TĂŒrkisches Reich [1]

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TĂŒrkisches Reich [1]

TĂŒrkisches Reich (Osmanisches Reich), die gesammten LĂ€ndermassen, welche unter der unmittelbaren Herrschaft des Sultans (Padischah) in Constantinopel stehen, sich in Europa, Asien u. Afrika um das Becken des Mittelmeeres ausdehnen u. zusammen einen FlĂ€cheninhalt von ĂŒber 86,000 QM. einnehmen, mit einer Bevölkerung von 37 Mill. Einwohnern. A) Die EuropĂ€ische TĂŒrkei (Osmanisches Europa); grenzt an SĂŒd-Rußland, Österreich, Galizien, SiebenbĂŒrgen, Ungarn, Slawonien, Kroatien u. Dalmatien, das Adriatische Meer, Griechenland, das ÄgĂ€ische u. Schwarze Meer; von der Asiatischen TĂŒrkei wird sie durch die Straße der Dardanellen, das Marmorameer u. die Straße von Constantinopel geschieden; sie begreift auch den grĂ¶ĂŸten Theil der den Archipelagus bildenden Inseln, 9776 QM., u. bildet mit Griechenland die östlichste der großen Halbinseln SĂŒdeuropas, die sogenannte Balkan- d. TĂŒrkisch-Griechische Halbinsel. Offenbar hat die EuropĂ€ische TĂŒrkei unter allen Halbinseln Europas die glĂŒcklichste Weltstellung. Im Norden ist sie durch ihre Landgrenze in BerĂŒhrung mit zwei der mĂ€chtigsten Staaten des Erdtheiles, Rußland u. Österreich, u. die Donau könnte sie unmittelbar an alle Handelsinteressen Mitteleuropas knĂŒpfen; aus der SĂŒdseite bildet sie das vermittelnde Glied zwischen Abend- u. Morgenland, beherrscht den Zugang zum Schwarzen Meere, sowie das AgĂ€ische Meer u. die ganze OsthĂ€lfte des Mittelmeeres, u. es gibt keinen Punkt in Europa, welchen die Natur ausdrĂŒcklicher zum Sitze eines Welthandels bestimmt zu haben scheint, als die Hauptstadt Constantinopel. Die KĂŒstenlĂ€nge betrĂ€gt 383 Meilen, so daß 25 QM. auf 1 Meile KĂŒste kommen. Das Gebiet besteht aus unmittelbaren u. mittelbaren LĂ€ndern. Die unmittelbaren LĂ€nder sind die alten Provinzen Thracien, Bulgarien, Bosnien mit TĂŒrkisch-Kroatien u. der Herzegowina, Albanien, Macedonien u. Thessalien, sowie die Inseln; die mittelbaren LĂ€nder (Schutzstaaten) sind die Moldau, Walachei u. Serbien. Im Allgemeinen ist die OberflĂ€che gebirgig, doch ist das Gebirgs system nicht durch eine hohe Centralkette zu einem organisch gegliederten Ganzen gebildet, sondern das Land ist von verschiedenartig gelagerten Bergketten durchzogen. Am Meerbusen von Fiume zweigt sich von den Julischen Alpen der Zug der Dinarischen od. Dalmatiner Alpen sĂŒdöstlich ab, welche sich in ihrem Verlaufe zu dem Gebirgsstocke von Montenegro vereinigen. Von hier weiter nach SĂŒdosten thĂŒrmt sich der wahrscheinlich höchste Gebirgsstock der Halbinsel aus, der Schar-Dagh, dessen Gipfel aus 8000 Fuß geschĂ€tzt werden. Der GebirgsrĂŒcken, welcher vom Schar-Dagh als Wasserscheide zwischen Donau u. AgĂ€ischem Meere nach Osten zieht, fĂŒhrt verschiedene Namen: Argentarogebirge, Egrisu-Dagh, Kurbetska, Planina, Orbelus. Von ihm zweigt sich östlich der Balkan ab, zunĂ€chst in einem Hauptzuge, weiter im Osten in Parallelketten, eine nördliche, der Kleine Balkan, u. eine sĂŒdliche, der Große Balkan, welcher im Cap Emineh, am Schwarzen Meer endigt. Wahrscheinlich ĂŒbersteigt die höchste Höhe der Balkangipfel nicht 3500 Fuß. LĂ€ngs des Schwarzen Meeres streicht vom Ostende des Balkan das Strandscheagebirge bis an den Bosporus; vom Westende des Balkan zieht sĂŒdöstlich der Despoto-Dagh (Rhodope), weiterhin Tekiri-Dagh genannt, bis zum Marmorameer. Von dem Berglande von Montenegro u. dem Schar'Dagh zieht sĂŒdwĂ€rts die Kette des Bora-Dagh (Pindus), welche bis 7000 Fuß steigen mag u. von welcher sich nach Westen die wilden Terrassenlandschaften von Albanien abzweigen; am SĂŒdende des Bora-Dagh (unter 40° nördl. Breite) liegt der 3000 Fuß hohe Gebirgsknoten von Mezzowo (Lakmon der Alten), welchen man die Wurzel aller Halbinselgebirge nennen kann; nach allen Himmelsrichtungen strahlen Gebirgsmassen u. Ketten von ihm aus: nach Osten das Voluzzagebirge zum Busen von Saloniki, nach Nordwesten u. SĂŒdwesten die unzugĂ€nglichen Gebirgsmassen von Epirus, in denen einzelne Punkte 7000 Fuß erreichen. Die Ebenen zwischen diesen Gebirgsgliedern sind von verhĂ€ltnißmĂ€ĂŸig geringer Ausdehnung, so die der Save, der Narenta in der Herzegowina, die des Salambria in Thessalien, die des Vardar in Makedonien, die des Maritza in Thracien; am bedeutendsten sind die Ebenen im Norden der Donau, wo erst weit ab von diesem Strome das Walachische Tiefland zu Anhöhen aufsteigt, welche mit dem Gebirgszuge in Verbindung stehen, der in weiter KrĂŒmmung die Walachei u. Moldau von SiebenbĂŒrgen trennt u. 7–8000 Fuß aufsteigt. Hier in den Niederungen der Walachei finden sich auch ziemlich hĂ€ufig seeartige SĂŒmpfe. Von den Vorgebirgen sind die bedeutendsten am Adriatischen Meere: Cap Rodoni, Pali, Laghi, Linguetta (Glossa); am ÄgĂ€ischen Meere: C. Hag. Dimitri, Zagora, Paliuri, Drepano, Monte Santo (C. Hag. Giorgi), Stiliburm; am Marmorameer: C. Anastasia u. am Schwarzen Meere: C. Karaburnu, Emineh Burnu u. Kali Akra (Tscheligra Burnu). Geognostisch herrschen die krystallinischen Schiefergebirge, die Kreide- u. die tertiĂ€ren Bildungen unter allen Formationen am meisten vor; unter diesen ĂŒberwiegen wieder die beiden letzteren an Ausdehnung die krystallinischen Schiefer. Von den vielen PĂ€ssen ĂŒber die Gebirge sind die hauptsĂ€chlichsten: in Bosnien die von Bielopolje, Sienitza u. Pristina; in Albanien die von Prisrend, Tattowo, Konidscha, Lepeni, Ochrida, Mezzowo u. Trikala; in Thessalien der von Palatmina; von Serbien nach Macedonien der Paß von Katschanik; aus Bulgarien nach Thracien das Eiserne Thor (Demir-Kapu), ferner die PĂ€sse von Gebrowa nach Kasanlik, von Osmanbazar nach Karnebat, von Parawady nach Aidos u. von Varna lĂ€ngs der KĂŒste. Die bemerkenswerthesten Meerbusen sind an der WestkĂŒste: die von Drino, Durazzo, Avlona u. Arta; im ÄgĂ€ischen Meere die von Volo, Saloniki, Kassandra, Monte Santo, Orphano, Euos u. Saros;[2] im Schwarzen Meere die Busen von Burgas u. Varna. Die bedeutendsten Halbinseln sind die Chalcidische u. die von Galipolis. An schiffbaren Strömen ist die EuropĂ€ische TĂŒrkei verhĂ€ltnißmĂ€ĂŸig arm. Hauptstrom ist die Donau, Grenzfluß auf einer Strecke gegen Österreich; nimmt auf der SĂŒdseite die Save (ebenfalls Grenzfluß mit Österreich, mit den NebenflĂŒssen Unna, Verbas, Bosna, Drina, Kolubara tĂŒrkischer Seits), die Morawa, den Timok, Isker, Jantra, Kara- od. Ake-Lom u.a., auf der Nordseite den Schyll, Aluta, Ardschisch mit Dumbowitza, Ialonitza, Sereth, Pruth u.a. auf. Viele von diesen FlĂŒssen sind schiffbar, die Donau auch fĂŒr Dampfschiffe. KĂŒstenflĂŒsse sind: des Adriatischen Meeres: Drin, Tobi (Iskumi), Vojussa; des Ionischen: Dris, Kalamas, Arta, Aspropotamo (in Griechenland mĂŒndend); des ÄgĂ€ischen: Salambria, Vistrizza, Barbar, Karasu (Strymon), Maritza (Hebros), grĂ¶ĂŸter Fluß der EuropĂ€ischen TĂŒrkei außer der Donau, mit den NebenflĂŒssen Stanimak, Usundscha, Arda, Tundscha, Gernitza, Erkene u.a.; des Schwarzen Meeres: der Kamsik; zum Marmormeer laufen ganz unbedeutende GewĂ€sser. Unter den vielen Landseen sind die bedeutendsten: die von Skutari, von Ochrida u. von Janina in Albanien, der Karlas in Thessalien, der Kastoria, Betschik, Jenidsche, Presbau u. der Takinos in Macedonien, der Jesero in der Herzegowina, der Ramsin in Bulgarien, die Seen lĂ€ngs der Donau u. in der Walachei u. Moldau, der Jalpuch, Sasyk od. Kurduk, Schassany, Alibai u.a. in der Moldau. Von den bekannten Mineralwassern sind die meisten warme u. Schwefelquellen, da diese den TĂŒrken bei ihrer Gewohnheit hĂ€ufig zu baden am meisten zusagen; geringere Aufmerksamkeit ist auf die kalten Mineralwasser verwendet. Außer in Albanien u. Bulgarien gibt es ĂŒberall warme Quellen. Sauerbrunnen kennt man nur in Serbien u. Bosnien. Klima durch den Balkan verschieden; obgleich es ĂŒberall mild ist, ist es doch nördlicher rauher, oft Frost, auch Schnee bringend, sĂŒdwĂ€rts freundlicher, mit wenig Frost u. selten Schnee, aber mit zuweilen drĂŒckender Hitze, jedoch oft durch Winde vom Schwarzen Meer gemildert. Die Luft ist gesund, zuweilen erscheint jedoch die Pest, bes. im SĂŒden, in neuerer Zeit seltener; Erdbeben kommen auch vor. Die hauptsĂ€chlichsten Producte sind aus dem Thierreich: Pferde (von besonderer GĂŒte), Kameele, Maulthiere, Esel, Rindvieh, Schafe, Schweine, Ziegen (alle mehr od. weniger GegenstĂ€nde der Viehzucht), Roth- u. Schwarzwildpret, Hasen, Kaninchen, Gemsen, Moufflons, Gazellen, Auerochsen, BĂ€ren, Wölfe, Luchse; SeesĂ€ugethiere: Seehunde u. Delphine. Man zieht Tauben u. einiges HausgeflĂŒgel; es gibt auch viel wildes GeflĂŒgel; die GewĂ€sser bringen viele Fische, als Störe u. Hausen (auch zu Caviar benutzt), Welse u.a. SĂŒĂŸwasserfische, Thun- u.a. Seefische, so wie auch Überfluß an Muscheln, TintenwĂŒrmern, Seeigeln; Bienen, Spanische Fliegen, SeidenwĂŒrmer, KermesschildlĂ€use werden benutzt; als Plage sind giftige Schlangen u. Heuschrecken hĂ€ufig. Aus dem Pflanzenreiche: fast alle Getreidearten, HĂŒlsenfrĂŒchte, GemĂŒse, gute Melonen, Obst, auch edlere SĂŒdfrĂŒchte, Wein (mit Gewinn auch von großen u. kleinen Rosinen); FĂ€rbe- u. ArzneikrĂ€uter, als bes. Mohn (zu Opium), FĂ€rberröthe, Soda, Mastix), SĂŒĂŸholz, GallĂ€pfel u.a., Gummi-Traganth, Tabak, Baumwolle, viel Holz, darunter Oliven, LorbeerbĂ€ume, Platanen. Das Mineralreich liefert Gold, Silber, Eisen, Blei, Kupfer, Steinkohlen, Schwefel, Salz (Stein- u. Seesalz), Marmor, Farben- u. Walkererde, Salpeter, Lemnische Erde, Meerschaum u.m. Vieles liegt noch ungenutzt u. verborgen.

Die Einwohner sind ein Gemisch verschiedener Nationen: a) die Osmanen, das Herrschervolk, obgleich nicht das zahlreichste (etwa 1 Mill.), sind ein Stamm der TĂŒrken (den Namen TĂŒrken halten sie aber fĂŒr einen Schimpfnamen u. gebrauchen ihn nur von den im Zustande der Roheit gebliebenen Nomadenhorden der Turkomanen), schön von Gestalt u. GesichtszĂŒgen; der Osmane ist von klarem, gesundem Verstand, wĂŒrdevoll u. tapfer, abgehĂ€rtet, ernst, gastfrei, mĂ€ĂŸig im Essen, ĂŒppig in der Kleidung, das Alter ehrend, redlich im Handel u. Wandel, bigott im Islam, blind dem Fatalismus anhangend, sich daher um kein nahe bevorstehendes od. bereits geschehenes LebensunglĂŒck bekĂŒmmernd, aber fest an eine stets waltende Vorsehung glaubend (Selbstmord ist unter ihnen fast unbekannt), aberglĂ€ubisch (man glaubt an das böse Auge, die gĂŒnstige od. nachtheilige Einwirkung von Edelsteinen, Prophezeihungen, Astrologie, Zauberer u. Hexen, wofĂŒr bes. die alten Juden u. Zigeuner gelten etc.), verehrt die Wahnsinnigen u. tastet sie unter keinen UmstĂ€nden an, sondern gibt ihnen vielmehr in den Moscheen Aufenthalt; außerdem ist der Osmane herrschsĂŒchtig, verachtet alle ĂŒbrigen Nationen, am meisten die Christen u. EuropĂ€er; ferner ist der Osmane ohne Ausbildung seiner guten natĂŒrlichen FĂ€higkeiten u. Anlagen u. ohne Sinn, fĂŒr Verbesserungen, dabei zum Aufruhr geneigt. Schlechter ist der Charakter der am Hofe Lebenden, welche oft Hinterlist, Feigheit, Habsucht, Sklavensinn zeigen; Sittenlosigkeit herrscht bei Vielen (Opiumgenuß u. Knabenliebe). Die Frauen, deren jeder Osmane vier (Nikiahfrauen), u. BeischlĂ€ferinnen, so viel er will, haben kann, werden bei den Reichen in Harems eingeschlossen. Dennoch haben die gemeinen Osmanen selten mehr als Eine Frau, die Ärmeren leben ganz ehelos. Die Ehe ist bei den Osmanli nur ein bĂŒrgerlicher Contract, welcher vor Gericht von dem Mann mit der Familie der Frau geschlossen u. worin das Eingebrachte, das Leibgedinge der Frau, was ihr nach dem Tode des Mannes od. im Fall der Scheidung verbleiben soll etc., verzeichnet sind; der Kadi unterschreibt ihn. Solche Verschreibungen sind selbst vor Vermögensconfiscation sicher; oft verschreibt daher ein Großer, um im Fall der Absetzung u. Vermögensconfiscation noch wohlhabend zu bleiben, sein ganzes Vermögen seiner Frau. Oft bedingt sich die Frau, daß der Mann keine zweite Frau nehmen darf. Dennoch sind die Kinder der Sklavinnen eben so legitim, als die der wirklichen Frauen. Der Imam segnet die Ehe ein; ĂŒber die Hochzeitsceremonien selbst s.u. Hochzeit S. 431. Zur Scheidung ist nur nöthig, daß der Mann einen Scheidebrief gibt, doch ist dies eine Seltenheit; auch die Frau darf darauf antragen. Die Frauen erscheinen immer mit, durch zwei Musselinbinden oben u. unten verbundenem Gesicht, so daß nur die Augen durchblicken. In mehren Gegenden, bes. Asiens, gehen aber die tĂŒrkischen Frauen unverschleiert u. mit unverbundenem Gesicht. Kranke Frauen entschleiern sich nur bei grĂ¶ĂŸter Gefahr u. in Gegenwart des Mannes od. einer Dienerin dem Arzte, aber[3] auch wo möglich nur theilweise; so lassen sie Augen, Zunge sehen, verdecken aber das ĂŒbrige Gesicht. Den Puls darf der Arzt nur durch eine Musselinschleife fĂŒhlen. Weiber verrichten die meisten Curen u. dienen als Hebammen (Eben Kadine); ein Accoucheur wĂ€re bei Entbindungen auch bei der grĂ¶ĂŸten Gefahr unerhört. Die Frauen besuchen sich oft u. erwidern den Besuch stets, außerdem conversiren sie mit Bekanntinnen viel u. lange in den BĂ€dern. Die Anwesenheit einer anderen Frau im Harem wird durch Pantoffeln vor dem Frauengemach angedeutet, u. der Mann darf dann, so lange diese dastehen, den Harem nicht betreten. Die Frauen besuchen oft anmuthige Orte vor den StĂ€dten u. VergnĂŒgen sich hier mit Spielen; MĂ€nner halten sich von solchen Orten fern. Nie aber erscheinen sie mit dem Manne. Von MĂ€nnern nehmen Frauen keinen Besuch an, nur selten bei großen Festen, Heirathen, Entbindungen, Beschneidungen machen die nĂ€chsten Verwandten, wie Vater, Bruder etc., ihnen Besuche, aber nur in Gegenwart des Mannes od. von Sklavinnen. Hier erscheinen die Frauen unverschleiert. Auch MĂ€dchen halten sich sehr zĂŒchtig u. gehen stets verschleiert; nie ist eine Frau Hökerin od. KrĂ€merin, nur in die Harems tragen alte Weiber Kleinigkeiten zu Putzsachen zum Verkauf. Nur Ärmere gehen allein auf den Straßen, Vornehme stets in Begleitung von Eunuchen od. anderen Sklaven; oft fahren sie auch in geschlossenen u. mit VorhĂ€ngen umhĂ€ngten Wagen (Araba). Die Frauen genießen im Harem manche Rechte u. haben auch Einfluß, sie leiten die Erziehung ihrer Kinder, verachten aber die europĂ€ischen VerhĂ€ltnisse. Untreue der Frauen kommt selten vor u. wird, wenn erwiesen, von dem Gatten in hergebrachter Weise damit bestraft, daß der VerfĂŒhrer ermordet, die VerfĂŒhrte ertrĂ€nkt wird. Auch tĂŒrkische FreudenmĂ€dchen gibt es trotz der Vielweiberei. Die erste Klasse (Almehs) sind in Dichtkunst, Saitenspiel u. Tanz sehr erfahren; ihre gemeineren Schwestern aber wohnen in grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten in eigenen Stadttheilen u. stehen unter einer alten Kupplerin. Im Harem bringt der Osmanli den grĂ¶ĂŸten Theil seiner Zeit mit untergeschlagenen FĂŒĂŸen, der allgemeinen Weise der Osmanen, auf Polstern sitzend u. bequem lehnend, mit Tabaksrauchen zu. Auch die Frauen rauchen. Nahrung: Brod, oft von Mais, Hammelfleisch od. GeflĂŒgel, GemĂŒse, Eier-, Mehl- u. Milchspeisen, Pilau (s.d.), bei Ärmeren das Hauptgericht, KĂ€se, Weintrauben, Wassermelonen od. sĂŒĂŸe Reisspeise mit Rosinen, bes. aber Pastetchen u. Kuchen aller Art. Der Osmane frĂŒhstĂŒckt nicht, od. nimmt höchstens eine Tasse Kaffee, u. hĂ€lt dann zwei Mahlzeiten, Morgens zwischen 10 u. 11 Uhr u. Abends nach Sonnenuntergang die Hauptmahlzeit (Akscham); GetrĂ€nk: in der Regel Wasser, seltener Milch, dagegen ist schwarzer, sehr starker Kaffee, aus sehr kleinen Tassen getrunken, ihnen fast unentbehrlich. Das Enthalten vom Genuß des Weines ist jetzt bei den vornehmen Osmanen bei weitem nicht so streng als sonst, auch das betreffende Gesetz ist seit 1826 von Mahmud II. aufgehoben. Außerdem ist der Genuß des Opiums sehr im Gange. Mit diesem u. bes. mit Wein u. Branntwein Berauschte sind indessen bei den TĂŒrken verachtet; Weinschenken u. KaffeehĂ€user sind Regal der Regierung u. werden verpachtet; auch Restaurationen gibt es in den grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten, in kleineren u. Dörfern ersetzen die BĂ€cker deren Stelle. Die Wohnungen sind unansehnlich u. schmucklos; die PrivathĂ€user sind nach der Lehre des Koran (welcher jede Stadt der Osmanen nur als ein Feldlager betrachtet wissen will), meist von Holz u. einstöckig gebaut (daher u. aus Mangel an Feuerspritzen die vielen FeuersbrĂŒnste in großen StĂ€dten, welche oft mehre tausend Wohnungen verzehren) u. haben im Inneren einen viereckigen Hof, nach welchem die Fenster gehen, wĂ€hrend nach außen nur ein eng vergitterter Vorsprung, wo die Frauen sitzen u. Beobachtungen anstellen, u. einige Gitterfenster vorhanden sind. Die Fenster sind gewöhnlich rund, meist ohne Glas, welches nur bei Reichen u. in großen StĂ€dten ĂŒblich ist; bei schlechtem Wetter setzt man in Ermangelung desselben nur einen Rahmen mit geöltem Papier vor. Der Hof ist bei Reichen mit Marmor ausgelegt, auch wohl mit SĂ€ulen umgeben, oft bei schönem Wetter mit Teppichen belegt u. ringsum mit Diwans besetzt. Ähnlich sind die kleinen Zimmer eingerichtet, sie sind meist geweißt, selten zieren Arabesken die WĂ€nde u. Decken; auch hier sind außer den Diwans, Teppichen auf dem Fußboden u. VorhĂ€ngen, welche die Fenster verdecken, keine Meubles vorhanden, doch enthĂ€lt das Zimmer meist WandschrĂ€nke; auch haben die HĂ€user fast durchgĂ€ngig keine Keller. Stets ist die Wohnung des Mannes u. seiner Diener (Salem-Lik) von dem Harem, der Wohnung fĂŒr die Frauen, durch eine Mauer getrennt. Die DĂ€cher sind meist flach. TĂŒrkische Architekten gibt es nicht, meist baut sich der Bauherr sein Haus selbst od. nimmt Griechen, Armenier u. Franken dazu. Die Osmanlis lieben die GĂ€rten sehr; stets sind in denselben Kiosks u. Pavillons von Platanen beschattet u. neben ihnen ein od. einige Springbrunnen angebracht. Die öffentlichen GebĂ€ude, bes. die Moscheen (s.d.), sind im maurischen u. persischen Baustyl, ĂŒberladen u. pomphaft, wegen der hĂ€ufig angebrachten Kuppeln neben den schlanken Minarets, auf deren Spitze der Halbmond glĂ€nzt, aber zierlich gebaut, doch meist ohne richtiges VerhĂ€ltniß u. Symmetrie. SĂ€ulen werden hĂ€ufig zur Verzierung, aber nicht in edeln VerhĂ€ltnissen verwendet. Die BrĂŒcken sind selten von Stein, meist von Holz. Malerei u. Bildhauerkunst sind den TĂŒrken schon aus ReligionsgrĂŒnden fremd, da der Islam Darstellungen von menschlichen Figuren, als zur Abgötterei fĂŒhrend, verbietet; Griechen u. Armenier fertigen aber Arabeskenzierrathen fĂŒr Moscheen, Diwans u. GebĂ€ude der Reichen. Zuweilen zieren rohe Landschaften u. StĂ€dtegemĂ€lde die HĂ€user der Vornehmen u. Reichen, bes. die Harems. Die Nationalkleidung: bei MĂ€nnern, welche nicht in MilitĂ€r- od. Civildienst stehen, ein faltenreicher Rock (Kaftan), weite lange Beinkleider, eine Weste ohne Kragen unter dem Kaftan, eine lange Binde von farbigem Zeug um den Leib geschlungen, ein langes Hemd, meist gelbe Pantoffeln, bei schlechtem Wetter mit weiten Schuhen darĂŒber, bunte od. gestickte Stiefeln, Turban bei Vornehmen mit Reiherbusch, ein langer, sorgsam gepflegter Bart, bei jĂŒngeren Leuten ein Schnurrbart, glatt abgeschorene Haare, bis auf einen langen BĂŒschel (Kiba) auf dem Scheitel, im GĂŒrtel ein Dolch (Khandiar), an der Seite ein SĂ€bel; die Frauen in Ă€hnlicher Kleidung, auch mit weiten Beinkleidern, das Gesicht mit Schleiern (s. oben) tief umhĂŒllt u. am Fuß gelbe Pantoffeln, beim Ausgehen doppelte ĂŒbereinander, von denen, sie ein Paar beim Eintritt in fremde Harems zurĂŒcklassen, [4] Schmuck aller Art, Ohrringe, HalsbĂ€nder von tĂŒrkischen Ducaten, Edelsteine in das Haar geflochten; weiße u. rothe Schminke, selbst SchminkpflĂ€sterchen legen sie fast immer an, malen die Augenbrauen schwarz u. fĂ€rben sich die NĂ€gel mit Alkanna. Die Beamten tragen jetzt ein eigenes CostĂŒm, wo der krapprothe, gesilzte, weit ĂŒber die Ohren gezogene Feß mit großer blauer Quaste u. ohne Schirm den Turban, der polnische schwarze Oberrock den Kaftan, die Pantalons die weiten Beinkleider verdrĂ€ngt haben. Statt des langen Bartes trĂ€gt man einen Schnurrbart. Regen- u. Sonnenschirme sind noch nicht allgemein ĂŒblich. Religion ist der Islam (s.d.), u. zwar gehören die TĂŒrken zur Partei der Sunniten. Die Kinder werden nach der Geburt beschnitten (s. Beschneidung) u. ihnen dabei der Name gegeben. Von den HochzeitgebrĂ€uchen s.u. Hochzeit S. 431; von den GebrĂ€uchen bei der Bestattung der Todten u. ihren LeichenĂ€ckern s.u. Todtenbestattung S. 651 u. Todtenacker. Sprache: die TĂŒrkische (s.d.); die heilige, Hof- u. Gelehrtensprache ist die Arabische. VergnĂŒgungen der MĂ€nner sind gymnastische Spiele, vorzĂŒglich das Dscheridwerfen, die der Frauen das Schaukeln (s.d.), außerdem wird hier u. da Federball gespielt. Auch ergötzen sich die TĂŒrken an TĂ€nzen, welche Griechen auffĂŒhren u. die zuweilen sehr obscön sind, s.u. Tanz S. 242. Auch Kunstreiter u. Taschenspieler haben neuerdings viel Beifall gefunden. Mit theatralischen Vorstellungen ist kaum ein Anfang gemacht. Die KaffeehĂ€user werden stark besucht, u. es gibt dort eigene ErzĂ€hler, welche mit Geschichten u. MĂ€rchen das rauchende Publicum unterhalten. Zum tĂŒrkischen Stamme gehören außerdem noch die Yurucken, welche in geringer Anzahl auf den Hochebenen des Despotogebirges nomadisiren u. wĂ€hrend des Winters in ihre Dörfer in der Ebene von Seres u. lĂ€ngs der Bergkette nordöstlich von Saloniki herabkommen; sowie die Tataren, welche, bes. Viehzucht treibend, etwa 35,000 Köpfe, sich in der Dobrudscha angesiedelt haben, u. die Magyaren, 45,000 Seelen, in der Moldau u. in geringer Anzahl in der Walachei.

b) Zum Griechischen Stamme gehören die eigentlichen Griechen u. die Skipetaren (Albaner, Arnauten). Die Griechen bewohnen das ganze Gestade des ÄgĂ€ischen, Marmora u. Schwarzen Meeres u. haben ihr Centrum in der Chalcidischen Halbinsel, wo sie meist ganz unvermischt leben; auf den Inseln bildet das griechische Volk die einzige Einwohnerschaft mit Ausnahme weniger Dörfer u. einiger Quartiere in befestigten StĂ€dten. Seit den Byzantinern nennen sich die Griechen in der TĂŒrkei Romanen (áżŹÏ‰ÎŒÎ±áż–ÎżÎč), von den TĂŒrken werden sie Rumler (Singular: Rum), von den Slawen Reki genannt; ihre Sprache ist das Neu-Griechische (s.d.); sie sind sĂ€mmtlich Christen u. betragen etwa 1 Mill. Seelen. Die Skipetaren, wie sie sich selbst nennen u. was so viel wie Gebirgsbewohner bedeutet, bewohnen hauptsĂ€chlich Albanien (Epirus); sie mögen von den alten Illyriern abstammen, sind aber spĂ€ter durch hellenischen Einfluß grĂ€cisirt worden. Nach einem der frĂŒheren StĂ€mme, Albani, wurden sie von den Byzantinern in Arvaniti (ገρÎČαΜÎčÏ„Îżáœ·) corrumpirt, woraus die TĂŒrken den Namen Arnauten machten. Durch den Fluß Schkum sind sie in nördliche (Ghegen) u. sĂŒdliche (Tosken) getrennt; zu den ersteren gehören die StĂ€mme der Klementi, Pulati, Dukaginen u. Mirditen, zu den letzteren die Japiden, Chamiden u.a. Das Volk liebt vorzugsweise kriegerische Gewohnheiten u. lĂ€ĂŸt sich daher oft zum Heere anwerben. Nach einer gewissen Dienstzeit werden sie dann in Dörfern angesiedelt, woher es kommt, daß man an den verschiedensten Punkten der TĂŒrkei Arnautendörfer antrifft. Die nördlichen StĂ€mme sind meist ganz unabhĂ€ngig; sie sind theils katholischer, theils griechischer Religion, theils Muhammedaner; ihre Gesammtzahl wird auf 1,400,000 angegeben. c) RumĂ€nen u. Zinzaren, zusammen etwa 4,300,000 Seelen. Die RumĂ€nen sind die Bewohner der Walachei u. Moldau; sie selbst nennen sich Rumuni (Singular: Ruman), den Namen Walachen (s.d.) haben sie von der Bezeichnung Vlachi erhalten, welche ihnen zuerst die Byzantiner u. Magyaren beilegten. Außer in den DonaufĂŒrstenthĂŒmern findet man sie auch in Bulgarien (lĂ€ngs der Donau herauf bis Silistria u. in der Umgegend von Vratscha) u. im östlichen Theile von Serbien, Die Zinzaren, mit den RumĂ€nen nahe verwandt, sind zerstreut ĂŒber Niederalbanien, Thessalien u. das westliche Macedonien. d) Slawische Völkerschaften, zusammen nahe an 8 Mill. Seelen, sind: die Serben, in Serbien, Bosnien, TĂŒrkisch Kroatien, in der Herzegowina u. im nördlichen Albanien; die Bulgaren in Bulgarien u. in einem großen Theile von Macedonien u. Thracien; außerdem zerstreut unter den Albanern, Griechen u. Walachen. Russen sind in geringer Anzahl vorhanden in der Moldau u. in der Dodrudscha; die in der Moldau sind AnhĂ€nger der Secte Origenisten (Skoptzi), die in der Dobrudscha gehören der Secte Starowertzi (AltglĂ€ubige) an. Polen gibt es nur eine einzige Colonie an der MĂŒndung des Salambria e) Semitischen Stammes gibt es Juden u. Araber. Die Juden, deren man 70,000 rechnet, sind ĂŒber die ganze TĂŒrkei zerstreut, bes. in den DonaufĂŒrstenthĂŒmern zahlreich vertreten u. bewohnen in Philippopolis u. Saloniki ganze Stadttheile. Araber finden sich nur als eine mitten unter TĂŒrken bei Basardschik in der Dobrudscha lebende Kolonie. f) Armenier, etwa 400,000 Köpfe, von denen die HĂ€lfte in Constantinopel lebt, die andere HĂ€lfte ĂŒber das ganze Land zerstreut ist u. in grĂ¶ĂŸerer Anzahl sich nur in Adrianopel, Philippopel, Bucharest u. Jassy vorfindet. SĂ€mmtliche Armenier des T. R. bilden eine Nation, deren weltliche Angelegenheiten durch eine unter BestĂ€tigung der Pforte wĂ€hlbare Rathsversammlung von 20 Mitgliedern geregelt werden. In Allem, was innere VerhĂ€ltnisse, Gemeindeausgaben, Schulen etc. betrifft, verwalten sie sich selbst. g) Zigeuner gibt es bes. in den DonaufĂŒrstenthĂŒmern, in Serbien, in Albanien u. an der obern Maritza; man schĂ€tzt ihre Zahl auf 200,000 Köpfe. h) Deutsche gibt es in geringer Anzahl in den grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten, wie Constantinopel, Belgrad u. Bucharest, u. außerdem eine Colonie von etwa 1200 Personen in der Dobrudscha, am SĂŒdufer der Donau. Bei den Serben heißen sie Schwabi, bei den RumĂ€nen Niamtz, bei den TĂŒrken Nemtsche. Die Gesammtzahl der Einwohner der EuropĂ€ischen TĂŒrkei betrĂ€gt demnach etwa 161/2 Million. Der Religion nach sind von diesen etwa 41/2 Mill. Muhammedaner (TĂŒrken, Tataren, Bulgaren, Serben u. Skipetaren), 111/2 Mill. griechische Christen (Griechen, RumĂ€nen, Serben, Bulgaren u. Skipetaren) u. Armenier,[5] 600,000 katholische Christen, die ĂŒbrigen Juden, Zigeuner u. Protestanten (etwa nur 5000).

Obwohl im Allgemeinen die EuropĂ€ische TĂŒrkei einen außerordentlich fruchtbaren Boden hat, steht dennoch der Ackerbau auf einer sehr niedrigen Stufe, theils in Folge der Indolenz der Osmanen ĂŒberhaupt, theils in Folge von den Gewaltmaßregeln der Regierung, welche frĂŒher die Producenten zwang das Getreide etc. zu bestimmten Preisen zu liefern, welche oft noch dazu nicht bezahlt wurden. So kommt es, daß weite fruchtbare Strecken unbebaut liegen u. die Hauptstadt Constantinopel mit russischem Getreide aus Odessa versorgt werden muß. Man reißt den Boden mit einem schlechten Pflug mehr auf, als daß man eigentlich pflĂŒgt, rĂ€umt die Steine u. das Unkraut, bes. die Disteln, nicht weg, sĂ€et nachlĂ€ssig, schneidet das Getreide sehr unordentlich ab u. vernachlĂ€ssigt die Strohnutzung. Das Getreide wird meist gleich auf dem Felde ausgedroschen od. durch Vieh ausgetreten, sonst bewahrt man es im Freien, seltner in kleinen Scheunen auf. Nur die Gegenden um die StĂ€dte u. einzelne ThĂ€ler werden mehr benutzt. Getreidearten (Mais, Weizen, Gerste, Hirse, Moorhirse, Reiß u.a.) sind die FeldfrĂŒchte, welche man erbaut, doch wird auch Lein, Hanf, Safran, Spanischer Pfeffer, Rosinen, Lablab vulgaris u. ArzneikrĂ€uter, Hibiscus esculentus, Cerasus halepensis (letzter zu Pfeifenröhren), gewonnen. Der GemĂŒsebau zieht Zwiebeln, Knoblauch, Bohnen, Pferdebohnen, Kohl, Salat, Gurten, KĂŒrbisse, Melonen, Pilze etc., seltener Artischocken, Rettiche u. Radischen, Linsen, Portulak, Spinat, Schnittlauch, Petersilie, Schalotten, Thymian etc. Der Obstbau gewinnt, außer mittelmĂ€ĂŸigen Birnen, Äpfeln u. Pflaumen, Johannis-, Erd- u. Stachelbeeren, noch Oliven, Maulbeeren, GranatĂ€pfel, Mandeln, Pfirsichen, Kirschen, NĂŒsse, Feigen; SĂŒdfrĂŒchte gedeihen am besten in Thessalien, in SĂŒdalbanien u. auf den Inseln. Weinbau wird nur von den Christen betrieben; die Moldau allein liefert jĂ€hrlich ĂŒber 1 Mill. Eimer, sehr viel auch die Walachei, sowie der Wein ĂŒberhaupt in allen Provinzen gedeiht, auf einigen Inseln sogar ganz vorzĂŒgliche Sorten. Die Gunst des Klimas u. der hĂ€ufig fĂŒr den Wein sehr geeignete Boden ersetzen, was an Cultur abgeht. Nur in der sĂŒdlichen TĂŒrkei trocknet man die Trauben zu Rosinen, doch siedet man den Most zu Peckmes, einem braunen Syrup, ein. Der Ölbau wird in Thessalien u. SĂŒdalbanien bes. lebhaft betrieben, Mohn zu Opium bereitet; Baumwolle u. Tabak, beide sehr gesucht, gewonnen; Krapp wird hĂ€ufig angebaut u. zu TĂŒrkisch Roth verwendet: Blumen, bes. Rosen, werden mit vieler Sorgfalt u. reichlich gezogen; Nutzholz liefern in Menge die noch immer ansehnlichen Waldungen, bes. in den nördlichen u. westlichen Provinzen; Forstcultur existirt dabei gar nicht. Von anderen Erzeugnissen aus dem Pflanzenreiche sind bes. zu nennen: Pistacien, Sumach, Knoppern, GallĂ€pfel, Ladangummi (auf Candia), Mastix u.a. Die Viehzucht, durch treffliche Weiden befördert, wird mehr betrieben; Pferde (von guter Race), Rindvieh (in großen Herden), Schafe (in der Moldau u. Walachei allein 6 Mill. StĂŒck, in einigen Gegenden mit FettschwĂ€nzen), Ziegen, Schweine u. Federvieh, geben nicht nur den Bedarf, sondern auch zur Ausfuhr, Fleisch, Milch, Butter, KĂ€se (mehr Quark Ă€hnlich), HĂ€ute, Wolle etc. werden reichlich gewonnen. In bergigen Gegenden steigt der Hirt mit seinem Vieh den Sommer bei zunehmender WĂ€rme immer höher u. kehrt ebenso im Herbst wieder zurĂŒck, bis er im November im Thal anlangt dort den Winter zubringt; StallfĂŒtterung kennt man nicht. Bienenzucht nicht unbedeutend u. viel Wachsgewinn zur Ausfuhr; Seidenbau wird in sĂŒdlichen Gegenden ziemlich stark betrieben. Blutegel gibt es in großer Menge u. sie bilden einen wichtigen Ausfuhrartikel. Der Bergbau könnte ergiebiger sein, viele Gegenden sind noch wenig benutzt u. nicht untersucht. HauptsĂ€chlich hinderlich ist der Mangel an Bergleuten u. BergbauverstĂ€ndigen. Am besten sind noch die Kupfer- u. Eisenminen bei Karatova, Egri Palanka, Klissura, Samakow u. einige in Bosnien. Das HĂŒttenwesen ist höchst unvollkommen bestellt. Steinsalz gibt es in großen Lagern in der Moldau u. Walachei, Boysalz wird an den KĂŒsten gewonnen. Über die Industrie u. den Handel s. unten. Der Seehandel geht nur durch fremde Schiffe u. die Griechen haben ihn meist in HĂ€nden. Eingetheilt ist die EuropĂ€ische TĂŒrkei in die 14 Ejalete: Tschirmen (EdirnĂ©, das alte Thracien), Silistria, Widdin, Nisch (Bulgarien), Selanik (Theile von Macedonien u. Thessalien), Yania (Janina, SĂŒdalbanien), Uskiup (Ostalbanien), Bosna (Bosnien u. Kroatien), Rumili (Mittelalbanien u. ein Theil von Macedonien), DjizaĂŻr (Archipel), Kryt (Creta); dazu die Schutzstaaten: Eflek (Walachei), Boghdan Moldau) u. Syrp (Serbien). Hauptstadt, wie ĂŒberhaupt aller osmanischen Besitzungen, Constantinopel (Stambul).

B) Asiatische TĂŒrkei (Osmanisches Asien), umfaßt eine Anzahl verschiedenartiger Gebiete, welche zusammen den westlichen Theil Asiens ausmachen u. die im SĂŒden von Arabien, im Osten von Persien u. Russisch Transkaukasien, im Norden vom Schwarzen Meer u. im Westen vom Marmora-, ÄgĂ€ischen u. Mittelmeer begrenzt werden. Mit Ausschluß Arabiens, welches nur zu einem kleinen (nicht genau bestimmten) Theile dazu gehört, wird der FlĂ€cheninhalt dieser LĂ€nder zu etwa 24,000 QM. geschĂ€tzt, mit einer Bevölkerung von 16 Mill. Seelen. Die Bestandtheile dieses weiten Gebietes sind: Kleinasien, Armenien, Kurdistan, Irak-Arabi, Mesopotamien, Syrien mit PalĂ€stina, die Halbinsel Sinai u. ein Theil von Arabien. Das Land ist zu einem großen Theile Hochland, dessen Gebirgsstock der Taurus, vom Kaukasus ausgehend, ist. In Nordost steigen die höchsten Gipfel auf; davon abgehende Zweige sind der eigentliche Taurus u. Antitaurus, der Almatagh (Amanisches Gebirg), Libanon, Antilibanon, Sindschar, Dschudi, an der persischen Grenze das Zagrosgebirg. Im SĂŒdosten, nach dem Persischen Meerbusen u. Arabien zu, breiten sich grĂ¶ĂŸere, jetzt unfruchtbare, frĂŒher zum Theil durch reichliche KanalbewĂ€sserung fruchtbare Ebenen (Mesopotamien, Syrische WĂŒste) aus; manche Ebenen sind salzig. FlĂŒsse: der schiffbare Tigris u. Euphrat, gehen nach dem Persischen Meerbusen; außerdem durchziehen nur kleinere Neben- u. KĂŒstenflĂŒsse das Land. Zum Schwarzen Meere gehen: Tschoroch, Jeschil-Irmak, Kisil-Irmak, Sakarja; zum ÄgĂ€ischen: der Sarabad u. Meinder (Mainder, MĂ€ander); zum Mittelmeer: der Sihon; Aras (Arasch) u. Kur gehen nach Russisch Transkaukasien in das Kaspische Meer, der Jordan zum Todten Meer. Seen: das [6] Todte Meer (Bahr et Lut), ohne Abfluß, der See Genezareth (Tabarieh), der Wan, Ulubad, Beg-Schehr u. Sidi-Schehr, Akserai u.a. Vorgebirge u. Busen am Schwarzen Meere: Hermonassa u. Jassun (am Busen Vona), Termeh u. Tscherehambe (am Busen Samsum), Jedsje, Kerempe, Babu (am Busen Sakarja), Kara; im ÄgĂ€ischen Meere: Baba (am Busen von Edremid), Tschesme, Mentesche u. die Busen Sandarlik u.a.; am Mittelmeere: die Busen von Makri, von Santalia (mit den Vorgebirgen Chelidoni u. Anemur), von Skanderun u.a.; am Rothen Meer: das Vorgebirge Ras Mahomet mit den Busen von Suez u. von Akaba. Das Klima ist im Ganzen sehr mild, nur in den Ebenen u. ThĂ€lern ist die Hitze oft drĂŒckend, wĂ€hrend andererseits auf den HochlĂ€ndern von Armenien, Kurdistan u. Kleinasien oft eine rauhe Luft herrscht. Der Boden ist namentlich in Kleinasien u. Mesopotamien sehr fruchtbar, jedoch wird der Landbau sehr nachlĂ€ssig betrieben; am wichtigsten ist Öl- u. Seidenbau; Viehzucht ist die HauptbeschĂ€ftigung der zu einem großen Theile nomadisirenden Bewohner. Die bemerkenswerthesten Naturerzeugnisse sind: Öl, Mohn, Baumwolle, Krapp, Tabak, einige Arznei u. GewĂŒrzpflanzen, GallĂ€pfel, im SĂŒden auch Palmen, auf dem Libanon Cedern, in Armenien u. Kleinasien Nadel- u. LaubwĂ€lder. Das Thierreich bietet viele u. zum Theil sehr gute Pferde, BĂŒffel, Kameele, Schafe, Angoraziegen, Seidenraupen u. Purpurschnecken; wild Schakals, HyĂ€nen. Edle u. unedle Metalle sind in Menge vorhanden, auch finden sich Steinkohlen, aber bei dem höchst mangelhaften Bergbau ist hier die Ausbeute verhĂ€ltnißmĂ€ĂŸig noch geringer als in der EuropĂ€ischen TĂŒrkei. Die Industrie u. den Handel s. unten. HandelsplĂ€tze: Smyrna (bes. Seehandel), Damask, Aleppo, Brusa, Basra, Trabesun, Bagdad, Angora u.a. Bergbau bes. auf Kupfer in Tokat u. Egerum, auf Blei in Chalkis u. auf dem Ida. Von den Einwohnern sind die Osmanen das Herrschervolk, ĂŒber 121/2 Mill.; außerdem leben hier: Griechen u. Armenier (zusammen etwa 300,000), Araber, Georgier, Lasen, Truchmenen, Kurden, Nosairen, Drusen, Juden (80,000), Zigeuner u. in den HandelsstĂ€dten Franken. Die Araber, Truchmenen, Kurden leben meist nomadisch, treiben RĂ€uberei, transportiren Waaren u. gehören mehr dem Namen nach als wirklich zum T-n R. Hauptreligion: der Islam; neben ihm das Christen- u. Judenthum; die Drusen u. Kurden haben eigene Gottesverehrung. Man spricht tĂŒrkisch, arabisch, griechisch, armenisch, persisch, kurdisch. FĂŒr die Verwaltung ist das asiatische gesammte Gebiet in 21 Ejalete (mit Ausnahme Arabiens) eingetheilt; je nach UmstĂ€nden wird aber von einem Ejalet ein od. das andere Gebiet als Paschalik abgesondert, um zeitweilig von einem besonderen Pascha verwaltet zu werden. Die Ejalete sind: Chudawendiguiar, AĂŻdin, Kastamuni, Bezuk, Trapezunt, Siwas, Karaman, Adana u. Charput (in Kleinasien), Erzerum, Kars u. Wan (in Armenien), Diarbekr, Mossul u. Bagdad (Kurdistan), Bassora (Irak Arabi), Rakka (Mesopotamien), Aleppo, Damaskus, Tarabulus u. Akka (in Syrien). Die HĂ€upter der kurdischen StĂ€mme sind fast nur dem Namen nach der Pforte unterthan, in Wirklichkeit ganz unabhĂ€ngig. C) Osmanisch Afrika. Dazu gehört Ägypten (Missr) mit Nubien, Tripolis (Tarablusi Gharb) mit Barka u. Fezzan u. endlich Tunis, welche nur dem Namen nach als tĂŒrkische Provinzen betrachtet werden können; Ägypten u. Tripolis mehr, Tunis aber, welches nicht einmal Tribut zahlt, weniger. Der FlĂ€chengehalt dieses Gebietes betrĂ€gt etwa 44,000 QM. mit einer Bevölkerung von 5 Mill. Seelen. Über die innere Beschaffenheit, die Lage, den Boden, ĂŒber Producte, Handel, Religion u. Sprache des TĂŒrkischen Afrikas s. die genannten einzelnen LĂ€nder desselben.

Die Staatsverfassung des T-en R-s trĂ€gt durchaus den Charakter einer absoluten Monarchie. Das ganze Reich steht unter dem Großsultan (Großherrn, Padischah) in Constantinopel, welcher dessen weltliches u. geistliches Haupt ist. Er nennt sich Nachfolger der Khalifen, indem Selim I. 1517 diesen Titel nach Bezwingung des damaligen Khalifen von Ägypten annahm, welchen Titel aber die rechtglĂ€ubigen Araber nicht anerkennen, da der osmanische Padischah nicht von Muhammed abstamme. Dennoch ertheilt er an muhammedanische FĂŒrsten, welche auch nicht unter seiner Hoheit stehen, die Investitur. Obgleich der Padischah sich nach einigen von dem Koran ausgesprochenen (wie die Beschneidung, die Vielweiberei, das Verbot des Weines, des Schweinefleisches etc. aufrecht zu erhalten) od. von seinen VorgĂ€ngern gegebenen Gesetzen (sechs Kanunmanen) richten soll, so ist doch seine Regierung unumschrĂ€nkt u. er ist Herr ĂŒber Leben u. Tod aller Rajah (Nichtmuhammedaner), wĂ€hrend er die Osmanlis nicht ohne Rechtsspruch tödten lassen soll. Thronerbe ist in der Regel der Ă€lteste Sohn, doch kann der Sultan auch ein anderes Glied seiner Familie zum Nachfolger bestimmen (einen Bruder, jĂŒngeren Sohn). Er wird mit dem 15. Jahre mĂŒndig, Frauen sind absolut vom Throne ausgeschlossen. Um AufstĂ€nde u. Thronentsetzungen zu vermeiden, bestand seit Bajazet I. das Gesetz, daß alle BrĂŒder des Padischah bei dessen Thronbesteigung hingerichtet werden sollten. Erst 1687 milderte Solyman III. dies Gesetz u. ließ seine BrĂŒder eng u. ganz abgeschlossen in einem Schloß verwahren; der Kislar-Aga fĂŒhrt hier die Aufsicht ĂŒber sie. Mehrmals kamen jedoch auch spĂ€ter noch FĂ€lle vor, wo sie gleich bei der Thronbesteigung od. bei einem Aufruhr dennoch erdrosselt wurden. Auch der barbarische Gebrauch, alle Kinder der Töchter des Großherrn gleich nach der Geburt zu tödten, fand statt u. erst Mahmud II. machte hiervon eine Ausnahme u. ernannte seinen Enkel gleich zum Pascha von drei Roßschweifen. Der Titel des Padischah ist sehr schwĂŒlstig; er nennt sich Alempenah, d.i. Zuflucht der Welt, Zilullah, d.i. Schatten Gottes, Hunkiar (eigentlich TodtschlĂ€ger), Herr ĂŒber Leben u. Tod, Khalif (s. oben), oberster Imam etc. Statt der Krönung wird dem Sultan der SĂ€bel Osmans in der Moschee Ejub in Constantinopel umgĂŒrtet, vorher muß der Schwur auf den Koran, als das höchste Gesetzbuch, von ihm abgelegt werden. Dem Großherrn werden, wenn er ins Feld zieht, sieben Roßschweife vorgetragen. Im diplomatischen Verkehr erhĂ€lt der Sultan den Titel Kaiserliche MajestĂ€t, im Französischen Hautesse (nicht Altesse); bei eigenen Ausfertigungen gebraucht derselbe einen sehr ausfĂŒhrlichen, mit ĂŒberschwĂ€nglichen Bezeichnungen versehenen Titel, in welchem namentlich der Herrschaft ĂŒber die drei StĂ€dte Mekka, Medina u. Kuds (Jerusalem), gegen welche die[7] ganze Welt ihr Angesicht wendet, wenn sie betet, an erster Stelle gedacht ist. Das Reichswappen wird durch einen grĂŒnen Schild mit einem wachsenden silbernen Mond gebildet. Den Schild umgibt eine Löwenhaut, auf welcher ein Turban mit einer Reiberfeder liegt, dahinter sind zwei Standarten mit Roßschweifen schrĂ€g gestellt. Die Namenschiffer des Sultans heißt Thogra (s.d.). Die vielen Frauen des Großherrn sind eigentlich nur Sklavinnen (Odalisken), zum Theil ihm von seiner Mutter, seinen Schwestern, Tanten u. Großen geschenkte, reizende MĂ€dchen, welche im Tanzen, Singen u. in allen KĂŒnsten der Koketterie unterrichtet sind, zum Theil gekauft, u. bewohnen große SĂ€le. Mit den wenigsten pflegt der Padischah Umgang, findet aber eine Odaliske durch mehrfachen Umgang beim Großherrn Beifall, so schenkt er ihr einen kostbaren Pelz, sie heißt dann Kadine (Khadune, Frau, Madame, deren in der Regel sieben sind) u. erhĂ€lt eine abgesonderte Wohnung. Wird ihm von einer ein Kind geboren, so heißt sie Hasseki (AssĂ€ki) Sultane, die erste, bei welcher dies geschieht, Sultane Favorite; feierlich vermĂ€hlt wird nach einem Staatsgesetz, um Aufwand zu vermeiden, dem Padischah keine; die Mutter des Padischah heißt Sultane Valide; alle diese haben ansehnliche Einnahmen, letztere bedeutenden Einfluß auf die GeschĂ€fte des Hofes u. des Staates. Auch die Töchter des Großherrn heißen Sultane. Oft verheirathet der Großherr Odalisken aus seinem Harem, selbst Kadinen, denen er den Scheidebrief gibt, od. Töchter u. Schwestern an GroßwĂŒrdentrĂ€ger od. Lieblinge, welche dadurch sich sehr geehrt fĂŒhlen u. sogleich ihrerseits ihren frĂŒheren Frauen den Scheidebrief geben mĂŒssen. Nur eine Kadine, welche dem Großherrn ein Kind geboren hat, kann nicht mehr verschenkt werden. Die Kadinen eines verstorbenen Großsultans kann der neue nicht zu Gemahlinnen nehmen, wohl aber gehören ihm dessen Odalisken; erstere werden mit ihrem Schmuck u. SchĂ€tzen in ein anderes Serail versetzt; ihre Söhne folgen ihnen, da sie im Gewahrsam des Kislar-Aga bleiben, so wenig als ihre Töchter, welche bis zu ihrer Verheirathung unter der Kehaja Kadine im Serail bleiben, wo sie dann ihre MĂŒtter zu sich nehmen. Der Hofstaat ist sehr ansehnlich u. ceremonienreich; er zerfĂ€llt in Ă€ußeren u. inneren. Jener begreift die Personen, welche zum Dienste des Großherrn selbst bestellt sind u. unter dem Kapu-Agassi, gewöhnlich einem weißen Verschnittenen, stehen; sie sind getheilt in die Abtheilungen Khaß-Oda, Khassine-Odassi (Schatzkammer), Kilar-Odassi (Kellerei), Seferli-Odassi (weiße Zeugkammer), BujĂŒk-Oda (große Kammer) u. KutschĂŒk-Oda (kleine Kammer). Besondere Abtheilungen sind die KĂŒche, der Stall, die JĂ€gerei, die Vorbeter, GĂ€rtner od. GartenwĂ€chter (Bostandschis); sie u. ihr Vorgesetzter (Bostandschi-Baschi, sind jetzt durch die Garden u. den CapitĂ€n der Garde ersetzt), HofĂ€rzte, die Kapitschi-Baschi, eine Art Kammerherren, welche die Kapitschis od. ThorwĂ€chter befehligen. Auch vier Mollas (s. unten) sind bei Hofe angestellt, der Hofprediger od. Almosenier, der Leibarzt, welcher oft nichts von der Arzneikunst versteht, aber aus den Mollas hervorgegangen sein muß, ein Richter ĂŒber die Angelegenheiten von Mekka u. Medina, der Estambul-Effendi, welcher die Verproviantirung Constantinopels besorgt u. zugleich die Aufsicht ĂŒber den Handel, die KĂŒnste hat, auch Erster Richter in Constantinopel ist. Niedere Diener sind: die Pagen (Itschoglams), sonst meist im Islam erzogene Christenkinder, welche zum Tribut eingeliefert u. zur Bedienung des Großherrn erzogen wurden, auch spĂ€ter oft wichtige Posten bekleiden, die Stummen, die Zwerge, die Musikanten, die SteigbĂŒgelhalter u.m.a., in allen mehr als 8000 Personen. Der innere Hofstaat begreift die Frauen des Serails, welche unter dem Kislar-Agassi, d.i. dem Haupt der MĂ€dchen, einem schwarzen Verschnittenen, stehen u. von lauter Verschnittenen bedient werden. Dieser Kislar-Agassi meldet dem Großherrn jede Geburt eines Sohnes; er gilt oft auch in Staatsangelegenheiten viel u. ist oft sehr gefĂŒrchtet. Der Hof ist der Schauplatz der Intriguen der Verschnittenen, Sultaninnen, Odalisken u. anderer Personen. Gewöhnliche Residenz ist das Schloß Delmabaghdsche in Constantinopel (Pera); im Sommer (Mai) wird der Aufenthalt nach den Lustschlössern am Kiaghid Hane od. sĂŒĂŸem Wasser verlegt, wo die Odalisken, dicht eingeschlossen, in officieller ZurĂŒckgezogenheit (Halvet) leben, unverschleiert in den schönen Parks umherschwĂ€rmen u. sich vergnĂŒgen. Manches von diesen Einrichtungen des Hofes hat sich indessen seit Mahmud II. geĂ€ndert.

Alle Ämter des Reiches zerfallen in vier Klassen: wissenschaftliche od. Ämter des Lehrstandes (Ulema), Ämter der Feder (KwalemĂŒre od. Administrationsbeamte), Ämter des SĂ€bels (Armee u. Flotte), HofĂ€mter. Die höchsten Staatsbeamten u. die Generale fĂŒhren den Titel Pascha, je nach dem Grade mit ein, zwei od. drei Roßschweifen; ihnen folgen im Range die Efendi. Die Söhne der Paschas u. die oberen Offiziere fĂŒhren den Titel Bai, alle niederen Offiziere u. Beamten den Titel Aga. Die gesetzgebende u. vollziehende Gewalt wird vom Sultan durch Vermittlung zweier Personen ausgeĂŒbt, welche ihm insoweit am nĂ€chsten stehen, des Großveziers (Sadri Azam) u. des Mufti (Scheich-ĂŒl-Islam). Beide fĂŒhren den Titel Hoheit. Der Großvezier gilt als der Alter ego des Großherrn; er fĂŒhrt im Geheimenrath den Vorsitz, bewahrt das Siegel des Sultans u. war sonst zugleich oberster Befehlshaber im Krieg u. Frieden. Er hat seinen amtlichen Aufenthalt bei der Hohen Pforte od. Pforte des Pascha, weshalb auch die ganze Regierung oft als die Ottomanische Pforte bezeichnet wird. Der Scheich ĂŒl-Islam od. Mufti ist der Wahrer des Gesetzes u. Chef der Ulema, selbst aber weder Priester noch Gerichtsperson, der höchst controlirende Beamte, so daß sein Gutachten (Fetwa) fĂŒr jede Verordnung u. fĂŒr jeden von der höchsten Behörde ausgehenden Act nothwendig ist. NĂ€chst diesen beiden obersten Beamten sind die GeschĂ€fte nach verschiedenen Branchen in der Art von Staatsministerien vertheilt. Die Staatsminister, mit dem Titel Muschir, sind: der Seraskier als der Kriegsminister u. oberste Befehlshaber des Heeres; der KharidschijiĂ©-Naziri od. Minister der auswĂ€rtigen Angelegenheiten; der Umuri-MaliĂ©-Naziri (sonst Defterdar) od. Finanzminister; der Kapudan-Pascha od. Marineminister; der Evkaf-Naziri od. Minister der geistlichen Angelegenheiten, Generalinspector der Wakufs, d.i. der Moscheen u. der den frommen Stiftungen gehörigen GĂŒter; der Tidjaret-Naziri als der Handelsminister; der ZabtijiĂ©-Muschiri als der Polizeiminister; der HarbiĂ©-Naziri als der Feldzeugmeister, Großmeister der [8] Artillerie u. Generalinspector der Festungen; der Zarbchane-Muschiri als der Minister des kaiserlichen Privatschatzes u. Oberaufseher der MĂŒnze. Mit den GeschĂ€ften des Ministers des Innern ist der Musteschar od. erste Rath des Großveziers betraut. Alle Minister vereinigen sich in wichtigen FĂ€llen bes. bei Berathung der Fragen auswĂ€rtiger Politik unter dem Vorsitze des Großveziers u. unter hinzutritt des Scheich-ĂŒl-Islam, so wie des PrĂ€sidenten des Staatsraths zum Diwan od. Geheimenrathe. Der Diwan versammelt sich gewöhnlich zweimal wöchentlich im Serail; außerdem werden auch außerordentliche Sitzungen, in denen gewöhnlich der Sultan zugegen ist, unter tiefem Geheimniß gehalten. Der Diwan ist an die Entscheidung der Ulema's u. des Mufti gebunden. Mit jedem der ministeriellen Departements, ausgenommen dem der auswĂ€rtigen Angelegenheiten, sind permanente RĂ€the verbunden, welche die Fragen vorbereiten u. die Verordnungen ausarbeiten. Der wichtigste dieser RĂ€the ist der seit 1840 errichtete, aus einem PrĂ€sidenten, neun RĂ€then u. zwei SecretĂ€ren zusammengesetzte Staatsrath der Justiz od. höchste Rath, etwa dem Staatsrath in civilisirten Staaten entsprechend. Zu seinem Ressort gehört die Bearbeitung alles dessen, was die Gesetzgebung u. innere Verwaltung betrifft. Als Gerichtshof erkennt er zugleich ĂŒber alle Staatsverbrecher, namentlich ĂŒber MißbrĂ€uche, welche von hohen Beamten in AusĂŒbung ihres Amtes begangen worden sind. Deshalb fungirt er zugleich als Rechnungshof u. hat die BĂŒcher aller Finanzbeamten, nachdem sie bereits von dem Rechnungsrath geprĂŒft worden sind, nochmals zu prĂŒfen. Einmal im Jahre, am ersten Moharrem, d.i. dem ersten Tage des Jahres moslemitischer Zeitrechnung (18. Juni), erscheint der Großherr selbst im Staatsrath, lĂ€ĂŸt sich von der Lage der Angelegenheiten Rechnung ablegen u. ertheilt selbst seine Befehle. Außerdem besteht noch ein Rath des öffentlichen Unterrichts mit einem PrĂ€sidenten, acht RĂ€then u. zwei SecretĂ€ren, ein Rechnungsrath mit einem PrĂ€sidenten, 11 RĂ€then u. zwei SecretĂ€ren, ein Rath der öffentlichen Arbeiten unter dem Minister des Handels mit sechs RĂ€then u. einem SecretĂ€r, ein Rath der Bergwerke unter dem Minister der MĂŒnze mit fĂŒnf RĂ€then u. einem SecretĂ€r, der Polizeirath mit einem Unterpolizeidirector u. 12 RĂ€then, ein oberster Kriegsrath mit 15 Mitgliedern, welcher zugleich als letzte Revisions- u. Appellationsinstanz fĂŒr militĂ€rische Vergehen fungirt, ein Feldzeugamt mit einem PrĂ€sidenten, sechs RĂ€then u. einem SecretĂ€r, der AdmiralitĂ€tsrath mit einem PrĂ€sidenten, sieben Mitgliedern u. zwei SecretĂ€ren, der Rath der MilitĂ€rfabriken mit vier Mitgliedern, das seit 1840 errichtete ObersanitĂ€ts- u. Medicinalcollegium, bei welchem außer neun ordentlichen Mitgliedern auch sieben Abgeordnete der in Constantinopel residirenden Gesandtschaften von Rußland, Österreich, England, Frankreich, Preußen, Italien u. Griechenland fungiren, u. das Bureau der Übersetzer (Terdschuman-Odassi), eine unter dem Ministerium der auswĂ€rtigen Angelegenheiten stehende Behörde, welche bes. fĂŒr die Vermittlung des völkerrechtlichen Verkehrs mit den fremden Nationen thĂ€tig ist. Behufs der provinziellen u. localen Verwaltung ist ein Unterschied zwischen den unmittelbaren u. mittelbaren LĂ€ndern. Die mittelbaren, wozu in Europa die Moldau, Walachei u. Serbien, in Afrika Ägypten, Tunis u. Tripolis, in Asien verschiedene Bezirke Arabiens u. Syriens gehören, haben ihre eigene Verfassung u. ihre eigenen FĂŒrsten, welche der Pforte nur tributĂ€r sind; die unmittelbaren werden unmittelbar vom Mittelpunkt der Regierung, aus verwaltet. Mit Einschluß der mittelbaren Besitzungen ist das ganze Reich in Ejalets od. Generalgouvernements getheilt, welche in Livas od. Provinzen zerfallen; die letzteren sind dann wieder in Kazas (Gazas) od. Districte getheilt. Im Ganzen zĂ€hlt man 36 Ejalets, 171 Livas u. 1636 Kazas; die EuropĂ€ische TĂŒrkei allein umfaßt 15 Ejalets, 46 Livas u. 370 Kazas. An der Spitze eines jeden Ejalets steht der Vali od. Mutessarif als Chef der gesammten Verwaltung. Auch in den unmittelbaren Besitzungen ist die Macht dieses Beamten eine sehr ausgedehnte. Er hat das Recht, unter seiner eigenen Verantwortlichkeit die Gouverneure der Livas, die Vorsteher der Kazas, ĂŒberhaupt alle Civilbeamte seines Bezirks ein- u. abzusetzen; er kann die bewaffnete Macht in Anspruch nehmen u. ist nur der Pforte fĂŒr seine Maßregeln verantwortlich. Als berathende Behörde steht ihm ein permanenter Rath (Medschlissi Kebir) zur Seite, welcher aus einem von der Pforte ernannten PrĂ€sidenten u. zwei SecretĂ€ren, ferner aus dem Defterdar od. Obersteuereinnehmer des Gouvernements, den katholischen, griechischen od. armenischen Bischöfen, den Oberrabbiner u. mehren Kodscha Baschis, d.i. Abgeordneten der Gemeinden, zusammengesetzt ist. Jede Liva wird durch einen KaĂŻmakam od. Mohassil verwaltet, welcher in allen Beziehungen als Stellvertreter des Generalgouverneurs erscheint. Unter dem Beistand des MilitĂ€rcommandanten der Provinz ĂŒberwacht er die Recrutirung u. bildet mit den Mitgliedern des Civilgerichts u. Provinzialrathes (Medschli) das Criminalgericht der Provinz. Er fĂŒhrt den Vorsitz bei der Steueranlage, welche durch eine jĂ€hrlich von den Gemeinden ernannte Commission bewirkt wird, u. hat außer der MilitĂ€rmacht, welche er requiriren kann, selbst eine Anzahl Polizeitruppen unter seinem Befehle. Die Kazas unterstehen der Verwaltung von Mudirs, denen wiederum ein Rath der Notabeln (Wudschuk) zur Seite steht. Sie werden von den Valis ernannt u. sind Unterbeamte des KaĂŻmakams. BezĂŒglich der Verfassung der Ortsgemeinden (Nahijes) besteht ein Unterschied zwischen Stadt u. Landgemeinden. Jede Landgemeinde hat eine Gemeindevertretung, welche aus drei bis zwölf der angesehensten Bewohner (in den muselmanischen Dörfern Sabit, in den griechischen Proastos od. Protogeros, bei den Bulgaren Subaschi genannt) gebildet wird, u. einem Kodscha Baschi, welcher als amtlicher Abgeordneter des Dorfes die Vermittlung mit den oberen Behörden besorgt. Gemeindevertreter, wie Kodscha Baschi, werden jedes Jahr von den Dorfeinwohnern gewĂ€hlt. Das GeschĂ€ft der Gemeindevertreter ist in der Regel ein unbesoldetes Ehrenamt; der Kodscha Baschi dagegen erhĂ€lt meist eine mĂ€ĂŸige Belohnung. Als ein vorzĂŒgliches Vorrecht der Gemeindevertretung ist das ihnen in neuerer Zeit ĂŒbertragene GeschĂ€ft der Einziehung des Karadsch, d.i. der Gemeindesteuer, anzusehen, welche frĂŒherhin unter vielen MißbrĂ€uchen nur von tĂŒrkischen Steuereinnehmern erfolgte. Die Kodscha Baschis haben die Gemeindekassen zu fĂŒhren, die Civilstandregister zu halten, treten als Friedensrichter auf, wenn die Parteien sich vereinigen vor ihnen anstatt vor dem Kadi od. Bischof die Sache zur Entscheidung zu bringen, u.[9] ĂŒben noch sonst manche GeschĂ€fte der sogenannten freiwilligen Gerichtsbarkeit, wie Verabfassung u. BestĂ€tigung von VertrĂ€gen, Beglaubigung von Unterschriften, Versiegelungen etc. Die Verfassung der Stadtgemeinden ist der Verfassung der Dorfgemeinden Ă€hnlich, nur daß in den HauptstĂ€dten u. den von den TĂŒrken besetzten Festungen die Befehlshaber u. Gouverneure eine ausgedehntere Macht ausĂŒben, u. in den StĂ€dten, welche mehre Kirchspiele od. AnhĂ€nger verschiedener Religionen umfassen, jede Religionsgemeinde gewöhnlich ihre besonderen Vertreter u. Beamten hat. Unter den griechischen Rajahs ist ihre Zahl nach den Kirchspielen geordnet; jedes Kirchspiel hat seine Ephoren, gewöhnlich drei, einen Administrator, Schreiber u. Kassirer, welche jedes Jahr durch allgemeine Abstimmung gewĂ€hlt werden; ein Ephimerios des Patriarchen ertheilt ihnen die Investitur. Die GeschĂ€fte des Ephoren sind dieselben wie die des Kodscha Baschi, mit Ausnahme der richterlichen Befugniß. Auch haben diese Vertreter in der Regel nichts mit der Gerichtsbarkeit zu schaffen, welche dann gewöhnlich dem Diwan des Patriarchen od. anderen Gerichten zusteht.

Unter den Osmanen besteht eine völlige Gleichheit der StĂ€nde, u. jeder, welcher sich auszeichnet, kann zu Ämtern u. Ehrenstellen gelangen, ja die tĂŒrkischen Großen lieben es die Ämter mit Leuten des niedersten Standes u. mit nur mittelmĂ€ĂŸigen Köpfen zu besetzen, um die Untergebenen ganz in der Hand zu haben u. nicht von ihnen ĂŒbersehen zu werden. Nach Verlust seiner Stelle tritt der Angestellte wieder unter das Volk zurĂŒck. Höchstens unterscheidet man Scherifs (Emirs, Nachkommen Osmans u. Muhammeds, welche die grĂŒne Farbe zu tragen berechtigt sind), als eine Art Adel. Auch gibt es Lehnsherrn (Timarli, Timarioten), welche grĂ¶ĂŸere GrundstĂŒcke erhalten u. persönlich u. mit einem Theil ihrer Leute im Kriege beritten erscheinen mĂŒssen. Manche Familien haben auch Erbbesitz, so sind die Districtshauptmannschaften in Bosnien erblich, die Familie Ghaurini besitzt mehre Dörfer in Macedonien, die Tschapan-Oglu um Angora, die Kara-Osman-Ogludeglo um Pergamo. Die tĂŒrkischen Unterthanen theilen sich im Allgemeinen in Osmanlis, Rajahs (d.i. Volk, Heerde, die Nichtmuhammedaner) u. Sklaven; letztere thun die Arbeit fĂŒr die Osmanen, ĂŒber ihre VerhĂ€ltnisse u. Lage s.u. Sklaverei S. 176 f. Nur ein Muselman darf Sklaven laufen, Eunuchen darf nur der Großherr u. die WĂŒrdentrĂ€ger des T-n R-es besitzen. Unter den NichttĂŒrken, bes. unter den Slawen u. Griechen, besteht ein Adel. Rajahs erlangen in der Regel keine öffentliche Anstellung, doch wirken sie als Dolmetscher, Kaufleute u. unter der Hand desto mehr.

Die Gesetzgebung zerfĂ€llt in zwei Haupttheile: das religiöse Gesetz (Scheriat) u. das politische Gesetz (Kanun). Das Scheriat, welches indessen auch mit vielen bĂŒrgerlichen Rechtsvorschriften durchwebt ist, hat zu seinen Quellen den Koran, die Sunna od. religiöse Tradition, das Idschma i ĂŒmmet, d.i. die ErklĂ€rungen, Auslegungen u. Entscheidungen der vier ersten Khalifen, u. das Kazas od. die Sammlung gerichtlicher Entscheidungen der vier großen Imams Ebu HanifĂ©, Maliki, Schafii u. Hambeli (s.u. TĂŒrkische Literatur S. 951). Im Anschlusse hieran ist die Rechtsdisciplin durch eine Menge Rechtsgelehrter ausgebildet worden. Aus den Arbeiten derselben sind verschiedene Sammlungen hervorgegangen, welche ebenfalls als Rechtsquelle benutzt werden. Die erste dieser Sammlungen fĂŒhrt den Namen Perlen (DĂŒvar) u. enthĂ€lt RechtssprĂŒche u. Auslegungen bis zum Jahr 1470; die zweite fĂŒhrt den Namen MĂŒlteka ĂŒl buhur (Verbindung der Meere) u. rĂŒhrt von dem gelehrten Scheich Ibrahim Halebi (gest. 1549) her. UrsprĂŒnglich in Arabischer Sprache verfaßt, wurde die letztere Sammlung erst spĂ€ter in das TĂŒrkische ĂŒbersetzt u. im Jahr 1824 revidirt. Sie bildet vorzugsweise die Grundlage fĂŒr die bĂŒrgerlichen RechtsverhĂ€ltnisse u. das Civil- u. Criminalverfahren. Daneben haben auch noch die Provinzialgewohnheiten (Adets) große Bedeutung. Die neueren Verordnungen der Hohen Pforte fĂŒhren verschiedene Namen. Organische Gesetze, welche der Sultan als Beherrscher der GlĂ€ubigen mit religiöser Sanction erlĂ€ĂŸt, werden Hatti-Scherif (erlauchte Schrift), Hatti-Humaium (hohe Schrift) od. einfach Hat (Schrift im eminenten Sinne) genannt; Befehle, welche der Sultan nur als politischer Herrscher erlĂ€ĂŸt, heißen IradĂ©; Verordnungen, welche sich auf Verwaltungsangelegenheiten beziehen, Fermans; diplomatische Conventionen Seneds; Verordnungen, welche die AusfĂŒhrung eines Hatti-Scherif betreffen, Tansimat. Besonders bemerkenswerth sind unter den neueren Reformgesetzen des Sultans Abdul Medschid ein neues Strafgesetzbuch vom Jahr 1840, ein Handelsgesetzbuch von 1850, der Hatti-Scherif von GĂŒlhane vom 2. Nov. 1839, der kaiserliche Hat vom 7. Sept. 1854 u. der Hatti-Humaium vom 18. Febr. 1856 (vgl. Petermann, BeitrĂ€ge zur Geschichte der neuen Reformen des T. R-s, Berl. 1843). Durch den Hatti-Scherif von GĂŒlhane geschah der große Schritt, um die bis dahin noch nicht bestandene Rechtsgleichheit der Rajahs mit den Bekennern des Islams anzubahnen. Nach dem eigentlichen moslemitischen Gesetz ist der UnglĂ€ubige rechtsunfĂ€hig, seine RechtsfĂ€higkeit hĂ€ngt, wenn ihm das Leben geschenkt u. er nicht zum Sklaven gemacht wird, lediglich von der Gnade des Siegers ab, sein bisheriges Grundeigenthum geht auf den Staat ĂŒber, wird ihm der Besitz gelassen, so ist derselbe lediglich ein widerruflicher, von welchem der Rajah Steuern u. Zehnten zu entrichten hat, deren Auferlegung frĂŒher meist nur von der Laune des Paschas abhing. Der Hatti-Scherif von GĂŒlhane sicherte dagegen auch den Rajahs volle GewĂ€hr sowohl ihres Lebens, als ihrer Ehre u. ihres Eigenthums zu; er versprach die EinfĂŒhrung einer regelmĂ€ĂŸigen Art der Besteuerung u. ebenso die EinfĂŒhrung gleicher GrundsĂ€tze ĂŒber die Aushebung zum MilitĂ€r u. ĂŒber die Dauer des Kriegsdienstes; auch sollten die unschuldigen Erben eines Verbrechers nicht ihrer gesetzlichen Rechte beraubt u. die GĂŒter des Verbrechers nicht confiscirt werden. Diese GrundsĂ€tze wurden hierauf auch durch mehre Fermans (Tansimat, s.d.) nĂ€her geregelt u. in AusfĂŒhrung gesetzt. Die wirkliche Befolgung der hiermit gegebenen Vorschriften wurde jedoch von den wenigsten Paschas eingehalten. Um dem Tansimat eine strengere Anwendung zu sichern u. den GrundsĂ€tzen des Hatti-Scherif eine weitere Entwickelung zu geben, erfolgte die VerkĂŒndigung des kaiserlichen Hat vom 7. Sept. 1854, welcher die volle Anwendung des Gesetzes bei den Gerichten, die Gerechtigkeit in allen Angelegenheiten, Ordnung[10] der Finanzen u. Verbesserung des Looses aller Klassen der Unterthanen als die Aufgabe der Regierung proclamirte. Noch grĂ¶ĂŸere Versprechungen enthĂ€lt der Hat-Humaium vom 18. Febr. 1856. Derselbe verkĂŒndigte in 21 Punkten zunĂ€chst nochmals die Aufrechterhaltung des Hatti-Scherifs von GĂŒlhane u. der Tansimatgesetze, neue GewĂ€hrleistung der der Griechischen u. Armenischen Kirche von Alters her zustĂ€ndigen Vorrechte, Entbindung der Patriarchate u. Synoden von aller weltlicher u. gerichtlicher Gewalt u. Einrichtung einer besonderen Verwaltungsbehörde fĂŒr die griechischen u. armenischen Rajahs, Gleichstellung der verschiedenen Culte u. allgemeine Erlaubnißertheilung zur Erbauung christlicher Kirchen, Verzicht auf Verfolgung wegen Glaubenswechsels, Zulassung der Christen zu allen StaatsĂ€mtern, Errichtung allgemeiner Volksschulen, EinfĂŒhrung weltlicher Gerichtsbarkeit fĂŒr die Rajahs u. Bildung von aus Rajahs u. Muhammedanern zusammengesetzten Gerichtshöfen bei Streitigkeiten zwischen GlĂ€ubigen u. UnglĂ€ubigen, Codification aller Civil- u. Criminalgesetze mit Übersetzungen in allen Reichssprachen, Reform der GefĂ€ngnisse u. der Polizei, Zulassung der Christen zu allen militĂ€rischen Graden, Umgestaltung der Provinzialbehörden, FĂ€higkeit der Franken zum Erwerb von Grundbesitz, EinfĂŒhrung directer Besteuerung, Verbesserung der Straßen u. KanĂ€le, EinfĂŒhrung eines Voranschlags fĂŒr den Staatshaushalt, Vertretung der Christen im Staatsrats Errichtung von Creditinstituten u. Reform der MĂŒnzeinrichtungen. Von allen diesen Reformen sind jedoch bei weitem die meisten auch jetzt noch nur auf dem Papiere zu finden. Ein Haupthemmniß jeder freieren Entwicklung bildet der schlechte Zustand der in moslemitischen GlaubenssĂ€tzen befangenen Rechtspflege. Der oberste Gerichtshof ist der Arzodassi, welcher in zwei Abtheilungen (Sudurs), die eine fĂŒr Rumelien od. Europa (Sadri-Rumili od. Rumili-Kazi-Askeri), die andere fĂŒr Anatolien od. Asien (Sadri-Anatoli od. Anatoli-Kazi-Askeri), jede mit einem Kazi Asker als Vorsitzender an der Spitze u. zehn Beisitzern zerfĂ€llt. Unter der Sanction des Scheich-ĂŒl-Islam besetzen beide Sudurs alle Richterstellen in ihren bezĂŒglichen Departements. Eine Art Mittelinstanz bilden die 21 Mevleviets der unmittelbaren LĂ€nder, an deren Spitze je ein Mollah steht. Die Gerichte erster Instanz sind die Kazas (Gazas), deren es 120 gibt. Jedes dieser Gerichte besteht aus einem Richter (Mollah od. Kadi), einem Staatsanwalt (Mufti), einem HĂŒlfsrichter (NaĂŻb), einem Gerichtsvollzieher (Ayak NaĂŻb) u. einem Schreiber (Basch Kiatib). Außerdem bestehen noch Orts- u. Friedensgerichte; die Christen wenden sich zur Entscheidung ihrer Rechtsstreitigkeiten oft an die Bischöfe, die Juden an den Rabbiner. FĂŒr Rechtsstreitigkeiten zwischen Einheimischen u. Fremden gibt es gemischte Handelsgerichte u. Polizeistrafbehörden, fĂŒr Streitigkeiten, bei denen blos Fremde betheiligt sind, die Consulatsgerichte der betreffenden Nationen. Die Gerichtssitzungen der tĂŒrkischen Richter (Meskemes) geschehen ohne Beisitzer, nur der Schreiber protokollirt zu FĂŒĂŸen des Diwans, auf welchem der Richter sitzt; beim Zeugenverhör wird der Rajah als Zeuge gegen den Moslem nicht angenommen. Die Entscheidung wird meist sehr summarisch ertheilt. Die Schuldgesetze sind sehr streng; der siegende GlĂ€ubiger erhĂ€lt entweder sogleich Befriedigung od. der Schuldner wandert in das GefĂ€ngniß, wenn er nicht einen BĂŒrgen zu stellen vermag. Das Hypothekenrecht ist durchaus unausgebildet. Testamente werden meist mĂŒndlich vor Zeugen errichtet. Bei Erbschaften erhĂ€lt meist der JĂŒngste das Haus. Unter den Criminalstrafen spielt die Todesstrafe eine sehr bedeutende Rolle; sie wird bald durch Kopfabschneiden mit dem Jattagan, bald durch HĂ€ngen, auch durch ErtrĂ€nken vollzogen. Sonstige Strafen sind die Bastonade, bei welcher der Verbrecher StockprĂŒgel auf die durch ein Bret gesteckten Fußsohlen empfĂ€ngt, gewöhnliche StockprĂŒgel u. GefĂ€ngniß. Die Folter besteht noch in großer Ausdehnung. Vgl. J. von Hammer, Staatsverfassung u. Verwaltung des Osmanischen Reichs, Wien 1815, 2 Thle.; A. von BassĂ©, Das TĂŒrkische Reich, Lpz. 1854; von Reden, Die TĂŒrkei u. Griechenland in ihrer EntwickelungsfĂ€higkeit, Frankf. a. M. 1856.

Landesreligion ist der Islam (s.d.), nach der Secte der Sunniten. Oberstes Haupt des Islam ist der Großherr; das heilige Buch ist der Koran (s.d.); die Gelehrten, welche dasselbe erklĂ€ren u. deuten, sind die Ulema's; an deren Spitze steht der Scheich-ĂŒl-Islam od. Großmufti, welcher in sich nĂ€chst dem Sultan die oberste Gewalt der Gesetzgebung u. das höchste kirchliche Amt vereinigt; er umgĂŒrtet bei der Thronbesteigung den Sultan mit dem SĂ€bel Osmans u. seine Gutachten (Fetwa) sind von höchster Bedeutung. Der Ulema, gewöhnlich aus den niederen Klassen recrutirt, tritt, wenn er 10 od. 12 Jahre alt die Schule verlĂ€ĂŸt, als Novize in eine der mit den großen Moscheen verbundenen MedressĂ©s (die Seminarien des Islam), in welcher er als Softa 10–15 Jahre verbringt u. Unterricht in der Grammatik u. Arabischen Syntax, in der Logik, Moral, Rhetorik, Philosophie, Theologie, Rechtsgelehrsamkeit, im Koran u. in der Sunna erhĂ€lt. HinlĂ€nglich vorbereitet wird der Softa durch den Großmufti zum Wulazim ernannt, als welcher er Richter (Kadi) werden kann. Wenn er aber zu den höheren WĂŒrden des Gesetzes gelangen will, muß er von Neuem 7 Jahre auf das Studium des Rechtes, der Dogmatik u. mĂŒndlichen Auslegung etc. verwenden. Hierauf wird er vom Mufti zum MĂŒderris ernannt. Die GotteshĂ€user der Muhammedaner werden gewöhnlich Moscheen genannt; die grĂ¶ĂŸeren heißen Dschami, die kleineren Medschid. Die Geistlichkeit ist in fĂŒnf Klassen getheilt: die Scheichs, d.h. Älteste, sind die Hauptprediger in den Moscheen; die Khatib sind die Vorbeter des KhutbĂ© (des öffentlichen Gebetes fĂŒr den Sultan); die Imams besorgen den gewöhnlichen Dienst in den Moscheen u. die Trauungs- u. BegrĂ€bnißfeierlichkeiten; die MuĂ«zzin verkĂŒnden von den Minarets die Stunden des Gebetes; die KaĂŻms sind die WĂ€chter u. Diener der Moscheen. Die beiden letzten Klassen gehören nicht zu den Ulema's. Neben der Weltgeistlichkeit gibt es auch eine Ordensgeistlichkeit, die Derwische, eine Art Mönche. Die Geistlichkeit trĂ€gt hellgrĂŒne Turbans, die Derwische hohe spitze MĂŒtzen von grauem Filz u. weite Röcke. Geduldet werden außerdem alle Anbeter nur Eines Gottes, die Götzendiener aber gebietet der Koran zu vernichten. Es besteht daher im T-n R. der griechische, katholische, armenische Cultus, so wie die Mosaische Religion; der Protestanten gibt es wenig. Alle die AndersglĂ€ubigen (Rajahs, s. oben) waren sonst in einem vollkommen rechtslosen Zustande; in neuerer Zeit sind mehre Gesetze[11] zu ihren Gunsten erlassen (s. oben S. 9), ohne daß jedoch hierdurch AusbrĂŒche der Volkswuth gegen sie in einzelnen Provinzen ihr Ende gefunden hĂ€tten. Die Griechisch-orthodoxe Kirche zĂ€hlt noch, wie zu alten Zeiten, ihre Patriarchen von Constantinopel, Antiochia, Jerusalem u. Alexandria; die drei letzteren haben aber wenig Bedeutung. Der Patriarch von Constantinopel ist der ökumenische, das Haupt der MorgenlĂ€ndischen Kirche; er prĂ€sidirt der Heiligen Synode, welche aus den drei ĂŒbrigen Patriarchen, zwölf Metropoliten u. Bischöfen u. zwölf angesehenen Laien besteht, u. hat die Große Schule der Nation unter sich. Unwissenheit der Geistlichen u. der Verkauf der geistlichen Stellen sind ganz gewöhnlich. Die Römisch-Katholische Kirche besteht theils aus Lateinischen Christen, theils aus Unirten Armeniern, Griechen etc. u. zĂ€hlt 28 Patriarchen u. Bischöfe, von denen fĂŒnf auf die EuropĂ€ische TĂŒrkei kommen. Die Armenier haben vier Patriarchen an der Spitze ihrer Glaubensgemeinschaft, in Constantinopel, Sis, Aktamar u. Jerusalem. Jede von der Pforte anerkannte Religionsgesellschaft (Millet) ist der Regierung gegenĂŒber durch ihren Chef vertreten, die Juden durch ihren Großrabbiner in Constantinopel. Von einer geistigen Cultur der Muhammedaner, im Sinne der christlichen, kann keine Rede sein. Der öffentliche Unterricht ist im Jahr 1847 neu organisirt worden u. man hat die Lehrerstellen in drei Kategorien gebracht. In Elementarschulen wird Lesen, Schreiben, Rechnen, Religion, Erdbeschreibung u. Geschichte des Osmanenreichs, sowie TĂŒrkische Sprache gelehrt; die Eltern mĂŒssen die Kinder in die Schulen schicken; der Unterricht ist unentgeldlich; wenn die Schule sich nicht aus eigenem Vermögen zu erhalten vermag, hilft die Regierung nach. In Mittelschulen wird Religionsgeschichte, Mathematik etc. gelehrt; auch hier ist der Unterricht frei u. die Anstalten werden von der Regierung unterhalten. Die höchsten Anstalten sind die Specialschulen, wie die beiden Schulen in den Moscheen der Sultane Achmed u. Selim fĂŒr zum Civildienste bestimmte junge Leute, die 1850 gegrĂŒndete Schule der Sultanin Mutter fĂŒr den Unterricht in den höheren Zweigen der Staatsverwaltung u. Diplomatie, die Medresses fĂŒr die Ulema's, die von Mahmud gegrĂŒndete Medicinische Schule von Galata SeraĂŻ, die Kriegsschule, die Genie- u. Artillerieschule, die Marineschule, die VeterinĂ€rschule u.a. Die Christen haben ihr eigenes Schulwesen, welches jedoch hĂ€ufig genug in sehr vernachlĂ€ssigtem Zustande ist; in Bosnien u. der Herzegowina kommt beispielsweise auf 100 Dörfer kaum eine Schule. Der höhere Unterricht der Griechen steht unmittelbar unter dem Patriarchat u. wird durch die sogenannte Große Schule der Nation in Constantinopel bewirkt. Auch die Juden haben ihre eigenen Lehranstalten, doch in sehr armseliger Verfassung. Öffentliche Bibliotheken findet man in namhafter Anzahl, in Constantinopel allein etwa 40, aber der Zutritt ist durch die Statuten den Nichtmuhammedanern sehr erschwert. Seit 1851 besteht in Constantinopel auch eine Akademie der Wissenschaften u. seit 1853 eine SociĂ©tĂ© orientale zu Durchforschung des Orients in culturhistorischer, naturwissenschaftlicher u. artistischer Beziehung. Die periodische Presse ist verhĂ€ltnißmĂ€ĂŸig schwach vertreten. Im Jahr 1853 gab es 34 periodische BlĂ€tter, von denen in Constantinopel 13, in Smyrna 6, in Kairo 2, in Alexandrien 1, in Serbien 8, in den DonaufĂŒrstenthĂŒmern 4 erschienen, davon waren in tĂŒrkischer Sprache 4, in arabischer 1, in griechischer 3, in armenischer 2, in französischer 10, in italienischer 3, in bulgarischer 2, in serbischer 4, in walachischer 2, in deutscher Sprache 2 BlĂ€tter geschrieben. Die periodische Presse ist der Censur unterworfen. Die Zahl der Buch- u. Steindruckereien hat in den letzten Jahren sehr zugenommen. Über die wissenschaftliche Bildung s. TĂŒrkische Literatur.

Was die Finanzverwaltung betrifft, so sind die Nachrichten darĂŒber, obwohl seit 1856 ein förmlicher Etat ausgestellt wird, noch sehr unregelmĂ€ĂŸig. Jedes Ejalet hat einen Generaleinnehmer (Defterdar), jede Liwa einen Untereinnehmer (Mal MĂŒderi), welcher in seinen Befugnissen auch die Überwachung gewisser besonderer Einnahmen, wie von Zöllen, Posten, BrĂŒckengeldern, Salinen, Fischereien etc. hat. JĂ€hrlich werden die RechnungsgeschĂ€ftsbĂŒcher dem Finanzministerium zur Controle ĂŒbersendet. Nach dem neuesten Etat von 1863–64 sollen die Gesammteinnahmen 12,042,160 Pfd. Sterl., die Ausgaben 11,876,000 (davon etwa 31/2 Mill. fĂŒr die öffentliche Schuld) Pfd. Sterl. betragen, so daß sich ein Überschuß von 166,160 Pfd. Sterl. (Ă  125 Piaster) ergeben wĂŒrde, wĂ€hrend bisher noch immer sich alljĂ€hrlich ein starkes Deficit gezeigt hat. Nach dem im April 1862 dem englischen Parlament vorgelegten Etat fĂŒr das Finanzjahr 1859/60 betrugen die Einnahmen: Einkommensteuer 2,224,320, Loskauf vom MilitĂ€r 476,873, Zehnten 2,844,515, Abgabe von Schafen, Schweinen u. Fischereien 866,851, Zölle 1,385,438, Tabaksteuer 205,822, Stempel u. Accise 62,436, Gewerbeconcessionen 813,258, Post 50,142, Salzminen 85,237, Tribute 374,296, ArsenaleinkĂŒnfte 118,719, Verschiedenes 203,701, zusammen 9,711,608 Pfd. Sterl. Die Ausgaben dagegen: Staatsschuld 1,577,823, Pilgerfahrt nach den heiligen Orten 384,252, WohlthĂ€tigkeitsanstalten u. Pensionen 215,304, Einziehung entwertheter MĂŒnzen 261,336, Armee u. Marine 4,337,551, Civilliste 1,253,878, AuswĂ€rtiges 205,412, Handel u. öffentliche Arbeiten 77,940, Justiz 85,244, Inneres 1,524,333, Öffentlicher Unterricht 22,419, Polizei 110,373, Finanzverwaltung 1,022,348, Verschiedenes 10,370, zusammen 11,088,583 Pfd. Sterl., so daß sich ein Deficit von 1,376,975 Pfd. Sterl. ergab. Die Staatsschuld besteht in einer inneren u. einer Ă€ußeren. Die innere Schuld bestand 1861 aus: 6 Proc. consolidirte Schuld (Essams DjeddidĂ©s) 250 Mill. Piaster, 6 Proc. Schatzscheine (HasnĂ©-Jahvili) 280 Mill. Piaster, 6 Proc. Schatzobligationen (Sherghis) 430 Mill. Piaster, Renten (Essams MamtuzĂ©s) 75 Mill., Schuld von Galata 634 Mill., Papiergeld (KaĂŻmĂ©hs) 70,341,000, schwebende Schuld 550 Mill., zusammen 2,289,341,000 Piaster od. 18,312,000 Pfd. Sterl. (ungefĂ€hr 120 Mill. Thlr.); die Ă€ußere Schuld betrĂ€gt: Anleihe von 1854 zu 6 Proc. 3 Mill. Pfd. Sterl., Anleihe von 1855 zu 4 Proc. 5 Mill., Anleihe von 1856 zu 6 Proc. 5 Mill., französische Anleihe von 1860 zu 6 Proc. 2,037,220, Anleihe von 1862 in London zu 6 Proc. 8 Mill., zusammen die Ă€ußere Schuld (nach Abrechnung 1/2 Mill., welche bereits getilgt ist) 22,537,220 Pfd. Sterl. Die gesammte Staatsschuld betrug 1861, mithin beinahe 41 Mill. Pfund Sterling (ungefĂ€hr 280 Mill. Thlr.). Das Papiergeld (KaĂŻmĂ©h) wurde im Jahr 1856 auf 300 Mill. Piaster geschĂ€tzt,[12] ist aber seitdem allmĂ€lig eingezogen worden u. soll gegenwĂ€rtig ganz getilgt sein. Eine geordnete Finanzverwaltung wĂŒrde die tĂŒrkischen Staatsfinanzen mit zu den blĂŒhendsten in der Welt machen können, denn die TĂŒrkei besitzt ĂŒberreiche HĂŒlfsquellen in seinem so fruchtbaren Boden, in den unausgemessenen Waldungen u. in den kaum gekannten Bergwerken. Doch haben Verschleuderung der Gelder u. die verkehrtesten BesteuerungsverhĂ€ltnisse das Reich dem Staatsbankerott nahe gefĂŒhrt. Die hauptsĂ€chlichsten Steuern sind: die (meist verpachteten) Zehnten, von Getreide, Obst, Schafen, Ziegen, Schweinen u. Bienenkörben erhoben, u. zwar in Rohprodukten. Die Einkommensteuer; sie ist sehr drĂŒckend, indem Getreide, Obst, Vieh etc. mit dem Zehnten eine doppelte Steuer, u. wenn dergleichen GegenstĂ€nde nach dem Auslande od. von u. nach Rumelien od. Kleinasien gebracht werden, sogar noch eine dritte Besteuerung tragen mĂŒssen; Seidenwaaren u. Tabak haben selbst noch eine vierte u. fĂŒnfte Steuer zu zahlen. Die Kopfsteuer (Kharadsch) wurde frĂŒher von den Rajahs fĂŒr die Befreiung von Kriegsdiensten erhoben, allein seit 1856 sollen diese auch zum Kriegsdienste herangezogen werden, die nicht Eingestellten aber eine MilitĂ€rsteuer zahlen; die Gewerbesteuer auf Boden u. Magazine wird nach dem Umfang der darin betriebenen GeschĂ€fte mit monatlich 10–60 Piastern erhoben; die Stempelsteuer wird fĂŒr alle an öffentliche Behörden gerichtete Eingaben fĂŒr Eigenthumstitel etc. geleistet; die Accise wird von allen Lebensmitteln erhoben, welche vom Lande durch die Thore einer Stadt nach Thorschluß gebracht werden. Die Salinen u. Fischereien sind verpachtet. Zölle werden 5 Proc. von der Einfuhr, 12 Proc. von der Ausfuhr erhoben; die bedeutendsten ZollĂ€mter sind Varna, Constantinopel, Salonich, Janina, Skutari, Smyrna u. Beirut. In frĂŒherer Zeit waren Vermögensconfiscationen sehr hĂ€ufig, seit dem Hatti-Scherif von GĂŒlhane (1839) sollen sie jedoch nicht mehr vorkommen.

Die tĂŒrkische Kriegs macht steht unter dem Oberbefehl des Sultans. Die Centralleitung der militĂ€rischen Angelegenheiten der Landarmee wird durch den Seraskier (Kriegsminister) u. das Seraskierat (Kriegsministerium) ausgeĂŒbt. FĂŒr das Artilleriewesen, die Festungen u. die MilitĂ€rfabriken bestehen eigene Commissionen. Das Seraskierat hat seinen Sitz zu Constantinopel; es ist zusammengesetzt aus dem Seraskier, vier Feriks, fĂŒnf Liwas, dem Molla (oberstem MilitĂ€rrichter), fĂŒnf höheren u. einer Anzahl niederer Offiziere u. Beamten. Die gegenwĂ€rtige Organisation der Armee wurde nach europĂ€ischem Muster von Mahmud II. begonnen, doch erst dessen Nachfolger Abdul-Medschid vermochte von 1843 an mit der Neubildung der Armee wesentlich vorwĂ€rts zu kommen, u. noch gegenwĂ€rtig sind die Formationen nicht ganz beendet, obgleich auch der jetzige Sultan Abdul-Aziz das Reformwerk mit grĂ¶ĂŸter Energie fortsetzt. In der Armee bestehen folgende Chargen: Serdar (Generalissimus, nur in besonderen FĂ€llen), Muschir (Marschall), Ferik (Divisionsgeneral), Liwa-Pascha (Generalmajor), Miri-Alaj (Oberst), Kaimakam (Oberstlieutenant), Alai-Emini (Verwaltungsmajor), Bim-Baschi (Bataillonscommandeur), KolassĂ© (Adjutantmajor), Juz-Baschi (Compagniechef), Mulazimi-Zani (Oberlieutenant), Mulazimi-Evvel (Uterlieutenant). Die Armee besteht aus dem Nizam (Linie), Redif (Landwehr), HijadĂ© (Reserve) u. den irregulĂ€ren Aufgeboten. Der Nizam besteht aus sechs Ordu (Armeecorps) u. einigen in diese Armeecorps nicht eingetheilten Truppen. Die erste Ordu (Gardecorps) u. die zweite haben ihren Stab zu Constantinopel, die dritte zu Monastir, die vierte zu Kerberut, die fĂŒnfte zu Damaskus, die sechste zu Bagdad. Jede Ordu wird befehligt von einem Muschir; dessen Stab besorgt die Verwaltung u. die GeneralstabsgeschĂ€fte u. zĂ€hlt einen Ferik, einen Liwa, drei Miri-Alajs od. Kaimakams u. zwei Ulemas (Gesetzkundige). Ein besonderes Corps des Generalstabes existirt nicht im tĂŒrkischen Heere. Jede Ordu soll an Truppen enthalten sechs Regimenter Infanterie, vier Regimenter Cavallerie u. ein Artillerieregiment. Je zwei Infanterie- od. Cavallerieregimenter bilden eine Brigade, je zwei Brigaden eine Division. Die Zusammensetzung der Armeekörper ist aber von dieser reglementaren Formation meist sehr abweichend. Die Organisation der Ordu befindet sich in sehr verschiedenen Stadien. Bei den zwei ersten Armeecorps, welche als Elite betrachtet werden, ist dieselbe vollstĂ€ndig durchgefĂŒhrt, der Sollstand der Truppen ist sogar ĂŒberschritten; von dieser Überzahl werden zeitweise Chargen u. Leute an die in der Formation zurĂŒckgebliebenen Corps abgegeben. Die dritte Ordu hat seit 1859 ihre Formation vollendet. Bei der vierten u. fĂŒnften Ordu kann man höchstens die Infanterie dem Plane gemĂ€ĂŸ formirt annehmen; die Cavallerieregimenter sind zwar auch formirt, aber weit unter dem Stand u. auch in der Ausbildung zurĂŒck; die Artillerieregimenter haben ihre Batterien noch nicht ausreichend bemannt u. sind sehr unvollkommen ausgerĂŒstet. Bei der sechsten Ordu befinden sich auch die Infanterieregimenter noch weit unter der SollstĂ€rke, die Cavallerie besteht nur aus schwachen irregulĂ€ren Haufen u. die Artillerie hat nur vier schlecht ausgerĂŒstete Batterien. Jedes Infanterieregiment hat vier Bataillone (Tabor) zu acht Compagnien; jedes vierte Bataillon ist ein JĂ€ger- od. Zuaven- (Dschidschanedi-) Bataillon. Jede Compagnie zĂ€hlt 100 Streitbare, jedes Bataillon hat als SollstĂ€rke 27 Offiziere u. 784 Mann, jedes Regiment 118 Offiziere u. 3191 Mann. Die Zuavenbataillone sind ganz neu errichtet u. ihre Formation ist noch nicht vollendet. Jedes Regiment hat zwei Fahnen, eine grĂŒne, die Prophetenfahne, welche nur bei Feierlichkeiten gebraucht wird, u. eine rothe, welche mit ins Feld genommen wird. Die gesammte Cavallerie ist leichte Reiterei. Jedes Regiment hat sechs Escadronen, die erste u. letzte mit SĂ€beln, die vier Mittelescadronen mit Lanzen bewaffnet; eine Escadron soll zwei Hauptleute, zwei Lieutenants u. 149 Mann zĂ€hlen, ein Regiment 933 Mann mit 871 Pferden. Fahnen od. Standarten hat die Cavallerie nicht. Die Artillerieregimenter unterstehen in technischer u. administrativer Beziehung dem Artillerieinspector, in den ĂŒbrigen dienstlichen Angelegenheiten dem Muschir. Der Regimentskommandeur (Topschi-Pascha) hat den Rang eines Brigadegenerals. Das Regiment zĂ€hlt 1638 Köpfe u. 12 Batterien (einschließlich einer Gebirgsbatterie) in fĂŒnf Abtheilungen; jede Batterie hat sechs GeschĂŒtze (Acht- od. ZwölfpfĂŒnder); bespannt sind die GeschĂŒtze mit sechs od. acht Pferden, die GebirgsgeschĂŒtze werden jedes durch drei Tragthiere fortgeschafft. Das Artilleriematerial ist im Allgemeinen gut u. die Feldartillerie ist die am besten[13] geschulte Waffe im tĂŒrkischen Heere. Man ist darĂŒber die gezogenen GeschĂŒtze einzufĂŒhren u. hat solche sowohl im AnstĂ€nde bestellt, als auch im Artilleriearsenal anfertigen lassen. Außer diesen sechs Ordu gehören noch zum Nizam: die zwei Artilleriebrigaden des Bosporus u. der Dardanellen; jede Brigade besteht aus zwei Regimentern, jedes Regiment ist in zwei Bataillons zu drei Compagnien gegliedert; jedes Regiment besetzt die Werke an einem Ufer der Meerengen u. zĂ€hlt 900 Mann; in den Batterien jeder Meerenge befinden sich 400 bis 500 schwere GeschĂŒtze; Bombenkanonen sind davon sehr wenige, gezogene Kanonen sind noch gar nicht vorhanden, dagegen gibt es KammergeschĂŒtze (Kamerlins), welche ungeheure Steinkugeln schießen; das Geniecorps, zwei Bataillone (jedes hat eine Mineur-, zwei Sappeur u. eine Pontoniercompagnie; die letztere hat zwei Biragosche BrĂŒckenequipagen) in der StĂ€rke der Infanteriebataillone; die selbstĂ€ndige Brigade auf der Insel Kreta, 4000 Mann; die Gendarmerie, noch in der Bildung begriffen, zĂ€hlt gegenwĂ€rtig erst 4000 Mann, soll aber noch bedeutend verstĂ€rkt werden, so daß jedes Ejalet ein selbstĂ€ndiges Corps erhalten kann; vom Artilleriehandwerkerregiment zu drei Bataillonen, jedes etwa 600 Mann, sind die beiden ersten Bataillone im Artilleriearsenal zu Tophana, das dritte in den Gewehrfabriken zu Dolmabaghdsche zu Zeitum-Burnu verwendet; die bestehenden zwei Arbeitercompagnien sind in der Lederfabrik zu Beykos verwendet zur Herstellung des fĂŒr die Armee nothwendigen Riemzeuges. Der Redif (Landwehr) soll Truppen aller Waffen in derselben Anzahl, StĂ€rke u. Formation erhalten, wie der Nizam. Im Frieden sind nur die Cadres aufgestellt, die ĂŒbrige Mannschaft ist beurlaubt u. wird in jeder Ordu von einem Brigadegeneral beaufsichtigt; zur ErgĂ€nzung der Regimenter sind dem Redif stets dieselben Bezirke angewiesen wie dem Nizam. BestimmungsmĂ€ĂŸig soll die Redifmannschaft alljĂ€hrlich einen Monat zu WaffenĂŒbungen einberufen werden, man hat aber von diesem Gesetz noch keine Anwendung gemacht. Die Organisirung des Redif ist bei den beiden ersten Ordu völlig durchgefĂŒhrt, beim 3. u. 4. Corps noch unvollstĂ€ndig u. beim 5. u. 6. noch nicht begonnen. Die HijadĂ© (Armeeserve) wird aus den vom Redif entlassenen Mannschaften gebildet, von den Behörden des Redif geleitet u. soll lediglich im Kriege zur Completirung der Armee angewendet werden. Die irregulĂ€ren Truppen sind der Zahl u. dem Werthe nach von den politischen VerhĂ€ltnissen der einzelnen Theile des Reichs abhĂ€ngig u. entziehen sich daher jeder genauern SchĂ€tzung. Sie bestehen aus Baschi-Bozuks, den Freiwilligen, den Miriditen u. den Jerli-Toptschis. Die Baschi-Bozuks (d.h. Tollköpfe) sind zumeist schlecht bewaffnete Infanteriehorden; vor Ausbruch eines Krieges, bei innern Unruhen etc. erhalten die Gouverneure der Ejalete den Auftrag eine bestimmte Anzahl Mannschaft anzuwerden; die Gouverneure ĂŒbergeben sodann die Werbung in der Regel an StammhĂ€uptlinge od. andere Unternehmer, welche die billigsten Forderungen stellen; von den Werbegeldern erhalten jedoch die Geworbenen den kleinsten Theil, das Meiste behalten Gouverneur u. Unternehmer. Die so geworbenen, undisciplinirten Horden werden gewöhnlich als Vor- u. Sicherheitstruppen, sowie zu den kleinen Diensten des Heeres verwendet, leben hauptsĂ€chlich von PlĂŒnderung u. Erpressung, da ihnen gewöhnlich kein Sold, nur Brod gewĂ€hrt wird, sind theils mehr eine Geisel fĂŒr das eigene Land als ein Schrecken fĂŒr den Feind u. leiden meist sehr durch Desertionen. Im Kriege von 1853 sollen die Baschi-Bozuks 30,000 Köpfe gezĂ€hlt haben. Die muselmĂ€nnischen Freiwilligen, meist Reiterabtheilungen, werden bald Spahis, bald Beduinen etc. genannt; das Hauptcontingent dieser Freiwilligen stellen die arabischen Stamme. Die Leute formiren grĂ¶ĂŸere od. kleinere Trupps unter AnfĂŒhrung ihrer Beys (StammhĂ€upter), welche eine unumschrĂ€nkte Gewalt ausĂŒben u. meist strenge Disciplin aufrecht erhalten; daher sind diese Reiterschaaren gewöhnlich recht brauchbar. Das Erscheinen dieser Freiwilligen hĂ€ngt lediglich von dem guten Willen der Beys ab, welche daher durch Versprechungen od. Geschenke gewonnen werden mĂŒssen. Im letzten Russisch-TĂŒrkischen Kriege gab es etwa 10,000 solcher Freiwilligen. Bei großen politischen Gefahren des Reiches wird die Fahne des Propheten aufgepflanzt u. die GlĂ€ubigen werden zur Vertheidigung des Islam aufgeboten; in solchem Falle lĂ€ĂŸt sich erwarten, daß die moslemitische Bevölkerung sich massenhaft erheben u. die MĂ€ngel der Übung u. Formation durch Fanatismus ersetzend, doch Entscheidendes zu leisten vermag. Die Miriditen sind die katholischen Albanien u. bilden unter ihren HĂ€uptlingen kleine Infanterietrupps, zusammen etwa 1500 geĂŒbte SchĂŒtzen, welche sich stets, bes. aber 1853 bei Oltenitza, vor allen IrregulĂ€ren ausgezeichnet haben. Die Jerli-Toptschis sind eine Art Nationalgarde in den festen PlĂ€tzen, hauptsĂ€chlich zum Artilleriedienst in denselben bestimmt u. von Jugend auf dafĂŒr eingeĂŒbt; der hartnĂ€ckige Widerstand, welchen tĂŒrkische Festungen gewöhnlich leisten, ist zum Theile ihnen zuzuschreiben, da sie mit dem Platze zugleich ihre Habe u. ihre Familien vertheidigen. Die Armeeverwaltung: ErgĂ€nzt wird das Heer durch Conscription, bei welcher das Loos dann entscheidet. Die Stellungspflichtigkeit beginnt mit dem vollendeten 20. Lebensjahre u. erstreckt sich gesetzlich auf die gesammte Bevölkerung, in Wirklichkeit aber fast ausschließlich auf Muhammedaner. Jeder Gestellte kann sich mit der Summe von 5000 Piastern loskaufen. Die Dienstzeit betrĂ€gt 5 Jahre im Nizam, dann 7 Jahre im Redif u. hierauf 5 Jahre in der HijadĂ©. Zum Redif gehört die Mannschaft, welche im Nizam die Dienstzeit vollbracht hat, u. alle jene Stellungspflichtigen, welche fĂŒr diensttauglich befunden, sich aber durch das Loos vom Eintritt in den Nizam befreit hatten. In die HijadĂ© wird nur die Mannschaft eingetheilt, welche aus dem Redif entlassen ist. Die Christen entziehen sich der Aushebung meist durch Zahlung eines Kopfsteuerzuschlages (60–250 Piaster). Die Aushebungscommissionen, aus Offizieren, Ulemas u. Ärzten zusammengesetzt, nehmen in jedem FrĂŒhjahr die Recrutirung vor; doch die schlechte Beamtenwirthschaft, sowie Abneigung der Bevölkerung gegen den Dienst im Heere, sind Hindernisse, welche das AushebungsgeschĂ€ft sehr in die LĂ€nge ziehen; es zeigt sich hie u. da selbst thĂ€tlicher Widerstand gegen die Recrutirung, so daß die Behörden dann förmliche MenschenraubzĂŒge zur Erlangung der nöthigen Anzahl Recruten anwenden. Die Last der HeeresergĂ€nzung tragen fast ausschließlich die Ă€rmeren Klassen der Moslims; sie ist fĂŒr dieselbe um so[14] drĂŒckender, als die vorherrschend von Muhammedanern bewohnten Gegenden relativ geringer bevölkert sind. Das MilitĂ€rbildungswesen steht im Allgemeinen noch auf niedriger Stufe. Von Truppenschulen gibt es nur Batterie- od. Compagnieschulen bei der Artillerie u. beim Geniecorps. In dem Hauptorte jeder Ordu befindet sich eine Vorbereitungsanstalt fĂŒr die beiden Offizierschulen: die allgemeine MilitĂ€rschule, seit 1830 nach der MilitĂ€rschule von St. Cyr gegrĂŒndet, u. die Artillerieschule fĂŒr Artillerie u. Genie. Die Zöglinge dieser beiden Schulen, deren jede 100 zĂ€hlt, treten als Offiziere in die Armee, meist mit bevorzugtem Avancement. Die Mehrzahl der ĂŒbrigen Offiziere geht aus Unteroffizieren hervor. Die Subalternoffiziere werden von den Muschirn, bei der Artillerie u. den technischen Truppen von dem Seraskier, Generale u. Stabsoffiziere von dem Sultan ernannt. In der Regel sollen die Beförderungen nach dem Dienstalter gehen, doch herrscht darin die grĂ¶ĂŸte WillkĂŒr. Der Bedarf der Armee an Pferden wird durch die Truppenkörper mittelst Handeinkauf u. bei dem großen Pferdereichthum ganz im Inlande gedeckt. Die Pferde fĂŒr die Artillerie werden durch Remontedepots beschafft, deren in Rumelien zwei, in Kleinasien eins sich befindet. Außer der vollstĂ€ndigen Bekleidung u. Bewaffnung, Unterkunft, Transportmitteln u. Spitalverpflegung erhalten die MilitĂ€rs Sold u. Naturalverpflegung. An monatlichem Sold wird gewĂ€hrt: einem Gemeinen (Nefer) 4,20 Francs, einem Sergeant 8,40 Frcs., dem Unterlieutenant 35 Frcs., dem Oberlieutenant 42 Frcs., dem Hauptmann 56 Frcs., dem Adjutantmajor 112 Frcs., dem Major 150, Oberstlieutenant 280, Oberst 420, dem Generalmajor 1050, dem Divisionsgeneral 1500, dem Muschir 6000 Frcs.; Rationen erhĂ€lt Jeder bis einschließlich des Oberlieutenants tĂ€glich 1, der Hauptmann 2, der Brigadegeneral 32, der Muschir 128; eine solche Ration ist im Frieden 13 Loth Reis od. GemĂŒse, 15 Loth Fleisch, 54 Loth Brod u. außerdem eine geringe QuantitĂ€t Öl, Butter, Salz u. Holz; im Kriege ist die Ration doppelt so stark. Obwohl mithin die Naturalverpflegung reich bemessen ist, sind die Truppen doch selten gut verpflegt, theils in Folge der ungeordneten FinanzverhĂ€ltnisse des Staates, theils in Folge der Bestechlichkeit der Beamten u. höheren Offiziere; auch der Sold wird oft unregelmĂ€ĂŸig ausgezahlt u. zwar desto öfter, je weiter die Truppe von der Hauptstadt entfernt ist. Im Frieden sind die Truppen in den grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten des Landes in Kasernen untergebracht, welche hĂ€ufig musterhaft sind. Die Kasernen haben große Höfe u. BĂ€der, die Zimmer sind durchgĂ€ngig sehr rein gehalten, wozu die Sitte beim Eintritt die Fußbekleidung abzulegen nicht wenig beitrĂ€gt; die Mannschaft schlĂ€ft auf Teppichen; die Subalternoffiziere sind ebenfalls kasernirt, u. die Offiziere einer Compagnie bewohnen in der Regel ein Zimmer. Im Felde haben die Truppen Zelte. Die Bekleidung wird durch Unternehmer in Constantinopel geliefert u. von hier aus an die Truppen versendet; dabei leiden die Truppen in den entfernteren Provinzen oft am Notwendigsten Mangel. Bekleidungsmagazine gibt es nicht, bei Erhöhung des Truppenbestandes muß Alles neu beschafft werden; nur fĂŒr den Redif sind die Bekleidungen zum Theil in den Hauptorten der Bezirke vorhanden. Permanente SpitĂ€ler gibt es nur in Constantinopel u. in Schumla; in den ĂŒbrigen Garnisonen werden dieselben nach Bedarf errichtet; die Leitung der SpitĂ€ler ist in der Regel europĂ€ischen Ärzten anvertraut; im Frieden ist die Krankenpflege gut, u. die Anstalten zeichnen sich durch Reinlichkeit u. Ordnung aus (das Spital der Garde in Constantinopel ist vielleicht das schönste derartige Etablissement in Europa). Dagegen ist im Kriege die SanitĂ€tspflege ganz unzureichend. Ein geregeltes Fuhrwesen hat die Armee nicht; der Transport der ArmeebedĂŒrfnisse geschieht durch requirirte Saumthiere; der Train tĂŒrkischer Heeresabtheilungen ist im Felde daher zahlreich u. schwerfĂ€llig. Die Bewaffnung des Nizam ist gut; die Gewehre sind gezogen; die SĂ€bel der Cavallerie haben Körbe; fĂŒr den Redif bestehen Waffendepots, nicht aber fĂŒr die irregulĂ€ren Truppen. Die Feldartillerie besitzt ein gutes u. sehr reichliches Material, weniger entsprechend ist die Festungsartillerie; man arbeitet gegenwĂ€rtig daran fĂŒr die Feldartillerie die gezogenen GeschĂŒtze nach dem französischen System La Hitte einzufĂŒhren. Außer den Schulen sind an MilitĂ€retablissements vorhanden: das Artilleriearsenal zu Tophana, die Eisengießerei zu Samakof fĂŒr Marine- u. Festungskanonen, die Waffenfabrik in Zeitum-Burnu, die Pulverfabriken, welche hinreichend gutes Pulver liefern, die Lederfabrik in Beykos u. die Feßfabrik in Ejub. Die Rechtspflege der MilitĂ€rs findet nach einem eigenen Gesetzbuche statt durch ein Gericht, welches aus Offizieren u. Mannschaften, je nach dem Grade der Inquisition, zusammengesetzt ist. Als oberstes MilitĂ€rgericht fungirt eine Abtheilung des Seraskierats unter dem Vorsitze des Molla. Das Disciplinarstrafrecht steht jedem Abtheilungscommandanten zu; als Strafen werden Arrest, Degradirung, selten Stockhiebe (u. nur bei der Mannschaft) angewendet. Die WillkĂŒr, mit welcher frĂŒher die höheren Befehlshaber selbst ĂŒber Offiziere Peitschenhiebe, od. wohl gar auch die Todesstrafe disciplinarisch verhĂ€ngten, ist aus der Armee verschwunden. Uniform ist bei der Infanterie dunkelblauer Waffenrock mit rothen Passepoils, grauer Mantel mit Kapuze, dunkelblaue Pantalons mit rothen Streifen, Schuhe mit Ledergamaschen, Kopfbedeckung ein rother Feß mit einem Messingringe u. blauer Quaste am Scheitel; der Tornister ist aus Kalbfell, Patrontasche u. Bajonnet werden an einem schwarzen Kuppel getragen. Die Offiziere haben goldene Epauletten u. goldene Litzen am Kragen, die Stabsoffiziere auch Goldborden an den Pantalons. Die Zuavenbataillone haben arabische Kleidung: dunkelblauen Spenser u. Weste mit rothen Tressen, rothe Hose, weißen Turban u. als Waffe einen Dornstutzen mit Haubajonnet. Die Cavallerie trĂ€gt dunkelblaue Attilla mit rothen Passepoils, dunkelblaue Weste, als Fußbekleidung Halbstiefel, Feß, Pantalon u. Mantel wie die Infanterie; bewaffnet ist die Cavallerie mit SĂ€bel u. zwei Pistolen, die FlĂŒgelescadronen außerdem mit einem Karabiner, die Mittelescadronen mit einer Lanze. Die berittenen Artilleristen sind der Cavallerie, die unberittenen der Infanterie Ă€hnlich bekleidet. Die berittene Gensdarmerie trĂ€gt einen Stahlhelm, sonst wie die FlĂŒgelescadronen der Cavallerie; die unberittene Gensdarmerie trĂ€gt einen Kalpak (statt des Feß), sonst wie die Infanterie. Der Redif ist ganz wie der Nizam bekleidet, hat jedoch weiße MĂ€ntel. Die wichtigsten Festungen[15] des T-n R-s sind: Tultscha, Matschin, Hirsowa u. Ismail, Rassowa, Silistria, Turtukai, Rustschuk, Nikopoli, Rahowa u. Widdin, sĂ€mmtlich an der Donau; im Balkangebirge Schumla, am Schwarzen Meere Varna, in Serbien Belgrad, Semendria u. Schabatz, in Asien Kars u. Erzerum, außerdem eine große Menge kleiner befestigter PlĂ€tze in Bosnien, der Herzegowina, Albanien etc. u. die Befestigungen am Bosporus u. an den Dardanellen. Die Reglements sind dem französischen nachgebildet. Die Disciplin in der Armee ist im Allgemeinen gut; der tĂŒrkische Soldat ist nĂŒchtern u. mĂ€ĂŸig, sehr gehorsam, treu u. gelehrig; Excesse kommen beinahe nie vor; zwischen Offizieren u. Soldaten besteht große Vertraulichkeit. Die GesammtstĂ€rke der Armee (einschließlich der IrregulĂ€ren), nach ihrer bisher vollendeten Organisation, kann man auf etwa 205,000 Mann berechnen, darunter 35,000 Reiter mit 552 GeschĂŒtzen, wozu noch die HĂŒlfscontingente von Ägypten, Tripolis u. Tunis mit etwa 17,000 Mann (darunter 3000 Reiter) u. 32 GeschĂŒtzen kommen.

Die Kriegsmarine hat in der neueren Zeit wiederholt schwere Verluste erlitten. Bei Navarin wurde sie 1827 beinahe vernichtet; die GrĂŒndung eines selbstĂ€ndigen Griechenlands beraubte sie des besten Theiles ihrer Bemannung; 1840 gingen durch Verrath 22 grĂ¶ĂŸere Fahrzeuge an Ägypten verloren u. bei Sinope wurden 1854 13 Hochbordschiffe zerstört. Immer aber ist die Flotte wieder auf einen achtunggebietenden Stand gebracht worden. Das Marineministerium steht unter dem Kapudan-Pascha (Großadmiral), welchem ein AdmiralitĂ€tsrath beigegeben ist. GegenwĂ€rtig zĂ€hlt die Flotte 126 Kriegsfahrzeuge mit 2607 GeschĂŒtzen. Die Dampfflotte zĂ€hlt 5 Schraubenlinienschiffe, 16 Fregatten, 12 Corvetten, 5 Kanonenboote u. 42 kleine Dampfer, zusammen 80 Fahrzeuge mit 1240 GeschĂŒtzen u. 17,740 Pferdekraft. Die Segelflotte zĂ€hlt 6 Linienschiffe (davon 2 nur als Hafenschiffe brauchbar), 5 Fregatten, 3 Corvetten, 6 GoĂ«letten, 14 Briggs u. 12 Avisos, zusammen 46 Fahrzeuge mit 1367 Kanonen. Die Construction der Schiffe ist sehr gut, meist sind sie in England od. auf inlĂ€ndischen Werften von englischen Ingenieuren erbaut; das Material ist vortrefflich: die Bauhölzer kommen aus Kleinasien, die Masten aus Bulgarien u. den DonaufĂŒrstenthĂŒmern, Segel u. Taue aus Rußland, Eisen u. Kupfer aus den Minen von Samakof u. Tokat. Das Hauptarsenal ist in Constantinopel, kleinere Arsenale u. Werfte befinden sich in Sinope, Egreli, Matalin u. Rhodus. Das Matrosencorps zĂ€hlt 18,000–20,000 Mann u. wird aus den KĂŒstenprovinzen nach denselben GrundsĂ€tzen wie die Landarmee rekrutirt; auch Christen werden fĂŒr die Marine ausgehoben. Die Marineinfanterie besteht aus zwei Regimentern Ă  zwei Bataillonen, jedes Bataillon zu acht Compagnien mit etwa 900 Mann. Die Seeoffiziere ergĂ€nzen sich theils aus den Matrosen, theils aus der Marineschule zu Constantinopel, welche 90 Zöglinge hat. Die Dienstzeit in der Marine dauert acht Jahre. Die bedeutendsten Kriegshafen sind Constantinopel, Galipoli u. Varna. Die Flagge ist roth mit weißem Halbmond, die Kauffartheiflagge roth.

Das Reichswappen (Tenghra) ist ein grĂŒner Schild, mit einem wechselnden silbernen Mond (das Enblem, welches Muhammed II. nach der Eroberung von Constantinopel auf seine Fahnen setzen ließ). Den Schild umstiegt eine Löwenhaut, auf welcher ein Turban mit einer Reiherfeder liegt; hinter demselben sind zwei Standarten mit Roßschweifen schrĂ€g gestellt. Der Sultan fĂŒhrt aber in seinem Wappen seinen u. seines Vaters od. Vorfahren Namenszug mit dem Beisatze: unĂŒberwindlicher Kaiser u. einer Blume aus sechs BlĂ€ttern als Beizeichen. Die Orden im T-n R-e sind: der 1799 gestiftete Orden des halben Mondes (fĂŒr Verdienste von AuslĂ€ndern) in drei Klassen, wozu noch eine Medaille kommt; der Orden des Ruhms (Nifschani iftichar), 1831 gestiftet, in vier Klassen; der 1852 gestiftete Medschidiaorden mit fĂŒnf Klassen. Außerdem gibt es eine Ehrenmedaille fĂŒr die Teilnehmer an der Schlacht von Abukir (fĂŒr die englischen MilitĂ€rs in Gold) mit der tĂŒrkischen Chiffre Selim III., ferner vier silberne Kriegsmedaillen von 1856 fĂŒr Silistria, Kars, die Krim u. eine allgemeine Kriegsmedaille (die letztere fĂŒr Offiziere in Gold). Sonst bestehen als Auszeichnungen Ehrenkaftane u. EhrensĂ€bel.

Über Acker-, GemĂŒse-, Obst-, Wein-, Ölbau, ĂŒber Viehzucht, Bergbau etc. der TĂŒrken s. oben S. 6. Die gewerbliche ThĂ€tigkeit findet im T-n R-e noch ganz nach alter Art statt. Mit Ausnahme der fĂŒr den tĂ€glichen Verkehr unentbehrlichen Gewerbszweige sind die ĂŒbrigen auf gewisse Orte u. gewisse Personen beschrĂ€nkt. Von der Regierung gar nicht unterstĂŒtzt, durch die wachsende Einfuhr fremder Fabrikate in jeder Weise gehemmt, ist die Industrie auf sehr enge Gebiete gewiesen, wenn nicht vom Untergange bedroht, wie dies mit einigen Artikeln schon wirklich der Fall ist. In frĂŒheren Zeiten bezog das Abendland eine Menge kostbarer Stoffe aus dem T-n R-e; jetzt haben die dortigen Fabriken nicht allein ihre auswĂ€rtigen KĂ€ufer verloren, sondern sie stoßen im eigenen Lande auf fremde Waaren, welche besser u. wohlfeiler als die heimischen Erzeugnisse sind. Es gibt WindmĂŒhlen, bes. am ÄgĂ€ischen Meere u. auf den Inseln; WassermĂŒhlen, gewöhnlich mit Turbinen, sind weniger vorhanden, als man bei der großen Menge von GebirgswĂ€ssern vermuthen sollte; im Innern des Landes werden meist HandmĂŒhlen angewendet, doch hat die neueste Zeit auch DampfmĂŒhlen gebracht; so gibt es auch SĂ€ge-, Walk-, Tabaks- u. PulvermĂŒhlen. Viele Handwerker in der TĂŒrkei, Zimmerleute od. Bauhandwerker (denn eigentliche Maurer gibt es nicht, s. oben), Tischler, Sattler, Töpfer, Buchbinder etc., stehen noch auf einer sehr niedern Stufe, da sie nur nach tĂŒrkischer Weise arbeiten; selbst die Schneider u. Schuster arbeiten schlecht, die feineren Kleider liefern europĂ€ische Arbeiter, gut sind dagegen die BĂ€cker, PastetenbĂ€cker, Fleischer u. Metallarbeiter, bes. Kessel-, Blech-, Messer- u. Klingenschmiede, welche treffliche Arbeit (vgl. Damasciren) liefern. Bes. geschickt sind die Gerber, namentlich in Saffian u. Corduan. Auch Weberei von grobem Tuch u. Seide, so wie Stickerei (von Frauen gefertigt) verstehen die TĂŒrken gut, können aber mit fremden Fabriken nicht Preis halten; Shawls fertigt man in der TĂŒrkei nicht, sondern erhĂ€lt die sogenannten TĂŒrkischen Shawls von Persien u. Kaschemir, die ordinĂ€ren von England. Die tĂŒrkischen Teppiche sind berĂŒhmt, eben so die Echtheit ihrer Farben, Posamentirerarbeiten liefern bes. die Griechen u. Juden. Die Luladgiler, Leute, welche Pfeifenköpfe[16] aus Siegelerde od. Meerschaum schneiden, sind sehr zahlreich; Branntwein destilliren die Griechen aus Zwetschen, der Liqueur kommt aber aus Europa, Rosenwasser u. Rosenöl wird bes. in Thracien bereitet, Seife wird viel verfertigt; Pottasche u. Salpeter wird bes. im Norden der EuropĂ€ischen TĂŒrkei gewonnen, ebenso Seesalz an den Maremmen des AgĂ€ischen u. Schwarzen Meeres, Steinsalz in der Walachei, viel wird auch eingefĂŒhrt, Holzkohlen in Macedonien u. Bosnien bereitet, Papier nur in wenigen Fabriken, in Smyrna, Constantinopel u. in Serbien, alles andere eingefĂŒhrt. Die verschiedenen Handwerke (Sahanat) bilden eigene ZĂŒnfte (Esnat), von denen jede unter ihrem Usta Baschi steht, welcher die Gerichtsbarkeit ĂŒbt, sie bei den Behörden vertritt u. das Mittelglied zwischen beiden ist, auch selbst zu den Ortsbehörden gehört, doch sind die ZĂŒnfte nicht so scharf geschieden wie in Europa. FĂŒr AuslĂ€nder sind die Gewerbe von Staatsabgaben frei, jedoch mĂŒssen diejenigen, welche auch von Einheimischen zunftmĂ€ĂŸig betrieben werden, an diese Gewerke eine kleine Abgabe geben. Schlosser, Schmiede, Klempner, Tischler, Kunstdrechsler, Sattler u. Riemer, Wagenbauer, Uhrmacher, Gold- u. Bijouteriearbeiter, Lithographen etc. sind sĂ€mmtlich AuslĂ€nder. Producte der gewerblichen ThĂ€tigkeit des T-n R-s waren auch auf den Ausstellungen in London u. Paris vertreten u. neuestens war sogar eine Industrieausstellung in Constantinopel veranstaltet. Sowohl der Land- als Seehandel sind im T-n R. von grĂ¶ĂŸter Wichtigkeit, aber das Haupthinderniß fĂŒr den ersteren sind die schlechten Verkehrsmittel, u. so entspricht denn der Umfang des Handels der GrĂ¶ĂŸe des Reichs keineswegs. Obwohl schon 1847 vom Sultan angeordnet worden ist, daß alle Beamte sich aufs thĂ€tigste mit Verbesserung der Communicationen u. namentlich mit Herstellung eines Systems von Straßen nach den großen Mittelpunkten des Verkehrs im Reiche beschĂ€ftigen sollen, gibt es doch noch nicht so viele Kunststraßen, wie in einem der Mittelstaaten Deutschlands, die meisten Wege sind nur Saumpfade, auf einzelnen kurzen Strecken gepflastert. Eisenbahnen hat man kurze Strecken erst in allerneuester Zeit angelegt. Von grĂ¶ĂŸtem Nutzen fĂŒr den Binnenverkehr, welcher fast ausschließlich durch Tragthiere (in Asien namentlich Kameele) betrieben wird, sind die Messen u. MĂ€rkte, von denen die wichtigsten zu Usundschowa in Thracien (23. Sept. bis 2. Oct.), Seres, Folticzeny (Moldau), Nevrocope u. Marassia (Thracien), Scharkoi, Karusa u. Giuma (Bulgarien), Kumi u. Fersala (Thessalien). Der Handel von Mittel- u. Westeuropa mit dem T-n R. befindet sich vorzugsweise in den HĂ€nden der AuslĂ€nder, von denen die Griechen einen zahlreichen Bestandtheil ausmachen; im Levantiner u. KĂŒstenhandel hingegen sind auch viele tĂŒrkische Unterthanen, namentlich Griechen, Armenier u. Bulgaren, beschĂ€ftigt. Bankiers u. Wechsler sind fast nur Armenier u. Griechen, in deren HĂ€nden sich auch fast ausschließlich der Binnenhandel befindet. Hinsichtlich des Umfanges des Handelsverkehrs mit dem Auslande fehlen officielle Nachrichten; doch haben ihn die bedeutendsten Statistiker zu schĂ€tzen versucht u. die Einfuhr zu etwa 70 Mill., die Ausfuhr zu 60 Mill. Thalern berechnet, wobei in erster Linie England, Österreich mit Deutschland u. Frankreich, in Asien aber Persien vertreten sind. AusgefĂŒhrt werden besonders: Vieh, bes. Schweine (bis Elsaß), Schöpfe, Wolle, Ziegenhaare, rohe Seide, Baumwolle, Öl, Oliven, Reis, Tabak, Kaffee, Haute u. Felle (vom BĂ€r, Dachs, Luchs u. Hasen), Honig, Wachs, Spanischer Pfeffer, Rosinen, getrocknete Zwetschen, Eichen-, Cedern- u. Buchsbaumholz, FĂ€rbehölzer, GallĂ€pfel, Knoppern, gefĂ€rbtes Garn, Schildkrötenschalen, Kermes, wohlriechende Pasten u. Rosenwasser, Seife, Pottasche, Blutegel. EingefĂŒhrt werden besonders: Getreide, Metalle, bes. Eisen u. Stahldraht, Shawls, Luxusartikel aller Art, seines u. Mitteltuch, Baumwollenzeuge, Colonialwaaren, Töpfe, Porzellan u. Fayence, Glas u. Glaswaaren, Spiegel, Holz- u. Spielwaaren, Pulver, Munition, Waffen, Uhren, Bronzewaaren, Spitzen, Leinwand, Papier, Esel u. Maulesel etc. Die bedeutendsten HandelsplĂ€tze sind: Constantinopel, Adrianopel, Salonich, Galatz, Ibraila, Jassy, Bukarest u. Varna in Europa, Trapezunt, Smyrna u. Beirut in Asien, Alexandrien u. Kairo in Afrika. Die Grundlage des jetzigen handelspolitischen Systems der Pforte ist der unterm 16. Aug. 1838 (mit ZusĂ€tzen von 1841) mit England abgeschlossene Handels u. Schifffahrtsvertrag, nach welchem die VertrĂ€ge mit Frankreich (1838 u. 1840), mit den HansestĂ€dten (1839), Belgien (1839), Sardinien (1839 u. 1854), Schweden u. Norwegen (1840), Spanien (1840), Niederlande (1840), dem Deutschen Zollverein (1840 u. 1850), DĂ€nemark, Neapel, Portugal, Rußland u. Griechenland (1855) gefolgt sind. Mit Österreich besteht ein Handelsvertrag seit 1784, mit Nordamerika seit 1830. Zur Förderung des Handels hat man auch Banken errichtet, zuerst 1848 in Constantinopel, dann in Smyrna, Jassy, Belgrad, Bukarest etc. RegelmĂ€ĂŸige Dampfschiffverbindungen werden unterhalten durch den österreichischen Lloyd, die französische Mesagerie Imperiale, durch englische, russische u. italienische Dampfer, sowie durch die Donaudampfschifffahrtsgesellschaft. Das Postwesen ist seit 1840 neu eingerichtet. Die Postverbindungen mit dem Auslande sind gut u. verhĂ€ltnißmĂ€ĂŸig wohlfeil, weil sie durch die Regierungen von Österreich u. Rußland landwĂ€rts u. durch die Lloydgesellschaft in Triest u. die französische Mesagerie Imperiale ĂŒber Marseille bewirkt werden. Die Hauptpostlinien sind: von Constantinopel ĂŒber Adrianopel nach Sophia, von Constantinopel nach Salonich u. von hier nach Janina u. Skutari. In Constantinopel u. Belgrad sind österreichische PostĂ€mter; s.u. Post S. 428. In Asien ist eine regelmĂ€ĂŸige Postverbindung noch nicht hergestellt u. Briefe werden durch Boten (Tataren) gesendet. Eisenbahnen hat das T. R. erst seit allerneuester Zeit u. erst einige kurze Strecken (von Smyrna nach Aidin, von Tschernawoda nach Kustendsche u. zwischen Constantinopel u. Adrianopel), doch sind grĂ¶ĂŸere Strecken noch projectirt. Telegraphenlinien bestehen mehre u. zwar ist Constantinopel verbunden mit Varna (u. von hier mit der Krim), u. mit dem russischen System, ferner ĂŒber Belgrad u. Bukarest mit den österreichischen Linien, mit Smyrna, Salonichi etc. WirthshĂ€user: nach Art der europĂ€ischen nur in den grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten, die Karawanserais u. Hans (s. b.) sollen sie ersetzen, doch findet man nichts als Wasser, die vier Mauern u. Obdach.

MĂŒnzen, Maße u. Gewichte. Gerechnet wird im ganzen Reiche nach tĂŒrkischen Piastern (bei den TĂŒrken selbst Grusch) zu 40 Paras Ă  3 Asper[17] also zu 120 Asper, man theilt jedoch auch den Piaster in 100 Asper od. Minas; der Werth dieses Piasters ist aber in neuerer Zeit immer schlechter geworden u. wĂ€hrend er 1764 221/2 Sgr. (3/4 Thlr. preuß.), 1822 aber noch 5 Sgr. 6 Pf. betrug, kommen jetzt 5 Piaster auf 1 Franc, also 1 Piaster = 1 Sgr. 8 Pf.; große Summen werden nach Beuteln (Keser), s.d., zu 500 tĂŒrkischen Piastern bestimmt; der Beutel Gold (Kitze od. Chise) zu 30,000 tĂŒrkischen Piastern, frĂŒher auch wohl zu 15,000 Zechinen, ist nur bei Geschenken gewöhnlich. Juk, Juck od. Jux soll eine Summe von 100,000 Aspern, nach Ă€lteren Angaben von 12 Beuteln bedeuten. Wirklich geprĂ€gte MĂŒnzen: a) Ă€ltere MĂŒnzen in Gold: Fonduks (Sequins od. Zechinen) zu 5, halbe zu 21/2 u. viertel zu 11/4 alten od. Goldpiaster, die 5 PiasterstĂŒcke von 1835 (581 StĂŒck auf die Rauhe, 697,2 auf die Feine Mark, 20 Karat sein) heißen MemduhiĂ©-RoudiĂ«si; AltĂŒns (Zerimahbubs, Zermahbubs, auch Zindsjerli) zu 31/2 u. halbe zu 13/4 Piaster, neuere Onekilik zu 12, Onlik zu 10, Jeremilik zu 20, Kirklik zu 40 Piaster. Die gegenwĂ€rtig allein ausgeprĂ€gten GoldmĂŒnzen sind StĂŒcke zu 100 u. 50 Piaster. b) Ältere MĂŒnzen in Silber: Piaster od. Grusch zu 40 Paras, Iselota od. Doppel-Zolota (Almichlek, Altmischlik) zu 11/2, Ikilik (Ikigrusch) zu 2, Juzlik od. Juspara zu 21/2 Piaster; kleinere MĂŒnzen: Solota (Zolota) zu 30, Jarimlik (Ighirmischlik) zu 20, Onbeschlik (1/2 Zolota) zu 15, Onlik (Onpara) zu 10, Beschlik (Beslik) zu 5 Para, Paras zu 3 Asper u. Asper (Ahdsje), welche weggeblasen werden können. Die gegenwĂ€rtig im Verkehr befindlichen SilbermĂŒnzen sind StĂŒcke zu 20, 10, 5, 2, 1 u. 1/2 Piaster. c) KupfermĂŒnzen gibt es zu 1, 5, 10 u. 20 Para. Alle Ă€lteren MĂŒnzen zieht die Regierung ein. Papiergeld sind die KaĂŻmĂ©, welche gegenwĂ€rtig ebenfalls eingezogen werden, u. die Essam (Singuler Sehim), welche als Schatzobligationen an Lieferanten ausgegeben werden. Maße: LĂ€ngenmaße: die DraĂĄ, Pik, Elle fĂŒr Seidenwaaren u. TĂŒcher ist = 3/4 englische Yard, 0,6557876 Meter od. 304 Pariser Linien, 100 solche DraĂ s = 102,826 preußische Ellen; die Endaseh (HendazĂ©h) fĂŒr alle ĂŒbrige Mannfacte ist = 0,6525 Meter od. 289,235 Pariser Linien, 100 Endaseh = 98,830 preußische Ellen; der Halebi od. Arschin der Feldmesser ist = 27,9 englische Zoll = 0,708647 Meter od. 314,140 Pariser Linien, 100 Halebi = 106,254 preußische Ellen; die tĂŒrkische Meile, Agatsch, ist = 0,72 od. ungefĂ€hr 3/4 geographische Meile, 205/6 auf den Grad des Äquators; von einer andern Meile, Bern, sollen 75,3, nach Andern 662/3, von den tĂŒrkischen Seemeilen 842/3 u. dem armenischen Farsang 25 auf den Grad des Äquators gehen. Getreidemaß: der Fortin hat 4 KilĂł (Kisloz, KilĂłts), der KilĂł ist = 35,266 Liter, 100 KilĂłs = 64,165 preußische Scheffel; der KilĂł Reis soll 10, der KilĂł Korn 21–24 Oka wiegen; seit dem 17. Nov. 1841 ist der KilĂł von Constantinopel allgemein fĂŒr das ganze Reich eingefĂŒhrt u. der von Smyrna, Saloniki etc. sind aufgehoben, 3 KilĂłs in Constantinopel = 2 KilĂłs in Smyrna, 4 KilĂłs in Constantinopel = 1 KilĂł in Saloniki. FlĂŒssigkeiten werden meist nach dem Gewicht, der Oka etc. verkauft, im Kleinhandel ist fĂŒr die Oka ein entsprechendes Maß, ungefĂ€hr wie das Wiener Seidel, gewöhnlich; die Alma od. Almud fĂŒr Öl hĂ€lt 5,20466 Liter, sie soll 8 Oka wiegen, 100 Alma = 454,543 preußische Quart, sie wird auch fĂŒr einige andere FlĂŒssigkeiten gebraucht. Gewichte: der Kantar (Centner, Cantaro) hat 44 Oke, auch 100 Rottel (Rotoli, Pfund, blos in Rechnungen gewöhnlich); die Oka (Ocka, im Plural Oke, Ocche) hat 400 Drachmen (Derhem, Dram) u. wiegt 1278,48 Gramm od. 26,000 hollĂ€ndische As, 100 Oke = 273,348 preußische Pfund; der Kantar Baumwollengarn wird zu 45 Oke gerechnet. Gold-, Silber-, Juwelen- u. Medicinalgewicht: das Cheky (Tscheki, Scheki), genau 1/4 Oka, hat 100 Derhems Ă  16 Killo od. Kara (Karat) Ă  4 GrĂ€n, 1 Cheky = 319,62 Gramm od. 6650 hollĂ€ndische As, 100 Cheky = 136,674 preußische Mark. Andere kostbare Waaren werden nach Metikal od. Medikal zu 11/2 Drachme gewogen, der Batman persische Seide hat 6 Oke, der Teffeh Seide von Brussa hĂ€lt 610 Drachmen, ein Cheky Opium ist 250 Drachmen od. 21/2 gewöhnliche Cheky, fĂŒr Kameelhaar 800 Drachmen, also 8 gewöhnliche Cheky od. 2 Oke; Mazzo bedeutet 50 StĂŒck bei zĂ€hlenden GĂŒtern.

Vgl. J. H. Stöber, Historisch-statistische Beschreibung des Osmanischen Reichs, Hamb. 1784; P. W. G, Hausleutner, Das T. R. nach seiner Geschichte, Religions- u. Staatsverfassung, Sitten etc., Stuttg. 1788; von Tott, MĂ©moires sur les Turcs et les TĂĄrtares, Amsterd. 1785, 3 Thle. (deutsch mit von Peysonels Verbesserungen u. ZusĂ€tzen, NĂŒrnb. 1788–89, 2 Thle.); W. Eton, Schilderung des T-n R-s, aus dem Englischen von J. A. Bergk, Lpz. 1805; G. A. Olivier, Reise durch die TĂŒrkei, Ägypten, Syrien u. Mesopotamien, aus dem Französischen von J. A. Bergk, Lpz. 1805, 2 Thle., von Sprengel u. Ehrmann, Weim. 1802–1808, 3 Bde.; Poucqueville, Reise durch Morea u. Albanien nach Constantinopel u. mehre andere Theile des Osmanischen Reichs, aus dem Französischen von K. L. M. MĂŒller, Lpz. 1805, 3 Bde.; Th. Thornton, Das T. R. in allen seinen Beziehungen, aus dem Englischen ĂŒbersetzt von F. Herrmann, Hamb. 1808; K. A. von Gruber, Das Osmanische Reich geographisch, statistisch u. geschichtlich dargestellt, Wien 1812; J. von Hammer, Die Staatsverfassung u. Staatsverwaltung des Osmanischen Reichs, ebd. 1815–1816, 2 Bde.; A. E. Castellan, Sitten, GebrĂ€uche u. Trachten der Osmanen, Lpz. 1815, 3 Bde.; H. von Forbin, Reise nach dem Morgenlande, aus dem Französischen ĂŒbersetzt von F. L. Rammstein, Prag 1823–25, 4 Lieferungen; J. Carne, Letters from the East, Lond. 1826, 5 Bde. (deutsch als Leben u. Sitte im Morgenlande, auf einer Reise nach Constantinopel durch das griechische Inselmeer, Ägypten, Syrien u. PalĂ€stina etc., von W. A. Lindau, Dresden 1826–27, 4 Thle.); d'Aubignosc, La Turquie nouvelle jugĂ©e au point oĂč l'on amenĂ©e les rĂ©formes du Sultan Mahmoud, Par. 1829, 2 Bde.; Slade, Travels in Turkey 1829–31, 2. Aufl. Lond. 1833, 2 Bde.; Urquhart, Turkey and its resources, Lond. 1833; Frederick Smith, The present state of the Turkish empire, Lond. 1839 (ursprĂŒnglich französisch vom Marschall Marmont); Ami BouĂ©, Esquisse gĂ©ologique de la Turquie d'Europe, Par. 1840; Derselbe, La Turquie d'Europe, ebd. 1840, 4 Bde.; Reid, Turkey and the Turks, Lond. 1840; B. Poujoulat, Voyage Ă  Constantinople, dans l'Asie mineure etc., ebd. 1840, 2 Bde.; EusĂšbe de Salle, PĂ©rĂ©grinations en Orient historiques et politiques pendant les annĂ©es[18] 1837–40, ebd 1840, 2 Bde.; Geographisch-statistische Übersicht des Osmanischen Reichs in Europa u. Asien etc., Lpz. 1844; Rigler, Die TĂŒrkei u. deren Bewohner, Wien 1852; A. von BessĂ©, Das TĂŒrkische Reich, Lpz. 1854; Wantery, On the religion, manners, customs and constitution of the Turk. empire, Lond. 1850; Michelsen, The Ottoman empire, 2. Ausg. Lond. 1854; Ubicini, Lettres sur la Turquie, Par. 1853; Derselbe, La Turquie actuelle, Par. 1855; Tchihatcheff, Lettres sur la Turquie, BrĂŒssel 1859; Joanne u. Isambert, Itineraire descript., hist. et archĂ©ol. de l'Orient, Par. 1861.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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