohn, den K├Ânig Konrad, belagerte jedoch vergebens im Winter Reutlingen u. Ulm. Bald darauf starb er auf der Wartburg 1247, u. mit ihm erlosch der Ludwigsche Mannsstamm. T. nahm jetzt den Strich ein, welcher gegen Norden von dem Harze, gegen Osten von der Saale, gegen S├╝den von dem Th├╝ringer Walde u. gegen Westen von der Werra eingeschlossen ist. Au├čerdem geh├Ârte Hessen dazu. Der Landgraf besa├č eigne G├╝ter, seine landesherrliche Gewalt bestand darin, da├č er ├╝ber die Grafen, Herren, Edelleute, Kl├Âster u. St├Ądte das Oberrichteramt hatte u. da├č sie verbunden waren seinem Aufgebote zu folgen. Das Landgericht, welches der Landgraf selbst verwaltete, war zu Mittelhausen; au├čer demselben waren noch vier Dingst├╝hle zu Gotha, Thomasbr├╝cken, Wei├čensee u. Buttelst├Ądt; jeder derselben hatte seinen Voigt: daneben hatten auch die St├Ądte u. Kl├Âster Gerichtsbarkeit. In dieser Periode wurde auch der Bauernstand in T. von der Leibeigenschaft befreit, ohne dadurch jedoch die Frohnen zu verlieren. Nachdem mit Heinrich Raspe das Haus der ├Ąlteren Landgrafen von T. im Mannesstamme erloschen war, kam T. in den Besitz Heinrichs des Erlauchten, u. somit an das Haus Wettin. Dieser war der Sohn des Markgrafen Dietrich von Mei├čen u. der Jutta, der ├Ąlteren Tochter des Landgrafen Hermann I., u. bereits 30. Juni 1242 bei Hermanns II. Tode vom Kaiser eventuell mit T. beliehen. Neben ihm traten aber auch andere Pr├Ątendenten auf: Sophie, die Tochter des Landgrafen Ludwig des Heiligen u. Gemahlin des Herzogs Heinrich II. von Brabant, verlangte f├╝r ihren Sohn, Heinrich das Kind, Hessen u. andere G├╝ter, welche die Landgrafen von T. besessen hatten u. welche mit dem Reiche in keiner Lehnsverbindung standen; dann Graf Siegfried von Anhalt, Sohn Heinrichs I. von Anhalt u. der Irmengard, der j├╝ngeren Tochter des Landgrafen Hermann I., welcher die Lehnsertheilung an Heinrich den Erlauchten streitig machte, weil sich der Kaiser Friedrich II. damals im Bann befunden habe; endlich der Herzog Otto I. von Braunschweig, weil seine Tochter aus erster Ehe, Helene, mit dem Landgrafen Hermann II. verm├Ąhlt gewesen war. So entstand der Th├╝ringische Erbfolgekrieg. Durch den Sieg bei M├╝hlhausen am 11. Febr. 1248 behielt Heinrich der Erlauchte die Oberhand ├╝ber den Herzog Heinrich von Brabant, u. nachdem der Herzog von Braunschweig nach einem schwachen Versuche abgezogen war, kam am 1. Juli 1249 zwischen Heinrich dem Erlauchten u. den th├╝ringischen Grafen u. Herren ein Vergleich zu Wei├čenfels zu Stande, in welchem Heinrich der Erlauchte als Landgraf anerkannt wurde. Ihm wurden alle G├╝ter der alten Landgrafen (au├čer Putelendorf) ├╝bertragen u. er gew├Ąhrleistete dagegen den th├╝ringischen Herren die ihrigen. In Hessen hatte sich unterdessen Sophie festgesetzt u. Herren u. St├Ądte hatten ihr gehuldigt; auch in T. wollte sie nochmals ihr Gl├╝ck versuchen; allein Heinrich r├╝ckte ihr entgegen u. n├Âthigte sie zum Vergleich; sie r├Ąumte ihm T. u. Hessen auf zehn Jahre, u. dann sollte ein richterlicher Ausspruch ├╝ber die Rechte des Markgrafen u. ihres Sohnes, Heinrichs des Kindes, entscheiden. Doch als sich Heinrich der Erlauchte 1252 vom Kaiser Wilhelm von Holland belehnen lie├č, kam Sophie 1253 nach Hessen u. T. u. forderte Entscheidung von den Kurf├╝rsten. Heinrich wies dies zur├╝ck, u. nun schlug 1254 Sophie vor, da├č sie Heinrichs Recht auf T. anerkennen wolle, wenn er selbst u. 20 th├╝ringische Ritter eidlich erh├Ąrten k├Ânnten, da├č er ein n├Ąheres Recht auf T. habe, als ihr Sohn; dieser solle sich dann mit Hessen begn├╝gen. Obgleich diese Eidesleistung in der Katharinenkirche zu Eisenach erfolgte, so nahm sie doch ihr Wort zur├╝ck, u. der Krieg begann von Neuem Anfangs stand Sophie allein, dann verband sie sich mit dem Herzog Albrecht dem Gro├čen von Braunschweig, welcher Eisenach besetzte. Heinrich eroberte 1262 Eisenach wieder u. vertrieb Albrechten aus T.; dieser aber machte 1263 einen neuen Einfall u. war bereits bis Wettin gekommen, wurde jedoch von Rudolf von Vargula am 28. Oct. in seinem festen Lager dort ├╝berfallen u. gefangen, u. Sophie mu├čte nnn 1264 Frieden schlie├čen. Heinrich das Kind erhielt Hessen, wozu noch Eschwege, Altendorf, Witzenhausen, F├╝rstenstein, Arnstein, Bilstein, Wanfried u. Ziegenberg, welche Albrecht von Braunschweig[568] als L├Âsegeld abtreten mu├čte, geschlagen wurden; Heinrich der Erlauchte erhielt dagegen T.; er setzte stinen Stiefbruder, den Grafen Hermann von Henneberg, als Statthalter von T. ein u. gesellte demselben sp├Ąter seinen ├Ąltesten Sohn, Albrecht den Unartigen, bei, welcher Letztere 1265 wirklich Landgraf wurde. Er war mit Margarethe, Tochter des Kaisers Friedrich II, verm├Ąhlt, lie├č sich aber ganz von seiner Geliebten, Kunigunde von Eisenberg, beherrschen u. benahm sich gegen Margarethe so feindselig, da├č dieselbe in einem Kloster eine Zuflucht suchte. 1268 hatte Albrecht Streitigkeiten mit seinem Bruder Dietrich u. 1270 mit seinem Vater Heinrich. Als er nach dem Tode Margarethens, 1272, Kunigunde heirathete, wollte er seine S├Âhne erster Ehe, Heinrich, Friedrich den Gebissenen u. Diezmann (Dietrich), welche nach Margarethens Flucht sein Bruder Dietrich nach Landsberg zu sich genommen u. zu Erben seines Landes eingesetzt hatte, um T. bringen u. dieses Land seinem Sohn von Kunigunde, Apitz, zuwenden, dagegen seinen ├╝lteren S├Âhnen, Heinrich u. Friedrich dem Gebissenen, das Plei├čnerland (welches ihm der Kaiser Friedrich II. statt der Mitgift f├╝r Margarethen verpf├Ąndet hatte) geben. Dar├╝ber brach ein langer Krieg zwischen Vater u. S├Âhnen aus, welcher T. u. Plei├čen furchtbar verheerte u. zwar nach Kunigundes Tode beendigt wurde, aber 1288, nach Heinrichs des Erlauchten Tode, heftiger wieder entbrannte. Albrecht nahm Mei├čen mit seinem Neffen Friedrich Tutta in Besitz; darauf lie├č er Apitzen vom Kaiser Rudolf von Habsburg als ehelich erkl├Ąren u. r├Ąumte demselben 1289 Tenneberg, Brandenberg, Breitenbach u. Brandenfels ein. Endlich wurde Albrecht von seinem Sohne Friedrich dem Gebissenen gefangen u. erhielt nur durch harte Bedingungen in dem Vergleich zu Rochlitz 1289 seine Freiheit wieder. Diesen Krieg der F├╝rsten hatten auch die kleinen Herren zu Fehderei u. Pl├╝nderungen benutzt, wozu sie zahlreiche Schl├Âsser gebaut hatten. Um diesem Unwesen zu steuern, kam der Kaiser Rudolf von Habsburg im Decbr. 1289 nach Erfurt u. stellte w├Ąhrend seines Aufenthalts bis Anfang November 1290 daselbst, die Ordnung durch Strenge wieder her, indem er die Raubschl├Âsser niederrei├čen u. ihre Besitzer hinrichten lie├č u. ein Friedensgericht bestellte, welches aus 12 Friedenspflegern u. dem Hauptmann des Friedens bestand u. die Streitigkeiten schlichten sollte, welche zu Fehden Gelegenheit geben konnten. Als Albrecht weder seine S├Âhne, noch die th├╝ringischen Herren zur Billigung der Erbtheilung zum Besten Apitzens bewegen konnte, Diezmann u. Friedrich sich auch 1291 nach Friedrich Tuttas Tode in den Besitz von Mei├čen gesetzt hatten, verkaufte Albrecht 1291 die Mark Landsberg an Brandenburg u. T. an den Kaiser Adolf von Nassau f├╝r 12.000 Mark Silber (94,000 Gulden) u. zugleich seine Anspr├╝che auf Mei├čen; nur Wartburg, wozu Tenneberg u. Winterstein nebst einem Theile von Gotha u. Eisenach geh├Ârte, behielt sich Albrecht vor. Kaiser Adolf r├╝ckte nun 1294 mit einem Heere in T. ein u. nahm das Land in Besitz, welches jedoch nach seiner Absetzung, 1298, wieder an Friedrich u. Diezmann kam. Auch mit ihrem Vater s├Âhnten sich diese wieder aus, nachdem Apitz 1300 gestorben war. Aber ruhig blieb der Besitz von T. den beiden Br├╝dern nicht, indem Adolfs Nachfolger, Kaiser Albrecht I., bes. angeregt von den Eisenachern, seine Anspr├╝che auf T. erneuerte. Friedrich hielt sich in T., wo er auch seinem Vater die Wartburg abnahm, u. durch den Sieg bei Lucka, zwischen Altenburg u. Leipzig, welchen er u. Diezmann am 31. Mai 1307 ├╝ber die Kaiserlichen erfochten, wurde Mei├čen u. T. von dem kaiserlichen Heere befreit u. die Markgrafen in deren Besitz gesichert. 1308 wurde Friedrich der Gebissene, nach Diezmanns im Dec. 1307 in Leipzig erfolgtem Tode, alleiniger Herr von T., Mei├čen u. dem Osterlande. Auf einem Landtage in Erfurt erhielt er die Huldigung von den th├╝ringischen Herren, bekam auch Eisenach u. empfing nach dem Tode des Kaisers Albrecht I. vom Kaiser Heinrich VII. 1310 die f├Ârmliche Belehnung mit T. 1310ÔÇô12 lag Friedrich mit Erfurt, Nordhausen u. M├╝hlhausen, welche St├Ądte sich unabh├Ąngig erhalten wollten, im Krieg u. unterwarf sie. Bald darauf gerieth er in Gefangenschaft des Markgrafen Woldemar I. von Brandenburg, doch bald wieder frei geworden, stellte er um 1316 die gest├Ârte Ordnung in T. wieder her. 1314 war Albrecht der Unartige gestorben; im Nov. 1324 folgte ihm Friedrich der Gebissene im Tode nach. W├Ąhrend seiner langen Krankheit hatte seine zweite Gemahlin Elisabeth von Arnshaugk u. Graf Heinrich der ├ältere von Schwarzburg die Regierung gef├╝hrt u. f├╝hrten sie als Vorm├╝nder f├╝r den minderj├Ąhrigen Sohn Friedrichs, Friedrich II. den Ernsthaften, fort u. betheiligten sich an den Kriegen des Kaisers Ludwig des. Baiern, mit dessen Tochter Mathilde Friedrich verlobt war u. die er sp├Ąter auch heimf├╝hrte. Heinrich von Schwarzburg blieb 1326, u. an seiner Statt wurde Heinrich Reu├č von Punten zum Vormund bestellt, welcher sich um T. die gr├Â├čten Verdienste erwarb. Der Streit mit seiner Mutter, Elisabeth von Arnshaugk, wegen Umtausch ihres von ihrem Gemahl angewiesenen Leibgedinges (Gotha, Jena, Wei├čensee), endigte sich 1333 durch die Dazwischenkunft des Kaisers dadurch, da├č Elisabeth Tenneberg statt Wei├čensee annahm. 1342 brach der Th├╝ringische Grafenkrieg aus, weil die Grafen von Orlam├╝nda u. von Schwarzburg mit den andern Herren des Landes sich ihrer Vasallenpflicht gegen den Landgrafen entziehen wollten. Zwar kam durch Vermittlung des Kaisers Ludwig 1343 ein Vergleich zu Stande, inde├č der Krieg brach alsbald wieder aus u. wurde erst 1345 beendigt. In demselben wurde die Macht der Grafen gebrochen, der Landgraf gewann gro├čen L├Ąnderbesitz, u.a. die Grafschaft Orlam├╝nda, u. gro├če Macht im Lande. Friedrich II. starb 1349. Von seinen S├Âhnen f├╝hrte Friedrich III. der Strenge (Tapfere) die Regierung in T. u. Mei├čen f├╝r sich u. seine beiden unm├╝ndigen Br├╝der, Balthasar u. Wilhelm den Ein├Ąugigen. Durch den Gothaer Vertrag 1356 versprachen sie sich die Regierung nicht zu theilen. 1350 erbte Friedrich III. von dem Grafen Heinrich von Henneberg, als dessen Schwiegersohn, die Pflege Koburg u. schlug dieselbe zu dem gemeinschaftlichen Land; auch erhielt er Schmalkalden unterpf├Ąndlich f├╝r die Mitgift seiner Gemahlin. In dem mit Karl IV. gegen Heinrich Reu├č von Plauen 1357 unternommenem Feldzuge erhielt er Ziegenr├╝ck, Triptis, Auma etc.; nach dem Tode des Grafen G├╝nther von Schwarzburg Dornburg, die Schl├Âsser Lobdaburg, Windberg u.a., wof├╝r T. seine Anspr├╝che an Frankenhausen aufgab; auch das von Friedrich dem Ernsthaften an Hermann von Beichlingen[569] verpf├Ąndete Kindelbr├╝ck wurde wieder ausgel├Âst; von Albrecht von Braunschweig eroberte Friedrich Heidenburg, Windhausen u. Lichtenstein; 1367 kaufte er vom Grafen Johann von Schwarzburg Wachsenburg, Schwarzwald u. Liebenstein. 1372 starb Landgraf Heinrich von Hessen; sein Neffe Hermann folgte ihm u. verband sich, um sicher gegen andere Thronbewerber zu stehen, mit Balthasar, mit welchem er auch 1373 die Hessisch-th├╝ringische Erbverbr├╝derung schlo├č. Auch erwarben die Br├╝der pfandweise Sangerhausen, Landsberg u. Egelsburg, bekamen die Lehnsherrschaft ├╝ber Arnstadt u. zwangen die Erfurter ihren Bruder Ludwig als Kurf├╝rsten von Mainz anzuerkennen. 1379 theilten die Br├╝der, ungeachtet des Vertrags von 1356; von den drei Loosen erhielt Balthasar T., Friedrich III. das Osterland, Wilhelm Mei├čen. Durch die Verm├Ąhlung mit Margarethe, Tochter des Burggrafen Albrecht zu N├╝rnberg, brachte Balthasar noch Heldburg, Hildburghausen, Eisfeld, Erdmannshausen u. Ummerstedt an sich, ferner fielen ihm die Grafschaft K├Ąfernburg u. Scharfenberg u. durch Kauf Gerstungen zu. Am 1. Mai 1403 schlo├č Balthasar mit seinem Bruder Wilhelm u. seinen Vettern, f├╝r den Fall, da├č die eine Linie aussterben sollte, den Erbfolgevertrag zu Rochlitz, verm├Âge dessen die Besitzungen der ausgestorbenen Linie an die ├╝brigen beiden Theile kommen sollten Balthasar starb 1406. Die Verschwendungssucht seiner zweiten Gemahlin, Anna von Braunschweig, hatte ihn gen├Âthigt seinen Unterthanen eine neue Steuer, der B├Ąr genannt, aufzulegen. Sein einziger Sohn aus erster Ehe u. Nachfolger war Friedrich IV. der Einf├Ąltige, ein beschr├Ąnkter F├╝rst; Graf G├╝nther von Schwarzburg, mit dessen Tochter Anna er verm├Ąhlt war, f├╝hrte f├╝r ihn die Regierung. Durch den Tod seines Oheims Wilhelm erhielt er in Folge des Rochlitzer Vertrags aus dessen Besitzungen 1410 Dresden u. den gr├Â├čten Theil von Mei├čen. Da Friedrich keine Leibeserben hatte u. G├╝nther von Schwarzburg T. an sich od. um gute Bezahlung an ein fremdes Haus zu bringen suchte, so brachten die Markgrafen Friedrich u. Wilhelm von Mei├čen 1412 den Landgrafen dahin, da├č er alle St├Ądte u. Schl├Âsser ihnen als rechtm├Ą├čigen Erben huldigen lie├č. Nach seinem 1440 zu Wei├čenfels, seiner Residenz, erfolgten Tode fiel T. an Mei├čen zur├╝ck.

In Mei├čen waren von Friedrichs III. Enkeln, nachdem Heinrich 1435 gestorben u. Siegmund in den geistlichen Stand getreten war, noch Friedrich der Sanftm├╝thige u. Wilhelm III. ├╝brig, welche bis 1445 gemeinschaftlich regierten. Dann erhielt Wilhelm, nach dem Altenburger Vertrag 10. Sept. 1445, T. nebst einem Antheil an dem Osterland u. an Freiberg, wegen der Bergwerke, war aber damit nicht zufrieden, u. obschon er sich durch den Vergleich im Kloster Neuenwerk bei Halle (Hallischer Machtspruch) vom 11. Decbr. 1445 befriedigt erkl├Ąrte, so brach doch dar├╝ber, bes. wegen des Besitzes der Grafschaft Schwarzburg, ein Krieg (Bruderkrieg) zwischen Beiden aus, welcher durch den Frieden zu Naumburg 21. Jan. 1451 beendigt wurde; der Streitpunkt wegen Schwarzburg wurde erst 1453 durch den Landgrafen von Hessen erledigt; Friedrich ├╝berlie├č dasselbe seinem Bruder, welcher es dem Grafen Heinrich wieder ├╝bergab. Eine Folge dieses Krieges war Wilhelms Fehde mit Apel von Vitzthum u. weiter der S├Ąchsische Prinzenraub (s.d.), an den S├Âhnen des Kurf├╝rsten Friedrich des Sanftm├╝thigen zu Altenburg 1455 ver├╝bt. Wilhelm bef├Ârderte den Handel u. erlie├č 1475 eine neue M├╝nzordnung. Sein Umgang mit Katharina von Brandenstein neben seiner Gemahlin Anna, der Tochter des Kaisers Albrecht II., u. seine Heirath der Katharina nach. Anna's Tode (1461) veranla├čte ihn zu einer Bu├čfahrt nach Jerusalem. Er starb 1482. Da Landgraf Wilhelm keine S├Âhne hatte, so fiel T. an seine beiden Neffen Ernst u. Albrecht, S├Âhne des Kurf├╝rsten Friedrich des Sanftm├╝thigen; diese, schon seit 1464 Herren des Mei├čnerlandes, theilten beide L├Ąnder zu Leipzig 26. August 1485; zum th├╝ringischen Theil kamen: Breitenbach, Buttstedt, Gotha, Gerstungen, Kreuzberg, das Geleit zu Erfurt, Hayneck, Eisenach, Magdala, Wachsenburg, Waltershausen u. Wartburg, das halbe Osterland mit Altenburg, Eisenberg, Saalfeld; ferner wurden unter die Herrschaft T-s die Grafen von Schwarzburg, Arnstadt, Blankenburg, Rudolstadt, Ilmenau, Leutenberg, Gleichen, Tonna, Blankenhain, Ehrenstein, Remda, Schauenforst, die Burggrafen zu Farrenroda, Kirchberg u. die Reu├čen zu Kirchberg gezogen; von Mei├čen kamen noch Torgau, Dommitzsch, Eilenburg, Grimma, Kolditz, D├╝ben, Zwickau u. Annaberg dazu, w├Ąhrend von T. an Sachsen kamen: Wei├čenfels, Kamburg, Jena, Freiburg, Wei├čensee, Sangerhausen, Eckartsberg, Thomasbr├╝ck u. Tennst├Ądt; diesen Theil empfing Kurf├╝rst Ernst, welcher, au├čer den, beiden Portionen gemeinschaftlich bleibenden Landestheilen u. Eink├╝nften, von seinem Bruder noch Jena u. 50,000 Gulden erhielt. Von nun an wird die Geschichte T-s die der Ernestinischen Linie des Hauses Sachsen, s. Sachsen S. 680 ff. Vgl. Pfefferkorn, Auserlesene Geschichte von der Landgrafschaft T., Frankf. 1684, n. A. 1685; Casp. Sagittarius, Antiquitates regni thuringici, 1685: Antiquitates gentilismi et christianismi thuringici, 1685; Antiq. ducatus thur., Jena 1588; Th├╝ringische Geschichte aus der Handschrift des C. Sagittarius, herausgeg. von Klotzsch, Chemnitz 1772; Olearius, Syntagma rerum thuringicarum, Erf. 1704 u. f.; J. H. von Falkenstein, Th├╝ringische Chronika, 1738, 3 Bde.; J. G. Reinhard, Antiquitates marchionatus ut et origines landgraviatus thuringici, Dresd. 1712; Schuhmacher, Vermischte Nachrichten zur Erl├Ąuterung der S├Ąchsischen, bes. der Eisenachschen Geschichte, 1766ÔÇô72, 6 Samml.; C. W. Schneider, Sammlung zur Geschichte T-s, Weim. 1772; J. G. A. Galletti, Geschichte T-s, Gotha 1782ÔÇô85, 6 Bde.; Ders., Lehrbuch f├╝r die th├╝ringische Geschichte, ebd. 1795; R. C. Lossius, T-s Vaterlandskunde, Erfurt 1801; A. H. Erhard, Allgemeine th├╝ringische Vaterlandskunde, ebd. 1822ÔÇô24, 3 Jahrg.; Riemann, T-s Geschichte, Kassel 1825; F. Wachter, Th├╝ringische u. obers├Ąchsische Geschichte, Lpz. 1826 f., 3 Bde.; H. D├Âring, Die Th├╝ringer Chronik, Erf. 1843; Storch, Th├╝ringische Chronik, Gotha 1841; Michelsen, Die ├Ąltesten Wappenschilder der Landgrafen von T., Jena 1857; Derselbe, Die Landgrafschaft T. unter den K├Ânigen Adolf, Albrecht u. Heinrich VII., ebd. 1860; Bechstein, Sagenschatz u. Sagenkreise des Th├╝ringerlandes, Hildburgh. 1835.


Pierer's Lexicon. 1857ÔÇô1865.

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