Trinkgefäß

Trinkgefäß, 1) Gefäß, woraus man bei Mahlzeiten u. Gelagen trinkt. T-e wurden bei den Griechen bald ein Gegenstand der bildenden Kunst, bes. da sie z.B. unter den Geschenken waren, welche sich Gastfreunde einander verehrten. Das Material war meist Metall, die Formen verschieden: Karchesion, engbauchig, mit hohen Henkeln; Kantharos, hoch u. enghalsig u. weitbauchig; Kothon, von Thon, mit gewundenem Hals, Feldgefäß der spartanischen Soldaten; Skyphos, großes Trinkgefäß der Landleute u. Armen; Rhyton, oben breit, unten spitz, aus dessen engem Untertheil man den Weinstrahl in den Mund laufen ließ; Kylix, Trinkschale mit Fuß u. zwei Handhaben; Kotyle, klein, dem Spitzglas ähnlich. Wie sich das Aleison, Depas u. Kypellon, welche bei Homer vorkommen, unterschieden, ist nicht ausgemittelt; das Amphikypellon war ein Becher, welcher auf beiden Seiten eine Vertiefung hatte u. zum Trinken od. auf der einen Seite zum Libiren gebraucht werden konnte. Der Krater (s.d.) war nicht ein T., sondern darin wurde der Wein gemischt u. von dem Mundschenken (Oinochens) den Gästen in die einzelnen Becher geschenkt. Bei den Römern waren die T. (Pocula) Anfangs von Holz od. Thon, wurden aber bei steigendem Luxus viel prächtiger, als bei den Griechen; man verfertigte sie nicht nur aus edeln Metallen, sondern auch aus kostbaren Steinen (Krystall, Amethyst), Bernstein etc., besetzte sie auch mit Edelsteinen u. verzierte sie auf alle Weise. Außer einigen, welche sie von den Griechen entnommen hatten, waren Patera u. Phiala, flache Schalen; Calix, in Becherform mit niedrigem Fuß; Capis, ein gehenkeltes Becherchen aus Thon (meist zu gottesdienstlichem Gebrauch) u. m. a.; dazu phantastische Formen, wie das Cymbium[837] u. Scaphium, wie Nachen gestaltet etc. Bei den germanischen Völkern war das Horn in vorherrschendem Gebrauch; die alten Germanen nahmen wirkliche Rindshörner u. faßten sie an dem Rand mit Silber ein; die späteren machten auch Hörner aus edeln Metallen; sie waren mit Füßen versehen, daß sie stehen konnten; in Upland (Schweden) trinken die Bauern ihren Meth noch immer aus Hörnern. Im Mittelalter ging die Form der T-e in Becher über; die aus edeln Metallen gefertigten, mit reichen Ornamenten, Edelsteinen etc. geschmückten, bildeten einen Hauptzweig der Kunst der Goldschmiede. Die barbarische Sitte aus den Hirnschalen erschlagener Feinde T-e zu machen, findet sich jetzt noch unter Cannibalen, aber auch deutsche Völker, wie Longobarden, Baiern etc. u. andere (Bulgaren, Böhmen, Tataren) tranken aus solchen mit Metall besetzten u. geschmückten Hirnschalen. Jetzt sind die bekanntesten T-e in Europa: Gläser (Bier-, Wasser-, Wein-, Champagnergläser), Becher, Kelch, Krug, Tassen, Humpen u. Birkenmeier; von den Gläsern nennt man diejenigen, welche ein besonderes Fußgestell haben, Kelchgläser, die ohne dasselbe aber Bechergläser. 2) (Bildh. u. Maler), ein Gefäß, welches breiter als hoch ist, eine Art Schale mit einem Fuße versehen; man benutzt es zum oberen Theile einiger Verzierungen; es gibt ovale mit einem gebogenen Profile, welche die Italiener Novizella nennen.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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