Tuberkelkrankheit

Tuberkelkrankheit, 1) (Tuberkelsucht. Tuberculosis), krankhafte Beschaffenheit der Säfte, welche sich durch die Erzeugung von Tuberkeln in einem od. mehren Organen, bes. in den Lungen u. Lymphdrüsen, selbst in den Knochen auszeichnet, welche entweder auf den freien Flächen der Theile od. in ihrer Substanz als runde körnige Knötchen von der Größe eines Hirsenkorns (Miliartuberkel) bis zu der einer Erbse sich vereinzelt bilden, od. sich in unregelmäßigen Massen anhäufen, od. als Infiltration der Gewebe erscheinen. Die Anfangs in flüssiger Gestalt sich bildenden Tuberkeln erscheinen bald knorpelartig, grauweiß u. helldurchsichtig, später werden sie trüber u. bekommen einen undurchsichtigen gelben Punkt in der Mitte od. an anderen Stellen. Oft sind sie auch gleich Anfangs undurchsichtig u. gelblich. Anfangs weich, nimmt der Tuberkelstoff später eine käseartige Consistenz an. Die Gegenwart der Tuberkeln verräth sich im Äußern wesentlich durch den phthisischen u. skrophulösen Habitus. Durch fortwährenden Ansatz von außen können die Tuberkeln sich ansehnlich vergrößern. Sie gehen entweder selbst, od. in Folge der in ihren Umgebungen unterhaltenen Reizung, Congestion od. entzündlicher Stimmung in Erweichung, Verjauchung u. Vereiterung über u. werden als solche die häufigste Ursache von Zerstörungen von Organen u. Auszehrungen, bes. der Lungensucht (s.d.). Heilung erfolgt nur, indem die Wände der entstandenen Eiterhöhlen sich vereinigen u. Narben bilden, od. die Tuberkeln, ohne erweicht zu werden, aufgesaugt werden, mit Hinterlassung einer erdigen od. schwarzen Masse. Die Ursachen, Prognosis u. Heilung der T. kommen mit denen der Skropheln u. Lungensucht überein, insofern diese von ihnen abhängen. 2) Krankheit der Rinder, die eigenthümliche Wirkung eines inneren Drüsenleidens. Auf der innern seinen Fläche des Bauchfells auf Netz u. Gekröse, Brusthaut u. Mittelfell entwickeln sich runde, traubenförmig gelagerte, gelbe od. blaßrothe, fleischkantige Geschwülste von der Größe eines Hirsekorns bis zu der einer Erbse. Bei langer Dauer des Übels entwickeln sich die Knoten[911] auch in Lunge, Leber, Nieren, wodurch der Athem beengt u. Verdauung u. Ernährung in der Weise gestört wird, daß der Tod erfolgt. Kühe nehmen schwer auf u. rindern wieder, sobald diese Periode wieder eintritt. Zur Verhütung der T. sind Ställe u. Körper der Thiere reinlich zu halten, gesundes u. reines Futter, aber nicht im Übermaß zu geben, ungewöhnlich fett werdende Rinder u. solche, welche oft rindern, ohne trächtig zu werden, zu mästen etc. Die erbliche T. kommt nur bei einzelnen Stücken in größeren Viehständen, namentlich bei solchen vor, welche zu zeitig fett od. zu häufig stierig werden, ohne aufzunehmen. Das Fleisch von Rindern, welche in Folge der T. abgemagert sind, eignet sich nicht als menschliches Nahrungsmittel. 3) Krankheit der Pflanzen, besteht in größeren u. kleineren Auswüchsen am Wurzelhalse von Kohl, Kohlrabi u. Blumenkohl, welche von einer Fliegenmade entstehen. Zur Verhütung schneidet man die kleinen krätzartigen Pusteln mit einem Messer an den Pflanzen vor der Pflanzung weg.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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